Deutsche Oper am Rhein: Charles Gounod „Roméo & Juliette“ begeisterte im Theater Duisburg

Und sie konnten zusammen nicht kommen!
Von Petra Grünendahl

Katarzyna Kuncio (Gértrude), Chor. FOTO: Hans Jörg Michel.

Graf Capulet (Bruno Balmelli) gibt am Vorabend der Hochzeit eine Party für seine Tochter Juliette (Sylvia Hamvasi): Juliette soll den ihr unbekannten Pâris (Jorge Espino) heiraten. Gértrude (Katarzyna Kuncio) lobt Pâris’ Vorzüge. Juliette jedoch verliebt sich in Roméo Montaigu (Gustavo de Gennaro), der, von zwei Freunden mit zur Party genommen, mit der Unbekannten zu flirten beginnt.

Gustavo de Gennaro (Roméo), Miriam Albano (Stéphano), Herrenchor. FOTO: Hans Jörg Michel.

Roméo ersticht Tybalt (David Fischer), der wohl Strippenzieher der Hochzeitspläne ist, nachdem dieser Roméos Freund Mercutio (Emmett O’Hanlon) tödlich verwundet hat. Der Herzog von Verona (Chao Deng) jagt Roméo daraufhin aus der Stadt. Das verliebte Paar schwört sich ewige Liebe und sie lassen sich von Bruder Laurent (Thorsten Grümbel) heimlich trauen. Am nächsten Morgen soll Juliette Pâris heiraten: Bruder Laurent gibt ihr eine Trunk, der sie in todesähnlichen Schlaf versetzen soll. Roméo platzt in die Hochzeit, wird aber hinausgeworfen. Juliette „stirbt“ und erwacht in der Familiengruft: Neben sich den sterbenden Roméo, der seinerseits Gift genommen hat, weil er ohne Juliette nicht leben wollte. Zu spät erkennt er, dass Juliette nur in Tiefschlaf versunken war. Juliette begeht daraufhin ebenfalls Selbstmord.

 

FOTO: Hans Jörg Michel
Gustavo de Gennaro (Roméo), Sylvia Hamvasi (Juliette). FOTO: Hans Jörg Michel.

Der französische Komponist Charles Gounod (1818–1893) adaptierte William Shakespeares Tragödie „Romeo und Julia“ als farbenprächtiges Spektakel für die Opernbühne. Die Oper, ein lyrisches Drama, mit einem Libretto von Jules Barbier und Michel Florentin Carré feierte 1867 ihre Uraufführung in Paris. Die Deutsche Oper am Rhein zeigte „Roméo et Juliette“ in einer Inszenierung von Philipp Westerbarkei, der hier in dieser Spielzeit auch Puccinis „La Bohème“ auf die Bühne gebracht hatte.

Gustavo de Gennaro (Roméo), Sylvia Hamvasi (Juliette). FOTO: Hans Jörg Michel.

Westerbarkei hat an der Deutschen Oper am Rhein als Spielleiter angefangen, bevor ihm Opern-Generalintendant Prof. Christoph Meyer, der ihm mehr zutraute, erste Aufträge für eigene Operninszenierungen gab. Mit „Trouble in Paradise“ (in der Plattform „Young Directors“) und der Familienoper „Wo die wilden Kerle wohnen“ machte er – auch überregional – auf sich aufmerksam.

Emmet O’Hanlon (Mercutio), David Fischer (Tybalt), Herrenchor. FOTO: Hans Jörg Michel.

„Westerbarkei entwickelt seine Opern in enger Zusammenarbeit mit den Sängern, die ihrerseits zur Charakterisierung der Personen beitragen“, erzählte Dramaturgin Anne do Paço in der Einführung. Mit einem komplett neuen Cast für die Duisburger Aufführung habe er die Oper noch ein wenig verändert und die Charaktere auf die jeweiligen Sänger abgestimmt: „Wir sehen hier also nicht ganz die Inszenierung, die im Frühjahr in Düsseldorf zu sehen war“, so die Dramaturgin über die Oper, die bereits in der vergangenen Woche ihre Duisburger Premiere gefeiert hatte. Der Operabend in fünf Akten dauert gute drei Stunden (inklusive eine Pause). Gesungen wird in französischer Sprache, deutsche Übertitel erleichtern das Verständnis der Handlung.

 

 
Fantastische Akteure begeisterten

Sylvia Hamvasi (Juliette), David Fischer (Tybalt), Gustavo de Gennaro (Roméo), Herrenchor. FOTO: Hans Jörg Michel.

Ihren Einstand in Duisburg gab die neue Kapellmeisterin der Deutschen Oper am Rhein, Marie Jacquot, unter deren Leitung die Duisburger Philharmoniker souverän den großen Farbenreichtum der Komposition in ihrer ganzen Vielfältigkeit meisterten. Mehr als in anderen Opern hat Westerbarkei nicht nur die Sänger, sondern auch den Chor der Deutschen Oper am Rhein unter der Leitung von Gerhard Michalski aktiver eingebunden: mit Tanzeinlagen von der Choreographin Victoria Wohlleber.

Sylvia Hamvasi (Juliette), Bruno Balmelli (Capulet), David Fischer (Tybalt), Thorsten Grümbel (Frère Laurent), Jorge Espino (Pâris). FOTO: Hans Jörg Michel.

Der Fokus der Inszenierung liegt auf den Verliebten, dem tragischen Liebespaar, welches schlussendlich nicht zusammenkommt. Vier große Duette hat Gounod seinen Helden auf die Stimmbänder geschrieben, die die Handlung voran treiben: Vom ersten Flirt über das Versichern der gegenseitigen Liebe und die Trennung bis hin zum tragischen Schlussduett, welches Roméo (ein lyrischer Tenor) bei seiner vermeintlich verstorbenen Geliebten (lyrischer Koloratursopran) anstimmt und im gemeinsamen Tod endet. Beide – Sylvia Hamvasi und Gustavo de Gennaro – begeisterten mit der Beweglichkeit ihrer Stimmlagen, für die sie immer wieder begeisterten Szenenapplaus einheimsten.

Gustavo de Gennaro (Roméo). FOTO: Hans Jörg Michel.

Eine Seelenlandschaft als wandlungsfähigen Bühnenaufbau ebenso wie die fantasievollen Kostüme entwarf Tatjana Ivschina, die hier nicht zum ersten Mal mit dem Regisseur Philipp Westerbarkei zusammen arbeitete. Ins rechte Licht setzten die Opernszenen das Lichtdesign von Volker Weinhart. Minutenlanger Schlussapplaus mit vereinzelten Bravo-Rufen belohnte hervorragende Akteure für einen sehr gelungen Opernabend.

 

 
Ein kleiner Vorgeschmack aus der Düsseldorfer Aufführung:

 

 
Weitere Termine im Theater Duisburg:
Sa | 8. Februar 2020 | 19:30 Uhr,
Di | 18. Februar 2020 | 19:30 Uhr,
Mi | 29. April 2020 | 19:30 Uhr,
Sa | 9. Mai 2020 | 19:30 Uhr und
Do | 14. Mai 2020 | 19:30 Uhr.

 

 

Gustavo de Gennaro (Roméo), Sylvia Hamvasi (Juliette). FOTO: Hans Jörg Michel.

Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten samstags zwischen 19,00 und 76,00 Euro, sonst 17,00 bis 67,00 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Hans Jörg Michel

 

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Loveparade-Strafprozess: Security-Mitarbeiter der Vereinzelungsanlage West als Zeuge

Druck von außen zu groß für das, was rein ging
Von Petra Grünendahl

Der Loveparade-Strafprozess findet aus Platzgründen im Congress-Center Ost der Messe Düsseldorf statt. Foto: Petra Grünendahl.

„Wir hatten schon früh um 11 Uhr einen großen Andrang an Besuchern, aber der Einlass Richtung Veranstaltungsgelände verzögerte sich um über eine Stunde“, erzählte der Zeuge. Der heute 58-Jährige arbeitete damals nebenberuflich für einen Sicherheitsdienst, der – neben anderen Sicherheitsdiensten – für Zugangssicherung bei der Loveparade in Duisburg beauftragt worden war. Eine Einweisung für seine Tätigkeit habe er damals nur an jenem Samstagmorgen von seinem Chef bekommen. Im Vorfeld habe kein Gespräch mit den rund 20 Mitarbeitern dieses Security-Unternehmens gegeben, die für die Sicherheit an den Vereinzelungsanlagen auf der Karl-Lehr-Straße im Osten und im Westen zuständig waren, erzählte der Zeuge. Ihm hätten auf der Westseite (Richtung Düsseldorfer Straße) als Bereichsleiter fünf Kollegen unterstanden. Sein Einsatzbereich reichte von der Autobahnbrücke (was allgemein als Zugang zum Tunnel bezeichnet wird) bis zu den Gittern an der Einmündung Düsseldorfer Straße, die dort die Besucherströme vor den Vereinzelungsanlagen kanalisierten. „Als der Druck immer größer wurde, konnten wir die Leute nicht mehr zurückhalten. Wir haben dann auf Anweisung der Polizei die Gitter aufgemacht, um Druck darauf abzubauen“, erinnerte sich der der 58-Jährige.

 

Der Loveparade-Strafprozess findet aus Platzgründen im Congress-Center Ost der Messe Düsseldorf statt. Foto: Petra Grünendahl.

Als Zeugen hatte die 6. große Strafkammer des Landgerichts Duisburg den Mitarbeiter einer Security-Firma geladen, der damals auch zur fraglichen Zeit der Katastrophe als Ordner im Eingangsbereich rund um die Vereinzelungsanlage West im Einsatz war. Vor dem Landgericht Duisburg wird gegen drei Angeklagte wegen fahrlässiger Tötung in 21 Fällen und fahrlässiger Körperverletzung verhandelt: Sie waren damals als Mitarbeiter der Lopavent GmbH an den Planungen des Events beteiligt. Der Vorsitzende Richter Mario Plein ließ den Zeugen zunächst erzählen, welche Rolle er im Planungs- und Genehmigungsverfahren spielte, bevor er ihm aus seinen eigenen Aussagen und Kameraaufzeichnungen von seinem Einsatzort Sachverhalte vor hielt.

 

 
Schleusen längst offen, als Gitter geöffnet wurden

Der Vorstizende Richter Mario Plein (mitte) mit zwei beisitzenden Richtern beim Loveparade-Strafprozess im Gerichtssaal im Congress Center Düsseldorf. Foto: Lars Heidrich / Funke Foto Services.

Bei seiner Befragung stützte sich Richter Plein auf eine Aussage, die der Zeuge im August 2010 gemacht hatte. Unter anderem versuchte er, anhand von Videoaufzeichnungen einer Kamera an der Ecke Düsseldorfer Straße / Karl-Lehr-Straße die Ereignisse zwischen 16.15 Uhr und 16.45 Uhr am Unglückstag zu beleuchten. Zäune kanalisierten die von der Düsseldorfer Straße aus einströmenden Zuschauer in Richtung Vereinzelungsanlagen, wo sie kontrolliert [Anmerkung: Taschenkontrollen, mitgeführte Glasflaschen] und einzeln durchgelassen wurden. Als die Zäune gegen 16.35 Uhr für gute fünf Minuten komplett aufgemacht wurden, waren die Schleusen längst offen: Sie standen zwar noch da und mit Ordnern besetzt, aber es fanden keine Kontrollen mehr statt.

Die Rampe vom Güterbahnhofsgelände runter zur Karl-Lehr-Straße. Foto: Petra Grünendahl.

„Es war ohnehin schwierig zu kontrollieren, da der Andrang vor den Schleusen immens war: Was vor den Schleusen ankam, konnte hinten im nötigen Tempo gar nicht abfließen.“ Wegen der Aufgabe der Vereinzelungsanlagen ergoss sich nach Öffnen der Zäune der Besucherstrom ungehindert Richtung Tunnel und dann dort hinein, wo es nicht allzu viel später zur Katastrophe kommen sollte. Die Mitarbeiter seiner Firma hätten sich nach Feierabend (gegen 21 Uhr wurden sie nach Hause geschickt) von Ost und West kommend am Container des Crowd Managers getroffen: „Wir haben da noch geholfen, die Toten abzudecken. Den Anblick vergisst man nicht!“

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (3), Lars Heidrich / Funke Foto Services (1)

 

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Duisburger Bündnis verleiht Preis für Toleranz und Zivilcourage an „Frauen aller Länder laden ein“

Miteinander statt nebeneinander: Über Kennenlernen und Gespräche Fremde zu Nachbarn machen
Von Petra Grünendahl

Schwester Mariotte Hillebrand (Mitte) und zwei ihrer Mitstreiterinnen von der Initiative „Frauen aller Länder laden ein“. Foto: Petra Grünendahl.

„Wir mussten selber erst einmal miteinander in Gespräch kommen“, erzählte Schwester Mariotte Hillebrand. Aus ersten Kontakten und Gesprächen ergab sich dann recht schnell ein Netzwerk von Frauen vielfältigster Herkunft, die ihre unterschiedlichen Lebenserfahrungen miteinander teilen wollten: Frauen aus der Katholischen Frauengemeinschaft, vom Verein Empathie (ein bundesweit engagierter Verein, der sich seit 2013 um gegenseitigen Kulturaustausch bemüht) und vom

Das Bündnis für Toleranz und Zivilcourage verlieh seinen Preis in diesem Jahr an die Initiative „Frauen aller Länder laden ein“: Laudator Dr. Joachim Stamp (mit dem Preis) und rechts daneben (v. l.) Bündnis-Geschäftsführerin Angelika Wagner, Oberbürgermeister Sören Link und Rabbiner David Geballe. Foto: Petra Grünendahl.

Forum für Interkulturelle Information und Bildung (FIB) sowie weitere in der Sache engagierte Frauen schlossen sich in Hamborn zur Initiative „Frauen aller Länder laden ein“ zusammen. Die Frauen sind christlichen oder muslimischen Glaubens: „Wir hätte aber auch gerne andere Glaubensrichtungen dabei“, betonte eine muslimische Netzwerkerin. Zusammen leben sei das Ziel, nicht nur nebeneinander her, sind sich die Frauen der Initiative einig. Laudator Dr. Joachim Stamp, Integrationsminister des Landes NRW, würdigte das Engagement der Frauen, über Grenzen von Herkunft, Religion und Kultur hinweg – aller Widerstände zum Trotz! – ins Gespräch zu kommen, von einander zu lernen, um einander zu verstehen und Vorurteile abzubauen: „Es gibt viel mehr, was uns verbindet als was uns trennt.“

 

Joachim Stamp und Angelika Wagner überreichen den Preis an die Initiative „Frauen aller Länder laden ein“. Foto: Petra Grünendahl.

Alljährlich wird der Preis für Toleranz und Zivilcourage an Personen oder Gruppen verliehen, die sich mit Toleranz und Zivilcourage für die Vielfalt und das Zusammenleben in unserer Stadt einsetzen. Bewusst gewählt sind Ort und Datum der Preisverleihung: Bereits zum 19. Mal fand sie im Gemeindesaal der Jüdischen Gemeinde Duisburg Mülheim Oberhausen im Innenhafen statt – am Gedenktag* der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz 1945. „140 Nationen leben in unserer Stadt“, unterstrich Oberbürgermeister Sören Link in seinem Grußwort.

Der Preis für Toleranz und Zivilcourage 2020. Foto: Petra Grünendahl.

„Das Große passiert im kleinen Miteinander“, lobte er das Engagement des Netzwerks, und: „Wir müssen die Vielfalt vor der Einfalt bewahren!“ Viele Bewerbungen habe es auf die Ausschreibung gegeben: „Das zeigt, wie viele Menschen sich in unserer Stadt engagieren und sich gemeinsam füreinander und für ein friedliches Zusammenleben einsetzen.“ Die Preisträgerinnen würden dieses Engagement in besonderer Weise umsetzen, um Brücken zu bauen: „Sie sind Multiplikatoren und Vorbilder, die die Demokratie und die offene Gesellschaft stärken“, so Joachim Stamp in seiner Laudatio.

 

 
Die offene „Hand“ für Toleranz und Zivilcourage

Preisverleihung des Bündnisses für Toleranz und Zivilcourage im Jüdischen Gemeindesaal: Musikalisch begleitet von den Gelsenkirchener Swingfonikern. Foto: Petra Grünendahl.

Die Frauen der Initiative „Frauen aller Länder laden ein“ erhielten ihren Preis in Form einer offenen Hand aus der Hand von Angelika Wagner, Geschäftsführerin des Bündnisses, die hier auch den erkrankten Bündnissprecher Superintendent Armin Schneider vertrat. Musikalisch begleitet haben die Veranstaltung die Gelsenkirchener Swingfoniker unter der Leitung von Lutz Peller: Auch das ist bereits seit Jahren Tradition. Im Anschluss an die Preisverleihung gab es für die geladenen Gäste aus Politik, Verwaltung und Stadtgesellschaft noch Gelegenheit zu Gesprächen bei einem kleinen Imbiss.

*) Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau (im heutigen Polen) durch die Rote Armee am 27. Januar 1945

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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KG Sonniger Süden Blau-Rot 1953 e. V.: Prunksitzung begeisterte in rappelvollem Saal

Hervorragende Jugendarbeit und Nachwuchsförderung zahlt sich aus
Von Petra Grünendahl

Die Mini-Tanzgarde mit Nesthäkchen Luisa (3). Foto: Petra Grünendahl.

Schon als gleich zu Beginn die Mini-Tanzgarde in den närrisch geschmückten Saal der Pausenhalle einmarschierte, brach das Eis des jecken Publikums: Die überwiegend sechs bis 10 Jahre alten Mädchen lieferten bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt eine tolle Show ab. Nesthäkchen Luisa (3) stach zwar mit manchmal etwas eigenen Choreografien hervor, aber auch sie eroberte das Publikum im Sturm. Die Große Tanzgarde der KG Sonniger Süden Blau-Rot, die hier im zweiten Jahr tanzte, zeigte mit einem altersgemäß anspruchsvolleren Programm ihre Klasse. Die Mädchen ab 14 Jahren begeisterten das Publikum nicht minder: Hier tanzte die Zukunft des Duisburger Karnevals und die jungen Tänzerinnen machten schon mächtig Eindruck! „Unser ganzer Stolz!“, bemerkte dann auch Präsident Oliver Wolters treffend über den Nachwuchs seiner Gesellschaft.

 

Die Große Tanzgarde der KG Sonniger Süden Blau-Rot 1953. Foto: Petra Grünendahl.

Ihren klassischen Saalkarneval feierte die Karnevalsgesellschaft Sonniger Süden Blau-Rot 1953 an der Gesamtschule Mitte an der Falkstraße vor ausverkauftem Haus. Traditionell liegt der Fokus der Blau-Roten auf Eigengewächsen und Duisburger Talenten – was nicht schwer fällt! –, die man nur sehr sparsam mit auswärtigen Gästen ergänzte. Da Karnevalstalente nicht nur in eigenen Reihen, sondern auch in anderen Gesellschaften schlummern, hatten die Organisatoren das Tanzpaar Annika (12) und Marvin (13) sowie – singend und tanzend – Alina (13) von den Marxloher Jecken, Kinderprinzencrew des vergangenen Jahres, sowie das Tanzmariechen Emma (14) von der KG Königreich Duissern, die vor vier Jahren als Kinderprinzessin regierte, auf die Bühne geholt. Nachdem die geplante Showtanztruppe Temptation wegen Erkrankung mehrerer Tänzerinnen ausfiel, war kurzfristig die Duisburger Showtanztruppe Movie Stars eingesprungen, die mit Auftritten einer „großen“ und einer „kleinen“ Formation die Besucher von den Stühlen rissen. Die Truppe bewies, dass sie im vergangenen Jahr zu Recht NRW-, Deutscher und Europameister im Showtanz geworden war.

 

 
Willi Garohn wird Ehrenpräsident

Machten Willi Garohn (2. v. l.) zum Ehrenpräsidenten: Präsident Oliver Wolters, Geschäftsführer Tim Jakob, Schatzmeister Manfred Postelt und Vizepräsidentin Jacqueline Häuser. Foto: Petra Grünendahl.

Tränen hatte er in den Augen, der Willi Garohn: Seit 49 Jahren ist er Mitglied der KG Sonniger Süden Blau-Rot 1953 e. V., 19 Jahre davon führte er die Gesellschaft als Präsident. Im April letzten Jahres hatte er den Stab an den bisherigen Geschäftsführer Oliver Wolters und die nächste Generation Karnevalisten im Vorstand weitergereicht, der ihn nun zum Ehrenpräsidenten ernannte. Seine Präsidentenkette überreichte Wolters als neue Ehrenpräsidentenkette an Garohn zurück – und kriegte selber feuchte Augen, als ihm sein (verjüngter) Vorstand eine neue Präsidentenkette überreichte: Das war auch für das Publikum ein bewegender Moment. Konsequent hat die Gesellschaft in den letzten Jahren auf karnevalistischen Nachwuchs gesetzt: Mit zwei Jugend-Tanzgarden, einem Tanzpaar (welches wegen seines verletzten Mariechens in dieser Saison pausiert) – und mit einer Verjüngung des Vorstandes, was einen geordneten Übergang auf eine neue Generation garantierte: „Ihr habt als Verein vieles richtig gemacht“, lobte Bodo Malsch vom Landesverband Rechter Niederrhein e.V. (im Bund Deutscher Karnevalisten), der hier wieder einige verdiente Mitglieder auszeichnen durfte. Mittlerweile habe sich die KG zur zum achtgrößten Verein im HKD (Hauptausschuss Duisburger Karneval) gemausert: Ein Erfolg, der noch vor ein paar Jahren nicht abzusehen war!

Das Kinderprinzenpaar Luca II. und Maja I. mit Paginnen Celina und Jana. Foto: Petra Grünendahl.

Für ein bisschen „kölsche“ Stimmung im Duisburger Karneval sorgten die Dröpkes und „Die 3 Colonias“, die in diesem Jahr 44 Jahre Bühnenerfahrung mit Stimmungsmusik und Schunkelliedern feierten. Die Dröpkes aus Mönchengladbach, eine bekannte und beliebte Größe im Karneval unserer Stadt, begeisterten mit einer breiten Palette von Karnevals- und Stimmungsliedern bis hin zur Rockmusik. Heimspiel hingegen hatten der Prinz der Stadt Duisburg, Sascha I., mit seiner Crew sowie das Kinderprinzenpaar Luca II. und Maja I. mit ihrem Paginnen Celina und Jana und natürlich die Ruhrpott Guggis, die allesamt im Saal begeistert gefeiert wurden. Ein weiteres Highlight war zum Finale die traditionelle Show des Elferrats: Unter dem Thema „Ab in den Süden“ lockte der Elferrat mit Show, Tanz und Spässkes das Publikum auch zu vorgerückter Stunde aus der Reserve und von den Sitzen: Reichlich Applaus gab es bei der szenischen Vorführung, die immerhin fast eine Dreiviertelstunde die Besucher vergnügte, bevor im Anschluss an das Programm die Band „Concorde“ bis in den frühen Morgen zum Tanz aufspielte.

 

In Wanheimerort gegründet

Stadtprinz Sascha I. mit seiner Crew. Foto: Petra Grünendahl.

In der Gaststätte „Fuchsecke“ wurde die KG Sonniger Süden Blau-Rot im Jahr 1953 gegründet: am 21. Februar, wie die Chronik der Karnevalisten verrät. Viele Jahre feierte man seine Sitzungen in den großen Sälen von Gaststätten. Nachdem solche Örtlichkeiten nicht mehr zur Verfügung standen, zog die KG Sonniger Süden mit ihrem klassischen Saalkarneval 1997 in die Pausenhalle der Gesamtschule Duisburg-Mitte, wohin man seitdem die feierfreudigen Jecken zu ziehen weiß.

Ab in den Süden: Elferrats-Show begeisterte das Publikum. Foto: Petra Grünendahl.

Die KG Sonniger Süden Blau-Rot 1953 e. V. feiert weiter mit der Damensitzung am Samstag, 8. Februar, um 19 Uhr (Einlass 18 Uhr) sowie ihrer 3. Großen Kindersitzung am Sonntag, 9. Februar, um 13 Uhr (Einlass 12.00 Uhr). Beide finden ebenfalls in der Pausenhalle der Gesamtschule Mitte statt. Karten für die Damensitzung gibt es auch, für die Kindersitzung ausschließlich im Vorverkauf (siehe https://www.kg-sonniger-sueden.de/kontakt-bestellformular/).
www.kg-sonniger-sueden.de

Impressionen der Prunksitzung der KG Sonniger Süden Blau-Rot 1953. Fotos: Petra Grünendahl

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© 2020 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Lehmbruck Museum in Duisburg stellte Jahresprogramm 2020 vor

Spannende Ausstellungsvielfalt und neuer Lehmbruck-Preisträger
Von Petra Grünendahl

Stellten das Jahresprogramm vor (v. l.): Pressesprecher Andreas Benedict, Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla und Kulturdezernent Thomas Krützberg. Foto: Petra Grünendahl.

Über Rekordbesucherzahlen 2019 freute sich Thomas Krützberg bei seinem letzten Jahresgespräch als Kulturdezernent: „Das verdanken wir der engagierten Arbeit von Söke Dinkla und ihrem Team!“ Er freue sich außerdem, so Krützberg, dass der „Wilhelm-Lehmbruck-Preis“ mit einer begleitenden Ausstellung dank des Engagements des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) für die Zukunft gesichert sei: Der 1966 erstmals vergebene Preis wird ab diesem Jahr regelmäßig alle fünf Jahre an Künstler verliehen, die einen herausragenden Beitrag zur Entwicklung der Skulptur geleistet haben. An Sonderausstellungen sind in Vorbereitung „Biester der Zeit“ mit rund 70 Plastiken und anderen Werken in der ersten Retrospektive des englischen Bildhauers Lynn Chadwick (1914 – 2003) in Deutschland sowie eine Sammlungspräsentation mit Werken von Jiří Tichý (1933 – 2016):

Kulturdezernten Thomas Krützberg und Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla (Mitte) mit dem Team des Lehmbruck Museums. Foto: Petra Grünendahl.

Beide starten am 29. Februar. Eine Deutschlandpremiere feiert die deutsche Installations- und Performancekünstlerin Nevin Aladağ (*1972 Van, Türkei) im Rahmen von Sculpture 21st ab 7. Mai im Lehmbruck Museum: Ihre Klang-Skulpturen werden auch bespielbar sein. Stephan Balkenhol (*1957) ist ein Bildhauer im klassischen Sinne: Mit Klöpfel und Beitel, Säge und Messer arbeitet er seine Skulpturen und Reliefs aus zum Teil riesigen Holzstämmen heraus. Zur umfassenden Werkschau zum Thema Mensch arbeitet der Künstler aktuell noch an neuen Plastiken, die ab dem 29. August zu sehen sein werden.

 

Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla und Kulturdezernent Thomas Krützberg. Foto: Petra Grünendahl.

Im Pressegespräch zogen Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla und Kulturdezernent Thomas Krützberg eine Bilanz des vergangenen Jahres und stellten das Ausstellungsprogramm für 2020 vor. Aktuell laufen noch Ausstellungen mit Carsten Nicolais “rota” und Eija-Liisa Ahtila (Skulpturen in Zeiten des Posthumanismus) – beide bis Sonntag, 26. Januar –, die „Künstler der Brücke“ (Kabinettausstellung zum Expressionismus) und „Wilhelm Lehmbruck. Ein Leben“ (Studioausstellung) – beide bis zum 1. Juni.

Das Lehmbruck Museum mit neuem Corporate Design: der Kopf der Knieenden. Foto: Petra Grünendahl.

Neben dem neuen „Corporate Design“ und dem Programmheft für das erste Halbjahr präsentierte das Museum auch seine neue Webseite unter www.lehmbruckmuseum.de, die jetzt barrierefrei (für Sehbehinderte) und auf Wunsch in „einfacher Sprache“ (für Menschen mit eingeschränktem Wortschatz) gestaltet ist. Fortführen wird das Lehmbruck Museum erfolgreiche Formate wie zum Beispiel das City Atelier mit wechselnden Künstlern (sonntags von 14 bis 17 Uhr im Souterrain), die Vortragsreihe „Lehmbruck Lectures“ (über Künstler der Moderne, Eintritt 5 Euro) und die plastikBAR (künftig mit „Kunst & Stulle“ und Live-Musik, Eintritt 12 Euro). Weitere Formate findet man unter Veranstaltungen.

 

Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Carsten Nicolais „rota” in der Glashalle, Julian Opies „Walking People“ im Kantpark. Foto: Petra Grünendahl.

Dienstags bis freitags ist das Lehmbruck Museum ab 12 Uhr geöffnet, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags an Terminen der plastikBAR (erster Donnerstag im Monat ab 17.30 Uhr) bis 20 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro (ermäßigt* 5 Euro), eine Jahreskarte 35 Euro (ermäßigt* 20 Euro). Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Blinden- und Demenzbegleitung haben kostenlos Eintritt. Schulklassen und Kindergärten zahlen pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte (2 Erwachsene plus Kinder bis 14 Jahre) gibt es für 15 Euro. Jeden ersten Freitag im Monat gilt: „Pay what you want“. Ausgenommen davon sind angemeldete Gruppen.

Wilhelm Lehmbruck: „Der Gestürzte“ (vorne) und „Der Jüngling“ (hinten). Foto: Petra Grünendahl.

Zu seinen Sonderausstallungen bietet das Lehmbruck Museum verschiedene Veranstaltungen als Rahmenprogramm an. Öffentliche Führungen durch das Museum gibt es jeden Sonntag um 11.30 Uhr. Für Informationen steht die Kunstvermittlung des Lehmbruck Museums unter Telefon 0203 / 283-2195 oder eMail kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de zur Verfügung (Zu Preisen und Buchungen für Führungen geht es hier).

(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70%), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen mit Sozialhilfebezug.

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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DGB Duisburg-Niederrhein: InCoach-Beratungsbüro für Geflüchtete ein Erfolg

Zugewanderte in Arbeit und Gesellschaft integrieren
Von Petra Grünendahl

Reiner Siebert, Leiter des IvAF-Beratungsbüros im DGB-Haus am Stapeltor. Foto: Petra Grünendahl.

„Diese Menschen sind erleichtert, wenn sie eigenes Geld verdienen und nicht mehr auf Hilfe vom Staat angewiesen sind“, erzählte Reiner Siebert. „Sie sind dankbar für die Hilfe, hier aufgenommen worden zu sein, und wollen etwas zurückgeben.“ Reinere Siebert berät Geflüchtete bei der Suche nach Arbeits- oder Ausbildungsplätzen, zur Anerkennung von Schul- oder Universitätsabschlüssen sowie Berufsausbildungen. „Mit der Aufnahme einer Arbeit oder Ausbildung entsteht weiterer Beratungsbedarf im Behördendschungel“, erklärte Siebert seine Tätigkeit: Aufenthaltsrecht, Sprachkurse oder Kinderbetreuung zum Beispiel. Seit drei Jahren leitet Siebert das InCoach-Beratungsbüro für Geflüchtete Menschen im DGB-Haus am Stapeltor. Aktuell ist das Projekt bis Ende 2020 verlängert worden. Eine weitere Verlängerung bis Ende 2021 ist möglich und wahrscheinlich. Danach müsste eine neue Finanzierung gefunden werden. „Der Beratungsbedarf ist trotz sinkender Flüchtlingszahlen enorm und wird auch weiterhin bestehen, zumal der Beratungsbedarf mit der Aufnahme einer Beschäftigung nicht endet sowie zunehmend Familienangehörige mit einbezogen werden“, so Siebert. Die Beratungserfolge zeigen aber, dass sich Sieberts Arbeit lohnt und einen wichtigen Beitrag zur Integration dieser Menschen in Arbeitsmarkt und Gesellschaft leistet.

 

Angelika Wagner, Reiner Siebert und Bulut Surat. Foto: Petra Grünendahl.

Die Projektverlängerung für den Standort Duisburg im bundesweiten IvAF-Netzwerk (Integration von Asylsuchenden und Flüchtlingen) nahmen der Leiter des Integrationsbüros, Angelika Wagner als Geschäftsführerin des DGB Niederrhein und DGB-Gewerkschaftssekretär Bulut Surat zum Anlass für eine erste Bilanz. Finanziert wird das Duisburger Projekt aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Bildungsinstituts im Gesundheitswesen (BiG) Essen, einer mit der Gewerkschaft ver.di verbundenen Einrichtung. Das Duisburger Büro sei das erste seiner Art in einem Gewerkschaftshaus gewesen: „Gewerkschaftsarbeit wie bei uns kennen die Geflüchteten aus ihren Herkunftsländern gar nicht“, erklärte Angelika Wagner. „Bei uns erleben sie Gewerkschaft als hilfreiche Institution, die sich nicht nur um ihre Mitglieder kümmert.“

 

 
Konstant hoher Hilfs- und Beratungsbedarf

Angelika Wagner und Reiner Siebert. Foto: Petra Grünendahl.

Seit dem großen Flüchtlingsansturm 2015 habe es zahlreiche Gesetzesänderungen im Asyl-, Aufenthalts- und Ausländerrecht gegeben, die „Bedrohungsszenarien“ aufgebaut hätten, so Siebert, um vor weiterer Zuwanderung abzuschrecken: „Diese haben aber auch erhebliche Folgen für diejenigen, die bereits hier sind und sich integrieren wollen.“ Menschen ohne „Bleibeperspektive“ (zum Beispiel aus so genannten „sicheren Herkunftsländern“ wie dem immer noch terror- und bürgerkriegsgeschüttelten Afghanistan) bekommen keine Sprachkurse: „Das erschwert die Integration in Arbeitsmarkt und Gesellschaft!“ Siebert betreute bis Ende 2019 insgesamt 485 Ratsuchende (plus deren Familienangehörige) aus 36 Ländern in 2.409 Beratungskontakten mit 345 Intensivberatungen von über 6 Stunden. Überwiegend stammten die Ratsuchenden aus Syrien (43 Prozent), Afghanistan (18 Prozent), Iran (8 Prozent) und Irak (5 Prozent). Der Frauenanteil (ohne Familienangehörige) betrug 18 Prozent, junge Erwachsene (18 – 25 Jahre) waren 29 Prozent. Mehr als die Hälfte sind Männer zwischen 25 und 45 Jahren (54 Prozent).

„Viele dieser Menschen haben eine völlig ungesicherten Aufenthaltsstatus und bleiben über Monate bis Jahre in dieser Unsicherheit“, erzählte Reiner Siebert. Das erschwere die Vermittlung in Arbeit oder Ausbildung und fordere ihn als Netzwerker zwischen den unterschiedlichen zuständigen Behörden vom Sozialamt über Jobcenter bis zum Ausländeramt. Im Kontext seiner Beratung hätten seine „Schützlinge“ mindestens 522 Sprachkurse und 188 Praktika absolviert, 100 Arbeitsstellen aufgenommen, 45 eine Ausbildung angetreten und sechs Schulabschlüsse nachgeholt. Die Zahl von sozialversicherungspflichtig beschäftigten Geflüchteten in Deutschland hat sich in den letzten drei Jahren um rund 69.000 auf etwa 436.000 erhöht (19 Prozent): „Das sind rund 1,1 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten“, so Angelika Wagner. Eine Erfolgsgeschichte für alle, die sich beruflich oder ehrenamtlich für die Integration dieser Menschen einsetzen.

 

 
Azubi-Initiative sucht Unterstützung
„Asylbewerber [Anmerkung: vor der Anerkennung des Asylstatus] dürfen zwar nicht arbeiten, aber eine Ausbildung absolvieren“, erklärte Bulut Surat. Dabei böten die Flüchtlingsunterkünfte allerdings keinen geeigneten Wohnort für junge Menschen in Ausbildung: „Die Auszubildenden haben dort keine Ruhe und keinen Platz, ungestört zu lernen. Ein Recht auf eine eigenen Wohnung bekommen sie erst, wenn sie als Asylberechtigte anerkannt sind und einen gesicherten Aufenthaltsstatus haben“, so Bulut Surat, der sich beim DGB um die Azubi-Initiative kümmert: „Analog zu Studentenwohnheimen würden wir hier gerne Azubi-Wohnheime etablieren, brauchen dafür aber Unterstützung.“ Solche Gemeinschaftsunterkünfte ermöglichten den jungen Menschen soziale Teilhabe, das Knüpfen von Kontakten und Integration in die Gesellschaft.“ Bislang habe man erst ein gutes Dutzend adäquat unterbringen können: „Wir haben pro Jahr zwischen 50 und 100 Personen in schwierigen Situationen, für die wir angemessene Wohnverhältnisse suchen.“

Zu den Zielen künftiger Arbeit des Beratungsbüros zählt die Zusammenarbeit mit dem Kommunalen Integrationszentrum der Stadt, aus den Beratungsanliegen der Ratsuchenden zu lernen, um Verwaltungsabläufe zu verbessern. Außerdem will das Integrationsbüro das Partnerprojekt „Welcome“ der Bundesinitiative „Fachkräfte sichern“ ergänzen, um Fachkräftepotenziale zum Beispiel für Pflegeberufe unter bereits Zugewanderten zu erkennen, zu fördern und die betriebliche Integrationsbereitschaft zu verbessern: „Warum sollten wir im Ausland nach Fachkräften suchen, wenn wir hier bereits ausgebildete oder ausbildungswillige Menschen auf der Suche nach Beschäftigung haben?“, machte Siebert klar.

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Ballett am Rhein Martin Schläpfers b.42 begeisterte bei der Premiere im Theater Duisburg

Ensemble glänzte mit anspruchsvollen Choreographien
Von Petra Grünendahl

George Balanchine: Square Dance © The George Balanchine Trust – Sonia Dvořák, Orazio Di Bella, Ensemble FOTO © Gert Weigelt.

Beim Square Dance denkt man sicher zuerst an den etwas derberen amerikanischen Volkstanz der Farmer und Cowboys. Der georgische Choreograph George Balanchine (1904-1983) hat in einer Homage an seine amerikanische Wahlheimat* die Grundzüge des Square Dance (Uraufführung 1957) in die filigranen Bewegungen des Balletts integriert: Sechs Paare und ein Solo-Paar in schlichter heller Tanzkleidung vereinen die lebensfrohen Reigen des Volkstanzes mit der klassischen und filigranen Formensprache des Balletts, die hier frei und ausgelassen wirkt. Im Fokus der Musik von Antonio Vivaldi und Archangelo Corelli stehen auch bei Balanchines „Square Dance“ die Solo-Violinen (Siegfried Rivinius, Önder Baloglu, Matthias Bruns und Johannes Heidt), die die Tänzer quasi „antreiben“. Für die hier gezeigte Version der Wiederaufführung 1976 hatte Balanchine das Ballett neu kreiert, als er für den männlichen Tänzer des Solo-Paares zusätzliche Solo-Passagen integrierte, die er seinem Lead-Tänzer Bart Cook auf den Leib schneiderte. Cook, der heute als Repetitor und Choreograph tätig ist, hatte das anspruchsvolle Werk nun mit dem Ballett am Rhein für b.42 einstudiert.

 

George Balanchine: Square Dance © The George Balanchine Trust – Sonia Dvořák, Orazio Di Bella, Ensemble FOTO © Gert Weigelt.

Drei Stücke hatte Martin Schläpfer, Chef-Choreograph und Künstlerischer Direktor des Ballett am Rhein, für seinen Ballettabend b.42 ausgewählt, wie sie unterschiedlicher und kontrastreicher kaum sein können. Das Ensemble bewies einmal mehr seine Hochklassigkeit, die die anspruchsvolle Darbietung leicht wirken ließ. Die vielfältigen musikalischen Ansprüche der Kompositionen meisterten die Duisburger Philharmoniker unter der Leitung von Martin Braun. Für die Lichtgestaltung zeichnete Thomas Diek verantwortlich. Das restlos begeisterte Publikum feierte bei der Premiere des zweistündigen Ballettabends im Theater Duisburg die Akteure mit minutenlangem Applaus zu jedem Stück und mit teilweise stehendem und nicht enden wollenden Schlussapplaus: Ob ihrer fantastischen Leistungen völlig zu Recht!

 

 
Von der Neoklassik über die Moderne zur romantischen Klassik

Remus Şucheană: Symphonic Poem – Sonia Dvořák, Marlúcia do Amaral, Norma Magalhães, Ensemble FOTO © Gert Weigelt.

Als zweites Stück des Ballettabends hatte Schläpfer „Symphonic Poem“ von Remus Şucheană ausgewählt. Die ursprünglichen Klänge von „Metacosmos“ der isländischen Komponistin Anna Thorvaldsdottir (*1977) hatten den jungen rumänischen Choreographen zu einem Ballett archaischer Bewegungen und purer Körperlichkeit inspiriert. Die Tänzer in ihren bunten Kostümen (Entwürfe: Mylla Ek) erschufen einen musikalischen Kosmos zwischen der Unterwelt (dem Orchester) und dem „Himmel“ (drei Trommler), die im Bühnenbild von Darko Petrovic sichtbar über den Tänzern schwebten. Şucheană hatte als Tänzer unter Martin Schläpfer angefangen – beim ballettmainz sowie beim Ballett am Rhein –, bevor er dann erste eigene Choreographien schrieb. Heute ist er Ballettdirektor beim Ballett am Rhein. Den Einfluss von Schläpfer spürt man: Wer es nicht besser wusste, hätte dieses Stück dem schweizer Choreographen zugeschrieben. Şucheanăs Choreographie erlebte hier ihre Uraufführung.

 

Martin Schläpfer: Reformationssymphonie – Alexandre Simões, Doris Becker, Kristián Pokorný, Alexandra Inculet, Calogero Failla, Asuka Morgenstern FOTO © Gert Weigelt.

Nach Neoklassik (Ballanchine) und Moderne (Şucheană) beendete ein klassisches Ballett von Martin Schläpfer den Abend: Nach der „Reformations-Symphonie“, einer frühen Sinfonie von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847), hatte Martin Schläpfer eine Choreographie geschaffen, die seit ihrer Uraufführung 2008 (damals mit den ballettmainz) Publikum wie Kritiker begeistert. Erstmals seit 2012 zeigt das Ballett am Rhein diese puristische Choreographie („reines Ballett“) von ausdrucksstarker Körperlichkeit zu einer eher romantischen Komposition. Barfüßige Tänzer und Tänzerinnen in Spitzenschuhen zeigen hier Schläpfers anspruchsvolle Choreographie mit der Leichtigkeit und Lebendigkeit, die nur ein hochklassiges Ballett-Ensemble auf die Bretter bringt.

 

 
Weitere Termine im Theater Duisburg:

Remus Şucheană: Symphonic Poem – Ensemble FOTO © Gert Weigelt.

So | 12. Januar 2020 | 18:30 Uhr,
So | 19. Januar 2020 | 18:30 Uhr,
Sa | 25. Januar 2020 | 19:30 Uhr,
So | 2. Februar 2020 | 18:30 Uhr,
So | 16. Februar 2020 | 15:00 Uhr und
Sa | 22. Februar 2020 | 18:30 Uhr.

 

 

Martin Schläpfer: Reformationssymphonie – Alexandre Simões, Marcos Menha, Calogero Failla FOTO © Gert Weigelt.

Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Stücke und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten samstags zwischen 19,00 und 76,00 Euro, sonst 17,00 bis 67,00 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

 

*) Balanchine brachte die Tradition des klassischen russischen Balletts in die USA und gründete 1948 gemeinsam mit Lincoln Kirstein das New York City Ballet, das Weltgeltung erreichte. Hier arbeitete Balanchine bis zu seinem Tod im Jahr 1983.

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Gert Weigelt

 

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IHK-Neujahrsempfang: Burkhard Landers und Andreas Pinkwart über Herausforderungen für die Wirtschaft

Duisburg, der Niederrhein und Nordrhein-Westfalen brauchen Strategien für die Zukunft
Von Petra Grünendahl

NRW-Wirtschaftsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Foto: Petra Grünendahl.

NRW-Wirtschaftsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Foto: Petra Grünendahl.

„Wir müssen Innovationen schneller und mutiger möglich machen“, sagte Prof. Dr. Andreas Pinkwart (FDP), als NRW-Wirtschaftsminister Gastredner beim Neujahrsempfang der Niederrheinischen IHK in Duisburg. Dabei sei die Digitalisierung und die Bereitstellung intelligenter Netze ein Muss, so der Wirtschaftsminister. Die Bürokratie müsse dringend verringert werden, so Pinkwart, damit Innovationen schneller auch weltweit vermarktet werden könnten, bevor andere diese auf dem Markt platzierten. Als Herausforderungen definierte Pinkwart auch den Klimaschutz sowie den demografischen Wandel, der Unternehmen bei der Fachkräftegewinnung zunehmend Probleme bereitet. Der Strukturwandel, so der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister auch im Hinblick auf den Ausstieg aus der Kohleverstromung, könne nur gelingen, wenn neue Strukturen geschaffen würden, bevor man das Alte abreiße.

 

IHK- Neujahrsempfang in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

Zum traditionellen Neujahrsempfang hatte die Niederrheinische IHK Duisburg Wesel Kleve neben Unternehmern aus der Region Vertreter von Politik, Verwaltung und anderer Institutionen in die Mercatorhalle eingeladen. Fast 800 Gäste hatten sich eingefunden. In seiner Begrüßungsansprache begnügte sich IHK-Präsident Burkhard Landers nicht mit einer Einschätzung zur Herausforderungen für die Unternehmen am Niederrhein: Er machte auch deutlich, welche Forderungen die Industrievertreter in diesem Zusammenhang an die Politik im Land Nordrhein-Westfalen und im Bund stellen.

 

 
#GemeinsanUnternehmen

IHK-Präsident Burkhard Landers. Foto: Petra Grünendahl.

„Nach zehn Jahren Wirtschaftswachstum steht die Wirtschaft am Niederrhein am Rande einer Rezession“, erklärte IHK-Präsident Burkhard Landers. Brexit, der Handelskrieg mit den USA und das drohende Ende des internationalen Freihandels träfen auch unsere Region. Digitalisierung und Innovationen müssten auch von Bund, Land und Kommunen ebenso finanziell unterstützt werden wie die dringend nötige Sanierung der Infrastruktur. Auch die Klimapolitik müssen finanzierbar ausgestaltet werden, um den Wirtschaftsstandort zu schützen, während man den Umbau in eine nachhaltigere Wirtschaft voran treibe.

IHK-Präsident Burkhard Landers. Foto: Petra Grünendahl.

„Wirtschaftskrise, Digitalisierung, Migration und Klimawandel: diese Begriffe beschreiben die Umwälzungen des letzten Jahrzehnts“, so Landers. Das habe bei vielen Menschen zu einer tiefen Verunsicherung geführt: „Die Komplexität der Themen, die globalen Auswirkungen und ihre Dimension machen den Menschen Angst.“ Auch Unternehmer müssten sich in die Diskussion einbringen, Zusammenhänge und Folgen von Leitentscheidungen erklären, sagte der ehrenamtliche IHK-Präsident, der als Unternehmer in Wesel tätig ist. Er forderte einen funktionierenden Dialog zwischen ihnen, den Unternehmern, einerseits und Politik, Verwaltung und ganz besonders der Öffentlichkeit andererseits: „Die Lösung ist sicher nicht, dass die Wirtschaft einfache Antworten auf komplizierte Fragen gibt, wie das zum Teil in der Politik zu beobachten ist.“ Verkürzte Botschaften und radikale Wortwahl würden, so Landers, nicht weiterhelfen. Hier brauche man eine funktionierenden Dialog!

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Wir wünschen unseren Lesern einen guten Start in das Jahr 2020!


 
© 2020 Petra Grünendahl

 

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Wir wünschen unseren Lesern frohe, gesegnete Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!


 
© 2019 Petra Grünendahl

 

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Polizeichor Duisburg 1928 e. V.: Weihnachtskonzerte begeisterten in der Mercatorhalle

Mit einem bunten Programm von Klassisch bis Modern: Für jeden Geschmack was dabei
Von Petra Grünendahl

Frauenchor der Polizei Duisburg (stehend in der Mitte), dahinter der Polizeichor Duisburg und im Vordergrund das Orchester Oberhausen beim Weihnachtskonzert vom Polizeichor Duisburg in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

Als das Orchester Oberhausen anfingt, die allseits bekannte Melodie von „Alle Jahre wieder” zu spielen, gaben ein paar Bläser mächtig „schräge“ Töne von sich. Dirigent Sebastian M. Ostmeyer ließ das Orchester erneut ansetzen: Wieder „störten“ schräge Blasinstrumente das klassische Weihnachtslied. Im dritten Anlauf übernehmen dann die Bläser das Kommando mit dem Sound von „In the Mood“, in den der Frauenchor der Polizei Duisburg mit einer swingenden Version des Liedes einstimmte, zu dem die Besucher begeistert mitklatschten.

Die Solisten Katharina Göres und Thomas Pflumm mit dem Orchester Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Liebhaber aller möglichen Stilrichtungen weihnachtlicher Musik kamen auf ihre Kosten: vom klassischen Komponisten über Kirchenmusik bis hin zu traditionellen oder modernen Weihnachtsliedern reichte das Repertoire der Akteure auf der Bühne. Beide Chöre boten eine hochklassige Darbietung, was sie nicht nur den stimmlichen Qualitäten ihrer Sänger, sondern auch ihren professionellen Chorleitern Axel Quast (Männerchor) und Sebastian M. Ostmeyer (Frauenchor) zu verdanken haben. Die musikalische Gesamtleitung der Konzerte musste Quast in diesem Jahr allerdings Ostmeyer überlassen, der diese Aufgabe mit Bravour meisterte.

 

Weihnachtskonzert vom Polizeichor Duisburg in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

Traditionell steht das vierte Adventswochenende im Zeichen der Weihnachtskonzerte des Polizeichors Duisburg 1928, die in der Mercatorhalle auch in diesem Jahr wieder Tausende von Zuschauern begeisterten. Rund um den Polizeichor Duisburg und den Frauenchor der Polizei Duisburg, die – wie alle Jahre wieder – das Orchester Oberhausen begleitete, hatte Musikdirektor Axel Quast, Chorleiter des Männerchores, unter de Motto „Moments of Glory“ ein buntes Programm auf die Beine gestellt, das unterschiedlichsten Vorlieben gerecht wurde.

Im Vordergrund die Solisten Katharina Göres, Lydia Krüger, Thomnas Pflumm und Klaus Hermann beim Weihnachtskonzert vom Polizeichor Duisburg in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

Als Solisten hatte Quast Sopran Katharina Göres, Tenor Michael Pflumm sowie Mezzosopran Lydia Krüger gewinnen können. Bass Klaus Hermann hat als Sänger des Polizeichores auch als Solist „Heimspiel“: sein Solo in „Jerusalem“ leitete wie immer das Finale ein. Mit „Feliz Navidad“ und dem gemeinsam von allen auf und vor der Bühne gesungenen „Oh du fröhliche“ ging dann ein hochklassiges und stimmungsvolles Weihnachtskonzert zu Ende, das auf die Weihnachtstage einstimmte.

 

 
Junger Gitarist als Überraschungsgast
Wie alle Jahre wieder brachte der Polizeichor Duisburg bei seinen Weihnachtskonzerten einen vielversprechenden jungen Musiker als Überraschungsgast auf die Bühne. Der 16-jährige Jan Christopher Heßling spielt seit 9 Jahren Gitarre. Nachdem er auf dem Flohmarkt ein Exemplar für kleines Geld erstanden hatte, begann er an der Musikschule Kamp-Lintfort seine Ausbildung. Heßling nimmt regelmäßig an Konzerten, Meisterkursen und Wettbewerben teil – und hat dabei auch schon zahlreiche Musikpreise und Auszeichnungen gewonnen. Mittlerweile komponiert er selber barocke Stücke: Auch diese sind mehrfach ausgezeichnet worden. In der Mercatorhalle zeigte er solo mit einer eigenen Komposition sowie mit Orchesterbegleitung und Vivaldi, wie filigran eine Akustikgitarre klingen kann.

 

 

Der Polizeichor-Vorsitzende Horst Fiedler, dahinter das Orchester Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Zum ersten Weihnachtskonzert habe man, so erzählte der Polizeichor-Vorsitzende Horst Fiedler bei der Begrüßung, 1964 in die Stadthalle Hamborn eingeladen. Schon 1965 sei der Polizeichor Duisburg mit seinen Weihnachtskonzerten in die (alte) Mercatorhalle gezogen. Ein Ausweichquartier bot dann das Theater am Marientor (TaM), als nach Abriss der alten Mercatorhalle die Neue gebaut wurde. Ein Ausweichen ins TaM stand dann noch ein weiteres Mal an, als ab 2012 die (neue) Mercatorhalle wegen Brandschutzmängeln während deren Beseitigung einige Jahre unbespielbar war. Drei Gastspiele gibt der Polizeichor an solchen Konzertwochenenden, die traditionell am vierten Advent stattfinden. In früheren Jahren waren es auch schon mal vier. In diesem Jahr, so verriet Horst Fiedler: „sind es die Konzerte 128 bis 130.“

 

 
Der Polizeichor Duisburg 1928 e. V.

Jerusalem: Bass Klaus Hermann mit dem Orchester Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Der Polizeichor (Männerchor) besteht nicht nur aus Polizisten, sondern steht auch nicht-polizeiangehörigen interessierten Sängern offen. Chorleiter ist seit Oktober 2012 Musikdirektor Axel Quast, dem auch die musikalische Gesamtleitung der Polizeichor-Konzerte (Weihnachts- wie Frühjahrskonzert) obliegt. Geprobt wird einmal wöchentlich montags um 17.30 Uhr im Ratskeller Hamborn (Kulturzentrum …kulturiges…) an der Duisburger Straße 213. Interessierte können einfach mal vorbeikommen. Weitere Informationen über den Polizeichor Duisburg 1928 e. V. findet man hier …

Weihnachtskonzert vom Polizeichor Duisburg in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

Die Idee zu einem Frauenchor kam von Ehefrauen der Polizeichor-Sänger, die ebenfalls Freude am Singen hatten. Schließlich hatten sich 26 von ihnen 1992 zum gemeinsamen Gesang zusammen getan und nach einem Jahr „Probetraining“ selber einen Verein gegründet. Der Frauenchor der Polizei Duisburg 1983 e. V. wurde als erster Frauenchor in den Chorverband der Deutschen Polizei aufgenommen. Im Juni 2015 hat Sebastian M. Ostmeyer die musikalische Leitung des Frauenchors übernommen: Aus den Händen seines Vorgängers Musikdirektor Axel Quast, der seitdem nur noch den Männerchor leitet.

Im kommenden Jahr finden die Weihnachtskonzerte des Polizeichors Duisburg wie gewohnt am vierten Adventswochenende statt: am Samstag, 19. Dezember 2019, um 17.30 Uhr sowie am Sonntag, 20. Dezember 2019, um 14.30 und 19 Uhr.

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Loveparade-Strafprozess: Feuerwehr-Abteilungsleiter mit Aufgaben im Leitungsstab sagte aus

Sicherheitsbedenken hatte die Feuerwehr im Vorfeld nicht laut geäußert
Von Petra Grünendahl

Aus Platzgründen findet das Strafverfahren gegen vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent und sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg im CongressCenter der Messe Düsseldorf (CCD) statt. Foto: Petra Grünendahl.

„Ich habe im Frühjahr 2010 erfahren, dass ich bei der Loveparade in Duisburg im Leitungsstab Dienst tun sollte“, erklärte der Zeuge. Deswegen habe er ab diesem Zeitpunkt an Sitzungen der Arbeitsgruppe 4 (AG4 Sicherheit) teilgenommen, so H., um sich auf seinen Einsatz vorzubereiten. Er sei aber mehr nur Beobachter gewesen. Von Seiten der Feuerwehr sei Prämisse gewesen: „Es darf zu keiner Zeit zu Stagnationen im Tunnel kommen.“ Am Veranstaltungstag habe die Polizei nachmittags (gegen 16.30 Uhr), als er in der Feuerwehreinsatz-Leitstelle war, die Rampe sperren wollen, um umgestürzte Zäune wieder aufzustellen. „Ich war gegen eine Sperrung der Rampe und habe gesagt: ‚Dann müssen wir auch die Zugänge zum Tunnel sperren, damit Tunnel und Rampe leer laufen können’. Von Polizeiketten war da nicht die Rede“, so der Zeuge. Seine Einwände seien aber wohl zu spät gekommen: Ab 17 Uhr sei dann erstmals von Toten auf der Rampe die Rede gewesen.

 

Der Vorstizende Richter Mario Plein (mitte) mit zwei beisitzenden Richtern beim Loveparade-Strafprozess im Gerichtssaal im Congress Center Düsseldorf. Foto: Lars Heidrich / Funke Foto Services.

Als Zeugen hatte die 6. große Strafkammer des Landgerichts Duisburg einen Abteilungsleiter der Berufsfeuerwehr der Stadt Duisburg geladen. Der heute 54-Jährige war im Vorfeld bei Sitzungen zur Veranstaltungsplanung anwesend und am Tag der Loveparade im Leitungsstab der Feuerwehr (Feuerwehreinsatzleitung) tätig. Verantwortlich war er primär für die Kommunikationsinfrastruktur der Feuerwehr, die auf digitalen Funk sowie DSL-Kommunikation setzte (nicht wie die Polizei auf analogen Funk und Mobilfunk). Vor dem Landgericht Duisburg wird gegen drei Angeklagte wegen fahrlässiger Tötung in 21 Fällen und fahrlässiger Körperverletzung verhandelt: Sie waren damals als Mitarbeiter der Lopavent GmbH an den Planungen des Events beteiligt. Der Vorsitzende Richter Mario Plein ließ den Zeugen zunächst erzählen, welche Rolle er im Planungs- und Genehmigungsverfahren spielte, bevor er ihm aus Schriftstücken, Ermittlungsakten sowie Aussagen von Zeugen Sachverhalte vor hielt.

 

 
Sicherheitsbedenken bei der Feuerwehr?

Aus der Unterführung auf der Karl-Lehr-Straße. geht es über die Rampe zum Güterbahnhofsgelände Foto: Petra Grünendahl.

Ob es im Vorfeld Sicherheitsbedenken bei den an der Planung beteiligten Feuerwehr-Leuten gegeben habe, wollte der Richter wissen. Er spielte damit auf ein Schreiben eines Feuerwehrmannes zur Tunnelproblematik an, das im Vorfeld als „Remonstration“ an einen Vorgesetzten geschickt worden war. In seiner Zeugenvernehmung bei der Polizei hatte der Zeuge ausgesagt: „Wir hatten alle deswegen Bauchschmerzen. Wie sollten eine Millionen Menschen da durch kommen? Sicherheitsbedenken wurden durch die Vereinzelungsanlagen verringert, aber nicht ausgeräumt“, gab der Zeuge damals zu Protokoll. Diese Bedenken seien aber, so räumt er heute ein, nicht laut geäußert worden. „Das war alles durchgeplant. Ein gewisser Druck war, das durchzuziehen, war spürbar. Ich bekam den Eindruck: die Loveparade muss stattfinden!“ Unmittelbarer Druck sei aber nicht ausgeübt worden. Und: „Für mich war das Ordnungsamt federführend in Planung der Veranstaltung! Wenn jemand hätte absagen können, wäre das meiner Meinung nur das Ordnungsamt gewesen.“

„Sind gegenläufige Besucherströme im Tunnel und auf der Rampe als Gefahr erkannt worden?“, fragte der Vorsitzende Richter. „Da sollten keine stattfinden, denn für den Abfluss gab es ja die kleine Rampe“, antwortete der Zeuge. Diese und andere Aussagen des Zeugen machen eines deutlich: Obwohl wohnhaft in Duisburg (!) verfügt der Feuerwehrmann bis heute (!) über keinerlei (!) Ortskenntnisse am Ort der Katastrophe. Er kennt erkennbar weder das Güterbahnhofsgelände noch Rampe oder Tunnel oder gar den Verlauf der Karl-Lehr-Straße. Das wird besonders deutlich, wenn er immer wieder von „Entlastungsflächen vor den Vereinzelungsanlagen an den Tunneleingängen“ spricht. Denn die Vereinzelungsanlagen standen an den Einmündungen der Karl-Lehr-Straße in die Düsseldorfer Straße im Westen und die Kommandantenstraße im Osten. Das heißt: bei einer Sperrung der Vereinzelungsanlagen gab es immer noch viele Hunderte Menschen zwischen Sperrung und Tunnel, die weiter in Richtung Veranstaltungsgelände und in die Tunnel drängten.

 

 
Verantwortlichkeiten für die Veranstaltungsplanung

Juni 2011: Ansichten der Rampe zum alten Güterbahnhof aus dem Jahr 2011. Fotos: Petra Grünendahl.

Interessant ist auch die wiederholte Aussage des Feuerwehrbeamten, die Planungen zur Veranstaltung seien federführend vom Ordnungsamt geleitet worden. Anwesend waren bei den Arbeitsgruppensitzungen der AG4 (Sicherheit der Veranstaltung) primär Ordnungsamt, Feuerwehr und Polizei (also die Ordnungsbehörden Sicherheit), aber auch Mitarbeiter der Bauaufsicht. Letztere sei mit der Veranstaltungsplanung gar nicht befasst gewesen, hatten verschiedene Mitarbeiter in den vergangenen Wochen hier ausgesagt: „Wir planen keine Veranstaltung!“ Ihre Aufgabe sei lediglich die Erteilung einer Baugenehmigung nach den Vorgaben der Sonderbau-Verordnung Versammlungsstätten gewesen.

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (3), Lars Heidrich / Funke Foto Services (1)

 

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Jubilaren-Vereinigung thyssenkrupp: Weihnachtskonzerte mit thyssenkrupp-Chor begeisterten

Abschied vom thyssenkrupp-Chor mit jungem Programm
Von Petra Grünendahl

Anne Bicking verabschiedete den thyssenkrupp-Chor in Vertretung von Schirmherrin Dr. Sabine Maaßen von der großen Bühne. Foto: Petra Grünendahl.

„Der thyssenkrupp-Chor zeigt hier wieder einmal, wie stimmungsvoll Weihnachten sein kann“, sagte Anne Bicking, enge Mitarbeiterin von Dr. Sabine Maaßen, Arbeitsdirektorin bei thyssenkrupp Steel und Schirmherrin des thyssenkrupp-Chores. Sie lobte zum Abschied des Chores von der großen Bühne seine hohe Professionalität, die er sich in den 10 Jahren unter der Chorleitung von Peter Stockschläder erarbeitet hat.

Der thyssenkrupp-Chor mit der Duisburger Sinfonietta beim Weihnachtskonzert der Jubilaren-Vereinigung thyssenkrupp. Foto: Petra Grünnedahl.

Diese Professionalität bewies der Chor nun ein letztes Mal in der Mercatorhalle mit einer bunten Mischung an Weihnachtsliedern von traditionell und klassisch bis hin zu moderneren und poppigeren Stücken. Im Wechsel, teils auch gemeinsam mit den Gelsenkirchener Swingfonikern bewiesen die älteren Herren nicht nur ihr Können, sondern auch, dass sie musikalisch mit dem jüngeren Chor auf einer Linie lagen. Akzente setzten in einem stimmigen Konzertprogramm Solisten und ein Kinderchor, bevor Thomas Rabus-Schneider, Vorsitzender der Jubilaren-Vereinigung thyssenkrupp, ein begeistertes Publikum mit Weihnachtswünschen in den Rest-Advent entließ.

 

Die Solisten (v. l.): Sopran Evelyn Ziegler und Bassbariton Thomas Peter, im Hintergrund Pianistin Hyekoung Kang am Flügel. Foto: Petra Grünendahl.

Zum Weihnachtskonzert hatte die Jubilaren-Vereinigung thyssenkrupp in die Mercatorhalle eingeladen. Neben dem thyssenkrupp-Chor hatte Chorleiter Peter Stockschläder als musikalischer Gesamtverantwortlicher zum wiederholten Male Sopran Evelyn Ziegler und Bassbariton Thomas Peter als Solisten gewonnen.

Solistinnen des Kinderchors am Rhein. Foto: Petra Grünendahl.

Ebenfalls nicht zum ersten Mal dabei waren die Gelsenkirchener Swingfoniker unter der Leitung von Lutz Peller dabei. Als Kinderchor standen vier Solistinnen des Kinderchors am Rhein unter der Leitung von Sabina López Miguez mit Szenen aus „Hänsel und Gretel“ auf der Bühne. Instrumental begleitete traditionell die Duisburger Sinfonietta, Kammerorchester der Folkwang-Universität der Künste, die Veranstaltung, unterstützt von der Pianistin Hyekoung Kang am Flügel und der Orgel. Das rund dreistündige Konzertprogramm (zuzüglich Pause) band das Publikum in der zweiten Konzerthälfte mit ein, wünschten sich die Zuschauer doch, auch mitsingen zu dürfen.

 

thyssenkrupp-Chor Duisburg und Jubilaren-Vereinigung

Der thyssenkrupp-Chor mit den Gelsenkirchener Swingfonikern und der Duisburger Sinfonietta beim Weihnachtskonzert der Jubilaren-Vereinigung thyssenkrupp. Foto: Petra Grünnedahl.

Es ist das letzte „Konzertwochenende“ des thyssenkrupp-Chores. Die Sänger des Chores werden nicht jünger, Nachwuchs ist – wie bei allen Männerchören – schwer zu bekommen. Und solchen Konzertwochenenden mit zwei Auftritten haben es ja schon in sich. Was nicht heißt, dass der Chor aufhört: Er beschränkt sich nur künftig auf einfache, kleinere Konzerte und Auftritte. Für künftige Weihnachtskonzerte muss sich die Jubilaren-Vereinigung thyssenkrupp konzeptionell neu aufstellen.

 

Thomas Rabus-Schneider, Vorsitzender der Jubilaren-Vereinigung thyssenkrupp. Foto: Petra Grünendahl.

Sowohl die Jubilaren-Vereinigung thyssenkrupp als auch der thyssenkrupp-Chor lehnen sich an den Unternehmensnamen an. Beide entstammen ursprünglich den Werken von Thyssen in Duisburg. Der Chor entstand 1999 als Zusammenschluss der Werkschöre Ruhrort/Meiderich (1871/77) und Hamborn (1906), bevor er dann nach der Fusion in thyssenkrupp-Chor umbenannt wurde. Seit 10 Jahren leitet Chor-Dirigent Peter Stockschläder das Ensemble und ist für die musikalische Programmgestaltung der Weihnachtskonzerte verantwortlich. Sitz und Probelokal ist das Hotel Montan in Hamborn. Informationen zum thyssenkrupp-Chor, Kontaktdaten und Probetermine findet man unter www.thyssenkrupp-chor-duisburg.de/.

 

 

Der thyssenkrupp-Chor mit den Gelsenkirchener Swingfonikern, den Solisten und der Duisburger Sinfonietta beim Weihnachtskonzert der Jubilaren-Vereinigung thyssenkrupp. Foto: Petra Grünnedahl.

Die Vereinigung der Jubilare entstand 1922 in der August-Thyssen-Hütte, später Thyssen Stahl AG (die heutige thyssenkrupp Steel Europe AG), deren Hauptsitz immer noch Duisburg ist. Zu besten Zeiten – als die Stahlindustrie in Duisburg einige Zehntausend Arbeitskräfte beschäftigte – gehörten etwa 15.000 Jubilare dem Verein an, heute hat der Verein immerhin noch fast 6.000 Mitglieder, die mindestens ihre 25jährige Betriebszugehörigkeit bei Thyssen oder thyssenkrupp in Duisburg feiern durften.

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Deutsche Oper am Rhein: Puccinis „La Bohème“ begeisterte das Publikum im Theater Duisburg

Scheitern an der Utopie einer Liebe
Von Petra Grünendahl

Bogdan Baciu (Marcello), Luke Stoker (Colline), Richard Šveda (Schaunard), Eduardo Aladrén (Rodolfo). Foto: Hans Jörg Michel.

Vier Freunde – Rodolfo (Eduardo Aladrén), Marcello (Bogdan Baciu), Schaunard (Richard Sveda) und Colline (Beniamin Pop) – leben in einer Künstlergemeinschaft mit ausgelassener Lebensfreude als „Bohèmien“ – immer am Rande der Pleite. Sie leben mehr das Künstlerleben als ihre Kunst. Die Miete für die letzten drei Monate haben sie mal wieder nicht bezahlt, den Vermieter Benoît (Peter Nikolaus Kante) wurde man nur wegen eines außerehelichen Seitensprungs ohne Zahlung los.

Liana Aleksanyan (Mimì), Eduardo Aladrén (Rodolfo), Richard Šveda (Schaunard), Bogdan Baciu (Marcello). Foto: Hans Jörg Michel.

Dafür bändeln gleich zwei der Lebenskünstler, der Poet Rodolfo und der Maler Marcello, mit Frauen an: mit der Näherin Mimi (Liana Aleksanyan) und der leichtlebigen Musetta (Lavinia Dammes). In Puccinis Arien und Duette treiben die fantastischen Sänger die Handlung von ihrem eher komödiantischen Beginn hin zu ihrem tragischen Ende: Denn die Liebe gestaltet sich als Utopie, die zerbricht. Rodolfo verehrt stimmgewaltig in Mimi seine Muse, die Idealisierung seiner Liebe. Er kann nicht mit ihr, aber auch nicht ohne: Dass sie schwer krank ist, merkt er gar nicht, bis sie im Sterben liegt. Und das so schön dramatisch und stimmgewaltig, wie Helden nur in der Oper sterben.

 

Eduardo Aladrén (Rodolfo), Liana Aleksanyan (Mimì). Foto: Hans Jörg Michel.

Giacomo Puccinis (1858 –1924) Oper „La Bohème“ begeistert seit seiner Premiere am Theater Duisburg im November das Publikum. Die 1896 im Turiner Teatro Regio uraufgeführte Oper, das vierte Bühnenwerk des Komponisten, spielt im Paris der 1830er-Jahre und gilt heute als sein Meisterwerk. Die Deutsche Oper am Rhein legte hier eine Neuinszenierung von Philipp Westerbarkei, einem Regie-Talent aus eigenem Haus, vor. Auf mehreren Ebenen erzählt die Oper die Geschichten von Rodolfo und Mimi sowie Marcello und Musetta, die eingebettet sind in das Bohème-Leben der vier Freunde und ihrer Umgebung. Das Libretto schrieben Giuseppe Giacosa und Luigi Illica nach den „Scènes de la Vie de Bohème“ von Henri Murger. Die durchkomponierte Oper in vier Bildern wird gesungen in italienischer Sprache. Deutsche Übertitel erleichtern das Verständnis der Handlung. Sie dauert inklusive Pause knappe zweieinhalb Stunden.

 

 
Akteure begeisterten das Publikum

Lavinia Dames (Musetta), Bogdan Baciu (Marcello). FOoto: Christoph Reichwein.

Mit der Intonierung von Puccinis vielfältiger, komödiantisch bis tragischer Komposition glänzten die ganz hervorragend aufgelegte Duisburger Philharmoniker unter der Leitung des italienischen Kapellmeisters Antonino Fogliani, der als einer der führenden Belcanto-Dirigenten gilt (von „bel canto“ = ital. schöner Gesang), wobei die „Bohème“ historisch nicht mehr in diese Kategorie fällt. Die opulenten Chorszenen in der ersten Hälfte der Oper, dem eher komödiantischen Part, meisterte der Chor am Rhein unter der Leitung von Gerhard Michalski, den der Kinderchor am Rhein unter der Leitung von Sabina López Miguez unterstützte. Der zweite Teil setzt eher tragische Schwerpunkte, die sich auf einzelne Figuren bzw. Paar-Konstellationen konzentrieren. Viel Szenenapplaus gab es im voll besetzten Theater für die herausragenden Solosänger, die allesamt dem Ensemble der Deutschen Oper am Rhein angehören. Aber auch den nahezu endlosen minutenlangen Schlussapplaus hatten sich alle Sänger und Musiker wirklich verdient!

Liana Aleksanyan (Mimì), Eduardo Aladrén (Rodolfo), Richard Šveda (Schaunard), Luke Stoker (Colline), Peter Nikolaus Kante (Alcindoro), Lavinia Dames (Musetta), Bogdan Baciu (Marcello), Damen des Chores der Deutschen Oper am Rhein. Foto: Christoph Reichwein.

Mit seiner ersten großen Inszenierung bei der Deutschen Oper am Rhein glänzte Philipp Westerbarkei (Jahrgang 1987). Westerbarkei ist seit 2013/14 Spielleiter an der Deutschen Oper am Rhein, wo er 2016 erste Regie-Erfahrungen im Format „Young Directors“ mit dem Stück „Trouble in Tahiti“ (Leonard Bernstein) sammeln durfte. Überzeugt von seinen Fähigkeiten hatte ihm Opernintendant Prof. Dr. Christoph Meyer 2017 die Inszenierung der Kinderoper „Wo die wilden Kerle wohnen“ anvertraut, bevor er ihm hier mit „La Bohème“ auch die große Bühne überließ. Wie schon bei „Trouble in Tahiti“ und „Wo die wilden Kerle wohnen“ arbeitete Westerbarkei mit der renommierten Kostüm- und Bühnenbildnerin Tatjana Ivschina zusammen, die an der Deutschen Oper am Rhein vor allem zahlreiche Kinderopern visuell gestaltet hatte. Das Lichtdesign lag in den bewährten Händen von Volker Weinhart.

 

 
Ein kleiner Vorgeschmack:

 

 

Liana Aleksanyan (Mimì), Eduardo Aladrén (Rodolfo), Luke Stoker (Colline), Richard Šveda (Schaunard), Peter Nikolaus Kante (Alcindoro), Lavinia Dames (Musetta), Bogdan Baciu (Marcello). Foto: Hans Jörg Michel.

 
Weitere Termine im Theater Duisburg:

Bogdan Baciu (Marcello), Richard Šveda (Schaunard), Luke Stoker (Colline), Eduardo Aladrén (Rodolfo). Foto: Hans Jörg Michel.

Sa | 21. Dezember 2019 | 19:30 Uhr,
Mi | 25. Dezember 2019 | 18:30 Uhr,
Di | 28. April 2020 | 19:30 Uhr,
Sa | 2. Mai 2020 | 19:30 Uhr und
Mi | 13. Mai 2020 | 19:30 Uhr.

 

 

Lavinia Dames (Musetta), Liana Aleksanyan (Mimì), Eduardo Aladrén (Rodolfo), Bogdan Baciu (Marcello). Foto: Hans Jörg Michel.

Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten samstags und feiertags zwischen 19,00 und 76,00 Euro, sonst 17,00 bis 67,00 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Hans Jörg Michel (6), Christoph Reichwein (2)

 

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Barbarafeier bei HKM in Duisburg: Polizeipräsidenten Dr. Elke Bartels predigte beim ökumenischen Gottesdienst

Vom Respekt und der Würde des Menschen
Von Petra Grünendahl

Polizeipräsidentin Dr. Elke Bartels hielt die Gastpredigt zur Barbarafeier bei HKM in einer geschmückten Kranhalle. Foto: Petra Grünendahl.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“, heißt es in Artikel 1 des Grundgesetzes, welches in diesem Jahr sein 70-jähriges Jubiläum feierte. Aus diesem Ansatz entwickelte Polizeipräsidentin Dr. Elke Bartels ihre Predigt zur Barbarafeier bei HKM. Sie verlangte in ihren nachdenkenswerten Ausführungen Offenheit und Respekt gegenüber dem Andersartigen ebenso wie sie im Gegenzug den Respekt für unsere Werte und Rechtsordnung einforderte.

Impressionen von der Barbarafeier bei HKM

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Fotos: Petra Grünendahl

 

 

Pastor Rolf Schragmann (l.) und Pfarrer Rainer Kaspers bei der Barbarafeier bei HKM in einer geschmückten Kranhalle. Foto: Petra Grünendahl.

Bereits zum 15. Mal öffnete HKM (Hüttenwerke Krupp Mannesmann) sein Tor 1 zum Einlass in die Kranhalle, in der die Barbarafeier im Hüttenheimer Stahlwerk gefeiert wird. Der ökumenische Gottesdienst findet traditionell am 2. Adventssonntag statt und ehrt die Heilige Barbara, Schutzheilige unter anderem der Bergleute und Hüttenwerker (4. Dezember). Neben der Gastpredigt bereicherten den ökumenischen Gottesdienst von Pfarrer Rainer Kaspers und Pastor Rolf Schragmann musikalische Beiträge der musical kids Rheinhausen, der Duisburg Voices (Leitung: Okko Herlyn), vom Jugendensemble des 1. Akkordeon-Orchesters Rheinhausen 1950 e. V. und vom Posaunenchor Großenbaum/Rahm (Leitung: Wolfgang Beckmann) die Veranstaltung. Zum Abschluss lud HKM wie immer im Vorzelt der Halle zu (alkoholfreiem) Glühwein, Weihnachtsplätzchen und Christstollen ein, den die Besucher bei netten Gesprächen genossen.

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Moers: Kerzenkonzert auf Zeche Rheinpreußen Schacht IV

„Licht bei der Nacht“ mit dem Knappenchor Rheinland und Film-Dokumentation “Was wird bleiben?“
Von Petra Grünendahl

Stellten das Programm zum Kerzenkonzert auf Schacht IV vor (v. l.): Frank Heinrich, Werner Gröll, Alberto Dominguez, Wilfried Scholten, Frank Liebert und Peter Noruschat. Foto: :Petra Grünendahl.

Das Licht untertage ist erloschen, wir haben es über Tage wieder angezündet“, sagte Initiator Frank Heinrich. 1962 war auf Schacht IV „Schicht im Schacht“, 1990 folgte Schacht IX als letzter Schacht der Zeche Rheinpreußen und 1993 beendete die Stilllegung der Pattberg-Schächte den Bergbau in Moers. Als im vergangenen Jahr anlässlich des Endes der deutschen Steinkohlenförderung (Prosper-Haniel in Bottrop) ein solches Kerzenkonzert erstmals auf Schacht IV stattfand, war dies eine sehr emotionale Veranstaltung, was nicht nur an der stimmungsvollen Kerzenbeleuchtung lag: Versammelt hatten sich in der Maschinenhalle ehemalige Bergleute sowie viele Menschen, denen der Bergbau am Herzen liegt. Gänsehaut-Momente und „Pipi inne Augen“ hatten viele beim gemeinsam gesungenen Steigerlied (mit dem Knappenchor) oder am Ende der Film-Dokumentation „Was wird bleiben?“, als einer der ehemaligen Bergleute solo das Steigerlied anstimmte. „Das rief förmlich nach einer Wiederholung“, erklärte Frank Liebert.

 
In Kooperation mit dem Verein 100 Jahre Kolonie Meerbecke. V. lädt der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e. V. (GMGV) erneut zum Kerzenkonzert in die Fördermaschinenhalle am Schacht IV ein. Frank Heinrich (Schatzmeister des GMGV), Wilfried Scholten (2. Vorsitzender des GMGV), Frank Liebert (Vorsitzender des 100 Jahre Kolonie Meerbeck e. V.) und Peter Noruschat (Vorsitzender des Knappenchores Rheinland) stellten Veranstaltung im Pressegespräch vor. Bergmanns- und weihnachtliches Liedgut stehen auf dem musikalischen Programm. Fördergelder zur Finanzierung haben die Veranstalter aus dem Programm „Soziale Stadt“ von Land, Bund und Stadt Moers über das Stadtteilbüro Meerbeck/Hochstraß bekommen.

 

Auslauf des deutschen Steinkohlebergbaus am Schacht IV in Moers vom Grafschafter Museum- und Geschichtsverein Moers e.V. mit dem Knappenchor Rheinland. Foto: Knappenchor Rheinland.

Wieder mit Begeisterung an Bord ist auch der Knappenchor Rheinland: „Wir machen das, so lange wir können“, so der Vorsitzende Peter Noruschat. Die (nur noch) 40 Sänger des seit 1932 bestehenden Chores sind schließlich nicht mehr die Jüngsten, Nachwuchs ist schwer zu bekommen (schon gar nicht aus dem Bergbau!). „Mit dem Wahren von Traditionen können wir die Gegenwart mit gestalten“, so Frank Heinrich, dessen Verein das Industriedenkmal über Sommer Sonntagnachmittag für Besucher öffnet: „Ein Ausflugsziel für die ganze Familie!“ – „Wenn Schulklassen für Führungen herkommen, ist das für die immer ein besonderes Erlebnis“, erzählte Frank Liebert. Die ehemaligen Bergleute, die sonst am Schacht IV Führungen machen, stehen zum Kerzenkonzert für Fragen der Besucher bereit. Führungen wird es am Konzert-Abend selber nicht geben: „Alles, was machbar ist geht, aber dafür ist es wohl zu voll“, sagte Alberto Dominguez, einer der Führer auf Schacht IV, der wie alle ehemaligen Bergleute hier ehrenamtlich tätig ist.

 

 
Knappenchor Rheinland singt

Schacht IV in Moers. Foto: Petra Grünendahl.

Das Kerzenkonzert findet statt am Samstag, 21. Dezember, um 19 Uhr (Einlass 18 Uhr) auf dem Industriedenkmal Schacht IV an der Zechenstraße 50, 47443 Moers. Die Räume sind nicht beheizt: die Veranstalter empfehlen wärmende Schuhe. Die Dokumentation von Frederik Göke „Was wird bleiben?“ wird dieses Mal nicht in der Maschinenhalle gezeigt, sondern im benachbarten Vorführraum: In dem rund 40-minütigen Film erzählen drei ehemalige Bergleute und eine Verwaltungsmitarbeiterin aus der Region (Moers / Kamp-Lintfort) vom Leben im und mit dem Steinkohlenbergbau. Die separate Vorführung des Films entzerrt die Veranstaltung ein wenig, denn die Veranstalter rechnen mit einem ähnlichen Andrang wie im letzten Jahr. Der Eintritt zum Konzert in der Fördermaschinenhalle und der Vorführung der Dokumentation „Was wird bleiben?“ ist kostenlos.

 
Den Flyer zur Veranstaltung gibt es hier.
Hier geht es zur Vorstellung der DVD zur Film-Dokumention (mit Trailer)

 

Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e. V.

Schacht IV der Zeche Rheinpreußen in Moers-Hochstraß. Foto: Petra Grünendahl.

Der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e.V. hat es sich mit Gründung 1904 zur Aufgabe gemacht, Geschichte und Kultur der Grafschaft Moers zu schützen und zu erhalten. Neben dem Grafschafter Museum im Schloss Moers gehört auch das Industriedenkmals Rheinpreußen Schacht IV dazu, für das der GMGV nach dessen Stilllegung 1962 erst Ende der 1990er-Jahre die Nutzungsrechte übertragen bekam. Das Nutzungsrecht für den Standort schließt den Erhalt des Industriedenkmals ebenso ein wie die Pflege der Vergangenheit, hat doch der Bergbau die Region massiv geprägt und Moers zu dem gemacht, was es heute ist. Ehrenamtlich führen Mitglieder des GMGV durch die Sammlung und erklären interessierten Besuchern Anlagen und Maschinen sowie die Bergbau-Sammlung, die Vereinsmitglieder hier zusammen getragen haben. Das Industriedenkmal ist von Mai bis Oktober jedem Sonntag von 13 bis 16 Uhr geöffnet.
https://gmgv-moers.de/

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (3), Knappenchor Rheinland (1)

 

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Essen Motor Show: Das PS-Festival 2019 ist gestartet

Tiefer, härter, breiter, schneller:
Aber auchl und sicher!

Von Petra Grünendahl

Essen Motor Show 2019. Foto: :Petra Grünendahl.

Mit dem VDAT e. V. (Verband der Automobil Tuner e.V.) engagieren sich seit 2005 Dienste für technische Überwachung, Automobilclubs und andere Akteure für sicheres Tuning im Rahmen des gesetzlich erlaubten. In Essen treffen sie alle Jahre wieder ihr Publikum mit Aufklärung und ihrem Blickfang: einem getunten Polizeifahrzeug. Das neue Kampagnen-Polizeifahrzeug von „Tune it! Safe!“, ein Audi RS4-R, stammt von Abt Tuning aus Kempten (Allgäu). Blickfänge bietet die Essen Motor Show aber auch darüber hinaus reichlich: getunte und gut gestylte Fahrzeuge aller Fahrzeugklassen. Tuning, Motor- und Rennsport, Formel 1 und sportliche Serienfahrzeuge, Designstudien sowie Unikate und Kuriositäten stehen im Fokus der Essen Motor Show, aber auch Werkzeug, Tuningteile und Zubehör locken während der zehntätigen Messe die Besucher. Überhaupt kommen Freunde sportlicher, veredelter und individualisierter Fahrzeuge hier auf ihre Kosten. Breiten Raum gewährt man auch Oldtimern (Classic Cars u. a. im Classic & Prestige Salon), automobilen Kunstwerken und zukunftsweisenden Studien. Die Fans zieht hier das Tuning von größeren Tunern ebenso wie Fahrzeuge privater Tuner, Fahrzeugtechnik, Zubehör und Werkzeuge. Automobilzulieferer der Segmente Reifen, Felgen und Fahrwerk runden das Angebot ab. Raum gibt die Essen Motor Show neben sicherem Tuning auch der Verkehrssicherheit.

Essen Motor Show 2019. Foto: :Petra Grünendahl.

Zum Preview Day durften wir einen ersten Blick auf die 52. Essen Motor Show 2019 werfen. Skoda ist als letzter Autohersteller (Importeur) noch selber mit einem großen Stand vertreten und zeigt sein Hochleistungs-SUV Kodiaq RS mit Biturbo-Aufladung (240 PS), weitere überwiegend sportlich gestylte aktuelle Modelle inklusive Octavia Combi RS60 und Karoq Sportline sowie den Rallye-Bolide Fabia R5. Mit dabei sind aber auch Elektro- oder elektrifizierte Fahrzeuge. Volkswagen zeigt das Elektrorennfahrzeug ID.R und Großserienmodell ID.3 als Beispiel für Wissens- und Technologietransfer zwischen Motorsport und Serienentwicklung. Verschiedene Automarken sind mit regionalen Händlern vertreten. Die Mercedes FanWorld zeigt sportliche Modelle mit dem Stern.

 

Essen Motor Show 2019. Foto: :Petra Grünendahl.

Freunde der automobilen Individualisierung (auch „Tuning“ genannt), die Schrauber, Bastler und Sammler finden reichlich „Material“ für ihr Hobby. Fahrzeugpflege und Lifestyle-Produkte runden das Angebot ab. Automobile Kunstwerke präsentieren rund 160 private Besitzer aus ganz Europa in der tuningXperience mit einer Sondershow in Halle 1A sowie Halle 3. In Halle 3 zeigt die Essen Motor Show eine Sonderschau mit Rennfahrzeugen, darüber hinaus Fahrzeuge mit Elektroantrieb, Ladesäulen- sowie eAuto- und Mobilitäts-Konzepte. Oldtimer-Fans finden auch (aber nicht nur) sportliche Exemplare sowohl von Händlern als auch private Fahrzeuge überwiegend über Markenclubs, wo sich nicht selten mit den Eigentümern der Fahrzeuge fachsimpeln lässt. Über 500 Aussteller aus 16 Nationen zeigen auf rund 100.000 Quadratmetern Ausstellungsflächen Fahrzeuge, Produkte und Service rund ums Auto. Über 300.000 Besucher werden zu Europas führendem Event für sportliche Fahrzeuge erwartet.

Impressionen von der Essen Motor Show 2019

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Fotos: Petra Grünendahl.

 

Öffnungszeiten und Preise

Essen Motor Show 2019. Foto: :Petra Grünendahl.

Die Essen Motor Show läuft noch bis Sonntag, 8. Dezember 2018. Geöffnet ist täglich von 10 bis 18 Uhr, am Wochenende von 9 bis 18 Uhr. Die Tageskarte kostet 16 Euro (ermäßigt 13 Euro). Ein Nachmittagsticket (ab 15 Uhr) ist für 10 bzw. 8 Euro zu haben, ein Zwei-Tages-Ticket 28 Euro. An Ticket-Specials gibt es das Girls-Day-Ticket (2. Dezember, nur an der Tageskasse) für 6 Euro sowie das Ticket4You (vier Personen inkl. Parken, nur im Vorverkauf) für 60 Euro. Parken kostet 10 Euro auf den Parkplätzen in unmittelbarer Nähe sowie auf Messeparkplätzen etwas weiter weg (inklusive Shuttle-Service). Die regulären Tagestickets sind im Vorverkauf (online oder Telefon 0201 / 3101-430) günstiger. Weitere Ticket-Variationen und Infos gibt es unter www.essen-motorshow.de. Der Ticket-Vorverkauf läuft über den Ticketservice der Messe Essen .

© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Duisburger Stadtarchäologie stellt dritten Jahresband vor: Dispargum 2018

In die Tiefen der Duisburger Geschichte eintauchen
Von Petra Grünendahl

Stadtarchäologe Dr. Kai Thomas Platz und Wirtschaftsdezernent Andree Haack stellen den neuen Band „Dispargum – Jahresberichte der Duisburger Stadtarchäologie“ für das Jahr 2018 vor. Foto: Petra Grünendahl.

„Immer wenn viel gebaut wird, wird viel gegraben“, erklärte Duisburgs Wirtschaftsdezernent Andree Haack. Darüber freue sich die Stadtarchäologie, die vor der Bautätigkeit das Gelände nach Spuren früherer Besiedlung durchsucht. Dabei bringen Fundstücke neue Erkenntnisse über Zeiten aus Duisburgs Geschichte: „Duisburg ist ja nicht erst mit der Industrialisierung entstanden, sondern war im Mittelalter ein reicher Handelsplatz – und Funde weisen auch auf Siedlungen aus römischer Zeit hin“, erzählte der Stadtarchäologe Dr. Kai Thomas Platz. Ein Glücksfall sei, so der Stadtarchäologe, das Rheinniedrigwasser des vergangenen Jahres gewesen: „Im Beeckerwerth haben wir am freigelegten Rheinufer Kalksandstein-Relikte gefunden, unter anderem wohl römischen Ursprungs“, erzählte Platz. Was nicht geborgen wurde, liege heute wieder gut schützt unter Wasser. Drohnen-Fotos haben den Fundort aber gut dokumentiert. „Man muss immer die Augen aufhalten“, so der Archäologe. Manchmal bekomme man auch Hinweise von Duisburgern.

 
Den dritten Band der Jahresberichte der Duisburger Stadtarchäologie „Dispargum 2018“ stellte Dr. Kai Thomas Platz, Herausgeber der Publikation, zusammen mit dem Beigeordneten Andree Haack vor, zu dessen Dezernat die Untere Denkmalbehörde gehört. Das Buch macht neue Erkenntnisse der Bodendenkmalpflege einem geschichtsinteressierten Publikum bekannt: Hier sind es Ausgrabungen aus dem Jahr 2018, denn die Aufarbeitung der Ergebnisse braucht seine Zeit. Zumal die Arbeiten für das Buch neben der normalen Arbeit der Stadtarchäologie zusätzlich laufen, wie Platz erklärte. Es sei aber, so der Stadtarchäologe, der gesetzliche Auftrag der Stadtarchäologie, ihre Funde und Erkenntnisse einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. „Für diese Publikation werden wir vom nordrhein-westfälischen Heimat- und Bauministerium finanziell unterstützt“, so Platz.

 

 
Das Dunkel der Geschichte füllen

Stadtarchäologe Dr. Kai Thomas Platz und Wirtschaftsdezernent Andree Haack stellen den neuen Band „Dispargum – Jahresberichte der Duisburger Stadtarchäologie“ für das Jahr 2018 vor. Foto: Uwe Köppen / Stadt Duisburg.

Wenig Erkenntnisse gebe es bislang aus der Merowinger-Zeit (ca. 5. bis 8. Jahrhundert), bedauerte Dr. Platz. Trotz nachweislicher Besiedlung schon zur Römer-Zeit wurde Duisburg erst 883 mit der Zerstörung der Stadt durch die Wikinger erstmals urkundlich erwähnt. Seiner Lage am Hellweg, einer bereits seit Jahrhunderten existierenden Handels- und Heerstraße, verdankte das mittelalterliche Duisburg seinen Aufstieg und Reichtum. Mit einem Königshof, der Kaiserpfalz, gewann Duisburg auch rechtliche Bedeutung. Überreste dieser Kaiserpfalz würde man wohl unter dem Areal Burgplatz / Rathaus / Salvatorkirche finden, wenn man dort graben könnte.

Neben den neuen Erkenntnissen der Stadtarchäologie enthalten die Jahresbände auch eine Zusammenfassung der stadtarchäologischen Aktivitäten in einem Duisburger Bezirk von etwa 1900 bis 2015 (Aktivitäten ab 2016 sind ja stadtübergreifend in den Jahresbänden verfügbar). Im dritten Band dieser Reihe wird der 3. Bezirk der Stadt, Meiderich-Beeck, dargestellt. Die vielfältigen Beiträge des Buches stammen zum Teil von den Mitarbeitern der Stadtarchäologie (Untere Denkmalbehörde), teilweise aber auch von externen Wissenschaftlern. Sie sind fachlich fundiert, aber auch für den geschichtlich interessierten Amateur gut zu verstehen.

 

Der dritte Band der Reihe „Dispargum – Jahresberichte der Duisburger Stadtarchäologie“ für das Jahr 2018 ist im Verlag Dr. Faustus erschienen und im lokalen Buchhandel für 35 Euro zu haben (ISBN 978-3-946387-23-7). Auch die beiden ersten Bände (Dispargum 2016 und Dispargum 2017) sind noch verfügbar, müssten dann aber wohl bestellt werden (beide kosten ebenfalls 35 Euro).

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text)
Foto: Petra Grünendahl (1), Uwe Köppen (1)

 

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Loveparade-Strafprozess: Sachbearbeiter B. der Duisburger Bauaufsicht sagte aus

Bauamt für Zuwege ebenso wenig zuständig wie für den Veranstaltungsbetrieb auf dem Gelände
Von Petra Grünendahl

Juni 2011: Ansichten der Rampe zum alten Güterbahnhof aus dem Jahr 2011. Fotos: Petra Grünendahl.

„Ich habe regelmäßig Bauanträge auf Nutzungsänderungen für Veranstaltungen bearbeitet und genehmigt: Landschaftspark Nord, Stadtwerke, Siemens oder HKM“, zählte der Zeuge B. auf, nachdem ihn der Vorsitzende Richter Mario Plein gefragt hatte, wie viele Großveranstaltungen er schon genehmigt habe. „Dass er gar keine „Veranstaltungen“ genehmige, hat der 65-jährige technische Sachbearbeiter der Unteren Bauaufsicht der Stadt Duisburg nicht hervorgehoben. Unternehmen bzw. Betreiber von Örtlichkeiten müssten eine Nutzungsänderung für ihr Gelände hätten beantragen müssen, wenn sie Veranstaltungen mit mehreren Tausend Leute dort ausrichten wollten. Für Veranstaltungen im Landschaftspark Nord gebe es, so der Zeuge, mittlerweile eine generelle Baugenehmigung. Als Ende März 2010 klar war, dass für die Loveparade eine Genehmigung nach Sonderbau-Verordnung (also Baurecht) nötig war, sei er als Ersatzmann ins Team der Unteren Bauaufsicht gekommen, Ende Mai – nach Erkrankung eines Kollegen – fest in die Thematik eingestiegen.

 

Der Vorstizende Richter Mario Plein (mitte) mit zwei beisitzenden Richtern beim Loveparade-Strafprozess im Gerichtssaal im Congress Center Düsseldorf. Foto: Lars Heidrich / Funke Foto Services.

Als Zeugen hatte die 6. große Strafkammer des Landgerichts Duisburg einen zweiten Sachbearbeiter der Unteren Bauaufsicht im Amt für Baurecht und Bauberatung der Stadt Duisburg geladen, der für die Bearbeitung der Baugenehmigung mit zuständig war. Der Schwerpunkt seiner Arbeit, so der Bauingenieur und Architekt, habe im Bereich Sonderbauten Industrie im ganzen Stadtgebiet gelegen. Der heute 65-jährige technische Angestellte hatte bis Jahresanfang zu den Angeklagten gehört. Gegen ihn war das Verfahren aber – wie gegen alle damaligen Mitarbeiter der Stadt sowie einen ehemaligen Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent – ohne Auflagen eingestellt worden. Gegen drei Angeklagte wird wegen fahrlässiger Tötung in 21 Fällen und fahrlässiger Körperverletzung weiter verhandelt: Sie waren damals als Mitarbeiter der Lopavent GmbH an den Planungen des Events beteiligt. Der Vorsitzende Richter Mario Plein ließ den Zeugen zunächst erzählen, welche Rolle er im Genehmigungsverfahren spielte, bevor er ihm aus Schriftstücken, Ermittlungsakten sowie Aussagen von Zeugen Sachverhalte vor hielt.

 

 
Später Bauantrag und umfassende Nachforderungen

Juni 2011: Ansichten der Rampe zum alten Güterbahnhof aus dem Jahr 2011. Fotos: Petra Grünendahl.

Ab März 2010 sei man bei den schon länger laufenden wöchentlichen Sitzungen der Arbeitgruppe 4 (AG4 Sicherheit) dabei gewesen, erzählte der Zeuge, wo er und seine Kollegen von der Bauaufsicht schauen sollten, „was für unseren Bauantrag relevant sein könnte.“ Der Bauantrag war nötig, weil die Duisburger Veranstaltung nicht – wie frühere Loveparades – im öffentlichen Raum, sondern auf einem eingezäunten Privatgelände statt fand. Trotz mehrfacher Mahnung ging ein formeller Bauantrag erst am 10. Juni 2010, also gut sechs Wochen vor der geplanten Veranstaltung, beim Bauordnungsamt ein. Die Eingangsbestätigung vom 14. Juni sei mit umfassenden Nachforderungen versehen gewesen, vierzehn Tage später seien diese noch einmal angemahnt worden. Zu den Nachforderungen gehörten laut B. das Brandschutzkonzept mit ausreichenden Fluchtwegen für die Besucher.

 
„Haben Sie sich Gedanken gemacht, wie Leute auf Gelände kommen?“, fragte der Richter nach. „Die Bauordnung fragt nicht, wie Leute aufs Gelände kommen. Wir wollten nicht den Sicherheitsbehörde dazwischen reden: Die mussten das entscheiden!“, so B., der aber auch andeutete, dass von dort durchaus die Ansage gekommen sei, man solle sich um sein Fachgebiet kümmern. „Haben Sie sich Gedanken gemacht, wie die Leute oben an der Rampe an den Floats vorbei aufs Gelände kommen?“, fragte der Richter weiter nach. Der Zeuge darauf: „Wir betrachten von der Bauordnung nur den Brandfall, nicht die Zuwege: Die ist Sache des Betreibers. Es gab die Prämisse: keine Stauungen im Tunnel.“

 
Das endgültige Sicherheitskonzept von Lopavent sah eine Besuchersteuerung oben auf dem Gelände ebenso vor wie Maßnahmen, die den Besucheransturm drosseln sollten: das Schließen der Vereinzelungsanlagen, das Durchfahren der Züge am Hauptbahnhof. „Wir überprüfen nur, ob sich das finale Konzept – kein Entwurf – konkret auf die geplante Veranstaltung bezieht. Die Plausibilität ist Sache der Sicherheitsbehörden. Wir als Bauordnung können das gar nicht überprüfen.“ Das Sicherheitskonzept sei in einer Sitzung am 15. Juli von allen Beteiligten ohne Bedenken oder Einwände abgenickt worden: Polizei, Bundespolizei, Ordnungsamt und Feuerwehr.

 

 
Kernthema war der Brandschutz

Juni 2011: Ansichten der Rampe zum alten Güterbahnhof aus dem Jahr 2011. Fotos: Petra Grünendahl.

„Bei Besprechungen der AG4 haben wir uns sehr zurückgehalten. Das waren Besprechungen von Lopavent mit Polizei, Feuerwehr und Ordnungsamt. Wir haben immer nur nach dem Bauantrag gefragt“, so der 65-Jährige. Erst als der auf Papier vorgelegen habe, habe man in die Prüfung der Unterlagen einsteigen können – und umfangreiche Unterlagen nachgefordert, die der Gesetzgeber für einen solchen Antrag für nötig hielte.

 
Für das Szenarien-Management war ein Gremium aus Polizei, Bundespolizei, Ordnungsamt und Feuerwehr zuständig – ohne die Bauordnung: „Das wäre nichts für uns, hatte man gesagt“, so B., der klar stellte: „Die Kernfrage der Baugenehmigung war der Brandschutz: Wie können Besucher entfluchtet werden? Für den Betrieb auf der Veranstaltungsfläche oder Zuwege im öffentlichen Raum sind wir nicht zuständig!“ Mit der Bauzustandsbesichtigung – Ortstermin war am Nachmittag des 23. Juli – sei das Baugenehmigungsverfahren beendet gewesen.

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (3), Lars Heidrich / Funke Foto Services (1)
 

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Duisburger Stadtrat verabschiedete Haushalt in letzter Sitzung des Jahres

Finanzen für 2020 und 2021 festgezurrt
Von Petra Grünendahl

Diskussionen vor der Sitzung des Stadtrates. Foto: Petra Grünendahl.

„In meinen 20 Jahren im Rat hat es nie einen so guten und ausgewogenen Haushalt gegeben“, lobte SPD-Fraktionschef Bruno Sagurna den von Kämmerer Martin Murrack vorgelegten Haushalt, der mit nur wenigen Änderungswünschen im Duisburger Stadtrat zu Abstimmung anstand. „Die Schwarze Null ist für uns kein Fetisch, sondern ein Ansatz, unsere finanzpolitische Freiheit zurück zu erlangen“, betonte auch Rainer Enzweiler, Vorsitzender der CDU-Ratsfraktion. In den Etatentwürfen für die Jahre 2020 und 2021 hat die Stadtverwaltung Gelder für „freiwillige Leistungen“ einfließen lassen, die durch die Verringerung von Schulden möglich wurden. Mit einer großen Mehrheit im Rücken, die schon die Zusammenarbeit von SPD und CDU sicherte, konnte Oberbürgermeister Sören Link zuversichtlich in die Tagesordnungspunkte der Abstimmung (TOP 2 bis 8) gehen.

 
In seiner letzten Sitzung des Jahres verabschiedete der Rat der Stadt Duisburg mit großer Mehrheit den Haushalt für die beiden kommenden Jahre. Die Stadt hat damit wieder Spiel für Investitionen, die nach Jahre langem Sparen mittlerweile insbesondere in der Infrastruktur – Schulen und Kitas sowie Brücken und Straßen stehen hier ganz oben auf der Liste – dringend benötigt werden. Nachdem dieser Auftakt der Tagesordnung mit allen Etatreden und Zusatzanträgen erst nach über drei Stunden abgehakt war, konnten sich die Ratsleute dann weiteren 84 Tagesordnungspunkten (TOP) im öffentlichen Teil sowie 14 TOP im nichtöffentlichen Teil widmen: Die letzte Ratssitzung des Jahres hat es da erfahrungsgemäß in sich, bevor sich die Ratsleute in die Vorweihnachtszeit verabschieden dürfen.

 

 
Doppelhaushalt schafft finanzielle Freiheiten

Rathaus am Burgplatz. Foto: Petra Grünendahl.

Für das Jahr 2020 plant die Stadt Duisburg mit 1,984 Mrd. Euro Ausgaben bei 1,993 Mrd. Euro Einnahmen (das macht ein Plus von fast 9 Mio. Euro), für 2021 steigt der Etat auf fast 2,005 Mrd. Euro bei Einnahmen von knappen 2,006 Mrd. Euro (plus 1,5 Mio. Euro). Auch die Fortschreibungen der Finanzplanung bis 2024, in denen die Stadt dann ohne Zahlungen aus dem Stärkungspakt Stadtfinanzen auskommen muss, liegen jeweils bei über 1 Mio. Euro in einem Gesamtetat von knapp über 2 Mrd. Euro. Die Berechnungen setzen allerdings voraus, dass die Zinsen niedrig und die wirtschaftliche Entwicklung positiv bleibt.

 
Für eine dauerhafte Lösung des Altschulden-Problems, welches viele Kommunen im Ruhrgebiet umtreibt, braucht es allerdings die Mitarbeit von Bund und Land. Zum einen müssten diese endlich Zahlungsverpflichtungen, die sie auf die Kommunen abwälzen, mit einer ausreichenden Finanzierung ausstatten. Zum Zweiten wäre ein Schuldenschnitt sinnvoll, denn viele dieser Altschulden gehen darauf zurück, dass Bund und Land den Städten Kosten aufgedrückt haben (und immer noch tun), für die die Städte sehen mussten, woher sie das Geld kriegen. Neben Schulden machen haben Städte nämlich wenig Möglichkeiten, ihre Einnahmen zu steigern: Ihre einzigen selbst bestimmten Einnahmen generieren sich aus Grund- und Gewerbesteuern, die wiederum die Wettbewerbsfähigkeit im Umland in Konkurrenz zu den Nachbarstädten beeinträchtigen. Eine Neuordnung der Kommunalfinanzierung wäre dringend nötig!

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Museum DKM in Duisburg zeigt Architektur-Fotografie von Klaus Kinold

Museum DKM in Duisburg zeigt Architektur-Fotografie von Klaus Kinold
Architektur mit den Augen des Fotografen
Von Petra Grünendahl

Architektur-Fotograf Klaus Kinold im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Überwiegend hat Klaus Kinold (*1939 in Essen) die Fotografien der Ausstellung im Museum DKM in Schwarz-Weiß fotografiert. „Nur wo die Farben von Bedeutung waren, habe ich einen Farbfilm benutzt“, erklärte der Fotograf. Der leicht bedeckte Himmel lässt die Farben gedämpft wirken, die Wiesen mit Gänseblümchen und Löwenzahn heben sich damit nicht allzu deutlich von den Grautönen der Umgebung, von Mauern, Wegen und Treppen ab. Die Fotos von Carlo Scarpas „La Tomba Brion“ in San Vito D-Altivole (Provinz Treviso, Italien) seien alle an einem Tag entstanden, so Kinold. Damals wie heute fotografiert der Wahl-Münchener analog: Mittel- und Großformat-Kameras (9×6 cm bzw. 18×24 cm) kommen zum Einsatz, mit einer aufwändigen Entwicklung von Dias und Negativen im eigenen Haus. Die kleinformatigen Bilder (A2) stammten eingescannt vom eigenen Fotodrucker, erzählte der Künstler. Die Großformate lasse er drucken.

 

Stellten die Ausstellung im Pressegespräch vor (v. l.): Dirk Krämer, Klaus Kinold und Klaus Maas. Foto: Petra Grünendahl.

Zusammen mit dem Künstler Klaus Kinold stellten Museumsstifter Klaus Maas und Dirk Krämer im Museum DKM die neue Sonderausstellung vor, die nur der Auftakt zu einer Reihe von Kinolds Archtiektur-Fotografien ist. Der venezianische Architekt Scarpa, den Kinold in den 1980er-Jahren als Motiv entdeckt hatte, hatte der Unternehmerfamilie Brion zwischen 1969 und 1976 auf 2.000 Quadratmetern die Familiengrabstätte „La Tomba Brion“ geschaffen. Das Areal der monumentalen Grabanlage grenzt an den dörflichen Friedhof: Mit Pavillon, Kapelle, Wasserbecken und Wiesen. Ein Ort der Ruhe und Meditation – und ein architektonisches Denkmal. Auf einer Reise im Jahr 1985 lichtete Kinold das Gräber-Denkmal ab: „Die Grabstätte hatte damals schon Patina angesetzt, wie sich Scarpa dies vorgestellt hatte, war aber noch nicht in dem heutigen verfallenen Zustand“, erzählte Kinold. Eine Art „Idealzustand zwischen Fertigstellung und Verfall“ nannte es Hans-Michael Koetzle in einem Aussstellungskatalog zu dieser Ausstellung, die zuvor in der Kleinen Pinakothek in München zu sehen war. Gelungen sind Klaus Kinold damit Zeitaufnahmen, die sich so nicht wiederholen lassen. Die Ausstellung eröffnet am Samstag, 23. November, fürs Publikum.

 

 
Der Künstler Klaus Kinold

Architektur-Fotograf Klaus Kinold. Foto: Petra Grünendahl.

Nach dem Abitur war der in einer streng katholischen Familie aufgewachsene Kinold zunächst zum Studium nach München gegangen, bevor er an der Technischen Hochschule in Karlsruhe bei Egon Eiermann (Stichwort: alte Horten-Fassade) Architektur studierte. Nebenbei begann er mit der Fotografie, so dass er nach seinem Architektur-Diplom 1968 ein Atelier für Architekturfotografie in München eröffnete, wo er bis heute lebt und arbeitet. Er fotografierte für Architekturzeitschriften und Fachbücher. Als Künstler entdeckt hat ihn der Berliner Galerist Rudolf Kicken. Ausgestellt hat Klaus Kinold seine Werke in Einzel- und Gruppenausstellungen weltweit. Einige seiner Werke befinden sich in Museumsbesitz.

 

 
Museum DKM

Architektur-Fotograf Klaus Kinold vor zweien seiner Großformate. Foto: Petra Grünendahl.

Architektur mit dem Auge des Fotografen: Architektur-Fotograf Klaus Kinold im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Neben den Fotografien der Grabstätte im Hauptausstellungsraum sind in angrenzenden Räumen Panoramafotografien von Kinolds Reisen nach Venedig und ins Veneto zu sehen. Die Sonderausstellung ist im Museum DKM bis zum 10. Mai 2020 in den Wechselausstellungsräumen im Anbau zu sehen. Regulär geöffnet hat das private Museum DKM der Stifter Klaus Maas und Dirk Krämer an der Güntherstraße 13-15 im Dellviertel samstags, sonntags und an Feiertagen zwischen 12 und 18 Uhr sowie jeden ersten Freitag im Monat ebenfalls zwischen 12 und 18 Uhr*. Montags bis freitags wird ansonsten nur nach Vereinbarung für Gruppen geöffnet*. Der Eintritt kostet 12 Euro (ermäßigt 6 Euro, für Schüler und Studenten bis 28 Jahre), Kinder bis 7 Jahre haben freien Eintritt. Für Gruppen (zw. 10 und 15 Personen) gibt es einen Gruppentarif (10 Euro pro Person) zzgl. einer (kostenpflichtigen) Führung. Eine Jahreskarte** kostet 100 Euro. Die Teilnahme an der Freitagsführung kostet 6 Euro zusätzlich zum Eintritt. Weitere Infos gibt es hier.

 
*) An folgenden Tagen haben ist grundsätzlich geschlossen: 24. bis 26. Dezember, 31. Dezember und 1. Januar.
**) Nicht übertragbar, berechtigt zum kostenlosen Eintritt während der regulären Öffnungszeiten.

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)
 

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Deutsche Oper am Rhein: Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ begeisterte im Theater Duisburg

Kampf um Macht und Besitz zerstört die alte Weltordnung
Von Petra Grünendahl

Götterdämmerung: Siegfried (Michael Weinius), Brünnhilde (Linda Watson). FOTO: Hans Jörg Michel.

Das Bühnenbild beherrscht ein rostiger Kahn, der den Namen „MS Wodan“ trägt und die alte Weltordnung der Götter symbolisiert, die dem Untergang geweiht ist: Wotans Speer ist zerbrochen, die Weltesche gefällt. Siegfried (Corby Welch) und Brünnhilde (Linda Watson) feiern hier auf dem symbolischen Walkürenfelsen ihre Liebe. Bevor Siegfried zu neuen Heldentaten zieht, tauschen sie Siegfrieds „Ring“ und ihr Pferd „Grane“ als Pfand ihrer Liebe. Siegfried zieht zum Gibichungen-Hof, wo Bösewicht Hagen (Sami Luttinen) seine Halbgeschwister Gunther (Bogdan Baciu) und Gutrune (Sylvia Hamvasi) anstachelt, mit einem Zaubertrank Siegfried an Gutrune zu binden, damit dieser unter seiner Tarnkappe als Gunther Brünnhilde bezwingt.

Götterdämmerung: Hagen (Hans-Peter König), Gunther (Bogdan Baciu). Foto: Hans Jörg Michel.

Hagens Intrige geht auf: Siegfried hat seine Liebesvergangenheit mit Brünnhilde vergessen und „erobert“ die ehemalige Walküre für Gunther. Brünnhilde klagt Siegfried an, als sie mit Gunther als Brautpaar zum Hof zurückkehrt. Siegfrieds „Meineid“ will Brünnhilde rächen: Sie erzählt Hagen von Siegfrieds Schwäche. Hagen verfolgt eigene Ziele, will er doch Siegfrieds Ring zurück, den Hagens Vater Alberich (Stefan Heidemann) geschmiedet hatte und der Macht und Besitz verheißt. Siegfried war immun gegen die Macht des Ringes, so dass Alberichs Fluch an ihm abprallte. Allerdings soll der Ring Siegfried doch den Tod bringen. Ein weiterer Zaubertrank Hagens löst Siegfrieds Gedächtnis, so dass er im Sterben seine Vergangenheit erzählt: Gunther und schließlich Gutrune erfahren die Wahrheit. Brünnhilde reitet mit Grane in Siegfrieds Scheiterhaufen, um mit ihm in den Tod zu gehen, nachdem sie den Ring (und damit das Rheingold) den Rheintöchtern zurück gegeben hat.

 

Götterdämmerung: Gunther (Bogdan Baciu), Brünnhilde (Linda Watson). Foto: Hans Jörg Michel.

Mit der „Götterdämmerung“ aus Richard Wagners Zyklus „Der Ring des Nibelungen“ feierte schließlich die szenische Inszenierung der Deutschen Oper am Rhein ihre viel umjubelte Premiere im Theater Duisburg. Wegen eines Wasserschadens im Theater war die ursprüngliche Aufführung nur konzertant in der Mercatorhalle möglich gewesen. Mit der kompletten Tetralogie, dem „Ring am Rhein“, kam die Inszenierung von Dietrich W. Hilsdorf nun vollständig auf die Duisburger Bühne. Dirigent Axel Kober hatte die Einstudierung von Wagners „Der Ring des Nibelungen“ in der Inszenierung von Dietrich W. Hilsdorf in Düsseldorf und Duisburg initiiert. Kober ist nicht nur Generalmusikdirektor der Deutschen Oper am Rhein sowie der Duisburger Philharmoniker, sondern auch einer der renommiertesten Wagner-Dirigenten, weswegen er einige Male schon für die Bayreuther Festspiele engagiert wurde. An allen vier Opernabenden dirigierte er die hervorragend aufspielenden Duisburger Philharmoniker, die Wagners vielfältige und variantereiche Komposition mit Bravour intonierten.

 

Götterdämmerung: Gutrune (Sylvia Hamvasi), Siegfried (Michael Weinius). FOTO: Hans Jörg Michel.

Dietrich W. Hilsdorfs Interpretation von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ ist militärisch-kriegerisch geprägt, was sich in Bühnenbild-Gestaltung und Kostümen niederschlägt. Das setzten Renate Schmitzer in Kostüme und Dieter Richter in ein Bühnenbild um, welches von Volker Weinhart effektvoll in Szene gesetzt wurde. Die Texte der Opern stammen vom Komponisten: Gesungen wird in deutscher Sprache, deutsche Übertitel erleichtern das Verständnis der Handlung. Die Deutsche Oper am Rhein brachte die Tetralogie innerhalb von sechs Abenden auf die Bühne im Theater Duisburg: Dem zweieinhalbstündigen Vorspiel (ohne Pause) folgten Opernabende von 4¾, 5 und 5½ Stunden (jeweils mit zwei Pausen). In dieser Dichte ist es eine Herausforderung für alle Akteure, die das begeisterte Publikum bei allen Vorstellungen völlig zu Recht mit minutenlangem Pausen- und Schlussapplaus feierte.

 

 
Fantastische Aufführung: Der “Ring am Rhein” als Gesamtwerk

Das Rheingold: Kimberley Boettger-Soller (Wellgunde), Iryna Vakula (Floßhilde), Stefan Heidemann (Alberich), Heidi Elisabeth Meier (Woglinde) FOTO: Hans Jörg Michel.

Nachdem die Rheintöchter (Heidi Elisabeth Meier, Maria Hilmes und Anny Harvey) den Zwergen Alberich (Stefan Heidemann) gedemütigt haben, schwört dieser der Liebe ab und kann das Weltherrschaft „verheißende „Rheingold“ entwenden. Gottvater Wotan (James Rutherford) hat von den Riesen Fafner (Lukasz Konieczny) und Fasolt (Bogdan Talos) Walhall bauen lassen, will nun diesen aber nicht die versprochene Bezahlung – seine Schwägerin Freia (Anna Priceva) – überlassen. Er stielt Alberich das Rheingold samt Ring und Tarnhelm, worauf der Zwerg den Ring verflucht. Anstelle von Freia gibt Wotan den Riesen den Gold-Hort samt Tarnkappe und den verfluchten Ring, der sofort seine Wirkung entfaltet: Fafner erschlägt seine Bruder. Wotan zieht mit seiner Frau Fricka (Katarzyna Kuncio) in Walhall ein, sein Verhalten hat aber die Götterwelt erschüttert.

 

Die Walküre: Daniel Frank (Siegmund), Sarah Ferede (Sieglinde). FOTO: Hans Jörg Michel.

Viele Jahre später setzt die „Walküre“ ein: ein Flüchtender, Siegmund (Michael Weinius), sucht Schutz, welches die Herrin des Hauses, Sieglinde (Sarah Ferede), ihm gewährt. Sie war gegen ihren Willen mit Hunding (Sami Luttinen) verheiratet worden. Sieglinde erkennt in Siegmund den Befreier, den ihr ein Fremder, Wotan (James Rutherford), bei ihrer Hochzeit verheißen hat. Die beiden sind Geschwister, die als Kinder getrennt wurden, ihre Liebe ist Inzest. Hunding verlangt die Bestrafung des Ehebruchs. Wotan bittet seine Tochter, die Walküre Brünnhilde (Linda Watson), Siegfried zu schützen. Fricka, Hüterin von Familie und Ehe, verlangt aber Siegfrieds Tod. Daraufhin befiehlt Wotan seiner Tochter, Hundings Sieg zu sichern. Im Kampf zwischen Siegmund und Hunding zerstört Wotan mit seinem Speer Siegmunds Schwert Nothung. Brünnhilde, die sich Wotans Willen widersetzt hat, flieht mit den Schwertstücken und der schwangeren Sieglinde. Zur Strafe versetzt Wotan Brünnhilde, die Sieglinde allein im Wald zurückgelassen hat, in einen tiefen Schlaf, umgeben von einem Feuerring, den nur ein Held durchschreiten kann, der das Feuer nicht fürchtet.

 

Siegfried: Siegfried (Michael Weinius), Mime (Cornel Frey). FOTO: Hans Jörg Michel.

Sieglindes Sohn „Siegfried“ (Corby Welch) wächst nach dem Tod seiner Mutter beim Zwergen-Schmied Mime (Cornel Frey) auf, Alberichs Bruder. Da der Junge die Furcht nicht kennt, kann er Nothung neu schmieden. Mime will ihn benutzen, den Ring des Nibelungen vom Riesen Fafner zurück zu bekommen. Als Siegfried Fafner besiegt hat, durchschaut er aber die Intrige seines Ziehvaters und erschlägt ihn. Siegfried lässt den Schatz zurück und nimmt nur Ring und Tarnkappe mit sich, ohne deren Bedeutung zu kennen. Auf dem Weg zu Brünnhilde begegnet er seinem Großvater Wotan, der als Wanderer durch die Welt zieht. Mit Nothung zerschlägt der junge Held Wotans Speer und damit die alte Ordnung. Nachdem Durchschreiten des Feuers weckt er Brünnhilde und die beiden feiern ihre Vereinigung: „leuchtende Liebe, lachender Tod“. Letztendlich scheitert jedoch Wagners Held Siegfried an seiner Naivität – „der das Fürchten nicht kennt“ –, was Brünnhilde, die Liebe und Mitgefühl verkörpert gegen Besitz und Macht, als strahlende Heldin in drei der vier Opern umso mehr hervorhebt.

 

Götterdämmerung: Siegfried (Corby Welch) mit dem Ring des Nibelungen. Foto: Hans Jörg Michel.

Obwohl jede der vier Opern natürlich auch für sich alleine völlig zu Recht bestehen kann, bot sich doch mit dem kompletten Ring-Zyklus die Gelegenheit, den „Ring des Nibelungen“ in seiner Gesamtheit zu erleben, ohne die Fäden der einzelnen Handlungsstränge aus den Augen zu verlieren. Viele Zuschauer waren denn auch an allen vier Abenden im Theater Duisburg zu Besuch, um genau dieses zu genießen. Aber vor allem die szenische Premiere von der „Götterdämmerung“ zog natürlich noch einmal etwas mehr Publikum ins dann tatsächlich voll besetzte Theater Duisburg. Die Zuschauer erlebten fantastische Aufführungen, die die Deutsche Oper am Rhein überwiegend und sehr hervorragend aus eigenen Reihen, aber auch ganz gezielt mit großartigen Gastsängern besetzt hatte. Das Publikum lobte dabei aber auch die konzertante Aufführung der „Götterdämmerung“ in der Mercatorhalle, sofern sie diese erlebt hatten, in höchsten Tönen! In dieser Spielzeit in Düsseldorf und in kommenden Spielzeiten in Duisburg werden Besucher wieder die Gelegenheit bekommen, den kompletten „Ring am Rhein“ zu erleben. Auch wenn sich die Aufführungen in der Woche natürlich für die angestellt arbeitende Bevölkerung schwierig gestalten lässt: Es lohnt sich auf jeden Fall!

 

 
Wagner als Revolutionär: Umbruch und Niedergang der alten Ordnung

Das Rheingold: VORNE Katarzyna Kuncio (Fricka), James Rutherford (Wotan) HINTEN Lukasz Konieczny (Fafner). FOTO: Hans Jörg Michel.

Während seiner Zeit als Kapellmeister in Dresden beschäftigte sich Richard Wagner (1813 – 1883) ab 1843 mit deutschen Sagen, der nordischen Edda, der griechischen Mythologie und dem Grals-Mythos. Daraus zog der Dramatiker und Komponist seine Ideen für seine monumentale Tetralogie, die als sein Hauptwerk gilt. Mit Siegfried schuf er den germanischen Helden und freien Menschen, der gegen die alte Weltordnung der Götter kämpfte: Ihre auf Macht und Besitz basierende Welt sollte einer neuen edleren Weltordnung Platz machen. Wagner war ein Anarchist, der die Revolutionen 1848/49 unterstützte und vom Umbruch alter Herrschaftsstrukturen und einem geeinten Deutschland träumte. Noch in Dresden vollendete er 1848 die Dichtung zu „Siegfrieds Tod“, aus der später die „Götterdämmerung“ wurde. Wegen seiner Beteiligung am Dresdner Maiaufstand 1849 floh Richard Wagner in die Schweiz, wo er seine Arbeiten an der Dichtung zum „Ring des Nibelungen“ fortsetzte. Er entwickelte seine Handlung vom Finale aus zurück, weil für den Zuschauer mehr Vorgeschichte nötig war, als er narrativ in der „Götterdämmerung“ verarbeiten konnte. Nach Abschluss der Textarbeiten komponierte Wagner dann ab 1851 die vier Opern vom Rheingold an sukzessive (bis 1874).

 

Die Walküre: Katharina von Bülow (Grimgerde), Simon Neal (Wotan), Katarzyna Kuncio (Waltraute), Evelyn Krahe (Schwertleite), Linda Watson (Brünnhilde), Jessica Stavros (Gerhilde). FOTO: Hans Jörg Michel.

Konzipiert ist das ganze als mehrtägiges Festspiel (drei Tage und ein Vorabend), für das er in Bayreuth ein Festspielhaus bauen wollte. Wagner unterbrach die Arbeiten an seinem Monumentalwerk immer wieder, weil er Geld brauchte: Kleinere Opern entstanden, die ihm finanziell über die Runden halfen, sein Hauptwerk zu vollenden. Allerdings musste sich Wagner schließlich beim „Rheingold“ und der „Walküre“ dem Willen seines Mäzens König Ludwig II. beugen, die fertigen Opern 1869 und 1870 am Nationaltheater München uraufzuführen. Wagner selber schwebte die Aufführung in einem Festspielhaus vor, welches nach seinen Entwürfen 1872 – 1875 in Bayreuth entstand. Dort feierten dann „Siegfried“ und die „Götterdämmerung“ im August 1876 bei der ersten Komplettaufführung des Rings unter der Leitung von Richard Wagner ihre Uraufführungen.

 

 
Ein kleiner Vorgeschmack:

 

 
Weitere Termine:

Götterdämmerung: Gutrune (Sylvia Hamvasi), Siegfried (Michael Weinius), Gunther (Bogdan Baciu), Brünnhilde (Linda Watson), Opernchor und Herren des Extrachors, Statisterie. FOTO: Hans Jörg Michel.

Die Walküre, So | 8. Dezember 2019 | 15 Uhr in Düsseldorf,
Das Rheingold, Sa | 21. Dezember 2019 | 19:30 Uhr in Düsseldorf und
Die Walküre, So | 22. Dezember 2019 | 19:30 Uhr in Düsseldorf.
Den kompletten Ring-Zyklus spielt die Deutsche Oper am Rhein in Düsseldorf vom 7. bis zum 13. April 2020 (innerhalb von sieben Tagen).
Im Theater Duisburg läuft der „Ring am Rhein“ erst in der Spielzeit 2020/21 wieder, bleibt aber im Repertoire für regelmäßige Wiederaufführungen.

 

 

Götterdämmerung: Siegfried (Michael Weinius), Brünnhilde (Linda Watson), Gutrune (Sylvia Hamvasi), Gunther (Bogdan Baciu), Opernchor und Herren des Extrachors. FOTO: Hans Jörg Michel.

Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten in Duisburg zwischen 19.00 und 76,00 Euro, in Düsseldorf ist es mit 27,00 bis 106,00 Euro (21,00 bis 96,00 Euro für „Das Rheingold“) teurer. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Hans Jörg Michel, Mannheim / Deutsche Oper am Rhein