Lehmbruck Museum zeigt Wilhelm-Lehmbruck-Preisträger Anish Kapoor

 
Das nicht Greifbare sichtbar machen:
Was macht den Menschen aus?

Von Petra Grünendahl

Impressionen: Anish Kapoor im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.
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In der Glashalle zum Kantpark empfängt den Besucher der intensive Geruch von Wachs, aus dem Anish Kapoor (*1954) sein Werk „First Body“ geformt hat. Die monumentale dreiteilige Installation wirkt wie ein lebendiger Organismus, in dem sich der Betrachter verlieren kann. Der Wachs-Geruch findet sich bei der großformatigen Arbeit „Past, Present, Future“ wieder, bei der ein Metallbügel über den blutroten Wachs einer Halbkugel an der Wand schabt: In einem Tempo, welches der Betrachter kaum als Bewegung bemerkt, weil die Veränderung erst in Minuten sichtbar wird. Verlieren und selber in Frage stellen kann man sich in der „Double S Curve“, einer Spiegelinstallation, die den Betrachter verzerrt und auf den Kopf stellt: Welches Bild von uns ist denn nun „wirklich“? Skulpturen aus rosa-farbenem Onyx wecken Assoziationen. Objekte in einer tiefschwarzen Pigmentfarbe scheinen jedes Licht und damit ihre Dreidimensionalität zu verschlucken. Im Zentrum der Ausstellung stehen existenzielle Fragen: Es geht um Identität, Erinnerung, Verletzlichkeit und Unendlichkeit. Die Skulpturen Anish Kapoors sind Erfahrungsräume, die berühren, erstaunen und verändern. Die Ausstellung ist eine seltene Gelegenheit, Kapoors Schaffen in seiner ganzen emotionalen und philosophischen Tiefe zu erleben. Sie lädt dazu ein, sich intensiven Sinneseindrücken zu öffnen und das Unmögliche für möglich zu halten.

 

Impressionen: Anish Kapoor im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.
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Der Bildhauer Anish Kapoor wurde für 2025 für sein Lebenswerk mit dem renommierten Wilhelm-Lehmbruck-Preis der Stadt Duisburg und des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) ausgezeichnet. Nun findet im Lehmbruck Museum die Ausstellung des Preisträgers statt. Im Pressegespräch stellten Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla, Kulturdezernentin Linda Wagner, Guido Kohlenbach (LVR) und Marcel Groß (Sparkassen-Kulturstiftung) die Sonderschau vor. Der Künstler war über Video aus London zugeschaltet. Mit 16 teils großformatigen Werken aus fünf Jahrzehnten seines künstlerischen Schaffens zeigt das Lehmbruck Museum die umfangreichste Ausstellung des Künstlers in Deutschland seit über zehn Jahren. Die Ausstellung wird gefördert von dem Landschaftsverband Rheinland (LVR), vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, von der Stadt Duisburg, der Duisburger Hafen AG, der Kulturstiftung der Sparkasse Duisburg und der Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland. Eröffnet wird die Ausstellung am Donnerstagabend, 23. April, mit geladenen Gästen. Ab Freitag, 24. April, die sie dann fürs Publikum zugänglich.

 

 
 
Der Künstler und der Wilhelm-Lehmbruck-Preis

Live aus London zugeschaltet: Anish Kapoor im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.
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Der indisch-britische Bildhauer Anish Kapoor wurde 1954 in Mumbai (Indien) als Sohn eines indischen Hindu und einer jüdischen Irakerin geboren. Mit 16 Jahren verließ er Indien und kam über Israel, wo er drei Jahre in einem Kibbuz lebte, 1973 nach London. Dort studierte er in den 1970er-Jahren am Hornsey College of Art und später am Chelsea College of Art and Design. In der Folge etablierte er sich als einer der führenden Vertreter der New British Sculpture, die vor allem im Bereich der Skulptur neue Wege beschritt. Kapoor prägt nun seit mehr als fünf Jahrzehnten die zeitgenössische Kunst mit einer unverwechselbaren Formensprache, die seinen Skulpturen eine universelle Gültigkeit verleiht. Er ist Träger einiger der begehrtesten Kunstpreise und hoher ziviler Auszeichnungen und gehört zu den weltweit angesehensten Künstlern unserer Zeit. 2013 wurde er im Rahmen der Queen’s Birthday Honours zum Ritter geschlagen (Sir Anish Kapoor). Seine Werke sprechen nicht nur in Museen weltweit die Menschen an, sondern auch im öffentlichen Raum. Er lebt und arbeitet in London.
www.anishkapoor.com
Anish Kapoor bei Wikipedia

 
Der Wilhelm-Lehmbruck-Preis der Stadt Duisburg und des Landschaftsverbandes Rheinland wurde 1966 anlässlich des 85-jährigen Geburtstags von Wilhelm Lehmbrucks (1881-1919)

Impressionen: Anish Kapoor im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.
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erstmals verliehen. Die renommierte Auszeichnung wird in der Regel alle fünf Jahre an Künstler verliehen, die einen herausragenden Beitrag zur Entwicklung der zeitgenössischen Skulptur geleistet haben. Über die Preisvergabe entscheidet eine international besetzte Jury unter Vorsitz von Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla. Seit dem Jahr 2020 wird der Wilhelm-Lehmbruck-Preis von der Stadt Duisburg und dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) ausgelobt und vom Landschaftsverband maßgeblich finanziell gefördert. Die bisherigen Preisträger sind:
1966 Eduardo Chillida
1971 Norbert Kricke
1976 Jean Tinguely
1981 Claes Oldenburg
1986 Joseph Beuys
1991 Richard Serra
1996 Richard Long
2001 Nam June Paik
2006 Reiner Ruthenbeck
2017 Rebecca Horn
2020 Janet Cardiff und George Bures Miller
2025 Anish Kapoor
https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm-Lehmbruck-Preis

 

 
Impressionen aus der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl

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Das Lehmbruck Museum

Das Lehmbruck Museum im Kantpark. Foto: Petra Grünendahl.
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Das mitten in Duisburg im Kantpark gelegene Lehmbruck Museum ist das international bedeutendste Museum für Skulptur der Moderne und der Gegenwart in Europa. Seine Sammlung moderner Plastiken von Künstlern wie Alberto Giacometti, Meret Oppenheim, Pablo Picasso, Barbara Hepworth, Rebecca Horn und natürlich Wilhelm Lehmbruck ist europaweit einzigartig. Beheimatet ist das Museum in einem eindrucksvollen Museumsbau inmitten eines Skulpturenparks mit Werken von Bildhauern wie Alicja Kwade, Julian Opie, Tony Cragg und Dani Karavan, der zum Schlendern und Entdecken einlädt.

 

Wilhelm Lehmbruck: Der Gestürzte. Foto: Petra Grünendahl.
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Namensgeber des Hauses ist der Bildhauer Wilhelm Lehmbruck, der 1881 in Meiderich, heute ein Stadtteil von Duisburg, geboren wurde. Lehmbruck ist einer der bedeutendsten Bildhauer der Klassischen Moderne. Er hat mit seinem Werk maßgeblichen Einfluss auf nachfolgende Künstlergenerationen und ist auch nach seinem frühen Freitod im Jahr 1919 bis heute einflussreich geblieben. Das Lehmbruck Museum entstand 1964 nach den Entwürfen von Lehmbrucks Sohn Manfred (1913–1992). Der ab 1983 errichtete Erweiterungsbau wurde 1987 eröffnet.
www.lehmbruckmuseum.de

 

 
Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Mutter und Kind: Wilhelm Lehmbruck im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.
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Zu sehen sind die Werke von Anish Kapoor bis zum 30. August 2026 in der Glashalle zum Kantpark, im Wechselausstellungsbereich im Neubau sowie im Lichthof des Lehmbruck-Flügels. Geöffnet ist das Lehmbruck Museum dienstags bis freitags ab 12 Uhr, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags an Terminen der plastikBAR (erster Donnerstag im Monat ab 17.30 Uhr) bis 20 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro (ermäßigt* 5 Euro), eine Jahreskarte 35 Euro (ermäßigt* 20 Euro). Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Blinden- und Demenzbegleitung haben kostenlos Eintritt. Schulklassen und Kindergärten zahlen pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte (2 Erwachsene plus Kinder bis 14 Jahre) gibt es für 15 Euro. Jeden ersten Freitag im Monat gilt: „Pay what you want“. Ausgenommen davon sind angemeldete Gruppen.

Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.
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Zu seinen Sonderausstellungen bietet das Lehmbruck Museum verschiedene Veranstaltungen als Rahmenprogramm an. Öffentliche Führungen durch das Museum gibt es jeden Sonntag um 11.30 Uhr. Für Informationen steht die Kunstvermittlung des Lehmbruck Museums unter Telefon 0203 / 283-2195 oder eMail kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de zur Verfügung (Zu Preisen und Buchungen für Führungen geht es hier). Tickets für Führungen und Veranstaltungen können vorab im Ticket-Shop des Museums gebucht werden.

 
(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70 Prozent), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen im Sozialleistungsbezug.

 
© 2026 Petra Grünendahl / Rundschau Duisburg (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 


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