Barbarafeier bei HKM in Duisburg: Polizeipräsidenten Dr. Elke Bartels predigte beim ökumenischen Gottesdienst

Vom Respekt und der Würde des Menschen
Von Petra Grünendahl

Polizeipräsidentin Dr. Elke Bartels hielt die Gastpredigt zur Barbarafeier bei HKM in einer geschmückten Kranhalle. Foto: Petra Grünendahl.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“, heißt es in Artikel 1 des Grundgesetzes, welches in diesem Jahr sein 70-jähriges Jubiläum feierte. Aus diesem Ansatz entwickelte Polizeipräsidentin Dr. Elke Bartels ihre Predigt zur Barbarafeier bei HKM. Sie verlangte in ihren nachdenkenswerten Ausführungen Offenheit und Respekt gegenüber dem Andersartigen ebenso wie sie im Gegenzug den Respekt für unsere Werte und Rechtsordnung einforderte.

Impressionen von der Barbarafeier bei HKM

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Fotos: Petra Grünendahl

 

 

Pastor Rolf Schragmann (l.) und Pfarrer Rainer Kaspers bei der Barbarafeier bei HKM in einer geschmückten Kranhalle. Foto: Petra Grünendahl.

Bereits zum 15. Mal öffnete HKM (Hüttenwerke Krupp Mannesmann) sein Tor 1 zum Einlass in die Kranhalle, in der die Barbarafeier im Hüttenheimer Stahlwerk gefeiert wird. Der ökumenische Gottesdienst findet traditionell am 2. Adventssonntag statt und ehrt die Heilige Barbara, Schutzheilige unter anderem der Bergleute und Hüttenwerker (4. Dezember). Neben der Gastpredigt bereicherten den ökumenischen Gottesdienst von Pfarrer Rainer Kaspers und Pastor Rolf Schragmann musikalische Beiträge der musical kids Rheinhausen, der Duisburg Voices (Leitung: Okko Herlyn), vom Jugendensemble des 1. Akkordeon-Orchesters Rheinhausen 1950 e. V. und vom Posaunenchor Großenbaum/Rahm (Leitung: Wolfgang Beckmann) die Veranstaltung. Zum Abschluss lud HKM wie immer im Vorzelt der Halle zu (alkoholfreiem) Glühwein, Weihnachtsplätzchen und Christstollen ein, den die Besucher bei netten Gesprächen genossen.

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Moers: Kerzenkonzert auf Zeche Rheinpreußen Schacht IV

„Licht bei der Nacht“ mit dem Knappenchor Rheinland und Film-Dokumentation “Was wird bleiben?“
Von Petra Grünendahl

Stellten das Programm zum Kerzenkonzert auf Schacht IV vor (v. l.): Frank Heinrich, Werner Gröll, Alberto Dominguez, Wilfried Scholten, Frank Liebert und Peter Noruschat. Foto: :Petra Grünendahl.

Das Licht untertage ist erloschen, wir haben es über Tage wieder angezündet“, sagte Initiator Frank Heinrich. 1962 war auf Schacht IV „Schicht im Schacht“, 1990 folgte Schacht IX als letzter Schacht der Zeche Rheinpreußen und 1993 beendete die Stilllegung der Pattberg-Schächte den Bergbau in Moers. Als im vergangenen Jahr anlässlich des Endes der deutschen Steinkohlenförderung (Prosper-Haniel in Bottrop) ein solches Kerzenkonzert erstmals auf Schacht IV stattfand, war dies eine sehr emotionale Veranstaltung, was nicht nur an der stimmungsvollen Kerzenbeleuchtung lag: Versammelt hatten sich in der Maschinenhalle ehemalige Bergleute sowie viele Menschen, denen der Bergbau am Herzen liegt. Gänsehaut-Momente und „Pipi inne Augen“ hatten viele beim gemeinsam gesungenen Steigerlied (mit dem Knappenchor) oder am Ende der Film-Dokumentation „Was wird bleiben?“, als einer der ehemaligen Bergleute solo das Steigerlied anstimmte. „Das rief förmlich nach einer Wiederholung“, erklärte Frank Liebert.

 
In Kooperation mit dem Verein 100 Jahre Kolonie Meerbecke. V. lädt der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e. V. (GMGV) erneut zum Kerzenkonzert in die Fördermaschinenhalle am Schacht IV ein. Frank Heinrich (Schatzmeister des GMGV), Wilfried Scholten (2. Vorsitzender des GMGV), Frank Liebert (Vorsitzender des 100 Jahre Kolonie Meerbeck e. V.) und Peter Noruschat (Vorsitzender des Knappenchores Rheinland) stellten Veranstaltung im Pressegespräch vor. Bergmanns- und weihnachtliches Liedgut stehen auf dem musikalischen Programm. Fördergelder zur Finanzierung haben die Veranstalter aus dem Programm „Soziale Stadt“ von Land, Bund und Stadt Moers über das Stadtteilbüro Meerbeck/Hochstraß bekommen.

 

Auslauf des deutschen Steinkohlebergbaus am Schacht IV in Moers vom Grafschafter Museum- und Geschichtsverein Moers e.V. mit dem Knappenchor Rheinland. Foto: Knappenchor Rheinland.

Wieder mit Begeisterung an Bord ist auch der Knappenchor Rheinland: „Wir machen das, so lange wir können“, so der Vorsitzende Peter Noruschat. Die (nur noch) 40 Sänger des seit 1932 bestehenden Chores sind schließlich nicht mehr die Jüngsten, Nachwuchs ist schwer zu bekommen (schon gar nicht aus dem Bergbau!). „Mit dem Wahren von Traditionen können wir die Gegenwart mit gestalten“, so Frank Heinrich, dessen Verein das Industriedenkmal über Sommer Sonntagnachmittag für Besucher öffnet: „Ein Ausflugsziel für die ganze Familie!“ – „Wenn Schulklassen für Führungen herkommen, ist das für die immer ein besonderes Erlebnis“, erzählte Frank Liebert. Die ehemaligen Bergleute, die sonst am Schacht IV Führungen machen, stehen zum Kerzenkonzert für Fragen der Besucher bereit. Führungen wird es am Konzert-Abend selber nicht geben: „Alles, was machbar ist geht, aber dafür ist es wohl zu voll“, sagte Alberto Dominguez, einer der Führer auf Schacht IV, der wie alle ehemaligen Bergleute hier ehrenamtlich tätig ist.

 

 
Knappenchor Rheinland singt

Schacht IV in Moers. Foto: Petra Grünendahl.

Das Kerzenkonzert findet statt am Samstag, 21. Dezember, um 19 Uhr (Einlass 18 Uhr) auf dem Industriedenkmal Schacht IV an der Zechenstraße 50, 47443 Moers. Die Räume sind nicht beheizt: die Veranstalter empfehlen wärmende Schuhe. Die Dokumentation von Frederik Göke „Was wird bleiben?“ wird dieses Mal nicht in der Maschinenhalle gezeigt, sondern im benachbarten Vorführraum: In dem rund 40-minütigen Film erzählen drei ehemalige Bergleute und eine Verwaltungsmitarbeiterin aus der Region (Moers / Kamp-Lintfort) vom Leben im und mit dem Steinkohlenbergbau. Die separate Vorführung des Films entzerrt die Veranstaltung ein wenig, denn die Veranstalter rechnen mit einem ähnlichen Andrang wie im letzten Jahr. Der Eintritt zum Konzert in der Fördermaschinenhalle und der Vorführung der Dokumentation „Was wird bleiben?“ ist kostenlos.

 
Den Flyer zur Veranstaltung gibt es hier.
Hier geht es zur Vorstellung der DVD zur Film-Dokumention (mit Trailer)

 

Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e. V.

Schacht IV der Zeche Rheinpreußen in Moers-Hochstraß. Foto: Petra Grünendahl.

Der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e.V. hat es sich mit Gründung 1904 zur Aufgabe gemacht, Geschichte und Kultur der Grafschaft Moers zu schützen und zu erhalten. Neben dem Grafschafter Museum im Schloss Moers gehört auch das Industriedenkmals Rheinpreußen Schacht IV dazu, für das der GMGV nach dessen Stilllegung 1962 erst Ende der 1990er-Jahre die Nutzungsrechte übertragen bekam. Das Nutzungsrecht für den Standort schließt den Erhalt des Industriedenkmals ebenso ein wie die Pflege der Vergangenheit, hat doch der Bergbau die Region massiv geprägt und Moers zu dem gemacht, was es heute ist. Ehrenamtlich führen Mitglieder des GMGV durch die Sammlung und erklären interessierten Besuchern Anlagen und Maschinen sowie die Bergbau-Sammlung, die Vereinsmitglieder hier zusammen getragen haben. Das Industriedenkmal ist von Mai bis Oktober jedem Sonntag von 13 bis 16 Uhr geöffnet.
https://gmgv-moers.de/

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (3), Knappenchor Rheinland (1)

 

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Essen Motor Show: Das PS-Festival 2019 ist gestartet

Tiefer, härter, breiter, schneller:
Aber auchl und sicher!

Von Petra Grünendahl

Essen Motor Show 2019. Foto: :Petra Grünendahl.

Mit dem VDAT e. V. (Verband der Automobil Tuner e.V.) engagieren sich seit 2005 Dienste für technische Überwachung, Automobilclubs und andere Akteure für sicheres Tuning im Rahmen des gesetzlich erlaubten. In Essen treffen sie alle Jahre wieder ihr Publikum mit Aufklärung und ihrem Blickfang: einem getunten Polizeifahrzeug. Das neue Kampagnen-Polizeifahrzeug von „Tune it! Safe!“, ein Audi RS4-R, stammt von Abt Tuning aus Kempten (Allgäu). Blickfänge bietet die Essen Motor Show aber auch darüber hinaus reichlich: getunte und gut gestylte Fahrzeuge aller Fahrzeugklassen. Tuning, Motor- und Rennsport, Formel 1 und sportliche Serienfahrzeuge, Designstudien sowie Unikate und Kuriositäten stehen im Fokus der Essen Motor Show, aber auch Werkzeug, Tuningteile und Zubehör locken während der zehntätigen Messe die Besucher. Überhaupt kommen Freunde sportlicher, veredelter und individualisierter Fahrzeuge hier auf ihre Kosten. Breiten Raum gewährt man auch Oldtimern (Classic Cars u. a. im Classic & Prestige Salon), automobilen Kunstwerken und zukunftsweisenden Studien. Die Fans zieht hier das Tuning von größeren Tunern ebenso wie Fahrzeuge privater Tuner, Fahrzeugtechnik, Zubehör und Werkzeuge. Automobilzulieferer der Segmente Reifen, Felgen und Fahrwerk runden das Angebot ab. Raum gibt die Essen Motor Show neben sicherem Tuning auch der Verkehrssicherheit.

Essen Motor Show 2019. Foto: :Petra Grünendahl.

Zum Preview Day durften wir einen ersten Blick auf die 52. Essen Motor Show 2019 werfen. Skoda ist als letzter Autohersteller (Importeur) noch selber mit einem großen Stand vertreten und zeigt sein Hochleistungs-SUV Kodiaq RS mit Biturbo-Aufladung (240 PS), weitere überwiegend sportlich gestylte aktuelle Modelle inklusive Octavia Combi RS60 und Karoq Sportline sowie den Rallye-Bolide Fabia R5. Mit dabei sind aber auch Elektro- oder elektrifizierte Fahrzeuge. Volkswagen zeigt das Elektrorennfahrzeug ID.R und Großserienmodell ID.3 als Beispiel für Wissens- und Technologietransfer zwischen Motorsport und Serienentwicklung. Verschiedene Automarken sind mit regionalen Händlern vertreten. Die Mercedes FanWorld zeigt sportliche Modelle mit dem Stern.

 

Essen Motor Show 2019. Foto: :Petra Grünendahl.

Freunde der automobilen Individualisierung (auch „Tuning“ genannt), die Schrauber, Bastler und Sammler finden reichlich „Material“ für ihr Hobby. Fahrzeugpflege und Lifestyle-Produkte runden das Angebot ab. Automobile Kunstwerke präsentieren rund 160 private Besitzer aus ganz Europa in der tuningXperience mit einer Sondershow in Halle 1A sowie Halle 3. In Halle 3 zeigt die Essen Motor Show eine Sonderschau mit Rennfahrzeugen, darüber hinaus Fahrzeuge mit Elektroantrieb, Ladesäulen- sowie eAuto- und Mobilitäts-Konzepte. Oldtimer-Fans finden auch (aber nicht nur) sportliche Exemplare sowohl von Händlern als auch private Fahrzeuge überwiegend über Markenclubs, wo sich nicht selten mit den Eigentümern der Fahrzeuge fachsimpeln lässt. Über 500 Aussteller aus 16 Nationen zeigen auf rund 100.000 Quadratmetern Ausstellungsflächen Fahrzeuge, Produkte und Service rund ums Auto. Über 300.000 Besucher werden zu Europas führendem Event für sportliche Fahrzeuge erwartet.

Impressionen von der Essen Motor Show 2019

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Fotos: Petra Grünendahl.

 

Öffnungszeiten und Preise

Essen Motor Show 2019. Foto: :Petra Grünendahl.

Die Essen Motor Show läuft noch bis Sonntag, 8. Dezember 2018. Geöffnet ist täglich von 10 bis 18 Uhr, am Wochenende von 9 bis 18 Uhr. Die Tageskarte kostet 16 Euro (ermäßigt 13 Euro). Ein Nachmittagsticket (ab 15 Uhr) ist für 10 bzw. 8 Euro zu haben, ein Zwei-Tages-Ticket 28 Euro. An Ticket-Specials gibt es das Girls-Day-Ticket (2. Dezember, nur an der Tageskasse) für 6 Euro sowie das Ticket4You (vier Personen inkl. Parken, nur im Vorverkauf) für 60 Euro. Parken kostet 10 Euro auf den Parkplätzen in unmittelbarer Nähe sowie auf Messeparkplätzen etwas weiter weg (inklusive Shuttle-Service). Die regulären Tagestickets sind im Vorverkauf (online oder Telefon 0201 / 3101-430) günstiger. Weitere Ticket-Variationen und Infos gibt es unter www.essen-motorshow.de. Der Ticket-Vorverkauf läuft über den Ticketservice der Messe Essen .

© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Duisburger Stadtarchäologie stellt dritten Jahresband vor: Dispargum 2018

In die Tiefen der Duisburger Geschichte eintauchen
Von Petra Grünendahl

Stadtarchäologe Dr. Kai Thomas Platz und Wirtschaftsdezernent Andree Haack stellen den neuen Band „Dispargum – Jahresberichte der Duisburger Stadtarchäologie“ für das Jahr 2018 vor. Foto: Petra Grünendahl.

„Immer wenn viel gebaut wird, wird viel gegraben“, erklärte Duisburgs Wirtschaftsdezernent Andree Haack. Darüber freue sich die Stadtarchäologie, die vor der Bautätigkeit das Gelände nach Spuren früherer Besiedlung durchsucht. Dabei bringen Fundstücke neue Erkenntnisse über Zeiten aus Duisburgs Geschichte: „Duisburg ist ja nicht erst mit der Industrialisierung entstanden, sondern war im Mittelalter ein reicher Handelsplatz – und Funde weisen auch auf Siedlungen aus römischer Zeit hin“, erzählte der Stadtarchäologe Dr. Kai Thomas Platz. Ein Glücksfall sei, so der Stadtarchäologe, das Rheinniedrigwasser des vergangenen Jahres gewesen: „Im Beeckerwerth haben wir am freigelegten Rheinufer Kalksandstein-Relikte gefunden, unter anderem wohl römischen Ursprungs“, erzählte Platz. Was nicht geborgen wurde, liege heute wieder gut schützt unter Wasser. Drohnen-Fotos haben den Fundort aber gut dokumentiert. „Man muss immer die Augen aufhalten“, so der Archäologe. Manchmal bekomme man auch Hinweise von Duisburgern.

 
Den dritten Band der Jahresberichte der Duisburger Stadtarchäologie „Dispargum 2018“ stellte Dr. Kai Thomas Platz, Herausgeber der Publikation, zusammen mit dem Beigeordneten Andree Haack vor, zu dessen Dezernat die Untere Denkmalbehörde gehört. Das Buch macht neue Erkenntnisse der Bodendenkmalpflege einem geschichtsinteressierten Publikum bekannt: Hier sind es Ausgrabungen aus dem Jahr 2018, denn die Aufarbeitung der Ergebnisse braucht seine Zeit. Zumal die Arbeiten für das Buch neben der normalen Arbeit der Stadtarchäologie zusätzlich laufen, wie Platz erklärte. Es sei aber, so der Stadtarchäologe, der gesetzliche Auftrag der Stadtarchäologie, ihre Funde und Erkenntnisse einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. „Für diese Publikation werden wir vom nordrhein-westfälischen Heimat- und Bauministerium finanziell unterstützt“, so Platz.

 

 
Das Dunkel der Geschichte füllen

Stadtarchäologe Dr. Kai Thomas Platz und Wirtschaftsdezernent Andree Haack stellen den neuen Band „Dispargum – Jahresberichte der Duisburger Stadtarchäologie“ für das Jahr 2018 vor. Foto: Uwe Köppen / Stadt Duisburg.

Wenig Erkenntnisse gebe es bislang aus der Merowinger-Zeit (ca. 5. bis 8. Jahrhundert), bedauerte Dr. Platz. Trotz nachweislicher Besiedlung schon zur Römer-Zeit wurde Duisburg erst 883 mit der Zerstörung der Stadt durch die Wikinger erstmals urkundlich erwähnt. Seiner Lage am Hellweg, einer bereits seit Jahrhunderten existierenden Handels- und Heerstraße, verdankte das mittelalterliche Duisburg seinen Aufstieg und Reichtum. Mit einem Königshof, der Kaiserpfalz, gewann Duisburg auch rechtliche Bedeutung. Überreste dieser Kaiserpfalz würde man wohl unter dem Areal Burgplatz / Rathaus / Salvatorkirche finden, wenn man dort graben könnte.

Neben den neuen Erkenntnissen der Stadtarchäologie enthalten die Jahresbände auch eine Zusammenfassung der stadtarchäologischen Aktivitäten in einem Duisburger Bezirk von etwa 1900 bis 2015 (Aktivitäten ab 2016 sind ja stadtübergreifend in den Jahresbänden verfügbar). Im dritten Band dieser Reihe wird der 3. Bezirk der Stadt, Meiderich-Beeck, dargestellt. Die vielfältigen Beiträge des Buches stammen zum Teil von den Mitarbeitern der Stadtarchäologie (Untere Denkmalbehörde), teilweise aber auch von externen Wissenschaftlern. Sie sind fachlich fundiert, aber auch für den geschichtlich interessierten Amateur gut zu verstehen.

 

Der dritte Band der Reihe „Dispargum – Jahresberichte der Duisburger Stadtarchäologie“ für das Jahr 2018 ist im Verlag Dr. Faustus erschienen und im lokalen Buchhandel für 35 Euro zu haben (ISBN 978-3-946387-23-7). Auch die beiden ersten Bände (Dispargum 2016 und Dispargum 2017) sind noch verfügbar, müssten dann aber wohl bestellt werden (beide kosten ebenfalls 35 Euro).

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text)
Foto: Petra Grünendahl (1), Uwe Köppen (1)

 

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Loveparade-Strafprozess: Sachbearbeiter B. der Duisburger Bauaufsicht sagte aus

Bauamt für Zuwege ebenso wenig zuständig wie für den Veranstaltungsbetrieb auf dem Gelände
Von Petra Grünendahl

Juni 2011: Ansichten der Rampe zum alten Güterbahnhof aus dem Jahr 2011. Fotos: Petra Grünendahl.

„Ich habe regelmäßig Bauanträge auf Nutzungsänderungen für Veranstaltungen bearbeitet und genehmigt: Landschaftspark Nord, Stadtwerke, Siemens oder HKM“, zählte der Zeuge B. auf, nachdem ihn der Vorsitzende Richter Mario Plein gefragt hatte, wie viele Großveranstaltungen er schon genehmigt habe. „Dass er gar keine „Veranstaltungen“ genehmige, hat der 65-jährige technische Sachbearbeiter der Unteren Bauaufsicht der Stadt Duisburg nicht hervorgehoben. Unternehmen bzw. Betreiber von Örtlichkeiten müssten eine Nutzungsänderung für ihr Gelände hätten beantragen müssen, wenn sie Veranstaltungen mit mehreren Tausend Leute dort ausrichten wollten. Für Veranstaltungen im Landschaftspark Nord gebe es, so der Zeuge, mittlerweile eine generelle Baugenehmigung. Als Ende März 2010 klar war, dass für die Loveparade eine Genehmigung nach Sonderbau-Verordnung (also Baurecht) nötig war, sei er als Ersatzmann ins Team der Unteren Bauaufsicht gekommen, Ende Mai – nach Erkrankung eines Kollegen – fest in die Thematik eingestiegen.

 

Der Vorstizende Richter Mario Plein (mitte) mit zwei beisitzenden Richtern beim Loveparade-Strafprozess im Gerichtssaal im Congress Center Düsseldorf. Foto: Lars Heidrich / Funke Foto Services.

Als Zeugen hatte die 6. große Strafkammer des Landgerichts Duisburg einen zweiten Sachbearbeiter der Unteren Bauaufsicht im Amt für Baurecht und Bauberatung der Stadt Duisburg geladen, der für die Bearbeitung der Baugenehmigung mit zuständig war. Der Schwerpunkt seiner Arbeit, so der Bauingenieur und Architekt, habe im Bereich Sonderbauten Industrie im ganzen Stadtgebiet gelegen. Der heute 65-jährige technische Angestellte hatte bis Jahresanfang zu den Angeklagten gehört. Gegen ihn war das Verfahren aber – wie gegen alle damaligen Mitarbeiter der Stadt sowie einen ehemaligen Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent – ohne Auflagen eingestellt worden. Gegen drei Angeklagte wird wegen fahrlässiger Tötung in 21 Fällen und fahrlässiger Körperverletzung weiter verhandelt: Sie waren damals als Mitarbeiter der Lopavent GmbH an den Planungen des Events beteiligt. Der Vorsitzende Richter Mario Plein ließ den Zeugen zunächst erzählen, welche Rolle er im Genehmigungsverfahren spielte, bevor er ihm aus Schriftstücken, Ermittlungsakten sowie Aussagen von Zeugen Sachverhalte vor hielt.

 

 
Später Bauantrag und umfassende Nachforderungen

Juni 2011: Ansichten der Rampe zum alten Güterbahnhof aus dem Jahr 2011. Fotos: Petra Grünendahl.

Ab März 2010 sei man bei den schon länger laufenden wöchentlichen Sitzungen der Arbeitgruppe 4 (AG4 Sicherheit) dabei gewesen, erzählte der Zeuge, wo er und seine Kollegen von der Bauaufsicht schauen sollten, „was für unseren Bauantrag relevant sein könnte.“ Der Bauantrag war nötig, weil die Duisburger Veranstaltung nicht – wie frühere Loveparades – im öffentlichen Raum, sondern auf einem eingezäunten Privatgelände statt fand. Trotz mehrfacher Mahnung ging ein formeller Bauantrag erst am 10. Juni 2010, also gut sechs Wochen vor der geplanten Veranstaltung, beim Bauordnungsamt ein. Die Eingangsbestätigung vom 14. Juni sei mit umfassenden Nachforderungen versehen gewesen, vierzehn Tage später seien diese noch einmal angemahnt worden. Zu den Nachforderungen gehörten laut B. das Brandschutzkonzept mit ausreichenden Fluchtwegen für die Besucher.

 
„Haben Sie sich Gedanken gemacht, wie Leute auf Gelände kommen?“, fragte der Richter nach. „Die Bauordnung fragt nicht, wie Leute aufs Gelände kommen. Wir wollten nicht den Sicherheitsbehörde dazwischen reden: Die mussten das entscheiden!“, so B., der aber auch andeutete, dass von dort durchaus die Ansage gekommen sei, man solle sich um sein Fachgebiet kümmern. „Haben Sie sich Gedanken gemacht, wie die Leute oben an der Rampe an den Floats vorbei aufs Gelände kommen?“, fragte der Richter weiter nach. Der Zeuge darauf: „Wir betrachten von der Bauordnung nur den Brandfall, nicht die Zuwege: Die ist Sache des Betreibers. Es gab die Prämisse: keine Stauungen im Tunnel.“

 
Das endgültige Sicherheitskonzept von Lopavent sah eine Besuchersteuerung oben auf dem Gelände ebenso vor wie Maßnahmen, die den Besucheransturm drosseln sollten: das Schließen der Vereinzelungsanlagen, das Durchfahren der Züge am Hauptbahnhof. „Wir überprüfen nur, ob sich das finale Konzept – kein Entwurf – konkret auf die geplante Veranstaltung bezieht. Die Plausibilität ist Sache der Sicherheitsbehörden. Wir als Bauordnung können das gar nicht überprüfen.“ Das Sicherheitskonzept sei in einer Sitzung am 15. Juli von allen Beteiligten ohne Bedenken oder Einwände abgenickt worden: Polizei, Bundespolizei, Ordnungsamt und Feuerwehr.

 

 
Kernthema war der Brandschutz

Juni 2011: Ansichten der Rampe zum alten Güterbahnhof aus dem Jahr 2011. Fotos: Petra Grünendahl.

„Bei Besprechungen der AG4 haben wir uns sehr zurückgehalten. Das waren Besprechungen von Lopavent mit Polizei, Feuerwehr und Ordnungsamt. Wir haben immer nur nach dem Bauantrag gefragt“, so der 65-Jährige. Erst als der auf Papier vorgelegen habe, habe man in die Prüfung der Unterlagen einsteigen können – und umfangreiche Unterlagen nachgefordert, die der Gesetzgeber für einen solchen Antrag für nötig hielte.

 
Für das Szenarien-Management war ein Gremium aus Polizei, Bundespolizei, Ordnungsamt und Feuerwehr zuständig – ohne die Bauordnung: „Das wäre nichts für uns, hatte man gesagt“, so B., der klar stellte: „Die Kernfrage der Baugenehmigung war der Brandschutz: Wie können Besucher entfluchtet werden? Für den Betrieb auf der Veranstaltungsfläche oder Zuwege im öffentlichen Raum sind wir nicht zuständig!“ Mit der Bauzustandsbesichtigung – Ortstermin war am Nachmittag des 23. Juli – sei das Baugenehmigungsverfahren beendet gewesen.

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (3), Lars Heidrich / Funke Foto Services (1)
 

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Duisburger Stadtrat verabschiedete Haushalt in letzter Sitzung des Jahres

Finanzen für 2020 und 2021 festgezurrt
Von Petra Grünendahl

Diskussionen vor der Sitzung des Stadtrates. Foto: Petra Grünendahl.

„In meinen 20 Jahren im Rat hat es nie einen so guten und ausgewogenen Haushalt gegeben“, lobte SPD-Fraktionschef Bruno Sagurna den von Kämmerer Martin Murrack vorgelegten Haushalt, der mit nur wenigen Änderungswünschen im Duisburger Stadtrat zu Abstimmung anstand. „Die Schwarze Null ist für uns kein Fetisch, sondern ein Ansatz, unsere finanzpolitische Freiheit zurück zu erlangen“, betonte auch Rainer Enzweiler, Vorsitzender der CDU-Ratsfraktion. In den Etatentwürfen für die Jahre 2020 und 2021 hat die Stadtverwaltung Gelder für „freiwillige Leistungen“ einfließen lassen, die durch die Verringerung von Schulden möglich wurden. Mit einer großen Mehrheit im Rücken, die schon die Zusammenarbeit von SPD und CDU sicherte, konnte Oberbürgermeister Sören Link zuversichtlich in die Tagesordnungspunkte der Abstimmung (TOP 2 bis 8) gehen.

 
In seiner letzten Sitzung des Jahres verabschiedete der Rat der Stadt Duisburg mit großer Mehrheit den Haushalt für die beiden kommenden Jahre. Die Stadt hat damit wieder Spiel für Investitionen, die nach Jahre langem Sparen mittlerweile insbesondere in der Infrastruktur – Schulen und Kitas sowie Brücken und Straßen stehen hier ganz oben auf der Liste – dringend benötigt werden. Nachdem dieser Auftakt der Tagesordnung mit allen Etatreden und Zusatzanträgen erst nach über drei Stunden abgehakt war, konnten sich die Ratsleute dann weiteren 84 Tagesordnungspunkten (TOP) im öffentlichen Teil sowie 14 TOP im nichtöffentlichen Teil widmen: Die letzte Ratssitzung des Jahres hat es da erfahrungsgemäß in sich, bevor sich die Ratsleute in die Vorweihnachtszeit verabschieden dürfen.

 

 
Doppelhaushalt schafft finanzielle Freiheiten

Rathaus am Burgplatz. Foto: Petra Grünendahl.

Für das Jahr 2020 plant die Stadt Duisburg mit 1,984 Mrd. Euro Ausgaben bei 1,993 Mrd. Euro Einnahmen (das macht ein Plus von fast 9 Mio. Euro), für 2021 steigt der Etat auf fast 2,005 Mrd. Euro bei Einnahmen von knappen 2,006 Mrd. Euro (plus 1,5 Mio. Euro). Auch die Fortschreibungen der Finanzplanung bis 2024, in denen die Stadt dann ohne Zahlungen aus dem Stärkungspakt Stadtfinanzen auskommen muss, liegen jeweils bei über 1 Mio. Euro in einem Gesamtetat von knapp über 2 Mrd. Euro. Die Berechnungen setzen allerdings voraus, dass die Zinsen niedrig und die wirtschaftliche Entwicklung positiv bleibt.

 
Für eine dauerhafte Lösung des Altschulden-Problems, welches viele Kommunen im Ruhrgebiet umtreibt, braucht es allerdings die Mitarbeit von Bund und Land. Zum einen müssten diese endlich Zahlungsverpflichtungen, die sie auf die Kommunen abwälzen, mit einer ausreichenden Finanzierung ausstatten. Zum Zweiten wäre ein Schuldenschnitt sinnvoll, denn viele dieser Altschulden gehen darauf zurück, dass Bund und Land den Städten Kosten aufgedrückt haben (und immer noch tun), für die die Städte sehen mussten, woher sie das Geld kriegen. Neben Schulden machen haben Städte nämlich wenig Möglichkeiten, ihre Einnahmen zu steigern: Ihre einzigen selbst bestimmten Einnahmen generieren sich aus Grund- und Gewerbesteuern, die wiederum die Wettbewerbsfähigkeit im Umland in Konkurrenz zu den Nachbarstädten beeinträchtigen. Eine Neuordnung der Kommunalfinanzierung wäre dringend nötig!

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Museum DKM in Duisburg zeigt Architektur-Fotografie von Klaus Kinold

Museum DKM in Duisburg zeigt Architektur-Fotografie von Klaus Kinold
Architektur mit den Augen des Fotografen
Von Petra Grünendahl

Architektur-Fotograf Klaus Kinold im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Überwiegend hat Klaus Kinold (*1939 in Essen) die Fotografien der Ausstellung im Museum DKM in Schwarz-Weiß fotografiert. „Nur wo die Farben von Bedeutung waren, habe ich einen Farbfilm benutzt“, erklärte der Fotograf. Der leicht bedeckte Himmel lässt die Farben gedämpft wirken, die Wiesen mit Gänseblümchen und Löwenzahn heben sich damit nicht allzu deutlich von den Grautönen der Umgebung, von Mauern, Wegen und Treppen ab. Die Fotos von Carlo Scarpas „La Tomba Brion“ in San Vito D-Altivole (Provinz Treviso, Italien) seien alle an einem Tag entstanden, so Kinold. Damals wie heute fotografiert der Wahl-Münchener analog: Mittel- und Großformat-Kameras (9×6 cm bzw. 18×24 cm) kommen zum Einsatz, mit einer aufwändigen Entwicklung von Dias und Negativen im eigenen Haus. Die kleinformatigen Bilder (A2) stammten eingescannt vom eigenen Fotodrucker, erzählte der Künstler. Die Großformate lasse er drucken.

 

Stellten die Ausstellung im Pressegespräch vor (v. l.): Dirk Krämer, Klaus Kinold und Klaus Maas. Foto: Petra Grünendahl.

Zusammen mit dem Künstler Klaus Kinold stellten Museumsstifter Klaus Maas und Dirk Krämer im Museum DKM die neue Sonderausstellung vor, die nur der Auftakt zu einer Reihe von Kinolds Archtiektur-Fotografien ist. Der venezianische Architekt Scarpa, den Kinold in den 1980er-Jahren als Motiv entdeckt hatte, hatte der Unternehmerfamilie Brion zwischen 1969 und 1976 auf 2.000 Quadratmetern die Familiengrabstätte „La Tomba Brion“ geschaffen. Das Areal der monumentalen Grabanlage grenzt an den dörflichen Friedhof: Mit Pavillon, Kapelle, Wasserbecken und Wiesen. Ein Ort der Ruhe und Meditation – und ein architektonisches Denkmal. Auf einer Reise im Jahr 1985 lichtete Kinold das Gräber-Denkmal ab: „Die Grabstätte hatte damals schon Patina angesetzt, wie sich Scarpa dies vorgestellt hatte, war aber noch nicht in dem heutigen verfallenen Zustand“, erzählte Kinold. Eine Art „Idealzustand zwischen Fertigstellung und Verfall“ nannte es Hans-Michael Koetzle in einem Aussstellungskatalog zu dieser Ausstellung, die zuvor in der Kleinen Pinakothek in München zu sehen war. Gelungen sind Klaus Kinold damit Zeitaufnahmen, die sich so nicht wiederholen lassen. Die Ausstellung eröffnet am Samstag, 23. November, fürs Publikum.

 

 
Der Künstler Klaus Kinold

Architektur-Fotograf Klaus Kinold. Foto: Petra Grünendahl.

Nach dem Abitur war der in einer streng katholischen Familie aufgewachsene Kinold zunächst zum Studium nach München gegangen, bevor er an der Technischen Hochschule in Karlsruhe bei Egon Eiermann (Stichwort: alte Horten-Fassade) Architektur studierte. Nebenbei begann er mit der Fotografie, so dass er nach seinem Architektur-Diplom 1968 ein Atelier für Architekturfotografie in München eröffnete, wo er bis heute lebt und arbeitet. Er fotografierte für Architekturzeitschriften und Fachbücher. Als Künstler entdeckt hat ihn der Berliner Galerist Rudolf Kicken. Ausgestellt hat Klaus Kinold seine Werke in Einzel- und Gruppenausstellungen weltweit. Einige seiner Werke befinden sich in Museumsbesitz.

 

 
Museum DKM

Architektur-Fotograf Klaus Kinold vor zweien seiner Großformate. Foto: Petra Grünendahl.

Architektur mit dem Auge des Fotografen: Architektur-Fotograf Klaus Kinold im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Neben den Fotografien der Grabstätte im Hauptausstellungsraum sind in angrenzenden Räumen Panoramafotografien von Kinolds Reisen nach Venedig und ins Veneto zu sehen. Die Sonderausstellung ist im Museum DKM bis zum 10. Mai 2020 in den Wechselausstellungsräumen im Anbau zu sehen. Regulär geöffnet hat das private Museum DKM der Stifter Klaus Maas und Dirk Krämer an der Güntherstraße 13-15 im Dellviertel samstags, sonntags und an Feiertagen zwischen 12 und 18 Uhr sowie jeden ersten Freitag im Monat ebenfalls zwischen 12 und 18 Uhr*. Montags bis freitags wird ansonsten nur nach Vereinbarung für Gruppen geöffnet*. Der Eintritt kostet 12 Euro (ermäßigt 6 Euro, für Schüler und Studenten bis 28 Jahre), Kinder bis 7 Jahre haben freien Eintritt. Für Gruppen (zw. 10 und 15 Personen) gibt es einen Gruppentarif (10 Euro pro Person) zzgl. einer (kostenpflichtigen) Führung. Eine Jahreskarte** kostet 100 Euro. Die Teilnahme an der Freitagsführung kostet 6 Euro zusätzlich zum Eintritt. Weitere Infos gibt es hier.

 
*) An folgenden Tagen haben ist grundsätzlich geschlossen: 24. bis 26. Dezember, 31. Dezember und 1. Januar.
**) Nicht übertragbar, berechtigt zum kostenlosen Eintritt während der regulären Öffnungszeiten.

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)
 

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Deutsche Oper am Rhein: Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ begeisterte im Theater Duisburg

Kampf um Macht und Besitz zerstört die alte Weltordnung
Von Petra Grünendahl

Götterdämmerung: Siegfried (Michael Weinius), Brünnhilde (Linda Watson). FOTO: Hans Jörg Michel.

Das Bühnenbild beherrscht ein rostiger Kahn, der den Namen „MS Wodan“ trägt und die alte Weltordnung der Götter symbolisiert, die dem Untergang geweiht ist: Wotans Speer ist zerbrochen, die Weltesche gefällt. Siegfried (Corby Welch) und Brünnhilde (Linda Watson) feiern hier auf dem symbolischen Walkürenfelsen ihre Liebe. Bevor Siegfried zu neuen Heldentaten zieht, tauschen sie Siegfrieds „Ring“ und ihr Pferd „Grane“ als Pfand ihrer Liebe. Siegfried zieht zum Gibichungen-Hof, wo Bösewicht Hagen (Sami Luttinen) seine Halbgeschwister Gunther (Bogdan Baciu) und Gutrune (Sylvia Hamvasi) anstachelt, mit einem Zaubertrank Siegfried an Gutrune zu binden, damit dieser unter seiner Tarnkappe als Gunther Brünnhilde bezwingt.

Götterdämmerung: Hagen (Hans-Peter König), Gunther (Bogdan Baciu). Foto: Hans Jörg Michel.

Hagens Intrige geht auf: Siegfried hat seine Liebesvergangenheit mit Brünnhilde vergessen und „erobert“ die ehemalige Walküre für Gunther. Brünnhilde klagt Siegfried an, als sie mit Gunther als Brautpaar zum Hof zurückkehrt. Siegfrieds „Meineid“ will Brünnhilde rächen: Sie erzählt Hagen von Siegfrieds Schwäche. Hagen verfolgt eigene Ziele, will er doch Siegfrieds Ring zurück, den Hagens Vater Alberich (Stefan Heidemann) geschmiedet hatte und der Macht und Besitz verheißt. Siegfried war immun gegen die Macht des Ringes, so dass Alberichs Fluch an ihm abprallte. Allerdings soll der Ring Siegfried doch den Tod bringen. Ein weiterer Zaubertrank Hagens löst Siegfrieds Gedächtnis, so dass er im Sterben seine Vergangenheit erzählt: Gunther und schließlich Gutrune erfahren die Wahrheit. Brünnhilde reitet mit Grane in Siegfrieds Scheiterhaufen, um mit ihm in den Tod zu gehen, nachdem sie den Ring (und damit das Rheingold) den Rheintöchtern zurück gegeben hat.

 

Götterdämmerung: Gunther (Bogdan Baciu), Brünnhilde (Linda Watson). Foto: Hans Jörg Michel.

Mit der „Götterdämmerung“ aus Richard Wagners Zyklus „Der Ring des Nibelungen“ feierte schließlich die szenische Inszenierung der Deutschen Oper am Rhein ihre viel umjubelte Premiere im Theater Duisburg. Wegen eines Wasserschadens im Theater war die ursprüngliche Aufführung nur konzertant in der Mercatorhalle möglich gewesen. Mit der kompletten Tetralogie, dem „Ring am Rhein“, kam die Inszenierung von Dietrich W. Hilsdorf nun vollständig auf die Duisburger Bühne. Dirigent Axel Kober hatte die Einstudierung von Wagners „Der Ring des Nibelungen“ in der Inszenierung von Dietrich W. Hilsdorf in Düsseldorf und Duisburg initiiert. Kober ist nicht nur Generalmusikdirektor der Deutschen Oper am Rhein sowie der Duisburger Philharmoniker, sondern auch einer der renommiertesten Wagner-Dirigenten, weswegen er einige Male schon für die Bayreuther Festspiele engagiert wurde. An allen vier Opernabenden dirigierte er die hervorragend aufspielenden Duisburger Philharmoniker, die Wagners vielfältige und variantereiche Komposition mit Bravour intonierten.

 

Götterdämmerung: Gutrune (Sylvia Hamvasi), Siegfried (Michael Weinius). FOTO: Hans Jörg Michel.

Dietrich W. Hilsdorfs Interpretation von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ ist militärisch-kriegerisch geprägt, was sich in Bühnenbild-Gestaltung und Kostümen niederschlägt. Das setzten Renate Schmitzer in Kostüme und Dieter Richter in ein Bühnenbild um, welches von Volker Weinhart effektvoll in Szene gesetzt wurde. Die Texte der Opern stammen vom Komponisten: Gesungen wird in deutscher Sprache, deutsche Übertitel erleichtern das Verständnis der Handlung. Die Deutsche Oper am Rhein brachte die Tetralogie innerhalb von sechs Abenden auf die Bühne im Theater Duisburg: Dem zweieinhalbstündigen Vorspiel (ohne Pause) folgten Opernabende von 4¾, 5 und 5½ Stunden (jeweils mit zwei Pausen). In dieser Dichte ist es eine Herausforderung für alle Akteure, die das begeisterte Publikum bei allen Vorstellungen völlig zu Recht mit minutenlangem Pausen- und Schlussapplaus feierte.

 

 
Fantastische Aufführung: Der “Ring am Rhein” als Gesamtwerk

Das Rheingold: Kimberley Boettger-Soller (Wellgunde), Iryna Vakula (Floßhilde), Stefan Heidemann (Alberich), Heidi Elisabeth Meier (Woglinde) FOTO: Hans Jörg Michel.

Nachdem die Rheintöchter (Heidi Elisabeth Meier, Maria Hilmes und Anny Harvey) den Zwergen Alberich (Stefan Heidemann) gedemütigt haben, schwört dieser der Liebe ab und kann das Weltherrschaft „verheißende „Rheingold“ entwenden. Gottvater Wotan (James Rutherford) hat von den Riesen Fafner (Lukasz Konieczny) und Fasolt (Bogdan Talos) Walhall bauen lassen, will nun diesen aber nicht die versprochene Bezahlung – seine Schwägerin Freia (Anna Priceva) – überlassen. Er stielt Alberich das Rheingold samt Ring und Tarnhelm, worauf der Zwerg den Ring verflucht. Anstelle von Freia gibt Wotan den Riesen den Gold-Hort samt Tarnkappe und den verfluchten Ring, der sofort seine Wirkung entfaltet: Fafner erschlägt seine Bruder. Wotan zieht mit seiner Frau Fricka (Katarzyna Kuncio) in Walhall ein, sein Verhalten hat aber die Götterwelt erschüttert.

 

Die Walküre: Daniel Frank (Siegmund), Sarah Ferede (Sieglinde). FOTO: Hans Jörg Michel.

Viele Jahre später setzt die „Walküre“ ein: ein Flüchtender, Siegmund (Michael Weinius), sucht Schutz, welches die Herrin des Hauses, Sieglinde (Sarah Ferede), ihm gewährt. Sie war gegen ihren Willen mit Hunding (Sami Luttinen) verheiratet worden. Sieglinde erkennt in Siegmund den Befreier, den ihr ein Fremder, Wotan (James Rutherford), bei ihrer Hochzeit verheißen hat. Die beiden sind Geschwister, die als Kinder getrennt wurden, ihre Liebe ist Inzest. Hunding verlangt die Bestrafung des Ehebruchs. Wotan bittet seine Tochter, die Walküre Brünnhilde (Linda Watson), Siegfried zu schützen. Fricka, Hüterin von Familie und Ehe, verlangt aber Siegfrieds Tod. Daraufhin befiehlt Wotan seiner Tochter, Hundings Sieg zu sichern. Im Kampf zwischen Siegmund und Hunding zerstört Wotan mit seinem Speer Siegmunds Schwert Nothung. Brünnhilde, die sich Wotans Willen widersetzt hat, flieht mit den Schwertstücken und der schwangeren Sieglinde. Zur Strafe versetzt Wotan Brünnhilde, die Sieglinde allein im Wald zurückgelassen hat, in einen tiefen Schlaf, umgeben von einem Feuerring, den nur ein Held durchschreiten kann, der das Feuer nicht fürchtet.

 

Siegfried: Siegfried (Michael Weinius), Mime (Cornel Frey). FOTO: Hans Jörg Michel.

Sieglindes Sohn „Siegfried“ (Corby Welch) wächst nach dem Tod seiner Mutter beim Zwergen-Schmied Mime (Cornel Frey) auf, Alberichs Bruder. Da der Junge die Furcht nicht kennt, kann er Nothung neu schmieden. Mime will ihn benutzen, den Ring des Nibelungen vom Riesen Fafner zurück zu bekommen. Als Siegfried Fafner besiegt hat, durchschaut er aber die Intrige seines Ziehvaters und erschlägt ihn. Siegfried lässt den Schatz zurück und nimmt nur Ring und Tarnkappe mit sich, ohne deren Bedeutung zu kennen. Auf dem Weg zu Brünnhilde begegnet er seinem Großvater Wotan, der als Wanderer durch die Welt zieht. Mit Nothung zerschlägt der junge Held Wotans Speer und damit die alte Ordnung. Nachdem Durchschreiten des Feuers weckt er Brünnhilde und die beiden feiern ihre Vereinigung: „leuchtende Liebe, lachender Tod“. Letztendlich scheitert jedoch Wagners Held Siegfried an seiner Naivität – „der das Fürchten nicht kennt“ –, was Brünnhilde, die Liebe und Mitgefühl verkörpert gegen Besitz und Macht, als strahlende Heldin in drei der vier Opern umso mehr hervorhebt.

 

Götterdämmerung: Siegfried (Corby Welch) mit dem Ring des Nibelungen. Foto: Hans Jörg Michel.

Obwohl jede der vier Opern natürlich auch für sich alleine völlig zu Recht bestehen kann, bot sich doch mit dem kompletten Ring-Zyklus die Gelegenheit, den „Ring des Nibelungen“ in seiner Gesamtheit zu erleben, ohne die Fäden der einzelnen Handlungsstränge aus den Augen zu verlieren. Viele Zuschauer waren denn auch an allen vier Abenden im Theater Duisburg zu Besuch, um genau dieses zu genießen. Aber vor allem die szenische Premiere von der „Götterdämmerung“ zog natürlich noch einmal etwas mehr Publikum ins dann tatsächlich voll besetzte Theater Duisburg. Die Zuschauer erlebten fantastische Aufführungen, die die Deutsche Oper am Rhein überwiegend und sehr hervorragend aus eigenen Reihen, aber auch ganz gezielt mit großartigen Gastsängern besetzt hatte. Das Publikum lobte dabei aber auch die konzertante Aufführung der „Götterdämmerung“ in der Mercatorhalle, sofern sie diese erlebt hatten, in höchsten Tönen! In dieser Spielzeit in Düsseldorf und in kommenden Spielzeiten in Duisburg werden Besucher wieder die Gelegenheit bekommen, den kompletten „Ring am Rhein“ zu erleben. Auch wenn sich die Aufführungen in der Woche natürlich für die angestellt arbeitende Bevölkerung schwierig gestalten lässt: Es lohnt sich auf jeden Fall!

 

 
Wagner als Revolutionär: Umbruch und Niedergang der alten Ordnung

Das Rheingold: VORNE Katarzyna Kuncio (Fricka), James Rutherford (Wotan) HINTEN Lukasz Konieczny (Fafner). FOTO: Hans Jörg Michel.

Während seiner Zeit als Kapellmeister in Dresden beschäftigte sich Richard Wagner (1813 – 1883) ab 1843 mit deutschen Sagen, der nordischen Edda, der griechischen Mythologie und dem Grals-Mythos. Daraus zog der Dramatiker und Komponist seine Ideen für seine monumentale Tetralogie, die als sein Hauptwerk gilt. Mit Siegfried schuf er den germanischen Helden und freien Menschen, der gegen die alte Weltordnung der Götter kämpfte: Ihre auf Macht und Besitz basierende Welt sollte einer neuen edleren Weltordnung Platz machen. Wagner war ein Anarchist, der die Revolutionen 1848/49 unterstützte und vom Umbruch alter Herrschaftsstrukturen und einem geeinten Deutschland träumte. Noch in Dresden vollendete er 1848 die Dichtung zu „Siegfrieds Tod“, aus der später die „Götterdämmerung“ wurde. Wegen seiner Beteiligung am Dresdner Maiaufstand 1849 floh Richard Wagner in die Schweiz, wo er seine Arbeiten an der Dichtung zum „Ring des Nibelungen“ fortsetzte. Er entwickelte seine Handlung vom Finale aus zurück, weil für den Zuschauer mehr Vorgeschichte nötig war, als er narrativ in der „Götterdämmerung“ verarbeiten konnte. Nach Abschluss der Textarbeiten komponierte Wagner dann ab 1851 die vier Opern vom Rheingold an sukzessive (bis 1874).

 

Die Walküre: Katharina von Bülow (Grimgerde), Simon Neal (Wotan), Katarzyna Kuncio (Waltraute), Evelyn Krahe (Schwertleite), Linda Watson (Brünnhilde), Jessica Stavros (Gerhilde). FOTO: Hans Jörg Michel.

Konzipiert ist das ganze als mehrtägiges Festspiel (drei Tage und ein Vorabend), für das er in Bayreuth ein Festspielhaus bauen wollte. Wagner unterbrach die Arbeiten an seinem Monumentalwerk immer wieder, weil er Geld brauchte: Kleinere Opern entstanden, die ihm finanziell über die Runden halfen, sein Hauptwerk zu vollenden. Allerdings musste sich Wagner schließlich beim „Rheingold“ und der „Walküre“ dem Willen seines Mäzens König Ludwig II. beugen, die fertigen Opern 1869 und 1870 am Nationaltheater München uraufzuführen. Wagner selber schwebte die Aufführung in einem Festspielhaus vor, welches nach seinen Entwürfen 1872 – 1875 in Bayreuth entstand. Dort feierten dann „Siegfried“ und die „Götterdämmerung“ im August 1876 bei der ersten Komplettaufführung des Rings unter der Leitung von Richard Wagner ihre Uraufführungen.

 

 
Ein kleiner Vorgeschmack:

 

 
Weitere Termine:

Götterdämmerung: Gutrune (Sylvia Hamvasi), Siegfried (Michael Weinius), Gunther (Bogdan Baciu), Brünnhilde (Linda Watson), Opernchor und Herren des Extrachors, Statisterie. FOTO: Hans Jörg Michel.

Die Walküre, So | 8. Dezember 2019 | 15 Uhr in Düsseldorf,
Das Rheingold, Sa | 21. Dezember 2019 | 19:30 Uhr in Düsseldorf und
Die Walküre, So | 22. Dezember 2019 | 19:30 Uhr in Düsseldorf.
Den kompletten Ring-Zyklus spielt die Deutsche Oper am Rhein in Düsseldorf vom 7. bis zum 13. April 2020 (innerhalb von sieben Tagen).
Im Theater Duisburg läuft der „Ring am Rhein“ erst in der Spielzeit 2020/21 wieder, bleibt aber im Repertoire für regelmäßige Wiederaufführungen.

 

 

Götterdämmerung: Siegfried (Michael Weinius), Brünnhilde (Linda Watson), Gutrune (Sylvia Hamvasi), Gunther (Bogdan Baciu), Opernchor und Herren des Extrachors. FOTO: Hans Jörg Michel.

Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten in Duisburg zwischen 19.00 und 76,00 Euro, in Düsseldorf ist es mit 27,00 bis 106,00 Euro (21,00 bis 96,00 Euro für „Das Rheingold“) teurer. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Hans Jörg Michel, Mannheim / Deutsche Oper am Rhein

 

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Loveparade-Strafprozess: Sachbearbeiter G. der Duisburger Bauaufsicht sagte aus

Im Fokus der Baugenehmigung stehen Brandschutz und Entfluchtung
Von Petra Grünendahl

Die Rampe zum Loveparade-Gelände nach der Katastrophe. Foto: Petra Grünendahl.

„Zum Bauantrag für eine vorübergehende Nutzungsänderung verlangt der Gesetzgeber für Veranstaltungen über 5.000 Besucher, dass ein Sicherheitskonzept vorgelegt wird“, erklärte der Zeuge G. Baugenehmigungen für eine vorübergehende Nutzungsänderung für Veranstaltungen bearbeite er häufiger, erzählte der Zeuge: „Es sind auch schon mal Großveranstaltungen dabei gewesen mit maximal 4.200 Besuchern in der Kraftzentrale im Landschaftspark Nord oder ein Open-Air-Konzert mit 26.000 Besuchern.“ Aber, so der Zeuge: „Ich genehmige keine Großveranstaltung!“ Eine vorübergehende Nutzungsänderung sei ein Bauantrag wie viele andere auch – und die „Bauherren“ von Lopavent seien da nicht weniger uneinsichtig gewesen als andere: „Die wollen ihr Konzept durch kriegen.“ Sehr lange, so erzählt auch Zeuge G., hätte sich Veranstalter Lopavent und deren Rechtsanwalt gegen den geforderten Bauantrag gewehrt: „Wir bauen doch gar nicht“, hieß es immer. Als dann doch endlich Anfang Juni ein formeller Bauantrag vorlag, war die Liste der Nachforderungen lang: „Lopavent beantragte eine Fristverlängerung, die wir dann auch gewährt haben.“

 

Der Vorstizende Richter Mario Plein (mitte) mit zwei beisitzenden Richtern beim Loveparade-Strafprozess im Gerichtssaal im Congress Center Düsseldorf. Foto: Lars Heidrich / Funke Foto Services.

Als Zeugen hatte die 6. große Strafkammer des Landgerichts Duisburg einen Sachbearbeiter der Unteren Bauaufsicht im Amt für Baurecht und Bauberatung der Stadt Duisburg geladen, der für die Bearbeitung der Baugenehmigung mit zuständig war. Der heute 57-jährige Bauingenieur hatte bis Jahresanfang zu den Angeklagten gehört. Gegen ihn war das Verfahren aber – wie gegen alle damaligen Mitarbeiter der Stadt sowie einen ehemaligen Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent – ohne Auflagen eingestellt worden. Gegen drei Angeklagte wird wegen fahrlässiger Tötung in 21 Fällen und fahrlässiger Körperverletzung weiter verhandelt: Sie waren damals als Mitarbeiter der Lopavent GmbH an den Planungen des Events beteiligt. Der Vorsitzende Richter Mario Plein ließ den Zeugen zunächst erzählen, welche Rolle er im Genehmigungsverfahren spielte, bevor er ihm aus Schriftstücken, Ermittlungsakten sowie Aussagen anderer Zeugen Sachverhalte vor hielt.

 
Gesetzgeber regelt Auflagen für Bauantrag

August 2011: Ansichten der Rampe zum alten Güterbahnhof aus dem Jahr 2011. Fotos: Petra Grünendahl.

Kernpunkt der Diskussionen mit dem Veranstalter seien ein Brandschutzkonzept mit ausreichenden Breiten an Rettungswegen zur Entfluchtung des Party-Geländes gewesen, erzählte der Bauingenieur, der in seinem Sachgebiet Sonderbauten auch Bauanträge für eine vorübergehende Nutzungsänderung bearbeitet und – wenn alle gesetzlichen Auflagen erfüllt sind – genehmigt. Hier habe Lopavent Zugeständnisse verlangt, die mit der Bauaufsicht nicht zu machen waren, wie der Zeuge erklärte. Brandschutz und Rettungswege seien Kernpunkte dessen, was der Gesetzgeber für eine vorübergehende Nutzungsänderung als Versammlungsstätte verlange, sagte der Zeuge. Zur Klärung über ausreichende Rettungswege wurde schließlich von der Firma TraffGo eine Entfluchtungsanalyse erstellt, die Prof. Michael Schreckenberg dann im Auftrag der Stadt begutachtet hatte. Solche Gutachten ebenso wie eine Überprüfung der Statik – beim verdichteten Untergrund ebenso wie bei der Standfestigkeit der Zäune – kann die Bauordnung nicht selber überprüfen. Dafür werden externe Gutachter mit dem entsprechenden Fachwissen geholt.

 
Gleiches gelte für das Sicherheitskonzept, hob der 57-Jährige, der seit 1990 im Bauamt der Stadt Duisburg arbeitet, hervor: „Wir brauchen für die Genehmigung des Bauantrages ein Sicherheitskonzept: keinen Entwurf, sondern in finales Konzept. Wir müssen aber nur wissen, dass es eins gibt, welches mit den Sicherheitsbehörden abgestimmt wurde, und dass es inhaltlich nicht baurechtlichen Anforderungen entgegen steht.“ Eine fachliche Überprüfung ist nicht Sache der Bauordnung, die über keinerlei Kompetenzen in der Veranstaltungsplanung verfügt: „Der Veranstalter führt in seinem Konzept Maßnahmen zur gezielten Steuerung von Besucherströmen auf, die wir nicht überprüfen können.“ Welche Auflagen für die Genehmigung des Bauantrags erfüllt werden müssen, hat der Gesetzgeber – hier das Land NRW – in der Sonderbau-Verordnung geregelt: „Wir haben beispielsweise die Installation von Vereinzelungsanlagen und Maßnahmen zur Besucherzählung vorgeschrieben, sind aber fachlich nicht dafür zuständig, was wo und wie aufgestellt werden.“

 
“Wir haben keine Großveranstaltung genehmigt“

Die neu gestaltete Gedenkstätte für die Opfer der Loveparade 2010 ist fertig: Püntlich kurz vor dem dritten Jahrestag. Foto: Petra Grünendahl.

Die Zuständigkeit der Bauaufsicht habe sich rein auf das Veranstaltungsgelände bezogen: „Unsere baurechtliche Zuständigkeit endet an den Grenzen des Veranstaltungsgeländes, welches der Bauherr in seinem Antrag festlegt.“ Das Veranstaltungsgelände ging bis zum unteren Ende der Rampe: dahinter – ab dem Bürgersteig – begann der öffentliche Raum. An der Arbeitsgruppe 4 (AG4 Sicherheit) durfte die Bauaufsicht ab der dritten Sitzung teilnehmen, bei einem „Szenarien-Workshop“ allerdings nicht. Die Bauaufsicht habe an diesen Sitzungen der AG4 nur zuhören sollen, ob baurechtlich relevante Dinge besprochen wurden. Nachfragen eines Mitarbeiters der Bauordnung nach der „Tunnelproblematik“ – also den Zuwegen zum Gelände – wurden abgebügelt. „Unser Thema war die Entfluchtungsproblematik, die in der Sonderbau-Verordnung verlangt wird“, betonte der Zeuge noch einmal die Prioritäten des Gesetzgebers.

 
Bei einem Ortstermin auf dem alten Güterbahnhofsgelände am Vortag der Loveparade (23. Juli 2010) händigten die Mitarbeiter die Baugenehmigung aus, stellten aber noch ein paar leichte Mängel fest, die bis abends beseitigt werden sollten. Das waren sie auch bis zum abendlichen Kontrollgang: „Allerdings gab es dann neue Mängel, die bis zum nächsten Vormittag behoben werden sollten. Der Ordnungsamtsleiter hatte sich bereit erklärt, dies am nächsten Tag zu überprüfen, – und damit war unsere Aufgabe erledigt.“

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (3), Lars Heidrich / Funke Foto Services (1)
 

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Nachruf: Duisburgs Alt-Oberbürgermeister Josef Krings (1926 – 2019)

Er wird fehlen!
Von Petra Grünendahl

Duisburgs Alt-Oberbürgermeister Josef Krings im Dezember 2011 bei einer Pressekonferenz des Abwahl-Bündnisses. Foto: Petra Grünendahl.

Mit dem Mopped ist „Jupp“ Krings damals von seiner Realschule zum Arbeitskampf streikender Stahlarbeiter auf die „Brücke der Solidarität“ gefahren. In Mülheim-Broich war der ehrenamtlich tätige Duisburger Oberbürgermeister (1975 – 1997) Lehrer für Deutsch und Geschichte sowie Direktor gewesen als die Stahlarbeiter in Rheinhausen um den Erhalt des Hüttenwerkes kämpften. Die Arbeitsplätze waren dem Sozialdemokraten – wie soziale Belange überhaupt – sehr wichtig. Einen gewaltigen Strukturwandel weg von Kohle und Stahl galt es in der Montan-Stadt zu bewältigen, der bis heute noch nicht ganz abgeschlossen ist. Den Umbau des Duisburger Hafens trieb Krings frühzeitig mit an. Daneben setzte er sich aber auch für die Kultur ein: Die Gründung der Duisburger Universität (heute: Universität Duisburg-Essen UDE) lag ihm ebenso am Herzen wie die Deutsche Oper am Rhein, wo er lange im Verwaltungsrat tätig war. Der Duisburger Alt-OB machte Politik für den Menschen: Im Stadtrat, im Landtag, als Oberbürgermeister und darüber hinaus als moralische Instanz seiner Partei und der Stadt. Seine Politik machte er für die Menschen in Duisburg, das lag ihm am Herzen.

 
Alt-Oberbürgermeister Josef „Jupp“ Krings (*21. Oktober 1926) starb jetzt im Alter von 93 Jahren. In seinen 22 Jahren als Oberbürgermeister prägte er unsere Stadt nachhaltig und blickte dabei auch immer über Duisburg hinaus. Auch als er mit 70 Jahren aus dem Amt des Oberbürgermeisters ausschied, blieb Krings in der Öffentlichkeit und den Geschicken Duisburgs verbunden: Nach der Loveparade-Katastrophe war er den Duisburgern die versöhnliche Stimme, die sie aus dem Rathaus nicht hörten. Zahlreiche Ehrungen waren ihm im Laufe der Jahre nicht nur in Duisburg zuteil geworden. Dazu zählten unter anderem der Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen, der Bürgerpreis des Wanheimerorter Bürgervereins von 1874 e. V. oder das Bürgerehrenwappen des Verbandes Duisburger Bürgervereine e. V. Die UDE ernannte ihn zum Ehrensenator, die Deutsche Oper am Rhein zum Ehrenmitglied und die Duisburger Prinzengarde zum Ehrenoffizier, was Josef Krings’ vielfältiges Engagement in unserer Stadt, aber auch seine Anerkennung in der Stadtgesellschaft eindruckvoll widerspiegelt. Eine Duisburger „Institution“ ist gegangen: Er wird uns fehlen!

 

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text und Foto)
 

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Der Struwwelpeter: Comic-Kunst in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen

Von den Kindergeschichten zum Lehrstück
– auch für Erwachsene

Von Petra Grünendahl

Der bekannte Struwwelpeter. © Heinrich Hoffmann.

Den Struwwelpeter kennt man aus seinen Kindertagen. Auch mit Paulinchen, dem Suppenkasper, Zappel-Philipp oder Hanns Guck-in-die-Luft sind Kinder hierzulande groß geworden. Der Arzt Dr. Heinrich Hoffmann hatte die Geschichten 1844 für seine Kinder als Erziehungslektüre zu Papier gebracht, da ihm die zeitgenössische Literatur der Biedermeierzeit nicht zur Kindererziehung förderlich schien. Zum erstmals überhaupt erzählte hier ein Bilderbuch Geschichten gezielt für Kinder. Außerdem nutzte Hoffmann eine neue reduzierte und karikierende Bildsprache, die sich von den biedermeierlichen Sehgewohnheiten stark abhob. Mit seinem erzählenden Bilderbuch erschuf er ein Werk, das seine Leser bis heute fasziniert und zugleich erschaudern lässt. Das Buch von Heinrich Hoffmann inspiriert seit 175 Jahren Künstler zu eigenen Varianten dieses Klassikers, der unter dem Stichwort der schwarzen Pädagogik mitunter auch kritisch gesehen wurde.

 

Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Schloss Oberhausen vom Gasometer aus. Foto: Ludwiggalerie.

Was aus dem Urstruwwelpeter wurde und was DarthVader oder MarkTwain damit zu tun haben, können Besucher in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen unter dem Titel „Zwischen Faszination und Kinderschreck von Hoffmann bis Böhmermann“ entdecken. Überall lassen sich der Struwwelpeter, aber auch Paulinchen, Konrad, Hanns und Friederich wiederfinden – mal auf den ersten Blick, mal nach intensiver Betrachtung. Die Bildthemen sind bis heute hochaktuell und teilweise politisch. Das ist zum Beispiel Hoffmanns „Geschichte von den schwarzen Buben“, in der der große Nikolas die fremdenfeindlichen Buben zur Strafe in ein großes Tintenfass taucht. 2013 thematisiert Luise Bofinger den in dieser Geschichte dargestellten Rassismus eindringlich und mit unmissverständlicher Botschaft. Auch Manfred Boringer, Anke Kuhl, David Füleki oder Hans Witte haben Hoffmanns Geschichte neu gestaltet und modern interpretiert. Mehr als 200 Zeichnungen, Illustrationen, Gemälde, Bücher und Objekte unter anderem aus der facettenreichen und internationalen Sammlung Sauer veranschaulichen die Geschichte und Entwicklung des Themas.

 

 
Eintritt und Öffnungszeiten

Plakat zur Ausstellung mit den Variationen des Struwwelpeter und anderer Geschichten von Heinrich Hoffmann. Grafik: Ludwiggalerie.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 12. Januar 2020. Die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen ist eines der zwanzig RuhrKunstMuseen. Das Museum an der Konrad-Adenauer-Allee 46 in 46049 Oberhausen ist dienstags bis sonntags zwischen 11 und 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 8 Euro (ermäßigt 4 Euro), Familien (zwei Erwachsene plus Kinder) zahlen 12 Euro. Öffentliche Führungen gibt es an Sonn- und Feiertagen um 11.30 Uhr. Zur Ausstellung ist ein Katalog im Kerber Verlag erschienen, herausgegeben von den Kuratorinnen Linda Schmitz und Christine Vogt (128 Seiten, 29,80 Euro). Nähere Informationen zu dem die Ausstellung begleitenden museumspädagogischen Angebot und zum Rahmenprogramm gibt es unter www.ludwiggalerie.de.

 

 
Simon Schwartz erzählt Geschichte(n) in starken Bildern

Cover zu „drüben!“, Gedruckte Fassung. © Simon Schwartz.

Im Kleinen Schloss zeigt die Ludwiggalerie bis zum 19. Januar 2020 die Ausstellung „Simon Schwartz – Geschichtsbilder. Comics & GraphicNovels“. Sein Debüt „drüben!“ mit der autobiografischen Erzählung der Ausreise seiner Eltern aus der DDR 1984 hat Simon Schwartz (*5. Oktober 1982) bekannt gemacht. Danach hat er sich auch anderen historischen Themen gewidmet, Hintergründe recherchiert und diese zeichnerisch erkundet und zu Geschichten aufgearbeitet. Mit seiner Bildererzählung zum Fall der Mauer und der Wende griff Schwartz noch einmal seine familiären Wurzeln auf. Seine „Geschichtsbilder“ leben von eindringlicher Sprache und eindrücklichen Bildern. Schwartz gehört zu den wichtigsten Zeichnern und Autoren seiner Generation. Geschichten mit historischem Hintergrund gehören ebenso zu seinen Spezialitäten wie das Erzählen auf einer Seite. Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Kunstmuseum in Erfurt, dem Geburtsort von Simon Schwartz. Zu erreichen ist das Kleine Schloss über den Zugang im Museums-Shop. Der Eintritt ist frei. Auch hier ist zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen: Im avant-verlag mit Texten von Andreas Platthaus, Christine Vogt und Jochen Voit (136 Seiten, 29,00 Euro).

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (1), Ludwiggalerie (1).
Grafiken: Ludwiggalerie.

 

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MKM Museum Küppersmühle zeigt „Farbe absolut“: Katharina Grosse X Gotthard Graubner

Gegensätzlichkeit von Farben:
Von Meditation und Temperatment

Von Petra Grünendahl

Farbe absolut: Kathrina Grosse (l.) und Gotthard Graubner (r.) im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.

Wie behäbige Farbkörper wirken die aufgepolsterten Leinwand-Malereien von Gotthard Graubner (1930-2013): Mit ihrem Verzicht auf Gegenständlichkeit strahlen sie Ruhe und Gelassenheit aus. Völlig anders verhalten sich die eruptiven Farblandschaften von Katharina Grosse (*1961). Der Zuschauer ist gefordert, jede Komposition in ihrer einzigartigen Aussage wahrzunehmen, dabei aber auch den Dialog der fast gegensätzlichen Stile zu erfassen. Die Körperlosigkeit und Transparenz von Katharina Grosses Farben strotzenden Werken verdeutlicht ganz besonders das größte Exponat der Schau: eine fast 17 Meter breite Tuch-Installation, die an der Decke mit Abstand von der Wand angebracht wurde, damit der Betrachter „hinter die Kulissen“ des bis weit auf den Boden ausgebreiteten Werks schauen kann.

 

Im Pressegespräch stellten (v. l.) Katharina Grosse, Museumsdirketor Prof. Dr. h. c. Walter Smerling und Kuratorin Dr. Eva Schmidt die Ausstellung „Farbe absolut“ im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst vor. Foto: Petra Grünendahl.

Im Museum Küppersmühle für Moderne Kunst stellte Museumsdirektor Walter Smerling im Pressegespräch zusammen mit der Kuratorin Dr. Eva Schmidt und der Künstlerin Katharina Grosse die Doppel-Werkschau vor: „Farbe absolut“ zeigt Werke der Künstler Katharina Grosse und Gotthard Graubner. Katharina Grosse ist im Ruhrgebiet aufgewachsen, hat unter anderem an der Kunstakademie Düsseldorf bei Gotthard Graubner studiert und sich mit seinen Arbeiten auseinander gesetzt. Heute lehrt Grosse selber in Düsseldorf, lebt und arbeitet aber überwiegend in Berlin. Im Eingangsbereich stehen sich noch die eher kleinformatigen Frühwerke der beiden Künstler gegenüber, bevor es zu den reiferen Werken in größere Dimensionen übergeht. Vor allem diese Großformate kommen in den hohen und großzügig dimensionierten Ausstellungshallen besonders gut zur Geltung.

 

 
Exemplarische Gegenüberstellungen

Farbe absolut: Gotthard Graubner im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.

Die üppigen Farben sind gemeinsame Grundlage, die der Ausstellung ihren Namen – „Farbe absolut“ – gegeben haben. Daraus haben beide Künstler eine eigene Sprache und Formen der Darstellung entwickelt, die sich in den Sälen des Wechselausstellungsbereichs im Dialog gegenüber stehen. „Die Werke laden sich gegenseitig auf“, beschrieb Museumsdirektor Smerling seinen Eindruck. „Sie kommunizieren miteinander.“ Katharina Grosse beschrieb ihre Auseinandersetzung mit Farbe so: „Sie ist Material und Wert zugleich.“ Wofür es im Deutschen nur einen Begriff gebe, unterscheide man im Englischen „paint“ und „color“. Zum mehrmaligen Ansehen eigne sich die Werkschau mit ihrem Dialog von Künstlerpositionen ganz besonders, merkte Walter Smerling an: „Ich gehe seit zehn Tagen täglich hier durch und finde immer wieder etwas Neues.“

Farbe absolut: Katharina Grosse im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.

Die Ausstellung „Farbe absolut“ der Stiftung für Kunst und Kultur e. V. (Träger des Museums) unterstützt als Hauptsponsor die National-Bank AG. Zur Ausstellung ist ein umfassender, reich bebilderter Katalog erschienen, mit einem Essay von der Kuratorin Dr. Eva Schmidt und einem Gespräch mit Katharina Grosse (geführt von Corinne Diserens). Der 152-seitige Band (Winand Verlag Köln) ist als Museumsausgabe für 30 Euro zu haben. Zu beziehen ist er außer an der Museumskasse auch im lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-86832-541-6).

Impressionen aus der Ausstellung „Farbe absolut“. Fotos: Petra Grünendahl

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Museum Küppersmühle:
Duisburger haben donnerstags freien Eintritt

Farbe absolut: Katharina Grosse im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.

Die Ausstellung „Farbe absolut“ mit Werken von Katahrina Grosse und Gotthard Graubner ist bis zum 26. Januar 2020 in den Erdgeschossräumen des Museums zu sehen. Das Museum Küppersmühle findet man im Innenhafen am Philosophenweg 55 (Haupteingang). Mittwochs ist das Museum von 14 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis sonntags sowie feiertags von 11 bis 18 Uhr. Montags und dienstags ist Ruhetag. Der Eintritt kostet nur für die Wechselausstellungen 6 Euro, für das gesamte Haus (inkl. Wechselausstellung) 9 Euro. Ermäßigt sowie bei Gruppen ab 10 Personen zahlt man pro Person 4,50 Euro, Kinder und Schüler über sechs Jahren zahlen 2 Euro. Kinder unter sechs Jahren haben freien Eintritt, ebenso donnerstags alle Duisburger (gegen Vorlage des Personalausweises). Das MKM ist Partner der Ruhrkultur.Card und des DB Bonusprogramms. Alle Ausstellungsräume des Museums sind auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich. Offene Führungen durch die Sammlung sowie durch laufende Ausstellungen gibt es jeden Sonntag um 15 Uhr, aber auch nach Vereinbarung. Zur Ausstellung wird es wieder ein reichhaltiges Begleitprogramm geben. Informationen gibt es unter http://www.museum-kueppersmuehle.de). Fortgeführt wird in diesem Rahmen auch das Format „Kunst trifft …“ mit einem Termin am 15. November (mit Katharina Grosse) sowie einem im Januar.

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)
 

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Loveparade-Strafprozess: Sachgebietsleiter der Duisburger Bauaufsicht sagte aus

Zuwegsproblematik: Besucherströme kein Teil der Baugenehmigung
Von Petra Grünendahl

Aus Platzgründen findet das Strafverfahren gegen vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent und sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg im CongressCenter der Messe Düsseldorf (CCD) statt. Foto: Petra Grünendahl.

„Anfang Februar 2010 stand das Gelände des alten Güterbahnhofs als Veranstaltungsfläche fest. Ab März wurden wir dann in die schon lange laufenden Planungen einbezogen, weil der eingezäunte Veranstaltungsbereich eine Baugenehmigung erforderte“, erzählte der Zeuge J. „Unsere Forderung nach einem Bauantrag war vom Veranstalter bzw. deren Anwälten immer wieder abgewehrt worden: ‚Wir bauen doch gar nicht’, sagten sie.“ Und: „Wir werden Anregungen in die Besprechungen rein gegeben haben, konnten aber ohne Bauantrag noch nichts tun“, meinte J. Ende April habe er das erste Mal an einer Arbeitsgruppensitzung teilgenommen, wo er erwartete Besucherzahlen infrage gestellt habe: „Ich habe angemerkt, dass wir in der Baugenehmigung Obergrenze für Besucherzahlen festlegen müssen.“ Damals waren – mit zwei Personen je Quadratmeter – rund 180.000 Besucher gleichzeitig im Gespräch. Erst Anfang Juni habe dann ein Bauantrag vorgelegen, dessen Eingang mit umfangreichen Nachforderungen für Unterlagen an den Bauherren, Loveparade-Veranstalter Lopavent GmbH, bestätigt wurde.

 

Der Vorstizende Richter Mario Plein (mitte) mit zwei beisitzenden Richtern beim Loveparade-Strafprozess im Gerichtssaal im Congress Center Düsseldorf. Foto: Lars Heidrich / Funke Foto Services.

Als Zeugen hatte die 6. große Strafkammer des Landgerichts Duisburg den Sachgebietsleiter der Unteren Bauaufsicht im Amt für Baurecht und Bauberatung der Stadt Duisburg geladen, der für die Bearbeitung des Genehmigungsverfahrens zuständig war. Der heute 57-jährige Technische Angestellte hatte bis Jahresanfang zu den Angeklagten gehört. Gegen ihn war das Verfahren aber – wie gegen alle damaligen Mitarbeiter der Stadt sowie einen ehemaligen Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent – ohne Auflagen eingestellt worden. Gegen drei Angeklagte wird wegen fahrlässiger Tötung in 21 Fällen und fahrlässiger Körperverletzung weiter verhandelt: Sie waren damals als Mitarbeiter der Lopavent GmbH an den Planungen des Events beteiligt. Der Vorsitzende Richter Mario Plein ließ den Zeugen zunächst erzählen, welche Rolle er im Genehmigungsverfahren spielte, bevor er ihm aus Schriftstücken, Ermittlungsakten sowie Aussagen anderer Zeugen Sachverhalte vor hielt.

 
Spätem Bauantrag mussten umfangreiche Unterlagen nachgereicht werden

Achter Jahrestag der Loveparade-Katastrophe: Nacht der 1.000 Lichter an der Gedenkstätte. Foto: Petra Grünendahl.

Nachdem die Loveparade 2010 in Duisburg auf einem eingezäunten Privatgelände stattfinden sollte, war statt einer ordnungsrechtlichen Verfügung (Veranstaltungsgenehmigung) eine Baugenehmigung nötig. Die Bauaufsicht wurde dafür erst spät in die schon seit vielen Monaten laufenden Veranstaltungsplanungen einbezogen. Wobei „einbezogen“ – wenn man den bisherigen Aussagen von Mitarbeitern des Bauordnungsamtes glauben darf – nicht das richtige Wort ist: Man erwartete von ihnen eine Genehmigung, ohne dass man sich klar war, was die Bauordnung zu prüfen hatte. „Die Versammlungsstätten-Verordnung ist nicht auf Großveranstaltungen ausgerichtet, konnte also nicht 1:1 umgesetzt werden“, so Zeuge J. Zumal er einräumte, dass die Auflagen für Veranstalter dann unerfüllbar seien. Die Verordnung beziehe sich auf Räume und wäre auch von daher im Freien nicht umzusetzen: Sprinkleranlagen nannte er als Beispiel. Die vom Gesetzgeber geforderte Fluchtwegbreite sollte deshalb im Freien durch eine Entfluchtungsanalyse ersetzt werden, so J.

Genehmigt wurde die Nutzungsänderung des Partygeländes, ohne die dort keine Veranstaltung hätte stattfinden dürfen. Besagte Genehmigung war, wie auch J. in seinen Aussagen immer wieder deutlich machte, eine Baugenehmigung. Dafür gibt es in Land NRW die Versammlungsstättenverordnung*, nach der der Bauantrag genehmigt werden muss, wenn die vom Gesetzgeber geforderten Auflagen erfüllt sind. Zu diesen Auflagen zählen zum Beispiel die Beschaffenheit des Untergrundes, der von den Besuchern gefahrlos zu nutzen sein muss, eine Obergrenze für Besucher sowie Fluchtwege (Brandschutzkonzept). „Das Bauordnungsamt plant keine Veranstaltung!“, machte auch J. im Zeugenstand deutlich. Und: „Besucherströme gehören nicht zur Baugenehmigung“, erklärte J. Das gelte für die Zuwege zum Gelände ebenso wie Bewegungen auf dem Gelände: „Das war Sache des Veranstalters, der uns erklärte wie auf dem Gelände die Besuchersteuerung laufen sollte.“

Die baugenehmigungspflichtige Fläche habe unten an der Rampe begonnen: „Das legt der Veranstalter in seinem Bauantrag so fest“, so der Zeuge. Laut Landesbauordnung seien öffentliche Straßen keine Zuständigkeit der Bauordnung, merkte er an. Eine einzige vom Gesetzgeber vorgesehene Verfügung ging über das Veranstaltungsgelände hinaus. Wegen der Besucherobergrenze, so erzählte J., habe man die Zählung der Besucher verlangt: „Der Veranstalter sollte uns zusichern, dass er zählt. Das war nötig, um das Gelände bei zu vielen Besuchern vorübergehend schließen zu können.“ Letztendlich wollten wohl Veranstalter, Ordnungsamt und Polizei zählen.

 
Bauaufsicht sollte nur genehmignen

August 2011: Ansichten der Rampe zum alten Güterbahnhof aus dem Jahr 2011. Fotos: Petra Grünendahl.

So sehr man sich unter der Koordination des Ordnungsdezernats in den Arbeitsgruppen mit Sicherheitskräften, Ordnungsamt und Veranstalter um eine Verzahnung der sicherheitsrelevanten Akteure bemühte: Die Bauaufsicht blieb weitgehend außen vor. Als der Gutachter Prof. Schreckenberg auf die Tunnelproblematik** hingewiesen habe, hätte ihn vielmehr der damalige stellvertretende Feuerwehrchef auf seine Nachfrage zurechtgewiesen, er solle sich nur um seine Zuständigkeiten kümmern, gab der Zeuge zur Kenntnis.

 
Die Baugenehmigung habe er am Nachmittag des 23. Juli bei einer Begehung des Geländes ausgehändigt, erzählte J. Letzte kleinere Mängel hätten bis abends beseitigt sein sollen: „Der Veranstalter hat sich das sehr bemüht, die Mängel zu beheben“, so der Zeuge. Was trotzdem noch beanstandet wurde, sollte bis Samstagmorgen behoben sein. Ordnungsamtsleiter Bölling wollte dies am Morgen noch einmal überprüfen. Die Arbeit des Bauordnungsamtes war mit Aushändigung der Baugenehmigung abgeschlossen.

*) Sonderbauverordnung Teil I: Versammlungsstätten
**) Die „Tunnelproblematik“ war auch nicht Teil von Schreckenbergs Gutachten, hatte dieser doch nur die Entfluchtungsanalyse zu begutachten.

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (3), Lars Heidrich / Funke Foto Services (1)

 

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Weiße Riesen in Homberg-Hochheide: Bürgerbeteiligung zur Planung der freiwerdenden Flächen

Der Weiße Riese fällt durch die Sprengung in sich zusammen. Foto: Petra Grünendahl.

Der erste Weiße Riese wurde im März 2019 gesprengt. Zwei weitere Hochhäuser werden noch folgen. Die im Zuge der Rückbauarbeiten freiwerdenden Flächen werden als parkähnliche Grünflächen ausgebaut, um die Aufenthaltsqualität im Quartier zu erhöhen. Zusammen mit den Bürgern und der Politik sollen Leitbilder sowie funktionale und gestalterische Ziele für die Entwicklung des gesamten Plangebietes entwickelt werden. Im Rahmen unterschiedlichster Beteiligungsangebote wird den Bürgern die Möglichkeit gegeben, ihre Wünsche und Anregungen in den Planungsprozess einzubringen. Besonderes Augenmerk liegt auf den Bereichen „Neuer Quartierspark“, „Ladenstadt“, Moerser- und Kirchstraße. Darüber hinaus können auch Vorschläge für die Namenswahl der neu geplanten Parkanlage eingereicht werden.

Die Reste des gesprengten Weißen Riesen in Homberg-Hochheide. Foto: Petra Grünendahl.

Bürger sind dazu eingeladen, am Dienstag, 29. Oktober, von 16.30 bis 18.30 Uhr und am Mittwoch, 30. Oktober, von 10 bis 12 Uhr an Spaziergängen durch das Quartier teilzunehmen. Treffpunkt ist das Quartiersbüro Hochheide auf der Moerser Straße 245. Das mit der Erstellung des Rahmenplans beauftragte Büro KRAFT.RAUM. wird gemeinsam mit den Teilnehmern durch das Quartier gehen und Anregungen sowie Vorschläge entgegennehmen. Die Spaziergänge führen durch den gesamten Betrachtungsbereich des Rahmenplans. Ferner besteht die Möglichkeit, sich morgen und am Samstag, 26. Oktober von 8 bis 13 Uhr am Informationsstand auf dem Wochenmarkt in Hochheide zur Planung zu erkundigen und Anregungen und Wünsche zu äußern.

Auf der Internetseite www.duisburg.de/weisseriesen besteht zudem von Donnerstag, 31. Oktober bis Donnerstag, 14. November, die Möglichkeit, an einer Online-Befragung teilzunehmen und Ideen sowie Vorschläge für die Neugestaltung der Freianlagen im gesamten Quartier einzureichen. Die Online-Beteiligung ist auch auf Englisch verfügbar.

Darüber hinaus steht das Quartiersbüro Hochheide zu den Öffnungszeiten (Dienstag 14 bis 16 Uhr, Mittwoch 9 bis 12 Uhr, Donnerstag 16 bis 18 Uhr) zur Verfügung. Die eingebrachten Anregungen und Wünsche werden in einer Ergebnispräsentation zusammengefasst, die im Quartiersbüro Hochheide bis Ende November 2019 ausgestellt wird.
Stadt Duisburg
Fotos: Petra Grünendahl

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Mit dem Geleucht zum Geleucht auf der Halde Rheinpreußen in Moers

Ein kleiner Ausflug … Fotos: Petra Grünendahl

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© 2019 Petra Grünendahl
 

 

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Niederrheinische IHK stellt Ruhrlagebericht vor: Konjunkturhimmel herbstlich trüb

Ruhr-IHKs fordern deutliche Impulse bei Regionalplan und Ruhrkonferenz
Von Petra Grünendahl

Stellten den aktuellen Konjunkturbericht zur Lage der Ruhrwirtschaft vor (v. l.): Stefan Schreiber, Burkhard Landers, Veronika Lühl und Dr. Stefan Dietzfelbinger. Foto: Petra Grünendahl.

„Handelsbeschränkungen und Protektionismus sind Gift für die Wirtschaft“, erklärte Burkhard Landers, Präsident der Niederrheinischen IHK. Das gelte auch für Erwartungen für die künftige Entwicklung, die der Brexit ebenso dämpfen wie die US-Handelssanktionen. „Die schwachen Exporterwartungen schlagen bei der Industrie besonders negativ zu Buche“, ergänzte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Stefan Dietzfelbinger. Bereits im Abschwung seien Metall- und Maschinenbau. Auch Chemie- und Pharmaunternehmen blickten mit Sorge in die Zukunft. Gut laufe es hingegen noch bei der Bauindustrie: Öffentliche Aufträge zur Sanierung der Infrastruktur ebenso wie das niedrige Zinsniveau machen vieles möglich. „38 Prozent der Unternehmen beschreiben ihre Geschäfts als ‚gut’“, so Landers. Das seien aber deutlich weniger als zu Jahresbeginn (48 Prozent). Der Konjunkturklimaindex der Ruhr-IHKs sank von 126 auf 110 Punkte. Angesichts einer vergleichsweise guten Beschäftigungslage profitieren immerhin Handel und Dienstleistungen noch von der Kauflaune der Konsumenten. Hier halten sich Optimisten und Pessimisten (noch) die Waage.

 
Den Konjunkturbericht „Lage der Ruhrwirtschaft“ stellte die in diesem Jahr federführende Niederrheinsche IHK im Pressegespräch vor: Zusammen mit Burkhard Landers und Dr. Stefan Dietzfelbinger standen Stefan Schreiber, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Dortmund (federführende IHK 2018) und Veronika Lühl, stv. Hauptgeschäftsführerin der IHK für Essen, Mülheim, Oberhausen (federführende IHK 2020), Rede und Antwort. An der Umfrage, die jeweils zum Jahresbeginn und im Herbst stattfindet, beteiligten sich rund 1.000 Unternehmen im ganzen Ruhrgebiet mit ca. 110.000 Beschäftigten.

 
Infrastrukturmaßnahmen dauern zu lange

Hauptgeschäftsführer Dr. Stefan Dietzfelbinger (l.) und IHK-Präsident Burkhard Landers (r.). Foto: Petra Grünendahl.

„Nach vielen Jahren eines Hochs stehen wir nun am Rande einer Rezession“, sagte IHK-Präsident Landers. Und: „Wir brauchen jetzt deutliche Impulse, um bei den Unternehmen das Vertrauen in die Zukunft zu fördern.“ Die Infrastruktur nannte Landers einen der Knackpunkte in einem industriellen Kernland wie NRW: „Unsere Straßen und Brücken, Schienen und Schleusen sind marode!“ Die Sperrung der A1-Brücke bei Leverkusen für die Lkw-Verkehr vor sieben (!) Jahren sei ein Weckruf für die Politik gewesen. Bund und Land stellen seitdem mehr Geld bereit. Schneller gingen Sanierung und Ersatzbau aber trotzdem nicht, so Landers. Fünf Wochen nach der Sperrung der Uerdinger Rheinbrücke für Lkw sei gerade mal der Schaden begutachtet, die Reparaturarbeiten aber immer noch nicht gestartet. Von einem Ersatzbau, der in wenigen Jahren an dieser Stelle fällig wird, reden wir noch gar nicht: „Wir brauchen ein vereinfachtes Verfahren für den Ersatzneubau“, zitierte er eine Grundforderung der IHK: „Da, wo schon eine Brücke steht, dürfen nicht die gleichen Maßstäbe angesetzt werden wie für die Planung auf einer grünen Wiese.“ In anderen Ländern sei man hier schon weiter: Infrastrukturprojekte werden weitaus zügiger umgesetzt als hierzulande. Da müsse die Politik mehr Mut zeigen, forderte der Unternehmer.

 
Gemeinsam für Gesamtinteressen eintreten

Burkhard Landers, Präsident der Niederrheinischen IHK. Foto: Petra Grünendahl.

Als großes Problem machte Landers die kleinteilige Interessenlage lokaler Bürgerinitiativen aus: „nicht in meinem Hinterhof“ sei die Devise, wo das Gesamtinteresse einer Region oberstes Ziel sein müsse. Dies hätte der für dieses Jahr geplante Regionalplan leisten können, der durch einen Ausgleich der Interessen Kommunen, aber auch Betrieben und Investoren Sicherheit bei der Entwicklung von Wohnen und Gewerbe gegeben hätte. Dass dieser Regionalplan nach 10 Jahren Arbeit gestoppt wurde, sei ein herber Rückschlag für die Region, so Landers, der Außenwirkung und Image beschädige. „Das Thema ist wichtig für unsere Region wie für ganz NRW“, sagte Landers. Mit der Ruhrkonferenz hatte die Landesregierung NRW vor einem Jahr eine Initiative gestartet, die die Ruhr-IHKs unterstützen: „“Wir brauchen eine gute Mischung aus Ambitionen und Investitionen“, so der IHK-Präsident, und: „Es muss darum gehen, heute die richtigen Schwerpunkte zu setzen.“

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Loveparade-Strafprozess: Bereichsleiter der Unteren Bauaufsicht sagte aus

Zuwege kritisch, aber nicht Teil der Baugenehmigung
Von Petra Grünendahl

Der Loveparade-Strafprozess des Landgerichts Duisburg findet aus Platzgründen im CongressCenter der Messe Düsseldorf statt. Foto: Petra Grünendahl.

„Lange hatte Lopavent sich geweigert, einen Bauantrag einzureichen: ‚Wir bauen doch gar nicht!’ war das Argument der Mitarbeiter, aber auch der Anwälte des Veranstalters“, betonte Abteilungsleiter D. Sie wollten eine Veranstaltungsgenehmigung haben – wie für die Loveparade in Essen und Dortmund. In Duisburg waren die Voraussetzungen aber ganz anders: Der alte Güterbahnhof als geplantes Veranstaltungsgelände gehörte nicht zum öffentlichen Raum. Die Errichtung von Zelten und Aufbauten und schließlich die komplette Einzäunung des Geländes hatten es nötig gemacht, dass das Amt für Baurecht und Bauberatung eine Baugenehmigung erteilen musste: Für eine vorübergehende Nutzungsänderung als Veranstaltungsstätte (Sonderbauverordnung Teil I Versammlungsstätten). Die eigentliche Veranstaltungsplanung war bereits viele Monate unter der Führung und Koordination des Ordnungsamtes gelaufen, als Anfang 2010 die Bausicht ins Spiel kam.

 

Der Vorstizende Richter Mario Plein (mitte) mit zwei beisitzenden Richtern beim Loveparade-Strafprozess im Gerichtssaal im Congress Center Düsseldorf. Foto: Lars Heidrich / Funke Foto Services.

Der Abteilungsleiter Untere Bauaufsicht / Untere Denkmalbehörde des Duisburger Amtes für Baurecht und Bauberatung sagte im Strafprozess zur Loveparade-Katastrophe von 2010 vor der 6. große Strafkammer des Landgerichts Duisburg erstmals zur Sache aus. Der 60-Jährige Jurist hatte bis Jahresanfang zu den Angeklagten gehört. Gegen ihn war das Verfahren aber – wie gegen alle damaligen Mitarbeiter der Stadt sowie einen ehemaligen Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent – ohne Auflagen eingestellt worden. Gegen drei Angeklagte wird wegen fahrlässiger Tötung in 21 Fällen und fahrlässiger Körperverletzung weiter verhandelt: Sie waren damals als Mitarbeiter der Lopavent GmbH an den Planungen des Events beteiligt. Der Vorsitzende Richter Mario Plein ließ den Zeugen zunächst erzählen, welche Rolle er im Genehmigungsverfahren spielte, bevor er ihm aus Schriftstücken, Ermittlungsakten sowie Aussagen anderer Zeugen Sachverhalte vor hielt.

 
Genehmigung für bauliche Anlagen

Achter Jahrestag der Loveparade-Katastrophe: Nacht der 1.000 Lichter an der Gedenkstätte. Foto: Petra Grünendahl.

Nachdem sich im Lauf des Februars 2010 herauskristallisiert hatte, dass das Bauordnungsamt in die Vorbereitungen mit einzubeziehen sei, hatte am 2. März das erste Gespräch mit Vertretern des Bauamtes statt gefunden. Zwar hätten in der Folge die Mitarbeiter der Bauaufsicht schon mal Einblicke in Konzepte bekommen, erzählte D., aber: „Das sind alles Spekulationen gewesen, keine greifbaren Pläne. Ein prüffähiger Bauantrag lag erst am 10. Juni vor.“ Mit der Eingangsbestätigung vom 14. Juni forderte die Bauaufsicht weitere Unterlagen, die der Gesetzgeber für die Genehmigung forderte: Brandschutzkonzept, Rettungswege, Statik (für die Herrichtung des Geländes für Zuschauer und einer Fahrstrecke für 40-Tonner) und die Bestätigung des Veranstalters, dass er ein System zu Erfassung der Besucher installiert. „Ein Brandschutzkonzept oder die Statik können wir nicht selber machen, sondern wir fordern Gutachten an von staatlich anerkannten Sachverständigen“, so der Zeuge. Die seien dann ja auch vorgelegt worden.

Seien alle gesetzlich vorgeschriebenen Auflagen erfüllt, müsse die Bauaufsicht die Genehmigung erteilen, bekräftigte der Zeuge. Für die Genehmigung seien die Mitarbeiter des Sachgebietes verantwortlich gewesen: „Ich prüfe Bauanträge nicht selber, werde aber im Vorfeld oft um Einschätzungen in Rechtsfragen gebeten“, erklärte der Jurist seine eigene Rolle im Prozedere. „Meine Aufgabe sind rechtliche Bewertungen. Wir als Bauaufsicht genehmigen nur die bauliche Anlage eines Versammlungsortes – und keine Veranstaltung!“, erklärte der Bereichsleiter. „Ein Veranstalter hat viele Genehmigungen zu beantragen: Für eine Veranstaltung müssen andere Genehmigungen her.“

 
Zuwegung kein Thema für die Baugenehmigung

Die Rampe zum Loveparade-Gelände nach der Katastrophe. Foto: Petra Grünendahl.

Am Donnerstag vor der Loveparade sei er ein einziges Mal bei einer Begehung des alten Güterbahnhofsgeländes dabei gewesen: „Wir sind über den späteren VIP-Eingang gekommen.“ Die Rampe habe er persönlich früher mal in Augenschein genommen: für die Ansiedlung der Firma Stracke auf dem Gelände. „Wir waren nicht in die Planungen involviert. Unsere Arbeit endete mit der Baugenehmigung. Eine Mitarbeit im Krisenstab hätte keine Sinn gemacht, denn dort ging es um Besucherströme“, so D. Für Besucherströme und die Zuwegung zum Versammlungsgelände sei das Bauamt nicht zuständig. „Dass man sich über Personensteuerung Gedanken machen musste“, so Düster, habe er aus dem Seminar über „Großveranstaltungen im Freien“ mitgenommen. Hier seien Feuerwehr und Ordnungskräfte gefordert. „Das hat aber keine Auswirkungen auf die Baugenehmigung, weil der Gesetzgeber diesbezüglich keine Anforderungen macht.“

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Deutsche Oper am Rhein: Publikum feierte Tschaikowskys „Pique Dame“ im Theater Duisburg

Das Spiel der zerstörten Träume
Von Petra Grünendahl

Sergej Khomov (Hermann), Chor der Deutschen Oper am Rhein FOTO: Hans Jörg Michel.

Unter der Venus von Moskau: Renée Morloc (Die Gräfin), Damen des Chores der Deutschen Oper am Rhein FOTO: Hans Jörg Michel.

So ein wenig wirkt er wie Woody Allen: Dunkle Brille, etwas längere Haare und ein brauner Cord-Anzug, der in einem von Bonbonfarben und Petticoat geprägtem Ambiente so fehl am Platz wirkt. Der mittellose, aber ehrgeizige Hermann (Sergej Khomov) ist der Außenseiter in einer reichen Gesellschaft. Er verleibt sich in Lisa (Natalia Muradymova), die Enkelin einer reichen Gräfin (Renée Morloc), die aber schon mit Fürst Jeletzki (Jorge Espino) verlobt ist. Graf Tomski (Stefan Heidemann) enthüllt die Vorgeschichte der Gräfin, in ihrer Jugend als „Venus von Moskau“ bekannt war. Im Tausch für eine gemeinsame Nacht hatte ihr der berüchtigte Graf von Saint-Germain das Geheimnis verraten, immer beim Kartenspiel zu gewinnen. Die „Pique Dame“ wurde damit reich. Hermann, der nüchtern und direkt, wie er ist, so gar nicht zu den ihn umgebenden Spielernaturen passt, will ihr dieses Geheimnis entlocken, um damit die unerreichbare Lisa, die auch ihm zugetan ist, zu gewinnen.

 

Sergej Khomov (Hermann), Johannes Preißinger (Tschekalinski), Bruno Vargas (Surin), Herren des Chores der Deutschen Oper am Rhein FOTO: Hans Jörg Michel.

Mit Peter I. Tschaikowskys (1840–1893) „Pique Dame“ startete die Deutsche Oper am Rhein in Duisburg in die neue Spielzeit. Das prachtvolle Spiel um Geld und Liebe ist die russische Antwort auf die Opulenz der französischen Grand Opéra. Tschaikowskys Bruder Modest hatte aus der gleichnamigen Novelle von Alexander Puschkin ein Libretto geschrieben, das der Komponist nach anfänglichem Zögern dann doch mit Leidenschaft vertonte. Auch ihm, der seine Homosexualität zeitweise sehr offen auslebte, war die Außenseiterrolle nicht fremd: Diese Oper – seine Zweite – war seine Lieblingsoper, die 1890 im Kaiserlichen Mariinski-Theater in St. Petersburg uraufgeführt worden war. Die Inszenierung der amerikanischen Regisseurin Lydia Steier transportiert die Handlung der Oper vom Ende des 18. Jahrhunderts in die 1950er-Jahre, die sie mit viel Opulenz und den Ausschweifungen der höheren Gesellschaft darstellt. Gesungen wird in russischer Sprache mit deutschen Übertiteln, die das Verständnis der Handlung erleichtern (an diesem Abend waren sie aber wegen technischer Probleme nur schlecht zu entziffern). Der grandiose Opernabend in sieben Bildern dauert mit einer Pause knappe 3¼ Stunden.

 
Die 1950er in Bonbonfarben und Petticoat

Renée Morloc (Die Gräfin), Chor der Deutschen Oper am Rhein, Statisterie FOTO: Hans Jörg Michel.

Die Operninszenierung spielt mit Zeitsprüngen zwischen einer Realität der Gegenwart und Phantasien einer noch pompöseren Vergangenheit, in denen der „Held“ nahtlos zwischen Wirklichkeit und Visionen bis hin zum Wahn hin und her gleitet. Letztendlich muss er scheitern, weil ihm das Spiel um Geld wichtiger wird als die Liebe, mit der er eine verzweifelte Lisa zurücklässt. Beim Glücksspiel gewinnt er zunächst mit den Karten, die ihm die alte Gräfin verraten hat. In der dritten Runde gewinnt das Ass, aber Hermann hatte versehentlich alles auf die Pik-Dame gesetzt.

 


Renée Morloc (Die Gräfin), Luis Fernando Piedra (Zermonienmeister), Statisterie, Chor der Deutschen Oper am Rhein FOTO: Hans Jörg Michel

Das Publikum feierte die hervorragenden Akteure zu Recht mit Szenenapplaus sowie mit einem lang anhaltenden Schlussapplaus. Gesanglich wie schauspielerisch überzeugten die Sänger auf ganzer Linie. In den großen opulenten Szenen mit üppigen Chorgesängen glänzten der Chor der Deutschen Oper am Rhein (unter der Leitung von Gerhard Michalski) und der Kinderchor der Akademie für Chor und Musiktheater aus Düsseldorf (unter der Leitung von Justine Wanat. Unter der Leitung von Kapellmeister Aziz Shokhakimov zeigten die Duisburger Philharmonikern bei lustvoll-leidenschaftlichen Klängen der Komposition ihre Klasse. Passend zur Inszenierung in den 1950er-Jahren sind viele der Kostüme von Ursula Kudrna im Rockabilly-Stil mit Bonbonfarben und Petticoats, für die Zeitsprünge dann wieder in prächtigem Barockstil gestaltet. Das variable Bühnenbild gestaltete Bärbl Hohmann. Effektvoll in Szene und ins rechte Licht gesetzt hat es Stefan Bolliger.

 
Ein kleiner Vorgeschmack:

 
Weitere Termine im Theater Duisburg:

Renée Morloc (Die Gräfin), Sergej Khomov (Hermann) FOTO: Hans Jörg Michel.

Natalia Muradymova (Lisa), Sergej Khomov (Hermann), Kinderstatist (Indianer) FOTO: Hans Jörg Michel.

Mi | 16. Oktober 2019 | 19:30 Uhr und
So | 8. Dezember 2019 | 15 Uhr.

 
Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten zwischen 17 und 67 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Hans Jörg Michel, Mannheim / Deutsche Oper am Rhein

 

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Marketing-Club Duisburg-Niederrhein diskutierte über das Image der Stadt

Duisburg hat viel zu bieten: Das müssen wir mehr nach außen transportieren!
Von Petra Grünendahl

Zum „Image der Stadt Duisburg“ standen auf dem Podium (v. l.): Andree Haack, Thomas Knabner, Alexander Kranki, Prof. Peter Kürble und Uwe Kluge. Foto: Petra Grünendahl.

„Das Image ist ein Fremdbild, bis man anfängt, sich selber darzustellen“, erklärte Prof. Peter Kürble, der in den 1980er-Jahren zum Studieren herkam und dem Duisburg seitdem ans Herz gewachsen ist. Natürlich sei nicht alles perfekt, aber vieles entwickle sich sehr positiv, waren sich die Podiumsteilnehmer einig. Ein vielschichtiges Image bestätigte der Stadt auch Wirtschaftsdezernent Andree Haack: Wirtschaft und Logistik zählten zu den Pluspunkten, Bevölkerungsarmut und hoher Migrantenanteil wirken nach außen eher negativ. „Das Bild, was woanders herrscht, passt nicht“, sagte Uwe Kluge. Vorurteile gebe es bei Leuten, die das aktuelle Duisburg nicht kannten, so der Tenor. Duisburg habe sich in den letzten 10, 20 Jahren gut entwickelt und viele Erfolgsgeschichten geschrieben.

 

Stellten sich den Fragen von Moderator Mario Mario (v. l.): Andree Haack, Uwe Kluge, Alexander Kranki und Thomas Knabner. Foto: Petra Grünendahl.

Zur Podiumsdiskussion „Image der Stadt Duisburg“ hatte der Marketing-Club Duisburg-Niederrhein ins Atrium des Tec-Tower (Tectrum Technologiezentrum für Duisburg) eingeladen. Das Podium war mit Vertreters aus Wirtschaft und Marketing gut besetzt: Wirtschaftsdezernent Andree Haack, DuisburgKontor-Geschäftsführer Uwe Kluge, Alexander Kranki (als Vorstand des Vereins Wirtschaft für Duisburg) und Thomas Knabner, Regionaldirektor Deutsche Hospitality (InterCity Hotels). Einen einleitenden Vortrag zum Thema „Was ist Image?“ hielt Prof. Dr. Dr. Peter Kürble, Marketing-Experte an der Hochschule für Oekonomie & Management (FOM Duisburg). Im Anschluss an die Podiumsrunde diskutierten die Teilnehmer mit einem interessierten und durchaus kritischen Publikum. Von den fünf Experten auf dem Podium, die alle ein aus eigener Erfahrung positives Bild von Duisburg vermittelten, ist nur einer im Stadtgebiet geboren. Da muss man sich die Frage stellen, ob es nicht gerade die (erfolgreichen) Zugewanderten sind, die Duisburg viel positiver und selbstbewusster nach außen tragen als so manch einer, der hier geboren ist!

 
Starke Bilder und Leuchtturm-Projekte

Moderator Mario Mais vom Vorstand des Marketing-Clubs leitete die Podiumsdiskussion. Foto: Petra Grünendahl.

„Für deutsche Kunden spielt der Standort schon eine Rolle“, sagte Alexander Kranki. Mit seinem Unternehmenssitz im Innenhafen kann er da punkten – und Ortsfremden eines der Highlights der Stadt präsentieren. „Ausländische Kunden kennen Duisburg eher gar nicht. Dafür ist in China das Duisburg-Bild positiv besetzt.“ Image entsteht durch Wahrnehmung, ein schlechtes Image durch Vorurteile. Duisburg habe viel zu bieten, sagte Marketing-Club-Präsident Marco Pfotenhauer: „Aber das reiche wohl nicht für ein gutes Image, denn zu wenig werden Duisburgs gute Seiten nach außen getragen.“ Auch manch ein Duisburger übernimmt ein schlechtes Bild von seiner Stadt aus der leider viel zu häufigen Negativdarstellung in überregionalen Medien. Hintere Plätze in irgendwelchen Rankings? Duisburg habe in Sachen Kultur nichts zu bieten, hatte es in einem Magazin geheißen, was definitiv von der Unkenntnis der Autoren zeugt! Man müsse mehr starke Bilder und Leuchttürme nach außen tragen: Projekte wie Duisburger Freiheit und 6-Seen-Wedau zum Beispiel. Der Landschaftspark Nord ist nach wie vor ein Magnet auch für Auswärtige: Viel zu wenig locken überregional die herausragenden Kulturangebote der Stadt: hier wäre mehr (und gebündeltes) Marketing nötig. „Zum Renner entwickelt sich der Fahrradtourismus“, erzählte Thomas Knabner, in dessen Intercity-Hotel am Hauptbahnhof extra Garagenflächen für Zweiräder eingerichtet wurden. Für den Tourismus sieht er in Duisburg noch Potenzial, denn die Stadt habe nicht nur viel, sondern auch Vielfältiges zu bieten: Industriekultur, klassische Kultur, Sport und Ausflugs/Freizeittourismus und: „die Besucher sind begeistert von der Herzlichkeit und Offenheit der Duisburger.“

 
Der Marketing-Club Duisburg-Niederrhein
Die regionale Berufsstandesorganisation in Duisburg wurde 2009 gegründet und ist als Mitglied im Deutschen Marketing Verband einer von 66 Clubs deutschlandweit. Der Marketing-Club ist der Weiterbildung seiner Mitglieder ebenso verpflichtet wie der Schaffung einer Kommunikationsplattform. Fast jeden Monat trifft sich der Marketing-Club Duisburg-Niederrhein zu überwiegend fachlich orientierten Besichtigungen oder Fachvorträgen in der ganzen Region. Informationen zu Themen, Veranstaltungen und Kontakten gibt es auf der Homepage des Clubs. Wer im Marketing tätig ist und sich für eine Mitgliedschaft im Marketing-Club interessiert, kann bei den monatlichen Treffen erste Kontakte knüpfen: Netzwerken lässt sich im Anschluss an den fachlichen Teil nämlich ganz hervorragend. Und natürlich lassen sich die fachlichen Fragen mit den jeweiligen Referenten in Einzelgesprächen noch vertiefen.

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Rat der Stadt Duisburg: Doppelhaushaltsentwurf 2020/21 eingebracht

Zum fünften und sechsten Mal die Schwarze Null
Von Petra Grünendahl

Vor der Sitzung im Rat der Stadt Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

„Seit 2015 ist es uns gelungen, unsere Verschuldung um rund 430 Mio. Euro zu reduzieren. Das ist nicht Mittel zum Zweck, sondern verschafft uns wieder mehr Handlungsspielräume“, erklärte Oberbürgermeister Sören Link. So könne die Stadt zum Beispiel von Förderprogrammen des Landes und des Bundes profitieren, so der OB, weil sie sich den Eigenanteil leisten kann, ohne den sie diese Finanzspritzen nicht bekommt. Sowohl OB Link als auch Kämmerer Murrack kritisierten Bund und Land, die immer wieder Aufgaben auf die Kommunen abwälzten, ohne für eine ausreichende Finanzierung zu sorgen (Konnexiktätsprinzip: Wer die Musik bestellt, muss sie bezahlen!). Dies habe viele Kommunen insbesondere im Ruhrgebiet in die Überschuldung geführt. Von den 1,3 Mrd. Euro Kassenkrediten der Stadt Duisburg stammten, so Link, 722 Mio. Euro von Geldern, die die Stadt in den Aufbau Ost (Solidarpakt nach der Wiedervereinigung) zahlen musste.

 

Neu im Rat der Stadt: Oberbürgermeister Sören Link (3. v. l.) verpflichtete – v. l. – Angelika Röder (Bürgerlich-Liberale, HSV-Fraktion), Muhammet Keteci (SPD) und Stefanie Kreitz (CDU) als nachrückende Ratsleute. Foto: Petra Grünendahl.

Zur ersten Sitzung nach der Sommerpause legten Oberbürgermeister Sören Link und Stadtkämmerer Martin Murrack dem Rat der Stadt den Haushaltsentwurf für die Jahre 2020/21 (Doppelhaushalt) vor. Planerisch ist der Haushalt mit einem Aufwandsvolumen von 2 Mrd. Euro ausgeglichen: der fünfte und sechste in Folge. Im Jahr 2020 braucht es dazu noch Gelder aus dem Stärkungspakt Stadtfinanzen, 2021 muss es dann ohne diese Konsolidierungshilfe gehen. Das setzt aber eine unverändert positive Wirtschaftslage und gleich bleibend niedrige Zinsen voraus, um tatsächlich am Ende unterm Strich ein positive Jahresergebnis zu erzielen. Sonst sind die Zahlen schnell Makulatur. Der Rat beschloss einstimmig, diesen Entwurf an die Bezirksvertretungen, an die Fachausschüsse sowie an den Haupt- und Finanzausschuss zur Beratung zu überweisen.

 
Licht am Ende des Tunnels

Vor der Sitzung im Rat der Stadt Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Hilfen aus dem Stärkungspakt Stadtfinanzen sowie kommunale Sparrunden und die seinerzeitige Erhöhung der Grund- und Gewerbesteuer hätten Duisburg auf einen guten Weg gebraucht, durch Abbau von Schulden wieder mehr Freiheiten zur Gestaltung zu bekommen, sagte OB Link. „Es gibt ein Licht am Ende des Tunnels. Und wir sind diesem Licht in den vergangenen Jahren deutlich näher gekommen“, so der Oberbürgermeister. „Duisburg entwickelt sich gut und wir haben allen Grund, voller Zuversicht in die Zukunft zu blicken.“

 
Der unverschuldeten Altschuldenproblematik vieler Städte müssten sich Bund und Länder endlich stellen, forderte Martin Murrack. Dafür müssten aber, so der Stadtkämmerer, die Länder mitziehen: „Während in Hessen schon gehandelt wird, hat die Landesregierung in NRW noch immer keine geeigneten Vorschläge gemacht“, erklärte Murrack. Außerdem sind gerade Bund und Land dabei, die Kommunen wieder stärker zu belasten: Das Angehörigen-Entlastungs-Gesetz soll ebenso wie die in Düsseldorf angestrebte Reform zur Finanzierung der Straßenbaubeiträge Bürger entlasten: „Das ist gut und richtig!“, sagte der Oberbürgermeister. Weil dadurch der Stadt aber Einahmen entfielen und höherer Personalaufwand sogar teurer für die Stadt würde, so Sören Link, belaste es letztendlich doch wieder den Bürger, der die Zeche zahlen muss. Denn die Stadt kann sich das Geld ja nicht aus dem Ärmeln schütteln: es muss irgendwo her kommen. Seit Jahren schon verlangen Kommunalpolitiker aller Couleur eine verursachergerechte Regelung zur Finnanzierung von Landes- und Bundesgesetzen: „Sonst“, so OB Link, „stehen wir in 15 oder 20 Jahren wieder genauso da wie heute!“

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Loveparade-Strafprozess: Bauamtsleiterin sagte aus

Es gab eine Baugenehmigung, keine Veranstaltungsgenehmigung!
Von Petra Grünendahl

Der Loveparade-Strafprozess vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg findet aus Platzgründen im Congress-Center der Düsseldorfer Messe statt. Foto: Petra Grünendahl.

„Ich möchte den Eltern mein Mitgefühl aussprechen: Ein Kind zu verlieren, ist wohl das Schlimmste, was einem passieren kann“, begann Bauamtsleiterin Anja Geer ihre Aussage. Sie fuhr fort, dass sie es für wichtig hielte, die Aufgaben des Amtes für Baurecht und das Prozedere der Baugenehmigung zu erklären: Allezu viele hätten ihrer Meinung nach eine falsche Vorstellung von dem, was ihr Amt zur Vorbereitung der Loveparade beigetragen habe. „Um auf einem geschlossenen Gelände eine Veranstaltung durchzuführen, braucht es eine Genehmigung nach Versammlungsstättenverordnung und nach Sonderbauverordnung. Nachdem feststand, dass das Gelände des alten Güterbahnhofs als Veranstaltungsgelände eingezäunt werden sollte, kam Anfang 2010 die Bauaufsicht in Spiel“, erzählte die Amtsleiterin. Schon viele Monate dauerten zu diesem Zeitpunkt Planungen und Vorbereitungen von Polizei, Feuerwehr und Ordnungsamt. Letztere sind für die Genehmigung einer Veranstaltung im öffentlichen Raum zuständig. Die Zuständigkeit für eine Genehmigung wechselte ebenso wie die Art der Genehmigung: „Wir planen keine Veranstaltung. Wir bekommen einen Bauantrag, den wir, wenn alle rechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind, genehmigen müssen“, umriss die Amtsleiterin die Aufgaben der Bauaufsicht. „Wir überprüfen nur, ob gesetzliche Anforderungen an Fläche, Gebäude oder bauliche Anlagen erfüllt sind.“

 

Der Vorstizende Richter Mario Plein (mitte) mit zwei beisitzenden Richtern beim Loveparade-Strafprozess im Gerichtssaal im Congress Center Düsseldorf. Foto: Lars Heidrich / Funke Foto Services.

Die Amtsleiterin des Duisburger Amtes für Baurecht und Bauberatung, Anja Geer, sagte im Strafprozess zur Loveparade-Katastrophe von 2010 vor der 6. große Strafkammer des Landgerichts Duisburg erstmals zur Sache aus. Die 51-Jährige hatte bis Jahresanfang zu den Angeklagten gehört. Gegen sie war das Verfahren aber – wie gegen alle damaligen Mitarbeiter der Stadt sowie einen ehemaligen Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent – ohne Auflagen eingestellt worden. Gegen drei Angeklagte wird wegen fahrlässiger Tötung in 21 Fällen und fahrlässiger Körperverletzung weiter verhandelt: Sie waren damals als Mitarbeiter der Lopavent GmbH an den Planungen des Events beteiligt. Der Vorsitzende Richter Mario Plein ließ die Zeugin zunächst erzählen, welche Rolle sie im Genehmigungsverfahren spielte, bevor er ihr aus Schriftstücken, Ermittlungsakten sowie Aussagen anderer Zeugen Sachverhalte vorhielt.

 
Wenig Kooperation vom Veranstalter: Wozu ein Bauantrag, wenn wir nicht bauen?

Gedenktstätte für Opfer der Loveparade 2010 in Duisburg am Alten Güterbahnhof.
Foto: Petra Grünendahl,

„Wir haben in den letzten Jahren viel zusammen gesessen und versucht zu klären, was passiert ist. Ich habe Dinge zur Kenntnis bekommen, die ich damals im Vorfeld der Loveparade nicht gewusst habe“, sagte die Zeugin. „Es ist schwer, heute zu differenzieren, was ich 2010 gewusst habe und was erst später.“

 
„Wir prüfen bei Veranstaltungsstätten nicht, ob die Veranstaltung problemlos verlaufen würde. Wir müssen ein Brandschutzkonzept haben, dass im Ernstfall eine Entfluchtung gefahrlos möglich ist“, erklärte die Amtsleiterin. Die Bauordnung verlange für die Genehmigung eines Bauantrages nicht, dass der Zugang zur Fläche überprüft wird: „Die Veranstaltungsfläche begann an der Rampe. Früh in der Planung war damit klar, dass die Tunnel nicht voll laufen durften. Dazu schrieb die Bauordnung Vereinzelungsanlagen vor, die aber nicht auf dem Veranstaltungsgelände, sondern im öffentlichen Raum installiert wurden“, sagte die Zeugin. Für die Sicherheit bei Großveranstaltungen im öffentlichen Raum ist das Ordnungsamt zuständig. „Wir sind davon ausgegangen, dass die Leute nicht ungebremst auf die Rampe kommen. Für uns war klar, da kümmern sich andere drum“, erklärte die Bauamtsleiterin die Zuständigkeiten der Fachleute von Ordnungsamt, Feuerwehr und Polizei für die Sicherheit der Zuwege.

 
Seit das Bauordnungsamt Anfang 2010 in das Genehmigungsverfahren involviert war, hätten ihre Mitarbeiter die Veranstalterin Lopavent mehrfach und immer wieder aufgefordert, eine Bauantrag einzureichen, damit ihre Behörde die Genehmigung des Güterbahnhofsgeländes als Veranstaltungsgelände prüfen könne: „Dies ist sowohl von der Kanzlei von Lopavent als auch von den Mitarbeitern immer wieder zurück gewiesen worden. Der Kooperationsvertrag der Ruhrgebietsstädte von 2007 hätte eine solche Vorgehensweise nicht vorgesehen, so die Lopavent-Argumentation.

 
Für die Sicherheit der Zu- und Abwege waren Fachleute gefragt

Gedenktstätte für Opfer der Loveparade 2010 in Duisburg am Alten Güterbahnhof.
Foto: Petra Grünendahl,

Ihr Amt habe Vereinzelungsanlagen an den Zugangsstrecken verlangt und auch, dass die Besucherzahlen erfasst würden: „Die technischen Möglichkeiten gab es schon damals, dies ohne hohen Zusatzaufwand zu machen“, so die Zeugin. Und mit Überschreiten der Besucherzahlen, für die das Gelände genehmigt war – 180.000 Besucher gleichzeitig –, hätte ein weiterer Zugang zum Gelände gesperrt werden müssen. Dies jedoch, so die Zeugin, lag in der Verantwortung des Veranstalters bzw. des Ordnungsamtes und der Polizei. „Für die Zugänge zum Gelände waren Fachleute verantwortlich. Denen hätten wir doch nicht sagen können, was geht und was nicht. Ein Zuständigkeitsvakuum für den Tunnel hat es nicht gegeben: Das war der Zuweg zum Veranstaltungsgelände, damit hatten wir nichts zu tun.“

 
„Es ist nicht unüblich, dass Bauherren große Vorhaben platzen lassen wollen, wenn sie Gegenwind bei der Baugenehmigung kriegen. Lopavent war in dieser Hinsicht ein ganz gewöhnlicher Bauherr“, erklärte die Amtsleiterin. Nur: „Die wollten nicht einsehen, dass sie einen Bauantrag einzureichen hatten. Das wäre nicht nötig: ‚Wir bauen doch gar nicht’ haben sie argumentiert.“ Dass sie einen solchen im Gegensatz zu Essen oder Dortmund einzureichen hatten, war der Tatsache geschuldet, dass die Veranstaltung dort im öffentlichen Raum stattfand. In Duisburg jedoch sollte die große Party auf einen eingezäunten Privatgelände steigen, für das eine Nutzungsänderung beantragt werden musste: Deswegen ein Bauantrag! Nachdem Lopavent und deren Anwälte monatelang von der Bauaufsicht ein „konstruktive Entgegenkommen“ gefordert hatten, reichten sie Anfang Juni schließlich doch einen Bauantrag ein. Erst jetzt konnte die Bauaufsicht diesen darauf hin prüfen, ob alle gesetzlichen Anforderungen an die Fläche erfüllt sind. Sicherheitsbedenken der Fachleute von Feuerwehr, Polizei oder Ordnungsamt spielten hierfür keine Rolle, denn für die Zuwegung galten andere Zuständigkeiten als für die Veranstaltungsfläche. „Wir haben nicht billigend in Kauf genommen, dass Menschen zu Schaden kommen, wie uns immer wieder vorgeworfen wurde. Ich wusste doch, dass sich Kinder meiner Mitarbeiter und meiner Freunde auf der Loveparade sein würden. Wenn sich jeder an Absprachen gehalten hätte, wäre nichts passiert“, ist sich die Zeugin sicher.

 
Man erinnere sich an Aussagen früherer Zeugen vor Gericht [den einen oder anderen haben wir hier auch dokumentiert], die vom unkoordinierten Öffnen und Schließen der Vereinzelungsanlagen und mangelhafter Kommunikation der vor Ort Verantwortlichen berichteten. So konnten Tunnel und Rampe voll laufen, was die Vereinzelungsanlagen und wenn nötig die Sperrung der Zuwege zum Gelände hätten verhindern sollen.

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)
Fotos: Petra Grünendahl (3). Lars Heidrich / Funke Foto Services (1)

 

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Lange Nacht der Industrie in Duisburg: ArcelorMittal öffnete sein Werkstor

Glühend heiße Farbspiele begeisterten die Besucher im Oxygenstahlwerk
Von Petra Grünendahl und André Sommer

Die Prozesse der Stahlproduktion sind elektronisch gesteuert, müssen aber von Mitarbeitern überwacht werden. Foto: Petra Grünendahl.

„Zunächst wird das angelieferte Roheisen in Gießpfannen umgefüllt und dann entschwefelt“, erzählte Heiner Buhren, als er mit den Besuchern im Oxygenstahlwerk den Prozess der Stahlerzeugung verfolgt. Das flüssige Roheisen wird seit 1994 nicht mehr am Standort produziert, sondern kommt in Torpedopfannen von den thyssenkrupp-Hochöfen in Bruckhausen oder Schwelgern. Während des Entschwefelungsprozesses wird Schrott wird in einen Konverter gefüllt. Der Schrott ist speziell zusammen gestellt für die zu erzielende Stahlsorte, dient aber auch der Kühlung im Konverter. Schließlich wird das Roheisen aus der Gießpfanne (oder Chargierpfanne) in den Konverter gefüllt, wo dann mit Lanzen aufgeblasener Sauerstoff den Kohlenstoffanteil des Roheisens reduziert (das hier angewandte TBM-Verfahren nach Thyssen-Blas-Metallurgie ist eine Variante des LD-Verfahren). Eine Argonspülung homogenisiert schließlich die Schmelze, bevor sie entgast, mit weiteren Zusatzstoffen veredelt und schließlich ein zweites Mal mit Argonspülung bearbeitet wird. Nach dem Oxygenstahlwerk geht es noch rüber zur Stranggießanlage, wo der Stahl zu Knüppeln vergossen wird.

Heiner Buhren führte eine Besuchergruppe durch die Stahlproduktion. Foto: Petra Grünendahl.

Im Rahmen der neunten Langen Nacht der Industrie öffneten auch Betriebe in Duisburg ihre Tore für Besucher: Zum dritten Mal war das Stahlwerk von ArcelorMittal in Ruhrort (das eigentlich in Laar liegt) dabei. Insgesamt kamen knapp 60 Besucher in den Genuss, geführt von Heiner Buhren und Norbert Fleischer, beides ehemalige Mitarbeiter von ArcelorMittal (so genannte Bären-Führer), die Stahlproduktion aus erster Hand zu erleben und erklärt zu bekommen. In Duisburg wird bei ArcelorMittal hochwertiges Vormaterial in Form von Langprodukten für die weiterverarbeitende Industrie hergestellt. Ein Teil der Produktion geht von hier direkt zum Kunden. Der Großteil jedoch wird entweder im Knüppelwalzwerk weiterverarbeitet oder geht als Vormaterial ins Drahtwalzwerk. Auch hier entsteht jedoch noch kein Endprodukt, sondern ebenfalls ein Vormaterial zum weiteren Verarbeitung. Von rund 2.500 Stahlsorten kann ArcelorMittal am Standort Ruhrort 400 Legierungen produzieren und liefern. Den Produktionsablauf für die Stahlerzeugung zeigt ArcelorMittal hier in einer Flash-Animation).

Lange Nacht der Industrie bei ArcelorMittal in Ruhrort: Die orange-glühenden Farbspiele der Stahlproduktion begeisterten die Besucher. Fotos: Petra Grünendahl.

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Die ArcelorMittal Duisburg GmbH und der Konzern

Die Prozesse der Stahlproduktion sind elektronisch gesteuert, müssen aber von Mitarbeitern überwacht werden. Foto: Petra Grünendahl.

Der heutige Standort ArcelorMittal Ruhrort (liegt größtenteils in Laar) wurde 1852 als Phoenix Anonyme Gesellschaft für Bergbau und Hüttenbetrieb gegründet. Der Name änderte sich im Laufe der Jahrzehnte mehrfach nach Fusionen und Umfirmierungen: unter anderem Vereinigte Stahlwerke AG Hütte Ruhrort- Meiderich, Hüttenwerke Phoenix AG, Phoenix Rheinrohr AG und schließlich nach der Verschmelzung der Phoenix Rheinrohr AG mit der ATH 1970 zu August-Thyssen-Hütte AG Hochofenwerk Ruhrort/Meiderich. Im Jahr 1997 übernahm die ISPAT-Gruppe den Standort als ISPAT Stahlwerk Ruhrort GmbH. Den Hochofenbetrieb hatte schon Thyssen 1994 eingestellt: das Roheisen kommt seitdem den Thyssen-Hochöfen aus Hamborn.

 

Die Prozesse der Stahlproduktion sind elektronisch gesteuert, müssen aber von Mitarbeitern überwacht werden. Foto: Petra Grünendahl.

Zusammen mit dem Stahlwerk Ruhrort kam auch das 1851 in Hochfeld als Niederrheinische Hütte gegründeten Werk Hochfeld der Thyssen Stahl AG zur ISPAT-Gruppe, aus der später durch Fusionen Mittal Steel und dann ArcelorMittal wurde. Als 2013 die neue Drahtstraße in Ruhrort in Betrieb ging, schloss man den Standort Hochfeld endgültig. Auf Teilen des alten Firmenareals wurde der Rheinpark angelegt. Der Betrieb der ArcelorMittal Ruhrort GmbH ging auf die ArcelorMittal Hochfeld GmbH als dem operativen Teil der ArcelorMittal Duisburg GmbH über. Der Rest wartet auf eine Nachnutzung.

 

Umfüllen des Rohstahls in die Gießpfanne. Foto: Petra Grünendahl.

Im Werk Ruhrort arbeiten fast 1.000 Mitarbeiter. Mit einer Produktion von 1,12 Mio. Tonnen erwirtschaften sie einen Umsatz von 723 Mio Euro (Zahlen von 2018). Jährlich starten hier mindestens 15 junge Leute ihre Ausbildung in gewerblich-technischen und kaufmännischen Berufen. „Die Ausbildungsgänge dauern drei bis dreieinhalb Jahre, können bei entsprechenden Leistungen durch eine vorgezogene Prüfung verkürzt werden“, erzählte Verena Kempken, verantwortlich für den Bereich Berufsbildung und Organisatorin der „Lange Nacht“-Tour in Ruhrort. Die Zahl der Ausbildungsplätze – aktuell sind 55 Azubis in Ruhrort beschäftigt – orientierten sich am eigenen Bedarf und dürften in den kommenden Jahren wegen des demografischen Wandels steigen, so Kempken. Auch akademische Nachwuchskräfte sind gefragt: Sie entwickelt man zu Fach- und Führungskräften. Weiterbildungen qualifizieren Mitarbeiter für technische Veränderungen und betriebliche Erfordernisse.
https://duisburg.arcelormittal.com

 

Der Rohstahl wird zu Knüppeln vergossen. Foto: Petra Grünendahl.

ArcelorMittal ist mit 200.000 Mitarbeitern in 60 Ländern der größte Stahlkonzern weltweit. Arcelor entstand 2001 durch den Zusammenschluss von Arbed (ein luxemburgischer Stahlkonzern), Aceralia (ein spanischer Stahl-Konzern) und Usinor (ein französischer Stahlkonzer). Mittal Steel gründete sich in 2004, als ISPAT International (die zu 77 Prozent von Lakshmi Mittal kontrolliert wurde) die LNM Holdings (nach dem Eigentümer Lakshmi Niwas Mittal) und die amerikanische International Steel Group (ISG) übernahm. Die beiden so entstandenen Konzerne (weltweit die Stahlproduzenten Nr. 1 und 2) fusionierten 2006 zum ArcelorMittal-Konzern. Der Hauptsitz befindet sich in Luxemburg-Stadt.

© 2019 Petra Grünendahl und André Sommer (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 

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Grafschafter Museums- und Geschichtsverein stellte „Moerser Ansichten 2020” vor

Kalender auch im sechsten Jahr mit 13 neuen Motiven und Moerser Anekdötchen
Von Petra Grünendahl

Das Kreisständehaus wurde 1900 gebaut (heute: Altes Landratsamt). Quelle: GMGV.

„Auch in unserem neuen Kalender ‚Moerser Ansichten 2020’ gibt es keine Bilder, die früher schon mal veröffentlicht waren“, bekräftigte Dr.Wilfried Scholten, stellvertretender Vorsitzender des Grafschafter Museums- und Geschichtsvereins (GMGV). Dies, so Scholten, sei immer wieder eine Herausforderung. Der ehemalige Studiendirektor des Städtischen Gymnasiums in den Filder Benden hat wie in den Vorjahren die Motive ausgewählt und als profunder Kenner der Moerser Geschichte mit informativen Anekdoten versehen, die ihre historische Bedeutung einordnen. Da erfährt auch der kundige Betrachter Neues zu ihm bekannten Motiven und Hintergründe für Problematiken der Stadt von heute: „Ich würde mir wünschen, dass man sich bei Neugestaltungen in der Stadt mehr Gedanken macht, was man abreißen sollte und was nicht“, erklärte Scholten, der historisch Bedeutsames gerne der Nachwelt erhalten will.

Schacht V der Zeche Rheinpreußen in Repelen/Utfort (heute befindet sich dort der Businesspark Eurotec). Quelle: GMGV.

Bereits zum sechsten Mal hat der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e. V. einen großformatigen Wandkalender mit Motiven aus der Moerser Geschichte vorgelegt. „Schatzmeister Frank Heinrich hatte vor sechs Jahren die Idee, die damals noch mit finanzieller Hilfe der Volksbank Niederrhein realisiert worden war“, erzählte Peter Boschheidgen, Vorsitzender des Vereins, bei der Vorstellung des Kalenders im Rittersaal des Moerser Schlosses. Finanziell trägt sich der Kalender mittlerweile von alleine. Der Überschuss fließt in die Vereinsarbeit: historische Dokumente und Informationen suchen und sichern sowie sie der Öffentlichkeit zugänglich machen. Dies geschieht über die vereinseigenen Exponate im Grafschafter Museum, der Pflege und Instandhaltung des Industriedenkmals am Schacht IV sowie über Publikationen von Artikeln oder Büchern, aber eben auch mit diesem Kalender, dessen Wert über das Jahr seiner „Nutzung“ weit hinaus reicht.

 
Sammlerstück in sechster Auflage

Bergmannssiedlung Meerbeck-Hochstraß. Quelle: GMGV.

Neben dem Vereinsarchiv, der Sammlung des Grafschafter Museums und dem Stadtarchiv hat Wilfried Scholten auch Privatarchive sichten und auswerten können wie die private Sammlung Schröder-Schulze oder das Archiv des Sammlers Gregor Boese, der unter www.mattorn.de seine Sammlung auch einer interessierten Öffentlichkeit zeigt. Häufig kann Scholten bei der Auswahl auf die Motive zweier bedeutender Fotografen zurück greifen, die Moers fotografisch dokumentiert haben: Wilhelm Bergmann gründete sein Atelier in den 1860er-Jahren, sein Nachfolger Ewald Steiger übernahm 1900.

 

Klosterstraße um 1900. Foto: Ewald Steiger / GMGV.

Dreizehn Motive findet der Betrachter in den „Moerser Ansichten 2020“: ein Titelbild und zwölf kundig betexte Fotos für die einzelnen Monate. Die ausgewählten Fotografien hat Ingo Plückhahn für die Veröffentlichung im Kalender digital bearbeitet und von den allzu häufig vorhandenen Kratzern befreit, so dass die Bilder in einer optischen Qualität erstrahlen, als wären sie gerade erst gemacht. Darüber hinaus zeichnet er auch für Layout, Gestaltung und Satz verantwortlich. So entstand ein hochwertiger Kalender, der nach seinem „Ablauf“ den Status Sammlerstück verdient hat.

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Steinstraße Anfang des 20. Jahrhundert. Quelle: GMGV.

Die „Moerser Ansichten 2020“ gibt es im Format A3 in einer Auflage von 500 Exemplaren. Sie sind zum Preis von 9,95 Euro zu haben. Zu kaufen gibt es den Kalender unter anderem im Grafschafter Museum, in lokalen Buchhandlungen, in der Stadtinformation sowie am vom Verein betreuten Industriedenkmal Schacht IV an der Zechenstraße 50 (hier allerdings nur noch bis Oktober, siehe unten).

Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e. V.

Das Amtsgericht von 1913. Quelle: GMGV.

Der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e.V. hat es sich mit Gründung 1904 zur Aufgabe gemacht, Geschichte und Kultur der Grafschaft Moers zu schützen und zu erhalten. Neben dem Grafschafter Museum im Schloss Moers gehört auch das Industriedenkmals Rheinpreußen Schacht IV dazu, für das der GMGV erst Ende der 1990er-Jahre die Nutzungsrechte übertragen bekam. Das Nutzungsrecht für den Standort schließt den Erhalt des Industriedenkmals ebenso ein wie die Pflege der Vergangenheit, hat doch der Bergbau die Region massiv geprägt und Moers zu dem gemacht, was es heute ist. Ehrenamtlich führen Mitglieder des GMGV durch die Sammlung und erklären interessierten Besuchern Anlagen und Maschinen sowie die Bergbau-Sammlung, die Vereinsmitglieder hier zusammen getragen haben. Das Industriedenkmal ist von Mai bis Oktober jedem Sonntag von 13 bis 16 Uhr geöffnet.
https://gmgv-moers.de/

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e. V.

 

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Museum DKM in Duisburg zeigt Erwin Wortelkamp: Ein ganzes Leben für die Kunst

Kunst im Dialog mit ihrer Umgebung
Von Petra Grünendahl

Erwin Wortelkamp im Museum DKM: Raum 1 mit Skulptur -Architektur. Foto: Museum DKM.

Auftakt von Erwin Wortelkamps raumbezogenen Konzeption ist die gekalkte Eichenskulptur „Skulptur – Architektur“ von 2001, die wiederum einen Pfeiler benutzt, um Halt zu finden. In diesem Raum probiert die Skulptur „Stand- und Spielbein einen“ vorsichtigen Schritt, der ihr erstmals im Arp Museum 2009 gelang. In Korrespondenz zu den beiden sehr unterschiedlichen Positionen wirken die skizzenhaften Zeichnungen filigran: Sie beziehen sich auf Filarete, den Bildhauer, Architekten und Theoretiker der Renaissance, und erinnern an anfängliche Studien zu Grundproblemen des Bauens. Wortelkamp setzt diese Skizzen für seine Gestaltungsideen ein. Die Ummantelungen der 70-iger Jahre scheinen einen direkten Bezug zu den Papierarbeiten zu nehmen. Kleine, entsprechend zugeschnittene Eisenflächen sind so verschweißt, dass sie einen Mantel bilden, gleich einer neuen Haut für das Baum/Astfragment. Sie gehören zu den ersten Beispielen, der sich immer noch fortsetzenden Skulpturengruppe der „Angelehnten“.

Die „Orangen für Hans von Marßee“ des Bildhauers Erwin Wortelkamp mit Bildern von Hans von Marée mit dem wiederkehrenden Motiv von Orangen (r.) sowie Papierarbeiten und Prägedrucken (l.). Foro: Petra Grünendahl.

Erwin Wortelkamp im Museum DKM: Raum 2 mit den Orangen für Hans von Marées. Foto: Museum DKM.

Das Museum DKM widmet dem Bildhauer Erwin Wortelkamp eine umfassende Werkschau auf der gesamten, sechs Räume umfassenden Wechselausstellungsfläche. Die Arbeiten umfassen eine über 40-jährige Schaffensphase, von den siebziger Jahren bis heute. Erwin Wortelkamp bevorzugt für seine autonomen Skulpturen seit Jahrzehnten besondere Innen- und Außenräume. Dabei reize ihn besonders, seine Werke, die direkt aus dem Atelier kommen, in den unterschiedlichsten Umgebungen zu zeigen, so der Künstler: „Ich will meine Arbeiten gerne in anderen Wirkungszusammenhängen sehen“, sagte er. In ihrer damaligen Galerie DKM im Innenhafen hatten die Museumsgründer bereits 2001 die Raum füllende Arbeit „Skulptur – Architektur“ des Künstlers gezeigt. Diese bildete den Abschluss einer Ausstellung seiner Werke im Lehmbruck Museum, die den Stadtraum bis zum Innenhafen nutzte. Sie hätten ihren Part damals als einen Höhepunkt der Werkschau empfunden, so Klaus Maas.

 
Der Künstler und Bildhauer

Erwin Wortelkamp im Museum DKM: Raum 2 mit den Orangen für Hans von Marées. Foto: Museum DKM.

Erwin Wortelkamp im Museum DKM: Raum 6. Foto: Museum DKM.

Erwin Wortelkamp (*1938) hat 1965 seine Studien in München bei dem international bekannten dänischen Eisen-Bildhauer Robert Jakobsen abgeschlossen. Er beherrscht den Umgang mit Holz und Eisen, mit denen er divergierende skulpturale Konzeptionen realisiert. Das Wilhelm Lehmbruck Museum zeigte 2001 in Kooperation mit dem Albertinum Dresden sein vielseitiges Werk. Erwin Wortelkamp hat zusammen mit seiner Familie den größten privaten Skulpturenpark Deutschlands geschaffen: Seit 1986 entwickelt sich die 11 Hektar große Anlage „im Tal“ in Hasselbach/Werkhausen, die im Norden von Rheinland-Pfalz nahe der Grenze zu Nordrhein-Westfalen liegt. Von den bisher 50 beteiligten Künstlern, Schriftstellern und Architekten kommt etwa die Hälfte aus Nordrhein-Westfalen. Die Sammler und Museumsgründer Dirk Krämer und Klaus Maas verfolgen das Werk des Bildhauers Erwin Wortelkamp bereits seit zwanzig Jahren. Unter den Künstlern, die Wortelkamp eingeladen hat, Arbeiten im Tal zu realisieren, befinden sich mit Johannes Brus, Bogomir Ecker, Barbara Köhler und Claudia Terstappen Positionen, die regelmäßig mit Installationen oder Einzelausstellungen im Museum DKM vertreten sind.

 
Museum DKM

Erwin Wortelkamp im Museum DKM: Raum 5 mit Kopf – Köpfe. Foto: Museum DKM.

Die Sonderausstellung von Erwin Wortelkamp ist im Museums DKM bis zum 1. März 2020 in den Wechselausstellungsräumen in Erdgeschoss zu sehen. Regulär geöffnet hat das private Museum DKM der Stifter Klaus Maas und Dirk Krämer an der Güntherstraße 13-15 im Dellviertel samstags, sonntags und an Feiertagen zwischen 12 und 18 Uhr sowie jeden ersten Freitag im Monat ebenfalls zwischen 12 und 18 Uhr*. Montags bis freitags wird ansonsten nur nach Vereinbarung für Gruppen geöffnet*. Der Eintritt kostet 12 Euro (ermäßigt 6 Euro, für Schüler und Studenten bis 28 Jahre), Kinder bis 7 Jahre haben freien Eintritt. Für Gruppen (zw. 10 und 15 Personen) gibt es einen Gruppentarif (10 Euro pro Person) zzgl. einer (kostenpflichtigen) Führung. Eine Jahreskarte** kostet 100 Euro. Die Teilnahme an der Freitagsführung kostet 6 Euro zusätzlich zum Eintritt. Weitere Infos gibt es hier.
 
*) An folgenden Tagen haben ist grundsätzlich geschlossen: 24. bis 26. Dezember, 31. Dezember und 1. Januar.
**) Nicht übertragbar, berechtigt zum kostenlosen Eintritt während der regulären Öffnungszeiten.
 
© 2019 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (1), Museum DKM (5)+

 

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Loveparade-Strafprozess: Duisburgs ehemaliger Baudezernent Jürgen Dressler sagte aus

An Planung, Genehmigung und Durchführung nicht beteiligt
Von Petra Grünendahl

Aus Platzgründen findet das Strafverfahren gegen vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent und sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg im CongressCenter der Messe Düsseldorf (CCD) statt. Foto: Petra Grünendahl.

Wenn mich die Staatsanwaltschaft Köln bei ihren Ermittlungen vernommen hätte, wüssten Sie, dass ich nichts zur Aufklärung beitragen kann”, erklärte Duisburgs ehemaliger Baudezernent Jürgen Dressler. Der heute 72-Jährigen sagte zum ersten Mal zu den Geschehnissen vor und bei der Loveparade 2010 im Gerichtssaal aus. Eine frühere Vernehmung habe es zu seinem Bedauern nicht gegeben. Gleich zu Beginn stellte Dressler klar, dass er weder an der Planung noch an Genehmigung oder Durchführung der Loveparade in irgendeiner Art und Weise beteiligt gewesen sei. Die drei noch verbliebenen Angeklagten, die als Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent in die Planungen eingebunden waren, habe er erst im Verfahren auf der Anklagebank kennen gelernt, erklärte er. Über ein „Guten Tag“ und „Wie geht’s?“ hinaus, so Dressler, habe er keinerlei Kontakt zu ihnen gehabt. Am Tag der Loveparade habe er zu Hause den Geburtstag seiner Frau gefeiert, sagte der Pensionär. Am Morgen des Folgetags habe Oberbürgermeister Adolf Sauerland ihn angerufen und gebeten, an der Pressekonferenz teilzunehmen. „Das habe ich abgelehnt“, so Dressler.

Der Vorsitzende Richter Mario Plein von der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg, flankiert von zwei beisitzenden Richterinnen beim Loveparade-Strafprozess. Foto: Lars Heidrich / Funke Foto Services.

Im Strafprozess zur Loveparade-Katastrophe von 2010 hatte die die 6. große Strafkammer des Landgerichts Duisburg den damaligen Baudezernenten Jürgen Dressler als Zeugen geladen. Gegen sieben der zehn Angeklagten – darunter auch Dressler – war zu Jahresbeginn das Verfahren ohne Auflagen eingestellt worden. Die Übrigen wollten sich nicht auf eine Verfahrenseinstellung gegen Auflagen einlassen, so dass gegen die drei damaligen Mitarbeiter der Lopavent GmbH wird wegen fahrlässiger Tötung in 21 Fällen und fahrlässiger Körperverletzung weiter verhandelt wird. Nach dem ehemaligen Kreativdirektor der Lovavent, der im Mai ausgesagt hatte, ist Dressler jetzt der erste der ehemaligen Angeklagten aus Reihen der Stadt Duisburg, die in den Zeugenstand geladen werden. Der Vorsitzende Richter Mario Plein ließ Dressler wie gehabt zunächst erzählen, wie er mit der Loveparade in Verbindung gestanden hatte, bevor er gezielt nachfragte und ihm aus den Ermittlungsakten Sachverhalte vorhielt.

Dresslers freie Erzählung war kurz: zu den Sachverhalten von Planung, Genehmigung und Durchführung könne er keine Aussage machen, da er nicht involviert gewesen sei. Interessante Angaben machte er trotzdem: So war ihm von Rainer Wendt, dem aus Duisburg stammenden Bundesvorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft, zugetragen worden, dass es einen Beschluss im NRW-Innenministerium gegeben habe, dass nicht gegen die Polizei ermittelt würde. Zu Beginn der Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft Köln war auch nur gegen einen Polizeibeamten ermittelt, dass Verfahren aber vor der Klageerhebung eingestellt worden.

 
Bauaufsicht dem Ordnungsdezernenten unterstellt

Gedenktstätte für Opfer der Loveparade 2010 in Duisburg am Alten Güterbahnhof.
Foto: Petra Grünendahl,

Mehrfach wehrte sich Jürgen Dressler gegen die Wortwahl des Richters, das Amt für Baurecht und Bauberatung (Amt 62) habe zu seiner Zuständigkeit gehört und sei im unterstellt gewesen. „Die Bauaufsicht ist eine staatliche Aufgabe, die der Bezirksregierung unterstellt ist“, machte er klar, auch wenn die Ansiedlung des Amtes in seinem Dezernat andere Schlüsse zuließe. Seine Aktenvermerke auf Schriftstücken in den Ermittlungsakten seien Sachverhalte, auf die ihn seine Amtsleiterin hingewiesen hatte, und Entgegnungen (Remonstrationen) gewesen, weil „seinem“ Amt 62 unterstellt worden war, inkompetent und borniert zu sein: „Die Bauaufsicht dient nicht der Beliebigkeit der Antragsteller“, machte Dressler klar. Ein Entgegenkommen in Sicherheitsfragen, um die Veranstaltung zu ermöglichen, hatte die Mitarbeiter zu Recht abgelehnt. Das Bauordnungsamt sei keine planende Behörde, sondern eine genehmigende Behörde: „Die Nutzbarkeit des Geländes für eine Veranstaltung zu prüfen, ist die Aufgabe der Bauaufsicht nach der Versammlungsstättenverordnung“, so Dressler. Man habe weder die Veranstaltung geplant noch eine Veranstaltungsgenehmigung erteilt, sondern eine Baugenehmigung für die vorübergehende Nutzungsänderung eines geschlossenen (Privat-)Geländes. Und als Baugenehmigung sei sie mit der Sorgfalt höchst kompetenter Sachbearbeiter geprüft worden, verteidigte Dressler die Mitarbeiter der Bauaufsicht.

 
Politisch gewollt

Rathaus am Burgplatz. Foto: Petra Grünendahl.

Die Veranstaltung sei politisch gewollt gewesen als Leuchtturmprojekt im Kulturhauptstadtjahr: Nicht nur von der Landesregierung unter Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU), sondern auch von den Parteien in Duisburg: „Einen Erfolg der Loveparade sollte sich besonders für die CDU positiv auswirken“, so Dressler wörtlich. Auch bei den anderen Parteien habe es keine Opposition zur Loveparade gegeben: Keine Partei wollte allein der CDU das Sonnen im Erfolg gönnen oder zum Spielverderber werden für das große Techno-Spektakel.

Unmittelbaren Druck habe er allerdings nicht bemerkt, auch wenn der damalige Ordnungsdezernent Wolfgang Rabe als verantwortlicher Koordinator der Planungen immer wieder hervorgehoben hatte, dass Oberbürgermeister Adolf Sauerland die Veranstaltung wünsche und man dem Veranstalter entgegen kommen müsse. Außer Bedenken vom ehemaligen Polizeipräsidenten Rolf Cebin, zu dem er damals in seiner Nachbarschaft Kontakt hatte, seien ihm keine Bedenken bekannt gewesen, sagte Dressler. Und auch die von Cebin habe er nur in einem persönlichen Gespräch auf der Straße wahrgenommen. Was wenig wundert, denn nach eigener Aussage war Dressler in die Vorbereitungen nicht involviert gewesen. Die Zuständigkeit für Amt 62 (Bauaufsicht) im Zusammenhang mit der Baugenehmigung für den alten Güterbahnhof hatte OB Sauerland am 3. März 2010 an den Beigeordneten Rabe delegiert, der den Lenkungskreis für Planungen und Genehmigung koordinierte. Das entsprechende Schriftstück findet sich in den Ermittlungsakten und wurde auch hier wieder zitiert. Da wundert sich der Beobachter schon, warum Jürgen Dressler überhaupt auf der Anklagebank gesessen hatte!

© 2019 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (x), Lars Heidirch / Funke Foto Services (1)

 

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Deltaport Niederrheinhäfen boten Einblicke in ihre Entwicklungen vor Ort

Baureife Flächen mit Wasseranschluss und
überregionaler Verkehrsanbindung

Von Petra Grünendahl

Stadthafen Wesel. Foto: Petra Grünendahl.

Andreas Stolte, Geschäftsführer der DeltaPort Niederrheinhäfen GmbH und der DeltaPort GmbH & Co. KG. Foto: Petra Grünendahl.

„Auf diesem Areal hatte sich eigentlich ein Futtermittelhersteller ansiedeln wollen, aber nachdem deren Absatz sank, haben sie ihr jüngstes Erweiterungsprojekt gestoppt“, erzählte Andreas Stolte, Geschäftsführer der DeltaPort Niederrheinhäfen GmbH, im Stadthafen Wesel. Das war der einzige Wehrmutstropfen, über den Stolte zu berichten hatte. Dafür steht jetzt ein Filet-Stück mit trimodaler Anbindung im Stadthafen Wesel für eine Neuansiedlung zur Verfügung. Die komplette Kaimauer war erst zwischen 2013 und 2015 erneuert worden, als Hülskens dort auch seine neue Salzverladung baute: Rund 1 Mio. Tonnen Salz aus Rheinberg-Borth werden mittlerweile hier verladen. „Saniert haben wir auch die Gleisanlagen im Hafen und die Gleise bis zum Bahnhof Wesel, wo die Güterzüge ins Netz der Deutschen Bahn wechseln“, berichtete Dieter Thurm, Technischer Leiter der Deltaport GmbH & Co. KG. „Die 300 Meter neue Kaimauer im Rhein-Lippe-Hafen sind im vergangenen Jahr fertig geworden“, erzählte Thurm. Sie dient der Schwergut-Verladung bei Hegmann Transit.

Auf der River Lady gingen rund 200 Gäste auf die Tour „Deltaport vor Ort“. Foto: Petra Grünendahl.

Rhein-Lippe-Hafen in Wesel. Foto: Petra Grünendahl.

Bereits zum siebten Mal (und zum zweiten Mal unter dem Dach der Hafenkooperation DeltaPort Niederrheinhäfen) hatte DeltaPort zu seinem Traditions-Event geladen, rund 200 Gästen aus Politik, Verwaltung und Logistik-Branche die Entwicklung seiner Hafenstandorte „vor Ort“ zu präsentieren. Die Schiffstour mit der River Lady ging vom Anleger an der Weseler Rheinpromenade Richtung Süden über den Stadthafen und den Rhein-Lippe-Hafen (ehemals Ölhafen) in Wesel sow