Weiße Riesen in Homberg-Hochheide: Bürgerbeteiligung zur Planung der freiwerdenden Flächen

Der Weiße Riese fällt durch die Sprengung in sich zusammen. Foto: Petra Grünendahl.

Der erste Weiße Riese wurde im März 2019 gesprengt. Zwei weitere Hochhäuser werden noch folgen. Die im Zuge der Rückbauarbeiten freiwerdenden Flächen werden als parkähnliche Grünflächen ausgebaut, um die Aufenthaltsqualität im Quartier zu erhöhen. Zusammen mit den Bürgern und der Politik sollen Leitbilder sowie funktionale und gestalterische Ziele für die Entwicklung des gesamten Plangebietes entwickelt werden. Im Rahmen unterschiedlichster Beteiligungsangebote wird den Bürgern die Möglichkeit gegeben, ihre Wünsche und Anregungen in den Planungsprozess einzubringen. Besonderes Augenmerk liegt auf den Bereichen „Neuer Quartierspark“, „Ladenstadt“, Moerser- und Kirchstraße. Darüber hinaus können auch Vorschläge für die Namenswahl der neu geplanten Parkanlage eingereicht werden.

Die Reste des gesprengten Weißen Riesen in Homberg-Hochheide. Foto: Petra Grünendahl.

Bürger sind dazu eingeladen, am Dienstag, 29. Oktober, von 16.30 bis 18.30 Uhr und am Mittwoch, 30. Oktober, von 10 bis 12 Uhr an Spaziergängen durch das Quartier teilzunehmen. Treffpunkt ist das Quartiersbüro Hochheide auf der Moerser Straße 245. Das mit der Erstellung des Rahmenplans beauftragte Büro KRAFT.RAUM. wird gemeinsam mit den Teilnehmern durch das Quartier gehen und Anregungen sowie Vorschläge entgegennehmen. Die Spaziergänge führen durch den gesamten Betrachtungsbereich des Rahmenplans. Ferner besteht die Möglichkeit, sich morgen und am Samstag, 26. Oktober von 8 bis 13 Uhr am Informationsstand auf dem Wochenmarkt in Hochheide zur Planung zu erkundigen und Anregungen und Wünsche zu äußern.

Auf der Internetseite www.duisburg.de/weisseriesen besteht zudem von Donnerstag, 31. Oktober bis Donnerstag, 14. November, die Möglichkeit, an einer Online-Befragung teilzunehmen und Ideen sowie Vorschläge für die Neugestaltung der Freianlagen im gesamten Quartier einzureichen. Die Online-Beteiligung ist auch auf Englisch verfügbar.

Darüber hinaus steht das Quartiersbüro Hochheide zu den Öffnungszeiten (Dienstag 14 bis 16 Uhr, Mittwoch 9 bis 12 Uhr, Donnerstag 16 bis 18 Uhr) zur Verfügung. Die eingebrachten Anregungen und Wünsche werden in einer Ergebnispräsentation zusammengefasst, die im Quartiersbüro Hochheide bis Ende November 2019 ausgestellt wird.
Stadt Duisburg
Fotos: Petra Grünendahl

Veröffentlicht unter Duisburg, Panorama | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Mit dem Geleucht zum Geleucht auf der Halde Rheinpreußen in Moers

Ein kleiner Ausflug … Fotos: Petra Grünendahl

Diese Diashow benötigt JavaScript.


 
© 2019 Petra Grünendahl
 


Veröffentlicht unter Duisburg, Kultur, Panorama, Region | Verschlagwortet mit , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Niederrheinische IHK stellt Ruhrlagebericht vor: Konjunkturhimmel herbstlich trüb

Ruhr-IHKs fordern deutliche Impulse bei Regionalplan und Ruhrkonferenz
Von Petra Grünendahl

Stellten den aktuellen Konjunkturbericht zur Lage der Ruhrwirtschaft vor (v. l.): Stefan Schreiber, Burkhard Landers, Veronika Lühl und Dr. Stefan Dietzfelbinger. Foto: Petra Grünendahl.

„Handelsbeschränkungen und Protektionismus sind Gift für die Wirtschaft“, erklärte Burkhard Landers, Präsident der Niederrheinischen IHK. Das gelte auch für Erwartungen für die künftige Entwicklung, die der Brexit ebenso dämpfen wie die US-Handelssanktionen. „Die schwachen Exporterwartungen schlagen bei der Industrie besonders negativ zu Buche“, ergänzte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Stefan Dietzfelbinger. Bereits im Abschwung seien Metall- und Maschinenbau. Auch Chemie- und Pharmaunternehmen blickten mit Sorge in die Zukunft. Gut laufe es hingegen noch bei der Bauindustrie: Öffentliche Aufträge zur Sanierung der Infrastruktur ebenso wie das niedrige Zinsniveau machen vieles möglich. „38 Prozent der Unternehmen beschreiben ihre Geschäfts als ‚gut’“, so Landers. Das seien aber deutlich weniger als zu Jahresbeginn (48 Prozent). Der Konjunkturklimaindex der Ruhr-IHKs sank von 126 auf 110 Punkte. Angesichts einer vergleichsweise guten Beschäftigungslage profitieren immerhin Handel und Dienstleistungen noch von der Kauflaune der Konsumenten. Hier halten sich Optimisten und Pessimisten (noch) die Waage.

 
Den Konjunkturbericht „Lage der Ruhrwirtschaft“ stellte die in diesem Jahr federführende Niederrheinsche IHK im Pressegespräch vor: Zusammen mit Burkhard Landers und Dr. Stefan Dietzfelbinger standen Stefan Schreiber, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Dortmund (federführende IHK 2018) und Veronika Lühl, stv. Hauptgeschäftsführerin der IHK für Essen, Mülheim, Oberhausen (federführende IHK 2020), Rede und Antwort. An der Umfrage, die jeweils zum Jahresbeginn und im Herbst stattfindet, beteiligten sich rund 1.000 Unternehmen im ganzen Ruhrgebiet mit ca. 110.000 Beschäftigten.

 
Infrastrukturmaßnahmen dauern zu lange

Hauptgeschäftsführer Dr. Stefan Dietzfelbinger (l.) und IHK-Präsident Burkhard Landers (r.). Foto: Petra Grünendahl.

„Nach vielen Jahren eines Hochs stehen wir nun am Rande einer Rezession“, sagte IHK-Präsident Landers. Und: „Wir brauchen jetzt deutliche Impulse, um bei den Unternehmen das Vertrauen in die Zukunft zu fördern.“ Die Infrastruktur nannte Landers einen der Knackpunkte in einem industriellen Kernland wie NRW: „Unsere Straßen und Brücken, Schienen und Schleusen sind marode!“ Die Sperrung der A1-Brücke bei Leverkusen für die Lkw-Verkehr vor sieben (!) Jahren sei ein Weckruf für die Politik gewesen. Bund und Land stellen seitdem mehr Geld bereit. Schneller gingen Sanierung und Ersatzbau aber trotzdem nicht, so Landers. Fünf Wochen nach der Sperrung der Uerdinger Rheinbrücke für Lkw sei gerade mal der Schaden begutachtet, die Reparaturarbeiten aber immer noch nicht gestartet. Von einem Ersatzbau, der in wenigen Jahren an dieser Stelle fällig wird, reden wir noch gar nicht: „Wir brauchen ein vereinfachtes Verfahren für den Ersatzneubau“, zitierte er eine Grundforderung der IHK: „Da, wo schon eine Brücke steht, dürfen nicht die gleichen Maßstäbe angesetzt werden wie für die Planung auf einer grünen Wiese.“ In anderen Ländern sei man hier schon weiter: Infrastrukturprojekte werden weitaus zügiger umgesetzt als hierzulande. Da müsse die Politik mehr Mut zeigen, forderte der Unternehmer.

 
Gemeinsam für Gesamtinteressen eintreten

Burkhard Landers, Präsident der Niederrheinischen IHK. Foto: Petra Grünendahl.

Als großes Problem machte Landers die kleinteilige Interessenlage lokaler Bürgerinitiativen aus: „nicht in meinem Hinterhof“ sei die Devise, wo das Gesamtinteresse einer Region oberstes Ziel sein müsse. Dies hätte der für dieses Jahr geplante Regionalplan leisten können, der durch einen Ausgleich der Interessen Kommunen, aber auch Betrieben und Investoren Sicherheit bei der Entwicklung von Wohnen und Gewerbe gegeben hätte. Dass dieser Regionalplan nach 10 Jahren Arbeit gestoppt wurde, sei ein herber Rückschlag für die Region, so Landers, der Außenwirkung und Image beschädige. „Das Thema ist wichtig für unsere Region wie für ganz NRW“, sagte Landers. Mit der Ruhrkonferenz hatte die Landesregierung NRW vor einem Jahr eine Initiative gestartet, die die Ruhr-IHKs unterstützen: „“Wir brauchen eine gute Mischung aus Ambitionen und Investitionen“, so der IHK-Präsident, und: „Es muss darum gehen, heute die richtigen Schwerpunkte zu setzen.“

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)
 


Veröffentlicht unter Duisburg, Wirtschaft | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Loveparade-Strafprozess: Bereichsleiter der Unteren Bauaufsicht sagte aus

Zuwege kritisch, aber nicht Teil der Baugenehmigung
Von Petra Grünendahl

Der Loveparade-Strafprozess des Landgerichts Duisburg findet aus Platzgründen im CongressCenter der Messe Düsseldorf statt. Foto: Petra Grünendahl.

„Lange hatte Lopavent sich geweigert, einen Bauantrag einzureichen: ‚Wir bauen doch gar nicht!’ war das Argument der Mitarbeiter, aber auch der Anwälte des Veranstalters“, betonte Abteilungsleiter D. Sie wollten eine Veranstaltungsgenehmigung haben – wie für die Loveparade in Essen und Dortmund. In Duisburg waren die Voraussetzungen aber ganz anders: Der alte Güterbahnhof als geplantes Veranstaltungsgelände gehörte nicht zum öffentlichen Raum. Die Errichtung von Zelten und Aufbauten und schließlich die komplette Einzäunung des Geländes hatten es nötig gemacht, dass das Amt für Baurecht und Bauberatung eine Baugenehmigung erteilen musste: Für eine vorübergehende Nutzungsänderung als Veranstaltungsstätte (Sonderbauverordnung Teil I Versammlungsstätten). Die eigentliche Veranstaltungsplanung war bereits viele Monate unter der Führung und Koordination des Ordnungsamtes gelaufen, als Anfang 2010 die Bausicht ins Spiel kam.

 

Der Vorstizende Richter Mario Plein (mitte) mit zwei beisitzenden Richtern beim Loveparade-Strafprozess im Gerichtssaal im Congress Center Düsseldorf. Foto: Lars Heidrich / Funke Foto Services.

Der Abteilungsleiter Untere Bauaufsicht / Untere Denkmalbehörde des Duisburger Amtes für Baurecht und Bauberatung sagte im Strafprozess zur Loveparade-Katastrophe von 2010 vor der 6. große Strafkammer des Landgerichts Duisburg erstmals zur Sache aus. Der 60-Jährige Jurist hatte bis Jahresanfang zu den Angeklagten gehört. Gegen ihn war das Verfahren aber – wie gegen alle damaligen Mitarbeiter der Stadt sowie einen ehemaligen Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent – ohne Auflagen eingestellt worden. Gegen drei Angeklagte wird wegen fahrlässiger Tötung in 21 Fällen und fahrlässiger Körperverletzung weiter verhandelt: Sie waren damals als Mitarbeiter der Lopavent GmbH an den Planungen des Events beteiligt. Der Vorsitzende Richter Mario Plein ließ den Zeugen zunächst erzählen, welche Rolle er im Genehmigungsverfahren spielte, bevor er ihm aus Schriftstücken, Ermittlungsakten sowie Aussagen anderer Zeugen Sachverhalte vor hielt.

 
Genehmigung für bauliche Anlagen

Achter Jahrestag der Loveparade-Katastrophe: Nacht der 1.000 Lichter an der Gedenkstätte. Foto: Petra Grünendahl.

Nachdem sich im Lauf des Februars 2010 herauskristallisiert hatte, dass das Bauordnungsamt in die Vorbereitungen mit einzubeziehen sei, hatte am 2. März das erste Gespräch mit Vertretern des Bauamtes statt gefunden. Zwar hätten in der Folge die Mitarbeiter der Bauaufsicht schon mal Einblicke in Konzepte bekommen, erzählte D., aber: „Das sind alles Spekulationen gewesen, keine greifbaren Pläne. Ein prüffähiger Bauantrag lag erst am 10. Juni vor.“ Mit der Eingangsbestätigung vom 14. Juni forderte die Bauaufsicht weitere Unterlagen, die der Gesetzgeber für die Genehmigung forderte: Brandschutzkonzept, Rettungswege, Statik (für die Herrichtung des Geländes für Zuschauer und einer Fahrstrecke für 40-Tonner) und die Bestätigung des Veranstalters, dass er ein System zu Erfassung der Besucher installiert. „Ein Brandschutzkonzept oder die Statik können wir nicht selber machen, sondern wir fordern Gutachten an von staatlich anerkannten Sachverständigen“, so der Zeuge. Die seien dann ja auch vorgelegt worden.

Seien alle gesetzlich vorgeschriebenen Auflagen erfüllt, müsse die Bauaufsicht die Genehmigung erteilen, bekräftigte der Zeuge. Für die Genehmigung seien die Mitarbeiter des Sachgebietes verantwortlich gewesen: „Ich prüfe Bauanträge nicht selber, werde aber im Vorfeld oft um Einschätzungen in Rechtsfragen gebeten“, erklärte der Jurist seine eigene Rolle im Prozedere. „Meine Aufgabe sind rechtliche Bewertungen. Wir als Bauaufsicht genehmigen nur die bauliche Anlage eines Versammlungsortes – und keine Veranstaltung!“, erklärte der Bereichsleiter. „Ein Veranstalter hat viele Genehmigungen zu beantragen: Für eine Veranstaltung müssen andere Genehmigungen her.“

 
Zuwegung kein Thema für die Baugenehmigung

Die Rampe zum Loveparade-Gelände nach der Katastrophe. Foto: Petra Grünendahl.

Am Donnerstag vor der Loveparade sei er ein einziges Mal bei einer Begehung des alten Güterbahnhofsgeländes dabei gewesen: „Wir sind über den späteren VIP-Eingang gekommen.“ Die Rampe habe er persönlich früher mal in Augenschein genommen: für die Ansiedlung der Firma Stracke auf dem Gelände. „Wir waren nicht in die Planungen involviert. Unsere Arbeit endete mit der Baugenehmigung. Eine Mitarbeit im Krisenstab hätte keine Sinn gemacht, denn dort ging es um Besucherströme“, so D. Für Besucherströme und die Zuwegung zum Versammlungsgelände sei das Bauamt nicht zuständig. „Dass man sich über Personensteuerung Gedanken machen musste“, so Düster, habe er aus dem Seminar über „Großveranstaltungen im Freien“ mitgenommen. Hier seien Feuerwehr und Ordnungskräfte gefordert. „Das hat aber keine Auswirkungen auf die Baugenehmigung, weil der Gesetzgeber diesbezüglich keine Anforderungen macht.“

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)
 


Veröffentlicht unter Duisburg | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Deutsche Oper am Rhein: Publikum feierte Tschaikowskys „Pique Dame“ im Theater Duisburg

Das Spiel der zerstörten Träume
Von Petra Grünendahl

Sergej Khomov (Hermann), Chor der Deutschen Oper am Rhein FOTO: Hans Jörg Michel.

Unter der Venus von Moskau: Renée Morloc (Die Gräfin), Damen des Chores der Deutschen Oper am Rhein FOTO: Hans Jörg Michel.

So ein wenig wirkt er wie Woody Allen: Dunkle Brille, etwas längere Haare und ein brauner Cord-Anzug, der in einem von Bonbonfarben und Petticoat geprägtem Ambiente so fehl am Platz wirkt. Der mittellose, aber ehrgeizige Hermann (Sergej Khomov) ist der Außenseiter in einer reichen Gesellschaft. Er verleibt sich in Lisa (Natalia Muradymova), die Enkelin einer reichen Gräfin (Renée Morloc), die aber schon mit Fürst Jeletzki (Jorge Espino) verlobt ist. Graf Tomski (Stefan Heidemann) enthüllt die Vorgeschichte der Gräfin, in ihrer Jugend als „Venus von Moskau“ bekannt war. Im Tausch für eine gemeinsame Nacht hatte ihr der berüchtigte Graf von Saint-Germain das Geheimnis verraten, immer beim Kartenspiel zu gewinnen. Die „Pique Dame“ wurde damit reich. Hermann, der nüchtern und direkt, wie er ist, so gar nicht zu den ihn umgebenden Spielernaturen passt, will ihr dieses Geheimnis entlocken, um damit die unerreichbare Lisa, die auch ihm zugetan ist, zu gewinnen.

 

Sergej Khomov (Hermann), Johannes Preißinger (Tschekalinski), Bruno Vargas (Surin), Herren des Chores der Deutschen Oper am Rhein FOTO: Hans Jörg Michel.

Mit Peter I. Tschaikowskys (1840–1893) „Pique Dame“ startete die Deutsche Oper am Rhein in Duisburg in die neue Spielzeit. Das prachtvolle Spiel um Geld und Liebe ist die russische Antwort auf die Opulenz der französischen Grand Opéra. Tschaikowskys Bruder Modest hatte aus der gleichnamigen Novelle von Alexander Puschkin ein Libretto geschrieben, das der Komponist nach anfänglichem Zögern dann doch mit Leidenschaft vertonte. Auch ihm, der seine Homosexualität zeitweise sehr offen auslebte, war die Außenseiterrolle nicht fremd: Diese Oper – seine Zweite – war seine Lieblingsoper, die 1890 im Kaiserlichen Mariinski-Theater in St. Petersburg uraufgeführt worden war. Die Inszenierung der amerikanischen Regisseurin Lydia Steier transportiert die Handlung der Oper vom Ende des 18. Jahrhunderts in die 1950er-Jahre, die sie mit viel Opulenz und den Ausschweifungen der höheren Gesellschaft darstellt. Gesungen wird in russischer Sprache mit deutschen Übertiteln, die das Verständnis der Handlung erleichtern (an diesem Abend waren sie aber wegen technischer Probleme nur schlecht zu entziffern). Der grandiose Opernabend in sieben Bildern dauert mit einer Pause knappe 3¼ Stunden.

 
Die 1950er in Bonbonfarben und Petticoat

Renée Morloc (Die Gräfin), Chor der Deutschen Oper am Rhein, Statisterie FOTO: Hans Jörg Michel.

Die Operninszenierung spielt mit Zeitsprüngen zwischen einer Realität der Gegenwart und Phantasien einer noch pompöseren Vergangenheit, in denen der „Held“ nahtlos zwischen Wirklichkeit und Visionen bis hin zum Wahn hin und her gleitet. Letztendlich muss er scheitern, weil ihm das Spiel um Geld wichtiger wird als die Liebe, mit der er eine verzweifelte Lisa zurücklässt. Beim Glücksspiel gewinnt er zunächst mit den Karten, die ihm die alte Gräfin verraten hat. In der dritten Runde gewinnt das Ass, aber Hermann hatte versehentlich alles auf die Pik-Dame gesetzt.

 


Renée Morloc (Die Gräfin), Luis Fernando Piedra (Zermonienmeister), Statisterie, Chor der Deutschen Oper am Rhein FOTO: Hans Jörg Michel

Das Publikum feierte die hervorragenden Akteure zu Recht mit Szenenapplaus sowie mit einem lang anhaltenden Schlussapplaus. Gesanglich wie schauspielerisch überzeugten die Sänger auf ganzer Linie. In den großen opulenten Szenen mit üppigen Chorgesängen glänzten der Chor der Deutschen Oper am Rhein (unter der Leitung von Gerhard Michalski) und der Kinderchor der Akademie für Chor und Musiktheater aus Düsseldorf (unter der Leitung von Justine Wanat. Unter der Leitung von Kapellmeister Aziz Shokhakimov zeigten die Duisburger Philharmonikern bei lustvoll-leidenschaftlichen Klängen der Komposition ihre Klasse. Passend zur Inszenierung in den 1950er-Jahren sind viele der Kostüme von Ursula Kudrna im Rockabilly-Stil mit Bonbonfarben und Petticoats, für die Zeitsprünge dann wieder in prächtigem Barockstil gestaltet. Das variable Bühnenbild gestaltete Bärbl Hohmann. Effektvoll in Szene und ins rechte Licht gesetzt hat es Stefan Bolliger.

 
Ein kleiner Vorgeschmack:

 
Weitere Termine im Theater Duisburg:

Renée Morloc (Die Gräfin), Sergej Khomov (Hermann) FOTO: Hans Jörg Michel.

Natalia Muradymova (Lisa), Sergej Khomov (Hermann), Kinderstatist (Indianer) FOTO: Hans Jörg Michel.

Mi | 16. Oktober 2019 | 19:30 Uhr und
So | 8. Dezember 2019 | 15 Uhr.

 
Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten zwischen 17 und 67 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Hans Jörg Michel, Mannheim / Deutsche Oper am Rhein

 


Veröffentlicht unter Duisburg, Kultur | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Marketing-Club Duisburg-Niederrhein diskutierte über das Image der Stadt

Duisburg hat viel zu bieten: Das müssen wir mehr nach außen transportieren!
Von Petra Grünendahl

Zum „Image der Stadt Duisburg“ standen auf dem Podium (v. l.): Andree Haack, Thomas Knabner, Alexander Kranki, Prof. Peter Kürble und Uwe Kluge. Foto: Petra Grünendahl.

„Das Image ist ein Fremdbild, bis man anfängt, sich selber darzustellen“, erklärte Prof. Peter Kürble, der in den 1980er-Jahren zum Studieren herkam und dem Duisburg seitdem ans Herz gewachsen ist. Natürlich sei nicht alles perfekt, aber vieles entwickle sich sehr positiv, waren sich die Podiumsteilnehmer einig. Ein vielschichtiges Image bestätigte der Stadt auch Wirtschaftsdezernent Andree Haack: Wirtschaft und Logistik zählten zu den Pluspunkten, Bevölkerungsarmut und hoher Migrantenanteil wirken nach außen eher negativ. „Das Bild, was woanders herrscht, passt nicht“, sagte Uwe Kluge. Vorurteile gebe es bei Leuten, die das aktuelle Duisburg nicht kannten, so der Tenor. Duisburg habe sich in den letzten 10, 20 Jahren gut entwickelt und viele Erfolgsgeschichten geschrieben.

 

Stellten sich den Fragen von Moderator Mario Mario (v. l.): Andree Haack, Uwe Kluge, Alexander Kranki und Thomas Knabner. Foto: Petra Grünendahl.

Zur Podiumsdiskussion „Image der Stadt Duisburg“ hatte der Marketing-Club Duisburg-Niederrhein ins Atrium des Tec-Tower (Tectrum Technologiezentrum für Duisburg) eingeladen. Das Podium war mit Vertreters aus Wirtschaft und Marketing gut besetzt: Wirtschaftsdezernent Andree Haack, DuisburgKontor-Geschäftsführer Uwe Kluge, Alexander Kranki (als Vorstand des Vereins Wirtschaft für Duisburg) und Thomas Knabner, Regionaldirektor Deutsche Hospitality (InterCity Hotels). Einen einleitenden Vortrag zum Thema „Was ist Image?“ hielt Prof. Dr. Dr. Peter Kürble, Marketing-Experte an der Hochschule für Oekonomie & Management (FOM Duisburg). Im Anschluss an die Podiumsrunde diskutierten die Teilnehmer mit einem interessierten und durchaus kritischen Publikum. Von den fünf Experten auf dem Podium, die alle ein aus eigener Erfahrung positives Bild von Duisburg vermittelten, ist nur einer im Stadtgebiet geboren. Da muss man sich die Frage stellen, ob es nicht gerade die (erfolgreichen) Zugewanderten sind, die Duisburg viel positiver und selbstbewusster nach außen tragen als so manch einer, der hier geboren ist!

 
Starke Bilder und Leuchtturm-Projekte

Moderator Mario Mais vom Vorstand des Marketing-Clubs leitete die Podiumsdiskussion. Foto: Petra Grünendahl.

„Für deutsche Kunden spielt der Standort schon eine Rolle“, sagte Alexander Kranki. Mit seinem Unternehmenssitz im Innenhafen kann er da punkten – und Ortsfremden eines der Highlights der Stadt präsentieren. „Ausländische Kunden kennen Duisburg eher gar nicht. Dafür ist in China das Duisburg-Bild positiv besetzt.“ Image entsteht durch Wahrnehmung, ein schlechtes Image durch Vorurteile. Duisburg habe viel zu bieten, sagte Marketing-Club-Präsident Marco Pfotenhauer: „Aber das reiche wohl nicht für ein gutes Image, denn zu wenig werden Duisburgs gute Seiten nach außen getragen.“ Auch manch ein Duisburger übernimmt ein schlechtes Bild von seiner Stadt aus der leider viel zu häufigen Negativdarstellung in überregionalen Medien. Hintere Plätze in irgendwelchen Rankings? Duisburg habe in Sachen Kultur nichts zu bieten, hatte es in einem Magazin geheißen, was definitiv von der Unkenntnis der Autoren zeugt! Man müsse mehr starke Bilder und Leuchttürme nach außen tragen: Projekte wie Duisburger Freiheit und 6-Seen-Wedau zum Beispiel. Der Landschaftspark Nord ist nach wie vor ein Magnet auch für Auswärtige: Viel zu wenig locken überregional die herausragenden Kulturangebote der Stadt: hier wäre mehr (und gebündeltes) Marketing nötig. „Zum Renner entwickelt sich der Fahrradtourismus“, erzählte Thomas Knabner, in dessen Intercity-Hotel am Hauptbahnhof extra Garagenflächen für Zweiräder eingerichtet wurden. Für den Tourismus sieht er in Duisburg noch Potenzial, denn die Stadt habe nicht nur viel, sondern auch Vielfältiges zu bieten: Industriekultur, klassische Kultur, Sport und Ausflugs/Freizeittourismus und: „die Besucher sind begeistert von der Herzlichkeit und Offenheit der Duisburger.“

 
Der Marketing-Club Duisburg-Niederrhein
Die regionale Berufsstandesorganisation in Duisburg wurde 2009 gegründet und ist als Mitglied im Deutschen Marketing Verband einer von 66 Clubs deutschlandweit. Der Marketing-Club ist der Weiterbildung seiner Mitglieder ebenso verpflichtet wie der Schaffung einer Kommunikationsplattform. Fast jeden Monat trifft sich der Marketing-Club Duisburg-Niederrhein zu überwiegend fachlich orientierten Besichtigungen oder Fachvorträgen in der ganzen Region. Informationen zu Themen, Veranstaltungen und Kontakten gibt es auf der Homepage des Clubs. Wer im Marketing tätig ist und sich für eine Mitgliedschaft im Marketing-Club interessiert, kann bei den monatlichen Treffen erste Kontakte knüpfen: Netzwerken lässt sich im Anschluss an den fachlichen Teil nämlich ganz hervorragend. Und natürlich lassen sich die fachlichen Fragen mit den jeweiligen Referenten in Einzelgesprächen noch vertiefen.

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)
 


Veröffentlicht unter Duisburg, Wirtschaft | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Rat der Stadt Duisburg: Doppelhaushaltsentwurf 2020/21 eingebracht

Zum fünften und sechsten Mal die Schwarze Null
Von Petra Grünendahl

Vor der Sitzung im Rat der Stadt Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

„Seit 2015 ist es uns gelungen, unsere Verschuldung um rund 430 Mio. Euro zu reduzieren. Das ist nicht Mittel zum Zweck, sondern verschafft uns wieder mehr Handlungsspielräume“, erklärte Oberbürgermeister Sören Link. So könne die Stadt zum Beispiel von Förderprogrammen des Landes und des Bundes profitieren, so der OB, weil sie sich den Eigenanteil leisten kann, ohne den sie diese Finanzspritzen nicht bekommt. Sowohl OB Link als auch Kämmerer Murrack kritisierten Bund und Land, die immer wieder Aufgaben auf die Kommunen abwälzten, ohne für eine ausreichende Finanzierung zu sorgen (Konnexiktätsprinzip: Wer die Musik bestellt, muss sie bezahlen!). Dies habe viele Kommunen insbesondere im Ruhrgebiet in die Überschuldung geführt. Von den 1,3 Mrd. Euro Kassenkrediten der Stadt Duisburg stammten, so Link, 722 Mio. Euro von Geldern, die die Stadt in den Aufbau Ost (Solidarpakt nach der Wiedervereinigung) zahlen musste.

 

Neu im Rat der Stadt: Oberbürgermeister Sören Link (3. v. l.) verpflichtete – v. l. – Angelika Röder (Bürgerlich-Liberale, HSV-Fraktion), Muhammet Keteci (SPD) und Stefanie Kreitz (CDU) als nachrückende Ratsleute. Foto: Petra Grünendahl.

Zur ersten Sitzung nach der Sommerpause legten Oberbürgermeister Sören Link und Stadtkämmerer Martin Murrack dem Rat der Stadt den Haushaltsentwurf für die Jahre 2020/21 (Doppelhaushalt) vor. Planerisch ist der Haushalt mit einem Aufwandsvolumen von 2 Mrd. Euro ausgeglichen: der fünfte und sechste in Folge. Im Jahr 2020 braucht es dazu noch Gelder aus dem Stärkungspakt Stadtfinanzen, 2021 muss es dann ohne diese Konsolidierungshilfe gehen. Das setzt aber eine unverändert positive Wirtschaftslage und gleich bleibend niedrige Zinsen voraus, um tatsächlich am Ende unterm Strich ein positive Jahresergebnis zu erzielen. Sonst sind die Zahlen schnell Makulatur. Der Rat beschloss einstimmig, diesen Entwurf an die Bezirksvertretungen, an die Fachausschüsse sowie an den Haupt- und Finanzausschuss zur Beratung zu überweisen.

 
Licht am Ende des Tunnels

Vor der Sitzung im Rat der Stadt Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Hilfen aus dem Stärkungspakt Stadtfinanzen sowie kommunale Sparrunden und die seinerzeitige Erhöhung der Grund- und Gewerbesteuer hätten Duisburg auf einen guten Weg gebraucht, durch Abbau von Schulden wieder mehr Freiheiten zur Gestaltung zu bekommen, sagte OB Link. „Es gibt ein Licht am Ende des Tunnels. Und wir sind diesem Licht in den vergangenen Jahren deutlich näher gekommen“, so der Oberbürgermeister. „Duisburg entwickelt sich gut und wir haben allen Grund, voller Zuversicht in die Zukunft zu blicken.“

 
Der unverschuldeten Altschuldenproblematik vieler Städte müssten sich Bund und Länder endlich stellen, forderte Martin Murrack. Dafür müssten aber, so der Stadtkämmerer, die Länder mitziehen: „Während in Hessen schon gehandelt wird, hat die Landesregierung in NRW noch immer keine geeigneten Vorschläge gemacht“, erklärte Murrack. Außerdem sind gerade Bund und Land dabei, die Kommunen wieder stärker zu belasten: Das Angehörigen-Entlastungs-Gesetz soll ebenso wie die in Düsseldorf angestrebte Reform zur Finanzierung der Straßenbaubeiträge Bürger entlasten: „Das ist gut und richtig!“, sagte der Oberbürgermeister. Weil dadurch der Stadt aber Einahmen entfielen und höherer Personalaufwand sogar teurer für die Stadt würde, so Sören Link, belaste es letztendlich doch wieder den Bürger, der die Zeche zahlen muss. Denn die Stadt kann sich das Geld ja nicht aus dem Ärmeln schütteln: es muss irgendwo her kommen. Seit Jahren schon verlangen Kommunalpolitiker aller Couleur eine verursachergerechte Regelung zur Finnanzierung von Landes- und Bundesgesetzen: „Sonst“, so OB Link, „stehen wir in 15 oder 20 Jahren wieder genauso da wie heute!“

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)
 


Veröffentlicht unter Duisburg, Politik | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Loveparade-Strafprozess: Bauamtsleiterin sagte aus

Es gab eine Baugenehmigung, keine Veranstaltungsgenehmigung!
Von Petra Grünendahl

Der Loveparade-Strafprozess vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg findet aus Platzgründen im Congress-Center der Düsseldorfer Messe statt. Foto: Petra Grünendahl.

„Ich möchte den Eltern mein Mitgefühl aussprechen: Ein Kind zu verlieren, ist wohl das Schlimmste, was einem passieren kann“, begann Bauamtsleiterin Anja Geer ihre Aussage. Sie fuhr fort, dass sie es für wichtig hielte, die Aufgaben des Amtes für Baurecht und das Prozedere der Baugenehmigung zu erklären: Allezu viele hätten ihrer Meinung nach eine falsche Vorstellung von dem, was ihr Amt zur Vorbereitung der Loveparade beigetragen habe. „Um auf einem geschlossenen Gelände eine Veranstaltung durchzuführen, braucht es eine Genehmigung nach Versammlungsstättenverordnung und nach Sonderbauverordnung. Nachdem feststand, dass das Gelände des alten Güterbahnhofs als Veranstaltungsgelände eingezäunt werden sollte, kam Anfang 2010 die Bauaufsicht in Spiel“, erzählte die Amtsleiterin. Schon viele Monate dauerten zu diesem Zeitpunkt Planungen und Vorbereitungen von Polizei, Feuerwehr und Ordnungsamt. Letztere sind für die Genehmigung einer Veranstaltung im öffentlichen Raum zuständig. Die Zuständigkeit für eine Genehmigung wechselte ebenso wie die Art der Genehmigung: „Wir planen keine Veranstaltung. Wir bekommen einen Bauantrag, den wir, wenn alle rechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind, genehmigen müssen“, umriss die Amtsleiterin die Aufgaben der Bauaufsicht. „Wir überprüfen nur, ob gesetzliche Anforderungen an Fläche, Gebäude oder bauliche Anlagen erfüllt sind.“

 

Der Vorstizende Richter Mario Plein (mitte) mit zwei beisitzenden Richtern beim Loveparade-Strafprozess im Gerichtssaal im Congress Center Düsseldorf. Foto: Lars Heidrich / Funke Foto Services.

Die Amtsleiterin des Duisburger Amtes für Baurecht und Bauberatung, Anja Geer, sagte im Strafprozess zur Loveparade-Katastrophe von 2010 vor der 6. große Strafkammer des Landgerichts Duisburg erstmals zur Sache aus. Die 51-Jährige hatte bis Jahresanfang zu den Angeklagten gehört. Gegen sie war das Verfahren aber – wie gegen alle damaligen Mitarbeiter der Stadt sowie einen ehemaligen Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent – ohne Auflagen eingestellt worden. Gegen drei Angeklagte wird wegen fahrlässiger Tötung in 21 Fällen und fahrlässiger Körperverletzung weiter verhandelt: Sie waren damals als Mitarbeiter der Lopavent GmbH an den Planungen des Events beteiligt. Der Vorsitzende Richter Mario Plein ließ die Zeugin zunächst erzählen, welche Rolle sie im Genehmigungsverfahren spielte, bevor er ihr aus Schriftstücken, Ermittlungsakten sowie Aussagen anderer Zeugen Sachverhalte vorhielt.

 
Wenig Kooperation vom Veranstalter: Wozu ein Bauantrag, wenn wir nicht bauen?

Gedenktstätte für Opfer der Loveparade 2010 in Duisburg am Alten Güterbahnhof.
Foto: Petra Grünendahl,

„Wir haben in den letzten Jahren viel zusammen gesessen und versucht zu klären, was passiert ist. Ich habe Dinge zur Kenntnis bekommen, die ich damals im Vorfeld der Loveparade nicht gewusst habe“, sagte die Zeugin. „Es ist schwer, heute zu differenzieren, was ich 2010 gewusst habe und was erst später.“

 
„Wir prüfen bei Veranstaltungsstätten nicht, ob die Veranstaltung problemlos verlaufen würde. Wir müssen ein Brandschutzkonzept haben, dass im Ernstfall eine Entfluchtung gefahrlos möglich ist“, erklärte die Amtsleiterin. Die Bauordnung verlange für die Genehmigung eines Bauantrages nicht, dass der Zugang zur Fläche überprüft wird: „Die Veranstaltungsfläche begann an der Rampe. Früh in der Planung war damit klar, dass die Tunnel nicht voll laufen durften. Dazu schrieb die Bauordnung Vereinzelungsanlagen vor, die aber nicht auf dem Veranstaltungsgelände, sondern im öffentlichen Raum installiert wurden“, sagte die Zeugin. Für die Sicherheit bei Großveranstaltungen im öffentlichen Raum ist das Ordnungsamt zuständig. „Wir sind davon ausgegangen, dass die Leute nicht ungebremst auf die Rampe kommen. Für uns war klar, da kümmern sich andere drum“, erklärte die Bauamtsleiterin die Zuständigkeiten der Fachleute von Ordnungsamt, Feuerwehr und Polizei für die Sicherheit der Zuwege.

 
Seit das Bauordnungsamt Anfang 2010 in das Genehmigungsverfahren involviert war, hätten ihre Mitarbeiter die Veranstalterin Lopavent mehrfach und immer wieder aufgefordert, eine Bauantrag einzureichen, damit ihre Behörde die Genehmigung des Güterbahnhofsgeländes als Veranstaltungsgelände prüfen könne: „Dies ist sowohl von der Kanzlei von Lopavent als auch von den Mitarbeitern immer wieder zurück gewiesen worden. Der Kooperationsvertrag der Ruhrgebietsstädte von 2007 hätte eine solche Vorgehensweise nicht vorgesehen, so die Lopavent-Argumentation.

 
Für die Sicherheit der Zu- und Abwege waren Fachleute gefragt

Gedenktstätte für Opfer der Loveparade 2010 in Duisburg am Alten Güterbahnhof.
Foto: Petra Grünendahl,

Ihr Amt habe Vereinzelungsanlagen an den Zugangsstrecken verlangt und auch, dass die Besucherzahlen erfasst würden: „Die technischen Möglichkeiten gab es schon damals, dies ohne hohen Zusatzaufwand zu machen“, so die Zeugin. Und mit Überschreiten der Besucherzahlen, für die das Gelände genehmigt war – 180.000 Besucher gleichzeitig –, hätte ein weiterer Zugang zum Gelände gesperrt werden müssen. Dies jedoch, so die Zeugin, lag in der Verantwortung des Veranstalters bzw. des Ordnungsamtes und der Polizei. „Für die Zugänge zum Gelände waren Fachleute verantwortlich. Denen hätten wir doch nicht sagen können, was geht und was nicht. Ein Zuständigkeitsvakuum für den Tunnel hat es nicht gegeben: Das war der Zuweg zum Veranstaltungsgelände, damit hatten wir nichts zu tun.“

 
„Es ist nicht unüblich, dass Bauherren große Vorhaben platzen lassen wollen, wenn sie Gegenwind bei der Baugenehmigung kriegen. Lopavent war in dieser Hinsicht ein ganz gewöhnlicher Bauherr“, erklärte die Amtsleiterin. Nur: „Die wollten nicht einsehen, dass sie einen Bauantrag einzureichen hatten. Das wäre nicht nötig: ‚Wir bauen doch gar nicht’ haben sie argumentiert.“ Dass sie einen solchen im Gegensatz zu Essen oder Dortmund einzureichen hatten, war der Tatsache geschuldet, dass die Veranstaltung dort im öffentlichen Raum stattfand. In Duisburg jedoch sollte die große Party auf einen eingezäunten Privatgelände steigen, für das eine Nutzungsänderung beantragt werden musste: Deswegen ein Bauantrag! Nachdem Lopavent und deren Anwälte monatelang von der Bauaufsicht ein „konstruktive Entgegenkommen“ gefordert hatten, reichten sie Anfang Juni schließlich doch einen Bauantrag ein. Erst jetzt konnte die Bauaufsicht diesen darauf hin prüfen, ob alle gesetzlichen Anforderungen an die Fläche erfüllt sind. Sicherheitsbedenken der Fachleute von Feuerwehr, Polizei oder Ordnungsamt spielten hierfür keine Rolle, denn für die Zuwegung galten andere Zuständigkeiten als für die Veranstaltungsfläche. „Wir haben nicht billigend in Kauf genommen, dass Menschen zu Schaden kommen, wie uns immer wieder vorgeworfen wurde. Ich wusste doch, dass sich Kinder meiner Mitarbeiter und meiner Freunde auf der Loveparade sein würden. Wenn sich jeder an Absprachen gehalten hätte, wäre nichts passiert“, ist sich die Zeugin sicher.

 
Man erinnere sich an Aussagen früherer Zeugen vor Gericht [den einen oder anderen haben wir hier auch dokumentiert], die vom unkoordinierten Öffnen und Schließen der Vereinzelungsanlagen und mangelhafter Kommunikation der vor Ort Verantwortlichen berichteten. So konnten Tunnel und Rampe voll laufen, was die Vereinzelungsanlagen und wenn nötig die Sperrung der Zuwege zum Gelände hätten verhindern sollen.

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)
Fotos: Petra Grünendahl (3). Lars Heidrich / Funke Foto Services (1)
 


Veröffentlicht unter Duisburg, Loveparade | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Lange Nacht der Industrie in Duisburg: ArcelorMittal öffnete sein Werkstor

Glühend heiße Farbspiele begeisterten die Besucher im Oxygenstahlwerk
Von Petra Grünendahl und André Sommer

Die Prozesse der Stahlproduktion sind elektronisch gesteuert, müssen aber von Mitarbeitern überwacht werden. Foto: Petra Grünendahl.

„Zunächst wird das angelieferte Roheisen in Gießpfannen umgefüllt und dann entschwefelt“, erzählte Heiner Buhren, als er mit den Besuchern im Oxygenstahlwerk den Prozess der Stahlerzeugung verfolgt. Das flüssige Roheisen wird seit 1994 nicht mehr am Standort produziert, sondern kommt in Torpedopfannen von den thyssenkrupp-Hochöfen in Bruckhausen oder Schwelgern. Während des Entschwefelungsprozesses wird Schrott wird in einen Konverter gefüllt. Der Schrott ist speziell zusammen gestellt für die zu erzielende Stahlsorte, dient aber auch der Kühlung im Konverter. Schließlich wird das Roheisen aus der Gießpfanne (oder Chargierpfanne) in den Konverter gefüllt, wo dann mit Lanzen aufgeblasener Sauerstoff den Kohlenstoffanteil des Roheisens reduziert (das hier angewandte TBM-Verfahren nach Thyssen-Blas-Metallurgie ist eine Variante des LD-Verfahren). Eine Argonspülung homogenisiert schließlich die Schmelze, bevor sie entgast, mit weiteren Zusatzstoffen veredelt und schließlich ein zweites Mal mit Argonspülung bearbeitet wird. Nach dem Oxygenstahlwerk geht es noch rüber zur Stranggießanlage, wo der Stahl zu Knüppeln vergossen wird.

Heiner Buhren führte eine Besuchergruppe durch die Stahlproduktion. Foto: Petra Grünendahl.

Im Rahmen der neunten Langen Nacht der Industrie öffneten auch Betriebe in Duisburg ihre Tore für Besucher: Zum dritten Mal war das Stahlwerk von ArcelorMittal in Ruhrort (das eigentlich in Laar liegt) dabei. Insgesamt kamen knapp 60 Besucher in den Genuss, geführt von Heiner Buhren und Norbert Fleischer, beides ehemalige Mitarbeiter von ArcelorMittal (so genannte Bären-Führer), die Stahlproduktion aus erster Hand zu erleben und erklärt zu bekommen. In Duisburg wird bei ArcelorMittal hochwertiges Vormaterial in Form von Langprodukten für die weiterverarbeitende Industrie hergestellt. Ein Teil der Produktion geht von hier direkt zum Kunden. Der Großteil jedoch wird entweder im Knüppelwalzwerk weiterverarbeitet oder geht als Vormaterial ins Drahtwalzwerk. Auch hier entsteht jedoch noch kein Endprodukt, sondern ebenfalls ein Vormaterial zum weiteren Verarbeitung. Von rund 2.500 Stahlsorten kann ArcelorMittal am Standort Ruhrort 400 Legierungen produzieren und liefern. Den Produktionsablauf für die Stahlerzeugung zeigt ArcelorMittal hier in einer Flash-Animation).

Lange Nacht der Industrie bei ArcelorMittal in Ruhrort: Die orange-glühenden Farbspiele der Stahlproduktion begeisterten die Besucher. Fotos: Petra Grünendahl.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 
Die ArcelorMittal Duisburg GmbH und der Konzern

Die Prozesse der Stahlproduktion sind elektronisch gesteuert, müssen aber von Mitarbeitern überwacht werden. Foto: Petra Grünendahl.

Der heutige Standort ArcelorMittal Ruhrort (liegt größtenteils in Laar) wurde 1852 als Phoenix Anonyme Gesellschaft für Bergbau und Hüttenbetrieb gegründet. Der Name änderte sich im Laufe der Jahrzehnte mehrfach nach Fusionen und Umfirmierungen: unter anderem Vereinigte Stahlwerke AG Hütte Ruhrort- Meiderich, Hüttenwerke Phoenix AG, Phoenix Rheinrohr AG und schließlich nach der Verschmelzung der Phoenix Rheinrohr AG mit der ATH 1970 zu August-Thyssen-Hütte AG Hochofenwerk Ruhrort/Meiderich. Im Jahr 1997 übernahm die ISPAT-Gruppe den Standort als ISPAT Stahlwerk Ruhrort GmbH. Den Hochofenbetrieb hatte schon Thyssen 1994 eingestellt: das Roheisen kommt seitdem den Thyssen-Hochöfen aus Hamborn.

 

Die Prozesse der Stahlproduktion sind elektronisch gesteuert, müssen aber von Mitarbeitern überwacht werden. Foto: Petra Grünendahl.

Zusammen mit dem Stahlwerk Ruhrort kam auch das 1851 in Hochfeld als Niederrheinische Hütte gegründeten Werk Hochfeld der Thyssen Stahl AG zur ISPAT-Gruppe, aus der später durch Fusionen Mittal Steel und dann ArcelorMittal wurde. Als 2013 die neue Drahtstraße in Ruhrort in Betrieb ging, schloss man den Standort Hochfeld endgültig. Auf Teilen des alten Firmenareals wurde der Rheinpark angelegt. Der Betrieb der ArcelorMittal Ruhrort GmbH ging auf die ArcelorMittal Hochfeld GmbH als dem operativen Teil der ArcelorMittal Duisburg GmbH über. Der Rest wartet auf eine Nachnutzung.

 

Umfüllen des Rohstahls in die Gießpfanne. Foto: Petra Grünendahl.

Im Werk Ruhrort arbeiten fast 1.000 Mitarbeiter. Mit einer Produktion von 1,12 Mio. Tonnen erwirtschaften sie einen Umsatz von 723 Mio Euro (Zahlen von 2018). Jährlich starten hier mindestens 15 junge Leute ihre Ausbildung in gewerblich-technischen und kaufmännischen Berufen. „Die Ausbildungsgänge dauern drei bis dreieinhalb Jahre, können bei entsprechenden Leistungen durch eine vorgezogene Prüfung verkürzt werden“, erzählte Verena Kempken, verantwortlich für den Bereich Berufsbildung und Organisatorin der „Lange Nacht“-Tour in Ruhrort. Die Zahl der Ausbildungsplätze – aktuell sind 55 Azubis in Ruhrort beschäftigt – orientierten sich am eigenen Bedarf und dürften in den kommenden Jahren wegen des demografischen Wandels steigen, so Kempken. Auch akademische Nachwuchskräfte sind gefragt: Sie entwickelt man zu Fach- und Führungskräften. Weiterbildungen qualifizieren Mitarbeiter für technische Veränderungen und betriebliche Erfordernisse.
https://duisburg.arcelormittal.com

 

Der Rohstahl wird zu Knüppeln vergossen. Foto: Petra Grünendahl.

ArcelorMittal ist mit 200.000 Mitarbeitern in 60 Ländern der größte Stahlkonzern weltweit. Arcelor entstand 2001 durch den Zusammenschluss von Arbed (ein luxemburgischer Stahlkonzern), Aceralia (ein spanischer Stahl-Konzern) und Usinor (ein französischer Stahlkonzer). Mittal Steel gründete sich in 2004, als ISPAT International (die zu 77 Prozent von Lakshmi Mittal kontrolliert wurde) die LNM Holdings (nach dem Eigentümer Lakshmi Niwas Mittal) und die amerikanische International Steel Group (ISG) übernahm. Die beiden so entstandenen Konzerne (weltweit die Stahlproduzenten Nr. 1 und 2) fusionierten 2006 zum ArcelorMittal-Konzern. Der Hauptsitz befindet sich in Luxemburg-Stadt.

© 2019 Petra Grünendahl und André Sommer (Text)
Fotos: Petra Grünendahl
 


Veröffentlicht unter Duisburg, Wirtschaft | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Grafschafter Museums- und Geschichtsverein stellte „Moerser Ansichten 2020” vor

Kalender auch im sechsten Jahr mit 13 neuen Motiven und Moerser Anekdötchen
Von Petra Grünendahl

Das Kreisständehaus wurde 1900 gebaut (heute: Altes Landratsamt). Quelle: GMGV.

„Auch in unserem neuen Kalender ‚Moerser Ansichten 2020’ gibt es keine Bilder, die früher schon mal veröffentlicht waren“, bekräftigte Dr.Wilfried Scholten, stellvertretender Vorsitzender des Grafschafter Museums- und Geschichtsvereins (GMGV). Dies, so Scholten, sei immer wieder eine Herausforderung. Der ehemalige Studiendirektor des Städtischen Gymnasiums in den Filder Benden hat wie in den Vorjahren die Motive ausgewählt und als profunder Kenner der Moerser Geschichte mit informativen Anekdoten versehen, die ihre historische Bedeutung einordnen. Da erfährt auch der kundige Betrachter Neues zu ihm bekannten Motiven und Hintergründe für Problematiken der Stadt von heute: „Ich würde mir wünschen, dass man sich bei Neugestaltungen in der Stadt mehr Gedanken macht, was man abreißen sollte und was nicht“, erklärte Scholten, der historisch Bedeutsames gerne der Nachwelt erhalten will.

Schacht V der Zeche Rheinpreußen in Repelen/Utfort (heute befindet sich dort der Businesspark Eurotec). Quelle: GMGV.

Bereits zum sechsten Mal hat der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e. V. einen großformatigen Wandkalender mit Motiven aus der Moerser Geschichte vorgelegt. „Schatzmeister Frank Heinrich hatte vor sechs Jahren die Idee, die damals noch mit finanzieller Hilfe der Volksbank Niederrhein realisiert worden war“, erzählte Peter Boschheidgen, Vorsitzender des Vereins, bei der Vorstellung des Kalenders im Rittersaal des Moerser Schlosses. Finanziell trägt sich der Kalender mittlerweile von alleine. Der Überschuss fließt in die Vereinsarbeit: historische Dokumente und Informationen suchen und sichern sowie sie der Öffentlichkeit zugänglich machen. Dies geschieht über die vereinseigenen Exponate im Grafschafter Museum, der Pflege und Instandhaltung des Industriedenkmals am Schacht IV sowie über Publikationen von Artikeln oder Büchern, aber eben auch mit diesem Kalender, dessen Wert über das Jahr seiner „Nutzung“ weit hinaus reicht.

 
Sammlerstück in sechster Auflage

Bergmannssiedlung Meerbeck-Hochstraß. Quelle: GMGV.

Neben dem Vereinsarchiv, der Sammlung des Grafschafter Museums und dem Stadtarchiv hat Wilfried Scholten auch Privatarchive sichten und auswerten können wie die private Sammlung Schröder-Schulze oder das Archiv des Sammlers Gregor Boese, der unter www.mattorn.de seine Sammlung auch einer interessierten Öffentlichkeit zeigt. Häufig kann Scholten bei der Auswahl auf die Motive zweier bedeutender Fotografen zurück greifen, die Moers fotografisch dokumentiert haben: Wilhelm Bergmann gründete sein Atelier in den 1860er-Jahren, sein Nachfolger Ewald Steiger übernahm 1900.

 

Klosterstraße um 1900. Foto: Ewald Steiger / GMGV.

Dreizehn Motive findet der Betrachter in den „Moerser Ansichten 2020“: ein Titelbild und zwölf kundig betexte Fotos für die einzelnen Monate. Die ausgewählten Fotografien hat Ingo Plückhahn für die Veröffentlichung im Kalender digital bearbeitet und von den allzu häufig vorhandenen Kratzern befreit, so dass die Bilder in einer optischen Qualität erstrahlen, als wären sie gerade erst gemacht. Darüber hinaus zeichnet er auch für Layout, Gestaltung und Satz verantwortlich. So entstand ein hochwertiger Kalender, der nach seinem „Ablauf“ den Status Sammlerstück verdient hat.

&nsb;

Steinstraße Anfang des 20. Jahrhundert. Quelle: GMGV.

Die „Moerser Ansichten 2020“ gibt es im Format A3 in einer Auflage von 500 Exemplaren. Sie sind zum Preis von 9,95 Euro zu haben. Zu kaufen gibt es den Kalender unter anderem im Grafschafter Museum, in lokalen Buchhandlungen, in der Stadtinformation sowie am vom Verein betreuten Industriedenkmal Schacht IV an der Zechenstraße 50 (hier allerdings nur noch bis Oktober, siehe unten).

Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e. V.

Das Amtsgericht von 1913. Quelle: GMGV.

Der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e.V. hat es sich mit Gründung 1904 zur Aufgabe gemacht, Geschichte und Kultur der Grafschaft Moers zu schützen und zu erhalten. Neben dem Grafschafter Museum im Schloss Moers gehört auch das Industriedenkmals Rheinpreußen Schacht IV dazu, für das der GMGV erst Ende der 1990er-Jahre die Nutzungsrechte übertragen bekam. Das Nutzungsrecht für den Standort schließt den Erhalt des Industriedenkmals ebenso ein wie die Pflege der Vergangenheit, hat doch der Bergbau die Region massiv geprägt und Moers zu dem gemacht, was es heute ist. Ehrenamtlich führen Mitglieder des GMGV durch die Sammlung und erklären interessierten Besuchern Anlagen und Maschinen sowie die Bergbau-Sammlung, die Vereinsmitglieder hier zusammen getragen haben. Das Industriedenkmal ist von Mai bis Oktober jedem Sonntag von 13 bis 16 Uhr geöffnet.
https://gmgv-moers.de/

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e. V.
 


Veröffentlicht unter Duisburg, Panorama, Region | Verschlagwortet mit , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Museum DKM in Duisburg zeigt Erwin Wortelkamp: Ein ganzes Leben für die Kunst

Kunst im Dialog mit ihrer Umgebung
Von Petra Grünendahl

Erwin Wortelkamp im Museum DKM: Raum 1 mit Skulptur -Architektur. Foto: Museum DKM.

Auftakt von Erwin Wortelkamps raumbezogenen Konzeption ist die gekalkte Eichenskulptur „Skulptur – Architektur“ von 2001, die wiederum einen Pfeiler benutzt, um Halt zu finden. In diesem Raum probiert die Skulptur „Stand- und Spielbein einen“ vorsichtigen Schritt, der ihr erstmals im Arp Museum 2009 gelang. In Korrespondenz zu den beiden sehr unterschiedlichen Positionen wirken die skizzenhaften Zeichnungen filigran: Sie beziehen sich auf Filarete, den Bildhauer, Architekten und Theoretiker der Renaissance, und erinnern an anfängliche Studien zu Grundproblemen des Bauens. Wortelkamp setzt diese Skizzen für seine Gestaltungsideen ein. Die Ummantelungen der 70-iger Jahre scheinen einen direkten Bezug zu den Papierarbeiten zu nehmen. Kleine, entsprechend zugeschnittene Eisenflächen sind so verschweißt, dass sie einen Mantel bilden, gleich einer neuen Haut für das Baum/Astfragment. Sie gehören zu den ersten Beispielen, der sich immer noch fortsetzenden Skulpturengruppe der „Angelehnten“.

Die „Orangen für Hans von Marßee“ des Bildhauers Erwin Wortelkamp mit Bildern von Hans von Marée mit dem wiederkehrenden Motiv von Orangen (r.) sowie Papierarbeiten und Prägedrucken (l.). Foro: Petra Grünendahl.

Erwin Wortelkamp im Museum DKM: Raum 2 mit den Orangen für Hans von Marées. Foto: Museum DKM.

Das Museum DKM widmet dem Bildhauer Erwin Wortelkamp eine umfassende Werkschau auf der gesamten, sechs Räume umfassenden Wechselausstellungsfläche. Die Arbeiten umfassen eine über 40-jährige Schaffensphase, von den siebziger Jahren bis heute. Erwin Wortelkamp bevorzugt für seine autonomen Skulpturen seit Jahrzehnten besondere Innen- und Außenräume. Dabei reize ihn besonders, seine Werke, die direkt aus dem Atelier kommen, in den unterschiedlichsten Umgebungen zu zeigen, so der Künstler: „Ich will meine Arbeiten gerne in anderen Wirkungszusammenhängen sehen“, sagte er. In ihrer damaligen Galerie DKM im Innenhafen hatten die Museumsgründer bereits 2001 die Raum füllende Arbeit „Skulptur – Architektur“ des Künstlers gezeigt. Diese bildete den Abschluss einer Ausstellung seiner Werke im Lehmbruck Museum, die den Stadtraum bis zum Innenhafen nutzte. Sie hätten ihren Part damals als einen Höhepunkt der Werkschau empfunden, so Klaus Maas.

 
Der Künstler und Bildhauer

Erwin Wortelkamp im Museum DKM: Raum 2 mit den Orangen für Hans von Marées. Foto: Museum DKM.

Erwin Wortelkamp im Museum DKM: Raum 6. Foto: Museum DKM.

Erwin Wortelkamp (*1938) hat 1965 seine Studien in München bei dem international bekannten dänischen Eisen-Bildhauer Robert Jakobsen abgeschlossen. Er beherrscht den Umgang mit Holz und Eisen, mit denen er divergierende skulpturale Konzeptionen realisiert. Das Wilhelm Lehmbruck Museum zeigte 2001 in Kooperation mit dem Albertinum Dresden sein vielseitiges Werk. Erwin Wortelkamp hat zusammen mit seiner Familie den größten privaten Skulpturenpark Deutschlands geschaffen: Seit 1986 entwickelt sich die 11 Hektar große Anlage „im Tal“ in Hasselbach/Werkhausen, die im Norden von Rheinland-Pfalz nahe der Grenze zu Nordrhein-Westfalen liegt. Von den bisher 50 beteiligten Künstlern, Schriftstellern und Architekten kommt etwa die Hälfte aus Nordrhein-Westfalen. Die Sammler und Museumsgründer Dirk Krämer und Klaus Maas verfolgen das Werk des Bildhauers Erwin Wortelkamp bereits seit zwanzig Jahren. Unter den Künstlern, die Wortelkamp eingeladen hat, Arbeiten im Tal zu realisieren, befinden sich mit Johannes Brus, Bogomir Ecker, Barbara Köhler und Claudia Terstappen Positionen, die regelmäßig mit Installationen oder Einzelausstellungen im Museum DKM vertreten sind.

 
Museum DKM

Erwin Wortelkamp im Museum DKM: Raum 5 mit Kopf – Köpfe. Foto: Museum DKM.

Die Sonderausstellung von Erwin Wortelkamp ist im Museums DKM bis zum 1. März 2020 in den Wechselausstellungsräumen in Erdgeschoss zu sehen. Regulär geöffnet hat das private Museum DKM der Stifter Klaus Maas und Dirk Krämer an der Güntherstraße 13-15 im Dellviertel samstags, sonntags und an Feiertagen zwischen 12 und 18 Uhr sowie jeden ersten Freitag im Monat ebenfalls zwischen 12 und 18 Uhr*. Montags bis freitags wird ansonsten nur nach Vereinbarung für Gruppen geöffnet*. Der Eintritt kostet 12 Euro (ermäßigt 6 Euro, für Schüler und Studenten bis 28 Jahre), Kinder bis 7 Jahre haben freien Eintritt. Für Gruppen (zw. 10 und 15 Personen) gibt es einen Gruppentarif (10 Euro pro Person) zzgl. einer (kostenpflichtigen) Führung. Eine Jahreskarte** kostet 100 Euro. Die Teilnahme an der Freitagsführung kostet 6 Euro zusätzlich zum Eintritt. Weitere Infos gibt es hier.
 
*) An folgenden Tagen haben ist grundsätzlich geschlossen: 24. bis 26. Dezember, 31. Dezember und 1. Januar.
**) Nicht übertragbar, berechtigt zum kostenlosen Eintritt während der regulären Öffnungszeiten.
 
© 2019 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (1), Museum DKM (5)+
 


Veröffentlicht unter Duisburg, Kultur | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Loveparade-Strafprozess: Duisburgs ehemaliger Baudezernent Jürgen Dressler sagte aus

An Planung, Genehmigung und Durchführung nicht beteiligt
Von Petra Grünendahl

Aus Platzgründen findet das Strafverfahren gegen vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent und sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg im CongressCenter der Messe Düsseldorf (CCD) statt. Foto: Petra Grünendahl.

Wenn mich die Staatsanwaltschaft Köln bei ihren Ermittlungen vernommen hätte, wüssten Sie, dass ich nichts zur Aufklärung beitragen kann”, erklärte Duisburgs ehemaliger Baudezernent Jürgen Dressler. Der heute 72-Jährigen sagte zum ersten Mal zu den Geschehnissen vor und bei der Loveparade 2010 im Gerichtssaal aus. Eine frühere Vernehmung habe es zu seinem Bedauern nicht gegeben. Gleich zu Beginn stellte Dressler klar, dass er weder an der Planung noch an Genehmigung oder Durchführung der Loveparade in irgendeiner Art und Weise beteiligt gewesen sei. Die drei noch verbliebenen Angeklagten, die als Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent in die Planungen eingebunden waren, habe er erst im Verfahren auf der Anklagebank kennen gelernt, erklärte er. Über ein „Guten Tag“ und „Wie geht’s?“ hinaus, so Dressler, habe er keinerlei Kontakt zu ihnen gehabt. Am Tag der Loveparade habe er zu Hause den Geburtstag seiner Frau gefeiert, sagte der Pensionär. Am Morgen des Folgetags habe Oberbürgermeister Adolf Sauerland ihn angerufen und gebeten, an der Pressekonferenz teilzunehmen. „Das habe ich abgelehnt“, so Dressler.

Der Vorsitzende Richter Mario Plein von der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg, flankiert von zwei beisitzenden Richterinnen beim Loveparade-Strafprozess. Foto: Lars Heidrich / Funke Foto Services.

Im Strafprozess zur Loveparade-Katastrophe von 2010 hatte die die 6. große Strafkammer des Landgerichts Duisburg den damaligen Baudezernenten Jürgen Dressler als Zeugen geladen. Gegen sieben der zehn Angeklagten – darunter auch Dressler – war zu Jahresbeginn das Verfahren ohne Auflagen eingestellt worden. Die Übrigen wollten sich nicht auf eine Verfahrenseinstellung gegen Auflagen einlassen, so dass gegen die drei damaligen Mitarbeiter der Lopavent GmbH wird wegen fahrlässiger Tötung in 21 Fällen und fahrlässiger Körperverletzung weiter verhandelt wird. Nach dem ehemaligen Kreativdirektor der Lovavent, der im Mai ausgesagt hatte, ist Dressler jetzt der erste der ehemaligen Angeklagten aus Reihen der Stadt Duisburg, die in den Zeugenstand geladen werden. Der Vorsitzende Richter Mario Plein ließ Dressler wie gehabt zunächst erzählen, wie er mit der Loveparade in Verbindung gestanden hatte, bevor er gezielt nachfragte und ihm aus den Ermittlungsakten Sachverhalte vorhielt.

Dresslers freie Erzählung war kurz: zu den Sachverhalten von Planung, Genehmigung und Durchführung könne er keine Aussage machen, da er nicht involviert gewesen sei. Interessante Angaben machte er trotzdem: So war ihm von Rainer Wendt, dem aus Duisburg stammenden Bundesvorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft, zugetragen worden, dass es einen Beschluss im NRW-Innenministerium gegeben habe, dass nicht gegen die Polizei ermittelt würde. Zu Beginn der Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft Köln war auch nur gegen einen Polizeibeamten ermittelt, dass Verfahren aber vor der Klageerhebung eingestellt worden.

 
Bauaufsicht dem Ordnungsdezernenten unterstellt

Gedenktstätte für Opfer der Loveparade 2010 in Duisburg am Alten Güterbahnhof.
Foto: Petra Grünendahl,

Mehrfach wehrte sich Jürgen Dressler gegen die Wortwahl des Richters, das Amt für Baurecht und Bauberatung (Amt 62) habe zu seiner Zuständigkeit gehört und sei im unterstellt gewesen. „Die Bauaufsicht ist eine staatliche Aufgabe, die der Bezirksregierung unterstellt ist“, machte er klar, auch wenn die Ansiedlung des Amtes in seinem Dezernat andere Schlüsse zuließe. Seine Aktenvermerke auf Schriftstücken in den Ermittlungsakten seien Sachverhalte, auf die ihn seine Amtsleiterin hingewiesen hatte, und Entgegnungen (Remonstrationen) gewesen, weil „seinem“ Amt 62 unterstellt worden war, inkompetent und borniert zu sein: „Die Bauaufsicht dient nicht der Beliebigkeit der Antragsteller“, machte Dressler klar. Ein Entgegenkommen in Sicherheitsfragen, um die Veranstaltung zu ermöglichen, hatte die Mitarbeiter zu Recht abgelehnt. Das Bauordnungsamt sei keine planende Behörde, sondern eine genehmigende Behörde: „Die Nutzbarkeit des Geländes für eine Veranstaltung zu prüfen, ist die Aufgabe der Bauaufsicht nach der Versammlungsstättenverordnung“, so Dressler. Man habe weder die Veranstaltung geplant noch eine Veranstaltungsgenehmigung erteilt, sondern eine Baugenehmigung für die vorübergehende Nutzungsänderung eines geschlossenen (Privat-)Geländes. Und als Baugenehmigung sei sie mit der Sorgfalt höchst kompetenter Sachbearbeiter geprüft worden, verteidigte Dressler die Mitarbeiter der Bauaufsicht.

 
Politisch gewollt

Rathaus am Burgplatz. Foto: Petra Grünendahl.

Die Veranstaltung sei politisch gewollt gewesen als Leuchtturmprojekt im Kulturhauptstadtjahr: Nicht nur von der Landesregierung unter Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU), sondern auch von den Parteien in Duisburg: „Einen Erfolg der Loveparade sollte sich besonders für die CDU positiv auswirken“, so Dressler wörtlich. Auch bei den anderen Parteien habe es keine Opposition zur Loveparade gegeben: Keine Partei wollte allein der CDU das Sonnen im Erfolg gönnen oder zum Spielverderber werden für das große Techno-Spektakel.

Unmittelbaren Druck habe er allerdings nicht bemerkt, auch wenn der damalige Ordnungsdezernent Wolfgang Rabe als verantwortlicher Koordinator der Planungen immer wieder hervorgehoben hatte, dass Oberbürgermeister Adolf Sauerland die Veranstaltung wünsche und man dem Veranstalter entgegen kommen müsse. Außer Bedenken vom ehemaligen Polizeipräsidenten Rolf Cebin, zu dem er damals in seiner Nachbarschaft Kontakt hatte, seien ihm keine Bedenken bekannt gewesen, sagte Dressler. Und auch die von Cebin habe er nur in einem persönlichen Gespräch auf der Straße wahrgenommen. Was wenig wundert, denn nach eigener Aussage war Dressler in die Vorbereitungen nicht involviert gewesen. Die Zuständigkeit für Amt 62 (Bauaufsicht) im Zusammenhang mit der Baugenehmigung für den alten Güterbahnhof hatte OB Sauerland am 3. März 2010 an den Beigeordneten Rabe delegiert, der den Lenkungskreis für Planungen und Genehmigung koordinierte. Das entsprechende Schriftstück findet sich in den Ermittlungsakten und wurde auch hier wieder zitiert. Da wundert sich der Beobachter schon, warum Jürgen Dressler überhaupt auf der Anklagebank gesessen hatte!

© 2019 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (x), Lars Heidirch / Funke Foto Services (1)
 


Veröffentlicht unter Duisburg, Loveparade | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Deltaport Niederrheinhäfen boten Einblicke in ihre Entwicklungen vor Ort

Baureife Flächen mit Wasseranschluss und
überregionaler Verkehrsanbindung

Von Petra Grünendahl

Stadthafen Wesel. Foto: Petra Grünendahl.

Andreas Stolte, Geschäftsführer der DeltaPort Niederrheinhäfen GmbH und der DeltaPort GmbH & Co. KG. Foto: Petra Grünendahl.

„Auf diesem Areal hatte sich eigentlich ein Futtermittelhersteller ansiedeln wollen, aber nachdem deren Absatz sank, haben sie ihr jüngstes Erweiterungsprojekt gestoppt“, erzählte Andreas Stolte, Geschäftsführer der DeltaPort Niederrheinhäfen GmbH, im Stadthafen Wesel. Das war der einzige Wehrmutstropfen, über den Stolte zu berichten hatte. Dafür steht jetzt ein Filet-Stück mit trimodaler Anbindung im Stadthafen Wesel für eine Neuansiedlung zur Verfügung. Die komplette Kaimauer war erst zwischen 2013 und 2015 erneuert worden, als Hülskens dort auch seine neue Salzverladung baute: Rund 1 Mio. Tonnen Salz aus Rheinberg-Borth werden mittlerweile hier verladen. „Saniert haben wir auch die Gleisanlagen im Hafen und die Gleise bis zum Bahnhof Wesel, wo die Güterzüge ins Netz der Deutschen Bahn wechseln“, berichtete Dieter Thurm, Technischer Leiter der Deltaport GmbH & Co. KG. „Die 300 Meter neue Kaimauer im Rhein-Lippe-Hafen sind im vergangenen Jahr fertig geworden“, erzählte Thurm. Sie dient der Schwergut-Verladung bei Hegmann Transit.

Auf der River Lady gingen rund 200 Gäste auf die Tour „Deltaport vor Ort“. Foto: Petra Grünendahl.

Rhein-Lippe-Hafen in Wesel. Foto: Petra Grünendahl.

Bereits zum siebten Mal (und zum zweiten Mal unter dem Dach der Hafenkooperation DeltaPort Niederrheinhäfen) hatte DeltaPort zu seinem Traditions-Event geladen, rund 200 Gästen aus Politik, Verwaltung und Logistik-Branche die Entwicklung seiner Hafenstandorte „vor Ort“ zu präsentieren. Die Schiffstour mit der River Lady ging vom Anleger an der Weseler Rheinpromenade Richtung Süden über den Stadthafen und den Rhein-Lippe-Hafen (ehemals Ölhafen) in Wesel sowie den Hafen Emmelsum in Voerde bis zum Hafen Rheinberg-Orsoy. Neben Andreas Stolte und Dieter Thurm sprachen auch Vertreter von Kooperationspartnern und Hafenanliegern über ihre Unternehmen, die Entwicklungen ihrer Ansiedlungen und Pläne für Erweiterungen. Dabei bekamen die Gäste einen kleinen Einblick, in welche Richtung die Entwicklung der Häfen gehen soll: Eine weitere Diversifizierung des Ladegutes durch neue Ansiedlungen sowie Engagement in Zukunftsfeldern wie Kühllogistik, Digitalisierung und Nachhaltigkeit (insbesondere in Zusammenarbeit mit Kooperationspartner Hafen Rotterdam) standen ganz oben auf der Agenda.

 
Die DeltaPort Niederrheinhäfen

Hafen Voerde-Emmelsum. Foto: Petra Grünendahl.

Die DeltaPort Niederrheinhäfen GmbH ist ein Anfang 2018 gegründeter Zusammenschluss der DeltaPort-Häfen (Stadthafen und Rhein-Lippe-Hafen in Wesel sowie Hafen Voerde-Emmelsum) mit den Häfen Emmerich und dem NIAG-Hafen Rheinberg-Orsoy. Ziel der Gesellschafter des Hafenverbundes – DeltaPort GmbH & Co. KG, NIAG Niederrheinische Verkehrsbetriebe AG und Port Emmerich GmbH – ist es, die Binnenhäfen am Niederrhein zu stärken. Gemeinsam bilden die Partner das gesamte Umschlag-Portfolio ab: Von Schüttgütern über Stück- und Schwergut bis zu Flüssiggütern und Containern. Der Güterumschlag betrug im letzten Jahr 7,5 Mio. Tonnen – mit deutlichem Wachstum vor allem beim Massengut (Schütt- und Flüssiggütern) von 13 Prozent und bei Containern von 23 Prozent.

NIAG-Hafen Rheinberg-Orsoy. Foto: Petra Grünendahl.

Die Niederrheinhäfen liegen im Hinterland der Überseehäfen von Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen (ARA). Alle fünf Hafenstandorte profitieren von ihrer Lage jenseits des staubelasteten Ruhrgebiets mit einer hervorragenden Anbindung an überregionale Verkehrswege. Ihre überwiegend trimodale Infrastruktur prädestiniert sie als Drehscheibe für Warenverteilströme, aber auch für Mehrwerte schaffende Unternehmen, die hafenaffine Produktion ansiedeln wollen. Mit Leuchtturmprojekten wie EcoPort 813 und dem Förderprogramm „Innovative Hafentechnologien“ besetzen sie Zukunftsthemen wie Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Insgesamt verfügt DeltaPort aktuell über 81 Hektar baureife Flächen am Wasser.
www.deltaport-niederrheinhaefen.de

Diese Diashow benötigt JavaScript.

© 2019 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (6), DeltaPort (Luftbilder)
 


Veröffentlicht unter Duisburg, Region, Wirtschaft | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Erzieher-Fachklasse vom Sophie-Scholl-Berufskolleg gestaltete Antikriegstag des DGB Niederrhein

Erinnern heißt mahnen: „Es ist wichtig, dass sich junge Menschen damit beschäftigen”
Von Petra Grünendahl

Schüler der Fachklasse Erzieher stellten ihr Kunstprojekt über Sophie Scholl und Anne Frank bei der traditionellen Antikriegstags-Veranstaltung im Ratssaal vor. Foto: Petra Grünendahl.

Die angehenden Erzieher hatten sich im Kunstunterricht mit der Lehrerin Rita Glaser für ein Kunstprojekt mit Anne Frank und Sophie Scholl, Namensgeberin ihrer Schule, beschäftigt. Zur künstlerischen Auseinandersetzung kam die Beschäftigung mit den persönlichen Geschichten, die beide – wenn auch aus unterschiedlichen Gründen – zu Opfern des Nationalsozialismus werden ließ. „Es ist wichtig, dass sich junge Menschen damit beschäftigen“, sagte Angelika Wagner, Vorsitzende des DGB Niederrhein. Denn die Erinnerung mahnt, dass so etwas nicht wieder geschieht. Die Ergebnisse des Kunstprojekts waren am 12. Juni in einer Ausstellung an der Schule in Marxloh zu sehen, wo das Sophie-Scholl-Berufskolleg als Musterbeispiel gelebter Vielfalt gilt. Einen Teil der Exponate hatten die Schüler mit ins Rathaus gebracht und im bzw. vor dem Ratssaal aufgebaut. In einem Gemeinschaftsvortrag stellten Vertreter des Kunstkurses das Projekt dem Publikum vor.

Schüler der Fachklasse Erzieher stellten ihr Kunstprojekt über Sophie Scholl und Anne Frank bei der traditionellen Antikriegstags-Veranstaltung im Ratssaal vor. Foto: Petra Grünendahl.

Zum Antikriegstag hatte der DGB Niederrhein in den Ratssaal der Stadt Duisburg zu seiner Traditionsveranstaltung eingeladen. Angelika Wagner und Bürgermeister Manfred Osenger als Vertreter der Stadt warnten vor der Spaltung der Gesellschaft: Mit Verschwörungstheorien und Lügen würden heute wieder Menschen gegeneinander ausgespielt. Umso wichtiger, dass sich die EU, seit über 70 Jahren Garant für den Frieden in Europa, dem Rechtspopulismus entgegen stelle: „Wieder lassen sich Menschen hier und woanders von Verschwörungstheorien, Lügen und Menschenfeindlichkeit verführen“, sagte Osenger. „Der Antikriegstag gewinnt an Bedeutung, weil die Zahl der bewaffneten Konflikte wächst. Immer mehr Menschen fliehen vor Krieg“, so Osenger. Das Wettrüsten ist weltweit im Gange, Rüstungsausgaben so hoch wie seit dem Ende des Kalten Krieges nicht mehr: „Dieses Geld kann man viel sinnvoller in Bildung investieren, oder in die Pflege mit ordentliche bezahlten Arbeitsplätzen“, so Angelika Wagner. Sie warnte, dass Demokratie, Freiheit und Frieden keine Selbstverständlichkeit seien, sondern mitunter erkämpft werden müssten.

 
Kranzniederlegung am Mahnmal

Kranzniederlegung mit Schülern und Gästen an der Ruhrorter Straße (v. l.): Angelika Wagner (DGB), Vildan Güngör, Angelina Thill, Bürgermeister Manfred Osenger und Alexandra Orekou. Foto: Petra Grünendahl.

Musikalisch begleitet die Veranstaltung traditionell der Stattchor. Zum Abschluss der Veranstaltung legten der DGB, die SPD-Ratsfraktion und die Stadt Duisburg am Mahnmal für die ermordeten Gewerkschafter an der Ruhrorter Straße Kränze nieder. Die Niederlegung ehrt traditionell stellvertretend alle Opfer des Krieges und des Nationalsozialismus. Das Mahnmal „Erfahrbare Wände“ von Gabriella Fekete – vier leere Stühle vor Steinblöcken – steht auf der Ruhrorter Straße vor dem Haus Nummer 11, wo damals das Gewerkschaftshaus stand. Dort im Keller waren die Duisburger Gewerkschafter Julius Birck, Emil Rentmeister, Johann Schlösser und Michael Rodenstock gefoltert und ermordet und anschließend im Hünxer Wald verscharrt worden (siehe Schriftenreihe der DGB Jugend Duisburg: Broschüre „2. Mai 1933 – Tatort Duisburg“).

Impressionen von der Veranstaltung. Fotos: Petra Grünendahl.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)
 


Veröffentlicht unter Duisburg | Verschlagwortet mit , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Wanheimerorter Bürgerverein ehrt Günter Zirbi mit dem Bürgerpreis

Als Netzwerker bemüht um Konsenz jenseits
politischer und religiöser Überzeugungen

Von Petra Grünendahl

Preisverleihung in Wanheimerort (v. l.): Torsten Steinke, Vorsitzender des Wanheimerorter Bürgervereins, Laudator Wolfgang Braun und mit Preisträger Günter Zirbi. Foto: Petra Grünendahl.

Günter Zirbi, der neue Träger des Bürgerpreises. Foto: Petra Grünendahl.

„Günter Zirbi war immer ein guter Netzwerker, ein Strippenzieher im positiven Sinne“, sagte Laudator Wolfgang Braun über den neuen Träger des Wanheimerorter Bürgerpreises. Seit über 20 Jahren kennt Laudator Braun den Wanheimerorter, hat mit ihm im Regionalverein von Gegen Vergessen – Für Demokratie e. V. zusammen gearbeitet. Viele Jahre war Zirbi Braun Stellvertreter als Sprecher des Vereins, engagierte sich im Kampf gegen Rechts. Braun lobte den neuen Preisträger als konsequent, geradlinig und direkt: „Er ist kompromissfähig, ohne seine Überzeugung aufzugeben.“ Zu seinen vielen ehrenamtliche – auch politischen – Engagements zählen 30 Jahre beim Politischen Nachtgebet und seine Zeit als Vorsitzender der KAP Duisburg (Katholische Arbeitnehmer-Bewegung). Seine eigene Überzeugung habe ihn nie abgehalten, so der Laudator, mit Vertretern anderer Religionen oder demokratischen Parteien gemeinsame Wege zu suchen und zu finden.

Torsten Steinke, Vorsitzender des Wanheimerorter Bürgervereins, ehrte Günter Zirbi mit dem Bürgerpreis 2019. Foto: Petra Grünendahl.

Der Wanheimerorter Bürgerverein von 1874 e. V. hatte in den Gemeindesaal von St. Michael eingeladen, um mit Günter Zirbi eine Person zu ehren, die sich um den Stadtteil Wanheimerort (und darüber hinaus) verdient gemacht hat. Der Wanheimerorter Bürgerpreis wird seit 1994 verliehen an Einzelpersonen oder Organisationen. Der Bürgervereinsvorsitzende Torsten Steinke zeichnete des 26. Träger dieses Preises aus, der anlässlich des 120. Vereinsjubiläums ins Leben gerufen worden war. Wanheimerort ist als Siedlung erst 1871 entstanden und damit einer der jüngsten Duisburger Stadtteile, verfügt aber über einen der beiden ältesten Bürgervereine Duisburgs. „Wir brauchen solche politisch engagierten Menschen in einer Zeit, in der Gedankengut der Vergangenheit wieder Fuß fassen will“, erklärte Torsten Steinke die Auswahl des Bürgervereins-Gesamtvorstandes aus den eingereichten Vorschlägen. Steinke dankte dem Verein Gegen Vergessen – Mehr Demokratie e. V. für die Hilfe, die der Bürgerverein unter anderem für eine Gegenveranstaltung zur Nazi-Demo am 1. Mai erhalten hatte.

Den musikalischen Rahmen zur Verleihung des Wanheimerorter Bürgerpreises gestaltete die Formation Faelend. Foto: Petra Grünendahl.

Für die musikalische Begleitung der Ehrung hatte Torsten Steinke die Formation Faelend gewinnen können: Sie interpretieren Tolkiens Ring-Saga musikalisch (Music from the Dark Elves). Ihr vielfältiges Repertoire reicht von rockig bis sanft mit einem Gesang in elbischer Sprache, ist aber keinem Genre zuzuordnen. Der vergleichsweise kleine Gemeindesaal war für die in großer Besetzung erschienen Elben-Musiker akustisch eine Herausforderung, die sie zur Begeisterung des Publikums trefflich meisterten.

© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)
 


Veröffentlicht unter Duisburg, Panorama | Verschlagwortet mit , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Caravan Salon 2019 Düsseldorf eröffnet am Wochenende fürs Publikum

Das Caravaning wird farbiger
Von Petra Grünendahl

Impressionen vom Caravan Salon. Fotos: Petra Grünendahl.

„Auf den Stellplatz am Strand rangiert es sich leicht, doch wie kommt man vom Sand wieder weg?“, fragte Joachim Baumgartner, Geschäftsführer von Concorde, bei der Pressekonferenz rhetorisch. Eine Lösung präsentierte der mittelständische Hersteller von Reisemobilen im Luxus-Premium-Segment auf dem Caravan Salon: Seinen neuen Allrad-SUV-Siebentonner (mit einer Anhängelast von 3,5 Tonnen gebremst). Immer mehr Hersteller bringen mittlerweile geländegängige Camper und Reisemobile (4×4 Allroad) auf den Markt. Aber der Caravan Salon hat natürlich noch viel mehr zu bieten: Das Spektrum riecht von der kleinen Knutschkugel zum stattlichen Wohnwagen von bis 12 Metern Länge, vom ausgebauten Kastenwagen als Wohnmobil für ein oder zwei Personen, dem umgebauten Van oder Transporter bis hin zum Riesenmobil auf Lkw-Basis. In Düsseldorf präsentiert sich die Branche von ihrer vielfältigen und natürlich schillernden Seite. Sie spricht nicht nur den kleine Camper an, sondern auch Menschen, die unterwegs auf keinen Luxus verzichten wollen. Von wenigen Tausend Euro bis hin zu über 1,5 Mio. Euro reicht die Preisspanne. Auch wenn man sich die meisten dieser Mobile sich nicht leisten kann: Mal gucken lohnt sich!

Impressionen vom Caravan Salon. Fotos: Petra Grünendahl.

Die Branche ist wieder zu Hause in ihrem Wohnzimmer: Am Wochenende öffnet der Caravan Salon unter dem Motto „In der Welt zu Hause“ auf der Messe in Düsseldorf seine Pforten. Alle Größen der Branche – von Knaus Tabbert, Dethleffs, Bürstner, Hymer oder Carthago bis Reimo, Adria, La Strada, Fendt oder Niesmann & Bischof sowie Fiat, Ford, Mercedes, Peugeot, Renault oder VW Nutzfahrzeuge, um hier nur eine Auswahl zu nennen – präsentieren ihr aktuelles Programm ebenso wie Neuheiten und Innovationen. Nach dem Fachbesuchertag zum Auftakt können nun auch Camping-Fans und Wohnmobil-Interessierte eine breite Palette dessen begutachten, was an Neuheiten auf den Markt kommt: Reisemobile und Wohnwagen aller Größen und Klassen vom Einsteiger für kleineres Geld bis Premium-Luxus stehen im Mittelpunkt der Schau. Darüber hinaus gibt es Technik und Zubehör, Zelte und Falt-Caravans. Aber auch mit Themenspektren wie Telekommunikation und Konnektivität, Sicherheit, Ökologie und Elektromobilität stellen sich die Hersteller und Zulieferer dar.

Impressionen vom Caravan Salon. Fotos: Petra Grünendahl.

Zu den Features mit Zukunftspotenzial gehört das 48-Volt-Netz im Wohnwagen, das den Betrieb eines Kühlschranks ebenso ermöglicht wie den Elektroherd (also das gasfreie Kochen). Ein weiterer Trend fällt auf: neben Weiß und Hellgrau gibt es viele Reisemobile mittlerweile auch Farben wie Schwarz, dunkleren Grautönen und sogar Blau oder Rot. In der Starter Welt (Halle 18) gibt es eine Beratung für Caravan- und Camping-Einsteiger. Auf insgesamt 214.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche zeigen mehr als 130 Marken über 2.100 Freizeit-Fahrzeuge aller Art. Aufgrund zahlreicher Jubiläen – von 15 bis 175 Jahre – bieten Hersteller Sonder-Editionen an. Der Caravan Salon ist auch immer eine Verkaufsmesse: Zu „Messe-Preisen“ gibt es das eine oder andere Modell schon mal günstiger – zumindest in seinem jeweiligen Preissegment.

Impressionen vom Caravan Salon. Fotos: Petra Grünendahl.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Öffnungszeiten und Preise

Impressionen vom Caravan Salon. Fotos: Petra Grünendahl.

Noch bis zum Sonntag, 8. September, läuft der Caravan Salon in Düsseldorf. Ab Freitag, 6. September, kommt zum Caravan Salon noch die TourNatur in Messehalle 6 dazu. Tageskarten gibt es zum Preis von 18 Euro, ermäßigt 15 Euro (online gekauft für 15 bzw. 11 Euro, weitere Ermäßigungen gibt es hier). Geöffnet ist der Caravan Salon täglich von 10 bis 18 Uhr. Das Messegelände an der Stockumer Kirchstraße in der Nachbarstadt ist von Duisburg sehr gut und stressfrei mit der U79 (Haltestelle: Messe Ost / Stockumer Kirchstraße) zu erreichen. Weitere Informationen gibt es im hier.

© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

Veröffentlicht unter Duisburg, Panorama, Region | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

NetzwerkForum SchifffahrtHafenLogistik: Logistik-Cluster NRW trifft sich zum 11. Mal in Duisburg

Binnenschifffahrt als Wirtschaftsfaktor für den Klimawandel
Von Petra Grünendahl

Ingo Brauckmann, Logistik-CEO bei thyssenkrupp Steel Europe. Foto. Petra Grünendahl.

Die Niederrheinische IHK an der Mercatorstaße. Foto: Petra Grünendahl.

„Rund 80 Prozent unserer Gütertransporte gehen über Binnenschiff oder Bahn“, verwies Ingo Brauckmann, CEO des Geschäftsbereichs Logistik bei thyssenkrupp Steel Europe AG (TKSE), auf den großen Anteil an umweltfreundlichen Transportkapazitäten. „Selbst bei einem Rhein-Niedrigwasser vom 1,50 Meter können wir 90 Prozent unserer Produktion aufrecht erhalten, allerdings müssen wir dann viel über die Schiene leiten“, so Brauckmann. Das koste sehr viel Geld, so der Logistik-CEO. Niedrigwasser auf dem Rhein gab es immer schon, aber seit Trocken-Perioden als Folge des Klimawandels zunehmen, verschärfen sich auch Niedrigwasserstände. Das trifft nicht nur die Industrie, sondern auch die überwiegend mittelständisch geprägte Binnenschifffahrt – und das gerade in NRW: Die Binnenschifffahrt hat hierzulande einen Anteil von 30 Prozent am Gütertransport (bundesweit sind es nur 8 Prozent). NRW hat ein gut ausgebautes Wasserstraßennetz von 720 Kilometern mit 120 Häfen (23 öffentliche und 97 private), in denen Warenumschlag auf andere Verkehrsträger für die letzten Meilen stattfindet. Dass sich Nachhaltigkeit bei thyssenkrupp Steel Europe nicht nur auf Gütertransporte beschränkt, zeigte Brauckmann in den Standortplanungen für den Duisburger Norden auf: „Bis 2050 wollen wir durch neue Produktionsverfahren, die wir hier entwickeln, den CO2-Ausstoß bei der Stahlproduktion auf Null reduzierten“, so Brauckmann. Bis 2030 solle der Ausstoß um 30 Prozent reduziert sein. Um dieses Ziel zu erreichen, investiere TKSE bis 2050 rund 10 Mrd. Euro, verriet der Logistiker.

VVWL-Geschäftsführer Dr. Christoph Kösters (l.) und IHK-Präsident Burkhard Landers (r.) betrüßten NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser zum NetzwerkForum. Foto: Petra Grünendahl.

Zum Thema “Maritime Logistikstandorte – Klimawandel und Standortpolitik” hatte das Kompetenznetz Logistik.NRW Logistikfachleute aus Industrie und Transportwirtschaft nach Duisburg eingeladen. Bereits zum 11. Mal arbeitete der Verband Verkehrswirtschaft und Logistik NRW e. V. (VVWL) mit der Niederrheinischen IHK als Gastgeber zusammen. Die Traditionsveranstaltung lockt Verantwortliche aus Logistikbranche und Industrie ebenso wie von Verbänden, aus Politik und Verwaltung. Die Organisatoren hatten ein hochkarätiges Podium gewonnen, Sachfragen der maritimen Logistik darzustellen und mit dem Publikum zu diskutieren.

 
Zielgerechte Maßnahmen als Antwort auf den Klimawandel

NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser. Foto: Petra Grünendahl.

Während Ingo Brauckmann in seinem Eingangsstatement den Fokus auf Nachhaltigkeit am Industrie- und Logistikstandort NRW legte, stellte Ursula Heinen-Esser, NRW-Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz, die Standort- und Klimapolitik ihrer Regierung vor. Sie unterstrich den Stellenwert, den sie der Industrie und Logistik für den Wirtschaftsstandort NRW zumisst. Die Ministerin unterstrich ihr Bestreben, bei Lösungen für den Klimaschutz zielgerechte Maßnahmen suchen zu wollen, um mögliche negative Auswirkungen an anderer Stelle zu vermeiden. Anpassungen an den Klimawandel seien in allen Bereichen nötig, so die Ministerin. Eine CO2-Steuer, so deutete sie an, halte sie für weniger Ziel führend als eine Form es Emissionshandels, wie er an anderer Stelle schon praktiziert wird. Wobei Ingo Brauckmann auch deutlich machte, dass Industrieproduktion in Deutschland durchaus umweltfreundlich ist: „Stahlproduktion ist keine Old Economy! Stahl ist ein hochmoderner Werkstoff, den wir in Deutschland in großen Mengen brauchen“, so Brauckmann. Ihn hier zu produzieren statt zu importieren, entlaste die Umwelt. Allerdings, so sagte er auch: „Wir brauchen ein Bekenntnis für den Standort und Hilfe von der Politik, die Stahlindustrie in Deutschland halten zu wollen.“

 
Zwei Podiumsrunden in der Diskussion mit dem Publikum

Das Podiium „Praxis und Politik im Dialog“ (v. l.): Ulrich Reuter, Ingo Brauckmann, Sebastian Reimann, Ursula Heinen-Esser und Steffen Bauer. Foto: Petra Grünendahl.

Das Podium „Masterpläne Eisenbahn und Binnenschifffahrt“ (v. l.): Werner Spionkowski, Roberto Spranzi, Wolfgang Birlin, Sebastian Reimann, Dr. Arndt Glowacki und Achim Wehrmann. Foto: Petra Grünendahl.

Zum Thema „Standortpolitik und maritimer Logistik- und Wirtschaftsstandort NRW“ diskutierten die Eingangsreferenten mit weiteren Vertretern aus Politik und Wirtschaft sowie dem Publikum. Steffen Bauer, Senior Vice President für den Bereich Schifffahrt bei Imperial Logistics International, sowie Ulrich Reuter, MdL, Sprecher Binnenschifffahrt der FDP-Landtagsfraktion, komplettierten mit Moderator Sebastian Reimann, Chefredakteur der Deutschen Verkehrs-Zeitung (DVZ) das Podium. Eine zweite Podiumsrunde diskutierte die jüngst aufgestellten „Masterpläne Eisenbahn und Binnenschifffahrt – ein Erfolgsmodell?“. Hier trafen Vertreter aus Wirtschaft und Logistik – Dr. Arndt Glowacki, Logistik-Direktor bei Evonik und Vorsitzender der Arbeitgemeinschaft Häfen in NRW im Bundesverband Öffentlicher Häfen, Roberto Spranzi, Vorstand der DTG Deutsche Transport-Genossenschaft Binnenschifffahrt eG und Vize-Präsident des Bundesverbandes der deutschen Binnenschifffahrt, Wolfgang Birlin, Geschäftsführer der RheinCargo, dem Zusammenschluss der Häfen Köln, Düsseldorf und Neuss, Werner Spionkowski, Geschäftsführer der Ruhrmann Logistik in Dortmund – auf Achim Wehrmann, Stv. Abteilungsleiter Wasserstraßen und Schifffahrt im Bundesverkehrsministerium. Alle begrüßten auf Aufstellung der Masterpläne, deren Erfolge aber natürlich die Umsetzung gebunden sind. Hierzu forderte die Wirtschaft mehr Planungskapazitäten für die Behörden, um Maßnahmen schneller realisieren zu können. Insbesondere eine Rheinsohlenstabilisierung (Rheinvertiefung) in Nordrhein-Westfalen dürfe nicht solange dauern wie die Elbvertiefung, da sich die Problematik Niedrigwasser verschärften wird. Der Sommer 2018 dürfte so manchen Bürger noch in Erinnerung sein, als die wegen des Niedrigwassers sinkenden Gütermengen für Sprit-Knappheit an den Tankstellen und somit für steigende Preise sorgten.

© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)
 


Veröffentlicht unter Duisburg, Region, Wirtschaft | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Jüdische Gemeinde feierte 10 Jahre Gemeindekindergarten mit Eltern und Gästen

Gelebte Vielfalt als Spiegel der Duisburger Geschichte
Von Petra Grünendahl

Die Kinder singen zum Akkordeon-Spiel von Boris Orentlicher ein Lied zur Begrüßung. Foto: Petra Grünendahl.

„Ich wäre jetzt gerne mit den Kindern gegangen”, begann Pfarrer Christian Schulte von der Liebfrauen Kirche in Duisburg sein Grußwort. „Man hört: die haben Spaß!“ Angesichts der Hitze hielten sich alle Redner kurz, denn schließlich sollte die Feier des 10-jährigen Bestehens des Jüdischen Gemeindekindergartens im Mittelpunkt stehen. Mit dem Kindergarten hat die Jüdische Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen nach der Ansiedlung im Innenhafen zehn Jahre zuvor einen zweiten Ankerpunkt in der Mitte der Duisburger Gesellschaft gesetzt. Allerdings achtet auch hier (wie am Gemeindezentrum) ein Sicherheitsdienst darauf, wer Zugang bekommt. „Beschämend für unsere Gesellschaft“, nannte es Bildungsdezernent Thomas Krützberg, wobei er hier nicht (!) die Duisburger meinte. An die gemeinsamen Wurzeln von Christentum und Judentum erinnerte Pfarrerin Ute Sawatzki vom Evangelischen Kirchenkreis: „Jesus war Jude!“

Gruppenbild mit Erziehern und Kindern: Pfarrerin Ute Sawatzki (2. v. l.), Pfarrer Christian Schulte (3. v. r.), Heike Kaminski (2. v. r.) und Thomas Krützberg (r.). Foto: Petra Grünendahl.

Zehn Jahre nach Eröffnung seines Kindergartens hatte die Jüdische Gemeinde Kinder, Eltern und Erzieher, Wegbereiter der Einrichtung und Vertreter von Verwaltung, Gesellschaft und Kirchen eingeladen, dieses Jubiläum zu feiern. Der Kindergarten hat sich in diesen 10 Jahren mit gelebter Vielfalt etabliert und ist Teil der Gesellschaft geworden. Der erste Gemeindekindergarten der Nachkriegszeit war der lang gehegte Traum des damaligen Gemeindevorsitzenden Jacques Marx gewesen, unter dessen Ägide sich diese 1999 in einem neuen Gemeindezentrum im Innenhafen angesiedelt hatte. Die offizielle Eröffnung des Kindergartens am 17. August 2019 war so etwas wie eine Rückkehr zur Normalität, zu der jüdisches Leben über Jahrhunderte in Duisburg gehörte.

 
Pädagogisches Konzept, Respekt und Wertschätzung für alle

Der ehemalige Gemeindevorsitzende Jacques Marx mit der ersten Kindergarten-Leiterin Dariya Itunina (m.) sowie der heutigen Leiterin Viktoriya Ladyzhensky (r.). Foto: Petra Grünendahl.

Nachdem der Liebfrauen-Kindergarten 2009 ins Forum Duisburg umgezogen war, übernahm die Jüdische Gemeinde die verlassene Einrichtung samt einem großen Außengelände. Nach einem symbolischen ersten Spatenstich durch Jacques Marx und den damaligen Stadtdechanten Bernhard Lücking baute man die Einrichtung um: Hier galt es schließlich Landesvorgaben im Kinderbildungsgesetz (KiBiz) zu erfüllen. Mit 45 Plätzen für Kinder von U3 bis zur Einschulung reichen die Kapazitäten allerdings schon lange nicht mehr für die hohe Nachfrage aus.

Der Gemeindekindergarten ein „jüdisches Haus“, das sich nach dem jüdischen Kalenderzyklus richtet. Foto: Petra Grünendahl.

Zwar ist der Gemeindekindergarten ein „jüdisches Haus“, das sich ausschließlich nach dem jüdischen Kalenderzyklus richtet, mit dem Schwerpunkt der Vermittlung von jüdischem Wissen, Normen und Werten. Aber der Gemeindevorstand hat von Anfang an einen besonderen Wert auf die Vielfalt gelegt, die Menschen unterschiedler Herkunft und unterschiedlichen Glaubens mitbringen: „Weder Kinder noch die Erzieher müssen jüdischen Glaubens sein – und es sind sowohl Christen als auch Muslime dabei“, erzählte Heike Kaminski, seit elf Jahren Assistentin der Gemeinde-Geschäftsführung (heute Alexander Drehmann, davor Michael Rubinstein).

Mit Eltern, Erziehern, Kindern und Gästen feierte die Jüdische Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen das 10-jährige Bestehen ihres Kindergartens. Foto: Petra Grünendahl.

Heike Kaminski hat die Einrichtung von Anfang an begleitet. Sie berichtete vom Beschluss zur Errichtung eines Kindergartens im November 2008 und davon, dass im Mai 2009 „die Elterninitiative Kinderhaus 05 auf uns zutrat, mit der Anfrage, ob wir sowohl die Kinder als auch das Personal übernehmen könnten. Damit hatten wir nicht nur genügend Anmeldungen, sondern auch das erste Erzieher-Team komplett.“ Kaminski dankte dem Diakonischen Werk: „Sie haben uns sinnbildlich an die Hand genommen, bis wir unsere ersten Schritte selber gehen konnten.“ Der Betrieb eines Kindergartens stellt schließlich Anforderungen, die über die Aufgaben einer Kirchengemeinde hinaus gehen. „Vorbild unserer pädagogischen Arbeit und für den Blick aufs Kind ist Janusz Korczak, der berühmte jüdische Kinderarzt und Pädagoge“, so Kaminski. Das pädagogische Konzept und die gelebte Vielfalt überzeugen viele Eltern.

Die Gemeinde würde ihre Einrichtung gerne erweitern, um mehr Kinder annehmen zu können: „Wir müssen leider sehr viele ablehnen, weil unsere Einrichtung nur für 45 Kinder ausgebaut ist“, sagte Kaminski. Dass man gerne auf 60 Kinder erweitern würde, begrüßte auch Thomas Krützberg, der die Unterstützung der Stadt zusicherte. Der Jüdische Kindergarten ist mehr als nur Teil einer lebendigen jüdischen Gemeinde in Duisburg. Vernetzt ist er auch überkonfessionell: als Teil der Trägerkonferenz und Leitungskonferenz des Evangelischen Kirchenkreises. Der Gemeindekindergarten ist eine Erfolgsgeschichte nicht nur für die Jüdische Gemeinde, sondern auch für die Stadtgesellschaft. Denn, so hatte Jacques Marx zur Eröffnung vor 10 Jahren gesagt: „die Kinder sind unsere Zukunft!“

© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)
 


Veröffentlicht unter Duisburg, Panorama | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Industrielles Welterbe in Belgien Teil 2: Schiffshebewerke in der Wallonie

Bootstour vom Giganten Strépy-Thieu
zu den historischen Schiffshebewerken

Von Petra Grünendahl

Schiffshebewerk von Strépy-Thieu am Canal du Centre- Foto: Petra Grünendahl.

Von der Brücke über den Canal du Centre (Rue Raymond Cordier) hat man einen atemberaubenden Blick auf das Schiffshebewerk Strépy-Thieu: Mit Ausmaßen von 135 Metern Länge, 81 Metern Breite und einer Höhe von 117 Metern hebt oder senkt Schiffe über einen Höhenunterschied von über 73 Metern. Ausgelegt sind die jeweils 5.200 Tonnen schweren Tröge des elektromechanischen Hebewerks auf Schiffslasten von je 1.350 Tonnen. Die beiden 112 Meter langen, 12 Meter breiten Tröge werden unabhängig von einander betriebenen: jeweils mit Tonnen schweren Gegengewichten. Der Name des imposanten Bauwerks setzt sich aus den Ortsteilen Strépy-Bracquegnies (gehört zu La Louvière) und Thieu (Le Rœulx) zusammen. Dieses monumentale Bauprojekt (1982 bis 2002) bildete die letzte Phase der Ertüchtigung des belgischen Wasserstraßennetzes mit der Erhöhung der Kapazität auf dem Canal du Centre auf 1.350 Tonnen (der alte Kanal war auf Lastkräne bis 300 Tonnen begrenzt).

Schiffshebewerk von Strépy-Thieu am Canal du Centre- Foto: Petra Grünendahl.

Belgien, unser kleiner Nachbar im Westen, wird oft unterschätzt. Das Land war mal – nach Großbritannien – zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt. Die Industrialisierung brauchte schon Anfang des 19. Jahrhunderts entsprechende Verkehrswege für den Gütertransport und die Binnenschifffahrt bot sich für die Transporte großer Mengen – zum Beispiel Kohle oder Erze – an. Belgien forcierte den Bau von Schifffahrtskanälen: Der Canal du Centre verbindet zum einen Schelde- und Maas-Becken, aber großräumig auch Hafen und Region Dünkirchen mit dem Rhein-Becken- Er ist damit von immenser Bedeutung für den Wirtschaftsstandort, auch wenn der Steinkohlebergbau längst Vergangenheit ist.

Schiffshebewerk von Strépy-Thieu am Canal du Centre- Foto: Petra Grünendahl.

Das Schiffshebewerk von Strépy-Thieu, eines der größten elektromechanischen Hebewerke der Welt, bietet aktuell im Dokumentationszentrum auf der 8. Etage eine sehenswerte Ausstellung über die Binnenschifffahrt (Schifffahrtswege gestern, heute und morgen). Ein ca. zwanzigminütiger Film zeigt die Entstehung des Hebewerks: Er wird meist in Französisch oder Holländisch gezeigt, filmsynchrone Audio-Guides gibt es zusätzlich auch in Englisch und Deutsch. Der Blick in die beiden Maschinenräume (8. Etage) ist ebenso beeindruckend wie das Panorama, das man auf der 5. Etage genießen kann. Der Eintritt kostet 8 Euro für Erwachsene (es gibt diverse Ermäßigungen). Von Mai bis August gibt es sonntags vier Mal täglich Bootsausflüge rund um das neue Schiffshebewerk mit einem Schiffsaufzug (zu den Kosten gibt es leider keine Angabe).

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Panorama | Verschlagwortet mit , , , , | 1 Kommentar

Industrielles Welterbe in Belgien Teil 1: Steinkohlebergbau in der Wallonie

Vier museal aufbereitete Standorte,
ein Weiterer wartet noch auf Nachnutzung

Von Petra Grünendahl

Zeche Hasard Cheratte in Visé. Foto: Petra Grünendahl.

Zeche Hasard Cheratte in Visé. Foto: Petra Grünendahl.

Von der 1977 stillgelegten Zeche Hasard Cheratte in Visé (Provinz Liège, dt. Lüttich) stehen heute nur noch der gemauerte Förderturm (Schacht 1) mit seinen Nebengebäuden am Hang sowie der Betonturm Belle Fleur (Schacht 4) von hier aus nicht sichtbar auf dem Berg. Nach einem ersten Versuch von 1848 bis 1877 hatte man am Schacht 1 seit 1907 wieder Steinkohle gefördert. Das Gebäudeensemble rund um den Malakowturm verfällt zusehends. Der Betonförderturm (Schacht 3) und weitere Zechengebäude auf dem Areal im Stadtteil Cheratte wurden 2017 abgerissen. Das Stahl-Fördergerüst von Schacht 2 ist schon länger Vergangenheit (hier gibt es nicht einmal historische Fotos). Das Gelände ist gesichert, von einer Nachnutzung der unter Denkmalschutz stehenden Gebäude oder gar Bauarbeiten zu ihrer Erhaltung ist (noch) nichts zu sehen. Ganz anders sieht es nicht weit davon in Blegny-Mine aus: Die ehemalige Zeche ist als Museumsstandort aufbereitet und bietet als Besucherbergwerk Einblicke in die Arbeit untertage.

Zeche Hasard Cheratte in Visé. Foto: Petra Grünendahl.

Belgien, unser kleiner Nachbar im Westen, wird oft unterschätzt. Das Land war mal – nach Großbritannien – zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt. Die Industrialisierung startete ebenso früher wie die Erschließung und der Abbau der Steinkohle als Treiber der Industrialisierung. Die Steinkohle ist in der Wallonie, dem französischen Teil Belgiens, seit den 1980er-Jahren, in Flandern seit 1992 Geschichte: Die Vorkommen in schmalen Flözen in Schräglage waren nicht mehr wirtschaftlich abzubauen gewesen. Wir haben einige ehemalige Zechenstandorte in der Wallonie besucht. Vier der Standorte – Blegny-Mine (Provinz Liège), Le Bois du Cazier, Bois-du-Luc und Grand-Hornu (alle Provinz Hainaut, dt. Hennegau) – haben (gemeinsam) 2012 den Status als UNESCO Welterbe erhalten: Sie sind museal aufgearbeitet und Teil der European Route of Industrial Heritage (ERIH). Die Standorte sind voneinander unabhängig und eigenständig konzipiert. Ergänzt haben wir unsere Tour um die Zeche Hasard Cheratte, die wir früher schon mal besucht hatten.

Panorama der Zeche Hasard Cheratte in Visé. Foto: Petra Grünendahl.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Panorama | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , | 1 Kommentar

Rheinpreußen Schacht IV in Moers: Virtueller Rundgang lockt Besucher

Digitales Lockmittel in die (analoge) Welt des Bergbaus
Von Petra Grünendahl

Visualisation: Karsten Schnölzer / Solidground Media.

Die komplette Anlage der Zeche Rheinpreußen Schacht IV im Überblick. Foto: Petra Grünendahl.

Wenn man die 3D-Simulation als Video durchlaufen lässt, schafft man das Fördermaschinenhaus mit Maschinenhalle und Umformerhalle sowie dem Untergeschoss mit Ausstellungsräumen und dem nachgebauten Streb in etwas unter 10 Minuten zu durchwandern. Diese Zeit lässt sich natürlich bei einer Führung nicht realisieren, lebt doch diese von den Erklärungen und Geschichten der ehemaligen Bergleute, die Interessierten das Leben im und mit dem Bergbau näher bringen. Dass man beim virtuellen Rundgang Markierungen (so genannte Hotspots) anklicken kann, um mehr Informationen zu bekommen, ist auch eher als Appetithäppchen gedacht, um den Besucher am Monitor zum Industriedenkmal zu locken: „Die 100-jährige Geschichte des Bergbaus hat Moers entscheidend geprägt“, so Horstmann. Dieses Wissen wolle der Verein in eine breitere Öffentlichkeit hineintragen: Mit der 3D-Simulation können Interessierte das Fördermaschinenhaus am Schacht IV der ehemaligen Zeche Rheinpreußen in Moers auf zwei Geschossebenen erkunden. „Wir wollen damit Leute neugierig machen, uns auch real zu besuchen“, sagte Grundmann.

Stellten den virtuellen Rundgang im Pressegespräch vor (v. l.): Karsten Schnölzer, André Thissen, Gaby Elmer und Horst Grundmann. Foto: Petra Grünendahl.

„Wir wollen unser Industriedenkmal und die Geschichte des Bergbaus auch jüngeren Menschen näher bringen“, erklärte Horst Grundmann, Vorstandsmitglied des Grafschafter Museums- und Geschichtsvereins, bei der Vorstellung des virtuellen Rundgangs durch das Industriedenkmal. Dieser lädt auf der Webseite des Grafschafter Museums- und Geschichtsvereins in Moers e. V. (GMGV) zum Entdecken des Industriedenkmals Schacht IV der Zeche Rheinpreußen ein. Horst Grundmann und Gaby Elmer vom Vorstand des GMGV stellten das Projekt vor: Unterstützt von Karsten Schnölzer, der mit seiner Firma Solidground Media für die technische Realisierung verantwortlich zeichnet, und von André Thissen, ehemaliger Bergmann und Arbeitskreisleiter Industriedenkmal im GMGV.

 
Vergangenheit erlebbar machen

Hat mit seiner Firma Solidground Media den virtuellen Rundgang erstellt: Karsten Schnölzer. Foto: Petra Grünendahl.

Der Moerser Karsten Schnölzer hat sich mit seiner Firma Solidground Media auf visuelles Marketing spezialisiert. Neben dem virtuellen 3D-Rundgang durch das Industriedenkmal gibt es auf der Webseite des GMGV auch ein Video vom Schacht IV: Einen Drohnenflug über die heutige Anlage, die heute nur noch einen kleineren Teil des ehemaligen Zechengeländes darstellt. Dieses Video hat Schnölzer für den Verein ebenso erstellt wie auch den virtuellen Rundgang durch das Grafschafter Museum im Schloss Moers.

Visualisation: Karsten Schnölzer / Solidground Media.

Für die Visualisierung des Industriedenkmals hat Karsten Schnölzer in knappen dreieinhalb Stunden das komplette Gebäude und seine zwei Stockwerke mit 178 Scans in 3D-Infrarot-Technik erfasst. Diese Scans hat er dann auf der 3D-Medien-Plattform von Matterport als Komplett-Visualisierung zusammen gesetzt, wo sie jetzt einer Puppenstube gleich im Internet betrachtet und näher erkundet werden kann. Die Matterport-Plattform wird bislang schwerpunktmäßig in den USA im Immobilien-Marketing verwendet. Sie ermöglicht, die Räume virtuell zu durchschreiten und sich zu ausgewählten „Hotspots“ mehr Informationen zu holen.

 
Virtueller Rundgang nur ein erster Schritt

Stellten den virtuellen Rundgang im Pressegespräch vor (v. l.): Gaby Elmer, Jürgen Stock und Horst Grundmann (alle vom Vorstand des GMGV). Foto: Petra Grünendahl.

„Wir hatten ja erst Angst, dass wir dadurch Besucher verlieren“, so Thissen. Angelockt durch den virtuellen Rundgang habe man aber Besucher gewonnen, die vor Ort wieder erkannten, was sie vorher in der 3D-Simulation gesehen hatten. Auch wer Schacht IV bereits kenne, sagte der ehemalige Bergmann, finde beim virtuellen Rundgang viele Details angedeutet, die zu einem erneuten Besuch anregen könnten. Denn so detailecht die virtuelle Darstellung des Industriedenkmals ist: Leben hauchen dem früheren Bergbau-Standort die Geschichten der ehemaligen Bergleute ein, die hier regelmäßig Führungen machen. Und nachhaken und in Details gehen kann man auch nur im direkten Gespräch mit denen, deren Leben der Bergbau über so viele Jahrzehnte war.

Schacht IV der Zeche Rheinpreußen in Moers-Hochstraß. Foto: Petra Grünendahl.

„Ich möchte das Bergwerk förderfähig erlebbar machen“, kann sich André Thissen vorstellen, die digitale Darstellung weiter zu treiben. Nicht nur den aktuellen Zustand darzustellen, sondern die Vergangenheit, den Bergbaubetrieb, zu visualisieren – und vielleicht mit virtuellen Führungen und Hologrammen der ehemaligen Bergleute, die ihre Geschichten erzählen. „Schließlich sind die meisten unserer Aktiven über 80 Jahre alt“, so Thissen. Aktuell versuche er in seinem Arbeitskreis, die Erzählungen dieser Männer aufzuzeichnen – in Einzelinterviews oder Gesprächsrunden mit vier, fünf Leuten: „Besser sind die Gesprächsrunden, denn hier spielen sie sich gegenseitig Anregungen für ihre Erzählungen zu“, sagte Thissen.

 
Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e. V.

Schacht IV der Zeche Rheinpreußen in Moers-Hochstraß. Foto: Petra Grünendahl.

Schacht IV der Zeche Rheinpreußen in Moers-Hochstraß. Foto: Petra Grünendahl.

Der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e.V. hat es sich mit Gründung 1904 zur Aufgabe gemacht, Geschichte und Kultur der Grafschaft Moers zu schützen und zu erhalten. Neben dem Grafschafter Museum im Schloss Moers gehört auch das Industriedenkmals Rheinpreußen Schacht IV dazu, für das der GMGV erst Ende der 1990er-Jahre die Nutzungsrechte übertragen bekam. Das Nutzungsrecht für den Standort schließt den Erhalt des Industriedenkmals ebenso ein wie die Pflege der Vergangenheit, hat doch der Bergbau die Region massiv geprägt und Moers zu dem gemacht, was es heute ist. Ehrenamtlich führen Mitglieder des GMGV durch die Sammlung und erklären interessierten Besuchern Anlagen und Maschinen sowie die Bergbau-Sammlung, die Vereinsmitglieder hier zusammen getragen haben.
https://gmgv-moers.de/

Schacht IV der Zeche Rheinpreußen in Moers-Hochstraß. Foto: Petra Grünendahl.

Das Industriedenkmal ist von Mai bis Oktober jedem Sonntag von 13 bis 16 Uhr geöffnet. Für Gruppen und Schulklassen gelten andere Zeiten nach Voranmeldung*. Der Eintritt ist frei. Auch während der Winterpause von November bis März wird die Anlage für Gruppen und Schulklassen nach Voranmeldung* geöffnet. Für Klassenfahrten von Schulklassen zum Schacht IV übernimmt die NRW-Stiftung einen Teil der Kosten: http://www.nrw-stiftung.de/projekte/heimattouren_nrw.php.
*) Unter Telefon 02841 / 889108 (nur mittwochs zwischen 9 und 12 Uhr) oder eMail schacht4@gmgv-moers.de

Schacht IV der Zeche Rheinpreußen in Moers-Hochstraß. Foto: Petra Grünendahl.

Den Schacht IV erreicht man über die A40, Abfahrt Moers-Ost / Duisburg-Rheinhausen, nach Norden Richtung Moers bis zur Kreuzung Franz-Haniel-Straße (4. Ampel), rechts abbiegen, nach ca. 100 Metern wieder rechts in die Duisburger Straße und sofort links in die Zechenstraße (für das Navi: Zechenstr. 50, 47443 Moers). Das Industriedenkmal Schacht IV ist auf den Zufahrtsstraßen mit den braunen Schildern der „Route Industriekultur: Zeche Rheinpreußen“ ausgeschildert. Weithin sichtbar weist den Weg auch das Doppelstreben-Fördergerüst, welches das älteste seiner Bauart im Ruhrgebiet ist. Seit 1989 stehen das Fördergerüst ebenso wie das benachbarte Fördermaschinenhaus und weitere Bauten der 1904/05 errichteten Tagesanlagen – Büro-, Kauen-, Werkstattgebäude – unter Denkmalschutz.

© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)
 


Veröffentlicht unter Duisburg, Panorama, Region | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Marketing-Club Duisburg-Niederrhein feierte 10-jähriges Bestehen

Engagement in der Region und für das Image der Stadt
Von Petra Grünendahl

Marco Pfotenhauer begrüßte Mitglieder und Gäste: Der Marketing-Club Duisburg-Niederrhein e. V. hatte zur Feier seines 10-jährigen Bestehens in das Restaurant Küppersmühle eingeladen. Foto: Petra Grünendahl.

„Es ist wichtig, dass nicht nur die Stadt über Duisburgs Image redet: In die Diskussion gehören auch Wirtschaft, Bürger und Marketing-Fachleute“, erklärte Oberbürgermeister Sören Link. An dieses Engagement des Marketing-Clubs erinnerte sich Club-Präsident Marco Pfotenhauer: „Wir haben uns sowohl im Arbeitskreis Image als auch im Lenkungskreis der von IHK und Unternehmerverband initiierten Masterplan Wirtschaft mit unserer Expertise eingebracht.“ Solche Kooperationen, so der Präsident, strebe man auch in Zukunft an. Oberbürgermeister Link dankte für 10 Jahre Engagement für Duisburg und die Region, insbesondere beim Masterplan Wirtschaft: „Wir haben erkannt, dass wir es als Stadtverwaltung nicht alleine schaffen.“ Er rief dazu auf, die neue Marketing-Strategie der Stadt mit Leben zu füllen: Startschuss ist eine Bürgerinformationsveranstaltung am 29. August in die Mercatorhalle. „Duisburgs Ruf kann besser werden, aber die Substanz stimmt.“ Man müsse die Strahlkraft nach außen verbessern: „Attraktive Veranstaltungen haben wir in der Stadt viele!“

Ausgezeichnet: Zum Jubiläum überbrachte DMV-Vizepräsident Götz Th. Friedrich die Grüße des Deutscher Marketing-Verbandes. Foto: Marco Pfotenhauer.

Zur Feier seines zehnjährigen Bestehens hatte der Marketing-Club Duisburg-Niederrhein ins Restaurant Küppersmühle eingeladen. Club-Präsident Marco Pfotenhauer konnte zahlreiche Clubmitglieder und Gäste im Gesellschaftsraum im ersten Stock begrüßen. Der Marketing-Club war 2009 mitten in der Wirtschaftskrise gestartet. Mit Duisburg und den Kreisen Wesel und Kleve erstreckt er sich über dieselbe Geografie wie die Niederrheinische IHK zu Duisburg – und zieht entsprechend seine Mitgliedsunternehmen aus diesem „Flächenstaat“: Für den Veranstaltungen organisierenden Vorstand ist es immer eine Herausforderung, dies in den Aktivitäten des Clubs abzubilden. In seiner Begrüßung hob Pfotenhauer auch hervor, dass sich der Marketing-Club nicht nur fachlich in Duisburg und der Region einen Namen gemacht habe: „Wir haben in den letzten Jahren regelmäßig und mit Erfolg an der Drachenboot-Funregatta im Innenhafen teilgenommen – mit Plätzen unter den ersten Drei. Außerdem ist auch in diesem Jahr wieder ein Team unseres Clubs beim Targobank Run Duisburg dabei.“ Dabei warb er um sportlich interessierte Mitglieder, sich zu beteiligen.

Der Marketing-Club Duisburg-Niederrhein
Die regionale Berufsstandesorganisation in Duisburg wurde 2009 gegründet und ist als Mitglied im Deutschen Marketing Verband einer von 66 Clubs deutschlandweit. Der Marketing-Club ist der Weiterbildung seiner Mitglieder ebenso verpflichtet wie der Schaffung einer Kommunikationsplattform. Fast jeden Monat trifft sich der Marketing-Club Duisburg-Niederrhein zu überwiegend fachlich orientierten Besichtigungen oder Fachvorträgen in der ganzen Region. Informationen zu Themen, Veranstaltungen und Kontakten gibt es auf der Homepage des Clubs. Wer im Marketing tätig ist und sich für eine Mitgliedschaft im Marketing-Club interessiert, kann bei den monatlichen Treffen erste Kontakte knüpfen: Netzwerken lässt sich im Anschluss an den fachlichen Teil nämlich ganz hervorragend. Und natürlich lassen sich die fachlichen Fragen mit den jeweiligen Referenten in Einzelgesprächen noch vertiefen.

© 2019 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (3), Marco Pfotenhauer (1)
 


Veröffentlicht unter Duisburg, Wirtschaft | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Fototour: An Rhein und Ruhr

Wir waren am Wochenende mal hier vor Ort auf Tour

Diese Diashow benötigt JavaScript.


Fotos: Petra Grünendahl
Veröffentlicht unter Duisburg, Panorama | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

26. Ruhrorter Hafenfest kündigt sich an mit vielen Attraktionen

Bewässerung des Rheinufers Homberg soll Feuerwerk sicher stellen
Von Petra Grünendahl

Stellten das Programm für das Ruhrorter Hafenfest vor (v. l.): Dirk Grotstollen, „Mr. Hafenfest“ Walter Pavenstedt und Dr. Bernhard Weber. Foto: Petra Grünendahl.

„Wenn der Graslandfeuerindex* im Vorfeld des Ruhrorter Hafenfestes bei Gefahrenstufe 4 liegt, werden wir die Homberger Rheinufer bewässern lassen“, erklärte Walter Pavenstedt vom Ruhrorter Hafenfest e. V. Eine kurzfristige Absage wie im letzten Jahr wolle man für das Feuerwerk zur Hafenfest-Eröffnung in diesem Jahr unbedingt vermeiden, so der langjährige Organisator. Grund der Absage war damals nicht die Feuergefahr des Feuerwerks selber gewesen, sondern eine mögliche Brandgefahr auf den trockenen Uferwiesen durch brennende Zigarettenkippen der Zuschauer. Rund 50.000 Euro Verlust waren damals an dem komplett ehrenamtlich tätigen Verein hängen geblieben, denn mit der sehr kurzfristigen Absage wenige Stunden vorher waren ja trotzdem Kosten für Feuerwerk und Sicherheitsmaßnahmen angefallen. Darüber hinaus gehende Schadenersatzansprüche seien damals, so Pavenstedt, nicht an den Verein herangetragen worden, der die Sause in Duisburgs Hafenstadtteil nicht nur ehrenamtlich, sondern auch nur mit finanzieller Hilfe von großen und kleinen Sponsoren auf die Beine stellen kann.

Einen Überblick über die Planungen zum Programm des 26. Ruhrorter Hafenfestes gaben die Hafenfest-Vereinsvorstände Walter Pavenstedt („Mr. Hafenfest“) und Dr. Bernhard Weber sowie Dirk Grotstollen als 1. Vorsitzender des Ruhrorter Bürgervereins. Erstmals findet die offizielle Eröffnung (Freitag, 16. August, um 17 Uhr) nicht vor der Schifferbörse statt, sondern auf der HanielBühne am Richard-Hindorf-Platz. Traditionsgemäß vorgeschaltet ist der internationale ökumenische Gottesdienst um 16.30 Uhr. Progamm gibt es ab 17.30 Uhr auf der HanielBühne (Kubanische Musik mit Rody Reyes & Havanna con Klasse, danach ab 20 Uhr Deluxe Radioband) sowie auf dem Gustav-Sander-Platz (vor der Schifferbörse), der nach allerneusten Planungen doch voll „bespielbar“ sein soll. Hier hat sich Thomas Schenk mit seinem Team vom Hotel-Restaurant Sittardsberg engagiert und gekümmert. Dazu kommen der traditionelle Fischmarkt und verschiedenste Stände und Catering entlang der Hafenpromenade sowie die Hafenkirmes auf der Mühlenweide. Darüber hinaus locken weitere Attraktionen am Wochenende nach Ruhrort – bis zum Ausklang des Ruhrorter Hafenfestes am Montag, 19. August, mit dem Familientag auf der Hafenkirmes.

Feuerwerk und Bühnenprogramme treffen auf Kunst, Kultur und Hinterhoftrödel

Stellten das Programm für das Ruhrorter Hafenfest vor (v. l.): Dirk Grotstollen, Dr. Bernhard Weber und „Mr. Hafenfest“ Walter Pavenstedt. Foto: Petra Grünendahl.

Am Freitag fährt ab 22 Uhr ein imposanter Schiffskorso mit über 20 Schiffen vom Vinckekanal durch den Hafenmund zum Rhein als Vorbote des Feuerwerks. Den Eröffnungstag schließt traditionell das große Höhenfeuerwerk von der Friedrich-Ebert-Brücke, das größte Pyro-Spektakel am Niederrhein. Das Wochenende hat weitere Attraktionen zu bieten: Wie alle Jahre wieder öffnet das Privatmuseum der Firma Haniel seine Pforten (Treffpunkt und Anmeldung am Infostand an der Schifferbörse), das Museum der Deutschen Binnenschifffahrt sowie verschiedene Schiffe an der Hafenpromenade, wie z B. die Museumsschiffe Oscar Huber und Minden, das Feuerwehrlöschboot der Duisburger Feuerwehr, das ehemalige Proviantboot „time is money“ und der Frachtensegler „Helena“, der vom Partnerhafen Rotterdam kommt. Rundfahrten durch die Duisburger Häfen bieten das Fahrgastschiff Rheinfels und die Weiße Flotte sowie Gastschiffe (die Dampfboote Jan de Sterk und Adelaar sowie die George Stephenson). Darüber hinaus gibt es geführte Bustouren durch das Hafengebiet bis Rheinhausen (am Samstag steht sogar die Meidericher Schiffswerft mit auf dem Programm).

Am Sonntag kann auch die katholische Kirche St. Maximilian an der Fabrikstraße besichtigt werden. Außerdem gibt es (ebenfalls nur am Sonntag) auf dem Ruhrorter Neumarkt den Kunst- und Kulturmarkt, den wie alle Jahre Klaus Brüggenwerth konzipiert und organisiert: An über 40 Ständen zeigen Künstler ihre neuesten Arbeiten. Ein Bühnenprogramm startet um 11 Uhr, bis gegen 18 Uhr gibt es Theater und Musik. Ein Hinterhoftrödel mit 80 Ständen in 30 Hinterhöfen im Herzen von Ruhrort (rund um den Kunst- und Kulturmarkt herum) ist bei seiner dritten Auflage bereits Legende: „Der entwickelt sich zum Renner!“, so Walter Pavenstedt.

Auf der HanielBühne am Richard-Hindorf-Platz geht es Samstag und Sonntag jeweils um 14.30 Uhr mit den ersten Bands los: bis in den Abend spielen dort hochklassige Acts unterschiedlichster Stilrichtung – darunter alte Bekannte und lokale Bands. Da dürfte für jeden etwas dabei sein. Auf den Gustav-Sander-Platz lockt das von Thomas Schenkel und seinem Team auf die Beine gestellte bunte Progamm mit Livemusik, aber auch anderen Attraktionen inklusive Kinderprogramm und Catering.

Besucherinformationen

Ruhrorter Hafenfest. Foto:: Petra Grünendahl.

Der Stadtteil Ruhrort ist zum Hafenfest wie immer überwiegend für den Pkw-Verkehr gesperrt. Parkplätze gibt es auf einem asphaltierten Areal auf der Mercatorinsel. Über die Hanielbrücke zur Friedrich-Ebert-Brücke gelangen Zuschauer dann zum Feiern in den Stadtteil (Fußweg ca. 15 Minuten). Es empfiehlt sich jedoch die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Am Freitag wird für das Feuerwerk ab 21.30 Uhr die Friedrich-Ebert-Brücke voll gesperrt (auch für Fußgänger) – bis ca. 45 Minuten nach Ende des Feuerwerks. Ab 22 Uhr gilt dies auch für die Hanieltreppe (und damit zum Parkplatz). Das Feuerwerk soll ab 23.03 Uhr synchron zur Musik auf Radio Duisburg (empfohlen wird UKW, über Internet ist das Signal um Sekunden verzögert) den Nachthimmel erstrahlen lassen.

Mehr zum Programm unter www.ruhrorter-hafenfest.de

*) Graslandfeuerindex des Deutschen Wetterdienstes (https://www.dwd.de/DE/leistungen/graslandfi/graslandfi.html)

© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)



Veröffentlicht unter Duisburg, Panorama | Verschlagwortet mit , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. zeigt Neuenkamp und Kaßlerfeld in alten Bildern

Das frühere Weideland zwischen
Duisburg und Ruhrort im Fokus

Von Petra Grünendahl

Ruhrorter Straße um 1910. Quelle: Reinhold Stausberg.

Eine Luftaufnahme aus den 1920er-Jahren zeigt die Schachtanlagen Franz Ott (Diergardt III) an der Javastraße (links) und Lilienthalstraße (vorne). Quelle: Birgit Hennig-Friebe.

Mit der Rheinverlagerung im 13. Jahrhundert fand sich der heutige Stadtteil Kaßlerfeld neben Neuenkamp auf der rechten Rheinseite wieder. Die Halbinsel zwischen Duisburg und Ruhrort nutzen Duisburger als Weideland. Noch bis 1801 gehörte Kaßlerfeld zur Grafschaft Moers; und erst im 19. Jahrhundert nahm die Besiedlung Fahrt auf. Eine mittelständische Industrie profitierte vom Parallelhafen (Neuenkamp) sowie Innen- und Außenhafen (an der Südgrenze des Doppelstadtteils), so dass sich Firmen ansiedelten, denen dann auch die Menschen folgten. Außerdem entdeckten die Duisburger die aufstrebende Ansiedlung als Wohngebiet, insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Steinkohlebergbau in Neuenkamp endete nach dem Abteufen der Zeche Java 1854 (der Schacht wurde wenige Jahre später wieder aufgegeben) und von Schacht 3 (Franz Ott) der Zeche Diergardt 1912 schon 1963 endgültig. Ein Flugsportplatz in Neuenkamp öffnete 1912, musste aber wegen der wachsenden Wohnbebauung und Industrie bereits 1957 wieder schließen. Mit der kommunalen Neugliederung 1975 wurde der Doppelstadtteil (damals 18.000 Einwohner) aufgespalten.

Ruhrorter Straße vor 1957: Zu erkennen sind mittig die Türme der Schwanentorbrücke zur Innenstadt und hinten links der RWSG-Speicher (Rheinisch-Westfälische Speditions-Gesellschaft) am Innenhafen (heute Landesarchiv). Quelle: Bürgerverein Kaßlerfeld & Neuenkamp e. V.

Luftaufnahme vom Flugplatz Neuenkamp am Flugtag 1929. Dahinter zu sehen ist das Zechengelände von Diergardt III (Schacht Franz Ott). Quelle: Birgi Hennig-Friebe.

Die Autoren der Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. um den Vorsitzenden Harald Molder haben einen Blick in die Geschichte zweier Stadtteile geworfen, die häufig in einem Atemzug genannt werden: Neuenkamp und Kaßlerfeld. Ihre Anziehungskraft zogen sie aus ihrer Nähe zur Innenstadt sowie ihrer Lage an einer der wichtigsten Verkehrsadern des Ruhrgebiets (A40) mit Schnittstelle zur Güterschifffahrt, die wirtschaftlich eine Grundlage legten, die auch Menschen anzog, den Stadtteil zu besiedeln. In bewährter Manier ist das Buch in Kapitel gegliedert, um die historischen Einblicke zu ordnen: Firmen und Geschäften, Gaststätten und Cafés, Kirchen und Schulen, Einrichtungen und Institutionen, Menschen, Vereine und Vereinigungen sowie Ereignisse und Begebenheiten. Ein eigenes Kapitel beschäftigt sich mit Rheinreede, Hafen und Zeche als Grundlage für die wirtschaftliche Entwicklung. In „Rund um den Flugplatz“ reicht zurück zu den Duisburger Flugpionieren: Karl und Peter Strack, die 1910 ihren ersten Motorflug absolvierten und 1911 die Strack Flugzeug Werke gründeten. Oder Der für Testflüge benötigte Flugplatz Neuenkamp entstand 1912 und wurde später nach dem ebenfalls aus Duisburg stammenden Flugpionier Paul Bäumer benannt. Im gleichen Jahr gründete sich ein Flugverein, der nach der Schließung des Flugplatzes 1957 vom Segelflugplatz Wesel und seit 2016 vom Flugplatz Schwarze Heide in die Luft geht. Eine einseitige Kurzchronik der beiden Stadtteile rundet den Blick in die Geschichte von Kaßlerfeld und Neuenkamp ab.

Zum Entdecken und Erinnern

Ruhrorter Straße 11 mit dem ehemaligen Gewerkschaftshaus (hinter den Bäumen) in den 1930er-Jahren: Heute stehen hier Mehrfamilienhäuser und auf dem Bürgersteig das Mahnmal „Erfahrbare Wände“ von Gabriella Fekete, das an vier 1933 ermordete Gewerkschafter erinnert. Links am oberen Bildrand erkennt man den Lehnkering-Speicher. Quelle: Reinhold Stausberg.

Von einem Speichergebäude im Innenhafen aus sieht man Kaßlerfeld auf der anderen Seite des Hafenbeckens. Hinter dem Holzhafen oben rechts ist auch Meiderich zu erkennen. Quelle: Heinrich Böll (†).

Das Buch „Duisburger-Neuenkamp und -Kaßlerfeld in alten Bildern“ publiziert – wie alle Werke der Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. – der Erfurter Sutton Verlag, Deutschlands führender Verlag für Regionalgeschichte. Auf 126 Seiten findet der Leser rund 160 bis dato unveröffentlichte Fotografien und Postkarten aus öffentlichen und privaten Sammlungen. Informative Texte ordnen die Bilder ein und beschreiben die Ansichten. Die historischen Aufnahmen und Postkarten stammen aus dem Jahren 1900 bis in die 1970er-Jahre, eines sogar aus den 1990er-Jahren. Die Abbildungen stammen aus dem Archiv der Zeitzeugenbörse Duisburg e. V., aus Sammlungen von Mitgliedern der Zeitzeugenbörse wie Reinhold Stausberg oder Harald Molder, vom Bürgerverein Kaßlerfeld & Neuenkamp e. V. sowie aus verschiedenen Privatsammlungen. Neben den Bildgebern trugen Bürger aus den Stadtteilen Kaßlerfeld und Neuenkamp Informationen zu den Texten bei. Über Recherchen im Stadtarchiv hinaus öffneten auch zahlreiche Institutionen, Vereine und Firmen ihre Archive. Das reich bebilderte Buch mit Hardcover-Einband ist im Sutton Verlag in der Reihe „Sutton Heimat“ erschienen und kostet 19,99 Euro. Zu beziehen ist es über den lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-95400-792-9).

Zeitzeugenbörse Duisburg e. V.
Die Zeitzeugenbörse Duisburg wurde von einem Kreis historisch interessierter Duisburger um Harald Molder ins Leben gerufen. Molder beschäftigt sich seit 1975 mit der Stadtgeschichtsforschung. Unter seinem Vorsitz ist die Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. 2007 ins Vereinsregister der Stadt eingetragen worden. Seither vernetzen sich engagierte Heimatforscher, um Duisburger Stadtgeschichte auch in Ausstellungen, Vorträgen und Büchern erlebbar zu machen.

Sutton Verlag, Erfurt
Sutton ist der führende Verlag für Regionalgeschichte und -literatur im deutschsprachigen Raum, vom historischen Bildband bis zum Freizeitführer. Den zweiten Schwerpunkt des 1997 gegründeten Verlages bildet die Verkehrs- und Technikgeschichte. Außerdem bietet Sutton Krimi unter dem Motto „mordsmäßig spannend“ seit 2011 Regionalkrimis der unterschiedliches Genres. Seit Anfang 2014 gehört Sutton zum Verlagshaus GeraNova Bruckmann in München.

Zur vollständigen Liste der bisherigen Publikationen der Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. im Sutton Verlag geht es hier im Menüpunkt „Bücher“.

© 2019 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Birgit Hennig-Friebe (2), Reinhold Stausberg (2), Heinrich Böll (†) und Bürgerverein Kaßlerfeld & Neuenkamp e. V. (jeweils 1) / alle mit freundlicher Genehmigung des Sutton Verlages

Veröffentlicht unter Duisburg, Panorama | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Stiftung Duisburg 24.7.2010 bereitet neunten Jahrestag der Loveparade vor

Würdiges Gedenken gestalten
Von Petra Grünendahl

Die Stiftung Duisburg 24.7.2019 zog eine Bilanz ihrer Arbeit und stellte Planungen zum Jahrestag vor (v. l.): Angelika Köhler, Ulrike Stender, Jürgen Widera, Jürgen Thiesbonenkamp und Rolf Karling. Foto: Petra Grünendahl.

„Das Gesprächsangebot unserer psychologischen Betreuung gilt für alle gleichermaßen: Angehörige, Zeugen, Prozesszuschauer, Justizangestellte und Angeklagte“, erklärte die Psychologin Ulrike Stender. Und: Aus allen diesen Gruppen sei es auch schon angenommen worden. „Es ist ein integraler Bestandteil des Prozesses geworden“, so Notfallseelsorger Richard Bannert, der mit Stender zusammen die Betreuung bei Loveparade-Strafprozess vor dem Landgericht Duisburg koordiniert. Im vergangenen Jahr habe man 650 Gespräche geführt. In diesem Jahr liegt mit 100 Gesprächen erst eine Zahl für das erste Quartal vor: „Die Qualität der Beratung hat sich verschoben seit nur noch gegen drei Mitarbeiter von Veranstalter Lopavent verhandelt wird“, erzählte Bannert. Aktuell, so erzählte Ulrike Stender, seien viele Polizeibeamte, aber auch Mitarbeiter von Lopavent im Zeugenstand, die alle bei der Veranstaltung im Dienst waren: Insbesondere Polizeibeamte hätten heute noch damit zu kämpfen, dass sie im Vorfeld gewarnt hatten, von Veranstalterseite aber beschwichtigt worden waren. Und dass sie, als sie selbst am Tag der Veranstaltung mitten drin waren, nicht hatten helfen können. Manch ein Lopavent-Mitarbeiter habe aber wohl auch die Geschehnisse verdrängt, so Stender. Sie hätten unkoordiniert Zugänge geöffnet, um dort den Druck wegzunehmen, der sich dann im Tunnel und auf der Zugangsrampe dafür aufgebaut hatte. „Die Zeugen wissen meist gar nicht, was sie vor Gericht erwartet“, so Stender. Und die Aussagen führten sie in eine Vergangenheit, die noch nicht verarbeitet ist. Hier nahm Richard Banner die Behörden in die Pflicht: Mehr müsse an Notfallseelsorge für die Hilfskräfte von Polizei, Feuerwehr und Ordnungsamt getan werden, die bei solchen Katastrophen im Einsatz sind.

Die Stiftung Duisburg 24.7.2019 zog eine Bilanz ihrer Arbeit und stellte Planungen zum Jahrestag vor (v. l.): Rolf Karling, Ulrike Stender, Jürgen Thiesbonenkamp, Jürgen Widera, Angelika Köhler und Richard Bannert. Foto: Petra Grünendahl.

Neben einem Fazit zur Arbeit der Stiftung Duisburg 24.7.2010 im vergangenen Jahr stellten die Stiftungsvorstände Ulrike Stender und Pfarrer Jürgen Widera zusammen mit Kuratoriums-Sprecher Jürgen Thiesbonenkamp, Notfallseelsorger Richard Bannert und Sozial-Aktivist Rolf Karling auch das Programm zum 9. Jahrestag vor. „Trotz der jährlichen Wiederholung wird es nicht zur Routine“, erklärte Jürgen Thiesbonenkamp. Änderungen im Ablauf hatte es immer wieder gegeben, wo Verbesserungen im Sinne der Gedenkenden nötig waren. „Wir begleiten die Veranstaltung, um würdiges Gedenken zu gestalten, und hoffen, dass auch Duisburger sich angesprochen fühlen vorbeizukommen“, so Thiesbonenkamp.

Von der Nacht der 1.000 Lichter bis zur Gedenkfeier

Achter Jahrestag der Loveparade-Katastrophe: Nacht der 1.000 Lichter an der Gedenkstätte. Foto: Petra Grünendahl.

Traditionell beginnt das öffentliche Gedenken am Vorabend mit der Nacht der 1.000 Lichter: „Ab 16 Uhr können die angelieferten Kerzen aufgestellt werden“, erklärte Rolf Karling, der mit dem Verein „Bürger für Bürger“ die Nacht der 1.000 Lichter bereits im dritten Jahr organisiert. Die Nacht der 1.000 Lichter ist öffentlich. Nach einem (nicht-öffentlichen) Gottesdienst um 20 Uhr werden ab 21.30 Uhr Angehörige erwartet. Auch viele Betroffenen ziehen die Nacht der 1.000 Lichter der eigentlichen Gedenkfeier mit ihrer anwesenden „Prominenz“ vor, weil sie mehr Ruhe im Gedenken bietet.

Die offizielle Gedenkveranstaltung am 24. Juli um 17 Uhr ist ebenfalls öffentlich, allerdings sind dabei Foto- und Filmaufnahmen nicht gestattet. Sie werden in diesem Jahr stringenter unterbunden, weil Appelle im vergangenen Jahr nichts genutzt haben. Auch einen musikalischen Beitrag soll es zur Gedenkveranstaltung wieder geben: Ihn gestalten Norbert und Judith Schneider vom Akkordeon-Orchester Rheinhausen 1950. Am Dienstag, 23. Juli, wird für die Gedenkfeierlichkeiten ab 18 Uhr die Karl-Lehr-Straße für die Durchfahrt für Autos gesperrt (bis zum 24. Juli gegen 22 Uhr).

Hilfsangebote und die Kontakte zu Angehörigen und Betroffenen

Achter Jahrestag der Loveparade-Katastrophe: Nacht der 1.000 Lichter an der Gedenkstätte. Foto: Petra Grünendahl.

Die Hilfsangebote der Stiftung Duisburg 24.7.2019 gehen über die psychologische Betreuung beim Gerichtsprozess weit hinaus. Für Betroffene gibt es immer noch eine betreute Selbsthilfegruppe sowie Beratung und Hilfestellung durch die hauptamtliche Mitarbeiterin der Stiftung, Angelika Köhler, die seit vielen Jahren schon derart beratend tätig ist. Hier werden Kontakte und Therapieplätze vermittelt und mit den zuständigen Stellen kommuniziert wird, um die Finanzierung für Maßnahmen sicher zu stellen. „Da wo eine Therapie sinnvoll ist, für die kein Träger einspringt, zahlen wir als Stiftung auch schon mal die Behandlung“, erzählte Ulrike Stender, die von einem solchen Fall im vergangenen Jahr erst berichtete.

Die Angehörigen der Todesopfer werden – soweit gewünscht – über die Entwicklungen in Duisburg und zum Prozess informiert. Darunter fällt auch die Organisation des Jahrestages, zu dem beispielsweise die Angehörigen der ausländischen Todesopfer immer anreisen. „Von den Deutschen sind ungefähr zwei Drittel da“, erklärte Angelika Köhler. Es gebe eine Familie, die nie nach Duisburg komme, aber dennoch froh sei, auf dem Laufenden gehalten zu werden. Zwei Mal im Jahr würden die Familien angeschrieben, so Widera, und natürlich zum Jahrestag eingeladen. Es gebe aber auch Familien, die diesen Kontakt nicht wünschten, sagte der Pfarrer.

Gedenkstätte für die Opfer der Loveparade 2010. Foto: Petra Grünendahl.

Rolf Karling berichtete von Gerüchten, die sich unter Angehörigen und Betroffenen breit machten, die Stiftung würde im kommenden Jahr – also 10 Jahre nach der Katastrophe – ichre Arbeit einstellen. Dem Gerücht widersprach außer Karling auch Jürgen Widera: „Die Stiftung ist 2015 mit einer Kapitalausstattung gegründet worden, die auf 10 Jahre angelegt ist. Erst 2025 stellt sich dann das Problem einer weiteren Finanzierung.“ Und wenn dann weiterhin Bedarf besteht, Angehörigen und Betroffenen zu helfen, dann müssen Stadt und Land halt die nötigen Finanzmittel als Stiftungskapital nachlegen!
www.stiftung-duisburg-24-7-2010.de

© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

Veröffentlicht unter Duisburg, Loveparade | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Melting Pot Ruhrgebiet: MKM Museum Küppersmühle zeigt Fotografien von Till Brönner

Das Auge des Musikers und die Suche nach den Menschen in der Region
Von Petra Grünendahl