Stiftung Duisburg 24.7.2010: Sechster Jahrestag der Loveparade-Katastrophe

Aufarbeitung und Aufklärung weiterhin nötig:
Die Wunden heilen sonst nicht

Von Petra Grünendahl

Stiftung Duisburg 24.7.2010 - Pressekonferenz zum sechsten Jahrestag der Loveparade (v. l.): Birgit Nellen (Stiftungsvorstand), Dr. Jürgen Thiesbonenkamp (Kuratoriumsvorsitzender), Pfarrer Jürgen Widera (Stiftungsvorstand) und Angelika Köhler (Stifungsmitarbeiterin). Foto: Petra Grünendahl.

Stiftung Duisburg 24.7.2010 – Pressekonferenz zum sechsten Jahrestag der Loveparade (v. l.): Birgit Nellen (Stiftungsvorstand), Dr. Jürgen Thiesbonenkamp (Kuratoriumsvorsitzender), Pfarrer Jürgen Widera (Stiftungsvorstand) und Angelika Köhler (Stifungsmitarbeiterin). Foto: Petra Grünendahl.

„Die Angehörigen und Betroffenen brauchen die Aufklärung – wenn nicht juristisch, dann durch eine Untersuchungskommission“, erklärte Dr. Jürgen Thiesbonenkamp, Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung „Duisburg 24.7.2010“. Die Frage nach dem „Warum?“ ist auch sechs Jahre nach der Katastrophe der Loveparade 2010 nicht geklärt. Eine juristische Aufarbeitung der Geschehnisse könnte es nur geben, wenn das Oberlandesgericht Düsseldorf (hier … und hier …) die Nichtzulassung der Klage des Landgerichts Duisburg (hier die Fakten … und hier der Kommentar …) aufhebt. Sollte dies nicht geschehen, fordern die Vertreter der Stiftung im Namen von Angehörigen und Betroffenen eine unabhängige Aufklärung, die nicht nach strafrechtlicher Verantwortung sucht, sondern neutral untersuchen kann, was damals schief gelaufen ist und was letztendlich zur Katastrophe geführt hatte.

Stiftung Duisburg 24.7.2010 - Pressekonferenz zum sechsten Jahrestag der Loveparade (v. l.): Friedhelm Scharff (Vater), Richard Bannert (Notfallseelsorge), Ulrike Stender (Diakonie), Edith Jakubassa (Mutter), Angelika Köhler (Stifungsmitarbeiterin), Birgit Nellen (Stiftungsvorstand), Dr. Jürgen Thiesbonenkamp (Kuratoriumsvorsitzender) und Pfarrer Jürgen Widera (Stiftungsvorstand). Foto: Petra Grünendahl.

Stiftung Duisburg 24.7.2010 – Pressekonferenz zum sechsten Jahrestag der Loveparade (v. l.): Friedhelm Scharff (Vater), Richard Bannert (Notfallseelsorge), Ulrike Stender (Diakonie), Edith Jakubassa (Mutter), Angelika Köhler (Stifungsmitarbeiterin), Birgit Nellen (Stiftungsvorstand), Dr. Jürgen Thiesbonenkamp (Kuratoriumsvorsitzender) und Pfarrer Jürgen Widera (Stiftungsvorstand). Foto: Petra Grünendahl.

In einem Pressegespräch erklärten die Vorstände der Stiftung „Duisburg 24.7.2010“, Pfarrer Jürgen Widera und Birgit Nellen, zusammen mit dem Kuratoriumsvorsitzenden Dr. Jürgen Thiesbonenkamp (ehemaliger Vorstand der Kindernothilfe) die Planungen für den sechsten Jahrestag. Ihnen standen für weitere Ausführungen Kuratoriumsmitglied Ulrike Stender (Diakonie) und Richard Bannert, evangelischer Diakon und Notfallseelsorger, sowie die Angehörigen des Duisburger Todesopfers Marina, Mutter Edith Jakubassa und Stiefvater Friedhelm Scharff, zur Seite. Ein Gedenkgottesdienst in der Salvatorkirche am Vorabend (geschlossene Gesellschaft) bildet für Angehörige und Betroffene den Auftakt des diesjährigen Gedenkens, der als Veranstaltung etwas kompakter ausfällt. Eine öffentliche Gedenkfeier wird es – anders als in Vorjahren – nicht geben. Das sei der Wunsch der Angehörigen und Betroffenen gewesen, sagte Thiesbonenkamp. Die Stiftung richtet den Jahrestag in diesem Jahr zum ersten Mal aus. Bislang war die Organisation in jedem Jahr über andere Stellen gelaufen.

Bilanz nach einem Jahr: Stiftung Duisburg 24.7.2016

Gedenktstätte für Opfer der Loveparade 2010 in Duisburg am Alten Güterbahnhof.  Foto: Petra Grünendahl,

Gedenktstätte für Opfer der Loveparade 2010 in Duisburg am Alten Güterbahnhof.
Foto: Petra Grünendahl,

Gedenktstätte für Opfer der Loveparade 2010 in Duisburg am Alten Güterbahnhof.  Foto: Petra Grünendahl,

Gedenktstätte für Opfer der Loveparade 2010 in Duisburg am Alten Güterbahnhof.
Foto: Petra Grünendahl,

Gedenktstätte für Opfer der Loveparade 2010 in Duisburg am Alten Güterbahnhof.  Foto: Petra Grünendahl,

Gedenktstätte für Opfer der Loveparade 2010 in Duisburg am Alten Güterbahnhof.
Foto: Petra Grünendahl,

Drei satzungsgemäße Aufgaben erfüllt die Stiftung: Planung und Realisierung der jährlichen Gedenkfeiern, Pflege der Gedenkstätte und – nach wie vor bitter nötig – Hilfen für Betroffene. „Auch heute melden sich noch Leute, die uns bislang völlig unbekannt waren. Menschen, die dachten, nachdem sie wieder körperlich gesund waren und arbeiten konnten, sie hätten es überstanden“, erzählte Angelika Köhler, hauptamtliche Mitarbeiterin der Stiftung, die über die Kontaktstelle der Stiftung (im Haus der Evangelischen Kirche, Am Burgacker 14 – 16, Terminvereinbarung unter Telefon 0176 / 21101991) Hilfen vermittelt. „Über ein Psychotherapeuten-Team in Frankfurt können wir jetzt Therapieplätze vermitteln“, erzählte Ulrike Stender. Erst seit kurzem arbeitet die Stiftung mit den Frankfurtern, aber einen ersten Erfolg konnte Stender schon vermelden: Einem Duisburger sei innerhalb von nur zweieinhalb Wochen hier ein Platz vermittelt worden, was sonst – gerade in Duisburg mit seiner schlechten Versorgung an Psychotherapeuten – eher sechs bis zwölf Monate dauert.

Auch eine Selbsthilfegruppe unter Leitung einer Psychologin gebe es in Duisburg seit Mai wieder, erzählte Angelika Köhler. Die dritte Sitzung finde nach dem Jahrestag am 12. August statt, die Gruppe müsse aber unter Betroffenen noch bekannter gemacht werden. Bislang würden fünf Leute teilnehmen, aber der Bedarf sei natürlich nach wie vor höher. Um alle diese Arbeiten zu finanzieren, ist die Stiftung auch auf Spenden angewiesen. „Ich habe letztens auf einer Hochzeit eine Spende eingeworben, als das Brautpaar fragte, für wen sie denn die Kollekte geben sollten“, erzählte Pfarrer Jürgen Widera. Mit Sicherheit eine gute Entscheidung des Brautpaares: Viele Betroffene, aber auch Angehörige haben mit den Geschehnissen noch nicht abgeschlossen. Zumal Traumata auch immer wieder aufbrechen können.

Sonntag, 24. Juli: Planungen für den Jahrestag

Gedenktstätte für Opfer der Loveparade 2010 in Duisburg am Alten Güterbahnhof.  Foto: Petra Grünendahl,

Gedenktstätte für Opfer der Loveparade 2010 in Duisburg am Alten Güterbahnhof.
Foto: Petra Grünendahl,

Ab 15 Uhr wird die Durchfahrt durch die Unterführung Karl-Lehr-Straße für den Autoverkehr gesperrt. Die Sperrung wird erst nach Abschluss der „Nacht der 1000 Lichter“ wieder aufgehoben. Ab 16.30 Uhr bekommen nur ein geschlossener Personenkreis von Angehörigen der Todesopfer und angemeldeten Betroffenen des Unglücks Zugang zur Gedenkstätte, wo sie sich ab 17 Uhr zu einem Kreis des stillen Gedenkens versammeln. Dieses stille Gedenken wird aller Voraussicht nach eine gute halbe Stunde dauern, danach wird auch die Öffentlichkeit wieder auf die Gedenkstätte gelassen. Ab 21 Uhr findet die „Nacht der 1000 Lichter“ statt, die früher den Vorabend zum 24. Juli begleitet hatte. Diese geht dann bis weit in die Dunkelheit.

 
 

Gedenktstätte für Opfer der Loveparade 2010 in Duisburg am Alten Güterbahnhof.  Foto: Petra Grünendahl,

Gedenktstätte für Opfer der Loveparade 2010 in Duisburg am Alten Güterbahnhof.
Foto: Petra Grünendahl,

Die Stiftung Duisburg 24.7.2010
Fünf Jahre nachdem am 24. Juli 2010 auf der Loveparade in Duisburg 21 junge Menschen ums Leben kamen, 500 weitere zum Teil schwer verletzt und viele traumatisiert worden waren, wurde auf Initiative von Hinterbliebenen und Überlebenden die Gründung einer Stiftung angeregt. Aufgabe der Stiftung ist es in erster Linie, die Unterstützung und Beratung von Hinterbliebenen und Betroffenen sowie die Pflege der Gedenkstätte und die Organisation der jährlichen Gedenkfeier für die Zukunft zu sichern. Das Kuratorium – Jutta Stolle (Franz Haniel & Cie.), Peter Gasse (HKM-Geschäftsführer), Johannes Pflug (ehemaliger SPD-Bundestagsabgeordneter), Ulrike Stender (Diakonie) und Dr. Jürgen Thiesbonenkamp (ehemaliger Vorstand der Kindernothilfe) – verbürgt sich für die satzungsgemäße Verwendung der Finanzmittel. Duisburg und seine Stadtgesellschaft bekennen sich damit zur Verantwortung für die Folgen der Katastrophe.
Quelle: https://www.stiftung-duisburg-24-7-2010.de
Kontakt: Stiftung Duisburg 24.7.2010
c/o Haus der Evangelischen Kirche,
Am Burgacker 14–16, 47051 Duisburg
eMail info@stiftung-duisburg-24-7-2010.de

© 2016 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Joachim Schneider: „Außergewöhnliche Museen am Niederrhein“ als Ausflugsführer im Sutton Verlag

Vom Reiz der kleinen Museen: Wo die
Ausstellungsstücke nur ein Teil der Faszination sind

Von Petra Grünendahl

"Vorsicht, Bienenhaus": Das Bienenmuseum in Rumeln-Kaldenhausen (Duisburg). Foto: Petra Grünendahl.

„Vorsicht, Bienenhaus“: Das Bienenmuseum in Rumeln-Kaldenhausen (Duisburg). Foto: Petra Grünendahl.

„Die Biene Maja ist gar keine Biene: Mit ihrem schwarz-gelben Aussehen ist sie eine Wespe. Bienen sind dunkel, eher braun“, erklärte Michael Vedder vom Kreisimkerverband Duisburg e.V., der uns durch das Bienenmuseum des Vereins in Rumeln-Kaldenhausen führt. Er erzählte uns von Bienen und Wespen und worin sie sich unterscheiden. Hier offenbart sich, was solche kleinen Museen wie dieses auf dem Schulgelände des Albert-Einstein-Gymnasiums an der Schulallee auszeichnet: Das Engagement von Menschen, die ihr Hobby, ihre Leidenschaft anderen Menschen näher bringen. Menschen, die ihr Wissen teilen und jeden Museumsbesucher mit einer Führung in die Geheimnisse ihrer Sammlung einweihen. Im Mittelpunkt steht der Museumsbesucher, der mit der Ausstellung nicht alleingelassen wird. Neben festen Öffnungszeiten mittwochs und samstags nachmittags können zum Beispiel im Bienenmuseum nach Absprache auch eigene Termine für Gruppen vereinbart werden. Vereinsmitglieder führen diese dann durch die Sammlung.

Joachim Schneider stellte sein Buch "Außergewöhnliche Museen am Niederrhein im Bienenmuseum in Rumeln-Kaldenhausen (Duisburg) vor. Foto: Petra Grünendahl.

Joachim Schneider stellte sein Buch „Außergewöhnliche Museen am Niederrhein im Bienenmuseum in Rumeln-Kaldenhausen (Duisburg) vor. Foto: Petra Grünendahl.

Der Duisburger Autor Joachim Schneider kennt sich aus in Duisburg und am Niederrhein. Früher hat er mit seinem heute 21-jährigen Sohn häufig Museen in der Region und im Ruhrgebiet besucht. Er hat sich auf die Suche nach solchen Schätzchen gemacht, die nicht unserer alltäglichen Vorstellung von einem Museum entsprechen. Gefunden hat er viele kleine „Museen“ und Sammlungen, die Menschen mit viel Engagement und Herzblut ehrenamtlich zusammen getragen haben und in einem zeitlich begrenzten Rahmen für Interessierte zugänglich machen. Manche dieser Museen haben feste Öffnungszeiten, die sich allerdings immer auf wenige Stunden in der Woche beschränken. Andere werden ausschließlich nach Vereinbarung geöffnet. Festes Personal gibt es nirgends, alles wird ehrenamtlich auf die Beine gestellt.

 

Schatzkammern entdecken

Schon im Außenbereich des Bienenmuseums in Rumeln-Kaldenhausen (Duisburg) finden Interessierte Informationen zu Bienen und zum Honig. Foto: Petra Grünendahl.

Schon im Außenbereich des Bienenmuseums in Rumeln-Kaldenhausen (Duisburg) finden Interessierte Informationen zu Bienen und zum Honig. Foto: Petra Grünendahl.

Mit dem Bienenmuseum in Rumeln, der Bergbausammlung in Rheinhausen, dem Radiomuseum in Ruhrort und dem Karnevalsmuseum in Wehofen ist Schneider schon in Duisburg fündig geworden. Seine Reise durch die Museen führte ihn Richtung Norden in die Kreise Wesel und Kleve bis zur holländischen Grenze über Krefeld und den Kreis Viersen bis in den Rhein-Kreis-Neuss, nach Mönchengladbach und den Kreis Heinsberg im Süden. Von Mühlen, Handwerk und ländlicher Vergangenheit über Rheinschifffahrt und das Leben am Fluss bis hin zum Bergbau und der Eisenbahn reicht das Spektrum, das an Vielfältigkeit hier gar nicht dargestellt werden kann. Da muss man schon selber in dem Buch blättern: Es lohnt sich!

 
 

Der heilige Ambrosius ist Schutzpatron der Imker und der Bienen. Foto: Petra Grünendahl.

Der heilige Ambrosius ist Schutzpatron der Imker und der Bienen. Foto: Petra Grünendahl.

„Diese Museen sind oft nur lokal bekannt und arbeiten ohne öffentliche Zuschüsse oder Förderung“, erklärte Joachim Schneider, der mit seinem Buch ein bisschen mehr Öffentlichkeit schaffen will. Einzigartige Sammlungen, die Menschen über Jahrzehnte zusammengetragen haben, sind in seinem Buch beschrieben. Geöffnet sind sie eher nur an Wochenenden, die Eintrittspreise sind bescheiden, manche sogar kostenfrei. Gebeten wird dann aber um eine Spende, schließlich steht kein öffentlicher Träger für die Kosten gerade, die auch – allem ehrenamtlichen Engagement zum Trotz – in den kleinsten Museum anfallen und irgendwie bezahlt werden müssen.

Museen der anderen Art
joachim-schneider_aussergewoehnliche_museen_am_niederrhein_55697Joachim Schneiders „Auergewöhnliche Museen am Niederrhein“ ist im Sutton Verlag in der Reihe „Sutton Freizeit“ erschienen. Der Ausflugsführer für die ganze Familie erscheint damit in Deutschlands führendem Verlag für Regionalgeschichte, der sein Programm um regionale Freizeitführer erweitert. Die regionale Kompetenz der Werke stammt von engagierten und gut informierten lokalen Autoren, mit denen der Verlag wie im Fall von Joachim Schneider häufig auch schon länger zusammen arbeitet.

Vierzig Standorte (mit 42 Museen) werden auf 96 Seiten reich bebildert vorgestellt. Informationen und Hintergründe sowie Kontaktdaten hat Joachim Schneider akribisch recherchiert und übersichtlich dargestellt. Das Buch mit Klappbroschur-Einband ist im lokalen Buchhandel für 14,99 Euro erhältlich (ISBN 978-3-95400-697-7).

Joachim Schneider

Joachim Schneider stellte sein Buch "Außergewöhnliche Museen am Niederrhein im Bienenmuseum in Rumeln-Kaldenhausen (Duisburg) vor. Foto: Petra Grünendahl.

Joachim Schneider stellte sein Buch „Außergewöhnliche Museen am Niederrhein im Bienenmuseum in Rumeln-Kaldenhausen (Duisburg) vor. Foto: Petra Grünendahl.

Von Beruf ist Autor Joachim Schneider Großhandelskaufmann in seiner Heimatstadt Duisburg. Im Stadtteil Wanheimerort engagiert er sich ehrenamtlich im Bürgerverein sowie in der Stadtteil-Offensive in Vorstandsämtern. Er gehört zu den Initiatoren der Stadtteilzeitung „Wir in W’ort“ und organisierte zahlreiche Stadtteilfeste und –veranstaltungen. Zwei Bücher hatte Joachim Schneider bereits im Sutton Verlag veröffentlicht: „Archivbilder Duisburg-Wanheimerort“ (2011) und „Archivbilder Duisburg-Wanheimerort – Neue Bilder aus alter Zeit“ (2012).

Sutton Verlag, Erfurt
Sutton ist der führende Verlag für Regionalgeschichte und -literatur im deutschsprachigen Raum, vom historischen Bildband (Sutton Archiv) bis zum Freizeit- und Ausflugsführer (Sutton Freizeit), zu dem <em<„Außergewöhnliche Museen am Niederrhein“ zählt. Den zweiten Schwerpunkt des 1997 gegründeten Verlages bildet die Verkehrs- und Technikgeschichte. Außerdem bietet Sutton Krimi unter dem Motto „mordsmäßig spannend“ seit 2011 Regionalkrimis der unterschiedliches Genres. Seit Anfang 2014 gehört Sutton zum Verlagshaus GeraNova Bruckmann in München.

© 2016 Petra Grünendahl (Text und Fotos)
Coverfoto: Sutton Verlag

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Loveparade: Staatsanwaltschaft vergibt ein weiteres Sachverständigengutachten

Die Stahltafel wurde gestiftet von HKM und ThyssenKrupp Steel Europe: Gedenkstätte für die Opfer der Loveparade 2010 im Juli 2015. Foto: Petra Grünendahl.

Die Stahltafel wurde gestiftet von HKM und ThyssenKrupp Steel Europe: Gedenkstätte für die Opfer der Loveparade 2010 im Juli 2015.
Foto: Petra Grünendahl.

Der Bochumer Jurist, Kriminologe und Polizeiwissenschaftler Professor Dr. Thomas Feltes kritisiert die Bestellung eines neuen Gutachters für das Loveparade-Verfahren durch die Staatsanwaltschaft Duisburg als unzureichend.

Im Verfahren um die strafrechtliche Aufarbeitung des Loveparade‐Unglücks hat die Staatsanwaltschaft Duisburg einen weiteren Gutachter beauftragt. Der Bochumer Kriminologe und Polizeiwissenschaftler Professor Dr. Thomas Feltes vertritt einen Vater, dessen Tochter bei der Loveparade getötet worden war. Professor Feltes ist der Auffassung, dass der von der Staatsanwaltschaft nunmehr benannte Gutachter ungeeignet ist und zudem die Gefahr besteht, dass auch dieses Gutachten vom Gericht nicht akzeptiert wird.

Ungeachtet der Frage, ob die Staatsanwaltschaft zum gegenwärtigen Zeitpunkt des Verfahrens überhaupt ein solches Gutachten in Auftrag geben kann, stellt Professor Feltes fest:

Der von der Staatsanwaltschaft nunmehr beauftragte Gutachter erscheint als nicht geeignet für dieses Verfahren, da er sich schwerpunktmäßig mit Straßenverkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik beschäftigt. Er beschränkt sich zudem auf einen zu kleinen Bereich und verfügt nicht über die notwendige Qualifikation zur Beantwortung weiterer, für dieses Straf‐ verfahren besonders relevanten Fragen, da er einen primär technischen Ansatz verfolgt. Ein unabdingbar notwendiger soziologischer und kommunikatorischer Ansatz wird bei ihm nicht sichtbar.

Konkret bemängelt Feltes, dass durch die Bestellung dieses Gutachters wesentliche Aspekte, die für den Ablauf der Veranstaltung und für das spätere Schadensereignis von besonderer Relevanz sind, außer Acht gelassen werden. Dazu gehören Fragen der Kommunikation und der Interaktion vor und während der Veranstaltung. Diese Aspekte waren für die Abstimmung der Abläufe, der Handlungen und der Verhaltensweisen der Beteiligten von besonderer Bedeutung und die bislang vorliegenden Erkenntnisse zeigen, dass hier massive Fehler gemacht wurden.

Der jetzt bestellte Gutachter kann diese Fragen, die unbedingt bearbeitet werden müssen, nicht mit der notwendigen wissenschaftlichen Qualifikation beantworten.

Zudem hat er sich zudem – ähnlich wie der frühere, vom Gericht wegen Befangenheit abgelehnte Gutachter Still – bereits im Vorfeld intensiv mit den Ereignissen befasst und dazu auch in Veranstaltungen Stellung bezogen. Es besteht auch bei ihm die Gefahr, dass er als Gutachter vom Gericht abgelehnt wird.

Konkret geht es darum, dass das Verhalten von Besuchern, zumal in einer großen Menschen‐ menge, zu den komplexen Prozessen gehört, in denen minimale Veränderungen auf der Ursachenseite zu gravierenden Veränderung auf der Wirkungsseite führen können. Folglich lässt sich die Wirkung (das Verhalten des Besucherstromes) sowohl planerisch als auch rekonstruierend nur bedingt den einzelnen, meist auch gar nicht vollständig bekannten Faktoren auf der Ursachenseite zurechnen. Damit sind aber auch die (kausalen) Wirkungen des Verhaltens oder Nichtverhaltens einzelner Personen entsprechend zu bewerten. Es ist daher eine wesentliche Aufgabe des Risikomanagements vor einer solchen Veranstaltung, sowohl die möglichen Verläufe zu antizipieren (wozu auf z.B. Personenstrommodellierungen zurückgegriffen werden kann) als auch Vorkehrungen für nicht vorhersehbare oder nicht vorhergesehene Ereignisse und Abläufe zu treffen. Ansonsten setzte die sichere Durchführung einer Veranstaltung vo‐ raus, dass sich die Besucher in allen möglichen Situationen genau so verhalten, wie es die Modellierung voraussagt; das ist grundsätzlich nicht zu erwarten.

Zudem bedarf es bei einer solchen Veranstaltung einer sehr engen Abstimmung zwischen allen relevanten Akteuren, insbesondere zwischen Veranstalter, privaten Sicherheitsdiensten und der Polizei. Dies wurde bislang nicht thematisiert und kann von dem nunmehr benannten Gutachter auch nicht thematisiert werden.
Es handelt sich weniger um baurechtliche und verkehrstechnische Fragen, sondern überwiegend um Fragen der Kommunikation, und zwar zwischen den verantwortlichen Akteuren in der Planungsphase, in der Durchführungsphase und zwischen Besuchern und Sicherheits‐ und Ordnungsdienst bzw. Polizei sowie zwischen dieses Institutionen untereinander.

Formal sind diese Fragen im Notfall‐ und Krisenmanagement bzw. Sicherheitsmanagement als Teildisziplin des Risikomanagements zu verorten.

Professor Feltes hatte daher die Staatsanwaltschaft aufgefordert, zumindest zusätzlich auch einen Gutachter zu bestellen, der sich schwerpunktmäßig mit dem Bereich des Risikomanagements und den o. gen. Fragestellungen beschäftigt. Dies ist leider nicht geschehen.

– Pressemeldung von Professor Dr. Thomas Feltes M.A. –
Lehrstuhl für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft
Juristische Fakultät, Ruhr-Universität Bochum

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Lehmbruck Museum in Duisburg: On Surface – An der Oberfläche

Als Struktur und Oberfläche Bedeutung gewannen
Von Petra Grünendahl

On Surface - An der Oberfläche: August Rodins "Eva" (1881). Foto: Petra Grünendahl.

On Surface – An der Oberfläche:
August Rodins „Eva“ (1881).
Foto: Petra Grünendahl.

On Surface - An der Oberfläche: Wilhelm Lehmbrucks "Kinderköpfchen" (1909). Foto: Petra Grünendahl.

On Surface – An der Oberfläche:
Wilhelm Lehmbrucks „Kinderköpfchen“ (1909).
Foto: Petra Grünendahl.

August Rodins „Eva“ wirkt unfertig. Nicht glatt poliert, wie bis dato üblich, sondern mit Oberflächenstrukturen, die nicht vollendet wirken. Die linke Hand ist nicht sauber ausgearbeitet. Der Rücken, der Bauch wirken rauh. Man ist versucht, sie glatt zu polieren. Rodins „Eva“ (1881) ist der kunstgeschichtliche Ausgangspunkt, der die Bedeutung der Oberfläche für die moderne Skulptur aufzeigt. Die Verwendung „neuer“ Materialien ebenso wie ihre Bearbeitung haben Künstlern der Moderne Ausdrucksmöglichkeiten geschaffen, Strukturen bewusst zu gestalten. Oberflächen werden so zum Ausdruck von Botschaften, die der Besucher nur allzu gerne auch haptisch erfassen würde. Dem Reiz der Berührung darf man im Foyer des Anbaus sogar nachgehen: Janet Cardiff lädt mit „To Touch“ (1994) ein zu berühren. Der alt und benutzt aussehende Tisch ist gespickt mit High-Tech: Die Art der Berührung erzeugt Töne, die ihrerseits als Teil eines Werks wahrnehmbar sind, das aus den Dimensionen Optik, Haptik und Klang besteht.

Schwerpunktmäßig im Anbau präsentiert das Lehmbruck Museum in Duisburg seine neue Sonderausstellung „An der Oberfläche – On Surface“ zur Oberfläche als Bedeutungsträger in der Skulptur. Der Fokus liegt auf der Moderne vom späten 19. Jahrhundert bis heute: Von Rodin bis De Bruyckere – und bis Jeppe Hein, dessen Skulptur „Rotating Labyrinth“ im Rahmen von Sculpture 21st als Teil der Sonderausstellung, die von der Sparkasse Duisburg gesponsert wird, bereits vor wenigen Wochen präsentiert wurde. Eröffnet wird die Ausstellung am Samstag, 2. Juli, um 16 Uhr. Die Kunstvermittlung hat wie immer ein umfassendes Begleitprogramm zu der Sonderausstellung erarbeitet.

Querschnitt: Entwicklung von
Skulpturoberflächen von 1881 bis heute

On Surface - An der Oberfläche: Georg Baselitz' "BDM Gruppe" (2012). Foto: Petra Grünendahl.

On Surface – An der Oberfläche:
Georg Baselitz‘ „BDM Gruppe“ (2012).
Foto: Petra Grünendahl.

On Surface - An der Oberfläche: Stella Hambergs "Szenischer Ausschnitt" (2015). Foto: Petra Grünendahl.

On Surface – An der Oberfläche:
Stella Hambergs „Szenischer Ausschnitt“ (2015).
Foto: Petra Grünendahl.

Die Glashalle mit dem „Rotating Labyrinth“ von Jeppe Hein sowie eine überlebensgroß gestaltete Gruppe von patinierten Bronzefiguren von Georg Baselitz zwischen Glashalle und Kantpark sind die von außen sichtbaren Lockvögel für die Sonderausstellung. Die strukturierte Oberfläche von Baselitz und die polierten Spiegel von Hein bilden Pole, zwischen denen sie die Erscheinungsbilder der Skulpturen bewegen. Materialien wie Bronze, Gips, Steinguss, Wachs, Messing, Fäden, Holz, textile Stoffe oder Kunststoffe forderten die Kreativität von Künstlern heraus, die ihnen in der Bearbeitung Aussehen und Bedeutung entlockten.

Neben Werken von August Rodin, Janet Cardiff, Jeppe Hein und Georg Baselitz zeigt die Sonderausstellung auch Wilhelm Lehmbruck, Constantin Brâncuşi, Medardo Rosso, Max Bill, Mary Vieira, George Bures Miller, Daniel Canogar, Dorothee Golz, Rebecca Horn, Carsten Nicolai, Julian Opie, Elina Autio, Stella Hamberg, Evan Roth, Michaelv.Kaler, Heike Weber, Berlinde De Bruyckere, Nezaket Ekici, Tony Cragg und Jenny Holzer.

Zur Werkschau erschienen ist im Kölner Wienand Verlag ein 144-seitiger Katalog, dessen Einband mit seiner Oberflächenstruktur schon zur Einstimmung ein haptisches Erlebnis ist. Das reich bebilderte Werk mit Texten zur kulturgeschichtlichen Entwicklung, zu den Künstlern und ihren Werken sowie mit Biographien ist an der Museumskasse für 19,90 Euro zu haben. Im Buchhandel wird das Buch (ISBN 978-3-86832-336-8) für 34 Euro erhältlich sein.

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Öffnungszeiten und Eintrittspreise

On Surface - An der Oberfläche: Max Bills Skulpturen aus vergoldetem Messing (vorne), Heike Webers "cubes" (2016, hinten). Foto: Petra Grünendahl.,

On Surface – An der Oberfläche:
Max Bills Skulpturen aus vergoldetem Messing (vorne), Heike Webers „cubes“ (2016, hinten).
Foto: Petra Grünendahl.,

On Surface - An der Oberfläche: Belinde De Bruyckeres "After Criplewood I" (2013-14). Foto: Petra Grünendahl.

On Surface – An der Oberfläche:
Belinde De Bruyckeres „After Criplewood I“ (2013-14).
Foto: Petra Grünendahl.

On Surface - An der Oberfläche: Georg Baselitz' "BDM Gruppe" (2012). Foto: Petra Grünendahl.

On Surface – An der Oberfläche:
Georg Baselitz‘ „BDM Gruppe“ (2012).
Foto: Petra Grünendahl.

Die Sonderausstellung „An der Oberfläche – On Surface: Von Rodin bis De Bruyckere. Die Oberfläche als Bedeutungsträger in der Skulptur“ ist bis zum 23. Oktober zu sehen. Dienstags bis freitags ist das Lehmbruck Museum ab 12 Uhr geöffnet, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags wegen der plastikBAR bis 21 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro, ermäßigt 5 Euro. Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Schulklassen und Kindergärten pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte gibt es für 15 Euro. Jeden ersten Freitag im Monat gilt: „pay what you want“. Ausgenommen davon sind angemeldete Gruppen.

Zu den Sonderausstellungen bietet das Lehmbruck Museum Rahmenprogramme an. Details findet man auf den Internet-Seiten des Museums. Öffentliche Führungen gibt es jeden Sonntag, sie kosten 2 Euro zusätzlich zum Eintritt. Für weitere Informationen und Buchungen steht die Kunstvermittlung unter Telefon 0203 / 283-2195 oder eMail kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de zur Verfügung. Weitere Informationen gibt es unter tickets@lehmbruckmuseum.de, Telefon 0203 / 283-2195 oder www.lehmbruckmuseum.de.

(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70%), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen mit Sozialhilfebezug.

 
© 2016 Petra Grünendahl
(Text und Fotos)

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MKM Musum Küppersmühle in Duisburg: Rolf-Gunter Dienst – Mein Gedicht heißt Farbe

Monumetale Bilder laden ein, die
Feinheiten des Pinselstrichs zu entdecken

Von Petra Grünendahl

Rolf-Gunter Dienst: Mein Gedicht heißt Farbe im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst in Duisburg. Foto: Petra Grünendahl,

Rolf-Gunter Dienst: Mein Gedicht heißt Farbe
im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst in Duisburg. Foto: Petra Grünendahl,

Gerade die großen, monumentalen Bilder erschlagen den Betrachter fast mit der Wucht ihrer Farben. Erst wenn man nahe heran tritt, sieht man die feinen Pinselstriche, mit denen der Maler Rolf-Gunter Dienst (1942-2016) den mächtigen Farben Strukturen und Inhalte gegeben hat. Farben hatten ihn zeitlebens fasziniert. „Nur darum ging es ihm: um Farben“, erklärte Prof. Walter Smerling, Museumsdirektor des MKM. /Diensts Malerei bildet nicht den Gegenstand ab, nicht die Natur. Sie erschließt sich auch nicht auf den ersten oberflächlichen Blick. Das Bild als Ganzes verlangt immer den Blick auf die Details seiner Malerei. Inhaltlich reicht die Ausstellung von den Frühwerken Rolf Gunter Dienst aus den Jahren 1962-63 (Öl auf Leinwand oder Gouache auf Papier) über die monumentalen Werke von bis zu 2,50 Meter Höhe (Acryl auf Leinwand), die er zwischen 1971 und 2012 malte, bis hin zu Reihen von Bleistiftzeichnungen, die er noch bis zu seinem Tod zu Papier brachte.

Rolf-Gunter Dienst: Mein Gedicht heißt Farbe im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst in Duisburg: Kuratorin Ina Hesselmann und Museumsdirektor Prof. Walter Smerling stellen den Künstler und sein werk vor. Foto: Petra Grünendahl,

Rolf-Gunter Dienst: Mein Gedicht heißt Farbe
im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst in Duisburg: Kuratorin Ina Hesselmann und Museumsdirektor Prof. Walter Smerling stellen den Künstler und sein werk vor.
Foto: Petra Grünendahl,

Das MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst am Duisburger Innenhafen präsentiert mit Rolf-Gunter Diensts „Mein Gefühl heißt Farbe“ das künstlerische Lebenswerk des zuletzt in Berlin wohnenden Künstlers in einer Retrospektive. Museumsdirektor Prof. Walter Smerling und Ina Hesselmann als Kuratorin der Ausstellung gaben erste Einblicke in die Ausstellung, in Leben und Werk des Künstlers, der nicht nur Maler und Zeichner, sondern auch Autor und Kunstkritiker gewesen war. Arrangiert in Werkgruppen zeichnet die Ausstellung unterschiedliche Schaffensphasen des Künstlers nach. Ab Freitag, 1. Juli, wird die Ausstellung in den Erdgeschossräumen des Museums für die Besucher zugänglich sein.

überschrift

Rolf-Gunter Dienst: Mein Gedicht heißt Farbe im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst in Duisburg: Museumsdirektor Prof. Walter Smerling stellt (zusammen mit Kuratorin Ina Hesselmann) den Künstler und sein werk vor. Foto: Petra Grünendahl,

Rolf-Gunter Dienst: Mein Gedicht heißt Farbe
im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst in Duisburg: Museumsdirektor Prof. Walter Smerling stellt (zusammen mit Kuratorin Ina Hesselmann) den Künstler und sein werk vor.
Foto: Petra Grünendahl,

Rolf-Gunter Dienst: Mein Gedicht heißt Farbe im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst in Duisburg. Foto: Petra Grünendahl,

Rolf-Gunter Dienst: Mein Gedicht heißt Farbe
im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst in Duisburg. Foto: Petra Grünendahl,

„Hier sind die Riesenformate richtig präsentiert“, begeisterte sich Gunild Ober-Berg, Frau des im März verstorbenen Künstlers Rolf-Gunter Dienst hatte diese Ausstellung noch mit geplant. Vor anderthalb Jahren habe sie Dienst auf eine solche Ausstellung angesprochen, erzählte Kuratorin Ina Hesselmann. Die riesigen hohen Räume im MKM hätten ihn begeistert. Bis kurz vor seinem Tod habe er noch an der Konzeption mitgearbeitet, deren Verwirklichung er nicht mehr miterleben durfte. Nur an einem Ort wie diesem kann man die monumentalen Werke, von denen einzelne bis zu 10 Meter breit sind, angemessen präsentieren. Der Betrachter hat zunächst den nötigen Abstand, das Werk als Ganzes zu erfassen, bevor er sich annähert, um die Details zu erkunden. Die Wechselausstellungsräume im Erdgeschoss des Museums bieten mit „kleineren“ Räumen gute Möglichkeiten, Schwerpunkte zusammen zu fassen, wie hier in einem „weißen Raum“ und einem „schwarzen Raum“, wobei gerade letzterer Raum dadurch besticht, wie „bunt“ selbst Diensts „schwarze Bilder“ sind.

Zur Ausstellung ist im Kölner Wienand Verlag ein Katalog erschienen mit Beiträgen von Gottfried Böhm, Franz Mon, Thomas Wagner und Kuratorin Ina Hesselmann. Die Museumsausgabe des 182-seitigen Werks mit 162 Abbildungen kostet 29 Euro und ist an der Museumskasse im MKM erhältlich.

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Museum Küppersmühle:
Duisburger haben donnerstags freien Eintritt

Rolf-Gunter Dienst: Mein Gedicht heißt Farbe im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst in Duisburg. Foto: Petra Grünendahl,

Rolf-Gunter Dienst: Mein Gedicht heißt Farbe
im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst in Duisburg. Foto: Petra Grünendahl,

Rolf-Gunter Dienst: Mein Gedicht heißt Farbe im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst in Duisburg: das Frühwerk 1962-63 Gouache auf Leinwand. Foto: Petra Grünendahl,

Rolf-Gunter Dienst: Mein Gedicht heißt Farbe
im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst in Duisburg: das Frühwerk 1962-63 Gouache auf Leinwand. Foto: Petra Grünendahl,

Die Arbeiten sind noch bis zum 18. September 2016 in den Erdgeschossräumen des Museums zu sehen. Das Museum Küppersmühle findet man im Innenhafen am Philosophenweg 55 (Haupteingang). Mittwochs ist das Museum von 14 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis sonntags sowie feiertags von 11 bis 18 Uhr. Montags und dienstags ist Ruhetag. Der Eintritt kostet nur für die Wechselausstellungen 6 Euro, für das gesamte Haus (inkl. Wechselausstellung) 9 Euro. Ermäßigt sowie bei Gruppen ab 10 Personen zahlt man pro Person 4,50 Euro, Kinder und Schüler über sechs Jahren zahlen 2 Euro. Kinder unter sechs Jahren haben freien Eintritt, ebenso donnerstags alle Duisburger (gegen Vorlage des Personalausweises). Alle Ausstellungsräume des Museums sind auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich. Führungen durch die Sammlung sowie durch laufende Ausstellungen gibt es jeden Sonntag um 15 Uhr, aber auch nach Vereinbarung. Am Donnerstag, 18. August, um 17 Uhr findet eine Führung der Reihe „Kunst und Genuss“ durch die Lüpertz-Ausstellung statt: inklusive Getränk und Imbiss zum Ausklang im Restaurant Küppersmühle beträgt der Teilnahmepreis 21 Euro (Anmeldung unter https://www.museum-kueppersmuehle.de/informatîon/veranstaltungsprogramm). Mehr Informationen gibt es auf den Internet-Seiten des Museums Küppersmühle für Moderne Kunst.

© 2016 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Integrationsrat in Duisburg hebt Beschluss zur Armenien-Resolution auf: Ein Kommentar

Es geht nicht um Schuld!
Es geht um die Verantwortung, dass so etwas nie wieder passiert!

Von Petra Grünendahl

Foto: Jürgen Rohn.

Foto: Jürgen Rohn.

Der Beschluss des Integrationsrates vom 7. Juni, den in einer Bundestagsresolution anerkannten Völkermord an den Armeniern im Ersten Weltkrieg als Lüge zu bezeichnen, hatte hohe Wellen geschlagen: Inhaltlich – „Integrationsrat leugnet Völkermord“ –, aber auch formell, denn einen solchen Beschluss hätte das kommunale Gremium gar nicht fassen dürfen. Nachdem Oberbürgermeister Sören Link den Beschluss beanstandet hatte, hoben die Mitglieder des Integrationsrates ihn in einer Sondersitzung am 20. Juni mit 13 zu 9 Stimmen (bei zwei Enthaltungen) auf.

Vor und nach der Sitzung protestierten nationalistisch eingestellte Duisburger türkischer Abstammung lautstark gegen die Aufhebung des Beschlusses. Proteste während der Sitzung konnte Integrationsratsvorsitzender Erkan Üstünay nur mit Mühe unterbinden. Eine sachliche Diskussion kam nicht zustande: Zu verhärtet waren die Positionen einzelner Integrationsratsmitglieder.

Integrationsrat gespalten

Foto: Jürgen Rohn.

Foto: Jürgen Rohn.

Eine Diskussion über die Geschehnisse von 1915/1916, die von vielen Historikern als Völkermord eingestuft werden – eine Einschätzung, der sich vor dem deutschen Bundestag bereits viele Länder und internationale Organisationen und Institutionen angeschlossen hatten – ist dringend nötig. In der Türkei wird sie angesichts aktueller Machtverhältnisse nicht stattfinden. Was in der Sondersitzung des Integrationsrates klar wurde: Auch hier wollen „türkische Nationalisten“ eine Diskussion verhindern, indem sie eine von Generation zu Generation weitergereichte Sicht der Dinge präsentieren, „alles Lüge“ und „Verleumdung“ gebetsmühlenartig wiederholen und dabei auf gefälschte Dokumente zum Armenier-Massaker verweisen.

Foto: Jürgen Rohn.

Foto: Jürgen Rohn.

Es gibt gefälschte Dokumente, ja. Aber es gibt noch mehr echte historische Quellen, die die Geschehnisse dokumentieren. Auf diese stützen sich ernst zu nehmende Historiker mit ihrer Einschätzung. Wobei man sich natürlich immer die Frage stellen muss: Woher kommen die Fälschungen und was wollten die Fälscher damit erreichen? – In diesem Fall vielleicht eine Diskreditierung von echten Quellendokumenten, die damit ebenfalls in Zweifel gezogen werden?

Eine Diskussion ist nötig
uebrigens!Deutlich wurde im Integrationsrat leider vor allem eines: Es gibt immer noch Menschen türkischer Herkunft, die sich vehement weigern, über die Geschehnisse 1915 im Osmanischen Reich überhaupt zu reden. Gebetsmühlenartig wiederholen sie ihre Sicht der Dinge: Ihre Sicht der Dinge, die sie mit der Muttermilch aufgesogen haben, weil sie über Generationen so weitergereicht worden waren, ohne jemals hinterfragt zu werden. Wer die Überlieferungen in Frage stellt, wird als Verleumder oder schlimmer noch als Verräter gebrandmarkt.

Foto: Jürgen Rohn.

Foto: Jürgen Rohn.

Dass es auch anders geht, zeigt eine türkischstämmige Duisburgerin: „Bis zum Jahr 2013 hatte ich keine Ahnung vom Leid der Armenier. […] sah ich diese wunderschöne Kirche und war wie verzaubert. Wer hatte sie erbauen lassen und wo waren diese Menschen geblieben? Denn heute leben [hier] fast keine Armenier mehr. So fragte ich meine Mutter. Sie erzählte mir über den ‚feigen Verrat der Armenier am Osmanischen Reich’, und ich glaubte ihr zunächst. Nach meinem Urlaub wollte ich mehr wissen und las und las …“ Die Sicht der Anderen interessiert aber türkisch-nationalistische Kräfte nicht, die auf ihrer Leugnung des Völkermordes beharren. Als ob ihnen persönlich jemand die Schuld für irgend etwas geben wollte …

Foto: Jürgen Rohn.

Foto: Jürgen Rohn.

So wird leider eine dringend nötige Diskussion nicht zustande kommen, wenn eine Seite blockt und „alles Lüge“ schreit. Ohne eine Diskussion und Aufarbeitung der Geschehnisse bleibt die Gesellschaft gespalten, auch innerhalb der türkisch-stämmigen Gemeinschaft in Deutschland und in Duisburg. Nicht alle blocken, wenn seit Generationen Überliefertes in Zweifel gezogen wird. Vielmehr informieren sie sich, um eine eigene Meinung zu bilden – so wie es in einer Demokratie sein sollte. Es geht nicht um eine Verurteilung von „Tätern“, sondern um die Aufarbeitung, dass dort vielen Menschen viel Leid zugefügt wurde – und vielleicht um die Erkenntnis, dass so etwas unnötig ist und nicht wieder passieren sollte. Manch einer sollte dafür sein beschränktes Weltbild öffnen.

Es geht hier nicht um Schuld! Es geht um die Verantwortung aller, dass so etwas nie wieder passiert! Nirgends auf der Welt!

© 2016 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Jürgen Rohn

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Ballett am Rhein begeisterte mit Choreographie-Plattform „Young Moves“ im Theater Duisburg

Faszinierende Vielfalt an Musik und Tanz:
Eine Bühne für Tänzer und ihren Choreographien

Von Petra Grünendahl

Alban Pinet: Odnalro – Ensemble. Foto: Gert Weigelt.

Alban Pinet: Odnalro – Ensemble. Foto: Gert Weigelt.

Unterschiedlichste Musikstücke hatten sich die Tänzer für ihre Choreographien ausgewählt, Ideen damit verknüpft. Sie ließen Geschichten vertanzt auf der Bühne erzählen. Immer wieder der Einzelne, die Identität: Mann und Frau, das Individuum in der Masse. Mal wirkte es eher klassisch, mal experimentell, mal musikalisch in andere Zeiten verrückt. Der Abend lebte von handwerklichen und künstlerischen Können aller Akteure ebenso wie von der Vielfalt und den Fantasien derer, die sich ausprobieren durften.

Wun Sze Chan: It is passing by – Sabrina Delafield, Richard Jones, Ensemble. Foto: Gert Weigelt.

Wun Sze Chan: It is passing by – Sabrina Delafield, Richard Jones, Ensemble. Foto: Gert Weigelt.

Sechs Choreographien von Tänzern der Ballett-Compagnie der Deutschen Oper am Rhein begeisterten unter dem Titel „Young Moves“ das Publikum bei der Premiere im außerordentlich gut besuchten Theater Duisburg. Drei Tänzer – Alban Pinet (Odnalro), Boris Randzio (Mindrift), Michael Foster (Rapture) – und drei Tänzerinnen – Wun Sze Chan (It Is Passing By), Louisa Rachedi (Fieldwork), So-Yeon Kim (Zahir) – hatten eigene Choreographien geschrieben, die an diesem Abend vor großem Publikum uraufgeführt wurden. Einige haben Kostüme und Bühne selbst entworfen, andere haben sich im Haus bei Hélène Vergnes (Odnalro, Rapture), Gerrit Frohne-Brinmann und Monika Gebauer-Radio (Mindrift) sowie Kevin Gamez (Zahir) Hilfe geholt. Sie konnten dabei alle Möglichkeiten eines großen Hauses nutzen, wie sie die Deutsche Oper am Rhein zu bieten hat. Die Optik der Bühnengestaltungen aller Stücke rundete das Licht-Design von Franz-Xaver Schaffer ab.

Louisa Rachedi: Fieldwork – Ensemble. Foto: Gert Weigelt.

Louisa Rachedi: Fieldwork – Ensemble. Foto: Gert Weigelt.

So unterschiedlich die Musikauswahl der Tänzer-Choreographen, so unmöglich, diese live zu spielen: Verschiedene Orchester-Stücke kamen ebenso von CD wie die Filmmusik aus „The Knick“, Moondogs „Lullaby“, Solo-Viola (Bratsche) bzw. –Violoncello oder das Schlagzeug mit Orchesterbegleitung. Die Akustik war aber trotz „Konserve“ ganz hervorragend. Musik und Choreographie eines jeden Parts wirkten in sich geschlossen, jeder Choreograph setzte eigene Marken auf die Bühne. Gute zwei Stunden dauert der Ballettabend (mit Pause).

Plattform Choreographie: „Young Moves“

Boris Randzio: Mindrift – Christine Jaroszewski, Virginia Segarra Vidal, Anne Marchand. Foto: Gert Weigelt.

Boris Randzio: Mindrift – Christine Jaroszewski, Virginia Segarra Vidal, Anne Marchand. Foto: Gert Weigelt.

Den Tänzern ermöglichen, mit Ideen zu experimentieren, eigene Kreationen auf die Bühne zu bringen und als Choreograph ein Publikum zu begeistern, erklärte Ballettdirektor Martin Schläpfer seine Intention. Mit „Young Moves“ etabliert er ein Format ähnlich den „Young Directors“ in der Opernsparte der Deutschen Oper am Rhein: Balletttänzer bekommen die Chance, mit ihren Tänzerkollegen, Bühnen- und Kostümbildnern sowie Requisite und Technik eine eigene Choreographie als Bühnenstück zu erarbeiten und sie vor einem großen Publikum präsentieren zu dürfen. Alle Möglichkeiten stehen den Tänzern hier zur Verfügung, die nur ein großes Haus wie die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg, zu dem das Ballett am Rhein gehört, bieten kann. Finanziell unterstützt wird das Projekt „Young Moves“, welches schon in der kommenden Spielzeit seine Fortsetzung erfährt, von den Ballettfreunden der Deutschen Oper am Rhein (https://www.ballettfreunde-dor.de), die sich für ihr zukünftiges Engagement weitere Sponsoren wünschen.

Ein kleiner Vorgeschmack:
https://www.youtube.com/watch?v=d5niJl9nUAA

Weitere Termine im Theater Duisburg:

So-Yeon Kim: Zahir – Brice Asnar, Ann-Kathrin Adam, Chidozie Nzerem. Foto: Gert Weigelt.

So-Yeon Kim: Zahir – Brice Asnar, Ann-Kathrin Adam, Chidozie Nzerem. Foto: Gert Weigelt.

Michael Foster: Rapture – Ensemble. Foto: Gert Weigelt.

Michael Foster: Rapture – Ensemble. Foto: Gert Weigelt.

Sa | 25. Juni 2016 | 19:30 Uhr und
Fr | 1. Juli 2016 | 19:30 Uhr.

Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten zwischen 14,40 und 50,10 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

© 2016 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Gert Weigelt, Köln / Deutsche Oper am Rhein

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Loveparade-Strafverfahren: Opferanwalt begrüßt Einholung eines weiteren Sachverständigen-Gutachtens durch die Staatsanwaltschaft Duisburg

Zu der Entscheidung der Staatsanwaltschaft Duisburg, ein weiteres Sachverständigen-Gutachten einzuholen, erklärt Rechtsanwalt Prof. Dr. Julius Reiter heute Folgendes:

Prof. Dr. Julius Reiter (l.) und Gerhart Baum, Bundesinnenminister a. D. Foto: Anke Jacobs.

Prof. Dr. Julius Reiter (l.) und Gerhart Baum, Bundesinnenminister a. D. Foto: Anke Jacobs.

„Wir begrüßen die Entscheidung der Staatsanwaltschaft Duisburg, ein neues Gutachten in Auftrag zu geben. Die Staatsanwaltschaft schaut konsequent lösungsorientiert nach vorne und versucht damit zu vermeiden, dass weitere Zeit verloren geht für den Fall, dass das Oberlandesgericht den Beschluss des Landgerichts zur Verfahrenseinstellung aufhebt. Hierdurch wird im Übrigen eine weitere Aufklärung des Sachverhalts herbeigeführt, den die Opfer und Hinterbliebenen der Loveparade-Katastrophe dringend benötigen.

Es wäre bereits dem Landgericht möglich gewesen, ein zweites Gutachten einzuholen. Denn der Staatsanwaltschaft und der Generalstaatsanwaltschaft reichte das Gutachten von Prof. Still ja aus. Der Vorwurf des Landgerichts, das Gutachten sei wegen nicht eingehaltener deutscher Methodik nicht brauchbar, trifft im Übrigen Staatsanwälte und Richter gleichermaßen. Denn es ist ein Anleitungsfehler gegenüber dem Sachverständigen, wenn ihm durch Staatsanwälte und auch durch die Richter im Zwischenverfahren nicht erklärt wird, worauf es ihrer Meinung nach im deutschen Recht ankommt. Im Übrigen ist es in Zwischenverfahren durchaus üblich, dass Richter ein Ergänzungs- oder sogar ein neues Gutachten einholen.

Wir bleiben nach wie vor hoffnungsvoll, dass das Oberlandesgericht den rechtsfehlerhaften Beschluss des Landgerichts aufheben und an eine andere Kammer des Landgerichts zurückverweisen wird.“

Baum Reiter & Collegen vertritt etwa 100 Opfer und Hinterbliebene der Loveparade-Katastrophe.

– Pressemitteilung von Baum Reiter & Collegen, Düsseldorf –

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Loveparade-Verfahren: Staatsanwaltschaft holt ein weiteres Sachverständigen-Gutachten ein

Die Stahltafel wurde gestiftet von HKM und ThyssenKrupp Steel Europe: Gedenkstätte für die Opfer der Loveparade 2010 im Juli 2015. Foto: Petra Grünendahl.

Die Stahltafel wurde gestiftet von HKM und ThyssenKrupp Steel Europe: Gedenkstätte für die Opfer der Loveparade 2010 im Juli 2015.
Foto: Petra Grünendahl.

Da sich das Landgericht Duisburg aus Rechtsgründen daran gehindert gesehen hat, selbst ein weiteres Sachverständigengutachten zur Klärung der Ursachen für die tragischen Geschehnisse bei der Loveparade 2010 im Zwischenverfahren einzuholen, beabsichtigt die Staatsanwaltschaft, vorsorglich einen weiteren Sachverständigen zu beauftragen. Dadurch wird sichergestellt, dass der Weg der notwendigen juristischen Aufarbeitung der Loveparade-Tragödie in einer öffentlichen Hauptverhandlung so schnell wie möglich beschritten werden kann.

Gespräche mit möglichen Gutachtern sind bereits abgeschlossen. Den Verfahrensbeteiligten wird derzeit Gelegenheit zur Stellungnahme hin- sichtlich der Auswahl des Gutachters gegeben.

Grund für die Beauftragung eines weiteren Gutachters ist die Ablehnung des im Ermittlungsverfahren eingeholten Gutachtens des Sach- verständigen Professor Dr. Still. Diese Kritik ist nach Auffassung der Staatsanwaltschaft zwar nicht berechtigt, sie ist aber ein zentraler Bestandteil der landgerichtlichen Entscheidung, die von der Staatsanwaltschaft mit der sofortigen Beschwerde angefochten worden ist.

Die Staatsanwaltschaft arbeitet weiterhin an der Begründung der sofortigen Beschwerde, die zeitnah der Generalstaatsanwaltschaft in Düsseldorf zur Vorlage an den zuständigen Strafsenat des Oberlandesgerichts vorgelegt werden wird. Die Erteilung des Gutachtenauftrags steht nach Auffassung der Staatsanwaltschaft dem weiteren Fortgang des Beschwerdeverfahrens nicht entgegen, da bereits auf der Grundlage der zur Verfügung stehenden Beweismittel die Voraussetzungen für die Eröffnung des Hauptverfahrens gegeben sind.

– Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Duisburg –
Foto: Petra Grünendahl

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Sculpture 21st im Lehmbruck Museum: Jeppe Hein mit „Rotating Labyrinth“ in Duisburg

Über die abstrakte Schönheit und die
Verwandlung zur Kommunikation gelangen

Von Petra Grünendahl

Mit ihren 2,20 Meter Höhe bei 5,50 Meter Durchmesser ist die Installation „Rotating Labyrinth“ von Jeppe Hein ein Raum füllender Blickfang in der Glashalle zum Kantpark. Foto: Petra Grünendahl.

Mit ihren 2,20 Meter Höhe bei 5,50 Meter Durchmesser ist die Installation „Rotating Labyrinth“ von Jeppe Hein ein Raum füllender Blickfang in der Glashalle zum Kantpark. Foto: Petra Grünendahl.

Schmale Spiegelstelen von klarer Struktur, präzise und kreisförmig angeordnet: Ein innerer Ring mit einem „Eingang“, ein äußerer Ring mit einem Eingang. Der Untergrund besteht aus einem (inneren) Kreis und einer Scheibe drum herum, die sich langsam drehen, der äußere Spiegelring langsamer als der innere. Die Installation lädt ein, sie zu betreten, zu erkunden, ins ihr Innerstes vorzudringen. Mit jeder Bewegung ändert sich das Bild: Die eigene Reflektion und die anderer Betrachter verändert das Kunstwerk laufend. Das Werk ist interaktiv und erzielt seine Wirkung durch die Mitwirkung der Betrachter, der Umgebung, die der Installation ein immer neues Aussehen geben. „Rotating Labyrinth“ heißt das Werk, das immer neue Gestalt annimmt, über die – so die Hoffnung des Künstlers – die Menschen ins Gespräch kommen.

Am Donnerstag, 9. Juni, um 19 Uhr eröffnet die Präsentation von Jeppe Heins „Rotating Labyrinth“ im Rahmen der Reihe „Sculpture 21st“. Schon jetzt kann man von außen in der Glashalle zum Kantpark die neue Installation erkennen, die wie die früheren Präsentationen das Museum nach außen hin einem Publikum öffnet. Der eine oder andere Zaungast fotografiert auch schon ganz eifrig. Unter dem Titel „Sculpture 21st“ zeigt das Lehmbruck Museum seit seinem Jubiläumsjahr 2014 monografische Präsentationen wichtiger Bildhauer des 21. Jahrhunderts, die grundlegende Fragen an die Kunst, das Museum und ihr Verhältnis zur Gesellschaft stellen. Mit Jeppe Hein präsentiert einer der wichtigsten Vertreter der partizipativen Skulptur des 21. Jahrhunderts sein Werk im Lehmbruck Museum. Der 1974 in Kopenhagen geborene Künstler Jeppe Hein studierte in Kopenhagen und Frankfurt und lebt heute in Berlin. Er erregt mit seinen interaktiven Arbeiten das Interesse der Betrachter auf ausgefallene Weise. „Rotating Labyrinth“ ist Teil der Ausstellung „An der Oberfläche_On Surface“, die am 2. Juli eröffnet wird.

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Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Mit ihren 2,20 Meter Höhe bei 5,50 Meter Durchmesser ist die Installation „Rotating Labyrinth“ von Jeppe Hein ein Raum füllender Blickfang in der Glashalle zum Kantpark. Foto: Petra Grünendahl.

Mit ihren 2,20 Meter Höhe bei 5,50 Meter Durchmesser ist die Installation „Rotating Labyrinth“ von Jeppe Hein ein Raum füllender Blickfang in der Glashalle zum Kantpark. Foto: Petra Grünendahl.

Die Installation von Jeppe Hein im Rahmen von „Sculpture 21st“ ist bis zum 23. Oktober zu sehen. Dienstags bis freitags ist das Lehmbruck Museum ab 12 Uhr geöffnet, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags wegen der plastikBAR bis 21 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro, ermäßigt 5 Euro. Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Schulklassen und Kindergärten pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte gibt es für 15 Euro. Jeden ersten Freitag im Monat gilt: „pay what you want“. Ausgenommen davon sind angemeldete Gruppen.

Zu den Sonderausstellungen bietet das Lehmbruck Museum Rahmenprogramme an. Details findet man auf den Internet-Seiten des Museums. Öffentliche Führungen gibt es jeden Sonntag, sie kosten 2 Euro zusätzlich zum Eintritt. Für weitere Informationen und Buchungen steht die Kunstvermittlung unter Telefon 0203 / 283-2195 oder eMail kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de zur Verfügung. Weitere Informationen gibt es unter tickets@lehmbruckmuseum.de, Telefon 0203 / 283-2195 oder www.lehmbruckmuseum.de.

(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70%), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen mit Sozialhilfebezug.

© 2016 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (10), Dejan Saric / Lehmbruck Museum (4)

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Deutsche Oper am Rhein: Premiere der „Young Directors“ begeisterte im Theater Duisburg

Zwei Fragen der Identität: Elliott Carters “What Next?”
und Leonard Bernsteins „Trouble in Tahiti“

Von Petra Grünendahl

Elliott Carters "What next?": Susan Maclean (Stella), Romana Noack (Mama), David Chestnut (Kid 1), Dmitri Vargin (Harry or Larry), Heidi Elisabeth Meier (Rose), Corby Welch (Zen), Jan Vorjohann (Kid 2 oben). Foto: Hans Jörg Michel.

Elliott Carters „What next?“: Susan Maclean (Stella), Romana Noack (Mama), David Chestnut (Kid 1), Dmitri Vargin (Harry or Larry), Heidi Elisabeth Meier (Rose), Corby Welch (Zen), Jan Vorjohann (Kid 2 oben). Foto: Hans Jörg Michel.

Elliott Carters "What next?": vorne David Chestnut (Kid 1), Heidi Elisabeth Meier (Rose), hinten Romana Noack (Mama), Corby Welch (Zen). Foto: Hans Jörg Michel.

Elliott Carters „What next?“: vorne David Chestnut (Kid 1), Heidi Elisabeth Meier (Rose), hinten Romana Noack (Mama), Corby Welch (Zen). Foto: Hans Jörg Michel.

Elliott Carters "What next?": vorne Romana Noack (Mama), hinten Marc Gosemärker (Straßenarbeiter), Heidi Elisabeth Meier (Rose), Dmitri Vargin (Harry or Larry). Foto: Hans Jörg Michel.

Elliott Carters „What next?“: vorne Romana Noack (Mama), hinten Marc Gosemärker (Straßenarbeiter), Heidi Elisabeth Meier (Rose), Dmitri Vargin (Harry or Larry). Foto: Hans Jörg Michel.

Wer bin ich? Wo sind wir? Wo wollen wir hin? – Fragen, die Komponist Elliott Carter (1908 – 2012) auf den Titel „What next?“ verdichtet gemeinsam mit dem Librettisten Paul Griffiths (*1947) in einen Opern-Einakter gegossen, der sowohl die Duisburger Philharmoniker als auch die Ensemblesänger musikalisch herausforderte. Eine Herausforderung, die die Akteure zur Begeisterung des Publikums ebenso bravourös meisterten wie den musikalisch so ganz anders gearteten Opern-Einakter von Leonard Bernstein (1918 – 1990), der die Abgründe der heilen Welt im amerikanischen Vorstadt-Mittelstand der 1950-er Jahre hinterfragte. So unterschiedlich, wie die beiden Stücke musikalisch und gesanglich aufgebaut sind: Gemeinsam ist ihnen die Suche nach der Identität der Charaktere.

Eine umjubelte Premiere feierten die „Young Directors“, Tibor Torell und Philipp Westerbarkei, als junge Spielleiter der Deutschen Oper am Rhein mit ihren Regie-Debüts am Theater Duisburg. Mit zwei amerikanischen Einaktern bestritten sie den Abend: Torell hatte Elliott Carters „What next?“ inszeniert, Westerbrakei Leonard Bernsteins „Trouble in Tahiti“. In ihrem Windschatten durften auch andere junge Talente des Hauses ihr Können einbringen, gemeinsam mit Ensemble-Sängern der ersten Garnitur. Das begeisterte Publikum im gut gefüllten Theater erlebte einen hochklassigen Opernabend mit zwei sehr unterschiedlichen Stücken, die zeigten, welche großartigen Möglichkeiten die Opernehe Duisburg Düsseldorf bietet, eigene Talente zu fördern und zu entfalten. „Experiment geglückt“, konstatierte Prof. Christoph Meyer, Generalintendant der Deutschen Oper am Rhein, bei der Premierenfeier und kündigte weitere Abende dieser Art für die übernächste Spielzeit an, bei denen die jungen Talente des Hauses zeigen können, was in ihnen steckt.

Opernehe fördert Talente im eigenen Haus

Leonard Bersteins "Trouble in Tahiti": Annika Kaschenz (Girl), Ramona Zaharia (Dinah). Foto: Hans Jörg Michel.

Leonard Bersteins „Trouble in Tahiti“: Annika Kaschenz (Girl), Ramona Zaharia (Dinah). Foto: Hans Jörg Michel.

„Das Schöne an meinem Job ist, dass ich junge Talente fördern kann“, begeisterte sich Meyer. Mit dem Format „Young Directors“ hat die Rheinoper eine neue Plattform geschaffen, auf der sich ihre jungen Spielleiter mit eigenen Inszenierungen kleinerer Opernstücke beweisen können. Neben den Regisseuren Tibor Torell und Philipp Westerbarkei glänzten hier die Jung-Dirigenten Jesse Wong und Patrick Francis Chestnut ebenso wie die Bühnen- und Kostümbildnerinnen Ana Tasic bzw. Tatjana Ivschina, die seit 2009 sämtliche Kinder- und Familienopern ausgestattet hatte. Für die Besetzung der Rollen durften die beiden Regisseure gleich auf die klangvollen Namen des Opern-Ensembles zugreifen, die wiederum ihre Routine und Erfahrung in die Produktionen einbringen konnten. Mit „Young Moves“ startet am Samstag, 18. Juni, ein vergleichbares Format für das Ballett am Rhein.

Junge Talente und die Erfahrung der ersten Garnitur

Elliott Carters "What next?": Dmitri Vargin (Harry or Larry), Susan Maclean (Stella). Foto: Hans Jörg Michel.

Elliott Carters „What next?“: Dmitri Vargin (Harry or Larry), Susan Maclean (Stella). Foto: Hans Jörg Michel.

Die Duisburger Philharmoniker glänzten sowohl beim eher avantgardistischen Elliott Carter (unter der musikalischen Leitung von Jesse Wong) als auch beim vom Jazz beeinflussten Werk Bernsteins (unter der Leitung von Patrick Francis Chestnut). Die phantasievollen Bühnenbilder beider Gestalterinnen – Ana Tasic und Tatjana Ivschina – setzte Franz-Xaver Schaffer ausgesprochen wirkungsvoll in Szene. Beide Regisseure konnten für ihre Inszenierung mit Sängern der ersten Garnitur der Deutschen Oper am Rhein arbeiten. In „What next?“ brillierte Koloratursopran Heidi Elisabeth Meier (Rose) in einer ausgesprochen anspruchsvollen Partie. Zusammen mit Romana Noack (Mama), Susan Maclean (Stella), Corby Welch (Zen), Dmitri Vargin (Harry oder Larry) und Devid Chestnut (Kid) versuchte sie nach einem Unfall oder Unglück zu ergründen, woher sie kamen, was sie sind und wohin sie wollten.

Leonard Bersteins "Trouble in Tahiti": Ramona Zaharia (Dinah), Laurens Bernhard (Junior), Thomas Laske (Sam). Foto: Hans Jörg Michel.

Leonard Bersteins „Trouble in Tahiti“: Ramona Zaharia (Dinah), Laurens Bernhard (Junior), Thomas Laske (Sam). Foto: Hans Jörg Michel.

Leonard Bersteins "Trouble in Tahiti": Cornel Frey (Boy 1), Thomas Laske (Sam), Annika Kaschenz (Girl), Roman Hoza (Boy 2). Foto: Hans Jörg Michel.

Leonard Bersteins „Trouble in Tahiti“: Cornel Frey (Boy 1), Thomas Laske (Sam), Annika Kaschenz (Girl), Roman Hoza (Boy 2). Foto: Hans Jörg Michel.

Leonard Bernstein komponierte und textete „Trouble in Tahiti“ in sieben Szenen, die die heile Welt des Vorstadt-Mittelstandes im Amerika der 1950-er Jahre als Illusion entlarven. Hier finden sich schon musikalische Motive, die Bernstein fünf Jahre später in seinem Musical „West Side Story“ wieder aufgegriffen hat. Dinah (Ramona Zaharia) und Sam (Thomas Laske in einem Gastspiel) sind seit Jahren verheiratet und haben eine Sohn: Junior (Laurens Bernhard). Sie leben in einer Vorstadt-Idylle und – haben sich nichts mehr zu sagen. Sam hat seinen Job in der Stadt, mit Kontakten zu anderen: Annika Kaschenz (Girl), Cornel Frey und Roman Hoza (Boys). Dinah hat nur das Vorstadt-Haus und – Leere. Sie verdächtigt ihn, eine Affäre zu haben, was er natürlich abstreitet. Während er den Stereotypen des American Dream hinterherläuft, sucht sie nach einem Inhalt ihres Lebens. Statt eines Gesprächs über ihre Eheprobleme gehen die beiden schließlich ins Kino: Es läuft „Trouble in Tahiti“ …
 

Ein kleiner Vorgeschmack:
https://www.youtube.com/watch?v=RSv2XQQrD5g

Weitere Termine im Theater Duisburg:
So | 12. Juni 2016 | 15:00 Uhr,
Fr | 24. Juni 2016 | 19:30 Uhr und
Sa | 2. Juli 2016 | 19:30 Uhr.

Elliott Carters "What next?": vorne David Chestnut (Kid 1), Heidi Elisabeth Meier (Rose), hinten Dmitri Vargin (Harry or Larry), Corby Welch (Zen) © Foto: Hans Jörg Michel.

Elliott Carters „What next?“: vorne David Chestnut (Kid 1), Heidi Elisabeth Meier (Rose), hinten Dmitri Vargin (Harry or Larry), Corby Welch (Zen) © Foto: Hans Jörg Michel.

Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten 14,40 und 50,10 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

© 2016 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Hans Jörg Michel, Mannheim / Deutsche Oper am Rhein

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Geschenk an die Stadt Duisburg zum Hafenjubiläum: Gerhard Schröder enthüllt Markus Lüpertz‘ Skulptur „Echo des Poseidon“

Geschenk an die Stadt Duisburg zum Hafenjubiläum: Markus  Lüpertz' Skulptur ECHO DES POSEIDON auf der Mercatorinsel mit Hafenchef Erich Staake, Prof. Markus Lüpertz und Bundeskanzler a. D. Gerhard Schröder. Foto: Petra Grünendahl,

Geschenk an die Stadt Duisburg zum Hafenjubiläum: Markus Lüpertz‘ Skulptur ECHO DES POSEIDON auf der Mercatorinsel mit Hafenchef Erich Staake, Prof. Markus Lüpertz und Bundeskanzler a. D. Gerhard Schröder. Foto: Petra Grünendahl,

Bundeskanzler a.D. Gerhard Schröder enthüllte vor rund 200 Gästen die Bronze-Statue „Echo des Poseidon“ von Markus Lüpertz auf der Duisburger Mercatorinsel. Die zehn Meter hohe Bronzeskulptur des Bildhauers Markus Lüpertz wird künftig die ankommenden Schiffe bei der Einfahrt in den größten Binnenhafen der Welt begrüßen.

„Allein schon die Position des Poseidon ist eindrucksvoll“, so Bundeskanzler a.D. Gerhard Schröder. „Von einem fünf Meter hohen Sockel wird er schwebend sein Element, das Wasser, beobachten. Auch bei Hochwasser steht der Meeresgott auf sicherem Posten.“ Schröder wünschte den Duisburgerinnen und Duisburgern viel Freude mit diesem außergewöhnlichen Kunstwerk und hoffte, dass sich nicht nur die Schiffsleute über den Gruß freuen, sondern sich viele Besucher eigens auf den Weg zum „Echo des Poseidon“ machen. „Der Weg hierhin und die Begegnung mit dieser wunderbaren Großskulptur lohnen sich wirklich“, so Schröder.

Geschenk an die Stadt Duisburg zum Hafenjubiläum: Markus  Lüpertz' Skulptur ECHO DES POSEIDON auf der Mercatorinsel (v. l.): Hafenchef Erich Staake, Bundeskanzler a. D. Gerhard Schröder, Prof. Markus Lüpertz, NRW-Verkehrsminister Michael Groschek und Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link. Foto: Petra Grünendahl,

Geschenk an die Stadt Duisburg zum Hafenjubiläum: Markus Lüpertz‘ Skulptur ECHO DES POSEIDON auf der Mercatorinsel (v. l.): Hafenchef Erich Staake, Bundeskanzler a. D. Gerhard Schröder, Prof. Markus Lüpertz, NRW-Verkehrsminister Michael Groschek und Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link. Foto: Petra Grünendahl,

Geschenk an die Stadt Duisburg zum Hafenjubiläum: Markus  Lüpertz' Skulptur ECHO DES POSEIDON auf der Mercatorinsel. Foto: Petra Grünendahl,

Geschenk an die Stadt Duisburg zum Hafenjubiläum: Markus Lüpertz‘ Skulptur ECHO DES POSEIDON auf der Mercatorinsel. Foto: Petra Grünendahl,

Ein besonderes Ereignis für Duisburg an einem einmaligen Ort. Die Mercatorinsel hatte Markus Lüpertz schon lange als Standort für eine Plastik im Blick. Der Künstler war sich nach vertiefenden Gesprächen, gemeinsamen Skizzen und intensiven Ortsbegehungen mit Hafen-Chef Erich Staake sicher: die exponierte Lage am Zusammenfluss von Rhein und Ruhr bietet genau den richtigen Standort für eine Großskulptur. „Das ist der ideale Platz mit dieser erstaunlichen Ruppigkeit. Ich hatte die Insel dank der Kulisse mit Fluss und Brücke immer im Blick – ein Traum“, betont Lüpertz.

Markus Lüpertz – Maler, Bildhauer, Grafiker und Dichter – ist einer der bedeutendsten zeitgenössischen deutschen Künstler. Seine erste künstlerische Heimat war am Niederrhein, gleichsam vis á vis von der Mercatorinsel liegt die ehemalige Werkkunstschule Krefeld. Hier wurde der junge Maler als Bewerber für einen Studienplatz erstmals angenommen. Danach arbeitete er in Ateliers in Mönchengladbach – und natürlich in Düsseldorf. Mit dem mächtigen „Echo des Poseidon“ an der Stelle, an dem Rhein und Ruhr zusammenfließen, kehrt auch der frühere Rektor und heutige Senator der Düsseldorfer Kunstakademie wieder in die Nähe seiner alten Wirkungsstätten zurück.

„Wir wollen im Jahr unseres 300-jährigen Jubiläums in aller Bescheidenheit anspruchsvoll sein. Mit dieser Skulptur wollen wir der Stadt Duisburg und den Menschen am Niederrhein ein Geschenk machen, das eben nicht beliebig ist, sondern zum Nachdenken anstiftet und den Betrachter ins Staunen versetzt. Markus Lüpertz beeindruckende Bronzeplastik repräsentiert den Stolz der Menschen hier genauso wie ihre Fähigkeit allen Widrigkeiten zu trotzen. Das Werk ist eine unübersehbare Landmarke an diesem für Deutschland und Europa so wichtigen Fluss“, so Erich Staake, Vorstandsvorsitzender der Duisburger Hafen AG.

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An der Enthüllung des neuen Wahrzeichens nahmen rund 200 Kunstfreunde aus ganz Deutschland teil, darunter auch NRW-Verkehrsminister Michael Groschek und Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link.

– Pressemeldung der Duisburger Hafen AG duisport –
Fotos: Petra Grünendahl

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Wirtschaftsbetriebe Duisburg: Sommerpflanzen im Straßenraum

Bunte Beete lassen die Sonne lachen

Blumenbeet auf der Grünfläche an der Kulturstraße / Ecke Düsseldorfer Straße: Gärtner Stephan Nöchel von den Wirtschaftsbetrieben Duisburg beim Pflanzen der bunten Beete, die das Straßenbild in Duisburg verschönern. Foto: Petra Grünendahl.

Blumenbeet auf der Grünfläche an der Kulturstraße / Ecke Düsseldorfer Straße: Gärtner Stephan Nöchel von den Wirtschaftsbetrieben Duisburg beim Pflanzen der bunten Beete, die das Straßenbild in Duisburg verschönern. Foto: Petra Grünendahl.

Bereits in der vergangenen Woche trafen die ersten Lieferungen von Sommerblumen bei den Wirtschaftsbetrieben Duisburg ein. Seitdem arbeiten die Gärtnerinnen und Gärtner an der sommerlichen Gestaltung des Stadtbildes.

Vorwiegend Begonien, Pelargonien und Verbenen finden auf diese Weise ihren Weg in den Duisburger Straßenraum. Dabei handelt es sich um Einkaufsstraßen, Grünanlagen sowie Straßenbegleitgrün. Insgesamt wurden ca. 37.000 Pflanzen angeschafft. Die Kosten belaufen sich dabei auf knapp 22.280 Euro.

Mehr als traurig:
Schon nach kürzester Zeit wurden Blumen aus dem Stadtpark Meiderich gestohlen.

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Je blühender desto Frühling … 😉

– Pressemeldung der Wirtschaftsbetriebe Duisburg –
Fotos: Petra Grünendahl

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Zeitzeugenbörse Duisburg: „Ruhrort in alten Fotografien“ im Sutton Archiv

Von alten Ansichten und solchen,
die unwiederbringlich verloren sind

Von Petra Grünendahl

Eisenbahnhafen mit dem alten Hebeturm der Trajektanstalt in Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. "Ruhrort in alten Fotografien", © Reinhold Stausberg / Sutton Verlag.

Eisenbahnhafen mit dem alten Hebeturm der Trajektanstalt in Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. „Ruhrort in alten Fotografien“, © Reinhold Stausberg / Sutton Verlag.

Der Hafen und die Binnenschifffahrt bestimmen Leben und Wirtschaft in Ruhrort, seit der Magistrat vor 300 Jahren beschlossen hatte, eine Anlegestellte zu bauen. Damit legte er den Grundstein für das, was heute als Duisburger Hafen der größte Binnenhafen der Welt ist. Die wirtschaftliche Entwicklung und damit verbunden das gesellschaftliche Leben wurden möglich durch den Hafen und die Industrie, die sich ansiedelten und weitere Unternehmer ebenso wie Arbeiter anzogen. Mit den Menschen kamen neue Siedlungen, Schulen und Kirchen, Orte der Gastlichkeit und das Vereinsleben, das sich in den 160 bislang unveröffentlichten Fotografien und Postkarten spiegelt.

Nur die Oscar Huber (heute Museumsschiff) und die Friedrich-Ebert-Brücke im Hintergrund gibt es noch. Das Foto aus dem Jahr 1968 zeigt das alte Pegelhäuschen sowie Ladekräne und eine Lagerhalle auf der Speditionsinsel (heute: Mercatorinsel). Aus: Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. "Ruhrort in alten Fotografien", © Paul Mismahl / Sutton Verlag.

Nur die Oscar Huber (heute Museumsschiff) und die Friedrich-Ebert-Brücke im Hintergrund gibt es noch. Das Foto aus dem Jahr 1968 zeigt das alte Pegelhäuschen sowie Ladekräne und eine Lagerhalle auf der Speditionsinsel (heute: Mercatorinsel). Aus: Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. „Ruhrort in alten Fotografien“, © Paul Mismahl / Sutton Verlag.

Die Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. präsentiert mit „Duisburg-Ruhrort in alten Fotografien“ in der Reihe Sutton Archiv (früher: Archivbilder) ihre neueste Entdeckungsreise in die Lokalgeschichte. Am Zusammenfluss von Ruhr und Rhein wurde ab 1371 Zoll erhoben, 1379 taucht für das Kastell der Name „Ruhrort“ erstmalig auf. Die Fischersiedlung lag an der Kreuzung von zwei alten Handelswegen (dem Rhein und dem Hellweg). Im Jahr 1437 erlaubte der Herzog von Cleve, den Ort zur Befestigung durch eine Ringmauer zu sichern. Wegen der verkehrsgünstigen Lage beschloss der Magistrat 1716 den Bau eines Hafens, der die Stadt weiter wachsen ließ. Vieles davon ist im vergangenen Jahrhundert in Bildern festgehalten worden. Manche Bilder zeigen längst Vergangenes wie die mittelalterliche Altstadt, die Haniel-Krankenstiftung, die alte Schifferbörse, den Hebeturm im Eisenbahnhafen oder die Admiral-Scheer-Brücke nach Homberg, um hier mal nur die markantesten Punkte der Reise in die Vergangenheit zu nennen.

Alte Schifferbörse mit Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. "Ruhrort in alten Fotografien", © Archiv Zeitzeugenbörse / Sutton Verlag.

Alte Schifferbörse mit Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. „Ruhrort in alten Fotografien“, © Archiv Zeitzeugenbörse / Sutton Verlag.

Andere Gebäude und Szenen findet man auch im heutigen Straßenbild wieder, manchmal erst auf den zweiten Blick. In bewährter Form haben die Autoren die Bilder mit Geschichten der ehemals selbstständigen Stadt auf neun Kapitel verteilt, die das Ganze thematisch strukturieren. Vieles ist im Laufe der Jahrzehnte verlorengegangen – im Zweiten Weltkrieg beispielsweise, oder bei „Altstadtsanierungen“ in den 1960-er Jahre: Der mittelalterliche Ortskern, alte Hafenbecken, die später zugeschüttet wurden, und viele der Gaststätten und Kneipen, die gerade auch durch die sehr personalintensive Binnenschifffahrt ihr Auskommen hatten.

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Haniel-Krankenstiftung 1930 am Karlsplatz in Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. "Ruhrort in alten Fotografien", © Reinhold Stausberg / Sutton Verlag.

Haniel-Krankenstiftung 1930 am Karlsplatz in Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. „Ruhrort in alten Fotografien“, © Reinhold Stausberg / Sutton Verlag.

Zum Entdecken und Erinnern
Das Buch „Duisburg-Ruhrort in alten Fotografien“ publiziert – wie alle Werke der Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. – der Erfurter Sutton Verlag, in Deutschland führender Verlag für Regionalgeschichte. Auf 128 Seiten findet der Leser 160 Abbildungen mit vielen bislang unveröffentlichten historischen Fotografien aus dem alten Ruhrort. Die alte Kartenansicht im Vorsatz erleichtert die Einordnung der Fotos, allerdings ist der Blick auf aktuelle Straßenkarten an einigen Stellen ebenfalls sehr hilfreich. Hochinformative Texte ordnen die Bilder ein und beschreiben die Ansichten und ihre Entwicklung bis heute. Die historischen Aufnahmen und Postkarten datieren von etwa 1900 bis in die 1980-er Jahre. Zwei Seiten Chronik mit den wichtigsten Ereignissen von 1371 bis 2016 schließen ein faszinierendes „Bilderbuch“ ab, in das man wieder und wieder hineinschauen möchte. Die Abbildungen stammen aus den Sammlungen von Paul Mismahl, Reinhold Stausberg, Rudolf Zillgen, von diversen Einzelbild-Leihgebern und Harald Molder von der Zeitzeugenbörse Duisburg sowie aus den Archiven der Zeitzeugenbörse und des Studios der Heimat. In die Texte flossen Informationen der Bildgeber. Auch Marlies Depenbrock, Birgit Henning-Friebe, Heinz Pischke, Marlies Pollack (Chicago) und andere steuerten Informationen bei. Das reich bebilderte Buch mit festem Einband ist unter dem Label „Sutton Archiv“ (früher: Reihe Archivbilder) erschienen und kostet 19,99 Euro. Zu beziehen ist es über den lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-95400-693-9).

Ausschnitt der Übersichtskarte der Stadt Duisburg 1912 in Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. "Ruhrort in alten Fotografien", © Reinhold Stausberg / Sutton Verlag.

Ausschnitt der Übersichtskarte der Stadt Duisburg 1912 in Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. „Ruhrort in alten Fotografien“, © Reinhold Stausberg / Sutton Verlag.

Zeitzeugenbörse Duisburg e. V.
Die Zeitzeugenbörse Duisburg wurde von Harald Molder ins Leben gerufen. Molder beschäftigt sich seit 1975 mit der Stadtgeschichtsforschung. Unter seinem Vorsitz ist die Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. 2007 ins Vereinsregister der Stadt eingetragen worden. Seither vernetzen sich engagierte Heimatforscher, um Duisburger Stadtgeschichte auch in Ausstellungen, Vorträgen und Büchern erlebbar zu machen.

Sutton Verlag, Erfurt
Sutton ist der führende Verlag für Regionalgeschichte und -literatur im deutschsprachigen Raum, vom historischen Bildband bis zum Freizeitführer. Den zweiten Schwerpunkt des 1997 gegründeten Verlages bildet die Verkehrs- und Technikgeschichte. Außerdem bietet Sutton Krimi unter dem Motto „mordsmäßig spannend“ seit 2011 Regionalkrimis der unterschiedliches Genres. Seit Anfang 2014 gehört Sutton zum Verlagshaus GeraNova Bruckmann in München.

Zur vollständigen Liste der bisherigen Publikationen der Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. im Sutton Verlag geht es hier im Menüpunkt „Bücher“.

© 2016 Petra Grünendahl
Fotos: Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. / Sutton Verlag

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Deutsche Oper am Rhein: Publikum feierte die grandiose Wiederaufführung des „Rosenkavalier“ im Theater Duisburg

Grandiose Opulenz von Klängen und Stimmen,
von Farben und Gefühlen

Von Petra Grünendahl

Katarzyna Kuncio (Octavian), Melanie Diener (Feldmarschallin). Foto: Matthias Jung.

Katarzyna Kuncio (Octavian), Melanie Diener (Feldmarschallin). Foto: Matthias Jung.

In ihrem Schlafzimmer genießt die Feldmarschallin (Linda Watson), eine Dame mittleren Alters, die Avancen des jungen Octavian (Katarzyna Kuncio). Dass sich der 17-Jährige bald jüngeren Frauen zuwenden wird, ist ihr klar. Plötzlich erscheint ihr Cousin, Baron Ochs auf Lerchenau (Thorsten Grümbel), auf der Bildfläche. Octavian kann nur durch eine Verkleidung als Kammerzofe unerkannt bleiben. Der Baron sucht einen Rosenkavalier, der für ihn eine silberne Rose an die junge Sophie (Anna Virovlansky) als Brautwerbung übergibt. Obwohl er einerseits auf Brautschau ist, muss sich gleichzeitig die „Zofe“ gegen seine Aufdringlichkeiten wehren. Der nicht mehr ganz taufrische Baron jagt jedem Rock hinterher, der nicht flugs das Weite sucht, und prahlt mit seinen „amourösen Erfahrungen“.

Melanie Diener (Feldmarschallin), Florian Simson (Haushofmeister der Feldmarschallin), Jussi Myllys (Sänger), Bruce Rankin (Valzacchi), Susan Maclean (Annina), Mitglieder des Chores der Deutschen Oper am Rhein, Statisterie. Foto: Matthias Jung.

Melanie Diener (Feldmarschallin), Florian Simson (Haushofmeister der Feldmarschallin), Jussi Myllys (Sänger), Bruce Rankin (Valzacchi), Susan Maclean (Annina), Mitglieder des Chores der Deutschen Oper am Rhein, Statisterie. Foto: Matthias Jung.

VORNE: Katarzyna Kuncio (Octavian), Lars Woldt (Baron Ochs auf Lerchenau), Stefan Heidmann (Herr von Faninal). HINTEN: Paul Stefan Onaga (Haushofmeister des Faninal), Mitglieder des Chores der Deutschen Oper am Rhein. Foto: Matthias Jung.

VORNE: Katarzyna Kuncio (Octavian), Lars Woldt (Baron Ochs auf Lerchenau), Stefan Heidmann (Herr von Faninal). HINTEN: Paul Stefan Onaga (Haushofmeister des Faninal), Mitglieder des Chores der Deutschen Oper am Rhein. Foto: Matthias Jung.

Richard Strauss’ (1864 – 1949) „Der Rosenkavalier“ spielt im Wien des Jahres 1740. Zusammen mit Hugo von Hofmannsthal (1874 – 1929) hat Strauss eine Komödie mit Musik in drei Akten geschaffen, die musikalisch und szenisch den Glanz der Epoche widerspiegelt. Uraufgeführt wurde das Werk 1911 an der Semperoper in Dresden. Otto Schenk, der langjährige Hausregisseur der Wiener Staatsoper, hat 1981 den „Rosenkavalier“ an der Deutschen Oper am Rhein inszeniert. Seine Inszenierung in grandios-prunkvollem Ambiente, die der musikalischen und szenischen Opulenz der Oper gerecht werden, hat seitdem zu Recht ihren Platz im Rheinopern-Repertoire. Ein vollends begeistertes Publikum bei der Wiederaufführung im voll besetzten Theater Duisburg bestätigte dies eindrucksvoll. Kurzweilig und amüsant inszenierte viereinhalb Stunden (inklusive zwei Pausen) bieten schwungvolle heitere Unterhaltung, die einem variantenreichen Wiener Walzer gleicht, der der Oper ihr Lokalkolorit verleiht. Das Programmheft vermerkt „in deutscher Sprache mit Übertiteln“; sowohl Gesang als auch Übertitel sollten aber eher als „in österreichischer Sprache“ bezeichnet werden, der Muttersprache des Librettisten und Schriftstellers Hugo von Hugo von Hofmannsthal. Das gibt dem prunkvoll inszenierten Stück seine Authenzität und einen gewissen Charme. Dafür muss man auch nicht jedes einzelne Wort verstanden haben.

Heiteres Sittengemälde als Spiegel der Gesellschaft

Bruce Rankin (Valzacchi), Katarzyna Kuncio (Octavian), Anke Krabbe (Sophie), Susan Maclean (Annina). Foto: Matthias Jung.

Bruce Rankin (Valzacchi), Katarzyna Kuncio (Octavian), Anke Krabbe (Sophie), Susan Maclean (Annina). Foto: Matthias Jung.

Stefan Heidemann (Herr von Faninal), Anke Krabbe (Sophie), Lars Woldt (Baron Ochs auf Lerchenau). Foto: Matthias Jung.

Stefan Heidemann (Herr von Faninal), Anke Krabbe (Sophie), Lars Woldt (Baron Ochs auf Lerchenau). Foto: Matthias Jung.

Als Octavian Sophie die silberne Rose überreicht, verlieben sich die beiden in einander. An dem alternden Baron hat die junge Sophie keinerlei Interesse, seine Aufdringlichkeit schreckt sie eher ab. Mit einer List will Octavian auch Sophies Vater, den Herr von Faninal (Stefan Heidemann), überzeugen, dass Ochs auf Lerchenau kein Mann für seine Tochter ist. Hier kommt die „Kammerzofe“ wieder ins Spiel, die den Baron zu einem Rendezvous ins Gasthaus bittet. Das Ränkespiel des Lüstlings fliegt auf, Sophies Vater lässt vom Fast-Schwiegersohn ab. Die Feldmarschallin, die das Ganze durchschaut hat, klärt auf, verzichtet auf Octavian und überlässt ihn Sophie. Wundervolle Gesangspartien werden abgerundet durch überzeugendes Schauspiel, die die „runden“ Charaktere von Hofmannsthal leben und erleben lassen. Der Vorhang des glücklichen Endes schließt sich, der Zuschauer ist zurück im Hier und Jetzt: Nicht enden wollender tosender Applaus belohnte phantastische Sänger und Akteure auf und vor der Bühne.

Aus dem Vollen geschöpft

Anke Krabbe (Sophie), Lisa Griffith (Leitmetzerin), Lars Woldt (Baron Ochs auf Lerchenau), Katarzyna Kuncio (Octavian), Chor der Deutschen Oper am Rhein. Foto: Matthias Jung.

Anke Krabbe (Sophie), Lisa Griffith (Leitmetzerin), Lars Woldt (Baron Ochs auf Lerchenau), Katarzyna Kuncio (Octavian), Chor der Deutschen Oper am Rhein. Foto: Matthias Jung.

Die pompösen variantenreichen Klangwelten von Strauss’ Komposition meisterten glänzend aufgelegt Duisburger Philharmoniker unter den Leitung von DOR-Generalmusikdirektor Axel Kober. Die große Besetzung mit Ensemble-Solisten und Gastsängern für die vielen Gesangsrollen bekam stimmliche Unterstützung durch den Chor der Deutschen Oper am Rhein unter der Leitung von Christoph Kurig und dem Kinderchor am Rhein unter der Leitung von Sabina López Miguez. Prunkvolle Bühnenlandschaften entführten die Zuschauer ins kaiserliche Wien: Für deren Gestaltung zeichnete Bert Kistner verantwortlich, die farbenprächtigen Kostüme entwarft Gabriele Frey.

Weitere Termine im Theater Duisburg:

Lars Woldt (Baron Ochs auf Lerchenau), Bruce Rankin (Valzacchi), Susan Maclean (Annina), Mitglieder des Chores der Deutschen Oper am Rhein und des Düsseldorfer Mädchen- und Jungenchores. Foto: Matthias Jung.

Lars Woldt (Baron Ochs auf Lerchenau), Bruce Rankin (Valzacchi), Susan Maclean (Annina), Mitglieder des Chores der Deutschen Oper am Rhein und des Düsseldorfer Mädchen- und Jungenchores. Foto: Matthias Jung.

Florian Simson (Haushofmeister der Feldmarschallin), Jussi Myllys (Sänger), Bruce Rankin (Valzacchi), Susan Maclean (Annina), Mitglieder des Chores der Deutschen Oper am Rhein. Foto: Matthias Jung.

Florian Simson (Haushofmeister der Feldmarschallin), Jussi Myllys (Sänger), Bruce Rankin (Valzacchi), Susan Maclean (Annina), Mitglieder des Chores der Deutschen Oper am Rhein. Foto: Matthias Jung.

Sa | 21. Mai 2016 | 18:30 Uhr,
So | 29. Mai 2016 | 18:30 Uhr.

Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten wegen Überlänge zwischen 20,30 und 70,30 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

© 2016 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Matthias Jung, Köln / Deutsche Oper am Rhein

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IHK-Jahrespressekonferenz 2016: Konjunktur-Erwartungen getrübt

Hochwertigste Stahlproduktion der Welt nicht gefährden
Von Petra Grünendahl

Hauptgeschäftführer Dr. Stefan Dietzfelbinger (l.) und IHK-Präsident Burkhard Landers (r.). Foto: Petra Grünendahl.

Hauptgeschäftführer Dr. Stefan Dietzfelbinger (l.) und IHK-Präsident Burkhard Landers (r.). Foto: Petra Grünendahl.

„Unternehmen in der Region sind zwar mit der aktuellen Wirtschaftssituation nicht weniger zufrieden als bei der letzten Umfrage vor einem Jahr“, erklärte IHK-Präsident Burkhard Landers, „aber bei den Zukunftsprognosen haben sich leider die Erwartungen der Unternehmen verschlechtert.“ Der Konjunkturklimaindex sank von 116 auf 112 Punkte, was dem Mittelwert der letzten zehn Jahre entspricht. „Gut ist das nicht“, so Landers, denn der Mittelwert sei von der Wirtschaftskrise 2008/2006 beeinflusst, die ihn runter zieht. Im Detail gäbe es Unterscheide zwischen den Wirtschaftssektoren: Rückläufige Zahlen in der Logistik, Konjunkturabkühlung in China und sinkende Exporte zeigten: „Wir müssen uns auf eine nachlassende Dynamik einstellen.“ Dienstleister und Industrie würden vorsichtig agieren und eher „auf Sicht“ fahren.

Zum Jahrespressegespräch der Niederrheinischen IHK Duisburg Wesel Kleve sprachen Präsident Burkhard Landers und Hauptgeschäftsführer Dr. Stefan Dietzfelbinger Klartext, wo es der regionalen Wirtschaft unter den Nägeln brennt. Wichtige Themen wurden angesprochen, die den Standort Niederrhein betreffen: Stahl, Flüchtlinge, Infrastruktur und Kommunalfinanzen. Insbesondere die Infrastruktur als Lebensader der Wirtschaft macht den Interessenvertretern Sorgen. Zwar profitiere gerade die Region Duisburg-Niederrhein von der Indrastruktur-Offensive des Bundes, was aber nicht heiße, dass alle wichtigen Verkehrsadern angemessen finanziert würden, so der Tenor. Insbesondere der Karl-Lehr-Brückenzug als Hauptschlagader des Hafens leidet unter einem Sanierungsbedarf, der mangels Förderzusagen vom VRR nicht weiterverfolgt werden kann. Bislang ist erst eine von vier Brücken erneuert, der Verkehr drohe ab diesem Sommer aus statischen Gründen auf nur noch eine Spur je Fahrtrichtung beschränkt zu werden, warnte Hauptgeschäftführer Dietzfelbinger.

Breite Allianz für den Stahlstandort Duisburg

Hauptgeschäftführer Dr. Stefan Dietzfelbinger (l.) und IHK-Präsident Burkhard Landers (r.). Foto: Petra Grünendahl.

Hauptgeschäftführer Dr. Stefan Dietzfelbinger (l.) und IHK-Präsident Burkhard Landers (r.). Foto: Petra Grünendahl.

Weltweite Überkapazitäten in der Stahlproduktion und die schwächelnde Konjunktur in China schwemmen insbesondere subventionierten Stahl aus China auf die Weltmärkte. Wo sich die Amerikaner mit sehr rigiden Anti-Dumping-Gesetzen wirksam zur Wehr setzen, sind die europäischen Märkte für billige Importe weitgehend offen. Das schade der deutschen Stahlindustrie, die Burkhard Landers als industriellen Kern Deutschlands hervorhob. Selbst in anderen europäischen Ländern werde Stahl subventioniert, in Deutschland jedoch nicht. „Das tut weh!“

Von jedem Arbeitsplatz in der Stahlindustrie hängen laut dem Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftforschung (RWI in Essen) 5,5 Arbeitsplätze in anderen Branchen ab. Bei 18.000 Beschäftigten in Duisburgs Stahlindustrie sind dies also rund 100.000 weitere Arbeitsplätze in Duisburg, Nordrhein-Westfalen und Deutschland insgesamt: „Das sind keine Peanuts!“, bekräftigte Landers. Dazu kämen weitere Arbeitsplätze in der Lebensmittelversorgung etc. – also überall dort, wo die Beschäftigten vor Ort ihren Konsum tätigten, merkte Dietzfelbinger an.

Infografik: IHK Niederrhein.

Infografik: IHK Niederrhein.

Dass die Duisburger Stahlindustrie an ihren Standort glaubt, zeigen Investitionen in mehrstelliger Millionenhöhe, die alle Unternehmen in den letzten Jahren in die Modernisierung ihrer Anlagen investiert haben. In Europas größtem Stahlstandort wird nicht nur der weltweit hochwertigste, sondern auch der sauberste Stahl produziert. Pläne der EU gefährden allerdings den Standort, denn sich weitere Emissionsverschärfungen zusammen mit einer Verteuerung der benötigten Zertifikate könnten den Standort unrentabel machen. „An Standorte, die auf einem Stand sind, den wir vor vielen Jahren hatten, sind die Ziele von prozentualen Emissionsreduzierung möglich. Hier sind die Möglichkeiten nahezu ausgereizt“, erklärte Präsident Landers. In Duisburg stünden schon die saubersten Produktionsanlagen der Welt. Ein gesunder Stahlstandort sichere aber nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch die Standortqualitäten für alle Branchen, die den Stahl für ihre Produktion benötigen: Maschinenbau, Anlagen- und Werkzeugbau, Baugewerbe und Automobilindustrie. Deren Wirtschafts- und Innovationskraft stärken den Industriestandort Deutschland.

Die Resolution „Allianz für den Stahlstandort Duisburg“ wird gemeinsam getragen von allen relevanten Gruppen aus Wirtschaft, Gewerkschaften, Verbänden und Politik. Die Standortstärke „Industrie“ hatte Deutschland die Wirtschaftskrise 2008/2009 deutlich schneller überwinden lassen als beispielsweise ein Land wie Großbritannien, das einen starken Prozess der Deindustrialisierung hinter sich hatte, als die Krise begann. Sie hätten „die Industrie gegen Investmentbanking ausgetauscht“, hatte Landers schon vor Jahren sehr treffend angemerkt. Hier geht es zur Resolution …

Heimat shoppen
Ein großer Erfolg war die von der Niederrheinischen IHK zusammen mit dem Einzelhandelsverband Niederrhein initiierte Aktion „Heimat shoppen“, bei der sich der lokale Einzelhandel im September letzten Jahres in 29 von 30 Städten des Kammerbezirks mit besonderen Aktionen für Kunden und Besucher präsentierte. Nach dem Erfolg des Vorjahres ist eine Neuauflage im September geplant, um Menschen die Angebote und Möglichkeiten vor Ort schmackhaft zu machen.

© 2016 Petra Grünendahl (Text und Fotos)
Infografik: IHK Niederrhein

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Erster ver.di Gedenkspaziergang gegen Rassismus und Faschismus

Orte des Gedenkens mahnen:
Wohin Faschismus führt und warum wir uns wehren sollten

Von Petra Grünendahl

Christa Bröcher (vorne links) und Thomas Keuer (vorne, 2. v. r.) führten zu den Orten des Gedenkens. Foto: Petra Grünendahl.

Christa Bröcher (vorne links) und Thomas Keuer (vorne, 2. v. r.) führten zu den Orten des Gedenkens. Foto: Petra Grünendahl.

Rechtspopulismus und Neofaschismus wird wieder hoffähig in Europa. Auch in Deutschland gewinnen rechte Kräfte unterschiedlichster Art, aber alle mit einem reaktionären Weltbild, wieder an Aufmerksamkeit und – zum Leidwesen aller Demokraten – auch an Wählerstimmen. Damit sind auch antifaschistische Kräfte aufgerufen, Flagge zu zeigen. Die Gewerkschaften tun dies zu unterschiedlichsten Gelegenheiten. Der Vorabend des 1. Mai bot eine solche Gelegenheit, sich gegen Faschismus und Krieg aufzustellen. Orte des Gedenkens an Opfer des Nationalsozialismus warnen an vielen Stellen in unserer Stadt, wohin Faschismus führt. Einige davon in der Innenstadt markierten den Weg.

Zum ersten Gedenkspaziergang gegen Rassismus und Faschismus hatte die Gewerkschaft ver.di zusammen mit der VVN/ / BdA (Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes / Bund der Antifaschisten) aufgerufen. Los ging der Gedenkspaziergang an der Ruhrorter Straße 11, wo vier Stühle für die am 2. Mai 1933 ermordeten Gewerkschafter stehen. 1933 stand dort das Gewerkschaftshaus der Metallgewerkschaft, wohin die vier nach ihrer Verhaftung verschleppt worden waren: Im Keller des Hauses wurden sie von der Gestapo gefoltert und erschlagen. Christa Bröcher von der VVN-Kreisvereinigung Duisburg und Thomas Keuer vom ver.di-Bezirk Duisburg-Niederrhein führten zu den Gedenk- und Mahnmalen und erklärten ihre Bedeutung und Entstehung.

Gedenken und Mahnen

Nie weider Faschismus! Nie wieder Krieg! - ver.di Gedenkspaziergang gegen Rassismus und Faschismus. Foto: Petra Grünendahl.

Nie weider Faschismus! Nie wieder Krieg! – ver.di Gedenkspaziergang gegen Rassismus und Faschismus. Foto: Petra Grünendahl.

Ebenfalls für die vier Gewerkschafter stellvertretend für alle Gewerkschafter, die im Widerstand gegen das Nazi-Regime getötet wurden, steht ein Mahnmal vor dem Rathaus (an der Treppe zur Schwanenstraße). Erst 1984 war dieses Mahnmal errichtet worden. Es ist noch eines der frühesten, die in Duisburg errichtet wurden. Ein einziges Kirchenfenster an der benachbarten Salvatorkirche muss mit Maschendraht gesichert werden: er erinnert an die Pogromnacht 1938 und die brennende Synagoge.

Weiter ging es zum Rabbiner-Neumark-Weg: Eine Stahlskulptur zum Gedenken an die Synagoge, ein Anne-Frank-Denkmal sowie ein Stolperstein für Widerständler Gottfried Könzgen, Gewerkschafter und Mitglied in der Katholischen Arbeiterbewegung, säumen diesen Fußweg. Stolpersteine gab es unterwegs einige weitere, die zumeist an jüdische Mitbürger erinnern. Über die Junkernstraße, wo einst Duisburgs Synagoge stand – eine evangelische Gedenkkapelle erinnert heute an diesen Ort, ein Stück Mauerwerk ist dort noch zu sehen – ging es zum Stapeltor, wo eine Stele und vier stählerne „Särge“ noch einmal an den Tod der vier Gewerkschafter erinnern, die am 2. Mai die buchstäbliche „Zerschlagung der Gewerkschaften“ nicht überlebten. Über die Kardinal-Galen-Straße und die Mainstraße ging es dann Richtung Landfermannstraße. Gleich 12 Stolpersteine für jüdischen Duisburger liegen an der Mainstraße 15. Dort wurden Juden wie auch in anderen so genannten „Judenhäusern“ zusammengepfercht, bevor sie nach Riga deportiert und dort ermordet wurden. Seinen Abschluss fand der Gedenkspaziergang am Harry-Epstein-Platz am Hauptbahnhof, wo erst vor wenigen Jahren eine Gedenkstele für deportierte Kinder errichtet worden war. Innerhalb der Stahlskulptur hängen Platten mit Namen von deportierten Kindern, von denen man nicht weiß, wann und wo sie gestorben sind.

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Diese Orte und noch einige andere in Duisburg (zum Beispiel hier) erinnern an schlimme Zeiten. Sie sollen auch mahnen:
So etwas darf nie wieder geschehen! Wehret den Anfängen!

© 2016 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Zentrum für Erinnerungskultur: Neue „DenkStätte“ in Duisburg

“Wir müssen die Jungen erreichen,
sie zum nachdenken anregen“

Von Petra Grünendahl

Anne Ley-Schalles (l.) und Robin Heun (r.) bei ihrem hochinteressanten Vortrag über die Pogromnacht 1938. Foto: Petra Grünendahl.

Anne Ley-Schalles (l.) und Robin Heun (r.) bei ihrem hochinteressanten Vortrag über die Pogromnacht 1938. Foto: Petra Grünendahl.

„Die große Synagoge in Duisburg stand 63 Jahre lang, aber wir haben nur zwei Bilder von ihr“, erklärte Anne Ley-Schalles, Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Zentrums für Erinnerungskultur, in ihrem Vortrag zu den „Novemberpogromen 1938 in Duisburg“. Zusammen mit ihrem Kollegen Robin Heun stellte sie beim „Tag der offenen DenkStätte“ dar, wie die Juden in Duisburg nicht nur verfolgt und deportiert wurden, sondern wie die Nazis systematisch versuchten, die Spuren jüdischen Lebens in Deutschland zu tilgen. Von der Synagoge in Ruhrort gibt es lediglich ein Foto, als sie in der Pogromnacht in Flammen stand. Jüdisches Leben in Duisburg war vor 1933 vielfältig gewesen, nach zwölf Jahre Nazi-Herrschaft praktisch kaum noch vorhanden. Die Aufarbeitung des Nationalsozialismus beschränkt sich allerdings nicht nur auf die Judenverfolgung, sondern auf die Opfer des faschistischen Terrors insgesamt.

Offizielle Eröffnung des Zentrums für Erinnerungskultur (v. l.): Dr. Andreas Pilger (Direktor des Stadtarchivs), Kulturdezernent Thomas Krützberg, Alt-Oberbürgermeister Jupp Krings, Oberbürgermeister Sören Link, Dr. Susanne Sommer (Direktorin des KSM). Foto: Petra Grünendahl.

Offizielle Eröffnung des Zentrums für Erinnerungskultur (v. l.): Dr. Andreas Pilger (Direktor des Stadtarchivs), Kulturdezernent Thomas Krützberg, Alt-Oberbürgermeister Jupp Krings, Oberbürgermeister Sören Link, Dr. Susanne Sommer (Direktorin des KSM). Foto: Petra Grünendahl.

Mit der Fertigstellung der „DenkStätte“, deren Eröffnung mit einem Tag der Offenen Tür, Führungen durchs Haus und hochinteressanten Vorträgen und Vorführungen historischen Filmmaterials gefeiert wurde, ist die erste Baustufe abgeschlossen. Schon seit Herbst 2014 ist das Zentrum für Erinnerungskultur Menschenrechte und Demokratie (ZfE) tätig mit Ausstellungen und Führungen. Die „DenkStätte“ richtet sich an Schulen und Bildungsträger und positioniert sich als außerschulischer Lernort mit pädagogischen Angeboten besonders für junge Leute. „Hardcore-Nazis wird man damit nicht erreichen“, sagte Oberbürgermeiste Sören Link bei der Einweihung. Die Hoffnung läge vielmehr bei den Jungen, die man erreichen wolle. Migrationswellen seit dem 19. Jahrhundert hätten, so Link, die Entwicklung in Duisburg gefördert und gehörten zur Identität der Stadt. Die Ablehnung von „anderen“ sei besonders ausgeprägt, wenn es keine Kontakte zu Betroffenen gäbe. Hier will das ZfE ansetzen mit der Vermittlung von Zeitzeugenberichten und persönlichen Erlebnissen. Zehn Jahre habe die Realisierung des Projekts gedauert, das ursprünglich als „NS-Dokumentationszentrum“ bezeichnet worden war: „Wir hoffen, dass die engagierte Arbeit hier Früchte trägt.“

DenkStätte als außerschulischer Lernort

Ort für Recherche: die "DenkStätte" mit Computerarbeitsplätzen. Foto: Petra Grünendahl.

Ort für Recherche: die „DenkStätte“ mit Computerarbeitsplätzen. Foto: Petra Grünendahl.

Brennend in der Pogromnacht 1938: Das einzige Foto der Synagoge in Ruhrort. Foto: Petra Grünendahl

Brennend in der Pogromnacht 1938: Das einzige Foto der Synagoge in Ruhrort. Foto: Petra Grünendahl

Rechts ein Bild von der Synagoge an der Junkernstraße, links Herta Herzstein, Sekretärin der judischen Gemeinde. Foto: Petra Grünendahl.

Rechts ein Bild von der Synagoge an der Junkernstraße, links Herta Herzstein, Sekretärin der judischen Gemeinde. Foto: Petra Grünendahl.

„Unsere Präsentation muss Jugendliche ansprechen. Das ist wichtig, denn das Thema ist schon schwierig genug“, erklärte Dr. Andreas Pilger, Direktor des Stadtarchivs und damit einer der beiden verantwortlichen Leiter des ZfE. „Wir konzentrieren uns auf Biographien und Orte, darauf, Lebenswege mit Originalquellen anschaulich zu vermittelt. Es geht nichts über die Suggestivkraft persönlichen Erlebens.“ Dabei nutzt das Zentrum aber auch moderne Medientechnik für die Vermittlung: Tablet-Rechner und kleine Notebooks stehen für Recherchen zur Verfügung. Zu den aktuellen pädagogischen Angeboten zählen Workshops zu den Themen „Erinnerungskultur und Erinnerungslandschaft in Duisburg“, „Jüdisches Leben in Duisburg“ sowie „Antiziganismus in Vergangenheit und Gegenwart“.

Die Projektleitung des Zentrums für Erinnerungskultur liegt bei Dr. Susanne Sommer, Direktorin des Kultur- und Stadthistorischen Museums (KSM), Völkerkundlerin und Regionalhistorikerin, und Dr. Andreas Pilger, Direktor des Stadtarchivs, Historiker. Die Räumlichkeiten des Zentrums befinden sich teils im KSM, teils im Stadtarchiv und sind von beiden Seiten zugänglich: Sie verbinden also quasi die beiden Einrichtungen miteinander, die das Projekt in Kooperation schultern. Zum Projektteam zählen mit Dr. Michael Kanther, Anne Ley-Schalles M. A. und Robin Heun B. A. drei weitere Historiker mit unterschiedlichen Schwerpunkten innerhalb des Forschungsgebietes Faschismus/Nationalsozialismus. „Wir sind eine Bildungs- und Forschungseinrichtung. Grundlagenforschung ist weiterhin dringend notwendig“, so Dr. Susanne Sommer.

Vernetzung des Gedenkens

Brennend in der Pogromnacht 1938: Das einzige Foto der Synagoge in Ruhrort. Foto: Petra Grünendahl

Brennend in der Pogromnacht 1938: Das einzige Foto der Synagoge in Ruhrort. Foto: Petra Grünendahl

Zeichnung und Grundriss der Synagoge,, die zwischen 1875 und 1938 an der Junkernstraße stand. Dort steht heute eine evangelische Gedenkkapelle. Foto: Petra Grünendahl.

Zeichnung und Grundriss der Synagoge,, die zwischen 1875 und 1938 an der Junkernstraße stand. Dort steht heute eine evangelische Gedenkkapelle. Foto: Petra Grünendahl.

Besucherführung in die Räume des Stadtarchivs: Historiker Dr. Michael Kanther (Bildmitte links) und Marinko Betker (Bildmitte rechts) zeigen ihre Schätze. Foto: Petra Grünendahl.

Besucherführung in die Räume des Stadtarchivs: Historiker Dr. Michael Kanther (Bildmitte links) und Marinko Betker (Bildmitte rechts) zeigen ihre Schätze. Foto: Petra Grünendahl.

Nicht für jedermann zugänglich: Je wichtiger der Unterzeichner, desto größer das SIegel: Originaldokument im Bestand des Stadtarchivs. Foto: Petra Grünendahl.

Nicht für jedermann zugänglich: Je wichtiger der Unterzeichner, desto größer das SIegel: Originaldokument im Bestand des Stadtarchivs. Foto: Petra Grünendahl.

Seit im Oktober 2014 das Konzept des Zentrums für Erinnerungskultur vorgestellt wurde, hat es mit diversen Veranstaltungen im Kultur- und Stadthistorischen Museum sowie Führungen und Rundgängen zu Orten des Gedenkens erste Aktivitäten gegeben. Eine Landmarke setzte das Projektteam vor gut einem Jahr in dem Räumen des KSM mit der Ausstellung: „Noch viele Jahre lang habe ich nachts von Duisburg geträumt“ – Jüdisches Leben in Duisburg von 1918 bis 1945, die bis Anfang dieses Jahres lief. Diese Ausstellung war nicht nur von lokaler Bedeutung, sondern fand weltweit ein Echo: Zum Teil seien Nachfahren von Duisburger Juden hergekommen, so Dr. Sommer, um sich die Ausstellung anzusehen und Spuren der eigenen Vergangenheit zu finden.

Die nächste Ausbaustufe wird der Umbau der bisherigen Räume des Museums Stadt Königsberg sein (die Ausstellung ist ja bekanntlich nach Lüneburg gegangen), zu der die Umbauarbeiten gerade begonnen haben. Dort soll eine Dauerausstellung des Zentrums für Erinnerungskultur eingerichtet werden. Neben den Ausstellungsmaterialien gibt es auch viele Dokumente und Urkunden im Stadtarchiv, die Einblicke in das Leben und die Verfolgung von Menschen im Dritten Reich geben. Ein Lesesaal im Stadtarchiv steht ebenfalls für Recherchen zur Verfügung. Einige Schriften sind dort zugänglich, andere wiederum muss man sich aus den Archivbeständen holen lassen. Mitarbeiter des Stadtarchiv sind bei der Suche behilflich (Öffnungszeiten Di, Mi, Fr 9 – 13 Uhr, Do 13 – 18 Uhr, weitere Infos: https://www.duisburg.de/stadtarchiv).

Das Zentrum für Erinnerungskultur Menschenrechte und Demokratie (ZfE) findet man am Innenhafen: Karmelplatz 5, 47051 Duisburg (Eingang des Stadtarchivs auf der Rückseite des Gebäudes, Parkplätze am Rathaus) oder unter https://www.duisburg.de/erinnerungskultur. Für Infos und Anmeldungen zu den Workshops, Ausstellungsführungen oder Recherchen im Archiv, zu fachlich ausgerichteten Planspielen und Diskussionsrunden rund um die Thematik erreicht man das ZfE unter Telefon 0203 / 283-2640 oder eMail zfe@stadt-duisburg.de.

© 2016 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Zeitmaschine durch 300 Jahre Duisburger Hafengeschichte: duisport präsentiert Chronik und Kinderbuch

Ein Aushängeschild schreibt Geschichte(n)
Von Petra Grünendahl

Präsentieren die Bücher zum Hafenjubiläum (v.l.): NRW-Minister Michael Groschek, Dr. Dirk Reder (Geschichts (Geschichtsbüro), Hafenchef Erich Staake und Illustrator Andreas Postert. Foto: Petra Grünendahl.

Präsentieren die Bücher zum Hafenjubiläum (v.l.): NRW-Minister Michael Groschek, Dr. Dirk Reder (Geschichts (Geschichtsbüro), Hafenchef Erich Staake und Illustrator Andreas Postert. Foto: Petra Grünendahl.

„Der Hafen ist ein Spiegel des Ruhrgebiets“, erklärte Dr. Dirk Reder vom Geschichtsbüro Reker, Roeseling & Prüfer, einer Kölner Agentur für Angewandte Geschichte, die die Duisburger Hafen AG zur Aufbereitung von 300 Jahren Hafengeschichte beauftragt hatte. Neben dem Archiv des Duisburger Hafens recherchierte das Geschichtsbüro u. a. beim Museum der Deutschen Binnenschifffahrt oder im Landesarchiv. Ein gutes Jahr brauchte die Kölner Agentur, die Hafengeschichte aufzuarbeiten und lesergerecht aufzubereiten. Es seien ja eigentlich zwei Häfen, deren Geschichte im Jahr 1905 zu den Duisburg-Ruhrorter Häfen zusammen geführt und die 1926 zur Duisburg-Ruhrorter Häfen Aktiengesellschaft ungewandelt wurden: 1716 ließ der Ruhrorter Magistrat die ersten Anlegestellen bauen, die ab 1756 in preußischen Staatsbesitz übergingen. In Duisburg baute der 1826 gegründete Rhein-Kanal-Aktien-Verein den heutigen Außenhafen als Verbindung zum Rhein in privater Initiative. Der Wettbewerb mit Ruhrort war zunächst fruchtbar, bis er zur Jahrhundertwende ruinöse Ausmaße annahm, die schließlich zur Vereinigung der Häfen sowie der Städte Duisburg, Ruhrort und Meiderich führte.

Eine Chronik sowie ein Kinderbuch zum 300-jährigen Hafenjubiläum stellte Erich Staake, Vorstandsvorsitzender der Duisburger Hafen AG, zusammen mit NRW-Verkehrsminister Michael Groschek, Andreas Postert, Illustrator des Kinderbuchs, und Dr. Dirk Reder vor. „Der Duisburger Hafen ist ein Aushängeschild für das Land NRW. In seiner 300-jährigen Geschichte war der Hafen immer wieder Vorreiter richtungsweisender Entwicklungen. Insbesondere in den letzten 20 Jahren hat sich der Hafen zum Wachstums- und Innovationstreiber in der Logistikbranche entwickelt und sichert heute mehr als 45.000 Arbeitsplätze“, sagte Groschek anlässlich der Vorstellung des Jubiläumsbuchs. Die Logistik könne in Zukunft ein noch viel größerer Jobmotor werden, äußerte der Minister zuversichtlich.

Umfassende Hafengeschichte auf 256 Seiten

Präsentieren die Bücher zum Hafenjubiläum (v.l.): Illustrator Andreas Postert, Hafenchef Erich Staake, NRW-Minister Michael Groschek, Dr. Dirk Reder (Geschichts (Geschichtsbüro). Foto: Petra Grünendahl.

Präsentieren die Bücher zum Hafenjubiläum (v.l.): Illustrator Andreas Postert, Hafenchef Erich Staake, NRW-Minister Michael Groschek, Dr. Dirk Reder (Geschichts (Geschichtsbüro). Foto: Petra Grünendahl.

Das umfangreiche Werk schildert in zehn Kapiteln die eindrucksvolle Entwicklung von den Anfängen des Hafens als unbefestigter Ankerplatz an der Mündung von Rhein und Ruhr bis hin zur führenden Logistikdrehscheibe in Zentraleuropa. Dabei stehen vor allem auch zahlreiche Bilder und die Porträts von Persönlichkeiten im Vordergrund, die für die Entwicklung des Hafens besonders wichtig waren. Damit bekommt die Hafengeschichte ein Gesicht, die Leser können sich anhand eindrucksvoller Grafiken und Fotos ein Bild machen. Vergangenheit und Gegenwart der zentralen Industrieregion in Deutschland werden zugänglich und lebendig.

„Kapitel für Kapitel schildern die Autoren in spannenden Abschnitten nicht nur, wie sich der Hafen mit Standfestigkeit und Erneuerungskraft seinen Weg durch drei unglaublich bewegte Jahrhunderte gebahnt und immer wieder die großen Herausforderungen der Zeit bewältigt hat. In den Berichten spiegeln sich zugleich einige der bahnbrechenden Erfindungen wider, die unsere Welt verändert haben, als auch Namen großer Unternehmen und Unternehmer, die Wirtschaftsgeschichte in diesem Land geschrieben haben“, betonte Erich Staake. Sowohl Bundespräsident Joachim Gauck als auch NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link widmen dem Jubiläumsbuch ein Grußwort.

Duisport-Zeitreise für Kinder zwischen 5 und 9 Jahren

Hafengeschichte für Kinder: "Duisport-Zeitreise" mit Hafenmeister Harry. Foto: Petra Grünendahl.

Hafengeschichte für Kinder: „Duisport-Zeitreise“ mit Hafenmeister Harry. Foto: Petra Grünendahl.

Auch Kinder dürfen auf eine Zeitreise durch den Duisburger Hafen gehen: Hafenmeister Harry nimmt Emma und Leon auf seinem fliegenden Boot „Düsi“ und einer Zeitmaschine quer durch 300 Jahre Hafengeschichte. Die Reise in die Vergangenheit startet im Jahr 1716, als in Ruhrort das erste Hafenbecken gegraben wurde, das Schiffern einen Platz bot, wo sie sicher vor Anker gehen konnten. Im Spiegel der wirtschaftlichen Entwicklung im Ruhrgebiet wandelt sich der Hafen zur heutigen Logistik-Drehscheibe, die weltweit vernetzt ist. „Wir wollen die Kinder ein bisschen hinter die Kulissen blicken lassen, Zusammenhänge verdeutlichen und die modernen Spielarten der Logistik vom Container-Transport bis zum Autoteile-Export auf kindgerechte Art und Weise erklären“, so Staake. Außerdem stehe hinter dem Buchprojekt auch ein wenig Eigennutz: „Wir können angesichts des wachsenden Fachkräftemangels gar nicht früh genug für unsere vielseitigen und interessanten Arbeitsplätze im und um den Hafen herum werben“, erklärte Staake. „Das Kinderbuch ist eine wunderbare Initiative, um Kinder für Hafen und Logistik zu begeistern und sie spielerisch einer spannenden und weithin unbekannten Berufswelt zu nähern. Eine gute Investition in die Fachkräfte von morgen!“, fand auch Minister Groschek.

Kindgerecht aufbereitete Texte und anschauliche Illustrationen machen das Buch nicht nur für die Kinder der Zielgruppe (Vorschul- bis Grundschulalter) zum Erlebnis. Naben Illustrator Andreas Postert waren Wolfpeter Hocke und Eberhard Krummheuer (beide verantwortlich für Konzeption und Text) an der Erstellung beteiligt. Das Lektorat übernahmen zwei Grundschullehrerinnen, die das Buch gleich bei ihren Schülern „ausprobierten“. In einer Auflage von 20.000 Exemplaren wurde das großformatige Buch mit 36 Seiten gedruckt. Interessierte Grundschulen aus der Region bekommen die Bücher für den Unterricht kostenlos – solange der Vorrat reicht. Geplant sind weitere kleine Auflagen in englischer Sprache und in einem chinesischen Dialekt – als kleine Gabe für die duisport-Partner in aller Welt.

Das Buch zum Hafenjubiläum: „300 Jahre Duisburger Hafen – Weltweit vernetzt, regional verankert“. Foto: Petra Grünendahl.

Das Buch zum Hafenjubiläum: „300 Jahre Duisburger Hafen – Weltweit vernetzt, regional verankert“. Foto: Petra Grünendahl.

Hafen-Chronik im Buchhandel
Die Chronik „300 Jahre Duisburger Hafen – Weltweit vernetzt, regional verankert“ Ist im Geschichtsbüro Verlag, Köln, erschienen und im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-940371-36-2). Das 256-seitige reich bebilderte Werk mit einer Erstauflage von 5.000 Exemplaren kostet 29,95 Euro. Übersetzungen seien hier nicht geplant, man könne sie sich aber bei entsprechendem Interesse vorstellen, erklärte Pressesprecher Dr. Julian Böcker.

Weitere Informationen zum Hafenjubiläum gibt es unter https://www.300-jahre.de.

© 2016 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Neue Fahrradroute durch den Duisburger Hafen: Landmarke „Leinpfad Ruhrort“ enthüllt

Erich Staake und NRW-Verkehrsminister Michael Groschek eröffnen Fahrradroute durch den Hafen

NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (2.v. l.) und Hafenchef Erich Staake (links) bei der Enthüllung der Landmarke „Leinpfad Ruhrort“ mit den Gewinnern der Fahrradverlosung (Schüler der Aletta-Haniel-Gesamtschule). 
Foto: Petra Grünendahl.

NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (2. v. l.) und Hafenchef Erich Staake (links) bei der Enthüllung der Landmarke „Leinpfad Ruhrort“ mit den Gewinnern der Fahrradverlosung (Schüler der Aletta-Haniel-Gesamtschule).
Foto: Petra Grünendahl.

Aufbauend auf vorhandenen, regionalen Radwanderrouten hat die Duisburger Hafen AG eine neue Route quer durch den Hafen entwickelt. Entlang dieser insgesamt 47 Kilometer langen Route werden elf historische Landmarken aufgestellt, um die Radfahrer über die wesentlichen Meilensteine des Hafens und ihre Geschichte zu informieren. Die erste dieser Landmarken „Leinpfad Ruhrort“ haben Minister Groschek und Erich Staake heute offiziell an der Schifferbörse in Duisburg-Ruhrort enthüllt.

Anschließend stiegen beide gemeinsam mit rund 100 Duisburger Schülern am Start des vier Kilometer langen „Erlebnisradweg Ruhrort“ aufs Fahrrad, um die Fahrradroute symbolisch zu eröffnen. Die teilnehmenden Schüler kamen von der Ruhrorter Aletta-Haniel-Gesamtschule sowie vom Homberger Franz-Haniel-Gymnasium. Beide Schulen sind bereits seit vielen Jahren partnerschaftlich mit der Duisburger Hafen AG verbunden.

Hafenanbindung über vier Verkehrsträger

Eröffnung der Fahrradroute durch den Duisburger Hafen Copyright: Petra Grünendahl.

Eröffnung der Fahrradroute durch den Duisburger Hafen
Copyright: Petra Grünendahl.

„Die Vernetzung der Verkehrsträger Straße, Schiene und Wasserstraße wird im Duisburger Hafen bereits par excellence praktiziert. Mit der 47 km langen Fahrradroute kommt ein vierter Verkehrsträger hinzu, diesmal speziell für Bürger und Hafeninteressierte. Somit hat jeder die Möglichkeit, sich über die Entwicklung des Hafens und seine wesentlichen Errungenschaften zu informieren“, so Minister Groschek.

„Alle sind eingeladen, auf dieser Fahrradroute das pulsierende Leben im größten Binnenhafen der Welt zu erkunden und zu erleben. Die Landmarken laden dabei immer wieder zum lehrreichen Stopp – etwa in Ruhrort, wo vor 300 Jahren das erste Hafenbecken entstand, oder auf logport I in Duisburg-Rheinhausen, wo die jüngste Erfolgsgeschichte des Duisburger Hafens ihren Anfang genommen hat“, so Staake abschließend.

Die neuen Radwanderkarten sind sowohl bei der Duisburger Hafen AG als auch bei der Tourist Information Duisburg (Königstraße, Nähe Hauptbahnhof) kostenlos erhältlich. Im Radroutenplaner des Landes NRW sind die Strecken schon drin: https://radservice.radroutenplaner.nrw.de/rrp/nrw/cgi?view=342022,5698592,346422,5702892.

– Pressemeldung der Duisburger Hafen AG –
Fotos: Petra Grünendahl

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Duisburg: Das 23. Ruhrorter Hafenfest vom 3. bis 6. Juni wirft große Schatten voraus

Vier Tage lang: „Party pur an Rhein und Ruhr“
Von Petra Grünendahl

„Es gibt viele wichtige Feste, aber wir sollten das herausstellen, was die anderen nicht haben: den Hafen“, erklärte Erich Staake, Vorstandvorsitzender der Duisburger Hafen AG. Um den Hafen und seine Geschichte wird es in diesem Jahr auf dem Ruhorter Hafenfest ganz besonders gehen. Dies sei, so Staake, bestes Marketing für Duisburg. Und ein Zugpferd für die Stadt, denn die erfolgreiche Veranstaltung zieht jedes Jahr mehr Leute, die nicht nur als Besucher dabei sein wollen: Der Schiffscorso zum Feuerwerk wird ebenso immer größer wie die Anzahl der historischen Schiffe, die das Hafenfest bereichern. Neben zwei Dampfschiffen sind acht weitere Schiffsoldtimer in diesem Jahr dabei und bieten zum Teil (gegen ein kleines Entgelt) Hafentouren an. Auch ein Feuerlöschboot und ein Boot der Wasserschutzpolizei sind auf Besucher eingerichtet.

Stellten das Programm zum 23. Ruhroter Hafenfest 2016 vor (v.l.): Mr. Hafenfest Walter Pavenstedt, Dr. Bernhard Weber, Schirmherr Erich Staake und Mario Adams. Foto: Petra Grünendahl.

Stellten das Programm zum 23. Ruhroter Hafenfest 2016 vor (v.l.): Mr. Hafenfest Walter Pavenstedt, Dr. Bernhard Weber, Schirmherr Erich Staake und Mario Adams. Foto: Petra Grünendahl.

Dreihundert Jahre Duisburger Hafen werden auch am Ruhrorter Hafenfest nicht spurlos vorüber gehen, liegt doch die Keimzelle der heutigen Hafengesellschaft in Ruhrort. „Schon seit 10 Jahren engagieren wir uns als Hauptsponsor“, erzählte Erich Staake, der anlässlich des 300-jährigen Hafenjubiläums die Schirmherrschaft übernommen hat, bei der Vorstellung des diesjährigen Festprogramms. Mit ihm zusammen erklärte die Vorstände der Ruhrorter Hafenfest e. V., „Mr. Hafenfest“ Walter Pavenstedt, Dr. Bernhard Weber und Mario Adams die Details. Statt des traditionellen Hafenfesttermins Mitte August findet das Ruhrorter Hafenfest in diesem Jahr wegen der Feierlichkeiten zum Hafenjubiläum schon Anfang Juni statt: gleich am ersten Wochenende von Freitag, 3. Juni, bis Montag, 6. Juni.

Copyright: dws Werbeagentur GmbH.

Copyright: dws Werbeagentur GmbH.

Besonders das freitagabendliche Höhenfeuerwerk, welches duisport sponsert, zieht nun schon im zehnten Jahr Besucher von weit jenseits der Stadtgrenzen an. Ab 23 Uhr gibt es 30 Minuten lang pyrotechnischen Hochgenuss von der (dann für den Verkehr gesperrten) Friedrich-Ebert-Brücke. Aber auch sonst hat das Ruhrorter Hafenfest wie alle Jahre wieder viele Highlights für alle Altersklassen zu bieten. „Die Wertigkeit des Hafenfestes hat in den letzten Jahren enorm zugelegt“, so Staake, der nicht zum ersten Mal die Schirmherrschaft übernimmt und als Hafenchef seit 18 Jahren auch das Hafenfest begleitet. „Vor zwei Jahren waren alle 18 deutschen Hafenkapitäne zu Gast und die waren durchweg begeistert“, erzählte Mario Adams, der in diesem Zusammenhang auch auf die Stadtteilpartnerschaft von Ruhrort und St. Pauli hinwies, die jährlich auch viele Besucher aus der Seehafenstadt an den Zusammenfluss von Rhein und Ruhr lockt.

Hafengeschichte und Tag für Schulen
Für alle Geschichtsinteressierten gibt es die Möglichkeit, das Jubiläumsbuch „300 Jahre Duisburger Hafen – Weltweit vernetzt, regional verankert“ am duisport-Stand zu erwerben. Auch für die Kinder hat die Hafengesellschaft etwas Besonderes vorbereitet und freut sich, neben der Chronik das Kinderbuch „Duisport Zeitreise“ in der kommenden Woche offiziell vorzustellen. Auch für potenziellen Nachwuchs und künftige Arbeitskräfte positioniert sich der Hafen zu diesem Anlass: Über 1.300 Schüler können an „Tag der Schulen“ (Montag, 6. Juni) den Hafen und seine vielfältigen Aktivitäten entdecken.

Buntes Programm auf zwei Bühnen
Das „Flaggschiff“, die Haniel-Bühne am Richard-Hindorf-Platz (sie ist auf die Wiese südlich der Brückentürme gewandert), sowie das „Beiboot“, die Imperial-Bühne am Gustav-Sander-Platz (Schifferbörse), bieten alle Möglichkeiten abwechslungsreicher Unterhaltung: Überwiegend Bands aus der Region sorgen von Freitag bis Sonntag (3. bis 5. Juni) für Stimmung. Mit dabei sind u. a. die „Peter Bursch AllStars“, „Mike Best“, „Showtic“ und „Still Collins“, „Groovin in a Box“ und die „Dusty Lane Jazzband“. Am Sonntag dürfen sich die Besucher auf ein spektakuläres Programm der „WDR4-Band“ und von „Marquess“ auf der großen Flaggschiff-Bühne freuen. „Am Samstag gibt es außerdem ein Chöre-Treffen mit Chören aus dem Duisburger Sängerkreis“, verkündete „Mr. Hafenfest“ Walter Pavenstedt, seit 23 Jahren Organisator der großen Ruhrorter Sause, die mit Bühne, Shanty-Chor und ein bisschen drum herum mal klein angefangen hat.

Eine Hafenkirmes auf der Mühlenweide, Infostände auf der Hafenpromenade, die Ruhrorter Lichter auf dem Neumarkt (Samstagabend), der Kunst- und Handwerkermarkt (am Sonntag ebenfalls auf dem Neumarkt), ein Kinderfest am Binnenschifffahrtsmuseum (Samstag und Sonntag) und die Reeper Boys sowie unterschiedlichste kulinarische Genüsse sind nur einige der weiteren Programmpunkte, die das viertätige Fest in Duisburgs Hafenstadtteil zu bieten hat.

Mehr Infos gibt es in Kürze hier:
https://www.ruhrorter-hafenfest.de

© 2016 Petra Grünendahl (Text und Fotos)
Ruhrorter Hafenfest Logo: dws Werbeagentur GmbH

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„Tag der Logistik“ bei DeltaPort: Aufbruchsstimmung in den Häfen

Blick hinter die Kulissen: Über 200 Besucher in den drei Häfen und bei den Logistikfirmen

Die neue Salzverladung von Hülskens ging Anfang 2015 in Betrieb. Foto: Petra Grünendahl.

Die neue Salzverladung von Hülskens ging Anfang 2015 in Betrieb. Foto: Petra Grünendahl.

Strahlender Sonnenschein, erneut hohe Besucherzahlen und echte Aufbruchstimmung in den drei Häfen der Weseler DeltaPort-Hafengruppe: Beim dritten „Tag der Logistik“ nach der offiziellen Gründung vor drei Jahren staunten diesmal erneut weit über 200 angemeldete Besucher über das, was sich in dieser kurzen Zeitspanne in den Häfen auf der Wasser- wie auf der Landseite getan hat. Unabhängig von den laufenden Bauvorhaben insbesondere in Emmelsum und im Rhein-Lippe-Hafen gibt es reichlich Interesse bei Logistikfirmen aus dem In- und Ausland, sich in Wesel anzusiedeln.

„Unsere Hafengruppe hat eine gute Zukunft, die zu berechtigen Hoffnungen Anlass gibt“, resümierten Kreiskämmerer Karl Borkes, nach dem überraschenden Abschied von Gründungsgeschäftsführer Jens Briese derzeitiger Übergangschef, und Prokurist Dipl.-Ing. Dieter Thurm übereinstimmend. Borkes führt interimistisch zusammen mit Thurm, dem Technischen Leiter der Hafengruppe, die Geschäfte von DeltaPort. Der neue Geschäftsführer tritt sein Amt zum 1. Juni dieses Jahres an. Er war erst kürzlich von den drei DeltaPort-Gesellschaftern Kreis und Stadt Wesel sowie Stadt Voerde ausgewählt worden.

„Die Gesellschafter sind sehr zufrieden mit dem bisherigen Lauf der Dinge. Wir sehen diesen Hafenstandort mit Wohlwollen. Mit unseren Flächenreserven haben wir ein echtes Pfund“, resümierte Borkes am Rande des Logistiktages in einer Zwischenbilanz die Hafenentwicklung. Und Prokurist Dieter Thurm, ein „Mann der ersten Stunde“ in den Häfen und seit einigen Wochen auch Prokurist: „Die Investitionen liegen im Plan“. Zurzeit verfüge DeltaPort noch über weitere rund 15 Hektar sofort belegbare Flächen und gut 50 Hektar solcher Flächen, die noch ertüchtigt und als Hafen-Entwicklungsflächen ausgewiesen werden können.

GS Recycling (l.) und Tan Quid (r.) im Rhein-Lippe-Hafen (auch: Ölhafen). Foto: Petra Grünendahl.

GS Recycling (l.) und Tan Quid (r.) im Rhein-Lippe-Hafen (auch: Ölhafen). Foto: Petra Grünendahl.

In der Realisierungsphase befindet sich nach seinen Worten der Ausbau des Rhein-Lippe-Hafens zu einem „echten“ Hafen – also statt nur mit einer einfachen Hafenböschung dann mit einer tragfähigen Kaianlage, die auch extrem schwere Lasten verkraften kann. Sie ist insbesondere für das Schwergut-Terminal der Hegmann-Gruppe am Nordufer des Rhein-Lippe- Hafens von eminenter Bedeutung. Dort sind die Proberammungen und sonstigen Vorkehrungen für einen reibungslosen Kajenbau nahezu abgeschlossen. Auf 300 Meter Länge beginnt nach der Auftragsvergabe im Herbst noch in diesem Jahr der Bau einer festen Pier. Sie soll in den nächsten Jahren auf insgesamt 520 Meter verlängert werden.

Logistiker Jerich im Hafen Emmelsum. Foto: Petra Grünendahl.

Logistiker Jerich im Hafen Emmelsum. Foto: Petra Grünendahl.

Im Stadthafen wiederum wird die HOMA innerbetrieblich eine neue Anlage erstellen und ab 2017 neun neue Silos für das dortige Mischfutterwerk bauen lassen. Am Westufer des Emmelsumer Hafenbeckens entsteht zurzeit das trimodale Contargo-Container-Terminal, das federführend von der namhaften Rhenus-Logistikgruppe betrieben wird.

Zu den Gastgebern am „Tag der Logistik“ gehörte neben den in den Häfen höchst aktiven Umschlagsfirmen Hülskens GmbH & Co. KG, die Rhenus SE & Co. KG sowie die Schwerlast Terminal Niederrhein GmbH auch diesmal wieder die seit Jahren in Emmelsum tätigen Spezialisten von Sappi Logistics Wesel (SLW), die das interessante Informationsangebot mit geführten Rundgängen durch die ausgedehnten Anlagen.

Auf die Gäste wartete in den drei Häfen ein dichtes und hochinformatives Programm:

  • die Verladung von Schwerlasten mit Spezialkränen in einer
    15.000 qm großen nagelneuen Schwerlasthalle des Schwerlast Terminals Niederrhein im Rhein-Lippe-Hafen Wesel.
  • Im Rahmen einer geführten Besichtigung mit fachkundigen Erläuterungen die Funktionsweise einer hoch modernen Salzverladeanlage sowie einer Kies- und Sandverladung im Weseler Stadthafen durch die Firma Hülskens GmbH & Co. KG.
  • Die Umschlagsanlage der Rhenus SE & Co. KG mit mobilem Bagger.
  • Das trimodale Containerterminal der SLW mit Blick auf die im Umbau befindliche Container-Umschlagsanlage der Firma Contargo im Hafen Emmelsum in dem Umschlagsaktivitäten via Schiff, Straße und Bahn möglich sind.
  • Rundgang durch die Terminalanlage von Sappi Logistics Wesel (SLW).
  • Besichtigung der Kranaktivitäten und eines Binnenschiffs am Kai.
  • Informationen über die Ausbildungsberufe in der Logistik.

Containerverladung von Jerich im Hafen Emmelsum. Foto: Petra Grünendahl.

Containerverladung von Jerich im Hafen Emmelsum. Foto: Petra Grünendahl.

Hansjürgen Peichler, Geschäftsführer der deutschen Logistiktochter des südafrikanischen Papierkonzerns Sappi: „Für uns war dies wieder eine perfekte Infoveranstaltung, um zu zeigen, was Sappi und SLW zu leisten vermögen“. Das Unternehmen habe sich seit seiner Ansiedlung 1997 kontinuierlich und harmonisch entwickelt.“ „Wir sind mit zwei Hallen und mit 70.000 bis 80.000 Tonnen Jahresumschlag angefangen, haben mit 2001 und 2008 zwei Ausbaustufen erfolgreich hinter uns gebracht und jetzt werden allein hier am Platz Wesel über eine Million Tonnen Jahresumschlag erreicht“. SLW bedient vom Niederrhein aus sieben Werke in fünf Ländern.

Das Unternehmen bietet über SLW neben der Versorgung der Sappi-Werke auch Fremdunternehmen logistische Dienstleistungen auf und an der Nord- Süd-Achse und insbesondere auch in bzw. von Südosteuropa aus an.

Ziel der nunmehr dritten Veranstaltung zum alljährlich wiederkehrenden „Tag der Logistik“ war die gelungene Präsentation des Standorts, um nicht zuletzt für die Zukunft Nachwuchskräfte für die Hafenlogistik anzusprechen.

– Presseinformation der DeltaPort GmbH & Co. KG –
Fotos: Petra Grünendahl

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Sitzung im Rat der Stadt Duisburg: Neuregelung der Fraktionszuwendungen

Nicht alles, was legal ist, ist auch anständig!
Ein Kommentar

Von Petra Grünendahl

Duisburger Rathaus am BurgplatzDie Fraktionszuwendungen werden – erwartungsgemäß von SPD und CDU beschlossen – erhöht: Rund 1,8 Mio. Euro jährlich aus der Stadtkasse werden neu verteilt. Auswirkungen auf den Haushalt: Marginal. Einsparungen sind kaum vorhanden. Es wird lediglich umverteilt: die SPD bekommt fast 80.000 Euro mehr, die CDU fast 50.000 Euro – und das alles auf Kosten der kleineren Fraktionen und Ratsgruppen, für deren Mitglieder der Wähler 2014 seine Stimme abgegeben hat. Bislang hatte es einen Sockelbetrag für die Fraktion gegeben. Die Größe der Fraktionen wurde über die Kopfpauschalen für Ratsleute bzw. für Bezirksvertreter berücksichtigt. Dieses System haben SPD und CDU jetzt über den Haufen geworfen: Schon nach Fraktionsgröße wird gestaffelt. Der Sockelbetrag lag bislang zwischen 8.600 und 8.800 Euro. Die größten Fraktionen bekommen künftig das Doppelte (17.400 Euro), die kleinen Fraktionen die Hälfte (4.350 Euro). Die Linken und die Grünen bleiben mit 8.700 Euro etwa dort, wo sie jetzt auch stehen. Die Kopfpauschalen kommen dann noch oben drauf. Sie dienten schon bislang dazu, große und kleine Fraktionen in einem gewissen Rahmen unterschiedlich auszustatten.

Gespräche über Einsparungen hätte sie ja noch verstanden, ja begrüßt, begründete Claudia Leiße, Fraktionsvorsitzende der Grünen, ihren Gegenantrag. Gespräche habe es aber nie gegeben. Wegen der fast nicht vorhandenen Auswirkungen auf den Haushalt war der gemeinsame Antrag der beiden größten Fraktionen im Stadtrat, SPD und CDU, nicht in den Haupt- und Finanzausschuss einzubringen gewesen. Er wurde direkt als Beschlussvorlage in den Rat eingereicht worden. Ohne vorherige Gespräche mit andere Parteien oder Gruppierungen. Nachdem der Antrag erst Anfang letzter Woche eingereicht worden war und die Mehrheitsverhältnisse im Rat mehr als klar sind, stand schon vor der Debatte fest, wie es ausgeht: Geschlossene Zustimmung von SPD und CDU, geschlossene Ablehnung des Antrages von allen anderen (bei zwei Enthaltungen). Angst um ihren Fraktionskostenzuschlag brauchten SPD und CDU angesichts ihrer Mehrheit im Rat nicht haben.

Ein Kommentar
uebrigens!„Finanzielle Gerechtigkeit oder eine Schwächung der rechten Ratsgruppen waren nie das Ziel dieser Aktion“, brachte es die Piratenpartei in einer Pressemeldung auf den Punkt. Mit ihrer Ratsfrau Regina Söntgerath in der Fraktion „Piraten – Soziale – Liberale“ sind sie selber betroffen. Ein fragwürdiges Demokratieverständnis attestierte Linken-Fraktionschefin Martina Ammann-Hilberath der rot-schwarzen Koalition. Über Sparmaßnahmen für alle hätte man reden können, betonten die Grünen in der Debatte. Ihr Antrag lief auf Gespräche über eine Neuberechnung der Fraktionszuschüsse im Konsens des Rates hinaus. Das war aber politisch nicht gewollt!

So profitieren von der Neuregelung ab 2017 nur diejenigen, die den Antrag eingebracht haben: SPD und CDU bekommen mehr Geld. Ganz offensichtlich spekulieren die Befürworter des Antrages, dass der Wähler diesen Akt der Selbstbedienung bis zur nächsten Kommunalwahl (Ratswahl) im Jahr 2020 wieder vergessen hat. Denn der Wählerwille, der die kleineren Wählergruppen in den Rat gebracht hat, wurde hier auf jeden Fall mit Füßen getreten. Mitten in der Wahlperiode (zum 1. Januar 2017 treten die neuen Fraktionszuwendungen in Kraft) sind nicht nur deren Planungen über den Haufen geworfen, sondern es drohen gerade dort Mitarbeiterstellen reduziert oder ganz aufgegeben zu werden, weil man sich die bisherige politischen Arbeit im Mandat des Bürgers nicht mehr leisten kann. Die Kürzung der Zuwendungen insgesamt macht bei kleinen Fraktionen gute 40 Prozent aus, da auch die Kopfpauschen für Ratsleute leicht gesenkt wurde.

Gemäß einem Beschluss von 2008 erhalten Ratsgruppen wie die FDP, die AfD, das rechtsradikale Bündnis „NPD / Bürger für Duisburg“ oder die Republikaner „eine proportionale Ausstattung, die zwei Drittel der finanziellen Zuwendungen entspricht, die die kleinst mögliche Fraktion erhält oder erhalten würde“ (siehe hier: https://www.duisburg.de/ratsinformationssystem/bi/getfile.php?id=1421475&type=do).

© 2016 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Deutsche Oper am Rhein: „Die Schneekönigin“ begeisterte Jund und Alt bei ihrer Uraufführung im Theater Duisburg

Phantastischer Märchenabend entführte auf eine lange Reise
Von Petra Grünendahl

Kay, vom Splitter des Lügenspiegels getroffen, weist Gerda ab und zerstört das gemeinsame Rosenbeet: Dmitri Vargin (Kay), Lavinia Dames (Gerda). Foto: Hans Jörg Michel.

Kay, vom Splitter des Lügenspiegels getroffen, weist Gerda ab und zerstört das gemeinsame Rosenbeet: Dmitri Vargin (Kay), Lavinia Dames (Gerda). Foto: Hans Jörg Michel.

Gerda (Heidi Elisabeth Meier) und Kay (Dmitri Vargin) sind beste Freunde. Als ein Splitter des Zauberspiegels vom Deubeltroll (David Jerusalem) Kay ins Herz trifft, verliert er seinen Blick für das Schöne und sein Gefühl. Die Schneekönigin (Adela Zaharia), lockt Kay in ihr Reich des eiskalten Verstandes: Er soll ihr helfen, ein Rätsel zu lösen. Gerda hat nach einer langen Odyssee schließlich Kay gefunden. Sie löst das Rätsel und rettet Kay aus dem Bann der Schneekönigin. Der Begriff „Ewigkeit“ ist nur für den Verstand und ohne Gefühl nicht greifbar. Gerda und Kay, Gefühl und Verstand, haben sich wieder und bilden die vollkommene Einheit.

Ihnen fällt der Lügenspiegel herunter, der in 1.000 Splitter zerbrochen  auf die Erde fällt: Annika Boos (Tölpeltroll), Conny Thimander (Trotteltroll). Foto: Hans Jörg Michel.

Ihnen fällt der Lügenspiegel herunter, der in 1.000 Splitter zerbrochen auf die Erde fällt: Annika Boos (Tölpeltroll), Conny Thimander (Trotteltroll). Foto: Hans Jörg Michel.

In Diensten der Schneekönigin: Conny Thimander (Trotteltroll), Dmitri Vargin (Kay), Annika Boos (Tölpeltroll). Foto: Hans Jörg Michel.

In Diensten der Schneekönigin: Conny Thimander (Trotteltroll), Dmitri Vargin (Kay), Annika Boos (Tölpeltroll). Foto: Hans Jörg Michel.

Dier abendliche Uraufführung von Marius Felix Langes „Die Schneekönigin lockte viele Kinder mit ihren Eltern oder Großeltern, aber auch Erwachsene, die sich schon früher für das Märchen von Hans Christian Andersen begeistert hatten, das der Oper zugrunde liegt. Die Deutsche Oper am Rhein konnte sich über ein nahezu volles Haus im Theater Duisburg freuen. Es ist die mittlerweile siebte Familienoper seit 2009 und die dritte Auftragsarbeit, die in der Kooperation der Jungen Opern Rhein-Ruhr (mit dem Theater Dortmund und dem Theater Bonn) entstanden war. Für die Inszenierung der Uraufführung arbeitete Komponist und Texter Lange zusammen mit Regisseur Johannes Schmid, der ebenso wie Lange nicht zum ersten Mal für eine Familienoper hier im Haus verpflichtet worden war. Lange und Schmid haben es verstanden, sowohl die spannende Geschichte des Märchens als auch seine Symbolik und damit seine Botschaft einfließen zu lassen in eine hervorragende Aufführung, die das Publikum schlussendlich mit tosendem Applaus für die Akteure belohnte. Die Sänger spielten ihre Rollen aus, so dass auch das jüngere Publikum gut folgen konnte. Empfohlen ist die Familienoper für Kinder ab 6 Jahren – und soweit sie keine Angst mehr vor Trollen haben, können sie sich an einer kindgerechten Umsetzung des Märchenstoffs in Opernform erfreuen. Mit den anderthalb Stunden Länge (ohne Pause) kamen auch die Jüngeren offensichtlich gut klar.

Die Schneekönigin zieht Kay durch einen Kuss in ihrem Bann: Dmitri Vargin (Kay), Adela Zaharia (Schneekönigin). Foto: Hans Jörg Michel.

Die Schneekönigin zieht Kay durch einen Kuss in ihrem Bann: Dmitri Vargin (Kay), Adela Zaharia (Schneekönigin). Foto: Hans Jörg Michel.

Die phantastische Reise der Gerda geht über viele Stationen, die allesamt mit wechselnden Bühnenbilder auf begrenztem Raum realsiert werden. Dabei begegnet sie fabelhaften Wesen, die sie teils vom Weg abbringen wollen, teils aber auch ihr weiterhelfen: von der Blumenfrau (Maria Popa), die sich immer eine Gefährtin suchte, und einer Krähe (Florian Simson) über Prinz und Prinzessin (Hubert Walawski und Anna Tsartsidze) sowie das Räubermädchen (gesungen von Katharina von Bülow, gespielt von Iryna Vakula, die wegen ihrer Grippe nicht singen konnte), und das Rentier (Lukasz Konieczny) bis hin zur finnischen Lappin (Susan Maclean). Immer wieder kreuzen auch Trotteltroll (Conny Thimander) und Tölpeltroll (Annika Boos), Schüler des Deubeltroll, deren Missgeschick mit dem Lügenspiegel die ganze Geschichte ausgelöst hatte, den Weg der Reisenden.

Familienoper:
Große Oper auch für die Kleinen

Die Blumenfrau will Gerdas Weiterreise verhindern: Lavinia Dames (Gerda), Annika Kaschenz (Blumenfrau). Foto: Hans Jörg Michel.

Die Blumenfrau will Gerdas Weiterreise verhindern: Lavinia Dames (Gerda), Annika Kaschenz (Blumenfrau). Foto: Hans Jörg Michel.

Wundersame Begegnungen: Anna Tsartsidze (Prinzessin), Hubert Walawski (Prinz). Foto: Hans Jörg Michel.

Wundersame Begegnungen: Anna Tsartsidze (Prinzessin), Hubert Walawski (Prinz). Foto: Hans Jörg Michel.

Mit ihrer Warmherzigkeit löst Gerda die "Verzauberung" von Kay: Dmitri Vargin (Kay), Lavinia Dames (Gerda). Foto: Hans Jörg Michel.

Mit ihrer Warmherzigkeit löst Gerda die „Verzauberung“ von Kay: Dmitri Vargin (Kay), Lavinia Dames (Gerda). Foto: Hans Jörg Michel.

Auch wenn gerade die jüngeren Zuschauer die philosophische Dimension der Geschichte noch nicht begreifen: Die spannende Reise der Gerda, die phantasievollen Kostüme und unterschiedlichen Welten, die Bühnenbildnerin Tatjana Ivschina mit ihren prächtigen Aufbauten auf die Bühne zauberte, begeisterten auch sie. Der Stoff allein bot schon generationenübergreifend sehr gute Unterhaltung. Ganz hervorragend hatte ihn Komponist Lange, der auch die Texte (Libretto) schrieb, in eine eineinhalbstündige Oper verwandelt, die in sieben Szenen dem Märchen in jeder Hinsicht gerecht wurde. Die Abendvorstellung ebenso wie die folgenden Wochenend-Vorstellungen locken eher Familien in die Oper, für Schulklassen gibt es Aufführungen der „Schneekönigin“ an Vormittagen in der Woche. Gerade die Arbeit mit Schulklassen ist ein wichtiger Baustein der Arbeit für „Junges Publikum“ an der Deutschen Oper am Rhein.

Unter der musikalischen Leitung von Kapellmeister Lukas Beikircher boten die Duisburger Philharmoniker auch in reduzierter Besetzung einen grandiosen Klangkörper, der instrumentale Akzente setzte. Die Ensemblesänger unterstützte der Projektchor der Robert Schumann Musikhochschule unter der Leitung von Markus Fohr. Die Choreographie erarbeitete Anna Holter.

Dass sie ein Händchen hat für die märchenhaften Stoffe der Familienopern, hat Tatjana Ivschina schon früher bewiesen: Nun zeichnet sie auch für Bühne und Kostüme der „Schneekönigin“ verantwortlich. Die phantasievollen Kostüme spiegeln Charaktere. Die Bühnenaufbauten ermöglichen eine weite Reise über unterschiedlichste Stationen auf dem begrenzten Raum einer Theaterbühne ablaufen zu lassen, ohne sie hinter geschlossenem Vorhang immer wieder umzubauen. Ganz brillant in Szene gesetzt werden die Bühnenaufbauten wieder einmal von Lichtdesigner Volker Weinhart.

Weitere Termine im Theater Duisburg:
Sa | 30. April 2016 | 15:00 Uhr,
Sa | 8. Mai 2016 | 15:00 Uhr,
Mo | 6. Juni 2016 | 11:00 Uhr,
Di | 7. Juni 2016 | 11:00 Uhr,
Mo | 20. Juni 2016 | 11:00 Uhr und
Di | 21. Juni 2016 | 11:00 Uhr.
Ab dem 4. Juli 2016 läuft „Die Schneekönigin“ im Opernhaus Düsseldorf.

Da ist die Welt noch in Ordnung: Dmitri Vargin (Kay), Lavinia Dames (Gerda), Susan Maclean (Großmutter). Foto: Hans Jörg Michel.

Da ist die Welt noch in Ordnung: Dmitri Vargin (Kay), Lavinia Dames (Gerda), Susan Maclean (Großmutter). Foto: Hans Jörg Michel.

Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten zwischen 8,00 und 18,00 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt. Auch für Schulklassen gibt es ermäßigte Karten: Telefon 0211 / 8925-238 oder eMail an gruppen@operamrhein.de.

© 2016 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Hans Jörg Michel, Mannheim / Deutsche Oper am Rhein

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Duisburger Hafen AG: Bilanzpressekonferenz 2016 – Konzernergebnis auf Rekordniveau

Die goldenen Jahre zweistelliger
Wachstumsraten in der Logistik sind vorbei

Von Petra Grünendahl

Vorstandsvorsitzender Erich Staake bei der Bilanzpressekonferenz 2016 der Duisburger Hafen AG. Foto: Petra Grünendahl.

Vorstandsvorsitzender Erich Staake bei der Bilanzpressekonferenz 2016 der Duisburger Hafen AG. Foto: Petra Grünendahl.


Als Lösungsanbieter für integrierte Dienstleistungen zur Optimierung von Warenströmen sieht Vorstandsvorsitzender Erich Staake die Duisburger Hafen AG auch für die Zukunft gut aufgestellt. „Die goldenen Jahre zweistelliger Wachstumsraten sind vorbei“, bilanzierte Staake angesichts schwieriger Marktbedingungen. Mit dem vergangenen Geschäftsjahr ist er zufrieden: 2015 war wieder ein Rekordjahr. Auf 17 Jahre kontinuierliche steigende Ergebnisse kann Staake nun zurückblicken. Die Dividende für Anteilseigner Stadt Duisburg (ein Drittel) und Land NRW (zwei Drittel) ist damit gesichert.

Der Vorstand der Duisburger Hafen AG (v. l.): Prof. Thomas Schlipköther, Erich Staake (Vorsitzender), Markus Bangen. Foto: Petra Grünendahl.

Der Vorstand der Duisburger Hafen AG (v. l.): Prof. Thomas Schlipköther, Erich Staake (Vorsitzender), Markus Bangen. Foto: Petra Grünendahl.

Die Duisburger Hafen AG legte für 2015 mit 217 Mio. Euro Gesamtumsatz für die Unternehmensgruppe inklusive aller Beteiligungen ein neues Rekordergebnis vor (plus 10 Prozent), die die Vorstände der Hafengesellschaft, Erich Staake, Prof. Thomas Schlipköther und Markus Banken, im auf der Bilanzpressekonferenz 2016 präsentierten. Von den drei Geschäftsbereichen der duisport-Gruppe – Infra- und Suprastruktur, Logistische Dienstleistungen sowie Verpackungslogistik – hat 2015 insbesondere der Bereich der Logistischen Dienstleistungen zur positiven Entwicklung beigetragen. Der Umsatzzuwachs in diesem Geschäftssegment resultiert im Wesentlichen aus der Projektlogistik, dem Mengenzuwachs im Container- und Massengutbereich sowie aus dem Consulting- und Projektgeschäft. Im Geschäftsjahr 2015 hat die duisport-Gruppe Investitionen in Höhe von rund 20 Mio. Euro getätigt (2014: 17 Mio. Euro). Der Schwerpunkt lag dabei erneut auf der Erweiterung der Umschlag- und Terminalkapazitäten. Dazu zählten unter anderem die Errichtung eines zweiten Portalkrans auf logport III sowie der Ausbau des DIT-Terminals auf logport I. Finanziert wurde dies aus laufenden Geschäftseinnahmen.

Continerumschlagswachstum in Duisburg
bei sinkendem Umschlag in Seehäfen

Hafenchef Erich Staake bei der Bilanzpressekonferenz 2016 der Duisburger Hafen AG. Foto: Petra Grünendahl.

Hafenchef Erich Staake bei der Bilanzpressekonferenz 2016 der Duisburger Hafen AG. Foto: Petra Grünendahl.

Nachdem große asiatische Seehäfen geringe Zuwachsraten oder gar Rückgänge im Umschlag zu verzeichnen haben, spiegelt sich dies auch in den Umschlagsentwicklungen der europäischen Nord- und Westhäfen (Nordsee und Atlantik). „Ohne einen Treiber für weltwirtschaftliches Wachstum gehören die zweistelligen Wachstumsraten in der Transportlogistik der Vergangenheit an“, so Staake. Im vergangenen Jahr habe der Duisburger Hafen von Verlagerungen profitieren können. Hier positioniert sich die duisport-Gruppe mit integrierten Dienstleistungen zur Optimierung von Warenströmen, die dann häufig ihren Weg auch über Duisburg finden – oder über Duisburger Beteiligungen und Joint Ventures weltweit, von denen dann auch Duisburg profitiert.

„Wir haben genügend Kapazitäten für den Containerumschlag, einen weiteren Ausbau planen wir aber nicht“, erklärte Staake, der schon vor Jahren vor Überkapazitäten warnte, die jetzt – bei sinkenden Importen aus China und Asien und nach allzu ungestümen Kapazitätserweiterungen – vorhanden sind. „Als die Investitionsentscheidungen beispielsweise für Maasvlakte II [Rotterdam] getroffen wurden, war dies aber noch nicht abzusehen“, führte er fort. In Duisburg wurden im vergangenen Jahr 3,6 Mio. TEU (Standardcontainer) umgeschlagen (plus 6 Prozent). Kapazitätsreserven sind noch vorhanden, so dass hier noch Luft nach oben weiteres Wachstum möglich machen würde.

Verhaltene Entwicklung für 2016 erwartet –
Verantwortung für die Region

Bilanzpressekonferenz 2016 der der Duisburger Hafen AG (v. l.): Pressesprecher Dr. Julian Böcker, Vorsandsvorsitzender Erich Staake sowie seine Vorstandskollegen Prof. Thomas Schlipköther und Markus Bangen. Foto: Petra Grünendahl.

Bilanzpressekonferenz 2016 der der Duisburger Hafen AG (v. l.): Pressesprecher Dr. Julian Böcker, Vorsandsvorsitzender Erich Staake sowie seine Vorstandskollegen Prof. Thomas Schlipköther und Markus Bangen. Foto: Petra Grünendahl.

Durch Beteiligungen und Joint Ventures ist duisport auch international gut aufgestellt. Das breit gefächerte Geschäftsportfolio vermindert Risiken: „Das entwickeln wir weiter“, verkündigte Staake. „Wir werden uns alle Mühe geben, im laufenden Jahr nicht schlechter abzuschneiden.“ Dass vom Duisburger Hafen mehr mittlerweile als 45.000 Beschäftigte direkt oder indirekt abhängen (Studie des Marktforschungsinstituts Regionomica 2015), ist auch eine Verpflichtung für Duisburg und die Region: „Das ist nirgends so wichtig wie hier im Ruhrgebiet.“ Damit bleibt der Duisburger Hafen eine tragende Säule der Wirtschaftsstruktur und des Arbeitsmarktes in der Region. „Diese Zahlen belegen eindrucksvoll, dass wir in der Logistikwirtschaft in Duisburg und der Region weiterhin Wachstum erzeugen können“, betonte Erich Staake. „Sie sind darüber hinaus Beleg für die Qualität des Standortes, der inzwischen zu den führenden Logistikregionen in Europa gehört“.

Erich Staake, Vorsitzender des Vorstandes, bei der Bilanzpressekonferenz 2016 der Duisburger Hafen AG. Foto: Petra Grünendahl.

Erich Staake, Vorsitzender des Vorstandes, bei der Bilanzpressekonferenz 2016 der Duisburger Hafen AG. Foto: Petra Grünendahl.

„Wir müssen deutlich machen, dass wir hier nicht nur Verkehr produzieren, sondern auch um Optimierung bemüht sind“, erklärte Staake. Denn jede neue Ansiedlung zieht auch neue Güterverkehre – und die kommen zumindest teilweise über die Straße. Die vereinbarte strategische Zusammenarbeit mit Siemens zur Realisierung eines Verkehrsleitsystems war in der ersten Testphase ein Erfolg. Nächster Schritt wird eine App für Lkw-Fahrer sein, die Verkehrsflüsse weiter optimiert. Schlussendlich versprechen sich die Kooperationspartner ein System, welches sie weltweit vermarkten können. Die Duisburger sind hier nicht nur Versuchskaninchen, sondern die ersten, die davon profitieren.

Zukunftspotenziale für die Region

Vorstandsvorsitzender Erich Staake bei der Bilanzpressekonferenz 2016 der Duisburger Hafen AG. Foto: Petra Grünendahl.

Vorstandsvorsitzender Erich Staake bei der Bilanzpressekonferenz 2016 der Duisburger Hafen AG. Foto: Petra Grünendahl.

Steigende Mitarbeiterzahlen verzeichnet die duisport-Gruppe: Nach 1.000 Mitarbeitern im Jahr 2014 waren es im letzten Jahr 1.050 Beschäftigte. „Qualifizierte und engagierte Mitarbeiter sind ein zentrales Element für eine nachhaltige Unternehmensentwicklung. Daher setzen wir verstärkt auf die Rekrutierung von Fachkräften für die unterschiedlichen Geschäftsbereiche und fördern gezielt junge, engagierte Nachwuchskräfte in unseren insgesamt acht Ausbildungsberufen“, so der Hafenchef.

Zukunftspotenzial sieht Erich Staake im wachsenden Segment der Flussschiffkreuzfahrt: „Es wird viel getan in Duisburg und der Region, um touristische Angebote und Reiseziele zu fördern.“ Diese seien Voraussetzung für Kreuzfahrtschiffe, die rund um die Anlegestellen ein touristisches Programm für ihre Passagiere anbieten müssten. Duisport investiert rund eine halbe Millionen Euro in eine Anlegestelle an der Mühlenweide. Ende April beginnen die Bauarbeiten, im Juni schon ist die Eröffnung geplant.

300 Jahre Duisburger Hafen

Hafenchef Erich Staake bei der Bilanzpressekonferenz 2016 der Duisburger Hafen AG. Foto: Petra Grünendahl.

Hafenchef Erich Staake bei der Bilanzpressekonferenz 2016 der Duisburger Hafen AG. Foto: Petra Grünendahl.

„300 Jahre ist schon eine Hausnummer. Es gibt nicht viele Unternehmen, die so alt sind“, schlug Staake den Bogen zum Jubiläumsjahr. Das lässt sich der Hafen einiges kosten. Ein Jubiläumsbuch zur Geschichte des Hafens – „300 Jahre Duisburger Hafen – Weltweit verankert, regional vernetzt“ – wird ebenso Anfang Mai vorgestellt wie das Kinderbuch „Duisport Zeitreise“. Eröffnet wird dann auch die neue Fahrradroute durch den Duisburger Hafen. Ende Mai ist die Einweihung einer Poseidon-Skulptur des Künstlers Prof. Markus Lüpertz, dessen Werke auch gerade im MKM Museum Küppersmühle gezeigt werden, an der Spitze der Mercatorinsel geplant: Ein Geschenk des Duisburger Hafens an sich selber, an Ruhrort und an die Stadt Duisburg. Und vom Rhein aus gesehen mit Sicherheit ein Blickfang. Größer als bislang wird auch das traditionelle Ruhrorter Hafenfest, das in diesem Jahr auf Anfang Juni vorgezogen wird. Der offizielle Festakt zum Jubiläum des Duisburger Hafens steht dann Mitte September an.

© 2016 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Deutsche Oper am Rhein: Uraufführung der Familienoper „Die Schneekönigin“ im Theater Duisburg

Mit märchenhaften Motiven ein junges Publikum
begeistern und für Kultur gewinnen

Von Petra Grünendahl

Dmitri Vargin (Kay), Lavinia Dames (Gerda). Foto: Hans Jörg Michel.

Dmitri Vargin (Kay), Lavinia Dames (Gerda). Foto: Hans Jörg Michel.

Hans Christan Andersens Märchen von der „Schneekönigin“ sei als Kind eines seiner Lieblingsmärchen gewesen, erzählte Komponist Marius Felix Lange. Nicht nur komponiert hat der die Oper, sondern auch das Libretto (Text) zur neuen Familienoper geschrieben. Umso glücklicher sei er gewesen, diesen Stoff für die Deutsche Oper am Rhein als Auftragsarbeit realisieren zu dürfen. „Die Schneekönigin“ sei sein Wunschstoff mit ihrer reichen Symbolik, so Lange. Auch der Regisseur Johannes Schmid wollte genau diese Symbolik der Gegensätze von Gefühl und Verstand auf die Bühne bringen. „Die Schneekönigin“ fasziniere ihn als Entwicklungsgeschichte, verriet Lange. Gerda und Kay, beste Freunde, sind die personifizierten Gegensätze von Gefühl und Verstand, die schlussendlich erkennen lassen, dass sie sich damit ergänzen, „ganz werden“.

Deutsche Oper am Rhein: Komponist Marius Felix Lange (l.) und Regisseur Johannes Schmid (r.) mit dem Bühnenaufbau von "Die Schneeköingin" im Theater Duisburg. Foto: Petra Grünendahl,

Deutsche Oper am Rhein: Komponist Marius Felix Lange (l.) und Regisseur Johannes Schmid (r.) mit dem Bühnenaufbau von „Die Schneeköingin“ im Theater Duisburg. Foto: Petra Grünendahl,

Zur Uraufführung der neuen Familienoper „Die Schneekönigin“ lädt die Deutsche Oper am Rhein am Samstag, 23. April, ins Theater Duisburg. Der Märchenstoff mit seinen vielen Stationen der Reise sei gar nicht so einfach auf eine Bühne zu bringen gewesen, erklärte Schmid, der das eine oder andere Detail der Reise nur angedeutet realisieren konnte, da eine kompletter Bühnenumbau den Rahmen gesprengt hätte. Die Reise beginnt, als Kay, von Splittern eines verzauberten Spiegels getroffen, sich von Gerda abwendet. Er sieht alles nur noch negativ und folgt der Schneekönigin, Sinnbild für den kalten Verstand, zu ihrem Palast. Gerda folgt ihm und begegnet vielerlei märchenhaften Wesen. Schließlich gelangt sie zum Palast der Schneekönigin, wo sie Kay durch ihre Mitgefühl und ihre Herzenswärme erlösen kann. Als die beiden schließlich nach Hause zurückkehren, sind sie „zwei Erwachsene und doch Kinder, Kinder im Herzen“, womit Anderson sein Märchen schließt. Die Termine für die Aufführungen liegen entweder familiengerecht am Wochenende oder für Schulbesuche an Vormittagen in der Woche.

Schulen werden zu „Wiederholungstätern“

Dmitri Vargin (Kay), Adela Zaharia (Schneekönigin). Foto: Hans Jörg Michel.

Dmitri Vargin (Kay), Adela Zaharia (Schneekönigin). Foto: Hans Jörg Michel.

„Wenn Lehrer bei uns Karten für einen Klassenbesuch bestellen, bekommen sie gleich eine Mappe mit Informationsmaterial und Unterrichtsvorschlägen zugeschickt“, erklärte Anna Mareike Vohn, Leiterin der Abteilung „Junges Publikum“. Anhand dieser Informationen könnten sie im Unterricht den Opernbesuch vorbereiten: die Kinder das Stück spielen und singen lassen. „Die Wiedererkennung ist wichtig, damit sie die Komplexität der Oper greifen können“, so Vohn. Erstmals hat die Deutsche Oper am Rhein eine Familienoper ab 6 Jahren empfohlen: „Man kann gar nicht früh genug anfangen, Menschen an Kultur heranzuführen“, äußerte Vohn ihre persönliche Meinung. Manche Kinder kommen auch schon viel jünger zu ihrer ersten Opernvorstellung: Wenn die Begeisterung der Eltern die Kleinen ansteckt und eine kindgerechte Oper Interesse und eigene Begeisterung weckt. Aber auch die Schulen werden schnell zu „Wiederholungstätern“: Wer als Lehrer einmal einen Klassensatz Karten bestellt hat, bekommt regelmäßig Informationen über all das, was die Deutsche Oper am Rhein für „Junges Publikum“ zu bieten hat. Und viele greifen da gerne wieder zu, wenn es darum geht, ihren Schülern Oper näher zu bringen.9

Bewährtes Team

Schn die zweite Zusammenarbeit bei der Deutsche Oper am Rhein: Komponist Marius Felix Lange (l.) und Regisseur Johannes Schmid (r.) mit dem Bühnenaufbau von "Die Schneeköingin" im Theater Duisburg. Foto: Petra Grünendahl,

Schn die zweite Zusammenarbeit bei der Deutsche Oper am Rhein: Komponist Marius Felix Lange (l.) und Regisseur Johannes Schmid (r.) mit dem Bühnenaufbau von „Die Schneeköingin“ im Theater Duisburg. Foto: Petra Grünendahl,

Marius Felix Lange ist mittlerweile auf Familienopern – den Begriff mag er lieber als „Kinderoper“ – spezialisiert. „Die Schneekönigin“ ist nach dem „Mädchen, das nicht schlafen wollte“ seine zweite Auftragsarbeit für die Deutsche Oper am Rhein. „Die Schneekönigin“ ist seit dem Antritt von Prof. Christoph Meyer als Generalintendant 2009 nun bereits die siebte Familienoper im Programm der Rheinoper. Drei der sieben Opern waren als Auftragsarbeiten Uraufführungen. Wie schon bei früheren Familienopern – zum Beispiel „Ronja Räubertochter“ – zeichnet auch hier Tatjana Ivschina für das Bühnenbild und die phantasievollen Kostüme verantwortlich. Auch Johannes Schmid arbeitet an der Deutschen Oper am Rhein auf vertrautem Terrain, inszenierte er doch hier im Haus bereits die Uraufführungen von „Das Mädchen, das nicht schlafen wollte“ (2014) und „Ronja Räubertochter“ (2015). Die Familienoper ist eine Kooperation der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg mit dem Theater Dortmund und dem Theater Bonn im Rahmen von „Junge Opern Rhein-Ruhr“. Unterstützt wird das Projekt von Freundeskreis der Deutschen Oper am Rhein, Fördergelder gab es vom Fond Neues Musiktheater des NRW Kultursekretariats Wuppertal und des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW. Schirmherrin ist Ministerin Christina Kampmann.

Weitere Termine im Theater Duisburg:
Sa | 23. April 2016 | 18:00 Uhr (Uraufführung),
Sa | 30. April 2016 | 15:00 Uhr,
Sa | 8. Mai 2016 | 15:00 Uhr,
Mo | 6. Juni 2016 | 11:00 Uhr,
Di | 7. Juni 2016 | 11:00 Uhr,
Mo | 20. Juni 2016 | 11:00 Uhr und
Di | 21. Juni 2016 | 11:00 Uhr.
Ab dem 4. Juli 2016 läuft „Die Schneekönigin“ im Opernhaus Düsseldorf.

Besucherraum im Theater Duisburg. Foto: Petra Grünendahl,

Besucherraum im Theater Duisburg. Foto: Petra Grünendahl,

Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten zwischen 8,00 und 18,00 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt. Auch für Schulklassen gibt es ermäßigte Karten: Telefon 0211 / 8925-238 oder eMail an gruppen@operamrhein.de.

© 2016 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (3), Hans Jörg Michel, Mannheim / Deutsche Oper am Rhein (2 plus Header)

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Duisburger Hafen: Lüpertz-Skulptur auf der Mercatorinsel zum 300-jährigen Hafengeburtstag

Prof. Markus Lüpertz (Mitte) und Erich Staake, Vorstandsvorsitzender der Duisburger Hafen AG (rechts). Foto: Rolf Köppen / duisport.

Prof. Markus Lüpertz (Mitte) und Erich Staake, Vorstandsvorsitzender der Duisburger Hafen AG (rechts). Foto: Rolf Köppen / duisport.

Wie ein schnittiger Schiffsbug ragt die Duisburger „Mercatorinsel“ in das Mündungsgebiet von Ruhr und Rhein. Hier am nördlichsten Punkt des Duisburger Hafens entsteht derzeit der 4,5 Meter hohe Sockel für ein außergewöhnliches Kunstwerk: „Das Echo des Poseidon“. Es soll künftig die ankommenden Schiffe aus aller Welt bei der Einfahrt in den größten Binnenhafen der Welt begrüßen.

Die Skulptur ist eine Kreation des berühmtesten zeitgenössischen Bildhauers Prof. Markus Lüpertz. Er schuf sie aus Anlass des 300. Duisburger Hafengeburtstages. Lüpertz war 21 Jahre lang, bis 2009, Leiter der Staatlichen Kunsthochschule Düsseldorf, machte sich zugleich einen Namen als Maler, Grafiker, Bühnenbildner, Dichter und Musiker. Der Künstler arbeitete zuvor u.a. auch kurze Zeit als Bergmann an der Ruhr.

In der antiken griechischen Götter- und Sagenwelt trug Poseidon die Verantwortung für die Meere, sein Bruder Zeus war für Himmel und Erde, Bruder Hades schließlich für die Unterwelt verantwortlich. Einschließlich Sockel wird die Poseidon-Skulptur insgesamt zehn Meter hoch. Bundeskanzler a.D. Gerhard Schröder wird das Kunstwerk am 27. Mai in Duisburg enthüllen.

„Kultur und Wirtschaft sind zwei tragende Elemente des Zusammenlebens in unserer Region“, sagt Duisburgs Hafenchef Erich Staake. „Umso dankbarer sind wir dafür, dass einer unserer größten zeitgenössischen Künstler sich bereit erklärt hat, zu unserem Hafenjubiläum einen eigenen dauerhaften Beitrag zu leisten. Mit seiner beeindruckenden Skulptur würdigt Professor Markus Lüpertz die Verdienste des Hafens um den erfolgreichen Strukturwandel an der Ruhr und verbeugt sich zugleich vor der Stadt Duisburg, der Region und dem Land NRW.“

Der Vorstandsvorsitzende der duisport-Gruppe ist sich bewusst: „Lüpertz-Werke polarisieren immer, aber gerade die Auseinandersetzung hält die Kunst am Leben und macht die Standorte dieser Kunst zum Schauplatz einer lebendigen Debatte.“ Nordrhein-Westfalen bietet bereits eine Reihe solcher Standorte: Drei Lüpertz-Skulpturen stehen im Park von Schloss Bensberg, der „Mercurius“ grüßt vor dem Post-Tower in Bonn. „Herkules“ ragt auf dem Förderturm der einstigen Zeche „Nordstern“ in Gelsenkirchen empor, und Bonn zeigt die Bronze-Skulptur „Ludwig van Beethoven“. Eine große Anzahl von Kunstwerken von Markus Lüpertz ist derzeit zudem im Duisburger MKM Museum Küppersmühle ausgestellt.

– Pressemeldung der Duisburger Hafen AG –
Foto: Rolf Köppen / duisport

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Duisburger Lehmbruck Museum bereichert Retrospektive im Leopold Museum Wien

“Skulptur ist das Wesen der Dinge“
Wilhelm Lehmbruck – Fragmente

Von Petra Grünendahl

Ausstellungsplakat Wilhelm Lehmbruck. Retrospektive, 2016, © Leopold Museum, Wien.

Ausstellungsplakat Wilhelm Lehmbruck. Retrospektive, 2016, © Leopold Museum, Wien.

Einen „Furiosen Auftakt“ attestierte die überregionale österreichische Tageszeitung „Die Presse“ am Tag nach der Eröffnung der Retrospektive Wilhelm Lehmbruck (1881–1919) im Wiener Leopold Museum. Das Duisburger Lehmbruck Museum unterstützt dieses Projekt unter anderem mit herausragenden Schlüsselwerken wie dem Emporsteigenden Jüngling (1913/14) oder der Großen Stehenden (1910). Die Ausstellung besteht insgesamt aus rund 50 Skulpturen sowie 90 Gemälden, Zeichnungen oder Radierungen. Neben Werken von Lehmbruck präsentiert das Museum auch Werke anderer, späterer Künstler, die sich beziehen auf Lehmbruck: Käthe Kollwitz (1867–1945) oder Joseph Beuys (1941–1986) zum Beispiel, oder den Zeitgenossen Egon Schiele (1890–1918).
 
 

Der 37-jährige Wilhelm Lehmbruck, Foto: Lehmbruck Museum Duisburg.

Der 37-jährige Wilhelm Lehmbruck, Foto: Lehmbruck Museum Duisburg.

Die Lehmbruck Retrospektive im Leopold Museum in Wien ist die größte Retrospektive in Österreich überhaupt. Größter Leihgeber für diese Werkschau ist das Duisburger Lehmbruck Museum, viele Leihgaben stammen auch von der Familie: Zum Teil waren auch diese Werke schon im Lehmbruck Museum zu sehen. Es ist die bedeutsamste Ausstellung von Lehmbrucks Werken außerhalb Lehmbruck Museums, die, so Kulturdezernent Thomas Krützberg, dazu beitragen werde, „dass der Duisburger Bildhauer Wilhelm Lehmbruck international noch bekannter wird.“ Die Retrospektive im Leopold Museum in Wien dauert noch bis zum 4. Juli 2016. Parallel dazu läuft im Leopold Museum eine Ausstellung der belgischen Künstlerin Berlinde De Bruyckere (*1964), die „auch Lehmbrucks Bedeutung für die Kunst unserer Zeit verdeutlicht“, so die Direktorin des Lehmbruck Museums, Dr. Söke Dinkla.

Furioser Einstang für den neuen Wiener Museumsdirektor

Emporsteigender Jüngling (1913/14) ovn Wilhelm Lehmbruck. Foto: Petra Grünendahl.

Emporsteigender Jüngling (1913/14) ovn Wilhelm Lehmbruck. Foto: Petra Grünendahl.

Sie habe spontan ja gesagt, erzählte Söke Dinkla, als Hans-Peter Wipplinger als frischgebackener Direktor des Leopold Museums sie gefragt habe, was sie von einer Retrospektive hielte. Der Wiener Museumsdirektor sei mit seiner Wunschliste nach Duisburg gekommen: „Und wir haben geguckt, was möglich ist“, so Dinkla. „Schlüsselwerke gibt man nicht so schnell ab“, erklärte die Duisburger Museumsdirektorin. Dennoch gingen Skulpturen wie der Emporsteigende Jüngling und die Große Stehende als Unterstützung zur Wiener Retrospektive. Zu den Leihgaben zählt auch Käthe Kollwitz’ Mutter mit zwei Kindern, die als von Lehmbruck beeinflusst gelten darf. In Wien stehen zudem Bronzeskulpturen von der Knieenden oder dem Gestürzten, die den Nachfahren des Bildhauers gehören. Der Bronze-Gestürzte war beispielweise im Lehmbruck Museum zuletzt in der Ausstellung „Zeichen gegen den Krieg“ (2014) zu sehen.

Wilhelm Lehmbruck: Frauentorso. Foto: Petra Grünendahl.

Wilhelm Lehmbruck: Frauentorso. Foto: Petra Grünendahl.

Die Sammlung des Lehmbruck Museums selbst verfügt über etwa 90 Skulpturen, 25 Gemälde und rund 1.000 Zeichnungen und Radierungen des in Meiderich geborenen Künstlers. Das vom Sohn, Museumsarchitekt Manfred Lehmbruck (1913–1992), erbaute Museum verfügt über einen „Lehmbruck-Trakt“, einen Bau aus Stahlbeton, der auf mehreren Galerieebenen mit langen Treppenläufen das Lebenswerk Wilhelm Lehmbrucks in Szene setzt, wie es kein anderes Museum kann: „Eine einzigartige Präsentation“, meint Söke Dinkla.

 
 

Ausstellungskatalog auch im Lehmbruck Museum erhältlich

Wilhelm Lehmbruck: Der Gestürzte. Foto: Petra Grünendahl.

Wilhelm Lehmbruck: Der Gestürzte. Foto: Petra Grünendahl.

Den reich bebilderten 256-seitigen Katalog zur Wiener Retrospektive zum Preis von 29.90 Euro gibt es auch im Lehmbruck Museum. Neben einem Grußwort von Dr. Söke Dinkla ist die Kustodin Dr. Marion Bornscheuer mit zwei Beiträgen zum Thema vertreten. Der Katalog gibt einen guten Überblick über Lehmbrucks Schaffen mit hochinformativen Texten und Bezügen zu anderen Künstlern. Die Duisburger Lehmbruck-Schau ist trotz der Leihgaben immer noch sehr komplett und einen Besuch wert.

Wilhelm Lehmbruck: Der Jüngling (1916/17). Foto: Petra Grünendahl.

Wilhelm Lehmbruck: Der Jüngling (1916/17). Foto: Petra Grünendahl.

Wer einen Blick auf die Duisburger Werke des Künstlers werfen will, die in einem eigens für seine Werke geschaffenen Flügel des Museums untergebracht sind, hat zu folgenden Zeiten die Möglichkeit dazu: Dienstags bis freitags ist das Museum ab 12 Uhr geöffnet, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags wegen der plastikBAR bis 21 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro, ermäßigt 5 Euro. Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Schulklassen und Kindergärten pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte gibt es für 15 Euro.
 

Wilhelm Lehmbruck: Frauenkörper. Foto: Petra Grünendahl.

Wilhelm Lehmbruck: Frauenkörper. Foto: Petra Grünendahl.

Öffentliche Führungen durch das Museum gibt es jeden Sonntag, sie kosten 2 Euro zusätzlich zum Eintritt. Für weitere Informationen und Buchungen steht die Kunstvermittlung unter Telefon 0203 / 283-2195 oder eMail kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de zur Verfügung. Weitere Informationen gibt es unter tickets@lehmbruckmuseum.de, Telefon 0203 / 283-2195 oder www.lehmbruckmuseum.de.

© 2016 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (5), Lehmbruck Museum (1), Leopold Museum Wien (Plakat)

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Bilanzpressekonferenz der Franz Haniel & Cie. GmbH in Duisburg: Kasse für Unternehmenszukäufe gut gefüllt

Engagement für die Gesellschaft und
Innovationen als Geschäftsmodell

Von Petra Grünendahl

Bilanzpressekonferenz 2016 bei Haniel (v. l.): Dr. Florian Funck (Finanzvorstand), Stephan Gemkow (Vorstandsvorsitzender) und Dietmar Bochert (Direktor Kommunikation). Foto: Petra Grünendahl.

Bilanzpressekonferenz 2016 bei Haniel (v. l.): Dr. Florian Funck (Finanzvorstand), Stephan Gemkow (Vorstandsvorsitzender) und Dietmar Bochert (Direktor Kommunikation). Foto: Petra Grünendahl.

Bilanzpressekonferenz 2016 bei Haniel: Stephan Gemkow (Vorstandsvorsitzender). Foto: Petra Grünendahl.

Bilanzpressekonferenz 2016 bei Haniel: Stephan Gemkow (Vorstandsvorsitzender). Foto: Petra Grünendahl.

Als Family-Equity-Unternehmen lebt Haniel gesellschaftliche Verantwortung in der Region. Dass diese Unterstützung auch immer wieder Ruhrort und Duisburg zugute kommt, verweist auf Haniels Wurzeln: Auf dem Areal Franz-Haniel-Platz wird die Historie des Unternehmens im alten Packhaus (Haniel-Museum), der Keimzelle eines heute weltweit agierenden Unternehmens, lebendig gehalten. Aus dieser lokalen und regionalen Verbundenheit ergeben sich die Projekte, die Haniel vor Ort unterstützt: Von Ruhrorter Einrichtungen und Initiativen wie Kindergarten, Ruhrorter Hafenkids und Aletta-Haniel-Gesamtschule über das Franz-Haniel-Gymnasium Homberg (Rheinpreussen) und weitere Schulpatenschaften bis hin zum Haniel Klassik Open Air, das alle zwei Jahre Tausende Besucher auf den König-Heinrich-Platz lockt. Dazu zählt auch das Kooperationsprojekt „Bildung als Chance“, welches „abgehängten“ Schulabgängern Möglichkeiten eröffnet, mit einer Berufsausbildung Fuß zu fassen. Zu den neueren Projekten, von denen Duisburg und die Region ebenfalls profitieren, zählen das Social Impact Lab Duisburg (siehe auch hier), welches im Juni 2016 im alten Gästehaus auf dem Haniel-Campus seinen Betrieb aufnimmt, sowie „Wirtschaft zusammen“ (siehe auch hier). Die Initiative, zu deren Mitinitiatoren Haniel gehört, will Flüchtlingen bei der Integration helfen und berufliche Perspektiven eröffnen. Bislang sind deutschlandweit 61 Unternehmen beteiligt.

Bilanzpressekonferenz 2016 bei Haniel: Dr. Florian Funck (Finanzvorstand). Foto: Petra Grünendahl.

Bilanzpressekonferenz 2016 bei Haniel: Dr. Florian Funck (Finanzvorstand). Foto: Petra Grünendahl.

Vorstandsvorsitzender Stephan Gemkow und Finanzvorstand Dr. Florian Funck stellten auf der Bilanzpressekonferenz der Franz Haniel & Cie. GmbH neben diesen Initiativen auch die Zahlen und Entwicklungen des vergangenen Geschäftsjahres vor. Trotz gesunkener Umsätze und eines ebenfalls gesunkenen Operativen Ergebnisses zogen die Vorstände eine positive Bilanz, deren Lichtblick eine deutliche Steigerung des Ergebnisses vor Steuern ist. Zu den bisherigen Beteiligungen Metro (als Minderheitsgesellschafter mit jetzt 25 Prozent), Takkt, CWS-Boco und ELG hat Haniel sein Portfolio um das belgische Unternehmen Bekaert Textiles (Matratzenbezugsstoffe) erweitert. In der Digitalisierung sieht Haniel Chancen für die Zukunft, mit der Schacht One GmbH gehen die Ruhrorter hier mit einem eigenen Unternehmen an den Markt. Schacht One soll mit den Geschäftsbereichen der Holding eng zusammen arbeiten, um digitale Möglichkeiten für sie nutzbar zu machen.

Innovation und soziales Engagement:
Haniel investiert in und fördert Start-ups

Bilanzpressekonferenz 2016 bei Haniel (v. l.): Stephan Gemkow (Vorstandsvorsitzender) und Dr. Florian Funck (Finanzvorstand). Foto: Petra Grünendahl.

Bilanzpressekonferenz 2016 bei Haniel (v. l.): Stephan Gemkow (Vorstandsvorsitzender) und Dr. Florian Funck (Finanzvorstand). Foto: Petra Grünendahl.

Mit der Schacht One GmbH hat Haniel zwar im eigenen Portfolio schon ein Start-up, das mit eigenem Venture Capital gefördert wird. Darüber hinaus investiert Haniel aber auch in Fonds, die auf Venture-Capital-Unternehmen spezialisiert sind, um damit weitere innovative Start-ups zu fördern. Rund 50 Mio. Euro Investitionssumme stehen hierfür zur Verfügung, um Einblicke in innovative Geschäftsmodelle zu gewinnen, aus denen wohlmöglich auch Lerneffekte für die bestehenden Geschäftsbereiche gezogen werden können. Fonds erlauben Diversifikation über verschiedene Reifegerade der Unternehmensentwicklung, Branchen und Regionen (in Europa und Nordamerika). Mit dem Sociall Impact Lab Duisburg holt Haniel eine Idee in die Stadt, mit der Unternehmen, die soziale Ziele verfolgen, Unterstützung in der Gründungsphase bekommen, bis sie sich am Markt etabliert haben. Auch an weiteren Unternehmenskäufen ist Haniel interessiert, um sein Anlage-Portfolio breiter aufzustellen und damit für Krisen besser gerüstet zu sein.

Ausbau und Optimierung
des Beteiligungs-Portfolios

Bilanzpressekonferenz 2016 bei Haniel (v. l.): Stephan Gemkow (Vorstandsvorsitzender) und Dr. Florian Funck (Finanzvorstand). Foto: Petra Grünendahl.

Bilanzpressekonferenz 2016 bei Haniel (v. l.): Stephan Gemkow (Vorstandsvorsitzender) und Dr. Florian Funck (Finanzvorstand). Foto: Petra Grünendahl.

Mit dem Kauf von Bekaert Textiles hatte Haniel 2015 sein Anlage-Portfolio weiter diversifiziert, um von wachsenden Märkten zu profitieren. Sowohl Bekaert als auch andere Haniel-Beteiligungen haben durch Zukäufe ihre Positionen am Markt stärken und verbessern können. Einzig bei ELG, die Rohstoffe für die Edelstahlproduktion liefern, brachen dank Branchenkrise (sinkende Edelstahlproduktion und rückläufige Preise an den Rohstoffmärkten) der Umsatz ebenso ein wie das Operative Ergebnis, das für 2015 sogar ins Negative rutschte. Bei allen anderen Haniel-Beteiligungen wuchsen Umsatz und Ergebnis gegenüber dem Vorjahr. Für sinnvolle und mit der Unternehmensphilosophie korrespondierende weitere Beteiligungen ist Haniel gut aufgestellt: Knappe 1,3 Mrd. Euro stehen dem Vorstand hierfür in den nächsten Jahren zur Verfügung. Überstürzen will man hier aber nichts: Es muss schließlich passen!

Franz Haniel & Cie. GmbH

Hier fing alles an: Das historische Packhaus in Ruhrort ist die Keimzelle des Haniel-Konzerns. Das Haus beherbergt heute das Haniel-Museum. Rechts daneben das Alte Gästehaus, das gerade als Standort für das Social Impact Lab Duisburg umgebaut wird. Foto: Petra Grünendahl.

Hier fing alles an: Das historische Packhaus in Ruhrort ist die Keimzelle des Haniel-Konzerns. Das Haus beherbergt heute das Haniel-Museum. Rechts daneben das Alte Gästehaus, das gerade als Standort für das Social Impact Lab Duisburg umgebaut wird. Foto: Petra Grünendahl.

Die Franz Haniel & Cie. GmbH ist als reiner Investor, Entwickler und Vermögensverwalter am Markt aktiv. Als Holding verwaltet sie das Vermögen der Haniel-Erben. Das „Family-Equity-Unternehmen“ Haniel verfolgt damit andere Ziele als die eher kurzfristige Renditeziele verfolgenden „Private-Equity-Unternehmen“, im Volksmund oft auch „Heuschrecken“ genannt. In einem Familienunternehmen zählen andere Werte: Mit seinem Slogan „Wir sind enkelfähig“ sagt Haniel genau das aus. Im Haniel-Konzern sind Firmen unterschiedlicher Geschäftsbereiche (mit ihren jeweiligen Tochterunternehmen) unter einem Dach vereint. Anteilseigner der Franz Haniel & Cie. GmbH sind ausschließlich Nachfahren von Aletta Haniel und ihrem Sohn Franz. Das Familienunternehmen hat seine Wurzeln in Ruhrort (Gründung 1756), wo am Franz-Haniel-Platz die Unternehmenszentrale mit dem Haniel-Museum, dem historischen Packhaus als Keimzelle des Unternehmens, steht.

© 2016 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Widerstand gegen den Faschismus in Duisburg: Dauerausstellung und Dokumentationszentrum der VVN / BdA

In den Dreißigern, Vierzigern, Achtzigern – und heute:
Antifaschismus so nötig wie noch nie!

Von Petra Grünendahl

Die Dauerausstellung der VVN / BdA an der Grundschule Wrangelstraße. Foto: Petra Grünendahl.

Die Dauerausstellung der VVN / BdA an der Grundschule Wrangelstraße. Foto: Petra Grünendahl.


Ist das Zittern von der Kälte im Raum (die Heizung funktioniert mal wieder nicht) – oder ist es der Anblick von Bildern und Texten aus Zeiten von faschistischem Terror in Deutschland, der einem die Schauer über den Rücken jagt? Das Dokumentationszentrum der VVN in Duisburg belegt die Ausgrenzung und Verfolgung von allem Fremdem, von unerwünschten Gruppen der Gesellschaft, von Andersdenkenden und den vielfältigen Widerstand, der schließlich aus diesen Gruppen entstand. Widerstand gegen den Faschismus ist hier dokumentiert – und er beschränkt sich bei weitem nicht auf Duisburg während der Herrschaft des Naziregimes. Diesen Widerstand der Vergangenheit muss man sich vergegenwärtigen, denn er ist auch heute wieder gefordert!

Das Duisburger Netzwerk gegen Rechts ist seit 2005 im Kampf gegen Faschismus in Duisburg aktiv. Foto: Petra Grünendahl.

Das Duisburger Netzwerk gegen Rechts ist seit 2005 im Kampf gegen Faschismus in Duisburg aktiv. Foto: Petra Grünendahl.

Zwei Pavillons an der Grundschule Wrangelstraße beherbergen die Ausstellung der Duisburger Kreisvereinigung der VVN / BdA (Verband der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten) zu Verfolgung und Widerstand gegen Faschismus. Der Schwerpunkt liegt natürlich auf den Jahren der Nazi-Diktatur von 1933 bis 1945. Aber es gibt auch neuere Belege für faschistische Strömungen in Duisburg und den Widerstand aus den 1980-er Jahren sowie aus diesem Jahrtausend. Gruppen des aktuellen Widerstandes wie das Duisburger Netzwerk gegen Rechts (https://netzwerk-gegen-rechts.org/uber-uns/) sind mit ihrem Entgegentreten gegen faschistische Gruppierungen schon 2005 belegt und dokumentiert. Das Thema ist aber auch jetzt aktueller denn je!

 

Originale KZ-Uniform: Die Streifen sind dünner und durchgewebt, dass entkommene Häftlinge mit "auf links" gewendeten Jacken immer noch erkannt wurden. Foto: Petra Grünendahl.

Originale KZ-Uniform: Die Streifen sind dünner und durchgewebt, dass entkommene Häftlinge mit „auf links“ gewendeten Jacken immer noch erkannt wurden. Foto: Petra Grünendahl.

Nachdem die Grundschule die Räume wegen Eigenbedarfs kündigte, ist die VVN / BdA mit tatkräftiger Unterstützung von Stadt und IMD (Immobilien-Management Duisburg) auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten. Seit 1997 ist der Verein in den beiden Pavillons an der Waldemarstraße (dort befindet sich der Zugang zum Schulhof der Grundschule Wrangelstraße) mit zwei Ausstellungsräumen vertreten. Auch das Archiv der Duisburger Kreisvereinigung ist in diesem Dokumentationszentrum untergebracht. Dazu kommen als Highlights der Ausstellung KZ-Uniformen, ein Fahrrad, mit dem versteckte Flugblätter transportiert wurden, ein geheimer Schrank, in dem Wachsbögen für den Druck von Flugblättern angefertigt wurden, sowie diverse Utensilien, die Widerständler damals brauchten, um ihre Schriften gegen den Nationalsozialismus zu verbreiten.

Christa Bröcher demonstriert, wie Flugblätter in einem Fahrrad versteckt transportiert wurden. Foto: Petra Grünendahl.

Christa Bröcher demonstriert, wie Flugblätter in einem Fahrrad versteckt transportiert wurden. Foto: Petra Grünendahl.

Viele der großen Informationstafeln sind schon älter, die Informationsblätter noch auf Schreibmaschine geschrieben, Überschriften in Handschrift: „Das würde man so heute nicht mehr machen. Wir werden einige Sachen neu konzipieren“, erklärte Christa Bröcher vom Kreisverband Duisburg, die diese Ausstellungsräume mit betreut. Die Sammlung ist im Laufe der Jahre von engagierten Antifaschisten immer wieder erweitert und ergänzt worden. Der zweite Pavillon mit seiner Ausstellung über den Widerstand von Frauen in Duisburg ist neuer von Konzept und Gestaltung. Nach dem Umzug soll die Sammlung insgesamt ein wenig moderner präsentiert werden. Wie hier bislang auch soll es in den neuen Räumen zusätzlich zur Ausstellung Tische und Stühle als eine Art Lesecafé geben, damit man Veranstaltungen oder Lesungen abhalten kann.

Schaltzentrale des Widerstandes: die Brotfabrik Germania in Hamborn. Foto: Petra Grünendahl.

Schaltzentrale des Widerstandes: die Brotfabrik Germania in Hamborn. Foto: Petra Grünendahl.

Zu wünschen ist den engagierten Antifaschisten eine etwas zentralere Örtlichkeit, ist ihre Ausstellung doch heute wichtiger denn je: Sie muss mehr ins Bewusstsein der Menschen in unserer Stadt rücken, damit sich eine solch menschenverachtende Ideologie nicht wieder ausbreitet. Der Schoß, aus dem das kroch, ist nach wie vor fruchtbar: Das sieht man unter anderem jeden Montagabend am Duisburger Hauptbahnhof.

„Aber heute haben wir alle diese Erfahrung. Heute muss jeder wissen, was Faschismus bedeutet. Für alle zukünftigen Generationen gibt es keine Entschuldigung mehr, wenn sie den Faschismus nicht verhindern.“
Widerständler Peter Gingold in seinen Lebenserinnerungen

Antifaschismus als Aufgabe

Edelweißpiraten im Widerstand. Foto: Petra Grünendahl.

Edelweißpiraten im Widerstand. Foto: Petra Grünendahl.

lineChrista Bröcher macht auf eine Studienfahrt zur Gedenkstätte Esterwegen aufmerksam, die die VVN / BdA Duisburg zusammen mit dem Evangelischen Familienbildungswerk am Samstag, 23. April, veranstaltet (mehr Infos hier …). In Börgermoor, wie das Lager Esterwegen eines von 15 Emslandlagern, war das „Moorsoldatenlied“ (Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Moorsoldaten)* entstanden. Auch ihr Großvater Anton „Toni“ Melchers (1885 – 1947) war eine Zeit lang dort inhaftiert. Der Widerständler musste 1945 vom Konzentrationslager Sachsenhausen aus den Hungermarsch zur Ostsee mit antreten, als die Befreierfront näher rückte. Der Dichter des Moorsoldatenliedes, Johann Esser (1896 – 1971, Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Esser), lebte und arbeitete lange in Rheinhausen.
Judenverfolgung im Dritten Reich: auch aus ihren Reihen kam Widerstand. Foto. Petra Grünendahl.

Judenverfolgung im Dritten Reich: auch aus ihren Reihen kam Widerstand. Foto. Petra Grünendahl.

Ebenfalls in den Emslandlagern saß Heinz Kiwitz (1910 – 1938, Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Heinz_Kiwitz), ein Holzschneider aus Duisburg, dessen beeindruckende Werke hier zu sehen sind. Der hochtalentierte expressionistische Künstler hätte auf seinem Gebiet so etwas wie ein zweiter Lehmbruck werden können, wäre er nicht 28-jährig im spanischen Bürgerkrieg im Kampf gegen den Faschismus gefallen. In den Emslandlagern litten etwa 80.000 KZ-Häftlinge, zu denen auch der Friedensnobelpreisträger von 1936, Carl von Ossietzky (1889 – 1938, Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_von_Ossietzky), gehörte. Dort wurden die Gefangenen unter unerträglichen Bedingungen bei der Trockenlegung der emsländischen Hochmoore eingesetzt.

 

Zerschlagung der Gewerkschaften 1933: Naziterror begann schon kurz nach der Machtergreifung. Foto: Petra Grünendahl.

Zerschlagung der Gewerkschaften 1933: Naziterror begann schon kurz nach der Machtergreifung. Foto: Petra Grünendahl.

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Kein Fußbreit für Faschisten: 1986. Foto: Petra Grünendahl.

Kein Fußbreit für Faschisten: 1986. Foto: Petra Grünendahl.

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Frauen im Widerstand: Zweiter Pavillon mit moderner Konzeption. Foto: Petra Grünendahl.

Frauen im Widerstand: Zweiter Pavillon mit moderner Konzeption. Foto: Petra Grünendahl.

Widerstand gegen den Faschismus kam aus unterschiedlichsten Gruppen der Gesellschaft: „1933 wäre verhindert worden, wenn alle Hitlergegner die Einheitsfront geschaffen hätten. Dass sie nicht zustande kam, dafür gab es (…) nur eine einzige Erklärung: Sie hatten keine Erfahrung, was Faschismus bedeutet, wenn er einmal an der Macht ist“, schrieb Peter Gingold (1916 – 2006, Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Gingold) in seinen Lebenserinnerungen. Er war als Jude aus Deutschland nach Frankreich geflüchtet und hatte sich dort der Résistance, dem französischen Widerstand, angeschlossen.

Der faschistische Terror fing nach dem 30. Januar 1933 sehr schnell an, Andersdenkende zu ermorden. Eine Tafel im Eingangsbereich weist auf die ersten vier von den Faschisten ermordeten Duisburger hin:
1. Februar Katharina „Käthe“ Sennholz,
2. Februar Wilhemine Struth,
3. Februar Karl Wettmann,
4. Februar Kurt Loer …
Das waren nur die ersten, denen allein in Duisburg noch viele Hunderte folgen sollten. Immer fing es mit der Ausgrenzung und Verfolgung derer an, die „die anderen“ waren.

Zu denen, die schon vor 1933 Widerstand leisteten, gehörte Christa Bröchers Mutter Christel Melchers (1909 – 1989). Das erste Mal verhaftet wurde sie 1932, als sie mit anderen auf dem Weihnachtsmarkt in Düsseldorf gegen Hitler demonstrierte. Bereits im April 1033 wurde sie ein zweites Mal verhaftet. Man hatte ihre Widerstandsgruppe, die sich mit anderen Widerständlern am Niederrhein vernetze, verraten und sie stand 1934 in Hamm wegen Hochverrats vor Gericht. Im Gefängnis in Düsseldorf zog sie sich in den nassen Zellen einen bleibenden Nierenschaden zu, der ihr zeitlebens Probleme bereitete.

Es gab Widerstand in christlichen Kirchen und in Jüdischen Gemeinden. Der eine Pavillon ist ganz dem Widerstand von Frauen gewidmet. Dieser Teil der Ausstellung ist auch in seiner Konzeption neuer. Kontinuierlich wurde die Sammlung erweitert in den 20 Jahren, die die Ausstellung schon existiert. Verfolgt und ausgegrenzt wurden Sinti und Roma ebenso wie Homosexuelle. Kommunisten ebenso die Sozialdemokraten bekämpften den Faschismus – sie kämpften aber auch gegeneinander. Das schwächte den Widerstand insgesamt, weil die beiden Gruppen sich nicht zusammen tun wollten und Seite an Seite gegen den Faschismus zu kämpfen. Widerstand gab es in der Arbeiterschaft ebenso wie in bürgerlichen Gesellschaftsschichten. Bei der „Weißen Rose“ (Geschwister Scholl) engagierten sich Studenten, bei den Edelweißpiraten waren es Arbeiterkinder. Die Vielfalt des Widerstandes ist in der Ausstellung des Duisburger VVN / BdA ebenso umfassend dokumentiert wie die Verfolgung derer, die nicht ins Weltbild der Nationalsozialisten passten. An den Schautafeln wird Geschichte von Menschen aus Duisburg lebendig, die von den Nationalsozialisten verfolgt und allzu oft auch getötet wurden.
 
 
Zeitzeugen erklärten die Ausstellung

Nach ihm würde die VVN/BdA Duisburg gerne eine Straße benennen: Bruno Bachler berichtete bis zu seinem Tod als Zeitzeuge vom Widerstand gegen den Faschismus. Foto: Petra Grünendahl.

Nach ihm würde die VVN/BdA Duisburg gerne eine Straße benennen: Bruno Bachler berichtete bis zu seinem Tod als Zeitzeuge vom Widerstand gegen den Faschismus. Foto: Petra Grünendahl.

„Wir hatten früher Zeitzeugen, die durch die Ausstellung führten und eigene Erlebnisse erzählen konnten“, berichtete Christa Bröcher. Karl-Heinz Winstermann (1927 – 2005) und Bruno Bachler (1924 – 2011, Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Bruno_Bachler) stammten beide aus Wanheimerort. Vor Brunos Elternhaus in der Schmiedestraße wird seinem Vater Heinrich mit einen Stolperstein gedacht. Karl-Heinz Winstermann lebte neben Wilhelmine Struth, an die vor ihrem Wohnhaus auf der Erlenstraße einen Stolperstein erinnert. Sie wurde am 2. Februar 1933 (siehe weiter oben) von SS-Truppen an ihrem Wohnzimmerfenster erschossen. Nach dem Widerständler Bruno Bachler, der jahrelang nicht nur durch die Ausstellung geführt hatte, sondern viel geachteter Zeitzeuge in Duisburg auch Mahner gegen den Faschismus war, würden die Antifaschisten in Duisburg gerne eine Straße benennen.

Auch die Gewerkschaften kämpfen heute noch gegen den Faschismu.s. Foto: Petra Grünendahl.

Auch die Gewerkschaften kämpfen heute noch gegen den Faschismu.s. Foto: Petra Grünendahl.

VVN / BdA Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten
Die Duisburger Kreisvereinigung der VVN / BdA wurde 1947 gegründet, nach der Gründung des Landesverbandes am 26. Oktober 1946. Mitbegründer der VVN in Nordrhein-Westfalen war Christa Bröchers Großvater Toni Melchers, der auch als Zweiter Vorsitzender dem Landesvorstand angehörte. Vorsitzende der Kreisvereinigung ist Doris Michel. Stellvertreterin ist Christa Bröcher. Unter https://www.vvn-bda.de findet man auch Landesverbände und Kreisgruppen. Die Ausstellung kann nur nach Vereinbarung besichtigt werden: Wer Interesse hat, kann sich mit Schatzmeister Hans-Peter Speer unter Telefon 0203 / 664371 oder vvn-bdaduisburg(at)t-online.de in Verbindung setzen.

Am Samstag, 30. April, veranstaltet die Gewerkschaft ver.di ab 17 Uhr einen Gedenkspaziergang gegen Rassismus und Faschismus, an dem auch die VVN / BdA Duisburg beteiligt ist. Interessierte erkunden dabei markante Punkte des Duisburger Widerstandes in der Innenstadt. Mehr …

Literaturtipp:
Tatort Duisburg 1933 – 1945, Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus (in zwei Bänden), herausgegeben von Rudolf Tappe und Manfred Tietz für die Geschichtskommission der VVN / BdA Duisburg, Klartext-Verlag, Essen.

Weitere Bilder als Diashow …

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*) Die Moorsoldaten. Liedtext und weitere Informationen: https://www.volksbund.de/fileadmin/redaktion/BereichInfo/BereichPublikationen/Friedenserziehung/Handreichungen/0095_Moorsoldaten_lied.pdf
https://www.youtube.com/watch?v=jBA7g_qLCNQ

© 2016 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Am Samstag, 30. April: 1. ver.di Gedenkspaziergang gegen Rassismus und Faschismus

Wir erinnern an die von den Nazis 1933 ermordeten vier Duisburger Gewerkschaftskollegen Julius Birck, Emil Rentmeister, Michael Rodenstock und Johann Schlösser.

 
Samstag, 30. April 2016, um 17:00 Uhr,
Ruhrorter Straße 11 in 47059 Duisburg

 

ver.di Gedenkspaziergang gegen Rassismus und Faschismus

Die Inschrift auf dem Stein an der Ginsterstraße 14 ist wie wegpoliert und kaum noch zu entziffern: „Hier wohnte Michael Rodenstock Jg. 1885 Gewerkschafter ermordet 2. Mai 1933“. Foto: Petra Grünendahl.

Die Inschrift auf dem Stein an der Ginsterstraße 14 ist wie wegpoliert und kaum noch zu entziffern: „Hier wohnte Michael Rodenstock Jg. 1885 Gewerkschafter ermordet 2. Mai 1933“. Foto: Petra Grünendahl.

Im Rahmen des Gedenkspaziergangs soll an verschiedenen Orten unserer Stadt an die Widerstandsbewegung gegen die faschistische Gewaltherrschaft erinnert werden. Die Strecke geht von der Ruhrorter Straße zum Denkmal am Duisburger Rathaus und von dort aus zum Anne-Frank-Mahnmal am Rabbiner-Neumark-Weg, weiter zur alten Synagoge und zum Denkmal am DGB Haus auf der Kardinal-Galen-Straße.

Von dort aus führt die Strecke dann über die Mainstraße, wo an ausgewählten Stolpersteinen über die Geschichte von so genannten Judenhäusern informiert wird.

Enden wird der Gedenkspaziergang am Harry-Epstein-Platz, am Denkmal für die deportierten Kinder, die mit der damaligen Deutschen Reichsbahn in die Konzentrationslager verbracht wurden.

Die Gewerkschaft ver.di will mit diesem Gedenkspaziergang nicht nur erinnern und mahnen, sondern auch der Hetze gegen hier schutzsuchende Menschen entgegentreten. Ausländerfeindlichkeit und Fremdenhass dürfen bei uns keinen Platz haben. Wir nehmen die Bedrohung von Rechts ernst und rufen deshalb alle Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter auf: beteiligt Euch an dem Gedenkspaziergang. Lasst uns am 30. April, dem Vorabend des 1. Mai, gemeinsam ein Zeichen setzen! Zeit für mehr Solidarität.

Eine Veranstaltung des ver.di-Bezirks Duisburg-Niederrhein.

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Loveparade-Strafverfahren – Klage nicht zugelassen: Kommentar

Zu hohe Erwartungen: Individuelle Schuld
Einzelner nicht strafrechtrechtlich nachweisbar

Von Petra Grünendahl

Landgerichtspräsident Ulf-Thomas Bender (m.) eingerahmt von den Pressesprechern Jan Behrman (l.) und Dr. Matthias Breidenstein. Foto: Petra Grünendahl.

Landgerichtspräsident Ulf-Thomas Bender (m.) eingerahmt von den Pressesprechern Jan Behrman (l.) und Dr. Matthias Breidenstein. Foto: Petra Grünendahl.

Die 5. Große Strafkammer des Landgerichts Duisburg hat die Anklage im Loveparade-Strafverfahren nicht zugelassen. Zu wenig konnte nach Ansicht des Gerichts die Beweislage – insbesondere das Gutachten von Prof. Dr. Keith Still als Hauptbeweismittel – hinreichende Verdachtsmomente belegen, die mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu einer Verurteilung geführt hätten. Die berechtigte Erwartung, dass die Ursachen für diese Katastrophe aufgeklärt und Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen würden, gab Landgerichtspräsident Ulf-Thomas Bender in einer Erklärung zu, seien nicht erfüllt worden. Vielleicht waren diese Erwartungen vor allem der breiten Öffentlichkeit einfach zu hoch. Erst vor etwas über zwei Jahren hatte die Staatsanwaltschaft Klage erhoben. Gute zwei Jahre hatte die Strafkammer des Landgerichts gebraucht, um nach einem Zwischenverfahren und eigenen Nachfragen zu den eingereichten Beweisen zu einer Entscheidung zu kommen: Dem Nichteröffnungsbeschluss.

Ziel eines Strafrechtsprozesses muss sein, eine individuelle, strafrechtlich relevante Schuld des Angeklagten zweifelsfrei festzustellen. Handlungen des Angeklagten müssen ursächlich für den Tod und die Verletzung von Menschen sein. Grundlage für die Entscheidung der Nichtzulassung der Klage ist einzig die Klageschrift mit den vorgetragenen Sachverhalten und angebotenen Beweismitteln. Diese, so das Gericht, seien nicht geeignet, eine individuelle strafrechtliche Schuld von Beschuldigten festzustellen. Mit dem Zwischenverfahren habe das Landgericht, so der Landgerichtspräsident, noch versucht zu retten, was zu retten ist.

Planungs- und Genehmigungsverfahren

Landgerichtspräsident Ulf-Thomas Bender (m.) eingerahmt von den Pressesprechern Jan Behrman (l.) und Dr. Matthias Breidenstein. Foto: Petra Grünendahl.

Landgerichtspräsident Ulf-Thomas Bender (m.) eingerahmt von den Pressesprechern Jan Behrman (l.) und Dr. Matthias Breidenstein. Foto: Petra Grünendahl.

Die Staatsanwaltschaft Duisburg hat sich in ihrer Anklageschrift auf die Planung und Genehmigung als einziger Ursache für die Katastrophe beschränkt. Geschehnisse vor Ort – Versäumnisse, Fehlentscheidungen etc. – sind nicht als mögliche Ursachen weiter verfolgt worden. Zu Fehlern bei Planung und Genehmigung stützte sich die Staatsanwaltschaft auf ein einziges Gutachten (von Prof. Dr. Keith Still), welches nun vom Gericht als nicht verwertbar, angreifbar und nicht geeignet, zu Verurteilungen zu führen, abgelehnt wurde. Das Gutachten schließe andere Ursachen jenseits von Planung und Genehmigung aus, es beziehe nicht einmal Geschehnisse vor Ort mit ein, bemängelte das Gericht. Das Gutachten sei nur aus Sicht des Planers vorgenommen worden. Andere mögliche Unglücksursachen habe Still ausgeklammert, so das Gericht.

Ulf-Thomas Bender, Präsident des Landgerichts Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Ulf-Thomas Bender, Präsident des Landgerichts Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Ob sich die Staatsanwaltschaft einen Gefallen getan hätte, auch die Geschehnisse vor Ort in die Strafverfolgung aufzunehmen, sei mal dahin gestellt. Denn: Wenn allein die Planung und Genehmigung verantwortlich ist für die Katastrophe, dann kann man von den Entscheidungsbefugten vor Ort am Tag der Veranstaltung auch keinen anklagen. Fehlentscheidungen und Versäumnisse vor Ort sind aber auch nicht getrennt zu betrachten von einer Planung, die angesichts der örtlichen Gegebenheiten und der angenommenen Besucherströme nicht genehmigungsfähig war. Dass die von Stills postulierte „Vorhersehbarkeit“ mit dem deutschen Strafrecht nicht vereinbar ist, da dieses von einer Ursächlichkeit (Kausalität) ausgeht, sei das Problem. Nur bei einer nachgewiesenen Ursächlichkeit könnten aus Beschuldigten Angeklagte werden, so das Gericht.

Die Staatsanwaltschaft weist den Vorwurf, ihre Klage auf einem fehlerhaften Gutachten begründet zu haben, zurück: Das Landgericht habe das Zwischenverfahren überdehnt und hätte einen zweiten Gutachter hinzuziehen müssen. Eine solche Praxis sei im Zwischenverfahren gängige Praxis, so die Staatsanwaltschaft, die sofortige Beschwerde gegen den Beschluss beim Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf eingelegt hatte. Dr. Matthias Breidenstein, Pressesprecher des Landgerichts, wies in diesem Zusammenhang auf §202 der Strafprozessordnung (StPO) hin: „Bevor das Gericht über die Eröffnung des Hauptverfahrens entscheidet, kann es zur besseren Aufklärung der Sache einzelne Beweiserhebungen anordnen.“ Wie umfassend „einzelne Beweiserhebungen“ sein dürfen, wird hier wohl von Landgericht und Staatsanwaltschaft unterschiedlich interpretiert: Ein komplett neues Gutachten gehöre, so Landgerichtspräsident Bender, nicht dazu.

Verkettung unglücklicher Umstände

Inoffizielle Gedenkstätte an der Rampe zum Alten Güterbahnhof - Zugang zum Gelände, auf dem 2010 die Loveparade statt fand Foto: Petra Grünendahl,

Inoffizielle Gedenkstätte an der Rampe zum Alten Güterbahnhof – Zugang zum Gelände, auf dem 2010 die Loveparade statt fand
Foto: Petra Grünendahl,

Hier geht es nicht um Verantwortung, sondern um strafrechtlich relevantes Verhalten, das man Beschuldigten individuell im Ursachenzusammenhang nachweisen muss. Wenn dieser Nachweis nicht hinreichend durch die Anklagebehörde, die Staatsanwaltschaft, erbracht werden kann, darf ein Hauptsacheverfahren nicht eröffnet werden. Das stellte der Landgerichtspräsident ausdrücklich klar. Diesen Nachweis habe die Staatsanwaltschaft in Bezug auf die zehn mit Planung und Genehmigung befassten Mitarbeiter von städtischem Bauamt und Veranstalter Lopavent nicht schlüssig erbringen können. Andere Ursachen als die Planung habe die Staatsanwaltschaft komplett ausgeklammert.

uebrigens!Keine Frage: Diese Veranstaltung hätte auf diesem Gelände niemals genehmigt werden dürfen! Das allein hatte aber letztendlich nicht die Katastrophe ausgelöst. Es hätte ja auch alles gut gehen können. Die Katastrophe begünstigt haben am Tag der Loveparade auch Fehlentscheidungen von Akteuren vor Ort, Fehleinschätzungen oder Versäumnisse. Die sind aber zum Beispiel von der Staatsanwaltschaft in ihrer Beweisführung völlig ausgeklammert worden. Vermutlich deswegen, weil sich daraus keine belastbaren Tatbestände für eine Anklage ergeben haben. Denn Fehlentscheidungen vor Ort wären immer nur in Verbindung mit dem Planungs- und Genehmigungsvorgang zusammen zu betrachten und nicht alleine ursächlich.

Die Frage nach der individuellen Schuld

Provisorische Gedenkstätte an der Rampe am Alten Güterbahnhof. Foto:Ö Petra Grünendahl

Provisorische Gedenkstätte an der Rampe am Alten Güterbahnhof. Foto:Ö Petra Grünendahl

Das ist schlimm für Angehörige der Toten und Opfer der Loveparade 2010! Aber Recht muss Recht bleiben: Wenn niemandem ursächlich eine strafrechtliche Verantwortung nachgewiesen werden kann, dass sein individuelles Verhalten konkret für die Katastrophe ausschlaggebend war, dann wird es auch keine Verurteilungen geben. Von einem Justizskandal zu sprechen, ist da nicht angebracht. Ein Skandal wäre es gewesen, wenn Menschen aufgrund der vorliegenden Beweislage angeklagt und wohlmöglich auch verurteilt worden wären. Wie sie ist, ist sie nicht hinreichend. Ob sie schlüssiger hätte werden können mit Hilfe eines zweiten Gutachtens, kann man bezweifeln.

Wenn man sich klar macht, welch hohe Anforderungen an eine Verurteilung gestellt werden, nämlich die Feststellung der ursächlichen individuellen Verantwortung der einzelnen Beschuldigten, dem musste schon länger klar sein, dass es zu keiner Verurteilung kommen würde. Andere Prozesse zu Großkatastrophen (siehe Flughafenbrand in Düsseldorf) haben genau dies schon früher deutlich gemacht. Wenn jetzt Medien schreiben „völlig unerwartet“, dann zeigt es nur, wie wenig sie sich mit der Materie befasst haben. Auch „Unverständnis“ ist nicht angebracht. Das ist verlogen! Will man schon wieder den Opfern nach dem Mund reden? Das ist tragisch für Angehörige und Betroffene, aber viel zu lange haben auch die Medien die Augen verschlossen vor den Fakten und diesen Menschen Hoffnungen gemacht, die nun enttäuscht worden sind.

© 2016 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Oberlandesgericht Düsseldorf: Sofortige Beschwerde gegen Nichteröffnungsbeschluss zum Loveparade-Strafverfahren

Oberlandesgericht Düsseldorf Foto: Charlie1965nrw (CC-BY-SA-3.0).

Oberlandesgericht Düsseldorf Foto: Charlie1965nrw (CC-BY-SA-3.0).

Die Staatsanwaltschaft Duisburg hat am 05.04.2016 bei dem Landgericht Duisburg sofortige Beschwerde gegen den auf den 30.03.2016 datierenden Nichteröffnungsbeschluss der 5. Großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg eingelegt. Mit diesem hat die Kammer die Eröffnung des Loveparade Strafverfahrens abgelehnt.

Der nach der Geschäftsverteilung zuständige 2. Strafsenat des Oberlandesgerichts wird mit der Bearbeitung der Beschwerde befasst sein. Im Hinblick auf den rund 460 Seiten umfassenden Nichteröffnungsbeschluss der Strafkammer des Landgerichts, die zugrundeliegende 556 Seiten umfassende Anklageschrift, rund 45.000 Blatt Ermittlungsakten, ca. 625 DIN A-4-Ordner Sonderbände sowie rund 963 Stunden Videosequenzen, wird die Bearbeitung der Beschwerde voraussichtlich mehrere Monate in Anspruch nehmen.

Die Verfahrensvorschriften für das Beschwerdeverfahren sehen eine Entscheidung nach Aktenlage, also ohne Hauptverhandlung vor. Dem Senat bei dem Oberlandesgericht werden für seine Entscheidung im Beschwerdeverfahren alle Akten zur Verfügung gestellt, auf die das Landgericht seine Entscheidung gestützt hat. Der Senat überprüft die Entscheidung des Landgerichts unter allen rechtlichen Gesichtspunkten.

Aufgrund seiner Prüfung kann der 2. Strafsenat die Entscheidung der Kammer des Landgerichts über die Nichteröffnung des Loveparade-Strafverfahrens entweder bestätigen oder dahingehend abändern, dass er die Eröffnung des Hauptverfahrens und damit Durchführung der Hauptverhandlung gegen einzelne oder alle Angeschuldigte vor der 5. Großen Strafkammer oder einer anderen Strafkammer des Landgerichts anordnet. Dann muss das Strafverfahren im angeordneten Umfang vor dem Landgericht durchgeführt werden.

Diese Entscheidung des Senats ist abschließend; gegen die Entscheidung steht kein weiteres Rechtsmittel zur Verfügung.

Ein Aktenzeichen wurde dem Verfahren bei dem Oberlandesgericht Düsseldorf noch nicht zugeteilt.

– Pressemitteilung des Oberlandesgerichts Düsseldorf –
Foto: Charlie1965nrw (CC-BY-SA-3.0)

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Nichtzulassung der Klage im Loveparade-Strafprozess: Erklärung des Langerichtspräsidenten Ulf-Thomas Bender

Ulf-Thomas Bender, Präsident des Landgerichts Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Ulf-Thomas Bender, Präsident des Landgerichts Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Die im Rahmen der Pressekonferenz abgegebene Erklärung des Landgerichtspräsidenten Ulf-Thomas Bender zum Nichteröffnungsbeschluss der 5. Großen Strafkammer im Loveparade-Strafverfahren lautet auszugsweise wie folgt:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

auch ich begrüße Sie zu der heutigen Pressekonferenz.

Die 5. Große Strafkammer des Landgerichts Duisburg hat mit dem heute Morgen bekannt gegebenen Beschluss entschieden, im Loveparade-Strafverfahren das Hauptverfahren nicht zu eröffnen. Die mit der Anklageschrift angeschuldigten Personen sind nach Auffassung der Strafkammer einer Straftat nicht hinreichend verdächtig. Das bedeutet, dass es keine öffentliche Hauptverhandlung geben wird.
Mich bewegt Folgendes:

Am 24. Juli 2010 haben bei der Loveparade in Duisburg 21 junge Menschen ihr Leben verloren. Viele Menschen wurden verletzt und traumatisiert. Eltern haben ihre Kinder verloren. Diese Tragödie hat uns alle tief getroffen. Sie berührt uns alle, auch mich persönlich, und auch die mit der Sache befassten Richterinnen und Richter.

Und wir alle hegen die berechtigte und nachvollziehbare Erwartung, dass die Ursachen für diese Katastrophe aufgeklärt und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.
Der Beschluss der 5. Großen Strafkammer, das Hauptverfahren nicht zu eröffnen, kann diese Erwartung nicht erfüllen. Das bedarf einer Erklärung. Ich möchte Ihnen daher die wesentlichen Gründe für diesen Beschluss erläutern.

Die 5. Große Strafkammer hat den gesetzlichen Auftrag, vor der Eröffnung des Hauptverfahrens zu prüfen, ob die mit der Anklage angeschuldigten Personen einer Straftat hinreichend verdächtig sind. Einer Straftat hinreichend verdächtig ist jemand dann, wenn eine überwiegende Wahrscheinlichkeit dafür besteht, dass er in einer nachfolgenden Hauptverhandlung auch verurteilt werden wird. Denn nur in diesem Fall darf überhaupt eine Hauptverhandlung durchgeführt werden.

Dabei geht es ausschließlich um die Feststellung individueller strafrechtlicher Schuld der Angeschuldigten. Es geht nicht um die Feststellung sonstiger Versäumnisse oder Fehler oder um eine allgemeine Aufklärung des Geschehens. Das kann und darf nicht Gegenstand eines Strafverfahrens sein.
Grundlage der Entscheidung ist der in der Anklageschrift vorgetragene Sachverhalt einschließlich der dort angebotenen Beweismittel. Die Bewertung dieses Sachverhalts und der Beweismittel durch die Strafkammer hat ergeben, dass eine individuelle strafrechtliche Verantwortlichkeit der angeschuldigten Personen nicht festgestellt werden kann.

Die Kammer hat sich ihre Entscheidung nicht leicht gemacht. Sie hat sich die erforderliche Zeit genommen, um das sehr umfangreiche Material besonders sorgfältig zu prüfen. Sie hat versucht, durch ergänzende Fragen an den Sachverständigen den Sachverhalt weiter aufzuklären. Sie hat allen Verfahrensbeteiligten die erforderliche Zeit gegeben, ihren Anspruch auf rechtliches Gehör wahrzunehmen. Schließlich hat die Kammer ihre Entscheidung sehr ausführlich begründet. Der Beschluss umfasst 460 Seiten.

Es würde den Rahmen dieser Pressekonferenz sprengen, die Gründe des Beschlusses hier im Einzelnen darzulegen. Ich werde jedoch versuchen, die wesentlichen Erwägungen der Kammer kurz darzustellen:
 
[Es folgen inhaltliche Ausführungen zum Beschluss der Kammer. Diese gleichen den Ausführungen in der Presseerklärung des Gerichts von heute, die über die Internetseite des Gerichts abrufbar ist.]
 
Erlauben Sie mir zum Abschluss zwei Hinweise zum Verfahren:

Die Richter der 5. Großen Strafkammer sind in ihrer Entscheidung frei und nur dem Gesetz unterworfen. Sie unterliegen damit keiner Einflussnahme von außen. Sie dürfen sich somit auch nicht von Emotionen der Betroffenen oder Erwartungen der Öffentlichkeit leiten lassen.
Der Beschluss der 5. Großen Strafkammer ist nicht rechtskräftig. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Nebenkläger können den Beschluss mit der sofortigen Beschwerde anfechten. Die Beschwerdefrist beträgt eine Woche und beginnt mit der Zustellung der Entscheidung. Über die Beschwerde entscheidet ein Strafsenat des Oberlandesgerichts Düsseldorf.

Vielen Dank“

– Presseinformation des Landgerichts Duisburg –

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Loveparade-Strafprozess – Anklage nicht zugelassen: Stellungnahme von Oberbürgermeister Sören Link

Oberbürgermeister Sören Link. Foto: Petra Grünendahl.

Oberbürgermeister Sören Link. Foto: Petra Grünendahl.

„Fünf Staatsanwälte und fast Hundert Polizisten haben in den letzten Jahren zur Loveparade-Katastrophe ermittelt. Die Hauptakte umfasste mehr als 44000 Seiten, über 3400 Zeugen wurden vernommen. Trotz dieser kaum vorstellbaren Datenflut konnte im strafrechtlichen Sinne kein Schuldiger gefunden werden.

Das Gericht führte heute aus, dass vor allem das Gutachten des Panikforschers Keith Still nicht verwertbar sei, da es, ich zitiere, „an gravierenden methodischen und inhaltlichen Mängeln“ leide. Die Vorwürfe der Anklage können mit den vorgelegten Beweismitteln nicht bewiesen werden, weswegen eine Verurteilung nicht zu erwarten sei.

Ich bin kein Jurist und kann deswegen keine fachliche Einschätzung abgeben. Ich bin sicher, es wird in den nächsten Tagen viele geben, die die Begründung des Gerichts fundiert bewerten können. Aber ich bin ein Mensch. Ein Mensch, der Familie hat, eine Frau, Freunde, Menschen die ich liebe, die mein Leben bereichern – ja ausmachen.

Und als solcher leide ich heute mit den Angehörigen, mit den Eltern, Partnern, mit den Freundinnen und Freunden, mit den vielen Verletzten und Traumatisierten, mit den Menschen, für die die Loveparade eine Zäsur in ihrem Leben darstellt, von der sich viele bis heute nicht erholt haben.

Sie alle werden heute schwer tragen an der Entscheidung des Gerichts. Sie werden schwer daran tragen, dass es auf die Frage, wer die Schuld an dieser Katastrophe trägt, auch nach über fünf Jahren keine eindeutige Antwort gibt.

Wer seinen Sohn, seine Tochter, sein Liebstes verloren hat, der fragt nicht nach Verfahrensfehlern oder danach, warum ein Gutachten verwertbar ist oder nicht. Der darf Unverständnis äußern, dass es mehr als ein halbes Jahrzehnt brauchte, um diese Katastrophe aufzuarbeiten, ohne dass am Ende jemand strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden konnte.

Ich weiß allerdings auch, dass viele Betroffene schon lange davon ausgingen, dass die juristische Aufarbeitung ihnen keinen Frieden bringen wird. Für viele war es ein Schlag ins Gesicht, dass die damalige Stadtspitze und der Geschäftsführer des Veranstalters nicht auf der Liste der Beschuldigten standen. So ist der heutige Tag für viele eine weitere Enttäuschung.

– Pressemeldung der Stadt Duisburg / Referat für Kommunikation –
Foto: Petra Grünendahl

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Bankrotterklärung der Justiz: Landgericht Duisburg stellt Strafprozess gegen Loveparade-Verantwortliche ein

Gericht sieht keinen hinreichenden Tatverdacht

Prof. Dr. Julius Reiter (l.) und Gerhart Baum, Bundesinnenminister a. D. Foto: Anke Jacobs.

Prof. Dr. Julius Reiter (l.) und Gerhart Baum, Bundesinnenminister a. D. Foto: Anke Jacobs.

Die Kanzlei baum reiter & collegen, die zahlreiche Loveparade-Opfer vertritt, wägt weitere Schritte ab. Die Sozietätspartner Gerhart Baum und Prof. Dr. Julius Reiter sehen nun die Staatsanwaltschaft sowie die Landesregierung in der Verantwortung.

Erneute Schlappe für die Loveparade-Opfer: Das Landgericht Duisburg stellt das Hauptverfahren gegen die Verantwortlichen der Loveparade-Katastrophe ein, bei der 21 Menschen ums Leben kamen sowie Hunderte verletzt und traumatisiert wurden. Die Richter begründen ihren Beschluss mit dem fehlenden Tatverdacht aus tatsächlichen Gründen. Es lägen nicht genug Beweise gegen die Angeschuldigten vor. Die Kanzlei baum reiter & collegen, die eine Vielzahl an Nebenklägern vertritt, zweifelt die Gründlichkeit des Beschlusses an und wägt weitere juristische Schritte ab.

„Die Nichtzulassung der Anklage nach rund sechs Jahren Ermittlungen ist eine Bankrotterklärung der Justiz. Die Beweislage hätte eine strafrechtliche Klärung dringend erfordert“, erklärt Gerhart Baum, Bundesinnenminister a. D. und Partner der Kanzlei baum reiter & collegen. Es handelt sich um einen Sachverhalt, bei dem man nach den äußeren Umständen von Anfang an diese Katastrophe befürchten musste. Den Betroffenen fehlt jegliches Verständnis dafür, dass eine strafrechtliche Klärung nun nicht erfolgen soll. Sie haben einen Anspruch darauf auch im Andenken an ihre Toten, dass die Sache jetzt nicht zu den Akten gelegt wird. „Wir sehen uns außerstande, den Opfern zu erklären, dass das Fehlverhalten einiger nun weder aufgeklärt noch gesühnt wird.“, erklärt Prof. Dr. Julius Reiter, Partner der Kanzlei baum reiter & collegen, „Durch die Entscheidung des Landgerichts ist auch die Abwicklung der Entschädigungen erheblich erschwert worden. Die Betroffenen sind jetzt auf langwierige Verfahren vor den Zivilgerichten angewiesen. Es ist zu befürchten, dass dadurch auch die Behandlung langdauernder seelischer Schädigungen gefährdet ist“.

Nun gilt es abzuwarten, wie die Staatsanwaltschaft auf den Beschluss reagiert. Die Nebenklägervertreter prüfen nun sämtliche Rechtsmittel. „Wir erwarten, dass die Staatsanwaltschaft sofortige Beschwerde einlegt“, so Reiter. Abzuwägen gilt, inwieweit eine Beschwerde als Nebenkläger erfolgversprechend ist. Baum appelliert an das Land NRW: „Es ist jetzt auch Sache der Landesregierung, die durch sofortige Hilfe nach der Katastrophe ihre Verantwortung unter Beweis gestellt hat, zu erklären, wie sie sich eine Aufklärung vorstellt. Wir wiederholen unsere Forderung für die Einrichtung einer Opferstiftung. Der Landtag sollte erwägen, zumindest das Organisationsverschulden unabhängig von der strafrechtlichen Aufarbeitung in einem Untersuchungsausschuss zu klären.“

– Pressemeldung der Rechtsanwaltskanzlei baum reiter & collegen –
Foto: Anke Jacobs

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Stiftung Duisburg 24.7.2010 zur Bekanntgabe der Nichtzulassung des Prozesses

stiftung-duisburg-24-07-2010„Die Nachricht über die Entscheidung des Duisburger Landgerichts, die Loveparade-Anklage nicht zuzulassen, hat bei Hinterbliebenen und Betroffenen Bestürzung und Fassungslosigkeit ausgelöst. Sie hatten sich von einem Prozess die Antwort auf die Frage erhofft, wer die Verantwortung für Tod von 21 jungen Menschen und die über 500 Verletzten und Traumatisierten trägt.

Die „Stiftung Duisburg 24.7.2010″ sieht nun ihre wichtigste Aufgabe darin, den Hinterbliebenen und Betroffenen zu helfen, diesen Schock zu verarbeiten. In Gesprächen mit ihnen ist immer deutlich geworden, wie wichtig es für sie ist, dass die Ursachen der Katastrophe von einem Gericht aufgeklärt und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Dass dies nun trotz jahrelanger Ermittlungen einer Sonderkommission der Polizei und der Duisburger Staatsanwaltschaft sowie der Einschaltung eines international anerkannten Gutachters nicht geschehen soll, macht die Hinterbliebenen und Betroffenen fassungslos.“

– Pressemeldung der Stiftung Duisburg 24.7.2010 –

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Loveparade-Verfahren: Sofortige Beschwerde der Staatsanwaltschaft

staatsanwaltschaftDie Entscheidung des Landgerichts Duisburg, das Hauptverfahren nicht zu eröffnen, ist aus Sicht der Staatsanwaltschaft nicht nachvollziehbar und rechtsfehlerhaft. Gegen den Beschluss der Strafkammer hat die Staatsanwaltschaft daher umgehend sofortige Beschwerde eingelegt.

Mit Akribie und großem Fleiß hat sich die Kammer nach mehr als zweijähriger Prüfung erkennbar bemüht, im Zwischenverfahren die von der Staatsanwaltschaft zusammengetragenen Beweismittel umfassend abschließend zu würdigen und auf dieser Grundlage einen Nichteröffnungsbeschluss gefasst, ohne dass sich die Öffentlichkeit einen Eindruck sowohl von der Validität der Beweismittel als auch dem Willensbildungsprozess der Kammer verschaffen konnte. Nach der Auffassung der Staatsanwaltschaft hat die Kammer die Funktion des Zwischenverfahrens überdehnt und den Amtsermittlungsgrundsatz, der für sie gleichermaßen wie für die Staatsanwaltschaft gilt, nicht in genügender Weise beachtet.

Der Beschluss der Strafkammer ist – jedenfalls überwiegend – mit Bedenken gegen den Sachverständigen Prof. Dr. Still und sein Gutachten begründet. Die Zurückweisung des Gutachters und seiner Ergebnisse ist indes nicht gerechtfertigt. Gerade auch angesichts der Vielzahl an Beweismitteln, die die Staatsanwaltschaft für die von ihr erhobenen Tatvorwürfe – neben dem Gutachten des Sachverständigen – benannt hat, hätte sich die Strafkammer aufgrund des Amtsermittlungsgrundsatzes zudem veranlasst sehen müssen, einen zweiten Gutachter zu beauftragen. Die Beauftragung von Gutachtern durch das Gericht im Stadium des Zwischenverfahrens ist gängige Praxis. Es entspricht zudem der üblichen Verfahrensweise, die Staatsanwaltschaft und die übrigen Verfahrensbeteiligten (frühzeitig) auf etwaige Bedenken hinzuweisen und der Staatsanwaltschaft Gelegenheit zu geben, die für erforderlich erachteten ergänzenden Ermittlungen nachzuholen.

Prof. Dr. Still ist ein international anerkannter renommierter Experte, an dessen Sachkunde und Unabhängigkeit keine Zweifel bestehen. Er hat nachvollziehbar und im Kern unverändert dargelegt, dass bei der Planung und Genehmigung der maximal möglichen Durchflusskapazität des zum Veranstaltungsgeländes führenden Tunnels – 82 Personen pro Meter pro Minute – keinerlei Beachtung geschenkt und dadurch das tragische Geschehen herbeigeführt worden ist.

Die gegen diese Bewertung seitens der Strafkammer erhobenen Bedenken teilt die Staatsanwaltschaft nicht, auch weil es sich bei der maximalen Durchflusskapazität um einen wissenschaftlich anerkannten Erfahrungswert handelt. Dieser muss als allgemeingültiger Wert angesehen werden, für den es einer sachverständigen Feststellung im Einzelfall nicht bedarf.

Die Ablehnung des Sachverständigen als befangen entbehrt aus Sicht der Staatsanwaltschaft der Grundlage; sie wäre nur möglich, wenn der Sachverständige durch mündliche oder schriftliche Äußerungen den Eindruck einer Voreingenommenheit hervorgerufen hätte. Dies ist auch unter Berücksichtigung der von der Strafkammer aufgeführten Umstände nicht der Fall.

Den von der Staatsanwaltschaft festgestellten Zeitpunkt der „Unumkehrbarkeit des Geschehens“, den die Strafkammer als nicht belegt ansieht, hat die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage, gestützt auf zahlreiche Beweismittel, wie etwa Videoaufnahmen, Zeugenaussagen, aber auch Feststellungen des Sachverständigen Prof. Dr. Still, sehr sorgfältig begründet. Die Zweifel des Landgerichts sind – auch unter Berücksichtigung der insoweit von der Strafkammer angeführten Gründe – nicht nachvollziehbar. Die in diesem Zusammenhang von der Strafkammer
angesprochen Alternativursachen sind – weder für sich genommen noch insgesamt – ursächlich für das tragische Geschehen geworden.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass das Oberlandesgericht Düsseldorf als zuständiges Beschwerdegericht den Beschluss des Landgerichts aufheben und die Durchführung des Hauptverfahrens anordnen wird. Nur dadurch wird – auch im Interesse der zahlreichen Opfer und ihrer Angehörigen – die gebotene weitere Aufklärung der Ereignisse in öffentlicher Hauptverhandlung sichergestellt.

– Pressemeldung der Staatsanwaltschaft Duisburg –

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Loveparade-Strafverfahren: Landgericht Duisburg lässt Anklage nicht zu

justiz_rgbDie 5. Große Strafkammer des Landgerichts Duisburg hat die Anklage im Loveparade-Strafverfahren nicht zugelassen. Die Eröffnung des Hauptverfahrens wurde abgelehnt. Der Beschluss wurde am 30.03.2016 gefasst und heute den Verfahrensbeteiligten bekannt gegebenen. Danach wird es keine Hauptverhandlung gegen die zehn angeschuldigten Personen geben.

Das Gericht hat die gesetzliche Aufgabe, die mit der Anklage erhobenen Vorwürfe zunächst daraufhin zu prüfen, ob eine Hauptverhandlung mit hinreichender Wahrscheinlichkeit zu einer Verurteilung der Angeschuldigten führt. Nur dann darf eine solche Hauptverhandlung durchgeführt werden. Die eingehende Prüfung der Anklagevorwürfe und der hierzu vorgelegten Beweismittel durch die 5. Große Strafkammer des Landgerichts Duisburg hat ergeben, dass kein hinreichender Tatverdacht besteht. Die Vorwürfe der Anklage können mit den vorgelegten Beweismitteln nicht bewiesen werden. Eine Verurteilung der Angeklagten ist deshalb nicht zu erwarten. Das hat die Kammer in ihrem 460 Seiten umfassenden Beschluss im Einzelnen dargelegt.

Das wesentliche Beweismittel, auf dem die Anklage beruht, ist das Gutachten des Sachverständigen Prof. Dr. Still. Dieses Gutachten ist nach Auffassung der Kammer jedoch nicht verwertbar. So leide es an gravierenden inhaltlichen und methodischen Mängeln (dazu sogleich unter 1.). Aufgrund des Gutachtens lasse sich daher nicht beantworten, aus welchen Gründen es zu den tragischen Ereignissen anlässlich der Loveparade im Jahre 2010 kommen konnte. Darüber hinaus bestehe gegen den Gutachter die Besorgnis der Befangenheit (dazu unter 2.). Zudem seien die Ausführungen der Anklage zur Frage der Kausalität von Planungs- und Genehmigungsfehlern für das Unglück nicht belegt (dazu unter 3.). Andere tragfähige Beweismittel, die den Anklagevorwurf stützen könnten, stünden dem Gericht aber nicht zur Verfügung. Insbesondere sei dem Gericht die Einholung eines neuen Gutachtens im Zwischenverfahren von Gesetzes wegen untersagt. Zwar dürfe das Gericht einzelne Beweiserhebungen auch im Zwischenverfahren anordnen, es könne aber nicht das zentrale Beweismittel durch ein neues ersetzen. Dementsprechend habe die Kammer 75 Fragen an den Gutachter gestellt, die aber weder zu einer abschließenden Klärung der offenen Fragen noch zu einer Behebung der grundlegenden Mängel führten.

Zu den tragenden Gründen ihrer Entscheidung führt die Kammer im Einzelnen aus:

  1. Inhaltliche und methodische Mängel des Gutachtens

Das Gutachten von Prof. Dr. Still leidet an schwerwiegenden methodischen und inhaltlichen Mängeln, die dazu führen, dass die grundsätzlichen Fragen zu den Ursachen des Loveparade-Unglücks nicht beantwortet werden.

  • Der Gutachter hat lediglich eine „erste grobe Risikoanalyse“ aus Sicht eines Planers vor Beginn der Veranstaltung Damit kann der erforderliche Nachweis, dass Fehler in der Planung oder Genehmigung die Todesfälle und Verletzungen verursacht hätten (Kausalitätsbeweis), nicht geführt werden.
  • Dr. Still hat in unzulässiger Weise die Auswahl der Tatsachen, auf denen sein Gutachten aufbaut, auf örtliche Gegebenheiten beschränkt. Sämtliche andere mögliche Unglücksursachen, insbesondere Handlungen der die Veranstaltung vor Ort begleitenden Personen, hat er hingegen nicht berücksichtigt.
  • Dr. Still legt seinen Berechnungen Planzahlen des Veranstalters zu den Besucherströmen zugrunde. Von diesen Planzahlen behauptet er zwar, sie seien manipuliert, verwendet sie aber gleichwohl im Rahmen seines Gutachtens.
  • Die von Dr. Still zugrunde gelegten Teilnehmerzahlen konnte er trotz mehrfacher Nachfrage der Kammer nicht schlüssig begründen. Z. B. beruft er sich zur Begründung der von ihm angenommenen Teilnehmerzahlen auf Schätzungen allein der Transportkapazitäten des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr. Damit bleibt ungeklärt, wie viele Besucher tatsächlich auf das Gelände gelangt sind. Daher steht auch nicht fest, dass sich eine – unterstellt – fehlerhafte Berechnung der Besucherströme durch die Angeschuldigten im konkreten Unglück ausgewirkt hat.
  • Darüber hinaus ist das Gutachten an zentralen Punkten in sich widersprüchlich. Dr. Still geht einerseits davon aus, dass wegen der dem Unglücksort vorgelagerten Vereinzelungsanlagen maximal ca. 44.000 Personen pro Stunde von außen auf das Gelände gelangen konnten. Andererseits leitet er seinen Rückschluss auf eine fehlerhafte Planung unter anderem aus der Annahme her, dass zwischen 55.000 und 90.000 Personen pro Stunde auf das Gelände gelangen sollten.
  • Dr. Still hat seine Pflicht zur persönlichen Erstattung des Gutachtens verletzt. Er hat die verfügbaren Unterlagen nie selber vollständig gesichtet, sondern die eigenständige Auswahl aller für das Gutachten verwendeten Dokumente zwei Mitarbeiterinnen übertragen. Diese Auswahl konnte er mangels Kenntnis der deutschen Sprache nicht selbst prüfen.
  • Dr. Still hat zudem die Sorgfaltsmaßstäbe, die er den Angeschuldigten auferlegt hat, nicht nachvollziehbar begründet. Er hat sich mit den für Deutschland maßgeblichen Normen und Regeln, die für die Veranstaltungsplanung anzuwenden sind, nicht beschäftigt. Der vom Gutachter seiner Engstellenberechnung zugrunde gelegte maximale Personendurchfluss von 82 Personen pro Minute und Meter findet sich nicht in den maßgeblichen Normen. Er ist auch nicht allgemein als Stand der ordnungsgemäßen Veranstaltungsplanung anerkannt.
  • Dem Gutachten von Dr. Still liegt ein falscher Ursächlichkeitsbegriff zugrunde. Er vermengt die nach deutschem Recht zu unterscheidenden Kategorien der Kausalität einerseits und der Vorhersehbarkeit andererseits. Für eine Verurteilung ist aber nach deutschem Recht erforderlich, dass sich ein konkreter Planungs- oder Genehmigungsfehler eines Angeschuldigten in einer konkreten Verletzung auswirkt.
  1. Besorgnis der Befangenheit des Gutachters Dr. Still

Das Sachverständigengutachten von Prof. Dr. Still ist in einer Hauptverhandlung nicht verwertbar, weil Prof. Dr. Still als befangen abzulehnen wäre. Entsprechende Ablehnungsanträge sind schon im Zwischenverfahren angekündigt worden. Ein Befangenheitsgesuch ist schon dann erfolgreich, wenn ein Grund vorliegt, der geeignet ist, Misstrauen gegen die Unparteilichkeit eines Sachverständigen zu rechtfertigen. Es kommt dabei nicht darauf an, ob tatsächlich eine Befangenheit des Sachverständigen besteht. Derartige Gründe für eine im Rahmen einer etwaigen Hauptverhandlung erfolgreiche Ablehnung des Sachverständigen benennt die Kammer wie folgt:

  • Nachdem er das Gutachten vorgelegt hatte, hat sich Dr. Still in öffentlich gehaltenen Vorträgen, die auch über das Internet zugänglich waren, unsachlich zu dem Unglück geäußert. So hat er behauptet, dass die Daten für das Genehmigungsverfahren manipuliert gewesen seien, ohne dass er dies begründet oder belegt. Weiter hat er ausgeführt, dass von den Planern der Veranstaltung einfachste Gesetze der Mathematik, die sein Sohn im Alter von vier Jahren beherrscht hätte, nicht beachtet worden seien.
  • Ferner hat er sich in Vorträgen und einem Fachbuch nach Vorlage des Gutachtens auf bestimmte Unglücksursachen und Ergebnisse Insbesondere hat er Fehler in Planung, Genehmigung und Durchführung der Veranstaltung als sicher unterstellt, ohne alternative Unglücksursachen in Betracht zu ziehen. Ein Abrücken von diesen öffentlich mehrfach verbreiteten Behauptungen in einer Hauptverhandlung könnte für Prof. Dr. Still mit einem erheblichen beruflichen Ansehensverlust verbunden sein.
  • Auch habe Dr. Still sich selbst nicht als unabhängigen, nicht weisungsgebundenen Gutachter angesehen, sondern als von einem Sicherheitsunternehmen und einer englischen Universität beauftragt betrachtet. Diese haben die Vorgehensweise bei der Gutachtenerstellung zumindest teilweise mitbestimmt. Zudem hat er die Prüfung seines Gutachtens im Interesse der Haftpflichtversicherung seiner Arbeitgeber für erforderlich gehalten und eine entsprechende Überprüfung durchführen lassen.
  1. Keine Unumkehrbarkeit des Geschehens

Die Kammer bezweifelt die der Anklage zugrunde liegenden Kausalitätserwägungen:

  • Die Anklage geht davon aus, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt (15:30 Uhr 16:02 Uhr) die tragischen Ereignisse unumkehrbar gewesen seien, also unabhängig von weiteren Handlungen zum Unglück hätten führen müssen. Dabei beruft sie sich auf Angaben des Prof. Dr. Still. Dieser allerdings nimmt eine Unumkehrbarkeit des Geschehensverlaufs allenfalls zu deutlich späteren Zeitpunkten an. Für die Frage der Ursächlichkeit etwaiger Planungs- und Genehmigungsfehler für die Todesfälle und Verletzungen kommen auch aus diesem Grund noch mögliche andere Ursachen, insbesondere die später eingezogenen Polizeiketten, die unterlassene Schließung der Zugangssysteme und später entfernte Begrenzungszäune an den Einlassanlagen, in Betracht.

Gegen den Beschluss der Kammer können Staatsanwaltschaft und Nebenkläger binnen einer Woche sofortige Beschwerde einlegen. Über diese entscheidet das Oberlandesgericht Düsseldorf.

***

Auszüge der Entscheidung werden in Kürze auf der Internetseite des Gerichts veröffentlicht. Sobald eine vollständig anonymisierte Fassung vorliegt, soll die Entscheidung dort im Volltext veröffentlicht werden.

– Pressemitteilung des Landgerichts Duisburg –

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Marketing Club Duisburg-Niederrhein im Tectrum: Dietmar Bramsel über CSR-Zertifizierung

Unternehmerische Gesellschaftsverantwortung
als Marketing-Instrument?

Von Petra Grünendahl

Agenturchef Dietmar Bramsel gab gute Tipps, worauf es ankommt beim sozialen Engagement für Unternehmen. Foto: Petra Grünendahl.

Agenturchef Dietmar Bramsel gab gute Tipps, worauf es ankommt beim sozialen Engagement für Unternehmen. Foto: Petra Grünendahl.

„Ich dachte, wir würden wahrgenommen, als Bayer von seinen Lieferanten und Dienstleistern Nachweise über soziales Engagement verlangte“, erzählte Dietmar Bramsel, Geschäftsführer der Kommunikationsagentur Drei Elemente GmbH. „Wo stehen Sie mit Ihrem Engagement? Sind Sie sichtbar?“, fragte er weiter. „Stellen Sie sich vor, Sie handeln sozial verantwortlich und keiner merkt’s“, umriss er das Problem, vor dem er mit seiner Agentur stand. Nicht nur das soziale Engagement war gefragt, sondern auch der schlüssige und überprüfbare Nachweis. Bayer wollte zeigen: Wir arbeiten mit zertifizierten Dienstleistern zusammen. Das untermauert die eigene Glaubwürdigkeit. „Und jetzt werben sie mit uns“, so Bramsel.

Die Werte der Gesellschaft haben sich geändert und heute steht Nachhaltigkeit hoch im Kurs. Mit dem Wertewandel haben die Ansprüche geändert: die der Endverbraucher ebenso wie der Unternehmen, die ihren Kunden gegenüber gefordert sind, diese Nachhaltigkeit gegebenenfalls auch nachzuweisen. „Wir hatten das nötige Engagement – auch seitens unserer Mitarbeiter. Aber es wurde nicht wahrgenommen“, erklärte der Geschäftsführer der Drei Elemente GmbH, einer Kommunikationsagentur mit heute 22 Mitarbeitern, die Bramsel vor 16 Jahren gegründet hatte. Und er suchte ein „Dach“, unter dem er das soziale Engagement seines Unternehmens und seiner Mitarbeiter über eine CSR-Zertifizierung (Corporate Social Responsibility = Unternehmerische Gesellschaftsverantwortung) sichtbar machen konnte. Dieses fand er bei UN Global Compact (https://www.unglobalcompact.org/), einer der prominentesten Initiativen zur Förderung von verantwortungsvollen Unternehmenspraktiken, die weltweit unter dem Mantel der Vereinten Nationen (UN) tätig ist. Im Deutschen Netzwerk (https://www.globalcompact.de) sind rund 300 Unternehmen sowie 40 Organisationen aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft und dem öffentlichen Sektor versammelt.

CSR-Zertifizierung als unanhängige überprüfbare Instanz
Was gehört zur unternehmerischen Gesellschaftsverantwortung (CSR) dazu? Nachhaltigkeit in Sachen Ökologie, Ökonomie und Soziales! Umweltschutz muss man nicht weiter erklären. Zur ökonomischen Komponente zählt zum Beispiel auch die Fairness gegenüber seinen eigenen Lieferanten. Am breitesten gefächert ist „Soziales“: Das beginnt mit dem Umgang mit den eigenen Mitarbeitern, die mitzunehmen und zu fördern sind. Dann gehört dazu das soziale Engagement – das eigene und das der Mitarbeiter.

„Der spannendste Schritt ist, das nach außen zu transportieren“, meinte Dietmar Bramsel. Dieser Schritt hat nämlich Folgen über die Zertifizierung hinaus: Die Mitarbeiter identifizieren sich mit ihrem Unternehmen und tragen das Engagement nach außen. „Das ist alles nur möglich im Team: Es geht nur zusammen“, sagte der Agenturchef. Und dafür muss man seine Mitarbeiter „mitnehmen“. Gute Tipps für zielgerichtetes Soziales Engagement in Einklang mit den Unternehmenszielen hatte der Agenturchef für seine Zuhörer ebenfalls parat. Die Zertifizierung schaffe Vertrauen, aber – so Bramsel – 60 Prozent der mittelständischen Unternehmen hätten Angst vor dieser Transparenz.

“We are not asking corporations to do something different from their normal business; we are asking them to do their normal business differently.”
Kofi Annan,
ehemaliger Generalsekretär der Vereinten Nationen,
Initiator des UN Global Compact.

Was die CSR-Zertifizierung gebracht hat
Natürlich sei die Zertifizierung ein Riesenaufwand gewesen, so Bramsel. Sämtliche relevanten Bereiche müssen umfassend dokumentiert und nachgewiesen werden – zusätzlich zur täglich anfallenden Arbeit. Außerdem müsste weiterhin auch in der Folge nachgehalten werden, dass die Kriterien eingehalten werden. „Wir sind ein kleines Unternehmen: das machte es vielleicht einfacher. Es waren aber trotzdem drei Monate Arbeit, die sich aber gelohnt haben: Wir gehören zu den besten 9 Prozent“, verkündete Bramsel stolz. Die Zertifizierung kostete sein Unternehmen 2,5 Prozent vom Umsatz als Invest, die aber in der Folge 15 Prozent Umsatzsteigerung durch verbesserte Sichtbarkeit brachten. „Manch einen Kunden hätten wir ohne Zertifizierung nie bekommen.“ Dietmar Bramsels Fazit: „Es kostet Mühe und Geld, aber es hat sich gelohnt. Es macht Sinn, sein Profil zu schärfen!“

Andreas Ocklenburg (l.), geschäftsführender Vorstand des Marketing Clubs Duisburg-Niederrhein, hatte Dietmar Bramsel, Geschäftsführer der Kmmunikationsagentur Drei Elemente, gewonnen, den Marketing-Fachleuten von seinen Erfahrungen mit einer CSR-Zertifizierung zu berichten. Foto: Petra Grünendahl.

Andreas Ocklenburg (l.), geschäftsführender Vorstand des Marketing Clubs Duisburg-Niederrhein, hatte Dietmar Bramsel, Geschäftsführer der Kmmunikationsagentur Drei Elemente, gewonnen, den Marketing-Fachleuten von seinen Erfahrungen mit einer CSR-Zertifizierung zu berichten. Foto: Petra Grünendahl.

Der Marketing Club Duisburg-Niederrhein
Die regionale Berufsstandesorganisation wurde 2009 gegründet und ist als Mitglied im Deutschen Marketing Verband einer von 65 Clubs deutschlandweit. Der Marketing Club ist der Weiterbildung seiner Mitglieder ebenso verpflichtet wie der Schaffung einer Kommunikationsplattform. Fast jeden Monat trifft sich der Marketing Club Duisburg-Niederrhein zu überwiegend fachlich orientierten Besichtigungen oder Vorträgen in der ganzen Region. Informationen zu Themen, Veranstaltungen und Kontakten gibt es auf der Homepage des Clubs unter https://www.mc-duisburg.de. Wer im Marketing tätig ist und sich für eine Mitgliedschaft im Marketing Club interessiert, kann bei solchen Gelegenheiten erste Kontakte knüpfen: Netzwerken lässt sich im Anschluss an den fachlichen Teil nämlich ganz hervorragend. Und natürlich lassen sich die fachlichen Fragen mit den jeweiligen Referenten in Einzelgesprächen noch vertiefen.

© 2016 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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