Deutsche Oper am Rhein: Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ begeisterte im Theater Duisburg

Kampf um Macht und Besitz zerstört die alte Weltordnung
Von Petra Grünendahl

Götterdämmerung: Siegfried (Michael Weinius), Brünnhilde (Linda Watson). FOTO: Hans Jörg Michel.

Das Bühnenbild beherrscht ein rostiger Kahn, der den Namen „MS Wodan“ trägt und die alte Weltordnung der Götter symbolisiert, die dem Untergang geweiht ist: Wotans Speer ist zerbrochen, die Weltesche gefällt. Siegfried (Corby Welch) und Brünnhilde (Linda Watson) feiern hier auf dem symbolischen Walkürenfelsen ihre Liebe. Bevor Siegfried zu neuen Heldentaten zieht, tauschen sie Siegfrieds „Ring“ und ihr Pferd „Grane“ als Pfand ihrer Liebe. Siegfried zieht zum Gibichungen-Hof, wo Bösewicht Hagen (Sami Luttinen) seine Halbgeschwister Gunther (Bogdan Baciu) und Gutrune (Sylvia Hamvasi) anstachelt, mit einem Zaubertrank Siegfried an Gutrune zu binden, damit dieser unter seiner Tarnkappe als Gunther Brünnhilde bezwingt.

Götterdämmerung: Hagen (Hans-Peter König), Gunther (Bogdan Baciu). Foto: Hans Jörg Michel.

Hagens Intrige geht auf: Siegfried hat seine Liebesvergangenheit mit Brünnhilde vergessen und „erobert“ die ehemalige Walküre für Gunther. Brünnhilde klagt Siegfried an, als sie mit Gunther als Brautpaar zum Hof zurückkehrt. Siegfrieds „Meineid“ will Brünnhilde rächen: Sie erzählt Hagen von Siegfrieds Schwäche. Hagen verfolgt eigene Ziele, will er doch Siegfrieds Ring zurück, den Hagens Vater Alberich (Stefan Heidemann) geschmiedet hatte und der Macht und Besitz verheißt. Siegfried war immun gegen die Macht des Ringes, so dass Alberichs Fluch an ihm abprallte. Allerdings soll der Ring Siegfried doch den Tod bringen. Ein weiterer Zaubertrank Hagens löst Siegfrieds Gedächtnis, so dass er im Sterben seine Vergangenheit erzählt: Gunther und schließlich Gutrune erfahren die Wahrheit. Brünnhilde reitet mit Grane in Siegfrieds Scheiterhaufen, um mit ihm in den Tod zu gehen, nachdem sie den Ring (und damit das Rheingold) den Rheintöchtern zurück gegeben hat.

 

Götterdämmerung: Gunther (Bogdan Baciu), Brünnhilde (Linda Watson). Foto: Hans Jörg Michel.

Mit der „Götterdämmerung“ aus Richard Wagners Zyklus „Der Ring des Nibelungen“ feierte schließlich die szenische Inszenierung der Deutschen Oper am Rhein ihre viel umjubelte Premiere im Theater Duisburg. Wegen eines Wasserschadens im Theater war die ursprüngliche Aufführung nur konzertant in der Mercatorhalle möglich gewesen. Mit der kompletten Tetralogie, dem „Ring am Rhein“, kam die Inszenierung von Dietrich W. Hilsdorf nun vollständig auf die Duisburger Bühne. Dirigent Axel Kober hatte die Einstudierung von Wagners „Der Ring des Nibelungen“ in der Inszenierung von Dietrich W. Hilsdorf in Düsseldorf und Duisburg initiiert. Kober ist nicht nur Generalmusikdirektor der Deutschen Oper am Rhein sowie der Duisburger Philharmoniker, sondern auch einer der renommiertesten Wagner-Dirigenten, weswegen er einige Male schon für die Bayreuther Festspiele engagiert wurde. An allen vier Opernabenden dirigierte er die hervorragend aufspielenden Duisburger Philharmoniker, die Wagners vielfältige und variantereiche Komposition mit Bravour intonierten.

 

Götterdämmerung: Gutrune (Sylvia Hamvasi), Siegfried (Michael Weinius). FOTO: Hans Jörg Michel.

Dietrich W. Hilsdorfs Interpretation von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ ist militärisch-kriegerisch geprägt, was sich in Bühnenbild-Gestaltung und Kostümen niederschlägt. Das setzten Renate Schmitzer in Kostüme und Dieter Richter in ein Bühnenbild um, welches von Volker Weinhart effektvoll in Szene gesetzt wurde. Die Texte der Opern stammen vom Komponisten: Gesungen wird in deutscher Sprache, deutsche Übertitel erleichtern das Verständnis der Handlung. Die Deutsche Oper am Rhein brachte die Tetralogie innerhalb von sechs Abenden auf die Bühne im Theater Duisburg: Dem zweieinhalbstündigen Vorspiel (ohne Pause) folgten Opernabende von 4¾, 5 und 5½ Stunden (jeweils mit zwei Pausen). In dieser Dichte ist es eine Herausforderung für alle Akteure, die das begeisterte Publikum bei allen Vorstellungen völlig zu Recht mit minutenlangem Pausen- und Schlussapplaus feierte.

 

 
Fantastische Aufführung: Der “Ring am Rhein” als Gesamtwerk

Das Rheingold: Kimberley Boettger-Soller (Wellgunde), Iryna Vakula (Floßhilde), Stefan Heidemann (Alberich), Heidi Elisabeth Meier (Woglinde) FOTO: Hans Jörg Michel.

Nachdem die Rheintöchter (Heidi Elisabeth Meier, Maria Hilmes und Anny Harvey) den Zwergen Alberich (Stefan Heidemann) gedemütigt haben, schwört dieser der Liebe ab und kann das Weltherrschaft „verheißende „Rheingold“ entwenden. Gottvater Wotan (James Rutherford) hat von den Riesen Fafner (Lukasz Konieczny) und Fasolt (Bogdan Talos) Walhall bauen lassen, will nun diesen aber nicht die versprochene Bezahlung – seine Schwägerin Freia (Anna Priceva) – überlassen. Er stielt Alberich das Rheingold samt Ring und Tarnhelm, worauf der Zwerg den Ring verflucht. Anstelle von Freia gibt Wotan den Riesen den Gold-Hort samt Tarnkappe und den verfluchten Ring, der sofort seine Wirkung entfaltet: Fafner erschlägt seine Bruder. Wotan zieht mit seiner Frau Fricka (Katarzyna Kuncio) in Walhall ein, sein Verhalten hat aber die Götterwelt erschüttert.

 

Die Walküre: Daniel Frank (Siegmund), Sarah Ferede (Sieglinde). FOTO: Hans Jörg Michel.

Viele Jahre später setzt die „Walküre“ ein: ein Flüchtender, Siegmund (Michael Weinius), sucht Schutz, welches die Herrin des Hauses, Sieglinde (Sarah Ferede), ihm gewährt. Sie war gegen ihren Willen mit Hunding (Sami Luttinen) verheiratet worden. Sieglinde erkennt in Siegmund den Befreier, den ihr ein Fremder, Wotan (James Rutherford), bei ihrer Hochzeit verheißen hat. Die beiden sind Geschwister, die als Kinder getrennt wurden, ihre Liebe ist Inzest. Hunding verlangt die Bestrafung des Ehebruchs. Wotan bittet seine Tochter, die Walküre Brünnhilde (Linda Watson), Siegfried zu schützen. Fricka, Hüterin von Familie und Ehe, verlangt aber Siegfrieds Tod. Daraufhin befiehlt Wotan seiner Tochter, Hundings Sieg zu sichern. Im Kampf zwischen Siegmund und Hunding zerstört Wotan mit seinem Speer Siegmunds Schwert Nothung. Brünnhilde, die sich Wotans Willen widersetzt hat, flieht mit den Schwertstücken und der schwangeren Sieglinde. Zur Strafe versetzt Wotan Brünnhilde, die Sieglinde allein im Wald zurückgelassen hat, in einen tiefen Schlaf, umgeben von einem Feuerring, den nur ein Held durchschreiten kann, der das Feuer nicht fürchtet.

 

Siegfried: Siegfried (Michael Weinius), Mime (Cornel Frey). FOTO: Hans Jörg Michel.

Sieglindes Sohn „Siegfried“ (Corby Welch) wächst nach dem Tod seiner Mutter beim Zwergen-Schmied Mime (Cornel Frey) auf, Alberichs Bruder. Da der Junge die Furcht nicht kennt, kann er Nothung neu schmieden. Mime will ihn benutzen, den Ring des Nibelungen vom Riesen Fafner zurück zu bekommen. Als Siegfried Fafner besiegt hat, durchschaut er aber die Intrige seines Ziehvaters und erschlägt ihn. Siegfried lässt den Schatz zurück und nimmt nur Ring und Tarnkappe mit sich, ohne deren Bedeutung zu kennen. Auf dem Weg zu Brünnhilde begegnet er seinem Großvater Wotan, der als Wanderer durch die Welt zieht. Mit Nothung zerschlägt der junge Held Wotans Speer und damit die alte Ordnung. Nachdem Durchschreiten des Feuers weckt er Brünnhilde und die beiden feiern ihre Vereinigung: „leuchtende Liebe, lachender Tod“. Letztendlich scheitert jedoch Wagners Held Siegfried an seiner Naivität – „der das Fürchten nicht kennt“ –, was Brünnhilde, die Liebe und Mitgefühl verkörpert gegen Besitz und Macht, als strahlende Heldin in drei der vier Opern umso mehr hervorhebt.

 

Götterdämmerung: Siegfried (Corby Welch) mit dem Ring des Nibelungen. Foto: Hans Jörg Michel.

Obwohl jede der vier Opern natürlich auch für sich alleine völlig zu Recht bestehen kann, bot sich doch mit dem kompletten Ring-Zyklus die Gelegenheit, den „Ring des Nibelungen“ in seiner Gesamtheit zu erleben, ohne die Fäden der einzelnen Handlungsstränge aus den Augen zu verlieren. Viele Zuschauer waren denn auch an allen vier Abenden im Theater Duisburg zu Besuch, um genau dieses zu genießen. Aber vor allem die szenische Premiere von der „Götterdämmerung“ zog natürlich noch einmal etwas mehr Publikum ins dann tatsächlich voll besetzte Theater Duisburg. Die Zuschauer erlebten fantastische Aufführungen, die die Deutsche Oper am Rhein überwiegend und sehr hervorragend aus eigenen Reihen, aber auch ganz gezielt mit großartigen Gastsängern besetzt hatte. Das Publikum lobte dabei aber auch die konzertante Aufführung der „Götterdämmerung“ in der Mercatorhalle, sofern sie diese erlebt hatten, in höchsten Tönen! In dieser Spielzeit in Düsseldorf und in kommenden Spielzeiten in Duisburg werden Besucher wieder die Gelegenheit bekommen, den kompletten „Ring am Rhein“ zu erleben. Auch wenn sich die Aufführungen in der Woche natürlich für die angestellt arbeitende Bevölkerung schwierig gestalten lässt: Es lohnt sich auf jeden Fall!

 

 
Wagner als Revolutionär: Umbruch und Niedergang der alten Ordnung

Das Rheingold: VORNE Katarzyna Kuncio (Fricka), James Rutherford (Wotan) HINTEN Lukasz Konieczny (Fafner). FOTO: Hans Jörg Michel.

Während seiner Zeit als Kapellmeister in Dresden beschäftigte sich Richard Wagner (1813 – 1883) ab 1843 mit deutschen Sagen, der nordischen Edda, der griechischen Mythologie und dem Grals-Mythos. Daraus zog der Dramatiker und Komponist seine Ideen für seine monumentale Tetralogie, die als sein Hauptwerk gilt. Mit Siegfried schuf er den germanischen Helden und freien Menschen, der gegen die alte Weltordnung der Götter kämpfte: Ihre auf Macht und Besitz basierende Welt sollte einer neuen edleren Weltordnung Platz machen. Wagner war ein Anarchist, der die Revolutionen 1848/49 unterstützte und vom Umbruch alter Herrschaftsstrukturen und einem geeinten Deutschland träumte. Noch in Dresden vollendete er 1848 die Dichtung zu „Siegfrieds Tod“, aus der später die „Götterdämmerung“ wurde. Wegen seiner Beteiligung am Dresdner Maiaufstand 1849 floh Richard Wagner in die Schweiz, wo er seine Arbeiten an der Dichtung zum „Ring des Nibelungen“ fortsetzte. Er entwickelte seine Handlung vom Finale aus zurück, weil für den Zuschauer mehr Vorgeschichte nötig war, als er narrativ in der „Götterdämmerung“ verarbeiten konnte. Nach Abschluss der Textarbeiten komponierte Wagner dann ab 1851 die vier Opern vom Rheingold an sukzessive (bis 1874).

 

Die Walküre: Katharina von Bülow (Grimgerde), Simon Neal (Wotan), Katarzyna Kuncio (Waltraute), Evelyn Krahe (Schwertleite), Linda Watson (Brünnhilde), Jessica Stavros (Gerhilde). FOTO: Hans Jörg Michel.

Konzipiert ist das ganze als mehrtägiges Festspiel (drei Tage und ein Vorabend), für das er in Bayreuth ein Festspielhaus bauen wollte. Wagner unterbrach die Arbeiten an seinem Monumentalwerk immer wieder, weil er Geld brauchte: Kleinere Opern entstanden, die ihm finanziell über die Runden halfen, sein Hauptwerk zu vollenden. Allerdings musste sich Wagner schließlich beim „Rheingold“ und der „Walküre“ dem Willen seines Mäzens König Ludwig II. beugen, die fertigen Opern 1869 und 1870 am Nationaltheater München uraufzuführen. Wagner selber schwebte die Aufführung in einem Festspielhaus vor, welches nach seinen Entwürfen 1872 – 1875 in Bayreuth entstand. Dort feierten dann „Siegfried“ und die „Götterdämmerung“ im August 1876 bei der ersten Komplettaufführung des Rings unter der Leitung von Richard Wagner ihre Uraufführungen.

 

 
Ein kleiner Vorgeschmack:

 

 
Weitere Termine:

Götterdämmerung: Gutrune (Sylvia Hamvasi), Siegfried (Michael Weinius), Gunther (Bogdan Baciu), Brünnhilde (Linda Watson), Opernchor und Herren des Extrachors, Statisterie. FOTO: Hans Jörg Michel.

Die Walküre, So | 8. Dezember 2019 | 15 Uhr in Düsseldorf,
Das Rheingold, Sa | 21. Dezember 2019 | 19:30 Uhr in Düsseldorf und
Die Walküre, So | 22. Dezember 2019 | 19:30 Uhr in Düsseldorf.
Den kompletten Ring-Zyklus spielt die Deutsche Oper am Rhein in Düsseldorf vom 7. bis zum 13. April 2020 (innerhalb von sieben Tagen).
Im Theater Duisburg läuft der „Ring am Rhein“ erst in der Spielzeit 2020/21 wieder, bleibt aber im Repertoire für regelmäßige Wiederaufführungen.

 

 

Götterdämmerung: Siegfried (Michael Weinius), Brünnhilde (Linda Watson), Gutrune (Sylvia Hamvasi), Gunther (Bogdan Baciu), Opernchor und Herren des Extrachors. FOTO: Hans Jörg Michel.

Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten in Duisburg zwischen 19.00 und 76,00 Euro, in Düsseldorf ist es mit 27,00 bis 106,00 Euro (21,00 bis 96,00 Euro für „Das Rheingold“) teurer. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Hans Jörg Michel, Mannheim / Deutsche Oper am Rhein

 

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Loveparade-Strafprozess: Sachbearbeiter G. der Duisburger Bauaufsicht sagte aus

Im Fokus der Baugenehmigung stehen Brandschutz und Entfluchtung
Von Petra Grünendahl

Die Rampe zum Loveparade-Gelände nach der Katastrophe. Foto: Petra Grünendahl.

„Zum Bauantrag für eine vorübergehende Nutzungsänderung verlangt der Gesetzgeber für Veranstaltungen über 5.000 Besucher, dass ein Sicherheitskonzept vorgelegt wird“, erklärte der Zeuge G. Baugenehmigungen für eine vorübergehende Nutzungsänderung für Veranstaltungen bearbeite er häufiger, erzählte der Zeuge: „Es sind auch schon mal Großveranstaltungen dabei gewesen mit maximal 4.200 Besuchern in der Kraftzentrale im Landschaftspark Nord oder ein Open-Air-Konzert mit 26.000 Besuchern.“ Aber, so der Zeuge: „Ich genehmige keine Großveranstaltung!“ Eine vorübergehende Nutzungsänderung sei ein Bauantrag wie viele andere auch – und die „Bauherren“ von Lopavent seien da nicht weniger uneinsichtig gewesen als andere: „Die wollen ihr Konzept durch kriegen.“ Sehr lange, so erzählt auch Zeuge G., hätte sich Veranstalter Lopavent und deren Rechtsanwalt gegen den geforderten Bauantrag gewehrt: „Wir bauen doch gar nicht“, hieß es immer. Als dann doch endlich Anfang Juni ein formeller Bauantrag vorlag, war die Liste der Nachforderungen lang: „Lopavent beantragte eine Fristverlängerung, die wir dann auch gewährt haben.“

 

Der Vorstizende Richter Mario Plein (mitte) mit zwei beisitzenden Richtern beim Loveparade-Strafprozess im Gerichtssaal im Congress Center Düsseldorf. Foto: Lars Heidrich / Funke Foto Services.

Als Zeugen hatte die 6. große Strafkammer des Landgerichts Duisburg einen Sachbearbeiter der Unteren Bauaufsicht im Amt für Baurecht und Bauberatung der Stadt Duisburg geladen, der für die Bearbeitung der Baugenehmigung mit zuständig war. Der heute 57-jährige Bauingenieur hatte bis Jahresanfang zu den Angeklagten gehört. Gegen ihn war das Verfahren aber – wie gegen alle damaligen Mitarbeiter der Stadt sowie einen ehemaligen Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent – ohne Auflagen eingestellt worden. Gegen drei Angeklagte wird wegen fahrlässiger Tötung in 21 Fällen und fahrlässiger Körperverletzung weiter verhandelt: Sie waren damals als Mitarbeiter der Lopavent GmbH an den Planungen des Events beteiligt. Der Vorsitzende Richter Mario Plein ließ den Zeugen zunächst erzählen, welche Rolle er im Genehmigungsverfahren spielte, bevor er ihm aus Schriftstücken, Ermittlungsakten sowie Aussagen anderer Zeugen Sachverhalte vor hielt.

 
Gesetzgeber regelt Auflagen für Bauantrag

August 2011: Ansichten der Rampe zum alten Güterbahnhof aus dem Jahr 2011. Fotos: Petra Grünendahl.

Kernpunkt der Diskussionen mit dem Veranstalter seien ein Brandschutzkonzept mit ausreichenden Breiten an Rettungswegen zur Entfluchtung des Party-Geländes gewesen, erzählte der Bauingenieur, der in seinem Sachgebiet Sonderbauten auch Bauanträge für eine vorübergehende Nutzungsänderung bearbeitet und – wenn alle gesetzlichen Auflagen erfüllt sind – genehmigt. Hier habe Lopavent Zugeständnisse verlangt, die mit der Bauaufsicht nicht zu machen waren, wie der Zeuge erklärte. Brandschutz und Rettungswege seien Kernpunkte dessen, was der Gesetzgeber für eine vorübergehende Nutzungsänderung als Versammlungsstätte verlange, sagte der Zeuge. Zur Klärung über ausreichende Rettungswege wurde schließlich von der Firma TraffGo eine Entfluchtungsanalyse erstellt, die Prof. Michael Schreckenberg dann im Auftrag der Stadt begutachtet hatte. Solche Gutachten ebenso wie eine Überprüfung der Statik – beim verdichteten Untergrund ebenso wie bei der Standfestigkeit der Zäune – kann die Bauordnung nicht selber überprüfen. Dafür werden externe Gutachter mit dem entsprechenden Fachwissen geholt.

 
Gleiches gelte für das Sicherheitskonzept, hob der 57-Jährige, der seit 1990 im Bauamt der Stadt Duisburg arbeitet, hervor: „Wir brauchen für die Genehmigung des Bauantrages ein Sicherheitskonzept: keinen Entwurf, sondern in finales Konzept. Wir müssen aber nur wissen, dass es eins gibt, welches mit den Sicherheitsbehörden abgestimmt wurde, und dass es inhaltlich nicht baurechtlichen Anforderungen entgegen steht.“ Eine fachliche Überprüfung ist nicht Sache der Bauordnung, die über keinerlei Kompetenzen in der Veranstaltungsplanung verfügt: „Der Veranstalter führt in seinem Konzept Maßnahmen zur gezielten Steuerung von Besucherströmen auf, die wir nicht überprüfen können.“ Welche Auflagen für die Genehmigung des Bauantrags erfüllt werden müssen, hat der Gesetzgeber – hier das Land NRW – in der Sonderbau-Verordnung geregelt: „Wir haben beispielsweise die Installation von Vereinzelungsanlagen und Maßnahmen zur Besucherzählung vorgeschrieben, sind aber fachlich nicht dafür zuständig, was wo und wie aufgestellt werden.“

 
“Wir haben keine Großveranstaltung genehmigt“

Die neu gestaltete Gedenkstätte für die Opfer der Loveparade 2010 ist fertig: Püntlich kurz vor dem dritten Jahrestag. Foto: Petra Grünendahl.

Die Zuständigkeit der Bauaufsicht habe sich rein auf das Veranstaltungsgelände bezogen: „Unsere baurechtliche Zuständigkeit endet an den Grenzen des Veranstaltungsgeländes, welches der Bauherr in seinem Antrag festlegt.“ Das Veranstaltungsgelände ging bis zum unteren Ende der Rampe: dahinter – ab dem Bürgersteig – begann der öffentliche Raum. An der Arbeitsgruppe 4 (AG4 Sicherheit) durfte die Bauaufsicht ab der dritten Sitzung teilnehmen, bei einem „Szenarien-Workshop“ allerdings nicht. Die Bauaufsicht habe an diesen Sitzungen der AG4 nur zuhören sollen, ob baurechtlich relevante Dinge besprochen wurden. Nachfragen eines Mitarbeiters der Bauordnung nach der „Tunnelproblematik“ – also den Zuwegen zum Gelände – wurden abgebügelt. „Unser Thema war die Entfluchtungsproblematik, die in der Sonderbau-Verordnung verlangt wird“, betonte der Zeuge noch einmal die Prioritäten des Gesetzgebers.

 
Bei einem Ortstermin auf dem alten Güterbahnhofsgelände am Vortag der Loveparade (23. Juli 2010) händigten die Mitarbeiter die Baugenehmigung aus, stellten aber noch ein paar leichte Mängel fest, die bis abends beseitigt werden sollten. Das waren sie auch bis zum abendlichen Kontrollgang: „Allerdings gab es dann neue Mängel, die bis zum nächsten Vormittag behoben werden sollten. Der Ordnungsamtsleiter hatte sich bereit erklärt, dies am nächsten Tag zu überprüfen, – und damit war unsere Aufgabe erledigt.“

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (3), Lars Heidrich / Funke Foto Services (1)
 

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Nachruf: Duisburgs Alt-Oberbürgermeister Josef Krings (1926 – 2019)

Er wird fehlen!
Von Petra Grünendahl

Duisburgs Alt-Oberbürgermeister Josef Krings im Dezember 2011 bei einer Pressekonferenz des Abwahl-Bündnisses. Foto: Petra Grünendahl.

Mit dem Mopped ist „Jupp“ Krings damals von seiner Realschule zum Arbeitskampf streikender Stahlarbeiter auf die „Brücke der Solidarität“ gefahren. In Mülheim-Broich war der ehrenamtlich tätige Duisburger Oberbürgermeister (1975 – 1997) Lehrer für Deutsch und Geschichte sowie Direktor gewesen als die Stahlarbeiter in Rheinhausen um den Erhalt des Hüttenwerkes kämpften. Die Arbeitsplätze waren dem Sozialdemokraten – wie soziale Belange überhaupt – sehr wichtig. Einen gewaltigen Strukturwandel weg von Kohle und Stahl galt es in der Montan-Stadt zu bewältigen, der bis heute noch nicht ganz abgeschlossen ist. Den Umbau des Duisburger Hafens trieb Krings frühzeitig mit an. Daneben setzte er sich aber auch für die Kultur ein: Die Gründung der Duisburger Universität (heute: Universität Duisburg-Essen UDE) lag ihm ebenso am Herzen wie die Deutsche Oper am Rhein, wo er lange im Verwaltungsrat tätig war. Der Duisburger Alt-OB machte Politik für den Menschen: Im Stadtrat, im Landtag, als Oberbürgermeister und darüber hinaus als moralische Instanz seiner Partei und der Stadt. Seine Politik machte er für die Menschen in Duisburg, das lag ihm am Herzen.

 
Alt-Oberbürgermeister Josef „Jupp“ Krings (*21. Oktober 1926) starb jetzt im Alter von 93 Jahren. In seinen 22 Jahren als Oberbürgermeister prägte er unsere Stadt nachhaltig und blickte dabei auch immer über Duisburg hinaus. Auch als er mit 70 Jahren aus dem Amt des Oberbürgermeisters ausschied, blieb Krings in der Öffentlichkeit und den Geschicken Duisburgs verbunden: Nach der Loveparade-Katastrophe war er den Duisburgern die versöhnliche Stimme, die sie aus dem Rathaus nicht hörten. Zahlreiche Ehrungen waren ihm im Laufe der Jahre nicht nur in Duisburg zuteil geworden. Dazu zählten unter anderem der Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen, der Bürgerpreis des Wanheimerorter Bürgervereins von 1874 e. V. oder das Bürgerehrenwappen des Verbandes Duisburger Bürgervereine e. V. Die UDE ernannte ihn zum Ehrensenator, die Deutsche Oper am Rhein zum Ehrenmitglied und die Duisburger Prinzengarde zum Ehrenoffizier, was Josef Krings’ vielfältiges Engagement in unserer Stadt, aber auch seine Anerkennung in der Stadtgesellschaft eindruckvoll widerspiegelt. Eine Duisburger „Institution“ ist gegangen: Er wird uns fehlen!

 

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text und Foto)
 

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Der Struwwelpeter: Comic-Kunst in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen

Von den Kindergeschichten zum Lehrstück
– auch für Erwachsene

Von Petra Grünendahl

Der bekannte Struwwelpeter. © Heinrich Hoffmann.

Den Struwwelpeter kennt man aus seinen Kindertagen. Auch mit Paulinchen, dem Suppenkasper, Zappel-Philipp oder Hanns Guck-in-die-Luft sind Kinder hierzulande groß geworden. Der Arzt Dr. Heinrich Hoffmann hatte die Geschichten 1844 für seine Kinder als Erziehungslektüre zu Papier gebracht, da ihm die zeitgenössische Literatur der Biedermeierzeit nicht zur Kindererziehung förderlich schien. Zum erstmals überhaupt erzählte hier ein Bilderbuch Geschichten gezielt für Kinder. Außerdem nutzte Hoffmann eine neue reduzierte und karikierende Bildsprache, die sich von den biedermeierlichen Sehgewohnheiten stark abhob. Mit seinem erzählenden Bilderbuch erschuf er ein Werk, das seine Leser bis heute fasziniert und zugleich erschaudern lässt. Das Buch von Heinrich Hoffmann inspiriert seit 175 Jahren Künstler zu eigenen Varianten dieses Klassikers, der unter dem Stichwort der schwarzen Pädagogik mitunter auch kritisch gesehen wurde.

 

Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Schloss Oberhausen vom Gasometer aus. Foto: Ludwiggalerie.

Was aus dem Urstruwwelpeter wurde und was DarthVader oder MarkTwain damit zu tun haben, können Besucher in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen unter dem Titel „Zwischen Faszination und Kinderschreck von Hoffmann bis Böhmermann“ entdecken. Überall lassen sich der Struwwelpeter, aber auch Paulinchen, Konrad, Hanns und Friederich wiederfinden – mal auf den ersten Blick, mal nach intensiver Betrachtung. Die Bildthemen sind bis heute hochaktuell und teilweise politisch. Das ist zum Beispiel Hoffmanns „Geschichte von den schwarzen Buben“, in der der große Nikolas die fremdenfeindlichen Buben zur Strafe in ein großes Tintenfass taucht. 2013 thematisiert Luise Bofinger den in dieser Geschichte dargestellten Rassismus eindringlich und mit unmissverständlicher Botschaft. Auch Manfred Boringer, Anke Kuhl, David Füleki oder Hans Witte haben Hoffmanns Geschichte neu gestaltet und modern interpretiert. Mehr als 200 Zeichnungen, Illustrationen, Gemälde, Bücher und Objekte unter anderem aus der facettenreichen und internationalen Sammlung Sauer veranschaulichen die Geschichte und Entwicklung des Themas.

 

 
Eintritt und Öffnungszeiten

Plakat zur Ausstellung mit den Variationen des Struwwelpeter und anderer Geschichten von Heinrich Hoffmann. Grafik: Ludwiggalerie.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 12. Januar 2020. Die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen ist eines der zwanzig RuhrKunstMuseen. Das Museum an der Konrad-Adenauer-Allee 46 in 46049 Oberhausen ist dienstags bis sonntags zwischen 11 und 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 8 Euro (ermäßigt 4 Euro), Familien (zwei Erwachsene plus Kinder) zahlen 12 Euro. Öffentliche Führungen gibt es an Sonn- und Feiertagen um 11.30 Uhr. Zur Ausstellung ist ein Katalog im Kerber Verlag erschienen, herausgegeben von den Kuratorinnen Linda Schmitz und Christine Vogt (128 Seiten, 29,80 Euro). Nähere Informationen zu dem die Ausstellung begleitenden museumspädagogischen Angebot und zum Rahmenprogramm gibt es unter www.ludwiggalerie.de.

 

 
Simon Schwartz erzählt Geschichte(n) in starken Bildern

Cover zu „drüben!“, Gedruckte Fassung. © Simon Schwartz.

Im Kleinen Schloss zeigt die Ludwiggalerie bis zum 19. Januar 2020 die Ausstellung „Simon Schwartz – Geschichtsbilder. Comics & GraphicNovels“. Sein Debüt „drüben!“ mit der autobiografischen Erzählung der Ausreise seiner Eltern aus der DDR 1984 hat Simon Schwartz (*5. Oktober 1982) bekannt gemacht. Danach hat er sich auch anderen historischen Themen gewidmet, Hintergründe recherchiert und diese zeichnerisch erkundet und zu Geschichten aufgearbeitet. Mit seiner Bildererzählung zum Fall der Mauer und der Wende griff Schwartz noch einmal seine familiären Wurzeln auf. Seine „Geschichtsbilder“ leben von eindringlicher Sprache und eindrücklichen Bildern. Schwartz gehört zu den wichtigsten Zeichnern und Autoren seiner Generation. Geschichten mit historischem Hintergrund gehören ebenso zu seinen Spezialitäten wie das Erzählen auf einer Seite. Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Kunstmuseum in Erfurt, dem Geburtsort von Simon Schwartz. Zu erreichen ist das Kleine Schloss über den Zugang im Museums-Shop. Der Eintritt ist frei. Auch hier ist zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen: Im avant-verlag mit Texten von Andreas Platthaus, Christine Vogt und Jochen Voit (136 Seiten, 29,00 Euro).

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (1), Ludwiggalerie (1).
Grafiken: Ludwiggalerie.

 

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MKM Museum Küppersmühle zeigt „Farbe absolut“: Katharina Grosse X Gotthard Graubner

Gegensätzlichkeit von Farben:
Von Meditation und Temperatment

Von Petra Grünendahl

Farbe absolut: Kathrina Grosse (l.) und Gotthard Graubner (r.) im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.

Wie behäbige Farbkörper wirken die aufgepolsterten Leinwand-Malereien von Gotthard Graubner (1930-2013): Mit ihrem Verzicht auf Gegenständlichkeit strahlen sie Ruhe und Gelassenheit aus. Völlig anders verhalten sich die eruptiven Farblandschaften von Katharina Grosse (*1961). Der Zuschauer ist gefordert, jede Komposition in ihrer einzigartigen Aussage wahrzunehmen, dabei aber auch den Dialog der fast gegensätzlichen Stile zu erfassen. Die Körperlosigkeit und Transparenz von Katharina Grosses Farben strotzenden Werken verdeutlicht ganz besonders das größte Exponat der Schau: eine fast 17 Meter breite Tuch-Installation, die an der Decke mit Abstand von der Wand angebracht wurde, damit der Betrachter „hinter die Kulissen“ des bis weit auf den Boden ausgebreiteten Werks schauen kann.

 

Im Pressegespräch stellten (v. l.) Katharina Grosse, Museumsdirketor Prof. Dr. h. c. Walter Smerling und Kuratorin Dr. Eva Schmidt die Ausstellung „Farbe absolut“ im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst vor. Foto: Petra Grünendahl.

Im Museum Küppersmühle für Moderne Kunst stellte Museumsdirektor Walter Smerling im Pressegespräch zusammen mit der Kuratorin Dr. Eva Schmidt und der Künstlerin Katharina Grosse die Doppel-Werkschau vor: „Farbe absolut“ zeigt Werke der Künstler Katharina Grosse und Gotthard Graubner. Katharina Grosse ist im Ruhrgebiet aufgewachsen, hat unter anderem an der Kunstakademie Düsseldorf bei Gotthard Graubner studiert und sich mit seinen Arbeiten auseinander gesetzt. Heute lehrt Grosse selber in Düsseldorf, lebt und arbeitet aber überwiegend in Berlin. Im Eingangsbereich stehen sich noch die eher kleinformatigen Frühwerke der beiden Künstler gegenüber, bevor es zu den reiferen Werken in größere Dimensionen übergeht. Vor allem diese Großformate kommen in den hohen und großzügig dimensionierten Ausstellungshallen besonders gut zur Geltung.

 

 
Exemplarische Gegenüberstellungen

Farbe absolut: Gotthard Graubner im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.

Die üppigen Farben sind gemeinsame Grundlage, die der Ausstellung ihren Namen – „Farbe absolut“ – gegeben haben. Daraus haben beide Künstler eine eigene Sprache und Formen der Darstellung entwickelt, die sich in den Sälen des Wechselausstellungsbereichs im Dialog gegenüber stehen. „Die Werke laden sich gegenseitig auf“, beschrieb Museumsdirektor Smerling seinen Eindruck. „Sie kommunizieren miteinander.“ Katharina Grosse beschrieb ihre Auseinandersetzung mit Farbe so: „Sie ist Material und Wert zugleich.“ Wofür es im Deutschen nur einen Begriff gebe, unterscheide man im Englischen „paint“ und „color“. Zum mehrmaligen Ansehen eigne sich die Werkschau mit ihrem Dialog von Künstlerpositionen ganz besonders, merkte Walter Smerling an: „Ich gehe seit zehn Tagen täglich hier durch und finde immer wieder etwas Neues.“

Farbe absolut: Katharina Grosse im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.

Die Ausstellung „Farbe absolut“ der Stiftung für Kunst und Kultur e. V. (Träger des Museums) unterstützt als Hauptsponsor die National-Bank AG. Zur Ausstellung ist ein umfassender, reich bebilderter Katalog erschienen, mit einem Essay von der Kuratorin Dr. Eva Schmidt und einem Gespräch mit Katharina Grosse (geführt von Corinne Diserens). Der 152-seitige Band (Winand Verlag Köln) ist als Museumsausgabe für 30 Euro zu haben. Zu beziehen ist er außer an der Museumskasse auch im lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-86832-541-6).

Impressionen aus der Ausstellung „Farbe absolut“. Fotos: Petra Grünendahl

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Museum Küppersmühle:
Duisburger haben donnerstags freien Eintritt

Farbe absolut: Katharina Grosse im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.

Die Ausstellung „Farbe absolut“ mit Werken von Katahrina Grosse und Gotthard Graubner ist bis zum 26. Januar 2020 in den Erdgeschossräumen des Museums zu sehen. Das Museum Küppersmühle findet man im Innenhafen am Philosophenweg 55 (Haupteingang). Mittwochs ist das Museum von 14 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis sonntags sowie feiertags von 11 bis 18 Uhr. Montags und dienstags ist Ruhetag. Der Eintritt kostet nur für die Wechselausstellungen 6 Euro, für das gesamte Haus (inkl. Wechselausstellung) 9 Euro. Ermäßigt sowie bei Gruppen ab 10 Personen zahlt man pro Person 4,50 Euro, Kinder und Schüler über sechs Jahren zahlen 2 Euro. Kinder unter sechs Jahren haben freien Eintritt, ebenso donnerstags alle Duisburger (gegen Vorlage des Personalausweises). Das MKM ist Partner der Ruhrkultur.Card und des DB Bonusprogramms. Alle Ausstellungsräume des Museums sind auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich. Offene Führungen durch die Sammlung sowie durch laufende Ausstellungen gibt es jeden Sonntag um 15 Uhr, aber auch nach Vereinbarung. Zur Ausstellung wird es wieder ein reichhaltiges Begleitprogramm geben. Informationen gibt es unter http://www.museum-kueppersmuehle.de). Fortgeführt wird in diesem Rahmen auch das Format „Kunst trifft …“ mit einem Termin am 15. November (mit Katharina Grosse) sowie einem im Januar.

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)
 

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Loveparade-Strafprozess: Sachgebietsleiter der Duisburger Bauaufsicht sagte aus

Zuwegsproblematik: Besucherströme kein Teil der Baugenehmigung
Von Petra Grünendahl

Aus Platzgründen findet das Strafverfahren gegen vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent und sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg im CongressCenter der Messe Düsseldorf (CCD) statt. Foto: Petra Grünendahl.

„Anfang Februar 2010 stand das Gelände des alten Güterbahnhofs als Veranstaltungsfläche fest. Ab März wurden wir dann in die schon lange laufenden Planungen einbezogen, weil der eingezäunte Veranstaltungsbereich eine Baugenehmigung erforderte“, erzählte der Zeuge J. „Unsere Forderung nach einem Bauantrag war vom Veranstalter bzw. deren Anwälten immer wieder abgewehrt worden: ‚Wir bauen doch gar nicht’, sagten sie.“ Und: „Wir werden Anregungen in die Besprechungen rein gegeben haben, konnten aber ohne Bauantrag noch nichts tun“, meinte J. Ende April habe er das erste Mal an einer Arbeitsgruppensitzung teilgenommen, wo er erwartete Besucherzahlen infrage gestellt habe: „Ich habe angemerkt, dass wir in der Baugenehmigung Obergrenze für Besucherzahlen festlegen müssen.“ Damals waren – mit zwei Personen je Quadratmeter – rund 180.000 Besucher gleichzeitig im Gespräch. Erst Anfang Juni habe dann ein Bauantrag vorgelegen, dessen Eingang mit umfangreichen Nachforderungen für Unterlagen an den Bauherren, Loveparade-Veranstalter Lopavent GmbH, bestätigt wurde.

 

Der Vorstizende Richter Mario Plein (mitte) mit zwei beisitzenden Richtern beim Loveparade-Strafprozess im Gerichtssaal im Congress Center Düsseldorf. Foto: Lars Heidrich / Funke Foto Services.

Als Zeugen hatte die 6. große Strafkammer des Landgerichts Duisburg den Sachgebietsleiter der Unteren Bauaufsicht im Amt für Baurecht und Bauberatung der Stadt Duisburg geladen, der für die Bearbeitung des Genehmigungsverfahrens zuständig war. Der heute 57-jährige Technische Angestellte hatte bis Jahresanfang zu den Angeklagten gehört. Gegen ihn war das Verfahren aber – wie gegen alle damaligen Mitarbeiter der Stadt sowie einen ehemaligen Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent – ohne Auflagen eingestellt worden. Gegen drei Angeklagte wird wegen fahrlässiger Tötung in 21 Fällen und fahrlässiger Körperverletzung weiter verhandelt: Sie waren damals als Mitarbeiter der Lopavent GmbH an den Planungen des Events beteiligt. Der Vorsitzende Richter Mario Plein ließ den Zeugen zunächst erzählen, welche Rolle er im Genehmigungsverfahren spielte, bevor er ihm aus Schriftstücken, Ermittlungsakten sowie Aussagen anderer Zeugen Sachverhalte vor hielt.

 
Spätem Bauantrag mussten umfangreiche Unterlagen nachgereicht werden

Achter Jahrestag der Loveparade-Katastrophe: Nacht der 1.000 Lichter an der Gedenkstätte. Foto: Petra Grünendahl.

Nachdem die Loveparade 2010 in Duisburg auf einem eingezäunten Privatgelände stattfinden sollte, war statt einer ordnungsrechtlichen Verfügung (Veranstaltungsgenehmigung) eine Baugenehmigung nötig. Die Bauaufsicht wurde dafür erst spät in die schon seit vielen Monaten laufenden Veranstaltungsplanungen einbezogen. Wobei „einbezogen“ – wenn man den bisherigen Aussagen von Mitarbeitern des Bauordnungsamtes glauben darf – nicht das richtige Wort ist: Man erwartete von ihnen eine Genehmigung, ohne dass man sich klar war, was die Bauordnung zu prüfen hatte. „Die Versammlungsstätten-Verordnung ist nicht auf Großveranstaltungen ausgerichtet, konnte also nicht 1:1 umgesetzt werden“, so Zeuge J. Zumal er einräumte, dass die Auflagen für Veranstalter dann unerfüllbar seien. Die Verordnung beziehe sich auf Räume und wäre auch von daher im Freien nicht umzusetzen: Sprinkleranlagen nannte er als Beispiel. Die vom Gesetzgeber geforderte Fluchtwegbreite sollte deshalb im Freien durch eine Entfluchtungsanalyse ersetzt werden, so J.

Genehmigt wurde die Nutzungsänderung des Partygeländes, ohne die dort keine Veranstaltung hätte stattfinden dürfen. Besagte Genehmigung war, wie auch J. in seinen Aussagen immer wieder deutlich machte, eine Baugenehmigung. Dafür gibt es in Land NRW die Versammlungsstättenverordnung*, nach der der Bauantrag genehmigt werden muss, wenn die vom Gesetzgeber geforderten Auflagen erfüllt sind. Zu diesen Auflagen zählen zum Beispiel die Beschaffenheit des Untergrundes, der von den Besuchern gefahrlos zu nutzen sein muss, eine Obergrenze für Besucher sowie Fluchtwege (Brandschutzkonzept). „Das Bauordnungsamt plant keine Veranstaltung!“, machte auch J. im Zeugenstand deutlich. Und: „Besucherströme gehören nicht zur Baugenehmigung“, erklärte J. Das gelte für die Zuwege zum Gelände ebenso wie Bewegungen auf dem Gelände: „Das war Sache des Veranstalters, der uns erklärte wie auf dem Gelände die Besuchersteuerung laufen sollte.“

Die baugenehmigungspflichtige Fläche habe unten an der Rampe begonnen: „Das legt der Veranstalter in seinem Bauantrag so fest“, so der Zeuge. Laut Landesbauordnung seien öffentliche Straßen keine Zuständigkeit der Bauordnung, merkte er an. Eine einzige vom Gesetzgeber vorgesehene Verfügung ging über das Veranstaltungsgelände hinaus. Wegen der Besucherobergrenze, so erzählte J., habe man die Zählung der Besucher verlangt: „Der Veranstalter sollte uns zusichern, dass er zählt. Das war nötig, um das Gelände bei zu vielen Besuchern vorübergehend schließen zu können.“ Letztendlich wollten wohl Veranstalter, Ordnungsamt und Polizei zählen.

 
Bauaufsicht sollte nur genehmignen

August 2011: Ansichten der Rampe zum alten Güterbahnhof aus dem Jahr 2011. Fotos: Petra Grünendahl.

So sehr man sich unter der Koordination des Ordnungsdezernats in den Arbeitsgruppen mit Sicherheitskräften, Ordnungsamt und Veranstalter um eine Verzahnung der sicherheitsrelevanten Akteure bemühte: Die Bauaufsicht blieb weitgehend außen vor. Als der Gutachter Prof. Schreckenberg auf die Tunnelproblematik** hingewiesen habe, hätte ihn vielmehr der damalige stellvertretende Feuerwehrchef auf seine Nachfrage zurechtgewiesen, er solle sich nur um seine Zuständigkeiten kümmern, gab der Zeuge zur Kenntnis.

 
Die Baugenehmigung habe er am Nachmittag des 23. Juli bei einer Begehung des Geländes ausgehändigt, erzählte J. Letzte kleinere Mängel hätten bis abends beseitigt sein sollen: „Der Veranstalter hat sich das sehr bemüht, die Mängel zu beheben“, so der Zeuge. Was trotzdem noch beanstandet wurde, sollte bis Samstagmorgen behoben sein. Ordnungsamtsleiter Bölling wollte dies am Morgen noch einmal überprüfen. Die Arbeit des Bauordnungsamtes war mit Aushändigung der Baugenehmigung abgeschlossen.

*) Sonderbauverordnung Teil I: Versammlungsstätten
**) Die „Tunnelproblematik“ war auch nicht Teil von Schreckenbergs Gutachten, hatte dieser doch nur die Entfluchtungsanalyse zu begutachten.

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (3), Lars Heidrich / Funke Foto Services (1)

 

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Weiße Riesen in Homberg-Hochheide: Bürgerbeteiligung zur Planung der freiwerdenden Flächen

Der Weiße Riese fällt durch die Sprengung in sich zusammen. Foto: Petra Grünendahl.

Der erste Weiße Riese wurde im März 2019 gesprengt. Zwei weitere Hochhäuser werden noch folgen. Die im Zuge der Rückbauarbeiten freiwerdenden Flächen werden als parkähnliche Grünflächen ausgebaut, um die Aufenthaltsqualität im Quartier zu erhöhen. Zusammen mit den Bürgern und der Politik sollen Leitbilder sowie funktionale und gestalterische Ziele für die Entwicklung des gesamten Plangebietes entwickelt werden. Im Rahmen unterschiedlichster Beteiligungsangebote wird den Bürgern die Möglichkeit gegeben, ihre Wünsche und Anregungen in den Planungsprozess einzubringen. Besonderes Augenmerk liegt auf den Bereichen „Neuer Quartierspark“, „Ladenstadt“, Moerser- und Kirchstraße. Darüber hinaus können auch Vorschläge für die Namenswahl der neu geplanten Parkanlage eingereicht werden.

Die Reste des gesprengten Weißen Riesen in Homberg-Hochheide. Foto: Petra Grünendahl.

Bürger sind dazu eingeladen, am Dienstag, 29. Oktober, von 16.30 bis 18.30 Uhr und am Mittwoch, 30. Oktober, von 10 bis 12 Uhr an Spaziergängen durch das Quartier teilzunehmen. Treffpunkt ist das Quartiersbüro Hochheide auf der Moerser Straße 245. Das mit der Erstellung des Rahmenplans beauftragte Büro KRAFT.RAUM. wird gemeinsam mit den Teilnehmern durch das Quartier gehen und Anregungen sowie Vorschläge entgegennehmen. Die Spaziergänge führen durch den gesamten Betrachtungsbereich des Rahmenplans. Ferner besteht die Möglichkeit, sich morgen und am Samstag, 26. Oktober von 8 bis 13 Uhr am Informationsstand auf dem Wochenmarkt in Hochheide zur Planung zu erkundigen und Anregungen und Wünsche zu äußern.

Auf der Internetseite www.duisburg.de/weisseriesen besteht zudem von Donnerstag, 31. Oktober bis Donnerstag, 14. November, die Möglichkeit, an einer Online-Befragung teilzunehmen und Ideen sowie Vorschläge für die Neugestaltung der Freianlagen im gesamten Quartier einzureichen. Die Online-Beteiligung ist auch auf Englisch verfügbar.

Darüber hinaus steht das Quartiersbüro Hochheide zu den Öffnungszeiten (Dienstag 14 bis 16 Uhr, Mittwoch 9 bis 12 Uhr, Donnerstag 16 bis 18 Uhr) zur Verfügung. Die eingebrachten Anregungen und Wünsche werden in einer Ergebnispräsentation zusammengefasst, die im Quartiersbüro Hochheide bis Ende November 2019 ausgestellt wird.
Stadt Duisburg
Fotos: Petra Grünendahl

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Mit dem Geleucht zum Geleucht auf der Halde Rheinpreußen in Moers

Ein kleiner Ausflug … Fotos: Petra Grünendahl

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© 2019 Petra Grünendahl
 


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Niederrheinische IHK stellt Ruhrlagebericht vor: Konjunkturhimmel herbstlich trüb

Ruhr-IHKs fordern deutliche Impulse bei Regionalplan und Ruhrkonferenz
Von Petra Grünendahl

Stellten den aktuellen Konjunkturbericht zur Lage der Ruhrwirtschaft vor (v. l.): Stefan Schreiber, Burkhard Landers, Veronika Lühl und Dr. Stefan Dietzfelbinger. Foto: Petra Grünendahl.

„Handelsbeschränkungen und Protektionismus sind Gift für die Wirtschaft“, erklärte Burkhard Landers, Präsident der Niederrheinischen IHK. Das gelte auch für Erwartungen für die künftige Entwicklung, die der Brexit ebenso dämpfen wie die US-Handelssanktionen. „Die schwachen Exporterwartungen schlagen bei der Industrie besonders negativ zu Buche“, ergänzte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Stefan Dietzfelbinger. Bereits im Abschwung seien Metall- und Maschinenbau. Auch Chemie- und Pharmaunternehmen blickten mit Sorge in die Zukunft. Gut laufe es hingegen noch bei der Bauindustrie: Öffentliche Aufträge zur Sanierung der Infrastruktur ebenso wie das niedrige Zinsniveau machen vieles möglich. „38 Prozent der Unternehmen beschreiben ihre Geschäfts als ‚gut’“, so Landers. Das seien aber deutlich weniger als zu Jahresbeginn (48 Prozent). Der Konjunkturklimaindex der Ruhr-IHKs sank von 126 auf 110 Punkte. Angesichts einer vergleichsweise guten Beschäftigungslage profitieren immerhin Handel und Dienstleistungen noch von der Kauflaune der Konsumenten. Hier halten sich Optimisten und Pessimisten (noch) die Waage.

 
Den Konjunkturbericht „Lage der Ruhrwirtschaft“ stellte die in diesem Jahr federführende Niederrheinsche IHK im Pressegespräch vor: Zusammen mit Burkhard Landers und Dr. Stefan Dietzfelbinger standen Stefan Schreiber, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Dortmund (federführende IHK 2018) und Veronika Lühl, stv. Hauptgeschäftsführerin der IHK für Essen, Mülheim, Oberhausen (federführende IHK 2020), Rede und Antwort. An der Umfrage, die jeweils zum Jahresbeginn und im Herbst stattfindet, beteiligten sich rund 1.000 Unternehmen im ganzen Ruhrgebiet mit ca. 110.000 Beschäftigten.

 
Infrastrukturmaßnahmen dauern zu lange

Hauptgeschäftsführer Dr. Stefan Dietzfelbinger (l.) und IHK-Präsident Burkhard Landers (r.). Foto: Petra Grünendahl.

„Nach vielen Jahren eines Hochs stehen wir nun am Rande einer Rezession“, sagte IHK-Präsident Landers. Und: „Wir brauchen jetzt deutliche Impulse, um bei den Unternehmen das Vertrauen in die Zukunft zu fördern.“ Die Infrastruktur nannte Landers einen der Knackpunkte in einem industriellen Kernland wie NRW: „Unsere Straßen und Brücken, Schienen und Schleusen sind marode!“ Die Sperrung der A1-Brücke bei Leverkusen für die Lkw-Verkehr vor sieben (!) Jahren sei ein Weckruf für die Politik gewesen. Bund und Land stellen seitdem mehr Geld bereit. Schneller gingen Sanierung und Ersatzbau aber trotzdem nicht, so Landers. Fünf Wochen nach der Sperrung der Uerdinger Rheinbrücke für Lkw sei gerade mal der Schaden begutachtet, die Reparaturarbeiten aber immer noch nicht gestartet. Von einem Ersatzbau, der in wenigen Jahren an dieser Stelle fällig wird, reden wir noch gar nicht: „Wir brauchen ein vereinfachtes Verfahren für den Ersatzneubau“, zitierte er eine Grundforderung der IHK: „Da, wo schon eine Brücke steht, dürfen nicht die gleichen Maßstäbe angesetzt werden wie für die Planung auf einer grünen Wiese.“ In anderen Ländern sei man hier schon weiter: Infrastrukturprojekte werden weitaus zügiger umgesetzt als hierzulande. Da müsse die Politik mehr Mut zeigen, forderte der Unternehmer.

 
Gemeinsam für Gesamtinteressen eintreten

Burkhard Landers, Präsident der Niederrheinischen IHK. Foto: Petra Grünendahl.

Als großes Problem machte Landers die kleinteilige Interessenlage lokaler Bürgerinitiativen aus: „nicht in meinem Hinterhof“ sei die Devise, wo das Gesamtinteresse einer Region oberstes Ziel sein müsse. Dies hätte der für dieses Jahr geplante Regionalplan leisten können, der durch einen Ausgleich der Interessen Kommunen, aber auch Betrieben und Investoren Sicherheit bei der Entwicklung von Wohnen und Gewerbe gegeben hätte. Dass dieser Regionalplan nach 10 Jahren Arbeit gestoppt wurde, sei ein herber Rückschlag für die Region, so Landers, der Außenwirkung und Image beschädige. „Das Thema ist wichtig für unsere Region wie für ganz NRW“, sagte Landers. Mit der Ruhrkonferenz hatte die Landesregierung NRW vor einem Jahr eine Initiative gestartet, die die Ruhr-IHKs unterstützen: „“Wir brauchen eine gute Mischung aus Ambitionen und Investitionen“, so der IHK-Präsident, und: „Es muss darum gehen, heute die richtigen Schwerpunkte zu setzen.“

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)
 


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Loveparade-Strafprozess: Bereichsleiter der Unteren Bauaufsicht sagte aus

Zuwege kritisch, aber nicht Teil der Baugenehmigung
Von Petra Grünendahl

Der Loveparade-Strafprozess des Landgerichts Duisburg findet aus Platzgründen im CongressCenter der Messe Düsseldorf statt. Foto: Petra Grünendahl.

„Lange hatte Lopavent sich geweigert, einen Bauantrag einzureichen: ‚Wir bauen doch gar nicht!’ war das Argument der Mitarbeiter, aber auch der Anwälte des Veranstalters“, betonte Abteilungsleiter D. Sie wollten eine Veranstaltungsgenehmigung haben – wie für die Loveparade in Essen und Dortmund. In Duisburg waren die Voraussetzungen aber ganz anders: Der alte Güterbahnhof als geplantes Veranstaltungsgelände gehörte nicht zum öffentlichen Raum. Die Errichtung von Zelten und Aufbauten und schließlich die komplette Einzäunung des Geländes hatten es nötig gemacht, dass das Amt für Baurecht und Bauberatung eine Baugenehmigung erteilen musste: Für eine vorübergehende Nutzungsänderung als Veranstaltungsstätte (Sonderbauverordnung Teil I Versammlungsstätten). Die eigentliche Veranstaltungsplanung war bereits viele Monate unter der Führung und Koordination des Ordnungsamtes gelaufen, als Anfang 2010 die Bausicht ins Spiel kam.

 

Der Vorstizende Richter Mario Plein (mitte) mit zwei beisitzenden Richtern beim Loveparade-Strafprozess im Gerichtssaal im Congress Center Düsseldorf. Foto: Lars Heidrich / Funke Foto Services.

Der Abteilungsleiter Untere Bauaufsicht / Untere Denkmalbehörde des Duisburger Amtes für Baurecht und Bauberatung sagte im Strafprozess zur Loveparade-Katastrophe von 2010 vor der 6. große Strafkammer des Landgerichts Duisburg erstmals zur Sache aus. Der 60-Jährige Jurist hatte bis Jahresanfang zu den Angeklagten gehört. Gegen ihn war das Verfahren aber – wie gegen alle damaligen Mitarbeiter der Stadt sowie einen ehemaligen Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent – ohne Auflagen eingestellt worden. Gegen drei Angeklagte wird wegen fahrlässiger Tötung in 21 Fällen und fahrlässiger Körperverletzung weiter verhandelt: Sie waren damals als Mitarbeiter der Lopavent GmbH an den Planungen des Events beteiligt. Der Vorsitzende Richter Mario Plein ließ den Zeugen zunächst erzählen, welche Rolle er im Genehmigungsverfahren spielte, bevor er ihm aus Schriftstücken, Ermittlungsakten sowie Aussagen anderer Zeugen Sachverhalte vor hielt.

 
Genehmigung für bauliche Anlagen

Achter Jahrestag der Loveparade-Katastrophe: Nacht der 1.000 Lichter an der Gedenkstätte. Foto: Petra Grünendahl.

Nachdem sich im Lauf des Februars 2010 herauskristallisiert hatte, dass das Bauordnungsamt in die Vorbereitungen mit einzubeziehen sei, hatte am 2. März das erste Gespräch mit Vertretern des Bauamtes statt gefunden. Zwar hätten in der Folge die Mitarbeiter der Bauaufsicht schon mal Einblicke in Konzepte bekommen, erzählte D., aber: „Das sind alles Spekulationen gewesen, keine greifbaren Pläne. Ein prüffähiger Bauantrag lag erst am 10. Juni vor.“ Mit der Eingangsbestätigung vom 14. Juni forderte die Bauaufsicht weitere Unterlagen, die der Gesetzgeber für die Genehmigung forderte: Brandschutzkonzept, Rettungswege, Statik (für die Herrichtung des Geländes für Zuschauer und einer Fahrstrecke für 40-Tonner) und die Bestätigung des Veranstalters, dass er ein System zu Erfassung der Besucher installiert. „Ein Brandschutzkonzept oder die Statik können wir nicht selber machen, sondern wir fordern Gutachten an von staatlich anerkannten Sachverständigen“, so der Zeuge. Die seien dann ja auch vorgelegt worden.

Seien alle gesetzlich vorgeschriebenen Auflagen erfüllt, müsse die Bauaufsicht die Genehmigung erteilen, bekräftigte der Zeuge. Für die Genehmigung seien die Mitarbeiter des Sachgebietes verantwortlich gewesen: „Ich prüfe Bauanträge nicht selber, werde aber im Vorfeld oft um Einschätzungen in Rechtsfragen gebeten“, erklärte der Jurist seine eigene Rolle im Prozedere. „Meine Aufgabe sind rechtliche Bewertungen. Wir als Bauaufsicht genehmigen nur die bauliche Anlage eines Versammlungsortes – und keine Veranstaltung!“, erklärte der Bereichsleiter. „Ein Veranstalter hat viele Genehmigungen zu beantragen: Für eine Veranstaltung müssen andere Genehmigungen her.“

 
Zuwegung kein Thema für die Baugenehmigung

Die Rampe zum Loveparade-Gelände nach der Katastrophe. Foto: Petra Grünendahl.

Am Donnerstag vor der Loveparade sei er ein einziges Mal bei einer Begehung des alten Güterbahnhofsgeländes dabei gewesen: „Wir sind über den späteren VIP-Eingang gekommen.“ Die Rampe habe er persönlich früher mal in Augenschein genommen: für die Ansiedlung der Firma Stracke auf dem Gelände. „Wir waren nicht in die Planungen involviert. Unsere Arbeit endete mit der Baugenehmigung. Eine Mitarbeit im Krisenstab hätte keine Sinn gemacht, denn dort ging es um Besucherströme“, so D. Für Besucherströme und die Zuwegung zum Versammlungsgelände sei das Bauamt nicht zuständig. „Dass man sich über Personensteuerung Gedanken machen musste“, so Düster, habe er aus dem Seminar über „Großveranstaltungen im Freien“ mitgenommen. Hier seien Feuerwehr und Ordnungskräfte gefordert. „Das hat aber keine Auswirkungen auf die Baugenehmigung, weil der Gesetzgeber diesbezüglich keine Anforderungen macht.“

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)
 


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Deutsche Oper am Rhein: Publikum feierte Tschaikowskys „Pique Dame“ im Theater Duisburg

Das Spiel der zerstörten Träume
Von Petra Grünendahl

Sergej Khomov (Hermann), Chor der Deutschen Oper am Rhein FOTO: Hans Jörg Michel.

Unter der Venus von Moskau: Renée Morloc (Die Gräfin), Damen des Chores der Deutschen Oper am Rhein FOTO: Hans Jörg Michel.

So ein wenig wirkt er wie Woody Allen: Dunkle Brille, etwas längere Haare und ein brauner Cord-Anzug, der in einem von Bonbonfarben und Petticoat geprägtem Ambiente so fehl am Platz wirkt. Der mittellose, aber ehrgeizige Hermann (Sergej Khomov) ist der Außenseiter in einer reichen Gesellschaft. Er verleibt sich in Lisa (Natalia Muradymova), die Enkelin einer reichen Gräfin (Renée Morloc), die aber schon mit Fürst Jeletzki (Jorge Espino) verlobt ist. Graf Tomski (Stefan Heidemann) enthüllt die Vorgeschichte der Gräfin, in ihrer Jugend als „Venus von Moskau“ bekannt war. Im Tausch für eine gemeinsame Nacht hatte ihr der berüchtigte Graf von Saint-Germain das Geheimnis verraten, immer beim Kartenspiel zu gewinnen. Die „Pique Dame“ wurde damit reich. Hermann, der nüchtern und direkt, wie er ist, so gar nicht zu den ihn umgebenden Spielernaturen passt, will ihr dieses Geheimnis entlocken, um damit die unerreichbare Lisa, die auch ihm zugetan ist, zu gewinnen.

 

Sergej Khomov (Hermann), Johannes Preißinger (Tschekalinski), Bruno Vargas (Surin), Herren des Chores der Deutschen Oper am Rhein FOTO: Hans Jörg Michel.

Mit Peter I. Tschaikowskys (1840–1893) „Pique Dame“ startete die Deutsche Oper am Rhein in Duisburg in die neue Spielzeit. Das prachtvolle Spiel um Geld und Liebe ist die russische Antwort auf die Opulenz der französischen Grand Opéra. Tschaikowskys Bruder Modest hatte aus der gleichnamigen Novelle von Alexander Puschkin ein Libretto geschrieben, das der Komponist nach anfänglichem Zögern dann doch mit Leidenschaft vertonte. Auch ihm, der seine Homosexualität zeitweise sehr offen auslebte, war die Außenseiterrolle nicht fremd: Diese Oper – seine Zweite – war seine Lieblingsoper, die 1890 im Kaiserlichen Mariinski-Theater in St. Petersburg uraufgeführt worden war. Die Inszenierung der amerikanischen Regisseurin Lydia Steier transportiert die Handlung der Oper vom Ende des 18. Jahrhunderts in die 1950er-Jahre, die sie mit viel Opulenz und den Ausschweifungen der höheren Gesellschaft darstellt. Gesungen wird in russischer Sprache mit deutschen Übertiteln, die das Verständnis der Handlung erleichtern (an diesem Abend waren sie aber wegen technischer Probleme nur schlecht zu entziffern). Der grandiose Opernabend in sieben Bildern dauert mit einer Pause knappe 3¼ Stunden.

 
Die 1950er in Bonbonfarben und Petticoat

Renée Morloc (Die Gräfin), Chor der Deutschen Oper am Rhein, Statisterie FOTO: Hans Jörg Michel.

Die Operninszenierung spielt mit Zeitsprüngen zwischen einer Realität der Gegenwart und Phantasien einer noch pompöseren Vergangenheit, in denen der „Held“ nahtlos zwischen Wirklichkeit und Visionen bis hin zum Wahn hin und her gleitet. Letztendlich muss er scheitern, weil ihm das Spiel um Geld wichtiger wird als die Liebe, mit der er eine verzweifelte Lisa zurücklässt. Beim Glücksspiel gewinnt er zunächst mit den Karten, die ihm die alte Gräfin verraten hat. In der dritten Runde gewinnt das Ass, aber Hermann hatte versehentlich alles auf die Pik-Dame gesetzt.

 


Renée Morloc (Die Gräfin), Luis Fernando Piedra (Zermonienmeister), Statisterie, Chor der Deutschen Oper am Rhein FOTO: Hans Jörg Michel

Das Publikum feierte die hervorragenden Akteure zu Recht mit Szenenapplaus sowie mit einem lang anhaltenden Schlussapplaus. Gesanglich wie schauspielerisch überzeugten die Sänger auf ganzer Linie. In den großen opulenten Szenen mit üppigen Chorgesängen glänzten der Chor der Deutschen Oper am Rhein (unter der Leitung von Gerhard Michalski) und der Kinderchor der Akademie für Chor und Musiktheater aus Düsseldorf (unter der Leitung von Justine Wanat. Unter der Leitung von Kapellmeister Aziz Shokhakimov zeigten die Duisburger Philharmonikern bei lustvoll-leidenschaftlichen Klängen der Komposition ihre Klasse. Passend zur Inszenierung in den 1950er-Jahren sind viele der Kostüme von Ursula Kudrna im Rockabilly-Stil mit Bonbonfarben und Petticoats, für die Zeitsprünge dann wieder in prächtigem Barockstil gestaltet. Das variable Bühnenbild gestaltete Bärbl Hohmann. Effektvoll in Szene und ins rechte Licht gesetzt hat es Stefan Bolliger.

 
Ein kleiner Vorgeschmack:

 
Weitere Termine im Theater Duisburg:

Renée Morloc (Die Gräfin), Sergej Khomov (Hermann) FOTO: Hans Jörg Michel.

Natalia Muradymova (Lisa), Sergej Khomov (Hermann), Kinderstatist (Indianer) FOTO: Hans Jörg Michel.

Mi | 16. Oktober 2019 | 19:30 Uhr und
So | 8. Dezember 2019 | 15 Uhr.

 
Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten zwischen 17 und 67 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Hans Jörg Michel, Mannheim / Deutsche Oper am Rhein

 


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Marketing-Club Duisburg-Niederrhein diskutierte über das Image der Stadt

Duisburg hat viel zu bieten: Das müssen wir mehr nach außen transportieren!
Von Petra Grünendahl

Zum „Image der Stadt Duisburg“ standen auf dem Podium (v. l.): Andree Haack, Thomas Knabner, Alexander Kranki, Prof. Peter Kürble und Uwe Kluge. Foto: Petra Grünendahl.

„Das Image ist ein Fremdbild, bis man anfängt, sich selber darzustellen“, erklärte Prof. Peter Kürble, der in den 1980er-Jahren zum Studieren herkam und dem Duisburg seitdem ans Herz gewachsen ist. Natürlich sei nicht alles perfekt, aber vieles entwickle sich sehr positiv, waren sich die Podiumsteilnehmer einig. Ein vielschichtiges Image bestätigte der Stadt auch Wirtschaftsdezernent Andree Haack: Wirtschaft und Logistik zählten zu den Pluspunkten, Bevölkerungsarmut und hoher Migrantenanteil wirken nach außen eher negativ. „Das Bild, was woanders herrscht, passt nicht“, sagte Uwe Kluge. Vorurteile gebe es bei Leuten, die das aktuelle Duisburg nicht kannten, so der Tenor. Duisburg habe sich in den letzten 10, 20 Jahren gut entwickelt und viele Erfolgsgeschichten geschrieben.

 

Stellten sich den Fragen von Moderator Mario Mario (v. l.): Andree Haack, Uwe Kluge, Alexander Kranki und Thomas Knabner. Foto: Petra Grünendahl.

Zur Podiumsdiskussion „Image der Stadt Duisburg“ hatte der Marketing-Club Duisburg-Niederrhein ins Atrium des Tec-Tower (Tectrum Technologiezentrum für Duisburg) eingeladen. Das Podium war mit Vertreters aus Wirtschaft und Marketing gut besetzt: Wirtschaftsdezernent Andree Haack, DuisburgKontor-Geschäftsführer Uwe Kluge, Alexander Kranki (als Vorstand des Vereins Wirtschaft für Duisburg) und Thomas Knabner, Regionaldirektor Deutsche Hospitality (InterCity Hotels). Einen einleitenden Vortrag zum Thema „Was ist Image?“ hielt Prof. Dr. Dr. Peter Kürble, Marketing-Experte an der Hochschule für Oekonomie & Management (FOM Duisburg). Im Anschluss an die Podiumsrunde diskutierten die Teilnehmer mit einem interessierten und durchaus kritischen Publikum. Von den fünf Experten auf dem Podium, die alle ein aus eigener Erfahrung positives Bild von Duisburg vermittelten, ist nur einer im Stadtgebiet geboren. Da muss man sich die Frage stellen, ob es nicht gerade die (erfolgreichen) Zugewanderten sind, die Duisburg viel positiver und selbstbewusster nach außen tragen als so manch einer, der hier geboren ist!

 
Starke Bilder und Leuchtturm-Projekte

Moderator Mario Mais vom Vorstand des Marketing-Clubs leitete die Podiumsdiskussion. Foto: Petra Grünendahl.

„Für deutsche Kunden spielt der Standort schon eine Rolle“, sagte Alexander Kranki. Mit seinem Unternehmenssitz im Innenhafen kann er da punkten – und Ortsfremden eines der Highlights der Stadt präsentieren. „Ausländische Kunden kennen Duisburg eher gar nicht. Dafür ist in China das Duisburg-Bild positiv besetzt.“ Image entsteht durch Wahrnehmung, ein schlechtes Image durch Vorurteile. Duisburg habe viel zu bieten, sagte Marketing-Club-Präsident Marco Pfotenhauer: „Aber das reiche wohl nicht für ein gutes Image, denn zu wenig werden Duisburgs gute Seiten nach außen getragen.“ Auch manch ein Duisburger übernimmt ein schlechtes Bild von seiner Stadt aus der leider viel zu häufigen Negativdarstellung in überregionalen Medien. Hintere Plätze in irgendwelchen Rankings? Duisburg habe in Sachen Kultur nichts zu bieten, hatte es in einem Magazin geheißen, was definitiv von der Unkenntnis der Autoren zeugt! Man müsse mehr starke Bilder und Leuchttürme nach außen tragen: Projekte wie Duisburger Freiheit und 6-Seen-Wedau zum Beispiel. Der Landschaftspark Nord ist nach wie vor ein Magnet auch für Auswärtige: Viel zu wenig locken überregional die herausragenden Kulturangebote der Stadt: hier wäre mehr (und gebündeltes) Marketing nötig. „Zum Renner entwickelt sich der Fahrradtourismus“, erzählte Thomas Knabner, in dessen Intercity-Hotel am Hauptbahnhof extra Garagenflächen für Zweiräder eingerichtet wurden. Für den Tourismus sieht er in Duisburg noch Potenzial, denn die Stadt habe nicht nur viel, sondern auch Vielfältiges zu bieten: Industriekultur, klassische Kultur, Sport und Ausflugs/Freizeittourismus und: „die Besucher sind begeistert von der Herzlichkeit und Offenheit der Duisburger.“

 
Der Marketing-Club Duisburg-Niederrhein
Die regionale Berufsstandesorganisation in Duisburg wurde 2009 gegründet und ist als Mitglied im Deutschen Marketing Verband einer von 66 Clubs deutschlandweit. Der Marketing-Club ist der Weiterbildung seiner Mitglieder ebenso verpflichtet wie der Schaffung einer Kommunikationsplattform. Fast jeden Monat trifft sich der Marketing-Club Duisburg-Niederrhein zu überwiegend fachlich orientierten Besichtigungen oder Fachvorträgen in der ganzen Region. Informationen zu Themen, Veranstaltungen und Kontakten gibt es auf der Homepage des Clubs. Wer im Marketing tätig ist und sich für eine Mitgliedschaft im Marketing-Club interessiert, kann bei den monatlichen Treffen erste Kontakte knüpfen: Netzwerken lässt sich im Anschluss an den fachlichen Teil nämlich ganz hervorragend. Und natürlich lassen sich die fachlichen Fragen mit den jeweiligen Referenten in Einzelgesprächen noch vertiefen.

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)
 


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Rat der Stadt Duisburg: Doppelhaushaltsentwurf 2020/21 eingebracht

Zum fünften und sechsten Mal die Schwarze Null
Von Petra Grünendahl

Vor der Sitzung im Rat der Stadt Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

„Seit 2015 ist es uns gelungen, unsere Verschuldung um rund 430 Mio. Euro zu reduzieren. Das ist nicht Mittel zum Zweck, sondern verschafft uns wieder mehr Handlungsspielräume“, erklärte Oberbürgermeister Sören Link. So könne die Stadt zum Beispiel von Förderprogrammen des Landes und des Bundes profitieren, so der OB, weil sie sich den Eigenanteil leisten kann, ohne den sie diese Finanzspritzen nicht bekommt. Sowohl OB Link als auch Kämmerer Murrack kritisierten Bund und Land, die immer wieder Aufgaben auf die Kommunen abwälzten, ohne für eine ausreichende Finanzierung zu sorgen (Konnexiktätsprinzip: Wer die Musik bestellt, muss sie bezahlen!). Dies habe viele Kommunen insbesondere im Ruhrgebiet in die Überschuldung geführt. Von den 1,3 Mrd. Euro Kassenkrediten der Stadt Duisburg stammten, so Link, 722 Mio. Euro von Geldern, die die Stadt in den Aufbau Ost (Solidarpakt nach der Wiedervereinigung) zahlen musste.

 

Neu im Rat der Stadt: Oberbürgermeister Sören Link (3. v. l.) verpflichtete – v. l. – Angelika Röder (Bürgerlich-Liberale, HSV-Fraktion), Muhammet Keteci (SPD) und Stefanie Kreitz (CDU) als nachrückende Ratsleute. Foto: Petra Grünendahl.

Zur ersten Sitzung nach der Sommerpause legten Oberbürgermeister Sören Link und Stadtkämmerer Martin Murrack dem Rat der Stadt den Haushaltsentwurf für die Jahre 2020/21 (Doppelhaushalt) vor. Planerisch ist der Haushalt mit einem Aufwandsvolumen von 2 Mrd. Euro ausgeglichen: der fünfte und sechste in Folge. Im Jahr 2020 braucht es dazu noch Gelder aus dem Stärkungspakt Stadtfinanzen, 2021 muss es dann ohne diese Konsolidierungshilfe gehen. Das setzt aber eine unverändert positive Wirtschaftslage und gleich bleibend niedrige Zinsen voraus, um tatsächlich am Ende unterm Strich ein positive Jahresergebnis zu erzielen. Sonst sind die Zahlen schnell Makulatur. Der Rat beschloss einstimmig, diesen Entwurf an die Bezirksvertretungen, an die Fachausschüsse sowie an den Haupt- und Finanzausschuss zur Beratung zu überweisen.

 
Licht am Ende des Tunnels

Vor der Sitzung im Rat der Stadt Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Hilfen aus dem Stärkungspakt Stadtfinanzen sowie kommunale Sparrunden und die seinerzeitige Erhöhung der Grund- und Gewerbesteuer hätten Duisburg auf einen guten Weg gebraucht, durch Abbau von Schulden wieder mehr Freiheiten zur Gestaltung zu bekommen, sagte OB Link. „Es gibt ein Licht am Ende des Tunnels. Und wir sind diesem Licht in den vergangenen Jahren deutlich näher gekommen“, so der Oberbürgermeister. „Duisburg entwickelt sich gut und wir haben allen Grund, voller Zuversicht in die Zukunft zu blicken.“

 
Der unverschuldeten Altschuldenproblematik vieler Städte müssten sich Bund und Länder endlich stellen, forderte Martin Murrack. Dafür müssten aber, so der Stadtkämmerer, die Länder mitziehen: „Während in Hessen schon gehandelt wird, hat die Landesregierung in NRW noch immer keine geeigneten Vorschläge gemacht“, erklärte Murrack. Außerdem sind gerade Bund und Land dabei, die Kommunen wieder stärker zu belasten: Das Angehörigen-Entlastungs-Gesetz soll ebenso wie die in Düsseldorf angestrebte Reform zur Finanzierung der Straßenbaubeiträge Bürger entlasten: „Das ist gut und richtig!“, sagte der Oberbürgermeister. Weil dadurch der Stadt aber Einahmen entfielen und höherer Personalaufwand sogar teurer für die Stadt würde, so Sören Link, belaste es letztendlich doch wieder den Bürger, der die Zeche zahlen muss. Denn die Stadt kann sich das Geld ja nicht aus dem Ärmeln schütteln: es muss irgendwo her kommen. Seit Jahren schon verlangen Kommunalpolitiker aller Couleur eine verursachergerechte Regelung zur Finnanzierung von Landes- und Bundesgesetzen: „Sonst“, so OB Link, „stehen wir in 15 oder 20 Jahren wieder genauso da wie heute!“

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)
 


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Loveparade-Strafprozess: Bauamtsleiterin sagte aus

Es gab eine Baugenehmigung, keine Veranstaltungsgenehmigung!
Von Petra Grünendahl

Der Loveparade-Strafprozess vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg findet aus Platzgründen im Congress-Center der Düsseldorfer Messe statt. Foto: Petra Grünendahl.

„Ich möchte den Eltern mein Mitgefühl aussprechen: Ein Kind zu verlieren, ist wohl das Schlimmste, was einem passieren kann“, begann Bauamtsleiterin Anja Geer ihre Aussage. Sie fuhr fort, dass sie es für wichtig hielte, die Aufgaben des Amtes für Baurecht und das Prozedere der Baugenehmigung zu erklären: Allezu viele hätten ihrer Meinung nach eine falsche Vorstellung von dem, was ihr Amt zur Vorbereitung der Loveparade beigetragen habe. „Um auf einem geschlossenen Gelände eine Veranstaltung durchzuführen, braucht es eine Genehmigung nach Versammlungsstättenverordnung und nach Sonderbauverordnung. Nachdem feststand, dass das Gelände des alten Güterbahnhofs als Veranstaltungsgelände eingezäunt werden sollte, kam Anfang 2010 die Bauaufsicht in Spiel“, erzählte die Amtsleiterin. Schon viele Monate dauerten zu diesem Zeitpunkt Planungen und Vorbereitungen von Polizei, Feuerwehr und Ordnungsamt. Letztere sind für die Genehmigung einer Veranstaltung im öffentlichen Raum zuständig. Die Zuständigkeit für eine Genehmigung wechselte ebenso wie die Art der Genehmigung: „Wir planen keine Veranstaltung. Wir bekommen einen Bauantrag, den wir, wenn alle rechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind, genehmigen müssen“, umriss die Amtsleiterin die Aufgaben der Bauaufsicht. „Wir überprüfen nur, ob gesetzliche Anforderungen an Fläche, Gebäude oder bauliche Anlagen erfüllt sind.“

 

Der Vorstizende Richter Mario Plein (mitte) mit zwei beisitzenden Richtern beim Loveparade-Strafprozess im Gerichtssaal im Congress Center Düsseldorf. Foto: Lars Heidrich / Funke Foto Services.

Die Amtsleiterin des Duisburger Amtes für Baurecht und Bauberatung, Anja Geer, sagte im Strafprozess zur Loveparade-Katastrophe von 2010 vor der 6. große Strafkammer des Landgerichts Duisburg erstmals zur Sache aus. Die 51-Jährige hatte bis Jahresanfang zu den Angeklagten gehört. Gegen sie war das Verfahren aber – wie gegen alle damaligen Mitarbeiter der Stadt sowie einen ehemaligen Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent – ohne Auflagen eingestellt worden. Gegen drei Angeklagte wird wegen fahrlässiger Tötung in 21 Fällen und fahrlässiger Körperverletzung weiter verhandelt: Sie waren damals als Mitarbeiter der Lopavent GmbH an den Planungen des Events beteiligt. Der Vorsitzende Richter Mario Plein ließ die Zeugin zunächst erzählen, welche Rolle sie im Genehmigungsverfahren spielte, bevor er ihr aus Schriftstücken, Ermittlungsakten sowie Aussagen anderer Zeugen Sachverhalte vorhielt.

 
Wenig Kooperation vom Veranstalter: Wozu ein Bauantrag, wenn wir nicht bauen?

Gedenktstätte für Opfer der Loveparade 2010 in Duisburg am Alten Güterbahnhof.
Foto: Petra Grünendahl,

„Wir haben in den letzten Jahren viel zusammen gesessen und versucht zu klären, was passiert ist. Ich habe Dinge zur Kenntnis bekommen, die ich damals im Vorfeld der Loveparade nicht gewusst habe“, sagte die Zeugin. „Es ist schwer, heute zu differenzieren, was ich 2010 gewusst habe und was erst später.“

 
„Wir prüfen bei Veranstaltungsstätten nicht, ob die Veranstaltung problemlos verlaufen würde. Wir müssen ein Brandschutzkonzept haben, dass im Ernstfall eine Entfluchtung gefahrlos möglich ist“, erklärte die Amtsleiterin. Die Bauordnung verlange für die Genehmigung eines Bauantrages nicht, dass der Zugang zur Fläche überprüft wird: „Die Veranstaltungsfläche begann an der Rampe. Früh in der Planung war damit klar, dass die Tunnel nicht voll laufen durften. Dazu schrieb die Bauordnung Vereinzelungsanlagen vor, die aber nicht auf dem Veranstaltungsgelände, sondern im öffentlichen Raum installiert wurden“, sagte die Zeugin. Für die Sicherheit bei Großveranstaltungen im öffentlichen Raum ist das Ordnungsamt zuständig. „Wir sind davon ausgegangen, dass die Leute nicht ungebremst auf die Rampe kommen. Für uns war klar, da kümmern sich andere drum“, erklärte die Bauamtsleiterin die Zuständigkeiten der Fachleute von Ordnungsamt, Feuerwehr und Polizei für die Sicherheit der Zuwege.

 
Seit das Bauordnungsamt Anfang 2010 in das Genehmigungsverfahren involviert war, hätten ihre Mitarbeiter die Veranstalterin Lopavent mehrfach und immer wieder aufgefordert, eine Bauantrag einzureichen, damit ihre Behörde die Genehmigung des Güterbahnhofsgeländes als Veranstaltungsgelände prüfen könne: „Dies ist sowohl von der Kanzlei von Lopavent als auch von den Mitarbeitern immer wieder zurück gewiesen worden. Der Kooperationsvertrag der Ruhrgebietsstädte von 2007 hätte eine solche Vorgehensweise nicht vorgesehen, so die Lopavent-Argumentation.

 
Für die Sicherheit der Zu- und Abwege waren Fachleute gefragt

Gedenktstätte für Opfer der Loveparade 2010 in Duisburg am Alten Güterbahnhof.
Foto: Petra Grünendahl,

Ihr Amt habe Vereinzelungsanlagen an den Zugangsstrecken verlangt und auch, dass die Besucherzahlen erfasst würden: „Die technischen Möglichkeiten gab es schon damals, dies ohne hohen Zusatzaufwand zu machen“, so die Zeugin. Und mit Überschreiten der Besucherzahlen, für die das Gelände genehmigt war – 180.000 Besucher gleichzeitig –, hätte ein weiterer Zugang zum Gelände gesperrt werden müssen. Dies jedoch, so die Zeugin, lag in der Verantwortung des Veranstalters bzw. des Ordnungsamtes und der Polizei. „Für die Zugänge zum Gelände waren Fachleute verantwortlich. Denen hätten wir doch nicht sagen können, was geht und was nicht. Ein Zuständigkeitsvakuum für den Tunnel hat es nicht gegeben: Das war der Zuweg zum Veranstaltungsgelände, damit hatten wir nichts zu tun.“

 
„Es ist nicht unüblich, dass Bauherren große Vorhaben platzen lassen wollen, wenn sie Gegenwind bei der Baugenehmigung kriegen. Lopavent war in dieser Hinsicht ein ganz gewöhnlicher Bauherr“, erklärte die Amtsleiterin. Nur: „Die wollten nicht einsehen, dass sie einen Bauantrag einzureichen hatten. Das wäre nicht nötig: ‚Wir bauen doch gar nicht’ haben sie argumentiert.“ Dass sie einen solchen im Gegensatz zu Essen oder Dortmund einzureichen hatten, war der Tatsache geschuldet, dass die Veranstaltung dort im öffentlichen Raum stattfand. In Duisburg jedoch sollte die große Party auf einen eingezäunten Privatgelände steigen, für das eine Nutzungsänderung beantragt werden musste: Deswegen ein Bauantrag! Nachdem Lopavent und deren Anwälte monatelang von der Bauaufsicht ein „konstruktive Entgegenkommen“ gefordert hatten, reichten sie Anfang Juni schließlich doch einen Bauantrag ein. Erst jetzt konnte die Bauaufsicht diesen darauf hin prüfen, ob alle gesetzlichen Anforderungen an die Fläche erfüllt sind. Sicherheitsbedenken der Fachleute von Feuerwehr, Polizei oder Ordnungsamt spielten hierfür keine Rolle, denn für die Zuwegung galten andere Zuständigkeiten als für die Veranstaltungsfläche. „Wir haben nicht billigend in Kauf genommen, dass Menschen zu Schaden kommen, wie uns immer wieder vorgeworfen wurde. Ich wusste doch, dass sich Kinder meiner Mitarbeiter und meiner Freunde auf der Loveparade sein würden. Wenn sich jeder an Absprachen gehalten hätte, wäre nichts passiert“, ist sich die Zeugin sicher.

 
Man erinnere sich an Aussagen früherer Zeugen vor Gericht [den einen oder anderen haben wir hier auch dokumentiert], die vom unkoordinierten Öffnen und Schließen der Vereinzelungsanlagen und mangelhafter Kommunikation der vor Ort Verantwortlichen berichteten. So konnten Tunnel und Rampe voll laufen, was die Vereinzelungsanlagen und wenn nötig die Sperrung der Zuwege zum Gelände hätten verhindern sollen.

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)
Fotos: Petra Grünendahl (3). Lars Heidrich / Funke Foto Services (1)
 


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Lange Nacht der Industrie in Duisburg: ArcelorMittal öffnete sein Werkstor

Glühend heiße Farbspiele begeisterten die Besucher im Oxygenstahlwerk
Von Petra Grünendahl und André Sommer

Die Prozesse der Stahlproduktion sind elektronisch gesteuert, müssen aber von Mitarbeitern überwacht werden. Foto: Petra Grünendahl.

„Zunächst wird das angelieferte Roheisen in Gießpfannen umgefüllt und dann entschwefelt“, erzählte Heiner Buhren, als er mit den Besuchern im Oxygenstahlwerk den Prozess der Stahlerzeugung verfolgt. Das flüssige Roheisen wird seit 1994 nicht mehr am Standort produziert, sondern kommt in Torpedopfannen von den thyssenkrupp-Hochöfen in Bruckhausen oder Schwelgern. Während des Entschwefelungsprozesses wird Schrott wird in einen Konverter gefüllt. Der Schrott ist speziell zusammen gestellt für die zu erzielende Stahlsorte, dient aber auch der Kühlung im Konverter. Schließlich wird das Roheisen aus der Gießpfanne (oder Chargierpfanne) in den Konverter gefüllt, wo dann mit Lanzen aufgeblasener Sauerstoff den Kohlenstoffanteil des Roheisens reduziert (das hier angewandte TBM-Verfahren nach Thyssen-Blas-Metallurgie ist eine Variante des LD-Verfahren). Eine Argonspülung homogenisiert schließlich die Schmelze, bevor sie entgast, mit weiteren Zusatzstoffen veredelt und schließlich ein zweites Mal mit Argonspülung bearbeitet wird. Nach dem Oxygenstahlwerk geht es noch rüber zur Stranggießanlage, wo der Stahl zu Knüppeln vergossen wird.

Heiner Buhren führte eine Besuchergruppe durch die Stahlproduktion. Foto: Petra Grünendahl.

Im Rahmen der neunten Langen Nacht der Industrie öffneten auch Betriebe in Duisburg ihre Tore für Besucher: Zum dritten Mal war das Stahlwerk von ArcelorMittal in Ruhrort (das eigentlich in Laar liegt) dabei. Insgesamt kamen knapp 60 Besucher in den Genuss, geführt von Heiner Buhren und Norbert Fleischer, beides ehemalige Mitarbeiter von ArcelorMittal (so genannte Bären-Führer), die Stahlproduktion aus erster Hand zu erleben und erklärt zu bekommen. In Duisburg wird bei ArcelorMittal hochwertiges Vormaterial in Form von Langprodukten für die weiterverarbeitende Industrie hergestellt. Ein Teil der Produktion geht von hier direkt zum Kunden. Der Großteil jedoch wird entweder im Knüppelwalzwerk weiterverarbeitet oder geht als Vormaterial ins Drahtwalzwerk. Auch hier entsteht jedoch noch kein Endprodukt, sondern ebenfalls ein Vormaterial zum weiteren Verarbeitung. Von rund 2.500 Stahlsorten kann ArcelorMittal am Standort Ruhrort 400 Legierungen produzieren und liefern. Den Produktionsablauf für die Stahlerzeugung zeigt ArcelorMittal hier in einer Flash-Animation).

Lange Nacht der Industrie bei ArcelorMittal in Ruhrort: Die orange-glühenden Farbspiele der Stahlproduktion begeisterten die Besucher. Fotos: Petra Grünendahl.

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Die ArcelorMittal Duisburg GmbH und der Konzern

Die Prozesse der Stahlproduktion sind elektronisch gesteuert, müssen aber von Mitarbeitern überwacht werden. Foto: Petra Grünendahl.

Der heutige Standort ArcelorMittal Ruhrort (liegt größtenteils in Laar) wurde 1852 als Phoenix Anonyme Gesellschaft für Bergbau und Hüttenbetrieb gegründet. Der Name änderte sich im Laufe der Jahrzehnte mehrfach nach Fusionen und Umfirmierungen: unter anderem Vereinigte Stahlwerke AG Hütte Ruhrort- Meiderich, Hüttenwerke Phoenix AG, Phoenix Rheinrohr AG und schließlich nach der Verschmelzung der Phoenix Rheinrohr AG mit der ATH 1970 zu August-Thyssen-Hütte AG Hochofenwerk Ruhrort/Meiderich. Im Jahr 1997 übernahm die ISPAT-Gruppe den Standort als ISPAT Stahlwerk Ruhrort GmbH. Den Hochofenbetrieb hatte schon Thyssen 1994 eingestellt: das Roheisen kommt seitdem den Thyssen-Hochöfen aus Hamborn.

 

Die Prozesse der Stahlproduktion sind elektronisch gesteuert, müssen aber von Mitarbeitern überwacht werden. Foto: Petra Grünendahl.

Zusammen mit dem Stahlwerk Ruhrort kam auch das 1851 in Hochfeld als Niederrheinische Hütte gegründeten Werk Hochfeld der Thyssen Stahl AG zur ISPAT-Gruppe, aus der später durch Fusionen Mittal Steel und dann ArcelorMittal wurde. Als 2013 die neue Drahtstraße in Ruhrort in Betrieb ging, schloss man den Standort Hochfeld endgültig. Auf Teilen des alten Firmenareals wurde der Rheinpark angelegt. Der Betrieb der ArcelorMittal Ruhrort GmbH ging auf die ArcelorMittal Hochfeld GmbH als dem operativen Teil der ArcelorMittal Duisburg GmbH über. Der Rest wartet auf eine Nachnutzung.

 

Umfüllen des Rohstahls in die Gießpfanne. Foto: Petra Grünendahl.

Im Werk Ruhrort arbeiten fast 1.000 Mitarbeiter. Mit einer Produktion von 1,12 Mio. Tonnen erwirtschaften sie einen Umsatz von 723 Mio Euro (Zahlen von 2018). Jährlich starten hier mindestens 15 junge Leute ihre Ausbildung in gewerblich-technischen und kaufmännischen Berufen. „Die Ausbildungsgänge dauern drei bis dreieinhalb Jahre, können bei entsprechenden Leistungen durch eine vorgezogene Prüfung verkürzt werden“, erzählte Verena Kempken, verantwortlich für den Bereich Berufsbildung und Organisatorin der „Lange Nacht“-Tour in Ruhrort. Die Zahl der Ausbildungsplätze – aktuell sind 55 Azubis in Ruhrort beschäftigt – orientierten sich am eigenen Bedarf und dürften in den kommenden Jahren wegen des demografischen Wandels steigen, so Kempken. Auch akademische Nachwuchskräfte sind gefragt: Sie entwickelt man zu Fach- und Führungskräften. Weiterbildungen qualifizieren Mitarbeiter für technische Veränderungen und betriebliche Erfordernisse.
https://duisburg.arcelormittal.com

 

Der Rohstahl wird zu Knüppeln vergossen. Foto: Petra Grünendahl.

ArcelorMittal ist mit 200.000 Mitarbeitern in 60 Ländern der größte Stahlkonzern weltweit. Arcelor entstand 2001 durch den Zusammenschluss von Arbed (ein luxemburgischer Stahlkonzern), Aceralia (ein spanischer Stahl-Konzern) und Usinor (ein französischer Stahlkonzer). Mittal Steel gründete sich in 2004, als ISPAT International (die zu 77 Prozent von Lakshmi Mittal kontrolliert wurde) die LNM Holdings (nach dem Eigentümer Lakshmi Niwas Mittal) und die amerikanische International Steel Group (ISG) übernahm. Die beiden so entstandenen Konzerne (weltweit die Stahlproduzenten Nr. 1 und 2) fusionierten 2006 zum ArcelorMittal-Konzern. Der Hauptsitz befindet sich in Luxemburg-Stadt.

© 2019 Petra Grünendahl und André Sommer (Text)
Fotos: Petra Grünendahl
 


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Grafschafter Museums- und Geschichtsverein stellte „Moerser Ansichten 2020” vor

Kalender auch im sechsten Jahr mit 13 neuen Motiven und Moerser Anekdötchen
Von Petra Grünendahl

Das Kreisständehaus wurde 1900 gebaut (heute: Altes Landratsamt). Quelle: GMGV.

„Auch in unserem neuen Kalender ‚Moerser Ansichten 2020’ gibt es keine Bilder, die früher schon mal veröffentlicht waren“, bekräftigte Dr.Wilfried Scholten, stellvertretender Vorsitzender des Grafschafter Museums- und Geschichtsvereins (GMGV). Dies, so Scholten, sei immer wieder eine Herausforderung. Der ehemalige Studiendirektor des Städtischen Gymnasiums in den Filder Benden hat wie in den Vorjahren die Motive ausgewählt und als profunder Kenner der Moerser Geschichte mit informativen Anekdoten versehen, die ihre historische Bedeutung einordnen. Da erfährt auch der kundige Betrachter Neues zu ihm bekannten Motiven und Hintergründe für Problematiken der Stadt von heute: „Ich würde mir wünschen, dass man sich bei Neugestaltungen in der Stadt mehr Gedanken macht, was man abreißen sollte und was nicht“, erklärte Scholten, der historisch Bedeutsames gerne der Nachwelt erhalten will.

Schacht V der Zeche Rheinpreußen in Repelen/Utfort (heute befindet sich dort der Businesspark Eurotec). Quelle: GMGV.

Bereits zum sechsten Mal hat der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e. V. einen großformatigen Wandkalender mit Motiven aus der Moerser Geschichte vorgelegt. „Schatzmeister Frank Heinrich hatte vor sechs Jahren die Idee, die damals noch mit finanzieller Hilfe der Volksbank Niederrhein realisiert worden war“, erzählte Peter Boschheidgen, Vorsitzender des Vereins, bei der Vorstellung des Kalenders im Rittersaal des Moerser Schlosses. Finanziell trägt sich der Kalender mittlerweile von alleine. Der Überschuss fließt in die Vereinsarbeit: historische Dokumente und Informationen suchen und sichern sowie sie der Öffentlichkeit zugänglich machen. Dies geschieht über die vereinseigenen Exponate im Grafschafter Museum, der Pflege und Instandhaltung des Industriedenkmals am Schacht IV sowie über Publikationen von Artikeln oder Büchern, aber eben auch mit diesem Kalender, dessen Wert über das Jahr seiner „Nutzung“ weit hinaus reicht.

 
Sammlerstück in sechster Auflage

Bergmannssiedlung Meerbeck-Hochstraß. Quelle: GMGV.

Neben dem Vereinsarchiv, der Sammlung des Grafschafter Museums und dem Stadtarchiv hat Wilfried Scholten auch Privatarchive sichten und auswerten können wie die private Sammlung Schröder-Schulze oder das Archiv des Sammlers Gregor Boese, der unter www.mattorn.de seine Sammlung auch einer interessierten Öffentlichkeit zeigt. Häufig kann Scholten bei der Auswahl auf die Motive zweier bedeutender Fotografen zurück greifen, die Moers fotografisch dokumentiert haben: Wilhelm Bergmann gründete sein Atelier in den 1860er-Jahren, sein Nachfolger Ewald Steiger übernahm 1900.

 

Klosterstraße um 1900. Foto: Ewald Steiger / GMGV.

Dreizehn Motive findet der Betrachter in den „Moerser Ansichten 2020“: ein Titelbild und zwölf kundig betexte Fotos für die einzelnen Monate. Die ausgewählten Fotografien hat Ingo Plückhahn für die Veröffentlichung im Kalender digital bearbeitet und von den allzu häufig vorhandenen Kratzern befreit, so dass die Bilder in einer optischen Qualität erstrahlen, als wären sie gerade erst gemacht. Darüber hinaus zeichnet er auch für Layout, Gestaltung und Satz verantwortlich. So entstand ein hochwertiger Kalender, der nach seinem „Ablauf“ den Status Sammlerstück verdient hat.

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Steinstraße Anfang des 20. Jahrhundert. Quelle: GMGV.

Die „Moerser Ansichten 2020“ gibt es im Format A3 in einer Auflage von 500 Exemplaren. Sie sind zum Preis von 9,95 Euro zu haben. Zu kaufen gibt es den Kalender unter anderem im Grafschafter Museum, in lokalen Buchhandlungen, in der Stadtinformation sowie am vom Verein betreuten Industriedenkmal Schacht IV an der Zechenstraße 50 (hier allerdings nur noch bis Oktober, siehe unten).

Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e. V.

Das Amtsgericht von 1913. Quelle: GMGV.

Der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e.V. hat es sich mit Gründung 1904 zur Aufgabe gemacht, Geschichte und Kultur der Grafschaft Moers zu schützen und zu erhalten. Neben dem Grafschafter Museum im Schloss Moers gehört auch das Industriedenkmals Rheinpreußen Schacht IV dazu, für das der GMGV erst Ende der 1990er-Jahre die Nutzungsrechte übertragen bekam. Das Nutzungsrecht für den Standort schließt den Erhalt des Industriedenkmals ebenso ein wie die Pflege der Vergangenheit, hat doch der Bergbau die Region massiv geprägt und Moers zu dem gemacht, was es heute ist. Ehrenamtlich führen Mitglieder des GMGV durch die Sammlung und erklären interessierten Besuchern Anlagen und Maschinen sowie die Bergbau-Sammlung, die Vereinsmitglieder hier zusammen getragen haben. Das Industriedenkmal ist von Mai bis Oktober jedem Sonntag von 13 bis 16 Uhr geöffnet.
https://gmgv-moers.de/

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e. V.
 


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Museum DKM in Duisburg zeigt Erwin Wortelkamp: Ein ganzes Leben für die Kunst

Kunst im Dialog mit ihrer Umgebung
Von Petra Grünendahl

Erwin Wortelkamp im Museum DKM: Raum 1 mit Skulptur -Architektur. Foto: Museum DKM.

Auftakt von Erwin Wortelkamps raumbezogenen Konzeption ist die gekalkte Eichenskulptur „Skulptur – Architektur“ von 2001, die wiederum einen Pfeiler benutzt, um Halt zu finden. In diesem Raum probiert die Skulptur „Stand- und Spielbein einen“ vorsichtigen Schritt, der ihr erstmals im Arp Museum 2009 gelang. In Korrespondenz zu den beiden sehr unterschiedlichen Positionen wirken die skizzenhaften Zeichnungen filigran: Sie beziehen sich auf Filarete, den Bildhauer, Architekten und Theoretiker der Renaissance, und erinnern an anfängliche Studien zu Grundproblemen des Bauens. Wortelkamp setzt diese Skizzen für seine Gestaltungsideen ein. Die Ummantelungen der 70-iger Jahre scheinen einen direkten Bezug zu den Papierarbeiten zu nehmen. Kleine, entsprechend zugeschnittene Eisenflächen sind so verschweißt, dass sie einen Mantel bilden, gleich einer neuen Haut für das Baum/Astfragment. Sie gehören zu den ersten Beispielen, der sich immer noch fortsetzenden Skulpturengruppe der „Angelehnten“.

Die „Orangen für Hans von Marßee“ des Bildhauers Erwin Wortelkamp mit Bildern von Hans von Marée mit dem wiederkehrenden Motiv von Orangen (r.) sowie Papierarbeiten und Prägedrucken (l.). Foro: Petra Grünendahl.

Erwin Wortelkamp im Museum DKM: Raum 2 mit den Orangen für Hans von Marées. Foto: Museum DKM.

Das Museum DKM widmet dem Bildhauer Erwin Wortelkamp eine umfassende Werkschau auf der gesamten, sechs Räume umfassenden Wechselausstellungsfläche. Die Arbeiten umfassen eine über 40-jährige Schaffensphase, von den siebziger Jahren bis heute. Erwin Wortelkamp bevorzugt für seine autonomen Skulpturen seit Jahrzehnten besondere Innen- und Außenräume. Dabei reize ihn besonders, seine Werke, die direkt aus dem Atelier kommen, in den unterschiedlichsten Umgebungen zu zeigen, so der Künstler: „Ich will meine Arbeiten gerne in anderen Wirkungszusammenhängen sehen“, sagte er. In ihrer damaligen Galerie DKM im Innenhafen hatten die Museumsgründer bereits 2001 die Raum füllende Arbeit „Skulptur – Architektur“ des Künstlers gezeigt. Diese bildete den Abschluss einer Ausstellung seiner Werke im Lehmbruck Museum, die den Stadtraum bis zum Innenhafen nutzte. Sie hätten ihren Part damals als einen Höhepunkt der Werkschau empfunden, so Klaus Maas.

 
Der Künstler und Bildhauer

Erwin Wortelkamp im Museum DKM: Raum 2 mit den Orangen für Hans von Marées. Foto: Museum DKM.

Erwin Wortelkamp im Museum DKM: Raum 6. Foto: Museum DKM.

Erwin Wortelkamp (*1938) hat 1965 seine Studien in München bei dem international bekannten dänischen Eisen-Bildhauer Robert Jakobsen abgeschlossen. Er beherrscht den Umgang mit Holz und Eisen, mit denen er divergierende skulpturale Konzeptionen realisiert. Das Wilhelm Lehmbruck Museum zeigte 2001 in Kooperation mit dem Albertinum Dresden sein vielseitiges Werk. Erwin Wortelkamp hat zusammen mit seiner Familie den größten privaten Skulpturenpark Deutschlands geschaffen: Seit 1986 entwickelt sich die 11 Hektar große Anlage „im Tal“ in Hasselbach/Werkhausen, die im Norden von Rheinland-Pfalz nahe der Grenze zu Nordrhein-Westfalen liegt. Von den bisher 50 beteiligten Künstlern, Schriftstellern und Architekten kommt etwa die Hälfte aus Nordrhein-Westfalen. Die Sammler und Museumsgründer Dirk Krämer und Klaus Maas verfolgen das Werk des Bildhauers Erwin Wortelkamp bereits seit zwanzig Jahren. Unter den Künstlern, die Wortelkamp eingeladen hat, Arbeiten im Tal zu realisieren, befinden sich mit Johannes Brus, Bogomir Ecker, Barbara Köhler und Claudia Terstappen Positionen, die regelmäßig mit Installationen oder Einzelausstellungen im Museum DKM vertreten sind.

 
Museum DKM

Erwin Wortelkamp im Museum DKM: Raum 5 mit Kopf – Köpfe. Foto: Museum DKM.

Die Sonderausstellung von Erwin Wortelkamp ist im Museums DKM bis zum 1. März 2020 in den Wechselausstellungsräumen in Erdgeschoss zu sehen. Regulär geöffnet hat das private Museum DKM der Stifter Klaus Maas und Dirk Krämer an der Güntherstraße 13-15 im Dellviertel samstags, sonntags und an Feiertagen zwischen 12 und 18 Uhr sowie jeden ersten Freitag im Monat ebenfalls zwischen 12 und 18 Uhr*. Montags bis freitags wird ansonsten nur nach Vereinbarung für Gruppen geöffnet*. Der Eintritt kostet 12 Euro (ermäßigt 6 Euro, für Schüler und Studenten bis 28 Jahre), Kinder bis 7 Jahre haben freien Eintritt. Für Gruppen (zw. 10 und 15 Personen) gibt es einen Gruppentarif (10 Euro pro Person) zzgl. einer (kostenpflichtigen) Führung. Eine Jahreskarte** kostet 100 Euro. Die Teilnahme an der Freitagsführung kostet 6 Euro zusätzlich zum Eintritt. Weitere Infos gibt es hier.
 
*) An folgenden Tagen haben ist grundsätzlich geschlossen: 24. bis 26. Dezember, 31. Dezember und 1. Januar.
**) Nicht übertragbar, berechtigt zum kostenlosen Eintritt während der regulären Öffnungszeiten.
 
© 2019 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (1), Museum DKM (5)+
 


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Loveparade-Strafprozess: Duisburgs ehemaliger Baudezernent Jürgen Dressler sagte aus

An Planung, Genehmigung und Durchführung nicht beteiligt
Von Petra Grünendahl

Aus Platzgründen findet das Strafverfahren gegen vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent und sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg im CongressCenter der Messe Düsseldorf (CCD) statt. Foto: Petra Grünendahl.

Wenn mich die Staatsanwaltschaft Köln bei ihren Ermittlungen vernommen hätte, wüssten Sie, dass ich nichts zur Aufklärung beitragen kann”, erklärte Duisburgs ehemaliger Baudezernent Jürgen Dressler. Der heute 72-Jährigen sagte zum ersten Mal zu den Geschehnissen vor und bei der Loveparade 2010 im Gerichtssaal aus. Eine frühere Vernehmung habe es zu seinem Bedauern nicht gegeben. Gleich zu Beginn stellte Dressler klar, dass er weder an der Planung noch an Genehmigung oder Durchführung der Loveparade in irgendeiner Art und Weise beteiligt gewesen sei. Die drei noch verbliebenen Angeklagten, die als Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent in die Planungen eingebunden waren, habe er erst im Verfahren auf der Anklagebank kennen gelernt, erklärte er. Über ein „Guten Tag“ und „Wie geht’s?“ hinaus, so Dressler, habe er keinerlei Kontakt zu ihnen gehabt. Am Tag der Loveparade habe er zu Hause den Geburtstag seiner Frau gefeiert, sagte der Pensionär. Am Morgen des Folgetags habe Oberbürgermeister Adolf Sauerland ihn angerufen und gebeten, an der Pressekonferenz teilzunehmen. „Das habe ich abgelehnt“, so Dressler.

Der Vorsitzende Richter Mario Plein von der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg, flankiert von zwei beisitzenden Richterinnen beim Loveparade-Strafprozess. Foto: Lars Heidrich / Funke Foto Services.

Im Strafprozess zur Loveparade-Katastrophe von 2010 hatte die die 6. große Strafkammer des Landgerichts Duisburg den damaligen Baudezernenten Jürgen Dressler als Zeugen geladen. Gegen sieben der zehn Angeklagten – darunter auch Dressler – war zu Jahresbeginn das Verfahren ohne Auflagen eingestellt worden. Die Übrigen wollten sich nicht auf eine Verfahrenseinstellung gegen Auflagen einlassen, so dass gegen die drei damaligen Mitarbeiter der Lopavent GmbH wird wegen fahrlässiger Tötung in 21 Fällen und fahrlässiger Körperverletzung weiter verhandelt wird. Nach dem ehemaligen Kreativdirektor der Lovavent, der im Mai ausgesagt hatte, ist Dressler jetzt der erste der ehemaligen Angeklagten aus Reihen der Stadt Duisburg, die in den Zeugenstand geladen werden. Der Vorsitzende Richter Mario Plein ließ Dressler wie gehabt zunächst erzählen, wie er mit der Loveparade in Verbindung gestanden hatte, bevor er gezielt nachfragte und ihm aus den Ermittlungsakten Sachverhalte vorhielt.

Dresslers freie Erzählung war kurz: zu den Sachverhalten von Planung, Genehmigung und Durchführung könne er keine Aussage machen, da er nicht involviert gewesen sei. Interessante Angaben machte er trotzdem: So war ihm von Rainer Wendt, dem aus Duisburg stammenden Bundesvorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft, zugetragen worden, dass es einen Beschluss im NRW-Innenministerium gegeben habe, dass nicht gegen die Polizei ermittelt würde. Zu Beginn der Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft Köln war auch nur gegen einen Polizeibeamten ermittelt, dass Verfahren aber vor der Klageerhebung eingestellt worden.

 
Bauaufsicht dem Ordnungsdezernenten unterstellt

Gedenktstätte für Opfer der Loveparade 2010 in Duisburg am Alten Güterbahnhof.
Foto: Petra Grünendahl,

Mehrfach wehrte sich Jürgen Dressler gegen die Wortwahl des Richters, das Amt für Baurecht und Bauberatung (Amt 62) habe zu seiner Zuständigkeit gehört und sei im unterstellt gewesen. „Die Bauaufsicht ist eine staatliche Aufgabe, die der Bezirksregierung unterstellt ist“, machte er klar, auch wenn die Ansiedlung des Amtes in seinem Dezernat andere Schlüsse zuließe. Seine Aktenvermerke auf Schriftstücken in den Ermittlungsakten seien Sachverhalte, auf die ihn seine Amtsleiterin hingewiesen hatte, und Entgegnungen (Remonstrationen) gewesen, weil „seinem“ Amt 62 unterstellt worden war, inkompetent und borniert zu sein: „Die Bauaufsicht dient nicht der Beliebigkeit der Antragsteller“, machte Dressler klar. Ein Entgegenkommen in Sicherheitsfragen, um die Veranstaltung zu ermöglichen, hatte die Mitarbeiter zu Recht abgelehnt. Das Bauordnungsamt sei keine planende Behörde, sondern eine genehmigende Behörde: „Die Nutzbarkeit des Geländes für eine Veranstaltung zu prüfen, ist die Aufgabe der Bauaufsicht nach der Versammlungsstättenverordnung“, so Dressler. Man habe weder die Veranstaltung geplant noch eine Veranstaltungsgenehmigung erteilt, sondern eine Baugenehmigung für die vorübergehende Nutzungsänderung eines geschlossenen (Privat-)Geländes. Und als Baugenehmigung sei sie mit der Sorgfalt höchst kompetenter Sachbearbeiter geprüft worden, verteidigte Dressler die Mitarbeiter der Bauaufsicht.

 
Politisch gewollt

Rathaus am Burgplatz. Foto: Petra Grünendahl.

Die Veranstaltung sei politisch gewollt gewesen als Leuchtturmprojekt im Kulturhauptstadtjahr: Nicht nur von der Landesregierung unter Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU), sondern auch von den Parteien in Duisburg: „Einen Erfolg der Loveparade sollte sich besonders für die CDU positiv auswirken“, so Dressler wörtlich. Auch bei den anderen Parteien habe es keine Opposition zur Loveparade gegeben: Keine Partei wollte allein der CDU das Sonnen im Erfolg gönnen oder zum Spielverderber werden für das große Techno-Spektakel.

Unmittelbaren Druck habe er allerdings nicht bemerkt, auch wenn der damalige Ordnungsdezernent Wolfgang Rabe als verantwortlicher Koordinator der Planungen immer wieder hervorgehoben hatte, dass Oberbürgermeister Adolf Sauerland die Veranstaltung wünsche und man dem Veranstalter entgegen kommen müsse. Außer Bedenken vom ehemaligen Polizeipräsidenten Rolf Cebin, zu dem er damals in seiner Nachbarschaft Kontakt hatte, seien ihm keine Bedenken bekannt gewesen, sagte Dressler. Und auch die von Cebin habe er nur in einem persönlichen Gespräch auf der Straße wahrgenommen. Was wenig wundert, denn nach eigener Aussage war Dressler in die Vorbereitungen nicht involviert gewesen. Die Zuständigkeit für Amt 62 (Bauaufsicht) im Zusammenhang mit der Baugenehmigung für den alten Güterbahnhof hatte OB Sauerland am 3. März 2010 an den Beigeordneten Rabe delegiert, der den Lenkungskreis für Planungen und Genehmigung koordinierte. Das entsprechende Schriftstück findet sich in den Ermittlungsakten und wurde auch hier wieder zitiert. Da wundert sich der Beobachter schon, warum Jürgen Dressler überhaupt auf der Anklagebank gesessen hatte!

© 2019 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (x), Lars Heidirch / Funke Foto Services (1)
 


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Deltaport Niederrheinhäfen boten Einblicke in ihre Entwicklungen vor Ort

Baureife Flächen mit Wasseranschluss und
überregionaler Verkehrsanbindung

Von Petra Grünendahl

Stadthafen Wesel. Foto: Petra Grünendahl.

Andreas Stolte, Geschäftsführer der DeltaPort Niederrheinhäfen GmbH und der DeltaPort GmbH & Co. KG. Foto: Petra Grünendahl.

„Auf diesem Areal hatte sich eigentlich ein Futtermittelhersteller ansiedeln wollen, aber nachdem deren Absatz sank, haben sie ihr jüngstes Erweiterungsprojekt gestoppt“, erzählte Andreas Stolte, Geschäftsführer der DeltaPort Niederrheinhäfen GmbH, im Stadthafen Wesel. Das war der einzige Wehrmutstropfen, über den Stolte zu berichten hatte. Dafür steht jetzt ein Filet-Stück mit trimodaler Anbindung im Stadthafen Wesel für eine Neuansiedlung zur Verfügung. Die komplette Kaimauer war erst zwischen 2013 und 2015 erneuert worden, als Hülskens dort auch seine neue Salzverladung baute: Rund 1 Mio. Tonnen Salz aus Rheinberg-Borth werden mittlerweile hier verladen. „Saniert haben wir auch die Gleisanlagen im Hafen und die Gleise bis zum Bahnhof Wesel, wo die Güterzüge ins Netz der Deutschen Bahn wechseln“, berichtete Dieter Thurm, Technischer Leiter der Deltaport GmbH & Co. KG. „Die 300 Meter neue Kaimauer im Rhein-Lippe-Hafen sind im vergangenen Jahr fertig geworden“, erzählte Thurm. Sie dient der Schwergut-Verladung bei Hegmann Transit.

Auf der River Lady gingen rund 200 Gäste auf die Tour „Deltaport vor Ort“. Foto: Petra Grünendahl.

Rhein-Lippe-Hafen in Wesel. Foto: Petra Grünendahl.

Bereits zum siebten Mal (und zum zweiten Mal unter dem Dach der Hafenkooperation DeltaPort Niederrheinhäfen) hatte DeltaPort zu seinem Traditions-Event geladen, rund 200 Gästen aus Politik, Verwaltung und Logistik-Branche die Entwicklung seiner Hafenstandorte „vor Ort“ zu präsentieren. Die Schiffstour mit der River Lady ging vom Anleger an der Weseler Rheinpromenade Richtung Süden über den Stadthafen und den Rhein-Lippe-Hafen (ehemals Ölhafen) in Wesel sowie den Hafen Emmelsum in Voerde bis zum Hafen Rheinberg-Orsoy. Neben Andreas Stolte und Dieter Thurm sprachen auch Vertreter von Kooperationspartnern und Hafenanliegern über ihre Unternehmen, die Entwicklungen ihrer Ansiedlungen und Pläne für Erweiterungen. Dabei bekamen die Gäste einen kleinen Einblick, in welche Richtung die Entwicklung der Häfen gehen soll: Eine weitere Diversifizierung des Ladegutes durch neue Ansiedlungen sowie Engagement in Zukunftsfeldern wie Kühllogistik, Digitalisierung und Nachhaltigkeit (insbesondere in Zusammenarbeit mit Kooperationspartner Hafen Rotterdam) standen ganz oben auf der Agenda.

 
Die DeltaPort Niederrheinhäfen

Hafen Voerde-Emmelsum. Foto: Petra Grünendahl.

Die DeltaPort Niederrheinhäfen GmbH ist ein Anfang 2018 gegründeter Zusammenschluss der DeltaPort-Häfen (Stadthafen und Rhein-Lippe-Hafen in Wesel sowie Hafen Voerde-Emmelsum) mit den Häfen Emmerich und dem NIAG-Hafen Rheinberg-Orsoy. Ziel der Gesellschafter des Hafenverbundes – DeltaPort GmbH & Co. KG, NIAG Niederrheinische Verkehrsbetriebe AG und Port Emmerich GmbH – ist es, die Binnenhäfen am Niederrhein zu stärken. Gemeinsam bilden die Partner das gesamte Umschlag-Portfolio ab: Von Schüttgütern über Stück- und Schwergut bis zu Flüssiggütern und Containern. Der Güterumschlag betrug im letzten Jahr 7,5 Mio. Tonnen – mit deutlichem Wachstum vor allem beim Massengut (Schütt- und Flüssiggütern) von 13 Prozent und bei Containern von 23 Prozent.

NIAG-Hafen Rheinberg-Orsoy. Foto: Petra Grünendahl.

Die Niederrheinhäfen liegen im Hinterland der Überseehäfen von Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen (ARA). Alle fünf Hafenstandorte profitieren von ihrer Lage jenseits des staubelasteten Ruhrgebiets mit einer hervorragenden Anbindung an überregionale Verkehrswege. Ihre überwiegend trimodale Infrastruktur prädestiniert sie als Drehscheibe für Warenverteilströme, aber auch für Mehrwerte schaffende Unternehmen, die hafenaffine Produktion ansiedeln wollen. Mit Leuchtturmprojekten wie EcoPort 813 und dem Förderprogramm „Innovative Hafentechnologien“ besetzen sie Zukunftsthemen wie Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Insgesamt verfügt DeltaPort aktuell über 81 Hektar baureife Flächen am Wasser.
www.deltaport-niederrheinhaefen.de

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© 2019 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (6), DeltaPort (Luftbilder)
 


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Erzieher-Fachklasse vom Sophie-Scholl-Berufskolleg gestaltete Antikriegstag des DGB Niederrhein

Erinnern heißt mahnen: „Es ist wichtig, dass sich junge Menschen damit beschäftigen”
Von Petra Grünendahl

Schüler der Fachklasse Erzieher stellten ihr Kunstprojekt über Sophie Scholl und Anne Frank bei der traditionellen Antikriegstags-Veranstaltung im Ratssaal vor. Foto: Petra Grünendahl.

Die angehenden Erzieher hatten sich im Kunstunterricht mit der Lehrerin Rita Glaser für ein Kunstprojekt mit Anne Frank und Sophie Scholl, Namensgeberin ihrer Schule, beschäftigt. Zur künstlerischen Auseinandersetzung kam die Beschäftigung mit den persönlichen Geschichten, die beide – wenn auch aus unterschiedlichen Gründen – zu Opfern des Nationalsozialismus werden ließ. „Es ist wichtig, dass sich junge Menschen damit beschäftigen“, sagte Angelika Wagner, Vorsitzende des DGB Niederrhein. Denn die Erinnerung mahnt, dass so etwas nicht wieder geschieht. Die Ergebnisse des Kunstprojekts waren am 12. Juni in einer Ausstellung an der Schule in Marxloh zu sehen, wo das Sophie-Scholl-Berufskolleg als Musterbeispiel gelebter Vielfalt gilt. Einen Teil der Exponate hatten die Schüler mit ins Rathaus gebracht und im bzw. vor dem Ratssaal aufgebaut. In einem Gemeinschaftsvortrag stellten Vertreter des Kunstkurses das Projekt dem Publikum vor.

Schüler der Fachklasse Erzieher stellten ihr Kunstprojekt über Sophie Scholl und Anne Frank bei der traditionellen Antikriegstags-Veranstaltung im Ratssaal vor. Foto: Petra Grünendahl.

Zum Antikriegstag hatte der DGB Niederrhein in den Ratssaal der Stadt Duisburg zu seiner Traditionsveranstaltung eingeladen. Angelika Wagner und Bürgermeister Manfred Osenger als Vertreter der Stadt warnten vor der Spaltung der Gesellschaft: Mit Verschwörungstheorien und Lügen würden heute wieder Menschen gegeneinander ausgespielt. Umso wichtiger, dass sich die EU, seit über 70 Jahren Garant für den Frieden in Europa, dem Rechtspopulismus entgegen stelle: „Wieder lassen sich Menschen hier und woanders von Verschwörungstheorien, Lügen und Menschenfeindlichkeit verführen“, sagte Osenger. „Der Antikriegstag gewinnt an Bedeutung, weil die Zahl der bewaffneten Konflikte wächst. Immer mehr Menschen fliehen vor Krieg“, so Osenger. Das Wettrüsten ist weltweit im Gange, Rüstungsausgaben so hoch wie seit dem Ende des Kalten Krieges nicht mehr: „Dieses Geld kann man viel sinnvoller in Bildung investieren, oder in die Pflege mit ordentliche bezahlten Arbeitsplätzen“, so Angelika Wagner. Sie warnte, dass Demokratie, Freiheit und Frieden keine Selbstverständlichkeit seien, sondern mitunter erkämpft werden müssten.

 
Kranzniederlegung am Mahnmal

Kranzniederlegung mit Schülern und Gästen an der Ruhrorter Straße (v. l.): Angelika Wagner (DGB), Vildan Güngör, Angelina Thill, Bürgermeister Manfred Osenger und Alexandra Orekou. Foto: Petra Grünendahl.

Musikalisch begleitet die Veranstaltung traditionell der Stattchor. Zum Abschluss der Veranstaltung legten der DGB, die SPD-Ratsfraktion und die Stadt Duisburg am Mahnmal für die ermordeten Gewerkschafter an der Ruhrorter Straße Kränze nieder. Die Niederlegung ehrt traditionell stellvertretend alle Opfer des Krieges und des Nationalsozialismus. Das Mahnmal „Erfahrbare Wände“ von Gabriella Fekete – vier leere Stühle vor Steinblöcken – steht auf der Ruhrorter Straße vor dem Haus Nummer 11, wo damals das Gewerkschaftshaus stand. Dort im Keller waren die Duisburger Gewerkschafter Julius Birck, Emil Rentmeister, Johann Schlösser und Michael Rodenstock gefoltert und ermordet und anschließend im Hünxer Wald verscharrt worden (siehe Schriftenreihe der DGB Jugend Duisburg: Broschüre „2. Mai 1933 – Tatort Duisburg“).

Impressionen von der Veranstaltung. Fotos: Petra Grünendahl.

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Wanheimerorter Bürgerverein ehrt Günter Zirbi mit dem Bürgerpreis

Als Netzwerker bemüht um Konsenz jenseits
politischer und religiöser Überzeugungen

Von Petra Grünendahl

Preisverleihung in Wanheimerort (v. l.): Torsten Steinke, Vorsitzender des Wanheimerorter Bürgervereins, Laudator Wolfgang Braun und mit Preisträger Günter Zirbi. Foto: Petra Grünendahl.

Günter Zirbi, der neue Träger des Bürgerpreises. Foto: Petra Grünendahl.

„Günter Zirbi war immer ein guter Netzwerker, ein Strippenzieher im positiven Sinne“, sagte Laudator Wolfgang Braun über den neuen Träger des Wanheimerorter Bürgerpreises. Seit über 20 Jahren kennt Laudator Braun den Wanheimerorter, hat mit ihm im Regionalverein von Gegen Vergessen – Für Demokratie e. V. zusammen gearbeitet. Viele Jahre war Zirbi Braun Stellvertreter als Sprecher des Vereins, engagierte sich im Kampf gegen Rechts. Braun lobte den neuen Preisträger als konsequent, geradlinig und direkt: „Er ist kompromissfähig, ohne seine Überzeugung aufzugeben.“ Zu seinen vielen ehrenamtliche – auch politischen – Engagements zählen 30 Jahre beim Politischen Nachtgebet und seine Zeit als Vorsitzender der KAP Duisburg (Katholische Arbeitnehmer-Bewegung). Seine eigene Überzeugung habe ihn nie abgehalten, so der Laudator, mit Vertretern anderer Religionen oder demokratischen Parteien gemeinsame Wege zu suchen und zu finden.

Torsten Steinke, Vorsitzender des Wanheimerorter Bürgervereins, ehrte Günter Zirbi mit dem Bürgerpreis 2019. Foto: Petra Grünendahl.

Der Wanheimerorter Bürgerverein von 1874 e. V. hatte in den Gemeindesaal von St. Michael eingeladen, um mit Günter Zirbi eine Person zu ehren, die sich um den Stadtteil Wanheimerort (und darüber hinaus) verdient gemacht hat. Der Wanheimerorter Bürgerpreis wird seit 1994 verliehen an Einzelpersonen oder Organisationen. Der Bürgervereinsvorsitzende Torsten Steinke zeichnete des 26. Träger dieses Preises aus, der anlässlich des 120. Vereinsjubiläums ins Leben gerufen worden war. Wanheimerort ist als Siedlung erst 1871 entstanden und damit einer der jüngsten Duisburger Stadtteile, verfügt aber über einen der beiden ältesten Bürgervereine Duisburgs. „Wir brauchen solche politisch engagierten Menschen in einer Zeit, in der Gedankengut der Vergangenheit wieder Fuß fassen will“, erklärte Torsten Steinke die Auswahl des Bürgervereins-Gesamtvorstandes aus den eingereichten Vorschlägen. Steinke dankte dem Verein Gegen Vergessen – Mehr Demokratie e. V. für die Hilfe, die der Bürgerverein unter anderem für eine Gegenveranstaltung zur Nazi-Demo am 1. Mai erhalten hatte.

Den musikalischen Rahmen zur Verleihung des Wanheimerorter Bürgerpreises gestaltete die Formation Faelend. Foto: Petra Grünendahl.

Für die musikalische Begleitung der Ehrung hatte Torsten Steinke die Formation Faelend gewinnen können: Sie interpretieren Tolkiens Ring-Saga musikalisch (Music from the Dark Elves). Ihr vielfältiges Repertoire reicht von rockig bis sanft mit einem Gesang in elbischer Sprache, ist aber keinem Genre zuzuordnen. Der vergleichsweise kleine Gemeindesaal war für die in großer Besetzung erschienen Elben-Musiker akustisch eine Herausforderung, die sie zur Begeisterung des Publikums trefflich meisterten.

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Caravan Salon 2019 Düsseldorf eröffnet am Wochenende fürs Publikum

Das Caravaning wird farbiger
Von Petra Grünendahl

Impressionen vom Caravan Salon. Fotos: Petra Grünendahl.

„Auf den Stellplatz am Strand rangiert es sich leicht, doch wie kommt man vom Sand wieder weg?“, fragte Joachim Baumgartner, Geschäftsführer von Concorde, bei der Pressekonferenz rhetorisch. Eine Lösung präsentierte der mittelständische Hersteller von Reisemobilen im Luxus-Premium-Segment auf dem Caravan Salon: Seinen neuen Allrad-SUV-Siebentonner (mit einer Anhängelast von 3,5 Tonnen gebremst). Immer mehr Hersteller bringen mittlerweile geländegängige Camper und Reisemobile (4×4 Allroad) auf den Markt. Aber der Caravan Salon hat natürlich noch viel mehr zu bieten: Das Spektrum riecht von der kleinen Knutschkugel zum stattlichen Wohnwagen von bis 12 Metern Länge, vom ausgebauten Kastenwagen als Wohnmobil für ein oder zwei Personen, dem umgebauten Van oder Transporter bis hin zum Riesenmobil auf Lkw-Basis. In Düsseldorf präsentiert sich die Branche von ihrer vielfältigen und natürlich schillernden Seite. Sie spricht nicht nur den kleine Camper an, sondern auch Menschen, die unterwegs auf keinen Luxus verzichten wollen. Von wenigen Tausend Euro bis hin zu über 1,5 Mio. Euro reicht die Preisspanne. Auch wenn man sich die meisten dieser Mobile sich nicht leisten kann: Mal gucken lohnt sich!

Impressionen vom Caravan Salon. Fotos: Petra Grünendahl.

Die Branche ist wieder zu Hause in ihrem Wohnzimmer: Am Wochenende öffnet der Caravan Salon unter dem Motto „In der Welt zu Hause“ auf der Messe in Düsseldorf seine Pforten. Alle Größen der Branche – von Knaus Tabbert, Dethleffs, Bürstner, Hymer oder Carthago bis Reimo, Adria, La Strada, Fendt oder Niesmann & Bischof sowie Fiat, Ford, Mercedes, Peugeot, Renault oder VW Nutzfahrzeuge, um hier nur eine Auswahl zu nennen – präsentieren ihr aktuelles Programm ebenso wie Neuheiten und Innovationen. Nach dem Fachbesuchertag zum Auftakt können nun auch Camping-Fans und Wohnmobil-Interessierte eine breite Palette dessen begutachten, was an Neuheiten auf den Markt kommt: Reisemobile und Wohnwagen aller Größen und Klassen vom Einsteiger für kleineres Geld bis Premium-Luxus stehen im Mittelpunkt der Schau. Darüber hinaus gibt es Technik und Zubehör, Zelte und Falt-Caravans. Aber auch mit Themenspektren wie Telekommunikation und Konnektivität, Sicherheit, Ökologie und Elektromobilität stellen sich die Hersteller und Zulieferer dar.

Impressionen vom Caravan Salon. Fotos: Petra Grünendahl.

Zu den Features mit Zukunftspotenzial gehört das 48-Volt-Netz im Wohnwagen, das den Betrieb eines Kühlschranks ebenso ermöglicht wie den Elektroherd (also das gasfreie Kochen). Ein weiterer Trend fällt auf: neben Weiß und Hellgrau gibt es viele Reisemobile mittlerweile auch Farben wie Schwarz, dunkleren Grautönen und sogar Blau oder Rot. In der Starter Welt (Halle 18) gibt es eine Beratung für Caravan- und Camping-Einsteiger. Auf insgesamt 214.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche zeigen mehr als 130 Marken über 2.100 Freizeit-Fahrzeuge aller Art. Aufgrund zahlreicher Jubiläen – von 15 bis 175 Jahre – bieten Hersteller Sonder-Editionen an. Der Caravan Salon ist auch immer eine Verkaufsmesse: Zu „Messe-Preisen“ gibt es das eine oder andere Modell schon mal günstiger – zumindest in seinem jeweiligen Preissegment.

Impressionen vom Caravan Salon. Fotos: Petra Grünendahl.

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Öffnungszeiten und Preise

Impressionen vom Caravan Salon. Fotos: Petra Grünendahl.

Noch bis zum Sonntag, 8. September, läuft der Caravan Salon in Düsseldorf. Ab Freitag, 6. September, kommt zum Caravan Salon noch die TourNatur in Messehalle 6 dazu. Tageskarten gibt es zum Preis von 18 Euro, ermäßigt 15 Euro (online gekauft für 15 bzw. 11 Euro, weitere Ermäßigungen gibt es hier). Geöffnet ist der Caravan Salon täglich von 10 bis 18 Uhr. Das Messegelände an der Stockumer Kirchstraße in der Nachbarstadt ist von Duisburg sehr gut und stressfrei mit der U79 (Haltestelle: Messe Ost / Stockumer Kirchstraße) zu erreichen. Weitere Informationen gibt es im hier.

© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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NetzwerkForum SchifffahrtHafenLogistik: Logistik-Cluster NRW trifft sich zum 11. Mal in Duisburg

Binnenschifffahrt als Wirtschaftsfaktor für den Klimawandel
Von Petra Grünendahl

Ingo Brauckmann, Logistik-CEO bei thyssenkrupp Steel Europe. Foto. Petra Grünendahl.

Die Niederrheinische IHK an der Mercatorstaße. Foto: Petra Grünendahl.

„Rund 80 Prozent unserer Gütertransporte gehen über Binnenschiff oder Bahn“, verwies Ingo Brauckmann, CEO des Geschäftsbereichs Logistik bei thyssenkrupp Steel Europe AG (TKSE), auf den großen Anteil an umweltfreundlichen Transportkapazitäten. „Selbst bei einem Rhein-Niedrigwasser vom 1,50 Meter können wir 90 Prozent unserer Produktion aufrecht erhalten, allerdings müssen wir dann viel über die Schiene leiten“, so Brauckmann. Das koste sehr viel Geld, so der Logistik-CEO. Niedrigwasser auf dem Rhein gab es immer schon, aber seit Trocken-Perioden als Folge des Klimawandels zunehmen, verschärfen sich auch Niedrigwasserstände. Das trifft nicht nur die Industrie, sondern auch die überwiegend mittelständisch geprägte Binnenschifffahrt – und das gerade in NRW: Die Binnenschifffahrt hat hierzulande einen Anteil von 30 Prozent am Gütertransport (bundesweit sind es nur 8 Prozent). NRW hat ein gut ausgebautes Wasserstraßennetz von 720 Kilometern mit 120 Häfen (23 öffentliche und 97 private), in denen Warenumschlag auf andere Verkehrsträger für die letzten Meilen stattfindet. Dass sich Nachhaltigkeit bei thyssenkrupp Steel Europe nicht nur auf Gütertransporte beschränkt, zeigte Brauckmann in den Standortplanungen für den Duisburger Norden auf: „Bis 2050 wollen wir durch neue Produktionsverfahren, die wir hier entwickeln, den CO2-Ausstoß bei der Stahlproduktion auf Null reduzierten“, so Brauckmann. Bis 2030 solle der Ausstoß um 30 Prozent reduziert sein. Um dieses Ziel zu erreichen, investiere TKSE bis 2050 rund 10 Mrd. Euro, verriet der Logistiker.

VVWL-Geschäftsführer Dr. Christoph Kösters (l.) und IHK-Präsident Burkhard Landers (r.) betrüßten NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser zum NetzwerkForum. Foto: Petra Grünendahl.

Zum Thema “Maritime Logistikstandorte – Klimawandel und Standortpolitik” hatte das Kompetenznetz Logistik.NRW Logistikfachleute aus Industrie und Transportwirtschaft nach Duisburg eingeladen. Bereits zum 11. Mal arbeitete der Verband Verkehrswirtschaft und Logistik NRW e. V. (VVWL) mit der Niederrheinischen IHK als Gastgeber zusammen. Die Traditionsveranstaltung lockt Verantwortliche aus Logistikbranche und Industrie ebenso wie von Verbänden, aus Politik und Verwaltung. Die Organisatoren hatten ein hochkarätiges Podium gewonnen, Sachfragen der maritimen Logistik darzustellen und mit dem Publikum zu diskutieren.

 
Zielgerechte Maßnahmen als Antwort auf den Klimawandel

NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser. Foto: Petra Grünendahl.

Während Ingo Brauckmann in seinem Eingangsstatement den Fokus auf Nachhaltigkeit am Industrie- und Logistikstandort NRW legte, stellte Ursula Heinen-Esser, NRW-Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz, die Standort- und Klimapolitik ihrer Regierung vor. Sie unterstrich den Stellenwert, den sie der Industrie und Logistik für den Wirtschaftsstandort NRW zumisst. Die Ministerin unterstrich ihr Bestreben, bei Lösungen für den Klimaschutz zielgerechte Maßnahmen suchen zu wollen, um mögliche negative Auswirkungen an anderer Stelle zu vermeiden. Anpassungen an den Klimawandel seien in allen Bereichen nötig, so die Ministerin. Eine CO2-Steuer, so deutete sie an, halte sie für weniger Ziel führend als eine Form es Emissionshandels, wie er an anderer Stelle schon praktiziert wird. Wobei Ingo Brauckmann auch deutlich machte, dass Industrieproduktion in Deutschland durchaus umweltfreundlich ist: „Stahlproduktion ist keine Old Economy! Stahl ist ein hochmoderner Werkstoff, den wir in Deutschland in großen Mengen brauchen“, so Brauckmann. Ihn hier zu produzieren statt zu importieren, entlaste die Umwelt. Allerdings, so sagte er auch: „Wir brauchen ein Bekenntnis für den Standort und Hilfe von der Politik, die Stahlindustrie in Deutschland halten zu wollen.“

 
Zwei Podiumsrunden in der Diskussion mit dem Publikum

Das Podiium „Praxis und Politik im Dialog“ (v. l.): Ulrich Reuter, Ingo Brauckmann, Sebastian Reimann, Ursula Heinen-Esser und Steffen Bauer. Foto: Petra Grünendahl.

Das Podium „Masterpläne Eisenbahn und Binnenschifffahrt“ (v. l.): Werner Spionkowski, Roberto Spranzi, Wolfgang Birlin, Sebastian Reimann, Dr. Arndt Glowacki und Achim Wehrmann. Foto: Petra Grünendahl.

Zum Thema „Standortpolitik und maritimer Logistik- und Wirtschaftsstandort NRW“ diskutierten die Eingangsreferenten mit weiteren Vertretern aus Politik und Wirtschaft sowie dem Publikum. Steffen Bauer, Senior Vice President für den Bereich Schifffahrt bei Imperial Logistics International, sowie Ulrich Reuter, MdL, Sprecher Binnenschifffahrt der FDP-Landtagsfraktion, komplettierten mit Moderator Sebastian Reimann, Chefredakteur der Deutschen Verkehrs-Zeitung (DVZ) das Podium. Eine zweite Podiumsrunde diskutierte die jüngst aufgestellten „Masterpläne Eisenbahn und Binnenschifffahrt – ein Erfolgsmodell?“. Hier trafen Vertreter aus Wirtschaft und Logistik – Dr. Arndt Glowacki, Logistik-Direktor bei Evonik und Vorsitzender der Arbeitgemeinschaft Häfen in NRW im Bundesverband Öffentlicher Häfen, Roberto Spranzi, Vorstand der DTG Deutsche Transport-Genossenschaft Binnenschifffahrt eG und Vize-Präsident des Bundesverbandes der deutschen Binnenschifffahrt, Wolfgang Birlin, Geschäftsführer der RheinCargo, dem Zusammenschluss der Häfen Köln, Düsseldorf und Neuss, Werner Spionkowski, Geschäftsführer der Ruhrmann Logistik in Dortmund – auf Achim Wehrmann, Stv. Abteilungsleiter Wasserstraßen und Schifffahrt im Bundesverkehrsministerium. Alle begrüßten auf Aufstellung der Masterpläne, deren Erfolge aber natürlich die Umsetzung gebunden sind. Hierzu forderte die Wirtschaft mehr Planungskapazitäten für die Behörden, um Maßnahmen schneller realisieren zu können. Insbesondere eine Rheinsohlenstabilisierung (Rheinvertiefung) in Nordrhein-Westfalen dürfe nicht solange dauern wie die Elbvertiefung, da sich die Problematik Niedrigwasser verschärften wird. Der Sommer 2018 dürfte so manchen Bürger noch in Erinnerung sein, als die wegen des Niedrigwassers sinkenden Gütermengen für Sprit-Knappheit an den Tankstellen und somit für steigende Preise sorgten.

© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)
 


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Jüdische Gemeinde feierte 10 Jahre Gemeindekindergarten mit Eltern und Gästen

Gelebte Vielfalt als Spiegel der Duisburger Geschichte
Von Petra Grünendahl

Die Kinder singen zum Akkordeon-Spiel von Boris Orentlicher ein Lied zur Begrüßung. Foto: Petra Grünendahl.

„Ich wäre jetzt gerne mit den Kindern gegangen”, begann Pfarrer Christian Schulte von der Liebfrauen Kirche in Duisburg sein Grußwort. „Man hört: die haben Spaß!“ Angesichts der Hitze hielten sich alle Redner kurz, denn schließlich sollte die Feier des 10-jährigen Bestehens des Jüdischen Gemeindekindergartens im Mittelpunkt stehen. Mit dem Kindergarten hat die Jüdische Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen nach der Ansiedlung im Innenhafen zehn Jahre zuvor einen zweiten Ankerpunkt in der Mitte der Duisburger Gesellschaft gesetzt. Allerdings achtet auch hier (wie am Gemeindezentrum) ein Sicherheitsdienst darauf, wer Zugang bekommt. „Beschämend für unsere Gesellschaft“, nannte es Bildungsdezernent Thomas Krützberg, wobei er hier nicht (!) die Duisburger meinte. An die gemeinsamen Wurzeln von Christentum und Judentum erinnerte Pfarrerin Ute Sawatzki vom Evangelischen Kirchenkreis: „Jesus war Jude!“

Gruppenbild mit Erziehern und Kindern: Pfarrerin Ute Sawatzki (2. v. l.), Pfarrer Christian Schulte (3. v. r.), Heike Kaminski (2. v. r.) und Thomas Krützberg (r.). Foto: Petra Grünendahl.

Zehn Jahre nach Eröffnung seines Kindergartens hatte die Jüdische Gemeinde Kinder, Eltern und Erzieher, Wegbereiter der Einrichtung und Vertreter von Verwaltung, Gesellschaft und Kirchen eingeladen, dieses Jubiläum zu feiern. Der Kindergarten hat sich in diesen 10 Jahren mit gelebter Vielfalt etabliert und ist Teil der Gesellschaft geworden. Der erste Gemeindekindergarten der Nachkriegszeit war der lang gehegte Traum des damaligen Gemeindevorsitzenden Jacques Marx gewesen, unter dessen Ägide sich diese 1999 in einem neuen Gemeindezentrum im Innenhafen angesiedelt hatte. Die offizielle Eröffnung des Kindergartens am 17. August 2019 war so etwas wie eine Rückkehr zur Normalität, zu der jüdisches Leben über Jahrhunderte in Duisburg gehörte.

 
Pädagogisches Konzept, Respekt und Wertschätzung für alle

Der ehemalige Gemeindevorsitzende Jacques Marx mit der ersten Kindergarten-Leiterin Dariya Itunina (m.) sowie der heutigen Leiterin Viktoriya Ladyzhensky (r.). Foto: Petra Grünendahl.

Nachdem der Liebfrauen-Kindergarten 2009 ins Forum Duisburg umgezogen war, übernahm die Jüdische Gemeinde die verlassene Einrichtung samt einem großen Außengelände. Nach einem symbolischen ersten Spatenstich durch Jacques Marx und den damaligen Stadtdechanten Bernhard Lücking baute man die Einrichtung um: Hier galt es schließlich Landesvorgaben im Kinderbildungsgesetz (KiBiz) zu erfüllen. Mit 45 Plätzen für Kinder von U3 bis zur Einschulung reichen die Kapazitäten allerdings schon lange nicht mehr für die hohe Nachfrage aus.

Der Gemeindekindergarten ein „jüdisches Haus“, das sich nach dem jüdischen Kalenderzyklus richtet. Foto: Petra Grünendahl.

Zwar ist der Gemeindekindergarten ein „jüdisches Haus“, das sich ausschließlich nach dem jüdischen Kalenderzyklus richtet, mit dem Schwerpunkt der Vermittlung von jüdischem Wissen, Normen und Werten. Aber der Gemeindevorstand hat von Anfang an einen besonderen Wert auf die Vielfalt gelegt, die Menschen unterschiedler Herkunft und unterschiedlichen Glaubens mitbringen: „Weder Kinder noch die Erzieher müssen jüdischen Glaubens sein – und es sind sowohl Christen als auch Muslime dabei“, erzählte Heike Kaminski, seit elf Jahren Assistentin der Gemeinde-Geschäftsführung (heute Alexander Drehmann, davor Michael Rubinstein).

Mit Eltern, Erziehern, Kindern und Gästen feierte die Jüdische Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen das 10-jährige Bestehen ihres Kindergartens. Foto: Petra Grünendahl.

Heike Kaminski hat die Einrichtung von Anfang an begleitet. Sie berichtete vom Beschluss zur Errichtung eines Kindergartens im November 2008 und davon, dass im Mai 2009 „die Elterninitiative Kinderhaus 05 auf uns zutrat, mit der Anfrage, ob wir sowohl die Kinder als auch das Personal übernehmen könnten. Damit hatten wir nicht nur genügend Anmeldungen, sondern auch das erste Erzieher-Team komplett.“ Kaminski dankte dem Diakonischen Werk: „Sie haben uns sinnbildlich an die Hand genommen, bis wir unsere ersten Schritte selber gehen konnten.“ Der Betrieb eines Kindergartens stellt schließlich Anforderungen, die über die Aufgaben einer Kirchengemeinde hinaus gehen. „Vorbild unserer pädagogischen Arbeit und für den Blick aufs Kind ist Janusz Korczak, der berühmte jüdische Kinderarzt und Pädagoge“, so Kaminski. Das pädagogische Konzept und die gelebte Vielfalt überzeugen viele Eltern.

Die Gemeinde würde ihre Einrichtung gerne erweitern, um mehr Kinder annehmen zu können: „Wir müssen leider sehr viele ablehnen, weil unsere Einrichtung nur für 45 Kinder ausgebaut ist“, sagte Kaminski. Dass man gerne auf 60 Kinder erweitern würde, begrüßte auch Thomas Krützberg, der die Unterstützung der Stadt zusicherte. Der Jüdische Kindergarten ist mehr als nur Teil einer lebendigen jüdischen Gemeinde in Duisburg. Vernetzt ist er auch überkonfessionell: als Teil der Trägerkonferenz und Leitungskonferenz des Evangelischen Kirchenkreises. Der Gemeindekindergarten ist eine Erfolgsgeschichte nicht nur für die Jüdische Gemeinde, sondern auch für die Stadtgesellschaft. Denn, so hatte Jacques Marx zur Eröffnung vor 10 Jahren gesagt: „die Kinder sind unsere Zukunft!“

© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)
 


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Industrielles Welterbe in Belgien Teil 2: Schiffshebewerke in der Wallonie

Bootstour vom Giganten Strépy-Thieu
zu den historischen Schiffshebewerken

Von Petra Grünendahl