MKM Museum Küppersmühle zeigt „passage“ mit Werken von Susan Hefuna

 
Reise durch Kulturen und Perspektiven menschlichen Seins
Von Petra Grünendahl

Kay Heymer, Susan Hefuna und Stephan Kunz (v. l.) vor einer Maschrabiyya im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl.
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„Die traditionelle Form der Maschrabiyya findet sich als Dreh-und Angelpunkt ihrer Kunst und sind ein Schlüssel unserer Konzeption“, erklärte Stephan Kunz, Kurator der Ausstellung. In der islamischen Kunst stehen die Maschrabiyyas, aus Holz gedrechselte oder geschnitzte ägyptische Architekturelemente, für eine besondere Form der „passage“ – so der Ausstellungstitel, der sprachlich mehrdeutig ist: Ein Begriff für Durchgang oder Reise, den es nicht nur im Deutschen gibt. In den Arbeiten verarbeitet Susan Hefuna Erfahrungen und Ideen, die ihrerseits den Betrachter herausfordern. Eine Werksreihe thematisiert beispielsweise das Thema Obdachlosigkeit, wie sie sie in New York erlebte. Handwerklich erstellte Gitterstrukturen geben Halt und Orientierung und ziehen sich durch ihr Werk. Die einfach erscheinenden Strukturen ihrer Zeichnungen sind auf mehreren Ebenen lesbar: Netzwerke von Verbindungen und zwischenmenschlicher Kommunikation. „Ich war immer irgendwie dazwischen“, hatte die Künstlerin einmal gesagt: In Anspielung auf ihre Herkunft und ihr Leben in sehr unterschiedlichen Kulturen. „Es sind intime Werke, auf die man sich einlassen muss“, schloss Kurator Kunz.

 

Stephan Kunz, Susan Hefuna und Kay Heymer (v. l.) im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl.
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Im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst stellten Museumskurator Kay Heymer und Ausstellungskurator Stephan Kunz zusammen mit der Künstlerin Susan Hefuna die Werkschau vor. Unter dem Titel „passage“ präsentiert das Museum im Duisburger Innenhafen mit über 400 Werken aus mehreren Jahrzehnten ihres Schaffens eine Reise durch ihr künstlerisches Schaffen. Die Werke in unterschiedlichsten Formaten stammen aus unterschiedlichen Werkgruppen, die für den Besucher erkennbar sind. Es ist die die erste große Museumsausstellung der multidisziplinär arbeitenden, international bekannten und weltweit geschätzten Künstlerin in Deutschland. Die Ausstellung wird heute Abend mit geladenen Gästen eröffnet und ist ab Freitag, 26. September, offiziell für das Publikum geöffnet.

 

 
 
Die Künstlerin

Fotografien: Susan Hefuna im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl.
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Susan Hefuna (* 1962 in Berlin) ist eine Künstlerin mit deutscher Mutter und ägyptischem Vater. Sie wuchs in Ägypten, Deutschland und Österreich auf. Hefuna studierte ab 1982 an der Kunstakademie Karlsruhe Malerei und Skulptur und schloss dann mit einen zweiten Studiengang am Institut für Neue Medien an der Städelschule in Frankfurt am Main 1992 ihre Postgraduierten-Ausbildung ab. Die Künstlerin bedient sich bei ihren Arbeiten verschiedener künstlerischer Medien, wie etwa der Zeichnung, Fotografie, Skulptur, Textilarbeiten, Installation, dem Video und der Performance. Sie wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter 1998 der International Award der Cairo Biennale sowie 2013 dem Drawing Prize der Fondation d’art contemporain Daniel et Florence Guerlain, Paris. Sie lebt und arbeitet in Düsseldorf, Kairo und New York City. An der Hochschule Pforzheim ist sie Professorin für Audiovisuelle Medien im Bereich der Künstlerischen Grundlagen.
https://www.susanhefuna.com/
https://de.wikipedia.org/wiki/Susan_Hefuna

Zur Ausstellung ist ein 224-seitiger Katalog im Kehrer Verlag Heidelberg erschienen. Das zweisprachige Buch (dt., engl.) mit Texten von Walter Smerling, Thomas A. Lange, Stephan Kunz, Verena Hein, Venetia Porter sowie einem Gespräch von Susan Hefuna mit Hoor al-Qasimi ist umfassend bebildert. Es ist für 40 Euro zu haben: An der Museumskasse oder im lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-96900-205-6).

 

 
Impressionen aus der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl

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Museum Küppersmühle:
Duisburger haben donnerstags freien Eintritt

MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst am Innenhafen. Foto: Petra Grünendahl.
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Die Ausstellung „passage“ mit Werken von Susan Hefuna ist noch bis zum 25. Januar 2026 in den Wechselausstellungsräumen im Erdgeschoss zu sehen. Im Oberlichtsaal des Erweiterungsbaus zeigt das MKM „Zeig was Du hast“ mit Bildern von Jörg Immendorff aus der Sammlung Ströher noch bis zum Frühjahr 2026. Das Museum Küppersmühle findet man im Innenhafen am Philosophenweg 55 (Haupteingang, der Parkplatz befindet sich auf der anderen Straßenseite). Mittwochs ist das Museum von 14 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis sonntags sowie feiertags von 11 bis 18 Uhr. Montags und dienstags ist Ruhetag. Der Eintritt kostet nur für die Wechselausstellungen 8 Euro (ermäßigt 4 Euro), für das gesamte Haus (inkl. Wechselausstellung) 14 Euro (ermäßigt 7 Euro). Familien (2 Erwachsene plus Kinder) zahlen 22 Euro für das ganze Haus. Kinder bis 16 Jahren haben freien Eintritt. Kindergruppen (Schule, Kita, Kinderfreizeit) zahlen 2 Euro pro Kind und Betreuer. Der Besuch der Aussichtsplattform ist gegen Aufpreis von 4 Euro beim Besuch des gesamten Hauses zubuchbar. Donnerstags haben alle Duisburger (gegen Vorlage des Personalausweises) freien Eintritt. Das MKM ist Partner der Ruhrkultur.Card. Alle Ausstellungsräume des Museums sind auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich.

 

MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst am Innenhafen. Foto: Petra Grünendahl.
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Offene Führungen durch die Sammlung sowie durch laufende Ausstellungen gibt es jeden Sonntag um 15 Uhr, aber auch nach Vereinbarung. Durch die Wechselausstellung gibt es mittwochs zwischen 15 und 16 Uhr die Führung „KunstMittwoch“. Beide Führungen sind im Eintritt enthalten. Zu den Ausstellungen bietet das MKM zudem immer wieder Themenführungen, Künstlergespräche oder Sonderformate an. So gibt es zum Beispiel am 15. Januar um 18 Uhr eine Begleitveranstaltung mit Susan Hefuna und Kurator Stephan Kunz. Informationen zu Führungen und dem Begleitprogramm zu Ausstellungen gibt es unter www.museum-kueppersmuehle.de).

 

 
Das Museum Küppersmühle als Kunstwerk um die Moderne Kunst

MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.
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Das Museum Küppersmühle für Moderne Kunst wurde im April 1999 in einem ehemaligen Getreidespeicher im Innenhafen eröffnet. Er wurde nach Plänen der Basler Architekten Herzog & de Meuron zum Museum umgebaut. Initiator des Museumsprojekts war der Duisburger Kunstsammler Hans Grothe (1930–2019). Grothes Sammlung umfasste über 800 Werke von mehr als 40 deutschen Künstlern. Seit der Übernahme seiner Sammlung durch das Darmstädter Sammlerpaar Sylvia und Ulrich Ströher 2004/2005 stieg die Anzahl der Ausstellungsstücke und der vertretenen Künstler noch erheblich an. Insgesamt handelt es sich um eine der wichtigsten und umfangreichsten Sammlungen deutscher Kunst seit 1945.

Museum Küppermühle in der Bauphase des Erweiterungsbaus. Foto: Petra Grünendahl.
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Zur Präsentation der ständigen Sammlung kommen immer wieder Wechselausstellungen hinzu. Seit 2008 war ein Erweiterungsbau geplant: Zunächst als ein „Schuhkarton“ auf den Silotürmen, der 2011 wegen Baumängeln scheiterte. Bei einem neuen Anlauf beauftragten die Ströhers 2014 das Architektenbüro Herzog & de Meuron erneut mit der Planung (Baubeginn war 2016): Der Erweiterungsbau wurde im September 2021 eröffnet. Seitdem sind im MKM in 42 Räumen auf gut 5.000 Quadratmetern etwas 320 Werke als Highlights aus der Sammlung Ströher in der Dauerausstellung zu sehen. Die Sammlung ist um ein mehrfaches größer: Schließlich sammelt das Darmstädter Ehepaar ja schon seit Mitte der 1980er-Jahre – und immer noch weiter. Der Fokus liegt auf Malerei, aber auch Skulptur, Installation und Fotografie sind vertreten. Die Sammlung umfasst zentrale Positionen der Kunstentwicklung in Deutschland, von der unmittelbaren Nachkriegszeit bis in die Gegenwart.

 
Das MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst als Standort der Sammlung Grothe wird seit seiner Gründung von der Stiftung für Kunst und Kultur e. V. Bonn betrieben. Die Stiftung konzipiert und organisiert die Ausstellungen und betreut die umfangreiche Sammlung, die heute dem Kunstsammler-Ehepaar Ströher aus Darmstadt gehört, im MKM. Direktor ist seit 1999 Walter Smerling.

 
© 2025 Petra Grünendahl / Rundschau Duisburg (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 


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