Ehemalige Duisburger Enklave im Braunkohlenrevier: Vom Bagger bedroht

Historischer Gutshof soll dem Braunkohlentagebau weichen
Von Petra Grünendahl

Duisserner Hof: Das verputzte Wohnhaus und der Anbau stammen von 1763. Auf dem Standort des Fotografen standen Anfang 2021 noch Gebäude. Foto: Petra Grünendahl.

Auf den fruchtbaren Lössböden der Jülicher Börde, im Erkelenzer Weiler Lützerath, besaß das Zisterzienserinnen-Kloster aus Duissern schon bald nach seiner Gründung 1234 einen großen Gutshof mit den entsprechenden Ländereien: Den „Duisserner Hof“, den man auch Mönchshof oder Wachtmeisterhof nannte. Den Hof an sich gibt es an dieser Stelle mindestens seit dem 13. Jahrhundert. Als „Halfenhof“ im Besitz des Klosters Duissern wurde er von einem Mönch bewirtschaftet, der die Hälfte seiner Erträge an das Kloster abzugeben hatte. Daher kam wohl auch die Bezeichnung „Mönchshof“. Später wurde daraus ein Pachtverhältnis. Von 1265 bis 1802 war der Hof im Besitz des Klosters, bis Anfang des 19. Jahrhunderts kirchliche Güter enteignet wurden. Die Zisterzienser-Nonnen aus Duissern zogen übrigens 1608 in die Stadt Duisburg: Ins Dreigiebelhaus an der Nonnengasse, bis sie diesen Besitz 1806 ebenfalls aufgeben mussten.

 

Duisserner Hof: Das verputzte Wohnhaus und der Anbau stammen von 1763, die Scheune rechts aus dem späten 19. Jahrhundert. Auf dem Standort des Fotografen standen Anfang 2021 noch Gebäude. Foto: Petra Grünendahl.

Zum Tag des offenen Denkmals öffnete auch der Duisserner Hof sein Tor. Seit 1993 ist der Hof wegen seiner geschichtlichen und kulturhistorischen Bedeutung in die Denkmalliste der Stadt Erkelenz eingetragen. Das Wohnhaus mit Traufanbau stammt von 1763, nachdem der Pächter zu einigem Wohlstand gekommen war. Eine große Scheune ist vermutlich aus dem (späten) 19. Jahrhundert. Zwischen diesen beiden Gebäuden ist im Laufe der Jahrhunderte mehrfach um- und neu gebaut worden, wie man an der Fassade erkennen kann.

 

Kein Bus hält mehr in Lützerath. Foto: Petra Grünendahl.

Lützerath gehörte Jahrhunderte lang zur Gemeinde und Pfarre Immerath, deren Kirche St. Lambertus mit Doppelturmfassade im Volksmund auch Immerather Dom genannt wurde. Auch wenn der Ortsname (als Lutzelenrode) erst 1168 erstmals erwähnt wurde, so war doch bereits seit 1135 ein Gutshof, der Paulshof, im Besitz einer Benediktinerinnen-Abtei in Neuwerk (heute Mönchengladbach).

 

 
Der Duisserner Hof in Lützerath

Das gelbe Kreuz des Widerstandes am Duisserner Hof in Lützerath. Foto: Petra Grünendahl.

Im Zuge der Säkularisierung unter Napoleon ging der Duisserner Hof an den Halfen, durch Einheiratung dann an die Familien Helpenstein und später Heukamp. Heute bewirtschaftet Eckehard Heukamp das Gut, welches als letztes Grundstück in Lützerath noch nicht im Besitz der RWE Power ist. RWE will hierhin und in weitere umliegende Dörfer den Tagebau Garzweiler II ausdehnen. Umsiedlungsstandort für Lützerath ist Immerath (neu), wo auch die Bewohner von Pesch hin siedeln durften, nicht jedoch die Landwirte, von denen es in Lützerath deutlich mehr gab als in allen anderen Orten, die im Gebiet von Erkelenz betroffen waren.

Der Hof ist seit vielen Generationen im Familienbesitz: Den Familiengrabstein vom Immerather Friedhof. hat Eckehard Heukamp gerettet Foto: Petra Grünendahl.

Der alte Ort Immerath, immerhin 1144 erstmals urkundlich erwähnt, ist vollständig abgerissen. Vom Friedhof in Immerath hat Eckehard Heukamp immerhin den Familiengrabstein retten können. Abgerissen wurden Anfang des Jahres auch große Areale von Lützerath, wo sich einst um vier große, aus dem Mittelalter stammende Gutshöfe weitere Wohnbebauung befand. Der verlassene Neuwerker- oder Paulshof ist heute von Security-Mitarbeitern bewacht, um eine Besetzung durch Aktivisten zu unterbinden, die ihrerseits den Abriss des Ortes verhindern wollen. Ein Gebäudekomplex neben dem Duisserner Hof ist eingezäunt und nicht zugänglich.

 

Abgesperrt und mit Sicherheitsdienst zur Bewachung: Leer stehender Gutshof in Lützerath. Foto: Petra Grünendahl.

Derweil kämpft Eckehard Heukamp weiter um den Erhalt seines elterlichen Hofes: „Er hat Widerspruch gegen einen ‚Grundabtretungsbeschluss’ eingelegt“, erzählte Christian Wiltsch, der in dieser Gegend groß geworden ist und bis vor kurzem zwischen Garzweiler und Hambach wohnte. Nun engagiert er sich selber in der bürgerlichen Initiative „Denk mal an der Kante“, die weitere Zerstörungen für den Tagebau verhindern will und zum Tag des offenen Denkmal hier eine Denkmal-Rallye und das Hoffest organisiert hat.

 

Vertreibt die Menschen aus ihrer Heimat: der Tagebau Garzweiler II. Foto: André C. Sommer.

Heukamps Anwalt sehe die Enteignung als rechtswidrig an, so Wiltsch, denn: „Die Braunkohle-Pläne der 1990er-Jahre entsprechen weder neueren Maßgaben zum Klimaschutz noch Gesetzen zum Kohleausstieg.“ Die RWE Power als Betreiberin des Tagebaus wollte den Ausgang einer Klage (gegen besagten Widerspruch) allerdings nicht abwarten und habe eine „vorzeitige Besitzeinweisung“ beantragt, erzählte der Bauingenieur. Eine Entscheidung stehe allerdings noch aus. Die Abgrabungen der umgesiedelten oder sich in Umsiedlung befindlichen Ortschaften und Weiler stehen erst zum Ende der 2020er-Jahre an.

 

 
 
 
Das benachbarte Keyenberg, die Kirche im Dorf und die Umsiedlung

Gelbe Kreuze markieren den Widerstand an der Kirche Heilig Kreuz in Keyenberg. Foto: Petra Grünendahl.

Zumindest der Vorraum der Kirche Heilig Kreuz in Keyenberg war ebenfalls zum Tag des offenen Denkmals geöffnet. Er gab immerhin Einblicke in die 1866 (Chorraum) begonnene und 1912 bis 1913 (das dreischiffige Langhaus) fertig gestellte, im neugotischen Stil errichtete Kirche, die ihre Gründung auf das Jahr 714 tradiert. Durch die Glastüren konnte man auch das ewige Licht auf dem Altar erkennen. Die ursprünglichen Baupläne aus den 1860er-Jahren sahen eine Doppelturmfassade vor, realisiert wurde aber nur ein Glockenturm. Die Kirche ist seit 2019 im Besitz der RWE Power, allerdings noch nicht entweiht. Dennoch ließ das Bistum Aachen kürzlich in einer Nacht- und Nebelaktion aus dem denkmalgeschützten Bau (!) die Glocken entfernen, um sie in einer neuen Kapelle in Neu-Keyenberg aufzuhängen. Obwohl in der Kirche keine Gottesdienste mehr stattfinden, hat dies bei den verbliebenen Keyenbergern – zu 30 Prozent ist der Ort noch bewohnt – massives Missfallen ausgelöst. Es soll deswegen auch schon Kirchenaustritte gegeben haben.

 

Keine Perspektive: Wenn seine Bäckerei in Keyenberg geschlossen wird, hängt Wolfgang Laumanns seinen Beruf an den Nagel. Foto: Petra Grünendahl.

Obwohl die Ortschaften des künftigen Tagebaus schon seit Jahren umgesiedelt werden, leben immer noch Menschen dort, für die die neuen Wohngebiete keine Option sind. Bäckermeister Wolfgang Laumanns hat Backstube und Bäckereigeschäft direkt gegenüber von Heilig Kreuz. Mit einer Verkaufsstelle dürfte er auch nach Neu-Keyenberg ziehen, aber da die Ansiedlung (wie alle Neusiedlungen) als „Wohngebiet“ gilt, kann er seine Backstube nicht mitnehmen.

Prachtvolle Neugotik hinter Glas: Das Innere der Kirche Heilig Kreuz in Keyenberg. Foto: Petra Grünendahl.

Er müsste sie in einem Gewerbegebiet errichten, wo schon die Grundstückspreise weit über den Entschädigungen liegen, die RWE Power gezahlt hat. Einen Kredit für einen Neubau in mittlerer sechsstelliger Höhe bekommt er nicht. Da er ohnehin keinen Nachfolger hat, hängt er seinen Beruf an den Nagel, wenn die RWE Power Keyenberg abreißen lässt. Damit werden dann auch seine Verkäuferinnen arbeitslos. Ähnlich geht es nicht wenigen anderen Angestellten (und Auszubildenden) von kleinen Unternehmen und Gewerbetreibenden in den Umsiedlungsgebieten, die ja als Dörfer durchaus Gewerbeflächen haben durften. Manch einer macht den Laden ganz dicht, andere ziehen unter Umständen weiter weg. Dem Arbeitsmarkt vor Ort gehen sie damit verloren!

 

Prachtvolle Neugotik hinter Glas: Das Innere der Kirche Heilig Kreuz in Keyenberg. Foto: Petra Grünendahl.

Ohnehin ist das mit der Umsiedlung für die Menschen in den alten Ortschaften nicht leicht: Lediglich etwa die Hälfte bis 60 Prozent ziehen in die neuen Wohngebiete. Für Mieter – egal, ob Haus oder Wohnung – sind die Mieten in den Neubauten viel zu hoch: Das Doppelte bis mitunter Dreifache müssten sie an Quadratmeterpreisen zahlen. Das kann sich nicht jeder leisten. Auch kriegen die Eigentümer in den Umsiedlungsorten nur „Altbauten“ erstattet, sollen sich davon in den Neubaugebieten aber „Neubauten“ kaufen können. Und: Alte Leute bauen nicht mehr neu. Jüngere Leute und (erwachsene) Kinder ziehen mit der Entschädigung ganz weg aus der Region. Und wer als Landwirt keinen Hof außerhalb des Tagebau-Gebietes findet, den er als Nachfolger übernehmen kann, bekommt nur eine Entschädigung und kann seinen Beruf aufgeben.

 
Widerstand gegen Tagebau und Umsiedlung

Widerstand gegen die Umsiedlung: Die Rheinbraun ist 2003 in der RWE Power AG aufgegangen. Foto: Petra Grünendahl.

Der Widerstand in einigen Dörfern gegen Umsiedlung und Abriss vereint Klimaaktivisten, die hier gegen Tagebau und Zerstörung protestieren, in einer eher ungewöhnlichen Allianz mit dem bürgerlichen Bündnis „Alle Dörfer bleiben“ und der Initiative „Denk mal an der Kante“, die sich früher eine solche Zusammenarbeit gar nicht hätten vorstellen können: Bodenständige Menschen, die einfach nur ihre Heimat behalten bzw. die Kulturgüter der Region erhalten wollen.

Tagebau Garzweiler. Karte: Arne Müseler / CC BY-SA 3.0.

Wie bei früherem Tagebau im Rheinischen Braunkohlenrevier werden die Bergbauflächen nach Beendigung der Förderung zugeschüttet und renaturiert. Allerdings stößt die Renaturierung an Grenzen: Die künstlichen Seen, die in den rekultivierten Bereichen angelegt werden, haben einen gewissen Freizeitwert, können aber die fruchtbaren Ackerböden der Region, die vor ihrer Abgrabung wahre Kornkammern darstellten, nicht ersetzen. Eine auf renaturierten Flächen angesiedelte Landwirtschaft kann auf den neuen Flächen gleicher Größe langfristig nicht die Ackerland-Erträge erwirtschaften, die sie auf den alten fruchtbaren Lössböden der Börde-Landschaft hatte.

Mehr Infos und viel Bildmaterial zum Thema gibt es zum Beispiel beim Fotografen Arne Müseler auf www.garzweiler.com.

 

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Der Tagebau Garzweiler II. Fotos: Petra Grünendahl & André C. Sommer

 

Rheinisches Braunkohlenrevier. Karte: Thoroe / CC BY-SA 2.0.

 
© 2021 Petra Grünendahl (Text)

Fotos: Petra Grünendahl (18), André C. Sommer (1),
Karten: Thoroe / CC-BY-SA-2.0-Lizenz, Arne Müseler / CC BY-SA 3.0

 

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Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers präsentiert Bergbaukalender 2022

Schachtanlagen der Region in ihrem historischen Kontext
Von Petra Grünendahl

Titelbild (Fotomontage): „Glückauf 2022 – Bergbau am Niederrhein“, der Kalender des Grafschafter Museums- und Geschichtsvereins.

Die Fotografien im Bergbaukalender reichen von 1920 bis hin zu den letzten Monaten auf Bergwerk West 2012. Sie zeigen Ansichten von Schachtanlagen zu ihren Betriebszeiten. Heute ist davon nicht mehr viel, an manchen Standorten sogar lediglich eine Protegohaube oder gar einem Schachtdeckel übrig geblieben. Auf anderen Fotografien erkennt man jedoch noch einzelne Gebäude, die das Ende der Kohlenförderung am Niederrhein überdauert haben und die heute noch genutzt werden. Der Bergbau hat die Region geprägt und Städte wie Moers oder Duisburg zu dem gemacht, was sie sind. Der Kalender macht sich auf Spurensuche einer 155-jährigen Geschichte des Bergbaus am Niederrhein. Die Auswahl der Fotos reicht vom Bergwerk Friedrich Heinrich (zuletzt Bergwerk West) in Kamp-Lintfort, der Zeche Niederberg in Neukirchen-Vluyn und dem Bergwerk Borth* in Rheinberg über die verschiedenen Standorte von Rheinpreußen in Moers und Homberg bis hin zu den Bergwerken Diergardt und Mevissen in Rheinhausen.

 

Stellten den Kalender vor (v. l.): Alberto Dominguez (vorne), Heinz Bernard, Hans Gerd Lamers, Hatice Kardas, Peter Boschheidgen, Gudrun Krispin und Dieter Soyke. Foto: Petra Grünendahl.

Mit „Glückauf 2022 – Bergbau am Niederrhein“ präsentierte der Vorstand des Grafschafter Museums- und Geschichtsvereins (GMGV) in Moers seinen zweiten Kalender für das kommende Jahr. Seit Jahren schon spricht der Verein mit dem Nutzungsrecht auf Rheinpreußen Schacht IV in Hochstraß, dem ehrenamtlichen Erhalt des Fördermaschinenhauses und den Führungen durch ehemalige Bergleute neue Kreise in der Bevölkerung und vor allem Bergbauinteressierte an. Das Fördermaschinenhaus von Rheinpreußen Schacht IV diente mehrfach als Spielstätte der Extraschicht.

Industriedenkmal Rheinpreußen Schacht IV. Foto: Petra Grünendahl.

Ein erstes Kerzenkonzert im Maschinenhaus zum Ende der Steinkohlenförderung im Deutschland im Dezember 2018 erlebte 2019 eine zweite Auflage, bevor Corona weitere Veranstaltungen dieser Art verhinderte. Mit dem Bergbau erreicht der GMGV nicht nur ein interessiertes Publikum, sondern gewinnt auch neue Vereinsmitglieder. Da lag ein solcher Kalender neben dem Klassiker „Moerser Ansichten“ (seit 2015) nahe.

 

 
André Thissen

André Thissen, Leiter Arbeitskreis Schacht IV. Foto: privat.

Geschaffen hat diesen Kalender André Thissen, der leider bei der Vorstellung des Kalenders verhindert war. Er hat als Bergmann auf Zechen am Niederrhein gearbeitet und kennt sich im Bergbau und bei Schachtanlage in der Region aus: „Nachdem André in den vergangenen Monaten in den sozialen Medien mit Postings zur Geschichte der Zeche Rheinpreußen eine riesige Resonanz hatte, hab ich ihn gefragt, ob er sich einen Kalender mit Bergbau-Motiven vorstellen könne“, erzählte Frank Heinrich, Schatzmeister des GMGV. Er konnte. André Thissen war auf den Schachtanlagen Rheinpreußen 9 (1981-1990) in Moers-Utfort und Bergwerk West (1990-2013) in Kamp-Lintfort bis zum Ende des Bergbaus am Niederrhein dabei.

 

Bergwerk West, Foto von André Thissen: „Glückauf 2022 – Bergbau am Niederrhein“, der Kalender des Grafschafter Museums- und Geschichtsvereins.

Seit 2004 hat er mit dem Fokus auf Nachtaufnahmen mit Industrieanlagen und Bergwerken im Ruhrgebiet fotografische Erfahrungen gesammelt. Ab 2010 gab es Kalender „Ruhrgebiet bei Nacht“, denen Fotoausstellungen folgten. Seit einer Fotoausstellung auf Schacht IV wurde der Kontakt zu den dort ehrenamtlichen Bergleuten enger, da er sich auf seinen fotografischen Streifzügen neben den Motiven immer auch für die Geschichte der Standorte interessierte. Beim GMGV ist er heute Arbeitskreisleiter Schacht IV. Aus einem Nachlass eines Vereinskollegen bekam er etliche Terrabyte an montanhistorischen Fotos, Zeichnungen und Dokumenten. „Daraus können wir ohne Probleme 25 Jahre Kalender machen“, kommentierte Hans Gerd Lamers, der in Moers die Buchhandlung Spaethe betrieben hatte und als (ehemaliger) Verlagsvertreter für Kalender seine Kenntnisse für die Produktion des Kalenders beisteuerte.

 

 
Glückauf 2022 – Bergbau am Niederrhein

Rheinpreußen 1 und 2 in Homberg: „Glückauf 2022 – Bergbau am Niederrhein“, der Kalender des Grafschafter Museums- und Geschichtsvereins.

Neben den zwölf (datierten) Motiven von Zechen und Schachtanlage führen kurze Texte in die Historie des jeweiligen Standorts ein. Neben deutschsprachigen Texten gibt es eine türkische Übersetzung, verfügt doch Moers als ehemalige Bergbaustadt auch über eine große und aktive türkische Community. Die Übersetzung übernahm Halil Sentürk, der als ehemaliger Bergmann auch die benötigten Fachbegriffe beherrscht, mit Hilfe von Hatice Kardas, die das Ganze inklusive türkischer Sonderzeichen aufs virtuelle Papier brachte.

Zeche Diergardt Schacht 1: „Glückauf 2022 – Bergbau am Niederrhein“, der Kalender des Grafschafter Museums- und Geschichtsvereins.

Der Kalender im A3-Querformat ist für 9,95 Euro in lokalen Buchhandlungen in Moers, Kamp-Lintfort und Neukirchen-Vluyn sowie teilweise auch in Schreibwarenläden in der Region zu haben. Der GMGV selber hat erste Exemplare am vergangenen Wochenende beim Schlossfest in Moers verkauft und ist damit auf große Resonanz gestoßen. Von einer Auflage von 750 Stück sind über 500 Stück schon an die Verkaufstellen ausgeliefert. Mit dem Erlös werden Projekte des GMGV finanziert – auch am Schacht IV.

 

 
Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e.V.

Rheinpreußen Schacht IV in Moers-Hochstraß: „Glückauf 2022 – Bergbau am Niederrhein“, der Kalender des Grafschafter Museums- und Geschichtsvereins.

Der Museums- und Geschichtsverein in Moers möchte die Geschichte und Kultur der Grafschaft Moers schützen und erhalten – und das seit 1904. In diesem Jahr gründete Dr. Hermann Boschheidgen den „Verein für Heimatkunde“. Seitdem werden vom Verein, der heute „Grafschafter Museums- und Geschichtsverein“ heißt, Gegenstände aus dem Alltag und dem Leben der Moerser Bevölkerung zusammengetragen und im Moerser Schloss ausgestellt. Dadurch soll gemeinsam mit der Stadt Moers interessierten Bürgern die Geschichte der Grafschaft und des Altkreises Moers nahe gebracht werden. Den kulturellen und historischen Wert des Schlossparks stärker bewusst zu machen und zu erhalten ist ebenfalls ein Ziel der Arbeit des GMGV. Der heutige Vorsitzende, Peter Boschheidgen, ist ein Enkel des Vereinsgründers.

Industriedenkmal Rheinpreußen Schacht IV. Foto: Petra Grünendahl.

Als weiterer Schwerpunkt der Vereinstätigkeit kam später die Geschichte des Bergbaus mit dem Nutzungsrecht für das „Industriedenkmal Rheinpreußen Schacht IV“ hinzu, mit der Verpflichtung, das Maschinenhaus von 1906 zu erhalten. Der Bergwerks-Standort war 1962 stillgelegt worden. Unter dem langjährigen Vereinsvorsitzenden Andreas Eichholtz übernahm der GMGV Ende der 1990er-Jahre als Bauherr mit finanzieller Unterstützung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, des Landes NRW und der Nordrhein-Westfalen-Stiftung die Renovierung. Das Denkmal und die restaurierte Technik kann im alten Maschinenhaus besichtigt werden. Ehemalige Bergleute erklären die Fördertechnik und führen durch die Sammlung. Allerdings ist das Fördermaschinenhaus aktuell wegen Corona geschlossen.
www.gmgv-moers.de

 
*) auch dort war zunächst Kohle gefördert worden, bevor man zur Förderung von Steinsalz wechselte

 
© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (3), privat (1), Kalender: GMGV

 
 

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Lektüretipp: Friedhelm Wessels „Zechen im Ruhrgebiet” im Sutton Verlag

Als Bergleute im Revier das schwarze Gold zu Tage förderten
Von Petra Grünendahl

Friedhelm Wessels „30 Zechen im Ruhrgebiet“: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Friedhelm Wessel hat hier unterschiedlichste Geschichten von (ehemaligen) Bergleuten zusammen getragen: Teils sind sie seit Generationen dem Bergbau verbunden, andere sind eher durch Zufall in die Welt untertage gelangt. Manche Geschichten sind deutlich in der Vergangenheit angesiedelt: Wessels hat sie vermutlich während seiner langen journalistischen Tätigkeit aufgetan. Andere sind neueren Datums, blicken aber nicht weniger in eine Vergangenheit zurück, die schon seit den späten 1950er-Jahren von Schließungen der Bergwerke und Konzentration zu Verbundzechen geprägt war. Viele Stimmen stammen von Gewerkschaftern, von Leuten der Grubenwehr, von Menschen, die sich engagiert haben. Es sind spannende Geschichten aus Zeiten, die nie wieder kommen, aber Generationen im Ruhrgebiet geprägt haben.

 

Friedhelm Wessels „30 Zechen im Ruhrgebiet“: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Für sein Buch „Zechen im Ruhrgebiet“ hat Friedhelm Wessel 30 Standorte ausgewählt, die zu den „Highlights aus der Geschichte“ (so der Untertitel) der Förderung des schwarzen Goldes im Revier zählen. Die Bergwerke reichen von der Zeche Friedrich Heinrich (Bergwerk West) im Westen bis Zeche Sachsen in Hamm im Osten. Der kurzen Geschichte der jeweiligen Zeche folgen Erzählungen von Männern, die dort eingefahren sind. Teils erzählt Wessels ihre Geschichten, teils erzählen sie aber auch selber: Von ihrem Werdegang, ihrer Arbeit, ihrem Leben und nicht selten auch von Grubenunglücken. Viele Bergmannsgeschichten sind auch geprägt von den Schließungen der Bergwerke, vom Wechsel auf die nächste Zeche. Bis dann im Dezember 2018 auch auf der Letzten Schicht im Schacht war. Unter den Erzählungen sind Erinnerungen von den 1950er-Jahren bis heute versammelt. Jede Zeche ist mit einer solchen Erzählung verbunden, die dem Bergbau eine Stimme und häufig auch ein Gesicht geben.

 

 
Sehr persönliche Einblicke in die Zeiten des Bergbaus

Friedhelm Wessels „30 Zechen im Ruhrgebiet“: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Natürlich sind die 30 Zechen eine willkürliche Auswahl – und sie lässt natürlich Raum für ein zweites Buch, weil jeder Bergbauinteressierte weitere Zechen in die Highlights aufnehmen würde. Mit Zeche Walsum ist auch ein Duisburger Bergwerk dabei. Und auch die Zeche Lohberg in Dinslaken dürfte hier so manchem ein Begriff sein.

 

Friedhelm Wessels „30 Zechen im Ruhrgebiet“: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Die Fotografien sind sowohl aktuell, aber viele auch mehr oder weniger historisch. Faszinierend sind einerseits die Fotos jener Zechen, die schon vor Jahrzehnten dem Erdboden gleich gemacht wurden: Viele seltene Aufnahmen sind dabei, die Orte zeigen, denen man heute ihre frühere Bedeutung gar nicht mehr ansieht. Sentimental stimmen hingegen jene „neueren“ Fotos von in den letzten Jahren stillgelegten Zechen, deren Betriebsgebäude auch mittlerweile weitgehend abgerissen worden sind. Die Bebilderung der Kapitel stammt überwiegen vom Fotografen Wessel selber bzw. aus seinem Sammlungsarchiv. Weitere Bilder stammen aus privaten Sammlungen.

Friedhelm Wessels „30 Zechen im Ruhrgebiet“: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Friedhelm Wessels Buch „Zechen im Ruhrgebiet. 30 Highlights aus der Geschichte“ ist erschienen im Erfurter Sutton Verlag, Deutschlands führendem Verlag für Lokal- und Regionalgeschichte. Auf 128 Seiten findet der Leser rund 150 Fotografien und Abbildungen. Das Buch im Format 17 x 24 cm mit Hardcover-Einband ist für 19,99 Euro im lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-96303-307-0) erhältlich.

 
Der Autor

Friedhelm Wessels „30 Zechen im Ruhrgebiet“: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Friedhelm Wessel wurde 1944 kriegsbedingt in der Nähe von Detmold geboren. Aufgewachsen ist er zwischen der Jacobi-Kolonie in Oberhausen-Osterfeld und dem Herner Dichterviertel. Nach Jahren in verschiedenen Berufen wie Reiseleiter, Monteur im In- und Ausland, Produktions- und Regieassistent bei einer Filmfirma arbeitete er ab 1973 über 30 Jahre als Redakteur und Fotograf für die „Ruhr Nachrichten“ und andere Lokalmedien, wo er sich als Autor lokalgeschichtlicher Publikationen einen Namen machte. Selbst in einer Zechenkolonie aufgewachsen, schildert er authentisch und mit viel Liebe zum Detail den Alltag rund um die Zeche Piepenfritz (Zeche Friedrich der Große in Herne-Horsthausen) zu Beginn der 1960er-Jahre. Das Ergebnis ist ein atmosphärisches Zeugnis einer Kulturregion, die auf Grund der beginnenden Kohlekrise zu dieser Zeit bereits im Untergang begriffen war. Nach der vorzeitigen Pensionierung ist Friedhelm Wessel seit 2006 als publizistischer Spurensucher im Revier unterwegs und hat seitdem weitere Bücher publiziert.
https://verlagshaus24.de/autor/34134/wessel-friedhelm
https://wiki.hv-her-wan.de/index.php?title=Friedhelm_Wessel

Bücher von Friedhelm Wessel im Sutton Verlag:

  • Zechen im Ruhrgebiet. 30 Highlights aus der Geschichte
  • Wo das Ruhrgebiet Geschichte schrieb (erscheint im November 2021)
  • Schalke 04 in den 70er-Jahren (erscheint im Oktober 2021)
  • Alt-Bottrop in historischen Fotografien
  • Kirchhellen 1970 bis 2010
  • Osterfeld – Alte Bilder erzählen
  • Essen 1950 bis 2000 – Alte Bilder erzählen
  • Herne in historischen Fotografien
  • Gelsenkirchen in den 1970er-Jahren

 

 
Sutton Verlag, Erfurt

Friedhelm Wessels „30 Zechen im Ruhrgebiet“: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Sutton ist der führende Verlag für Regionalgeschichte und -literatur im deutschsprachigen Raum: Vom historischen Bildband reicht das Programm bis zum Freizeitführer. Den zweiten Schwerpunkt des 1997 gegründeten Verlages bildet die Verkehrs- und Technikgeschichte. Außerdem bietet Sutton Krimi unter dem Motto „mordsmäßig spannend“ seit 2011 Regionalkrimis der unterschiedliches Genres. Seit Anfang 2014 gehört Sutton zum Verlagshaus GeraNova Bruckmann in München.
https://verlagshaus24.de/sutton/

 

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Der Blick ins Buch. Fotos: Petra Grünendahl

 
© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl, Cover und Layout: Sutton Verlag

 

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MKM Museum Küppersmühle zeigt Fotografien von Andreas Gursky

Spannende Perspektiven aus der Region und darüber hinaus
Von Petra Grünendahl

Kreuzfahrt (l.), NN (r.): Andreas Gursky im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl.

„Andreas Gursky hält uns den Spiegel vor von einer Welt, die wir kennen, aber so nicht erwarten”, führte Museumsdirektor Prof. Dr. h. c. Walter Smerling in das Werk des Fotografen ein. Der Betrachter findet skupturales Denken in Fotografien umgesetzt. Manche Fotografien sind als Schnappschüsse entstanden, weil Gursky ein Motiv interessant fand. „Entscheidend ist aber: Taugt es zum ‚Bild’“, erklärte Gursky. Schon früh – in den 1990er-Jahren – hatte Gursky die digitalen Möglichkeiten der Fotografie für sich entdeckt. Wo der nötige Abstand zum Motiv fehlt, arbeitet Gursky mit mehreren Aufnahmen für eine „Montage“, die er digital zusammen setzt. Andere Fotos wie auch Schnappschüsse mit dem Smartphone sind eher nur minimal nachbearbeitet. Viele Bilder wirken leicht, alltäglich. Erst auf den zweiten Blick erkennt man seine Konzeption und die Inszenierung. Speziell die großformatigen Werke haben in den hohen Räumen des Museums ihren Reiz. Sie leben aber auch davon, dass der Betrachter aus der Nähe wie bei Wimmelbildern ihre Einzelheiten ausmachen kann.

 

Andreas Gursky (im Vordergrund) und Walter Smerling (l.) im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl.

Die neue Ausstellung im Erdgeschoss des Museums Küppermühle (MKM) stellte Walter Smerling zusammen mit den Fotografen Andreas Gursky im Pressegespräch vor. Smerling hat die Werkschau – ein Querschnitt seines Schaffens – in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler kuratiert: Die Retrospektive ist explizit für den Ort und mit Bezug zur Region gestaltet. „Wir haben hier fantastische Räume mit einem tollen Licht“, schwärmte der Fotograf vom Museum. Während seines Studiums an der Düsseldorfer Akademie bei Bernd und Hilla Becher diente ihm die Region oftmals als Schauplatz. Über 60 Arbeiten aus vier Jahrzehnten zeigt das MKM: Von frühen Arbeiten aus dem Ruhrgebiet über bekannte ikonische Werke bis hin zu neuen Arbeiten. Während die großen hohen Hallen des Museums primär die Großformate präsentieren, gibt es unter anderem in Eingangsbereich die kleinformatigen Werke zu sehen. Die Ausstellung ist ab 9. September fürs Publikum geöffnet.

 

 
Der Künstler

Andreas Gursky im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl.

Andreas Gursky wurde 1955 in Leipzig geboren. Vater und Großvater waren Werbefotografen. Ab 1956 wuchs er in Düsseldorf auf. Zunächst studierte er an der Folkwang Universität in Essen. 1980 begann er an der Düsseldorfer Kunstakademie sein Studium. Bei Bernd Becher schloss er 1985 als Meisterschüler sein Studium ab. Von 2010 bis 2018 hatte er eine Professur für Freie Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf inne. Gurskys Werke finden sich weltweit auf Ausstellungen, in Sammlungen und Museen. Der Künstler lebt und arbeitet in Düsseldorf.

Rhein: Andreas Gursky im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl.

Die Ausstellung „Andreas Gursky“ verdankt das MKM dem Einsatz des Künstlers und seinem Team sowie der Kooperation mit der Galerie Sprüth Magers und dem Museum der bildenden Künste Leipzig. Finanziell unterstützt die National-Bank Essen die Schau, die ansonsten in dieser Dimension nicht möglich gewesen wäre. Aus Anlass der Ausstellung im MdbK in Leipzig ist das Künstlerbuch „–2020. Andreas Gursky“ erschienen, das auch in der Ausstellung im Museum Küppersmühle erhältlich ist. Das 188-seitige Werk mit 57 Bildtafeln, Hardcover mit Leineneinband im Format 30 x 26,3 cm und Schuber, ist für 89 Euro an der Museumskasse zu haben (ISBN 978-3-00-066711-4).

 

Museum Küppersmühle:
Duisburger haben donnerstags freien Eintritt

Bauhaus: Andreas Gursky im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl.

Die Ausstellung „Andreas Gursky“ ist bis zum 30. Januar 2022 in den Erdgeschossräumen des Museums zu sehen. Das Museum Küppersmühle findet man im Innenhafen am Philosophenweg 55 (Haupteingang, der Parkplatz befindet sich auf der anderen Straßenseite). Mittwochs ist das Museum von 14 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis sonntags sowie feiertags von 11 bis 18 Uhr. Montags und dienstags ist Ruhetag. Der Eintritt kostet nur für die Wechselausstellungen 6 Euro (ermäßigt 3 Euro), für das gesamte Haus (inkl. Wechselausstellung) 12 Euro (ermäßigt 6 Euro). Familien (2 Erwachsene plus Kinder) zahlen 18 Euro für das ganze Haus, 10 Euro für Wechselausstellungen. Kinder bis 16 Jahren haben freien Eintritt. Kindergruppen (Schule, Kita, Kinderfreizeit) zahlen 2 Euro pro Kind und Betreuer. Donnerstags haben alle Duisburger (gegen Vorlage des Personalausweises) freien Eintritt. Das MKM ist Partner der Ruhrkultur.Card. Alle Ausstellungsräume des Museums sind auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich. Informationen gibt es unter http://www.museum-kueppersmuehle.de). Es gelten die jeweils gültigen Corona-Regeln.

 

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Impressionen. Fotos: Petra Grünendahl

 
© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Duisburg-Homberg: Zweite Sprengung eines Weißen Riesen in Hochheide

Nach der Sprengung ist vor der Sprengung
Von Petra Grünendahl & André C. Sommer

Feuerwehrchef Oliver Tittmann (l.) und Generalplaner Marc Sommer (r.) beim letzten Presserundgang vor der Sprengung. Foto: Petra Grünendahl.

Rund 4,5 Kilometer Schläuche hatte die Feuerwehr Duisburg für eine Wasserwand verlegt, die die Staubentwicklung unterdrücken sollte als fast 50.000 Tonnen Stahlbeton in sich zusammen fielen. Das Wasserbecken von 600 Kubikmetern (600.000 Liter) Fassungsvermögen würden für knappe 20 Minuten Wasserwand reichen, hatte Feuerwehrchef Oliver Tittmann im Vorfeld gesagt. Auch wenn die Sprengung dieses Mal (im Vergleich zur ersten Sprengung am 24. März 2019) länger dauerte – fünf Einzelsprengungen über 6 Sekunden waren für das komplexere Sprengbild nötig – war schon nach wenigen Sekunden alles vorbei. Die große Staubwolke, die nach Südosten abdriftete, war da von der Wasserwand schon längst nicht mehr einzufangen.

 

Sprengung des Weißen Riesen in Homberg-Hochheide. Foto: Petra Grünendahl.

Mit knapp 10 Minuten Verspätung wurde der zweite Weiße Riese in Homberg-Hochheide gesprengt. Kurz vor 12 Uhr waren der Polizeihubschrauber- und Drohnenüberwachung noch Menschen in der Evakuierungszone auf Dächern aufgefallen, die aus dem Radius entfernt werden mussten. Danach lief alles nach Plan: nach zwei Verbrämungssprengungen zündeten dann wie geplant die Ladungen zunächst in den mittleren beiden Blöcken, bevor sich dann die äußeren Blöcken darauf legten. Rund 50.000 Tonnen Stahlbeton gilt es jetzt noch in den nächsten Monaten abzufahren.

 
Unser Video von der Sprengung. Video: André C. Sommer.

 
Bilderstrecke Sprengung. Fotos: Petra Grünendahl.

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Ein dritter Weißer Riese soll 2023 gesprengt werden

Der Weiße Riese nach der Sprengung. Foto: Petra Grünendahl.

Die Ausschreibungen starten in Kürze, wer den Abbruch übernimmt und entsprechend die notwendigen Sanierungen (Asbest, Mineralwolle) beauftragt. Der Weiße Riese Ottostraße 54 / 56 ist allerdings nur halb so breit (zwei Hochhausblöcke statt der bisherigen vier) und wird damit nicht so viel Zeit für Sanierung und Sprengvorbereitung in Anspruch nehmen wie die ersten beiden Weißen Riesen an der Friedrich-Ebert-Straße 10–16 und Ottostraße 24–30. Wenn die Ausschreibung jetzt zügig abgeschlossen werden kann, rechnet die Stadt Duisburg mit einer Sprengung 2023.

 
Bilderstrecke von der Presse-Tour vor der Sprengung. Fotos: Petra Grünendahl (6), André C. Sommer (1).

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© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (18), André C. Sommer (1), Video: André C. Sommer

 
 

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Duisburg-Homberg: Letzte Vorbereitungen vor der Sprengung des Weißen Riesen in Hochheide

Neben letzten Arbeiten auf der Baustelle rund um den Weißen Riesen war auch die Feuerwehr für Vorbereitungen zur Sprengung vor Ort und legte Schläuche für die Wasserwand, die bei der Sprengung den Staub unterdrücken soll. Gegenüber an der Ottostraße montierten Bauarbeiter ein Gerüst an die Fassade, um diese vor Schäden zu schützen.

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Letzte Vorbereitungen für die Sprengung des Weißen Riesen Ottostraße 24-30. Fotos: Petra Grünendahl.

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Weißer Riese in Homberg-Hochheide: Eine letzte Baustellen-Tour vor der Sprengung

500 Kilogramm Sprengstoff legen fast 50.000 Tonnen Betonrohbau in Schutt und Asche
Von Petra Grünendahl

Sprengmeister Michael Neubert von der Thüringer Sprenggesellschaft. Foto: Petra Grünendahl.

„Wir haben hier mehrere Probesprengungen gemacht, um die optimale Sprengstoffmenge zu bestimmen“, erklärte Michael Neubert, Sprengingenieur bei der Thüringer Sprenggesellschaft (TSG), die am kommenden Sonntag den zweiten Weißen Riesen in Homberg-Hochheide in sich zusammen fallen lassen will. Im Moment, so erzählte Neubert weiter, sei er noch ganz ruhig, aber spätestens Samstagabend steige die Spannung auch bei ihm. Bislang ist das gesamte Team sehr entspannt, haben doch die meisten von ihnen auch die erste Sprengung am 24. März 2019 mitgemacht.

 

Die letzten Tage des Weißen Riesen an der Ottostraße. Foto: Petra Grünendahl.

Zu einem letzten Rundgang über die Baustelle hatte die Pressestelle der Stadt Duisburg eingeladen. Neben Abbruchunternehmer P&Z Prangenberg & Zaum und Generalplaner rebuild.ing waren Vertreter von Bürger- und Ordnungsamt, der Stabstelle Krisenmanagement und Bevölkerungsschutz sowie die Feuerwehr Duisburg dabei, um letzte Fragen zur Sprengung, abgesperrten Bereichen und Evakuierung der umliegenden Häuser (Radius ca. 500 Meter) zu klären.

Die letzten Tage des Weißen Riesen an der Ottostraße. Foto: Petra Grünendahl.

Seit 2019 waren im „größten Taubenschlag Europas“ Taubenkot und Sperrmüll entfernt worden, bevor man mit einer umfassenden Schadstoffsanierung beginnen konnte. Nach Abschluss der Sanierung ist der Weiße Riese nun mit gezielten Vorschwächungen reif für die Sprengung. In dieser Woche finden letzte Arbeiten statt, die Zündschnüre werden gelegt und die Bohrlöcher mit Sprengladungen bestückt. Am Sonntag, 5. September, wird Sprengmeister Martin Hopfe den Auslöser drücken, um die im Stadtteil lang erwartete Sprengung auszulösen. Zuletzt hatte ein avisierter Termin wegen Corona noch einmal verschoben werden müssen.

 

 
Sprengung und Fallfigur

Bernd Zaum, Geschäftsführer des Abbruchunternehmens P&Z. Foto: Petra Grünendahl.

„In 830 Bohrlöchern werden wir gute 500 Kilogramm Sprengstoff anbringen“, sagte Bernd Zaum, Geschäftsführer des ausführenden Abbruchunternehmens P&Z. Innerhalb von nur 6 Sekunden liegen dann rund 50.000 Tonnen Bauschutt auf der Fläche an der Ottostraße 24–30. Das Zerkleinern der gesprengten Massen, das Trennen der Materialien und das Abfahren des Bauschutts wird nach der Sprengung noch mehrere Monate in Anspruch nehmen. Bis die frei werdenden Flächen nach der Sprengung eines dritten Weißen Riesen für eine Neugestaltung zur Verfügung stehen, wird die Fläche an der Ottostraße 24–30 ebenso begrünt wie schon die Fläche an der ehemaligen Friedrich-Ebert-Straße 10–16.

 

Letzte Arbeiten am Weißen Riesen vor der Sprengung. Foto: Petra Grünendahl.

Gesprengt wird in fünf Schritten innerhalb von 6 Sekunden. Die großen Weißen Riesen bestehen aus vier separaten ca. 60 Meter hohen Wohntürmen, die dich an dicht einen 90 Meter breiten Häuserblock bilden. Erst fallen die beiden inneren Blöcke in sich zusammen, bevor durch weitere Sprengungen die beiden äußeren Blöcke in die Mitte fallen. Diese Fallfigur unterscheidet sich von der ersten an der Friedrich-Ebert-Straße, weil hier an dieser Stelle der Ottostraße deutlich weniger Platz für ein Fallbett zur Verfügung steht.

 

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Maßnahmen in und um die Evakuierungszone

Das Ordnungsamt warnt Autofahrer vor dem Parkverbot am nächsten Sonntag. Foto: Petra Grünendahl.

Schon seit einigen Tagen stehen die Parkverbotsschilder für den Tag der Sprengung: In der Evakuierungszone herrscht ab 8 Uhr morgens absolutes Parkverbot. Bis dahin müssen auch die betroffenen Anwohner den Bereich verlassen haben. Die Maßnahmen der Stadt Duisburg rund um die Sprengung kann man hier nachlesen.

Die Evakuierungszone für die Sprengung muss Sonntagmorgen bis 8 Uhr geräumt sein. Karte: Stadt Duisburg.

 
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Fotos: Petra Grünendahl, Illustrationen: Martin Tazl und Marc Sommer / rebuild.ing, Karte: Stadt Duisburg

 
 

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Lektüretipp nicht nur für Feinschmecker: Lecker an Bord

Bodenständige Küche mit Zutaten aus der Region und Ausflügen als Appetithäppchen
Von Petra Grünendahl

„Lecker an Bord“ – das Buch zur gleichnamigen TV-Serie im WDR. Foto: Petra Grünendahl.

„Bodenständige, einfach leckere Küche aus den frischen, um die Ecke gefundenen Zutaten“, so beschreiben die Köche Björn Freitag und Frank Buchholz, was sie auf ihren Reisen durch NRW auf dem Hausboot „unaone“ kochen. Frisch, regional und saisonal ist der Anspruch der Köche, die Zutaten besorgen sie auf Ausflügen an Land:

„Lecker an Bord“ – das Buch zur gleichnamigen TV-Serie im WDR. Foto: Petra Grünendahl.

Bei Menschen, die sich einer naturnahen und nachhaltigen Produktion von Lebensmitteln verschrieben haben. Dabei geben die Autoren dem Leser aber auch einen kleinen Überblick, was sich an ihren Ankerplätzen sonst noch anzuschauen lohnt. Die Ausflugstipps sind eher nur kleine Appetithäppchen von jeweils zwei Seiten. Ausführlicher beschreiben die Köche ihre Suche nach außergewöhnlichen Zutaten (10 bis 14 Seiten), bevor der Leser auf die Rezepte (26 bis 28 Seiten) stößt, die eher von den gefundenen Zutaten inspiriert als typische Küche der Region sind.

 

„Lecker an Bord“ – das Buch zur gleichnamigen TV-Serie im WDR. Foto: Petra Grünendahl.

Das Buch „Lecker an Bord“ von Björn Freitag und Frank Buchholz ist deklarierte als eine „kulinarische Reise durch NRW“. Erschienen ist es zur gleichnamigen Fernsehserie im WDR und enthält alle Rezepte und Ausflugstipps aus den Sendungen der ersten vier Staffeln. Die Köche stammen beiden aus dem Ruhrgebiet: Björn Freitag lebt in seiner Heimatstadt Dorsten, wo er nach Lehr- und Wanderjahren das elterliche Restaurant „Goldener Anker“ übernommen hatte. Frank Buchholz hat es aus dem Ruhrgebiet (geboren in Dortmund, aufgewachsen in Waltrop) nach Mainz verschlagen, wo er eigene Restaurants betreibt. Für beide sind die Schiffstouren auch eine Erkundung der (alten) Heimat aus neuer Perspektive.

 

 
Bodenständige Küche aus nachhaltigen Quellen

„Lecker an Bord“ – das Buch zur gleichnamigen TV-Serie im WDR. Foto: Petra Grünendahl.

Die vier Routen in dem Buch entsprechen den Bootstouren der ersten vier Staffeln der WDR-Kochsendung „Lecker an Bord“: Von Haltern am See im nördlichen Ruhrgebiet bis ins münsterländische Rheine, von Beverungen durchs Weserbergland entlang der Märchenstraße bis nach Lübbecke, von Wesel entlang der Lippe durchs nördliche Ruhrgebiet nach Hamm sowie von Gelsenkirchen über den Rhein-Herne-Kanal nach Duisburg und weiter die Ruhr entlang bis zum Baldeneysee in Essen gehen die jeweiligen Fahrten. Die einzelnen Etappen zu neuen Ankerplätzen sind kurz. Zeit für den Landgang, die Zutaten fürs Essen zu besorgen und sich ein wenig umzusehen, ist damit mehr als ausreichend.

 

„Lecker an Bord“ – das Buch zur gleichnamigen TV-Serie im WDR. Foto: Petra Grünendahl.

Unterhaltsam ist das Buch, mit kurzweiligen Geschichten von Menschen in der Region und vielen Anregungen für die eigene Küche, selbst wenn man die Gerichte nicht direkt nachkochen will. Wer sich die beschriebenen Zutaten besorgen will, findet die Ansprechpartner und Kontaktdaten im Anhang. Ein alphabetisches Rezepte-Register und die Team-Biographien runden das Buch ab. Zum Team um die beiden (Fernseh-)Köche zählen neben einer Dokumentarfilmerin auch drei Fotografinnen, die außer Fotos von Land und Leuten auch einige der spontan entwickelten Rezepte von „Unterwegs“ mit sehr Appetit anregenden Fotos versehen haben.

 

 
Die Serie im WDR Fernsehen und das Buch

„Lecker an Bord“ – das Buch zur gleichnamigen TV-Serie im WDR. Foto: Petra Grünendahl.

Die Köche Björn Freitag und Frank Buchholz entdecken auf ihren „Fernsehreisen“ kulinarische Schätze direkt vor der Haustür. Unterwegs sind sie mit dem Binnenschiffer Heinz Dieter Fröse auf seinem selbstgebauten Hausboot „unaone“. Auf ihrer Bootstour über die Kanäle im Westen sowie die Weser und die Ruhr legen die beiden Köche immer wieder an, um an Land regionale Zutaten für ein gutes Essen zu entdecken. Zurück an Bord wird dann gekocht. Für die fünfte Staffel (ab Montag, 4. Oktober 2021, von 20.15 bis 21.00 Uhr im WDR Fernsehen) ging es auf den Rhein: Vom Siebengebirge bei Bad Honnef durch die Kölner Bucht entlang des Niederrheins bis Emmerich an der niederländischen Grenze. Die „unaone“ ist hier in Duisburg schon gesichtet worden.
https://leckeranbord.wdr.de

 

„Lecker an Bord“ – das Buch zur gleichnamigen TV-Serie im WDR. Foto: Petra Grünendahl.

Mit „Lecker an Bord“ haben die Köche Björn Freitag und Frank Buchholz ihre kulinarischen Reisen durch Nordrhein-Westfalen reich bebildert aufbereitet und geben ihre Rezepte dauerhaft an ihr Publikum weiter (online beim WDR sind sie immer nur eine begrenzte Zeit verfügbar). Das 176-seitige Buch im Format 20 x 26 Zentimeter im hochwertigen Hardcover-Umschlag ist erschienen im Hölker Verlag der Coppenrath Verlagsgesellschaft aus Münster. Zu beziehen ist es für 28,00 Euro im lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-88117-263-9).

 
© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Spannende Krimi-Lektüre: „Pacific Crest Trail Killer” von Christian Piskulla

Psychogramm eines Mörders
Von Petra Grünendahl

Der Pacific Crest Trail bei Agua Dulce. Foto: Bob Wick of BLM (Bureau of Land Management) / CC20.

Ein ungewöhnlich brutaler Mord geschieht auf dem Wanderweg des Pacific Crest Trail (PCT)*, der von der Grenze zu Mexico über Kalifornien, Oregon und Washington bis kurz hinter die kanadische Grenze führt. Außer der lokalen Polizei kann auch Mark Stetson, der nach acht Jahren als Militärpolizist in Afghanistan vor der Rückkehr in seinem Heimatort den PCT durchwandert, den Tatort in Augenschein nehmen: Er vermutet den Beginn einer Mordserie.

Hiker auf dem Pacific Crest Trail. Foto: Jason Holllinger / CC20.

Zusammen mit dem FBI Los Angeles macht sich Stetson auf die Jagd nach dem Mörder: Stetson als zentrale Figur bleibt zunächst als Wanderer auf dem Trail, bevor er nach L.A. geht. Auf der Suche nach dem Tatmuster holen die Ermittler langsam auf, ohne jedoch zunächst weitere Morde verhindern zu können. Mehr und mehr wird deutlich, dass sie nicht nur einen Mörder, sondern einen Psychopathen jagen. Und dass er möglicherweise nicht alleine agiert, sondern einen Helfer oder Mentor hat. Wie Puzzle-Stücke reihen sich die Erkenntnisse der Ermittler zusammen, bis sie schließlich wissen, wen sie suchen. Ihn zu schnappen, bevor er ein weiteres Opfer findet, wird zur Herausforderung.

 

Pacific Crest Trail Killer von Christian Piskulla. Foto: Petra Grünendahl.

Christian Piskullas neuer Roman “Pacific Crest Trail Killer” bewegt sich im Genre zwischen Kriminalroman und Thriller. Ein ehemaliger Polizist ist gemeinsam mit Ermittlern des FBI auf der Suche nach einem brutalen und offensichtlich kranken Mörder. Wie schon Piskullas Kriminalroman-Debüt „Das Stahlwerk” ist auch dieser Thriller nichts für schwache Nerven. Neben dem PCT gibt es mehrere „Nebenschauplätze“, deren Schilderungen tief in die Wirklichkeit eindringen: Sei es die Psychologie von Menschen, Abgründe der heutigen Gesellschaft oder auch das Amerika jenseits des „American Dream“.

 

 
Das Amerika jenseits der Erfolgreichen

Zelt eines Hikers auf dem Pacific Crest Trail. Foto: Tamtamtam / public domain.

Kurze Kapitel mit wechselnden Perspektiven treiben die Handlung temporeich voran. Der Leser mag dabei kaum das Buch aus der Hand legen, um die Spannung nicht zu unterbrechen. Er taucht förmlich ein in die Atmosphäre der Orte und ins Geschehen. Orte und Erlebnisse sind nicht objektiv beschrieben, sondern leben in den Gedanken und von den Eindrücken der Charaktere. Dass der Leser in vielen Perspektiven und subjektiven Erzählungen von Akteuren (point of view) durch das Buch begleitet wird, verschafft ihm einen tiefen Einblick in die verschiedenen Handlungsstränge und in die Gedankenwelten der Charaktere.

Hiker auf dem Pacific Crest Trail am Forester Pass. Foto: wetwebwork / CC20.

Dazu zählt die Perspektive des Mörders, der als Außenseiter eher jenseits der Gesellschaft lebt, – auch bei seinen Taten: Die Morde selbst schildert der Autor jedoch bewusst nicht aus Sicht und Anschauung des Psychopathen, da er Voyeuren keine Bilder liefern will. Stattdessen erfährt der Leser den Hergang der Taten sachlich und nüchtern aus Obduktionsberichten. Ermittler wie Leser sehen sich immer wieder mit der Frage konfrontiert: Wie wurde der Täter zu dem, was er ist? Was macht einen Menschen zum Mörder? Und obwohl der Leser den Serienmörder in seiner Gedankenwelt folgt, kann Piskulla zum Finale mit einer unerwarteten, aber durchaus schlüssigen Wendung aufwarten. Spoiler Alert: Das Nachwort sollte man tatsächlich erst mit ein wenig Abstand zur Lektüre lesen!

 

 
Das Buch und der Autor

Pacific Crest Trail in der Sheep Mountain Wilderness. Foto: Rennett Stowe / CC20.

2019 bereiste Christian Piskulla (Jahrgang 1966) für mehrere Monate die USA und wanderte dabei auch den kompletten John Muir Trail, das „Sahnestück“ des Pacific Crest Trail. Einblicke gewann er bei dieser Gelegenheit auch in die Lebensumstände vieler Amerikaner am Rande der Gesellschaft.

Pacific Crest Trail Killer von Christian Piskulla. Foto: Petra Grünendahl.

Der 648-seitige Roman erscheint am 1. September im Verlag des Autors, Cleverprinting. Es ist als Taschenbuch für 19,90 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-9447-5527-4). Das Hardcover (ISBN 978-3-9447-5529-8) gibt es für 29,90 Euro, ein eBook (ISBN 978-3-9447-5528-1) für 9,99 Euro. Es ist auf unterschiedlichen Plattformen (u. a. Amazon, Thalia) verfügbar. Eine Leseprobe gibt es unter www.PCT-Killer.de.

Der Pacific Trail Crest bei Wikipedia …

 

 

Der Autor Christian Piskulla. Foto: Anja Nothdurft.

Christian Piskulla ist Experte für Grafik, Bildbearbeitung, PrePress- und Publishing-Software. Als Fachbuchautor zählt er zu den Erfolgreichsten in der deutschen Druck- und Medienbranche. Mit seiner Firma Cleverprinting PreMedia-Solutions bietet er Schulungen und verlegt darüber hinaus im Verlag Cleverprinting seine Schulungs- und Fachliteratur zum Thema: Viele davon sind Standardwerke und Bestseller. In den vergangenen 15 Jahren hat Piskulla über 20 Fachbücher geschrieben und veröffentlicht. Im vergangenen Jahr legte er mit „Das Stahlwerk“, einem historischen Krimi, sein Roman-Debüt vor: Ein sehr empfehlenswertes, wie wir meinen!

*) offiziell: Pacific Crest National Scenic Trail

Eine Karte vom Trail in Pacific Crest Trail Killer von Christian Piskulla. Foto: Petra Grünendahl.

 
© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (3), Anja Nothdurft (1), Tamtamtam (1), Bob Wick of BLM (Bureau of Land Management) / CC20 (1), Rennett Stowe / CC20 (1), Jason Hollinger / CC20 (1), wetwebwork / CC20 (1)
Zu den Bildrechten: Creative Commons 2.0 (CC20)

 
 

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ProDuisburg erkundete die Baustelle am Karl-Lehr-Brückenzug

Ab 2023 geht es über den neuen Brückenzug, Abriss der alten Brücken bis 2025
Von Petra Grünendahl

Uwe Linsen, Vorstand der Wirtschaftsbetriebe Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Wer über den Karl-Lehr-Brückenzug Richtung Kaßlerfeld fährt, sieht immer deutlicher, was neben der Straße entsteht: Auf der Vormontagefläche direkt am baustelleneigenen Anlieger an der Ruhr setzen Arbeiter die vorgefertigt angelieferten Brückenteile zusammen. Sie verschweißen die schweren Stahlelemente zu den Brücken, die bis 2023 fertig ausgebaut eine Umgehung der alten Brücken über Hafenkanal und Ruhr ermöglichen sollen.

Karl-Lehr-Brückenzug mit Bauabschnitten in der Luftansicht. Foto: Petra Grünendahl.

„Wir liegen gut im Zeitplan“, so Uwe Linsen, Vorstand der Wirtschaftsbetriebe Duisburg, die dieses Projekt für die Stadt Duisburg realisieren. 2023 endet die Lebenszeit der Brücken, von denen eine, ein Stück der ehemaligen Hohenzollernbrücke aus Köln aus dem Jahr 1910, nach dem Krieg nach Duisburg kam. An Land würden die beiden neuen Brücken komplett vormontiert, asphaltiert und mit Schienensträngen bestückt, so Linsen, bevor sie dann parallel zu den alten Brücken in Stellung gebracht würden. Sobald die Umgehung verkehrstauglich angeschlossen ist, können die Wirtschaftsbetriebe dann die alten Brücken abreißen lassen.

 

Projektleiter Arthur Brakowski zeigte ProDuisburgern die Baustelle am Karl-Lehr-Brückenzug. Foto: Petra Grünendahl.

Auf Einladung der Wirtschaftsbetriebe Duisburg (WBD) durften sich Mitglieder der bürgerschaftlichen Vereinigung ProDuisburg auf einer geführten Tour die Baustelle ansehen. WBD-Vorstand Uwe Linsen und Projektleiter Arthur Brakowski führten die ProDuisburger in zwei Gruppen über das Areal und erklärten die Einzelheiten des zweiten Bauabschnitts. An einer eigenen Spundwand am Ruhrufer kommen die jeweils bis zu 80 Tonnen schweren Einzelteile per Binnenschiff an. Vormontiert wird auf einer künstlich aufgeschütteten und befestigten Fläche.

Karl-Lehr-Brückenzug: Schematische Zeichnung. Foto: Petra Grünendahl.

Die beiden Brücken werden nach Vollendung der Montage mit Asphalt und Straßenbahnschienen in einem weiteren Schritt mit einem Ponton parallel zu den bisherigen Brücken eingeschwommen und für eine provisorische Umfahrung an die bestehende Straßenführung angeschlossen, damit die alten Brücke außer Betrieb genommen werden können. Nach Abriss der beiden Brücken erfolgt ein Querverschub in die Endlage.

 

Über die Ruhr (rechts) führt noch ein Stück der Hohenzollernbrücke, links im Bild eine Stahlfachwerkbrücke, die nach dem Krieg neu gebaut worden ist. Foto: Petra Grünendahl.

Zu den alten Brücken zählt neben den Brücken über Ruhr und Hafenkanal auch die Brücke über den alten Kaiserhafen, der in den 1990er-Jahren hochwasserfest zugeschüttet worden war und heute für Logistik genutzt wird. Hier entsteht ein Damm für den Straßenverlauf, da eine Brücke nicht mehr notwendig ist.

 

 
Auf modernste Anforderungen zugeschnitten

Links entsteht das Lager für die Brücke, die Spundwand rechts (hinten) dient als Anlieger für Schiffslieferungen von Bauelementen. Foto: Petra Grünendahl.

Ausgelegt sind die neuen Brücken auf eine Lebensdauer von 100 Jahren für eine maximale Traglast nach den heute neuesten europäischen Normen. Sollten sich diese ändern und die Beanspruchung steigen, gehe dies natürlich zu Lasten der Lebensdauer, erklärte der Projektleiter auf der Tour.

Bau der Umschalung, in die der Beton für das Brückenlager eingegossen wird. Foto: Petra Grünendahl.

Die neuen Brücken mit ihren ca. 34 Metern Breite sind ca. 12 Meter breiter als die bisherigen, da die Straßenbahn eine eigene Spur bekommt. Man sieht dies schon am Neubau im ersten Bauabschnitt (Straße und Brücke über den Vinckekanal): Mittig zwei Spuren für die Straßenbahn in einem eigenen Gleisbett, daneben jeweils zwei Fahrspuren für den Autoverkehr, ein Rad- und ein Fußweg auf jeder Seite. Die Brücke über die Ruhr wird im Endausbau 182 Meter lang sein, die Brücke über den Hafenkanal 125 Meter. „Die fertigen Brücken haben ein Gewicht von 4.500 bzw. 4.000 Tonnen“, erzählte Bauingenieur Brakowski. Im Gegensatz zum ersten Bauabschnitt, wo eine Behelfsbrücke als Umfahrung diente, gehen hier gleich die finalen Bauwerke in Betrieb, wenn auch erst einmal nur als Umleitung, bis die alten Brücken abgerissen sind. Abgeschlossen wird der zweite Bauabschnitt nach dem Brückenverschub mit der Neugestaltung des Knotenpunktes am Kaßlerfelder Verteilerkreis 2025.

 

 
ProDuisburg

Der hintere Teil der Brücke (rechts im Bild) ist schon fertig, vorne ist sie in Arbeit, bis sie auf ihre endgültige Länge zusammen montiert ist. Foto: Petra Grünendahl.

Die bürgerschaftliche Vereinigung ProDuisburg e. V. wurde 1910 vom damaligen Oberbürgermeister Karl Lehr zusammen mit Duisburger Unternehmern als Verkehrsverein gegründet. Der Verein hat derzeit über 400 Mitglieder und versteht sich als „erster Fanclub“ der Stadt Duisburg. Zu den Mitgliedern zählen große Unternehmen wie die König-Brauerei (eines der Gründungsmitglieder), die Sparkasse, die Volksbank oder Haniel sowie Einzelpersonen, die mit ihrem Engagement die Stadt unterstützen.

Ein Brückenelement in fast kompletter Fahrbahnbreite. Foto: Petra Grünendahl.

ProDuisburg gibt unter anderem in Zusammenarbeit mit dem DuisburgKontor einen jährlichen Foto-Kalender heraus. Jährlich verleiht ProDuisburg zudem den Kaisermünzenpreis an Personen oder Unternehmen für besondere Verdienste zum die Stadt. Weitere Infos unter www.produisburg.de.

 
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Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Büchertipp: „Wanderbare Halden” im Ruhrgebiet aus dem Klartext Verlag

Wunderbare Halden: Die Alpen des Ruhrgebiets und ihre Umgebung erkunden
Von Petra Grünendahl

Blick ins Buch „Wanderbare Halden“ im Klartext Verlag. Foto: Petra Grünendahl.

Die Kunstwerke auf dem Spitzen der Halden setzen sich häufig auseinander mit dem Sein und seiner Vergänglichkeit, mit Struktur und Wandel. Sie sind Landmarken auf künstlichen Bergen, die aus einer Industrielandschaft herausragen: Ergebnisse eines Entwicklungsprozesses, der in den letzten 150 Jahren Industrieansiedlungen und Menschen in eine zuvor rein ländlich geprägte Region zog, wovon heute noch Wälder und Felder um die Ansiedlungen zeugen. „Dieses Spannungsfeld zwischen Natur, Kultur und Industrie ist es, was die Wanderung zu den Halden so reizvoll macht“, glauben die Autorinnen. Und gerade da, wo die Wege nicht durch den Wald gehen, findet der Wanderer Sehenswertes aus der Industrievergangenheit mit ihren verlassenen oder neu genutzten Werksarealen, Arbeitersiedlungen, Kunstwerken und Naturschutzgebieten. Die Wandertouren (durch)streifen diese eher nur: Wer die Stationen am Wegrand näher in Augenschein nehmen oder gar erkunden will, sollte entweder deutlich mehr Zeit für die Wanderung einplanen oder ein anderes mal gezielt wiederkommen.

 

Blick ins Buch „Wanderbare Halden“ im Klartext Verlag. Foto: Petra Grünendahl.

Konzipiert ist die Lektüre „Wanderbare Halden“ als Wanderführer, was aber nicht ausschließt, das Werk als Inspiration für Ausflüge und Erlebnisse anderer Art auf und entlang der „Wanderwege“ zu nutzen. Das Buch von Nikola Hollmann und Andrea Slavik ist in der Reihe „Schönes NRW“ erschienen und beschreibt Abenteuer vor der Haustür: Die „schönsten Revier-Wandertouren mit Aus- und Weitblick“ – so der Untertitel – erkunden die gerne auch als Alpen des Ruhrgebiets bezeichneten Halden mit ihrem Umland. Die weitestgehend ehemaligen Bergehalden (nur wenige sind auch Schutt- oder Schlackehalden) sind nach dem Ende des Steinkohlenabbaus in den jeweils benachbarten Zechen begrünt, landschaftsplanerisch gestaltet und zu Freizeitarealen entwickelt worden. Sie bieten wunderbare Ausblicke in eine Umgebung aus Industrie, Relikten von Kohle und Stahl und dem Grün, das die Montanregion zu bieten hat. Zumeist sind sie gekrönt von Kunstwerken, die als Landmarken weithin sichtbare Zeichen setzen. 15 Touren von Kamp-Lintfort im Westen (Halde Norddeutschland) bis zu Hamm im Osten haben die Autorinnen zusammen gestellt. Die Touren umfassen nicht nur den Trip auf die Halden, sondern führen auch auf interessanten Wegen um sie herum und verbinden Highlights und Sehenswertes in der Umgebung.

 

Blick ins Buch „Wanderbare Halden“ im Klartext Verlag. Foto: Petra Grünendahl.

Inhaltlich ist das Buch natürlich sehr wanderspezifisch gehalten: Auf jeweils 10 bis 12 Seiten sind die Touren beschrieben (inkl. Fotos und Karte), die mit Längen zwischen 8,4 und 16,6 km etwa 2½ bis 4¼ Stunden (bei reinem Wandern mit 4 km/h auf ebener Strecke) in Anspruch nehmen. Anreise und Besonderheiten, eine textliche Beschreibung der Route mit Sehenswertem „am Weg“, Gastro-Tipps (mit Kontaktdaten) und einer detaillierten Karte der jeweiligen Strecke (leider ohne Angabe des Maßstabs) runden die Informationen ab. Das Buch macht nicht nur Lust aufs Wandern, sondern gibt viele Anregungen auch für die eigene Ausgestaltung von Touren durch die Ruhrgebiets-Alpen und drum herum.

 

Blick ins Buch „Wanderbare Halden“ im Klartext Verlag. Foto: Petra Grünendahl.

Zu den beschriebenen Touren gibt es GPX-Daten für jene, die den Wanderempfehlungen folgen wollen, allerdings sind Beschreibungen und Kartenausschnitte detailliert genug, dass man die Strecken ohne technisches Gerät nachwandern kann. Auch wenn die hier beschriebenen Touren eher was für ambitionierte Wanderer sind, bietet dieses Buch in seiner Gesamtheit betrachtet mehr: Vieles gibt Anregungen, andere und ggf. kürzere Touren mit viel Besichtigungspotenzial zu planen – und das nicht nur für Wanderer, die das Sightseeing nachholen wollen.

 

 
Die Autorinnen

Blick ins Buch „Wanderbare Halden“ im Klartext Verlag. Foto: Petra Grünendahl.

Die Rheinländerin Nikola Hollmann ist Journalistin und Theologin, die Tirolerin Andrea Slavik Filmemacherin und Esoterikerin. Die beiden haben sich bei der Ausbildung zu Wanderführern im Deutschen Wanderverband kennen gelernt. Seitdem sind sie gemeinsam unterwegs und bringen ihre Erfahrungen in Wander- und Reisebüchern zu Papier. Immer wieder zieht es sie in die Kultur- und Industrielandschaft des Ruhrgebiets – auf der Suche nach dem Speziellen und dem Magischen. Auch wenn die Autorinnen gerne und häufig ins Ruhrgebiet kommen: Man merkt an den gebrauchten Begrifflichkeiten aber schon, dass sie nicht von hier (sprich: aus dem Ruhrgebiet) stammen und sprachlich entsprechend verwurzelt sind. Für kundige Ohren klingt zum Beispiel die „Friedrich-Heinrich-Zeche“ schon etwas komisch (gemeint ist die Zeche Friedrich Heinrich in Kamp-Lintfort). An anderer Stelle ist die „Zeche“ richtig gesetzt, überwiegend nutzen die Autorinnen dafür allerdings den Begriff „Bergwerk“.

 

 
Das Buch und der Verlag

Blick ins Buch „Wanderbare Halden“ im Klartext Verlag. Foto: Petra Grünendahl.

Das Buch „Wanderbare Halden“ von Nikola Hollmann und Andrea Slavik ist im Essener Klartext Verlag erschienen. Das 176-seitige Taschenbuch aus der Reihe „Schnönes NRW“ mit zahlreichen Fotografien und Karten ist für 18,95 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-8375-2381-2).

 

Blick ins Buch „Wanderbare Halden“ im Klartext Verlag. Foto: Petra Grünendahl.

Der Klartext Verlag wurde 1983 gegründet, seit 2007 ist er Teil der Funke Mediengruppe. Seine Heimat liegt im Ruhrgebiet, wo auch der überwiegende Teil seiner Publikationen angesiedelt ist: Freizeitführer, Sachbücher, Kalender und Bildbände. Mit der „Von oben“-Reihe kann man Städte nicht nur im Ruhrgebiet, sondern in ganz Deutschland aus der Vogelperspektive bewundern. Und mit der Reihe „Irrtümer und Wahrheiten“ (bei ihrem Start im Verlagsprogramm hieß die Serie noch „Klugscheißer“) lernt der Leser Neues zu verschiedenen Orten, Themen und Fußballvereinen – unterhaltsam und fundiert, denn, so der Verlag: „wir machen Bücher mit Qualität und gerne auch mal einem Augenzwinkern.“
www.klartext-verlag.de

 

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© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (10), Cover und Layout: Klartext Verlag

 

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Lesetipp: Lonely Planets „Guide to Life” von MairDumont

Aus dem Leben gegriffen: Weisheiten aus 86 Ländern
Von Petra Grünendahl

Lonely Planets „Guide to Life“. Foto: Petra Grünendahl.

„Arbeite, um zu Leben“ haben sich die Dänen zu Eigen gemacht: Ein Land von hoher Produktivität, in dem Überstunden nicht gern gesehen sind. Flexibles Arbeiten ermöglicht ausreichend Zeit für die Dinge im Leben, die wirklich zählen. Auch andere Völker haben ihren Weg zum Glück gefunden, die das für sie und ihre Gesellschaft Wesentliche in eine angemessene Perspektive stellen. Persönliche Glücksformeln bestimmen das Leben jedes Menschen, seinen Tagesablauf und damit auch Zufriedenheit, Gesundheit und Wohlbefinden. Viele dieser Glücksformeln sind kulturell gewachsen und lassen sich in Gesellschaften explizit ausmachen. Autoren von Lonely Planet haben die Kontinente Amerika, Europe, Afrika, Asien und Ozeanien bereist auf der Suche nach dem, was in Kulturen oft über Jahrtausende an Lebensweisheiten erkannt und bis heute gelebt wird.

 

Lonely Planets „Guide to Life“. Foto: Petra Grünendahl.

Das Buch „Guide to Life“ aus der Reihe “Lonely Planet” ist kein klassischer Reiseführer. Weniger als zu Orten und Zielen führt das „Lebensweisheiten aus 86 Ländern“ untertitelte Werk zu Menschen und Kulturen auf allen fünf Kontinenten. Und die Autoren des im Original englischsprachigen Buches setzen so manche Klischee und Vorurteile über Nationen und Völker in die richtige Perspektive. Interessant ist auch der Spiegel, den die Autoren den Deutschen vorhalten. Bei aller Charakterisierung und damit Vereinheitlichung von landestypischen „Eigenschaften“ sollte man immer in Hinterkopf behalten, dass es immer auch die gibt, die ganz anders sind: Nirgends haben sich Menschen schließlich ganz ohne Einflüsse von außen („woanders“) entwickeln können. Mal ganz abgesehen davon: Auch in Deutschland hat jede Region ihre Eigenheiten, was den Menschenschlag und seine Kultur angeht. Aber eine lohnenswerte Erkundung der Welt auf eine eher ungewöhnliche Art bietet dieses Buch allemal.

 

 
Reise zu Menschen statt Orten

Lonely Planets „Guide to Life“. Foto: Petra Grünendahl.

Die Länderartikel im Buch „Guide to Life“ stammen von unterschiedlichsten Autoren. Auf je vier bis sechs Seiten haben sie wesentliche Informationen zusammen getragen, was das Lebensgefühl der jeweiligen Landesbewohner und ihre Vorstellungen von Glück und Erfüllung ausmachen: Nicht in Sprüchen und Aphorismen, sondern aus dem Zusammenleben der Menschen heraus in ihrem Kulturen und Gesellschaftsstrukturen. Eine spannende Lektüre, die Einblicke in andere Kulturen gibt und Lust macht, diese Gesellschaften und ihre Menschen kennen zu lernen. Ein Buch zum Durchlesen, aber auch immer wieder zum Durchblättern.

Das Buch „Guide to Life“ ist in der Reihe „Lonely Planet“ bei MairDumont in Stuttgart erschienen. Das 416-seitige Hardcover-Buch im Format 17,5 x 22 Zentimeter mit zahlreichen Farbbildern ist zum Preis von 24,90 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-8297-3671-8).

 

 
Lonely Planet bei MairDumont

Lonely Planets „Guide to Life“. Foto: Petra Grünendahl.

Die MairDumont Reiseverlagsgruppe aus Ostfildern (bei Stuttgart) ist spezialisiert auf Reise- und Freizeitbücher. Die Reihe „Lonely Planet“ ist eine Adaption der Bücher des australischen Verlages Lonely Planet Publishing, einer der erfolgreichsten unabhängigen Reiseverlage der Welt. Seit seiner Gründung Anfang der 1970er-Jahre ist der Verlag der Philosophie seiner Gründer Tony und Maureen Wheeler treu geblieben, Reiseinfos höchster Qualität zu bieten. Die Wheeler reisen dafür aber schon lange nicht mehr alleine: Mittlerweile arbeiten sie über ihre Verlagsbüros in Melbourne, Oakland und London mit 400 erfahrenen Autoren zusammen, die für Lonely Planet rund um den Erdball reisen. Der australische Verlag wurde mehrfach für seine hochwertige Reise-Literatur ausgezeichnet. Lonely Planet hat über 500 Titel im Programm, davon ca. 270 Reiseführer.
https://www.lonelyplanet.de/

 

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© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (10), Cover & Layout: Lonely Planet / MairDumont

 

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Büchertipp: Vis-à-Vis Touren Deutschland laden zum Reisen ein

Spannende Ziele überwiegend jenseits großer Touristenströme
Von Petra Grünendahl

Vis-à-Vis Touren Deutschland im DK Verlag. Foto: Petra Grünendahl.

Viele schöne und reizvolle Gegenden und Orte hat Deutschland auch dort, wo es bislang nicht die Scharen von Touristen hinzieht. Zu entdecken gibt es das alles auf „Vis-à-Vis Touren Deutschland“, die kurz und intensiv überschaubare Regionen abdecken. Für historische Burgen und Schlösser unterschiedlichster Architekturen, Städte mit mittelalterlichen Ortskernen, vielfältige Landschaften und immer wieder auch die regionale Küche muss man nicht in die Ferne reisen. Eine Auswahl von 24 Touren haben die Autoren auf ganz Deutschland verteilt. Die Touren sind so gestaltet, dass sie auch kleinere, mitunter „unterschätzte“ Städte vorstellen und Routen abseits des Massentourismus bieten. Aus Nordrhein-Westfalen hat es nur das Münsterland mit seinen Burgen und Schlössern in die Tourenempfehlungen geschafft, aber mal ehrlich: Allein für das Ruhrgebiet bräuchte man ja auch ein ganzes (eigenes!) Buch.

 

Vis-à-Vis Touren Deutschland im DK Verlag. Foto: Petra Grünendahl.

Wer in Corona-Zeiten nicht in die Ferne schweifen mag, findet im neuen Vis-à-Vis Touren „Deutschland“ umfassende Ratschläge für 24 regional ausgelegte Touren in Deutschland mit dem Untertitel „Die schönsten Touren mit dem Auto, Camper und Wohnmobil“. Die Touren decken Regionen von Nord- und Ostsee im Norden bis zum Bodensee und den bayerischen Alpen im Süden, vom Münsterland und den Weinregionen an Rhein und Mosel im Westen bis zu brandenburgischen Alleen, dem Erzgebirge und der Sächsischen Schweiz im Osten ab. An Zeitaufwand haben die Autoren jeweils zwischen 2 – 3 Tagen und 5 – 6 Tagen veranschlagt, was aber nicht heißen muss, dass man nicht noch ein paar Tage dran hängen kann. Die detaillierten Informationen zu den einzelnen Stationen, Städten und Sehenswürdigkeiten machen Lust, gleich die Koffer zu packen. Bei „Spaziergängen“ durch markante Städte helfen kleine Innenstadt-Pläne. Einladende Fotografien, Aufrisszeichnungen (3D von besonderen Sehenswürdigkeiten), einzelne kleine Karten der Umgebung sowie Tipps für Einkehr und Unterkunft, Tagesausflüge und Freizeitaktivitäten komplettieren eine Einladung, Deutschland zu erkunden – vielleicht auch nicht nur mit Auto (oder Motorrad), Camper oder Wohnmobil, obwohl das Buch vielleicht für diese Zielgruppen besonders zugeschnitten ist. Ein Buch zum Durchlesen, aber auch immer wieder zum Durchblättern, wenn man konkret Anregungen sucht.

 

 
Der Reiseführer

Vis-à-Vis Touren Deutschland im DK Verlag. Foto: Petra Grünendahl.

Ein deutsch-britisches Autoren-Team hat 24 regional ausgelegte Touren für das verlängerte Wochenende oder den kleinen Urlaub zwischendurch zusammen gestellt. Dass das englisch-sprachige Original „Back Roads Germany“ heißt, weißt darauf hin, dass man hier überwiegend jenseits großer Straßen und der großen Touristenströme wandelt. Lediglich bei den 1 – 2 Tagen Berlin/Potsam (Tour 6) oder auch bei einzelnen Besuchen großer Metropolen wird man diese möglicherweise nicht überall vermeiden können. Kundige und gut recherchierte Texte bieten auch deutschen Reisenden eine Grundlage für die Reiseplanung bis ins Detail. Empfehlungen gibt es für Unterkünfte, Camping- und Wohnmobil-Stellplätze und Gastronomie – inklusive vollständiger Kontaktdaten (Adresse, Telefon, Internet und GPS-Daten). Lediglich die „Praktischen Hinweise“ (4 Seiten) sind wohl eher was für Reisende aus dem Ausland. Das 272-seitige Taschenbuch mit Faltumschlag im kompakten Format von 14,5 x 21,7 cm (in etwa A5) mit über 120 Bildern und 3D-Zeichnungen ist für 22,95 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-7342-0311-4).

 

 
Vis-à-Vis-Reiseführer im DK Verlag

Vis-à-Vis Touren Deutschland im DK Verlag. Foto: Petra Grünendahl.

Das Buch ist in der Reihe „Vis-à-Vis-Reiseführer“ im DK Verlag Deutschland (Dorling Kindersley Verlag GmbH, München) erschienen. Das britische Stammhaus Dorling Kindersley Ltd. gründeten Christopher Dorling und Peter Kindersley 1974. Sie sind mit Lizenzausgaben seit 1979 auch in Deutschland aktiv, gründeten aber erst 1999 ein deutsches Verlagshaus. Seit 2013 gehört der Verlag zur internationalen Verlagsgruppe Penguin Random House (Bertelsmann-Gruppe). Weltweit erscheinen DK Bücher in 68 Sprachen und in 120 Ländern. In Deutschland ist DK mit anschaulichen Sachbüchern und Lexika unterschiedlichster Themen für Kinder und Erwachsene erfolgreich am Markt.
www.dk-verlag.de

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© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (11), Cover & Layout: DK Verlag

 

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Büchertipp: Manfred Schmidts „Duisburg – 55 Highlights aus der Geschichte“ im Sutton Verlag

Geschichte(n) und Dönekes
Von Petra Grünendahl

Gerhard Mercator in Manfred Schmidts „Duisburg 55 Highlights …“. Foto: Petra Grünendahl.

Zu einem Kurzbesuch hatte es sogar Napoleon Bonaparte 1811 auf der Durchreise mal nach Duisburg verschlagen. Napoleon und die Franzosen haben, als sie zu Beginn des 19. Jahrhunderts am Niederrhein das Sagen hatten, nachhaltige Spuren hinterlassen: positive wie negative. Das französische Zivilrecht (Code Civil oder Code Napoleon 1804) und die Umschichtungen von Besitz- und Vermögensverhältnissen haben späteren Entwicklungen in Duisburg eher genutzt. Das Handelsverbot mit Großbritannien (Kontinentalsperre) und die Verpflichtung, Männer für den Kriegsdienst zur Verfügung zu stellen, eher geschadet. Mit Gerhard Mercator, Johannes Corputius, Franz Haniel oder August Thyssen, aber auch Horst Schimanski, Rudolf Schock, Bernhard Dietz oder Matthias Lixenfeld kommen weitere interessante Biografien zur Sprache, die auf unterschiedlichsten Gebieten weit über Duisburg hinaus dauerhaft ihre Marken setzten.

 

Manfred Schmidts „Duisburg 55 Highlights …“. Foto: Petra Grünendahl.

In kompakten Geschichten erzählt Autor Manfred Schmidt aus Duisburgs Vergangenheit: Mit seinem neuesten Werk „Duisburg. 55 Highlights aus der Geschichte“ hat er markante Punkte aus der langen und wechselvollen Geschichte Duisburgs ausgewählt und näher beleuchtet. Im Mittelpunkt dieser kurzweiligen und reich bebilderten Reise in die Vergangenheit stehen Menschen, Orte und Ereignisse, die Duisburg nachhaltig prägten und tiefe Spuren hinterlassen haben. Wie Puzzle-Stücke fügen sie sich zu einem umfassenderen Bild der Stadt zusammen: Schmidt führt historische und zuweilen technische Informationen zusammen in griffige Lese-Häppchen, mit denen der Leser Stück für Stück mehr über Duisburg erfährt.

 

 
55 Puzzle-Stücke, die ein Duisburger kennen sollte

Manfred Schmidts „Duisburg 55 Highlights …“. Foto: Petra Grünendahl.

Manfred Schmidts Buch „Duisburg. 55 Highlights aus der Geschichte“ ist erschienen im Erfurter Sutton Verlag, Deutschlands führendem Verlag für Lokal- und Regionalgeschichte. Auf 126 Seiten findet der Leser rund 60 Fotografien und Abbildungen. Das Buch im Format 17 x 24 cm mit Hardcover-Einband ist für 19,99 Euro im lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-96303-286-8) erhältlich.

 
Leider unterläuft auch Manfred Schmidt ein sehr beliebter (und leider nicht auszurottender!) Fehler bei seinen ansonsten gut recherchierten Ausführungen: Das Hüttenwerk Meiderich (heute: Landschaftspark Nord) war ein reines Hochofenwerk und verfügte über gar kein Stahlwerk, so dass hier nie „Stahlarbeiter“ tätig waren. Auf der Hütte Meidereich wurde Roheisen gewonnen, zunächst für die Stahlwerke von Thyssen in Bruckhausen und Mülheim an der Ruhr.

 

 
Der Autor

Der Landschaftspark Nord in Manfred Schmidts „Duisburg 55 Highlights …“. Foto: Petra Grünendahl.

Manfred Schmidt wurde 1950 in Duisburg-Meiderich geboren und lebt in Korschenbroich am Niederrhein. Mit zahlreichen Buchveröffentlichungen zu geografischen und regionalen Themen hat der Heimatforscher und Autor sich in den letzten Jahren einen Namen gemacht.
https://www.geografische-texte.de/11/Ueber-den-Autor.htm

Bücher von Manfred Schmidt im Sutton Verlag:
• Duisburg. 55 Highlights aus der Geschichte
• Niederrhein. 55 Highlights aus der Geschichte
• Das Münsterland. 55 Highlights aus der Geschichte
• Unnützes Wissen Niederrhein
• Unnützes Wissen Düsseldorf
• Magische Orte am Niederrhein
• Zeitsprünge Meiderich (2012, vergriffen)

 

 
Sutton Verlag, Erfurt
Sutton ist der führende Verlag für Regionalgeschichte und -literatur im deutschsprachigen Raum, vom historischen Bildband bis zum Freizeitführer. Den zweiten Schwerpunkt des 1997 gegründeten Verlages bildet die Verkehrs- und Technikgeschichte. Außerdem bietet Sutton Krimi unter dem Motto „mordsmäßig spannend“ seit 2011 Regionalkrimis der unterschiedliches Genres. Seit Anfang 2014 gehört Sutton zum Verlagshaus GeraNova Bruckmann in München.
https://verlagshaus24.de/sutton/

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© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (10), Cover & Layout: Sutton Verlag

 

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Marco Polo führt zu Insider-Tipps in “Deutschland Cities“

Auch die weniger bekannten Seiten deutscher Metropolen locken
Von Petra Grünendahl

Leipzig im Buch „Deutschland Cities“ von Marco Polo. Foto: Petra Grünendahl.

Leipzig kann man nicht nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad, sondern auch ganz wunderbar mit dem Boot erkunden: Bei Motorbootrundfahrten oder auf eigenen Faust mit dem Kanu. „Wendegeschichte“ erlebt man im Museum in der „Runden Ecke“ während die Nikolaikirche nicht nur im Wendeherbst eine wichtige Rolle im politischen Leben gespielt hat. Das „Klassik Airleben“, für das das Gewandhausorchester zum Spielzeit-Abschluss gratis für alle im Park aufspielt, findet leider erst im kommenden Jahr wieder statt. Im Juli 2020 hatte es zuletzt Jung und Alt in Leipzigs schönsten Freiluft-Konzertsaal gelockt: Rund 60.000 Besucher mit Picknickkörben, Outdoordecken und Campingstühlen genossen die Arien im Park. Zwölf Städte – für jeden Monat eine – bieten Ziele, die noch nicht unbedingt jeder kennt. Wer in Corona-Zeiten den Trip in die unbekannte Nähe sucht, ist hier richtig. Zu der Handvoll Tipps für spezielle Unternehmungen zur jeweiligen Jahreszeit bzw. dem Monat, dem die Stadt zugeordnet wurde, kommen reichlich weitere Empfehlungen und Ziele, die man zu jeder Zeit ansteuern kann. Und sollte, wenn man diese Städte besucht.

 

Städtetrips für jede Jahreszeit im Buch „Deutschland Cities“ von Marco Polo. Foto: Petra Grünendahl.

Mit seinem neuen Reiseführer „Deutschland Cities“ will die Reihe „Marco Polo“ auf Städtetrips in Deutschland Lust machen.
Jung und unbekümmert kommt der neue Marco-Polo-Führer daher mit “Städtetrips für jede Jahreszeit” – so der Untertitel. „Reisen mit Insider-Tipps“ versprechen die Autoren und tatsächlich findet man hier in erster Linie die Empfehlungen jenseits des Mainstream. Jeder Städte-Beitrag stammt von ortskundigen Autoren oder Autoren-Teams, die sich auf das fokussieren, was man nicht überall woanders präsentiert bekommt: Dinge, die man (zusätzlich zu den allzu häufig eher überlaufenen Touristen-Highlights) gesehen haben sollte. Mit vielen Erkundungs-Tipps, Adressen, Zahlen und Fakten. Zu den besonderen Empfehlungen für die jeweiligen Monate, denen eine Stadt zugeordnet ist, gibt es natürlich auch Tipps für Orte und Erkundungen, die das ganze Jahr über Spaß machen: Museen, Freizeit, Shopping oder Gastronomie sind ausgewählt mit einem besonderen Augenmerk das Besondere und für solche Ziele, die eher nicht im Stadtführer zu finden sind.

 

 
Städtetrips für das ganze Jahr

Das Buch „Deutschland Cities“ von Marco Polo. Foto: Petra Grünendahl.

Das Buch „Deutschland Cities“ ist in der Reihe „Marco Polo“ bei MairDumont erschienen. Das bebilderte 160-seitige Werk stellt in zwölf Kapiteln Städtetrips für jede Jahreszeit vor. Die Empfehlungen der Autoren zeigen überwiegend Ziele und Unternehmungen, die man eher als lokale Geheimtipps ausmachen kann. Natürlich ist die Zusammenstellung subjektiv und erhebt auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, denn es gibt an jedem der zwölf Orte bestimmt noch die eine oder andere Location zu ergänzen. Unterwegs in einigen sehr faszinierenden Städten Deutschlands ist man im größeren Taschenbuchformat (19 x 25 cm) für 12,00 Euro. Zu haben ist das Buch im lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-8297-4754-7).

 

 
„Marco Polo“ bei MairDumont
MairDumont ist eine Reiseverlagsgruppe aus Ostfildern (bei Stuttgart) und mit ihren verschiedenen Marken und Buchreihen spezialisiert auf Reise- und Freizeitbücher. Die Reihe „Marco Polo“ zielt mit seinen Insider-Tipps auf ein jüngeres erlebnisorientiertes Publikum. Kompakte Informationen und fokussierte Tipps für Unternehmungen kennzeichnen die Reiseführer. In sieben Sprachen übersetzt haben sie sich zum Inbegriff des Reisens entwickelt.
www.marcopolo.de https://www.mairdumont.com

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Fotos: Petra Grünendahl (8), Buchcover / Layout: Marco Polo / MairDumont

 

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Duisburger Gebag stellte erfolgreiche Bilanz für 2020 vor

Bezahlbarer Wohnungsbestand mit niedrigem Leerstand: Modernisierung und Neubau zahlen sich aus
Von Petra Grünendahl

Gebag Bilanz-Pressekonferenz. Foto: Gebag.

Die großen Flächenentwicklungsprojekte der Gebag laufen: Am Alten Angerbach ist die Vermarktung nahezu abgeschlossen. Im Sommer sollen die ersten Bagger für Hochbauprojekte rollen. Beim Projekt 6-Seen-Wedau laufen die Erschließungsarbeiten auf vollen Touren und im Zeitplan. Und am Alten Güterbahnhof will man bis Jahresende Planungsrecht haben, um den Siegerentwurf, der gleichermaßen Bürger und Jury begeisterte, umsetzen zu können. Vor allem kümmert sich die Gebag aber um bezahlbaren Wohnraum in Duisburg und investiert entsprechend in den Bestand: Neubau, Kauf und Modernisierung. Um die Häuser und Wohnungen sowohl energetisch als auch im Hinblick auf auch im Hinblick auf Komfort und Optik auf den neuesten Stand zu bringen , hat die Gebag im vergangenen Jahr rund 27,7 Millionen Euro investiert, in den Neubau weitere 26,2 Mio. Euro. Das zahlt sich nicht nur für die Mieter aus, sondern auch für die Gebag: Die Quote der rein marktbedingten Leerstände liegt bei 0,7 Prozent. Die Gebag erwirtschaftete mit ihren knapp 12.500 Wohnungen (plus 177) und 204 Mitarbeitern (plus 13) 2020 ein Ergebnis von knapp 7,4 Millionen Euro.

 

Die Bilanz-Pressekonferenz der Gebag fand online statt. Foto: Screenshot.

Gebag-Geschäftsführer Bernd Wortmeyer stellte zusammen mit Oberbürgermeister Sören Link die Bilanz der städtischen Wohnungsbaugesellschaft für das Jahr 2020 im Online-Pressegespräch vor. Für Wortmeyer, der vor sieben Jahren als Geschäftsführer angetreten war, die damals in finanzielle Schieflage geratene Gebag wieder in ruhiges Fahrwasser zu bringen, war es die mittlerweile sechste Bilanz-Pk: „Damals hätte sich keiner träumen lassen, zu was wir heute wieder inhaltlich und technisch leisten können“, sagte Gebag-Chef Wortmeyer. Der Jahresüberschuss lag 2020 bei rund 5 Millionen Euro und damit rund 1,5 Mio. Euro über dem Ergebnis des Vorjahres. Dies war allerdings darauf zurückzuführen, dass 2019 eine Steuerrückzahlung das Ergebnis belastet hatte, während für 2020 Corona-bedingte Mehraufwendungen von der Stadt ausgeglichen worden waren. Für 2021 erwartet Wortmeyer einen Überschuss von rund 4 Mio. Euro. Die Eigenkapitalquote stieg von 10 Prozent (2019) auf 11 Prozent.

 

 
Stadtentwicklung und Quartiersmanagement

Gebag-Neubau: So sollen die Häuser an der Hubertusstraße in Homberg mal aussehen. Visualisierung: Gebag.

Die Flächenentwicklung, neben der Bestandsbewirtschaftung das zweite Kerngeschäft der Gebag, wurde auch im Jahr 2020 weiter ausgebaut. Erst 2019 hatte man hierfür die Tochtergesellschaft Gebag Flächenentwicklung GmbH (Gebag FE) gegründet. Die FE investierte 2020 28,6 Mio. Euro in die Entwicklungsprojekte im eigenen Bestand sowie weitere 12,6 Mio. Euro als „Geschäftsbesorger“ für die Stadt Duisburg. Mittlerweile ist im Quartier 6-Seen-Wedau die Kleingartenanlage fertig gestellt und bezogen, die Vermarktung geht bald an den Start. Planungsrecht für das Nahversorgungszentrum ist geschaffen. Für Wedau Nord ist die Ansiedlung eines Universitäts-Campuses geplant. Das nötige Planungsrecht soll noch hierfür ebenso wie für den Alten Güterbahnhof in diesem Jahr geschaffen werden. Auch auf der Brache an der Steinschen Gasse soll es weitergehen: „Dafür brauchen wir aber noch Planungsrecht“, so der Gebag-Chef. Büros, Dienstleistung, Wohnen und Gastronomie: „Das wertet dann auch die Altstadt an dieser Stelle auf“, hofft Wortmeyer.

 
Neben Bestandsbewirtschaftungen und Flächenentwicklung legt die Gebag auch einen Fokus auf das Quartiersmanagement. In Neubaugebieten ebenso wie in bestehenden Wohnquartieren entstehen Kindertagesstätten, teils auch in Verbindung mit Familien- und Jugendzentren als Neu- oder Ersatzbauten. Dank modularer Bauweise kann die Gebag diese Einrichtungen bedarfsgerecht in kurzer Bauzeit fertig stellen. Bislang gibt es 16 Kindertagesstätten, deren Betreiber teils das Jugendamt der Stadt Duisburg, teils aber auch soziale Träger wie zum Beispiel die Lebenshilfe sind.

 

 
GEBAG

Verwaltung der Gebag an der Tiergartenstraße im Dellviertel. Foto: Petra Grünendahl.

Die Duisburger Gemeinnützige Baugesellschaft AG (GEBAG) wurde 1872 gegründet und zählt zu den ältesten Baugesellschaften Deutschlands. Seit 2012 ist die heutige GEBAG Duisburger Baugesellschaft mbH mit aktuell fast 12.500 Wohnungen das größte Immobilienunternehmen der Stadt. Sie bietet rund 35.000 Duisburgern ein Zuhause: Bezahlbar und in einer guten, zeitgemäßen Qualität. Die GEBAG ist das kommunale Immobilienunternehmen der Stadt Duisburg und beschäftigt über 200 Mitarbeiter. Seit fast 150 Jahren prägt sie die Gestaltung und Entwicklung der Stadt Duisburg maßgeblich mit. www.gebag.de
Duisburger Gemeinnützige Baugesellschaft AG (GEBAG)

 
© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (1), Screenshot (1), Gebag (2)

 

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Büchertipp: Walter Buschmann (Hrsg.) zeigt „Industriekultur“ in Krefeld und am Niederrhein

Von Samt, Seide und Tuch bis Bergbau und Edelstahl
Von Petra Grünendahl

Der Blick ins Buch: „Industriekultur – Krefeld und der Niederrhein“. Foto: Petra Grünendahl.

Ausgehend von Schafzucht und Flachsanbau sowie handwerklicher Seidenweberei, Leinen- und Tuchproduktion entstanden in Krefeld, Mönchengladbach und Viersen vielfältige Unternehmen in der Textilindustrie. Als Folge kam der Maschinenbau, der zunächst englische Importmaschinen für die Textilproduktion wartete und reparierte. Die Maschinenbauer entwickelten dann selber schließlich welche, die sie sogar weltweit vertreiben konnten. Mit dem Steinkohlenbergbau, der Rheinschifffahrt und der Eisenbahn kam die Montanindustrie als Folge von August Thyssens Expansion 1900 nach Krefeld: Zur Krefelder Stahlwerke AG (später: Deutsche Edelstahlwerke AG) kam 1908 die Stahlwerk Becker AG, das sich ebenfalls auf Edelstahl konzentrierte. Aus Farbenwerken, Färbereien und der Produktion von Hilfsmitteln für die Textilindustrie (Seife, Fleckentferner, Fettlöser) entstanden Chemische Fabriken und Chemiewerke, die später zum Beispiel auch textile Kunstfasern produzierten. Der agrarisch geprägte untere Niederrhein mit seinen Mühlen für Öl und Getreide sowie Raffinerien profitierte von Absatzmöglichkeiten in der nahen Industrieregion.

 

Buchcover „Industriekultur – Krefeld und der Niederrhein“. Foto: Petra Grünendahl.

Das Buch „Industriekultur – Krefeld und der Niederrhein“, das 2017 von Walter Buschmann herausgegeben wurde, thematisiert in 22 Aufsätzen Denkmalpflege und historische Bauforschung, Industriegeschichte und Industriekultur in ihrer örtlichen und regionalen Verankerung. Das Werk will das industriekulturelle Erbe des Niederrheins hervorheben, um dessen Erhaltungswürdigkeit herauszustellen, die bislang im Vergleich zu anderen Regionen (z. B. dem Ruhrgebiet) noch etwas vernachlässigt wird. Zweiundzwanzig Autoren (Kurzbiografien gibt es im Anhang) schlagen in den Bereichen Textil, Chemie, Lebensmittel, Verkehr und Montanindustrie Brücken von der historischen und industriellen Entwicklung hin zur heutigen Situation, einer eventuellen Nachnutzung und Revitalisierung der Areale. Dabei konnten sie auf historischen Fotos, Zeichnungen, Karten und Illustrationen, Fotos aus neuerer Zeit, die teilweise ebenfalls schon wieder historischen Wert haben, sowie aktuelle Planzeichnungen zurückgreifen, die ihre Schilderungen visuell unterstützen. Sprachlich sind die Texte überwiegend eher wissenschaftlich gehalten, hochinformativ und für den Leser ein Gewinn: Das Buch ist kein Schmöker, den man in einem Rutsch durchliest, sondern eher ein Werk zum Lesen einzelner Kapitel sowie zum Blättern und sich dann irgendwo festlesen. Dabei finden sich auch sehr lesenswerte Kapitel über die Geschichte des linksrheinischen Bergbaus sowie der Stahlwerkwerke in Krefeld und Willich, die Bezüge zur Kern-Ruhrgebietswirtschaft aufzeigen.

 

Das Buch „Industriekultur – Krefeld und der Niederrhein“ behandelt die Gebiete der Niederrheinischen IHK und der IHK Mittlerer Niederrhein. Foto: Symbolbild.

Auch wenn der Schwerpunkt der Ausführungen auf Krefeld und Uerdingen (bis 1929 selbstständige Stadt) liegt, so fließen doch auch in zahlreichen Aufsätzen Betrachtungen vom mittleren und unteren Niederrhein bis hin zur holländischen Grenze mit ein. In Duisburg steht besonders Homberg und Rheinhausen im Fokus. Der Niederrhein von Duisburg über den Kreis Wesel bis in den Kreis Kleve sowie der Mittleren Niederrhein zwischen Krefeld, Neuss, dem Kreis Viersen und Mönchengladbach gehören heute zu den IHK-Bezirken Niederrhein (Duisburg) und Mittlerer Niederrhein (Krefeld-Mönchengladbach-Neuss). Viele Pioniere der Industrialisierung am Niederrhein wie Franz Haniel, August Thyssen, Friedrich Harkort, Friedrich Diergardt und Gustav Mevissen haben auch in Duisburg Spuren hinterlassen.

 

 
Der Herausgeber
Walter Buschmann (*1949) ist Kunsthistoriker und war als Landesdenkmalpfleger mehr als 35 Jahre im Ruhrgebiet beruflich tätig. Er vermittelte sein Wissen und die Methodik der Industriedenkmalpflege über Jahrzehnte als Hochschullehrer in Essen, Dortmund, Köln und seit 1995 auch an der RWTH Aachen. Insbesondere auch im Zusammenwirken mit dem „Förderverein Rheinische Industriekultur e.V.“ weckte er mit seinen Forschungen das Interesse des Publikums. Er verantwortete zahlreiche Publikationen zu Industriedenkmälern als Autor und Herausgeber.
https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Buschmann

 

 
Das Buch und der Verlag