Als Struktur und Oberfläche Bedeutung gewannenVon Petra Grünendahl
August Rodins „Eva“ wirkt unfertig. Nicht glatt poliert, wie bis dato üblich, sondern mit Oberflächenstrukturen, die nicht vollendet wirken. Die linke Hand ist nicht sauber ausgearbeitet. Der Rücken, der Bauch wirken rauh. Man ist versucht, sie glatt zu polieren. Rodins „Eva“ (1881) ist der kunstgeschichtliche Ausgangspunkt, der die Bedeutung der Oberfläche für die moderne Skulptur aufzeigt. Die Verwendung „neuer“ Materialien ebenso wie ihre Bearbeitung haben Künstlern der Moderne Ausdrucksmöglichkeiten geschaffen, Strukturen bewusst zu gestalten. Oberflächen werden so zum Ausdruck von Botschaften, die der Besucher nur allzu gerne auch haptisch erfassen würde. Dem Reiz der Berührung darf man im Foyer des Anbaus sogar nachgehen: Janet Cardiff lädt mit „To Touch“ (1994) ein zu berühren. Der alt und benutzt aussehende Tisch ist gespickt mit High-Tech: Die Art der Berührung erzeugt Töne, die ihrerseits als Teil eines Werks wahrnehmbar sind, das aus den Dimensionen Optik, Haptik und Klang besteht.
Schwerpunktmäßig im Anbau präsentiert das Lehmbruck Museum in Duisburg seine neue Sonderausstellung „An der Oberfläche – On Surface“ zur Oberfläche als Bedeutungsträger in der Skulptur. Der Fokus liegt auf der Moderne vom späten 19. Jahrhundert bis heute: Von Rodin bis De Bruyckere – und bis Jeppe Hein, dessen Skulptur „Rotating Labyrinth“ im Rahmen von Sculpture 21st als Teil der Sonderausstellung, die von der Sparkasse Duisburg gesponsert wird, bereits vor wenigen Wochen präsentiert wurde. Eröffnet wird die Ausstellung am Samstag, 2. Juli, um 16 Uhr. Die Kunstvermittlung hat wie immer ein umfassendes Begleitprogramm zu der Sonderausstellung erarbeitet.
Querschnitt: Entwicklung von
Skulpturoberflächen von 1881 bis heute

On Surface – An der Oberfläche:
Stella Hambergs „Szenischer Ausschnitt“ (2015).
Foto: Petra Grünendahl.
Neben Werken von August Rodin, Janet Cardiff, Jeppe Hein und Georg Baselitz zeigt die Sonderausstellung auch Wilhelm Lehmbruck, Constantin Brâncuşi, Medardo Rosso, Max Bill, Mary Vieira, George Bures Miller, Daniel Canogar, Dorothee Golz, Rebecca Horn, Carsten Nicolai, Julian Opie, Elina Autio, Stella Hamberg, Evan Roth, Michaelv.Kaler, Heike Weber, Berlinde De Bruyckere, Nezaket Ekici, Tony Cragg und Jenny Holzer.
Zur Werkschau erschienen ist im Kölner Wienand Verlag ein 144-seitiger Katalog, dessen Einband mit seiner Oberflächenstruktur schon zur Einstimmung ein haptisches Erlebnis ist. Das reich bebilderte Werk mit Texten zur kulturgeschichtlichen Entwicklung, zu den Künstlern und ihren Werken sowie mit Biographien ist an der Museumskasse für 19,90 Euro zu haben. Im Buchhandel wird das Buch (ISBN 978-3-86832-336-8) für 34 Euro erhältlich sein.
Öffnungszeiten und Eintrittspreise

On Surface – An der Oberfläche:
Max Bills Skulpturen aus vergoldetem Messing (vorne), Heike Webers „cubes“ (2016, hinten).
Foto: Petra Grünendahl.,

On Surface – An der Oberfläche:
Belinde De Bruyckeres „After Criplewood I“ (2013-14).
Foto: Petra Grünendahl.
Zu den Sonderausstellungen bietet das Lehmbruck Museum Rahmenprogramme an. Details findet man auf den Internet-Seiten des Museums. Öffentliche Führungen gibt es jeden Sonntag, sie kosten 2 Euro zusätzlich zum Eintritt. Für weitere Informationen und Buchungen steht die Kunstvermittlung unter Telefon 0203 / 283-2195 oder eMail kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de zur Verfügung. Weitere Informationen gibt es unter tickets@lehmbruckmuseum.de, Telefon 0203 / 283-2195 oder www.lehmbruckmuseum.de.
(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70%), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen mit Sozialhilfebezug.
© 2016 Petra Grünendahl
(Text und Fotos)
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