Moers: 400 Jahre oranische Befestigung von Schloss und Stadt

Ein Stadtbild prägendes Bauwerk geschichtlich betrachtet
Von Petra Grünendahl

Das Denkmal von Kurfürstin Luise Henriette vor dem Moerser Schloss. Foto: Petra Grünendahl.

Aus dem 12. Jahrhundert datieren die ältesten Teile des Moerser Schlosses, auf dem sich damals das Adelsgeschlecht der Grafen von Moers ansiedelte. Die Stadtrechte bekam Moers 1300 verliehen, erste Befestigungen, Wassergräben und Stadttore entstanden im frühen 15. Jahrhundert. Die Grafschaft fiel durch Erbschaft an das Haus Wied-Runkel (1493) und an die Grafen von Neuenahr (1519). In Folge des Truchsessischen Krieges (1583–1588) besetzten ab 1586 spanische Truppen die Stadt.

Im Luftbild der Moerser Innenstadt erkennt man die Linien der alten Befestigung. Luftbild: Google.

Die zu dieser Zeit im Exil lebende Anna Walburga, die letzte Gräfin von Neuenahr und Moers, vermachte die Ländereien ihrem Verwandten Moritz von Oranien. Dieser belagerte die Stadt und konnte sie 1597 gewaltlos einnehmen. Anna Walburga lebte bis zu ihrem Tod 1600 wieder in Moers. Mit seinem Regierungsantritt als Herr der Grafschaft begann Moritz 1601 mit der Befestigung von Schloss, Alt- und Neustadt Moers, die 1620 vollendet wurde. Die oranische Befestigungsanlage veränderte das äußere Erscheinungsbild der Stadt. Die Festungswerke mit ihrem Wallsystem boten Schutz vor feindlichen Angriffen, aber auch vor dem jährlich auftretenden Hochwasser. Der mäandrierende Rhein hatte hier große Sumpfflächen geschaffen: Der Stadtname Moers leitet sich wohl von Moor oder Morast ab. Einer Belagerung musste die Festungsstadt jedoch nie standhalten. Die Oranier beherrschten Moers bis 1700. 1702 fiel die Stadt im Wege der Erbfolge an Preußen.

 

Grundriss der Festungsanlagen von Schloss und Stadt Moers um 1601/02. Quelle: Geheimes Staatsarchiv Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Berlin.

Zum 400-jährigen Jubiläum der oranischen Befestigung von Schloss und Stadt legt der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e. V. (GMGV) ein neues Standardwerk zu Bau und Schicksal der Moerser Festungsanlage vor. Herausgegeben von der Stadthistorikerin Prof. Dr. Margret Wensky dokumentieren fünf Experten unterschiedlicher Fachrichtungen anschaulich die Geschichte dieses kulturellen Erbes. Margret Wensky skizziert die politische Situation der Grafschaft im 16. Jahrhundert, die dazu führte, dass Moritz von Oranien in ihren Besitz kam. Zusammen mit Christine Knupp-Uhlenhaut, der ehemaligen Leiterin des Grafschafter Museums, hat sie zudem Moerser Festungspläne des 16. bis 18. Jahrhunderts zusammengestellt und analysiert: Festungspläne sind weitaus zahlreicher als Darstellungen von Moers erhalten als solche der Stadt. Ein spektakulärer Fund im Geheimen Staatsarchiv Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin bringt dabei neue wichtige Erkenntnisse zum Planungsbeginn um 1601 und dürfte ein Vorläufer des großen Bauplans der Festung sein, der diese als „work in progress“ zeigt. Während der Besetzung der Stadt im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) ließ der französische Stadt- und Festungskommandant de Sariac einen präzisen Plan anfertigen, kurz bevor Preußenkönig Friedrich II. die Festungswerke 1763/64 schleifen ließ, was das Stadtbild wiederum gravierend veränderte.

 

 
Von den Bauakten des Festungsbaus bis Stadtplanung im 20. Jahrhundert

Stadt, Kastell und ehemalige Festungsanlage Moers, 1831, Umzeichnung des Urkatasters durch Michael Buyx (1795-1882). Quelle: Stadt Moers, Fachdienst Vermessung.

Anhand von erhaltenen Bauakten rekonstruiert Heike Preuß den Bau der Befestigung in den Jahren 1601 bis 1620. Dabei legt sie ein besonderes Augenmerk auf die daran beteiligten Unternehmer und Arbeiter. Als Berater für den Bau der Festung beauftragte Moritz von Oranien den flämischen Mathematiker, Physiker und Bauingenieur Simon Stevin, der seit 1593 in seinem Diensten stand und diesem mehrere Festungen entwarf. Der große Bauplan der Festungsanlage, der sich heute im NRW-Landesarchiv in Duisburg befindet, stammt möglicherweise aus seiner Feder. Seinem Leben und Werk geht Hajo Hülsdunker nach. Mit der Schleifung der Wehranlagen erreichte die Stadtbefestigung bis 1800 ein Erscheinungsbild, welches bis zur Wende zum 20. Jahrhundert Bestand hatte.

 
 

Überlagerung des Sariac-Plans von 1762 mit dem aktuellen Katasterplan der Stadt Moers. Quelle: Stadt Moers, Fachbereich 6.

Thorsten Kamp geht dem wechselvollen Schicksal der ehemaligen Festungsanlage seit dem frühen 20. Jahrhundert nach. Er stellt die zum Teil massiven Veränderungen des Stadtbildes und die stadtplanerischen Vorhaben vor, wie sie im Laufe des Jahrhunderts vollzogen wurden – oder Planung blieben, aber immer auch die ehemaligen Festungsanlagen betrafen. Sein Beitrag ist zugleich ein Appell zum sorgsamen Umgang mit diesem bedeutenden flächigen Baudenkmal der Stadt.

 

 
Ein Standardwerk für Moers-Interessierte

Joan Blaeu d. Ä. (1596-1673), Grundriss der Festung Moers, 1649. Quelle: Grafschafter Museum im Moerser Schloss.

„Der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein ist froh, ein derartiges Großprojekt zum 400. Jubiläumsjahr der das Stadtbild prägenden oranischen Befestigungsanlage gestemmt zu haben“, sagt Peter Boschheidgen, Vorsitzender des GMGV. „Das Werk wird wegen seiner lebendigen und abwechslungsreichen Darstellung nicht nur die Fachleute begeistern, sondern jeden Leser, der sich mit der Stadt Moers und ihrer Geschichte verbunden fühlt.“ 91 Abbildungen, zum Teil bislang unveröffentlichte Pläne, Dokumente und Ansichten aus in- und ausländischen Archiven, Bibliotheken, Museen und Sammlungen, ergänzen und illustrieren die Beiträge. Das Buch „400 Jahre oranische Befestigung von Schloss und Stadt Moers 1620–2020“ (Herausgeber Prof. Dr. Margret Wensky, Veröffentlichung des Grafschafter Museums- und Geschichtsvereins in Moers e.V.) mit festen Einband und 156 Seiten kostet 29,50 Euro. Zu erwerben ist es bei der Moers Marketing GmbH oder im Moerser Schloss (Grafschafter Museum) ebenso wie im lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-948252-01-4).

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text)
Foto: Petra Grünendahl, Luftbild: Google
Pläne und Grundrisse: Geheimes Staatsarchiv Stiftung Preußischer Kulturbesitz Berlin (1), Grafschafter Museum im Moerser Schloss (1) und Stadt Moers (2)

 

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Loveparade 2010: Die Chronologie einer Aufarbeitung

Aufarbeitung der Loveparade 2010 auf
„Duisburg am Rhein – Betrachtungen“

Von Petra Grünendahl

Aus der Unterführung auf der Karl-Lehr-Straße. geht es über die Rampe zum Güterbahnhofsgelände Foto: Petra Grünendahl.

Fast zehn Jahre sind vergangen seit der tragischen Katastrophe bei der Loveparade 2010 in Duisburg. Die Strafverfolgung ist am 4. Mai 2020 mit der Einstellung des Verfahrens gegen die letzten drei Angeklagten zu Ende gegangen.

Seit dem Geschehen am 24. Juli 2010 beschäftige ich mich mit diesem Unglück. Am Abend der Katastrophe im Büro mit einem Kollegen aus Hamburg am Telefon, der auf Konzerten fotografierte: Wir beide an unserem Rechnern sitzend mit Hilfe von Google Maps und dem Versuch, das Grauen zu fassen. Der Kollege ungläubig: „So was geht ja gar nicht!“, als ich ihm von dem Zugang durch den Tunnel auf eine Rampe erzählte und dass der Eingang gleichzeitig als Ausgang genutzt werden sollte. Und dort jetzt Geschehnisse mit Toten und Verletzten gemeldet wurden …

Zwei Webseiten hatten sich damals nach der Loveparade um eine sehr detaillierte Aufklärung der Ursachen bemüht, die zur Katastrophe geführt hatten: Dokumentation der Ereignisse zur Loveparade 2010 in Duisburg und DocuNews.org von Lothar Evers.

Mit einem Artikel von Lothar Evers – „Tod im Niemandsland“ – hatte ich mich kurz nach dem ersten Jahrestag auseinander gesetzt und damit meinem Blog – „Duisburg am Rhein – Betrachtungen“ – gestartet. Die Thematisierung von Aufarbeitung der Loveparade und Abwahl des Oberbürgermeisters hatte dann auch zur Gründung der Rundschau Duisburg im Januar 2012 geführt. Leider ging diese als Web-Publikation erst Anfang 2016 an den Start, so dass ich meine Berichte über Jahre ausschließlich in meinem Blog publizieren konnte.

Meine Veröffentlichungen sind in gewisser Weise auch ein Spiegel der Aufarbeitung, die in diesen fast zehn Jahren gelaufen sind. Die Zusammenstellung der Links zu meiner Berichterstattung und der Veröffentlichung von Presseinformationen war für mich eine interessante Zeitreise, die so manche Erinnerungen weckte, aber auch ihre Aha-Momente hatte. Ich denke, die Lektüre lohnt sich, weshalb ich die Link-Sammlung hier öffentlich mache.

Ich habe mich also in dieser Zusammenstellung auf die Links auf „Duisburg am Rhein – Betrachtungen“ konzentriert. Lediglich am Ende gibt es Verweise auf die Rundschau Duisburg (für Pressemeldungen), da mein Blog mittlerweile nur noch als Autoren-Portal geführt wird.

Die Chronologie erhebt weder einen Anspruch auf Vollständigkeit (das kann ich alleine nicht leisten) noch auf Objektivität an jeder Stelle! Und meine Kommentare sind durchaus nicht immer Mainstream …

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pet 2020

 

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Verborgene Schönheit Niederrhein: Bilder zum Schwelgen und Träumen im Sutton Verlag

Stimmungsvolle ruhige Momente machen Lust auf eigenes Entdecken
Von Petra Grünendahl

Die Ruhrmündung in Duisburg. Foto: Markus Schmidt.

Ruhige Momente am Niederrhein: An Seen, am Rhein, in Feldern oder Lichtungen, auf dörflichen Straßen, aber auch mal in urbanen Räumen. Mit Schlössern und Burgen, Kirchen und Stadttoren, einer Windmühle und vielen Landschaftsaufnahmen hat der Fotograf dabei unterschiedlichste Motive abgelichtet: Ab dem Norden der Kreise Wesel und Kleve über den Kreis Viersen bis in den Rhein-Kreis Neuss im Süden. Nicht nur schön in Szene gesetzt, sondern stimmungsvoll und mit einem schönen Blick für Details hat Markus Schmidt eine bunte Vielfalt von Szenen am Niederrhein eingefangen. Die Perspektiven des Fotografen reichen dabei von Fußgängerhöhe bis zu Drohnenflügen und Turmausblicken, die vielleicht Bekanntes noch einmal anders und neu erscheinen lassen.

 

Das Geleucht auf der Halde Rheinpreußen in Moers ist auch von Duisburg aus zu sehen. Foto: Markus Schmidt.

Für sein Buch „Verborgene Schönheit Niederrhein“ hat Fotograf und Autor Markus Schmidt die Region vom mittleren bis zum unteren Niederrhein bereist. Auch in und um Duisburg, wo Ruhrgebiet und Rheinland auf den Niederrhein treffen, hat sich der 30-jährige Jenaer nach stimmungsvollen Motiven umgeschaut. Für zwei Bücher war er am Niederrhein unterwegs und hat sich nach vorbereitenden Recherchen umgeschaut: „Verlassene Orte Niederrhein“ und eben dieses Werk. Dabei hat er eine reichhaltige Anzahl von Fotografien mitgebracht, von denen eine gute und vielfältige Auswahl ihren Weg ins Buch fand.

 

 
Anregungen zum Erkunden und Entdecken

Die Wasserburg Linn in Krefeld. Foto: Markus Schmidt.

Nicht alle Bilder sind explizit vertextet, aber im Großen und Ganzen weiß man schon, wo man für welche Motive auf die Suche gehen sollte. Denn die Fotografien laden nicht nur ein zum Schwelgen und Träumen, sondern geben viele Anregungen, selber auf Tour zu gehen, um Landschaften und Stimmungen am Niederrhein einzufangen. Die ungewöhnlichen und manchmal unbekannten Einblicke machen auf jeden Fall Lust auf mehr.

 

Cover: Sutton Verlag.

Markus Schmidts Buch „Verborgene Schönheit Niederrhein“ ist erschienen im Erfurter Sutton Verlag, Deutschlands führendem Verlag für Lokal- und Regionalgeschichte. Auf 96 Seiten im quadratischen Format (22,5 x 22,5 cm) findet der Leser rund 60 Fotografien. Das reich bebilderte Buch mit Hardcover-Einband kostet 19,99 Euro. Zu beziehen ist es über den lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-96303-056-7).

 

 
 
Der Autor

Der Rhein in Düsseldorf. Foto: Markus Schmidt.

Fotograf und Autor Markus Schmidt, Jahrgang 1990, wohnt in Jena und betreibt dort seit 2013 sein Unternehmen SIO MOTION. Neben der Fotografie ist er auf Videografie und Design spezialisiert. Zum stetig wachsenden Kundenstamm zählen neben Privatpersonen, Bands und lokalen Firmen auch Pro7, Antenne Thüringen, Vodafone und andere. Für Fotos und Aufträge ist er mittlerweile bundesweit unterwegs.

 

Der Naturpark Schwalm-Nette liegt überwiegend in den Kreisen Viersen und Heinsberg. Foto: Markus Schmidt.

Bücher von Markus Schmidt im Sutton Verlag:
Verborgene Schönheit Niederrhein
Verlassene Orte Niederrhein
Verlassene Orte Sachsen-Anhalt
Verlassene Orte Thüringen
Lost Places in Thüringen
Erfurt – Neue Perspektiven
Jena – Neue Perspektiven
https://verlagshaus24.de/autor/39851/schmidt-markus

 
 

 
Sutton Verlag, Erfurt

Der Naturpark Schwalm-Nette liegt überwiegend in den Kreisen Viersen und Heinsberg. Foto: Markus Schmidt.

Sutton ist der führende Verlag für Regionalgeschichte und -literatur im deutschsprachigen Raum, vom historischen Bildband bis zum Freizeitführer. Den zweiten Schwerpunkt des 1997 gegründeten Verlages bildet die Verkehrs- und Technikgeschichte. Außerdem bietet Sutton Krimi unter dem Motto „mordsmäßig spannend“ seit 2011 Regionalkrimis der unterschiedliches Genres. Seit Anfang 2014 gehört Sutton zum Verlagshaus GeraNova Bruckmann in München.
https://verlagshaus24.de/sutton/

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Markus Schmidt / Sutton Verlag

 

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Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen: Rudolf Holtappel „Die Zukunft hat schon begonnen“

Der Nachlass des Ruhrgebietschronisten
in einer großen fotografischen Werkschau

Von Petra Grünendahl

Zeche Sterkrade in Oberhausen 1960. Foto: Petra Grünendahl.

Vom Ruhrgebiet, welches über Jahrzehnte seine Heimat war, bis in die ganze Welt reicht die Vielfalt seiner Motive. Immer wieder Industrielandschaften und Städte als Lebensraum, Arbeit und Menschen: Szenen aus dem Alltag und aus dem Leben gegriffen. Es sind lebendige Bilder aus einer anderen Zeit. Vieles stammt aus den 1960er- oder 1970er-Jahren. Es finden sich viele Ansichten auch von Duisburg oder Oberhausen, die man wieder erkennt. Bekannte Motive, aber auch viele Unbekannte: Theater-Inszenierungen, Warenhäuser und Einkaufsstraßen, Produktfotos und Produktionshallen, Reisefotografien, aber eben auch die Städte des Ruhrgebiets aus Zeiten, in denen es mehr Arbeit, aber auch mehr Umweltverschmutzung gab. Manche Ansichten lassen den Betrachter schmunzeln: Eingefangenes Leben mit seiner Ironie, die auch im Titel der Ausstellung mit dem dazugehörigen Foto deutlich wird. Vieles ist in Schwarz-Weiß fotografiert, manches auch in Farbe. Rudolf Holtappel sah sich selber nie als Museumsfotograf: Abgezogen sind die Fotografien überwiegend vergleichsweise kleinformatig (mit 20 cm Breite), manche sind größer. Der Fotograf entwickelte selber, experimentierte dabei mit alten Edeldruck-Verfahren (Salzprints, Cyanotypien oder Bromöldrucken). Auch diesen Arbeiten ist ein Teil der Ausstellung gewidmet.

 

Dr. Christine Vogt, Museumsdirektorin der Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

„Wir können die Ausstellung nur deshalb wie geplant starten, weil wir sie aus eigenen Beständen bestücken konnten“, erklärte Dr. Christine Vogt, Museumsdirektorin der Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen. Trotz Corona kann damit völlig termingereicht die Ausstellung mit Fotografien des Oberhausener Fotografen Rudolf Holtappel (1923–2013) am Sonntag, 10. Mai, eröffnen. Christine Vogt stellte in einem Pressegespräch die Ausstellung mit dem Titel „Die Zukunft hat schon begonnen“ zusammen mit der Kuratorin Miriam Hüning und Oberhausens Beigeordnetem für Kultur und Finanzen Apostolos Tsalastras vor. Den Nachlass des Fotografen hat die Stadt Oberhausen 2017 übernommen: Etwa 360.000 Negative in Schwarz-Weiß und Farbe sowie über Tausend Fotoabzüge und Diapositive konnten mit Unterstützung des LVR (Landschaftsverband Rheinland) wissenschaftlich und konservatorisch aufbereitet werden. Zwei Jahre lang beschäftigte sich Miriam Hüning als wissenschaftliche Mitarbeiterin mit den Arbeiten Holtappels und bereitete die Fotos aus den Jahren 1950 bis 2013 für die fotografische Werkschau auf.

 

 
Ruhrgebietschronist Theaterdokumentarist Warenhausfotograf

Kuratorin Miriam Hüning hat das Werk Rudolf Holtappels wissenschaftlich erschlossen und aufbereitet. Foto: Petra Grünendahl.

Rudolf Holtappel (*1923 in Münster, †2013 in Duisburg) war gelernter Fotograf, 1950 machte er seinen Meister in Fotografie. Er arbeitete als Bildjournalist und Auftragsfotograf. Er fotografierte Städteportraits (Industrie, Stadt und Mensch) u. a. für den Band „Duisburg“ aus dem Jahr 1960 für den Carl Lange Verlag (heute: Mercator-Verlag) oder über Jahrzehnte Produkte, Werkshallen, Produktion und Kaufhäuser für Unternehmen wie Henkel oder Karstadt, deren Unternehmensdarstellungen er mit seinen Fotos entscheidend mitprägte. Zwei Mal – von 1961 bis 1970 und von 1992 bis 2003 – war er als Bühnenfotograf für das Theater Oberhausen tätig. Verschiedene Preise und Auszeichnungen bekam er für seine Arbeiten. Über 60 Jahre lebte er – bis zu seinem Tod in einem Duisburger Krankenhaus – in Oberhausen.

Apostolos Tsalastras, Beigeordneter für Kultur und Finanzen der Stadt Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Zur Ausstellung ist im Verlag Kettler, Dortmund, ein Katalog erschienen, in dem unterschiedliche Autoren Leben und Schaffen des Künstlers vorstellen. Das reich bebilderte 272-seitige Werk wird herausgegeben von Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt und Kuratorin Miriam Hüning. Für 29,80 Euro ist es an der Museumskasse ebenso zu erwerben wie im lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-86206-815-9).

 

Impressionen aus der Ausstellung des Ruhrgebietschronisten Rudolf Holtappel. Fotos: Petra Grünendahl.

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Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen

Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Die Sonderausstellung läuft bis zum 6. September 2020. Das Museum ist geöffnet von Dienstag bis Sonntag zwischen 11 und 18 Uhr. Montags ist Ruhetag, feiertags sowie Pfingstmontag ist jedoch geöffnet. Der Eintritt kostet 8 Euro (ermäßigt 4 Euro, Familien 12 Euro). Corona-bedingt gilt eine Besucherobergrenze: Im Großen Schloss (Rudolf Holtappel) von 70 Personen, in der Panoramagalerie im Kleinen Schloss (Jacques Tilly) finden 25 Leute Platz. Aktuell entfallen alle Führungen (öffentliche Führungen finden im Großen Schloss sonst sonn- und feiertags um 11.30 Uhr statt, zudem gibt es Kuratorenführungen), die normal im Museumseintritt inklusive sind. Das geplante Rahmenprogramm muss zu allen Ausstellungen wegen Corona ebenfalls komplett ausfallen. Gleiches gilt aktuell für museumspädagogischen Angebote. Corona-bedingt entfällt auch die übliche Eröffnungsfeier, die nur über Videoaufzeichnungen der Ansprachen im Netz zu sehen ist: Ansonsten ist die Ausstellung einfach nur ab Sonntag, 10. Mai, geöffnet.

Jacques Tilly im Kleinen Schloss der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

In der Panoramagalerie im Kleinen Schloss zeigt die Ludwiggalerie noch bis zum 14. Juni eine ebenfalls sehr sehenswerte Ausstellung von Jacques Tilly „Politik und Provokation – Karikaturen XXL“. Diese Ausstellung haben wir bereits besucht. Im Kleinen Schloss ist der Eintritt frei.

Die LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen ist eines der 21 RuhrKunstMuseen. Sie befindet sich an der Konrad-Adenauer-Allee 46 in 46049 Oberhausen. Anfahrt am besten über die A42, Abfahrt Oberhausen-Zentrum. Weitere Infos: www.ludwiggalerie.de.

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Kamp-Lintfort: Landesgartenschau 2020 eröffnete unter Corona-Regeln

„Keine Lex-Laga, aber wir hoffen auf weitere Lockerungen“
Von Petra Grünendahl

Freuten sich über die Laga-Eröffnung in Kamp-Lintfort (v. l.): Christoph Müllmann (erster Beigeordneter), Laga-Geschäftsführer Martin Notthoff, Bürgermeister Christoph Landscheidt und Andreas Ihland (Laga-Prokurist) beim Pressetermin im Rathaus auf Corona-Abstand. Foto: Petra Grünendahl.

„Durch die weitläufige Architektur des Geländes lassen sich Abstandsregelungen problemlos einhalten“, freute sich Martin Notthoff, Geschäftsführer der Landesgartenschau Kamp-Lintfort 2020 GmbH und Kämmerer der Stadt Kamp-Lintfort. Damit falle die Landesgartenschau (Laga) wie Parks, Zoos oder botanische Gärten in eine Kategorie, für die die nordrhein-westfälische Landesregierung die Öffnung unter Auflagen wieder gestattet. „Die Landesgartenschau ist eine Leistungsschau der Garten- und Landschaftsbaubetriebe und wird als solche in den nächsten Tagen vollständig zur Verfügung stehen“, erklärte Bürgermeister Christoph Landscheidt, Aufsichtsratsvorsitzender der Laga GmbH. Als die Eröffnung verschoben wurde, hatten manche Aussteller wegen der Ungewissheit ihre Arbeiten ans Muster- und Themengärten unterbrochen. Fertig war jedoch schon längst der Zechenpark auf dem ehemaligen Betriebsgelände der Zeche Friedrich Heinrich (1912–2012, zuletzt Bergwerk West) und die Klostergärten des Kloster Kamp (Kamper Gartenreich). Die Parkflächen hatten die Berliner Landschaftsarchitekten bbz entworfen. Das Zechengelände hatte nach Stilllegung des Bergwerks West Ende 2012 brach gelegen. Zahlreiche Nutzbauten waren für die Herrichtung des Areals abgerissen worden, um hier Platz für einen Stadtpark und Wohnbebauung zu schaffen. Der Förderturm und das Stahlgerüst wurden saniert und bleiben als Zeugen der früheren Nutzung erhalten.

 

Bergwerk West (ehemals Zeche Friedrich Heinrich) im Betrieb: Hier findet 2020 die Landesgartenschau statt. Foto: Petra Grünendahl.

Gestern konnte die Landesgartenschau Kamp-Lintfort 2020 endlich für die Besucher öffnen: Unter strikter Berücksichtigung der Erlasslage. Ob die auf den 15. Mai verschobene Eröffnungsfeier noch stattfinden darf, ist eher fraglich: Das hängt davon ab, dass das Land NRW weitere Lockerungen der Restriktionen beschließt, die die Corona-Pandemie eindämmen sollen. Großveranstaltungen sind aktuell auf dem Gelände nicht möglich, kleinere Events schon. Der Streichelzoo jedoch ist jetzt schon, der Spielplatz ab morgen freigegeben. Die Gastronomie bleibt den Besuchern noch verschlossen, allerdings gibt es ein gastronomisches „To-Go“-Angebot, Sitzgelegenheiten zum Verzehr sind in ausreichendem Abstand im Park vorhanden. Auch der Aussichtsturm ist noch nicht geöffnet: „Obwohl der Aufzug sehr schnell ist, passen mit Abstandsregeln nur zwei Leute hinein“, so Landscheidt. Hier müsse man noch abwarten. Die Mustergärten und Ausstellungspavillons sind offen. Pavillons und Blumenhalle unterliegen aber Besucherbeschränkungen. Auch für die Gesamtveranstaltung gibt Obergrenzen, wie viele Menschen sich gleichzeitig auf dem Gelände aufhalten dürfen: 5.000 Besucher sind es im Zechenpark, weitere 2.500 im Kamper Gartenreich am Kloster Kamp, das über einen öffentlichen Wandelweg vom Zechenpark aus zu Fuß zu erreichen ist.

 

 
Landesgartenschau erst mal ohne Großveranstaltungen

Quartiersplatz im Zechenpark: Gelände der Landesgartenschau Kamp-Lintfort 2020. Foto: Petra Grünendahl.

„Eine Verlegung der Landesgartenschau ins kommende Jahr hätte einen zweistelligen Millionenbetrag gekostet“, erklärte Bürgermeister Landscheidt. Diese Option sei sorgfältig geprüft worden: Die Laga findet in NRW nur alle drei Jahre statt, die nächste 2023. Verluste durch die Corona-Einschränkungen in diesem Jahr kann er noch nicht beziffern. Ursprünglich hatte man mal mit ca. 560.000 Besuchern gerechnet, aber diese Rechnung ist jetzt hinfällig: „Busreisen sind aktuell nicht möglich, so dass uns hier die Besucher von weiter weg fehlen“, so Landscheidt. Allerdings, so gab er zu bedenken, könnten mehr Besucher aus der weiteren Region kommen: „Urlaubsreisen sind ja nicht möglich, aber Tagstouren in die Umgebung schon.“ Das nötige bevölkerungsreiche Umland ist ja gegeben (und Informationen gibt es sogar in niederländischer Sprache). Und wer bis zum 11. Oktober mehrfach vorbeischauen will, für den lohnt sich sicher auch noch eine Dauerkarte (Erwachsene 100 Euro, es gibt Ermäßigungen und Familienkarten).

 

Ausstellerflächen im Zechenpark: Gelände der Landesgartenschau Kamp-Lintfort 2020. Foto: Petra Grünendahl.

Bis zum 11. Oktober wird die Landesgartenschau 2020 geöffnet sein. Die Kassen sind täglich vom 9 bis 19 Uhr besetzt, verweilen kann man auf dem Gelände bis zum Einbruch der Dunkelheit (maximal 21 Uhr). Im Kassen-/Eingangsbereich ist ein Mund-Nasen-Schutz erwünscht, weil sich hier Leute schon mal etwas näher kommen können. Tageskarten gibt es für 18,50 Euro für Erwachsene (ermäßigt 14 Euro, Kinder 2 Euro, Gruppen ab 15 Personen 16,50 Euro pro Person). Die Turmfahrt kostet extra (5 Euro). Die Pendelbahn zur Haltestelle am Zechenpark nimmt ab dem übernächsten Wochenende ihren Betrieb auf, außerdem gibt es Shuttlebusse (hier gelten jeweils die Bedingungen des ÖPNV, will heißen: Mund-Nase-Schutz ist Pflicht). Parkplätze stehen auf einem großen Areal neben dem Laga-Gelände an der Friedrich-Heinrich-Allee kostenlos zur Verfügung. Dort wird nach der Landesgartenschau ebenso wie auf den Ausstellerflächen Wohnbebauung direkt am Park entstehen. Der Zechenpark wird als Stadtpark dauerhaft der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Der Laga-Flyer als pdf zum Download.
Mehr Informationen gibt es hier: https://www.kamp-lintfort2020.de/

 

 
Die aktuellen Regeln:

Geländeplan der Landesgartenschau Kamp-Lintfort 2020. Grafik: Laga GmbH.

„Wir hoffen auf weitere Lockerungen, es gibt aber keine Lex-Laga“, so Christoph Landscheidt. „Die Kernbestandteile einer jeden Gartenschau, wie die Gärten, Blumen und die Pflanzungen, sind auch in Zeiten von Corona erlebbar“, so Heinrich Sperling, zweiter Geschäftsführer der Laga GmbH. Die wesentlichen Beweggründe für einen Besuch seien Anregungen und Ideen für den eigenen Garten oder Balkon zu bekommen und einen schönen Tag mit der Familie oder dem Partner zu verbringen.

Impressionen von einer Exklusiv-Tour über das Landesgartenschau-Gelände. Fotos: Petra Grünendahl.

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Besucher müssen sich an die folgenden Regeln halten, damit die Landesgartenschau Kamp-Lintfort 2020 geöffnet bleiben kann und es nicht zu weiteren Einschränkungen oder gar zur Schließung der Landesgartenschau kommt. Gäste werden freundlich und bestimmt durch Service- und Ordnerkräfte auf diese Regeln hingewiesen:

  • Überall im Park gilt ein Abstandsgebot von mindestens 1,5 Metern (Besucher können alleine, zu zweit oder mit Mitgliedern des eigenen Haushalts spazieren gehen oder Sport treiben).
  • In geschlossenen Räumen / Pavillons darf sich pro 10 Quadratmeter max. ein Gast aufhalten; in der Blumenhalle sind es max. 50 Gäste.
  • Bei Erholungspausen auf Wiesen und Freiflächen gilt ein Mindestabstand von 5 Metern zu anderen Laga-Besuchern.
  • In allen geschlossenen Räumen / Pavillons, in der Blumenhalle, an den Pagoden des Gärtnermarkts und im Shuttlebus ist das Tragen eines Mund-/Nasen-Schutzes Pflicht.
  • Die Gastronomie bleibt geschlossen. Es gibt ein gastronomisches „To-Go“-Angebot. Die Speisen und Getränke dürfen außerhalb des 50-Meter-Umkreises zur Ausgabestelle auf dem Laga-Gelände verzehrt werden.
  • Abgesperrte Bereiche dürfen nicht betreten werden, Wegemarkierungen und Einbahnstraßenregelungen (z. B. im KALISTO, der Blumenhalle oder dem Areal der Hausgartenbeispiele) müssen befolgt werden.

Unsere erste Erkundung des Zechenparks …

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Loveparade-Strafverfahren eingestellt: Planer waren nicht alleine Schuld

Gutachter Gerlach: Multikausale Zusammenhänge als Ursache der Katastrophe
Von Petra Grünendahl

Der Vorsitzende Richter Mario Plein (mitte) vor der Verkündung der Einstellung des Verfahrens: Zehn Jahre nach der Loveparade-Katastrophe mit 21 Toten stellt das Landgericht Duisburg das Verfahren ohne Urteil ein. Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Services.

„Es gab zwei neuralgische Punkte, die in der Planung durch die Angeklagten nicht ausreichend bedacht wurden: Der Übergang von der Rampe auf den Event-Bereich der Veranstaltung und die Vereinzelungsanlagen“, erklärte der Vorsitzende Richter Mario Plein. Die seien aber nicht alleine ursächlich für die Katastrophe gewesen. Der Vorsitzende Richter war bemüht, den Verletzten und Hinterbliebenen sowie den Besuchern im Gerichtssaal, die Gründe und Ursachen zu erläutern, die zum Unglück mit 21 Toten und über 650 Verletzten und Traumatisierten geführt hatten. Der Beschluss des Gerichts sei auf die Zeugenaussagen sowie das Gutachten von Prof. Dr. Jürgen Gerlach gestützt, so Plein. Diese 3.800 Seiten starke Schrift habe das Gericht seiner Entscheidung vollumfänglich berücksichtigt. Es mache multikausale Zusammenhänge für die Katastrophe verantwortlich, nicht allein die Planungsfehler der Angeklagten. Die Liste der Ursachen beginne, so der Richter in seiner Beschluss-Begründung, mit der Wahl eines Geländes, das für eine solche Veranstaltung völlig ungeeignet war.

 

Letzter Prozesstag in der Aussenstelle des Landgericht Duisburg auf dem Gelände der Messe in Düsseldorf: Die Stühle im Zuschauerbereich des Gerichtssaales stehen wegen der orona-Pandemie nur mit Abstand. Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Services.

Die 6. Große Strafkammer des Landgerichts Duisburg hat das Verfahren gegen die drei verbliebenen Angeklagten im Loveparade-Strafverfahren mit Zustimmung der Angeklagten und der Staatsanwaltschaft eingestellt. Mit diesem Beschluss endet das Strafverfahren wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung. Gegen sieben weitere Angeklagte war das Verfahren schon vor über seinem Jahr eingestellt worden. An insgesamt 183 Hauptverhandlungstagen hatte das Gericht 116 Zeugen vernommen. Der Gutachter Prof. Dr. Jürgen Gerlach hatte nach einem vorläufigen Gutachten vor Prozessbeginn die über dreijährige Verhandlung begleitet. Als Richter Plein ihm für den Abschluss-Prozesstermin absagte, habe Gerlach geäußert, dass nach allen bisherigen Zeugenaussagen seinem Gutachten nichts mehr hinzuzufügen hätte. „Wir haben hier keinen Fall, bei dem wir den großen Bösewicht festmachen können. Das Wichtigste ist, dass wir erklären können, wie es zur Katastrophe gekommen ist“, so Plein.

 

 
Zehn maßgebliche Ursachen

Das Loveparade-Gelände: Luftaufnahme und Grafik des Veranstalters

Alter Güterbahnhof in Duisburg: Gelände der Loveparade 2010. © Foto: Petra Grünendahl

Die Ursachen der Katastrophe bezeichnete der Vorsitzende Richter auf die Erkenntnisse des Gutachters gestützt als „multikausal“: Nicht eine alleine sei ausschlaggebend gewesen. Lediglich die Geländeauswahl, die Enge am Rampenkopf und unzureichende Vereinzelungsanlagen gehörten in den Bereich der Planung. Am Rampenkopf, wo der Zugang in den Event-Bereich überging, war nicht ausreichend Platz neben dem Weg der Floats und der mitziehenden Besucher. Neuankömmlinge kamen dort kaum durch. Ordner, so genannte Pusher, waren nicht in angemessener Anzahl vor Ort, um Neuankömmlinge aufs Event-Gelände zu ziehen. Gemessen wurde an dieser Stelle eine Breite von 28,4 Metern (wo 30 Meter für Floats und Mitziehende in der Parade nötig gewesen wären). In einem frühen Plan für die Aufbereitung des Geländes war noch ein Breite von insgesamt 45 Metern angedacht (also 15 Meter für den Besucher-Durchgang), was aber wohl nie realisiert worden ist. Die Zugangsanlagen (Vereinzelungsanlagen Ost und West) hatten für den nötigen Durchfluss (also die Anzahl der Besucher, die gleichzeitig durch den Tunnel gegangen wären) keine ausreichenden Kapazitäten. Es bildeten sich früh Rückstaus am Trichter Grabenstraße / Kommandantenstraße und – noch viel mehr – an der Düsseldorfer Straße / Ecke Karl-Lehr-Straße.

Weitere Ursachen sind am Veranstaltungstag selber zu finden: Massive Störungen in der Kommunikation, die notwendige Absprachen teilweise unmöglich machten, damit verbunden die unkoordinierte Steuerung von Personenströmen und die fehlende Abstimmung von Maßnahmen wegen der Rückstaus vor den Zugangsbereichen sowie zwischen dem Zugang auf das Gelände und der Fläche mit den Musikwagen. Des Weiteren fielen organisatorische Entscheidungen am Veranstaltungstag entgegen vorheriger Absprachen, wurden Zugangsanlagen ohne Abstimmung geöffnet, obwohl ihre Schließung angeordnet war. „Die Polizeiketten dürften mit beigetragen haben“, sagte Plein: Die dritte Polizeikette auf der Rampe habe die Drucksituation auf der Rampe verstärkt. Allerdings sei man beim Einziehen aller drei Polizeiketten davon ausgegangen, dass die Vereinzelungsanlagen an den Zugängen West und Ost vollständig geschlossen wären. Was aber, erklärte Richter Plein, nicht der Fall gewesen sei. Und als schließlich um 16.26 bzw. 16.31 Uhr ein Polizist an der Vereinzelungsanlage West die Ordner anwies* [siehe Anmerkung unten], Zäune zu öffnen – für Richter Plein der „Point of no Return“ –, hatte dies einen ungehinderten Ansturm von Besuchermassen auf den Tunnel (und dann die Rampe) zur Folge. Und auf der Rampe trafen sie dann auf die, die die Veranstaltung verlassen wollten.

Mit dem Auflösen der dritten Polizeikette auf der Rampe verdichteten sich Massen am unteren Ende zu den Magnetpunkten Treppe (unterhalb des Stellwerkhäuschens), Lichtmast und Container des Crowd-Managers, weil Menschen sich dort ein entweichen aus der wogenden Massen erhofften. Im dichtesten Gedränge seien dann Menschen in Schräglage gekommen und gestürzt, schilderte es Mario Plein, und dann erdrückt oder zertrampelt worden. Dort habe man hinterher die Toten gefunden. Das letzte Todesopfer sei vier Tage später (am 28. Juli 2010) im Krankenhaus verstorben. Die nahende Verjährung am 27. Juli sei aber nicht der Grund für die Einstellung des Prozesses gewesen. Eine weitere Aufklärung habe auch Gutachter Gerlach nicht für möglich gehalten. Die Vernehmung weiterer Zeugen hätte das Verfahren jedoch erheblich weiter in die Länge gezogen. Und ob damit einem Einzelnen der Angeklagten noch eine individuelle strafrechtlich relevante Schuld nachzuweisen gewesen wäre, ist fraglich.

 

 
Lehren aus der Katastrophe

Aus der Unterführung auf der Karl-Lehr-Straße. geht es über die Rampe zum Güterbahnhofsgelände Foto: Petra Grünendahl.

In der Abschussbesprechung mit Veranstalter Lopavent und allen an der Vorbereitung beteiligten Behörden und Institutionen am 15. Juli seien keinerlei Sicherheitsbedenken oder Einwände mehr geäußert worden, führte der Richter an. Ein hochrangiger, in die Vorbereitung eingebundener Polizeibeamter hatte in seiner Zeugenvernehmung abschließend zur Kenntnis gegeben, seine Kinder seien auf der Loveparade gewesen: Weil alle der Meinung waren, die Veranstaltung wäre sicher!

„Dem öffentlichen Interesse ist auch mit der hier geleisteten Aufklärung Genüge getan“, erklärte der Vorsitzende Richter, „da sich Erkenntnisse auf zukünftige Planungen auswirken. An Veranstaltungsplanungen Beteiligte sind heute sensibilisierter für Sicherheitsprobleme!“ Nach Aufarbeitung der Ereignisse sehe man heute vieles anders und hätten sich auch rechtliche Rahmenbedingungen für ein solches Genehmigungsverfahren entsprechend geändert. Auch Gutachter Gerlach sei der Meinung: Mit einer weiteren Aufklärung wäre nicht zu rechen. So mahnte Mario Plein: „Strafverfolgung kein Selbstzweck, sondern muss auf den Schuldspruch ausgerichtet sein.“ Den könne er aber nicht absehen. Zugunsten der Angeklagten spreche, so Plein, dass sie strafrechtlich nicht vorbelastet seien. Schuld mindernd sei zudem zu werten, dass 2010 gesetzliche organisatorische Regelungen lückenhaft und Rechtsgrundlagen heterogen gewesen seien. Nach der Loveparade 2010 habe sich hier viel getan. „Die Angeklagten haben sich an das damals Übliche gehalten“, so der Vorsitzende Richter, der schloss: „Dies ist keine Verlegenheitsentscheidung: Wir halten sie rechtlich für richtig!“

Für die Angehörigen der Toten, die Verletzten und Traumatisierten wäre es mit Sicherheit einfacher gewesen, wenn man einen schuldig Gesprochenen bestraft hätte. Für die Bewältigung ihres Traumas haben sie jetzt „lediglich“ eine Erklärung der Ursachen, wie es zur Katastrophe kommen konnte. Das ist mit Sicherheit nicht der Abschluss, den sich viele von ihnen gewünscht hätten. Aber der einzige, der in unserem Rechtsstaat möglich war!

*) Der Polizist ist auf einem Überwachungsvideo an der Kreuzung Düsseldorfer / Karl-Lehr-Straße auszumachen, aber nicht zu erkennen. Er ist bis heute unbekannt. Siehe auch hier …

Das Statement der Staatsanwaltschaft Duisburg zur Einstellung des Prozesses

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (3), Lars Heidrich / Funke Foto Services (2)

 

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Duisburger Hafen AG: Bilanzpressekonferenz 2020

Nach guten Zahlen 2019 in schwierigem Fahrwasser
Von Petra Grünendahl

Hafenchef Erich Staake bei der Bilanzpressekonferenz 2016 der Duisburger Hafen AG. Foto: Petra Grünendahl.

„Wir haben gerade wieder eine Lieferung an FFP2- bzw. KN95-Masken bekommen: Begriffe, die vor kurzem noch völlig unbekannt waren“, erzählte Erich Staake, Vorstandsvorsitzender der duisport-Gruppe. Die Duisburger Hafen AG mit ihren weltweit agierenden Tochtergesellschaften ist gut vernetzt, so dass sie aus China direkt das geliefert bekommt, was angesichts der Corona-Krise gefragt ist wie nie: Schutzausrüstung. Der zwischenzeitlich arg beeinträchtigte Zugverkehr aus China nimmt mittlerweile wieder Fahrt auf, so dass Lieferungen zuverlässig auf den Weg gebracht werden können. „Die Masken sind geprüfte Artikel, die in China und hier überprüft werden“, erklärte Staake. „Von den Masken werden wir Hunderte von Mio. brauchen. Wir tun alle zusammen unser Bestes und wollen die Lieferkette per Schiene weiter ausbauen.“ Die medizinische Schutzausrüstung geht an Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen, wo sie dringend gebraucht werden.

 

Der Vorstand der Duisburger Hafen AG (v. l.): Prof. Thomas Schlipköther, Erich Staake (Vorsitzender), Markus Bangen. Foto: Petra Grünendahl.

Die Bilanzpressekonferenz der Duisburger Hafen AG (duisport) für das Unternehmensergebnis des vergangenen Jahres blieb von der aktuellen Krise nicht verschont: Der Vorstand berichtete in einer Videokonferenz von den Entwicklungen und Aussichten des Unternehmens. Zufrieden blickte Hafenchef Erich Staake auf das Jahr 2019 zurück: In einem schwierigen Umfeld konnten bescheidene Gewinne erzielt werden. Trotz der strukturbedingten Tonnage-Verluste bei Kohle und Stahl erzielte die stark diversifizierte duisport-Gruppe 2019 einen Umsatz in Höhe von 292,6 Mio. Euro (plus 5,1 Prozent oder 14,1 Mio. Euro mehr als im Vorjahr). Das operative Ergebnis vor Steuern verbesserte sich um 2,1 Prozent von 42,5 auf 43,4 Mio. Euro. Der Jahresüberschuss erhöhte sich von 12,2 Mio. Euro in 2018 auf 13,0 Mio. Euro (plus 6,8 Prozent).

 

 
Drei der vier Geschäftsbereiche – Verpackungslogistik, Kontraktlogistik sowie Infra- und Suprastruktur – trugen positiv zum gestiegenen Jahresergebnis bei, lediglich die Logistischen Dienstleistungen verbuchten einen Rückgang der Umsätze gegenüber dem Vorjahr. Der Gesamtgüterumschlag der duisport-Gruppe ist 2019 von 65,3 Mio. Tonnen auf ca. 61,1 Mio. Tonnen gesunken. Das ist ein Rückgang um 4,2 Mio. Tonnen. Unter anderem haben die abschwächende Industrienachfrage und der Ausstieg aus der Kohleverstromung zu einem weiteren deutlichen Rückgang der Schüttladungen geführt. „Nach 21 Jahren ununterbrochenen Wachstums steht der Duisburger Hafen vor großen Herausforderungen. Die mit der Pandemie einsetzende Rezession und der zweite Strukturwandel an Rhein und Ruhr werden negative Auswirkungen in diesem und in den folgenden Geschäftsjahren haben“, prophezeite Erich Staake. Im günstigen Fall rechne er für 2020 mit einem Rückgang von 10 oder 15 Prozent, es könnten aber auch deutlich mehr werden. „Wir hoffen ab dem 3. Quartal auf Nachhol-Effekte, die das Jahr halbwegs retten“, so Staake.

 

 
Große Herausforderungen: duisport forciert strategische Projekte!

logport I: Hafen Rheinhausen mit Containerterminal. Foto: Petra Grünendahl

Der Containerumschlag der Duisburger Hafen AG ist 2019 mit rund 4,0 Mio. TEU (Twenty Foot Equivalent Unit = Standardcontainer) auf dem Niveau von 2018 (4,1 Mio. TEU) geblieben. Mit einem Anteil von knappen 60 Prozent ist der Containerumschlag inzwischen das wichtigste duisport-Geschäftsfeld. Hierzu trägt neben der Binnenschifffahrt auf dem Wasserweg auch der Schienentransport bei, der weiter forciert werden soll. Den Schienengüterverkehr von und nach China will Erich Staake weiter ausbauen: Mit zusätzlichen Zügen und weiteren Zielen (bislang sind es ein gutes Dutzend Destinationen im Reich der Mitte). Der Schienenverkehr auf der Neuen Seidenstraße war wegen der Corona-Pandemie zwischenzeitlich auf 15 bis 20 Züge pro Woche gesunken, soll aber bald mehr als die bislang üblichen bis zu 40 Zugverbindungen erreichen. Rund 30 Prozent des gesamten Handels per Güterzug zwischen China und Europa wird bereits über den Duisburger Hafen abgewickelt. Die Rhein-Ruhr-Region wird damit immer wichtiger für den Handel zwischen der EU und China: Seine Rolle als zentrale Güterdrehscheibe für Mitteleuropa will duisport hier weiter ausbauen.

 

 
Kombinierter Verkehr: Lkw-Verkehre im Modalmix

logport VI in Duisburg Walsum. Foto: Hans Blossey / duisport.

Gute Fortschritte macht das 40 Hektar große Areal logport VI in Walsum: Hier baut duisport ein trimodal angebundenes Containerterminal direkt am Rhein, das die Verkehrsträger Binnenschiff, Bahn und Lkw bedienen soll. Mit dem Logistik-Dienstleister DSV siedelt sich einer der weltweit führenden Logistikkonzerne mit einem Mega-Distributionscenter hier an. Für eine zügige und bedarfsgerechte Bewältigung von Infrastrukturprojekten rund um den Hafen hat die Duisburger Hafen AG zusammen mit der Stadt Duisburg die Duisburger Infrastrukturgesellschaft (DIG) gegründet, die städtische Projektverantwortlichkeit mit den Know-how der Hafengesellschaft bündelt. Infrastrukturprojekte wie die Umgehungsstraße Walsum sollen dadurch schneller realisiert werden, um Lkw-Verkehre direkt an die überregionale Verkehrswege anzubinden.

Erneuerungsbedürftig: Dieser Teil des Oberbürgermeister-Lehr-Brückenzuges stammt von der im 2. Weltkrieg zerstörten Hohenzollernbrücke in Köln. Foto: Petra Grünendahl.

Fortschritte sieht Erich Staake auch bei anderen Infrastrukturprojekten in der Stadt, die für ein möglichst zügiges Abfließen der Lkw-Verkehre aus den Hafengebieten sorgen. Hier sind die Erneuerung des Oberbürgermeister-Lehr-Brückenzuges und die Umgehungsstraße in Meiderich von Bedeutung. Staake begrüßte aber auch das Vorgehen der Stadt gegen die am Wochenende in Wohngebieten geparkten Lkw: Hier sieht der Hafenchef jedoch auch die Unternehmen in der Pflicht, bei denen die Lkw wochentags anliefern. Die Duisburger Hafen AG habe am logport III (Hohenbudberg) Lkw-Stellplätze mit Sanitäranlagen und Aufenthaltsräumen geschaffen, so der Hafenchef. Gleiches sei für logport VI in Walsum geplant. Angesichts steigender Lkw-Verkehre reicht das allerdings noch nicht. Die Lkw-Fahrer seien das schwächste Glied in der Kette. Hier mahnte Erich Staake aber auch die verladende Wirtschaft: „Zu Dumping-Preisen können Lkw nicht fahren: Da werden viele Speditionen pleite gehen. Man sollte die Preise nicht weiter drücken. Diese Politik wird ein Bumerang werden!“, so Staake. [Kleine Anmerkung: Über diesen Preisdruck beklagen sich im Übrigen auch die selbstständigen Binnenschiffer (Partikuliere) – zu Recht!]

Duisport-Zentrale in Ruhrort. Foto: Petra Grünendahl.

Die Duisburger Hafen AG ist die Eigentums- und Managementgesellschaft des Duisburger Hafens, des größten Binnenhafens der Welt. Die duisport-Gruppe bietet für den Hafen- und Logistikstandort Full Service-Pakete in den Bereichen Infra- und Suprastruktur inkl. Ansiedlungsmanagement. Darüber hinaus erbringen die Tochtergesellschaften logistische Dienstleistungen wie beispielsweise den Aufbau und die Optimierung von Transport- und Logistikketten, Schienengüterverkehrsleistungen, Gebäudemanagement und Verpackungslogistik.
www.duisport.de

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (6), Hans Blossey (1)

 

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Loveparade-Strafprozess vor der Einstellung: Ein Kommentar

Das Ende des Versuchs von Aufklärung
Von Petra Grünendahl

Aus Platzgründen findet das Strafverfahren gegen vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent und sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg im CongressCenter der Messe Düsseldorf (CCD) statt. Foto: Petra Grünendahl.

Mit der Eröffnung des Strafprozesses im Dezember 2017 erhofften sich die Opfer der Loveparade 2010 in Duisburg Aufklärung über die Ursache der Katastrophe und eine Bestrafung der Schuldigen. Nachdem bereits im Januar 2019 das Verfahren gegen sieben der zehn Angeklagten eingestellt worden war, steht nun der Prozess gänzlich vor der Einstellung. Man erinnere sich: Auch gegen die verbliebenen drei Angeklagten, damals Mitarbeiter des Loveparade-Veranstalters Lopavent GmbH, wäre das Verfahren eingestellt worden, hätten die Angeklagten eine Geldauflage bezahlt. Sie wollten aber nicht den „Freispruch zweiter Klasse“, sondern einen „richtigen“, so dass ihretwegen der Prozess fortgeführt wurde. Und auf einen solchen konnten sie zu Recht hoffen: Allzu häufig wurde die Frage des Gerichts an Zeugen, ob man die Angeklagten kenne, verneint. Das erschwert die Zuweisung einer individuellen strafrechtlichen Schuld, die für eine Verurteilung nötig ist.

 

Der Vorstizende Richter Mario Plein (mitte) mit zwei beisitzenden Richtern beim Loveparade-Strafprozess im Gerichtssaal im Congress Center Düsseldorf. Foto: Lars Heidrich / Funke Foto Services.

Die 6. große Strafkammer des Landgerichts Duisburg hat bislang im Gerichtssaal im CongressCenter Ost der Messe Düsseldorf an über 180 Verhandlungstagen Zeugen vernommen. Sie sollten die Umstände beleuchten, die zum Tatvorwurf führten, der den Angeklagten zur Last gelegt werden: Fahrlässige Tötung in 21 Fällen und fahrlässige Körperverletzung in mindestens 650 Fällen. Die verbliebenen drei Angeklagten waren damals als Mitarbeiter der Lopavent GmbH an den Planungen des Events beteiligt. Die letzten Verhandlungstage in März und April waren wegen des Coronavirus ausgefallen. Die Zeit drängt, denn im Juli verjährt – nach zehn Jahren – der Vorwurf der fahrlässigen Tötung. Der Vorsitzende Richter Mario Plein hatte angesichts der knapper werdenden Zeit – wann eine Fortsetzung des Prozesses möglich ist, ist ungewiss – eine Einstellung des Verfahrens angeregt. Die Duisburger Staatsanwaltschaft hat diesem Vorschlag bereits zugestimmt, die Verteidiger ebenfalls. Die Frist für die Stellungnahmen der Nebenkläger-Vertreter läuft noch bis zum 27. April.

 

 
Unbefriedigend! Ein Kommentar

Die Rampe zum Loveparade-Gelände nach der Katastrophe. Foto: Petra Grünendahl.

Als nach jahrelangen Ermittlungen endlich der Strafprozess eröffnet worden war, war dies für viele Verletzte und Hinterbliebene die letzte Aussicht, Antworten zu bekommen. Ihre Enttäuschung über eine Einstellung des Strafprozesses ist nachvollziehbar, denn sie lässt viele Fragen offen. Ob ein Strafprozess geeignet war, diese Fragen zu klären, bleibt dahin gestellt!

Eine Aufarbeitung der Geschehnisse hat der Prozess zumindest teilweise leisten können. Aber die Aufarbeitung ist unvollständig – und wird es nun bleiben. Diese Unvollständigkeit hätte aber auch ein abgeschlossener Prozess mit Verurteilung nicht beseitigen können. Verantwortlich für die Katastrophe waren viele, nicht alle sind jedoch strafrechtlich relevant für ihre Handlungen zur Verantwortung zu ziehen! Fehler sind an vielen Stellen gemacht worden, bei weitem nicht nur von den Angeklagten. Und auch nicht nur in der Vorbereitung, sondern auch in Form von Fehlentscheidungen am Tag der Veranstaltung vor Ort. Multikausal soll es der Gutachter Prof. Dr.-Ing. Jürgen Gerlach, Sachverständiger von der Uni Wuppertal, in seinem bislang nicht veröffentlichten Gutachten zu den vermutlichen Ursachen der Katastrophe genannt haben.

Dass das Gelände nicht geeignet war und zu viele in der Vorbereitung Personen involviert waren, aber es keine zentrale oder übergeordnete Instanz gab, bei der die Fäden zusammen liefen, kann man als Teil des Ursachenkomplexes aus der Verhandlung mitnehmen. Die Veranstaltungsgenehmigung? Gab es nicht. Nur eine Baugenehmigung, die wichtige Aspekte außer Acht ließ – oder vielleicht lassen musste? Wer Probleme sah, meinte nur Schulter zuckend: „Ist nicht meine Baustelle!“, wie in so mancher Zeugenaussage zu hören war.

 

 
Strafrecht kann der Verantwortung nicht gerecht werden!

Die neu gestaltete Gedenkstätte für die Opfer der Loveparade 2010 ist fertig: Püntlich kurz vor dem dritten Jahrestag. Foto: Petra Grünendahl.

Das Thema „Schuld“ ist hier wohl auch eher nicht mit dem Strafrecht zu messen. Der Ort war ungeeignet, aber wem will man hierfür die Schuld konkret anlasten. Es fehlte ein geeignetes Sicherheitskonzept, Aine „Veranstaltungsgenehmigung“ war nicht nötig, weil die Techno-Sause – mit hunderttausenden Besuchern! – auf einem Privatgelände stattfand, so dass eine Baugenehmigung (vorübergehende Nutzungsänderung) rechtlich gesehen völlig ausreichte. Hier wären neue Rechtsgrundlagen für solche Veranstaltungen gefordert.

Wirkliche Aufklärung hätte hier wohl nur ein richtiger (und ergebnisoffener) Untersuchungsausschuss leisten können, da er nicht auf strafrechtliche Relevanz von Schuld beschränkt gewesen wäre. Er hätte klären können, wo Fehler passiert sind und welche Verantwortlichkeit welche Personen / Personenkreise dafür hatten. Diese Verantwortlichkeit mit dem Strafrecht ahnden zu wollen, war von Anfang an ein unmögliches Unterfangen, saßen doch auf der Anklagebank nicht die, denen man mit dem gesunden Menschenverstand ein gewisses Maß an Verantwortung für die Umstände annehmen konnte, die schlussendlich zur Katastrophe geführt haben.

Der Strafprozess war der letzte Strohhalm einer Aufklärung. Das Dilemma einer Aufarbeitung vor Gericht: Was nötig gewesen wäre, war schon mit Prozessbeginn lange versäumt worden. Es wäre direkt nach der Katastrophe der Loveparade 2010 nötig gewesen: Die Verantwortung jenseits der Schuld im strafrechtlichen Sinne klären zu wollen. Um die Klärung dieser Verantwortung als Ursache für die Katastrophe haben sich aber alle gedrückt!

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (3), Lars Heidrich / Funke Foto Services (1)

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Verlassene Orte Niederrhein: “Der Charme des Verfalls” beim Sutton Verlag

Ein faszinierendes Album unwiederbringlicher Einblicke
Von Petra Grünendahl

In den Hallen des Alten Güterbahnhofs. Foto: Markus Schmidt.

Die Areale sind zugewuchert und von der Natur zurückerobert. Im Staub der Jahrzehnte findet sich verrottendes Interieur. Grafittis verraten, dass der Fotograf nicht der erste Besucher ist, der die verlassenen und teils verfallenen Örtlichkeiten aufsucht. Der Alte Güterbahnhof an der A59-Abfahrt Zentrum hat schon viele angelockt, das seit Jahrzehnten stillgelegte Objekt zu betreten, zu erkunden und mitunter auch zu verschandeln. Die frühere Nutzung lässt sich an wenigen Stellen erahnen. Schon bald ist dieser Ort Vergangenheit:

Die Damenschwimmhalle war nie als Schwimmbad in Betrieb, sondern wurde Ende der 1930er, bevor das Bad in Betrieb ging, mit Holzboden überbaut als Sporthalle umgebaut. Foto: Markus Schmidt.

Der Abriss steht unmittelbar bevor. Was Fotograf Markus Schmidt dokumentiert hat, wird schon sehr bald nicht mehr vorhanden sein. Nicht mehr reproduzierbar sind auch die Fotos aus dem Stadtbad Hamborn, wo seit kurzem die Bagger rollen für den Umbau zum Bürostandort. Gleiches gilt für die Neue Mühle, auch Moriansmühle genannt: Hier hat im vergangenen Jahr ein neuer Eigentümer saniert und das ehemalige Gasthaus zu einem Mehrgenerationen-Wohnhaus für seine Familie umgebaut. Am ehemaligen Ausbesserungswerk der Bahn in Wedau sind ebenfalls bereits Bauarbeiten gestartet. „Auch andere dieser Orte sind mittlerweile nicht mehr zugänglich“, verriet Markus Schmidt.

 

Die Neue Mühle, auch Moriansmühle genannt, die dem Stadtteil Neumühl seinen Namen gab. Foto: Markus Schmidt.

Für das Buch „Verlassene Orte Niederrhein“ hat Markus Schmidt die Region bereist – und ist auch in Duisburg fündig geworden: Fünf solcher Orte hat der Fotograf und Autor für sein Buch ausgewählt, der Sechste, der unter Duisburg gelistet ist, liegt auf Nachfrage dann doch eher jenseits der Stadtgrenze in Mülheim.

 

Das Ausbesserungswerk in Wedau. Foto: Markus Schmidt.

Der aus Jena stammende Schmidt ist beruflich als Fotograf und Videograf in ganz Deutschland unterwegs. In den Jahren 2018/2019 hat er für sein Buch hier in der Region Station gemacht. Sechzehn Orte hat er auf seinen Touren vom unteren bis zum oberen Niederrhein besucht und Hintergründe der Locations recherchiert, die er hier mit faszinierenden Bildern vorstellt. Weitere Orte, die er als interessante Objekte für sein Buch recherchiert hatte, blieben ihm leider trotz Anfragen bei den Eigentümern verschlossen. Der bekennende Urbexer (Urban Exploration) hält sich gerne an Spielregeln, denn neben der Gefahr des Hausfriedensbruchs, den man tunlichst vermeiden sollte, sind auch die Orte selber mitunter nicht ganz ungefährlich.

 

 
Der Faszination des Verfalls auf der Spur

Lost Place in der Öffentlichkeit: die alte Eisenbahnbrücke in Wesel. Foto: Markus Schmidt.

Die Erkundung verlassener Orte fasziniert ihn schon länger: Er dokumentiert nicht nur ihre Gegenwart, sondern in den informativen Texten auch ihre Vergangenheit, die er dem interessierten Leser zugänglich macht. Ehemalige Fabrik- oder Gewerbegebäude, Wohnhäuser und Villen, eine ehemalige Nato-Kaserne und eine Geisterstadt hat Markus Schmidt besucht: Von den Kreisen Kleve und Wesel im Norden ging seine Reise im Süden bis zum Abbaugebiet Garzweiler. Eingesammelt hat er auf seinen Streifzügen faszinierende Eindrücke, Stimmungen und Details eines Verfalls, die bleiben, auch wenn die Orte bald endgültig Vergangenheit sind.

 

Ehemalige Brauerei. Foto: Markus Schmidt.

Markus Schmidts großformatiges Buch „Verlassene Orte Niederrhein“ ist erschienen im Erfurter Sutton Verlag, Deutschlands führendem Verlag für Lokal- und Regionalgeschichte. Auf 168 Seiten findet der Leser rund 140 Fotografien. Das reich bebilderte Buch mit Hardcover-Einband kostet 29,99 Euro. Zu beziehen ist es über den lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-96303-140-3).

 

 
Der Autor

Theatersaal einer ehemaligen Nato-Kaserne. Foto: Markus Schmidt.

Fotograf und Autor Markus Schmidt, Jahrgang 1990, wohnt in Jena und betreibt dort seit 2013 sein Unternehmen SIO MOTION. Neben der Fotografie ist er auf Videografie und Design spezialisiert. Zum stetig wachsenden Kundenstamm zählen neben Privatpersonen, Bands und lokalen Firmen auch Pro7, Antenne Thüringen, Vodafone und andere.

Ehemalige Fabrikantenvilla. Foto: Markus Schmidt.

Bücher
von Markus Schmidt
im Sutton Verlag:

Verborgene Schönheit Niederrhein
Verlassene Orte Niederrhein
Verlassene Orte Sachsen-Anhalt
Verlassene Orte Thüringen
Lost Places in Thüringen
Erfurt – Neue Perspektiven
Jena – Neue Perspektiven
https://verlagshaus24.de/autor/39851/schmidt-markus

 

 
Sutton Verlag, Erfurt

Verlassene Orte Niederrhein. Cover: Sutton Verlag.

Sutton ist der führende Verlag für Regionalgeschichte und -literatur im deutschsprachigen Raum, vom historischen Bildband bis zum Freizeitführer. Den zweiten Schwerpunkt des 1997 gegründeten Verlages bildet die Verkehrs- und Technikgeschichte. Außerdem bietet Sutton Krimi unter dem Motto „mordsmäßig spannend“ seit 2011 Regionalkrimis der unterschiedliches Genres. Seit Anfang 2014 gehört Sutton zum Verlagshaus GeraNova Bruckmann in München.
https://verlagshaus24.de/sutton/

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Markus Schmidt (9), Sutton Verlag (Cover)

 

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Coronavirus zwang zu neuem Betätigungsfeld: Atemmasken statt Tanz- und Businesskleidung

Schutz für alle, die keine medizinischen Masken brauchen
Von Petra Grünendahl

Tanja und Kai Mielke verpacken die Atemmasken-Bestellungen für den Versand. Foto: Petra Grünendahl.

„Mit dem Coronavirus waren wir auf einen Schlag unser gesamtes Geschäft los“, erzählte Tanja Mielke. Zusammen mit ihrem Mann Kai betreibt sie in Hochheide ein Unternehmen für Tanz- und Businesskleidung. Messen, Events und Tanzturniere wurden abgesagt, damit fiel praktisch die Geschäftsgrundlage weg. „Als ein Firmenkunde seine Gesellschafterversammlung absagte, konnten wir die neue Produktion gerade noch stoppen“, so Mielke. Dann zeigte sich ein Betätigungsfeld, in dem Mangel herrschte: Atemmasken für Mund und Nase, die nicht unbedingt den Ansprüchen für medizinisches Personal (FFP2) entsprechen mussten. „Medizinische Schutzmasken sind knapp selbst für die, die darauf angewiesen sind“, erklärte die Unternehmerin. „Wir wollten Privatleuten helfen, damit diese nicht auf die ohnehin knappen medizinischen Bestände zugreifen.“ Die Nachfrage nach den aufwändig genähten Baumwollmasken zu fairen Preisen ist groß: Die erste Lieferung von 1.700 Stück ist bereits ausverkauft, aber die polnischen Schneiderinnen nähen fleißig weiter – unter den gleichen Arbeitsbedingungen, wie man sie aus Deutschland kennt. Das ist Tanja Mielke wichtig!

 
Das selbstständig tätige Ehepaar Tanja und Kai Mielke musste sich mit dem Wegbrechen ihres eigentlichen Geschäfts überlegen, wie sie Betriebs- und Lebenshaltungskosten weiter decken sowie auch in Polen die familiengeführten Schneidereien, Verwandte des polnisch-stämmigen Kai Mielke, beschäftigen konnten. Die von ihnen entwickelten Atemmasken bestehen zu 100 Prozent aus Baumwolle, sind aufwändig genäht und in Weiß sogar bis 95 Grad waschbar. „60 Grad reichen auch, um die Viren zu töten – oder eben der Wasserkocher, wenn man nicht genug Stücke für die 60-Grad-Wäsche hat“, verriet die 37-jährige Unternehmerin. Sie und ihr Mann entwickeln die Masken laufend weiter: „Als nächstes wollen wir kleinere bunte Masken für Kinder machen“, so Mielke. Sie habe da schon in der Verwandtschaft und Bekanntschaft Umfragen bei Kindern nach den beliebtesten Mustern gemacht: „Die Kleinen sollen sie ja auch mit Freude tragen“, will sie aus der Not eine Tugend machen. Sie denkt auch über unifarbene für Erwachsene nach. Außerdem sollen Nasenbügel kommen, die die Maske nach oben abdichten, oder Filter, die dem Maskenträger mehr Schutz bieten.

 

 
Atemmasken für nicht-medizinische Zwecke

Die zweilagigen Stoffmasken sind aus weißem Baumwollstoff, aufwändig vernäht und bei 60 bis 95 Grad waschbar. Foto: Petra Grünendahl.

Die einfachen Stoffmasken schützen nicht den Träger, sondern die Umgebung: Sie verhindern, dass „Tröpfchen“ durch Husten oder Niesen weitergegeben werden. Manch einer ist nämlich infiziert, ohne unter Symptomen zu leiden. Anstecken kann er damit aber trotzdem die Menschen in seiner Umgebung. Neben Privatleuten sind auch Firmen – wie Apotheken, Praxen von Physiotherapeuten oder Containerdienste – an den Stoffmasken der Mielkes interessiert: Sie wollen ihre Mitarbeiter und Kunden schützen. Denn: um den Virus einzudämmen, muss man verhindern, dass er sich weiter ausbreiten kann. Dazu muss man die Weitergabe über „Tröpfchen“ verhindern: Abstand halten, Mund und Nase bei unvermeidlichen Kontakten bedecken und immer wieder Hände waschen!

„Wir wollten helfen“, erklärte Tanja Mielke ihre Motivation. Masken sind rar: die Medizinischen ohnehin, aber auch einfache Stoffmasken sind nicht ohne Ende verfügbar. Immer mehr nicht im medizinischen Bereich Tätige wollen sich und andere schützen. Wegen der großen Nachfrage steigen mittlerweile die Preise für Stoffe und Gummis, falls diese überhaupt zu bekommen sind: „Man sagte uns, wir sollten in vier Wochen wieder für die Gummis nachfragen“, erzählte Kai Mielke. Das heißt: Nachfragen, ob dann wieder welche lieferbar sind! Dafür experimentieren die Beiden jetzt mit elastischen Stoffen, um lieferfähig zu bleiben. Die Preise sind knapp kalkuliert: Es geht nicht um Gewinne, sondern darum, Herstellungskosten, Betriebs- und Lebenshaltungskosten decken zu können. Das sichert den eigenen Lebensunterhalt – und den der Schneiderinnen in Polen, denen sich die beiden Unternehmer verpflichtet fühlen. Und: „Wir geben auch schon mal einen größeren Satz an ein Altenheim als Spende ab“, erzählte die Hochheiderin. Für das Ehepaar steht die Hilfe klar im Vordergrund: Für Menschen, die sich schützen wollen, ebenso wie für die Schneiderinnen in Polen. „Wir müssen als Gesellschaft zusammenhalten!“

Kontakt
Tanja und Kai Mielke
Telefon 02066 / 461 51 43
eMail kontakt (at) atemmaske24.com
www.atemmaske24.com

 

 
Tanz- und Businesskleidung für Events und Messen

Tanja Mielke mit der Miet-Kollektion an Businesskleidung, die aktuell im Lager bleibt. Foto: Petra Grünendahl.

Mit „tanietz“ hat das Ehepaar Mielke eine Marke für Tanzkleidung von Kais Mutter übernommen (tańczyć, pl. tanzen). Unter diesem Label entwerfen die beiden Tänzeroutfits für den Paar- und Turniertanz, einem Feld in dem sie selber aktiv sind. Zweites Betätigungsfeld ist die Kleidung für Events wie zum Beispiel Kostüme und Anzüge für Hostessen und Hosts. Diese gibt es als Mietkleidung, aber auch – für individuellere Wünsche – zum Kauf. Die Mielkes entwerfen die Kleidungsstücke und nähen Prototypen selber, um sie für die Serienfertigung weiterzuentwickeln. Dann geben sie die Schnittmuster an die Schneidereien der Verwandtschaft zum Nähen. Schlussendlich organisieren die Mielkes das Mietgeschäft bzw. den Vertrieb in Deutschland und auch international.
www.tanietz.com
www.businessdress24.de

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Ruhrtriennale stellte Programm 2020 vor: 14. August bis 20. September

“Zwischenzeit“ geht in die dritte Saison
Von Petra Grünendahl

Ruhrtriennale-Spielort Kraftzenttrale im Landschaftspark Duisburg-Nord. Foto: JU.

Die Mercatorhalle und der Landschaftspark Duisburg-Nord mit Kraftzentrale und Gebläsehalle zählen in unserer Stadt zu den bewährten Spielstätten der Ruhrtriennale. Chorwerk Ruhr präsentiert zu seinem 20-jährigen Jubiläum eines der wichtigsten und opulentesten Chorwerke der Musikgeschichte: Felix Mendelssohn Bartholdys „Elias“. Die Duisburger Aufführung findet am 6. September, in der Mercatorhalle statt. Tickets gibt es von 10,00 bis 55,25 Euro, weitere Termine in Essen, Wuppertal, Dortmund und Gladbeck.

Ruhrtriennale-Spielort Kraftzentrale im Landschaftspark Duisburg-Nord. Foto: Jörg Brüggemann / Ostkreuz.

William Kentridge zeigt das Musiktheater „Waiting for the Sibyl / The Moment Has Gone” zwischen dem 13. und 20. September in der Kraftzentrale im Landschaftspark Nord (Eintritt zwischen 20 und 65 Euro (ermäßigt die Hälfte). Unterbrochen wird die Reihe am 14. September, von seiner Lecture-Performance „A Natural History of the Studio“ (in englischer Sprache) in der Gebläsehalle (Tickets 10 Euro). Primär an ein jüngeres Publikum und Schulklassen wendet sich „Unterscheidet euch! Ein Gesellschaftsspiel“ von Turbo Pascal in der Gebläsehalle im Landschaftspark (25. bis 30. August, Tickets 15 Euro, ermäßigt 7,50 Euro).

 

Stefanie Carp ist in den Jahren 2018 bis 2020 künstlerische Leiterin der Ruhrtriennale. Foto: Daniel Sadrowski.

Die Ruhrtriennale „Zwischenzeit“ (2018 – 2020) schließen in diesem Jahr mit der dritten Saison unter der künstlerischen Leitung von Stefanie Carp. Vom 14. August bis 20. September kommen mehr als 700 beteiligte Künstler aus rund 40 Ländern ins Ruhrgebiet, um 33 Produktionen und Projekte in 17 unterschiedlichen Spielstätten in Bochum, Dortmund, Duisburg, Essen, Gladbeck und Wuppertal zu zeigen. Zwölf sind Ur- und Erstaufführungen.

 

 

Ruhrtriennale-Spielort Gebläsehalle im Landschaftspark Duisburg-Nord. Foto: Jörg Brüggemann / Ostkreuz.

Der Termin steht, allerdings verfolgt die veranstaltende Ruhr Kultur GmbH die Entwicklungen um das Coronavirus sehr aufmerksam: „Wir gehen auf Basis der aktuellen Risikoeinschätzung davon aus, dass die Ruhrtriennale wie geplant stattfinden wird“, so die Veranstalter. Die Gesundheit aller stehe jedoch an erster Stelle: „Für den Fall, dass Veranstaltungen abgesagt werden müssen, erstatten wir den Preis für bereits gekaufte Karten selbstverständlich zurück.“ Über die genaue Abwicklung wird in diesem Fall zeitnah informiert: Über eMail, die Social-Media-Kanäle und unter www.ruhrtriennale.de. Der Vorverkauf für die diesjährige Ruhrtriennale beginnt am Donnerstag, 19. März 2020. Der Frühbucherrabatt ist bis Sonntag, 3. Mai 2020 erhältlich. Tickets gibt es in Duisburg bei der Tourist Information, Königstraße 86, Telefon 0203 / 285440. Weitere Informationen zum Programm unter www.ruhrtriennale.de.

 

 
Vielfältiges Programm in sechs Städten

Ruhrtriennale-Spielort Turbinenhalle (mitte links) und Jahrhunderthalle (rechts) in Bochum. Foto: JU.

Neben Neuentdeckungen sind einige Künstler eingeladen, die bereits in den vergangenen zwei Jahren das Publikum mit ihren Werken begeistert haben: Christoph Marthaler, Artiste associé der Ruhrtriennale 2018–2020, wird eine großformatige Musiktheaterkreation „Die Verschollenen (für großes Orchester)“ in der Jahrhunderthalle Bochum zur Premiere bringen. Sowohl die Deutsche Erstaufführung von Kornél Mundruczós „Pieces of a Woman“ als auch die Uraufführung von Mariano Pensottis „Los Años / Die Jahre“ (beide in der Jahrhunderthalle Bochum) setzen sich mit Lebensgeschichten und sozialen Konflikten auseinander. Der Choreograf Serge Aimé Coulibaly wird die Uraufführung von „Wakatt“, eine Arbeit über Angst, präsentieren (Turbinenhalle an der Jahrhunderthalle Bochum); Marlene Montero Freitas ihre neue Choreografie „Mal – Embriaguez Divina“ (Maschinenhalle Zweckel in Gladbeck). Ebenfalls auf dem Programm stehen die Uraufführungen von Brigitta Muntendorfs und Stephanie Thiersch’ „Archipel“ (Kraftzentrale, Landschaftspark Duisburg-Nord) und von Meg Stuarts „Cascade“, das sie gemeinsam mit Philippe Quesne realisiert (PACT Zollverein, Essen). Des Weiteren sind Produktionen von Lola Arias, Tina Satter (beide in der Turbinenhalle an der Jahrhunderthalle Bochum) und nora chipaumire (PACT Zollverein, Essen) zu sehen. Karten kosten überwiegend zwischen 25 und 35 Euro (ermäßigt die Hälfte).

Hier geht es zum Veranstaltungskalender: https://www.ruhrtriennale.de/de/agenda?start=2020-08-14&end=2020-09-20#anchorFilters

Das Programm zum Download (als pdf): https://www.mynewsdesk.com/material/document/94712/download?resource_type=resource_document

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Jörg Brüggemann (2), JU (2), Daniel Sadrowski (1)

 

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Joachim Schneider beim Sutton Verlag: Drittes Buch über Wanheimerort

Bilder und Geschichten lassen Vergangenheit lebendig werden
Von Petra Grünendahl

Die Ansicht vom Titelbild: Sicht auf die Fischerstraße. Fotos: Petra Grünendahl.


Cover: Sutton Verlag.

Wer sich fußläufig im Stadtteil Wanheimerort ein wenig auskennt, kann das Titelbild einordnen, auch wenn die Häuserfassaden sind heutzutage gestrichen oder mit Balkonen bestückt sind. Alles ist grüner, Bäume verdecken die alte Ansicht ein wenig. Der Spielplatz ist mittlerweile hinter einem Gebäude der Lebenshilfe verborgen und von der Fischerstraße nicht mehr einsehbar. Im Gegensatz zu diesem Foto scheint jedoch an anderen alten Schwarzweiß-Aufnahmen aus dem Stadtteil die Zeit vorbei gegangen zu sein: Lediglich Zeichen früherer Jahre wie Kleidung oder Autos verraten auf einigen Bildern die Vergangenheit, so wenig hat sich mitunter am Erscheinungsbild getan. Auch der Beobachter, der nur die Gegenwart der letzten Jahre kennt, findet sich zurecht im bildlichen Eintauchen in die Vergangenheit.

Ecke Kulturstraße und Düsseldorfer Chaussee Mitte der 1950er: Anstelle der Tankstelle findet sich hier heute eine Grünanlage. Foto: Sutton Verlag.

Es ist eine spannende Reise, die Autor Joachim Schneider nach Kapiteln gegliedert mit informativen Texten versehen hat. Vom Dickelsbach oder den ersten Siedlern über die Karl-Lehr-Schule, den Spielmannszug Wanheimerort, die Stolpersteine oder die Jugendherberge nimmt Schneider den Leser mit, bis hin zu alteingesessenen Unternehmen und berühmten Sportlern, die in Wanheimerort ihre Wurzeln hatten.

Kulturstraße an der Ecke zur Hultschiner Straße Anfang der 1960er. Foto: Sutton Verlag.

Eingerahmt sind diese vielfältigen Geschichten in die „Alten Ansichten“, eine Bilderschau im Auftaktkapitel, und einigen markanten „Zeitsprüngen“ zum Abschluss.

 

Fischerstraße gegenüber vom Michaelplatz in den 1950ern. Foto: Sutton Verlag.

Zwar wendet sich Autor Joachim Schneider mit seinem dritten Buch über den Duisburger Stadtteil Wanheimerort in erster Linie an Alteingesessene, bei denen die Bilder – so der Untertitel – Erinnerungen wecken sollen. Allerdings finden auch neuer Zugezogene Ansichten, die ihnen bekannt vorkommen und ein Eintauchen in die Vergangenheit ermöglichen. Der Autor profitiert von seiner guten Vernetzung im Stadtteil, die ihm viele Türen öffnete.

Fabrikeingang der Rütgerswerke an der Wanheimer Straße 1910. Foto: Sutton Verlag.

Das Firmenarchiv von Caramba (Rütgerswerke) stand ihm für seine Recherchen ebenso zur Verfügung wie Archive der Karl-Lehr-Realschule, des DJK Wanheimerort 1919 e. V., das Stadtarchiv oder verschiedene private Archive. Bildgeber sind sowohl ehemalige wie heutige Firmeneigentümer: Familie Lindner und der heutige Eigentümer Dennis Demandt (Autohaus Lindner), Birgit Hennig-Friebe (Gaststätte Noy) oder Edi Heiß (Bestattungen Simon).

Die Wanheimer Straße (l.) an der Ecke Fischerstraße (r.). Foto: Sutton Verlag.

Dazu kommen zahlreiche Privatleute, die ihrem Sammlung geöffnet haben, wie zum Beispiel Reinhold Stausberg (Duisburgs größter Sammler von historischen Dokumenten), Jürgen Winstermann (Spielmannszug Wanheimerort), Willi Schneider aus Toronto/Kanada (Emil Schneider), Heinz Becker (Günter Wienhold) und Erich Fuchs (Toni Turek). Der Leser darf sich auf eine interessante bunte Mischung an Themen freuen, die Einblicke in die Vergangenheit geben.

 

 
Zum Erinnern und Entdecken

An der Ecke Fischerstraße (l.) und Wanheimer Straße (r.). Foto: Sutton Verlag.

Auch Joachim Schneiders neues Buch ist erschienen im Erfurter Sutton Verlag, Deutschlands führendem Verlag für Lokal- und Regionalgeschichte. Auf 128 Seiten findet der Leser rund 180 bislang zumeist unveröffentlichte Fotografien und Dokumente aus privaten Sammlungen und Unternehmensarchiven. Das reich bebilderte Buch mit Hardcover-Einband ist im Sutton Verlag in der Reihe „Sutton Heimat“ erschienen und kostet 19,99 Euro. Zu beziehen ist es über den lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-96303-137-3).

 

 
Der Autor

Anfang der 1960er: Die Häuser auf der rechten Seite der Wanheimer Straße stehen noch. Die Bäume links und die Mauer mussten für die Verbreiterung der Wanheimer Straße weichen. Foto: Sutton Verlag.

Der Großhandelskaufmann Joachim Schneider engagiert sich vielfältig ehrenamtlich für Wanheimerort: Zum Beispiel in der Bezirksvertretung, als Vorsitzender des CDU-Ortsverbands und in der DJK Wanheimerort 1919 e. V. Er ist Beisitzer im Vorstand der Stadtteil-Offensive Wanheimerort e. V. und im Beirat des Wanheimerorter Bürgerverein von 1874 e. V. Darüber hinaus gehört Schneider zu den Initiatoren der Stadtteilzeitung „Wir in W’ort“ und er organisierte bereits zahlreiche Stadtteilfeste und -veranstaltungen. Im Sutton Verlag erschienen 2011 und 2012 seine beiden ersten sehr sehens- und lesenswerten Bücher mit alten Ansichten von Wanheimerort.

Die Eschenstraße an der Einmündung Schmiedestraße (l.): Rechts war die Evangelische Volksschule. Foto: Sutton Verlag.

 

 
Sutton Verlag, Erfurt

Hier hat sich nicht wirklich was verändert: Blick von der Fischerstraße in die Markusstraße1958. Foto: Sutton Verlag.

Sutton ist der führende Verlag für Regionalgeschichte und -literatur im deutschsprachigen Raum, vom historischen Bildband bis zum Freizeitführer. Den zweiten Schwerpunkt des 1997 gegründeten Verlages bildet die Verkehrs- und Technikgeschichte. Außerdem bietet Sutton Krimi unter dem Motto „mordsmäßig spannend“ seit 2011 Regionalkrimis der unterschiedliches Genres. Seit Anfang 2014 gehört Sutton zum Verlagshaus GeraNova Bruckmann in München.
https://verlagshaus24.de/sutton/

Blick aus der Fischerstraße in die Wanheimer Straße Richtung Süden: Die Häuser auf der rechten Straßenseite sind dem Straßenausbau und Gewerbeflächen gewechen. Foto: Sutton Verlag.

Mehr Bücher über Wanheimerort finden Interessierte hier:
https://duisburgamrhein-betrachtungen.de/bucher-uber-duisburg/wanheimerort/

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (2), Sutton Verlag (11): Joachim Schneider „Duisburg-Wanheimerort. Bilder wecken Erinnerungen“

 

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MKM Museum Küppermühle in Duisburg zeigt Erwin Bechtold

Schwarz in seiner dynamischen Vielfalt
Von Petra Grünendahl

Erwin Bechtold im Museum Küppersmühle für Moderne Kunst (MKM). Foto: Petra Grünendahl.

„Alles, was ich zu sagen habe, sagen meine Arbeiten!“, erklärte Erwin Bechtold (*1925 in Köln). Ganz so wortkarg gab sich der Künstler, der im April 95 Jahre alt wird, dann aber doch nicht. In der Kunst habe er die Freiheit gesucht und gefunden, sich zu entwickeln, erzählte er. Insbesondere nach der Diktatur der Nazi-Zeit, die er als Kind miterlebt hatte. Seine Farbe ist Schwarz: die Schwärze harter Schatten im gleißenden Sonnenlicht. Andere Farben dienen dazu, das Schwarz angemessen in allen seinen Schattierungen zur Geltung zu bringen:

Erwin Bechtold im Museum Küppersmühle für Moderne Kunst (MKM). Foto: Petra Grünendahl.

Von Weiß- über Erdtöne bis hin zum Blau. Der pastose Auftrag von Mischfarben schafft eine fast plastische Wirkung von Tiefe und Dynamik in den Bildern. Insbesondere die großformatigen Werke entfalten in den hohen Erdgeschossräumen des Museums ihren besonderen Reiz. Sie reflektieren eine Ambivalenz von Ordnung und Chaos, sieht sich der Künstler doch selber als „Störenfried“, jemand, der die Ordnung zerreißt und in Frage stellt. „Der Mensch steht im Mittelpunkt meiner Arbeit“, so Bechtold. Seinen abstrakten Werken haftet etwas Geheimnisvolles, zu Ergründendes an.

 

Erwin Bechtold (m.) mit Kuratorin Eva Müller-Remmert (l.) und Museumsdirektor Prof. Dr. h. c. Walter Smerling (er.) im Museum Küppersmühle für Moderne Kunst (MKM). Foto: Petra Grünendahl.

Zum Pressegespräch zur neuen Sonderausstellung „Bechtold“ hatte das Museum Küppersmühle für Moderne Kunst (MKM) am Duisburger Innenhafen eingeladen. Museumsdirektor Prof. Dr. h. c. Walter Smerling, Kuratorin Eva Müller-Remmert und der Künstler Erwin Bechtold standen nicht nur Rede und Antwort, sondern auch für einem gemeinsamen Rundgang durch die Ausstellung zur Verfügung. Bechtold gehört zu den wichtigsten Vertretern der abstrakten Nachkriegskunst in Deutschland und Spanien, wo er seit über 60 Jahren mit seiner zweiten Frau Christina auf Ibiza lebt.

Erwin Bechtold im Museum Küppersmühle für Moderne Kunst (MKM). Foto: Petra Grünendahl.

Die Ausstellung im MKM hat der Künstler geplant und aktiv mitgestaltet. Finanziell unterstützt wird die Ausstellung von der Sparkasse Duisburg. Die Werkschau des Künstlers ist nach zwanzig Jahren seine erste Ausstellung dieser Dimension in Deutschland. Sie umfasst Werke von 1957 bis 2014. Bechthold, dem man sein Alter in keinster Weise anmerkt, arbeitet immer noch fast täglich in seinem spanischen Atelier. Die Kunst sei seine Energiequelle, so der fast 95-Jährige.

 

 
Der Künstler

Erwin Bechtold im Museum Küppersmühle für Moderne Kunst (MKM). Foto: Petra Grünendahl.

Als einziger Sohn und Urenkel des Gründers einer Großdruckerei war Bechtolds Lebensweg nach der Familientradition vorbestimmt. Er machte 1944 sein Abitur und 1950 seinen Meister als Setzer und Drucker. Schon während der Lehrzeit wurde ihm klar, dass ihm dieser Beruf nicht die kreativen Möglichkeiten gab, die er suchte. Nach einem kurzen Studium an den Kölner Werkschulen bei Friedrich Vordemberge unternahm er eine Reise nach Paris, wo er bei Fernand Léger arbeiten konnte. Von Paris aus plante er eine kurze Reise nach Barcelona. Begeistert von Spanien beschloss er, dort zu bleiben. Bald bekam er engen Kontakt mit der katalanischen Avantgarde. 1956 hatte Bechtold seine erste Einzelausstellung in Spanien. 1954 besuchte er erstmals Ibiza, wo auch ein Jahr später sein Sohn geboren wurde. Er trennte sich 1956 von seiner ersten Frau, ging zeitweise nach Deutschland (Berlin) zurück, bevor er sich 1958 mit seiner zweiten Frau dauerhaft auf Ibiza ansiedelte, wo er seitdem seinen Lebensmittelpunkt hat. Trotzdem bezeichnet sich der Künstler, nach seiner Heimat befragt, sprachlich unverkennbar: als Kölner!

 

Erwin Bechtold im Museum Küppersmühle für Moderne Kunst (MKM). Foto: Petra Grünendahl.

Mit seinen Werken ist der deutsch-spanische Künstler in öffentlichen und privaten Sammlungen in aller Welt vertreten. Zwar verfügt auch die Sammlung Ströher, die im Museum Küppersmühle beheimatet ist, über eine ganze Reihe an Werken von Erwin Bechtold, aber das Gros der Ausstellung sind Leihgaben: von privaten Sammlern, aber auch vom Künstler selbst. Rund 100 Werke aller Größen hängen in den Erdgeschossräumen des Museums am Innenhafen.

Erwin Bechtold im Museum Küppersmühle für Moderne Kunst (MKM). Foto: Petra Grünendahl.

Zur Ausstellung ist im Winand Verlag, Köln, ein umfassender Katalog erschienen mit Beiträgen von Kuratorin Eva Müller-Remmert, von Nicola Carola Heuwinkel und Christoph Zuschlag sowie einem Gespräch mit dem Künstler (geführt von Walter Smerling). Das reich bebilderte, zweisprachige Buch (128 Seiten, deutsch-englisch) ist für 29 Euro an der Museumskasse sowie im lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-86832-566-9) zu bekommen.

 

Impressionen von der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl

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Museum Küppersmühle:
Duisburger haben donnerstags freien Eintritt

Erwin Bechtold (r.), Kuratorin Eva Müller-Remmert (dahinter) und Museumsdirektor Prof. Dr. h. c. Walter Smerling (l.) im Museum Küppersmühle für Moderne Kunst (MKM). Foto: Petra Grünendahl.

Die Ausstellung „Bechtold“ ist bis zum 24. Mai 2020 in den Erdgeschossräumen des Museums zu sehen. Das Museum Küppersmühle findet man im Innenhafen am Philosophenweg 55 (Haupteingang, der Parkplatz befindet sich auf der anderen Straßenseite). Mittwochs ist das Museum von 14 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis sonntags sowie feiertags von 11 bis 18 Uhr. Montags und dienstags ist Ruhetag. Der Eintritt kostet nur für die Wechselausstellungen 6 Euro (ermäßigt 3 Euro), für das gesamte Haus (inkl. Wechselausstellung) 9 Euro (ermäßigt 4,50 Euro). Bei Gruppen ab 10 Personen zahlt man pro Person 4,50 Euro, Kinder und Schüler über sechs Jahren zahlen 2 Euro. Kinder unter sechs Jahren haben freien Eintritt, ebenso donnerstags alle Duisburger (gegen Vorlage des Personalausweises). Das MKM ist Partner der Ruhrkultur.Card und des DB Bonusprogramms. Alle Ausstellungsräume des Museums sind auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich. Offene Führungen durch die Sammlung sowie durch laufende Ausstellungen gibt es jeden Sonntag um 15 Uhr, aber auch nach Vereinbarung. Zur Ausstellung wird es wieder ein reichhaltiges Begleitprogramm geben. Informationen gibt es unter http://www.museum-kueppersmuehle.de). Für manche dieser Veranstaltungen ist eine Anmeldung erforderlich.

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Marketing-Club Duisburg-Niederrhein: Uwe Kluge stellte “Duisburg ist echt“ vor

Duisburger mitnehmen: Das sind Multiplikatoren!
Von Petra Grünendahl

Uwe Kluge, Geschäftsführer von Duisburg Kontor, stellte die Wort-Bild-Marke „Duisburg ist echt“ im Rahmen des Stadtmarketings vor. Foto: Petra Grünendahl.

„Alle Akteure prägen das Image einer Stadt“, erklärte Uwe Kluge, Geschäftsführer von Duisburg Kontor, denen die Stadt das Stadtmarketing übertragen hat. Dazu zähle auch die Stadtgesellschaft, die man unter anderem mit dem Leitbild-Prozess und Bürgerbeteiligung eingebunden habe: „Die Duisburger sind Multiplikatoren nach außen“, stellte Kluge fest. Für die Imagekampagne hatte man aus den Ergebnissen des Leitbild-Prozesses und diverser Studien eine Wort-Bild-Marke generiert, die kurz und knackig die vielen Adjektive auf einen Nenner brachte, mit denen die Bürger ihre Stadt positiv verbanden: „Duisburg ist echt“. Da war Ende November der Startschuss, nachdem der Stadtrat die nötigen Gelder bewilligt hatte. Bereits im Dezember zeigte man mit der Großprojektion an der alten Stadtbibliothek sowie einer Plakatwand an einer Hausfassade Flagge. Ausgestattet mit einem Etat konnte Duisburg Kontor mit der Wort-Bild-Marke „Duisburg ist echt“ durchstarten und auf Personalsuche gehen. „Wir haben für die beiden Stellen als Projektmanager und für PR & Kommunikation über 200 Bewerbungen bekommen“, erzählte Uwe Kluge. Da wären gute Leute dabei, und: „Die wollen nach Duisburg!“ Man sei aktuell in Gesprächen mit den Bewerbern: „Bislang mussten wir die Stadtmarketing-Kampagne mit unserem Bestandspersonal zusätzlich fahren“, so Kluge.

 

Von links: Moderator Mario Mais, Referent Uwe Kluge und Club-Präsident Marco Pfotenhauer. Foto: Petra Grünendahl.

Duisburg-Kontor-Chef Uwe Kluge stellte auf dem Monatstreffen des Marketing-Clubs Duisburg-Niederrhein Duisburgs im Intercity-Hotel neue Wort-Bild-Marke „Duisburg ist echt“ sowie die Strategie des Stadtmarketing vor. „Wir wollen das Image Duisburgs nach innen wie nach außen verbessern“, so Kluge zur Strategie. Aus dem Leitbild-Prozess heraus war die Wort-Bild-Marke entstanden, die wiederum jetzt auch für kommunikative Maßnahmen nach außen genutzt werden kann. Die Stadt nutzt diesen Claim schon auf ihrem Schriftwechsel, auch Duisburger und Duisburger Unternehmen könnten ihn nutzen, um auf sich und ihre Stadt zu aufmerksam zu machen. Insbesondere mit den Schwestergesellschaften, die wie die Duisburg Kontor GmbH Töchter des Konzerns Stadt sind, wolle man Kräfte für die Kommunikation nach außen bündeln.

 

„Wir sind in Gesprächen mit lokalen Unternehmen, wie es der Masterplan Wirtschaft vorsah. Wir versuchen, Akteure in Netzwerken zu verbinden. Dabei hoffen wir natürlich auch, die Wirtschaft für Kooperationen und finanzielle Beteiligung für Aktionen zu gewinnen, von denen wir als Standort insgesamt profitieren.“ Dabei müssen sich bislang genutzte Marken nicht kannibalisieren: Das gut 20 Jahre alte Logo ‚Duisburg am Rhein’ mit dem stilisierten Schiffsbug (oder dem Zusammenfluss von Rhein und Ruhr) wirkt immer noch modern. Und die „Stadt von Wasser und Feuer“, die seit zwei, drei Jahren in der Tourismuswerbung lockt, könne auch gut mit der neuen Wort-Bild-Marke kombiniert werden, so Kluge. Eine Bündelung der Kräfte also: „Wir wollen die Menschen mitnehmen, denn für diese wichtige Aufgabe ist die Anstrengung aller nötig!“ Er rechnet damit, im Spätsommer mit eine Image-Kampagne nach außen, in die Region und überregional, starten zu können.

 

Der Marketing-Club Duisburg-Niederrhein

Marketing-Club Duisburg-Niederrhein. Foto: Petra Grünendahl.

Die regionale Berufsstandesorganisation in Duisburg wurde 2009 gegründet und ist als Mitglied im Deutschen Marketing Verband einer von 66 Clubs deutschlandweit. Der Marketing-Club ist der Weiterbildung seiner Mitglieder ebenso verpflichtet wie der Schaffung einer Kommunikationsplattform. Fast jeden Monat trifft sich der Marketing-Club Duisburg-Niederrhein zu überwiegend fachlich orientierten Besichtigungen oder Fachvorträgen in der ganzen Region. Informationen zu Themen, Veranstaltungen und Kontakten gibt es auf der Homepage des Clubs. Wer im Marketing tätig ist und sich für eine Mitgliedschaft im Marketing-Club interessiert, kann bei den monatlichen Treffen erste Kontakte knüpfen: Netzwerken lässt sich im Anschluss an den fachlichen Teil nämlich ganz hervorragend. Und natürlich lassen sich die fachlichen Fragen mit den jeweiligen Referenten in Einzelgesprächen noch vertiefen.

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Lehmbruck Museum in Duisburg zeigt Lynn Chadwick und Jiří Tichý

„Biester der Zeit” treffen gewebte Fantasien
Von Petra Grünendahl

Zwei „Biester“ von Lynn Chadwick in der Großen Glashalle. Foto: Petra Grünendahl.

Zu Lynn Chadwicks „Biestern der Zeit“ locken die ersten Skulpturen schon die ankommenden Besucher: Die vier Stahl-Skulpturen in der großen Glashalle sind zum Kantpark hin öffentlich ausgestellt. Die Ausstellung beginnt damit quasi mit dem Spätwerk des Künstlers. Im Anbau mit der großen Wechselausstellungshalle und den offenen Dreiecksräumen ist das Gros der Sonderausstellung angesiedelt: Skulpturen und Zeichnungen vom britischen Bildhauer Lynn Chadwick (1914 – 2003), ein paar Werke seiner Zeitgenossen und die großformatigen gewebtem Fantasien des tschechischen Künstlers Jiří Tichý (1924 – 2013). Der Tscheche bildet mit seinen farbigen, ornamentalen Werken einen gewissen Kontrast zu den – wie ich finde – eher „kühlen“ Figuren aus Edelstahl, Bronze sowie Eisen und Zement, die der Engländer geschaffen hat.

 

Im Pressegespräch (v. l.): Dorothee Mosters (Kunststiftung NRW), Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla, Ulrich Schneidewind (Stv. Vorstand der Sparkasse Duisburg) und Kuratorin Jessica Keilholz-Busch. Foto: Petra Grünendahl.

Im Lehmbruck Museum stellten Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla, Kuratorin Jessica Keilholz-Busch, Dorothee Mosters (Kunststiftung NRW) und Ulrich Schneidewind (Stv. Vorstand der Sparkasse Duisburg), letzte als Vertreter von Sponsoren der Schau, die neue Sonderausstellung vor. Die Werke von Lynn Chadwick umfassen in einer Retrospektive alle Schaffensphasen, den Künstlers, dessen Gesamtwerk in dieser Sonderschau erstmals in diesem Umfang in Deutschland gezeigt wird. Die Chadwick-Retrospektive eine Kooperation mit dem Georg Kolbe Museum und dem Haus am See (beide Berlin), die neben dem Werk auch den Künstler darstellt.

Lynn Chadwick (vorne) und Jirí Tichý (hinten) in den Dreiecksräumen im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.

In Ergänzung dazu ist die Werkschau von Jiří Tichý ist eine Präsentation der eigenen Sammlung des Duisburger Skulpturenmuseums, das von Lynn Chadwick lediglich die Figur „Stranger II“ beisteuern konnte, die sich allerdings schon seit den 1960er-Jahren der eigenen Sammlung befindet. Die Ausstellung im Anbau – Sonderausstellungsfläche, Dreiecksräume und Foyer – eröffnet am Samstag, 29. Februar, um 16 Uhr.

 

 
Lynn Chadwick: umfassende Retrospektive

Skulptur „Stranger II“ von Lynn Chadwick im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.

Die Werkschau von Lynn Chadwick zeigt ansonsten Leihgaben – überwiegend aus dem Nachlass des Künstlers (The Estate of Lynn Chadwick). Manche seiner Werke stehen in den großen Museen der Welt, einige – insbesondere großformatige Edelstahl-Skulpturen – auch im öffentlichen Raum, allerdings keine davon in Deutschland. Im Foyer des Anbaus ist in einem Separée ein Film zu Leben und Werk des Künstlers zu sehen, welcher in dessen letzten Lebensjahren entstanden ist. Begleitend zur Ausstellung ist als erste umfassende Publikation zum Gesamtwerk von Lynn Chadwick im deutschsprachigen Raum ein zweisprachiger Katalog (Deutsch, Englisch) im Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln, erschienen. Außer an der Museumskasse ist das reich bebilderte, 164-seitige Werk auch im lokalen Buchhandel für 28 Euro erhältlich (ISBN 978-3-96098-629-4).

 

 
Die Künstler

Lynn Chadwick im Garten von Lypiatt Park, 1966. Foto Maren Werthmann-Heyne.

Lynn Chadwick, geboren 1914 in London, zählt zu den bedeutendsten Bildhauern der britischen Nachkriegsmoderne. Lynn Chadwick war ausgebildeter Architekt und Architekturzeichner, diente im Zweiten Weltkrieg als Pilot in der Royal Navy, bevor es sich schließlich (weil früh sehr erfolgreich) ausschließlich seiner Kunst widmen konnte. Den Landsitz Lypiatt Park (Gloucestershire) kaufte er 1958, später – als der Garten nicht mehr ausreichte – auch das Land drum herum, wo er seine großformatigen Skulpturen platzieren konnte. In seinen Arbeiten verbildlichen sich eine für seine Schaffensjahre oftmals beschriebene charakteristische Mischung aus Zivilisationsmüdigkeit, utopistischer Fortschrittsgläubigkeit und existenzieller Angst, die sich aus der unmittelbar zurückliegenden Kriegserfahrung speiste. 1956 repräsentiert Chadwick zusammen mit dem Maler Ivon Hitchens Großbritannien bei der Biennale von Venedig im britischen Pavillon. Überraschend gewinnt er den internationalen Preis für Skulptur – gegen namhafte Wettbewerber. Im Alter von 88 Jahren stirbt Lynn Chadwick 2003 auf seinem Anwesen Lypiatt Park.

 

Jirí Tichý in den Dreiecksräumen im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.

Jiří Tichý, geboren 1924 im südböhmischen Ort České Velenice, zählt zu den Gründervätern der Neuen Textilkunst der 1960er Jahre, die die Entwicklung dieser Kunstbewegung von Beginn an maßgeblich geprägt haben. Mitte der 1950er Jahre beginnt Tichý als freischaffender Künstler zu arbeiten und realisiert seine Tapisserieentwürfe seit 1959 an einem eigens konstruierten Webstuhl. Ab diesem Zeitpunkt rücken die textilen Arbeiten ins Zentrum seiner künstlerischen Tätigkeit. Darüber hinaus umfasst sein vielseitiges Werk auch experimentelle Serien in Form von Frottagen, Foto- und Textilcollagen, Assemblagen, Objekten und Skulpturen. Anlässlich seines 80. Geburtstages findet im Lehmbruck Museum 2004 eine große Werkschau statt. 2013 verstirbt Tichý in České Budějovice im Alter von 89 Jahren. In seinem mehr als vier Jahrzehnte umspannenden Werk hat er über 200 Tapisserien entworfen und selbst gewebt. Jiří Tichý ist in öffentlichen und privaten Institutionen und Sammlungen in mehreren Ländern Europas, in Japan und Indien, in Kanada und in den Vereinigten Staaten von Amerika vertreten.

 

Impressionen der Ausstellung von Lynn Chadwick und Jiří Tichý. Fotos: Petra Grünendahl

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Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Skulpturen von Lynn Chadwick im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.

Die Arbeiten von Lynn Chadwick und Jiří Tichý sind im Anbau (mit ein paar Appetithäppchen in der Glashalle) bis zum 26. Juli zu sehen. Dienstags bis freitags ist das Lehmbruck Museum ab 12 Uhr geöffnet, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags an Terminen der plastikBAR (erster Donnerstag im Monat ab 17.30 Uhr) bis 20 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro (ermäßigt* 5 Euro), eine Jahreskarte 35 Euro (ermäßigt* 20 Euro). Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Blinden- und Demenzbegleitung haben kostenlos Eintritt. Schulklassen und Kindergärten zahlen pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte (2 Erwachsene plus Kinder bis 14 Jahre) gibt es für 15 Euro. Jeden ersten Freitag im Monat gilt: „Pay what you want“. Ausgenommen davon sind angemeldete Gruppen.

Jirí Tichý in den Dreiecksräumen im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.

Zu seinen Sonderausstallungen bietet das Lehmbruck Museum verschiedene Veranstaltungen als Rahmenprogramm an. Zu den Highlights zählt hier mit Sicherheit die Themenführung mit der Kuratorin Jessica Keilholz-Busch am Freitag, 6. März, um 15 Uhr (Pay what you want, s. o.). Öffentliche Führungen durch das Museum gibt es jeden Sonntag um 11.30 Uhr. Für Informationen steht die Kunstvermittlung des Lehmbruck Museums unter Telefon 0203 / 283-2195 oder eMail kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de zur Verfügung (Zu Preisen und Buchungen für Führungen geht es hier).

(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70%), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen mit Sozialhilfebezug.

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (22), Maren Werthmann-Heyne (1)

 

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Prinzenfrühstück im Rathaus: Duisburgs OB Sören Link übergab Sascha I. die Schlüsselgewalt

Jecken übernahmen die Macht im Ratssaal
Von Petra Grünendahl

Impressionen von Rathaussturm und Prinzenfrühstück. Foto: Petra Grünendahl.

Unter dem traditionellen Beschuss des Rathauses mit der großen Kanone der Ehrengarde der Stadt Duisburg „Blau Weiss“ 1929 e.V. beim gemeinsamen Sturm mit der Garde der Karnevalsgesellschaft „Rote Funken“ 1949 e.V. war die Festung Rathaus schnell gefallen. Mit Stadtprinz Sascha I. und dem Kinderprinzenpaar Luca II. und Maja I. rückten die uniformierten Karnevalisten bis in den Ratssaal vor, ohne auf nennenswerten Widerstand zu stoßen. Unter dem Motto „Smartcity als neuer Dialog, uns´ Karneval bleibt analog“ ließ es Oberbürgermeister Sören „Doc Emmett Brown“ Link die Grenzen zwischen Vergangenheit und Zukunft verschwinden:

Impressionen von Rathaussturm und Prinzenfrühstück. Foto: Petra Grünendahl.

„Zurück in die Zukunft“ zog auch die Bürgermeister-Riege Manfred Osenger, Volker Mosblech und Erkan Kocalar ebenso wie Stadtkämmerer Martin Murrack die Marty-McFly-Karte. Nach dem Einzug der Bürgermeister und der Prinzencrews unternahm der OB mit seiner Büttenrede einen letzten Versuch, das Zepter, oder vielmehr: den Schlüssel zum Rathaus in der Hand zu behalten. Es half ihm nicht: Schließlich musste er sich der Übermacht ergeben, übergab Kapitulationsurkunde und Schlüssel an Sascha I., bevor im Ratssaal beim Prinzenfrühstück mit Verwaltung, Politik und Karnevalisten die jecke Post abging. Für die Sause muss OB Link übrigens nicht die Stadtkasse plündern: Finanziert wird das Ganze über Sponsoren, die dem Veranstalter, dem Hauptausschuss Duisburger Karneval e. V., gut gesonnen sind. Frisch gestärkt zogen die Karnevalisten dann in Richtung Rosenmontagszug ab, um, so Stadtprinz Sascha, sich dem zu widmen, worauf es ankomme: „Duisburg. Karneval. Freundschaft. Helau!“

 

Impressionen vom Prineznfrühstück. Fotos: André C. Sommer und Petra Grünendahl.

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Büttenrede des Oberbürgermeisters:
OB Sören Link begrüßte die Jecken als Doc Emmett Brown

Impressionen von Rathaussturm und Prinzenfrühstück. Foto: Petra Grünendahl.

„Smartcity als neuer Dialog, uns´ Karneval bleibt analog“

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Rat der Stadt Duisburg beschloss Gründung einer Schaulbaugesellschaft

Prüfauftrag für Osttangente Rheinhausen:
Hoffnung auf Verkehrsentlastung

Von Petra Grünendahl

Rathaus am Burgplatz. Foto: Petra Grünendahl.

„Die Verwaltung wird beauftragt, die Realisierungsfähigkeit der Fortführung der Osttangente bis zur A40 zu prüfen“, hatten die Ratsfraktionen von SPD und CDU für die Sitzung des Stadtrats gemeinsam beantragt. Nicht zum ersten Mal stand eine solche Wegführung für den Lkw-Verkehr aus logport I zur Autobahn zur Diskussion: „Das ist alter Wein in neuen Schläuchen“, erklärte Grünen-Fraktionsvorsitzende Claudia Leiße. Bis zu einer mehrheitlichen Annahme des Antrags entbrannte eine längere Diskussion insbesondere darum, die linksrheinischen Natur- und Landschaftsschutzgebiete sowie das Rheinhauser Rheinvorland mit seiner Naherholungsqualität zu sichern und zu erhalten. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Rainer Enzweiler wies darauf hin, dass man sich angesichts des gerade gestarteten Neubaus der A40-Rheinbrücke Fördermittel von Land und Bund für die Realisierung der Maßnahme erhoffe. Die verbesserte Anbindung des Geländes von logport I solle zu einer Entlastung der innerstädtischen Straßen besonders in Rheinhausen führen. Claudia Leiße warnte, dass hierbei wegen des zugehörigen Planfeststellungsverfahrens keine schnelle Lösung der Verkehrsprobleme zu erwarten sei.

 

Ratssitzung. Foto: Petra Grünendahl.

Zur ersten ordentlichen Ratssitzung in diesem Jahr traf sich der Rat der Stadt Duisburg. Die Tagesordnung war mit 40 Tagesordnungspunkten (TOP) im öffentlichen Teil recht übersichtlich. Die meisten TOP waren schnell abgearbeitet, der eine oder andere allerdings erst nach ausgiebigeren Diskussionen. Die Gründung einer Schulbaugesellschaft, die den Neubau von Schulen unter dem Bauherren IMD in Angriff nehmen soll, wurde mehrheitlich beschlossen. Ebenfalls mehrheitlich, wenn auch nach intensiver Diskussion, beschloss der Rat eine Änderung der Sicherheits- und Ordnungsverordnung, die auch städtische Geldbußen für Fehlverhalten festlegt. Eingefügt in die bisherige Verordnung wurden Tatbestände wie zum Beispiel Fehlverhalten bei behördlich angeordneten Evakuierungen, was zuletzt mehrfach zu Verzögerungen bei Bombenentschärfungen geführt hatte. Präzisiert wurden „Störendes Verhalten in der Öffentlichkeit“ oder das „Reinhalten der Verkehrsflächen und Anlagen“. Alle aufgenommenen Tatbestände kann das Ordnungsamt künftig mit Geldbußen belegen. Die Verwaltung wolle damit sicherstellen, so Oberbürgermeister Sören Link, dass der gesellschaftliche Konsens von Verhaltensregeln durchgesetzt werde.

 

Vor der Sitzung des Stadtrates. Foto: Petra Grünendahl.

Abgelehnt wurden der Antrag der Grünen, eine Verpackungssteuer auf Einwegverpackungen (für Speisen und Getränke zum sofortigen Verzehr) zu erheben, sowie der Antrag der Linken, die Geschäftsführerbezüge bei 100-prozentigen Tochtergesellschaften der Stadt zu deckeln. Einstimmig (bei Stimmenthaltungen) beschloss der Rat eine Resolution für den Erhalt der Arbeitsplätze im thyssenkrupp Steel Werk Hüttenheim.

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Deutsche Oper am Rhein: Charles Gounod „Roméo & Juliette“ begeisterte im Theater Duisburg

Und sie konnten zusammen nicht kommen!
Von Petra Grünendahl

Katarzyna Kuncio (Gértrude), Chor. FOTO: Hans Jörg Michel.

Graf Capulet (Bruno Balmelli) gibt am Vorabend der Hochzeit eine Party für seine Tochter Juliette (Sylvia Hamvasi): Juliette soll den ihr unbekannten Pâris (Jorge Espino) heiraten. Gértrude (Katarzyna Kuncio) lobt Pâris’ Vorzüge. Juliette jedoch verliebt sich in Roméo Montaigu (Gustavo de Gennaro), der, von zwei Freunden mit zur Party genommen, mit der Unbekannten zu flirten beginnt.

Gustavo de Gennaro (Roméo), Miriam Albano (Stéphano), Herrenchor. FOTO: Hans Jörg Michel.

Roméo ersticht Tybalt (David Fischer), der wohl Strippenzieher der Hochzeitspläne ist, nachdem dieser Roméos Freund Mercutio (Emmett O’Hanlon) tödlich verwundet hat. Der Herzog von Verona (Chao Deng) jagt Roméo daraufhin aus der Stadt. Das verliebte Paar schwört sich ewige Liebe und sie lassen sich von Bruder Laurent (Thorsten Grümbel) heimlich trauen. Am nächsten Morgen soll Juliette Pâris heiraten: Bruder Laurent gibt ihr eine Trunk, der sie in todesähnlichen Schlaf versetzen soll. Roméo platzt in die Hochzeit, wird aber hinausgeworfen. Juliette „stirbt“ und erwacht in der Familiengruft: Neben sich den sterbenden Roméo, der seinerseits Gift genommen hat, weil er ohne Juliette nicht leben wollte. Zu spät erkennt er, dass Juliette nur in Tiefschlaf versunken war. Juliette begeht daraufhin ebenfalls Selbstmord.

 

FOTO: Hans Jörg Michel
Gustavo de Gennaro (Roméo), Sylvia Hamvasi (Juliette). FOTO: Hans Jörg Michel.

Der französische Komponist Charles Gounod (1818–1893) adaptierte William Shakespeares Tragödie „Romeo und Julia“ als farbenprächtiges Spektakel für die Opernbühne. Die Oper, ein lyrisches Drama, mit einem Libretto von Jules Barbier und Michel Florentin Carré feierte 1867 ihre Uraufführung in Paris. Die Deutsche Oper am Rhein zeigte „Roméo et Juliette“ in einer Inszenierung von Philipp Westerbarkei, der hier in dieser Spielzeit auch Puccinis „La Bohème“ auf die Bühne gebracht hatte.

Gustavo de Gennaro (Roméo), Sylvia Hamvasi (Juliette). FOTO: Hans Jörg Michel.

Westerbarkei hat an der Deutschen Oper am Rhein als Spielleiter angefangen, bevor ihm Opern-Generalintendant Prof. Christoph Meyer, der ihm mehr zutraute, erste Aufträge für eigene Operninszenierungen gab. Mit „Trouble in Paradise“ (in der Plattform „Young Directors“) und der Familienoper „Wo die wilden Kerle wohnen“ machte er – auch überregional – auf sich aufmerksam.

Emmet O’Hanlon (Mercutio), David Fischer (Tybalt), Herrenchor. FOTO: Hans Jörg Michel.

„Westerbarkei entwickelt seine Opern in enger Zusammenarbeit mit den Sängern, die ihrerseits zur Charakterisierung der Personen beitragen“, erzählte Dramaturgin Anne do Paço in der Einführung. Mit einem komplett neuen Cast für die Duisburger Aufführung habe er die Oper noch ein wenig verändert und die Charaktere auf die jeweiligen Sänger abgestimmt: „Wir sehen hier also nicht ganz die Inszenierung, die im Frühjahr in Düsseldorf zu sehen war“, so die Dramaturgin über die Oper, die bereits in der vergangenen Woche ihre Duisburger Premiere gefeiert hatte. Der Operabend in fünf Akten dauert gute drei Stunden (inklusive eine Pause). Gesungen wird in französischer Sprache, deutsche Übertitel erleichtern das Verständnis der Handlung.

 

 
Fantastische Akteure begeisterten

Sylvia Hamvasi (Juliette), David Fischer (Tybalt), Gustavo de Gennaro (Roméo), Herrenchor. FOTO: Hans Jörg Michel.

Ihren Einstand in Duisburg gab die neue Kapellmeisterin der Deutschen Oper am Rhein, Marie Jacquot, unter deren Leitung die Duisburger Philharmoniker souverän den großen Farbenreichtum der Komposition in ihrer ganzen Vielfältigkeit meisterten. Mehr als in anderen Opern hat Westerbarkei nicht nur die Sänger, sondern auch den Chor der Deutschen Oper am Rhein unter der Leitung von Gerhard Michalski aktiver eingebunden: mit Tanzeinlagen von der Choreographin Victoria Wohlleber.

Sylvia Hamvasi (Juliette), Bruno Balmelli (Capulet), David Fischer (Tybalt), Thorsten Grümbel (Frère Laurent), Jorge Espino (Pâris). FOTO: Hans Jörg Michel.

Der Fokus der Inszenierung liegt auf den Verliebten, dem tragischen Liebespaar, welches schlussendlich nicht zusammenkommt. Vier große Duette hat Gounod seinen Helden auf die Stimmbänder geschrieben, die die Handlung voran treiben: Vom ersten Flirt über das Versichern der gegenseitigen Liebe und die Trennung bis hin zum tragischen Schlussduett, welches Roméo (ein lyrischer Tenor) bei seiner vermeintlich verstorbenen Geliebten (lyrischer Koloratursopran) anstimmt und im gemeinsamen Tod endet. Beide – Sylvia Hamvasi und Gustavo de Gennaro – begeisterten mit der Beweglichkeit ihrer Stimmlagen, für die sie immer wieder begeisterten Szenenapplaus einheimsten.

Gustavo de Gennaro (Roméo). FOTO: Hans Jörg Michel.

Eine Seelenlandschaft als wandlungsfähigen Bühnenaufbau ebenso wie die fantasievollen Kostüme entwarf Tatjana Ivschina, die hier nicht zum ersten Mal mit dem Regisseur Philipp Westerbarkei zusammen arbeitete. Ins rechte Licht setzten die Opernszenen das Lichtdesign von Volker Weinhart. Minutenlanger Schlussapplaus mit vereinzelten Bravo-Rufen belohnte hervorragende Akteure für einen sehr gelungen Opernabend.

 

 
Ein kleiner Vorgeschmack aus der Düsseldorfer Aufführung:

 

 
Weitere Termine im Theater Duisburg:
Sa | 8. Februar 2020 | 19:30 Uhr,
Di | 18. Februar 2020 | 19:30 Uhr,
Mi | 29. April 2020 | 19:30 Uhr,
Sa | 9. Mai 2020 | 19:30 Uhr und
Do | 14. Mai 2020 | 19:30 Uhr.

 

 

Gustavo de Gennaro (Roméo), Sylvia Hamvasi (Juliette). FOTO: Hans Jörg Michel.

Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten samstags zwischen 19,00 und 76,00 Euro, sonst 17,00 bis 67,00 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Hans Jörg Michel

 

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Loveparade-Strafprozess: Security-Mitarbeiter der Vereinzelungsanlage West als Zeuge

Druck von außen zu groß für das, was rein ging
Von Petra Grünendahl

Der Loveparade-Strafprozess findet aus Platzgründen im Congress-Center Ost der Messe Düsseldorf statt. Foto: Petra Grünendahl.

„Wir hatten schon früh um 11 Uhr einen großen Andrang an Besuchern, aber der Einlass Richtung Veranstaltungsgelände verzögerte sich um über eine Stunde“, erzählte der Zeuge. Der heute 58-Jährige arbeitete damals nebenberuflich für einen Sicherheitsdienst, der – neben anderen Sicherheitsdiensten – für Zugangssicherung bei der Loveparade in Duisburg beauftragt worden war. Eine Einweisung für seine Tätigkeit habe er damals nur an jenem Samstagmorgen von seinem Chef bekommen. Im Vorfeld habe kein Gespräch mit den rund 20 Mitarbeitern dieses Security-Unternehmens gegeben, die für die Sicherheit an den Vereinzelungsanlagen auf der Karl-Lehr-Straße im Osten und im Westen zuständig waren, erzählte der Zeuge. Ihm hätten auf der Westseite (Richtung Düsseldorfer Straße) als Bereichsleiter fünf Kollegen unterstanden. Sein Einsatzbereich reichte von der Autobahnbrücke (was allgemein als Zugang zum Tunnel bezeichnet wird) bis zu den Gittern an der Einmündung Düsseldorfer Straße, die dort die Besucherströme vor den Vereinzelungsanlagen kanalisierten. „Als der Druck immer größer wurde, konnten wir die Leute nicht mehr zurückhalten. Wir haben dann auf Anweisung der Polizei die Gitter aufgemacht, um Druck darauf abzubauen“, erinnerte sich der der 58-Jährige.

 

Der Loveparade-Strafprozess findet aus Platzgründen im Congress-Center Ost der Messe Düsseldorf statt. Foto: Petra Grünendahl.

Als Zeugen hatte die 6. große Strafkammer des Landgerichts Duisburg den Mitarbeiter einer Security-Firma geladen, der damals auch zur fraglichen Zeit der Katastrophe als Ordner im Eingangsbereich rund um die Vereinzelungsanlage West im Einsatz war. Vor dem Landgericht Duisburg wird gegen drei Angeklagte wegen fahrlässiger Tötung in 21 Fällen und fahrlässiger Körperverletzung verhandelt: Sie waren damals als Mitarbeiter der Lopavent GmbH an den Planungen des Events beteiligt. Der Vorsitzende Richter Mario Plein ließ den Zeugen zunächst erzählen, welche Rolle er im Planungs- und Genehmigungsverfahren spielte, bevor er ihm aus seinen eigenen Aussagen und Kameraaufzeichnungen von seinem Einsatzort Sachverhalte vor hielt.

 

 
Schleusen längst offen, als Gitter geöffnet wurden

Der Vorstizende Richter Mario Plein (mitte) mit zwei beisitzenden Richtern beim Loveparade-Strafprozess im Gerichtssaal im Congress Center Düsseldorf. Foto: Lars Heidrich / Funke Foto Services.

Bei seiner Befragung stützte sich Richter Plein auf eine Aussage, die der Zeuge im August 2010 gemacht hatte. Unter anderem versuchte er, anhand von Videoaufzeichnungen einer Kamera an der Ecke Düsseldorfer Straße / Karl-Lehr-Straße die Ereignisse zwischen 16.15 Uhr und 16.45 Uhr am Unglückstag zu beleuchten. Zäune kanalisierten die von der Düsseldorfer Straße aus einströmenden Zuschauer in Richtung Vereinzelungsanlagen, wo sie kontrolliert [Anmerkung: Taschenkontrollen, mitgeführte Glasflaschen] und einzeln durchgelassen wurden. Als die Zäune gegen 16.35 Uhr für gute fünf Minuten komplett aufgemacht wurden, waren die Schleusen längst offen: Sie standen zwar noch da und mit Ordnern besetzt, aber es fanden keine Kontrollen mehr statt.

Die Rampe vom Güterbahnhofsgelände runter zur Karl-Lehr-Straße. Foto: Petra Grünendahl.

„Es war ohnehin schwierig zu kontrollieren, da der Andrang vor den Schleusen immens war: Was vor den Schleusen ankam, konnte hinten im nötigen Tempo gar nicht abfließen.“ Wegen der Aufgabe der Vereinzelungsanlagen ergoss sich nach Öffnen der Zäune der Besucherstrom ungehindert Richtung Tunnel und dann dort hinein, wo es nicht allzu viel später zur Katastrophe kommen sollte. Die Mitarbeiter seiner Firma hätten sich nach Feierabend (gegen 21 Uhr wurden sie nach Hause geschickt) von Ost und West kommend am Container des Crowd Managers getroffen: „Wir haben da noch geholfen, die Toten abzudecken. Den Anblick vergisst man nicht!“

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (3), Lars Heidrich / Funke Foto Services (1)

 

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Duisburger Bündnis verleiht Preis für Toleranz und Zivilcourage an „Frauen aller Länder laden ein“

Miteinander statt nebeneinander: Über Kennenlernen und Gespräche Fremde zu Nachbarn machen
Von Petra Grünendahl

Schwester Mariotte Hillebrand (Mitte) und zwei ihrer Mitstreiterinnen von der Initiative „Frauen aller Länder laden ein“. Foto: Petra Grünendahl.

„Wir mussten selber erst einmal miteinander in Gespräch kommen“, erzählte Schwester Mariotte Hillebrand. Aus ersten Kontakten und Gesprächen ergab sich dann recht schnell ein Netzwerk von Frauen vielfältigster Herkunft, die ihre unterschiedlichen Lebenserfahrungen miteinander teilen wollten: Frauen aus der Katholischen Frauengemeinschaft, vom Verein Empathie (ein bundesweit engagierter Verein, der sich seit 2013 um gegenseitigen Kulturaustausch bemüht) und vom

Das Bündnis für Toleranz und Zivilcourage verlieh seinen Preis in diesem Jahr an die Initiative „Frauen aller Länder laden ein“: Laudator Dr. Joachim Stamp (mit dem Preis) und rechts daneben (v. l.) Bündnis-Geschäftsführerin Angelika Wagner, Oberbürgermeister Sören Link und Rabbiner David Geballe. Foto: Petra Grünendahl.

Forum für Interkulturelle Information und Bildung (FIB) sowie weitere in der Sache engagierte Frauen schlossen sich in Hamborn zur Initiative „Frauen aller Länder laden ein“ zusammen. Die Frauen sind christlichen oder muslimischen Glaubens: „Wir hätte aber auch gerne andere Glaubensrichtungen dabei“, betonte eine muslimische Netzwerkerin. Zusammen leben sei das Ziel, nicht nur nebeneinander her, sind sich die Frauen der Initiative einig. Laudator Dr. Joachim Stamp, Integrationsminister des Landes NRW, würdigte das Engagement der Frauen, über Grenzen von Herkunft, Religion und Kultur hinweg – aller Widerstände zum Trotz! – ins Gespräch zu kommen, von einander zu lernen, um einander zu verstehen und Vorurteile abzubauen: „Es gibt viel mehr, was uns verbindet als was uns trennt.“

 

Joachim Stamp und Angelika Wagner überreichen den Preis an die Initiative „Frauen aller Länder laden ein“. Foto: Petra Grünendahl.

Alljährlich wird der Preis für Toleranz und Zivilcourage an Personen oder Gruppen verliehen, die sich mit Toleranz und Zivilcourage für die Vielfalt und das Zusammenleben in unserer Stadt einsetzen. Bewusst gewählt sind Ort und Datum der Preisverleihung: Bereits zum 19. Mal fand sie im Gemeindesaal der Jüdischen Gemeinde Duisburg Mülheim Oberhausen im Innenhafen statt – am Gedenktag* der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz 1945. „140 Nationen leben in unserer Stadt“, unterstrich Oberbürgermeister Sören Link in seinem Grußwort.

Der Preis für Toleranz und Zivilcourage 2020. Foto: Petra Grünendahl.

„Das Große passiert im kleinen Miteinander“, lobte er das Engagement des Netzwerks, und: „Wir müssen die Vielfalt vor der Einfalt bewahren!“ Viele Bewerbungen habe es auf die Ausschreibung gegeben: „Das zeigt, wie viele Menschen sich in unserer Stadt engagieren und sich gemeinsam füreinander und für ein friedliches Zusammenleben einsetzen.“ Die Preisträgerinnen würden dieses Engagement in besonderer Weise umsetzen, um Brücken zu bauen: „Sie sind Multiplikatoren und Vorbilder, die die Demokratie und die offene Gesellschaft stärken“, so Joachim Stamp in seiner Laudatio.

 

 
Die offene „Hand“ für Toleranz und Zivilcourage