Stephan Balkenhol im Lehmbruck Museum in Duisburg

Im Mittelpunkt: der Mensch
Von Petra Grünendahl

Stephan Balkenhol im Lehmbruck Museum. Foto:: Petra Grünendahl.

Der Mann mit dem weißen Hemd und der schwarzen Hose ist sein Lieblingsmotiv: Zu sehen ist er hier im Lehmbruck Museum in den verschiedensten Varianten. Der Mensch steht bei von Stephan Balkenhol (*1957) im Mittelpunkt: „Die menschliche Figur ist das, was mich interessiert“, so der Künstler. Plastiken von Menschen in unterschiedlichen Posen, Köpfe aus Holz herausgearbeitet, Gipsmodelle, Reliefbilder, aber auch Zeichnungen – über 200 Werke des Bildhauers und Künstlers zeigt das Lehmbruck Museum in Duisburg in seiner neuen Sonderausstellung.

Stephan Balkenhol im Lehmbruck Museum. Foto:: Petra Grünendahl.

Figuren unterschiedlichster Größe stellen die charakteristischen Spuren der Holzbearbeitung offen zur Schau: Sie sind nicht geschliffen und glatt, sondern zeigen Splitterungen, Furchen und Unebenheiten. Sie wirken unfertig, lenken aber gerade deswegen den Blick auf sich. „Seine Figuren strahlen Ruhe aus, wirken in sich gekehrt und lassen Platz für Interpretationen“, sagte Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla, die hier Parallelen zum Namensgeber des Museums und seinen Werken zog.

 

Stephan Balkenhol im Lehmbruck Museum. Foto:: Petra Grünendahl.

Die Werkschau von Stephan Balkenhol, Retrospektive seiner Werke von 1990 bis heute, stellten Söke Dinkla, Kulturdezernentin Astrid Neese und der Künstler selber im Lehmbruck Museum in einem Pressegespräch vor. Stephan Balkenhol ist einer der wichtigsten deutschen Bildhauer der Gegenwart. Er porträtiert Alltagsmenschen und ist schon vielfach für seine Skulpturen ausgezeichnet worden. Viele seiner Werke stehen im öffentlichen Raum, zum Beispiel in Hamburg, Berlin und anderen deutschen sowie europäischen Städten. Zudem zieren sie zahlreiche private und öffentliche Sammlungen weltweit. „Bereits seit 1990 haben wir ein Werk von ihm in unserer Sammlung“, erzählte die Museumsdirektorin.

Stephan Balkenhol im Lehmbruck Museum. Foto:: Petra Grünendahl.

Die aktuelle Werkschau war seit zwei Jahren in der Vorbereitung. Kuratorin Ronja Friedrichs hatte sie mit dem Künstler erarbeitet, dessen jüngste Ausstellungsstücke, eine Werkgruppe von Kopfskulpturen, extra für Duisburg entstanden sind. Die Retrospektive im Lehmbruck Museum ist die größte Schau seiner Werke seit 2008. Die Ausstellung eröffnet am Donnerstag, 22. Oktober. Die Veranstaltung ist bereits ausgebucht.

 

Katalog und Audioguide

Stephan Balkenhol mit der Toniebox im Lehmbruck Museum. Foto: Kathrin Balkenhol.

Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Texten von Dr. Söke Dinkla, Heinz-Norbert Jocks und Ronja Friedrichs. Der Band mit 120 Seiten und 70 farbige Abbildungen ist im Schirmer/Mosel Verlag, München, erschienen. Das exzellent illustrierte Werk ist zum Preis von 29,80 Euro an der Museumskasse sowie im lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-8296-0909-8) verfügbar. Als Audioguide für die Ausstellung gibt es eine Tonie-Figur mit einer ca. 37-minütigen Tour, die Ehefrau Kathrin zusammen unter anderem mit den Töchtern (fünf und fast vier Jahr alt) gestaltet hat: Sie bietet noch einmal eine ganz andere Annäherung an die Werkschau. Gegen Abgabe des Lichtbildausweises ist sie kostenlos an der Kasse auszuleihen.

 

Stephan Balkenhol im Lehmbruck Museum. Foto:: Petra Grünendahl.

Möglich gemacht haben die Ausstellung „Stephan Balkenhol” Sponsoren und Förderer wie die National-Bank AG, das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und die Stadt Duisburg im Rahmen der Duisburger Akzente. Das Lehmbruck Museum ist darüber hinaus Monika und Veit Messing sowie der Überörtlichen Radiologischen Gemeinschaftspraxis Duisburg-Moers, Dres. Dabir, Hirning, Poll, Dabir-Scherfeld und Kollegen zu großem Dank verpflichtet.

 

 
Der Künstler

Stephan Balkenhol im Lehmbruck Museum. Foto:: Petra Grünendahl.

Stephan Balkenhol wurde 1957 im nordhessischen Fritzlar geboren. Er lebt und arbeitet in Kassel, Karlsruhe, Berlin und im französischen Meisenthal. Von 1976 bis 1982 studierte er an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg, unter anderem bei Ulrich Rückriem. Seit 1983 zeichnet sich Balkenhols Werk durch das Bestreben des Künstlers aus, die figurative Skulptur neu zu begründen. Nach Lehraufträgen an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg und an der Städelschule in Frankfurt am Main lehrt er seit 1992 als Professor für Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe.

 

Das Lehmbruck Museum

Stephan Balkenhol im Lehmbruck Museum. Foto:: Petra Grünendahl.

Das mitten in Duisburg im Kantpark gelegene Lehmbruck Museum ist ein Museum für Skulptur. Seine Sammlung moderner Plastiken von Künstlern wie Alberto Giacometti, Pablo Picasso, Hans Arp und natürlich Wilhelm Lehmbruck ist europaweit einzigartig. Beheimatet ist das Museum in einem eindrucksvollen Museumsbau inmitten eines Skulpturenparks, der zum Schlendern und Entdecken einlädt. Namensgeber des Hauses ist der Bildhauer Wilhelm Lehmbruck, der 1881 in Meiderich, heute ein Stadtteil von Duisburg, geboren wurde. Lehmbruck ist einer der bedeutendsten Bildhauer der Klassischen Moderne. Er hat mit seinem Werk maßgeblichen Einfluss auf nachfolgende Künstlergenerationen und ist auch nach seinem frühen Freitod im Jahr 1919 bis heute einflussreich geblieben.

Impressionen. Foto: Petra Grünendahl

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Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Stephan Balkenhol im Lehmbruck Museum. Foto:: Petra Grünendahl.

Die Ausstellung von Stephan Balkenhol ist bis zum 28. Februar 2021 im Anbau (Wechselausstellungsbereich) zu sehen. Dienstags bis freitags ist das Lehmbruck Museum ab 12 Uhr geöffnet, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags an Terminen der plastikBAR (erster Donnerstag im Monat ab 17.30 Uhr) bis 20 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro (ermäßigt* 5 Euro), eine Jahreskarte 35 Euro (ermäßigt* 20 Euro). Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Blinden- und Demenzbegleitung haben kostenlos Eintritt. Schulklassen und Kindergärten zahlen pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte (2 Erwachsene plus Kinder bis 14 Jahre) gibt es für 15 Euro. Jeden ersten Freitag im Monat gilt: „Pay what you want“. Ausgenommen davon sind angemeldete Gruppen.

Stephan Balkenhol im Lehmbruck Museum. Foto:: Petra Grünendahl.

Zu seinen Sonderausstallungen bietet das Lehmbruck Museum verschiedene Veranstaltungen als Rahmenprogramm an. Zu den Highlights zählt hier mit Sicherheit das Künstlergespräch – Stephan Balkenhol im Gespräch mit Heinz-Norbert Jocks – am Freitag, 23. Oktober, um 18 Uhr (ca. 1 ½ Stunden). Auch diese Veranstaltung ist bereits ausgebucht. Öffentliche Führungen durch das Museum gibt es jeden Sonntag um 11.30 Uhr. Für Informationen steht die Kunstvermittlung des Lehmbruck Museums unter Telefon 0203 / 283-2195 oder eMail kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de zur Verfügung (Zu Preisen und Buchungen für Führungen geht es hier).

 

Stephan Balkenhol im Lehmbruck Museum. Foto:: Petra Grünendahl.

Für Führungen und Veranstaltungen aus dem Rahmenprogramm sind aktuell grundsätzlich Anmeldungen erforderlich. Die Veranstaltungen finden vorbehaltlich eventueller Veränderungen aufgrund der Corona-Pandemie statt. Es kann zu kurzfristigen Anpassungen kommen. Außerdem ist die Anzahl der Besucher im Museum begrenzt: Auf aktuell 100 im Wechselausstellungsbereich sowie 300 im gesamten Museum: Es kann zu Wartezeiten kommen, falls diese Anzahl erreicht ist. Siehe auch: https://lehmbruckmuseum.de/update-coronavirus/.

(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70%), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen mit Sozialhilfebezug.

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (17), Kathrin Balkenhol (1)

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Atlas der Reiselust von DuMont: „USA Inspiration für ein ganzes Leben“

Geschichte(n) und Fakten machen Lust auf mehr
Von Petra Grünendahl

Ein paar Einblicke ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Entweder man hasst Amerika. Oder man liebt es. Gründe für Letzteres gibt es reichlich in einem Land der Gegensätze: Atemberaubende Landschaften, faszinierende Metropolen und eine vielfältige Kultur, die man im alten Europa nicht unterschätzen sollte. Berühmte Straßen durchziehen das Land, die zu ausgedehnten Roadtrips einladen. Ein neuer „Atlas der Reiselust“ will inspirieren, sich den Vereinigten Staaten anzunähern. Wer sich auf das Land einlässt, kann viel entdecken: Historische Orte von der indianischen Besiedlung über die europäische bis hin zu modernen Meilensteinen der Architektur. Das Buch zeigt die Vereinigten Staaten nicht nur in grandiosen Fotografien von Landschaften und Orten, sondern auch in seinen Filmen, in der Literatur, in Musik oder Sport, mit seinen Museen, Themen- und Freizeitparks oder in seiner Esskultur, die weit über das hinaus geht, was man von den hierzulande bekannten Fast-Food-Läden kennt. Dazu kommen mitunter kuriose Fakten und Details aus der amerikanischen Historie und Gesellschaft und über Menschen, die Geschichte und Kultur prägten.

 

Ein paar Einblicke ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Mit „USA Inspiration für ein ganzes Leben“ hat der DuMont Reiseverlag einen neuen Beitrag für seine Reihe „Atlas der Reiselust“ vorgelegt. Das Werk sammelt umfassend viele Details und Fakten zum Land der unbegrenzten Möglichkeiten (andere nennen es nicht ganz zu Unrecht auch: Land der unmöglichen Begrenzungen). Das Buch erschließt nicht nur touristische Highlights, sondern bringt jede Menge Einblicke in die Geschichte und Legenden sowie viele unbekannte Geschichten, Fakten und Details aus einem Land, welches von Ost nach West bis Alaska und Hawaii sechs Zeitzonen sowie mehrere Klimazonen umfasst. Das ist nicht „ein“ Amerika, das sind viele Varianten, die man nach Corona gerne mal erkunden möchte.

Ein paar Einblicke ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Außer vielfältigen Inspirationen bietet das großformatige Werk reichlich praktische Reiseinformationen und Adressen. Links für weiter führende Informationen zu den Orten, Film- und Literaturtipps, Musik- sowie Touren-Tipps (für Auto, Fernbus, Zug oder zum Wandern). Wer eine Reise plant, sollte sich aber unbedingt vorher noch einmal über aktuelle Reise- und Sicherheitsbestimmungen informieren. Dass dies im Moment wegen des weltweit kursierenden Coronavirus nicht ratsam ist: geschenkt. Was einen aber nicht davon abhalten sollte, schon mal in diesem Buch die unzähligen Möglichkeiten zu erkunden.

 

 
Faszinierende Orte inspirieren zu mehr

Ein paar Einblicke ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Gegliedert ist das Buch thematisch: Into the Wild, On the Road, Kultur der USA, Ab in die Metropolen, Fantastisch sowie Essen & Trinken. Das erleichtert den Zugang zu diesem grandiosen Land inhaltlich, erschwert aber mitunter die Einschätzung, wie weit „nebeneinander“ beschriebene Locations tatsächlich voneinander entfernt liegen. Zusammengestellt wurden die Texte von einem französischen Autoren-Kollektiv, DuMont verlegt die deutsch-sprachige Originalausgabe. Vielfach machen die Texte der Autoren deutlich, wie sehr die amerikanische Kultur auch in unserem Leben präsent ist. Trotz der reichhaltigen Bebilderung ist das Werk sehr text-lastig, mit einer ungeheuren Fülle an Fakten und Informationen. Das Buch liest man nicht unbedingt sukzessive durch, sondern man blättert und liest sich hier und da fest.

Titelbild: DuMont Reiseverlag.

Das Buch „USA Inspiration für ein ganzes Leben“ ist in der Reihe „Atlas der Reiselust“ im DuMont Reiseverlag in Stuttgart erschienen. Das 384-seitige Hardcover-Buch im Format 25,2 x 33,3 Zentimeter mit einem Gewicht von über zweieinhalb Kilogramm ist jetzt nichts fürs Reisegepäck, eher fürs heimische Sofa, wo man vom Reisen träumt, um sie dann zu planen. Das reich bebilderte Buch mit mehr als 850 Fotos. Illustrationen und Zeichnungen ist zum Preis von 39,90 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-7701-8868-0).

 

 
DuMont Reiseverlag

Ein paar Einblicke ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Der DuMont Reiseverlag aus Ostfildern (bei Stuttgart) ist spezialisiert auf Reise- und Freizeitbücher. Die Reihe „Atlas der Reiselust“ verbindet eine riesige Anzahl von möglichen Reisezielen und Touren-Inspirationen mit einem reichhaltigen Informationsspektrum von aktuellen und historischen Besonderheiten einzelner Orte bis hin zu konkreten Reiseinformationen und Adressen.
www.dumontreise.de

 
Impressionen: Ein paar Einblicke ins Buch. Fotos: Petra Grünendahl

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© 2020 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Aus dem Bestand der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen: Rudolf Holtappel im A2-Kalender

Mit Fotografien des Ruhrgebiets-Chronisten durch das Jahr 2021
Von Petra Grünendahl

Zeche Sterkrade in Oberhausen 1960. Foto: Petra Grünendahl.

„Die Zukunft hat schon begonnen“ war der Titel der erfolgreichen Ausstellung in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen, die den Nachlass des Fotografen Rudolf Holtappel (1923–2013) und verschiedene Leihgaben seiner Werke wissenschaftlich aufbereitet einem interessierten Publikum präsentierte. Das Ruhrgebiet, welches über Jahrzehnte seine Heimat war, lichtete Holtappel in seiner ganzen Vielfalt ab: Industrielandschaften und Städte als Lebensraum, Arbeit und Menschen. Es sind liebenswürdige Szenen aus dem Alltag und aus dem Leben gegriffen. Es sind lebendige Bilder aus einer anderen Zeit. Viele seiner Bilder stammen aus den 1960er- oder 1970er-Jahren. Die Stadt Oberhausen, wo der Fotograf bis zu seinem Tod lebte, konnte den Nachlass 2017 erwerben. Seitdem gehören die Fotografien zum Bestand der Ludwiggalerie.

 

Der Kalender mit großformatigen Fotografien des Ruhrgebiets-Chronisten Rudolf Holtappel für das Jahr 2021. Foto: Oberhausen Tourismus.

Mit einem hochwertigen DIN-A2-Fotokalender geht die Werkschau des Oberhausener Ruhrgebiets-Chronisten Rudolf Holtappel im Jahr 2021 für 365 Tage in die Verlängerung. Genau wie die Ausstellung trägt der neue Jahreskalender für 2021 den Titel „Die Zukunft hat schon begonnen“. Zwölf ausgesuchte Motive erinnern an das Leben und Arbeiten von gestern und nehmen den Betrachter mit auf eine kleine Zeitreise in das Oberhausen der 1960er und 1970er Jahre. Herausgegeben wird der Kalender von der OWT Oberhausener Wirtschafts- und Tourismusförderung GmbH in Zusammenarbeit mit der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Er ist ab sofort erhältlich in den beiden touristischen Informationsstellen am Hauptbahnhof und im Centro sowie im Museums-Shop im Kleinen Schloss. Der Preis beträgt 19,90 Euro. Infos gibt es bei Tourist Information Oberhausen, Telefon 0208 / 824570, eMail tourist-info@oberhausen.de, auf www.oberhausen-tourismus.de sowie im Museums-Shop der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen, www.ludwiggalerie.de.

 

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Ludwiggalerie Schloss Oberhausen

Sonntags in Oberhausen 1961. Foto: Petra Grünendahl.

Fotos von Rudolf Holtappel sind auch Gegenstand der sehr empfehlenswerten aktuellen Ausstellung im Kleinen Schloss: Unter dem Titel „Oberhausen – Aufbruch macht Geschichte“ zeigt das Stadtarchiv Stadtentwicklung und Strukturwandel in Oberhausen zwischen 1847 und 2006. Die Sonderausstellung läuft bis zum 17. Januar 2021. Das Museum ist geöffnet von Dienstag bis Sonntag zwischen 11 und 18 Uhr. Montags ist Ruhetag, feiertags sowie Pfingstmontag ist jedoch geöffnet. Geschlossen ist am 24., 25. und 31. Dezember sowie 1. Januar. Der Eintritt zum Kleinen Schloss ist frei, im Großen Schloss kostet es 8 Euro (ermäßigt 4 Euro, Familien 12 Euro). Corona-bedingt gilt eine Besucherobergrenze: Im Großen Schloss (Otfried Preußler) von 80 Personen, im Kleinen Schloss (Aufbruch macht Geschichte – Strukturwandel 1847–2006) finden insgesamt 35 Leute Platz. Bei einer weiteren Lockerung der Einschränkungen könnte diese Zahl aber wieder steigen. Über die ansonsten geltenden Bestimmungen kann man sich hier informieren. So finden mittlerweile auch wieder die öffentlichen Führungen (sonn- und feiertags um 11.30 Uhr, es gilt eine Personenzahlbegrenzung) sowie das Rahmenprogramm zur Ausstellung im Großen Schloss statt: Sie sind im Museumseintritt inklusive. Details zum Rahmenprogramm zu den Ausstellungen gibt es hier.

Der Kalender mit großformatigen Fotografien des Ruhrgebiets-Chronisten Rudolf Holtappel für das Jahr 2021. Foto: Oberhausen Tourismus.

Im Großen Schloss zeigt die Ludwiggalerie noch bis zum 10. Januar 2021 die sehr sehenswerte Ausstellung „Räuber Hotzenplotz, Krabat und Die kleine Hexe. Otfried Preußler – Figurenschöpfer und Geschichtenerzähler“. Diese Ausstellung haben wir bereits besucht.

Oberhausen am Rhein-Herne-Kanal mit dem Gasometer 1961. Foto: Petra Grünendahl.

Die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen ist eines der 21 RuhrKunstMuseen. Sie befindet sich an der Konrad-Adenauer-Allee 46 in 46049 Oberhausen. Anfahrt am besten über die A42, Abfahrt Oberhausen-Zentrum. Weitere Infos: www.ludwiggalerie.de.

Sehr bemerkenswert ist die ebenfalls im Schloss Oberhausen untergebrachte, aber nicht zur Ludwiggalerie gehörige Gedenkhalle. Als städtische Einrichtung in Erinnerung an die Verfolgten des Nationalsozialismus arbeitet die Gedenkhalle seit 1962 gegen das Vergessen und für das Miteinander aller Menschen in Oberhausen. Mit der 2010 erneuerten Dauerausstellung widmet sie sich der Stadtgeschichte zwischen 1933 und 1945 sowie der Zwangsarbeit im Ruhrgebiet während der NS-Zeit. Da sollte man unbedingt mal vorbei schauen!

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Oberhausen Tourismus (2), Petra Grünendahl (3)

 

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Der Waldfriedhof in Wanheimerort – Teil 3: Im Fokus der Stadtteil-Historiker

Zeichen für Integration in der Gesellschaft
Von Petra Grünendahl

Die Stadtteil-Historikerin Silke Mayer beschäftigt sich mit der Geschichte des Waldfriedhofs in Wanheimerort. Foto: Petra Grünendahl.

„Der Friedhof war von Anfang an auch als Erholungsfläche geplant”, erzählte Silke Mayer. Strecken des Waldfriedhofs in Wanheimerort sind parkähnlich angelegt. Die klassische Beerdigungsform im Reihengrab hat bei guter Pflege ohnehin einen gewissen Park-Charakter – und unter den Bäumen lässt es sich gut flanieren. „Er ist als Reformfriedhof angelegt: Klare Linien und Ästhetik ersetzten in den 1920ern die 1900 in Mode gekommene freie Gräbergestaltung, bei der jeder machte was er wollte“, so die Stadtteil-Historikerin. Sie fasziniere die Vielfalt dieses Friedhofs ebenso wie eine parkähnliche Gestaltung, erzählte sie.

Die Stadtteil-Historikerin Silke Mayer auf dem alten Jüdischen Friedhof. Foto: Petra Grünendahl.

Und der Friedhof sei auch ein Ort der Integration: „Neben allen möglichen Formen von Grabstätten gibt es hier schon seit den 1990er-Jahren muslimische Gräberfelder und Grabfelder für Roma. Jüdische Gräber waren von Anfang an mit eingeplant.“ Auch griechisch-orthodoxe Grabstätten seien hier angelegt. Und weiter: „1941 bestimmte die nationalsozialistische Regierung, dass Zwangsarbeiter auf dem jüdischen Friedhof beerdigt werden sollten.“ Letztere liegen (heute) aber vor allem in eigenen Grabfeldern begraben: „Ob sie dahin mal umgebettet wurde, kann man annehmen, aber sicher bin ich mir da noch nicht“, so Mayer. Ihre Recherchen sind schließlich noch längst nicht abgeschlossen.

 

Das Mahnmal der zwei trauernden Frauen (1961) von Dorothee Ludwig-Mindt am Ehrenfeld des Waldfriedhofs. Foto: Petra Grünendahl.

Der Waldfriedhof an der Düsseldorfer Straße in Wanheimerort, mit dem sich die Stadtteil-Historikerin Silke Mayer seit Jahresanfang beschäftigt, birgt viele alte, aber auch neuere Grabstätten mit Geschichte oder außergewöhnlichem Hintergrund. Er wurde Anfang der 1920-er Jahre angelegt und im Jahr 1923 als Neuer Friedhof seiner Bestimmung übergeben. Zusammen mit Silke Mayer gaben Vorstandsmitglied Klaus Becker und Ariela Cataloluk von der Geschäftsstelle der Bürgerstiftung Auskunft über das Projekt „Stadtteil-Historiker“ und das Thema Waldfriedhof. „Der hier angelegte Ehrenfriedhof sollte eine Fortsetzung des Ehrenfriedhofs am Kaiserberg sein, der zu klein wurde, um Soldaten aufzunehmen, die Jahre nach Ende des 1. Weltkrieges verstarben“, wusste Mayer zu berichten. Die meisten Gräber hier stammen aber aus dem 2. Weltkrieg, in dem die Stadt die Opfer der Bombenangriffe hier beerdigte: „Sie kriegten Grabkreuze wie gefallene Soldaten: sie galten als Gefallene an der Heimatfront“, erklärte sie den Nazi-Jargon.

 

Stadtteil-Historikerin Silke Mayer

Stadtteil-Historikerin Silke Mayer auf dem Gräberfeld des Ehrenfriedhofs: Hier liegen die zivilen Opfer des Bombenkriegs. Foto: Petra Grünendahl.

„Gut eine Woche, bevor die Ausschreibung für die Stadtteilhistoriker kam, war ich hier mit einer Freundin spazieren“, erzählte Silke Mayer. Der Ort habe sie fasziniert. Sie habe einen Faible für Lost Places: „Und da gehören auch alte Friedhöfe dazu.“ Mit dem Waldfriedhof Wanheimerort hatte sie eine Themenskizze, welche sie Bürgerstiftung Duisburg und der GLS Treuhand für das Stipendien-Programm Stadtteil-Historiker vorstellte. „Ihre Vorstellung war eine der überzeugendsten“, erzählte Klaus Becker, Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung Duisburg. Ohnehin ist Duisburg bei dem Stipendien-Programm gut vertreten: Von den 18 Stipendiaten stammen sechs aus Duisburg. Die Qualifizierten aus dem Ruhrgebiet erhalten eine fachliche Begleitung und jeweils 1.500 Euro Recherchebudget. „Das Recherchebudget ist als Auslagen-Ersatz gedacht“, erklärte Klaus Becker die Intention des Stipendiums, welches von der GLS Treuhand finanziert wird. „Wir haben die Duisburger Projekte nach interessanten Schwerpunkten ausgesucht“, so Becker zum Findungsprozess, der hier über die Bürgerstiftung Duisburg lief. Im Sommer 2021 werden die Ergebnisse der Öffentlichkeit vorgestellt.

 

Der alte Jüdische Friedhof auf dem Waldfriedhof in Wanheimerort. Foto: Petra Grünendahl.

Sie baue ihr Thema „Waldfriedhof“ epochal auf: In fast 100 Jahren kommt da einiges zusammen. „Ich suche aber auch noch Zeitzeugen, dir mir etwas zur Geschichte und Entwicklung des Waldfriedhofs erzählen können“, erklärte die Stadtteil-Historikerin, die hauptberuflich in der Erwachsenenbildung arbeitet. „Das sind die spannenden Geschichten, die man in die Recherche-Ergebnisse einarbeiten kann.“

 

 
Der Waldfriedhof

Sehr aufwändig und pompös wirken die Roma-Gräber. Foto: Petra Grünendahl.

Der Waldfriedhof in Wanheimerort trägt auch den Beinamen „Neuer Friedhof“. Er wurde Anfang der 1920-er Jahre angelegt, als sich eine völlige Belegung des damaligen Hauptfriedhofs Sternbuschweg in Neudorf (auch „Alter Friedhof“) abzeichnete. Im Jahr 1923 begann man mit ersten Reihengrabbeerdigungen. Ab 1925 stand auch eine Einsegnungs- und Leichenhalle zur Verfügung. Der älteste Grabstein, den man heute noch auf dem Waldfriedhof findet, ist ein Findling, bei dem statt einer Eingravierung eine aufgebrachte Plakette die Daten des 1924 Verstorbenen zeigt.

 
Der Waldfriedhof in Wanheimerort

Die Friedhofsverwaltung im alten Forsthaus Haniel. Foto: Petra Grünendahl.

Auf einer Fläche von rund 67 Hektar ist der Friedhof in einem Waldstück an der heutigen Düsseldorfer Straße angelegt worden. Seine rund 6.000 Bäume unterstreichen den waldähnlichen Charakter. Entlang eines Wegenetzes von etwa 50 Kilometern stehen inmitten der Grabanlagen auch Eichen und Buchen, die im vorletzten Jahrhundert gepflanzt wurden und mittlerweile ein Alter von über 170 Jahren erreicht haben. Das Areal gehörte früher der Familie Haniel. Im alten Forsthaus Haniel ist heute die Friedhofsverwaltung untergebracht. Gegenüber ist der Betriebshof, von dem aus die Wirtschaftsbetriebe die allgemeinen Bereiche des Areals pflegen.

 

 
Neben klassischen Grabarten gibt es mittlerweile auch Wahlgräber für Särge und Urnen, was den Wandel der Bestattungskultur dokumentiert. Pflegefreie Gräber oder Rasengräber tragen gesellschaftlichen Änderungen Rechnung, weil Pflege von Angehörigen – soweit überhaupt vorhanden – aus verschiedensten Gründen nicht geleistet werden kann. Die Gestaltung reicht von einfachen Grabsteinen auf der Wiese mit mehr oder weniger üppigem Blumenschmuck bis hin zum anonymen Grab, das nur deswegen erahnt werden kann, weil das Gräberfeld voll belegt ist.

 

Der Zugang zum neuen Jüdischen Friedhof. Foto: Petra Grünendahl.

Schon 1927 wurde ein Begräbnisfeld für die Jüdische Gemeinde der Stadt angelegt, das zwischen primär 1930 und 1942 genutzt wurde. Erst 1981 fand hier wieder eine Bestattung statt. Vor gut zwei Jahren legte die Jüdische Gemeinde Duisburg Mülheim Oberhausen ein neues Gräberfeld an, das seitdem als letzte Ruhestätte für jüdische Mitbürger genutzt wird. In den 1990er-Jahren schuf man auch ein islamisches Gräberfeld für den südlichen Bestattungsbezirk. Beide Religionen glauben an die Unverletzlichkeit des Körpers: Damit sind nur Reihenbestattungen möglich, keine Feuerbestattung (Urnengräber). Es gibt Reihen von Sinti-Gräbern ebenso wie griechisch-orthodoxe Gräberfelder. Seit den 1990er-Jahren gibt es auch einen Bereich mit Roma-Gräbern. 2011 eröffnete der Memoriam Garden in Zusammenarbeit mit Friedhofsgärtnern: Hier befinden sich hochwertige Grabstätten mit besonderem gestalterischen Anspruch.

 

 
Feuerbestattung seit 1932: das Krematorium

Das muslimische Gräberfeld. Foto: Petra Grünendahl.

ab 1912 gab es erste Bestrebungen, eine Feuerbestattungsanlage in Duisburg zu bauen. Erst mit der Einrichtung des neuen Hauptfriedhofs wurde das Projekt wieder aufgegriffen. Vom Rohbau 1929 dauerte es wegen Finanzierungsschwierigkeiten in der Weltwirtschaftskrise bis 1932 mit der Fertigstellung. Ein Luftangriff 1944 beschädigte das Krematorium so stark, dass Einäscherungen in der Folgezeit nicht mehr möglich waren. Dem Wiederaufbau der Verbrennungsanlage bis 1950 folgte die Inbetriebnahme der Krematoriumskapelle 1952/53. Neben Ausbesserungs-, Erweiterungs- und Modernisierungsarbeiten investierte die Stadt auch in Maßnahmen zur Schadstoffreduzierung.

 
Aufgrund steigender Einäscherungszahlen und wegen der veralteten Krematoriumstechnik begann man 2001 mit dem Bau eines neuen Krematoriums. Der bestehende Zellentrakt wurde bis auf die alte Trauerhalle abgerissen und ein modernes Krematorium im Frühjahr 2002 seiner Bestimmung übergeben. Äußerlich der alten Bausubstanz angepasst enthält er modernste Technik und zeitgemäße Abschieds- und Aufbahrungsräume.

 
Unsere früheren Spaziergänge über den Waldfriedhof:

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Ludwiggalerie Schloss Oberhausen: Fotoausstellung zum Strukturwandel 1847–2006

Stadtarchiv zeigt „Oberhausen – Aufbruch macht Geschichte“ im Kleinen Schloss
Von Petra Grünendahl

Dr. Magnus Dellwig, Leiter des Stadtarchivs Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

„Mit der Erschließung durch die Eisenbahn 1847 entstanden erste Siedlungen, da die Industrialisierung Menschen ins Ruhrgebiet zu den Arbeitsplätzen lockte“, erzählte Magnus Dellwig, Historiker und Leiter des Stadtarchivs Oberhausen. Mit diesem Ausgangspunkt und gegliedert in fünf Epochen schildert die neue Ausstellung die Entwicklung Oberhausens. Die Industrialisierung als Strukturwandel 1.0, weg von der Landwirtschaft, hin zu Kohle und Stahl (1894–1934):

Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt. Foto: Petra Grünendahl.

„Die ‚Dunstglocke’ als Zeichen dieser Zeit haben viele Oberhausener noch gut in Erinnerung“, so Dellwig. Vermutlich der vielen guten Arbeitsplätze wegen, die dann dem Strukturwandel 2.0 von der Industriestadt zur Dienstleistungsstadt zum Opfer fielen (1988–2006). In Oberhausens „Neuer Mitte“ findet sich das Ergebnis dieses Wandels. Dieser schaffte ein neues wirtschaftliches Fundament und prägte damit auch die Identität der Menschen. Ihren Abschluss findet die Aufarbeitung im Jahr 2006, als die Planungen zum O.VISION-Zukunftspark keine Förderung vom Land NRW erhielten. Das Ende dieses Zentrums für Gesundheitsdienstleistungen stellte die letzte Zäsur in der Stadtentwicklung dar, deren Überwindung mit der Neuentwicklung des Areals noch nicht abgeschlossen ist.

 

Stellten die Ausstellung vor (v. l.): Dr. Christine Vogt, Michaela Schmitz-Oetjen und Dr. Magnus Dellwig. Foto: Petra Grünendahl.

„Fürs Publikum ist dies ein attraktiver Ort, an dem wir mit Bildern aus Oberhausens Geschichte mehr Menschen erreichen“, erklärte Magnus Dellwig, warum „Oberhausen – Aufbruch macht Geschichte“ als Ausstellung des Stadtarchivs Oberhausen im Kleinen Schloss der Ludwiggalerie zu sehen ist. Im Pressegespräch erzählten Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt, Stadtarchiv-Leiter Magnus Dellwig und Michaela Schmitz-Oetjen, stellvertretende Leiterin des Stadtarchivs, wie der Strukturwandel Oberhausens Stadtentwicklung von 1847 bis 2006 geprägt hat. Die Ausstellung erschließt sich über Fotos und Kartenmaterialien, die über Begleittexte in Kontext gesetzt werden. Die Foto-Auswahl ermöglicht dem Betrachter, Entwicklungen nachzuvollziehen. Abgerundet wird die Präsentation inhaltlich durch Video-Filme im Kabinett, die die Diskussion um den Strukturwandel der letzten 30 Jahre auch kritisch hinterfragen.

Die alte Gutehoffnungshütte am Rhein-Herne-Kanal: Hüttenwerk Oberhausen (HOAG). Foto: Petra Grünendahl.

Eine richtige Ausstellungseröffnung ist angesichts von Corona und den Platzverhältnissen im Kleinen Schloss nicht möglich. Die Ausstellung öffnet einfach am Sonntag, 27. September. Zum Ausstellungsstart sind den ganzen Tag Mitarbeiter des Stadtarchivs vor Ort, um Fragen der Besucher zu beantworten.

 
Stadtgeschichte in Bildern und Objekten

Planmodell von Oberhauens Neuer Mitte. Foto: Petra Grünendahl.

„Wir haben ein paar Dinge entdeckt, die wichtig sind für die Stadtgeschichte“, erklärte Klaus Martin Schmidt-Waldbauer, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Stadtarchiv. Seit 30 Jahren ist er für die Stadt Oberhausen tätig: In früheren Tätigkeiten in der Stadtentwicklung hat er die Stadtplanung in dieser Zeit mit gestaltet. Heute arbeitet er genau jene Stadtentwicklung historisch auf. Eine Karte vom Gebiet „Oberhausen“ aus dem Jahr 1857 sei extra für diese Ausstellung restauriert und aufgearbeitet worden, erzählte er. Ein silberner Tafelaufsatz von 1904, Deutschlands erster Kontoauszugdrucker (der Sparkasse Oberhausen), ein Abbauhammer und eine Wetterlampe und eine Wetterlampe:

Oberhauens Neue Mitte. Foto: Petra Grünendahl.

Die Ausstellung besteht nicht nur aus Fotos, Kartenmaterial und Begleittexten, sondern auch aus Gegenständen und Objekten mit einem Bezug zu. Zu den Highlights zählt hier mit Sicherheit das Planmodell der Neuen Mitte von 1993, welches in den 1990er-Jahren im Rathaus gestanden hatte. „Die Gebäude waren alle ein bisschen abgegriffen, die Bäume nach und nach verschwunden“, erzählte der Stadtarchivar. Liebevoll restauriert zeigt die Ausstellung dieses Stück nun unter Vitrinenglas. Diverse Fördertöpfe und Sponsoren haben diese Ausstellung erst möglich gemacht: Zum einen der Landschaftsverband Rheinland (LVR), der die wissenschaftliche Aufarbeitung von ca. 3.400 Verzeichnisinhalten im Stadtarchiv förderte, mit dem Ziel, die Erkenntnisse einer Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Zu den weiteren Sponsoren zählen unter anderem die Emschergenossenschaft, die Stadtsparkasse Oberhausen und der Freundeskreis der Ludwiggalerie. Hier gibt es den Flyer zur Ausstellung zum Download.

Oberhausen – Aufbruch macht Geschichte: das Ausstellungsplakat. Foto: Ludwiggalerie

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der sich mehr als Begleitbuch zur Ausstellung versteht. Das reich bebilderte Werk arbeitet wissenschaftlich Strukturwandel und Stadtentwicklung aus historischer Perspektive auf und geht damit über die Ausstellungsinhalte hinaus: Es ist eher ein Werk zur Stadtgeschichte. Herausgeber Magnus Dellwig, Mitarbeiter des Stadtarchivs sowie externe Historiker beleuchten Historie ebenso Entwicklungen von Thematiken, die sich durch die Stadtgeschichte ziehen. Das reich bebilderte und hochinformative Werk hat 354 Seiten, ist im Verlag Karl Maria Laufen erschienen und kostet 29,90 Euro. Erhältlich ist er im Shop im Kleinen Schloss sowie im lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-87468-399-9).

 

 
Oberhausen vom Aufbruch zum Strukturwandel

Begleittexte führen durch die Ausstellung. Foto. Petra Grünendahl.

Die Industrialisierung und Arbeitsplätze lockten Menschen ins Gebiet des heutigen Oberhausen. Die Bevölkerung wuchs. Den Namen Oberhausen erhielt die junge Gemeinde vom 1847 neu angelegten gleichnamigen Bahnhof der Cöln-Mindener Eisenbahn in der Gemeinde Borbeck, die später zwischen Oberhausen und Essen aufgeteilt wurde. 1862 schlossen sich sieben Gemeinden zur Bürgermeisterei Oberhausen zusammen, die zuvor den Landkreisen Recklinghausen, Dinslaken und Essen bzw. Duisburg angehört hatten. Zwölf Jahre später (1874) bekam die Gemeinde Stadtrechte im 1873 gegründeten Landkreises Mülheim, der wiederum aus Teilen des Landkreises Duisburg hervorgegangen war, als Duisburg Stadtkreis wurde. 1901 wurde Oberhausen dann selber Stadtkreis.

Stadtentwicklung in Kartenmontagen. Foto: Petra Grünendahl.

Weitere Eingemeindungen folgten. Im Zuge der Kommunalen Neugliederung im Ruhrgebiet wurden am 29. Juli 1929 die Stadtkreise Oberhausen an der Ruhr, Osterfeld und Sterkrade zum neuen Stadtkreis Oberhausen (Rheinland) mit Korrekturen an den Grenzen zu den Nachbarstädten Duisburg, Mülheim an der Ruhr und Bottrop vereinigt. Die Gebietsreform von 1929 führte dazu, dass die heutige kreisfreie Stadt Oberhausen drei gewachsene Zentren hat: Oberhausen, Osterfeld und Sterkrade. Die erst Anfang der 1990er Jahre geplante „Neue Mitte“ kann heute als viertes Zentrum der Stadt gewertet werden: Auf dem Areal des ab 1969 schrittweise still gelegten Werksgeländes der Gutehoffnungshütte (später Hüttenwerke Oberhausen AG, kurz: HOAG), die zuletzt dem Thyssen-Konzern gehörte, entstanden ein Freizeit- und Einkaufszentrum sowie weitere gewerbliche, sportliche und kulturelle Angebote.

 

Strukturwandel hieß auch: Kampf um Arbeitsplätze. Foto: Petra Grünendahl.

Die 1758 in Betrieb genommenen Eisenhütte St. Antony, der ersten im Ruhrgebiet, verdankt Oberhausen den Beinamen „Wiege der Ruhrindustrie“. Sie wurde 1808 mit den Hütten Gute Hoffnung und Neu Essen zur Hüttengewerkschaft und Handlung Jacobi, Haniel & Huyssen (JHH) zusammengelegt, aus der dann die Gutehoffnungshütte hervorging. Mit ihrer Schließung gingen Oberhausen nicht nur viele Industrie-Arbeitsplätze verloren: Die Stadt wandelte sich vom Industrie- zum Dienstleistungszentrum.

 
Impressionen der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl.

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Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen

Silberner Tafelaufsatz von 1904. Foto: Axel Scherer, Stadtarchiv Oberhausen.

Die Sonderausstellung im Kleinen Schloss läuft bis zum 17. Januar 2021. Das Museum ist geöffnet von Dienstag bis Sonntag zwischen 11 und 18 Uhr. Montags ist Ruhetag, feiertags sowie Pfingstmontag ist jedoch geöffnet. Geschlossen ist am 24., 25. und 31. Dezember sowie 1. Januar. Der Eintritt zum Kleinen Schloss ist frei, im Großen Schloss kostet es 8 Euro (ermäßigt 4 Euro, Familien 12 Euro). Corona-bedingt gilt eine Besucherobergrenze: Im Großen Schloss (Otfried Preußler) von 80 Personen, im Kleinen Schloss (Aufbruch macht Geschichte – Strukturwandel 1847–2006) finden insgesamt 35 Leute Platz. Bei einer weiteren Lockerung der Einschränkungen könnte diese Zahl aber wieder steigen. Über die ansonsten geltenden Bestimmungen kann man sich hier informieren. So finden mittlerweile auch wieder die öffentlichen Führungen (sonn- und feiertags um 11.30 Uhr, es gilt eine Personenzahlbegrenzung) sowie das Rahmenprogramm zur Ausstellung im Großen Schloss wieder statt: Sie sind im Museumseintritt inklusive. Details zum Rahmenprogramm zu den Ausstellungen gibt es hier.

Das Große Schloss der Ludwiggalerie Schloss Oberhauen. Foto: Petra Grünendahl.

Im Großen Schloss zeigt die Ludwiggalerie noch bis zum 10. Januar 2021 die sehr sehenswerte Ausstellung „Räuber Hotzenplotz, Krabat und Die kleine Hexe. Otfried Preußler – Figurenschöpfer und Geschichtenerzähler“. Diese Ausstellung haben wir bereits besucht.

Die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen ist eines der 21 RuhrKunstMuseen. Sie befindet sich an der Konrad-Adenauer-Allee 46 in 46049 Oberhausen. Anfahrt am besten über die A42, Abfahrt Oberhausen-Zentrum. Weitere Infos: www.ludwiggalerie.de.

Neue Mitte Oberhausen, 2020. Foto: Hans Blossey.

Sehr bemerkenswert ist die ebenfalls im Schloss Oberhausen untergebrachte, aber nicht zur Ludwiggalerie gehörige Gedenkhalle. Als städtische Einrichtung in Erinnerung an die Verfolgten des Nationalsozialismus arbeitet die Gedenkhalle seit 1962 gegen das Vergessen und für das Miteinander aller Menschen in Oberhausen. Mit der 2010 erneuerten Dauerausstellung widmet sie sich der Stadtgeschichte zwischen 1933 und 1945 sowie der Zwangsarbeit im Ruhrgebiet während der NS-Zeit. Da sollte man unbedingt mal vorbei schauen!

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Stadtbad Hamborn: Greyfield baut Immobilie zum Bürostandort um

Bauarbeiten ermöglichen Einblicke in anspruchsvolle Konstruktion
Von Petra Grünendahl

Das alte Stadtbad Hamborn wird zum Bürostandort umgebaut. Foto: Petra Grünendahl.

Über 20 Jahre gammelte das schmucke Stadtbad in Hamborn vor sich hin. 1998 wurde der Betrieb still gelegt, nachdem die Bauaufsicht eine Decke als einsturzgefährdet erklärt hatte. Auf der anderen Seite der Duisburger Straße baute die Stadt das Rhein-Ruhr-Bad, das 2003 den Betrieb aufnahm. Ungebetene Gäste hinterließen im geschlossenen Bad über Jahre ihre Spuren in Form von Zerstörung und Graffiti. Für ein Factory Outlet sollte die Immobilie reaktiviert werden: Diese Pläne zerschlugen sich jedoch. 2018 hatte die Greyfield Group aus Essen das Objekt gekauft, um es zu sanieren und zum Bürostandort umzubauen. Mit dem Jobcenter Duisburg-Nord fand man einen langfristigen Mieter, der eine Sanierung wirtschaftlich machte. Die Einrichtung der Baustelle an der Ecke Duisburger Straße / Walther-Rathenau-Straße machte auch nach außen sichtbar, dass das Stadtbad zu neuem Leben erweckt wird.

 

Das alte Stadtbad Hamborn wird zum Bürostandort umgebaut. Foto: Petra Grünendahl.

Greyfield hat sich darauf spezialisiert, notleidende Bestandsimmobilien zu revitalisieren, sie vermarktungsfähig zu entwickeln und für eine künftige Nutzung bedarfsgerecht umzubauen. „Die Sanierung von Bestandsimmobilien ist nachhaltiger als Abriss und Neubau“, erklärte Dennis Hartmann, Projektentwickler für das Stadtbad. Mit der Grundsteinlegung am 27. März 1929 begann der Bau nach den Plänen Regierungsbaumeisters Franz Steinhauer: Ein Flachdachbau in Stil der Neuen Sachlichkeit (auch: das Neue Bauen der 1920er-Jahre) mit Backsteinoptik sowie horizontaler und vertikaler Gliederung mit Fensterbändern in Muschelkalk. Die beiden Seitenflügel haben über dem Flachdach leicht geneigte Giebeldächer über den Schwimmbecken, umgeben von Flachdach. Die Backsteinfassade ist insgesamt in einem guten Zustand, der Muschelkalk bröselt an einigen Stellen: „Schadhaften Stellen bessern wir hier einfach aus“, erzählte Projektentwickler Hartmann auf einer Tour über die Baustelle. Der Erhalt der Substanz liegt den Immobilienentwicklern am Herzen: Auch in den Innenräumen wird, wo immer möglich, die Backstein-Architektur vom Putz befreit und freigelegt sowie alte Bauelemente sichtbar gemacht. Sie setzen später reizvolle Akzente in einem ansonsten modern gestalteten Arbeitsumfeld.

 

Foyer des Stadtbad Hamborn. Foto: Petra Grünendahl.

Vom Zeichenbrett Franz Steinhauers stammen außer dem Stadtbad zwei weitere Gebäude in Hamborn: Das heutige Robert-Bosch-Berufskolleg und die Polizei-Dienststelle, beide an der August-Thyssen-Straße. Die Gebäude stehen ebenso unter Denkmalschutz wie seit 2005 die Fassade des alten Stadtbades. Dass das Stadtbad nicht als Gesamtes unter Denkmalschutz steht, macht einen solchen Umbau für eine neue Nutzung erst möglich.

 

 
Aufwändige Schwimmbad-Kontruktion

Die rechte Schwimmhalle war für Herrenschwimmen vorgesehen. Foto: Petra Grünendahl.

Zwei Schwimmhallen waren im Stadtbad vorgesehen: Mit einem großen Schwimmbecken für Männer im rechten Flügel sowie einem kleineren für Frauen im linken Flügel. Die beiden Schwimmbecken waren aufwändig konstruiert und erfüllten damals sogar olympische Standards. Wegen der Möglichkeit von Bergschäden waren die Schwimmtröge aus Stahlbeton nicht mit dem Gebäudekörper verbunden. Sie ruhen jeweils auf drei Gleitlagern (Drei-Punkt-Lagerung), um leichte Bodensenkungen abfedern zu können. Die Gleitlager unter dem Schwimmtrog verfügen über massive Beton-Fundamente, die nicht mit den Fundamenten des Gebäudes verbunden sind. Das Gebäude mitsamt seinem Fundament ist quasi wie ein Karton über die Schwimmbecken samt Auflager sowie deren Fundamente drüber gestülpt.

Die Schwimmtröge liegen auf Gleitlagern mit eigenem Fundament auf. Foto: Petra Grünendahl.

Schon im ersten Jahr des Baus wurden die Arbeiten unterbrochen, als wegen der Weltwirtschaftskrise das Geld knapp wurde. Mit dem Weiterbau 1936 war das zweite Schwimmbecken überflüssig (im Nationalsozialismus durften Männer und Frauen im gleichen Schwimmbad schwimmen): Bei der Eröffnung 1938 wurde es erst gar nicht in Betrieb genommen. Um 1945 setzte man dort ein Ständerwerk aus Holz ins Becken und zog einen Schwingboden ein, um die Schwimmhalle als Sporthalle zu nutzen. Eine zweireihige Tribüne im oberen Hallenumlauf ermöglichte einen Zuschauerbetrieb. In jedem Seitenflügel des symmetrischen Baus gibt es hinter einer in Innenhöfen liegenden Apsis Wasserausgleichsbehälter (jeweils drei übereinander liegend in Beton gegossen), um bei Bedarf Wasser ins Schwimmbad nachlaufen zu lassen.

 

 
Umbau in drei Abschnitten

Rechts im Schwimmtrog ist eine Betonwand eingelassen. Auf der aufgelegten Betonplatte entstehen Büro-Trakte in Holzbau. Foto: Petra Grünendahl.

In drei Bauabschnitten baut Greyfield das mittlerweile entkernte und schadstoffsanierte Gebäude als Bürostandort um. Den Anfang macht der linke Gebäudeflügel mit der ehemaligen Sporthalle an der Walther-Rathenau-Straße. Im Schwimmbecken wurde eine Betonwand eingezogen, die den Trog verkleinert. Eine aufgesetzte Bodenplatte vergrößerte die nutzbare Bodenfläche. So entstehen auf beiden Seiten des verbleibenden Beckens Bürobereiche, die über einen mittigen Flur bzw. entlang der Außenseite Walther-Rathenau-Straße erschlossen werden. Der verbleibende Teil des Schwimmtroges wird zum Lichthof umgebaut: Die Büros auf der Innenseite (zum Schwimmtrog) haben damit Tageslicht. Die Büro-Trakte über dem Schwimmbecken werden über drei Etagen in Holz gebaut. Die beiden unteren Etagen greifen die hohen Decken der Schwimmhallen-Ebenen auf. Die dritte Etage hat normale Raumhöhe und führt über eine weitere Treppe auf ein Flachdach, auf dem weitere Büros entstehen. Die Dachterrasse zum Innenhof bietet auf dieser Ebene einen tollen Ausblick auf das Fördergerüst von Friedrich Thyssen 6. „Hier oben sind die besten Büros“, verriet Hartmann.

Über einem Teil des Schwimmtroges entstehen über drei Etagen Büro-Trakte in Holzbau. Foto: Petra Grünendahl.

Im zweiten Bauabschnitt ist der Mitteltrakt mit einer eher konventionellen Büroarchitektur dran. Dazu kommen auf den Flachdächern weitere Büro-Aufbauten. Der rechte Gebäudeflügel an der Duisburger Straße mit dem großen Schwimmbad wird im dritten Bauabschnitt nach einer Verkleinerung des Schwimmtroges ähnlich aufgebaut wie der linke Flügel. Auch hier entstehen auf drei Etagen Büroflächen in Holzbauweise. Jeweils nach Fertigstellung der einzelnen Bauabschnitte werden die Büros bezugsfertig eingerichtet. Ab Frühjahr nächsten Jahres können erste Teile bezogen werden: Dann findet das Jobcenter Duisburg Nord eine neue Infrastruktur in dem denkmalgeschützten Prachtbau vor, der dann wieder in seinem altem Glanz erstrahlen kann.

 
Impressionen von der geführten Tour durch die Baustelle. Fotos: Petra Grünendahl.

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Über die Greyfield Group

Friedrich Thyssen Schacht 6. Foto: Petra Grünendahl.

Die Greyfield Group wurde im Jahr 2012 durch Timm Sassen gegründet. Das nachhaltige Projektentwickler-Unternehmen aus Essen setzt sich aus den drei eigenständigen Marken Liwon, Stana sowie Greyfield zusammen, die jeweils in einem Lebenszyklus einer Immobilie aktiv sind und sich auf das Investment und Redevelopment von Bestandsimmobilien in B- und C-Lagen spezialisieren. Dank fachlicher Kompetenz und kreativem sowie architektonischem Gespür begeht die Greyfield Group unkonventionelle Wege, um aus Grundstücken und Immobilien mit Geschichte intelligente Neunutzungskonzepte zu schaffen, die der Region neuen Mehrwert verleihen. Vom Refurbishment über die Revitalisierung bis hin zum Redevelopment werden alle Bereiche der Immobilienbestandsentwicklung abgedeckt. Durch eine nutzerorientierte Projektentwicklung schafft die Greyfield Group neuen Lebensraum, indem ungenutzte Flächen revitalisiert werden und an die Gesellschaft in Form einer neuen inhaltlichen Zweckbestimmung zurückgegeben werden. So kommen wirtschaftliche und soziale Rendite zusammen. Die gemeinnützige Greyfield Stiftung fördert auch darüber hinausgehend Projekte, die diesen Gedanken weitergeben und die Komponenten Ressourcenschonung, Nachhaltigkeit, Urbanität und gesellschaftliche Verantwortung fördern.

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Ratssitzung in der Kraftzentrale im Landschaftspark Duisburg-Nord

Verkaufsoffene Sonntage, digitale Gremienarbeit und Corona-bedingte Mehrausgaben
Von Petra Grünendahl

Symbolfoto: Diskussionen vor der Sitzung des Stadtrates. Foto: Petra Grünendahl.

Als Dringlichkeitsbeschluss segnete der Stadtrat mehrheitlich sieben verkaufsoffene Sonntage bis Jahresende ab: Auf Anregung des Einzelhandelsverbandes Niederrhein in Abstimmung mit den Werbegemeinschaften in den Stadtteilen. Diese sollen dem durch Corona-Lockdown stark getroffenen Einzelhandel wieder auf die Beine helfen. Da die verkaufsoffenen Sonntage aber nicht mit öffentlichen Veranstaltungen in den jeweiligen Stadtteilen verbunden sind, besteht allerdings die Gefahr, dass Verdi gerichtlich dagegen vor geht, wie es in mehreren Städten in der Nachbarschaft bereits geschehen ist. Als erster Termin ist der kommende Sonntag, 20. September, in Wanheimerort vorgesehen. Die lange Schließung während des Lockdowns sowie der Wegfall von Stadt(teil)festen mit verkaufsoffenen Sonntagen haben den Einzelhandel hart getroffen. Die jetzige Entscheidung macht einen kleinen Ausgleich für verlorene Umsätze möglich, damit nicht am Ende von Corona der Einzelhandel in den Zentren noch weiter minimiert ist.

 

Symbolfoto: Vor der Sitzung des Stadtrates. Foto: Petra Grünendahl.

In letzter Sitzung trat der 2014 gewählte Rat der Stadt Duisburg zusammen: Wegen der zurzeit gebotenen Abstandsregeln in der Kraftzentrale in Landschaftspark Nord. Erst in der nächsten Woche tagt der Wahlausschuss, der das Ergebnis der Kommunalwahl absegnet. Viele Dringlichkeitsbeschlüsse standen auf der Tagesordnung, überwiegend für außerplanmäßige Aufwendungen in Folge von Corona. Laut einer Mitteilungsvorlage rechnet die Stadt für das Jahr 2020 mit Corona-bedingten Lasten in Höhe von 101,93 Mio. Euro, die aktuell größtenteils aus Mindereinnahmen bei der Gewerbesteuer bestehen. Noch nicht absehbar sind allerdings finanzielle Auswirkungen eines sinkenden Gewerbesteuer-Aufkommens in den kommenden Jahren. Hier wird uns Corona noch eine Weile begleiten.

 

 
Weitere Entscheidungen
In die Satzung der Gremienarbeit (Stadtrat, Ratsausschüsse, Bezirksvertretungen) nahm der Rat offiziell die schon seit längerem praktizierten digitalen Kommunikationsformen offiziell auf. Damit ist nun festgeschrieben, dass die früher üblichen Papierberge weitestgehend der Vergangenheit angehören.

Beschlossen wurde ein Neuausrichtung der Wirtschaftsförderung, nachdem mehrere nicht-städtische Unternehmen den Zusammenschluss der GFW Duisburg verlassen haben. Die Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Duisburg mbH soll künftig nur noch von Gesellschaftern in städtischer Hand getragen werden, aber in enger Kooperation mit Unternehmen der freien Wirtschaft. Dafür sucht die Stadt einen neuen Geschäftsführer für den zum Jahresende ausscheidenden Ralf Meurer.

Darüber hinaus segnete der Rat einen städtischen Eigenanteil in der Höhe von bis zu 200.000 Euro für den Realisierungswettbewerb zur Gestaltung des Zukunftsgartens Rheinparks ab. Dieser wird Duisburgs Beitrag zur Internationalen Garten-Ausstellung Metropole Ruhr 2027 (IGA Metropole Ruhr 2027).

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Deutsche Oper am Rhein: Comedian Harmonists in Concert im Theater Duisburg

Goldene Zwanziger in musikalischer Perfektion
Von Petra Grünendahl

Dmitri Vargin (Roman), Günes Gürle (Robert), Patrick Francis Chestnut (Erwin), Cornel Frey (Ari), Luis Fernando Piedra (Erich), Florian Simson (Harry). Foto: Hans Jörg Michel.

Mit “Wochenend und Sonnenschein” und “Mein kleiner grüner Kaktus” entführte das Vokal-Ensemble, rausgeputzt im klassischen Frack, in die Goldenen Zwanziger. Viele Lieder des Konzertabends kann selbst derjenige mitsingen, der mit den Comedian Harmonists nichts anfangen kann. Ein Sprecher (Dirk Weiler) erzählt in den Sing-Pausen die Geschichte der Comedian Harmonists, die 1927/28 in Berlin gegründet wurde. Inspiriert hatte Harry Frommermann, der Mitstreiter für ein Ensemble suchte, das amerikanische Vokal-Quartett The Revelers.

Dmitri Vargin (Roman), Günes Gürle (Robert), Cornel Frey (Ari), Luis Fernando Piedra (Erich), Florian Simson (Harry). Foto: Hans Jörg Michel.

Der moderierte Konzertabend dreht sich um die Gesangsgruppe und ihre Erfolgsgeschichte in den Jahren 1928 bis 1935, die mit der Aufsplittung der Gruppe in arisch und nicht-arisch (jüdisch) ein trauriges Ende fand. Dass drei der Gruppen-Mitglieder jüdisch waren, führte schon 1933 zu ersten Absagen. Sie waren schließlich die letzten Juden, die in Nazi-Deutschland überhaupt noch auftreten durften. Bis 1935 konnten die Comedian Harmonists zusammen auftreten, was sie nicht nur in Deutschland und Europa taten, sondern auch in Amerika.

 

Luis Fernando Piedra (Erich), Patrick Francis Chestnut (Erwin), Dmitri Vargin (Roman), Cornel Frey (Ari), Günes Gürle (Robert). Foto: Hans Jörg Michel.

Nach fast einem halben Jahr Corona-Pause präsentierte die Deutsche Oper am Rhein ihre erste Aufführung der neuen Spielzeit im Theater Duisburg. „Zu Gast“ waren die Comedian Harmonists, denen Ensemble-Sänger Stimme und Gestalt verliehen. Die Comedian Harmonists hatten sich in den Zwanziger Jahren mit der perfekten Harmonie ihres Gesangs und dem charmanten Witz ihres Auftretens nicht nur in Deutschland einen herausragenden Namen gemacht. Grandios hatte dies die Deutsche Oper am Rhein mit ihren Ensemble-Sängern hier auf die Bühne gebracht, dass man sich fast in die Goldenen Zwanziger zurück versetzt fühlte. Ein überaus dankbares und sehr begeistertes Publikum sparte – zu Recht! – weder mit euphorischen Szenen- noch mit einem riesigen Schlussapplaus. Der moderierte Konzertabend dauerte gut 75 Minuten, es gab keine Pause.

 

 
Perfekte Harmonie

Günes Gürle (Robert), Cornel Frey (Ari), Patrick Francis Chestnut (Erwin), Dirk Weiler (Moderator), Dmitri Vargin (Roman), Luis Fernando Piedra (Erich), Florian Simson (Harry). Foto: Hans Jörg Michel.

Die Rollen gibt die Besetzung der Comedian Harmonists vor, die fünf Sänger der Deutschen Oper am Rhein unter der musikalischen Leitung Patrick Francis Chestnut (in der Rolle des Pianisten Erwin) und der Choreographie von Michal Matys exzellent sangen, lebten und auslebten. Um den Tenor Harry Frommermann (Florian Simson) hatte sich 1927 in Berlin das Quintett gebildet: Ari Leschnikoff (Cornel Frey), Erich Abraham Collin (Luis Fernando Piedra), Roman Cycowski (Dmitri Vargin) und Robert Biberti (Günes Gürle), ergänzt durch Erwin Bootz (Patrick Francis Chestnut) am Piano. Wie die Originale brachten auch die Sänger der Deutschen Oper am Rhein hier eine brillante harmonische und musikalisch ganz exzellente Aufführung auf die Bühne. Für die Kostüme zeichnet Ronja Reinhardt verantwortlich, für das Licht-Design auf dem sparsamen Bühnenbild Volker Weinhart und Thomas Tarnogorski.

 

 
Ein kleiner Vorgeschmack:

 

 
Weitere Termine im Theater Duisburg:

Dmitri Vargin (Roman), Günes Gürle (Robert), Cornel Frey (Ari), Luis Fernando Piedra (Erich), Florian Simson (Harry). Foto: Hans Jörg Michel.

Di | 15. September 2020 | 19:30 Uhr,
Mi | 16. September 2020 | 19:30 Uhr,
Do | 24. September 2020 | 19:30 Uhr,
Fr | 25. September 2020 | 19:30 Uhr,
Mi | 30. September 2020 | 19:30 Uhr,
Sa | 3. Oktober 2020 | 18:30 Uhr,
Do | 22. Oktober 2020 | 19:30 Uhr und
Di | 29. Dezember 2020 | 19:30 Uhr.
Darüber hinaus gibt es verschiedene Termine im Opernhaus Düsseldorf.

 

 

Dmitri Vargin (Roman), Günes Gürle (Robert), Patrick Francis Chestnut (Erwin), Cornel Frey (Ari), Luis Fernando Piedra (Erich), Florian Simson (Harry). Foto: Hans Jörg Michel.

Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Die sonst übliche Einführung im Foyer fand nicht statt. Tickets kosten 12,00 und 20,00 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

 
Es gelten folgende Corona-Regeln:

Dmitri Vargin (Roman), Günes Gürle (Robert), Patrick Francis Chestnut (Erwin), Cornel Frey (Ari), Luis Fernando Piedra (Erich), Florian Simson (Harry). Foto: Hans Jörg Michel.

Das Platzangebot rund 280 im Theater Duisburg reduziert. Die Vorstellungen dauern maximal 90 Minuten, es gibt keine Pausen. Es gelten die üblichen Hygiene- und Abstandsregeln. Ein Garderobenservice steht zur Verfügung, die Gastronomie nicht.
Mehr: operamrhein.de/de_DE/wissenswertes

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Hans Jörg Michel

 

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Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen zeigt Otfried Preußler

Figurenschöpfer und Geschichtenerzähler:
die Helden der Kindheit

Von Petra Grünendahl

Das Plakat zur Otfried-Preußler-Ausstellung.

„An die Geschichten von Otfried Preußler erinnern sich die Menschen ganz stark über die Bilder“, erzählte Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt. Und: „Ich hätte nicht gedacht, dass es eine so vielfältige Ausstellung sein würde“, bedankte sie sich bei Kuratorin Linda Schmitz-Kleinreesink, die das komplette Werk des Autors für die Ausstellung wissenschaftlich aufbereitet hatte. Preußler erzählte alte Geschichten und Sagen, wie er sie aus Kindertagen kannte, neu, verändert und schuf unverwechselbare Figuren, denen Zeichner die optische Persönlichkeit gaben. Preußler wollte Kindern Ängste nehmen und schuf damit zum Beispiel die gute Hexe und den gutmütigen Räuber. Jeder kennt sie: „Mehrere Generationen sind mit diesen Figuren aufgewachsen – bis in die heutige Zeit“, erklärte Verlegerin Bärbel Dorweiler. „Illustrationen finden als angewandte Kunst selten den Weg ins Museum. Umso wichtiger ist mir hier auch die wissenschaftliche Aufarbeitung der Werke“, erzählte Christine Vogt, die betonte, dass die Ludwiggalerie trotz vieler Ausstellungen im grafischen Bereich kein Kindermuseum sei.

 

Stellten die Ausstellung vor (v. l.): Kuratorin Linda Schmitz-Kleinreesink, Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt und Verlegerin Bärbel Dorweiler. Foto: Petra Grünendahl.

Otfried Preußler (1923–2013) gehört zu den bedeutendsten und einflussreichsten Kinder- und Jugendbuchautoren des deutschsprachigen Raums. Mit Geschichten wie „Der Räuber Hotzenplotz“, „Die kleine Hexe“ und „Das kleine Gespenst“ hat der Autor seit den 1950er-Jahren Figuren erschaffen, die bis heute aus den Kinderzimmern dieser Welt nicht mehr wegzudenken sind. Mit „Otfried Preußler – Figurenschöpfer und Geschichtenerzähler“ präsentiert die Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen nun erstmals eine Aufarbeitung von Otfried Preußlers Gesamtwerk. Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt stellte zusammen mit Kuratorin Linda Schmitz-Kleinreesink, Verlegerin Bärbel Dorweiler (Thienemann-Esslinger Verlag), Dezernent Apostolos Tsalastras und Gestalter Uwe Eichholz die Ausstellung vor. „Ich bin froh, dass wir zumindest in einem gewissen Rahmen wieder Kunst präsentieren können”, sagte Apostolos Tsalastras, Oberhausens Dezernent für Kultur und Finanzen. Immerhin ist das jetzt die dritte Ausstellung in der Ludwiggalerie, die seit dem Ende des Corona-Lockdowns möglich gemacht wurde.

Grafik: Daniel Napp: Das kleine Gespenst.

Mit zahlreichen Zeichnern arbeitete Preußler in seiner langen Schaffenszeit zusammen. Diese illustrieren nicht nur seine Geschichten, sondern erwecken die Figuren zum Leben und schufen ihre eigenen unverwechselbaren Charaktere. Die Zeichner konnten relativ frei arbeiten, ihre Figuren optisch entwickeln, jedoch immer im Dialog mit dem Autor. Viele originale Tuschezeichnungen und Illustrationen stellte der Thienemann-Esslinger Verlag, der die Rechte am Werk Otfried Preußlers besitzt, aus seinem Archiv bereit. Darüber hinaus steuerten auch die Familie (Nachlass), Zeichner und Illustratoren ihr Material für diese einzigartige Schau bereit.

 

 
Alte und neue Bildsprache

Grafik: Mathias Weber koloriert Winnie Gebhardts Die kleine Hexe.

Besonders bekannt sind die Illustrationen von F. J. Tripp, die dem Räuber Hotzenplotz sein markantes Äußeres verleihen. Die holzschnitthaften Sepia-Zeichnungen, die Herbert Holzing für Krabat erschafft, bleiben über zahlreiche Auflagen hinweg bestehen. Das unverwechselbare Aussehen der kleinen Hexe, aber auch des kleinen Wassermanns, ist der Künstlerin Winnie Gebhardt zu verdanken. Mehr als 50 ihrer originalen Tuschezeichnungen stellt der Thienemann-Esslinger Verlag eigens für die Ausstellung bereit.

Die Neuillustrationen der Klassiker durch Daniel Napp, Thorsten Saleina und Annette Swoboda sind in der umfangreichen Schau genauso vertreten wie die frühen Zeichnungen. Indem die Präsentation nahezu alle Protagonisten Preußlers vorstellt, unterstreicht sie die immense Bandbreite seines Schaffens. Zum ersten Mal beleuchtet damit eine Ausstellung grundlegend die Illustratoren, die den Büchern durch ihre eindringlichen Bilder zu großem Erfolg verholfen haben. Auch selten gezeigte Originalzeichnungen zu Hörbe, die Otfried Preußler selbst angefertigt hat, sind zu sehen.

 

 
Räuber Hotzenplotz, Krabat und Die kleine Hexe

Christiane Hansen: Das Eselchen und der kleine Engel. Foto: Petra Grünendahl.

Die Ausstellung reicht von klassischen Bilderbüchern, Geschichtensammlungen und traditionelle Sagen bis hin zu fantastischen Erzählungen. Dabei können Besucher den gesamten Preußler-Kosmos kennen lernen. Dazu gehören auch Charaktere wie die dumme Augustine, Tella, die Schildbürger und Wanja sowie einige der weniger bekannten Protagonisten. Über drei Etagen hinweg sind Otfried Preußlers Geschichten in unterschiedlichen Formaten wissenschaftlich aufarbeitet präsentiert, damit große und kleine Besucher beim Betrachten der Bilder in phantastische Welten eintauchen können.

Otfried Preußler erfreut sich bis heute großer Beliebtheit bei Groß und Klein: „Wir haben die Bücher mit den einfachen Tuschezeichnungen ebenso im Programm wie die kolorierten Ausgaben, die den heutigen Sehgewohnheiten der Kinder entsprechen“, erzählte die Verlegerin. Viele von Preußlers Geschichten wurden auch in andere Medien übertragen: Hörbücher, Theateradaptionen, Filme und Spiele zeugen von der immensen Beliebtheit der jeweiligen Werke, die bis heute Groß und Klein begeistern. Über 300 originale Zeichnungen sowie Filmrequisiten, Buchausgaben und Fotografien ermöglichen erstmals einen umfangreichen Überblick über das Wirken Otfried Preußlers und seiner Illustratoren. Insgesamt schrieb er 35 Bücher, die in mehr als 50 Sprachen übersetzt mit einer Gesamtauflage von über 50 Mio. Exemplaren weltweit bis heute begeistern.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der Otfried Preußler als Figurenschöpfer und Geschichtenerzähler ebenso vorstellt wie die bedeutendsten Zeichner seiner Figuren. Das reich bebilderte 160-seitige Werk wird herausgegeben von Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt und Kuratorin Linda Schmitz-Kleinreesink. Für 29,80 Euro ist es an der Museumskasse ebenso zu erwerben wie im lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-932236-44-0).

Den Flyer zur Ausstellung gibt es hier zum Download.

 
Impressionen aus der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl.

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Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen

Handpuppen aus „Räuber Hotzenplotz“ . Foto: Petra Grünendahl.

Die Sonderausstellung läuft bis zum 17. Januar 2021. Das Museum ist geöffnet von Dienstag bis Sonntag zwischen 11 und 18 Uhr. Montags ist Ruhetag, feiertags sowie Pfingstmontag ist jedoch geöffnet. Geschlossen ist am 24., 25. und 31. Dezember sowie 1. Januar. Der Eintritt kostet 8 Euro (ermäßigt 4 Euro, Familien 12 Euro). Corona-bedingt gilt eine Besucherobergrenze: Im Großen Schloss (Otfried Preußler) von 80 Personen, in der Panoramagalerie im Kleinen Schloss (Dieter Nuhr und Bahar Batvand) finden 35 Leute Platz. Bei einer weiteren Lockerung der Einschränkungen könnte diese Zahl aber wieder steigen.

Führungen können aufgrund des Coronavirus zurzeit nur mit maximal 10 Personen stattfinden. Öffentliche Führungen finden im Großen Schloss onst sonn- und feiertags um 11.30 Uhr statt. Zudem gibt es Kuratorenführungen (mit Linda Schmitz-Kleinreesink, am 25. Oktober, 15. November, 13. Dezember und 10. Januar, jeweils um 15 Uhr) und Direktorenführungen mit Dr. Christine Vogt (23. September und 11. November, jeweils um 16 Uhr). Alle Führungen sind im Museumseintritt inklusive. Details zum Rahmenprogramm zu den Ausstellungen sowie zum Museumspädagogischen Angebot gibt es https://ludwiggalerie.de/de/ausstellungen/programm/. Die Ausstellung eröffnet am Samstag, 12. September 2020, um 19 Uhr.

In der Panoramagalerie im Kleinen Schloss zeigt die Ludwiggalerie noch bis zum 13. September das Projekt „Parallel“ des Kunstvereins Oberhausen mit Werken von Bahar Batvand und Dieter Nuhr. Diese Ausstellung haben wir bereits besucht. Im Kleinen Schloss ist der Eintritt frei.

Die LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen ist eines der 21 RuhrKunstMuseen. Sie befindet sich an der Konrad-Adenauer-Allee 46 in 46049 Oberhausen. Anfahrt am besten über die A42, Abfahrt Oberhausen-Zentrum. Weitere Infos: www.ludwiggalerie.de.

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Grafschafter Museums- und Geschichtsverein: 400 Jahre Moerser Festungsanlagen

Alte Pläne hochwertig aufbereitet und neu interpretiert
Von Petra Grünendahl

Überlagerung des Sariac-Plans von 1762 mit dem aktuellen Katasterplan der Stadt Moers. Quelle: Stadt Moers, Fachbereich 6.

„Zu den Highlights des Buches zählt mit Sicherheit der Befestigungsplan, den ein französischer Offizier 1762 angefertigt hatte“, erzählte Prof. Dr. Margret Wensky, Herausgeberin und Mit-Autorin an einem neuen Buch zur Moerser Geschichte als Festungsstadt. Dass Friedrich II. die Festungsanlagen des seit 1702 preußischen Moers nach dem Siebenjährigen Krieg (1756–1763) und der französischen Besatzung schleifen ließ, veränderte das Stadtbild ebenso nachhaltig wie zuvor der Bau der Befestigungsanlagen zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Moritz von Oranien (1567–1625) hatte die spanischen Besatzer vertrieben, trat nach dem niederländischen Befreiungskampf das Erbe von Walburgis (Anna Walburga von Neuenahr, 1522–1600), Gräfin von Moers, an und ließ ab 1601 Schloss und Stadt befestigen. Die Festungspläne entwickelte der flämische Baumeister Simon Stevin (1548/49–1620), der als Vater des modernen Bauingenieurswesens gilt: Moers ist die einzige von ihm geplante Festung in Deutschland. Der Bau dauerte bis ins Jahr 1620. Die Spuren dieser oranischen Befestigungsanlagen, die aus hoch aufgeschütteten Erdwällen bestanden – Kanonen konnten ihnen im Gegensatz zu Mauerwerken nichts anhaben – finden sich bis heute im Stadtbild wieder. Beim Schleifen der Wälle kämpfte der Moerser Magistrat mit dem preußischen Ortskommandanten um jeden Zentimeter Wall, nutzte dieser doch der Stadt auch als Hochwasserschutz und Abwasserführung.

 

Prof. Dr. Margret Wensky (l.) und Peter Boschheidgen (r.) stellten das Buch vor. Foto: Petra Grünendahl.

Zum Jubiläum konnte der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e. V. (GMGV) die Bonner Geschichtswissenschaftlerin für seine neue Publikation gewinnen: „400 Jahre oranische Befestigung von Schloss und Stadt Moers 1620–2020“. Zusammen mit der Herausgeberin stellte Peter Boschheidgen, Vorsitzender des GMGV, das Werk im Rittersaal des Schloss Moers vor. Bereits im Jahr 2000 hatte Wensky ein zweibändiges Werk über die Moerser Geschichte aufgelegt, auf dessen Basis sie neue Erkenntnisse einordnet und weiter entwickelt. Einen weiteren Vorläufer hat die neue Publikation in einem Werk von Hermann Boschheidgen, Gründer des GMGV und Großvater des heutigen Vorsitzenden: „Die oranische und vororanische Befestigung von Moers nebst ihren Beziehungen zum heutigen Stadtbilde“ von 1917. Das neue Buch zu den Befestigungslagen kann viele neue Details zur Forschung beitragen, die ein komplexeres Bild der Stadtgeschichte ermöglichen: „Die Stadt gewinnt damit an Konturen, die das Stadtbild konkretisieren“, so die Historikerin. Auch habe man für das neue Buch für die bekannten und bislang unbekannten Pläne, Grundrisse und Abbildungen die heutigen technischen Möglichkeiten nutzen können, um sie mit hoher Qualität zu reproduzieren.

 

 
Neue Erkenntnisse vervollständigen das Bild der Stadt Moers

Grundriss der Festungsanlagen von Schloss und Stadt Moers um 1601/02. Quelle: Geheimes Staatsarchiv Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Berlin.

Moers gehörte zu einer ganzen Reihe von neuzeitlichen Festungsstädten. Die Überbleibsel der Festungsanlagen sind damit nicht einzigartig, aber immerhin in bemerkenswerter Weise erhalten und im Stadtbild nachzuvollziehen. Einer Belagerung musste die Festungsstadt nie Stand halten. Die Schleifung der Anlagen ermöglichte allerdings, die Moerser Innenstadt über diese Grenzen hinaus zu erweitern und zu entwickeln. Diese Entwicklung zeigt Thorsten Kamp, Beigeordneter der Stadt Moers, dem unter anderem auch die Stadtplanung obliegt, in einem Beitrag, der sich mit der Entwicklung der Stadt vom 17. bis ins 20. Jahrhundert befasst: Wie ist man in der Stadtentwicklung mit dem kulturellen Erbe umgegangen? Das Buch zieht den Bogen von der Vergangenheit in die Gegenwart, um vielleicht Anregungen für eine Stadtentwicklung der Zukunft zu geben, die das kulturelle Erbe der Stadt bewahrt.

Über das Buch hatten wir bereits im Mai berichtet:
duisburgamrhein-betrachtungen.de/2020/05/22/moers-400-jahre-oranische-befestigung-von-schloss-und-stadt/

 

Ein Standardwerk für Moers-Interessierte

Joan Blaeu d. Ä. (1596-1673), Grundriss der Festung Moers, 1649. Quelle: Grafschafter Museum im Moerser Schloss.

„Der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein ist froh, ein derartiges Großprojekt zum 400. Jubiläumsjahr der das Stadtbild prägenden oranischen Befestigungsanlage gestemmt zu haben“, sagt Peter Boschheidgen, Vorsitzender des GMGV. „Das Werk wird wegen seiner lebendigen und abwechslungsreichen Darstellung nicht nur die Fachleute begeistern, sondern jeden Leser, der sich mit der Stadt Moers und ihrer Geschichte verbunden fühlt.“ 91 Abbildungen, zum Teil bislang unveröffentlichte Pläne, Dokumente und Ansichten aus in- und ausländischen Archiven, Bibliotheken, Museen und Sammlungen, ergänzen und illustrieren die Beiträge. Das Buch „400 Jahre oranische Befestigung von Schloss und Stadt Moers 1620–2020“ (Herausgeber Prof. Dr. Margret Wensky, Veröffentlichung des Grafschafter Museums- und Geschichtsvereins in Moers e.V.) mit festen Einband und 156 Seiten kostet 29,50 Euro. Zu erwerben ist es bei der Moers Marketing GmbH oder im Moerser Schloss (Grafschafter Museum) ebenso wie im lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-948252-01-4).
Den Flyer zum Buch gibt es hier zum Download.

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text)
Foto: Petra Grünendahl
Pläne und Grundrisse: Geheimes Staatsarchiv Stiftung Preußischer Kulturbesitz Berlin (1), Grafschafter Museum im Moerser Schloss (1) und Stadt Moers (1)

 

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DGB Duisburg-Niederrhein: Antikriegstags-Gedenken unter Corona-Bedingungen

Mit Aufklärung gegen Faschismus
Von Petra Grünendahl

Angelika Wagner. Foto: Petra Grünendahl.

„Unsere Geschichte prädestiniert uns zum Widerstand gegen Rechts“, erklärte die DGB-Vorsitzende Angelika Wagner. Die Bilder des letzten Wochenendes von Demonstranten auf den Stufen des Reichtages erinnerten fatal an eine Zeit, wo Menschen wegen einer menschenverachtenden Ideologie zu Tode kamen. „Feinde der Demokratie mischen sich unter Demonstranten, die sich missbrauchen lassen! Oder die vielleicht gar sympathisieren?“, warnte Wagner.

Christian von den Driesch. Foto: Petra Grünendahl.

Und: „Wer sich nicht abgrenzt, macht sich gemein mit diesem Gedankengut!“ – „Rechtes Gedankengut ist hier wieder ganz offen tätig“, stellte Christan von den Driesch von der Partnerschaft für Demokratie Duisburg in seinem Grußwort fest. Dagegen müssen man mit Bildungsangeboten angehen, aufklären: „Wir von der Partnerschaft für Demokratie sind da für Projektideen offen“, erklärte er das Projekt „Demokratie leben!“, für das in Duisburg Fördermittel zur Verfügung stehen, damit Lehren aus der Geschichte in der Gesellschaft ankommen.

Bürgermeister Manfred Osenger. Foto: Petra Grünendahl.

„Der Schoß ist fruchtbar noch aus dem das kroch“, zitierte Bürgermeister Manfred Osenger passend Berthold Brecht. „Seit 75 Jahren leben wir im Frieden. Das gilt es zu bewahren“, so Osenger. „Die Geschehnisse in der Welt zeigen, wie wenig wir vom rechten Radikalismus entfernt sind“, betonte Bürgermeister Osenger. Dabei brauche, so der Tenor aller Redner, es ein vielfältiges, respektvolles und gewaltfreies Miteinander, um Frieden zu gestalten.

 
 

Kranzniederlegung an der Stele (v. l.): Angelika Wagner, Christian von den Driesch und Manfred Osenger. Foto: Petra Grünendahl.

Die traditionelle Antikriegstags-Veranstaltung des DGB Duisburg-Niederrhein zum 1. September unter dem Titel „Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!“ fand Corona-bedingt unter freiem Himmel vor dem DGB-Haus am Stapeltor statt. Der Vorplatz des Duisburger Gewerkschaftshauses bot nicht nur ausreichend Platz, sondern auch eine passende Gedenkstätte für die anschließende Kranzniederlegung:

Gedenken vor dem DGB-Haus. Foto: Petra Grünendahl.

Die Installation des israelischen Künstlers Dani Karavan* mit einer Stele und vier Särge symbolisierenden Brammenstapeln erinnert an die vier Gewerkschafter, die am 2. Mai 1933 von den Nazis im damaligen Gewerkschaftshaus an der Ruhrorter Straße gefoltert und ermordet worden waren. Der Antikriegstag wird als Gedenktag vom Deutschen Gewerkschaftsbund seit dem 1. September 1957 begangen: Hier versammeln sich Antifaschisten und Pazifisten unterschiedlichster politischer Couleur, um gemeinsam für Demokratie, Abrüstung und Frieden zu demonstrieren. Musikalisch begleitete die Sängerin Melissa Metzner die Veranstaltung.

Die Brammenstapel vor dem DGB-Haus symbolisieren Särge. Foto: Petra Grünendahl.

 

 
 
Mit Stadtspaziergang im kleinen Kreis

Robin Richterich an der evanglischen Kapelle, die an die Synagoge in der Duisburger Innenstadt erinnert. Foto: Petra Grünendahl.

Abschließend nahm Robin Richterich vom Zentrum für Erinnerungskultur zusammen mit Abdul Kader Chahin, der in Essen Lehramt u. a. für Geschichte studiert, eine (Corona-bedingt) kleine Gruppe mit auf einen Stadtspaziergang zu Gedenkorten:

Abdul Kader Chahin erzählte von der Demütigung jüdischer Duisburger vor dem Stadttheater. Foto: Petra Grünendahl.

Vom DGB-Haus über den ehemaligen Standort der Duisburger Synagoge bis hin zum Stadttheater zeichneten die beiden Geschehnisse aus der Zeit des Nationalsozialismus und spannende Geschichten von Menschen nach, die Opfer der menschenverachtenden Ideologie ihrer Zeit wurden. „Mit Geschichten von Menschen der damaligen Zeit erreicht man das Bewusstsein der Menschen heute besser als mit nackten Fakten“, erklärte Robin Richterich seinen Vermittlungsansatz, der bei der Gruppe gut ankam und einen Dialog in Gang setzte, der die Tour etwas mehr in die Länge zog als ursprünglich geplant.

*) Von Dani Karavan stammt auch der Garten der Erinnerungen, der hinter dem DGB-Haus beginnt.

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier bei thyssenkrupp Steel in Duisburg

Projektplan Direktreduktion als Schritt zur klimaneutralen Stahlproduktion
Von Petra Grünendahl

Martina Merz. Vorstandsvorsitzende der thyssenkrupp AG (mitte), mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (links) und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (rechts). Foto: Petra Grünendahl.

„Mit der Umstellung der Roheisengewinnung von konventionellen Hochöfen auf den Hochofen 2.0, der Direktreduktion mit Hilfe von Wasserstoff (H2), können wir in der Stahlproduktion massiv CO2 einsparen“, erklärte Bernhard Osburg, Sprecher des Vorstandes der thyssenkrupp Steel Europe AG, den Weg zum klimafreundlichen Stahl. Damit falle schlussendlich die bekannte Infrastruktur vom Import der Kohle bis zur Verbrennung im Hochofen ebenso weg wie die Entstehung von CO2.

Bernhard Osburg, Sprecher des Vorstandes der thyssenkrupp Steel Europe AG. Foto: Petra Grünendahl.

Am Ende der Investitionen in Höhe von mehreren Milliarden Euro entstünden durch „tkH2Steel“, einer einzigartigen Entwicklung aus dem Hause thyssenkrupp Steel, auch Effizienzvorteile in der Produktionskette. Der Projektplan steht: Auf einem Areal in der Nähe des Hafenbeckens Walsum-Süd will thyssenkrupp Steel ein Direktreduktionsanlage bauen. Bernhard Osburg übergab zusammen mit Martina Merz, Vorstandsvorsitzende der thyssenkrupp AG, den Projektplan an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, den der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet begleitete.

 

Von links: NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, Martina Merz, Vorstandsvorsitzende der thyssenkrupp AG, und Bernhard Osburg, Sprecher des Vorstandes der thyssenkrupp Steel Europe AG. Foto: Petra Grünendahl.

Peter Altmaier und Armin Laschet informierten sich bei thyssenkrupp Steel Europe in Duisburg über die grüne Transformation in der Stahlproduktion. Für Deutschlands größten Stahlhersteller empfingen die thyssenkrupp-Vorstandschefin Martina Merz und Stahl-Chef Bernhard Osburg die Gäste auf dem Werksgelände, wo die Direktreduktionsanlage („Hochofen 2.0“) gebaut werden soll. Sie übergaben den Produktionsplan für die innovative Anlage, die bis 2025 im thyssenkrupp Stahlwerk in Duisburg entstehen soll.

Martina Merz. Vorstandsvorsitzende der thyssenkrupp AG. Foto: Petra Grünendahl.

Die neue Roheisengewinnung soll die Stahlproduktion klimafreundlicher machen und die Arbeitsplätze am Stahl-Standort Duisburg langfristig sichern. Schon jetzt kommt der sauberste Stahl weltweit aus Europas größtem Stahlstandort am Rhein. Thyssenkrupps Konzern-Chefin ebenso wie der Stahl-Chef betonten, dass ein einzelnes Unternehmen die immensen Kosten für Entwicklung und Realisierung der grünen Transformation nicht alleine stemmen könne.

 
 
Bekenntnis zum Stahl

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. Foto: Petra Grünendahl.

Wirtschaftsminister Altmaier sagte thyssenkrupp Unterstützung für die anstehenden Herausforderungen und eine Förderung der klimaneutralen Stahlproduktion zu: „Wir wollen, dass hier Stahl produziert wird, der wettbewerbsfähig ist.“ Und: „Die Transformation ist nötig, um Klimaziele zu erreichen. Schon jetzt ist jede Tonne Stahl in Deutschland umweltfreundlicher hergestellt als überall sonst in Europa und der Welt.“ NRW-Ministerpräsident Laschet ergänzte: „Diese Region hat die Grundlage für unseren Wohlstand und mit der Montanunion (Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl 1952) auch für Europa gelegt.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet. Foto: Petra Grünendahl.

Wenn wir klimafreundlichen Stahl wollen, brauchen wir Unternehmen wie thyssenkrupp, die das anpacken!“ – „Wir wollen eine Führungsposition in der Transformation haben“, so thyssenkrupp-Chefin Martina Merz. „Der Stahl kann ein Vorreiter in der Industrie werden. Im Stahl liegen Potenziale auch über Deutschland hinaus.“ Über die Jahre habe thyssenkrupp mit der Modernisierung von Anlagen schon viel zur CO2-Einsparung bei der Stahlproduktion unternommen.

Von links: NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, Martina Merz, Vorstandsvorsitzende der thyssenkrupp AG, und Bernhard Osburg, Sprecher des Vorstandes der thyssenkrupp Steel Europe AG. Foto: Petra Grünendahl.

Duisburg und das Ruhrgebiet könnten hier zum Innovationstreiber werden, so Merz. Die Wasserstoff-Strategie der thyssenkrupp Steel schaffe gute Voraussetzungen dafür: „Wir müssen die grüne Transformation in Deutschland, Europa und der Welt durchsetzen, weil sie maßgebliche Impulse für Europa und die Klimaneutralität geben.“

 

 
 
Hochofen 2.0 und tkH2Steel

Von links: NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, Martina Merz, Vorstandsvorsitzende der thyssenkrupp AG, und Bernhard Osburg, Sprecher des Vorstandes der thyssenkrupp Steel Europe AG. Foto: Petra Grünendahl.

Mit einer neuen Direktreduktionsanlage („Hochofen 2.0“) will thyssenkrupp Steel die Roheisengewinnung revolutionieren: Hier wird kein Koks mehr verfeuert, um die Sauerstoffanteile im Eisenerz zu reduzieren. Der im Koks enthaltene Kohlenstoff verbindet sich mit Sauerstoff zu CO2, den man aber vermeiden will. Stattdessen soll in einem Kaltprozess Wasserstoff aus Eisenerz sauerstoffreduzierten Eisenschwamm machen. So entstehen im Reduktionsprozess keine CO2-Emissionien mehr. Flüssig wird das Eisenerz erst danach, wenn es eingeschmolzen wird. Das Schmelzaggregat, das thyssenkrupp Steel in einem zweiten Entwicklungsschritt ab 2026 entwickelt, soll elektrisch (mit grünem Storm) klimaneutral arbeiten. Der Reduktionszylinder bildet dann mit dem innovativen Schmelzaggregat den Hochofen 2.0, der in die Prozessketten eingebunden wird. Das sichert den Erhalt des bestehenden integrierten Produktionsstandortes mit dem Beibehalt des kompletten Produktportfolios. Bis 2030 sollen damit CO2-Emissionen um 30 Prozent gesenkt werden. 2050 will thyssenkrupp Steel klimaneutral sein.

 

Hochofen 8 von thyssenkrupp Steel. Foto: Petra Grünendahl

Schon jetzt erprobt thyssenkrupp Steel, Wasserstoff in der Roheisengewinnung im konventionellen Hochofen, um die Zufuhr von Kohlenstaub und damit die CO2-Emissionen zu reduzieren. Was den Stahl aus Duisburg zum klimafreundlichsten weltweit macht!

 

 
 
thyssenkrupp Steel Europe AG

Abstich am Hochofen 8 von thyssenkrupp Steel. Foto: Petra Grünendahl

Die thyssenkrupp Steel Europe AG mit Unternehmenssitz in Duisburg ist eine Tochtergesellschaft der thyssenkrupp AG, Essen, und gehört zu den weltweit führenden Anbietern von Qualitätsflachstahl. Der Geschäftsbereich Steel Europe mit rund 27.000 Mitarbeitern und hoch effizienten Anlagen produziert jährlich ungefähr 12 Millionen Tonnen Rohstahl – und ist damit der größte Flachstahlhersteller in Deutschland. Dabei erwirtschaftet die Stahl-Sparte des Konzerns mit rund 1.800 verschiedenen Stahlsorten im Portfolio einen Jahresumsatz von knapp 9 Mrd. Euro.

Hauptverwaltung von thyssenkrupp Steel in Bruckhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Das Duisburger Werk ist das Herz des Unternehmens. Die Lage am Rhein ist dabei seit Gründung des Standortes im Jahr 1891 ein unschätzbarer Standortvorteil: Mit einer Fläche von rund 10 Quadratkilometern (1.000 Hektar) verfügt das Stahlwerk nicht nur über 400 Gleiskilometer im Werk und Anschlüsse an das Bahnnetz, sondern auch über zwei Häfen (Schwelgern und Walsum-Süd) am Rhein. Weiterverarbeitungsstufen finden sich in den Werken Bochum, Dortmund und im Siegerland mit modernen Walz- und Beschichtungsanlagen. Electrical Steel in Gelsenkirchen steht für hochwertiges kornorientiertes Elektroband; eine zweite Tochtergesellschaft in Andernach zählt wiederum zu den Weltmarktführern für Verpackungsstahl. Steel ist nicht nur in Deutschland aktiv, sondern ist über ein Joint Venture zudem auf dem chinesischen Markt für hochwertige, feuerbeschichtete Bleche für die Automobilindustrie vertreten.

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Sechs-Seen-Wedau: Lärmschutzwall für das neue Duisburger Stadtquartier

Symbolischer Spatenstich leitet Erschließung ein
Von Petra Grünendahl

Oberbürgermeister Sören Link. Im Hintergrund laufen die Arbeiten am Fundament des Lärmschutzwalls. Foto: Petra Grünendahl.

Die Bauarbeiten sind längst im Gange, auch das Fundament für den Lärmschutzwall ist schon weitgehend gesetzt. Corona-bedingt verspätet ließen sich GEBAG-Geschäftsführer Bernd Wortmeyer und Oberbürgermeister Sören Link den (symbolischen) ersten Spatenstich nicht nehmen. Die Anwesenheit der NRW-Bauministerin* Ina Scharrenbach zeigt die Bedeutung der Flächenentwicklung an dieser Stelle: „Es ist zur Zeit das größte Wohnungsbauprojekt in NRW“, so die Ministerin. Rund 3.000 bis 3.500 Wohnungen sollen auf dem ehemaligen Rangierbahnhofsgelände der Deutschen Bahn in Wedau entstehen – mit einem eigenen Nahversorger.

Bernd Wortmeyer, Geschäftsführer der GEBAG. Foto: Petra Grünendahl.

In unmittelbarer Nachbarschaft zur Sechs-Seen-Platte entsteht ein neues Stadtquartier mit immenser Bedeutung für die Stadtentwicklung Duisburgs „mit hoher Wohnqualität und viel Grün“, so OB Link. Es ist neben dem Quartier am Alten Angerbach, dem Alten Güterbahnhof und Wedau-Nord (ehemaliges DB-Ausbesserungswerk) die vierte große Flächenentwicklung, die die städtische Immobilien-Tochter GEBAG Hand in Hand mit der Stadt Duisburg voran treibt.

 

Am arbeiten (v. l.): Bernd Wortmeyer, Ina Scharrenbach und Sören Link. Foto: Petra Grünendahl.

Zum Spatenstich hatten sich neben OB Link, GEBAG-Chef Wortmeyer und Ministerin Scharrenbach zahlreiche Lokalpolitiker, Planer und Projektbeteiligte eingefunden, den „Startschuss“ zu feiern. Der Lärmschutzwall entsteht an der östlichen Grundstücksgrenze zur Bahntrasse: Mit einer Gesamtlänge von ca. 2,5 Kilometern und einer Höhe von bis zu 15 Metern schützt er das neu entstehende Wohnquartier vor Lärmbelastung durch den Zugverkehr. Die GEBAG errichtet den Wall mit seinen begrünten Wandflächen, die das neue Wohngebiet vor Lärm schützen, aber diesen auch nicht in die Wohngebiete auf der anderen Seite der Bahntrasse reflektieren sollen. Der Lärmschutzwall inklusive Wand auf Erdbauwerk und Begrünung soll bis Herbst 2021, die Bodensanierung der Flächen bis Ende 2021 fertig sein.

Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes NRW. Foto: Petra Grünendahl.

Die Verlegung der Kleingartenanlage ist bereits im Bau: Bis Ende Februar 2021 stehen Erholungsgartenanlage inkl. Vereinsheim. Die Vermarktung der Baufelder für den Wohnungsbau will die GEBAG im zweiten Quartal 2021 beginnen. Etwa 7.000 Menschen sollen in dem Quartier eine neue Heimat finden. Infrastrukturelle Angebote vor Ort, Bildungs- und Betreuungseinrichtungen sowie vielfältige Freizeitmöglichkeiten in direkter Wasserlage prägen das neue Quartier. Der Bebauungsplan, erzählte Bernd Wortmeyer, mache keinen strengen Vorgaben, was entstehen soll. Das ermögliche der GEBAG, vieles im Gespräch mit den Investoren direkt festmachen zu können.

 

 
Impressionen. Fotos: André C. Sommer

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Vier Wohnquartiere

Der denkmalgeschütze Wasserburm bleibt erhalten. Foto: Petra Grünendahl.

Auf den rund 60 Hektar Fläche im südlichen Teil von Sechs-Seen-Wedau (dem ehemaligen Rangierbahnhof) sieht ein Rahmenplan vier Wohnquartiere mit unterschiedlichen gestalterischen Schwerpunkten vor, die sich an eine breit gefächerte Zielgruppe richten. Das Quartier am Wasserturm sichert die infrastrukturelle Versorgung des neuen Stadtteils: Neben Einzelhandel im Nahversorgungszentrum werden hier eine Schule und eine Kindertagesstätte angesiedelt. Durch Erhaltung der denkmalgeschützten Elemente des ehemaligen Rangierbahnhofs wie Stellwerk und Ziegelwasserturm verbindet das als Sonder- und Mischgebiet ausgewiesene Baugebiet auf eine attraktive Weise die Geschichte des Standorts mit der zukunftsweisenden Funktion, die Sechs-Seen-Wedau in der Stadtentwicklung Duisburgs übernehmen soll.

Das denkmalgeschütze Stellwerk links bleibt erhalten. Foto: Petra Grünendahl.

Die Neue Gartenstadt nimmt die bereits bestehende Bebauung in Wedau in ihrer Architektursprache auf und wird größtenteils Geschosswohnungsbau im Gartenstadtcharakter vorweisen. Durch seine direkte Lage am See weiß das Seequartier als urbaner Stadtraum mit hoher Lebensqualität zu überzeugen. Der Anschluss an den Masurensee auf der Westseite des Quartiers erfolgt über die neue Ufer-Promenade. Weiterhin ist die Einrichtung einer weiteren Kindertagesstätte geplant. Das sich südlich an den Uferpark anschließende Quartier am Uferpark bildet den südlichen Abschlusspunkt der Wohnbebauung von Sechs-Seen-Wedau. Hier sind Ein- und Mehrfamilienhäuser in aufgelockerter Struktur geplant.

Lokalpolitiker, Planer und Projektbeteiligte feierten den Start am neuen Stadtquartier. Foto: André C. Sommer.

Die für Sechs-Seen-Wedau vorgesehen Außenraumplanung legt viel Wert auf den Erhalt und die zeitgleiche Neuschaffung von öffentlichen Grünräumen sowie großzügigen Zonen mit hoher Aufenthaltsqualität – sowohl für die Bewohner des neuen Stadtteils, als auch für alle Duisburger. Auch Aufenthaltszonen direkt am Wasser sind vorgesehen: Die Sorge, dass die Uferzonen komplett zugebaut werden könnten, ist also unbegründet!

Lokalpolitiker, Planer und Projektbeteiligte feierten den Start am neuen Stadtquartier. Foto: Petra Grünendahl.

Ziel der Planung ist es, eine attraktive Wegeführung für Fußgänger und Radfahrer zu schaffen, um so den Autoverkehr ganz automatisch im Sinne der „grünen Stadt von morgen“ zu reduzieren. Plätze und Querungsmöglichkeiten schaffen Begegnungsräume, eine hohe Aufenthaltsqualität belebt zugleich das gesamte Quartier.
https://www.gebag.de/flaechenentwicklung/6-seen-wedau/
https://www.6-seen-wedau.de/home/

 

 
Geschichte des Areals

Ansicht des alten Rangierbahnhofsgeländes von der Wedauer Brücke aus im Mai 2018. Foto: Petra Grünendahl.

Den Rangierbahnhof Wedau errichtete die Reichsbahn Ende des 19. Jahrhunderts in der „Huckinger Mark“. Der entlang der Rheinschiene und im Ruhrgebiet rapide zunehmende Güter- und Bahnverkehr führte zu einer vermehrten Überlastung der Hauptbahnhöfe. Als Reaktion hierauf wurde in den 1920er-Jahren der Rangierbahnhof Wedau zu einem der größten Verschiebebahnhöfe ausgebaut. Um die Baumaßnahmen schnell und kostengünstig umsetzen zu können, baggerte man große Kies- und Sandmengen aus der direkten Umgebung ab: So entstanden im Laufe der Zeit die für den Stadtteil Namens gebenden „Sechs Seen“, die zum Teil ineinander greifen, zum Teil nur durch schmale Landzungen voneinander getrennt sind (Masuren-, Warnbach-, Böllert-, Wildförster-, Wolfs- und Haubachsee). Im Jahr 2004 legte die Deutsche Bahn Rangierbahnhof und das angeschlossene Ausbesserungswerk schließlich still. Seither liegt das Areal südöstlich der Duisburger Innenstadt zwischen den Ortsteilen Wedau und Bissingheim brach.

Oberbürgermeister Sören Link. Im Hintergrund laufen die Arbeiten am Fundament des Lärmschutzwalls. Foto: André C. Sommer.

Das Areal liegt verkehrsgünstig zwischen der Autobahn A3, dem Sportpark Wedau und der Sechs-Seen-Platte. Die Fläche unterteilt sich in eine circa 30 Hektar große Nord- und eine circa 60 Hektar große Südfläche. Auf der Südfläche entsteht das Wohnquartier „Sechs-Seen-Wedau“, im nördlichen Teil der Fläche entsteht ein Universitäts- und Technologiezentrum mit zahlreichen Arbeitsplätzen. Im Dezember 2019 hat die GEBAG Flächenentwicklungsgesellschaft mbH (GEBAG FE) das Gelände von der Bahn gekauft: Sie ist nicht nur Erschließungsträgerin, sondern wird die Fläche im Duisburger Süden auch vermarkten. Darüber hinaus errichtet sie den Lärmschutzwall und übernimmt den Bau der rund 300 auf der Fläche geplanten öffentlich geförderten Wohnungen. Die Stadt Duisburg hat die Planungshoheit über die Fläche. Die GEBAG FE und die Stadt Duisburg bilden gemeinsam das „Team Wedau“, das hier in der Stadtentwicklung Akzente setzen will.

 

 
GEBAG

Sechs-Seen-Wedau, Foto: Michael Oberländer / Gebag.

Die Duisburger Gemeinnützige Baugesellschaft AG (GEBAG) wurde 1872 gegründet und zählt zu den ältesten Baugesellschaften Deutschlands. Seit 2012 ist die heutige GEBAG Duisburger Baugesellschaft mbH mit aktuell über 12.300 Wohnungen das größte Immobilienunternehmen der Stadt. Sie bietet rund 35.000 Duisburgern ein Zuhause: Bezahlbar und in einer guten, zeitgemäßen Qualität. Die GEBAG ist das kommunale Immobilienunternehmen der Stadt Duisburg und beschäftigt rund 190 Mitarbeiter. Seit mehr als 140 Jahren prägt sie die Gestaltung und Entwicklung der Stadt Duisburg maßgeblich mit.
www.gebag.de
 

*) der vollständige Titel lautet: Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes NRW

© 2020 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (8), André C. Sommer (5), Michael Oberländer / Gebag (1)

 

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Stadtbad Hamborn: Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link übergab Baugenehmigung

Perspektive für die Stadtentwicklung: Nutzerorientierte Entwicklung einer „notleidenden“ Bestandsimmobilie
Von Petra Grünendahl

Baustelle am Stadtbad Hamborn. Foto: Petra Grünendahl.

„Es war schlimm, in den letzten Jahrzehnten den Verfall des Gebäudes mitzuerleben, das mit seiner herausragenden Architektur das Eingangstor nach Marxloh und Hamborn ist“, erklärte Oberbürgermeister Sören Link. „Wir haben seit Jahren versucht, hier im Stadtbad Hamborn etwas Besonderes hin zu kriegen“, so Link. Auf der grünen Wiese bauen könne schließlich jeder. „Ich freue mich, dass Greyfield Interesse hatte und die Herausforderung angenommen hat.“ Dieser herausragende Standort sei wichtig für Hamborn und Marxloh, meinte auch Wirtschaftsdezernent Andree Haack. „Als Investoren sind wir Ruhrgebietskinder“, sagte Guido Schürken, Geschäftsführer der Greyfield Group. Mit solchen Bestandsimmobilien könne man ein Erbe antreten, sie unter Wahrung des Denkmalschutzes einer neuen Nutzung zuzuführen. Auch für ihn ist ein Abriss solcher Gebäude keine Lösung: „Wir müssen uns mit dem Bestand beschäftigen.“

 

Auf der Treppe zum Foyer (v. l.): Rainer Enzweiler (CDU), Guido Schürken (Geschäftsführer Greyfield Group), Andree Haack (Wirtschaftsdezernent), Frank Böttcher (Geschäftsführer Jobcenter Duisburg), OB Sören Link, Ellen Pflug (SPD) und Marcus Jungbauer (Bezirksbürgermeister). Foto: Petra Grünendahl.

Oberbürgermeister Sören Link übergab symbolisch die schon im Mai erteilte Baugenehmigung für den Umbau des Stadtbads Hamborn. Der Investor Greyfield baut das ehemalige Stadtbad im Duisburger Norden zum Bürostandort um, in den das Jobcenter Nord einziehen wird. Guido Schürken, Geschäftsführer der Greyfield Group, gab OB Link, Andree Haack, Jobcenter-Geschäftsführer Frank Böttcher, Lokalpolitikern und der Presse Einblicke in die Baustelle an der Walther-Rathenau-Straße. Eine gute Bausubstanz attestierte Guido Schürken der Immobilie, deren prächtige Architektur wie die anderer Immobilien dieser Zeit ein Markenzeichen der damaligen selbstständigen Stadt Hamborn (1911 bis 1929) war.

 

 
Enge Kooperation für nötige Baugenehmigung

Die Treppe zum Foyer. Foto: Petra Grünendahl.

In einem ersten Schritt wurde das Gebäude entkernt und aufwändig schadstoff- und asbestsaniert. Der alte Charme und die prachtvolle Architektur sind jetzt schon wieder sichtbar. Darauf folgen nun jeweils in den Beckenbereichen die Bürotrakte als Holzbau. Die beiden Becken sollen neue Innenhöfe (Lichthöfe) bilden.

 

Um das Schwimmbecken herum entstehen Büros, das Becken selber wird zum Lichthof. Foto: André C. Sommer.

Die Ertüchtigung des ehemaligen Stadtbades stellte sich an anderen Stellen als nicht ganz unproblematisch dar. Bei der Ertüchtigung und Planung von Klimatisierung und Luftzufuhr gab es Vorgaben zu beachten, die sich aus der Nähe zu einem Störfallbetrieb (Grillo) ergaben. Zudem gab es Anforderungen des Brandschutzes und des Denkmalschutzes zu beachten. „Die rechtlichen Probleme haben sich alle lösen lassen“, gab sich Wirtschaftsdezernent Haack pragmatisch, denn auch die Stadt hatte großes Interesse, diesen Stadtbild prägenden Bau zu erhalten und einer neuen Nutzung zuzuführen.

 

Der rechte Seitenflügel an der Duisburger Straße. Foto: Petra Grünendahl.

Greyfield-Prokurist Thomas Nadolny lobte ausdrücklich die Zusammenarbeit mit dem Bauamt, dem Amt für Baurecht und betrieblichen Umweltschutz sowie dem Denkmalamt der Stadt Duisburg. „Es handelt sich beim Stadtbad um eine besondere Bestandsimmobilie. Da müssen naturgemäß viele Umwelt- und Baurechtsfragen geklärt werden. Und das klappt in Duisburg sehr gut“, so Nadolny. Die Bauarbeiten liegen bislang gut im Zeitplan: Im Frühjahr 2021 soll das Jobcenter mit einem langfristigen Mietvertrag hier einziehen können.

 

 
Stadtbad Hamborn

Blick von der Walther-Rathenau-Straße. Foto: Petra Grünendahl.

Nach der Grundsteinlegung am 27. März 1929 begann der Bau des neuen Stadtbades nach Plänen des Regierungsbaumeisters Franz Steinhauer, nach dessen Plänen die Hamborner auch das Polizeirevier und das Robert-Bosch-Berufskolleg erbauten. Die Weltwirtschaftskrise erzwang eine Unterbrechung der Bauarbeiten, die erst im Dritten Reich wieder aufgenommen wurden. Das im Stil der neuen Sachlichkeit erbaute Haus eröffnete 1938. Stillgelegt wurde das Stadtbad 1998. 2005 stellte die Stadt Duisburg das Gebäude unter Denkmalschutz. Seit der Stilllegung verfiel es dennoch zusehends. Zwei größere Brände 2013 und 2016 richteten nicht unerhebliche Schäden an.

 

Der Dino bleibt. Foto: Petra Grünendahl.

Im vergangenen Jahr kaufte Greyfield die Immobilie, um sie zu ertüchtigen und als Bürostandort umzubauen. Der Investor ist spezialisiert auf das Redevelopment von Bestandsimmobilien, wobei hier der Fokus auf den Möglichkeiten von „notleidenden“ Objekten wie dem ehemaligen Stadtbad liegt. Das Essener Unternehmen findet gerade im Ruhrgebiet mit dieser Firmenphilosophie Potenziale zu einer nutzerorientierten Projektentwicklung. Dafür habe er in Duisburg auch andere interessante Objekte gesehen, sagte Schürken.

 

Das Stadtbad von der Duisburger Straße aus. Foto: Petra Grünendahl.

Auf dem 9.200 Quadratmeter großen Grundstück an der Ecke Duisburger Straße / Walther-Rathenau-Straße entstehen in den kommenden Monaten ca. 7.500 Quadratmeter Büroflächen. Auch 127 Stellplätze werden Bestandteil der neuen Büroadresse sein. Frank Böttcher, Geschäftsführer des Jobcenters Duisburg, kann den Umzug kaum erwarten. Die derzeitige Fläche am Standort Duisburger Straße reiche von der Größe nicht mehr aus, so der Jobcenter-Chef. „In der neuen Liegenschaft haben wir endlich ausreichend Platz und geeignete technische Voraussetzungen, um unseren Kunden neue Serviceangebote, wie zum Beispiel digitale Selbstinformationstools, bieten zu können. Und selbstverständlich freuen sich auch die Kollegen auf ein modernes Büro.“ Er würde sich hier gerne selber ein Zweitbüro einrichten, erzählte er.

 
Impressionen von der Baustelle. Fotos: Petra Grünendahl und André C. Sommer

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Über die Greyfield Group
Die Greyfield Group wurde im Jahr 2012 durch Timm Sassen gegründet. Das nachhaltige Projektentwickler-
Unternehmen aus Essen setzt sich aus den drei eigenständigen Marken Liwon, Stana sowie Greyfield zusammen, die jeweils in einem Lebenszyklus einer Immobilie aktiv sind und sich auf das Investment und Redevelopment von Bestandsimmobilien in B- und C-Lagen spezialisieren. Dank fachlicher Kompetenz und kreativem sowie architektonischem Gespür begeht die Greyfield Group unkonventionelle Wege, um aus Grundstücken und Immobilien mit Geschichte intelligente Neunutzungskonzepte zu schaffen, die der Region neuen Mehrwert verleihen. Vom Refurbishment über die Revitalisierung bis hin zum Redevelopment werden alle Bereiche der Immobilienbestandsentwicklung abgedeckt. Durch eine nutzerorientierte Projektentwicklung schafft die Greyfield Group neuen Lebensraum, indem ungenutzte Flächen revitalisiert werden und an die Gesellschaft in Form einer neuen inhaltlichen Zweckbestimmung zurückgegeben werden. So kommen wirtschaftliche und soziale Rendite zusammen. Die gemeinnützige Greyfield Stiftung fördert auch darüber hinausgehend Projekte, die diesen Gedanken weitergeben und die Komponenten Ressourcenschonung, Nachhaltigkeit, Urbanität und gesellschaftliche Verantwortung fördern.

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (11), André C. Sommer (2)