Rat der Stadt Duisburg traf sich zur letzten Sitzung des Jahres

Weitgehend einstimmige Beschlüsse zu Ausgaben, Kontroversen um Klimaschutz und IMD
Von Petra Grünendahl

Vor der Ratssitzung. Foto: Petra Grünendahl.

Heiß diskutiert hat der Rat der Stadt Duisburg mit Oberbürgermeister Sören Link über den Vorschlag der Verwaltung, das eigenbetriebsähnliche Immobilien-Management Duisburg (IMD) zur selbstständigen Teildienststelle zu erklären. Rederecht hatte hier auch Petra Kerkmann, Vorsitzende des städtischen Personalrats, der bislang auch die Mitarbeiter des IMD vertritt. Von der Ausgliederung verspricht sich Oberbürgermeister Sören Link bessere Möglichkeiten der Personalgewinnung, obwohl weiterhin der TVöD (Tarifvertrag öffentlicher Dienst) gilt. Eine Privatisierung, die der Personalrat mit der Ausgliederung befürchtet, schloss der OB aus. Nachdem der Rat mit knapper Mehrheit für die Ausgliederung votiert hat, der Personalrat der Stadt jedoch dagegen, wird jetzt eine Einigungsstelle eingeschaltet, um zu vermitteln, bevor die Erklärung für ein finales Votum wieder vor dem Stadtrat landet. Einen Antrag der Grünen, die Entscheidung aktuell zurückzustellen und erst nach weiteren Gesprächen in der nächsten Ratssitzung zu beschließen, wurde abgelehnt. In erster Lesung beraten und zur Entscheidung auf die nächste Sitzung verschoben wurden hingegen zwei Beschlussvorlagen zum Klimaschutz und zum Klimawandel-Anpassungskonzept, obwohl die Grünen mahnten, dass die Zeit, Maßnahmen zu ergreifen und umzusetzen, knapp würde. Beschlossen hat der Rat die Unterstützung und Mitwirkung bei der Entwicklung der “Charta Grüne Infrastruktur Metropole Ruhr” als Leitbild und regional vereinbarte Zukunftsvision der Region.

 

Der Rat der Stadt tagt in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

Zu seiner letzten Sitzung des Jahres hatte der Rat der Stadt Duisburg eine stramme Tagesordnung von fast 100 Punkten alleine im öffentlichen Teil abzuarbeiten. Dem öffentlichen Teil der Sitzung schloss sich wie immer ein nichtöffentlicher Teil mit einer separaten Tagesordnung an. Viele Tagesordnungspunkte konnten ohne Diskussionen – die hatten bereits in vorgeschalteten Gremien wie Fachausschüssen und / oder Bezirksvertretungen stattgefunden – abgearbeitet und zumeist einstimmig beschlossen werden. In manch einer Diskussion hielten sich Ratsleute nicht unbedingt an die vereinbarte Redezeitbegrenzung von zwei Minuten je Beitrag, was die Sitzung zusätzlich in die Länge zog.

 

 
Rat gibt Gelder für städtische Ausgaben und Zuschüsse frei

Anstelle von drei Weißen Riesen soll der Stadtteilpark Hochheide entstehen. Infografik: Stadt Duisburg.

Mit großer Mehrheit beschlossen wurde die Anschaffung von 100 Wasserstoff-Bussen für die DVG ebenso wie der schon lange zur Diskussion stehende Abriss der Rhein-Ruhr-Halle, der für eine Sanierung ein wirtschaftlich tragfähiges Nutzungskonzept fehlt. Auf der dort frei werdenden Fläche soll unter anderem ein neuer Standort für die Freiwillige Feuerwehr Duisburg (Löschzug Marxloh/Hamborn) errichtet werden. Der Rat segnete den Neuzuschnitt der Schuleinzugsbereiche, Betriebskostsen-Zuschüsse für die Träger von Kindertageseinrichtungen (Kitas) und die neuen Gebührensatzungen der Wirtschaftsbetriebe Duisburg ab. Die Städtischen Kinder- und Jugendeinrichtungen werden aus dem Bereich des IMD ausgegliedert in ein Sondervermögen, das von der städtischen Wohungsbaugesellschaft Gebag verwaltet wird. Die Treppe am Holzhafen bekommt einen befahrbaren Wartungsweg, die Abspannseile der Wegbrücke am Springwall im Innenhafen werden saniert und der Bonifatiusplatz in Hochfeld umgestaltet (alles einstimmig beschlossen). Einstimmig abgesegnet hat der Rat auch den Jahresabschluss der Stadt Duisburg für 2021 und damit die Entlastung des Oberbürgermeisters als Chef der Verwaltung. Beraten wurden unter anderem die Herrichtung und Finanzierung des Stadtteilparks Hochheide im 2. Bauabschnitt (Sprengung des zweiten Weißen Riesen) im Rahmen des Konzepts Integrierte Stadtentwicklung Duisburg Hochheide (ISEK) sowie der Umbau der Moerser Straße zwischen Kirchstraße und Ottostraße (Hochheide). Zu den weiteren beschlossenen Investitionen in diverse Infrastukturmaßnahmen in Duisburg zählen auch die Schulraumerweiterung an der Gesamtschule Walsum sowie die Planung einer neuen Gesamtschule in Röttgersbach.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (2), Stadt Duisburg (Infografik)

 
 

Veröffentlicht unter Duisburg, Politik | Verschlagwortet mit | Schreib einen Kommentar

Ausstellung zum 100-Jährigen: Norbert Kricke im Museum DKM

Linien, Körper und Räume
Von Petra Grünendahl

Norbert Kricke im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Seit der Eröffnung des Museum DKM 2009 sind in der ständigen Sammlung zwei Räume dem Werk von Norbert Kricke gewidmet. In unveränderter Form präsentieren sie bis heute zwanzig Zeichnungen und zwei Bildhauermodelle aus der Sammlung DKM. Die ausgestellten Zeichnungen umfassen sowohl den Anfang als auch das Ende der abstrakten Schaffensphase von 1952 bis 1984 und bieten somit eine umfangreiche Übersicht über das zeichnerische Werk von Norbert Kricke, der bis zum Schluss der Linie als Gestaltungsmittel treu geblieben ist. Anlässlich des 100. Geburtstages des Düsseldorfer Bildhauers präsentiert das Museum DKM weitere, bisher nicht gezeigte Zeichnungen aus seinem großen Sammlungsbestand sowie eine frühe figürliche Plastik, die das Norbert Kricke Archiv in Berlin für die Dauer der Ausstellung zur Verfügung stellt.

 

Norbert Kricke im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Zum 100. Geburtstag Norbert Krickes (am 30. Novemb) zeigen die drei großen Duisburger Kunstmuseen – Lehmbruck Museum, Museum DKM und MKM Museum Küppersmühle – Sonderausstellungen, die überwiegend mit Werken aus den eigenen Sammlung plus ein paar Leihgaben bestückt sind. Nachdem wir bereits einen Blick in die Ausstellungen im Lehmbruck Museum und im Museum Küppersmühle geworfen haben, ist hier ein Einblick in die Präsentation der Werke von Norbert Kricke im Museum DKM. In dieser Form werden Krickes Arbeiten bis zum 7. Mai 2023 gezeigt.

 

 
Impressionen der Werkspräsentation von Norbert Kricke im Museum DKM. Fotos: Petra Grünendahl

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 
Der Künstler

Norbert Kricke im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Norbert Kricke zählt zu den wichtigsten Vertretern der deutschen Nachkriegsmoderne. Er studierte von 1946 bis 1947 als Meisterschüler unter Richard Scheibe an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin. 1947 zieht Kricke zurück in seine Heimatstadt Düsseldorf und findet als freischaffender Künstler zu seiner „typischen” Formensprache, geprägt von Linien, die sich dynamisch durch den Raum bewegen. Krickes ungegenständliche Raumplastiken verzichten auf Masse und Volumen und suggerieren Schwerelosigkeit und Bewegung. Damit wird der Raum für die Wahrnehmung der Betrachtenden geöffnet. 1964 wird Norbert Kricke als Professor für Bildhauerei an die Staatliche Kunstakademie in Düsseldorf berufen, die er von 1972 bis 1981 als Direktor leitet. 1958 wurde Kricke mit dem Preis der Graham Foundation for Advanced Studies in Fine Arts, Chicago, ausgezeichnet. Nach der Ehrung mit dem Großen Kunstpreis des Landes Nordrhein- Westfalen für Bildhauerei (1963) ist die Verleihung des Wilhelm-Lehmbruck-Preises der Stadt Duisburg im Jahr 1971 die dritte international renommierte Auszeichnung Norbert Krickes.

Norbert Kricke im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Krickes Arbeiten wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen weltweit präsentiert und sind in diversen renommierten Sammlungen vertreten. Für den öffentlichen Raum realisierte Kricke unter anderem die Große Mannesmann (1958– 1960) am Düsseldorfer Rheinufer, die Raum-Zeit-Plastik (1955/56) an der Fassade der Städtischen Bühnen Münster oder das Wasserherz (1969), das anlässlich der zweiten Bundesgartenschau im Dortmunder Westfalenpark entstand. Für das 1959 eröffnete Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen gestaltete Kricke die Außenwand des Kleinen Hauses.

 

 
Impressionen aus Räumen der Dauerausstellung auf der ersten Etage im Museum DKM. Fotos: Petra Grünendahl

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 
Museum DKM

Das Museum DKM in der Nähe des Hauptbahnhofs. Foto: Petra Grünendahl.

Das private Museum DKM hat 1999 etwas kleiner als Galerie im Duisburger Innenhafen begonnen. Mit wachsender Sammlung zogen die Museumsstifter 2009 ins Zentrum der Innenstadt zwischen Kantpark mit dem Lehmbruck Museum und Hauptbahnhof. Die Architektur des Museums, eine umgebaute ehemalige Gewerbeimmobilie, dient in ihrer Zurückhaltung der Ausstellung der Kunst. Hier zeigen die Museumsstifter Klaus Maas und Dirk Krämer unter dem Motto „Linien stiller Schönheit“ ihre eigene Kunstsammlung sowie wechselnde Sonderausstellungen auch mit Leihgaben. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf zeitgenössischer Kunst, Kunst aus Südostasien, Alt-Ägypten und zeitgenössischer Fotografie. Die drei Baukörper des Museums erstrecken sich über fünf Ebenen und umfassen 2.700 Quadratmeter oder 51 Räume. Das Museum DKM gehört zu den 21 RuhrKunstMuseen.

 

Blick in die Dauerausstellung im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Regulär geöffnet hat das private Museum DKM der Stifter Klaus Maas und Dirk Krämer an der Güntherstraße 13-15 im Dellviertel samstags, sonntags und an Feiertagen zwischen 12 und 16 Uhr sowie jeden ersten Freitag im Monat ebenfalls zwischen 12 und 16 Uhr. Montags bis freitags wird ansonsten nur nach Vereinbarung für Gruppen geöffnet. Der Eintritt kostet 12 Euro (ermäßigt 6 Euro, für Schüler und Studenten bis 28 Jahre), Kinder bis 7 Jahre haben freien Eintritt. Für Gruppen (zw. 10 und 15 Personen) gibt es einen Gruppentarif (10 Euro pro Person) zzgl. einer (kostenpflichtigen) Führung. Eine Jahreskarte kostet 100 Euro. Die RuhrKultur.Card ermöglicht einen einmalig freien Eintritt. Die Teilnahme an der Freitagsführung kostet 6 Euro zusätzlich zum Eintritt. Weitere Infos gibt es hier.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

Veröffentlicht unter Duisburg, Kultur | Verschlagwortet mit , | Schreib einen Kommentar

Einschwimmen der neuen Brücken erfordert Sperrung des Karl-Lehr-Brückenzuges in Duisburg

Spektakuläre Millimeterarbeit bis zur
angestrebten Position der neuen Brücken

Von Petra Grünendahl

Zwei neue Brücken für den Karl-Lehr-Brückenzug. Foto: Petra Grünendahl.

Seit 2020 sind die Brücken auf einer Fläche am Kaßlerfelder Verteilerkreis vormontiert worden. Jetzt beginnt das Einschwimmen der beiden Brücken über den Hafenkanal und über die Ruhr. Der Einschub der Bauwerke erfolgt millimetergenau: eine ingenieurtechnische Meisterleistung. Zunächst wird die Hafenkanalbrücke mit einer Länge von 125 Metern und einem Gewicht von 3.650 Tonnen mit Hilfe eines Transportpontons über die Ruhr gezogen und geschwommen.

Arthur Brakowski erklärt den Prozess des Einschwimmens. Foto: Petra Grünendahl.

Anschließend dann über den Hafenkanal, wo sie neben dem alten Brückenbauwerk platziert wird. Dieser Vorgang zieht sich über zwölf Tage. Die Ruhrbrücke mit einer Länge von 140 Metern und einem Gewicht von 4.400 Tonnen wird innerhalb von vier Tagen über die Ruhr gezogen und an die alte Hohenzollernbrücke von 1911 herangeschwommen. Mit Vorbrücken wird sie schließlich 182 Meter lang mit einem Gewicht von 5.200 Tonnen. „Wir haben dann 380 Tage Zeit, die Brücken auszustatten, damit sie den Verkehr vom bisherigen Brückenzug übernehmen können“, erklärte Uwe Linsen, Vorstand der Wirtschaftsbetriebe Duisburg, die das Infrastruktur-Projekt geplant haben und betreuen.

 

Arthur Brakowski erklärt den Prozess des Einschwimmens. Foto: Petra Grünendahl.

Zum Beginn der spektakulären Arbeiten informierten die Wirtschaftsbetriebe Duisburg zusammen mit Oberbürgermeister Sören Link und der bauausführenden Max Bögl GmbH bei einem Pressetermin über die anstehenden Arbeiten. „Der Karl-Lehr-Brückenzug ist eine der Hauptverkehrsadern in Duisburg. Nach dem erfolgreichen Einschwimmen der beiden Brücken sind wir einen großen Schritt weiter, diese zentrale Verbindung fit für die Zukunft zu machen“, so Oberbürgermeister Sören Link.

Arthur Brakowski erklärt den Prozess des Einschwimmens. Foto: Petra Grünendahl.

Der erste Bauabschnitt hatte 2015 begonnen, als die Brücke über den Vinckekanal erneuert wurde. „Wir planen hier in Deutschland mit einer Lebensdauer von 100 Jahren. Dieses Bauwerk entsteht nach den modernsten Standards“, erklärte Arthur Brakowski, der bei den Wirtschaftsbetrieben für das Bauprojekt verantwortlich ist. „Wir sind froh, dass wir den Zeitplan bis jetzt einhalten konnten. Wir werden genauso weitemachen müssen, damit wir die Umfahrung der alten Brücken auch bis zum Beginn des Jahres 2024 in Betrieb nehmen können“, so Uwe Linsen. Mit 148 Mio. Euro Baukosten, so WBD-Vorstand Linsen, bewege man sich im vom Rat ursprünglich bewilligten Kostenrahmen.

 

 
 
Die Arbeiten im Detail

Der Karl-Lehr-Brückenzug wird an drei Wochenenden rund um die Uhr für den Individualverkehr gesperrt. Quelle: WBD.

In vorgefertigten Segmenten von ca. 80 Tonnen sind Brückenteile per Binnenschiff an den Kaßlerfelder Verteilerkreis geliefert worden, wo die Firma Bögl die Segmente zusammen gesetzt und verschweißt sowie mit Korrosionsschutz versehen hat. „Der Korrosionsschutz ist wichtig für den Erhalt der Brücke: Er hält Jahrzehnte“, erklärte Philipp Klemme, Gesamtprojektleiter von Bögl. Für den Zeitraum des Einschwimmens der beiden Brücken wird an den kommenden drei Wochenenden der Karl-Lehr-Brückenzug für den Individualverkehr gesperrt. Lediglich die 901 darf passieren. Die DVG nimmt Fußgänger, die über denn Brückenzug wollen, zwischen den Haltenstellen Albertstraße (Kaßlerfeld) und Vinckeweg (Ruhrort) an diesen Wochenenden kostenfrei mit.

 

Der Transportponton verfügt über ein Hydraulik-Hubsystem, auf dem die Brücke hier aufliegt. Foto: Petra Grünendahl.

Das Einschwimmen der einzelnen Brücken verläuft über mehrere Phasen. In der ersten Phase wird die Brücke auf den 100 Meter langen und 33 Meter breiten, mit einem Hydraulik-Hubsystem ausgestatteten Transportponton gesetzt, welcher die Brücke millimeterweise über das Wasser zieht. In der zweiten Phase schwimmt das Ponton mit der Brücke, als eine Einheit, über die Ruhr und setzt die Brücke auf Widerlager und Pfeiler, die speziell für den vorübergehenden Standort gebaut wurden. Der Transportponton wechselt dann von der Ruhr über den Rhein in den Hafenkanal, wo er die Brücke wiederaufnimmt. Anschließend wird die Hafenkanalbrücke über den Hafenkanal gezogen, bis sie auf der gegenüberliegenden Seite in seine zunächst provisorische Lage abgesetzt wird. Anschließend erfolgt dieselbe Vorgehensweise mit der neuen Ruhrbrücke.

 

 

Fotostrecke von Christoph Reichwein / Wirtschaftsbetriebe Duisburg.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 
Ausbau der neuen Brücken bis Ende 2023

Arthur Brakowski erklärt den Prozess des Einschwimmens. Foto: Petra Grünendahl.

Nach dem Einschwimmen der Brücken, gehen die Arbeiten weiter: Es werden nun die Vorlandbrücken der Ruhrbrücke hergestellt und angeschlossen. In mehreren Abschnitten werden zusätzlich die Fahrbahn, Geh- und Radweg, das Gleisbett der Straßenbahn, Geländer und Laternen auf den Brücken aufgebaut. Die Brücke über den ehemaligen, längst zugeschütteten Kaiserhafen wird nicht mehr benötigt: Nach dem Rückbau wird an ihrer Stelle der Kaiserhafendamm gebaut. Wenn Ende 2023 die neuen Brücken in Betrieb gehen können, wird der Verkehr dorthin umgeschwenkt, damit 2024 die alten Brücken abgerissen werden können. Nach dem Abriss werden schließlich die neuen Brücken an die Position der alten Brücken geschoben.

Wichtige Informationen zum Fortschritt der Bauarbeiten gibt es unter www.ob-karl-lehr-bruecke.de.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (6), Christoph Reichwein (3), Wirtschaftsbetriebe Duisburg (1)

 
 

Veröffentlicht unter Duisburg, Wirtschaft | Verschlagwortet mit , , , , , | Schreib einen Kommentar

Lehmbruck Museum, Museum DKM und MKM Museum Küppersmühle zeigen Norbert Kricke in Duisburg

Kooperation macht Werbung für den Kunst-Standort Duisburg
Von Petra Grünendahl

Norbert Kricke im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.

Heute ist Norbert Kricke (1922–1984) vor allem für seine filigranen Raumplastiken bekannt, die ihn als einen der wichtigsten Vertreter der konkreten Kunst auszeichnen. Seine Stahl-Skulpturen sind filigran und reduziert, wirken aber dennoch in den Raum hinein. Weniger bekannt sind figürlichen Anfänge in Bronze, die das Lehmbruck Museum in seiner Studioausstellung zeigt. Mit insgesamt 13 Skulpturen und 20 Grafiken stellt die Ausstellung Bezüge her zu wichtigen Bildhauern wie Wilhelm Lehmbruck oder Alberto Giacometti, die mit bedeutenden Werken in der Sammlung vertreten sind. Eine Skulptur von 1946, die sonst als Dauerleihgabe im nahe gelegenen Museum DKM in Räumen der Dauerausstellung steht, ist vorübergehend ins Museum im Kantpark zurück gekehrt. Die leichten, beschwingten Formen von Krickes späteren Werke, von denen neben zahlreichen Grafiken auch eine ganze Reihe zur Sammlung Ströher im Museum Küppersmühle zählen, bezeichnete Museumsdirektor Prof. Dr. h. c. Walter Smerling als „Poesie“.

 

Norbert Kricke im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.

Anlässlich von Norbert Krickes 100. Geburtstag zeigen die drei großen Duisburger Kunstmuseen – Lehmbruck Museum, Museum DKM und MKM Museum Küppersmühle – Sonderausstellungen, die überwiegend mit Werken aus den eigenen Sammlung plus ein paar Leihgaben bestückt sind. Initiiert hat die Ausstellung von Norbert Kricke der Freundeskreis Norbert Kricke e. V., dessen Vorsitzender Robert Rademacher zusammen mit Dr. Söke Dinkla (Lehmbruck Museum), Klaus Maas (Museum DKM) und Walter Smerling (Museum Küppersmühle) die Jubiläums-Schau vorstellte. „Eine gelungene Werbung für den Kunst-Standort Duisburg“, lobte Walter Smerling die Kooperation. Die Ausstellungen im Lehmbruck Museum und im MKM Museum Küppersmühle sind ab Donnerstag, 17. November, fürs Publikum geöffnet. Das private Museum DKM zeigt Norbert Kricke ab Freitag, 18. November. Eine weitere Ausstellung von Norbert Kricke findet man übrigens in der Galerie Utermann in Dortmund.

 

 
Der Künstler

Norbert Kricke im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.

Norbert Kricke zählt zu den wichtigsten Vertretern der deutschen Nachkriegsmoderne. Er studierte von 1946 bis 1947 als Meisterschüler unter Richard Scheibe an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin. 1947 zieht Kricke zurück in seine Heimatstadt Düsseldorf und findet als freischaffender Künstler zu seiner „typischen” Formensprache, geprägt von Linien, die sich dynamisch durch den Raum bewegen. Krickes ungegenständliche Raumplastiken verzichten auf Masse und Volumen und suggerieren Schwerelosigkeit und Bewegung. Damit wird der Raum für die Wahrnehmung der Betrachtenden geöffnet. 1964 wird Norbert Kricke als Professor für Bildhauerei an die Staatliche Kunstakademie in Düsseldorf berufen, die er von 1972 bis 1981 als Direktor leitet. 1958 wurde Kricke mit dem Preis der Graham Foundation for Advanced Studies in Fine Arts, Chicago, ausgezeichnet. Nach der Ehrung mit dem Großen Kunstpreis des Landes Nordrhein- Westfalen für Bildhauerei (1963) ist die Verleihung des Wilhelm-Lehmbruck-Preises der Stadt Duisburg im Jahr 1971 die dritte international renommierte Auszeichnung Norbert Krickes.

Norbert Kricke im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.

Krickes Arbeiten wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen weltweit präsentiert und sind in diversen renommierten Sammlungen vertreten. Für den öffentlichen Raum realisierte Kricke unter anderem die Große Mannesmann (1958– 1960) am Düsseldorfer Rheinufer, die Raum-Zeit-Plastik (1955/56) an der Fassade der Städtischen Bühnen Münster oder das Wasserherz (1969), das anlässlich der zweiten Bundesgartenschau im Dortmunder Westfalenpark entstand. Für das 1959 eröffnete Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen gestaltete Kricke die Außenwand des Kleinen Hauses.

 

Norbert Kricke im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.

Zur Ausstellung im MKM ist ein umfassender Katalog erschienen mit Beiträgen von Tony Cragg (der englische Künstler lebt seit 1977 in Wuppertal und lehrte seit 1979 an der Kunstakademie Düsseldorf, wo er Norbert Kricke kennenlernte), Guido Reuter und Hans-Peter Riese. Der Ausstellungskatalog „Norbert Kricke – Bewegung im Raum“ wurde ermöglicht durch das Engagement der National-Bank AG und ist erschienen im Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König (ISBN 978-3-7533-0331-4).

 

 
Museum DKM

Steht sonst als Dauerleihgabe im Museum DKM: Norbert Kricke im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.

Seit der Eröffnung des Museum DKM 2009 sind in der ständigen Sammlung zwei Räume dem Werk von Norbert Kricke gewidmet. In unveränderter Form präsentieren sie bis heute zwanzig Zeichnungen und zwei Bildhauermodelle aus der Sammlung DKM. Die ausgestellten Zeichnungen umfassen sowohl den Anfang als auch das Ende der abstrakten Schaffensphase von 1952 bis 1984 und bieten somit eine umfangreiche Übersicht über das zeichnerische Werk von Norbert Kricke, der bis zum Schluss der Linie als Gestaltungsmittel treu geblieben ist. Anlässlich des 100. Geburtstages des Düsseldorfer Bildhauers präsentiert das Museum DKM weitere, bisher nicht gezeigte Zeichnungen aus seinem großen Sammlungsbestand sowie eine frühe figürliche Plastik, die das Norbert Kricke Archiv in Berlin für die Dauer der Ausstellung zur Verfügung stellt. Das Museum öffnet am Freitag, den 18. November, von 14.00 Uhr bis 16.00 Uhr. Eine Fotostrecke hierzu folgt in den nächsten Tagen …

Norbert Kricke im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.

Das private Museum DKM hat 1999 etwas kleiner als Galerie im Duisburger Innenhafen begonnen. Mit wachsender Sammlung zogen die Museumsstifter 2009 ins Zentrum der Innenstadt zwischen Kantpark mit dem Lehmbruck Museum und Hauptbahnhof. Die Architektur des Museums, eine umgebaute ehemalige Gewerbeimmobilie, dient in ihrer Zurückhaltung der Ausstellung der Kunst. Hier zeigen die Museumsstifter Klaus Maas und Dirk Krämer unter dem Motto „Linien stiller Schönheit“ ihre eigene Kunstsammlung sowie wechselnde Sonderausstellungen auch mit Leihgaben. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf zeitgenössischer Kunst, Kunst aus Südostasien, Alt-Ägypten und zeitgenössischer Fotografie. Die drei Baukörper des Museums erstrecken sich über fünf Ebenen und umfassen 2.700 Quadratmeter oder 51 Räume. Das Museum DKM gehört zu den 21 RuhrKunstMuseen.

 

Norbert Kricke im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.

Regulär geöffnet hat das private Museum DKM der Stifter Klaus Maas und Dirk Krämer an der Güntherstraße 13-15 im Dellviertel samstags, sonntags und an Feiertagen zwischen 12 und 16 Uhr sowie jeden ersten Freitag im Monat ebenfalls zwischen 12 und 16 Uhr. Montags bis freitags wird ansonsten nur nach Vereinbarung für Gruppen geöffnet. Der Eintritt kostet 12 Euro (ermäßigt 6 Euro, für Schüler und Studenten bis 28 Jahre), Kinder bis 7 Jahre haben freien Eintritt. Für Gruppen (zw. 10 und 15 Personen) gibt es einen Gruppentarif (10 Euro pro Person) zzgl. einer (kostenpflichtigen) Führung. Eine Jahreskarte kostet 100 Euro. Die RuhrKultur.Card ermöglicht einen einmalig freien Eintritt. Die Teilnahme an der Freitagsführung kostet 6 Euro zusätzlich zum Eintritt. Weitere Infos gibt es hier.

 

Impressionen aus der Ausstellung im Museum Küppersmühle. Fotos: Petra Grünendahl

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 
Museum Küppersmühle

Norbert Kricke im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.

Für die Ausstellung der Werke von Norbert Kricke ist der Oberlichtraum auf der dritten Etage des Erweiterungsbaus von der Innenarchitektin Nina Simonis neu gestaltet worden. Hier präsentiert das MKM bis zum 31. März die Arbeiten von Norbert Kricke, die überwiegend aus der hauseigenen Sammlung Ströher stammen. Das Museum Küppersmühle findet man im Innenhafen am Philosophenweg 55 (Haupteingang, der Parkplatz befindet sich auf der anderen Straßenseite). Mittwochs ist das Museum von 14 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis sonntags sowie feiertags von 11 bis 18 Uhr. Montags und dienstags ist Ruhetag. Der Eintritt kostet nur für die Wechselausstellungen 6 Euro (ermäßigt 3 Euro), für das gesamte Haus (inkl. Wechselausstellung) 12 Euro (ermäßigt 6 Euro). Familien (2 Erwachsene plus Kinder) zahlen 18 Euro für das ganze Haus, 10 Euro für Wechselausstellungen. Kinder bis 16 Jahren haben freien Eintritt. Kindergruppen (Schule, Kita, Kinderfreizeit) zahlen 2 Euro pro Kind und Betreuer. Donnerstags haben alle Duisburger (gegen Vorlage des Personalausweises) freien Eintritt. Das MKM ist Partner der Ruhrkultur.Card. Alle Ausstellungsräume des Museums sind auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich.

 

Norbert Kricke im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.

Das Museum Küppersmühle für Moderne Kunst wurde im Jahre 1999 in einem ehemaligen Getreidespeicher im Innenhafen eröffnet. Er wurde nach Plänen der Basler Architekten Herzog & de Meuron zum Museum umgebaut. Initiator des Museumsprojekts war der Duisburger Kunstsammler Hans Grothe (1930–2019). Grothes Sammlung umfasste über 800 Werke von mehr als 40 deutschen Künstlern. Seit der Übernahme seiner Sammlung durch das Darmstädter Sammlerpaar Sylvia und Ulrich Ströher 2004/2005 stieg die Anzahl der Ausstellungsstücke und der vertretenen Künstler noch erheblich an. Insgesamt handelt es sich um eine der wichtigsten und umfangreichsten Sammlungen deutscher Kunst seit 1945. Zur Präsentation der ständigen Sammlung kommen immer wieder Wechselausstellungen hinzu. Das MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst als Standort der Sammlung Grothe wird seit seiner Gründung von der Stiftung für Kunst und Kultur e. V. Bonn betrieben. Die Stiftung konzipiert und organisiert die Ausstellungen und betreut die umfangreiche Sammlung, die heute dem Kunstsammler-Ehepaar Ströher aus Darmstadt gehört, im MKM. Direktor ist seit 1999 Walter Smerling. Weitere Informationen zu Führungen und dem Begleitprogramm zu Ausstellungen gibt es unter www.museum-kueppersmuehle.de).

 

 
Impressionen aus der Ausstellung im Lehmbruck Museum. Fotos: Petra Grünendahl

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 
Lehmbruck Museum

Das Lehmbruck Museum im Kantpark. Foto: Petra Grünendahl.

Das mitten in Duisburg im Kantpark gelegene Lehmbruck Museum ist ein Museum für Skulptur. Seine Sammlung moderner Plastiken von Künstlern wie Alberto Giacometti, Pablo Picasso, Hans Arp und natürlich Wilhelm Lehmbruck ist europaweit einzigartig. Beheimatet ist das Museum in einem eindrucksvollen Museumsbau inmitten eines Skulpturenparks, der zum Schlendern und Entdecken einlädt.

Norbert Kricke im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.

Namensgeber des Hauses ist der Bildhauer Wilhelm Lehmbruck, der 1881 in Meiderich, heute ein Stadtteil von Duisburg, geboren wurde. Lehmbruck ist einer der bedeutendsten Bildhauer der Klassischen Moderne. Er hat mit seinem Werk maßgeblichen Einfluss auf nachfolgende Künstlergenerationen und ist auch nach seinem frühen Freitod im Jahr 1919 bis heute einflussreich geblieben.
Lehmbruck Museum

 
Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Norbert Kricke im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.

Die Studioausstellung Norbert Kricke ist bis zum 7. Mai 2023 auf der oberen Ebene in der großen Glashalle zu sehen. Geöffnet ist das Lehmbruck Museum dienstags bis freitags ab 12 Uhr, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags an Terminen der plastikBAR (erster Donnerstag im Monat ab 17.30 Uhr) bis 20 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro (ermäßigt 5 Euro), eine Jahreskarte 35 Euro (ermäßigt 20 Euro). Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Blinden- und Demenzbegleitung haben kostenlos Eintritt. Schulklassen und Kindergärten zahlen pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte (2 Erwachsene plus Kinder bis 14 Jahre) gibt es für 15 Euro. Jeden ersten Freitag im Monat gilt: „Pay what you want“. Ausgenommen davon sind angemeldete Gruppen.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

Veröffentlicht unter Duisburg, Kultur | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 1 Kommentar

Lektüre-Tipp: „Das Ruhrgebiet zu jeder Jahreszeit“ im Klartext Verlag

Studenten geben Tipps:
Aktivitäten für junge Menschen

Von Petra Grünendahl

Das Ruhrgebiet zu jeder Jahreszeit: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Ein paar Schritte vor die Tür zu gehen lohne sich immer, sagen die Autoren und haben dafür viele spannende Tipps im ganzen Ruhrgebiet parat. Viele ehemalige Industrie- und Bergbau-Standorte locken mit ihrer jeweiligen Nachnutzung oder auch Halden wie Rheinpreußen oder Tiger & Turtle. Dazu kommt eine riesige Auswahl Museen aller Art (nicht nur Kunst!), Sport- und Freizeitzentren wie u. a. auch der Sportpark Duisburg oder auch verschiedenste Parkanlagen

Das Ruhrgebiet zu jeder Jahreszeit: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

(Landschaftspark, Kaisergarten, Grugapark, Fredenbaumpark und Maximilianpark). Für Genussmenschen unter den Lesern haben die Autoren eine Auswahl getroffen aus der vielfältigen Gastronomie aller Art (hier ist in Duisburg die „Studenten-Kneipe“ Finkenkrug dabei), verschiedene Party-Locations und Events wie die Ruhrfestspiele, die Ruhrtriennale (auch mit Spielorten in Duisburg), Kirmes und Weihnachtsmärkte oder auch Messe-Events. Sogar ein Autokino (so etwas gibt es tatsächlich noch!) und das Kino Glückaufhaus in Essen haben es in die Auswahl geschafft. Dass das Ruhrgebiet natürlich noch viel mehr zu bieten hat, weiß jeder, der ein bisschen unterwegs ist. Aber wer noch ein paar Ideen und Anregungen für Unternehmungen und Aktivitäten im Revier braucht, findet sie in diesem Buch.

 

Das Ruhrgebiet zu jeder Jahreszeit: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Das Buch „Das Ruhrgebiet zu jeder Jahreszeit“ hat Freizeit-Tipps für jedes Wetter und vielfältigste Interessen parat: Das Autoren-Team von der Westfälischen Hochschule hat „75 Aktivitäten für dich und deine ‚Freunde’“ (Wir gendern hier nicht!) mit jeweils 15 Zielen ganzjährig sowie für jede der vier Jahreszeiten zusammen gestellt. Dass diese im Ruhrgebiet nur eine (subjektive) Auswahl darstellen können, weiß jeder, der hier ein bisschen rum kommt. Überwiegend stehen für die Ziele zwei Seiten zur Verfügung, die aber

Das Ruhrgebiet zu jeder Jahreszeit: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

(mit ein oder zwei Fotos) natürlich nur ganz kurz knapp die wichtigsten Informationen enthalten können: Ein kleiner Text zur Einleitung, ein paar Stichpunkte im Überblick, eine Bewertung der Autoren sowie die Adresse (inkl. Webseite und QR-Code für weitere Recherchen). Der eine oder andere „Tipp“ am Seitenrand verweist auf weitere interessante Orte in der Nähe. Die Bewertungen auf einer Skala bis fünf Sterne bewerten die Vielseitigkeit, Außergewöhnlichkeit, Wetterunabhängigkeit sowie die Anfahrt mit dem ÖPNV. Eingeordnet sind die Locations in eine von fünf möglichen Kategorien: Kultur, Erleben, Entspannen, Party oder Kulinarisch. Das zeigt schon ein bisschen, dass sich der Freizeit-Führer aus der Reihe „Junges NRW“ sich in erster Linie an jüngere Leute richtet: Der Leser wird entsprechend geduzt, was aber im Pott auch unter reiferen Semestern nicht ungewöhnlich ist. Was leider fehlt, sind Übersichtskarten mit einer Verortung der Locations.

 

 
 
Die Autoren und das Buch

Das Ruhrgebiet zu jeder Jahreszeit: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Buchidee, Konzept und Texte wurden in Zusammenarbeit mit Studierenden des Instituts für Journalismus und Public Relations der Westfälischen Hochschule am Campus Gelsenkirchen entwickelt: Luca Becker, Therese Bludau, Ronja Hois, Julia Müller und Jasmine Zebell, betreut von Prof. Dr. Stefan Weihnacht. Die Fotografien stammen von unterschiedlichen Fotografen, diversen Bildagenturen und aus anderen Quellen.

 
Das Buch „Das Ruhrgebiet zu jeder Jahreszeit“ ist im Essener Klartext Verlag erschienen. Das 144-seitige Taschenbuch aus der Reihe „Junges NRW“ mit zahlreichen Fotografien ist für 16,95 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-8375-2530-4).

 

 
Der Verlag

Das Ruhrgebiet zu jeder Jahreszeit: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Der Klartext Verlag wurde 1983 gegründet, seit 2007 ist er Teil der Funke Mediengruppe. Seine Heimat liegt im Ruhrgebiet, wo auch der überwiegende Teil seiner Publikationen angesiedelt ist: Freizeitführer, Sachbücher, Kalender und Bildbände. Mit der „Von oben“-Reihe kann man Städte nicht nur im Ruhrgebiet, sondern in ganz Deutschland aus der Vogelperspektive bewundern. Und mit der Reihe „Irrtümer und Wahrheiten“ (bei ihrem Start im Verlagsprogramm hieß die Serie noch „Klugscheißer“) lernt der Leser Neues zu verschiedenen Orten, Themen und Fußballvereinen – unterhaltsam, fundiert und auch mit dem einem oder anderen Augenzwinkern.
www.klartext-verlag.de

 
Der Blick ins Buch. Fotos: Petra Grünendahl

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

Veröffentlicht unter Duisburg, Panorama, Region | Verschlagwortet mit , , , , | Schreib einen Kommentar

Lektüre-Tipp: „Heimatschätze“: Die schönsten Altstädte im Ruhrgebiet im Klartext Verlag

Ein Schatzkästchen alter Ortskerne erkunden
Von Petra Grünendahl

Heimatschätze – Die schönsten Altstädte im Ruhrgebiet: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Wer an „Altstadt“ im Ruhrgebiet denkt, hat da eher das Zentrum der großen Städte im Sinn, wo sich bis heute Gebäude und mitunter auch Teile von Straßenzügen an so genannten Altbauten gehalten haben: Mal mehr, mal weniger erhalten und gepflegt. Zu vieles war jedoch dem Bombenkrieg sowie später der Stadtplanung in den 1950er- und 1960er-Jahren zum Opfer gefallen. Dennoch finden sich auch hier in der Region Schmuckstücke – zumeist in Mittelstädten oder in etwas abseits gelegenen Stadtteilen:

Heimatschätze – Die schönsten Altstädte im Ruhrgebiet: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Überwiegend geschlossen ist dort die alte Bausubstanz von pitoresken Ensembles aus Häusern frührer Jahrhunderte. Jeder Ort und seine Gebäude punkten mit ihrer eigenen Geschichte und Entwicklung, die Patrick Bierther sehr detailliert beschreibt. Seine Ausflüge reichen von Xanten und Moers im Westen über Essen-Kettwig, -Werden und Hattingen im Süden bis zum Freilichmuseum Hagen, Unna und Werne im Osten sowie Recklinghausen und Haltern am See im Norden. Man kann über die Auswahl der Altstdte geteilter Meinung sein, aber für eine Anregung zu einem persönlichen Blick, ob es sich wirklich um die „schönsten“ Altstädte des Ruhrgebiets handelt, lohnt das Buch als Freizeit-Führer schon. Oder, wenn man die Orte schon kennt, zu einem nochmaligen Besuch mit dem Buch in der Hand, um die Details der Beschreibungen nachvollziehen zu können.

 

Heimatschätze – Die schönsten Altstädte im Ruhrgebiet: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Mit seinem Buch „Heimatschätze – Ausflüge zu den schönsten Altstädten im Ruhrgebiet“ entführt Autor Patrick Bierther seine Leser in Ortskerne, in denen frühere Zeiten stehen geblieben scheinen. Die Orte sind jedoch ausgewählt, weil sie den Charme des Alten natürlich mit Pflege und Restaurierung der Bausubstanz und eine passende Einbindung in die Moderne erhalten haben.

Heimatschätze – Die schönsten Altstädte im Ruhrgebiet: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

An manchen Orten haben sogar an die alte Optik angepasste Neubauten Lücken geschlossen, so dass das Ensemble insgesamt immer noch wie aus der Zeit gefallen wirkt. Fünfzehn Städte und Stadtteile hat der Autor asugewählt. Auf jeweils acht bis zehn Seiten beschreibt Bierther seine ausgewählten Ziele mit ihren Eigenarten und historischen Hintergründen. Grundlegende Daten zum Ziel, seinen Besonderheiten und seine unmittelbaren und näheren Umgebung (Am Weg oder Abstecher), eine Einordnung des Ziels in verschiedene Kategorien, Gastronomie-Tipps sowie Tipps zur Anreise (Pkw/Parkplatz und ÖPNV) und Besonderheiten des Ziels runden die Informationen ab.

 

 
 
Der Autor und das Buch

Heimatschätze – Die schönsten Altstädte im Ruhrgebiet: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Patrick Bierther weiß, wovon er schreibt: Er ist in Essen-Werden geboren und aufgewachsen und nach 25 Jahren wieder dorthin zurückgekehrt, mit einem Blick auf die Basilika und um einen viel zu großen Garten zu pflegen. Dazwischen liegen ein Studium in Berlin, ein Redaktionsvolontariat, 20 Bücher, viele, viele Artikel – und zwei Jahre auf Zechen (Zollverein und Nordstern), freilich nicht als Bergmann, sondern als Öffentlichkeitsarbeiter unter anderem für die Bundesgartenschau.

Heimatschätze – Die schönsten Altstädte im Ruhrgebiet: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Vom diesem Autor hatten wir hier bereits das Buch „Blühende Oasen – Ausflüge zu Parks und Gärten im Ruhrgebiet“ vorgestellt.

 
Das Buch „Heimatschätze – Ausflüge zu den schönsten Altstädten im Ruhrgebiet“ von Patrick Bierther ist im Essener Klartext Verlag erschienen. Das 144-seitige Taschenbuch aus der Reihe „Schönes NRW“ mit zahlreichen Fotografien unterschiedlichster Fotografen und Bildagenturen ist für 16,95 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-8375-2456-7).

 

 
Der Verlag

Heimatschätze – Die schönsten Altstädte im Ruhrgebiet: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Der Klartext Verlag wurde 1983 gegründet, seit 2007 ist er Teil der Funke Mediengruppe. Seine Heimat liegt im Ruhrgebiet, wo auch der überwiegende Teil seiner Publikationen angesiedelt ist: Freizeitführer, Sachbücher, Kalender und Bildbände. Mit der „Von oben“-Reihe kann man Städte nicht nur im Ruhrgebiet, sondern in ganz Deutschland aus der Vogelperspektive bewundern. Und mit der Reihe „Irrtümer und Wahrheiten“ (bei ihrem Start im Verlagsprogramm hieß die Serie noch „Klugscheißer“) lernt der Leser Neues zu verschiedenen Orten, Themen und Fußballvereinen – unterhaltsam, fundiert und auch mit dem einem oder anderen Augenzwinkern.
www.klartext-verlag.de

 
Der Blick ins Buch. Fotos: Petra Grünendahl

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

Veröffentlicht unter Duisburg, Panorama, Region | Verschlagwortet mit , , , , | Schreib einen Kommentar

MKM Museum Küppermühle in Duisburg zeigt Martin Assig: Weil ich Mensch bin

Existenzielle Fragen zum Nachdenken über sich selbst
Von Petra Grünendahl

MKM Museum Küppersmühle zeigt Martin Assig: Weil ich Mensch bin. Foto: Petra Grünendahl.

In den Bildern des Malers Martin Assig (*1959 Schwelm) spiegeln sich menschliche Grunderfahrungen, Empfindungen und Bedürfnisse, das Sein des Einzelnen und die Bedingungen unserer Gesellschaft. Der Maler erzählt in seinen Bildern Geschichten. Auch solche aus seiner eigenen Biographie heraus. Assig findet Bildformeln für das Empfinden und Denken eines Menschen, ebenso wie für Leid, Tod und Endlichkeit. „Wahrnehmung des eigenen Seins als eine Summe von unwiederholbaren Augenblicken:

MKM Museum Küppersmühle zeigt Martin Assig: Weil ich Mensch bin. Foto: Petra Grünendahl.

Dein Leben ist dein Reichtum!“, erläuterte Museumsdirektor Prof. Dr. h. c. Walter Smerling. Dies, so Smerling, erscheine gerade vor dem Hintergrund der Krisenerfahrungen der letzten drei Jahre besonders relevant. Assig malt teils abstrakte Bilder, andere wieder ganz figurativ. In einige Bilder sind Texte eingearbeitet, die die Wahrnehmung des Betrachters lenken. Manche Bilder beeindrucken durch die Wucht ihrer Farben, andere wirken dagegen eher „blass“ und monchrom. Viele Bilder sind mit der nur noch selten benutzten Wachs-Maltechnik der Enkaustik entstanden. Darüber hinaus nutzt der Künstler Tusche, Temperafarben oder Acryl, Wachs sowie Scherenschnitt für seine Bilder.

 

Museumsdirektor Walter Smerling: MKM Museum Küppersmühle zeigt Martin Assig – Weil ich Mensch bin. Foto: Petra Grünendahl.

Museumsdirektor Walter Smerling stellte die Sonderausstellung „Weil ich Mensch bin“ zusammen mit dem Künstler Martin Assig im Pressegespräch vor. Die Ausstellung ist retrospektiv angelegt und umfasst in unterschiedlichen Thematiken bzw. unterschiedlichen Maltechniken alle Schaffensphasen des Künstlers. Zehn Themenschwerpunkte führen durch die rund 400 Werke der Ausstellung, die zahlreiche großformatige Tafelbilder, aber auch vielteilige Werkreihen mit kleinformatigen Papierarbeiten von den 1990er-Jahren bis heute zeigt.

Künstler Martin Assig: MKM Museum Küppersmühle zeigt Martin Assig – Weil ich Mensch bin. Foto: Petra Grünendahl.

Ihre Titel – Auraautoren, Erzählung am Boden, Kleid, Schmerz, Seelen, St. Paul, Tuschen, Übungen zur Verwunderung, Wasser und Vorrat. Welt – geben Aufschluss über die künstlerischen Entwicklungs- und Erzählstränge im Werk von Martin Assig. Als Projekt der Stiftung für Kunst und Kultur e. V. Bonn ist Walter Smerling Kurator der Werkschau, Co-Kurator ist Kay Heymer. Neben Werken aus der Sammlung des MKM (Sammlung Ströher) und Werken im Besitz des Künstlers zeigt die Ausstellung auch zahlreiche Leihgaben aus Galerien sowie privaten Sammlungen, die sonst nicht öffentlich zugänglich sind. Die Ausstellung wird gefördert von der Evonik Industries AG und der Sparkasse Duisburg. Ab Freitag, 4. November, ist die Schau für Museumsbesucher geöffnet.

 

Der Künstler

Künstler Martin Assig: MKM Museum Küppersmühle zeigt Martin Assig – Weil ich Mensch bin. Foto: Petra Grünendahl.

Martin Assig, geboren 1959 in Schwelm, studierte von 1979 bis 1985 an der Hochschule der Künste Berlin. 1983 wurde er von der Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert. Im Jahr 1985 war er Meisterschüler bei Hans-Jürgen Diehl. 1986 erhielt er den Kunstpreis der Stadt Zweibrücken für Malerei und 1993 den Käthe-Kollwitz-Preis. Von 1992 bis 1994 war er Stipendiat der Günther-Peill-Stiftung. Im Jahr 2000 war er als Gastprofessor an seiner Alma Mater tätig. 2001 bekam er den Ludwig-Gries-Preis. Seine Werke sind in öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten und werden national und international in Einzel- und Gruppenausstellungen präsentiert, so u.a. im Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen, Magdeburg (2019), im Museum Boijmans van Beuningen, Rotterdam (2015) und im Haus am Waldsee Berlin (2015). Martin Assig lebt und arbeitet in Berlin und im brandenburgischen Brädikow.

 
Zur Ausstellung erscheint ein umfassender Katalog mit Beiträgen von Wolfgang Ulrich und Co-Kurator Kay Heymer sowiee einem Gespräch zwischen Martin Assig und Walter Smerling. Die 312-seitige Museumsausgabe in Deutsch und Englisch mit 236 Farbabbildungen ist bei Schirmer/Mosel erschienen und kostet 38 Euro (ISBN 978-3-8296-0969-2).

 

Impressionen aus der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 
Museum Küppersmühle:
Duisburger haben donnerstags freien Eintritt

MKM Museum Küppersmühle zeigt Martin Assig: Weil ich Mensch bin. Foto: Petra Grünendahl.

Die Sonderschau „Weil ich Mensch bin“ mit Werken von Martin Assig ist in den Wechselausstellungsräumen im Erdgeschoss des Altbaus bis zum 5. März 2023 zu sehen. Das Museum Küppersmühle findet man im Innenhafen am Philosophenweg 55 (Haupteingang, der Parkplatz befindet sich auf der anderen Straßenseite). Mittwochs ist das Museum von 14 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis sonntags sowie feiertags von 11 bis 18 Uhr. Montags und dienstags ist Ruhetag. Der Eintritt kostet nur für die Wechselausstellungen 6 Euro (ermäßigt 3 Euro), für das gesamte Haus (inkl. Wechselausstellung) 12 Euro (ermäßigt 6 Euro). Familien (2 Erwachsene plus Kinder) zahlen 18 Euro für das ganze Haus, 10 Euro für Wechselausstellungen. Kinder bis 16 Jahren haben freien Eintritt. Kindergruppen (Schule, Kita, Kinderfreizeit) zahlen 2 Euro pro Kind und Betreuer. Donnerstags haben alle Duisburger (gegen Vorlage des Personalausweises) freien Eintritt. Das MKM ist Partner der Ruhrkultur.Card. Alle Ausstellungsräume des Museums sind auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich.

 

MKM Museum Küppersmühle zeigt Martin Assig: Weil ich Mensch bin. Foto: Petra Grünendahl.

Offene Führungen durch die Sammlung sowie durch laufende Ausstellungen gibt es jeden Sonntag um 15 Uhr, aber auch nach Vereinbarung. Durch die Wechselausstellung gibt es mittwochs zwischen 15 und 16 Uhr die Führung „KunstMittwoch“. Beide Führungen sind im Eintritt enthalten. Zu den Ausstellungen bietet das MKM immer wieder Themenführungen, Künstlergespräche oder Sonderformate wie zum Beispiel die Veranstaltungsreihe „Kunst trifft …“. Dazu zählen aktuell die Kuratorinnenführungen durch die Ausstellung „Full House“ mit dem Schwerpunkt Fotografie am 3. und 24. September (jeweils samstags, 15 – 16 Uhr, 15 Euro inklusive Eintritt, ermäßigt 10 Euro), die „Kunstvermittlung mal anders – KUNSTtreffen mit Jannis Keuerleber“ am 24. August, 18 – 20 Uhr (Preise wie oben) sowie „Der Kunst-Mittwoch“ (jeden Mittwoch von 15 – 16 Uhr, im Eintrittspreis enthalten). „Kunst trifft …“ am 18. August auf den 3sat Museumscheck (18.30 – 20 Uhr). Weitere Informationen zu Führungen und dem Begleitprogramm zu Ausstellungen gibt es unter www.museum-kueppersmuehle.de). Hier findet man zu Corona-Maßnahmen.

 

 
Das Museum Küppersmühle als Kunstwerk um die Moderne Kunst

MKM Museum Küppersmühle zeigt Martin Assig: Weil ich Mensch bin. Foto: Petra Grünendahl.

Das Museum Küppersmühle für Moderne Kunst wurde im Jahre 1999 in einem ehemaligen Getreidespeicher im Innenhafen eröffnet. Er wurde nach Plänen der Basler Architekten Herzog & de Meuron zum Museum umgebaut. Initiator des Museumsprojekts war der Duisburger Kunstsammler Hans Grothe (1930–2019). Grothes Sammlung umfasste über 800 Werke von mehr als 40 deutschen Künstlern. Seit der Übernahme seiner Sammlung durch das Darmstädter Sammlerpaar Sylvia und Ulrich Ströher 2004/2005 stieg die Anzahl der Ausstellungsstücke und der vertretenen Künstler noch erheblich an. Insgesamt handelt es sich um eine der wichtigsten und umfangreichsten Sammlungen deutscher Kunst seit 1945. Zur Präsentation der ständigen Sammlung kommen immer wieder Wechselausstellungen hinzu. Seit 2008 war ein Erweiterungsbau geplant: Zunächst als ein „Schuhkarton“ auf den Silotürmen, der 2011 wegen Baumängeln scheiterte. Bei einem neuen Anlauf beauftragten die Ströhers 2014 das Architektenbüro Herzog & de Meuron erneut mit der Planung (Baubeginn war 2016): Der Erweiterungsbau wurde im September 2021 eröffnet. Seitdem sind im MKM in 42 Räumen auf gut 5.000 Quadratmetern etwas 320 Werke als Highlights aus der Sammlung Ströher in der Dauerausstellung zu sehen. Die Sammlung ist um ein mehrfaches größer: Schließlich sammelt das Darmstädter Ehepaar ja schon seit Mitte der 1980er-Jahre – und immer noch weiter. Der Fokus liegt auf Malerei, aber auch Skulptur, Installation und Fotografie sind vertreten. Die Sammlung umfasst zentrale Positionen der Kunstentwicklung in Deutschland, von der unmittelbaren Nachkriegszeit bis in die Gegenwart.

 
Das MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst als Standort der Sammlung Grothe wird seit seiner Gründung von der Stiftung für Kunst und Kultur e. V. Bonn betrieben. Die Stiftung konzipiert und organisiert die Ausstellungen und betreut die umfangreiche Sammlung, die heute dem Kunstsammler-Ehepaar Ströher aus Darmstadt gehört, im MKM. Direktor ist seit 1999 Walter Smerling.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

Veröffentlicht unter Duisburg, Kultur | Verschlagwortet mit , , | Schreib einen Kommentar

Lektüre-Tipp: Martin Wedaus „Duisburg auf den zweiten Blick“ im Klartext Verlag

Interessante Einblicke in das sonst wenig Wahrgenommene
Von Petra Grünendahl

Blick ins Buch: Duisburg auf den zweiten Blick von Martin Wedau. Foto: Petra Grünendahl.

Von der Gründung des deutschen Kaiserreichs an stellten man überall im Deutschen Reich Denkmäler für Kaiser Wilhelm I. und Reichskanzler Otto von Bismarck auf. Viele dieser Denkmäler wurden im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen. So auch die Statuen auf dem Kaiserberg oder in Ruhrort. Dennoch findet sich seit 1975 wieder ein Standbild von Kaiser Wilhelm in Duisburg: Mit der Eingemeindung von Baerl. Einen zweiten Kaiser findet man in der Rathaus-Fassade am Burgplatz, wo der Autor für seine Leser weitere Figuren, Reliefe und Intarsien enträtselt. Auch die benachbarte Salvatorkirche ist eben nicht nur eine Kirche, sondern hat viel mehr an Geschichte(n) zu erzählen. Neben den zahlreichen Brunnen entlang der Königstraße finden sich weitere Kunstwerke, die man entlang seines Weges eher unbeachtet lässt: Wie zum Beispiel mehrere Skulpturen und auch eine Blei-Intarsienarbeit (1952) von Arno Breker, dem Vorzeigebildhauer des Nazi-Regines. Von Mündelheim bis Hamborn, von Bearl und Rheinhausen bis Meiderich und Neudorf führt der Autor den Leser (fast) durch das ganze Stadtgebiet: Auf der Suche nach den Spuren, die Gesellschaft und Kultur, Häfen, Bergbau und Industrialisierung in Duisburg hinterlassen haben und welcher „Strukturwandel“ schon 1555 spürbare Folgen für Duisburg hatte.

 

Blick ins Buch: Duisburg auf den zweiten Blick von Martin Wedau. Foto: Petra Grünendahl.

Mit „Duisburg auf den zweiten Blick“ lockt Autor Martin Wedau, die Stadt auch mal abseits des Offensichtlichen zu erkunden. Dieser „besondere Stadtführer zu den verborgenen Schätzen“ – so der Untertitel – sucht das Einzigartige, welches nicht jedem (Duisburger) bekannt ist. In 27 Kapiteln (alphabetisch sortiert nach Stadttteilen) mit je vier bis acht Seiten führt er den Leser zu Orten, die selten im Fokus von Besuchern stehen oder entdeckenswerten Details an gewohnten Orten. Interessant, sehr informativ und kurzweilig geschrieben entdeckt selbst der Leser, der Duisburg zu kennen meint, neben bekannten Zielen auch immer wieder Unbekanntes, was sich zu erkunden lohnt. Oder wo es Details zu entdecken gibt, die man bislang übersehen hat. Die Beschreibung der Orte nutzt der Autor gerne, um auch Einblicke in die Geschichte der jeweiligen Location und ihren Platz in der Stadtgeschichte zu geben. Die Lektüre ist spannend und sehr lehrreich, selbst wenn man schon viel über Duisburg weiß. Wobei er eine ganz andere Geschichte erzählt, warum nicht eine Lehmbruck-Skulptur anstelle der Siegfried-Figur am Ehrenfriedhof auf dem Kaiserberg steht, als die, die man zum Beispiel vom LehmbruckMuseum kennt. Viele schöne Fotos und besonders die Detailaufnahmen verdeutlichen die Schilderungen des Autors. Adressangaben und kleine Karten erleichtern das Auffinden der Orte.

 

 
 
Der Autor und das Buch

Blick ins Buch: Duisburg auf den zweiten Blick von Martin Wedau. Foto: Petra Grünendahl.

Der Autor Martin Wedau stammt aus Duisburg: Die Stadt ist für ihn schon lange ein Viertel seiner „Heimatstadt“ Ruhrgebiet. Wie es sich für Duisburger gehört, ist er MSV-Fans. Martin Wedau beschäftigt sich in Sachbüchern und als „Kees Jaratz“ im Zebrastreifenblog mit dem MSV Duisburg, mit seiner Heimatstadt und dem Ruhrgebiet. Zusammen mit Tina Halberschmidt hat er im Klartext Verlag bereits „Duisburg für Klugscheißer“, das „Ruhrgebiet für Klugscheißer“ sowie „MSV Duisburg: Populäre Irrtümer und andere Wahrheiten“.
Zebrastreifenblog

Blick ins Buch: Duisburg auf den zweiten Blick von Martin Wedau. Foto: Petra Grünendahl.

Das 160-seitige Buch „Duisburg auf den zweiten Blick“ von Martin Wedau ist im Essener Klartext Verlag als „Der besondere Stadtführer zu den verborgenen Schätzen“ erschienen. Die Fotografien stammen überwiegend von Ralf Koss, teilweise auch von anderen Fotografen wie Hans Blossey, Steffen Schmitz (Carschten), Stefan Ziese und Bildagenturen. Das informative und faktenreiche, aber auch kurzweilige bebilderte Taschenbuch ist für 18,95 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-8375-2468-0).

 

 
Der Verlag

Blick ins Buch: Duisburg auf den zweiten Blick von Martin Wedau. Foto: Petra Grünendahl.

Der Klartext Verlag wurde 1983 gegründet, seit 2007 ist er Teil der Funke Mediengruppe. Seine Heimat liegt im Ruhrgebiet, wo auch der überwiegende Teil seiner Publikationen angesiedelt ist: Freizeitführer, Sachbücher, Kalender und Bildbände. Mit der „Von oben“-Reihe kann man Städte nicht nur im Ruhrgebiet, sondern in ganz Deutschland aus der Vogelperspektive bewundern. Und mit der Reihe „Irrtümer und Wahrheiten“ (bei ihrem Start im Verlagsprogramm hieß die Serie noch „Klugscheißer“) lernt der Leser Neues zu verschiedenen Orten, Themen und Fußballvereinen – unterhaltsam, fundiert und auch mit dem einem oder anderen Augenzwinkern.
www.klartext-verlag.de

 
Der Blick ins Buch. Fotos: Petra Grünendahl

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

Veröffentlicht unter Duisburg, Panorama | Verschlagwortet mit , , , , | Schreib einen Kommentar

Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet: Konjunkturaussichten schlecht wie lange nicht mehr

Nach Corona setzen Lieferengpässe und teure Energie der Wirtschaft weiter zu
Von Petra Grünendahl

Stellten die Konjunkturumfrage vor (v. l.): Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber und IHK-Präsident Heinz-Herbert Dustmann (beide IHK zu Dortmund). Foto: Stephan Schütze.

Die Einschätzungen und Erwartungen der Unternehmen im Ruhrgebiet zur Konjunkturentwicklung sind negativ wie seit Beginn 2009 zur letzten großen Wirtschaftskrise nicht mehr. Von Corona und Lieferengpässen schon länger gebeutelt, setzen nun der Ukraine-Krieg und steigende Energiekosten den Unternehmen weiter zu. Zudem dämpft die Inflation das Konsumklima deutlich, was – je nach Branche – auch Auswirkungen auf die Erwartungen der Unternehmer hat.

IHK Ruhrkonjunktur Herbst 2022. Foto: Screenshot.

Waren die Prognosen zu Jahresbeginn noch verhältnismäßig positiv, so haben sich die Zukunftsaussichten zuletzt sehr stark eingetrübt. Insgesamt bewerten 82 Prozent aller befragten Unternehmen im Ruhrgebiet ihre aktuelle Geschäftslage (noch) mit gut oder befriedigend. Zum Jahresbeginn waren es 84 Prozent und vor einem Jahr 87 Prozent. Von schlechten Geschäften berichten aktuell 18 Prozent. Stark eingebrochen sind vor allem die Erwartungen: Seine zukünftige Geschäftslage sieht mehr als jeder zweite Betrieb (52 Prozent) pessimistisch. Vor einem halben Jahr erwartete nur jedes sechste und vor einem Jahr jedes siebte Unternehmen eine negative weitere Entwicklung.

 

Stellten die Konjunkturumfrage vor (v. l.): Gero Brandenburg, Stefan Schreiber, Heinz-Herbert Dustmann (alle IHK zu Dortmund) und Michael Bergmann (Hauptgeschäftsführer der IHK Mittleres Ruhrgebiet, Bochum). Foto: Stephan Schütze.

Den neuen Konjunkturlagebericht der Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet stellte die in diesem Jahr federführende IHK zu Dortmund im Pressegespräch vor. Die Umfrage der Ruhr-IHKs gilt die als größte Konjunkturumfrage des Ruhrgebiets. Heinz-Herbert Dustmann, Präsident der IHK zu Dortmund, betonte: „Einen vergleichbaren Pessimismus gab es als Folge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise in unserer Umfrage zuletzt Anfang 2009, als 48 Prozent der Unternehmen negative Geschäftserwartungen kalkulierten.“ Als Hauptprobleme benannte Dustmann die enormen Preisanstiege bei den Energiekosten – als eine direkte Folge des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine – und die – nach wie vor – weltweit gestörten Lieferketten.

 

 
Pessimistische Erwartungshaltung: Konjunkturklimaindikator fällt um 38 Punkte

IHK Ruhrkonjunktur Herbst 2022. Foto: Screenshot.

Das schlechte Stimmungsbild zeigt sich auch im Konjunkturklimaindikator, dem Gradmesser für die wirtschaftliche Entwicklung. Er fiel um satte 38 auf 77 Punkte: Ein Absturz, wie es ihn seit 2003 nicht mehr gegeben hatte. Pessimistisch ist besonders der Handel, drückt doch eine Inflationsrate von zehn Prozent ganz massiv auf das Konsumklima und die Kaufkraft der Bürger. Dazu kommen steignde Energiepreise in der Kostenkalkulation der Unternehmen. Sechs von zehn Handelsbetrieben erwarten in den kommenden Monaten eine schlechtere Geschäftslage, im Einzelhandel sind es sogar 72 Prozent (beide lagen zum Jahresbeginn 2022 bei 21 Prozent). „Ein ein Szenario, das selbst den Einbruch im ersten Corona-Lockdown noch in den Schatten stellt“, so Dustmann.

IHK Ruhrkonjunktur Herbst 2022. Foto: Screenshot.

Gestiegene Energie- und Rohstoffpreise belasten auch die Industrie, dazu kommen Lieferprobleme bei Metallen. Insbesondere Industriebetriebe macht der Energiepreisanstieg Sorgen (95 Prozent), insgesamt fürchten 86 Prozent der befragten Unternehmer die steigenden Energie- und Rohstoffpreise. Die Bauindustrie belasten neben steigenden Energiekosten zunehmende Engpässe bei Stahl und Bitumen. Bei den Dienstleistern fürchten 77 Prozent (Jahresbeginn 2022: 48 Prozent) der Unternehmen steigende Energie- und Rohstoffpreise. In der Verkehrs- und Logistikbranche stellen die hohen Preise für drei Viertel (Jahresbeginn 2022: 72 Prozent) und im Gastgewerbe sogar für jeden (!) der befragten Betriebe – also 100 Prozent – (Jahresbeginn 2022: 79 Prozent) ein wirtschaftliches Risiko dar. Angesichts dieser Werte verwies IHK-Präsident Dustmann auf zahlreiche negative Entwicklungen in der Industrie, in der mittlerweile einzelne Produktionsanlagen stillgelegt würden, um Energie einzusparen. Auch Geschäftsaufgaben im Bereich Handel und Dienstleistungen wegen immenser Preissteigerungen seien mittlerweile bittere Realität.

 

 
„Wir brauchen die Industrie“: Warnung vor Wohlstandsverlust

IHK Ruhrkonjunktur Herbst 2022. Foto: Screenshot.

„Wenn diese Einzelfälle zum Trend werden, drohen unserer Gesellschaft Wohlstandsverluste in bislang unvorstellbarem Ausmaß“, warnte Dustmann, der zugleich aber auch anerkennende Worte für den Zwischenbericht der Gaspreiskommission und die neuen Pläne der Bundesregierung für eine Strompreisbremse fand. „Die Forderungen der IHK-Organisation, der Kommunen und der Wirtschaftsverbände haben für gute Ansätze gesorgt. Die Gaspreisdämpfung könnte in der akuten Krise helfen, ist aber keine Dauerlösung. Wir müssen weiter mit Tempo an der massiven Ausweitung des Energieangebots auf allen Ebenen arbeiten“, betonte er. „Die Unternehmen haben jetzt große Nöte. Stadtwerke und Energieversorger müssen Beschlüsse der Bundesreg umsetzen. Das geht nicht auf Knopfdruck und braucht schnelle finanzielle Unterstützung durch den Bund, wenn die Dezember-Abschläge fürs Gas ausbleiben“, ergänzte Stefan Schreiber, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Dortmund.

 

IHK Ruhrkonjunktur Herbst 2022. Foto: Screenshot.

Die wirtschaftliche Notlage färbt auch negativ auf die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen ab. Lediglich jedes siebte Unternehmen (Jahresbeginn 2022: 23 Prozent) beabsichtigt, mehr Personal einzustellen, während jedes fünfte (Jahresbeginn 2022: Elf Prozent) einen Abbau erwartet. Vor allem im Einzelhandel und im Gastgewerbe macht sich die Gesamtsituation bemerkbar: Mit jeweils knapp einem Drittel geben die Unternehmen im Einzelhandel (Jahresbeginn 2022: 13 Prozent) und im Gastgewerbe (Jahresbeginn: 25 Prozent) an, den Personalbestand deutlich abzubauen. Positiv werteten die Wirtschaftsvertreter die aktuellen Investitionen von thyssenkrupp in Dortmund und Bochum, wo jüngst eine neue Feuerbeschichtungsanlage in Betrieb genommen bzw. ein neuer Grundstein am Kompetenzzentrum für Elektromobilität und höherfeste Stähle gelegt wurde. „Wir brauchen die Industrie, sie ist Garant für Wohlstand“, so Dustmann.

 

 
Konjunkturumfrage der IHKs im Ruhrgebiet

Stellten die Konjunkturumfrage vor (v. l.): Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber und IHK-Präsident Heinz-Herbert Dustmann (beide IHK zu Dortmund) mit Michael Bergmann (Hauptgeschäftsführer der IHK Mittleres Ruhrgebiet, Bochum). Foto: Stephan Schütze.

Die Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet fragen zwei Mal im Jahr (zum Jahresanfang und im Herbst) bei ihren Mitgliedsunternehmen unter anderem danach, wie sie ihre gegenwärtige wirtschaftliche Lage beurteilen, ob sie von Insolvenz bedroht sind und mit welcher Geschäftsentwicklung sie in den kommenden Monaten rechnen. Bei der Umfrage Ende September bis Anfang Oktober hatten sich rund 700 Unternehmen mit insgesamt 84.000 Beschäftigten beteiligt. Auch die Unternehmen im hiesigen IHK-Bezirk haben zum Ruhrlagebericht beigetragen. Zu den Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet zählen neben der Niederrheinischen IHK Duisburg, Wesel, Kleve zu Duisburg die IHK Mittleres Ruhrgebiet Bochum, die IHK zu Dortmund, die IHK für Essen, Mülheim an der Ruhr, Oberhausen zu Essen, die Südwestfälische IHK zu Hagen und die IHK Nord Westfalen (mit dem Standort Gelsenkirchen für die Emscher-Lippe-Region).

Mehr zum 109. Konjunkturbericht der IHKs im Ruhrgebiet findet man hier: www.ihks-im-ruhrgebiet.de. Und hier ist die pdf zum Download.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Stephan Schütze / IHK zu Dortmund, Infografiken: Screenshots

 
 

Veröffentlicht unter Duisburg, Region, Wirtschaft | Verschlagwortet mit , , , , , | Schreib einen Kommentar

Ralph Siegels „’N bisschen Frieden“ feierte Weltpremiere im Theater am Marientor in Duisburg

Gib deinen Traum niemals auf
Von Petra Grünendahl

Richard Steiner (Tim Wilhelm) und Madeleine Haipt (Elisabeth) bei der Generalprobe des Musicals „N bisschen Frieden“ im Theater am Marientor. Foto: Eugen Shkolnikov / cantaloop.

Die Story beginnt 1979, als Sänger Richard „Ricky“ Steiner (Tim Wilhelm) zusammen mit seinem besten Freund und Drummer Bernd Hinrichs (Markus Mörl) mit dem Schlauchboot über die Ostsee aus der DDR fliehen will. In Zeitsprüngen erzählt das Musical die Vergangenheit, als Ricky 1967 die West-Berliner Studentin Elisabeth (Madeleine Haipt) kennen und lieben lernt und von einer gemeinsamen Zukunft träumt.

Jennifer Siemann (Nina) und Michael Thurner (Tom) bei der Generalprobe des Musicals „N bisschen Frieden“ im Theater am Marientor. Foto: Eugen Shkolnikov / cantaloop.

Wegen seiner Protestsongs kriegt der Musiker Schwierigkeiten mit dem Stasi-Mann Walter Krause (Benjamin Heil) und ein Auftrittsverbot. Elisabeth bekommt ein Einreiseverbot. Nach seinem Fluchtversuch gilt Ricky als verschollen, DDR-Medien melden gar seinen Tod. Jahrzehnte später findet Elisabeth (Sonja Farke) in einem Magazin das Foto von einem Straßenmusiker in Brighton: Rick Stone (Dan Lucas). Sie ist sicher, das ist ihr Ricky.

Dan Lucas (Rick Stone) bei der Generalprobe des Musicals „N bisschen Frieden“ im Theater am Marientor. Foto: Eugen Shkolnikov / cantaloop.

Sie reist mit ihrer Enkelin Nina (Jennifer Siemann), die Sängerin werden will, nach England, um sich Klarheit zu verschaffen, ihren Frieden zu finden. Elisabeths Tochter Jutta (Yvonne König) will eine Vermisstenanzeige aufgeben: Dadurch wird auch der nun Ex-Stasi Krause (Tom Barcal) auf Rick Stone aufmerksam und reist den beiden Frauen ebenso hinterher wie Ninas Eltern. Nina lernt in Brighton den Straßenmusiker Tom (Michael Thurner) kennen, der sich als Ziehsohn von Rick Stone herausstellt. Als Elisabeth auf Rick stößt, klären sich ihre Fragen und es gibt natürlich ein Happy End für fast alle Beteiligten: „Gib deinen Traum niemals auf“!

 

Premiere des Musicals „N bisschen Frieden“ im Theater am Marientor. Foto: Eugen Shkolnikov / cantaloop.

Mit „’N bisschen Frieden“ feierte nun das nach „Zeppelin“ zweite Musical von Ralph Siegel in Duisburg im Theater am Marientor (TaM) seine umjubelte Weltpremiere. Erstklassige Darsteller füllten ihre Rollen nicht nur musikalisch, sondern auch schauspielerisch glaubwürdig aus. Mit dem Untertitel „Rock’n’Roll Summer“ ist das Musical eine Liebesgeschichte mit vielschichtigen Charakteren, aber auch ein spannender Krimi mit Verrat und Mord.

Promis wie Jenny Elvers besuchten die Premiere des Musicals „N bisschen Frieden“ im Theater am Marientor. Foto: Eugen Shkolnikov / cantaloop.

Das wandlungsfähige Bühnenbild lässt Rückblicke in die Vergangenheit zu, während die Gegenwart mit ihren „älteren“ Figuren räumlich in den Hintergrund rückt. Dass manche (Neben-)Figuren etwas überzeichnet wirken, tut der Glaubwürdigkeit der Geschichte keinen Abbruch: Ganz im Gegenteil machen sie doch nur deutlich, wie bizarr die politischen Verhältnisse während der Teilung Deutschlands waren, als man als Westdeutscher nur mit Visum in den Osten kam und als Ostdeutscher fast gar nicht (oder bestenfalls erst als Rentner) in den Westen reisen konnte. Wer es selbst erlebt hat, wird sich erinnern. Wer nicht, bekommt hier durchaus einen Eindruck. Die Story ist originell und witzig erzählt und reizte die Zuschauer an manchen Stellen zum Lachen. Das begeisterte Publikum feierte die fantastischen Darsteller immer wieder mit Szenenapplaus und zu Recht mit einem tosenden Schlussapplaus.

 

 
 
Vom Protestsong über den Rock’n’Roll bis zum „Bisschen Frieden“

Premiere des Musicals „N bisschen Frieden“ im Theater am Marientor. Foto: Eugen Shkolnikov / cantaloop.

Der Musical-Abend dauert normal gute dreieinhalb Stunden (inklusive 15 Minuten Pause), was allerdings bei der Premiere nicht so ganz eingehalten werden konnte. Der begeisternde Cast treibt mit Tanz und Gesang die Handlung voran. Sowohl der Gesang als auch die Dialoge wechselten im Verlauf (als die Handlung nach England ging) zwischen Deutsch und Englisch.

Premiere des Musicals „N bisschen Frieden“ im Theater am Marientor. Foto: Eugen Shkolnikov / cantaloop.

Mit „Ein bisschen Frieden“, dem Grand-Prix-Erfolg von Nicole 1982, kam der einzige bekannte Song von Komponist und Produzent Ralph Siegel vor. Als Schlager-König Jahrzehnte des heutigen „Eurovision Song Contest“ nicht nur für die Wettbewerbs-Beiträge Deutschlands geprägt, sondern auch darüber hinaus als Songschreiber vielen Stars zu großen Hits verholfen.

TaM-Direktor Wolfgang DeMarco (l.) und Komponist Ralph Siegel (r.) bei der Premiere des Musicals „N bisschen Frieden“ im Theater am Marientor. Foto: Eugen Shkolnikov / cantaloop.

Zu den extra für dieses Musical entstandenen Stücken kamen frühe Kompositionen Siegels aus den 1960er-Jahren, die dem jungen Protestsänger Ricky wie auf den Leib geschnitten sind. Solche Stücke, die damals in einer ganz anderen Zeit entstanden sind, könne er heute so nicht mehr schreiben, hatte Ralph Siegel bei der Vorstellung des Musicals erzählt. Die Songs sind allesamt eingängig komponiert und Genre übergreifend, mit Texten von Bernd Meinunger, Michael Kunze und von Ronald Kruschak, der auch die Dialoge verfasst hat. Englisch-sprachige Liedtexte steuerten zudem J. O’Flynn und R.-P. James bei.

 

 
 
Impressionen vom Stück und der Premiere. Fotos: Foto: Eugen Shkolnikov / cantaloop

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 
Tickets
Eintrittskarten kosten zwischen 45,90 und 95,90 Euro*. Direkt zu den Buchungen geht es hier.
*) Preise inkl. MwSt., zzgl. 2,00 € Servicegebühr und Versandkosten pro Bestellung

 
Das Theater am Marientor

Happy End bei der Premiere des Musicals „N bisschen Frieden“ im Theater am Marientor. Foto: Eugen Shkolnikov / cantaloop.

Das Theater am Marientor (TaM) entstand 1995 nach Bauplänen des Architekten Helmut Kohl mit einem der schönsten Theatersäle Europas. Zunächst diente es der Stella AG von Januar 1996 bis November 1999 als Bühne für ihre Musicalproduktion „Les Misérables“. Als das Musical im Zuge des Insolvenzverfahrens des Betreibers im Jahr 1999 eingestellt wurde, kaufte eine Immobilientochter der Stadt Duisburg das Theatergebäude.

Happy End bei der Premiere des Musicals „N bisschen Frieden“ im Theater am Marientor. Foto: Eugen Shkolnikov / cantaloop.

Während des Neubaus der Mercatorhalle (2005–2007) sowie während der großen Brandschutzsanierung (2012–2016) diente das TaM mit seinen über 1.500 Sitzplätzen unter anderem den Duisburger Philharmonikern als Ausweichbühne. Dazwischen wurde es von unterschiedlichen Betreibern und Vermarktern für Musical- oder Comedy-Produktionen, Ballett-Gastspielen oder verschiedensten TV-Produktionen genutzt. Seit 2020 gehört es einem Duisburger Unternehmer, der hier mit der neu gegründeten TAM Theater GmbH nach einer aufwändigen Sanierung mit vielfältigen Gastspielen und Eigenproduktionen wie „’N bisschen Frieden“ an die Glanzzeiten des Hauses anknüpfen will. Mit seinem hochklassigen und vielfältigen Programm ist das TaM auf einem guten Weg dorthin!
tam.theater

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Eugen Shkolnikov / cantaloop

 
 

Veröffentlicht unter Duisburg, Kultur | Verschlagwortet mit , , , | Schreib einen Kommentar

Lektüretipp: Populäre Irrtümer und andere Wahrheiten – Schalke 04 im Klartext Verlag

Fundiertes Wissen und lesenswerte Anekdoten aus der Geschichte eines Kultvereins
Von Petra Grünendahl

Der Blick ins Buch: Schalke 04 im Klartext Verlag. Foto: Petra Grünendahl.

Als Mitte des 19. Jahrhunderts in der Ortschaft Schalke Kohle gefunden wird, entwickelt sich aus der Bauernschaft ein industriell geprägter Ort, der 1903 nach Gelsenkirchen eingemeindet wird. Wie kein anderer Ruhrgebietsverein hat der FC Schalke 04, dessen erster Vereinsvorsitzender Steiger auf der Zeche Consolidation war, seine Wurzeln im Bergbau. Die ersten Fußballer im 1904 als Westfalia Schalke gegründeten Verein waren waren Knappen (Jungbergleute) auf der Zeche Consol. Auch das Stammpublikum kam noch viele Jahrzehnte aus dem Milieu. Eine Verbindung, die der Verein bis ins 21. Jahrhundert pflegte. In seinen mittlerweile fast 120 Jahren erlebte der Verein viele Höhen und Tiefen. Ab 1926 mit dem Aufstieg in die Ruhr-Liga spielt Schalke in der damals höchsten Spielklasse, 1963 spielte man in der ersten Saison der neuen Bundesliga.

 

Der Blick ins Buch: Schalke 04 im Klartext Verlag. Foto: Petra Grünendahl.

In seinem Buch „Schalke 04“ mit dem Untertitel „Glück auf, Knappen!“ erzählt Autor Ulrich Homann in vielen kleinen Episoden die Geschichte(n) „seines“ FC Schalke 04: Seit früher Kindheit war er Stammgast im Stadion – damals noch die Glückauf-Kampfbahn auf Schalke (die heutige Arena liegt im Gelsenkirchener Stadtteil Erle). In den Jahrzehnten hat er einen immensen Schatz an Wissen über den Verein und seine Spieler angesammelt: Ein echter Klugscheißer eben, wie er selber von sich schreibt. Er entführt den Leser kreuz und quer durch die blau-weiße Geschichte mit ihren Höhen und Tiefen – und das mit großer Begeisterung für den Verein, seine Spieler und Fans. Und nachdem die blau-weißen Schalkter nach den weiß-blauen Zebras (hier das MSV-Duisburg-Buch von Martin Wedau aus der gleichen Reihe) wohl der Verein mit der größte Anhängerschaft auch in Duisburg sein dürften, wollten wir uns nicht entgehen lassen, unseren Lesern die fundierte und unterhaltsame Lektüre vorzustellen. Ein spannender Streifzug, in dem Anekdoten wie von den Dortmunder Hunden und dem Schalker Löwen, von der Tanne und vom Bauer sowie von den gloreichen Vier ebenso wenig fehlen dürfen wie klare Worte, wo der Verein daneben gegriffen hat: Bei Spielern, Trainern oder auch Vorständen. Das in dieser Reihe übliche Quiz für Experten rundet das sehr gelungene Buch ab, an dem nicht nur für Fußball-Fans Spaß haben.

 

 

Der Blick ins Buch: Schalke 04 im Klartext Verlag. Foto: Petra Grünendahl.

Der Autor lässt Schalker Legenden wie Ernst Kuzorra und Fritz Szepan oder später Reinhard „Stan“ Libuda (der in der Schalker Jugend erste Meriten sammelte) wieder lebendig werden, erklärt den berüchtigten Schalker Kreisel, aber auch der Bestechungsskandal zu Beginn der 1970er-Jahre (FC Meineid). Sieben deutsche Meistertitel (den letzten 1958) konnte Schalke 04 gewinnen. Seitdem ist der Traditionsverein zwar ohne Meisterschale, nicht jedoch ohne nationale und internationale Titel (unter anderem sieben Mal Vizemeister – inklusive Meister der Herzen –, fünf Pokalsiege, ein DFL-Supercup und ein UEFA-Cup). Dann ist da noch der nicht unumstrittene Manager Rudi Assauer, der Schalke zu einer der führenden Mannschaften in Deutschland und Stammgast in eurpäischen Wettbewerben machte. Sein Abgang ist ebenso ein Drama wie andere, die nach großen Erfolgen auf Schalke am Ende scheiterten. Ein auf und ab: Zuletzt der Abstieg in die zweite Liga 2020/21, dann der direkte Wiederaufstieg 2021/22. Ein Verein, dem die Fans (fast) immer die Treue gehalten haben und immer noch halten.

 
 
Der Autor und das Buch

Der Blick ins Buch: Schalke 04 im Klartext Verlag. Foto: Petra Grünendahl.

Ulrich Homann machte 1987 sein Hobby zum Beruf und gründete die Zeitschrift „RevierSport“, der er 30 Jahre als Chefredakteur und/oder Geschäftsführer diente. In der Zeit war er auch als Autor oder Herausgeber von Fussball-Büchern unterwegs („Als die Ente Amok lief“, „Höllenglut an Himmelfahrt“ oder „Wir Kinder der Bundesliga“). Seine Verbundenheit zu Schalke 04 begann, als er neun war: Sein erstes Bundesliga-Spiel sah er 1963 in der Glückauf-Kampfbahn auf Schalke.

Das Buch „Schalke 04“ ist in der Reihe „Populäre Irrtümer und andere Wahrheiten“ im Klartext Verlag erschienen. Das 120-seitige Taschenbuch im Klappumschlag mit vielen (auch historischen) Fotos ist für 16,95 im lokalen Buchhandel zu haben (ISBN 978-3-8375-2502-1).

 

 
Der Verlag

Der Blick ins Buch: Schalke 04 im Klartext Verlag. Foto: Petra Grünendahl.

Der Klartext Verlag wurde 1983 gegründet, seit 2007 ist er Teil der Funke Mediengruppe. Seine Heimat liegt im Ruhrgebiet, wo auch der überwiegende Teil seiner Publikationen angesiedelt ist: Freizeitführer, Sachbücher, Kalender und Bildbände. Mit der „Von oben“-Reihe kann man Städte nicht nur im Ruhrgebiet, sondern in ganz Deutschland aus der Vogelperspektive bewundern. Und mit der Reihe „Irrtümer und Wahrheiten“ (bei ihrem Start im Verlagsprogramm hieß die Serie noch „Klugscheißer“) lernt der Leser Neues zu verschiedenen Orten, Themen und Fußballvereinen – unterhaltsam, fundiert und auch mit dem einem oder anderen Augenzwinkern.
www.klartext-verlag.de

 
Der Blick ins Buch. Fotos: Petra Grünendahl

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 

Veröffentlicht unter Duisburg, Panorama, Region | Verschlagwortet mit , , , , , | Schreib einen Kommentar

Deutsche Oper am Rhein: Spannende Neuinszenierung von Richard Wagners „Der fliegende Holländer“ im Theater Duisburg

Sentas eingebildete Beziehung ermöglicht ihren Ausbruch aus der Realität
Von Petra Grünendahl

Hans-Peter König (Daland), Liliana Nolden (Senta als Kind), Susan Maclean (Mary). Dahinter: James Rutherford (Der Holländer), Statisterie der Deutschen Oper am Rhein. Foto: Hans Jörg Michel.

Zur Ouvertüre sitzt die kleine Senta und dann die Jugendliche mit ihrem Vater und ihrer Amme im Kino, wo sie den mythischen Helden im Film „Der fliegende Holländer“ (auf einer Leinwand mit den Akteuren der Oper) anhimmelt. Auch als junge Frau ist Senta (szenisch Maren Schäfer / Gesang Lena Kutzner) immernoch in die unwirkliche Figur verliebt und sie träumt davon, ihn von seinem Fluch zu erlösen. Zwar umwirbt sie der bodenständige Jäger Erik (Norbert Ernst),

Norbert Ernst (Erik), Gabriela Scherer (Senta). Dahinter: Statisterie der Deutschen Oper am Rhein. Foto: Hans Jörg Michel.

doch ihre Sehnsucht nach dem Verfluchten und die Erfüllung ihrer „Mission“, die sie aus der Provinzialität ihres Alltags reißt, bestimmen das Geschehen. Ihr Vater, der Seefahrer Daland (Hans-Peter König), und sein Steuermann (David Fischer) treffen in einem Sturm auf dem Meer das Schiff des fliegenden Holländers (Jordan Shanahan), der dazu verdammt ist, ewig die Meere zu befahren. Alle sieben Jahre darf er an Land – und nur wenn er eine Frau findet, die ihm ewige Treue hält, wird er von seinem Fluch erlöst. Daland bringt den Seemann mit nach Hause zu Senta und ihrer Amme Mary (Susan Maclean). Senta steht nun ihrer Liebe gegenüber und hofft auf die Erfüllung ihrer Mission, von der sie seit ihrer Kindheit träumt. Erik befürchtet, Senta zu verlieren. Als er sie erinnert, sie habe ihm ewige Treue geschworen, ist der Holländer sicher, dass sie auch ihm nicht die erhoffte Treue halten kann. Er erzählt ihr von seinem Fluch, aber sie hält an ihrer Mission der Erlösung fest und setzt ihm nach.

 

James Rutherford (Der Holländer), Gabriela Scherer (Senta), Dahinter: Hans-Peter König (Daland), Susan Maclean (Mary), Norbert Ernst (Erik), Chor der Deutschen Oper am Rhein. Foto: Hans Jörg Michel.

Eine viel umjubelte Premiere hatte im Theater Duisburg Richard Wagners 1843 uraufgeführte romantische Oper „Der fliegende Holländer“ gefeiert: In einer Neuinszenierung von Vasily Barkhatov steht das Werk jetzt bis November auf dem Spielplan der Deutschen Oper am Rhein. Der russische Regisseur gehört zu den Shootingstars seiner Generation, hat schon mit früheren Arbeiten auf sich aufmerksam gemacht und inszeniert mit Wagners „Holländer“ nun erstmals an der Deutschen Oper am Rhein. Er hat das Stück originell neu inszeniert und in ein modernes Setting gesteckt. Seine Interpretation verwandelt den vermeintlich „alten“ Stoff in ein aktuelles, sehr zeitgemäßes Stück. Barkhatov beweist, dass die in der Oper erzählte Geschichte etwas Zeitloses hat, was sich mühelos ins jetzt und heute übertragen lässt. Senta ist die treibende Figur von Barkhatovs Inszenierung, ihre Flucht aus einer konventionellen Realität in eine Fantasiewelt bestimmt das Geschehen. „Der fliegende Hollländer“ (1841) ist ein Frühwerk des Komponisten, bei dem er erstmals auch das Libretto schrieb. Bei ihrer Uraufführung im Königlichen Hoftheater Dresden war vierte vollendete Oper des Komponisten nur mäßig erfolgreich, so dass Wagner die Urfassung 1860 überarbeitete und musikalisch insbesondere die Ouvertüre und der Schluss veränderte. 1901 wurde die Oper erstmals bei den Bayreuther Festspielen gezeigt. Gesungen wird in deutscher Sprache, Übertitel erleichtern das Verständnis der Handlung. Die ca. 2¼-stündige Aufführung der durchkomponierten Oper (auch wenn Wagner die Oper später in drei Aufzüge aufteilte) läuft ohne Pause und ist empfohlen ab 12 Jahren.

 

 
Hervorragende Akteure glänzten auch in außergewöhnlicher Besetzung

Chor der Deutschen Oper am Rhein. Auf der Leinwand: James Rutherford (Der Holländer). Foto: Hans Jörg Michel.

Für die zweite Aufführung musste die Deutsche Oper am Rhein kurzfristig zwei Umbesetzungen wegen Krankheit vornehmen: Entsprechend galt es, schnell verfügbare Sänger zu finden, die die jeweiligen Rollen in ihrem Repertoire haben und gesanglich textfest sind. Nachdem James Rutherford ausfiel, übte Jordan Shanahan, der schon 2020 bei der Deutschen Oper am Rhein in einer früheren Inszenierung den Holländer singen sollte, die Partie für die Szenen auf der Bühne ein, während der Film natürlich in der Original-Besetzung läuft. Und erst am Morgen der Aufführung meldete sich Gabriela Scherer (Senta) krank, deren Rolle szenisch die Regieassistentin Maren Schäfer übernahm, die diesen Part aus der Einstudierung bereits kannte. Die kurzfristig verpflichtete Lena Kutzner, zu deren Repertoire die Senta gehört, stieß quasi ohne Proben direkt zur Aufführung für den Gesang dazu. Was der Hochklassigkeit der Aufführung keinen Abbruch tat. Lediglich dass die Senta auf der Bühne ihre Lippen nicht zum Gesang bewegte, sondern dieser aus dem Off kam, deutete die geänderten Umstände an. Lang anhaltender Schlussapplaus belohnte die fantastischen Akteure und eine ungewöhnliche Inszenierung, die Publikum begeistert annahm.

Gabriela Scherer (Senta), Susan Maclean (Mary), Chor der Deutschen Oper am Rhein, Statisterie. Foto: Hans Jörg Michel.

Die chorlastigen Rollen der Matrosen und der Freundinnen Sentas übernimmt der Chor der Deutschen Oper am Rhein unter der Leitung von Patrick Francis Chestnut. Die anspruchsvolle und mächtige Komposition Wagners meistern hervorragende Duisburger Philharmoniker unter der Leitung von Patrick Lange. Das flexibe Bühnenbild, welches vom Kinosaal über das Schiff im Sturm bis zum Foyer des Kinos die Handlung begleitet (ohne Pause ist ja kein Umbau möglich), hat Zinovy Margolin gestaltet. Ins rechte Licht und passendes Ambiente tauchte sie das Lightdesign Alexander Sivaev. Für die Kostüme zeichnet Olga Shaishmelashvili verantwortlich.

 

 
Ein kleiner Vorgeschmack:

 
Weitere Termine im Theater Duisburg:
So | 9. Oktober 2022 | 15:00 Uhr,
Mi | 12. Oktober 2022 | 19:30 Uhr,
So | 30. Oktober 2022 | 18:30 Uhr und
So | 13. November 2022 | 18:30 Uhr.

 
Deutsche Oper am Rhein

Gabriela Scherer (Senta). Foto: Hans Jörg Michel.

Die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg gGmbH ist eine Theatergemeinschaft der Städte Düsseldorf und Duisburg, die auf eine lange Tradition der Zusammenarbeit zwischen den beiden Großstädten zurückblicken kann. Seit ihrer Gründung 1956 zählt sie zu den bedeutendsten Opernhäusern Deutschlands. Durch ihr hochrangiges Solistenensemble, den Chor sowie die national wie international gefeierte Compagnie Ballett am Rhein hat sie sich zu einer der ersten Adressen für Musiktheater und Tanz in Europa entwickelt. Sie ist in der größten und dichtesten Kulturregion Deutschlands beheimatet. Allein die beiden Städte Düsseldorf und Duisburg zählen zusammen fast 1,1 Millionen Einwohner, aber auch die umliegenden Regionen und eine große Zahl auswärtiger Gäste profitieren vom hochkarätigen künstlerischen Angebot der Deutschen Oper am Rhein.
www.operamrhein.de

 

 

James Rutherford (Der Holländer), Gabriela Scherer (Senta). Foto: Hans Jörg Michel.

Tickets kosten zwischen 19,00 und 78,00 Euro. Eintrittskarten gibt es online ebenso wie in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in das Stück, seine Entstehung und die Aufführung gibt.

 

 
Die unvermeidlichen Corona-Regeln
Es gelten die üblichen Hygiene- und Abstandsregeln. Aktuelles gibt es hier.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Hans Jörg Michel

 

Veröffentlicht unter Duisburg, Kultur | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Lektüretipp: Freitzeit-Tipps für Feierabend-Eskapaden in Ruhrstädten im DuMont Reiseverlag

Anregungen für die kleinen Fluchten aus dem Alltag
Von Petra Grünendahl

DuMont Feierabend Eskapaden Ruhrstädte: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Öffentliche Sport-, Freizeit- oder Grünanlagen und natürlich die zahlreichen Revierparks oder die zu Radwegen umgebauten ehemaligen Bahntrassen laden zu Touren ins Freie ein: Natur und viel Grün in oder direkt an der Großstadt ist für die Metropole Ruhr typisch. Zudem locken Ziele in unterschätzten Stadtteilen, aber auch zahlreiche Orte, an denen man außer dem eigenen Horizont auch sein Wissen erweitern kann. Kunst kann man im öffentlichen Raum, an jeder Ecke oder in der Natur bewundern.

DuMont Feierabend Eskapaden Ruhrstädte: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Mit dem Bedürfnis nach Aktivität, geselliger Entspannung oder einfach nur nach Ruhe. Nicht alles ist für lau, aber das ist auch nicht der Anspruch. Von Moers und Duisburg bis Dortmund, von der Ruhr im Süden bis ins nördliche Ruhrgebiet – und ein bisschen darüber hinaus – reichen die zahlreichen Ideen. Aktivitäten, Vergnügen und Entspannung liegen manchmal so nah. Das können in Duisburg der Botanische Garten Duissern, der Altstadtpark mit dem Garten der Erinnerung, Sportpark oder Wolfsberg, das Rheinufer im Rheinpark sowie Ruhrort oder sogar Hochfeld sein. Das Besondere: Die Orte haben ein Flair, welches man nirgends sonst findet. Eine Mischung aus Landschaft und Industrie, Historie und Moderne: Pott halt! So manch ein Ort entwickelt gerade in den Abendstunden einen ganz besonderen Charme. Und der Vorteil der „After work“-Unternehmungen: Es ist nicht so voll wie am Wochenende!

 

DuMont Feierabend Eskapaden Ruhrstädte: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

In ihrem Buch „Ruhrstädte“ haben die Autorinnen Kirsten Sulimma und Claudia Kornicki Ideen und Anregungen für Ausflüge zusammen gestellt. Dass das Buch in der Reihe „52 kleine & große Feierabend-Eskapaden für jedes Wetter“ erschienen ist, zeigt die Zielrichtung der Ausflugsideen: Unternehmungen nach der Arbeit. Gegliedert ist das Buch nach Ausflugsarten, die unterschiedliche Interessen von Lesern ansprechen. Mit „Dampf ablassen“ wird aufgerufen, aktiv zu sein – jenseits von Sportverein, Fitnesskursen und Muckibude.

DuMont Feierabend Eskapaden Ruhrstädte: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

„Plaudern und genießen“ lockt zu Geselligkeit an schönen Orten und bei jedem Wetter. „Horizont erweitern“ wartet mit Inspirationen für Körper und Sinne auf – in den Abendstunden. Zum Ausbrechen in die Nachbarschaft oder in die nahe Natur lockt „Abenteuer in Sicht“: Bis Mitternacht sei man zurück, versprechen die Autorinnen. Jede einzelne der 52 Eskapaden ist umfangreich bebildert und mit nützlichen Hinweisen zur jeweiligen Strecke und Kartenmaterial ausgestattet. GPX-Daten (für die empfohlenen Strecken) sind über eine App auf dem Smartphone nutzbar. Leser können neue Lieblingsorte zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter für sich entdecken. Tipps zur Anfahrt (ÖPNV), der besten Jahreszeit, Dauer und was man als Ausrüstung dabei haben sollte, liefern die Autorinnen gleich mit. Auch jenseits des Kapitels „Plaudern und genießen“ ist der eine oder andere Gastro-Tipp mit dabei.

 

 
 
Die Autorinnen, das Buch und die Reihe

DuMont Feierabend Eskapaden Ruhrstädte: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Hinaus in die Welt und unentdeckte Orte finden: Zusammen mit ihrer Labradorhündin Lila macht sich Kirsten Sulimma immer wieder gerne auf, das Leben zu erobern. Als Kind des Ruhrgebiets kehrt sie jedoch immer wieder in den Pott zurück, denn sie liebt die Region und ihre Menschen. Als freie Journalistin arbeitete sie bereits für verschiedene Gastronomie-Magazine, Reiseführer und Agenturen. Zu ihrer erklärten Lieblingsbeschäftigung gehört dann auch das gute Essen, gerne quer durch alle Kulturen. Oder eben doch die Currywurst vom Imbiss umme Ecke – die gibt’s für die Tierfreundin ja zum Glück inzwischen auch in der veganen Variante.

Unterstützt wurde Kirsten Sulimma auf ihren Streifzügen von Claudia Kornicki. Mittendrin geboren und aufgewachsen, ist auch sie ein Ruhrpottkind durch und durch. Wo andere nur grau und hässlich sehen, war sie schon immer fasziniert von der überraschenden Schönheit ihrer Heimat. So kreativ und vielseitig wie das Ruhrgebiet ist die Autorin selbst. Die Onlineredakteurin liebt Fotografieren, Reisen und schwingt das Tanzbein, wo immer es möglich ist.

 

DuMont Feierabend Eskapaden Ruhrstädte: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Die „52 kleine & große Feierabend-Eskapaden für jedes Wetter – Ruhrgebietsstädte“ (und ein bisschen darüber hinaus) sind erschienen im DuMont Reiseverlag. Auf 232 Seiten – mit vier Seiten für jedes Ziel – findet der Leser neben vielen Informationen zahlreiche stimmungsvolle Fotografien der Autorin sowie kleine Karten (und eine große Übersichtskarte im Anhang) mit einer Verortung der Ausflugstipps. Das Taschenbuch im Format 15×21 cm mit abgerundeten Ecken ist für 16,95 Euro im lokalen Buchhandel zu bekommen (ISBN 978-3-616-02808-8).

Mit der Reihe „52 kleine & große Feierabend-Eskapaden für jedes Wetter“ richtet sich der Verlag an Leser, die nach Feierabend noch etwas erleben wollen. Die Bücher bieten abwechslungsreiche und spannende Ideen und unterschiedlichste Anregungen, die die Autoren selbst ausprobiert haben.

 
Impressionen: Der Blick ins Buch. Fotos: Petra Grünendahl

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 

 
DuMont Reiseverlag

DuMont Feierabend Eskapaden Ruhrstädte: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Der DuMont Reiseverlag aus Ostfildern (bei Stuttgart) ist spezialisiert auf Reise- und Freizeitbücher. Die „DuMont Eskapaden“ sind die neuen „Aktivguides“ des Verlages, eine Buchreihe mit Ausflugstipps für Regionen und Städte in ganz Deutschland (und ein wenig darüber hinaus). Ob für wenige Stunden, einen Tag oder ein Wochenende, ob allein, mit Freunden oder der Familie – unwiderstehliche Ausflüge ins Grüne warten: „Also ab nach draußen!“, wirbt der Verlag.
www.dumontreise.de

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

Veröffentlicht unter Duisburg, Panorama, Region | Verschlagwortet mit , , , | Schreib einen Kommentar

Duisburg Business & Innovation: Immobilienmarktbericht und Blick auf die Expo Real

Immobilienmarkt behauptet sich, Potenziale locken Investoren
Von Petra Grünendahl

„Insgesamt zeigt sich der Duisburger Immobilienmarkt resilient. Die große Attraktivität der Stadt Duisburg ist mittlerweile in der Branche sichtbar geworden. In diesen unruhigen Zeiten gibt dies Stabilität und schafft Vertrauen“, sagte Andreas Schulten, Generalbevollmächtigter des Marktanalysten bulwiengesa AG, die den Immobilienmarktbericht erstellt hat. Insbesondere Büroimmobilien sind weiter auf dem Vormarsch: Mit rund 2,2 Mio. Quadratmeter besitzt Duisburg nach Essen und Dortmund den drittgrößten Büroflächenbestand in der Metropole Ruhr. Weitere 60.000 Quadratmeter Mietflächen kommen in diesem Jahr noch dazu. Hauptgrund dafür ist der Neubau Quartier 1 am Hauptbahnhof mit der Hochschule der Polizei und öffentlichen Verwaltung NRW (HSPV NRW). Neubauflächen würden, so die Marktanalysten, weiterhin sehr gut vom Markt angenommen und erreichten bis zur Fertigstellung annähernd eine Vollvermietung. Der Leerstandsanstieg bewege sich auf niedrigem Niveau. Die erzielbare Spitzenmiete in Duisburg liege unverändert seit 2021 in der Spanne zwischen 16,50 bis 17,50 Euro/Quadratmeter für hochwertige Vermietungsflächen in sehr guten Lagen.

 

Über den Dächern von Duisburg (v. l.): .) Rasmus C. Beck (Geschäftsführer Duisburg Business & Innovation), Martin Linne (Beigeordneter der Stadt Duisburg für Stadtentwicklung, Mobilität und Sport), Bernd Wortmeyer (Geschäftsführer GEBAG), Svenja Haferkamp (Bereichsleiterin Neue Urbanität GEBAG), Andreas Schulten (Generalbevollmächtigter Bulwiengesa AG) und Peter Mohnhaupt (Geschäftsführer MSV Duisburg). Foto: DBI. Foto: DBI.

Die Wirtschaftsförderung Duisburg Business & Innovation GmbH (DBI) mit ihrem Geschäftsführer Rasmus C. Beck und Oberbürgermeister Sören Link stellten im Pressegespräch die neue (halbjährliche) Ausgabe ihres Immobilienmarktberichtes vor. Dieser bietet erstmals einen Schwerpunkt zur nachhaltigen Immobilienwirtschaft. „Wir entwickeln 120 Hektar Fläche in urbaner Lage, um die Stadt von Morgen zu bauen. Wir setzen neue qualitative Maßstäbe – auch in sehr herausfordernden Zeiten“, sagte OB Sören Link. „Wir richten über die Flächenpotenziale hinaus den Blick auch auf bereits bestehende Quartiere wie Ruhrort oder Hochfeld. Hier wollen wir im engen Schulterschluss mit unseren Partnern die grüne und klimagerechte Entwicklung unserer Quartiere für und mit den Menschen, die hier leben – und künftig leben wollen – vorantreiben. So gestalten wir in Duisburg eine neue Urbanität, die beispielhaft für die Transformationskraft unserer Region stehen soll“, erklärte Gebag-Geschäftsführer Bernd Wortmeyer. Hier geht es zum Immobilienmarktbericht.

 

 
 
Mit dem Expo-Real-Ennatz nach München

Mit Maskottchen im Gepäck nach München: Der Expo-Ennatz. Foto: DBI.

Der Halbjahresbericht erscheint traditionell im Vorfeld der Immobilienleitmesse Expo Real (4. bis 6. Oktober in München), wo Duisburg außer mit seinen besten Seiten auch mit Daten und Fakten punkten will. Das #TeamDuisburg ist dort seinen bislang größten Stand vertreten, um Duisburg und seine Immobilienprojekte als attraktiven Standort zu präsentieren. Die Wirtschaftsförderung DBI hat mit der Stadt Duisburg, der Sparkasse Duisburg, der Duisburger Hafen AG, den Wirtschaftsbetrieben Duisburg, der Aurelis Real Estate GmbH und der GEBAG Duisburger Baugesellschaft mbh sowie den Duisburger Versorgungs- und Verkehrsbetrieben (DVV), DD Planquadrat, der Volksbank Rhein Ruhr und den Fellow Capital Partners die bisher größte Delegation zur Expo Real zusammengestellt. Außerdem werden mit Unterstützung des MSV Duisburg 1000 Expo-Plüsch-Zebras auf der Messe verteilt.

 
„Wir wollen, dass Duisburg in das Beuteschema von Investoren rückt. Wir haben dafür die Flächen, die Projekte und auch die belastbaren Daten in unserem Immobilienmarktbericht. Wir gehen mit einem tollen Team und der bisher größten Standfläche auf die diesjährige Expo Real“, erklärte Rasmus C. Beck, Geschäftsführer der Duisburg Business & Innovation GmbH (DBI). Auf der Expo Real stellt das Team um Oberbürgermeister Sören Link u. a. die drei großen Zukunftsprojekte 6-Seen-Wedau, Wedau-Nord und die Duisburger Dünen vor. Aber auch neue Initiativen wie Urban Zero, womit Ruhrort als erster Stadtteil weltweit umweltneutral werden soll, stehen diesmal im Fokus. Dazu veröffentlicht die DBI gemeinsam mit der Stadt Duisburg den Halbjahres-Immobilienmarktbericht erstmals mit einer achtseitigen Sonderbeilage zum Thema nachhaltiges Bauen. So werden u. a. beispielhafte Gebäude in den Mittelpunkt gerückt wie das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV), das für seine Öko-Standards mehrfach ausgezeichnet wurde.

 

 
Logistikimmobilien: Duisburg ist begehrtester Logistikstandort
in der Metropole Ruhr

Der Flächenbestand moderner Logistikimmobilien, die nicht älter als zehn Jahre sind, liegt zum Ende des 1. Halbjahres bei knapp 654.000 Quadratmeter Nutzfläche. Duisburg weist damit den zweithöchsten Bestand an modernen Logistikimmobilien in der Metropole Ruhr auf. Das erste Halbjahr 2022 konnte bereits mit 42.000 Quadratmeter den Gesamtjahresumsatz von 2021 (39.900 Quadratmeter) übertreffen. Wie an anderen Logistikstandorten in Deutschland ist die Grundstücksverfügbarkeit für den Logistikneubau aber entscheidend für die weitere Marktexpansion. In Duisburg verzeichnet die marktübliche Spitzenrendite für Logistikimmobilien mit 4,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr (3,9 Prozent) auch seit langem erstmals wieder einen Anstieg. Die Spitzenmiete für Logistikimmobilien in Duisburg ist gegenüber dem Jahresendwert von 2021 nochmals um 0,20 Euro/Quadratmeter auf 5,90 Euro/m² gestiegen. Damit ist Duisburg der hochpreisigste Logistikstandort in der Metropole Ruhr und bestätigt gleichzeitig die Rolle als der systemrelevante Hub in Deutschlands bedeutendster Logistikregion.

 

 
Über den Duisburger Immobilienmarktbericht: Methodik und Akteure
Der Halbjahresbericht zum Duisburger Immobilienmarkt 2022 dokumentiert die Entwicklung sämtlicher Immobilientypen in Duisburg. Die Informationen und Daten zum Duisburger Immobilienmarkt wurden von lokalen Experten am runden Tisch ermittelt, den die DBI im Jahr 2021 als dauerhafte Institution ins Leben gerufen hatte. Regionale, in Duisburg engagierte Immobilienakteure sowie die Daten aus der Marktbeobachtung und der Validierung der Marktanalysten der bulwiengesa AG aus Essen haben zum Ergebnis beigetragen.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: DBI

 
 

Veröffentlicht unter Duisburg, Wirtschaft | Verschlagwortet mit , , | Schreib einen Kommentar

Lehmbruck Museum in Duisburg zeigt Gormley / Lehmbruck: Calling on the Body

Der Mensch auf sein innerliches Wesen reduziert
Von Petra Grünendahl

Antony Gormley (r.) und Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla (l.) mit Field (1984-85). Foto: Petra Grünendahl.

„Was ist der Mensch?”, fragt Antony Gormley (*1950 in London) in seinen Werken. Er idealisiert Körper nicht, sondern universalisiert den Menschen. Gormley übersetzt Momente von gelebter Zeit und subjektiver Erfahrung in Skulpturen, die in ihrer äußeren Form ihre Innerlichkeit andeuten und Empathie erzeugen. Aufgewachsen sei er mit Minimalismus und Konzeptualismus, erklärte der Künstler: Das spiegelt sich auch in seinen Werken. Seine Körper sind reduziert bis transparent gestaltet und sind Interpretationen von Form und Wesen. Seine Werkschau, die Ronja Friedrich kuratiert hat, macht sich in der Präsentation der Werke auch die Transparenz und Offenheit der Museumsarchitektur zu nutze. Besuchern werden von außen vom Kantpark – zum Beispiel an der großen Glashalle, aber auch an Seitenfenstern im Lehmbruck-Flügel Einblicke gewährt, die sie zu Museumsbesuchern werden lassen, auch wenn sie gar nicht reingehen.

 

Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla (r.) und Antony Gormley (l.). Foto: Petra Grünendahl.

Das Lehmbruck Museum zeigt die bislang größte Ausstellung des britischen Bildhauers Antony Gormley in Deutschland. Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla stellte die Ausstellung zusammen mit dem Künstler und Sponsoren vor. International bekannt ist Gormley als einer der wichtigsten und einflussreichsten Bildhauer der Gegenwart: Ein langjähriger Bewunderer der Werke Wilhelm Lehmbrucks, deren Innerlichkeit, Ausgeglichenheit, Ruhe und deren reflexiven Potenzials ihn beeinflusst haben. Angelegt ist die über das ganze Haus verteilte Ausstellung als Dialog zwischen den beiden Künstlern: Sie zeigt Schlüsselwerke der beiden Künstler, die sie mit fast einem Jahrhundert Abstand voneinander schufen. Die Werkschau zieht Parallelen zwischen Gormley und Lehmbruck, die beide den Körper als Ort der Transformation hin zu einem Zustand des reinen Seins und der stillen Kontemplation begreifen. Die Ausstellung wird gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, dem Landschaftsverband Rheinland (LVR), der Kulturstiftung der Länder, der Sparkasse Duisburg, der Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland und der Duisburger Hafen AG (duisport). Ab Freitag, 23. September, ist die Schau öffentlich zugänglich.

 

 
Die Ausstellung und der Künstler

Antony Gormley: Allotment II (1996). Foto: Petra Grünendahl.

Die ausgewählten Arbeiten spiegeln die große Bandbreite von Antony Gormleys Schaffen aus über 40 Jahren, von den bahnbrechenden frühen Bleiarbeiten zu der neueren Serie „Slabworks“, die den Körperraum in Architektur verwandelt. Zum ersten Mal seit über 10 Jahren wird „Allotment II“ (1996) der Öffentlichkeit präsentiert, eine raumgreifende Installation aus 300 lebensgroßen Betonbunkern, die nach den Körpermaßen von 300 verschiedenen Personen gefertigt wurden. Im gläsernen Atrium des Lehmbruck-Flügels schwebt mit „Drift VI“ (2010) eine durchsichtige, feine stählerne Drahtskulptur, die wie eine dreidimensionale Zeichnung im Raum erscheint. Insgesamt geben 14 Skulpturen und Installationen, 111 Modelle, 35 Zeichnungen und mehr als 260 Workbooks Antony Gormleys einen aktuellen und umfassenden Einblick in seine „Bildhauerei als physisches Denken.“

Footpath (1980/2020): Antony Gromley im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.

Der Bildhauer Antony Gormley ist Sohn einer deutschen Mutter und eines irischen Vaters. Aufgewachsen ist er in Yorkshire im Norden Englands. Zunächst studierte er Archäologie, Völkerkunde und Kunstgeschichte in Cambrigde, bevor er durch Indien und Sri Lanka reiste. Sein Kunststudium absolvierte er in den 1970er-Jahren in London. 1985 stellte er erstmals in Deutschland, 2014 das erste Mal im Lehmbruck Museum aus. Seine Arbeiten sind in Ausstellungen und als Teil von privaten und öffentlichen Sammlungen, in Museen und im öffentlichen Raum weltweit zu sehen. Seit einigen Jahren steht eines seiner Werke in der Sammlung des Lehmbruck Museums. Seine Skulpturen, Installationen und öffentlichen Kunstwerke untersuchen die Beziehung des menschlichen Körpers zum Raum. Gormley, der mit der britischen Malerin Vicken Parsons verheiratet ist, lebt und arbeitet in London.

 

 
 
Das Lehmbruck Museum

Das Lehmbruck Museum im Kantpark. Foto: Petra Grünendahl.

Das mitten in Duisburg im Kantpark gelegene Lehmbruck Museum ist ein Museum für Skulptur. Seine Sammlung moderner Plastiken von Künstlern wie Alberto Giacometti, Pablo Picasso, Hans Arp und natürlich Wilhelm Lehmbruck ist europaweit einzigartig. Beheimatet ist das Museum in einem eindrucksvollen Museumsbau inmitten eines Skulpturenparks, der zum Schlendern und Entdecken einlädt.

 
Namensgeber des Hauses ist der Bildhauer Wilhelm Lehmbruck, der 1881 in Meiderich, heute ein Stadtteil von Duisburg, geboren wurde. Lehmbruck ist einer der bedeutendsten Bildhauer der Klassischen Moderne. Er hat mit seinem Werk maßgeblichen Einfluss auf nachfolgende Künstlergenerationen und ist auch nach seinem frühen Freitod im Jahr 1919 bis heute einflussreich geblieben.

 

 
Öffnungszeiten und Eintrittspreise
Die Ausstellung „Gormley / Lehmbruck: Calling on the Body“ ist bis zum 26. Februar 2023 auf über 3.000 Quadratmetern im ganzen Haus verteilt zu sehen. Geöffnet ist das Lehmbruck Museum dienstags bis freitags ab 12 Uhr, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags an Terminen der plastikBAR (erster Donnerstag im Monat ab 17.30 Uhr) bis 20 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro (ermäßigt* 5 Euro), eine Jahreskarte 35 Euro (ermäßigt* 20 Euro). Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Blinden- und Demenzbegleitung haben kostenlos Eintritt. Schulklassen und Kindergärten zahlen pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte (2 Erwachsene plus Kinder bis 14 Jahre) gibt es für 15 Euro. Jeden ersten Freitag im Monat gilt: „Pay what you want“. Ausgenommen davon sind angemeldete Gruppen.

Reflection II (2008):Antony Gromley im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.

Zu seinen Sonderausstellungen bietet das Lehmbruck Museum verschiedene Veranstaltungen als Rahmenprogramm an. Zu den Highlights zählt hier mit Sicherheit das Künstlergespräch am Donnerstag, 24. November, um 18 Uhr, sowie die Kuratorinnenführungen am Donnerstag, 27. Oktober (18 Uhr), mit Dr. Söke Dinkla sowie am Sonntag, 22. Januar (15 Uhr), mit Ronja Friedrich. Für die Teilnahmen muss man sich anmelden, die Events kosten 2 Euro zusätzlich zum Eintritt. Am Donnerstag, 2. Februar (18 Uhr ), ist Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer zum Gespräch über das „Mensch sein” im Lehmbruck Museum zu Gast (Teilnahme nach Anmeldung: 5 Euro). Öffentliche Führungen durch das Museum gibt es jeden Sonntag um 11.30 Uhr. Für Informationen steht die Kunstvermittlung des Lehmbruck Museums unter Telefon 0203 / 283-2195 oder eMail kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de zur Verfügung (Zu Preisen und Buchungen für Führungen geht es hier). Tickets für Führungen und Veranstaltungen können vorab im Ticket-Shop des Museums gebucht werden.

Aktuelle Informationen zu Corona-Schutzmaßnahmen gibt es hier .

 
Impressionen aus der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 
(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70 Prozent), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen mit Sozialhilfebezug.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

Veröffentlicht unter Duisburg, Kultur | Verschlagwortet mit , , , | Schreib einen Kommentar

Rat der Stadt Duisburg: Michael Rüscher zum neuen Wirtschaftsdezernenten gewählt

Diskussionen um Ausbau der Wedauer Straße und Mieten für neue Kitas
Von Petra Grünendahl

Der Rat der Stadt Duisburg tagte in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

Die Wedauer Straße (L60) muss zwischen Kalkweg und Masurenallee saniert werden, ist sie doch als wichtige Verkehrsader besonders belastet und von den flach wachsenden Wurzeln der Platanen zusätzlich baulich in Mitleidenschaft gezogen. Die Grünen beantragten zu diesem Tagesordnungspunkte eine Alternativplanung mit Durchführung einer Klimarelevanzprüfung. „Wenn man die Wedauer Straße auch für Fußgänger und Radfahrer sicher ausbauen will, müssen wir auf einer Seite die Bäume fällen”, erklärte Stadtentwicklungsdezernent Martin Linne. Auf der Nordseite des Straßenabschnitts wären es bis zu 30, auf der Südseite 26, von denen ohnehin 6 gefällt werden müssten, weil sie krank seien und die Standsicherheit nicht mehr gewährleistet sei, so Linne weiter. Für eine weitere Alternativplanung gebe es keine Notwendigkeit, denn die bereits gefundene Alternative sei schon die mit der geringsten Beeinträchtigung. Den Antrag der Grünen lehnte der Stadtrat mehrheitlich ab, der Beschlussvorlage zum Ausbau stimmten sie mehrheitlich zu.

 

Der Rat der Stadt Duisburg wählte Michael Rüscher einstimming zum neuen Beigeordneten. Foto: Petra Grünendahl.

Auf seiner Sitzung in der Mercatorhalle hatte der Rat der Stadt Duisburg allein 91 Tagesordnungspunkte im öffentlichen Teil abzuhandeln. Es folgten weitere im nicht-öffentliche Teil der Sitzung. Gleich zu Beginn stand nach der Verpflichtung neuer Ratsleute die Wahl eines neuen Beigeordneten für Wirtschaft, Sicherheit und Ordnung auf der Tagesordnung. Nachdem sich die Findungskommission bereits für Michael Rüscher als neuen Dezernenten entschieden hatte, war die einstimmige Annahme der Beschlussvorlage nur noch eine Formsache. Insgesamt arbeiteten die Ratsleute die Tagesordnung zügig ab: Es gab – von einzelnen Punkten abgesehen – wenig Diskussionsbedarf. Auch weil häufig die eigentliche Diskussion schon in den Fachausschüssen und den Bezirksvertretungen stattgefunden hatte und der Rat nur noch seinen Segen dazu gab. Überwiegend einstimmig, selten nur mehrheitlich winkten die Ratsleute die Beschlüsse durch. Dazu zählten zum Beispiel zahlreiche Bebauungspläne, Schulerweiterungsbauten und weitere Beschlussvorlagen, bei denen der Rat das letzte Wort hat, weil nur er die Ausgaben der Stadt beschließen kann.

 

<