Stadtbad Hamborn: Greyfield baut Immobilie zum Bürostandort um

Bauarbeiten ermöglichen Einblicke in anspruchsvolle Konstruktion
Von Petra Grünendahl

Das alte Stadtbad Hamborn wird zum Bürostandort umgebaut. Foto: Petra Grünendahl.

Über 20 Jahre gammelte das schmucke Stadtbad in Hamborn vor sich hin. 1998 wurde der Betrieb still gelegt, nachdem die Bauaufsicht eine Decke als einsturzgefährdet erklärt hatte. Auf der anderen Seite der Duisburger Straße baute die Stadt das Rhein-Ruhr-Bad, das 2003 den Betrieb aufnahm. Ungebetene Gäste hinterließen im geschlossenen Bad über Jahre ihre Spuren in Form von Zerstörung und Graffiti. Für ein Factory Outlet sollte die Immobilie reaktiviert werden: Diese Pläne zerschlugen sich jedoch. 2018 hatte die Greyfield Group aus Essen das Objekt gekauft, um es zu sanieren und zum Bürostandort umzubauen. Mit dem Jobcenter Duisburg-Nord fand man einen langfristigen Mieter, der eine Sanierung wirtschaftlich machte. Die Einrichtung der Baustelle an der Ecke Duisburger Straße / Walther-Rathenau-Straße machte auch nach außen sichtbar, dass das Stadtbad zu neuem Leben erweckt wird.

 

Das alte Stadtbad Hamborn wird zum Bürostandort umgebaut. Foto: Petra Grünendahl.

Greyfield hat sich darauf spezialisiert, notleidende Bestandsimmobilien zu revitalisieren, sie vermarktungsfähig zu entwickeln und für eine künftige Nutzung bedarfsgerecht umzubauen. „Die Sanierung von Bestandsimmobilien ist nachhaltiger als Abriss und Neubau“, erklärte Dennis Hartmann, Projektentwickler für das Stadtbad. Mit der Grundsteinlegung am 27. März 1929 begann der Bau nach den Plänen Regierungsbaumeisters Franz Steinhauer: Ein Flachdachbau in Stil der Neuen Sachlichkeit (auch: das Neue Bauen der 1920er-Jahre) mit Backsteinoptik sowie horizontaler und vertikaler Gliederung mit Fensterbändern in Muschelkalk. Die beiden Seitenflügel haben über dem Flachdach leicht geneigte Giebeldächer über den Schwimmbecken, umgeben von Flachdach. Die Backsteinfassade ist insgesamt in einem guten Zustand, der Muschelkalk bröselt an einigen Stellen: „Schadhaften Stellen bessern wir hier einfach aus“, erzählte Projektentwickler Hartmann auf einer Tour über die Baustelle. Der Erhalt der Substanz liegt den Immobilienentwicklern am Herzen: Auch in den Innenräumen wird, wo immer möglich, die Backstein-Architektur vom Putz befreit und freigelegt sowie alte Bauelemente sichtbar gemacht. Sie setzen später reizvolle Akzente in einem ansonsten modern gestalteten Arbeitsumfeld.

 

Foyer des Stadtbad Hamborn. Foto: Petra Grünendahl.

Vom Zeichenbrett Franz Steinhauers stammen außer dem Stadtbad zwei weitere Gebäude in Hamborn: Das heutige Robert-Bosch-Berufskolleg und die Polizei-Dienststelle, beide an der August-Thyssen-Straße. Die Gebäude stehen ebenso unter Denkmalschutz wie seit 2005 die Fassade des alten Stadtbades. Dass das Stadtbad nicht als Gesamtes unter Denkmalschutz steht, macht einen solchen Umbau für eine neue Nutzung erst möglich.

 

 
Aufwändige Schwimmbad-Kontruktion

Die rechte Schwimmhalle war für Herrenschwimmen vorgesehen. Foto: Petra Grünendahl.

Zwei Schwimmhallen waren im Stadtbad vorgesehen: Mit einem großen Schwimmbecken für Männer im rechten Flügel sowie einem kleineren für Frauen im linken Flügel. Die beiden Schwimmbecken waren aufwändig konstruiert und erfüllten damals sogar olympische Standards. Wegen der Möglichkeit von Bergschäden waren die Schwimmtröge aus Stahlbeton nicht mit dem Gebäudekörper verbunden. Sie ruhen jeweils auf drei Gleitlagern (Drei-Punkt-Lagerung), um leichte Bodensenkungen abfedern zu können. Die Gleitlager unter dem Schwimmtrog verfügen über massive Beton-Fundamente, die nicht mit den Fundamenten des Gebäudes verbunden sind. Das Gebäude mitsamt seinem Fundament ist quasi wie ein Karton über die Schwimmbecken samt Auflager sowie deren Fundamente drüber gestülpt.

Die Schwimmtröge liegen auf Gleitlagern mit eigenem Fundament auf. Foto: Petra Grünendahl.

Schon im ersten Jahr des Baus wurden die Arbeiten unterbrochen, als wegen der Weltwirtschaftskrise das Geld knapp wurde. Mit dem Weiterbau 1936 war das zweite Schwimmbecken überflüssig (im Nationalsozialismus durften Männer und Frauen im gleichen Schwimmbad schwimmen): Bei der Eröffnung 1938 wurde es erst gar nicht in Betrieb genommen. Um 1945 setzte man dort ein Ständerwerk aus Holz ins Becken und zog einen Schwingboden ein, um die Schwimmhalle als Sporthalle zu nutzen. Eine zweireihige Tribüne im oberen Hallenumlauf ermöglichte einen Zuschauerbetrieb. In jedem Seitenflügel des symmetrischen Baus gibt es hinter einer in Innenhöfen liegenden Apsis Wasserausgleichsbehälter (jeweils drei übereinander liegend in Beton gegossen), um bei Bedarf Wasser ins Schwimmbad nachlaufen zu lassen.

 

 
Umbau in drei Abschnitten

Rechts im Schwimmtrog ist eine Betonwand eingelassen. Auf der aufgelegten Betonplatte entstehen Büro-Trakte in Holzbau. Foto: Petra Grünendahl.

In drei Bauabschnitten baut Greyfield das mittlerweile entkernte und schadstoffsanierte Gebäude als Bürostandort um. Den Anfang macht der linke Gebäudeflügel mit der ehemaligen Sporthalle an der Walther-Rathenau-Straße. Im Schwimmbecken wurde eine Betonwand eingezogen, die den Trog verkleinert. Eine aufgesetzte Bodenplatte vergrößerte die nutzbare Bodenfläche. So entstehen auf beiden Seiten des verbleibenden Beckens Bürobereiche, die über einen mittigen Flur bzw. entlang der Außenseite Walther-Rathenau-Straße erschlossen werden. Der verbleibende Teil des Schwimmtroges wird zum Lichthof umgebaut: Die Büros auf der Innenseite (zum Schwimmtrog) haben damit Tageslicht. Die Büro-Trakte über dem Schwimmbecken werden über drei Etagen in Holz gebaut. Die beiden unteren Etagen greifen die hohen Decken der Schwimmhallen-Ebenen auf. Die dritte Etage hat normale Raumhöhe und führt über eine weitere Treppe auf ein Flachdach, auf dem weitere Büros entstehen. Die Dachterrasse zum Innenhof bietet auf dieser Ebene einen tollen Ausblick auf das Fördergerüst von Friedrich Thyssen 6. „Hier oben sind die besten Büros“, verriet Hartmann.

Über einem Teil des Schwimmtroges entstehen über drei Etagen Büro-Trakte in Holzbau. Foto: Petra Grünendahl.

Im zweiten Bauabschnitt ist der Mitteltrakt mit einer eher konventionellen Büroarchitektur dran. Dazu kommen auf den Flachdächern weitere Büro-Aufbauten. Der rechte Gebäudeflügel an der Duisburger Straße mit dem großen Schwimmbad wird im dritten Bauabschnitt nach einer Verkleinerung des Schwimmtroges ähnlich aufgebaut wie der linke Flügel. Auch hier entstehen auf drei Etagen Büroflächen in Holzbauweise. Jeweils nach Fertigstellung der einzelnen Bauabschnitte werden die Büros bezugsfertig eingerichtet. Ab Frühjahr nächsten Jahres können erste Teile bezogen werden: Dann findet das Jobcenter Duisburg Nord eine neue Infrastruktur in dem denkmalgeschützten Prachtbau vor, der dann wieder in seinem altem Glanz erstrahlen kann.

 
Impressionen von der geführten Tour durch die Baustelle. Fotos: Petra Grünendahl.

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Über die Greyfield Group

Friedrich Thyssen Schacht 6. Foto: Petra Grünendahl.

Die Greyfield Group wurde im Jahr 2012 durch Timm Sassen gegründet. Das nachhaltige Projektentwickler-Unternehmen aus Essen setzt sich aus den drei eigenständigen Marken Liwon, Stana sowie Greyfield zusammen, die jeweils in einem Lebenszyklus einer Immobilie aktiv sind und sich auf das Investment und Redevelopment von Bestandsimmobilien in B- und C-Lagen spezialisieren. Dank fachlicher Kompetenz und kreativem sowie architektonischem Gespür begeht die Greyfield Group unkonventionelle Wege, um aus Grundstücken und Immobilien mit Geschichte intelligente Neunutzungskonzepte zu schaffen, die der Region neuen Mehrwert verleihen. Vom Refurbishment über die Revitalisierung bis hin zum Redevelopment werden alle Bereiche der Immobilienbestandsentwicklung abgedeckt. Durch eine nutzerorientierte Projektentwicklung schafft die Greyfield Group neuen Lebensraum, indem ungenutzte Flächen revitalisiert werden und an die Gesellschaft in Form einer neuen inhaltlichen Zweckbestimmung zurückgegeben werden. So kommen wirtschaftliche und soziale Rendite zusammen. Die gemeinnützige Greyfield Stiftung fördert auch darüber hinausgehend Projekte, die diesen Gedanken weitergeben und die Komponenten Ressourcenschonung, Nachhaltigkeit, Urbanität und gesellschaftliche Verantwortung fördern.

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Ratssitzung in der Kraftzentrale im Landschaftspark Duisburg-Nord

Verkaufsoffene Sonntage, digitale Gremienarbeit und Corona-bedingte Mehrausgaben
Von Petra Grünendahl

Symbolfoto: Diskussionen vor der Sitzung des Stadtrates. Foto: Petra Grünendahl.

Als Dringlichkeitsbeschluss segnete der Stadtrat mehrheitlich sieben verkaufsoffene Sonntage bis Jahresende ab: Auf Anregung des Einzelhandelsverbandes Niederrhein in Abstimmung mit den Werbegemeinschaften in den Stadtteilen. Diese sollen dem durch Corona-Lockdown stark getroffenen Einzelhandel wieder auf die Beine helfen. Da die verkaufsoffenen Sonntage aber nicht mit öffentlichen Veranstaltungen in den jeweiligen Stadtteilen verbunden sind, besteht allerdings die Gefahr, dass Verdi gerichtlich dagegen vor geht, wie es in mehreren Städten in der Nachbarschaft bereits geschehen ist. Als erster Termin ist der kommende Sonntag, 20. September, in Wanheimerort vorgesehen. Die lange Schließung während des Lockdowns sowie der Wegfall von Stadt(teil)festen mit verkaufsoffenen Sonntagen haben den Einzelhandel hart getroffen. Die jetzige Entscheidung macht einen kleinen Ausgleich für verlorene Umsätze möglich, damit nicht am Ende von Corona der Einzelhandel in den Zentren noch weiter minimiert ist.

 

Symbolfoto: Vor der Sitzung des Stadtrates. Foto: Petra Grünendahl.

In letzter Sitzung trat der 2014 gewählte Rat der Stadt Duisburg zusammen: Wegen der zurzeit gebotenen Abstandsregeln in der Kraftzentrale in Landschaftspark Nord. Erst in der nächsten Woche tagt der Wahlausschuss, der das Ergebnis der Kommunalwahl absegnet. Viele Dringlichkeitsbeschlüsse standen auf der Tagesordnung, überwiegend für außerplanmäßige Aufwendungen in Folge von Corona. Laut einer Mitteilungsvorlage rechnet die Stadt für das Jahr 2020 mit Corona-bedingten Lasten in Höhe von 101,93 Mio. Euro, die aktuell größtenteils aus Mindereinnahmen bei der Gewerbesteuer bestehen. Noch nicht absehbar sind allerdings finanzielle Auswirkungen eines sinkenden Gewerbesteuer-Aufkommens in den kommenden Jahren. Hier wird uns Corona noch eine Weile begleiten.

 

 
Weitere Entscheidungen
In die Satzung der Gremienarbeit (Stadtrat, Ratsausschüsse, Bezirksvertretungen) nahm der Rat offiziell die schon seit längerem praktizierten digitalen Kommunikationsformen offiziell auf. Damit ist nun festgeschrieben, dass die früher üblichen Papierberge weitestgehend der Vergangenheit angehören.

Beschlossen wurde ein Neuausrichtung der Wirtschaftsförderung, nachdem mehrere nicht-städtische Unternehmen den Zusammenschluss der GFW Duisburg verlassen haben. Die Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Duisburg mbH soll künftig nur noch von Gesellschaftern in städtischer Hand getragen werden, aber in enger Kooperation mit Unternehmen der freien Wirtschaft. Dafür sucht die Stadt einen neuen Geschäftsführer für den zum Jahresende ausscheidenden Ralf Meurer.

Darüber hinaus segnete der Rat einen städtischen Eigenanteil in der Höhe von bis zu 200.000 Euro für den Realisierungswettbewerb zur Gestaltung des Zukunftsgartens Rheinparks ab. Dieser wird Duisburgs Beitrag zur Internationalen Garten-Ausstellung Metropole Ruhr 2027 (IGA Metropole Ruhr 2027).

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Deutsche Oper am Rhein: Comedian Harmonists in Concert im Theater Duisburg

Goldene Zwanziger in musikalischer Perfektion
Von Petra Grünendahl

Dmitri Vargin (Roman), Günes Gürle (Robert), Patrick Francis Chestnut (Erwin), Cornel Frey (Ari), Luis Fernando Piedra (Erich), Florian Simson (Harry). Foto: Hans Jörg Michel.

Mit “Wochenend und Sonnenschein” und “Mein kleiner grüner Kaktus” entführte das Vokal-Ensemble, rausgeputzt im klassischen Frack, in die Goldenen Zwanziger. Viele Lieder des Konzertabends kann selbst derjenige mitsingen, der mit den Comedian Harmonists nichts anfangen kann. Ein Sprecher (Dirk Weiler) erzählt in den Sing-Pausen die Geschichte der Comedian Harmonists, die 1927/28 in Berlin gegründet wurde. Inspiriert hatte Harry Frommermann, der Mitstreiter für ein Ensemble suchte, das amerikanische Vokal-Quartett The Revelers.

Dmitri Vargin (Roman), Günes Gürle (Robert), Cornel Frey (Ari), Luis Fernando Piedra (Erich), Florian Simson (Harry). Foto: Hans Jörg Michel.

Der moderierte Konzertabend dreht sich um die Gesangsgruppe und ihre Erfolgsgeschichte in den Jahren 1928 bis 1935, die mit der Aufsplittung der Gruppe in arisch und nicht-arisch (jüdisch) ein trauriges Ende fand. Dass drei der Gruppen-Mitglieder jüdisch waren, führte schon 1933 zu ersten Absagen. Sie waren schließlich die letzten Juden, die in Nazi-Deutschland überhaupt noch auftreten durften. Bis 1935 konnten die Comedian Harmonists zusammen auftreten, was sie nicht nur in Deutschland und Europa taten, sondern auch in Amerika.

 

Luis Fernando Piedra (Erich), Patrick Francis Chestnut (Erwin), Dmitri Vargin (Roman), Cornel Frey (Ari), Günes Gürle (Robert). Foto: Hans Jörg Michel.

Nach fast einem halben Jahr Corona-Pause präsentierte die Deutsche Oper am Rhein ihre erste Aufführung der neuen Spielzeit im Theater Duisburg. „Zu Gast“ waren die Comedian Harmonists, denen Ensemble-Sänger Stimme und Gestalt verliehen. Die Comedian Harmonists hatten sich in den Zwanziger Jahren mit der perfekten Harmonie ihres Gesangs und dem charmanten Witz ihres Auftretens nicht nur in Deutschland einen herausragenden Namen gemacht. Grandios hatte dies die Deutsche Oper am Rhein mit ihren Ensemble-Sängern hier auf die Bühne gebracht, dass man sich fast in die Goldenen Zwanziger zurück versetzt fühlte. Ein überaus dankbares und sehr begeistertes Publikum sparte – zu Recht! – weder mit euphorischen Szenen- noch mit einem riesigen Schlussapplaus. Der moderierte Konzertabend dauerte gut 75 Minuten, es gab keine Pause.

 

 
Perfekte Harmonie

Günes Gürle (Robert), Cornel Frey (Ari), Patrick Francis Chestnut (Erwin), Dirk Weiler (Moderator), Dmitri Vargin (Roman), Luis Fernando Piedra (Erich), Florian Simson (Harry). Foto: Hans Jörg Michel.

Die Rollen gibt die Besetzung der Comedian Harmonists vor, die fünf Sänger der Deutschen Oper am Rhein unter der musikalischen Leitung Patrick Francis Chestnut (in der Rolle des Pianisten Erwin) und der Choreographie von Michal Matys exzellent sangen, lebten und auslebten. Um den Tenor Harry Frommermann (Florian Simson) hatte sich 1927 in Berlin das Quintett gebildet: Ari Leschnikoff (Cornel Frey), Erich Abraham Collin (Luis Fernando Piedra), Roman Cycowski (Dmitri Vargin) und Robert Biberti (Günes Gürle), ergänzt durch Erwin Bootz (Patrick Francis Chestnut) am Piano. Wie die Originale brachten auch die Sänger der Deutschen Oper am Rhein hier eine brillante harmonische und musikalisch ganz exzellente Aufführung auf die Bühne. Für die Kostüme zeichnet Ronja Reinhardt verantwortlich, für das Licht-Design auf dem sparsamen Bühnenbild Volker Weinhart und Thomas Tarnogorski.

 

 
Ein kleiner Vorgeschmack:

 

 
Weitere Termine im Theater Duisburg:

Dmitri Vargin (Roman), Günes Gürle (Robert), Cornel Frey (Ari), Luis Fernando Piedra (Erich), Florian Simson (Harry). Foto: Hans Jörg Michel.

Di | 15. September 2020 | 19:30 Uhr,
Mi | 16. September 2020 | 19:30 Uhr,
Do | 24. September 2020 | 19:30 Uhr,
Fr | 25. September 2020 | 19:30 Uhr,
Mi | 30. September 2020 | 19:30 Uhr,
Sa | 3. Oktober 2020 | 18:30 Uhr,
Do | 22. Oktober 2020 | 19:30 Uhr und
Di | 29. Dezember 2020 | 19:30 Uhr.
Darüber hinaus gibt es verschiedene Termine im Opernhaus Düsseldorf.

 

 

Dmitri Vargin (Roman), Günes Gürle (Robert), Patrick Francis Chestnut (Erwin), Cornel Frey (Ari), Luis Fernando Piedra (Erich), Florian Simson (Harry). Foto: Hans Jörg Michel.

Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Die sonst übliche Einführung im Foyer fand nicht statt. Tickets kosten 12,00 und 20,00 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

 
Es gelten folgende Corona-Regeln:

Dmitri Vargin (Roman), Günes Gürle (Robert), Patrick Francis Chestnut (Erwin), Cornel Frey (Ari), Luis Fernando Piedra (Erich), Florian Simson (Harry). Foto: Hans Jörg Michel.

Das Platzangebot rund 280 im Theater Duisburg reduziert. Die Vorstellungen dauern maximal 90 Minuten, es gibt keine Pausen. Es gelten die üblichen Hygiene- und Abstandsregeln. Ein Garderobenservice steht zur Verfügung, die Gastronomie nicht.
Mehr: operamrhein.de/de_DE/wissenswertes

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Hans Jörg Michel

 

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Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen zeigt Otfried Preußler

Figurenschöpfer und Geschichtenerzähler:
die Helden der Kindheit

Von Petra Grünendahl

Das Plakat zur Otfried-Preußler-Ausstellung.

„An die Geschichten von Otfried Preußler erinnern sich die Menschen ganz stark über die Bilder“, erzählte Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt. Und: „Ich hätte nicht gedacht, dass es eine so vielfältige Ausstellung sein würde“, bedankte sie sich bei Kuratorin Linda Schmitz-Kleinreesink, die das komplette Werk des Autors für die Ausstellung wissenschaftlich aufbereitet hatte. Preußler erzählte alte Geschichten und Sagen, wie er sie aus Kindertagen kannte, neu, verändert und schuf unverwechselbare Figuren, denen Zeichner die optische Persönlichkeit gaben. Preußler wollte Kindern Ängste nehmen und schuf damit zum Beispiel die gute Hexe und den gutmütigen Räuber. Jeder kennt sie: „Mehrere Generationen sind mit diesen Figuren aufgewachsen – bis in die heutige Zeit“, erklärte Verlegerin Bärbel Dorweiler. „Illustrationen finden als angewandte Kunst selten den Weg ins Museum. Umso wichtiger ist mir hier auch die wissenschaftliche Aufarbeitung der Werke“, erzählte Christine Vogt, die betonte, dass die Ludwiggalerie trotz vieler Ausstellungen im grafischen Bereich kein Kindermuseum sei.

 

Stellten die Ausstellung vor (v. l.): Kuratorin Linda Schmitz-Kleinreesink, Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt und Verlegerin Bärbel Dorweiler. Foto: Petra Grünendahl.

Otfried Preußler (1923–2013) gehört zu den bedeutendsten und einflussreichsten Kinder- und Jugendbuchautoren des deutschsprachigen Raums. Mit Geschichten wie „Der Räuber Hotzenplotz“, „Die kleine Hexe“ und „Das kleine Gespenst“ hat der Autor seit den 1950er-Jahren Figuren erschaffen, die bis heute aus den Kinderzimmern dieser Welt nicht mehr wegzudenken sind. Mit „Otfried Preußler – Figurenschöpfer und Geschichtenerzähler“ präsentiert die Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen nun erstmals eine Aufarbeitung von Otfried Preußlers Gesamtwerk. Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt stellte zusammen mit Kuratorin Linda Schmitz-Kleinreesink, Verlegerin Bärbel Dorweiler (Thienemann-Esslinger Verlag), Dezernent Apostolos Tsalastras und Gestalter Uwe Eichholz die Ausstellung vor. „Ich bin froh, dass wir zumindest in einem gewissen Rahmen wieder Kunst präsentieren können”, sagte Apostolos Tsalastras, Oberhausens Dezernent für Kultur und Finanzen. Immerhin ist das jetzt die dritte Ausstellung in der Ludwiggalerie, die seit dem Ende des Corona-Lockdowns möglich gemacht wurde.

Grafik: Daniel Napp: Das kleine Gespenst.

Mit zahlreichen Zeichnern arbeitete Preußler in seiner langen Schaffenszeit zusammen. Diese illustrieren nicht nur seine Geschichten, sondern erwecken die Figuren zum Leben und schufen ihre eigenen unverwechselbaren Charaktere. Die Zeichner konnten relativ frei arbeiten, ihre Figuren optisch entwickeln, jedoch immer im Dialog mit dem Autor. Viele originale Tuschezeichnungen und Illustrationen stellte der Thienemann-Esslinger Verlag, der die Rechte am Werk Otfried Preußlers besitzt, aus seinem Archiv bereit. Darüber hinaus steuerten auch die Familie (Nachlass), Zeichner und Illustratoren ihr Material für diese einzigartige Schau bereit.

 

 
Alte und neue Bildsprache

Grafik: Mathias Weber koloriert Winnie Gebhardts Die kleine Hexe.

Besonders bekannt sind die Illustrationen von F. J. Tripp, die dem Räuber Hotzenplotz sein markantes Äußeres verleihen. Die holzschnitthaften Sepia-Zeichnungen, die Herbert Holzing für Krabat erschafft, bleiben über zahlreiche Auflagen hinweg bestehen. Das unverwechselbare Aussehen der kleinen Hexe, aber auch des kleinen Wassermanns, ist der Künstlerin Winnie Gebhardt zu verdanken. Mehr als 50 ihrer originalen Tuschezeichnungen stellt der Thienemann-Esslinger Verlag eigens für die Ausstellung bereit.

Die Neuillustrationen der Klassiker durch Daniel Napp, Thorsten Saleina und Annette Swoboda sind in der umfangreichen Schau genauso vertreten wie die frühen Zeichnungen. Indem die Präsentation nahezu alle Protagonisten Preußlers vorstellt, unterstreicht sie die immense Bandbreite seines Schaffens. Zum ersten Mal beleuchtet damit eine Ausstellung grundlegend die Illustratoren, die den Büchern durch ihre eindringlichen Bilder zu großem Erfolg verholfen haben. Auch selten gezeigte Originalzeichnungen zu Hörbe, die Otfried Preußler selbst angefertigt hat, sind zu sehen.

 

 
Räuber Hotzenplotz, Krabat und Die kleine Hexe

Christiane Hansen: Das Eselchen und der kleine Engel. Foto: Petra Grünendahl.

Die Ausstellung reicht von klassischen Bilderbüchern, Geschichtensammlungen und traditionelle Sagen bis hin zu fantastischen Erzählungen. Dabei können Besucher den gesamten Preußler-Kosmos kennen lernen. Dazu gehören auch Charaktere wie die dumme Augustine, Tella, die Schildbürger und Wanja sowie einige der weniger bekannten Protagonisten. Über drei Etagen hinweg sind Otfried Preußlers Geschichten in unterschiedlichen Formaten wissenschaftlich aufarbeitet präsentiert, damit große und kleine Besucher beim Betrachten der Bilder in phantastische Welten eintauchen können.

Otfried Preußler erfreut sich bis heute großer Beliebtheit bei Groß und Klein: „Wir haben die Bücher mit den einfachen Tuschezeichnungen ebenso im Programm wie die kolorierten Ausgaben, die den heutigen Sehgewohnheiten der Kinder entsprechen“, erzählte die Verlegerin. Viele von Preußlers Geschichten wurden auch in andere Medien übertragen: Hörbücher, Theateradaptionen, Filme und Spiele zeugen von der immensen Beliebtheit der jeweiligen Werke, die bis heute Groß und Klein begeistern. Über 300 originale Zeichnungen sowie Filmrequisiten, Buchausgaben und Fotografien ermöglichen erstmals einen umfangreichen Überblick über das Wirken Otfried Preußlers und seiner Illustratoren. Insgesamt schrieb er 35 Bücher, die in mehr als 50 Sprachen übersetzt mit einer Gesamtauflage von über 50 Mio. Exemplaren weltweit bis heute begeistern.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der Otfried Preußler als Figurenschöpfer und Geschichtenerzähler ebenso vorstellt wie die bedeutendsten Zeichner seiner Figuren. Das reich bebilderte 160-seitige Werk wird herausgegeben von Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt und Kuratorin Linda Schmitz-Kleinreesink. Für 29,80 Euro ist es an der Museumskasse ebenso zu erwerben wie im lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-932236-44-0).

Den Flyer zur Ausstellung gibt es hier zum Download.

 
Impressionen aus der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl.

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Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen

Handpuppen aus „Räuber Hotzenplotz“ . Foto: Petra Grünendahl.

Die Sonderausstellung läuft bis zum 17. Januar 2021. Das Museum ist geöffnet von Dienstag bis Sonntag zwischen 11 und 18 Uhr. Montags ist Ruhetag, feiertags sowie Pfingstmontag ist jedoch geöffnet. Geschlossen ist am 24., 25. und 31. Dezember sowie 1. Januar. Der Eintritt kostet 8 Euro (ermäßigt 4 Euro, Familien 12 Euro). Corona-bedingt gilt eine Besucherobergrenze: Im Großen Schloss (Otfried Preußler) von 80 Personen, in der Panoramagalerie im Kleinen Schloss (Dieter Nuhr und Bahar Batvand) finden 35 Leute Platz. Bei einer weiteren Lockerung der Einschränkungen könnte diese Zahl aber wieder steigen.

Führungen können aufgrund des Coronavirus zurzeit nur mit maximal 10 Personen stattfinden. Öffentliche Führungen finden im Großen Schloss onst sonn- und feiertags um 11.30 Uhr statt. Zudem gibt es Kuratorenführungen (mit Linda Schmitz-Kleinreesink, am 25. Oktober, 15. November, 13. Dezember und 10. Januar, jeweils um 15 Uhr) und Direktorenführungen mit Dr. Christine Vogt (23. September und 11. November, jeweils um 16 Uhr). Alle Führungen sind im Museumseintritt inklusive. Details zum Rahmenprogramm zu den Ausstellungen sowie zum Museumspädagogischen Angebot gibt es https://ludwiggalerie.de/de/ausstellungen/programm/. Die Ausstellung eröffnet am Samstag, 12. September 2020, um 19 Uhr.

In der Panoramagalerie im Kleinen Schloss zeigt die Ludwiggalerie noch bis zum 13. September das Projekt „Parallel“ des Kunstvereins Oberhausen mit Werken von Bahar Batvand und Dieter Nuhr. Diese Ausstellung haben wir bereits besucht. Im Kleinen Schloss ist der Eintritt frei.

Die LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen ist eines der 21 RuhrKunstMuseen. Sie befindet sich an der Konrad-Adenauer-Allee 46 in 46049 Oberhausen. Anfahrt am besten über die A42, Abfahrt Oberhausen-Zentrum. Weitere Infos: www.ludwiggalerie.de.

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Grafschafter Museums- und Geschichtsverein: 400 Jahre Moerser Festungsanlagen

Alte Pläne hochwertig aufbereitet und neu interpretiert
Von Petra Grünendahl

Überlagerung des Sariac-Plans von 1762 mit dem aktuellen Katasterplan der Stadt Moers. Quelle: Stadt Moers, Fachbereich 6.

„Zu den Highlights des Buches zählt mit Sicherheit der Befestigungsplan, den ein französischer Offizier 1762 angefertigt hatte“, erzählte Prof. Dr. Margret Wensky, Herausgeberin und Mit-Autorin an einem neuen Buch zur Moerser Geschichte als Festungsstadt. Dass Friedrich II. die Festungsanlagen des seit 1702 preußischen Moers nach dem Siebenjährigen Krieg (1756–1763) und der französischen Besatzung schleifen ließ, veränderte das Stadtbild ebenso nachhaltig wie zuvor der Bau der Befestigungsanlagen zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Moritz von Oranien (1567–1625) hatte die spanischen Besatzer vertrieben, trat nach dem niederländischen Befreiungskampf das Erbe von Walburgis (Anna Walburga von Neuenahr, 1522–1600), Gräfin von Moers, an und ließ ab 1601 Schloss und Stadt befestigen. Die Festungspläne entwickelte der flämische Baumeister Simon Stevin (1548/49–1620), der als Vater des modernen Bauingenieurswesens gilt: Moers ist die einzige von ihm geplante Festung in Deutschland. Der Bau dauerte bis ins Jahr 1620. Die Spuren dieser oranischen Befestigungsanlagen, die aus hoch aufgeschütteten Erdwällen bestanden – Kanonen konnten ihnen im Gegensatz zu Mauerwerken nichts anhaben – finden sich bis heute im Stadtbild wieder. Beim Schleifen der Wälle kämpfte der Moerser Magistrat mit dem preußischen Ortskommandanten um jeden Zentimeter Wall, nutzte dieser doch der Stadt auch als Hochwasserschutz und Abwasserführung.

 

Prof. Dr. Margret Wensky (l.) und Peter Boschheidgen (r.) stellten das Buch vor. Foto: Petra Grünendahl.

Zum Jubiläum konnte der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e. V. (GMGV) die Bonner Geschichtswissenschaftlerin für seine neue Publikation gewinnen: „400 Jahre oranische Befestigung von Schloss und Stadt Moers 1620–2020“. Zusammen mit der Herausgeberin stellte Peter Boschheidgen, Vorsitzender des GMGV, das Werk im Rittersaal des Schloss Moers vor. Bereits im Jahr 2000 hatte Wensky ein zweibändiges Werk über die Moerser Geschichte aufgelegt, auf dessen Basis sie neue Erkenntnisse einordnet und weiter entwickelt. Einen weiteren Vorläufer hat die neue Publikation in einem Werk von Hermann Boschheidgen, Gründer des GMGV und Großvater des heutigen Vorsitzenden: „Die oranische und vororanische Befestigung von Moers nebst ihren Beziehungen zum heutigen Stadtbilde“ von 1917. Das neue Buch zu den Befestigungslagen kann viele neue Details zur Forschung beitragen, die ein komplexeres Bild der Stadtgeschichte ermöglichen: „Die Stadt gewinnt damit an Konturen, die das Stadtbild konkretisieren“, so die Historikerin. Auch habe man für das neue Buch für die bekannten und bislang unbekannten Pläne, Grundrisse und Abbildungen die heutigen technischen Möglichkeiten nutzen können, um sie mit hoher Qualität zu reproduzieren.

 

 
Neue Erkenntnisse vervollständigen das Bild der Stadt Moers

Grundriss der Festungsanlagen von Schloss und Stadt Moers um 1601/02. Quelle: Geheimes Staatsarchiv Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Berlin.

Moers gehörte zu einer ganzen Reihe von neuzeitlichen Festungsstädten. Die Überbleibsel der Festungsanlagen sind damit nicht einzigartig, aber immerhin in bemerkenswerter Weise erhalten und im Stadtbild nachzuvollziehen. Einer Belagerung musste die Festungsstadt nie Stand halten. Die Schleifung der Anlagen ermöglichte allerdings, die Moerser Innenstadt über diese Grenzen hinaus zu erweitern und zu entwickeln. Diese Entwicklung zeigt Thorsten Kamp, Beigeordneter der Stadt Moers, dem unter anderem auch die Stadtplanung obliegt, in einem Beitrag, der sich mit der Entwicklung der Stadt vom 17. bis ins 20. Jahrhundert befasst: Wie ist man in der Stadtentwicklung mit dem kulturellen Erbe umgegangen? Das Buch zieht den Bogen von der Vergangenheit in die Gegenwart, um vielleicht Anregungen für eine Stadtentwicklung der Zukunft zu geben, die das kulturelle Erbe der Stadt bewahrt.

Über das Buch hatten wir bereits im Mai berichtet:
duisburgamrhein-betrachtungen.de/2020/05/22/moers-400-jahre-oranische-befestigung-von-schloss-und-stadt/

 

Ein Standardwerk für Moers-Interessierte

Joan Blaeu d. Ä. (1596-1673), Grundriss der Festung Moers, 1649. Quelle: Grafschafter Museum im Moerser Schloss.

„Der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein ist froh, ein derartiges Großprojekt zum 400. Jubiläumsjahr der das Stadtbild prägenden oranischen Befestigungsanlage gestemmt zu haben“, sagt Peter Boschheidgen, Vorsitzender des GMGV. „Das Werk wird wegen seiner lebendigen und abwechslungsreichen Darstellung nicht nur die Fachleute begeistern, sondern jeden Leser, der sich mit der Stadt Moers und ihrer Geschichte verbunden fühlt.“ 91 Abbildungen, zum Teil bislang unveröffentlichte Pläne, Dokumente und Ansichten aus in- und ausländischen Archiven, Bibliotheken, Museen und Sammlungen, ergänzen und illustrieren die Beiträge. Das Buch „400 Jahre oranische Befestigung von Schloss und Stadt Moers 1620–2020“ (Herausgeber Prof. Dr. Margret Wensky, Veröffentlichung des Grafschafter Museums- und Geschichtsvereins in Moers e.V.) mit festen Einband und 156 Seiten kostet 29,50 Euro. Zu erwerben ist es bei der Moers Marketing GmbH oder im Moerser Schloss (Grafschafter Museum) ebenso wie im lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-948252-01-4).
Den Flyer zum Buch gibt es hier zum Download.

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text)
Foto: Petra Grünendahl
Pläne und Grundrisse: Geheimes Staatsarchiv Stiftung Preußischer Kulturbesitz Berlin (1), Grafschafter Museum im Moerser Schloss (1) und Stadt Moers (1)

 

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DGB Duisburg-Niederrhein: Antikriegstags-Gedenken unter Corona-Bedingungen

Mit Aufklärung gegen Faschismus
Von Petra Grünendahl

Angelika Wagner. Foto: Petra Grünendahl.

„Unsere Geschichte prädestiniert uns zum Widerstand gegen Rechts“, erklärte die DGB-Vorsitzende Angelika Wagner. Die Bilder des letzten Wochenendes von Demonstranten auf den Stufen des Reichtages erinnerten fatal an eine Zeit, wo Menschen wegen einer menschenverachtenden Ideologie zu Tode kamen. „Feinde der Demokratie mischen sich unter Demonstranten, die sich missbrauchen lassen! Oder die vielleicht gar sympathisieren?“, warnte Wagner.

Christian von den Driesch. Foto: Petra Grünendahl.

Und: „Wer sich nicht abgrenzt, macht sich gemein mit diesem Gedankengut!“ – „Rechtes Gedankengut ist hier wieder ganz offen tätig“, stellte Christan von den Driesch von der Partnerschaft für Demokratie Duisburg in seinem Grußwort fest. Dagegen müssen man mit Bildungsangeboten angehen, aufklären: „Wir von der Partnerschaft für Demokratie sind da für Projektideen offen“, erklärte er das Projekt „Demokratie leben!“, für das in Duisburg Fördermittel zur Verfügung stehen, damit Lehren aus der Geschichte in der Gesellschaft ankommen.

Bürgermeister Manfred Osenger. Foto: Petra Grünendahl.

„Der Schoß ist fruchtbar noch aus dem das kroch“, zitierte Bürgermeister Manfred Osenger passend Berthold Brecht. „Seit 75 Jahren leben wir im Frieden. Das gilt es zu bewahren“, so Osenger. „Die Geschehnisse in der Welt zeigen, wie wenig wir vom rechten Radikalismus entfernt sind“, betonte Bürgermeister Osenger. Dabei brauche, so der Tenor aller Redner, es ein vielfältiges, respektvolles und gewaltfreies Miteinander, um Frieden zu gestalten.

 
 

Kranzniederlegung an der Stele (v. l.): Angelika Wagner, Christian von den Driesch und Manfred Osenger. Foto: Petra Grünendahl.

Die traditionelle Antikriegstags-Veranstaltung des DGB Duisburg-Niederrhein zum 1. September unter dem Titel „Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!“ fand Corona-bedingt unter freiem Himmel vor dem DGB-Haus am Stapeltor statt. Der Vorplatz des Duisburger Gewerkschaftshauses bot nicht nur ausreichend Platz, sondern auch eine passende Gedenkstätte für die anschließende Kranzniederlegung:

Gedenken vor dem DGB-Haus. Foto: Petra Grünendahl.

Die Installation des israelischen Künstlers Dani Karavan* mit einer Stele und vier Särge symbolisierenden Brammenstapeln erinnert an die vier Gewerkschafter, die am 2. Mai 1933 von den Nazis im damaligen Gewerkschaftshaus an der Ruhrorter Straße gefoltert und ermordet worden waren. Der Antikriegstag wird als Gedenktag vom Deutschen Gewerkschaftsbund seit dem 1. September 1957 begangen: Hier versammeln sich Antifaschisten und Pazifisten unterschiedlichster politischer Couleur, um gemeinsam für Demokratie, Abrüstung und Frieden zu demonstrieren. Musikalisch begleitete die Sängerin Melissa Metzner die Veranstaltung.

Die Brammenstapel vor dem DGB-Haus symbolisieren Särge. Foto: Petra Grünendahl.

 

 
 
Mit Stadtspaziergang im kleinen Kreis

Robin Richterich an der evanglischen Kapelle, die an die Synagoge in der Duisburger Innenstadt erinnert. Foto: Petra Grünendahl.

Abschließend nahm Robin Richterich vom Zentrum für Erinnerungskultur zusammen mit Abdul Kader Chahin, der in Essen Lehramt u. a. für Geschichte studiert, eine (Corona-bedingt) kleine Gruppe mit auf einen Stadtspaziergang zu Gedenkorten:

Abdul Kader Chahin erzählte von der Demütigung jüdischer Duisburger vor dem Stadttheater. Foto: Petra Grünendahl.

Vom DGB-Haus über den ehemaligen Standort der Duisburger Synagoge bis hin zum Stadttheater zeichneten die beiden Geschehnisse aus der Zeit des Nationalsozialismus und spannende Geschichten von Menschen nach, die Opfer der menschenverachtenden Ideologie ihrer Zeit wurden. „Mit Geschichten von Menschen der damaligen Zeit erreicht man das Bewusstsein der Menschen heute besser als mit nackten Fakten“, erklärte Robin Richterich seinen Vermittlungsansatz, der bei der Gruppe gut ankam und einen Dialog in Gang setzte, der die Tour etwas mehr in die Länge zog als ursprünglich geplant.

*) Von Dani Karavan stammt auch der Garten der Erinnerungen, der hinter dem DGB-Haus beginnt.

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier bei thyssenkrupp Steel in Duisburg

Projektplan Direktreduktion als Schritt zur klimaneutralen Stahlproduktion
Von Petra Grünendahl

Martina Merz. Vorstandsvorsitzende der thyssenkrupp AG (mitte), mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (links) und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (rechts). Foto: Petra Grünendahl.

„Mit der Umstellung der Roheisengewinnung von konventionellen Hochöfen auf den Hochofen 2.0, der Direktreduktion mit Hilfe von Wasserstoff (H2), können wir in der Stahlproduktion massiv CO2 einsparen“, erklärte Bernhard Osburg, Sprecher des Vorstandes der thyssenkrupp Steel Europe AG, den Weg zum klimafreundlichen Stahl. Damit falle schlussendlich die bekannte Infrastruktur vom Import der Kohle bis zur Verbrennung im Hochofen ebenso weg wie die Entstehung von CO2.

Bernhard Osburg, Sprecher des Vorstandes der thyssenkrupp Steel Europe AG. Foto: Petra Grünendahl.

Am Ende der Investitionen in Höhe von mehreren Milliarden Euro entstünden durch „tkH2Steel“, einer einzigartigen Entwicklung aus dem Hause thyssenkrupp Steel, auch Effizienzvorteile in der Produktionskette. Der Projektplan steht: Auf einem Areal in der Nähe des Hafenbeckens Walsum-Süd will thyssenkrupp Steel ein Direktreduktionsanlage bauen. Bernhard Osburg übergab zusammen mit Martina Merz, Vorstandsvorsitzende der thyssenkrupp AG, den Projektplan an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, den der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet begleitete.

 

Von links: NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, Martina Merz, Vorstandsvorsitzende der thyssenkrupp AG, und Bernhard Osburg, Sprecher des Vorstandes der thyssenkrupp Steel Europe AG. Foto: Petra Grünendahl.

Peter Altmaier und Armin Laschet informierten sich bei thyssenkrupp Steel Europe in Duisburg über die grüne Transformation in der Stahlproduktion. Für Deutschlands größten Stahlhersteller empfingen die thyssenkrupp-Vorstandschefin Martina Merz und Stahl-Chef Bernhard Osburg die Gäste auf dem Werksgelände, wo die Direktreduktionsanlage („Hochofen 2.0“) gebaut werden soll. Sie übergaben den Produktionsplan für die innovative Anlage, die bis 2025 im thyssenkrupp Stahlwerk in Duisburg entstehen soll.

Martina Merz. Vorstandsvorsitzende der thyssenkrupp AG. Foto: Petra Grünendahl.

Die neue Roheisengewinnung soll die Stahlproduktion klimafreundlicher machen und die Arbeitsplätze am Stahl-Standort Duisburg langfristig sichern. Schon jetzt kommt der sauberste Stahl weltweit aus Europas größtem Stahlstandort am Rhein. Thyssenkrupps Konzern-Chefin ebenso wie der Stahl-Chef betonten, dass ein einzelnes Unternehmen die immensen Kosten für Entwicklung und Realisierung der grünen Transformation nicht alleine stemmen könne.

 
 
Bekenntnis zum Stahl

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. Foto: Petra Grünendahl.

Wirtschaftsminister Altmaier sagte thyssenkrupp Unterstützung für die anstehenden Herausforderungen und eine Förderung der klimaneutralen Stahlproduktion zu: „Wir wollen, dass hier Stahl produziert wird, der wettbewerbsfähig ist.“ Und: „Die Transformation ist nötig, um Klimaziele zu erreichen. Schon jetzt ist jede Tonne Stahl in Deutschland umweltfreundlicher hergestellt als überall sonst in Europa und der Welt.“ NRW-Ministerpräsident Laschet ergänzte: „Diese Region hat die Grundlage für unseren Wohlstand und mit der Montanunion (Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl 1952) auch für Europa gelegt.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet. Foto: Petra Grünendahl.

Wenn wir klimafreundlichen Stahl wollen, brauchen wir Unternehmen wie thyssenkrupp, die das anpacken!“ – „Wir wollen eine Führungsposition in der Transformation haben“, so thyssenkrupp-Chefin Martina Merz. „Der Stahl kann ein Vorreiter in der Industrie werden. Im Stahl liegen Potenziale auch über Deutschland hinaus.“ Über die Jahre habe thyssenkrupp mit der Modernisierung von Anlagen schon viel zur CO2-Einsparung bei der Stahlproduktion unternommen.

Von links: NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, Martina Merz, Vorstandsvorsitzende der thyssenkrupp AG, und Bernhard Osburg, Sprecher des Vorstandes der thyssenkrupp Steel Europe AG. Foto: Petra Grünendahl.

Duisburg und das Ruhrgebiet könnten hier zum Innovationstreiber werden, so Merz. Die Wasserstoff-Strategie der thyssenkrupp Steel schaffe gute Voraussetzungen dafür: „Wir müssen die grüne Transformation in Deutschland, Europa und der Welt durchsetzen, weil sie maßgebliche Impulse für Europa und die Klimaneutralität geben.“

 

 
 
Hochofen 2.0 und tkH2Steel

Von links: NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, Martina Merz, Vorstandsvorsitzende der thyssenkrupp AG, und Bernhard Osburg, Sprecher des Vorstandes der thyssenkrupp Steel Europe AG. Foto: Petra Grünendahl.

Mit einer neuen Direktreduktionsanlage („Hochofen 2.0“) will thyssenkrupp Steel die Roheisengewinnung revolutionieren: Hier wird kein Koks mehr verfeuert, um die Sauerstoffanteile im Eisenerz zu reduzieren. Der im Koks enthaltene Kohlenstoff verbindet sich mit Sauerstoff zu CO2, den man aber vermeiden will. Stattdessen soll in einem Kaltprozess Wasserstoff aus Eisenerz sauerstoffreduzierten Eisenschwamm machen. So entstehen im Reduktionsprozess keine CO2-Emissionien mehr. Flüssig wird das Eisenerz erst danach, wenn es eingeschmolzen wird. Das Schmelzaggregat, das thyssenkrupp Steel in einem zweiten Entwicklungsschritt ab 2026 entwickelt, soll elektrisch (mit grünem Storm) klimaneutral arbeiten. Der Reduktionszylinder bildet dann mit dem innovativen Schmelzaggregat den Hochofen 2.0, der in die Prozessketten eingebunden wird. Das sichert den Erhalt des bestehenden integrierten Produktionsstandortes mit dem Beibehalt des kompletten Produktportfolios. Bis 2030 sollen damit CO2-Emissionen um 30 Prozent gesenkt werden. 2050 will thyssenkrupp Steel klimaneutral sein.

 

Hochofen 8 von thyssenkrupp Steel. Foto: Petra Grünendahl

Schon jetzt erprobt thyssenkrupp Steel, Wasserstoff in der Roheisengewinnung im konventionellen Hochofen, um die Zufuhr von Kohlenstaub und damit die CO2-Emissionen zu reduzieren. Was den Stahl aus Duisburg zum klimafreundlichsten weltweit macht!

 

 
 
thyssenkrupp Steel Europe AG

Abstich am Hochofen 8 von thyssenkrupp Steel. Foto: Petra Grünendahl

Die thyssenkrupp Steel Europe AG mit Unternehmenssitz in Duisburg ist eine Tochtergesellschaft der thyssenkrupp AG, Essen, und gehört zu den weltweit führenden Anbietern von Qualitätsflachstahl. Der Geschäftsbereich Steel Europe mit rund 27.000 Mitarbeitern und hoch effizienten Anlagen produziert jährlich ungefähr 12 Millionen Tonnen Rohstahl – und ist damit der größte Flachstahlhersteller in Deutschland. Dabei erwirtschaftet die Stahl-Sparte des Konzerns mit rund 1.800 verschiedenen Stahlsorten im Portfolio einen Jahresumsatz von knapp 9 Mrd. Euro.

Hauptverwaltung von thyssenkrupp Steel in Bruckhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Das Duisburger Werk ist das Herz des Unternehmens. Die Lage am Rhein ist dabei seit Gründung des Standortes im Jahr 1891 ein unschätzbarer Standortvorteil: Mit einer Fläche von rund 10 Quadratkilometern (1.000 Hektar) verfügt das Stahlwerk nicht nur über 400 Gleiskilometer im Werk und Anschlüsse an das Bahnnetz, sondern auch über zwei Häfen (Schwelgern und Walsum-Süd) am Rhein. Weiterverarbeitungsstufen finden sich in den Werken Bochum, Dortmund und im Siegerland mit modernen Walz- und Beschichtungsanlagen. Electrical Steel in Gelsenkirchen steht für hochwertiges kornorientiertes Elektroband; eine zweite Tochtergesellschaft in Andernach zählt wiederum zu den Weltmarktführern für Verpackungsstahl. Steel ist nicht nur in Deutschland aktiv, sondern ist über ein Joint Venture zudem auf dem chinesischen Markt für hochwertige, feuerbeschichtete Bleche für die Automobilindustrie vertreten.

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Sechs-Seen-Wedau: Lärmschutzwall für das neue Duisburger Stadtquartier

Symbolischer Spatenstich leitet Erschließung ein
Von Petra Grünendahl

Oberbürgermeister Sören Link. Im Hintergrund laufen die Arbeiten am Fundament des Lärmschutzwalls. Foto: Petra Grünendahl.

Die Bauarbeiten sind längst im Gange, auch das Fundament für den Lärmschutzwall ist schon weitgehend gesetzt. Corona-bedingt verspätet ließen sich GEBAG-Geschäftsführer Bernd Wortmeyer und Oberbürgermeister Sören Link den (symbolischen) ersten Spatenstich nicht nehmen. Die Anwesenheit der NRW-Bauministerin* Ina Scharrenbach zeigt die Bedeutung der Flächenentwicklung an dieser Stelle: „Es ist zur Zeit das größte Wohnungsbauprojekt in NRW“, so die Ministerin. Rund 3.000 bis 3.500 Wohnungen sollen auf dem ehemaligen Rangierbahnhofsgelände der Deutschen Bahn in Wedau entstehen – mit einem eigenen Nahversorger.

Bernd Wortmeyer, Geschäftsführer der GEBAG. Foto: Petra Grünendahl.

In unmittelbarer Nachbarschaft zur Sechs-Seen-Platte entsteht ein neues Stadtquartier mit immenser Bedeutung für die Stadtentwicklung Duisburgs „mit hoher Wohnqualität und viel Grün“, so OB Link. Es ist neben dem Quartier am Alten Angerbach, dem Alten Güterbahnhof und Wedau-Nord (ehemaliges DB-Ausbesserungswerk) die vierte große Flächenentwicklung, die die städtische Immobilien-Tochter GEBAG Hand in Hand mit der Stadt Duisburg voran treibt.

 

Am arbeiten (v. l.): Bernd Wortmeyer, Ina Scharrenbach und Sören Link. Foto: Petra Grünendahl.

Zum Spatenstich hatten sich neben OB Link, GEBAG-Chef Wortmeyer und Ministerin Scharrenbach zahlreiche Lokalpolitiker, Planer und Projektbeteiligte eingefunden, den „Startschuss“ zu feiern. Der Lärmschutzwall entsteht an der östlichen Grundstücksgrenze zur Bahntrasse: Mit einer Gesamtlänge von ca. 2,5 Kilometern und einer Höhe von bis zu 15 Metern schützt er das neu entstehende Wohnquartier vor Lärmbelastung durch den Zugverkehr. Die GEBAG errichtet den Wall mit seinen begrünten Wandflächen, die das neue Wohngebiet vor Lärm schützen, aber diesen auch nicht in die Wohngebiete auf der anderen Seite der Bahntrasse reflektieren sollen. Der Lärmschutzwall inklusive Wand auf Erdbauwerk und Begrünung soll bis Herbst 2021, die Bodensanierung der Flächen bis Ende 2021 fertig sein.

Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes NRW. Foto: Petra Grünendahl.

Die Verlegung der Kleingartenanlage ist bereits im Bau: Bis Ende Februar 2021 stehen Erholungsgartenanlage inkl. Vereinsheim. Die Vermarktung der Baufelder für den Wohnungsbau will die GEBAG im zweiten Quartal 2021 beginnen. Etwa 7.000 Menschen sollen in dem Quartier eine neue Heimat finden. Infrastrukturelle Angebote vor Ort, Bildungs- und Betreuungseinrichtungen sowie vielfältige Freizeitmöglichkeiten in direkter Wasserlage prägen das neue Quartier. Der Bebauungsplan, erzählte Bernd Wortmeyer, mache keinen strengen Vorgaben, was entstehen soll. Das ermögliche der GEBAG, vieles im Gespräch mit den Investoren direkt festmachen zu können.

 

 
Impressionen. Fotos: André C. Sommer

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Vier Wohnquartiere

Der denkmalgeschütze Wasserburm bleibt erhalten. Foto: Petra Grünendahl.

Auf den rund 60 Hektar Fläche im südlichen Teil von Sechs-Seen-Wedau (dem ehemaligen Rangierbahnhof) sieht ein Rahmenplan vier Wohnquartiere mit unterschiedlichen gestalterischen Schwerpunkten vor, die sich an eine breit gefächerte Zielgruppe richten. Das Quartier am Wasserturm sichert die infrastrukturelle Versorgung des neuen Stadtteils: Neben Einzelhandel im Nahversorgungszentrum werden hier eine Schule und eine Kindertagesstätte angesiedelt. Durch Erhaltung der denkmalgeschützten Elemente des ehemaligen Rangierbahnhofs wie Stellwerk und Ziegelwasserturm verbindet das als Sonder- und Mischgebiet ausgewiesene Baugebiet auf eine attraktive Weise die Geschichte des Standorts mit der zukunftsweisenden Funktion, die Sechs-Seen-Wedau in der Stadtentwicklung Duisburgs übernehmen soll.

Das denkmalgeschütze Stellwerk links bleibt erhalten. Foto: Petra Grünendahl.

Die Neue Gartenstadt nimmt die bereits bestehende Bebauung in Wedau in ihrer Architektursprache auf und wird größtenteils Geschosswohnungsbau im Gartenstadtcharakter vorweisen. Durch seine direkte Lage am See weiß das Seequartier als urbaner Stadtraum mit hoher Lebensqualität zu überzeugen. Der Anschluss an den Masurensee auf der Westseite des Quartiers erfolgt über die neue Ufer-Promenade. Weiterhin ist die Einrichtung einer weiteren Kindertagesstätte geplant. Das sich südlich an den Uferpark anschließende Quartier am Uferpark bildet den südlichen Abschlusspunkt der Wohnbebauung von Sechs-Seen-Wedau. Hier sind Ein- und Mehrfamilienhäuser in aufgelockerter Struktur geplant.

Lokalpolitiker, Planer und Projektbeteiligte feierten den Start am neuen Stadtquartier. Foto: André C. Sommer.

Die für Sechs-Seen-Wedau vorgesehen Außenraumplanung legt viel Wert auf den Erhalt und die zeitgleiche Neuschaffung von öffentlichen Grünräumen sowie großzügigen Zonen mit hoher Aufenthaltsqualität – sowohl für die Bewohner des neuen Stadtteils, als auch für alle Duisburger. Auch Aufenthaltszonen direkt am Wasser sind vorgesehen: Die Sorge, dass die Uferzonen komplett zugebaut werden könnten, ist also unbegründet!

Lokalpolitiker, Planer und Projektbeteiligte feierten den Start am neuen Stadtquartier. Foto: Petra Grünendahl.

Ziel der Planung ist es, eine attraktive Wegeführung für Fußgänger und Radfahrer zu schaffen, um so den Autoverkehr ganz automatisch im Sinne der „grünen Stadt von morgen“ zu reduzieren. Plätze und Querungsmöglichkeiten schaffen Begegnungsräume, eine hohe Aufenthaltsqualität belebt zugleich das gesamte Quartier.
https://www.gebag.de/flaechenentwicklung/6-seen-wedau/
https://www.6-seen-wedau.de/home/

 

 
Geschichte des Areals

Ansicht des alten Rangierbahnhofsgeländes von der Wedauer Brücke aus im Mai 2018. Foto: Petra Grünendahl.

Den Rangierbahnhof Wedau errichtete die Reichsbahn Ende des 19. Jahrhunderts in der „Huckinger Mark“. Der entlang der Rheinschiene und im Ruhrgebiet rapide zunehmende Güter- und Bahnverkehr führte zu einer vermehrten Überlastung der Hauptbahnhöfe. Als Reaktion hierauf wurde in den 1920er-Jahren der Rangierbahnhof Wedau zu einem der größten Verschiebebahnhöfe ausgebaut. Um die Baumaßnahmen schnell und kostengünstig umsetzen zu können, baggerte man große Kies- und Sandmengen aus der direkten Umgebung ab: So entstanden im Laufe der Zeit die für den Stadtteil Namens gebenden „Sechs Seen“, die zum Teil ineinander greifen, zum Teil nur durch schmale Landzungen voneinander getrennt sind (Masuren-, Warnbach-, Böllert-, Wildförster-, Wolfs- und Haubachsee). Im Jahr 2004 legte die Deutsche Bahn Rangierbahnhof und das angeschlossene Ausbesserungswerk schließlich still. Seither liegt das Areal südöstlich der Duisburger Innenstadt zwischen den Ortsteilen Wedau und Bissingheim brach.

Oberbürgermeister Sören Link. Im Hintergrund laufen die Arbeiten am Fundament des Lärmschutzwalls. Foto: André C. Sommer.

Das Areal liegt verkehrsgünstig zwischen der Autobahn A3, dem Sportpark Wedau und der Sechs-Seen-Platte. Die Fläche unterteilt sich in eine circa 30 Hektar große Nord- und eine circa 60 Hektar große Südfläche. Auf der Südfläche entsteht das Wohnquartier „Sechs-Seen-Wedau“, im nördlichen Teil der Fläche entsteht ein Universitäts- und Technologiezentrum mit zahlreichen Arbeitsplätzen. Im Dezember 2019 hat die GEBAG Flächenentwicklungsgesellschaft mbH (GEBAG FE) das Gelände von der Bahn gekauft: Sie ist nicht nur Erschließungsträgerin, sondern wird die Fläche im Duisburger Süden auch vermarkten. Darüber hinaus errichtet sie den Lärmschutzwall und übernimmt den Bau der rund 300 auf der Fläche geplanten öffentlich geförderten Wohnungen. Die Stadt Duisburg hat die Planungshoheit über die Fläche. Die GEBAG FE und die Stadt Duisburg bilden gemeinsam das „Team Wedau“, das hier in der Stadtentwicklung Akzente setzen will.

 

 
GEBAG

Sechs-Seen-Wedau, Foto: Michael Oberländer / Gebag.

Die Duisburger Gemeinnützige Baugesellschaft AG (GEBAG) wurde 1872 gegründet und zählt zu den ältesten Baugesellschaften Deutschlands. Seit 2012 ist die heutige GEBAG Duisburger Baugesellschaft mbH mit aktuell über 12.300 Wohnungen das größte Immobilienunternehmen der Stadt. Sie bietet rund 35.000 Duisburgern ein Zuhause: Bezahlbar und in einer guten, zeitgemäßen Qualität. Die GEBAG ist das kommunale Immobilienunternehmen der Stadt Duisburg und beschäftigt rund 190 Mitarbeiter. Seit mehr als 140 Jahren prägt sie die Gestaltung und Entwicklung der Stadt Duisburg maßgeblich mit.
www.gebag.de
 

*) der vollständige Titel lautet: Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes NRW

© 2020 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (8), André C. Sommer (5), Michael Oberländer / Gebag (1)

 

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Stadtbad Hamborn: Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link übergab Baugenehmigung

Perspektive für die Stadtentwicklung: Nutzerorientierte Entwicklung einer „notleidenden“ Bestandsimmobilie
Von Petra Grünendahl

Baustelle am Stadtbad Hamborn. Foto: Petra Grünendahl.

„Es war schlimm, in den letzten Jahrzehnten den Verfall des Gebäudes mitzuerleben, das mit seiner herausragenden Architektur das Eingangstor nach Marxloh und Hamborn ist“, erklärte Oberbürgermeister Sören Link. „Wir haben seit Jahren versucht, hier im Stadtbad Hamborn etwas Besonderes hin zu kriegen“, so Link. Auf der grünen Wiese bauen könne schließlich jeder. „Ich freue mich, dass Greyfield Interesse hatte und die Herausforderung angenommen hat.“ Dieser herausragende Standort sei wichtig für Hamborn und Marxloh, meinte auch Wirtschaftsdezernent Andree Haack. „Als Investoren sind wir Ruhrgebietskinder“, sagte Guido Schürken, Geschäftsführer der Greyfield Group. Mit solchen Bestandsimmobilien könne man ein Erbe antreten, sie unter Wahrung des Denkmalschutzes einer neuen Nutzung zuzuführen. Auch für ihn ist ein Abriss solcher Gebäude keine Lösung: „Wir müssen uns mit dem Bestand beschäftigen.“

 

Auf der Treppe zum Foyer (v. l.): Rainer Enzweiler (CDU), Guido Schürken (Geschäftsführer Greyfield Group), Andree Haack (Wirtschaftsdezernent), Frank Böttcher (Geschäftsführer Jobcenter Duisburg), OB Sören Link, Ellen Pflug (SPD) und Marcus Jungbauer (Bezirksbürgermeister). Foto: Petra Grünendahl.

Oberbürgermeister Sören Link übergab symbolisch die schon im Mai erteilte Baugenehmigung für den Umbau des Stadtbads Hamborn. Der Investor Greyfield baut das ehemalige Stadtbad im Duisburger Norden zum Bürostandort um, in den das Jobcenter Nord einziehen wird. Guido Schürken, Geschäftsführer der Greyfield Group, gab OB Link, Andree Haack, Jobcenter-Geschäftsführer Frank Böttcher, Lokalpolitikern und der Presse Einblicke in die Baustelle an der Walther-Rathenau-Straße. Eine gute Bausubstanz attestierte Guido Schürken der Immobilie, deren prächtige Architektur wie die anderer Immobilien dieser Zeit ein Markenzeichen der damaligen selbstständigen Stadt Hamborn (1911 bis 1929) war.

 

 
Enge Kooperation für nötige Baugenehmigung

Die Treppe zum Foyer. Foto: Petra Grünendahl.

In einem ersten Schritt wurde das Gebäude entkernt und aufwändig schadstoff- und asbestsaniert. Der alte Charme und die prachtvolle Architektur sind jetzt schon wieder sichtbar. Darauf folgen nun jeweils in den Beckenbereichen die Bürotrakte als Holzbau. Die beiden Becken sollen neue Innenhöfe (Lichthöfe) bilden.

 

Um das Schwimmbecken herum entstehen Büros, das Becken selber wird zum Lichthof. Foto: André C. Sommer.

Die Ertüchtigung des ehemaligen Stadtbades stellte sich an anderen Stellen als nicht ganz unproblematisch dar. Bei der Ertüchtigung und Planung von Klimatisierung und Luftzufuhr gab es Vorgaben zu beachten, die sich aus der Nähe zu einem Störfallbetrieb (Grillo) ergaben. Zudem gab es Anforderungen des Brandschutzes und des Denkmalschutzes zu beachten. „Die rechtlichen Probleme haben sich alle lösen lassen“, gab sich Wirtschaftsdezernent Haack pragmatisch, denn auch die Stadt hatte großes Interesse, diesen Stadtbild prägenden Bau zu erhalten und einer neuen Nutzung zuzuführen.

 

Der rechte Seitenflügel an der Duisburger Straße. Foto: Petra Grünendahl.

Greyfield-Prokurist Thomas Nadolny lobte ausdrücklich die Zusammenarbeit mit dem Bauamt, dem Amt für Baurecht und betrieblichen Umweltschutz sowie dem Denkmalamt der Stadt Duisburg. „Es handelt sich beim Stadtbad um eine besondere Bestandsimmobilie. Da müssen naturgemäß viele Umwelt- und Baurechtsfragen geklärt werden. Und das klappt in Duisburg sehr gut“, so Nadolny. Die Bauarbeiten liegen bislang gut im Zeitplan: Im Frühjahr 2021 soll das Jobcenter mit einem langfristigen Mietvertrag hier einziehen können.

 

 
Stadtbad Hamborn

Blick von der Walther-Rathenau-Straße. Foto: Petra Grünendahl.

Nach der Grundsteinlegung am 27. März 1929 begann der Bau des neuen Stadtbades nach Plänen des Regierungsbaumeisters Franz Steinhauer, nach dessen Plänen die Hamborner auch das Polizeirevier und das Robert-Bosch-Berufskolleg erbauten. Die Weltwirtschaftskrise erzwang eine Unterbrechung der Bauarbeiten, die erst im Dritten Reich wieder aufgenommen wurden. Das im Stil der neuen Sachlichkeit erbaute Haus eröffnete 1938. Stillgelegt wurde das Stadtbad 1998. 2005 stellte die Stadt Duisburg das Gebäude unter Denkmalschutz. Seit der Stilllegung verfiel es dennoch zusehends. Zwei größere Brände 2013 und 2016 richteten nicht unerhebliche Schäden an.

 

Der Dino bleibt. Foto: Petra Grünendahl.

Im vergangenen Jahr kaufte Greyfield die Immobilie, um sie zu ertüchtigen und als Bürostandort umzubauen. Der Investor ist spezialisiert auf das Redevelopment von Bestandsimmobilien, wobei hier der Fokus auf den Möglichkeiten von „notleidenden“ Objekten wie dem ehemaligen Stadtbad liegt. Das Essener Unternehmen findet gerade im Ruhrgebiet mit dieser Firmenphilosophie Potenziale zu einer nutzerorientierten Projektentwicklung. Dafür habe er in Duisburg auch andere interessante Objekte gesehen, sagte Schürken.

 

Das Stadtbad von der Duisburger Straße aus. Foto: Petra Grünendahl.

Auf dem 9.200 Quadratmeter großen Grundstück an der Ecke Duisburger Straße / Walther-Rathenau-Straße entstehen in den kommenden Monaten ca. 7.500 Quadratmeter Büroflächen. Auch 127 Stellplätze werden Bestandteil der neuen Büroadresse sein. Frank Böttcher, Geschäftsführer des Jobcenters Duisburg, kann den Umzug kaum erwarten. Die derzeitige Fläche am Standort Duisburger Straße reiche von der Größe nicht mehr aus, so der Jobcenter-Chef. „In der neuen Liegenschaft haben wir endlich ausreichend Platz und geeignete technische Voraussetzungen, um unseren Kunden neue Serviceangebote, wie zum Beispiel digitale Selbstinformationstools, bieten zu können. Und selbstverständlich freuen sich auch die Kollegen auf ein modernes Büro.“ Er würde sich hier gerne selber ein Zweitbüro einrichten, erzählte er.

 
Impressionen von der Baustelle. Fotos: Petra Grünendahl und André C. Sommer

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Über die Greyfield Group
Die Greyfield Group wurde im Jahr 2012 durch Timm Sassen gegründet. Das nachhaltige Projektentwickler-
Unternehmen aus Essen setzt sich aus den drei eigenständigen Marken Liwon, Stana sowie Greyfield zusammen, die jeweils in einem Lebenszyklus einer Immobilie aktiv sind und sich auf das Investment und Redevelopment von Bestandsimmobilien in B- und C-Lagen spezialisieren. Dank fachlicher Kompetenz und kreativem sowie architektonischem Gespür begeht die Greyfield Group unkonventionelle Wege, um aus Grundstücken und Immobilien mit Geschichte intelligente Neunutzungskonzepte zu schaffen, die der Region neuen Mehrwert verleihen. Vom Refurbishment über die Revitalisierung bis hin zum Redevelopment werden alle Bereiche der Immobilienbestandsentwicklung abgedeckt. Durch eine nutzerorientierte Projektentwicklung schafft die Greyfield Group neuen Lebensraum, indem ungenutzte Flächen revitalisiert werden und an die Gesellschaft in Form einer neuen inhaltlichen Zweckbestimmung zurückgegeben werden. So kommen wirtschaftliche und soziale Rendite zusammen. Die gemeinnützige Greyfield Stiftung fördert auch darüber hinausgehend Projekte, die diesen Gedanken weitergeben und die Komponenten Ressourcenschonung, Nachhaltigkeit, Urbanität und gesellschaftliche Verantwortung fördern.

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (11), André C. Sommer (2)

 

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GEBAG startet Erschließung am Alten Angerbach im Duisburger Süden

Bewerbungsfrist für private Bauherren läuft bis 23. August
Von Petra Grünendahl

Führung auf der Baustelle am Alten Angerbach (v. l.): Oberbürgermeister Sören Link, Bernd Wortmeyer, Bruno Sagurna, Thomas Susen und Beate Lieske. Foto: Petra Grünendahl.

„Wir freuen uns, dass es jetzt endlich los geht: Hier entstehen auf einer einzigartigen Fläche rund 300 Wohneinheiten“, erklärte Oberbürgermeister Sören Link. Auf rund 170.000 Quadratmetern (17 Hektar) Fläche entsteht im Duisburger Süden am Alten Angerbach ein neues Stadtquartier, das Wohnwünsche von Singles, Paaren und Familien erfüllt. Eine städtische Kindertagesstätte baut die GEBAG zusammen mit einem Blockheizkraftwerk zur Wärmeversorgung, welches ebenso wie Versorgungsleitungen und Glasfasernetz von der DVV (Duisburger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH) betrieben wird.

Archäologen untersuchen eine Abwasseraufbereitung von Ende des 19. / Anfang des 20. Jahrhunderts. Foto: André C. Sommer.

„Das ist eine besondere Fläche und eine tolle Lage“, schwärmte Bernd Wortmeyer, Geschäftsführer der GEBAG. „Hier wollen wir nicht verdichten, sondern auf großzügigen Grundstücken hochwertigen Wohnraum schaffen, für den Eigentümer gern ein bisschen mehr ausgeben“, so Wortmeyer. Das Entscheidungskriterium im Bieterverfahren für Projektentwickler sei ausschließlich die Qualität der Angebote. Hier darf es etwas teurer werden, sollen sich doch primär Gutverdiener angesprochen fühlen, die man gerne in Duisburg halten möchte. Oder auch Interessenten von auswärts: „Bei uns ist jeder willkommen!“, betonte der GEBAG-Chef. Von den Bewerbern für Einzelgrundstücke stammen je ein Drittel aus Duisburg, aus Düsseldorf und von ganz woanders.

 

Führung auf der Baustelle am Alten Angerbach. Foto: Andre Sommer.

Zum Beginn der Erschließungsarbeiten führten GEBAG-Geschäftsführer Bernd Wortmeyer und Sören Link über die Baustelle am Alten Angerbach. Hier hat die Firma Maasbau aus Moers auf einer sehr vorbildlichen Baustelle mit den Erschließungsarbeiten begonnen. „Ohne eine deutliche Mehrheit im Rat der Stadt wäre dieser Bebauungsplan nicht möglich gewesen“, so OB Link, mit einem Dank an Bezirksbürgermeisterin Beate Lieske

Die Baustelle am Alten Angerbach. Foto: Petra Grünendahl.

und die Ratsherren Bruno Sagurna (Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion) und Thomas Susen (Stv. Vorsitzender der CDU-Ratsfraktion), die die Baustellenbesichtigung begleiteten. Die Flächen „Am Alten Angerbach“ gehören der Stadt Duisburg. Die städtische Wohnungsbau-Tochter GEBAG ist hier für die Erschließung und Vermarktung der Bauflächen verantwortlich. Projektentwickler ebenso wie privaten Bauherren, die sich um die Flächen bewerben, müssen sich an im B-Plan festgelegte Kriterien halten: Städtebauliche Kriterien und Baugröße zählen ebenso dazu wie Ökologie und Innovationen. Ziel sei, so Ralf Lützenrath, Abteilungsleiter Neubau bei der GEBAG.

 

 

 
Private Bauherren können sich noch bewerben

Ralf Lützenrath, Abteilungsleiter Neubau bei der GEBAG, mit der Bauplanung. Foto: Petra Grünendahl.

Zwei Brunnenanlagen sollen die Staubbelastung für die Umgebung reduzieren: Sie sind bereits gebohrt. Erste Kanalisationsarbeiten für Regen- und Schmutzwasser sind ebenfalls bereits abgeschlossen. Die Verlegung für Versorgungsleitungen (Nahwärme etc.) erfolgt im ersten Bauabschnitt voraussichtlich im September. Der Baustart für die fünfgruppige Kindertagesstätte und das Blockheizkraftwerk der DVV erfolgen Anfang 2021. In gut zwei Jahren sollen die ersten Häuser bezugsfertig sein.

 

Das Areal auf dem B-Plan. Foto: Petra Grünendahl.

mPrivate Bauherren, die sich um eines der 32 Baugrundstücke im ersten und zweiten Bauabschnitt bewerben möchten, haben noch bis zum Stichtag 23. August die Gelegenheit. Die Auslosung der Grundstücke erfolgt über ein notariell begleitetes Losverfahren Anfang September. Alle Informationen finden sich auf der Projekt-Webseite www.am-alten-angerbach.de.

 

 
GEBAG

Luftbild vom künftigen neuen Stadtquartier auf Google Maps.

Die Duisburger Gemeinnützige Baugesellschaft AG (GEBAG) wurde 1872 gegründet und zählt zu den ältesten Baugesellschaften Deutschlands. Seit 2012 ist die GEBAG Duisburger Baugesellschaft mbH mit heute über 12.300 Wohnungen das größte Immobilienunternehmen der Stadt Duisburg.
www.gebag.de

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (7), André C. Sommer (2), Google (1)

 

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Neues Leben in die Altstadt: Mit KUBIKK in die Zukunft

Neues Konzept mit kleinteiligem Einzelhandel, Gastronomie und Büros
Von Petra Grünendahl

Die ehemalige C%A-Immobilie auf der Münzstraße, links geht es auf der Kühlingsgasse Richtung Rathaus. Foto: Petra Grünendahl.

„C&A hat an dieser Stelle immer wieder neu gebaut: Die Immobilie von 1984 ist von einer guten Substanz“, erklärte Bernd-Claas Gesterkamp, Architekt und Inhaber der Gesterkamp Immobilien Marketing. Der Standort sei sowohl Herausforderung als auch seine Stärke. Mit seinem Unternehmen hat Gesterkamp die Produktentwicklung und den Vertrieb des Standortes für den neuen Eigentümer übernommen. Natürlich wird sich hier kein Warenhaus ansiedeln: „Nachdem sich die 1A-Lagen in Duisburg, die für großflächigen Einzelhandel interessant sind, woanders hin verlagert haben, ist es uns jetzt gelungen, hier einen Investor für neue Konzepte zu gewinnen“, erklärte Ralf Meurer, Geschäftsführer der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Duisburg mbH, die diesen Ansieldungserfolg mit dem Quartiersmanagement Altstadt feiern konnte. „Hier muss ein anderer Typus von Quartier entstehen“, ergänzte Duisburgs Wirtschaftsdezernent Andree Haack. Geplant sind auf den sieben Etagen (von zwei Untergeschossen bis zum vierten Obergeschoss) höherwertige Gastronomie, kleinteiliger Einzelhandel, Büros und Dienstleistungsbetriebe sowie ein Fitness-Studio. Die Gespräche seien weit genug, so Projektentwickler Gesterkamp, dass man die Pläne einer Öffentlichkeit vorstellen könnte. Namen wolle er noch nicht nennen, da Verträge noch nicht unterschrieben seien.

 

Stellten KUBIKK vor (v. l.): Francesco Mannarino, Ralf Meurer, Andree Haack und Bernd-Claas Gesterkamp. Foto: Petra Grünendahl.

Bernd-Claas Gesterkamp als Projektentwickler, Vermarkter und Sprecher des Eigentümer stellte mit GFW-Geschäftsführer Ralf Meurer, Quartiersmanager Francesco Mannarino und Wirtschaftsdezernent Andree Haack seine Pläne für die ehemalige C&A-Immobilie vor: KUBIKK. Mit einem Konzept unterschiedlicher Nutzungen will der Eigentümer und Investor dem massiven Baukörper in der Altstadt neues Leben einhauchen. Es wird kleinteiliger werden in der 15.000 Quadratmeter großen Immobilie (Bruttogeschossflächen), um zeitgemäßen Anforderungen von Gastronomie oder Einzelhandel, aber auch von Büro- und Gewerbeflächen Rechnung zu tragen.

 

Lebendige Fassaden für das ehemalige Warenhaus: KUBIKK in der Vision. Visualisierung: Gesterkamp Immobilien Marketing / Foto: Petra Grünendahl.

Dafür soll das Gebäude von seiner klassischen Warenhaus-Typologie weg umgebaut werden. Wo heute noch die Rolltreppen stehen, soll zum Beispiel ein lichter Innenhof entstehen. Wenn alles im Zeitplan bleibt, rechnet Gesterkamp mit einer Eröffnung Ende 2021 / Anfang 2022. „Damit wollen wir diesen Bereich der Altstadt voran bringen“, erklärte GFW-Chef Meurer. „KUBIKK hat das Zeug, hier einiges in Bewegung zu setzen“, fand Francesco Mannarino, der mit Yvonne Bleidorn seit 2015 als Quartiersmanager für die GFW tätig ist. Eine solche Aufwertung würde auch andere Immobilien in der Altstadt rund um Münz- und Beekstraße für Investoren, Eigentümer und Mieter interessant machen.

 

 
Neues Leben an einem Standort mit Geschichte

Die ehemalige C%A-Immobilie von der Schwanenstraße, rechts geht es in die Kühlingsgasse. Foto: Petra Grünendahl.

Der Name „KUBIKK“ leitet sich ab von der kubistischen Architektur des Anfang der 1980er-Jahre von C&A erbauten Kaufhaus-Gebäudes. Seit den 1950er-Jahren war der Bekleidungsriese an diesem Standort aktiv, hat immer wieder an gleicher Stelle neu gebaut. Seit der Aufgabe des Standortes mit dem Umzug ins Forum wurde das Gebäude verkauft, um dann mehrfach im Rahmen eines Pakets von einem Immobilien-Fonds an den nächsten weitergereicht zu werden. Den Investmentgesellschaften war eines gemein: Sie hatten keinerlei Interesse an dem Duisburger Standort! Es gab hier einen dauerhaften Leerstand, der dem Altstadt-Quartier immens schadete.

 
Anschub: Investment als langfristige Planung

Ein Relikt aus Warenhauszeiten, die Rolltreppen, verschwinden. Foto: Petra Grünendahl.

Das soll sich mit dem neuen Eigentümer – einen Namen wollte Gesterkamp hier noch nicht nennen – ändern: Sie haben ein Interesse, diesen Standort zu entwickeln, und sind bereit, dafür 12 bis 15 Mio. Euro insgesamt – Kauf plus Modernisierung und Umbau – in die Hand zu nehmen. Eigentümer ist jetzt ein Familienunternehmen, das bundesweit tätig ist – mit Anlageschwerpunkten in Berlin und im Ruhrgebiet. Zum Jahreswechsel war die Immobilie in der Duisburger Altstadt in die Hände des neuen Eigentümers gelangt. Natürlich sei sich das Unternehmen klar, dass ein Neubeginn hier nicht von heute auf morgen gehe, so Gesterkamp: „Wir brauchen Marathon-Qualitäten.“

 

 

Die ehemalige C%A-Immobilie auf der Münzstraße. Foto: Petra Grünendahl.

Klare Vorstellungen äußerte der Projektmanager schon beim Pressegespräch: „KUBIKK soll zum neuen Herzen der Altstadt avancieren, in dem kreatives urbanes Leben und Arbeiten auf Schritt und Tritt mit allen Sinnen erlebbar wird.“ Vielfältige Nutzungskonzepte könne er sich hier vorstellen, sagte er: Im Erdgeschoss einen Mix aus Cafés, Bistros und anderer einladender, qualitativ überzeugender Gastronomie sowie kleinteiligem (Bio-)Lebensmittel-Einzelhandel. Die erste bis dritte Etage biete Platz für zeitgemäßes Arbeiten, Co-Working oder Aktivitäten von Dienstleistern wie „Full-Service-Centern“ oder Telefon-Laboren. Die vierte Etage punkte mit ähnlichen Qualitäten sowie einen tollen Blick auf die Duisburger Skyline. Und die Dachterrasse sei ein Must-Have für Event-Betreiber. „In Zeiten der Pandemie mag es in manchen Ohren befremdlich klingen, solche Ideen zu äußern, aber wir denken langfristig, so dass wir jetzt die Weichen stellen wollen und müssen für alles das, was nach Corona kommen wird“, erklärt der Eigentümer-Vertreter. Und auch für die beiden Untergeschosse schweben dem Immobilienprofi bereits neue Nutzungen vor: „Ein attraktives Fitnessstudio im ersten Untergeschoss würde eine ‚bella figura‘ machen, während dem zweiten Untergeschoss Fun-Aktivitäten wie Lasertag, Bubble-Ball, Escape Rooms oder ein loungiger Club gut zu Gesicht stünden.“

 
„KUBIKK hat das Potenzial, den Puls der Altstadt zu beschleunigen und eine positive Dynamik im gesamten Umfeld zu entfachen. Wenn hier investiert wird, dann ziehen im Idealfall auch einige andere Hauseigentümer nach, die von diesem Esprit angesteckt werden“, hoffte Andree Haack auf weiter reichende Impulse. „KUBIKK ist ein positives Signal für Geschäftstreibende, Passanten, Viertelbewohner und Hauseigentümer gleichermaßen.“

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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GEBAG sieht sich gut aufgestellt: Sehr positive Bilanz für 2019

Vom Sanierungsfall zum wichtigen
Partner für die Standortentwicklung

Von Petra Grünendahl

Oberbürgermeister Sören Link. Foto: Petra Grünendahl.

Am Alten Güterbahnhof, Wedau-Nord, 6-Seen-Wedau, am Alten Angerbach oder das Mercatorviertel sind nicht nur Filetstücke der Stadtentwicklung, sondern auch Leuchtturmprojekte, die über die Grenzen der Stadt hinaus strahlen. Überall ist die städtische Immobilientochter GEBAG als Flächenentwickler an Bord: Ein neues Geschäftsfeld, was über das klassische Tätigkeitsfeld Wohnungsbau und Bestandsbewirtschaftung (Vermietung) hinaus an Bedeutung gewinnt. Hierfür hat die GEBAG als 100-prozentige Tochter die GEBAG Flächenentwicklungsgesellschaft mbH gegründet, die hier primär Aspekte der Stadt- und Quartiersentwicklung verfolgt. Rund 150 Hektar Flächen, die im Besitz der GEBAG (ca. 120 Hektar) oder der Stadt Duisburg sind, werden hier entwickelt. „Die GEBAG ist heute für uns der Geschäftspartner, den wir uns mit der Rettung des Unternehmens vorgestellt hatten“, so Oberbürgermeister Sören Link. Die GEBAG schaffe darüber attraktiven bezahlbaren Wohnraum durch Neubau und Modernisierungen. Duisburg sei im Verbauen von Fördergeldern in NRW die Nummer Zwei (hinter Köln): Größtenteils wegen der Investitionen der GEBAG. „Das gelingt, weil die GEBAG wieder handlungsfähig ist“, so der OB.

 

Stellten Bilanz und Geschäftsbericht vor (v. l.): Oberbürgermeister Sören Link und GEBAG-Geschäftsführer Bernd Wortmeyer. Foto: Petra Grünendahl.

GEBAG-Geschäftsführer Bernd Wortmeyer stellte zusammen mit Oberbürgermeister Link die Bilanz der städtischen Immobilientochter GEBAG und den Geschäftsbericht 2019 („Wir machen weiter!“) vor. Wortmeyer war vor sechs Jahren angetreten, um die arg in finanzielle Schwierigkeiten geratene GEBAG wieder auf Vordermann zu bringen. Das Desaster beim Erweiterungsbau der Küppersmühle – Stichwort: Schuhkarton – hatte riesige Verluste eingefahren. „Wir haben den Verlustvortrag von 30 Mio. Euro im Jahr 2019 vollständig abgebaut“, erzählte der GEBAG-Geschäftsführer. Die Bilanzsumme stieg von 523,8 Mio. Euro 2018 auf 684 Mio. Euro (GEBAG und GEBAG FE) 2019. Dass der Jahresabschluss für 2019 mit 3,5 Mio. Euro rund 2,4 Mio. Euro unter dem des Vorjahres lag, lag an einer unerwarteten Rückstellung aus einer Betriebsprüfung. Ansonsten hätte der Überschuss bei 6,6 Mio. Euro gelegen. Insgesamt stehen die Zeichen bei der GEBAG auf Wachstum: Für das Mehr an Aufgaben ist auch der Mitarbeiterstamm gewachsen: 191 aktive Mitarbeiter sind es jetzt inklusive derer der Flächenentwicklungsgesellschaft (2018: 163 Mitarbeiter), davon arbeiten 42 in Teilzeit und 9 sind Auszubildende. 25 Mitarbeiter kümmern sich um die Flächenentwicklung. 12 Mitarbeiter wurden aus einem Projekt für Langzeitarbeitslose übernommen.

 

 
Zeitgemäß wohnen zu bezahlbaren Preisen

GEBAG-Geschäftsführer Bernd Wortmeyer. Foto: Petra Grünendahl.

Im Kerngeschäft Wohnung und Vermietung investiert die GEBAG sowohl in die Modernisierung des Bestandes als auch in den Neubau von Wohnungen. Über 55 Mio. Euro hat die GEBAG im vergangenen Jahr in den Wohnungsbestand investiert (nach 42,5 Mio. Euro 2018): Der Großteil (22,8 Mio. Euro) flossen in die Modernisierung, um Häuser und Wohnungen sowohl energetisch als auch im Hinblick auf Komfort und Optik auf dem neuesten Stand zu bringen. Der Rest ging in Erwerb von Objekten und den Neubau. Dazu kamen 4,1 Mio. Euro Invest in Flächenentwicklungsprojekte. Als wichtigste Modernisierungs-Projekte nannte Wortmeyer die denkmalgeschützte Straußsiedlung (Straußstraße in Neudorf) und den City-Wohnpark in Hochfeld (südlich des TaM zwischen Plessingstraße und Heerstraße). „Das rechnet sich nicht nur hinsichtlich der positiven Auswirkungen auf die Quartiere“, so Wortmeyer, „sondern lockt Mieter mit attraktivem Wohnraum und senkt den Leerstand.“ Als marktbedingten Leerstand nennt die GEBAG aktuell 1,8 Prozent ihres Wohnungsbestandes. Weitere Wohnungen stehen natürlich während Modernisierungsarbeiten leer (Gesamtleerstand heute: 5 Prozent.

 
In den Neubau hat die GEBAG 2019 15,7 Mio. Euro investiert. „Wir wollen in den nächsten Jahren 1.000 neue Wohnungen auf den Markt bringen“, erklärte Wortmeyer das Ziel. Teils öffentlich gefördert, teils frei finanziert bedienen die Projekte unterschiedlichste Zielgruppen. So entsteht in Walsum (Goerdelerstraße / Vierlinden) in zwei Bauabschnitten bis 2022 die Klimaschutz-Siedlung „Vierlinden-Höfe“ mit sechs Mehrfamilienhäusern und 98 Wohnungen, 54 davon öffentlich gefördert. Öffentlich geförderter Wohnraum entstand zudem im Wohnpark Neuenhof (30 Wohnungen) sowie an der Werthstraße in Laar (43 Wohnungen): Für diese Wohnungen braucht man einen Wohnberechtigungsschein (WBS). Frei finanziert sind Neubau-Projekte an der Grabenstraße in Neudorf oder am Reiserweg in Großenbaum. Außerdem baut die GEBAG Kindertagesstätten in den Quartieren, die speziell Familien anlocken sollen.

 

 
Corona und die Folgen: Mobiles Arbeiten

Die GEBAG-Verwaltung an der Tiergartenstraße. Foto: Petra Grünendahl.

„Der Corona-Virus hat weniger unsere Baustellen getroffen als unser Verwaltung: Er zwang uns, Mitarbeitern mobiles Arbeiten zu ermöglichen“, erklärte Bernd Wortmeyer. Viele wollten dies, so der GEBAG-Geschäftsführer, auch weiterhin tun. „Das hat natürlich Konsequenzen: Zum einen für uns als GEBAG, zum anderen für unsere Projektentwicklung.“ Vom Tisch ist der Bau einer neuen Unternehmenszentrale an der Steinschen Gasse, da die bisherige Verwaltung ausreicht, wenn verstärkt Mitarbeiter mobil arbeiten. Außerdem sei die GEBAG bestrebt, so Wortmeyer, Flächenentwicklungen stärker auf die „Smart City“ auszurichten und Ansieldungswilligen dort die entsprechende Breitband-Versorgung zur Verfügung zu stellen. Das steigert die Attraktivität der neuen Quartiere.

 

 
GEBAG
Die Duisburger Gemeinnützige Baugesellschaft AG (GEBAG) wurde 1872 gegründet und zählt zu den ältesten Baugesellschaften Deutschlands. Seit 2012 ist die GEBAG Duisburger Baugesellschaft mbH mit heute über 12.300 Wohnungen das größte Immobilienunternehmen der Stadt Duisburg.

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Kamp-Lintfort: Landesgartenschau im Kamper Gartenreich

Obst- und Hochzeitswiese, der alte Klostergarten und der barocke Terrassengarten
Von Petra Grünendahl

Streuobswiesen mit Hochzeitsbäumen. Foto: Petra Grünendahl.

Zur Landesgartenschau in Kamp-Lintfort gehört auch das „Kamper Gartenreich“, die Gärten ehemaligen Zisterzienserabtei Kamp (Kloster Kamp). Das 5 Hektar große Areal ist über einen Wandelweg mit dem Laga-Hauptgelände am Zechenpark (25 Hektar) verbunden: Dieser Wandelweg bietet weitere 10 Hektar mit Rad- und Fußweg, die für die Landesgartenschau gestaltet, aber im Gegensatz Kamper Gartenreich oder dem Zechenpark öffentlich zugänglich sind.

Kloster Kamp mit dem barocken Terrassengarten. Foto: Petra Grünendahl.

Auch am Kamper Gartenreich gibt es eine Kasse (neben der am Haupteingang zum Zechenpark), so dass man seine Laga-Tour, so man noch keine Eintrittskarte hat (Tickets gibt es auch online), sogar hier starten kann. Von den Streuobstwiesen mit der Hochzeitswiese und dem Haus der Imker erstreckt sich das Areal über den rekonstruierten Alten Klostergarten und die neu angelegten Paradiesgärten (hier kann man auch einen Blick auf den Weinberg werfen) bis hin zum barocken Terrassengarten. Dort gibt es im Café Orangerie neben einem gastronomischen auch immer wieder ein kulturelles Angebot.

 

Die Alten Gärten wurden rekonstruiert. Foto: Petra Grünendahl.

Die Landesgartenschau Kamp-Lintfort 2020 findet größtenteils auf dem Gelände des ehemaligen RAG Bergwerks West (ehemals Zeche Friedrich Heinrich) statt. Neben der landschaftsarchitektonischen Gestaltung des zurück gebauten Zechengeländes zum Zechenpark sind weitere Garten- und Parkflächen als Teil der Laga teils neu gestaltet worden: Die Gärten des Klosters Kamp sowie der Wandelweg, der den Zechenpark mit den Kloster-Anlagen fußläufig verbindet. Kamper Gartenreich, Zechenpark (25 Hektar mit einer großen offenen Parklandschaft, zentralen Ausstellerbereichen und Mustergärten vor der denkmalgeschützten Industriekulisse) sowie der Wandelweg als frei zugängliche Fuß- und Radwegeverbindung entlang der Großen Goorley addieren sich auf 40 Hektar gestaltete Laga-Flächen, die es sich zu erkunden lohnt. Das Angebot ist reichhaltig und vielfältig: Allerdings schafft man das alles nicht an einem Tag.

 

Der barocke Terrassengarten am Kloster Kamp. Foto: Petra Grünendahl.

Parkflächen für Besucher (Pkw und Busse) stehen nur am Zechenpark (Navi: Friedrich-Heinrich-Allee 90 in 47475 Kamp-Lintfort) beidseitig der Zufahrtsstraße zur Verfügung. Im Bereich der Kamper Gärten gibt es keine ausgewiesenen Parkplätze für Laga-Besucher. Wer den Wandelweg von etwa 2,7 Kilometern scheut, kann ab dem Zechenpark den extra eingerichteten Shuttle-Bus-Service der Niag nutzen. Der Bus fährt zwischen 8.45 und 21.30 Uhr alle 15 Minuten. Für die Anreise gibt es hier weitere Informationen: https://kamp-lintfort2020.de/besuch/gruppen-und-ausflugsprogramme-2/.

 

Wiesen mit Paradiesgärten. Foto: Petra Grünendahl.

Führungen
Die offenen Gästeführungen (im Zechenpark sowie im Kamper Gartenreich) sind wegen der guten Resonanz bis Ende August verlängert worden. Die einstündigen Rundgänge kosten fünf Euro pro Person. Eine schriftliche Anmeldung (eMail) ist im Vorfeld nötig. Mehr Informationen gibt es hier: https://kamp-lintfort2020.de/aktuelles-2/aktuelles/details/223.

 

 
Die Laga 2020 in Zahlen

Geländeplan vom Kamper Gartenreich und Übersichtskarte.

Bis zum 11. Oktober ist die Landesgartenschau 2020 geöffnet. Die Kassen sind täglich vom 9 bis 19 Uhr besetzt, verweilen kann man auf dem Gelände bis zum Einbruch der Dunkelheit (maximal 21 Uhr). Im Kassen-/Eingangsbereich ist ein Mund-Nasen-Schutz erwünscht, weil sich hier Leute schon mal etwas näher kommen können. Tageskarten gibt es für 18,50 Euro für Erwachsene (ermäßigt 14 Euro, Kinder 2 Euro, Gruppen ab 15 Personen 16,50 Euro pro Person). Weitere Infos gibt es hier: https://kamp-lintfort2020.de/tickets-and-shop/tickets/. Die Turmfahrt kostet extra (5 Euro). Die Pendelbahn zur Haltestelle am Zechenpark verkehrt am Wochenende mit Fahrten von und nach Duisburg-Hauptbahnhof, außerdem gibt es Shuttlebusse (hier gelten jeweils die Bedingungen des ÖPNV, will heißen:

Erinnerungen an 100 Jahre Steinkohlenbergbau (1912 – 2012) in der Kamp-Lintforter Innenstadt. Foto: Petra Grünendahl.

Mund-Nase-Schutz ist Pflicht). Parkplätze stehen auf einem großen Areal neben dem Laga-Gelände an der Friedrich-Heinrich-Allee kostenlos zur Verfügung. Über dem gestalteten Wandelweg vom Norden des Laga-Geländes geht es gute zweieinhalb Kilometer weit zum Kamper Gartenreich am Kloster Kamp, welches ebenfalls zu Laga gehört. Es fahren aber auch Shuttle-Busse.

 
Der Laga-Geländeplan gibt es als pdf zum Download.
Mehr Informationen gibt es hier: https://www.kamp-lintfort2020.de/

 

 
Impressionen aus dem Kamper Gartenreich. Fotos: Petra Grünendahl
 

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Verwaltungsgebäude der ehemaligen Zeche Friedrich Heinrich. Foto: Petra Grünendahl.

Die aktuellen Corona-Regeln:
Besucher müssen sich an die folgenden Regeln halten, damit die Landesgartenschau Kamp-Lintfort 2020 geöffnet bleiben kann und es nicht zu weiteren Einschränkungen oder gar zur Schließung der Landesgartenschau kommt. Gäste werden freundlich und bestimmt durch Service- und Ordnerkräfte auf diese Regeln hingewiesen:

  • Überall im Park gilt ein Abstandsgebot von mindestens 1,5 Metern (Besucher können alleine, zu zweit oder als Besuchergruppe von maximal 20 Personen spazieren gehen oder Sport treiben).
  • Bei Erholungspausen auf Wiesen und Freiflächen gilt ein Mindestabstand von 5 Metern zu anderen Besuchern/Besuchergruppen, as Picknicken ist mit Corona-Abstand auf den Wiesenflächen erlaubt.
  • Der Blaumännchen-Pütt im Zechenpark auf der Landesgartenschau Kamp-Lintfort 2020. Foto: Petra Grünendahl.

  • Die Gastronomie-Standorte sind alle geöffnet. Auch hier gelten die jeweiligen Coronaschutzverordnungen mit Abstandsregelnn, Maskenpflicht und Aufnahme der Kontaktdaten.
  • In geschlossenen Räumen / Pavillons gibt es Besucherobergrenzen laut der jeweiligen Beschilderung. In der Blumenhalle dürften sich gleichzeitig bis zu 75 Gäste aufhalten. Für das Infozentrum Stadt und Bergbau (Lehrstollen) gilt eine Obergrenze von 7 Personen.
  • In allen geschlossenen Räumen / Pavillons, in der Blumenhalle, an den Pagoden des Gärtnermarkts und im Shuttlebus ist das Tragen eines Mund-/Nasen-Schutzes Pflicht.
  • Abgesperrte Bereiche dürfen nicht betreten werden, Wegemarkierungen und Einbahnstraßenregelungen (z. B. im Streichelzoo KALISTO (Kamp-Lintforter Spiel- und Tieroase), der Blumenhalle oder dem Aussichtsturm) müssen befolgt werden.

 

Geländeplan der Landesgartenschau Kamp-Lintfort 2020. Grafik: Laga GmbH.

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Kamp-Lintfort: Corona-Lockerungen ermöglichen mehr Erlebnisse bei der Landesgartenschau

Von der Bergmannstradition zur Gartengestaltung
Von Petra Grünendahl

Impressionen von der LaGa. Fotos: Petra Grünendahl

Da es nicht der erste Besuch auf der Landesgartenschau ist, zieht es uns zunächst zum Aussichtsturm, ist doch der ehemalige Förderturm von Schacht 1 des RAG Bergwerks West (ehemals Zeche Friedrich Heinrich) endlich für Besucher zugänglich. Der Förderturm ist ebenso wie das benachbarte Fördergerüst von Schacht 2 (er diente der Personen-Seilfahrt) 2019 saniert worden. Beide werden als Teil des Zechenparks dauerhaft erhalten bleiben. Die Warteschlange ist an einem Wochentag recht kurz, obwohl es natürlich auch hier Corona-bedingt Zugangsbeschränkungen gibt. Knappe 30 Sekunden dauert die Fahrt mit dem Aufzug auf 66 Meter Höhe: In der Maschinenhalle des 79 Meter hohen Turms stehen zwei Fördermaschinen, die die Kohle aus 600 Metern Tiefe zu Tage holten. Rund um das Gebäude befindet sich an dieser Stelle die Aussichtsplattform. Der Ausblick über den heutigen Zechenpark, das Landesgartenschau-Gelände, aber auch die Umgebung rund um Kamp-Lintfort ist die 5 Euro extra pro Person auf jeden Fall wert. Man guckt von da oben sogar bis nach Duisburg. Panoramabilder an jeder der vier Seiten weisen auf die erkennbaren Highlights der Umgebung hin.

 

Die umlaufende Aussichtsplattform am Aussichtsturm. Fotos: Petra Grünendahl

Fast zwei Monate nach ihrem (verspäteten) Start kann die Landesgartenschau Kamp-Lintfort 2020 nun bis auf Großveranstaltungen fast ihr komplettes Programm anbieten, auch wenn es Corona-bedingt nach wie vor gewisse Einschränkungen gibt. Dennoch locken Zechenpark und Ausstellungsbereiche viele Zuschauer an: Schon vorletzte Woche konnte man den 200.000sten Besucher begrüßen. Wer alles mitnehmen will, was die Landesgartenschau zu bieten hat, muss schon mehrfach vorbei kommen. Zu den Einschränkungen zählt allerdings auch, dass Programme im Vorfeld geplant werden sollten: Die anderthalb-stündigen Führungen im Kamper Gartenreich oder im Zechenpark finden unter Voranmeldung mit bis zu 20 Personen statt. Dafür gibt es ein Formular auf der Website: https://kamp-lintfort2020.de/besuch/gruppen-und-ausflugsprogramme/.

 

Die Fördermaschinenhalle auf dem Aussichtsturm. Fotos: Petra Grünendahl.

Führungen im Lehrstollen finden zur Zeit mit maximal 5 Personen statt, täglich außer dienstags und donnerstags. Für die Buchung wendet man sich an die Fördergemeinschaft für Bergbautradition (https://www.bergmannstradition.de/): Diese Führungen sind zwar im Preis inklusive, aber nicht über die Landesgartenschau direkt buchbar. Die Führungen machen ehemalige Bergleute, Ehrenamtliche der Fördergemeinschaft. Das Infozentrum Stadt und Bergbau (am Lehrstollen) hat täglich bis 18 Uhr geöffnet.

 

 
Die LaGa 2020 in Zahlen

Impressionen von der LaGa. Fotos: Petra Grünendahl

Bis zum 11. Oktober wird die Landesgartenschau 2020 geöffnet sein. Die Kassen sind täglich vom 9 bis 19 Uhr besetzt, verweilen kann man auf dem Gelände bis zum Einbruch der Dunkelheit (maximal 21 Uhr). Im Kassen-/Eingangsbereich ist ein Mund-Nasen-Schutz erwünscht, weil sich hier Leute schon mal etwas näher kommen können. Tageskarten gibt es für 18,50 Euro für Erwachsene (ermäßigt 14 Euro, Kinder 2 Euro, Gruppen ab 15 Personen 16,50 Euro pro Person). Weitere Infos gibt es hier: https://kamp-lintfort2020.de/tickets-and-shop/tickets/. Die Turmfahrt kostet extra (5 Euro). Die Pendelbahn zur Haltestelle am Zechenpark verkehrt am Wochenende mit Fahrten von und nach Duisburg-Hauptbahnhof, außerdem gibt es Shuttlebusse (hier gelten jeweils die Bedingungen des ÖPNV, will heißen: Mund-Nase-Schutz ist Pflicht). Parkplätze stehen auf einem großen Areal neben dem LaGa-Gelände an der Friedrich-Heinrich-Allee kostenlos zur Verfügung. Über dem gestalteten Wandelweg vom Norden des LaGa-Geländes geht es gute zwei Kilometer weit zum Kamper Gartenreich am Kloster Kamp, welches ebenfalls zu LaGa gehört.

 

 
Der Laga-Flyer als pdf zum Download.
Mehr Informationen gibt es hier: https://www.kamp-lintfort2020.de/

 
Impressionen von der LaGa. Fotos: Petra Grünendahl
 

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Die aktuellen Corona-Regeln:

Impressionen von der LaGa. Fotos: Petra Grünendahl

Besucher müssen sich an die folgenden Regeln halten, damit die Landesgartenschau Kamp-Lintfort 2020 geöffnet bleiben kann und es nicht zu weiteren Einschränkungen oder gar zur Schließung der Landesgartenschau kommt. Gäste werden freundlich und bestimmt durch Service- und Ordnerkräfte auf diese Regeln hingewiesen:

  • Überall im Park gilt ein Abstandsgebot von mindestens 1,5 Metern (Besucher können alleine, zu zweit oder als Besuchergruppe von maximal 20 Personen spazieren gehen oder Sport treiben).
  • Bei Erholungspausen auf Wiesen und Freiflächen gilt ein Mindestabstand von 5 Metern zu anderen Besuchern/Besuchergruppen, as Picknicken ist mit Corona-Abstand auf den Wiesenflächen erlaubt.
  • Impressionen von der LaGa. Fotos: Petra Grünendahl

  • Die Gastronomie-Standorte sind alle geöffnet. Auch hier gelten die jeweiligen Coronaschutzverordnungen mit Abstandsregelnn, Maskenpflicht und Aufnahme der Kontaktdaten.
  • In geschlossenen Räumen / Pavillons gibt es Besucherobergrenzen laut der jeweiligen Beschilderung. In der Blumenhalle dürften sich gleichzeitig bis zu 75 Gäste aufhalten. Für das Infozentrum Stadt und Bergbau (Lehrstollen) gilt eine Obergrenze von 7 Personen.
  • In allen geschlossenen Räumen / Pavillons, in der Blumenhalle, an den Pagoden des Gärtnermarkts und im Shuttlebus ist das Tragen eines Mund-/Nasen-Schutzes Pflicht.
  • Abgesperrte Bereiche dürfen nicht betreten werden, Wegemarkierungen und Einbahnstraßenregelungen (z. B. im Streichelzoo KALISTO (Kamp-Lintforter Spiel- und Tieroase), der Blumenhalle oder dem Aussichtsturm) müssen befolgt werden.

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Krimi: „Das Stahlwerk“ von Christian Piskulla spielt in Duisburg

Serienmorde in einem Stahlwerk im Zweiten Weltkrieg
Von Petra Grünendahl

Hüttenwerk Rheinhausen.
Gemälde von Heinrich Schützig 1938.
Foto: Meinhard Weiss.

1942. In Warschau war Jarek Kruppa noch Kriminalkommissar, einer der besten seines Berufsstandes. Nachdem ihm die SS ein Verbrechen untergeschoben hatte, wird er verurteilt und landet als Zwangsarbeiter in einem Duisburger Stahlwerk. Innerhalb weniger Monate werden dort zehn Mitarbeiter ermordet. Werkschutz und Polizei sind überfordert. Die Arbeiter haben Angst. Der Werksleiter Doktor Hermann von Kessel beauftragt Kruppa mit der Klärung des Falles: Mit einem eigenen Büro, einem Werkschutz-Ausweis und entsprechenden Befugnissen. Schließlich hat auch von Kessel einiges zu verlieren, wenn die Mordserie nicht abreißt. Die Morde beunruhigen die Belegschaft und gefährden die Produktionsziele: Das kommt im Rüstungsministerium nicht gut an. Unterstützt vom Werkschutz-Leiter Paul Schöppke nimmt Jarek Kruppa die Ermittlungen auf. Die Jagd nach dem Serienmörder geht durch dunkle Hallen, finstere Keller, Tunnel und Katakomben, die sich unter dem Stahlwerk befinden.

 

Stahlwerk. Foto: Petra Grünendahl.

Mit seinem Thriller „Das Stahlwerk“ hat Christian Piskulla sein Roman-Debüt vorgelegt. Er nimmt den Leser mit auf die Jagd nach einem Serienmörder. Kulisse ist das größte Stahlwerk Deutschlands, die fiktive „Germania Metall Union“, welches im Zweiten Weltkrieg für die Kriegsführung von besonderer Bedeutung ist. Das Buch orientiert sich eher am klassischen Kriminalroman als an einem modernen Thriller, auch wenn Piskulla hier gekonnt Elemente beider Kategorien vereint.

Foto: Wilfried Maehler,
Bochumer Studienkreis für Bunker, Stollen, Deckungsgräben und unterirdische Fabrikationsanlagen e. V.

Piskullas Schilderungen sowohl des Malocher-Milieus in der Schwerindustrie, der Örtlichkeiten in einem Stahlwerk als auch im historischen Kontext des Nationalsozialismus überzeugen. Anspielungen lassen das dunkle Kapitel deutscher Geschichte lebendig und die Kulisse real werden. Man fühlt das dreckige Werksareal ebenso wie die bedrückende Realität der Kriegswirtschaft für die Menschen.

 

Stahlwerk. Foto: Petra Grünendahl.

Gut lesbar und mitunter witzig geschrieben merkt man, dass Piskulla an seiner Erzählung Spaß hat. Begierig folgt der Leser den Folgerungen des polnischen Kommissars, deren Erfolg ihm ein erträglicheres Leben bis zum Kriegsende sichern soll. Für die Lösung des Falles bleibt ihm nicht viel Zeit. Geschickt gesponnen entwickelt sich die Geschichte rund um glaubwürdige Charaktere, die mit ihren Perspektiven – zusätzlich zu der des polnischen Kommissars – die Handlung bereichern. Das ist nicht nur für Fans von Krimi und Triller ein Lesevergnügen!

 

 
Fiktion an realistischen Orten

Stahlwerk. Foto: Petra Grünendahl.

Vor über 30 Jahren hat Christian Piskulla (Jahrgang 1966) selber als Brenner und dann als Kranfahrer bei den Stahlwerken Peine-Salzgitter AG* gearbeitet. Dieses im Dritten Reich größte, „Hermann Göring Werke“ benannte Stahlwerk wollte er aber nicht als Kulisse verwenden, so dass er sein fiktives Werk am heute größten deutschen Stahlstandort verortete. Es liegt an einem Nord-Süd-Kanal, wie das Werk in Salzgitter**, wo der Autor aufgewachsen ist. Das Ambiente des Stahlwerks ist echt, lokale Bezüge nach Duisburg hingegen gibt es nicht.

 

Foto: Wilfried Maehler,
Bochumer Studienkreis für Bunker, Stollen, Deckungsgräben und unterirdische Fabrikationsanlagen e. V.

„Die Idee zu dem Buch kam mir, als ich vor über dreißig Jahren im Stahlwerk arbeitete“, erzählte Christian Piskulla. Seine Erfahrungen im Stahlwerk mit seinen gigantischen Dimensionen und unterirdischen Keller- und Tunnelsystemen ließ er in die Geschichte ebenso einfließen wie Details aus seiner Familiengeschichte: Sein Großvater mütterlicherseits war Pole (*1905 in Baranowicze), der später in Wilna*** lebte und 1941 nach Stettin (Pommern)**** verschleppt wurde, wo er als Zwangsarbeiter in einem Hüttenwerk arbeitete. „Seine Geschichte inspirierte mich, einem Zwangsarbeiter die Hauptrolle in meinem Roman zu geben“, so der Autor.

 

 

Titelbild: Uli Staiger / Die Licht gestalten, Berlin (nach einer Idee von Christian Piskulla).

Das Buch und der Autor
 
Der 420-seitige Roman ist als Taschenbuch im Verlag Cleverprinting erschienen. Es ist für 14,90 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-944755-22-9). Das eBook gibt es in unterschiedlichen Formaten bei Amazon, auf Apple Books, im Google Play Store oder für Tolino zum Preis von 9,99 Euro.

 
 
 
 

Stahlwerk. Foto: Petra Grünendahl.

Aufwändig produziert hat Christian Piskulla zusammen mit hoerbuchproduktion.com das Hörbuch zum Krimi. Sprecher Stefan Barth liest die Erzählung mit ihren wechselnden Perspektiven. Dramatische Musik und Geräuschuntermalung ebenso wie der wandlungsfähige Sprecher, der den Charakteren sprachlich „ein Gesicht“ gibt, lassen das Ganze fast als Hörspiel wirken. Unter https://das-stahlwerk.de/hoerbuch/ gibt es das erste Kapitel (Der Vorabend) als Hörprobe (45 Minuten). Die Hörbuch-Doppel-CD mit einer Spielzeit von ca. 15 Stunden ist für 19,95 Euro zu haben (ISBN 978-3-944755-26-7).

Der Autor Christian Piskulla.
Foto: Anja Nothdurft.

Christian Piskulla ist Experte für Grafik, Bildbearbeitung, PrePress- und Publishing-Software. Mit seiner Firma Cleverprinting PreMedia-Solutions bietet er Schulungen, verlegt aber darüber hinaus im Verlag Cleverprinting auch seine Schulungs- und Fachbücher zum Thema, viele davon Standardwerke und Bestseller. Bislang hat Piskulla ausschließlich Fachliteratur geschrieben und veröffentlicht. „Das Stahlwerk“ ist sein Roman-Debüt: Und ein sehr empfehlenswertes!

 
*) heute: Salzgitter AG
**) der Stichkanal Salzgitter zweigt bei Braunschweig vom Mittellandkanal ab
***) heute: Vilnius in Litauen
****) heute: Szczecin im polnischen Woiwodschaft (Westpommern)

 

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (4), Wilfried Maehler / Studienkreis Bochumer Bunker (2), Meinhard Weiss (1), Anja Nothdurft (1),
Titelbild: Uli Staiger / Die Licht gestalten, Berlin (nach einer Idee von Christian Piskulla)

 

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Freizeit-Tipps: Ann Baers „Eskapaden im Ruhrgebiet” führen auch nach Duisburg

„Draußen“-Touren für Ziele in der Region<
Von Petra Grünendahl

Ann Baer mit Hund im Landschaftspark Duisburg-Nord unterwegs. Foto: Britta Knappmann, Essen.

Wo Bergbau und Industrie sich zurückgezogen haben, machten sie Flächen frei, die in der Metropole Ruhr gerne auch für Anlagen zur Entspannung und Freizeitgestaltung umgebaut wurden. Das gilt für Produktionsstätten und Zechen ebenso wie für die mittlerweile begrünten und mit Landmarken versehenen Halden, die Alpen des Ruhrgebiets. Wasserläufe wie Ruhr und Emscher – früher Transport- und Abwasserwege – sind renaturiert, die Ufer haben gute Aufenthaltsqualitäten.

Das Geleucht auf der Halde Rheinpreußen in Moers. Foto: Britta Knappmann, Essen.

Erlebnis- und Freizeitangebote finden sich nicht nur auf, sondern auch rund um die früher industriell genutzten Areale: Der Strukturwandel schaffte Wohlfühlorte inmitten des urbanen Raumes – teilweise sogar in Bio-Qualität. Und die Urbanität garantiert zumeist auch die gute Erreichbarkeit der Ziele. Und wem noch nicht klar ist, wie Grün das Ruhrgebiet ist, der sollte wanderfeste Stiefel anziehen und mit dem Eskapaden-Führer auf Tour gehen!