Zwischen Provokation und Mainstream –
aus der Sammlung Heinz Beck
Von Petra Grünendahl


German Pop Art in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen: Impressionen. Foto: Petra Grünendahl.
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Bissig und zeitkritisch gibt sich die German Pop Art in der Ludwiggalerie: „Im Gegensatz zur amerikanischen oder britischen Pop Art beobachtet die Pop Art in Deutschland Gesellschaft und Zeitgeschehen – und das deutlich kritischer“, erklärte Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt. Pop Art erlebte auch in Deutschland in den 1960er- und 1970er-Jahren starke künstlerische Positionen. Obwohl die Themen sich deutlich von den amerikanischen und britischen Varianten unterscheiden, orientieren sie sich vordergründig immer noch an Alltagskultur, der Welt des Konsums, den Medien oder der Werbung. Jedoch sind die Werke hauptsächlich geprägt durch eine provokative Haltung, Kritik am politischen Zeitgeist, Anti-Kriegs-Haltungen und deutscher Vergangenheitsbewältigung. Die Werkschau zeigt die vielfältigen künstlerischen (und politischen) Positionen verschiedenster Künstler. „Mit ihren Auflagenwerken ist Pop Art ist Kunst für alle“, sagte Dr. Sarah Hülsewig, Kuratorin der Ausstellung. Das begünstigte ihre Verbreitung.

German Pop Art in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen (v. l.): Christine Vogt, Sarah Hülsewig und Apostolos Tsalastras. Foto: Petra Grünendahl.
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Im Pressegespräch stellten Christine Vogt und Sarah Hülsewig zusammen mit dem Oberhausener Kulturdezernenten Apostolos Tsalastras und René Zechlin, Direktor des Wilhelm-Hack-Museums in Ludwigshafen, die Ausstellung „German Pop Art“ vor. Sie gibt mit Arbeiten von sechsundvierzig Künstlern einen umfassenden Überblick über die deutschen Ausprägungen der Pop Art. Die Devise der radikalen Demokratisierung von Kunst verfolgen die Künstler mit beeindruckender Konsequenz. Indem sie sich der Druckgrafik und Multiples bedienen, also kostengünstige weit verfügbare Kunst mit hohen Auflagen herstellen, erreichen sie eine breite Öffentlichkeit. Themen wie das deutsche Wirtschaftswunder, die kritische Auseinandersetzung mit dem American Way of Life, dem Vietnamkrieg oder der kollektiven Verdrängung der jüngsten deutschen Geschichte sowie anti-museale Haltungen sind in mehr als hundertachtzig Grafiken, Objekten, Skulpturen und Multiples neu zu entdecken. Begleitend dazu lässt ein Soundwalk mit der Musik jener Jahre das Zeitgefühl lebendig werden. Die Sonderausstellung wird am Samstagabend eröffnet und ist ab Sonntag fürs Publikum geöffnet.
Die Sammlung, die Künstler und der Katalog

German Pop Art in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen: Impressionen. Foto: Petra Grünendahl.
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Nach Ausstellungen zur amerikanischen und britischen Pop Art ermöglicht die herausragende Sammlung des Düsseldorfer Rechtsanwalts Heinz Beck (1923–1988), die mit einem Umfang von etwa 2.600 Bildern im Ludwigshafener Wilhelm-Hack-Museum bewahrt wird, erneut eine große Überblickschau in der Ludwiggalerie. Ergänzt werden die 100 Bilder aus Ludwigshafen (aus den Jahren 1965 bis 1970) in der Werkschau durch rund fünfzig Arbeiten aus dem eigenen Kunstbesitz der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen (aus den Jahren 1963 bis in die frühen 1980er Jahre). Außerdem zu sehen ist eine Skulpturengruppe aus dem Ludwig Forum für Internationale Kunst Aachen, welches ebenso wie die Ludwiggalerie Teile der Sammlung Ludwig des Aachener Sammlerehepaars Irene und Peter Ludwig besitzt. Die Präsentation lädt dazu ein, sich davon zu überzeugen, dass die deutsche Pop Art den internationalen Vergleich nicht scheuen muss.

German Pop Art in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen: Impressionen. Foto: Petra Grünendahl.
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Die Künstler sind (in alphabetischer Reihenfolge) Hans Peter Alvermann, Dieter Asmus, Ulrich Baehr, Michael Jens Barge, Mary Bauermeister, Thomas Bayrle, Werner Berges, Joseph Beuys, Carl Bianga, Bodo Boden, Klaus Böttger, Klaus Peter Brehmer, Peter Brüning, Gernot Bubenik, Herbert Burger, Hans-Jürgen Diehl, Otto Dreßler, Hans-Peter Feldmann, Yolanther Fongi, Dieter Glasmacher, Bruno Gronen, Sine Hansen, Almut Heise, Bernhard Höke, Karl Horst Hödicke, Konrad Klapheck, Peter Klasen, Fritz Köthe, Ferdinand Kriwet, Uwe Lausen, Konrad Lueg, Maina-Miriam Munsky, Siegfried Neuenhausen, Werner Nöfer, Sigmar Polke, Gerhard Richter, Rissa, Detlef Rhode, Tomas Schmit, Peter Sorge, Klaus Staeck, Timm Ulrichs, Reinhard Voigt, Klaus Vogelsang, Wolf Vostell und Lambert Maria Wintersberger.
Zur Ausstellung gibt es einen Katalog: Das reich bebilderte 208-seitige großformatige Werk mit Texten von Christine Vogt, Sarah Hülsewig und Kerrin Postert ist im Hirmer Verlag erschienen und für 45 Euro im Museumsshop oder im lokalen Buchhandel zu haben (ISBN 978-3-7774-4739-1).
Impressionen aus der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl
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Ludwiggalerie Schloss Oberhausen

Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.
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Die Sonderausstellung im Großen Schloss läuft bis zum 3. Mai. Im Kleinen Schloss ist ab dem 8. Februar bis zum 31. Mai 2026 der Arbeitskreis Oberhausener Künstler mit der Ausstellung „Von hier 2026“ zu Gast. Das Museum ist geöffnet von Dienstag bis Sonntag zwischen 11 und 18 Uhr. Montags ist Ruhetag, feiertags sowie Oster- und Pfingstmontag ist jedoch geöffnet. Geschlossen ist am 24., 25. und 31. Dezember sowie 1. Januar. Der Eintritt kostet 12,00 Euro (ermäßigt 6,00 Euro, Familien mit zwei Erwachsenen plus Kindern 22,00 Euro). Außerdem gibt es ein Kombiticket mit dem Gasometer Oberhausen für 19,00 Euro.
Öffentliche Führungen finden im Großen Schloss sonn- und feiertags um 11.30 Uhr statt. Zudem gibt es zur Ausstellung Kuratorenführungen (Dr. Sarah Hülsewig):
- Sonntag, 8. Februar 2026, 15 Uhr,
- Sonntag, 8. März 2026, 15 Uhr,
- Sonntag, 29. März 2026, 15 Uhr, und
- Sonntag, 19. April 2026, 15 Uhr.
sowie Direktorenführungen (mit Dr. Christine Vogt):
- Sonntag, 22. Februar 2026, 15 Uhr, und
- Sonntag, 12. April 2026, 15 Uhr.

Schloss Oberhausen – Kleines Schloss. Foto: Petra Grünendahl.
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Darüber hinaus gibt es zahlreiche Veranstaltungen und Events sowie Führungen der Kunstvermittlung für Erwachsene, Kinder und Jugendliche (auch als Gruppenführungen). Alle Führungen (außer Gruppenführungen) sind im Museumseintritt inklusive. Das vielfältige Rahmenprogramm umfasst unter anderem einen Vortrag (Irene und Peter Ludwig und die sogenannte German Pop Art, 1. März), einen Druck-Workshop (15. März), eine Filmvorführung in Lichtburg Oberhausen (29. März) sowie das 15-jährige Jubiläum des Freundeskreises der Ludwiggalerie (19. April), der Ausstellungen im Haus finanziell unterstützt. Details zum gesamten Rahmenprogramm zu den Ausstellungen sowie zum museumspädagogischen Angebot gibt es im
Flyer zur Ausstellung sowie
hier.
Die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen ist eines der 21 RuhrKunstMuseen. Sie befindet sich an der Konrad-Adenauer-Allee 46 in 46049 Oberhausen. Anfahrt am besten über die A42, Abfahrt Oberhausen-Zentrum. Weitere Infos unter www.ludwiggalerie.de.
Gedenkhalle im Schloss Oberhausen

Gedenkhalle am Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.
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Sehr bemerkenswert ist die ebenfalls im Schloss Oberhausen untergebrachte, aber nicht zur Ludwiggalerie gehörige Gedenkhalle. Als städtische Einrichtung in Erinnerung an die Verfolgten des Nationalsozialismus arbeitet die Gedenkhalle seit 1962 gegen das Vergessen und für das Miteinander aller Menschen in Oberhausen. Mit der 2010 erneuerten Dauerausstellung widmet sie sich der Stadtgeschichte zwischen 1933 und 1945 sowie der Zwangsarbeit im Ruhrgebiet während der NS-Zeit. Geöffnet hat die Gedenkhalle ist dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Da sollte man unbedingt mal vorbei schauen!
www.gedenkhalle-oberhausen.de
© 2026 Petra Grünendahl / Rundschau Duisburg (Text)
Fotos: Petra Grünendahl
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