Lesetipp: „Die Ruhr und ihr Gebiet“ von der Brost-Stiftung

Jahrhunderte spannender Entwicklungen in Geschichten und Bildern
Von Petra Grünendahl

Die inszenierte Ruhrquelle bei Winterberg im Sauerland 2020. Aufnahme von Martin Schlauch. Foto: Petra Grünendahl.

Die Ruhr steht Namen gebend für das Ruhrgebiet, welches sie im Süden durchzieht: Sie verbindet auf 219 km Länge das Sauerland / Westfalen mit Duisburg und dem Rheinland. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts bildete sich in dem ehemals ländlichen Raum ausgehend von den Steinkohlefunden an der Ruhr ein Ballungsgebiet bis zur Lippe, das von Bergbau und Hüttenindustrie geprägt wurde. Diese Region zwischen Ruhr und Lippe, Moers und Hamm meint man heute mit der Bezeichnung Ruhrgebiet (und klammert den sauerländischen Flusslauf aus): Genau genommen müsste man sie aber eher als Emschergebiet bezeichnen, denn hier im Norden hatte sich die Wandlung zur Industrieregion, die man mit dem Ruhrgebiet assoziiert, tatsächlich vollzogen. Die Region wurde zum Herzstück der Industrie im Deutschen Reich, der Bundesrepublik Deutschland und Europas. Die Schiffbarmachung der Ruhr 1776-1780 ermöglichte, den Fluss als Transportweg insbesondere für den im 19. Jahrhundert entlang der Ruhr entstehenden Bergbau zu nutzen. Die Wirtschaftsinteressen der Region standen dabei im Vordergrund.

 

Im Schuber: „Die Ruhr und ihr Gebiet“ gibt es nur im Doppelpack. Foto: Petra Grünendahl.

Viele Bücher sind schon über das Ruhrgebiet entstanden. Dass nun ein neues erschienen ist, zeigt zum einen, wie vielfältig, und zum anderen, wie sehr die Region im Wandel ist. Mit dem Werk „Die Ruhr und ihr Gebiet“ (zwei Bände im Schuber) zeigt die Brost-Stiftung (Herausgeber) in Kooperation mit der Stiftung Geschichte des Ruhrgebiets einmal mehr, dass Region immer noch nicht (und das wird sie vielleicht niemals) erschöpfend und final dargestellt wurde. Zu den vielen Facetten der Region kommt der stetige Wandel, dessen andauernde Dynamik seine einzige Konstante ist. „Das Ruhrgebiet war nie eine Insel. Das industrielle Herz Europas war vielfach verzahnt mit dem ganzen Kontinent“, so Bodo Hombach, Vorstandsvorsitzender der Brost-Stiftung Essen, als Herausgeber im Vorwort. „’Wir im Revier’“, so schreibt Hombach, der in seiner Geburtsstadt Mülheim an der Ruhr lebt, „erdet Eskapaden und Höhenflüge.“ Die Bodenständigkeit des Ruhris steht nicht im Widerspruch zur Globalisierung, ist doch die Region Erdung und Identität. Unter dem Motto „Leben am und mit dem Fluss“ bieten 24 Autoren auf über 800 Seiten vielfältigen Lesestoff, der viele Facetten der Region beleuchtet: Von wissenschaftlichen Beiträgen und Dokumentationen über Interviews bis hin zu Reportagen und Erzählungen. Zeitlich erkunden die Beiträge eine Spanne zwischen dem frühen 19. Jahrhundert und der Gegenwart. Schwerpunkt ist der untere Lauf der Ruhr (ab der Lenne-Mündung bei Hagen), der durchs Ruhrgebiet läuft. Einige Beiträge im ersten Band thematisieren jedoch auch Entwicklungen an Mittel- und Oberruhr.

 

 
Das Ruhrgebiet: die Industrieregion

Der Verlauf der Ruhr. Foto: Petra Grünendahl.

Bis zur Industrialisierung, die massiv in ihrer Hochphase ab der Mitte des 19. Jahrhunderts voran getrieben wurde, war das Ruhrgebiet und das Land entlang der Ruhr eine intensiv landwirtschaftlich genutzte Fläche. Und zumindest zu Beginn des industriellen Wandels konnten Ertragssteigerungen in der Landwirtschaft auch den Nahrungsmittelverbrauch der stetig wachsenden Bevölkerung im Ruhrrevier decken. Die Anfänge der Industrialisierung wären ohne die landwirtschaftlichen Strukturen gar nicht möglich gewesen. Der Existenzkampf um Flächennutzungen wurde (und ist bis heute) existenziell. Die Nähe von Erzeugern und Verbrauchern hat aber auch Vorteile – für beide Seiten. Interessen von Wirtschaft und Umweltschutz standen und stehen dabei nicht immer in einem Gegensatz. Und mittlerweile ist Umweltschutz zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor entlang der Ruhr avanciert. Aufstieg und Niedergang der Schwerindustrie prägten und prägen Stadtentwicklung und Konzepte neuer Flächen- und Bevölkerungs-/Wohnraumentwicklung.

 

 

Rauchende Schlote im Ruhrgebiet. Aufnahme von Werner Cramer, 1930er-Jahre in Fotoarchiv des Ruhrmuseums. Foto: Petra Grünendahl.

Als der Bergbau nach Norden in Richtung Emscher und Lippe wanderte und sich die Eisenbahn als Konkurrenz etablierte, stellte man auf der Ruhr 1890 die Transportschifffahrt ein. Aus dem früheren reinen Transportweg einer Industrieregion, der über 100 Jahre einer der am stärksten befahrenen Wasserstraßen Deutschlands war, konnte schließlich ab 2000 ein naturnahes Fluss- und Auengebiet werden, nachdem die EU eine „Wasserrahmenrichtlinie“ beschlossen hatte. Im Norden, an der Emscher, erlebte dann die Schwerindustrie ihre Blüte, als man an der Ruhr schon anfing, die unhaltbaren hygienischen Zustände aus früher Industrialisierung und Bevölkerungswachstum zu beseitigen. Der Kohlebergbau an der Ruhr endete jedoch erst 1973 mit der Stilllegung der Zeche Carl Funke am Baldeneysee. Heute erinnert dort wenig an die frühere bergbauliche und industrielle Nutzung. Der Strukturwandel und die Renaturierung des Wasserlaufs eröffnete Möglichkeiten als Natur- und Wirtschaftsraum, Wohn- und Kulturraum, für Industrie und Verkehr, Wasserwirtschaft, Sport und Freizeit. Er stellte die Region aber auch vor wirtschaftliche und soziale Herausforderungen. Der Rückbesinnung auf den Fluss als Ort der Identitäts- und Bewusstseinsbildung will sich das Buchprojekt in einen regionalen Kontext einfügen, die post-industrielle Identität zu schärfen und zu stärken. Die multiperspektivische Annäherung des Buches an die Region im Wandel macht ihre vielfältigen Facetten gleichwertig erlebbar.

 

 
Das Buchprojekt

Im Schuber: „Die Ruhr und ihr Gebiet“ gibt es nur im Doppelpack. Foto: Petra Grünendahl.

Im ersten Band liegen die inhaltlichen Schwerpunkte auf den Gebieten Natur, Naturwirtschaft, Wohnraum und Kultur mehr auf dem gesamten Lauf der Ruhr zwischen Quelle bei Winterberg im Sauerland und Mündung in den Rhein in Duisburg. Der zweite Band beschäftigt sich mit Industrie, Verkehr, Wasserwirtschaft, Sport und Freizeit mehr mit der Beziehung des Flusses zum Ruhrgebiet. Facettenreich tauchen sie ein in Geschichten und Geschichte und fördern überraschende neue und mitunter auch kritische Aspekte zu Tage, die man auch dann nicht unbedingt kennt, wenn man sich viel mit dem Ruhrgebiet beschäftigt.

Das vielfältig gestaltete und spannend gemachte Buchprojekt hat sowohl für Einsteiger als auch für profunde Kenner des Ruhrgebiets viel zu bieten. Es ist sehr textlastig angelegt, mit vielen Informationen, Erzählungen und Geschichten, aber auch ganz hervorragend ergänzt mit Fotografien und historischen Ansichten, aussagekräftigen Karten, Illustrationen und Tabellen.

Das Werk „Die Ruhr und ihr Gebiet“ (Untertitel: Leben am und mit dem Fluss) ist nur komplett mit zwei Bänden im Schuber erhältlich. Die Bände im Format 21 x 27 cm sind gebunden mit 420 bzw. 408 Seiten. Erhältlich ist das im Aschendorff Verlag, Münster, erschienene Werk im lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-402-24640-5) für 39,90 Euro.

 
Blicke ins Buch. Fotos von Petra Grünendahl

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© 2021 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Wir wünschen unseren Lesern einen guten Start in das Jahr 2021!

Foto: Petra Grünendahl.

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Wir wünschen unseren Lesern frohe, gesegnete Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Foto: Petra Grünendahl.

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Deutsche Oper am Rhein: „Der Kaiser von Atlantis“ auch online ein besonderes Erlebnis

Gegen Willkür und Terror dem Schicksal ins Gesicht gelacht
Von Petra Grünendahl

Von links: Anke Krabbe (Mädchen), Kimberley Boettger-Soller (Trommler), David Fischer (Harlekin), Thorsten Grümbel (Lautsprecher), Luke Stoker (Tod), Sergej Khomov (Soldat). Foto: Hans Jörg Michel.

Overall der Einzige, Kaiser von Atlantis (Emmett O’Hanlon), erklärt Krieg von Allen gegen Alle. Sein alter Verbündeter, der Tod (Luke Stoker), sieht sich seiner Würde beraubt und verweigert den Dienst. Eng verbunden war der Tod mit dem Harlekin (David Fischer), den niemand mehr haben will. Niemand lacht mehr über ihn, weil er die Lust am Leben verloren hat. Seitdem der Tod aber niemanden mehr sterben lässt, ist die Verbindung getrennt.

David Fischer (Harlekin). Foto: Hans Jörg Michel.

Und auch Harlekin ist nur noch mehr ein Schatten seiner selbst. Zunächst versucht Overall noch, die „Unsterblichkeit“ seiner Kämpfer zu seinem Vorteil zu nutzen. Allerdings wünschen sich diese, der Soldat (Sergej Khomov) und das Mädchen (Anke Krabbe), den Tod bald als Erlösung herbei. Während der Lautsprecher (Thorsten Grümbel) die nicht sterben wollenden Kämpfer preist, versucht der Trommler (Kimberley Boettger-Soller), diese Elenden bei der Stange zu halten. Jedoch fordern die Leidenden angeführt vom Harlekin, der das Lachen wieder gefunden hat, vom Kaiser, dass man sie sterben lasse. Schließlich schreitet der Tod ein, der sich wünscht, nicht nur Zweck an sich und Mittel des Terrors zu sein, sondern die Menschen erlösen zu können.

 

Luke Stoker (Tod), hinten Thorsten Grümbel (Lautsprecher). Foto: Hans Jörg Michel.

Natürlich ist „Der Kaiser von Atlantis“ als Stream ebenso wenig ein Ersatz für den realen Opernbesuch wie eine Fernsehsendung, aber angesichts des andauernden Corona-Lockdowns für Kultur- und Freizeiteinrichtungen eine Möglichkeit, die Deutsche Oper am Rhein zumindest aus der Konserve zu genießen. Allerdings hat es schon seinen Reiz, dass die Kameraführung Teil der Handlung wird und gezielt Akteure in den Bildmittelpunkt setzt.

Vorne Anke Krabbe (Mädchen), hinten Kimberley Boettger-Soller (Trommler). Foto: Hans Jörg Michel.

Zumal die fantastischen Akteure in ihren Rollen gesanglich wie schauspielerisch glänzen. Die Komposition von Vektor Ullmann zu einem Libretto von Peter Kein kommt mit kleiner Besetzung aus. Die Aufzeichnung der Inszenierung von Ilaria Lanzino stammt vom 10. Oktober vor Corona-Publikum aus dem Opernhaus Düsseldorf, so dass hier für die musikalische Begleitung die Düsseldorfer Symphoniker unter der Leitung von Axel Kober zum Einsatz kamen. Für Bühnenbild und Kostüme zeichnet Emine Güner verantwortlich, das Lichtdesign stammt von Thomas Diek. Gesungen wird in deutscher Sprache, Untertitel erleichtern das Verständnis der Handlung.

 

Links Emmett O’Hanlon (Overall), rechts David Fischer (Harlekin). Foto: Hans Jörg Michel.

In knapp einer Stunde erzählt eine Art Oper in vier Bildern die Geschichte vom „Leben, das nicht mehr lachen, und vom Sterben, das nicht mehr weinen kann, in einer Welt, die verlernt hat, am Leben sich zu freuen und des Todes zu sterben“, so der Lautsprecher. Es kommt zu Aufständen lebender Toter gegen die erzwungene Unsterblichkeit. Das Sterben verliert seinen Schrecken, wird von den Leidenden ersehnt. Der Tod bietet an, seinen Streik zu beenden, wenn der Kaiser das Opfer bringt, zuerst zu sterben. Das endet Willkür und Terror des totalitären Herrschers. Ein zutiefst menschliches Stück, was zum Nachdenken anregt. Die Figuren sind stark überzeichnet und wirken in ihrem erzwungenen Schicksal fast komisch. Die Sänger bringen ihre Charaktere ausdruckstark zum Leben. Und weil schlussendlich der Tod seinen Schrecken verliert, kann auch das Leben (und der Harlekin) wieder lachen.

 

 
Oper aus dem KZ

Der Tod fordert ein Opfer: vorne Emmett O’Hanlon (Overall), hinten Luke Stoker (Tod). Foto: Hans Jörg Michel.

Viktor Ullmann komponierte seine Opernparabel „Der Kaiser von Atlantis“ in den Entbehrungen und Schrecken des Konzentrationslagers Theresienstadt zu einem Libretto von Peter Kien. Das Werk, das von den Lagerbedingungen vom Sujet bis zur Instrumentierung bestimmt wurde, stellt allegorisch Leben (Harlekin) und Tod gegenüber. Es war der Versuch und Wille seiner Schöpfer, im KZ in Kunst umzusetzen, was ihnen im Leben verwehrt war: Der Ausdruck des Widerstandes gegen ein menschenfeindliches Regime. Obwohl die Proben in vollem Gange waren, wurde das Projekt aus unbekannten Gründen vor der geplanten Premiere abgebrochen. Am 16. Oktober 1944 wurden Viktor Ullmann und Peter Kien im Rahmen der so genannten „Künstlertransporte‟ nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Auch die meisten ihrer Mitstreiter überlebten nicht.

 

 
Die Aufführung ist verfügbar bis 30. April 2021
Der Stream startet über den Pfeil im Header-Bild.
https://operavision.eu/de/bibliothek/auffuehrungen/opern/der-kaiser-von-atlantis-deutsche-opera-am-rhein

 
Der Stream der Oper ist kostenfrei zugänglich. Eine Einführung gibt es als Audio-Opernführer unter https://www.operamrhein.de/de_DE/opernfuehrer-audio der auf Operavision im Slider rechts.

Weitere Informationen zur Oper gibt es hier:
https://operamrhein.de/de_DE/repertoire/der-kaiser-von-atlantis.1225803

 

 
Das digitale Angebot der Deutschen Oper am Rhein
Auf ihrer Webseite operamrhein.de und ihren Social Media Kanälen (u. a. YouTube) bietet die Deutsche Oper am Rhein ein umfangreiches digitales Angebot an, das nahezu täglich aktualisiert und erweitert wird. Mit unterschiedlichen Formaten und einem kostenlosen „Stream on demand“ der Oper „Der Kaiser von Atlantis“ ermöglicht es viel­fältige Einblicke in die Probenarbeit während des Lockdowns. Unter anderem besteht das digitale Angebot aus:

  • „Making of: Tristan & Isolde“: Eine vierteile Filmreihe mit Impressionen der musikalischen und szenischen Probenarbeit und zahlreichen Interviews zu der Produktion, die ab 3. Dezember 2020 Premiere an der Deutschen Oper am Rhein feiern sollte.
  • „A First Date“: Die amerikanischen Filmemacherin Daisy Long stellt die Tänzerinnen und Tänzer des Ballett am Rhein in einer dreiteiligen Dokumentation vor.
  • „Opernführer Audio“: Werkeinführungen mit Hintergrundinformationen zu Musik und Inhalt ausgewählter Stücke des Spielplans sind, gesprochen von der Dramaturgie, als Audio-Files abrufbar.
  • „Romeo & Julia“: Die Premiere zu Boris Blachers Oper war für November geplant. Auf ihrer Webseite gibt die Deutsche Oper am Rhein digitale Einblicke in die Proben, zusätzlich stehen Auszüge aus dem (noch unveröffentlichten) Programmheft bereit.
  • Auch ans junge Publikum ist gedacht: Der digitale Adventskalender der Jungen Oper am Rhein bietet täglich neue kreative Überraschungen für alle Altersgruppen.

Mehr Informationen gibt es hier.

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Hans Jörg Michel

 

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Büchertipp: Mit „Management beyond Ego“ zum Erfolg

Eine bessere Version von uns selbst werden
Von Petra Grünendahl

Matthias Kolbusa. Foto: M. Kuhn.

Ein Ego hat jeder. Aber in welcher Ausprägung dieses ins positive oder negative neigt, macht den Charakter des Menschen aus. Der Narzisst ist das Extrem-Beispiel des negativen Egos: Macht, Geltung und sein eigenes Wohlbefinden stehen bei ihm an erster, zweiter und dritter Stelle – und danach kommt lange gar nicht. Er ist der Beste und will andere beherrschen. Die Ideen anderer taugen sowieso nichts, so die Devise. Dominanzgebaren, Misstrauen und Kontrollzwang sind Ego-Fallen, die eine erfolgreiche Entwicklung verhindern. Ein Ego hat jeder, aber nicht unbedingt in dieser negativen Ausprägung: Ein reifes Ego ist in der Lage, über das Ich hinaus zu denken, Werte zu leben, andere Menschen und ihre Ideen wahrzunehmen, ihre Kritik zur Weiterentwicklung eigener Ideen zu nutzen. Es ist souverän und begreift Wandel nicht als Angriff auf die eigene Person. Es reflektiert und ist weniger anfällig für die negativen By-Ego-Facetten, die Motivation, Kreativität, Leistungsbereitschaft und Erfolg eher behindern als fördern. Das „stille Ich“, so der Autor Matthias Kolbusa, lebe dabei gesünder und gelassener.

 

Matthias Kolbusa: „Management beyond Ego“ ist beim Ariston Verlag erschienen. Foto: Petra Grünendahl.

Auch wenn sich Matthias Kolbusa mit seinem Buch explizit an Führungspersönlichkeiten in der Arbeitwelt richtet, die – so der Untertitel – Teams zu außergewöhnlichen Erfolgen führen wollen: Die Grundlagen des „Management beyond Ego“ helfen in allen Bereichen zwischenmenschlicher Kommunikation und Zusammenarbeit, bessere Ergebnisse zu erzielen. Das gilt bei Familie und Hobby ebenso wie in Mannschaft oder Verein. Denn die Leistung des Einzelnen ist umso wertvoller, je mehr sie andere Menschen weiter bringt. Dazu zählt für Menschen in führenden Positionen auch, Leistungen und Ideen anderer zuzulassen. Die eigenen Ideen hinterfragen zu lassen. Wichtig ist die (Selbst-)Reflektion, die zur eigenen Weiterentwicklung führt, auch wenn – wie der Autor von sich selber hin und wieder einräumt – dies nur über die Erkenntnis der eigenen Unzulänglichkeit und das Überwinden alt hergebrachter Handlungsmuster funktioniert. In drei Abschnitten führt Kolbusa von der (Problem-)Analyse des Egos als Kraft über die Darlegung der Philosophie des „Management beyond Ego“ zur Praxis, das neue Denken „gewinnbringend“ einzusetzen. Ein Fazit nach jedem Kapitel bringt noch einmal die wichtigsten angesprochenen Umstände auf den Punkt.

 

 
Gestalten oder Dominieren?
Das Verständnis von Führung

Der Weg zu einem reifen, positiven Ego führt über Reflektion und Selbsterkenntnis, die nicht immer bequem ist. Wir müssen vielleicht etwas abgeben, um schlussendlich „mehr“ zu bekommen und als Persönlichkeit zu wachsen. Dass er sich mit der Selbsterkenntnis schon mal schwer tue, räumt auch der Autor an Beispielen ein, die dem Leser ein klares Bild vermitteln. Denn es gilt, hin und wieder auch die unvermeidlichen Ego-Fallen zu überwinden: „Wer nicht zur Arbeit an sich selbst bereit ist, taugt nicht zur Führungskraft!“, bilanziert der Autor.

Wie Ego und Selbstliebe sind Gier und vielleicht auch ein bisschen Größenwahn in Maßen genossen eher positiv zu bewerten, weil sie Ansporn sind, etwas zu erreichen. An Beispielen führt Kolbusa aber auch an, wo ein „zu viel“ immensen Schaden anrichtet, unter dem viele zu leiden haben. Immer wieder mahnt der Autor, wo die Grenzen vom Positiven ins Negative Folgen für den Einzelnen, sein Unternehmen oder die Gesellschaft haben. Das rechte Maß ist wichtig, um weniger verführbar zu sein durch Status, Einkommen oder Position und Einfluss. Ehrliche Selbsterkenntnis ist der Weg, dieses rechte Maß zu finden, an dessen Ende das „Management beyond Ego“ großartige Leistungen und den Erfolg verheißt.

„Wir sind alle verführbar und fallen von Zeit zu Zeit wieder auf die alten Fallen herein“, erklärt Kolbusa. „Alles, was nur dem Eigennutz dient und nicht dem großen Ganzen, ist zum Schaden für das Team und damit automatisch für das Unternehmen.“ Er rät, Fachkompetenz und Nutzerorientierung zu fördern statt Durchsetzungsstärke. Vielfach heißt das: Sind Ehrgeiz, Durchsetzungswille, Mut zur Kritik und Wettbewerbsorientierung in einem bescheidenen Maß vorhanden, sind sie konstruktiv. „Wenn wir die negativen Ausprägungen dieser Phänomene überwinden wollen, geht das nur mit den Menschen und nicht gegen sie.“ Nicht jeder für sich, sondern im Dienst des Teams alle nach vorne bringen, müsse das Credo sein: Veränderung beginne bei jedem selbst. „Management beyond Ego ist nichts für Weicheier“, so der Autor. Es ist ein lebenslanges Ringen mit dem eigenen Ego-Trieb, der zum Erfolg eines Unternehmens oder einer Gemeinschaft überwunden werden muss.

 

 
Der Autor und das Buch

Matthias Kolbusa. Foto: M. Kuhn.

Matthias Kolbusa ist Strategie- und Veränderungsexperte, Redner, Denker und Unternehmer. Sein erstes Unternehmen hat er im Alter von 14 Jahren begründet. Karriere machte er in internationalen Beratungsfirmen. Weitere Unternehmensgründungen folgten: Manche florierten, manche scheiterten. Aus seinem Scheitern lernte Kolbusa, um daraus wieder Erfolge zu machen. Er ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft des Club of Rome und berät u. a. das Top-Management zahlreicher DAX-30-Unternehmen.

Das Buch „Management beyond Ego“ ist im Ariston Verlag, München, erschienen. Das 352-seitige Werk im Hardcover-Format ist für 22 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-424-20228-1).
https://kolbusa.de/management-beyond-ego/

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (1), M. Kuhn (2)

 

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Letzte Duisburger Ratssitzung des Jahres: Pläne zur Belebung der Innenstadt

Weitere Fördermittel für Innenstadt und die Bezirke
Von Petra Grünendahl

Wegen Corona tagt der Rat der Stadt in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

Mehrheitlich beschloss der Rat der Stadt Duisburg die Aussetzung der Parkgebühren in der Innenstadt bis zum Jahresende. Die Grünen enthielten sich: „Viel Wunschdenken!“ Anträge kleinerer Fraktionen, diese bis zum 31. Januar oder gar 31. März auszusetzen, lehnte Oberbürgermeister Sören Link ab: „Diese Vorlage ist mit der Bezirksregierung abgesprochen und gegenfinanziert.“ Als Haushaltssicherungskommune dürfe Duisburg nach wie vor keine großen Sprünge machen. Lediglich als Mitteilungsvorlage erhielt der Rat die Verlängerung des Verzichts auf Sondernutzungsgebühren für Außengastronomie bis zum 30. Juni 2021, der der Corona-geschädigten Gastronomie nach Ende des aktuellen Lockdowns weiterhelfen soll. Einen bis Ende 2020 gültigen Ratsbeschluss hatte es dazu im Juni gegeben. Eine große Diskussion entbrannte um einen Antrag der Fraktion Junges Duisburg zu Maßnahmen der Innenstadtbelebung. Schon im Vorfeld der Sitzung war jedoch abgeklärt worden, den Antrag zurückzuziehen und in den neuen Ausschuss für Wirtschaft, Innovation und Tourismus zur Beratung weiter zu reichen. Grundsätzlich besteht nämlich große Einigkeit und der Wille, für die Innenstadt positive Impulse zu setzen.

 

Wegen Corona tagt der Rat der Stadt in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

In der letzten Sitzung des Jahres hatte der Rat der Stadt Duisburg eine überschaubare Anzahl von Entscheidungen zu treffen: 51 Tagesordnungspunkte waren es im öffentlichen Teil. Und auch der nicht-öffentliche Teil direkt im Anschluss hielt sich zeitlich in Grenzen. Wenig gab Anlass zu großen Diskussionen, so dass die Ratsleute nach nicht einmal drei Stunden den Großen Saal (Philharmonie) der Mercatorhalle verlassen konnten. Der vierstreifige Ausbau der Rheinquerung im Zuge B288 sowie die Neuordnung der Dezernate mit anschließender Stellenausschreibung für einen neuen Beigeordneten wurde als 1. Lesung wegen weiteren Beratungsbedarfs zur Entscheidung ins neue Jahr verschoben. Schnell abgearbeitet waren Änderungen u. a. von Entgeltordnung und Gebührensatzungen der Wirtschaftsbetriebe Duisburg (u. a. Müllabfuhr, Abwasser und Straßenreinigung). Weitere Beschlussvorlagen umfassten überwiegend Gremien(um)besetzungen. Dazu kamen eine Reihe von Anträgen aus den Fraktionen sowie Anfragen an die Verwaltung, die überwiegend im Nachgang schriftlich beantwortet werden.

 

 
Machtspiele?

Wegen Corona tagt der Rat der Stadt in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

Bemerkenswert waren die Abstimmungen für die sachkundigen Bürger in den verschiedenen Ratsausschüssen: Die AfD hatte keine Kandidaten ins Rennen geschickt, obwohl sie mit der Stärke ihrer Fraktion durchaus Sitze hätte gewinnen können. Stattdessen verteilte man die anwesenden neun Stimmen auf CDU und Tierwohl/DAL auf, mit der Folge, dass die Kandidaten letzterer Fraktion gewählte wurden, während die drittstärkste Kraft im Rat, die Grünen, nur jeweils einen ihrer Kandidaten durchkriegten. Ähnliche Unterstützungsabsprachen soll es, hatte man aus Insider-Kreisen im Rat vernommen, mutmaßlich auch für die (geheimen) Wahlen zu den Ausschuss- und Gremienbesetzungen der letzten Ratssitzung gegeben haben. Die AfD hatte dort mehrfach mehr Stimmen bekommen, als ihre Fraktionsstärke zuließ.

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Mafia-Morde von Duisburg: „Sie packen aus – Frauen im Kampf gegen die Mafia“

Von der „Pflicht, gegen diesen Wahnsinn zu kämpfen“
Von Petra Grünendahl

Ein Artikel in der WAZ erinnerte im vergangenen Jahr an die Mafia-Morde. Screenshot: WAZ.

August 2007 in der Nähe des Duisburger Hauptbahnhofs: Die Leichen der unbewaffneten Männer sind von Dutzenden Kugeln durchsiebt. Eine regelrechte Hinrichtung: Von den Tätern fehlt jede Spur. „Ein sechsfacher Mord vor einem italienischen Restaurant? Das ist mehr als nur ein normales Gewaltverbrechen“, war sich eine in Deutschland lebende Italienerin sofort sicher. Ein solches Massaker – verübt im Ausland – hatte es zuvor noch nie gegeben: „Wir mussten uns mit der schrecklichen Erkenntnis auseinander setzen, dass hier im Herzen Europas das organisierte Verbrechen fest verankert ist“, so die Frau, die den Kampf gegen die Mafia bis in den italienischen Senat in Rom trug. „Nicht nur die legale Wirtschaft profitiert von der Globalisierung, auch die Mafien nutzen die internationalen Märkte für sich“, stellt eine Staatsanwältin fest. Eine Bürgermeisterin ist in ihrem Ort zur unerwünschten Person geworden, weil sie die Mafia bekämpft. Beliebt in ihrem Umfeld macht sich keine der Frauen in ihrem Kampf gegen die Mafia. Weil sie versuchen den Teufelskreis aus Gewalt und Omertà, dem Gesetz des Wegschauens und Schweigens, zu durchbrechen. „Die Mafia ist präsenter denn je. Sie hat in alle Gesellschaftsschichten Einzug gehalten“, bilanziert eine Fotografin.

 

Titelbild: Molden Verlag.

Die Autorin Mathilde Schwabeneder hat sie für ihr Buch „Sie packen aus“ interviewt: Zehn Frauen unterschiedlichster Herkunft schildern ihren Kampf gegen die Mafia. Vielfältig sind ihre Lebensgeschichten. Auch für Außenstehenden spannend sind ihre mitunter tiefen Einblicke in das organisierte Verbrechen und die Strukturen der Mafia, die schon lange nicht mehr nur auf Italien beschränkt ist. Vor einigen Jahren trugen Familien der `Ndrangheta ihre Fehde in Duisburg aus: Vor dem Da Bruno im Silberpalais in Neudorf richteten Killer eines Clans Mitglieder einer verfeindeten Familie hin. Mafia, Cosa Nostra (Sizilien), `Ndrangheta (Kalabrien) oder Camorra (Neapel) sind alles Namen für das Phänomen krimineller italienischer Familienclans, die heute in vielfältigen „geschäftlichen“ Verbindungen zu ähnlichen Gruppierungen in aller Welt stehen. Schutzgeldzahlungen, Drogen- und Waffenhandel, Geldwäsche und Glücksspiel, Wirtschaftskriminalität sowie Menschenhandel und Prostitution: Überall haben mafiöse Strukturen ihre Finger drin.

 

 
Ein gefährliches Pflaster

Fahndungsplakat der Polizei NRW.

Der Kampf gegen diese organisierte Kriminalität wird aber nirgends so intensiv geführt wie in Italien. Waren früher die beherrschenden Figuren des Anti-Mafia-Kampfes Männer wie die 1992 ermordeten Richter Giovanni Falcone und Paolo Borsellino, so haben seit einigen Jahren auch Frauen an vorderster Front den Kampf aufgenommen: Juristinnen, Politikerinnen, Journalistinnen und andere, die teilweise zunächst eingebunden in die Mafia-Familien irgendwann ausbrechen und die Fronten wechseln. Sie alle tun dies unter großer Gefahr für ihr Leben, zählen die Mafia-Organisationen doch zu den gefährlichsten der Welt.

Die Zeitzeuginnen, deren Geschichten die Autorin Schwabeneder aufgezeichnet hat, sind alle Italienerinnen, was aber ihre Geschichten auch für Deutsche (und Duisburger) nicht weniger spannend macht: Sie beleuchten das Geschehen weltweit und auch, was in Duisburg vorgefallen ist. Die Frauen selber sehen sich nicht als Heldinnen. Mathilde Schwabeneder schreibt zurückhaltend, ohne Effekthascherei, was den Lebenswegen der Frauen und ihren Persönlichkeiten sehr angemessen ist. Denn für sie alle steht ihr Kampf gegen die Mafia im Vordergrund, nicht ihre Person!

 

 
Die Mafia als Teufelskreis

Schwerpunkte der organisierten Kriminalität in Italien. Grafik: Daygum / Wikipedia.

Ihren Ursprung hat die Mafia in Süditalien, einem Landstrich, der vom Wohlstand einer Industrienation bis heute abgeschnitten ist. Gründe für die Rückständigkeit des Südens sind neben der Randlage in Europa die verbreitete Armut, unzureichende Bildungsmöglichkeiten, eine agrarisch geprägte Wirtschaft und die organisierte Kriminalität. Wer nicht flieht aus dieser Aussichtslosigkeit, sucht sein Heil in den Verheißungen der Mafia-Clans auf schnelles Geld. Man müsse den Kindern vermitteln, dass es eine andere Welt sowie Auswege aus dem Elend gibt, so eine Polizei-Juristin. Der Mafia kommen die unzureichenden Angebote von Bildung und Ausbildung sehr zu gute. „Da habe ich verstanden“, so eine Anwältin, „warum der Mafia die Schule nicht gefällt: Weil man mit der Schule eine andere Kultur schaffen kann.“

Ein Teufelskreis: Denn damit, sich der Mafia anzudienen, geraten Menschen in Abhängigkeiten für sich und ihre Familien, denen nur schwer zu entkommen ist. Das schildern auch die Zeitzeuginnen ganz eindringlich. Dieses Buch legt Zeugnisse ab, die zuweilen erschüttern: Von Frauen, die mit ihrem Handeln einen Unterschied machen!

 

 
Die Autorin und das Buch

Die Autorin Mathilde Schwabeneder-Hain. Foto: Harald Eisenberger.

Mathilde Schwabeneder-Hain ist eine österreichische Journalistin. Das fällt im Buch besonders auf, wo sie Begriffe aus dem österreichischen Deutschen verwendet: Matura (Abitur) oder Jus (für das Studienfach Jura), was aber den Leser nicht stören sollte. Mit ihrem Bestseller „Patinnen“ (2014) beschäftigte sie sich erstmals mit Frauen in der Mafia. Von dort war es dann nur noch ein kleiner Schritt, auch die Frauen im Kampf gegen die Mafia packenden Reportagen darzustellen. Das 190-seitige Hardcover-Buch ist erscheinen im österreichischen Molden Verlag, der zur Verlagsgruppe Styria gehört. Für 23,00 Euro ist es im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-222-15056-2). E-Book-Versionen gibt es für 18,99 Euro (für Kindle und als Epub).

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Harald Eisenberger (Autorin), WAZ (Artikel-Screenshot), Polizei NRW (Fahndungsplakat), Karte (Daygum / Wikipedia), Molden Verlag (Titelbild)

 

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Lehrreiche Lektüre auch für Kenner: „Duisburg für Klugscheißer“

Fundiertes Wissen in kurzweiligen Häppchen
Von Petra Grünendahl

Theater Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Duisburg ist … alt (älter als man denkt!): Eine Stadt mit Geschichte, die man an vielen Stellen findet, aber auch eine Stadt des Wandels. Wahrzeichen sind verloren gegangen, Landmarken als Identifikationsmerkmale neu entstanden. Immer noch eine Montan-Stadt, deren erste Industrie nicht der Stahl war: Aber Duisburg ist auch grün und zuweilen sogar ländlich. Die Malocherstadt mit Zechen- und Arbeitersiedlungen zieren darüber hinaus auch zahlreiche Villen. Die religiöse Vielfalt spiegelt sich in unterschiedlichsten Sakralbauten aller Art. Duisburg ist eine Stadt des Sports ebenso wie der Kunst oder des Karnevals – und natürlich eine Universitätsstadt (und das nicht erst sei Gründung der „Gesamthochschule“ 1972). Alle diese Details sind gut verpackt in Geschichte und Geschichten der Stadt und ihrer Bürger. Das Buch bietet viele Aha-Erlebnisse und korrigiert einige weit verbreitete Irrtümer, die Duisburg manchmal in wenig positivem Licht dastehen lassen. Klugscheißer dürfen schließlich – und sollten (!) – stolz sein auf ihre Stadt. Und ganz stilecht muss der Leser am Schluss im Klugscheißer-Quiz beweisen, dass er gut aufgepasst hat. Alles andere wäre ja noch schöner 😉

 

Hochofenkulisse im Landschaftspark Duisburg-Nord. Foto: Petra Grünendahl.

Mit ihrem Buch „Duisburg für Klugscheißer“ haben sich die Autoren Tina Halberschmidt und Martin Wedau mit – so der Untertitel – populären Irrtümern und anderen Wahrheiten beschäftigt. Herausgekommen ist eine amüsante Lektüre für Duisburger und alle, die die Stadt kennen und lieben. In kleinen Episoden erzählt das Buch über Duisburg. Die Autoren haben viele spannende Geschichten und Fakten zusammen getragen, die auch ein kundiger Duisburger kaum alle kennen kann: Schließlich hat auch das Autoren-Team selber bei seinen Recherchen viel Neues entdecken können. Dafür wird dann aber auch der Kundige fündig, was die Autoren schlichtweg nicht auf dem Schirm hatten: Es fehlen Dinge, die in einige der aufgeführten Beschreibungen locker reingehört hätten. Aber man kann ja schließlich nicht alles wissen: Dazu ist die Stadt viel zu vielfältig und hat für Entdecker immer wieder Überraschungen parat. Und das darf der geneigte Leser gerne als Aufforderung verstehen, sich der Herausforderung zu stellen und mit dem Buch sein eigenes Wissen über Duisburg auf den Prüfstand zu stellen.

 
Die Autoren und das Buch

Titelbild: Klartext Verlag.

Die Autoren Tina Halberschmidt und Martin Wedau stammen aus Duisburg: Die Stadt ist für beide mehr als nur ein Wohnort – nämlich eine Herzenssache. Beide sind natürlich, wie es sich für Duisburger gehört, MSV-Fans. Martin Wedau beschäftigt sich mit Sachbüchern und als „Kees Jaratz“ im Zebrastreifenblog mit seiner Heimatstadt und dem Ruhrgebiet. Tina Halberschmidt ist als Redakteurin bei einer Verlagsgruppe in Düsseldorf tätig.

Das 104-seitige Buch „Duisburg für Klugscheißer“ von Tina Halberschmidt und Martin Wedau ist im Essener Klartext Verlag erschienen. Das reich bebilderte Taschenbuch ist für 14,95 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-8375-2237-2).

Der Klartext Verlag wurde 1983 gegründet, seit 2007 ist er Teil der Funke Mediengruppe. Seine Heimat liegt im Ruhrgebiet, wo auch der überwiegende Teil seiner Publikationen angesiedelt ist: Freizeitführer, Sachbücher, Kalender und Bildbände. Mit der „Von oben“-Reihe kann man Städte nicht nur im Ruhrgebiet, sondern in ganz Deutschland aus der Vogelperspektive bewundern. Und mit der Klugscheißer-Reihe lernt der Leser Neues zu verschiedenen Orten, Themen und Fußballvereinen – unterhaltsam und fundiert, denn, so der Verlag: „wir machen Bücher mit Qualität und gerne auch mal einem Augenzwinkern.“
www.klartext-verlag.de

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text)
Titelbild: Klartext Verlag, Fotos: Petra Grünendahl

 

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Ruhr Real vermittelt Büro- und Gewerbeimmobilien in Duisburg

Standortqualitäten ziehen Mieter und Käufer in die Region
Von Petra Grünendahl

Daniel Hartmann, Geschäftsführer der Ruhr Real GmbH, im Duisburger Innenhafen. Foto: Petra Grünendahl.

„Die Nachfrage nach Büro- und Gewerbeimmobilien ist im Ruhrgebiet insgesamt, aber vor allem auch in Duisburg sehr hoch“, erklärte Daniel Hartmann, Geschäftsführer der Ruhr Real GmbH. Besonders stark sei in Duisburg die Nachfrage in der Innenstadt inklusive entlang der Mülheimer Straße in Duissern und Neudorf: „Da spüren wir eine enorme Nachfrage, weil das Thema ÖPNV sehr wichtig ist“, so der Fachmann für Gewerbeimmobilien. „Was immer noch stark nachgefragt wird, ist der Innenhafen. Hier ist viel entstanden. Was aber nicht mitgehalten hat, sind Parkflächen. Und auch die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel ist nicht optimal“, sagte Hartmann. „Aber es hat schon was, wenn man hier in den moderneren Gebäuden sitzt und die Aussicht auf die schönen alten Speichergebäude genießen kann. Und auf der anderen Seite wurden in den alten Speichern moderne Büroflächen eingerichtet: Auch das hat was!“

 

Entwicklungspotenzial gibt es nicht nur im Duisburger Innenhafen. Foto: Ruhr Real GmbH.

Auf das Ruhrgebiet haben sich Hartmann und sein Geschäftspartner Christian Hansmann fokussiert, als sie 2018 die Ruhr Real GmbH gegründet haben. Beide wagten aus erfolgreichen Angestelltenverhältnissen heraus den Weg in die Selbstständigkeit. Hartmann ist gelernter Kaufmann für die Grundstücks- und Immobilienwirtschaft (IHK) und Immobilienfachwirt (IHK). Hansmann hat eine Ausbildung zum Immobilienkaufmann (IHK) absolviert und sich weiter qualifiziert zum Immobilienökonom. Kennen gelernt hatten sie sich 2010, als sie für einige Jahre gemeinsam für Brockhoff & Partner tätig waren. Danach waren sie bei unterschiedlichen Immobilien-Dienstleistern in verantwortlichen und leitenden Positionen tätig und sammelten deutschland- wie weltweit Erfahrungen. Weil sie den Gewerbeimmobilienmarkt Ruhrgebiet als interessantes Betätigungsfeld ausmachen, kamen sie für ein gemeinsames Unternehmen wieder zusammen. Mit der Ruhr Real beraten und vermitteln sie sowohl für Vermietungen als auch für den Verkauf: „Dabei nehmen wir jede Immobilie für Büro oder Gewerbe in unser Angebot auf, die wir für viel versprechend halten und die viel Potenzial bieten“, so Hartmann. Viele interessante Objekte haben sie in Duisburg, Oberhausen, Mülheim, Essen, Bochum oder Dortmund im Angebot, „aber wir vermitteln auch Gewerbeflächen in Gelsenkirchen.“ Oder auch anderswo im Ruhrgebiet und Umgebung, wo immer Interessenten auf der Suche nach guten Gewerbeobjekten sind.

 

 
Ein Wachstumsmarkt in Duisburg

Entwicklungspotenzial gibt es nicht nur im Duisburger Innenhafen. Foto: Ruhr Real GmbH.

„Duisburg hat eine ganze Menge zu bieten und sollte sein Licht nicht unter den Scheffel stellen: Wir haben hier eine tolle Lage und eine super Anbindung. Wir haben viel Grün, was die Stadt lebenswert macht, und günstige Mieten“, zählte Hartmann die Vorzüge der Stadt auf. Und selbst da, wo man hochwertiger wohnen kann, liegen die Preise vergleichsweise niedrig. „Es gibt eine Nachfrage, es gibt Investoren: auch ausländische Geldgeber, die hier investieren wollen. Man merkt, dass sich hier was tut“, so der 36-Jährige. Man solle sich mehr auf die Stärken besinnen, denn Duisburg könnte mehr mit dem Standort und seinen Vorteilen werben: Für Büro und Logistik sei hier der ideale Standort, sagte Hartmann. „Es mag Probleme geben in der Stadt, aber: Das ist hier einer der spannendsten Märkte!“

 

Entwicklungspotenzial gibt es nicht nur im Duisburger Innenhafen. Foto: Ruhr Real GmbH.

Eigentümer oder Investoren, die frei werdende Bestandsimmobilien kauften, finanzierten dann häufig in Revitalisierung und Umbau mit einer modernen Infrastruktur, die gerade für Büros stark nachgefragt sei, erklärte der Immobilien-Fachmann. Ehemals größerflächig genutzte Gebäudestrukturen würden teilweise in kleinere Mieteinheiten aufgeteilt, weil diese mehr Interessenten lockten: Als Beispiele nannte Hartmann das Kontorhaus am Innenhafen oder das ehemalige DVG-Verwaltungsgebäude an der Mülheimer Straße. Auch aus dem Ausland flössen Investment-Gelder nach Duisburg, um hier Gewerbeimmobilien vermarktungsreif zu machen. Im Portfolio der angebotenen Immobilien hat die Ruhr Real GmbH sowohl Neubauten als auch Bestandsimmobilien. Gefragt sind am Markt vor allem moderne sowie revitalisierte und modernisierte Büroflächen, aber auch beispielsweise Lager- und Logistikhallen jeglicher Art und Größe.

 
Corona bremse das Wachstum im Gewerbeimmobilien-Markt nicht aus: „Firmen können nicht alles nur mit Home Office machen. Wenn ich 100 Leute habe, brauche ich auch mindestens 70 bis 100 Arbeitsplätze, selbst wenn ich die Präsenz in Zukunft flexibler gestalten will“, erklärte Hartmann. Für soziale Kontakte, das Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Mitarbeitern und die Identifizierung mit seinem Unternehmen müssten entsprechende Räumlichkeiten vorgehalten werden. „Außerdem wollen Unternehmen an ihrem Standort ein Aushängeschild für Mitarbeiter, Dienstleister und Kunden.“

 

Im Innenhafen hat Ruhr Real 1.500 Quadratmeter Büroflächen an ein IT-Unternehmen vermittelt. Foto: Ruhr Real GmbH.

Ein junges IT-Unternehmen ziehe nächstes Jahr auf über 1.500 qm Büroflächen in den Innenhafen, so Hartmann: „Home Office ist für die nichts Neues, aber das persönliche Gespräch ist das Salz in der Suppe. Das Nutzerverhalten schlechthin gibt es nicht. Jedes Unternehmen braucht etwas anderes und hat eigene Vorstellungen.“ Dies müsse man bei der Vermittlung berücksichtigen. Aber, sagte Hartmann: „Natürlich haben wir in diesem Jahr gemerkt, dass sich große Konzerne bei Flächen etwas zurückgehalten haben. Abschlüsse sind aber trotzdem gelaufen.“ Dennoch: „Noch vor ein paar Monaten gingen Unternehmen hin und haben für ihre Mitarbeiter attraktive Aufenthaltsflächen geschaffen: Ist das jetzt heute alles falsch? Wohl eher nicht, aber da muss man sehen, was die Zukunft bringt.“

 

 
Ruhr Real GmbH
Die beiden Immobilien-Experten in der „Chefetage“ von Ruhr Real, Daniel Hartmann und Christian Hansmann, verfügen beide über mehr als 15 Jahre Erfahrung im Bereich Büro- und Gewerbeimmobilien. Die nationale und internationale Ausrichtung früherer Arbeitgeber haben sie bewusst aufgegeben: „Ich wollte nicht mehr ständig unterwegs sein und die Woche über in Hotelzimmern leben“, erzählte Daniel Hartmann, der mit seiner Familie in Duisburg wohnt. Der Fokus auf das Ruhrgebiet ist nicht allein der Rückkehr zu den eigenen Wurzeln geschuldet, sondern auch den Möglichkeiten, die die beiden Jungunternehmer in der Region sehen. Gewerbe-, Büro-, Hallen- und Logistikflächen stehen dabei im Vordergrund: „Die Nachfrage nach Lagerhallen ist bombastisch. ‚Das müssen wir machen’ war unser Gedanke“, so Hartmann. „Wir haben drei Mitarbeiter im Lagerhallen-Bereich, die sich fast mit nichts anderem mehr beschäftigen.“

Zunächst hatten Daniel Hartmann und Christian Hansmann mit der Ruhr Real GmbH Anfang 2018 ein kleines Büro in Bochum bezogen, wo sie dann auch Ende des Jahres ihre ersten angestellten Mitarbeiter unterbrachten. „Wir fingen mit einer Assistentin an – zunächst in Teilzeit. Dann haben wir Berater eingestellt, die auf bestimmte Bereiche der Gewerbeimmobilien-Vermittlung spezialisiert waren und unser Know-how ergänzten“, sagte der Geschäftsführer. Mittlerweile wächst die Mitarbeiterzahl stetig, so dass Hartmann und Hansmann ihren Firmensitz Ende 2019 nach Essen verlagert haben. Anfang 2021 kommen zwei weitere Mitarbeiter, so dass die Stammbelegschaft auf zehn wächst.

 
„Als Mitarbeiter suchen wir gut ausgebildete junge Leute, die an unsere Zukunft glauben“, erzählte der Unternehmer. „wir sind immer ansprechbar und vermitteln interessanten Kandidaten: ‚Wir wollen mit euch etwas aufbauen’.“ Ruhr Real verstehe sich, so der Unternehmer, als professioneller Dienstleister, der als Mittler und Berater Immobilien-Eigentümer mit interessierten Mietern oder Käufern zusammen bringt. „Wir kommunizieren immer offen, wie es sich für das Ruhrgebiet gehört.“
www.ruhr-real.de

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text)
Foto: Petra Grünendahl (1), Ruhr Real GmbH (4)

 

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DuMont Reiseverlag: Ultimative Reiseziele in der Reihe Lonely Planet

Inspirationen für Entdecker
Von Petra Grünendahl

Ultimative Reiseziele von Lonely Planet. Foto: Petra Grünendahl.

Es sind nicht die sonnigen Strände am Meer, die den ultimativen Reisegenuss bieten. Das Buch richtet sich vielmehr an die Entdecker unter den Reisenden als an den klassischen Strandurlauber. Nicht der Erholungswert steht im Mittepunkt, sondern das Erlebnis: Das Entdecken von Naturphänomenen, das Erkunden von außergewöhnlichen Gegenden ebenso wie von architektonischen Highlights aus der Geschichte der Menschheit. Die Ziele sind anspruchsvoll und fordern Aktivität und mitunter Ausdauer des Reisenden heraus. Zu den bekanntesten Zielen zählt da wohl die jordanische Felsenstadt Petra, aber auch die pulsierenden Metropolen London, Paris, Rom oder New York. Anderes ist einer Mehrheit von Reisenden bislang wohl eher verborgen geblieben: Tempel und Paläste, Sakralbauten, alte Städte und Stadtviertel sowie verschiedene Landschaften und Nationalparks weltweit. Auf den Plätzen 14 und 15 finden sich die ersten Ziele in Europa, obwohl der Kontinent insgesamt am häufigsten vorkommt. Das Buch wartet aber vor allem mit vielen Reisezielen auf, die weniger bekannt sind: Verteilt über die ganze Welt – inklusive Grönland und Antarktis. Inspirationen und Anregungen für Entdecker-Touren finden sich hier reichlich, auch bislang Unbekanntes zu erkunden.

 

Ultimative Reiseziele von Lonely Planet. Foto: Petra Grünendahl.

Der DuMont Reiseverlag hat die 2. Ausgabe der „Ultimativen Reiseziele“ mit dem Untertitel „Die 500 schönsten Erlebnisse weltweit“ vorgelegt. Erlebnisse verspricht dieses Werk dem Reisenden, der bereit ist, um spannende Erkundungen zu gehen. Verschiedene Top-Five-Interviews geben persönliche Bestenlisten wieder, die subjektiv, kurz und knackig die Favoriten begründen. Das Buch kann mit 500 Zielen auf 328 Seiten allerdings lediglich Appetithäppchen und Inspirationen bieten, was ihm allerdings auch in dieser komprimierten Form sehr gut gelingt. Wer tiefer in die Materie der einzelnen Reiseziele eindringen will, sollte dann schon zum Reiseführer greifen. Die „2. Edition“ lohnt sich übrigens auch für Käufer der Erstausgabe von 2016.

 

 
Neue Highlights spiegeln veränderte Reisegewohnheiten

Titelfoto: DuMont Reiseverlag.

Die jetzt erschiene zweite Ausgabe (2. Edition) enthält ein völlig neues Ranking mit mehr Outdoor-Erlebnissen und über 200 neuen Einträgen. Reisetrends und veränderte Reisegewohnheiten wurden da ebenso belohnt wie Nachhaltigkeit. Mit acht Sehenswürdigkeiten ist auch Deutschland unter den 500 ultimativen Reisezielen vertreten. Aus den Lonely-Planet-Reiseführern der vergangenen Jahre wurden die Highlights in einer Longlist zusammengestellt, über die die Reiseexperten und Autoren des Verlages diskutierten und abstimmten. Alle Mitglieder der Community von Lonely Planet durften dann ihre 20 Top-Sehenswürdigkeiten küren, was dann die Reihenfolge der Top-500-Rangliste ergab.

Das Buch „Ultimative Reiseziele – Die 500 schönsten Erlebnisse weltweit“ ist in der Reihe „Lonely Planet“ im DuMont Reiseverlag in Stuttgart erschienen. Das 328-seitige Hardcover-Buch im Format 23,8 x 27,8 Zentimeter ist reich bebildert und zum Preis von 29,90 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-8297-3663-3).

 

Impressionen aus dem Buch. Fotos: Petra Grünendahl

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Lonely Planet im DuMont Reiseverlag

Ultimative Reiseziele von Lonely Planet. Foto: Petra Grünendahl.

Der DuMont Reiseverlag aus Ostfildern (bei Stuttgart) ist spezialisiert auf Reise- und Freizeitbücher. Die Reihe „Lonely Planet“ ist eine Adaption der Bücher des australischen Verlages Lonely Planet Publishing, einer der erfolgreichsten unabhängigen Reiseverlage der Welt. Seit seiner Gründung Anfang der 1970er-Jahre ist der Verlag der Philosophie seiner Gründer Tony und Maureen Wheeler treu geblieben, Reiseinfos höchster Qualität zu bieten. Die Wheeler reisen dafür aber schon lange nicht mehr alleine: Mittlerweile arbeiten sie über ihre Verlagsbüros in Melbourne, Oakland und London mit 400 erfahrenen Autoren zusammen, die für Lonely Planet rund um den Erdball reisen. Der australische Verlag wurde mehrfach für seine hochwertige Reise-Literatur ausgezeichnet. Lonely Planet hat über 500 Titel im Programm, davon ca. 270 Reiseführer.
https://www.lonelyplanet.de/

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Dortmund: Stahlhaus-Bungalow L141 für das Hoesch-Museum

Prototyp des stählernen Familienheims wird Museumsstück
Von Petra Grünendahl

Das Stahlhaus L141 soll zum Hoesch-Museum überführt werden. Foto: Petra Grünendahl.

Die Stahlhäuser fallen in dieser Siedlung nicht besonders auf. Was man zunächst für eine Fassadenverkleidung halten könnte, sind aber de facto Häuserwände: Mit PVC beschichtete Stahlbleche, die Hoesch damals unter dem Namen „Platal“ vermarktete. Der Bau eigener Fertighäuser sollte den Absatz des damals gerade entwickelten Leichtprofils sichern. In den späten 1950er-Jahren wurde der Stahl-Bungalow geplant, als der Fertighaus-Bau in Mode kam. So entstanden in der 260 Häuser umfassenden Hoesch-Siedlung in Dortmund-Hombruch 1962/63 sechs Stahlhäuser des Typs K109 (mit 109 Quadratmetern Wohnfläche), bevor die Stadt Dortmund 1965 die Baugenehmigung für den Typ L141, einen L-förmigen Bungalow mit 141 Quadratmetern, erteilte.

In zeitgeössichem Ambiente (v. l.): Dr. Karl Lauschke, Isolde Parussel und Wolfgang Weick. Foto: Petra Grünendahl.

„Es ist der einzige Bungalow der dritten Generation“, verriet Dr. Karl Lauschke, Vorsitzender der Freunde des Hoesch-Museums e. V., der zusammen mit seinem Stellvertreter Wolfgang Weick und Museumsdirektorin Isolde Parussel Pläne des Museums zur Übernahme des Gebäudes vorstellte. Das Stahlhaus, ein Hoesch-Bungalow vom Typ „L141“, soll an seinem bisherigen Standort in Dortmund-Hombruch abgebaut und zum Hoesch-Museum überführt werden. Die Idee gibt es schon länger: Jetzt soll sie zum Jubiläum realisiert werden, kann doch das Museum 15 Jahre Bestehen feiern – und das Stahlhaus sein 55-Jähriges. Bevor die Freunde des Hoesch-Museums in die Sponsoren-Suche einstiegen, hatten sie durch ein Gutachten attestieren lassen, dass das Gebäude frei von Schadstoffen ist. Auch die Styropor-Dämmung zwischen den Stahlblechen sei unbedenklich, erklärte Karl Lauschke. Das L-förmige Gebäude soll in zwei Teile geteilt jeweils auf einem Tieflader durch die Stadt transportiert werden sollen, so die Idee. Um dann am Zielort wieder miteinander verbunden zu werden. Die Grundsteinlegung ist für Oktober nächsten Jahres avisiert. Im Anschluss an die ca. sechsmonatigen Arbeiten vom Abbau bis zur Restaurierung hofft der Verein, das neue Museumsstück im Frühjahr 2022 eröffnen zu können.

 

 
 

Das Stahlhaus L141 ist zum Pressetermin zeitgenössisch aufgepeppt. Foto: Petra Grünendahl.

Das damals hochinnovative Eigenheim gilt heute als historisch bedeutsames Exponat, das einen Platz am Hoesch-Museum finden soll. Im Moment arbeitet der Vorstand der Freunde des Hoesch-Museums e. V. als Trägerverein des Museums daran, die Finanzierung über Sponsoren und Fördergelder zusammen zu bekommen. „Wir sind bislang auf großes Wohlwollen gestoßen, können aber erst anfangen, wenn die Finanzierung gesichert ist“, so Wolfgang Weick. Einen höheren sechsstelligen Betrag hat eine schwäbische Fachfirma veranschlagt: Dafür zieht der Bungalow um und wird dann fachgerecht restauriert. Er soll nicht nur selber als Schauobjekt dienen, sondern auch für Ausstellungen und Events im Hoesch-Museum zur Verfügung stehen.

 
Das Stahlhaus L141: der Hoesch-Bungalow

Museumsdirektorin Isolde Parussel zeigt das Hoesch-Haus auf Mallorca. Foto: Petra Grünendahl.

Rund 200 Stahlfertighäuser hatte die Hoesch AG in den 1960er-Jahren hergestellt. Kapazitäten hatte Hoesch für ca. 5.000 Stück im Jahr, allerdings war das Stahlhaus vergleichsweise teuer und konnte sich am Markt nicht durchsetzen: Die dritte Generation hätte etwa 125.000 DM gekostet – ohne Grundstück. Der Prototyp ist fast im Originalzustand erhalten: ein Museumsstück eben! „Bislang haben wir 30 von diesen Hoesch-Stahlhäusern identifizieren können“, erzählte Isolde Parussel. Am weitesten entfernt steht ein Musterhaus auf Mallorca, der letzte gefertigte Hoesch-Bungalow steht heute im Kanton Turgau in der Schweiz.

Ein überbautes Stahlhaus: Der Bungalow mit neuem Dach. Foto: Petra Grünendahl.

Die Häuser sind teilunterkellert, stehen als Fertighaus auf einem Betonfundament und sind umgeben von – nach heutigen Maßstäben – vergleichsweise großen Grundstücken. Die dritte Generation erhielt eine bessere Wärmedämmung und Fugenausbildung. Fast 50 Jahre hatte ein Hoesch-Ingenieur mit seiner Familie hier gelebt: „Wer in diesen Stahlhäusern gewohnt hat, hat gute Erinnerungen daran“, erzählte Isolde Parussel. „Die Menschen haben gerne hier gewohnt: Das gilt für die Erstbewohner ebenso wie für spätere Nachnutzer.“ Manche Häuser in der Nachbarschaft sind allerdings im Laufe der Jahre auch von außen verändert und überformt worden.

Die Außenwände bestehen aus zwei Platal-Stahlblechen mit Styropor zur Dämmung dazwischen. Foto: Petra Grünendahl.

Die Bungalows gab es in verschiedenen Typen entsprechend der Wohnfläche, wahlweise mit zweiter Terrasse oder kompletter Küche. Die Wände konnten über die Kunststoffbeschichtung farbig ausfallen und waren abwaschbar. Zum Aufhängen eines Bildes reichten Magnete aus. Trotz dieser modernen Versprechungen konnte sich das recht teure Wohnen in Stahl jedoch nicht durchsetzen. Das Haus „L141“ war fast 50 Jahre lang Heimat der siebenköpfigen Familie des Hoesch-Ingenieurs Hoff. Sowohl Haus- wie Familiengeschichte wird das Hoesch-Museum in den kommenden Jahren präsentieren: im besten Falle im Stahlhaus am neuen Standort an der Westfalenhütte.

 

 
Das Hoesch-Museum

Das Hoesch-Museum bei Nacht. Foto: Stadt Dortmund.

Die Idee zu einem Hoesch-Museum entstand kurz nach der Jahrtausendwende mit der Stilllegung von Westfalenhütte und Hermannshütte (heute Phoenixsee). Es sollte nicht nur den Namen des ehemals größten Dortmunder Unternehmens lebendig zu halten, sondern die Geschichte von Eisen und Stahl im Stadtgebiet anschaulich vermitteln. So gründeten engagierte ehemalige Hoeschianer 2004 den Verein „Freunde des Hoesch-Museums“, der ein gutes Jahr später das Haus eröffnen konnte. Dies gelang jedoch nur mit Hilfe vieler Ehrenamtlicher und dank großzügiger Unterstützung des Museums für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund (MKK), des Westfälischen Wirtschaftsarchivs und des Unternehmens thyssenkrupp Steel. Das Duisburger Unternehmen ist Rechtsnachfolger der Hoesch AG, die 1992 von der Krupp AG übernommen und damit 1999 in die Fusion mit Thyssen eingebracht wurde.

Diese (auch finanzielle) Unterstützung ermöglichte nicht nur die konservatorische Aufbereitung von Ausstellungsobjekten und den Umbau das denkmalgeschützte Portierhaus von 1914, sondern auch die wissenschaftliche Aufarbeitung von Stahlindustrie und Strukturwandeln in Dortmund. Mit Hilfe zahlreicher Sponsoren wurde dann am 23. Oktober 2005 ein industrie- und sozialgeschichtliches Museum eröffnet, das bis heute Besucher aus Nah und Fern anzieht.

Seine besondere Rechts- und Trägerform hat das Museum beibehalten: Träger ist der gemeinnützige Verein „Freunde des Hoesch-Museums“, Kooperationspartner sind weiterhin die Stadt Dortmund und thyssenkrupp Steel. Das MKK unterstützt das Museum zudem mit einer hauptamtlichen wissenschaftlichen Leitungsstelle. Das Herz des Hoesch-Museums sind jedoch rund 80 ehrenamtlich tätige Menschen, die den Betrieb in allen Facetten sicherstellen. Sie kommen mittlerweile auch aus Berufsgruppen jenseits der Montanindustrie und investieren im Jahr rund 11.000 Stunden ehrenamtlicher Tätigkeit. Das entspricht etwa sieben Vollzeitstellen. Diese Tätigkeiten wurden 2016 mit dem WegWeiser-Preis der NRW-Stiftung Natur, Heimat, Kultur ausgezeichnet.

Bisher haben drei Vereinsvorsitzende das Haus geprägt: Dr. Alfred Heese von 2005 bis 2007, Dr. Karl-Peter Ellerbrock von 2007 bis 2015 und Dr. Karl Lauschke seit 2015. Die wissenschaftliche Leitung lag bis 2018 bei Michael Dückershoff, ihm folgte Isolde Parussel im Sommer 2018.
https://www.dortmund.de/de/freizeit_und_kultur/museen/hoesch_museum/start_hoesch/index.html

 

 
15 Jahre Hoesch-Museum

Hoesch-Museum (2006), Eberhardtstr.13 in Dortmund. Foto: Kassander der Minoer (Wikipedia, CC BY-SA 3.0)

Wenn die Corona-Beschränkungen wieder gelockert werden, lohnt sich ein Besuch: Das Hoesch-Museum präsentiert am historischen Ort 160 Jahre Unternehmens- und Sozialgeschichte. Die Geschichte der Firma Hoesch und seiner „Hoeschianer“ als Teil der Dortmunder Stadtgeschichte steht dabei im Mittelpunkt der Dauerausstellung. Im denkmalgeschützten Portierhaus der Westfalenhütte, der Keimzelle des Unternehmens Hoesch, veranschaulichen Werkzeuge und Produkte, Modelle und Fotografien den Herstellungsprozess von Stahl sowie die Arbeits- und Alltagswelt. Medieninstallationen wie „Phoenix aus der Asche“ und ein 3D-Stahlwerk ergänzen die Themen und zeigen auch die aktuelle High-Tech-Branche.

Rund 55 Sonderausstellungen haben seit der Eröffnung die Themen der Dauerausstellung ergänzt: Gezeigt wurden Kunst und Fotografie von und auf Stahl, historische Aspekte der Hoesch-Standorte Phoenix, Union und Westfalenhütte, Themen wie Sozialfürsorge, Migration oder Mitbestimmung in der Stahlindustrie und zeitgenössische Positionen aus Forschung und Bildung. Im kommenden Jahr sind u. a. eine Ausstellung mit der Künstlerin Martina Dickhut geplant und eine Schau zum 150-Jubiläum der Westfalenhütte, die 1871 in Dortmund gegründet wurde. Zur Eröffnung im Herbst 2021 soll dann auch der Geburtstag des Museums nachgefeiert werden.

Impressionen. Fotos: Petra Grünendahl

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© 2020 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (12), Stadt Dortmund (1), Kassander der Minoer (1, Wikipedia, CC BY-SA 3.0)

 

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Stephan Balkenhol im Lehmbruck Museum in Duisburg

Im Mittelpunkt: der Mensch
Von Petra Grünendahl

Stephan Balkenhol im Lehmbruck Museum. Foto:: Petra Grünendahl.

Der Mann mit dem weißen Hemd und der schwarzen Hose ist sein Lieblingsmotiv: Zu sehen ist er hier im Lehmbruck Museum in den verschiedensten Varianten. Der Mensch steht bei von Stephan Balkenhol (*1957) im Mittelpunkt: „Die menschliche Figur ist das, was mich interessiert“, so der Künstler. Plastiken von Menschen in unterschiedlichen Posen, Köpfe aus Holz herausgearbeitet, Gipsmodelle, Reliefbilder, aber auch Zeichnungen – über 200 Werke des Bildhauers und Künstlers zeigt das Lehmbruck Museum in Duisburg in seiner neuen Sonderausstellung.

Stephan Balkenhol im Lehmbruck Museum. Foto:: Petra Grünendahl.

Figuren unterschiedlichster Größe stellen die charakteristischen Spuren der Holzbearbeitung offen zur Schau: Sie sind nicht geschliffen und glatt, sondern zeigen Splitterungen, Furchen und Unebenheiten. Sie wirken unfertig, lenken aber gerade deswegen den Blick auf sich. „Seine Figuren strahlen Ruhe aus, wirken in sich gekehrt und lassen Platz für Interpretationen“, sagte Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla, die hier Parallelen zum Namensgeber des Museums und seinen Werken zog.

 

Stephan Balkenhol im Lehmbruck Museum. Foto:: Petra Grünendahl.

Die Werkschau von Stephan Balkenhol, Retrospektive seiner Werke von 1990 bis heute, stellten Söke Dinkla, Kulturdezernentin Astrid Neese und der Künstler selber im Lehmbruck Museum in einem Pressegespräch vor. Stephan Balkenhol ist einer der wichtigsten deutschen Bildhauer der Gegenwart. Er porträtiert Alltagsmenschen und ist schon vielfach für seine Skulpturen ausgezeichnet worden. Viele seiner Werke stehen im öffentlichen Raum, zum Beispiel in Hamburg, Berlin und anderen deutschen sowie europäischen Städten. Zudem zieren sie zahlreiche private und öffentliche Sammlungen weltweit. „Bereits seit 1990 haben wir ein Werk von ihm in unserer Sammlung“, erzählte die Museumsdirektorin.

Stephan Balkenhol im Lehmbruck Museum. Foto:: Petra Grünendahl.

Die aktuelle Werkschau war seit zwei Jahren in der Vorbereitung. Kuratorin Ronja Friedrichs hatte sie mit dem Künstler erarbeitet, dessen jüngste Ausstellungsstücke, eine Werkgruppe von Kopfskulpturen, extra für Duisburg entstanden sind. Die Retrospektive im Lehmbruck Museum ist die größte Schau seiner Werke seit 2008. Die Ausstellung eröffnet am Donnerstag, 22. Oktober. Die Veranstaltung ist bereits ausgebucht.

 

Katalog und Audioguide

Stephan Balkenhol mit der Toniebox im Lehmbruck Museum. Foto: Kathrin Balkenhol.

Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Texten von Dr. Söke Dinkla, Heinz-Norbert Jocks und Ronja Friedrichs. Der Band mit 120 Seiten und 70 farbige Abbildungen ist im Schirmer/Mosel Verlag, München, erschienen. Das exzellent illustrierte Werk ist zum Preis von 29,80 Euro an der Museumskasse sowie im lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-8296-0909-8) verfügbar. Als Audioguide für die Ausstellung gibt es eine Tonie-Figur mit einer ca. 37-minütigen Tour, die Ehefrau Kathrin zusammen unter anderem mit den Töchtern (fünf und fast vier Jahr alt) gestaltet hat: Sie bietet noch einmal eine ganz andere Annäherung an die Werkschau. Gegen Abgabe des Lichtbildausweises ist sie kostenlos an der Kasse auszuleihen.

 

Stephan Balkenhol im Lehmbruck Museum. Foto:: Petra Grünendahl.

Möglich gemacht haben die Ausstellung „Stephan Balkenhol” Sponsoren und Förderer wie die National-Bank AG, das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und die Stadt Duisburg im Rahmen der Duisburger Akzente. Das Lehmbruck Museum ist darüber hinaus Monika und Veit Messing sowie der Überörtlichen Radiologischen Gemeinschaftspraxis Duisburg-Moers, Dres. Dabir, Hirning, Poll, Dabir-Scherfeld und Kollegen zu großem Dank verpflichtet.

 

 
Der Künstler

Stephan Balkenhol im Lehmbruck Museum. Foto:: Petra Grünendahl.

Stephan Balkenhol wurde 1957 im nordhessischen Fritzlar geboren. Er lebt und arbeitet in Kassel, Karlsruhe, Berlin und im französischen Meisenthal. Von 1976 bis 1982 studierte er an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg, unter anderem bei Ulrich Rückriem. Seit 1983 zeichnet sich Balkenhols Werk durch das Bestreben des Künstlers aus, die figurative Skulptur neu zu begründen. Nach Lehraufträgen an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg und an der Städelschule in Frankfurt am Main lehrt er seit 1992 als Professor für Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe.

 

Das Lehmbruck Museum

Stephan Balkenhol im Lehmbruck Museum. Foto:: Petra Grünendahl.

Das mitten in Duisburg im Kantpark gelegene Lehmbruck Museum ist ein Museum für Skulptur. Seine Sammlung moderner Plastiken von Künstlern wie Alberto Giacometti, Pablo Picasso, Hans Arp und natürlich Wilhelm Lehmbruck ist europaweit einzigartig. Beheimatet ist das Museum in einem eindrucksvollen Museumsbau inmitten eines Skulpturenparks, der zum Schlendern und Entdecken einlädt. Namensgeber des Hauses ist der Bildhauer Wilhelm Lehmbruck, der 1881 in Meiderich, heute ein Stadtteil von Duisburg, geboren wurde. Lehmbruck ist einer der bedeutendsten Bildhauer der Klassischen Moderne. Er hat mit seinem Werk maßgeblichen Einfluss auf nachfolgende Künstlergenerationen und ist auch nach seinem frühen Freitod im Jahr 1919 bis heute einflussreich geblieben.

Impressionen. Foto: Petra Grünendahl

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Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Stephan Balkenhol im Lehmbruck Museum. Foto:: Petra Grünendahl.

Die Ausstellung von Stephan Balkenhol ist bis zum 28. Februar 2021 im Anbau (Wechselausstellungsbereich) zu sehen. Dienstags bis freitags ist das Lehmbruck Museum ab 12 Uhr geöffnet, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags an Terminen der plastikBAR (erster Donnerstag im Monat ab 17.30 Uhr) bis 20 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro (ermäßigt* 5 Euro), eine Jahreskarte 35 Euro (ermäßigt* 20 Euro). Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Blinden- und Demenzbegleitung haben kostenlos Eintritt. Schulklassen und Kindergärten zahlen pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte (2 Erwachsene plus Kinder bis 14 Jahre) gibt es für 15 Euro. Jeden ersten Freitag im Monat gilt: „Pay what you want“. Ausgenommen davon sind angemeldete Gruppen.

Stephan Balkenhol im Lehmbruck Museum. Foto:: Petra Grünendahl.

Zu seinen Sonderausstallungen bietet das Lehmbruck Museum verschiedene Veranstaltungen als Rahmenprogramm an. Zu den Highlights zählt hier mit Sicherheit das Künstlergespräch – Stephan Balkenhol im Gespräch mit Heinz-Norbert Jocks – am Freitag, 23. Oktober, um 18 Uhr (ca. 1 ½ Stunden). Auch diese Veranstaltung ist bereits ausgebucht. Öffentliche Führungen durch das Museum gibt es jeden Sonntag um 11.30 Uhr. Für Informationen steht die Kunstvermittlung des Lehmbruck Museums unter Telefon 0203 / 283-2195 oder eMail kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de zur Verfügung (Zu Preisen und Buchungen für Führungen geht es hier).

 

Stephan Balkenhol im Lehmbruck Museum. Foto:: Petra Grünendahl.

Für Führungen und Veranstaltungen aus dem Rahmenprogramm sind aktuell grundsätzlich Anmeldungen erforderlich. Die Veranstaltungen finden vorbehaltlich eventueller Veränderungen aufgrund der Corona-Pandemie statt. Es kann zu kurzfristigen Anpassungen kommen. Außerdem ist die Anzahl der Besucher im Museum begrenzt: Auf aktuell 100 im Wechselausstellungsbereich sowie 300 im gesamten Museum: Es kann zu Wartezeiten kommen, falls diese Anzahl erreicht ist. Siehe auch: https://lehmbruckmuseum.de/update-coronavirus/.

(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70%), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen mit Sozialhilfebezug.

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (17), Kathrin Balkenhol (1)

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Atlas der Reiselust von DuMont: „USA Inspiration für ein ganzes Leben“

Geschichte(n) und Fakten machen Lust auf mehr
Von Petra Grünendahl

Ein paar Einblicke ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Entweder man hasst Amerika. Oder man liebt es. Gründe für Letzteres gibt es reichlich in einem Land der Gegensätze: Atemberaubende Landschaften, faszinierende Metropolen und eine vielfältige Kultur, die man im alten Europa nicht unterschätzen sollte. Berühmte Straßen durchziehen das Land, die zu ausgedehnten Roadtrips einladen. Ein neuer „Atlas der Reiselust“ will inspirieren, sich den Vereinigten Staaten anzunähern. Wer sich auf das Land einlässt, kann viel entdecken: Historische Orte von der indianischen Besiedlung über die europäische bis hin zu modernen Meilensteinen der Architektur. Das Buch zeigt die Vereinigten Staaten nicht nur in grandiosen Fotografien von Landschaften und Orten, sondern auch in seinen Filmen, in der Literatur, in Musik oder Sport, mit seinen Museen, Themen- und Freizeitparks oder in seiner Esskultur, die weit über das hinaus geht, was man von den hierzulande bekannten Fast-Food-Läden kennt. Dazu kommen mitunter kuriose Fakten und Details aus der amerikanischen Historie und Gesellschaft und über Menschen, die Geschichte und Kultur prägten.

 

Ein paar Einblicke ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Mit „USA Inspiration für ein ganzes Leben“ hat der DuMont Reiseverlag einen neuen Beitrag für seine Reihe „Atlas der Reiselust“ vorgelegt. Das Werk sammelt umfassend viele Details und Fakten zum Land der unbegrenzten Möglichkeiten (andere nennen es nicht ganz zu Unrecht auch: Land der unmöglichen Begrenzungen). Das Buch erschließt nicht nur touristische Highlights, sondern bringt jede Menge Einblicke in die Geschichte und Legenden sowie viele unbekannte Geschichten, Fakten und Details aus einem Land, welches von Ost nach West bis Alaska und Hawaii sechs Zeitzonen sowie mehrere Klimazonen umfasst. Das ist nicht „ein“ Amerika, das sind viele Varianten, die man nach Corona gerne mal erkunden möchte.

Ein paar Einblicke ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Außer vielfältigen Inspirationen bietet das großformatige Werk reichlich praktische Reiseinformationen und Adressen. Links für weiter führende Informationen zu den Orten, Film- und Literaturtipps, Musik- sowie Touren-Tipps (für Auto, Fernbus, Zug oder zum Wandern). Wer eine Reise plant, sollte sich aber unbedingt vorher noch einmal über aktuelle Reise- und Sicherheitsbestimmungen informieren. Dass dies im Moment wegen des weltweit kursierenden Coronavirus nicht ratsam ist: geschenkt. Was einen aber nicht davon abhalten sollte, schon mal in diesem Buch die unzähligen Möglichkeiten zu erkunden.

 

 
Faszinierende Orte inspirieren zu mehr

Ein paar Einblicke ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Gegliedert ist das Buch thematisch: Into the Wild, On the Road, Kultur der USA, Ab in die Metropolen, Fantastisch sowie Essen & Trinken. Das erleichtert den Zugang zu diesem grandiosen Land inhaltlich, erschwert aber mitunter die Einschätzung, wie weit „nebeneinander“ beschriebene Locations tatsächlich voneinander entfernt liegen. Zusammengestellt wurden die Texte von einem französischen Autoren-Kollektiv, DuMont verlegt die deutsch-sprachige Originalausgabe. Vielfach machen die Texte der Autoren deutlich, wie sehr die amerikanische Kultur auch in unserem Leben präsent ist. Trotz der reichhaltigen Bebilderung ist das Werk sehr text-lastig, mit einer ungeheuren Fülle an Fakten und Informationen. Das Buch liest man nicht unbedingt sukzessive durch, sondern man blättert und liest sich hier und da fest.

Titelbild: DuMont Reiseverlag.

Das Buch „USA Inspiration für ein ganzes Leben“ ist in der Reihe „Atlas der Reiselust“ im DuMont Reiseverlag in Stuttgart erschienen. Das 384-seitige Hardcover-Buch im Format 25,2 x 33,3 Zentimeter mit einem Gewicht von über zweieinhalb Kilogramm ist jetzt nichts fürs Reisegepäck, eher fürs heimische Sofa, wo man vom Reisen träumt, um sie dann zu planen. Das reich bebilderte Buch mit mehr als 850 Fotos. Illustrationen und Zeichnungen ist zum Preis von 39,90 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-7701-8868-0).

 

 
DuMont Reiseverlag

Ein paar Einblicke ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Der DuMont Reiseverlag aus Ostfildern (bei Stuttgart) ist spezialisiert auf Reise- und Freizeitbücher. Die Reihe „Atlas der Reiselust“ verbindet eine riesige Anzahl von möglichen Reisezielen und Touren-Inspirationen mit einem reichhaltigen Informationsspektrum von aktuellen und historischen Besonderheiten einzelner Orte bis hin zu konkreten Reiseinformationen und Adressen.
www.dumontreise.de

 
Impressionen: Ein paar Einblicke ins Buch. Fotos: Petra Grünendahl

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© 2020 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Aus dem Bestand der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen: Rudolf Holtappel im A2-Kalender

Mit Fotografien des Ruhrgebiets-Chronisten durch das Jahr 2021
Von Petra Grünendahl

Zeche Sterkrade in Oberhausen 1960. Foto: Petra Grünendahl.

„Die Zukunft hat schon begonnen“ war der Titel der erfolgreichen Ausstellung in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen, die den Nachlass des Fotografen Rudolf Holtappel (1923–2013) und verschiedene Leihgaben seiner Werke wissenschaftlich aufbereitet einem interessierten Publikum präsentierte. Das Ruhrgebiet, welches über Jahrzehnte seine Heimat war, lichtete Holtappel in seiner ganzen Vielfalt ab: Industrielandschaften und Städte als Lebensraum, Arbeit und Menschen. Es sind liebenswürdige Szenen aus dem Alltag und aus dem Leben gegriffen. Es sind lebendige Bilder aus einer anderen Zeit. Viele seiner Bilder stammen aus den 1960er- oder 1970er-Jahren. Die Stadt Oberhausen, wo der Fotograf bis zu seinem Tod lebte, konnte den Nachlass 2017 erwerben. Seitdem gehören die Fotografien zum Bestand der Ludwiggalerie.

 

Der Kalender mit großformatigen Fotografien des Ruhrgebiets-Chronisten Rudolf Holtappel für das Jahr 2021. Foto: Oberhausen Tourismus.

Mit einem hochwertigen DIN-A2-Fotokalender geht die Werkschau des Oberhausener Ruhrgebiets-Chronisten Rudolf Holtappel im Jahr 2021 für 365 Tage in die Verlängerung. Genau wie die Ausstellung trägt der neue Jahreskalender für 2021 den Titel „Die Zukunft hat schon begonnen“. Zwölf ausgesuchte Motive erinnern an das Leben und Arbeiten von gestern und nehmen den Betrachter mit auf eine kleine Zeitreise in das Oberhausen der 1960er und 1970er Jahre. Herausgegeben wird der Kalender von der OWT Oberhausener Wirtschafts- und Tourismusförderung GmbH in Zusammenarbeit mit der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Er ist ab sofort erhältlich in den beiden touristischen Informationsstellen am Hauptbahnhof und im Centro sowie im Museums-Shop im Kleinen Schloss. Der Preis beträgt 19,90 Euro. Infos gibt es bei Tourist Information Oberhausen, Telefon 0208 / 824570, eMail tourist-info@oberhausen.de, auf www.oberhausen-tourismus.de sowie im Museums-Shop der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen, www.ludwiggalerie.de.

 

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Ludwiggalerie Schloss Oberhausen

Sonntags in Oberhausen 1961. Foto: Petra Grünendahl.

Fotos von Rudolf Holtappel sind auch Gegenstand der sehr empfehlenswerten aktuellen Ausstellung im Kleinen Schloss: Unter dem Titel „Oberhausen – Aufbruch macht Geschichte“ zeigt das Stadtarchiv Stadtentwicklung und Strukturwandel in Oberhausen zwischen 1847 und 2006. Die Sonderausstellung läuft bis zum 17. Januar 2021. Das Museum ist geöffnet von Dienstag bis Sonntag zwischen 11 und 18 Uhr. Montags ist Ruhetag, feiertags sowie Pfingstmontag ist jedoch geöffnet. Geschlossen ist am 24., 25. und 31. Dezember sowie 1. Januar. Der Eintritt zum Kleinen Schloss ist frei, im Großen Schloss kostet es 8 Euro (ermäßigt 4 Euro, Familien 12 Euro). Corona-bedingt gilt eine Besucherobergrenze: Im Großen Schloss (Otfried Preußler) von 80 Personen, im Kleinen Schloss (Aufbruch macht Geschichte – Strukturwandel 1847–2006) finden insgesamt 35 Leute Platz. Bei einer weiteren Lockerung der Einschränkungen könnte diese Zahl aber wieder steigen. Über die ansonsten geltenden Bestimmungen kann man sich hier informieren. So finden mittlerweile auch wieder die öffentlichen Führungen (sonn- und feiertags um 11.30 Uhr, es gilt eine Personenzahlbegrenzung) sowie das Rahmenprogramm zur Ausstellung im Großen Schloss statt: Sie sind im Museumseintritt inklusive. Details zum Rahmenprogramm zu den Ausstellungen gibt es hier.

Der Kalender mit großformatigen Fotografien des Ruhrgebiets-Chronisten Rudolf Holtappel für das Jahr 2021. Foto: Oberhausen Tourismus.

Im Großen Schloss zeigt die Ludwiggalerie noch bis zum 10. Januar 2021 die sehr sehenswerte Ausstellung „Räuber Hotzenplotz, Krabat und Die kleine Hexe. Otfried Preußler – Figurenschöpfer und Geschichtenerzähler“. Diese Ausstellung haben wir bereits besucht.

Oberhausen am Rhein-Herne-Kanal mit dem Gasometer 1961. Foto: Petra Grünendahl.

Die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen ist eines der 21 RuhrKunstMuseen. Sie befindet sich an der Konrad-Adenauer-Allee 46 in 46049 Oberhausen. Anfahrt am besten über die A42, Abfahrt Oberhausen-Zentrum. Weitere Infos: www.ludwiggalerie.de.

Sehr bemerkenswert ist die ebenfalls im Schloss Oberhausen untergebrachte, aber nicht zur Ludwiggalerie gehörige Gedenkhalle. Als städtische Einrichtung in Erinnerung an die Verfolgten des Nationalsozialismus arbeitet die Gedenkhalle seit 1962 gegen das Vergessen und für das Miteinander aller Menschen in Oberhausen. Mit der 2010 erneuerten Dauerausstellung widmet sie sich der Stadtgeschichte zwischen 1933 und 1945 sowie der Zwangsarbeit im Ruhrgebiet während der NS-Zeit. Da sollte man unbedingt mal vorbei schauen!

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Oberhausen Tourismus (2), Petra Grünendahl (3)

 

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Der Waldfriedhof in Wanheimerort – Teil 3: Im Fokus der Stadtteil-Historiker

Zeichen für Integration in der Gesellschaft
Von Petra Grünendahl

Die Stadtteil-Historikerin Silke Mayer beschäftigt sich mit der Geschichte des Waldfriedhofs in Wanheimerort. Foto: Petra Grünendahl.

„Der Friedhof war von Anfang an auch als Erholungsfläche geplant”, erzählte Silke Mayer. Strecken des Waldfriedhofs in Wanheimerort sind parkähnlich angelegt. Die klassische Beerdigungsform im Reihengrab hat bei guter Pflege ohnehin einen gewissen Park-Charakter – und unter den Bäumen lässt es sich gut flanieren. „Er ist als Reformfriedhof angelegt: Klare Linien und Ästhetik ersetzten in den 1920ern die 1900 in Mode gekommene freie Gräbergestaltung, bei der jeder machte was er wollte“, so die Stadtteil-Historikerin. Sie fasziniere die Vielfalt dieses Friedhofs ebenso wie eine parkähnliche Gestaltung, erzählte sie.

Die Stadtteil-Historikerin Silke Mayer auf dem alten Jüdischen Friedhof. Foto: Petra Grünendahl.

Und der Friedhof sei auch ein Ort der Integration: „Neben allen möglichen Formen von Grabstätten gibt es hier schon seit den 1990er-Jahren muslimische Gräberfelder und Grabfelder für Roma. Jüdische Gräber waren von Anfang an mit eingeplant.“ Auch griechisch-orthodoxe Grabstätten seien hier angelegt. Und weiter: „1941 bestimmte die nationalsozialistische Regierung, dass Zwangsarbeiter auf dem jüdischen Friedhof beerdigt werden sollten.“ Letztere liegen (heute) aber vor allem in eigenen Grabfeldern begraben: „Ob sie dahin mal umgebettet wurde, kann man annehmen, aber sicher bin ich mir da noch nicht“, so Mayer. Ihre Recherchen sind schließlich noch längst nicht abgeschlossen.

 

Das Mahnmal der zwei trauernden Frauen (1961) von Dorothee Ludwig-Mindt am Ehrenfeld des Waldfriedhofs. Foto: Petra Grünendahl.

Der Waldfriedhof an der Düsseldorfer Straße in Wanheimerort, mit dem sich die Stadtteil-Historikerin Silke Mayer seit Jahresanfang beschäftigt, birgt viele alte, aber auch neuere Grabstätten mit Geschichte oder außergewöhnlichem Hintergrund. Er wurde Anfang der 1920-er Jahre angelegt und im Jahr 1923 als Neuer Friedhof seiner Bestimmung übergeben. Zusammen mit Silke Mayer gaben Vorstandsmitglied Klaus Becker und Ariela Cataloluk von der Geschäftsstelle der Bürgerstiftung Auskunft über das Projekt „Stadtteil-Historiker“ und das Thema Waldfriedhof. „Der hier angelegte Ehrenfriedhof sollte eine Fortsetzung des Ehrenfriedhofs am Kaiserberg sein, der zu klein wurde, um Soldaten aufzunehmen, die Jahre nach Ende des 1. Weltkrieges verstarben“, wusste Mayer zu berichten. Die meisten Gräber hier stammen aber aus dem 2. Weltkrieg, in dem die Stadt die Opfer der Bombenangriffe hier beerdigte: „Sie kriegten Grabkreuze wie gefallene Soldaten: sie galten als Gefallene an der Heimatfront“, erklärte sie den Nazi-Jargon.

 

Stadtteil-Historikerin Silke Mayer

Stadtteil-Historikerin Silke Mayer auf dem Gräberfeld des Ehrenfriedhofs: Hier liegen die zivilen Opfer des Bombenkriegs. Foto: Petra Grünendahl.

„Gut eine Woche, bevor die Ausschreibung für die Stadtteilhistoriker kam, war ich hier mit einer Freundin spazieren“, erzählte Silke Mayer. Der Ort habe sie fasziniert. Sie habe einen Faible für Lost Places: „Und da gehören auch alte Friedhöfe dazu.“ Mit dem Waldfriedhof Wanheimerort hatte sie eine Themenskizze, welche sie Bürgerstiftung Duisburg und der GLS Treuhand für das Stipendien-Programm Stadtteil-Historiker vorstellte. „Ihre Vorstellung war eine der überzeugendsten“, erzählte Klaus Becker, Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung Duisburg. Ohnehin ist Duisburg bei dem Stipendien-Programm gut vertreten: Von den 18 Stipendiaten stammen sechs aus Duisburg. Die Qualifizierten aus dem Ruhrgebiet erhalten eine fachliche Begleitung und jeweils 1.500 Euro Recherchebudget. „Das Recherchebudget ist als Auslagen-Ersatz gedacht“, erklärte Klaus Becker die Intention des Stipendiums, welches von der GLS Treuhand finanziert wird. „Wir haben die Duisburger Projekte nach interessanten Schwerpunkten ausgesucht“, so Becker zum Findungsprozess, der hier über die Bürgerstiftung Duisburg lief. Im Sommer 2021 werden die Ergebnisse der Öffentlichkeit vorgestellt.

 

Der alte Jüdische Friedhof auf dem Waldfriedhof in Wanheimerort. Foto: Petra Grünendahl.

Sie baue ihr Thema „Waldfriedhof“ epochal auf: In fast 100 Jahren kommt da einiges zusammen. „Ich suche aber auch noch Zeitzeugen, dir mir etwas zur Geschichte und Entwicklung des Waldfriedhofs erzählen können“, erklärte die Stadtteil-Historikerin, die hauptberuflich in der Erwachsenenbildung arbeitet. „Das sind die spannenden Geschichten, die man in die Recherche-Ergebnisse einarbeiten kann.“

 

 
Der Waldfriedhof

Sehr aufwändig und pompös wirken die Roma-Gräber. Foto: Petra Grünendahl.

Der Waldfriedhof in Wanheimerort trägt auch den Beinamen „Neuer Friedhof“. Er wurde Anfang der 1920-er Jahre angelegt, als sich eine völlige Belegung des damaligen Hauptfriedhofs Sternbuschweg in Neudorf (auch „Alter Friedhof“) abzeichnete. Im Jahr 1923 begann man mit ersten Reihengrabbeerdigungen. Ab 1925 stand auch eine Einsegnungs- und Leichenhalle zur Verfügung. Der älteste Grabstein, den man heute noch auf dem Waldfriedhof findet, ist ein Findling, bei dem statt einer Eingravierung eine aufgebrachte Plakette die Daten des 1924 Verstorbenen zeigt.

 
Der Waldfriedhof in Wanheimerort

Die Friedhofsverwaltung im alten Forsthaus Haniel. Foto: Petra Grünendahl.

Auf einer Fläche von rund 67 Hektar ist der Friedhof in einem Waldstück an der heutigen Düsseldorfer Straße angelegt worden. Seine rund 6.000 Bäume unterstreichen den waldähnlichen Charakter. Entlang eines Wegenetzes von etwa 50 Kilometern stehen inmitten der Grabanlagen auch Eichen und Buchen, die im vorletzten Jahrhundert gepflanzt wurden und mittlerweile ein Alter von über 170 Jahren erreicht haben. Das Areal gehörte früher der Familie Haniel. Im alten Forsthaus Haniel ist heute die Friedhofsverwaltung untergebracht. Gegenüber ist der Betriebshof, von dem aus die Wirtschaftsbetriebe die allgemeinen Bereiche des Areals pflegen.

 

 
Neben klassischen Grabarten gibt es mittlerweile auch Wahlgräber für Särge und Urnen, was den Wandel der Bestattungskultur dokumentiert. Pflegefreie Gräber oder Rasengräber tragen gesellschaftlichen Änderungen Rechnung, weil Pflege von Angehörigen – soweit überhaupt vorhanden – aus verschiedensten Gründen nicht geleistet werden kann. Die Gestaltung reicht von einfachen Grabsteinen auf der Wiese mit mehr oder weniger üppigem Blumenschmuck bis hin zum anonymen Grab, das nur deswegen erahnt werden kann, weil das Gräberfeld voll belegt ist.

 

Der Zugang zum neuen Jüdischen Friedhof. Foto: Petra Grünendahl.

Schon 1927 wurde ein Begräbnisfeld für die Jüdische Gemeinde der Stadt angelegt, das zwischen primär 1930 und 1942 genutzt wurde. Erst 1981 fand hier wieder eine Bestattung statt. Vor gut zwei Jahren legte die Jüdische Gemeinde Duisburg Mülheim Oberhausen ein neues Gräberfeld an, das seitdem als letzte Ruhestätte für jüdische Mitbürger genutzt wird. In den 1990er-Jahren schuf man auch ein islamisches Gräberfeld für den südlichen Bestattungsbezirk. Beide Religionen glauben an die Unverletzlichkeit des Körpers: Damit sind nur Reihenbestattungen möglich, keine Feuerbestattung (Urnengräber). Es gibt Reihen von Sinti-Gräbern ebenso wie griechisch-orthodoxe Gräberfelder. Seit den 1990er-Jahren gibt es auch einen Bereich mit Roma-Gräbern. 2011 eröffnete der Memoriam Garden in Zusammenarbeit mit Friedhofsgärtnern: Hier befinden sich hochwertige Grabstätten mit besonderem gestalterischen Anspruch.

 

 
Feuerbestattung seit 1932: das Krematorium

Das muslimische Gräberfeld. Foto: Petra Grünendahl.

ab 1912 gab es erste Bestrebungen, eine Feuerbestattungsanlage in Duisburg zu bauen. Erst mit der Einrichtung des neuen Hauptfriedhofs wurde das Projekt wieder aufgegriffen. Vom Rohbau 1929 dauerte es wegen Finanzierungsschwierigkeiten in der Weltwirtschaftskrise bis 1932 mit der Fertigstellung. Ein Luftangriff 1944 beschädigte das Krematorium so stark, dass Einäscherungen in der Folgezeit nicht mehr möglich waren. Dem Wiederaufbau der Verbrennungsanlage bis 1950 folgte die Inbetriebnahme der Krematoriumskapelle 1952/53. Neben Ausbesserungs-, Erweiterungs- und Modernisierungsarbeiten investierte die Stadt auch in Maßnahmen zur Schadstoffreduzierung.

 
Aufgrund steigender Einäscherungszahlen und wegen der veralteten Krematoriumstechnik begann man 2001 mit dem Bau eines neuen Krematoriums. Der bestehende Zellentrakt wurde bis auf die alte Trauerhalle abgerissen und ein modernes Krematorium im Frühjahr 2002 seiner Bestimmung übergeben. Äußerlich der alten Bausubstanz angepasst enthält er modernste Technik und zeitgemäße Abschieds- und Aufbahrungsräume.

 
Unsere früheren Spaziergänge über den Waldfriedhof:

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Ludwiggalerie Schloss Oberhausen: Fotoausstellung zum Strukturwandel 1847–2006

Stadtarchiv zeigt „Oberhausen – Aufbruch macht Geschichte“ im Kleinen Schloss
Von Petra Grünendahl

Dr. Magnus Dellwig, Leiter des Stadtarchivs Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

„Mit der Erschließung durch die Eisenbahn 1847 entstanden erste Siedlungen, da die Industrialisierung Menschen ins Ruhrgebiet zu den Arbeitsplätzen lockte“, erzählte Magnus Dellwig, Historiker und Leiter des Stadtarchivs Oberhausen. Mit diesem Ausgangspunkt und gegliedert in fünf Epochen schildert die neue Ausstellung die Entwicklung Oberhausens. Die Industrialisierung als Strukturwandel 1.0, weg von der Landwirtschaft, hin zu Kohle und Stahl (1894–1934):

Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt. Foto: Petra Grünendahl.

„Die ‚Dunstglocke’ als Zeichen dieser Zeit haben viele Oberhausener noch gut in Erinnerung“, so Dellwig. Vermutlich der vielen guten Arbeitsplätze wegen, die dann dem Strukturwandel 2.0 von der Industriestadt zur Dienstleistungsstadt zum Opfer fielen (1988–2006). In Oberhausens „Neuer Mitte“ findet sich das Ergebnis dieses Wandels. Dieser schaffte ein neues wirtschaftliches Fundament und prägte damit auch die Identität der Menschen. Ihren Abschluss findet die Aufarbeitung im Jahr 2006, als die Planungen zum O.VISION-Zukunftspark keine Förderung vom Land NRW erhielten. Das Ende dieses Zentrums für Gesundheitsdienstleistungen stellte die letzte Zäsur in der Stadtentwicklung dar, deren Überwindung mit der Neuentwicklung des Areals noch nicht abgeschlossen ist.

 

Stellten die Ausstellung vor (v. l.): Dr. Christine Vogt, Michaela Schmitz-Oetjen und Dr. Magnus Dellwig. Foto: Petra Grünendahl.

„Fürs Publikum ist dies ein attraktiver Ort, an dem wir mit Bildern aus Oberhausens Geschichte mehr Menschen erreichen“, erklärte Magnus Dellwig, warum „Oberhausen – Aufbruch macht Geschichte“ als Ausstellung des Stadtarchivs Oberhausen im Kleinen Schloss der Ludwiggalerie zu sehen ist. Im Pressegespräch erzählten Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt, Stadtarchiv-Leiter Magnus Dellwig und Michaela Schmitz-Oetjen, stellvertretende Leiterin des Stadtarchivs, wie der Strukturwandel Oberhausens Stadtentwicklung von 1847 bis 2006 geprägt hat. Die Ausstellung erschließt sich über Fotos und Kartenmaterialien, die über Begleittexte in Kontext gesetzt werden. Die Foto-Auswahl ermöglicht dem Betrachter, Entwicklungen nachzuvollziehen. Abgerundet wird die Präsentation inhaltlich durch Video-Filme im Kabinett, die die Diskussion um den Strukturwandel der letzten 30 Jahre auch kritisch hinterfragen.

Die alte Gutehoffnungshütte am Rhein-Herne-Kanal: Hüttenwerk Oberhausen (HOAG). Foto: Petra Grünendahl.

Eine richtige Ausstellungseröffnung ist angesichts von Corona und den Platzverhältnissen im Kleinen Schloss nicht möglich. Die Ausstellung öffnet einfach am Sonntag, 27. September. Zum Ausstellungsstart sind den ganzen Tag Mitarbeiter des Stadtarchivs vor Ort, um Fragen der Besucher zu beantworten.

 
Stadtgeschichte in Bildern und Objekten

Planmodell von Oberhauens Neuer Mitte. Foto: Petra Grünendahl.

„Wir haben ein paar Dinge entdeckt, die wichtig sind für die Stadtgeschichte“, erklärte Klaus Martin Schmidt-Waldbauer, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Stadtarchiv. Seit 30 Jahren ist er für die Stadt Oberhausen tätig: In früheren Tätigkeiten in der Stadtentwicklung hat er die Stadtplanung in dieser Zeit mit gestaltet. Heute arbeitet er genau jene Stadtentwicklung historisch auf. Eine Karte vom Gebiet „Oberhausen“ aus dem Jahr 1857 sei extra für diese Ausstellung restauriert und aufgearbeitet worden, erzählte er. Ein silberner Tafelaufsatz von 1904, Deutschlands erster Kontoauszugdrucker (der Sparkasse Oberhausen), ein Abbauhammer und eine Wetterlampe und eine Wetterlampe:

Oberhauens Neue Mitte. Foto: Petra Grünendahl.

Die Ausstellung besteht nicht nur aus Fotos, Kartenmaterial und Begleittexten, sondern auch aus Gegenständen und Objekten mit einem Bezug zu. Zu den Highlights zählt hier mit Sicherheit das Planmodell der Neuen Mitte von 1993, welches in den 1990er-Jahren im Rathaus gestanden hatte. „Die Gebäude waren alle ein bisschen abgegriffen, die Bäume nach und nach verschwunden“, erzählte der Stadtarchivar. Liebevoll restauriert zeigt die Ausstellung dieses Stück nun unter Vitrinenglas. Diverse Fördertöpfe und Sponsoren haben diese Ausstellung erst möglich gemacht: Zum einen der Landschaftsverband Rheinland (LVR), der die wissenschaftliche Aufarbeitung von ca. 3.400 Verzeichnisinhalten im Stadtarchiv förderte, mit dem Ziel, die Erkenntnisse einer Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Zu den weiteren Sponsoren zählen unter anderem die Emschergenossenschaft, die Stadtsparkasse Oberhausen und der Freundeskreis der Ludwiggalerie. Hier gibt es den Flyer zur Ausstellung zum Download.

Oberhausen – Aufbruch macht Geschichte: das Ausstellungsplakat. Foto: Ludwiggalerie

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der sich mehr als Begleitbuch zur Ausstellung versteht. Das reich bebilderte Werk arbeitet wissenschaftlich Strukturwandel und Stadtentwicklung aus historischer Perspektive auf und geht damit über die Ausstellungsinhalte hinaus: Es ist eher ein Werk zur Stadtgeschichte. Herausgeber Magnus Dellwig, Mitarbeiter des Stadtarchivs sowie externe Historiker beleuchten Historie ebenso Entwicklungen von Thematiken, die sich durch die Stadtgeschichte ziehen. Das reich bebilderte und hochinformative Werk hat 354 Seiten, ist im Verlag Karl Maria Laufen erschienen und kostet 29,90 Euro. Erhältlich ist er im Shop im Kleinen Schloss sowie im lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-87468-399-9).

 

 
Oberhausen vom Aufbruch zum Strukturwandel

Begleittexte führen durch die Ausstellung. Foto. Petra Grünendahl.

Die Industrialisierung und Arbeitsplätze lockten Menschen ins Gebiet des heutigen Oberhausen. Die Bevölkerung wuchs. Den Namen Oberhausen erhielt die junge Gemeinde vom 1847 neu angelegten gleichnamigen Bahnhof der Cöln-Mindener Eisenbahn in der Gemeinde Borbeck, die später zwischen Oberhausen und Essen aufgeteilt wurde. 1862 schlossen sich sieben Gemeinden zur Bürgermeisterei Oberhausen zusammen, die zuvor den Landkreisen Recklinghausen, Dinslaken und Essen bzw. Duisburg angehört hatten. Zwölf Jahre später (1874) bekam die Gemeinde Stadtrechte im 1873 gegründeten Landkreises Mülheim, der wiederum aus Teilen des Landkreises Duisburg hervorgegangen war, als Duisburg Stadtkreis wurde. 1901 wurde Oberhausen dann selber Stadtkreis.

Stadtentwicklung in Kartenmontagen. Foto: Petra Grünendahl.

Weitere Eingemeindungen folgten. Im Zuge der Kommunalen Neugliederung im Ruhrgebiet wurden am 29. Juli 1929 die Stadtkreise Oberhausen an der Ruhr, Osterfeld und Sterkrade zum neuen Stadtkreis Oberhausen (Rheinland) mit Korrekturen an den Grenzen zu den Nachbarstädten Duisburg, Mülheim an der Ruhr und Bottrop vereinigt. Die Gebietsreform von 1929 führte dazu, dass die heutige kreisfreie Stadt Oberhausen drei gewachsene Zentren hat: Oberhausen, Osterfeld und Sterkrade. Die erst Anfang der 1990er Jahre geplante „Neue Mitte“ kann heute als viertes Zentrum der Stadt gewertet werden: Auf dem Areal des ab 1969 schrittweise still gelegten Werksgeländes der Gutehoffnungshütte (später Hüttenwerke Oberhausen AG, kurz: HOAG), die zuletzt dem Thyssen-Konzern gehörte, entstanden ein Freizeit- und Einkaufszentrum sowie weitere gewerbliche, sportliche und kulturelle Angebote.

 

Strukturwandel hieß auch: Kampf um Arbeitsplätze. Foto: Petra Grünendahl.

Die 1758 in Betrieb genommenen Eisenhütte St. Antony, der ersten im Ruhrgebiet, verdankt Oberhausen den Beinamen „Wiege der Ruhrindustrie“. Sie wurde 1808 mit den Hütten Gute Hoffnung und Neu Essen zur Hüttengewerkschaft und Handlung Jacobi, Haniel & Huyssen (JHH) zusammengelegt, aus der dann die Gutehoffnungshütte hervorging. Mit ihrer Schließung gingen Oberhausen nicht nur viele Industrie-Arbeitsplätze verloren: Die Stadt wandelte sich vom Industrie- zum Dienstleistungszentrum.

 
Impressionen der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl.

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Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen

Silberner Tafelaufsatz von 1904. Foto: Axel Scherer, Stadtarchiv Oberhausen.

Die Sonderausstellung im Kleinen Schloss läuft bis zum 17. Januar 2021. Das Museum ist geöffnet von Dienstag bis Sonntag zwischen 11 und 18 Uhr. Montags ist Ruhetag, feiertags sowie Pfingstmontag ist jedoch geöffnet. Geschlossen ist am 24., 25. und 31. Dezember sowie 1. Januar. Der Eintritt zum Kleinen Schloss ist frei, im Großen Schloss kostet es 8 Euro (ermäßigt 4 Euro, Familien 12 Euro). Corona-bedingt gilt eine Besucherobergrenze: Im Großen Schloss (Otfried Preußler) von 80 Personen, im Kleinen Schloss (Aufbruch macht Geschichte – Strukturwandel 1847–2006) finden insgesamt 35 Leute Platz. Bei einer weiteren Lockerung der Einschränkungen könnte diese Zahl aber wieder steigen. Über die ansonsten geltenden Bestimmungen kann man sich hier informieren. So finden mittlerweile auch wieder die öffentlichen Führungen (sonn- und feiertags um 11.30 Uhr, es gilt eine Personenzahlbegrenzung) sowie das Rahmenprogramm zur Ausstellung im Großen Schloss wieder statt: Sie sind im Museumseintritt inklusive. Details zum Rahmenprogramm zu den Ausstellungen gibt es hier.

Das Große Schloss der Ludwiggalerie Schloss Oberhauen. Foto: Petra Grünendahl.

Im Großen Schloss zeigt die Ludwiggalerie noch bis zum 10. Januar 2021 die sehr sehenswerte Ausstellung „Räuber Hotzenplotz, Krabat und Die kleine Hexe. Otfried Preußler – Figurenschöpfer und Geschichtenerzähler“. Diese Ausstellung haben wir bereits besucht.

Die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen ist eines der 21 RuhrKunstMuseen. Sie befindet sich an der Konrad-Adenauer-Allee 46 in 46049 Oberhausen. Anfahrt am besten über die A42, Abfahrt Oberhausen-Zentrum. Weitere Infos: www.ludwiggalerie.de.

Neue Mitte Oberhausen, 2020. Foto: Hans Blossey.

Sehr bemerkenswert ist die ebenfalls im Schloss Oberhausen untergebrachte, aber nicht zur Ludwiggalerie gehörige Gedenkhalle. Als städtische Einrichtung in Erinnerung an die Verfolgten des Nationalsozialismus arbeitet die Gedenkhalle seit 1962 gegen das Vergessen und für das Miteinander aller Menschen in Oberhausen. Mit der 2010 erneuerten Dauerausstellung widmet sie sich der Stadtgeschichte zwischen 1933 und 1945 sowie der Zwangsarbeit im Ruhrgebiet während der NS-Zeit. Da sollte man unbedingt mal vorbei schauen!

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Stadtbad Hamborn: Greyfield baut Immobilie zum Bürostandort um

Bauarbeiten ermöglichen Einblicke in anspruchsvolle Konstruktion
Von Petra Grünendahl

Das alte Stadtbad Hamborn wird zum Bürostandort umgebaut. Foto: Petra Grünendahl.

Über 20 Jahre gammelte das schmucke Stadtbad in Hamborn vor sich hin. 1998 wurde der Betrieb still gelegt, nachdem die Bauaufsicht eine Decke als einsturzgefährdet erklärt hatte. Auf der anderen Seite der Duisburger Straße baute die Stadt das Rhein-Ruhr-Bad, das 2003 den Betrieb aufnahm. Ungebetene Gäste hinterließen im geschlossenen Bad über Jahre ihre Spuren in Form von Zerstörung und Graffiti. Für ein Factory Outlet sollte die Immobilie reaktiviert werden: Diese Pläne zerschlugen sich jedoch. 2018 hatte die Greyfield Group aus Essen das Objekt gekauft, um es zu sanieren und zum Bürostandort umzubauen. Mit dem Jobcenter Duisburg-Nord fand man einen langfristigen Mieter, der eine Sanierung wirtschaftlich machte. Die Einrichtung der Baustelle an der Ecke Duisburger Straße / Walther-Rathenau-Straße machte auch nach außen sichtbar, dass das Stadtbad zu neuem Leben erweckt wird.

 

Das alte Stadtbad Hamborn wird zum Bürostandort umgebaut. Foto: Petra Grünendahl.

Greyfield hat sich darauf spezialisiert, notleidende Bestandsimmobilien zu revitalisieren, sie vermarktungsfähig zu entwickeln und für eine künftige Nutzung bedarfsgerecht umzubauen. „Die Sanierung von Bestandsimmobilien ist nachhaltiger als Abriss und Neubau“, erklärte Dennis Hartmann, Projektentwickler für das Stadtbad. Mit der Grundsteinlegung am 27. März 1929 begann der Bau nach den Plänen Regierungsbaumeisters Franz Steinhauer: Ein Flachdachbau in Stil der Neuen Sachlichkeit (auch: das Neue Bauen der 1920er-Jahre) mit Backsteinoptik sowie horizontaler und vertikaler Gliederung mit Fensterbändern in Muschelkalk. Die beiden Seitenflügel haben über dem Flachdach leicht geneigte Giebeldächer über den Schwimmbecken, umgeben von Flachdach. Die Backsteinfassade ist insgesamt in einem guten Zustand, der Muschelkalk bröselt an einigen Stellen: „Schadhaften Stellen bessern wir hier einfach aus“, erzählte Projektentwickler Hartmann auf einer Tour über die Baustelle. Der Erhalt der Substanz liegt den Immobilienentwicklern am Herzen: Auch in den Innenräumen wird, wo immer möglich, die Backstein-Architektur vom Putz befreit und freigelegt sowie alte Bauelemente sichtbar gemacht. Sie setzen später reizvolle Akzente in einem ansonsten modern gestalteten Arbeitsumfeld.

 

Foyer des Stadtbad Hamborn. Foto: Petra Grünendahl.

Vom Zeichenbrett Franz Steinhauers stammen außer dem Stadtbad zwei weitere Gebäude in Hamborn: Das heutige Robert-Bosch-Berufskolleg und die Polizei-Dienststelle, beide an der August-Thyssen-Straße. Die Gebäude stehen ebenso unter Denkmalschutz wie seit 2005 die Fassade des alten Stadtbades. Dass das Stadtbad nicht als Gesamtes unter Denkmalschutz steht, macht einen solchen Umbau für eine neue Nutzung erst möglich.

 

 
Aufwändige Schwimmbad-Kontruktion

Die rechte Schwimmhalle war für Herrenschwimmen vorgesehen. Foto: Petra Grünendahl.

Zwei Schwimmhallen waren im Stadtbad vorgesehen: Mit einem großen Schwimmbecken für Männer im rechten Flügel sowie einem kleineren für Frauen im linken Flügel. Die beiden Schwimmbecken waren aufwändig konstruiert und erfüllten damals sogar olympische Standards. Wegen der Möglichkeit von Bergschäden waren die Schwimmtröge aus Stahlbeton nicht mit dem Gebäudekörper verbunden. Sie ruhen jeweils auf drei Gleitlagern (Drei-Punkt-Lagerung), um leichte Bodensenkungen abfedern zu können. Die Gleitlager unter dem Schwimmtrog verfügen über massive Beton-Fundamente, die nicht mit den Fundamenten des Gebäudes verbunden sind. Das Gebäude mitsamt seinem Fundament ist quasi wie ein Karton über die Schwimmbecken samt Auflager sowie deren Fundamente drüber gestülpt.

Die Schwimmtröge liegen auf Gleitlagern mit eigenem Fundament auf. Foto: Petra Grünendahl.

Schon im ersten Jahr des Baus wurden die Arbeiten unterbrochen, als wegen der Weltwirtschaftskrise das Geld knapp wurde. Mit dem Weiterbau 1936 war das zweite Schwimmbecken überflüssig (im Nationalsozialismus durften Männer und Frauen im gleichen Schwimmbad schwimmen): Bei der Eröffnung 1938 wurde es erst gar nicht in Betrieb genommen. Um 1945 setzte man dort ein Ständerwerk aus Holz ins Becken und zog einen Schwingboden ein, um die Schwimmhalle als Sporthalle zu nutzen. Eine zweireihige Tribüne im oberen Hallenumlauf ermöglichte einen Zuschauerbetrieb. In jedem Seitenflügel des symmetrischen Baus gibt es hinter einer in Innenhöfen liegenden Apsis Wasserausgleichsbehälter (jeweils drei übereinander liegend in Beton gegossen), um bei Bedarf Wasser ins Schwimmbad nachlaufen zu lassen.

 

 
Umbau in drei Abschnitten

Rechts im Schwimmtrog ist eine Betonwand eingelassen. Auf der aufgelegten Betonplatte entstehen Büro-Trakte in Holzbau. Foto: Petra Grünendahl.

In drei Bauabschnitten baut Greyfield das mittlerweile entkernte und schadstoffsanierte Gebäude als Bürostandort um. Den Anfang macht der linke Gebäudeflügel mit der ehemaligen Sporthalle an der Walther-Rathenau-Straße. Im Schwimmbecken wurde eine Betonwand eingezogen, die den Trog verkleinert. Eine aufgesetzte Bodenplatte vergrößerte die nutzbare Bodenfläche. So entstehen auf beiden Seiten des verbleibenden Beckens Bürobereiche, die über einen mittigen Flur bzw. entlang der Außenseite Walther-Rathenau-Straße erschlossen werden. Der verbleibende Teil des Schwimmtroges wird zum Lichthof umgebaut: Die Büros auf der Innenseite (zum Schwimmtrog) haben damit Tageslicht. Die Büro-Trakte über dem Schwimmbecken werden über drei Etagen in Holz gebaut. Die beiden unteren Etagen greifen die hohen Decken der Schwimmhallen-Ebenen auf. Die dritte Etage hat normale Raumhöhe und führt über eine weitere Treppe auf ein Flachdach, auf dem weitere Büros entstehen. Die Dachterrasse zum Innenhof bietet auf dieser Ebene einen tollen Ausblick auf das Fördergerüst von Friedrich Thyssen 6. „Hier oben sind die besten Büros“, verriet Hartmann.

Über einem Teil des Schwimmtroges entstehen über drei Etagen Büro-Trakte in Holzbau. Foto: Petra Grünendahl.

Im zweiten Bauabschnitt ist der Mitteltrakt mit einer eher konventionellen Büroarchitektur dran. Dazu kommen auf den Flachdächern weitere Büro-Aufbauten. Der rechte Gebäudeflügel an der Duisburger Straße mit dem großen Schwimmbad wird im dritten Bauabschnitt nach einer Verkleinerung des Schwimmtroges ähnlich aufgebaut wie der linke Flügel. Auch hier entstehen auf drei Etagen Büroflächen in Holzbauweise. Jeweils nach Fertigstellung der einzelnen Bauabschnitte werden die Büros bezugsfertig eingerichtet. Ab Frühjahr nächsten Jahres können erste Teile bezogen werden: Dann findet das Jobcenter Duisburg Nord eine neue Infrastruktur in dem denkmalgeschützten Prachtbau vor, der dann wieder in seinem altem Glanz erstrahlen kann.

 
Impressionen von der geführten Tour durch die Baustelle. Fotos: Petra Grünendahl.

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Über die Greyfield Group

Friedrich Thyssen Schacht 6. Foto: Petra Grünendahl.

Die Greyfield Group wurde im Jahr 2012 durch Timm Sassen gegründet. Das nachhaltige Projektentwickler-Unternehmen aus Essen setzt sich aus den drei eigenständigen Marken Liwon, Stana sowie Greyfield zusammen, die jeweils in einem Lebenszyklus einer Immobilie aktiv sind und sich auf das Investment und Redevelopment von Bestandsimmobilien in B- und C-Lagen spezialisieren. Dank fachlicher Kompetenz und kreativem sowie architektonischem Gespür begeht die Greyfield Group unkonventionelle Wege, um aus Grundstücken und Immobilien mit Geschichte intelligente Neunutzungskonzepte zu schaffen, die der Region neuen Mehrwert verleihen. Vom Refurbishment über die Revitalisierung bis hin zum Redevelopment werden alle Bereiche der Immobilienbestandsentwicklung abgedeckt. Durch eine nutzerorientierte Projektentwicklung schafft die Greyfield Group neuen Lebensraum, indem ungenutzte Flächen revitalisiert werden und an die Gesellschaft in Form einer neuen inhaltlichen Zweckbestimmung zurückgegeben werden. So kommen wirtschaftliche und soziale Rendite zusammen. Die gemeinnützige Greyfield Stiftung fördert auch darüber hinausgehend Projekte, die diesen Gedanken weitergeben und die Komponenten Ressourcenschonung, Nachhaltigkeit, Urbanität und gesellschaftliche Verantwortung fördern.

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Ratssitzung in der Kraftzentrale im Landschaftspark Duisburg-Nord

Verkaufsoffene Sonntage, digitale Gremienarbeit und Corona-bedingte Mehrausgaben
Von Petra Grünendahl

Symbolfoto: Diskussionen vor der Sitzung des Stadtrates. Foto: Petra Grünendahl.

Als Dringlichkeitsbeschluss segnete der Stadtrat mehrheitlich sieben verkaufsoffene Sonntage bis Jahresende ab: Auf Anregung des Einzelhandelsverbandes Niederrhein in Abstimmung mit den Werbegemeinschaften in den Stadtteilen. Diese sollen dem durch Corona-Lockdown stark getroffenen Einzelhandel wieder auf die Beine helfen. Da die verkaufsoffenen Sonntage aber nicht mit öffentlichen Veranstaltungen in den jeweiligen Stadtteilen verbunden sind, besteht allerdings die Gefahr, dass Verdi gerichtlich dagegen vor geht, wie es in mehreren Städten in der Nachbarschaft bereits geschehen ist. Als erster Termin ist der kommende Sonntag, 20. September, in Wanheimerort vorgesehen. Die lange Schließung während des Lockdowns sowie der Wegfall von Stadt(teil)festen mit verkaufsoffenen Sonntagen haben den Einzelhandel hart getroffen. Die jetzige Entscheidung macht einen kleinen Ausgleich für verlorene Umsätze möglich, damit nicht am Ende von Corona der Einzelhandel in den Zentren noch weiter minimiert ist.

 

Symbolfoto: Vor der Sitzung des Stadtrates. Foto: Petra Grünendahl.

In letzter Sitzung trat der 2014 gewählte Rat der Stadt Duisburg zusammen: Wegen der zurzeit gebotenen Abstandsregeln in der Kraftzentrale in Landschaftspark Nord. Erst in der nächsten Woche tagt der Wahlausschuss, der das Ergebnis der Kommunalwahl absegnet. Viele Dringlichkeitsbeschlüsse standen auf der Tagesordnung, überwiegend für außerplanmäßige Aufwendungen in Folge von Corona. Laut einer Mitteilungsvorlage rechnet die Stadt für das Jahr 2020 mit Corona-bedingten Lasten in Höhe von 101,93 Mio. Euro, die aktuell größtenteils aus Mindereinnahmen bei der Gewerbesteuer bestehen. Noch nicht absehbar sind allerdings finanzielle Auswirkungen eines sinkenden Gewerbesteuer-Aufkommens in den kommenden Jahren. Hier wird uns Corona noch eine Weile begleiten.

 

 
Weitere Entscheidungen
In die Satzung der Gremienarbeit (Stadtrat, Ratsausschüsse, Bezirksvertretungen) nahm der Rat offiziell die schon seit längerem praktizierten digitalen Kommunikationsformen offiziell auf. Damit ist nun festgeschrieben, dass die früher üblichen Papierberge weitestgehend der Vergangenheit angehören.

Beschlossen wurde ein Neuausrichtung der Wirtschaftsförderung, nachdem mehrere nicht-städtische Unternehmen den Zusammenschluss der GFW Duisburg verlassen haben. Die Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Duisburg mbH soll künftig nur noch von Gesellschaftern in städtischer Hand getragen werden, aber in enger Kooperation mit Unternehmen der freien Wirtschaft. Dafür sucht die Stadt einen neuen Geschäftsführer für den zum Jahresende ausscheidenden Ralf Meurer.

Darüber hinaus segnete der Rat einen städtischen Eigenanteil in der Höhe von bis zu 200.000 Euro für den Realisierungswettbewerb zur Gestaltung des Zukunftsgartens Rheinparks ab. Dieser wird Duisburgs Beitrag zur Internationalen Garten-Ausstellung Metropole Ruhr 2027 (IGA Metropole Ruhr 2027).

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Deutsche Oper am Rhein: Comedian Harmonists in Concert im Theater Duisburg

Goldene Zwanziger in musikalischer Perfektion
Von Petra Grünendahl

Dmitri Vargin (Roman), Günes Gürle (Robert), Patrick Francis Chestnut (Erwin), Cornel Frey (Ari), Luis Fernando Piedra (Erich), Florian Simson (Harry). Foto: Hans Jörg Michel.

Mit “Wochenend und Sonnenschein” und “Mein kleiner grüner Kaktus” entführte das Vokal-Ensemble, rausgeputzt im klassischen Frack, in die Goldenen Zwanziger. Viele Lieder des Konzertabends kann selbst derjenige mitsingen, der mit den Comedian Harmonists nichts anfangen kann. Ein Sprecher (Dirk Weiler) erzählt in den Sing-Pausen die Geschichte der Comedian Harmonists, die 1927/28 in Berlin gegründet wurde. Inspiriert hatte Harry Frommermann, der Mitstreiter für ein Ensemble suchte, das amerikanische Vokal-Quartett The Revelers.

Dmitri Vargin (Roman), Günes Gürle (Robert), Cornel Frey (Ari), Luis Fernando Piedra (Erich), Florian Simson (Harry). Foto: Hans Jörg Michel.

Der moderierte Konzertabend dreht sich um die Gesangsgruppe und ihre Erfolgsgeschichte in den Jahren 1928 bis 1935, die mit der Aufsplittung der Gruppe in arisch und nicht-arisch (jüdisch) ein trauriges Ende fand. Dass drei der Gruppen-Mitglieder jüdisch waren, führte schon 1933 zu ersten Absagen. Sie waren schließlich die letzten Juden, die in Nazi-Deutschland überhaupt noch auftreten durften. Bis 1935 konnten die Comedian Harmonists zusammen auftreten, was sie nicht nur in Deutschland und Europa taten, sondern auch in Amerika.

 

Luis Fernando Piedra (Erich), Patrick Francis Chestnut (Erwin), Dmitri Vargin (Roman), Cornel Frey (Ari), Günes Gürle (Robert). Foto: Hans Jörg Michel.

Nach fast einem halben Jahr Corona-Pause präsentierte die Deutsche Oper am Rhein ihre erste Aufführung der neuen Spielzeit im Theater Duisburg. „Zu Gast“ waren die Comedian Harmonists, denen Ensemble-Sänger Stimme und Gestalt verliehen. Die Comedian Harmonists hatten sich in den Zwanziger Jahren mit der perfekten Harmonie ihres Gesangs und dem charmanten Witz ihres Auftretens nicht nur in Deutschland einen herausragenden Namen gemacht. Grandios hatte dies die Deutsche Oper am Rhein mit ihren Ensemble-Sängern hier auf die Bühne gebracht, dass man sich fast in die Goldenen Zwanziger zurück versetzt fühlte. Ein überaus dankbares und sehr begeistertes Publikum sparte – zu Recht! – weder mit euphorischen Szenen- noch mit einem riesigen Schlussapplaus. Der moderierte Konzertabend dauerte gut 75 Minuten, es gab keine Pause.

 

 
Perfekte Harmonie

Günes Gürle (Robert), Cornel Frey (Ari), Patrick Francis Chestnut (Erwin), Dirk Weiler (Moderator), Dmitri Vargin (Roman), Luis Fernando Piedra (Erich), Florian Simson (Harry). Foto: Hans Jörg Michel.

Die Rollen gibt die Besetzung der Comedian Harmonists vor, die fünf Sänger der Deutschen Oper am Rhein unter der musikalischen Leitung Patrick Francis Chestnut (in der Rolle des Pianisten Erwin) und der Choreographie von Michal Matys exzellent sangen, lebten und auslebten. Um den Tenor Harry Frommermann (Florian Simson) hatte sich 1927 in Berlin das Quintett gebildet: Ari Leschnikoff (Cornel Frey), Erich Abraham Collin (Luis Fernando Piedra), Roman Cycowski (Dmitri Vargin) und Robert Biberti (Günes Gürle), ergänzt durch Erwin Bootz (Patrick Francis Chestnut) am Piano. Wie die Originale brachten auch die Sänger der Deutschen Oper am Rhein hier eine brillante harmonische und musikalisch ganz exzellente Aufführung auf die Bühne. Für die Kostüme zeichnet Ronja Reinhardt verantwortlich, für das Licht-Design auf dem sparsamen Bühnenbild Volker Weinhart und Thomas Tarnogorski.

 

 
Ein kleiner Vorgeschmack:

 

 
Weitere Termine im Theater Duisburg:

Dmitri Vargin (Roman), Günes Gürle (Robert), Cornel Frey (Ari), Luis Fernando Piedra (Erich), Florian Simson (Harry). Foto: Hans Jörg Michel.

Di | 15. September 2020 | 19:30 Uhr,
Mi | 16. September 2020 | 19:30 Uhr,
Do | 24. September 2020 | 19:30 Uhr,
Fr | 25. September 2020 | 19:30 Uhr,
Mi | 30. September 2020 | 19:30 Uhr,
Sa | 3. Oktober 2020 | 18:30 Uhr,
Do | 22. Oktober 2020 | 19:30 Uhr und
Di | 29. Dezember 2020 | 19:30 Uhr.
Darüber hinaus gibt es verschiedene Termine im Opernhaus Düsseldorf.

 

 

Dmitri Vargin (Roman), Günes Gürle (Robert), Patrick Francis Chestnut (Erwin), Cornel Frey (Ari), Luis Fernando Piedra (Erich), Florian Simson (Harry). Foto: Hans Jörg Michel.

Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Die sonst übliche Einführung im Foyer fand nicht statt. Tickets kosten 12,00 und 20,00 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

 
Es gelten folgende Corona-Regeln:

Dmitri Vargin (Roman), Günes Gürle (Robert), Patrick Francis Chestnut (Erwin), Cornel Frey (Ari), Luis Fernando Piedra (Erich), Florian Simson (Harry). Foto: Hans Jörg Michel.

Das Platzangebot rund 280 im Theater Duisburg reduziert. Die Vorstellungen dauern maximal 90 Minuten, es gibt keine Pausen. Es gelten die üblichen Hygiene- und Abstandsregeln. Ein Garderobenservice steht zur Verfügung, die Gastronomie nicht.
Mehr: operamrhein.de/de_DE/wissenswertes

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Hans Jörg Michel

 

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