Unternehmer wollen anpacken und
gehen mit Zuversicht in die Zukunft Von Petra Grünendahl
Nikolai Baecker stellte die 11. Unternehmerkunden-Studie der Commerzbank vor. Foto: Petra Grünendahl. ______________________________________________
„Die kleinen und mittelständischen Unternehmen in der Region Duisburg blicken trotz zahlreicher Krisen in den vergangenen Jahren überwiegend optimistisch in die Zukunft“, fasste Nikolai Baecker, Regionsleiter Unternehmerkunden bei der Commerzbank in Duisburg, die Studien-Ergebnisse zusammen. „Drei Viertel erwarten in den nächsten sechs bis zwölf Monaten eine stabile oder bessere Auftragslage.“ Damit sind die für diese Studie geäußerten Erwartungen für die kommenden Monate nicht so schlecht, wie zuletzt als Stimmungsbild der Wirtschaft zu hören war. Nach einem kleinen Einbruch im November und Dezember seien nun die Auftragsbücher voll, je nach Branche auch schon auf Monate, gab Baecker Rückmeldungen seiner Kunden wieder. Die Unternehmer sähen Chancen und Risiken: Zulieferer in Krisenbranchen suchten sich beispielsweise mit Innovationen zusätzliche neue Märkte. Dass gerade hier in der Region Unternehmer optimistisch in die Zukunft gehen und anpacken wollten, sei bezeichnend für das Ruhrgebiet, meinte der Regionsleiter.
Jedes zweite Unternehmen will neue Arbeitskräfte einstellen. Infografik: Commerzbank. __________________________________________
Im Pressegespräch stellte Nikolai Baecker die Unternehmerkunden-Studie vor, die die Commerzbank alljährlich und mittlerweile zum elften Mal präsentierte. Dazu hat das Meinungsforschungsinstitut Ipsos im vergangenen Sommer und zum Jahresende bundesweit 1.600 kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) mit einem Jahresumsatz von bis 15 Mio. Euro befragt, davon 100 in der Region Duisburg. Diese seien teilweise sogar optimistischer als der Bundesschnitt, verriet Nikolai Baecker. Die Unternehmen stammen aus allen Wirtschaftszweigen und bieten damit als bunte Mischung eine ausgewogene Datengrundlage. Und: Sie sind Kunden unterschiedlichster Banken (nicht unbedingt der Commerzbank). Die Unsicherheit und Multikrisen der vergangenen Jahre habe, so der Unternehmerkunden-Berater, nicht zu einem Investitionsstau geführt. Die befragten Unternehmen hätten auch in den vergangenen vier Jahren Investitionen wie geplant umgesetzt: „Sie haben mutig die Weichen für die Zukunft gestellt“, so Baecker. Lediglich ein Fünftel der Unternehmen hatte in den letzten vier Jahren keine Investitionen geplant.
Investitionen in KI für Datenanalyse, Prozessoptimierung und Effizienzsteigerung
KI wird vor allem für administrative Tätigkeiten genutzt. Infografik: Commerzbank. __________________________________________
Investieren wollen die befragten Unternehmen in der Region Duisburg weiterhin: In Anlagen, Maschinen, Technik und IT (51 Prozent), in Prozessoptimierung und Digitalisierung (45 Prozent), in Personal und Arbeitgeberattraktivität (42 Prozent), aber auch in ihren Standort und Fuhrpark (39 Prozent) sowie ins Marketing (37 Prozent). Nachhaltigkeit (33 Prozent) sowie Forschung und Entwicklung (13 Prozent) runden das Spektrum der Investitionen ab. Dabei greifen Unternehmen zu 68 Prozent auf die eigenen Liquidität (Cashflow) sowie betriebliche Rücklagen (63 Prozent) zurück. Jeweils 29 bzw. 28 Prozent stammen aus Fördergeldern sowie aus mittel- und langfristigen Krediten und 24 Prozent der Investments werden über Leasing finanziert. „Das spricht insgesamt für eine gesunde Finanzbasis der Unternehmen in Duisburg und einen bewussten Umgang mit vorhandenen Mitteln. Auch eine Kreditaufnahme kann dabei sinnvoll sein, etwa um Liquiditätsreserven zu schonen oder diese mit günstigen Fördermitteln zu kombinieren“, so Baecker weiter.
Immer wichtiger für die zukünftige Ausrichtung wird zudem der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI). Die Mehrheit der Unternehmen steht dem Thema sehr aufgeschlossen gegenüber. Jedes vierte Unternehmen setzt KI bereits ein. Zwei von fünf Unternehmen planen zudem, sich künftig mit dem Thema zu beschäftigen. Nur knapp ein Drittel der Unternehmen – und somit weniger als bundesweit – meint, KI sei auch künftig irrelevant in ihrem Unternehmen. Dabei sind sich die befragten Unternehmen nicht nur der Vorteile, sondern auch der Risiken bewusst. Drei Viertel der Unternehmen stimmen der Aussage zu, dass KI Gefahren birgt. Dazu zählt insbesondere die Sorge vor Falschinformationen. „Es geht also vor allem darum, Vertrauen in Künstliche Intelligenz aufzubauen, Wissenslücken zu schließen und Risiken zu steuern“, betonte Baecker. Denn wie die Ergebnisse der Studie auch zeigen, ist die Mehrheit der Meinung, dass diese zukunftsweisende Technologie Prozesse optimieren und Kosten senken kann.
Genutzt wird KI von den Unternehmen vor allem für administrative Tätigkeiten (61 Prozent) wie zum Beispiel bei Anwendungen in der Buchhaltung, Bestelleingängen oder Lagerhaltung und Supply Chain. Aber auch das Erstellen von Inhalten für Kundenanschreiben oder die Website liegen weit vorn (46 Prozent). Es gehe darum, Arbeitsabläufe schneller zu machen, so Baecker. Und: Unternehmer seien auf der Suche nach dem richtigen Weg beim Einsatz von KI. „Auch bei der Commerzbank beschäftigen wir uns seit langem damit und werden hier weiter investieren. Aktuell entwickeln wir zum Beispiel neue Anwendungsbereiche bei der Datenanalyse und Dokumentation“, wusste der Regionsleiter zu berichten.
Unternehmen planen Wachstum und wünschen sich weniger Bürokratie
Bürokratieabbau als größter Stellhebel für eine positive Entwicklung. Infografik: Commerzbank. __________________________________________
Gefragt nach ihren Zielen und Visionen zeigt sich, dass die Hälfte der Unternehmen in der Region Duisburg wachsen möchte: Das gilt für den Umsatz, aber auch für die Erweiterung der Angebotspalette und die Erschließung neuer Märkte. Die größte Chance zur Verwirklichung ihrer Ziele sehen die Unternehmen dabei in der Fachkräftegewinnung, die nötig ist für weiteres Wachstum. Zugleich wünschen sie sich für eine positive wirtschaftliche Entwicklung des eigenen Betriebs weniger Regulierung und Bürokratie sowie steuerliche Entlastungen. „Die Studienergebnisse zeigen aber auch, dass sich die Unternehmen auf ihre eigenen Stärken besinnen“, so Baeckers Fazit. „Als Commerzbank unterstützen wir dies und entwickeln gemeinsam mit unseren Kunden Zukunftsperspektiven, um zu zeigen, dass man trotz der Dauerkrisen investieren und weiterwachsen kann.“
Commerzbank
Die Commerzbank ist Deutschlands führende Bank für den Mittelstand und starker Partner von rund 25.000 Firmenkundenverbünden sowie knapp 11 Millionen Privat- und Unternehmerkunden in Deutschland. In zwei Geschäftsbereichen – Privat- und Unternehmerkunden sowie Firmenkunden – bietet die Bank ein umfassendes Portfolio an Finanzdienstleistungen. Von den 400 Filialen in Deutschland finden Kunden in 220 Filialen Beratung zum Private Banking sowie 85 Filialen mit Wealth Management und Unternehmenskunden. Die gesamte Bandbreite des Angebots findet der Kunde in Duisburg in der Filiale an der Köngstraße, ein Grundangebot für Privatkunden gibt es in einer Filiale am Hamborner Altmarkt. Die Region Duisburg, die von der Königstraße aus betreut wird, reicht von Duisburg über Moers und Dinslaken bis nach Bocholt.
Die Commerzbank wickelt rund 30 Prozent des deutschen Außenhandels ab und ist im Firmenkundengeschäft international in knapp 40 Ländern vertreten. Die Bank konzentriert sich auf den deutschen Mittelstand, Großunternehmen sowie institutionelle Kunden. Im internationalen Geschäft begleitet die Commerzbank Kunden mit einem Geschäftsbezug zu Deutschland und Unternehmen aus ausgewählten Zukunftsbranchen. Im Segment Privat- und Unternehmerkunden steht die Bank mit den Marken Commerzbank und comdirect an der Seite ihrer Kunden: online und mobil, im Beratungscenter und persönlich vor Ort.
Ein wilder Ritt durch alle musikalischen Wetterlagen! Von Petra Grünendahl
Holle! von Sebastian Schwab, Kai Weßler & Suse Pfister: Maria Hilmes (Frau Holle). Foto: Daniel Senzek. ______________________________________
Frau Holle (Maria Hilmes) ist es leid, dass ihr unermüdliches Arbeiten am Wetter immer Kritik erntet: Mal ist es zu heiß, mal zu nass, mal zu kalt – auf keinen Fall genau richtig. Aber auch die Umweltverschmutzung macht ihren Job schwieriger, verstärkt diese doch manche Wetterphänomene noch einmal deutlich. Als Frau Holle nicht mehr will, übernehmen ihre Helfer Gold-Andy (Rafael Klepsch am Klavier) und Pech-Andy (Sebastian Langer an der Klarinette) gern, um schnell festzustellen, dass Wettermachen tatsächlich ein sehr mühsamer und vor allem undankbarer Job ist. Sie bringen das Klima völlig durcheinander, machen sie das Wetter doch am liebsten so, wie es ihnen gefällt. Mit ihrer Party im Sommer mit Sonne und Hitze setzen sie dann sogar den Planeten in Brand. Ernten verdorren und können nicht geerntet werden. Mit dem Frühling wollen die Beiden nun im Herbst von vorne anfangen – und bringen damit das Klima aber vollends durcheinander. Frau Holle kommt schließlich doch zurück und hat viel Mühe, mit reichlich Schnee zum Winter den Klimakreislauf halbwegs wieder in die Waage zu kriegen. Wenn nur die Menschen den Klimawandel in den Griff kriegen würden, der ihren Bemühungen immer noch mächtig schadet.
Holle! von Sebastian Schwab, Kai Weßler & Suse Pfister: Maria Hilmes (Frau Holle), Rafael Klepsch (Gold-Andy/Klavier), Sebastian Langer (Pech-Andy/Klarinette). Foto: Daniel Senzek. ______________________________________
Auf einen wilden musikalischen Ritt durch alle Wetter- und Stimmungslagen nahm die Kinderoper „Holle!“ hier drei Klassen von Grundschulkindern im Foyer des Theaters Duisburg mit. Mit der Figur der Frau Holle, die mit dem Ausschütteln von Kissen Schnee fallen lässt, enden aber auch schon die Parallelen zu dem Märchen der Gebrüder Grimm. Mit dem Frust der Frau Holle greifen die Macher des Stücks in die aktuelle Klimadebatte ein, die sie mitreißend und kindgerecht auf die Bühne bringen. Das Stück für eine Sängerin, Klarinette und Klavier hat Jörg Behr für die Junge Oper am Rhein neu inszeniert. Er erzählt die Geschichte über die berühmte Wettermacherin und ihre Schaffenskrise mit märchenhaft-poetischem Theaterzauber. Entwickelt wurde „Holle!“ ursprünglich in Gemeinschaftsarbeit mit Stuttgarter Schulklassen unter der Leitung von Komponist Sebastian Schwab, Kai Weßler und Suse Pfister für JOiN – Junge Oper im Nord. Gemeinsam widmeten sie sich in der Stückentwicklung der großen Frage, wie wir dem Klimawandel begegnen können. Herausgekommen ist ein turbulentes Vergnügen mit einem wilden Ritt durch alle musikalischen Wetterlagen. Die Bühnenausstattung stammt von Marc Weeger. Die Kinderoper „Holle!“ ist im Theater Duisburg noch vier Mal an Vormittagsterminen für KiTas und Schulklassen zu erleben und an zwei Wochenendterminen für Familien. Die Vorstellung dauert ca. 75 Minuten. Empfohlen ist das Stück ab 6 Jahren. Im Anschluss sind alle Gäste eingeladen, mit den beteiligten Künstlern ins Gespräch zu kommen. Der hierfür vorgesehene Zeitrahmen liegt bei 15 bis 20 Minuten.
Ein kleiner Vorgeschmack:
Holle! von Sebastian Schwab, Kai Weßler & Suse Pfister: Sebastian Langer (Pech-Andy/Klarinette), Rafael Klepsch (Gold-Andy/Klavier). Foto: Daniel Senzek. ______________________________________
Weitere Termine im Theater Duisburg:
Fr | 10. Januar 2025 | 11:00 Uhr,
So | 16. Januar 2025 | 11:00 Uhr,
Sa | 15. Januar 2025 | 15:00 Uhr (Familienaufführung),
Di | 21. Januar 2025 | 11:00 Uhr,
Do | 23. Januar 2025 | 11:00 Uhr und
So | 26. Januar 2025 | 15:00 Uhr (Familienaufführung).
Deutsche Oper am Rhein
Holle! von Sebastian Schwab, Kai Weßler & Suse Pfister: Maria Hilmes (Frau Holle). Foto: Daniel Senzek. ____________________________________
Die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg gGmbH ist eine Theatergemeinschaft der Städte Düsseldorf und Duisburg, die auf eine lange Tradition der Zusammenarbeit zwischen den beiden Großstädten zurückblicken kann. Seit ihrer Gründung 1956 zählt sie zu den bedeutendsten Opernhäusern Deutschlands. Durch ihr hochrangiges Solistenensemble, den Chor sowie die national wie international gefeierte Compagnie Ballett am Rhein hat sie sich zu einer der ersten Adressen für Musiktheater und Tanz in Europa entwickelt. Sie ist in der größten und dichtesten Kulturregion Deutschlands beheimatet. Allein die beiden Städte Düsseldorf und Duisburg zählen zusammen fast 1,1 Millionen Einwohner, aber auch die umliegenden Regionen und eine große Zahl auswärtiger Gäste profitieren vom hochkarätigen künstlerischen Angebot der Deutschen Oper am Rhein. www.operamrhein.de
Holle! von Sebastian Schwab, Kai Weßler & Suse Pfister: Maria Hilmes (Frau Holle), Sebastian Langer (Pech-Andy/Klarinette). Foto: Daniel Senzek. _____________________________________
Karten kosten 10 Euro, für Kinder 5 Euro. Bei Schulaufführungen (in der Woche um 11 Uhr) gibt es für Schulklassen mit 4,00 Euro pro Person Sonderkonditionen. Für die Gruppenbuchung wendet man sich bitte an gruppen@theater-duisburg.de. Eintrittskarten gibt es online ebenso wie in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen wie zum Beispiel zur Familienkarte* findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.
Eine starke Wirtschaft, Wohlstand
und Demokratie gehören zusammen Von Petra Grünendahl
Werner Schaurte-Küppers beim IHK-Neujahrsempfang in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl. ________________________________________________
„Vor uns liegen große Herausforderungen, gehen wir doch mittlerweile in des dritte Jahr der Rezession“, erklärte Werner Schaurte-Küppers, Präsident der Niederrheinischen IHK. „Diesen Zustand haben wir in der Nachkriegszeit noch nie erlebt: Das muss uns aufwecken“, mahnte er. Die Weltlage werde für Deutschland und Europa bedrohlicher: Der Krieg in der Ukraine geht bald ins vierte Jahr. Die Rivalitäten zwischen Amerika und China und der erneute Amtsantritt Donald Trumps verschiebe Handelsbeziehungen weltweit. Klimawandel, demographischer Wandel und KI seien weitere Fragen, die Lösungen suchten. Das verunsichere viele Menschen, die dann die Parteien am linken und rechten Rad wählten, die einfache Lösungen versprechen: „Auf eine komplizierte Lage gibt es keine einfachen Antworten“, so der IHK-Präsident weiter. Es stelle sich die Frage, wie unsere Demokratie mit den Herausforderungen der Welt zurecht komme, sich behaupte und sich mit ihren Werten durchsetzen könne.
Werner Schaurte-Küppers beim IHK-Neujahrsempfang in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl. ________________________________________________
Denn nur diese Demokratie mit Freiheit und Selbstentfaltung, Vielfalt und Offenheit sichere eine langfristig erfolgreiche Wirtschaftsordnung. Aber ein „weiter so“ dürfe es nach der Bundestagswahl nicht geben: „Wir brauchen Veränderung und einen Kurswechsel, aber der Leidensdruck ist noch nicht hoch genug. Die Warnsignale werden aber lauter“, verwies der IHK-Präsident auf den Abbau Tausender Stellen bei großen Unternehmen wie thyssenkrupp, Ford oder Evonik, die Verlagerungen von Produktionen ins Ausland: Vor dieser De-Industrialisierung und der schleichenden Abwanderung hochwertiger Arbeitsplätze dürfe man nicht die Augen verschließen. Der Aderlass in der Industrie treffe auch Handel, Gastronomie und Dienstleister. Die Baustellen der Wirtschaft – Energie, Steuern, Genehmigungen (Bürokratie), Infrastruktur, Transformation und Fachkräfte – müssten im nächsten Koalitionsvertrag Priorität haben und einen Kurswechsel markieren, mahnte Schaurte-Küppers.
Bärbel Bas beim IHK-Neujahrsempfang in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl. ________________________________________________
Zu ihrem traditionellen Neujahrsempfang hatte die Niederrheinsche IHK Duisburg – Wesel – Kleve in die Mercatorhalle eingeladen. Vor rund 800 geladenen Gästen aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und von gesellschaftlichen Organisationen sprachen Werner Schaurte-Küppers und Bärbel Bas. Die Duisburger SPD-Bundestagsabgeordnete ist seit Oktober 2021 Präsidentin des Deutschen Bundestages und damit in überparteilicher Funktion zweithöchster Repräsentant der Bundesrepublik. „Demokratie ist der Garant für wirtschaftlichen Erfolg und für unseren Wohlstand“, erklärte die Bundestagspräsidentin, und: „Das ist nicht selbstverständlich, denn die Wirtschaft braucht Verlässlichkeit.“ Sie betonte aber auch, dass der wirtschaftliche Erfolg den sozialen Frieden brauche: „Den Menschen in einer Demokratie geht es besser.“ Aber: „Wer sich abgehängt fühlt, zweifelt an der Demokratie.“
Bärbel Bas beim IHK-Neujahrsempfang in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl. ________________________________________________
Unter den Herausforderungen ächzten nicht nur Wirtschaft und Unternehmen, sondern auch die Menschen: Das habe auch Folgen für die letzten Wahlen gehabt. „Wir müssen Deutschland als attraktiven Wirtschafts- und Arbeitsstandort erhalten. Die Grundlagen bilden Innovationen, Planungssicherheit und soziale Gerechtigkeit. Der Staat muss Unternehmen und Arbeitsplätze unterstützen“, so Bas. „Seit dem Arbeitskampf bei Krupp 1987 hat die Wirtschaft nicht mehr so gebrannt wie heute: Wenn wir jetzt den Stahlstandort Deutschland gefährden, werden wir nicht wie Phönix aus der Asche wieder auferstehen, sondern uns abhängig machen von Ländern, die nicht unsere Werte teilen“, mahnte sie. „Wir brauchen eine Industriepolitik für die Zukunft und müssen den Bürgern Sicherheit geben. Aber es gibt nicht die eine Lösung, sondern wir müssen ständig nachbessern. Dafür sind Kompromisse nötig – und das ist nur in einer Demokratie möglich.“ Und: „Geht es der Wirtschaft insgesamt in einer Autokratie besser? Wohl eher nicht, da sie nicht die Freiheit hat, sich selbstbestimmt zu entwickeln.“ Nach dem offiziellen Teil der Veranstaltung hatten die Gäste bei einem Imbiss reichlich Gelegenheit zum Netzwerken.
Niederrheinische IHK
Die Niederrheinische Industrie- und Handelskammer Duisburg – Wesel – Kleve zu Duisburg vertritt das Gesamtinteresse von rund 70.000 Mitgliedsunternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen in Duisburg und den Kreisen Wesel und Kleve. Sie versteht sich als zukunftsorientierter Dienstleister und engagiert sich als Wirtschaftsförderer und Motor im Strukturwandel. www.ihk.de/niederrhein
Heimat als Identitätsstifter der Region
und Teil eines „Wir”-Gefühls Von Petra Grünendahl
Heimat im Wandel im Klartext Verlag: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl. _______________________________________________
Im Ruhrgebiet ließen und lassen sich bis heute Entwicklungen beobachten und studieren, lange bevor sie woanders auftreten: Zum Beispiel der Strukturwandel von der Landwirtschaft zur Industrie und schließlich zur post-industriellen Kultur- und Wissenschaftsökonomie. Oder die Zuwanderung von Menschen, deren Integration auch immer bedeutete, dass sie hier eine neue Heimat fanden. Eine Herausforderung, sagen die Autoren. Die regionale Gesellschaft befand und befindet sich stetig im Wandel: Heimat ist hier Gemeinschaft und zugleich regionale Identität. Und die gestalten die Bürger. Und die Autoren machen deutlich: Man kann mehr als eine Heimat haben – eine alte vergangene und eine neue gegenwärtige Heimat. Heimat lebe aber von aktiver Gestaltungsarbeit, hebt Prof. Dr. Rolf G. Heinze, Sozialwissenschaftler an der Ruhr-Universität Bochum (RUB), die Identität stiftende Funktion des Heimatbegriffs hervor. „Heimat ist Gemeinschaft mit Menschen, mit denen man Werte teilt“, sagt Herausgeber Bodo Homobach. Wobei Heimat besonders im Ruhrgebiet mehr als individueller Freiraum statt als Konformitätsdruck verstanden wird.
Heimat im Wandel im Klartext Verlag: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl. _______________________________________________
Im Buch „Heimat im Wandel“ mit dem Untertitel „Das WIR im Revier“ erkunden eine Vielzahl von Autoren den Weg des Ruhrgebiets durch seine diversen Strukturwandel: In vier Kapiteln zu vier bis sechs Aufsätzen gehen 21 Autoren unterschiedlichster Herkunft auf eine interdisziplinäre Suche nach einer gemeinsamen Identität, die sich im Begriff „Heimat“ widerspiegelt. Das ehemals ländliche Ruhrgebiet ist durch Zuwanderung zur Metropolregion geworden, in der Städte nahtlos ineinander übergehen: Die Zuwanderer stammten zunächst aus anderen Teilen Deutschlands, aus Österreich oder Schlesien (heute Polen), später aus Südeuropa (Gastarbeiter) und schließlich aus der ganzen Welt. Nachfahren früherer Zuwanderergenerationen sind längst beheimatet. Heimat bedeutet auch Integration: Dass Zugewanderte Werte der Einheimischen als kulturelle Errungenschaften aufnehmen und ihrerseits wertvolle kulturelle Elemente beisteuern. Die Autoren warnen vor dem Missbrauch von „Heimat“ als ideologischem Bollwerk gegen das Fremde, das Städtische, das Weltoffene und Andersartige. Politisch motiviert seien hingegen die einfachen Lösungen rechter Parteien, die in einem vermeintlich vergangenen Idyll (welches nie Realität war) „Heimat“ propagieren, sind sich die Autoren einig. Das macht eine Auseinandersetzung mit dem Begriff „Heimat“ in seinen vielfältigen Schattierungen so wichtig.
Heimat im Wandel im Klartext Verlag: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl. _______________________________________________
„Die Erforschung von Heimat setzt umfassenden interdisziplinären Ansatz voraus. Im Kontext der Diskurse um Zuwanderung und Zugehörigkeit könnte eine aufgeklärte Heimatforschung einen wichtigen Beitrag leisten“, erklärt Rolf G. Heinze. Die Bedeutung für die Vermittlung von Heimat als regionaler Identität hob Dr. Tobias Korenke, Leiter der Unternehmenskommunikation der Funke Mediengruppe, hervor: „Lokale und regionale journalistische Medien verlieren zunehmend an Bedeutung vor allem für Jüngere, die sich in erster Linie in den sozialen Medien ‚informieren’“ – und sich damit vielfach von ihrer regionalen Identität abkoppeln. Das „WIR im Revier“ zeigt die Heimat im Wandel als regionale und als persönliche Identität: Gänzlich abgekoppelt von jeglichem Nationalismus und von verkitschter Romantik. „Heimat hat eine politische Dimension, wenn sie instrumentalisiert wird: Inklusion durch Exklusion“, so Korenke. Das heißt dann: Wir gegen die anderen. Aber: „Heimat ist ein Gefühl, das den Menschen gehört, nicht der Politik.“ – „Heimat muss uns gehören. Politik darf sie nicht enteignen und für ihre Zwecke missbrauchen“, bringt es Bodo Hombach auf den Punkt. Das Buch erhebt nicht den Anspruch einer allgemeingültigen Antwort, sondern setzt wertvolle Impulse, sich mit der Frage nach Heimat und ihrer Bedeutung für den Einzelnen und für die Gesellschaft, in der wir leben, auseinander zu setzen.
Der Herausgeber, die Autoren und das Buch
Heimat im Wandel im Klartext Verlag: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl. _______________________________________________
Herausgeber Prof. Bodo Hombach ist Vorsitzender des Vorstandes der Brost-Stiftung, Präsident der Brost-Akademie und Ehrenpräsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik (BAPP). Hombach lehrt als Honorarprofessor an der Universität Bonn. Zuvor war er unter anderem als Chef des Bundeskanzleramtes sowie als Sonderkoordinator des Stabilitätspaktes für Südosteuropa in Brüssel tätig. Von 2002 bis 2012 war er Geschäftsführer der WAZ-Mediengruppe in Essen.
Heimat im Wandel im Klartext Verlag: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl. _______________________________________________
Die Autoren sind Wissenschaftler in unterschiedlichsten Fachgebieten (u. a. Historiker, Politikwissenschaftler, Psychologen, Soziologen), Journalisten oder Schriftsteller. Ihre Beiträge sind teilweise wissenschaftliche Fachaufsätze, die sich gut lesbar mit der Geschichte und Gesellschaft im Ruhrgebiet befassen. Andere Beiträge sind geprägt von den persönlichen Geschichten und Entwicklungen der Autoren. Sie alle vereint ihre individuelle Auseinandersetzung mit dem Thema Heimat, die sie mitunter sehr persönlich für sich verorten.
Das Buch „Heimat im Wandel“ wurde als Buchprojekt der Brost-Akagemie herausgegeben von Bodo Hombach und ist im Essener Klartext Verlag erschienen. Das 320-seitige Taschenbuch mit zahlreichen Infografiken ist für 19,95 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-8375-2668-4).
Brost Stifung und Brost-Akademie „Ideen mit Wirkung für das Ruhrgebiet und weit über die Grenzen hinaus. Das ist unser Anspruch.“ Brost Stiftung
Heimat im Wandel im Klartext Verlag: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl. _______________________________________________
Die Brost Stiftung ist eine gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Essen. Sie fördert und entwickelt wissensbasierte, konzeptionsstarke, mutige, zukunftsweisende Projekte, die möglichst durch Kooperation das Miteinander und die anpackende Selbsthilfe im Ruhrgebiet stützen. Die Brost Stiftung wurde am 1. Juni 2011 gegründet. Die Stifterin war Anneliese Brost (1920–2010), Verlegerin und Gesellschafterin der WAZ-Mediengruppe (heute: Funke Mediengruppe), die die Gründung testamentarisch verfügt hatte. broststiftung.ruhr
Die Brost-Akademie gGmbH ist ein 100-prozentige Tochter der Brost Stiftung, das sich als Impulsgeber für das Ruhrgebiet und darüber hinaus versteht. Dazu bringt sie in Projekten, Veranstaltungen und Publikationen Menschen zusammen, die „mit innovativen Ideen und kreativen Lösungen neue Akzente setzen und Strahlkraft über die Region hinaus entwickeln.“ brost-akademie.ruhr
Der Verlag
Heimat im Wandel im Klartext Verlag: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl. _______________________________________________
Der Klartext Verlag wurde 1983 gegründet, seit 2007 ist er Teil der Funke Mediengruppe. Seine Heimat liegt im Ruhrgebiet, wo auch der überwiegende Teil seiner Publikationen angesiedelt ist: Freizeitführer, Sachbücher, Kalender und Bildbände. Mit der „Von oben“-Reihe kann man Städte nicht nur im Ruhrgebiet, sondern in ganz Deutschland aus der Vogelperspektive bewundern. Und mit der Reihe „Irrtümer und Wahrheiten“ (bei ihrem Start im Verlagsprogramm hieß die Serie noch „Klugscheißer“) lernt der Leser Neues zu verschiedenen Orten, Themen und Fußballvereinen – unterhaltsam, fundiert und auch mit dem einem oder anderen Augenzwinkern. www.klartext-verlag.de
In den Räumen einer Schule probt eine Operntruppe die tragische Antiken-Oper „Romulus und Ersilia“. Die Primadonna Daria (Slávka Zámečníková) will in ihrer Rolle als Ersilia vor allem eins: Im Vordergrund stehen. Dahinter verblasst dann nicht nur Mezzosopran Dorothea (Maria Polańska) als Romulus, sondern auch Luigia (Heidi Elisabeth Meier), deren schräge Helikoptermutter Mamma Agata (Bariton Scott Hendricks) in die Proben platzt, um ihrer Tochter mehr Beachtung zu verschaffen.
Als schließlich die „Hosenrolle“ (Romulus) und der Tenor (Andrés Sulbarán als Kolumbianer Jesus in der Rolle des Hostilio) beleidigt abreisen, springen kurzerhand und sehr hilfsbereit die völlig unmusikalischen Charaktere Mamma Agata und Procolo (Beniamin Pop), der Ehemann der Primadonna, ein. Notgedrungen und mangels Alternativen stimmen Komponist Maestro Andreas (Torben Jürgens), Dichter Heinrich (Valentin Ruckebier) und Regisseur Bertolt (Günes Gürle) zu. Die öffentliche Probe im zweiten Akt entwickelt sich zur Katastrophe: Die Bühne ist nicht fertig, die Akteure Fehlbesetzungen. Lediglich die Primadonna brilliert. Zum Finale, der Opferung des Romulus, die Jupiter unterbricht, platzt der Intendant (Thorsten Grümbel) in die Probe, um sie abzubrechen: Gelder seien gestrichen, alle Produktionen abgesetzt – und das Ensemble und der Pianist (Norbert Kaulhausen) bleiben ohne Job und Gage zurück.
Gaetano Donizettis (1797–1848) Opera buffa „Prima la Mamma!” trägt den Untertitel „Sitten und Unsitten am Theater“, ist also eine Oper in der Oper. Die Urfassung („Viva la Mamma!“) ist ein Einakter, der 1827 in Neapel uraufgeführt wurde. Später überarbeitete und erweiterte Donizetti die komische Oper um einen zweiten Akt und brachte sie 1831 in Mailand auf die Bühne.
Das Libretto stammt vom Komponisten und basiert auf den beiden gleichnamigen Einaktern „Le convenienze teatrali“ (Sitten) und „Le inconvenienze teatrali“ (Unsitten) von Antonio Simone Sografi. Gaetano Donizettis schon sehr satirisch konzipierte Oper, in der die Mamma mit einem Bariton (!) und Romulus mit einem Mezzosopran (!) besetzt wird, ist eine Parodie der Sitten und Unsitten am Theater mit allen Klischees und exzentrischen Anwandlungen der Künstler. Sie wurde von Regisseur David Kramer für die Inszenierung an der Deutschen Oper am Rhein noch einen Tick extremer komödiantisch, sehr schrill und knallbunt in Szene gesetzt, was bei Publikum gut ankam, wie immer wieder Lacher und viel Szenenapplaus bewiesen. Die Oper ist mit Musikstücken (der Ouvertüre aus „Alahor in Granata“ und zusätzlichen Arien aus „Le convenienze ed inconvenienze teatrali“ (Fassung Vito Frazzi), „Anna Bolena“, „Lucrezia Borgia“ und „Pia de‘ Tolomei“) ergänzt sowie zusätzlichen Texten in deutscher Text von Stefan A. Troßbach versehen. Die komische Oper in zwei Akten wird gesungen in deutscher und italienischer Sprache. Deutsche Übertitel erleichtern das Verständnis der Handlung. Der Opernabend dauert fast zweieinhalb Stunden (inklusive eine Pause) und ist empfohlen ab 14 Jahren.
Brillante Akteure treiben den Klamauk auf die Spitze
Mit häufigem Szenenapplaus, Lacher bei besonders ausgefallenen Szenen sowie einem lang anhaltenden Schlussapplaus belohnte das begeisterte Publikum Sänger und Akteure für eine sehr gelungene Aufführung. Brillante Sänger verkörperten liebevoll entwickelte Charaktere, die sie gesangs- und ausdrucksstark auf die Bühne brachten. Die Soprane Slávka Zámečníková (als Primadonna) und Heidi Elisabeth Meier (als Luigia) überzeugten in ihren umfassenden Gesangspartien mit ihrer Stimmgewalt und Klangfarben. Und der Bariton Scott Hendricks ließ über gesangliche und schauspielerische Qualitäten hinaus auch sein komödiantisches Talent aufblitzen. Donizettis Oper zeichnen viele Belcanto-Passagen (schöner Gesang) aus in Kombination mit dem in der „Opera buffa“ gerne verwendeten Parlando, ein dem Sprechgesang ähnliches, schnelles Singen mit gut artikulierter Aussprache, die das Textverständnis erleichtert. Vokale Unterstützung bekamen die Sänger vom ausgezeichneten Chor der Deutschen Oper am Rhein unter der Chorleitung von Patrick Francis Chestnut. Instrumental begleiteten die Duisburger Philharmoniker unter der musikalischen Leitung von Benjamin Reiners die variantenreiche Komposition.
Mit Hilfe einer Drehbühne im ersten Akt ließ Bühnenbildner Justin Nardella die Handlung bei den Proben durch unterschiedliche knallbunt gestaltete Räume in der Schule ziehen. Im zweiten Akt rückte er den Raum hinter der Bühne und die Bühne des Theaters in den Fokus der Handlung. Ins rechte Licht setzte Friedrich Rom die wechselnden Szenarien. Für die ausgefallenen, knallig bunten Kostüme und ausdrucksstarken Bodysuits zeichnet Shalva Nikvashvili verantwortlich.
Ein kleiner Vorgeschmack:
Weitere Termine im Theater Duisburg:
Sa | 30. November 2024 | 19:30 Uhr,
So | 8. Dezember 2024 | 15:00 Uhr,
Sa | 21. Dezember 2024 | 19:30 Uhr,
Sa | 31. Dezember 2024 | 19:00 Uhr und
So | 12. Januar 2025 | 15:00 Uhr.
Die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg gGmbH ist eine Theatergemeinschaft der Städte Düsseldorf und Duisburg, die auf eine lange Tradition der Zusammenarbeit zwischen den beiden Großstädten zurückblicken kann. Seit ihrer Gründung 1956 zählt sie zu den bedeutendsten Opernhäusern Deutschlands. Durch ihr hochrangiges Solistenensemble, den Chor sowie die national wie international gefeierte Compagnie Ballett am Rhein hat sie sich zu einer der ersten Adressen für Musiktheater und Tanz in Europa entwickelt. Sie ist in der größten und dichtesten Kulturregion Deutschlands beheimatet. Allein die beiden Städte Düsseldorf und Duisburg zählen zusammen fast 1,1 Millionen Einwohner, aber auch die umliegenden Regionen und eine große Zahl auswärtiger Gäste profitieren vom hochkarätigen künstlerischen Angebot der Deutschen Oper am Rhein. www.operamrhein.de
Tickets kosten zwischen 19,00 und 78,00 Euro. Silvester liegen die Ticketpreise zwischen 37,00 und 92,00 Euro: Im Eintrittspreis ist jeweils ein Begrüßungsgetränk enthalten. Eintrittskarten gibt es online ebenso wie in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen wie zum Beispiel zur Familienkarte* findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in das Stück, seine Entstehung und die Aufführung gibt.
*) Mit der Familienkarte kostet der Eintritt 10 Euro für jedes eingetragene Familienmitglied.
Schutz der Handelswege und Handelsnormen boten Verlässlichkeit Von Petra Grünendahl
Die Hanse von Veit Veltzke im Klartext Verlag. Impressionen. Foto: Petra Grünendahl.. _______________________________________
Lübeck war dank seiner verkehrsgünstigen Lage schon früh zentrale Handelsdrehscheibe zwischen Ost- und Nordsee. Hamburg verdankte seinen Aufstieg erst später seiner Stellung als Nordsee-Vorhafen Lübecks. Entgegen gängiger Vorstellungen war die Hanse (12. bis 17. Jahrhundert, mit einer Blütezeit im 13./14. Jahrhundert) aber keine „norddeutsche” Angelegenheit. Vor allem in den Anfängen spielte Köln eine große Rolle. Auch wenn man heute bei „Hansestädten“ an Hamburg, Bremen, Lübeck oder Rostock denkt, so verband das Bündnis die Handelsstädte West-, Nord- und Osteuropas. Und das sogar bis zu Handelsplätzen im Hinterland und an der Rheinschiene – wie hier in der Region Emmerich, Wesel und Duisburg – und über den Hellweg nach Westfalen und in den Harz. Mit der Ausbreitung der Hanse verbreiteten sich Marktorte mit stadtähnlichen Strukturen, aber auch die „Stadt“ nach deutschem Vorbild als Träger von Rechten (Stadtrecht). Die Hanse-Bündnisse dienten dem Schutz von Handelswegen, gaben sich ihre Ordnungen selber und forderten damit die Macht monarchistischer Herrscher heraus. Die genossenschaftlich ausgerichtete Hanse bot neben Erleichterungen bei Zöllen und Steuern die Vorteile eines Systems von Wareninspektion, eingeführten Markenartikeln und Verpackungsnormen, das europaweit einzigartig und gegenüber Handelspartnern und Kunden verlässlich war. Hansekontore (z. B. in Brügge/Belgien) umrahmten den Wirtschaftsraum und verbanden ihn mit weiter entfernten Handelszonen weltweit. Die Farben der Hanse (weiß und rot) finden sich heute noch in den Stadtwappen vieler Hansestädte.
Die Hanse von Veit Veltzke im Klartext Verlag. Impressionen. Foto: Petra Grünendahl.. _______________________________________
In seinem Buch „Die Hanse“ erzählt Autor Veit Veltzke sehr unterhaltsam viele interessante Fakten über den mittelalterlichen Handelbund und räumt mit populären Irrtümern auf. Entsprechend ist das Buch in der Reihe „Populäre Irrtümer und Wahrheiten“ im Klartext Verlag erschienen. Die Hanse sei über ein knappes halbes Jahrtausend ein Erfolgsmodell gewesen: Sie bestimmte den Handel in Europa ohne leitendes Personal, ohne feststehende Geldquellen, ohne ein Heer oder eine Flotte und Jahrhunderte lang noch nicht einmal mit einer offiziellen Mitgliederliste. Unterschiedlichste Aspekte dieser Erfolgsgeschichte hat Veltzke in spannenden Häppchen in über 40 informativen Kapiteln von zwei bis vier Seiten aufbereitet. Die historischen Erzählungen ergänzen tiefer gehende Ausführungen unter „Aha“ und die Richtigstellung populärer Irrtümer, eine Überblickskarte über die Städte der Hanse, ihre Kontore und Niederlassungen in Europa sowie eine Chronik mit den wichtigsten Jahreszahlen (Zeitreise).Abschließen kann man die Lektüre – wie üblich in dieser Buchreihe – mit dem Quiz für Hanse-Experten.
Der Autor und das Buch
Die Hanse von Veit Veltzke im Klartext Verlag. Impressionen. Foto: Petra Grünendahl.. _______________________________________
Veit Veltzke ist promovierter Historiker, Germanist und ehemaliger Museumsleiter. Lange Jahre führte er das Preußen-Museum Nordrhein-Westfalen in Minden und Wesel sowie das LVR Niederrheinmuseum in Wesel. Schon hier widmete er sich der Darstellung der faszinierenden Welt der Hanse und der Zusammenarbeit mit niederländischen Hansestädten. Er ist Autor und Herausgeber zahlreicher Bücher zur deutschen Geschichte und Kulturgeschichte. Von ihm hatte wir bereits das Buch „Preußen – Macht und Musen“ in der Reihe „Populäre Irrtümer und andere Wahrheiten“ vorgestellt.
Das Buch „Die Hanse“ von Veit Veltzke ist im Essener Klartext Verlag erschienen. Das 120-seitige informativ bebilderte Taschenbuch aus der Reihe „Populäre Irrtümer und andere Wahrheiten“ ist für 16,95 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-8375-2630-1).
Der Verlag
Die Hanse von Veit Veltzke im Klartext Verlag. Impressionen. Foto: Petra Grünendahl.. _______________________________________
Der Klartext Verlag wurde 1983 gegründet, seit 2007 ist er Teil der Funke Mediengruppe. Seine Heimat liegt im Ruhrgebiet, wo auch der überwiegende Teil seiner Publikationen angesiedelt ist: Freizeitführer, Sachbücher, Kalender und Bildbände. Mit der „Von oben“-Reihe kann man Städte nicht nur im Ruhrgebiet, sondern in ganz Deutschland aus der Vogelperspektive bewundern. Und mit der Reihe „Irrtümer und Wahrheiten“ (bei ihrem Start im Verlagsprogramm hieß die Serie noch „Klugscheißer“) lernt der Leser Neues zu verschiedenen Orten, Themen und Fußballvereinen – unterhaltsam, fundiert und auch mit dem einem oder anderen Augenzwinkern. www.klartext-verlag.de
Kunsterlebnisse zum Mitnehmen Von Petra Grünendahl
Petra Müller beim Kunstmarkt 24 in der cubus kunsthalle. Foto: Petra Grünendahl. _______________________________________
Das reizvolle an den Bildern sind die farblichen Variationen des jeweils mehrfach aufgebrachten Fotomotivs. Die Fotografin Petra Müller, die sonst eher für künstlerische Portraitaufnahmen bekannt ist, stellt hier neben Fotos von MSV-Spielern auch ihre graphischen Arbeiten aus Fotografien aus. Mauga Houba-Hausherr hat ihre Frauenfiguren (aus der Ausstellung „Frauen zeigen Gesicht“) erweitert: „Frauen erobern den Raum“ als Tuschezeichnungen, weilweise mit Acrylfarbe koloriert.
Mauga Houba-Hausherr beim Kunstmarkt 24 in der cubus kunsthalle. Foto: Petra Grünendahl. _______________________________________
Im Obergeschoss zeigt Cornelia Schweinoch-Kröning ihre Bilder: Hochdrucke aus Linolschnitt oder häufiger Vinylschnitt (ist weicher und besser zu bearbeiten) auf Frottage sowie Monotypien auf Gelatineplatten (Einzelstücke). Materialien für seine Skulpturen hole er sich auf Trödelmärkten oder auch schon mal vom Schrottplatz, erzählte Arno Bortz. Angetrieben über Scheibenwischermotoren und Wischerbügel bewegt sich seine Figur, um u. a. mit einer Kindergeige und dem Becken eines Schlagzeugs Musik zu machen. Der Trafo für den Antrieb ist im Fuß in einem ehemaligen Mikroskop-Kasten untergebracht.
Cornelia Schweinoch-Kröning beim Kunstmarkt 24 in der cubus kunsthalle. Foto: Petra Grünendahl. _______________________________________
Die Ausstellung „Kunstmarkt 24“ bietet zwischen 60 und 70 ausgewählten Künstlern aus Duisburg und der Umgebung die Möglichkeit, ihre überwiegend im Jahr 2024 entstandenen Arbeiten zu präsentieren. „Die cubus kunsthalle betrachtet den Verkauf von Kunstwerken als die beste Form der Künstlerförderung und dies hat sich mittlerweile über Jahre bewährt“, erklärte Dr. Claudia Schäfer, Chefin der cubus kunsthalle.
Arno Bortz beim Kunstmarkt 24 in der cubus kunsthalle. Foto: Petra Grünendahl. _______________________________________
Auf einer Fläche von etwa zwei Metern Breite und bei Raumhöhe von ca. drei Metern präsentieren die Künstler ihre Arbeiten. Um ein Kennenlernen zwischen Besuchern und Künstlern und den Austausch zu ermöglichen, sind Künstler auch an den Wochenenden anwesend. Die Ausstellung Kunstmarkt 24 wird am Freitag, 25. November, um 18:30 Uhr in Anwesenheit von Bürgermeisterin Edeltraut Klabuhn eröffnet und ist anschließend mittwochs bis sonntags, jeweils von 14:00 bis 18:00 Uhr, für Besucher geöffnet. An den Wochenenden werden zudem Workshops mit Kindern angeboten. Sonntags gibt es wieder frische Waffeln.
Kunstmarkt 2024
Kunstmarkt 24 in der cubus kunsthalle. Quelle: cubus kunsthalle. ___________________________________________
Der Kunstmarkt findet seit ca. 25 Jahren jährlich statt und bietet einen umfassenden Überblick über das aktuelle künstlerische Schaffen in Duisburg. Die Werke reichen von Malerei, Grafik, Zeichnung und Fotografie bis hin zu Skulpturen und Plastiken. Aufgrund des begrenzten Platzes sind die Formate der Kunstwerke bewusst kleiner gehalten. Die Preise bewegen sich zwischen 50 und 500 Euro. Zu sehen sind die Werke der Duisburger Künstler bis zum 19. Januar 2025.
Kunstmarkt 24 in der cubus kunsthalle. Foto: Petra Grünendahl. _______________________________________
Das Konzept dieser Ausstellung unterscheidet sich von den üblichen Präsentationen: Hier können die verkauften Werke direkt nach Barzahlung vom Käufer mitgenommen werden. Die entstehenden Lücken in der Ausstellung werden vom jeweiligen Künstler mit neuen Arbeiten aufgefüllt. Dies lädt die Besucher dazu ein, mehrfach zur Ausstellung zu kommen, und führt idealerweise zu einer stetig wechselnden und dynamischen Präsentation bis zum Ende der Laufzeit. Ermöglicht wird die Ausstellung „Kunstmarkt 24“ in der cubus kunsthalle durch finanzielle Unterstützung der Stadt Duisburg, der Sparkasse Duisburg und von duisport.
Kunstmarkt 24 in der cubus kunsthalle. Foto: Petra Grünendahl. _______________________________________
Die beteiligten Künstler sind @ann.aloog, Anger Eleven, Ruth Bamberg, Bastellgruppe, Thomas Baumgärtel, Sigrid Beuting, Iris Bieschin, Jutta Biesemann, Stacy Blatt, Rainer Bonk, Ulla Bonn-Engler, Arno Bortz, Fabian Bos, Fee Brandenburg, Hans Brög, Klaus Brüggenwerth, Ina Buskens, Nacir Chemao, Udo Dziersk, Andrea Fehr, Fabian Freese, Karin Habermann, Michael Harder, Peter Hartinger, Mauga Houba-Hausherr, Friederike Huft, Lothar Janssen, Michael Kiefer, Eunjeong Kim, Heinz Josef Klaßen, Petra Klein,
Kunstmarkt 24 in der cubus kunsthalle. Foto: Petra Grünendahl. _______________________________________
Evangelos Koukouwitakis, Hans-Georg Kraume, Günter Kühn, Reiner Langer, Wolf Diethard Lipka, Roger Löcherbach, Gerhard Losemann, Ralf Lüttmann, Naomi Matos, Ray Meller, K. Ulla Middendorf, Wolfgang Monno, Marco Morosin, Magdalena Morosini, Petra Müller, Noel B., @orovoid, Cyrus Overbeck, RABE, Aline Regese, Gianna Reich, Katrin Roth, Angelika Ruckdeschel, Ditmar Schädel, Heinz-Peter Schepp, Walter Schernstein, Angela Schmitz, Martin Schmitz, Gernot Schwarz, Angelika Schwedes, Cornelia Schweinoch-Kröning, Claudia Sper, Raph Spilles, Angelika Stienecke, Regine Strehlow-Lorenz, Conrad Stüven, Ralf Thiesen, Günter Thorn, Anne Thoss, Margot van Loosen, Hans-Jürgen Vorsatz, Ulrike Waltemathe, Heike Walter, Michael Werk, Andrea Wiessiolek, Heike Wirtz, Yusif Zakholy, Elke Zaksek, Zandra Zapsky, Ali Zülfikar.
Impressionen vom Kunstmarkt. Fotos: Petra Grünendahl
Diese Diashow benötigt JavaScript.
cubus kunsthalle
cubus kunsthalle im Kantpark. Foto: Petra Grünendahl. ______________________________________
Die cubus kunsthalle liegt im Kant-Park in der Duisburger Innenstadt in der Nachbarschaft des Lehmbruck Museums, wo sie mit Ausstellungen zeitgenössischer Künstler und Konzerten, aber auch mit partizipativen Angeboten das Umfeld und die Duisburger Kunstlandschaft belebt. Gegründet hat die cubus kunsthalle die Duisburger Kunstwissenschaftlerin Dr. Claudia Schäfer 1987/88 als cubus galerie in Duissern, bevor sie 1994/95 mit Hilfe eines gemeinnützigen Fördervereins in das Gebäude des ehemaligen Niederrheinischen Museums der Stadt Duisburg in den Kant-Park zog. Die cubus kunsthalle finanziert sich durch Spenden zur Förderung von Kunst & Kultur, über Sponsorenleistungen und durch die Untervermietung des Café Museums. Neben Duisburger Künstlern zeigt die Kunsthalle internationale Künstler und stellt einmal jährlich eine Sammlung vor – und dies weitestgehend bei freiem Eintritt. Geöffnet hat die privat geführte Kunst- und Ausstellungshalle mittwochs bis sonntags zwischen 14 und 18 Uhr. www.cubus-kunsthalle.de
Donald Trump gegen Kamal Harris:
Sind die USA noch nicht reif für eine Frau? Von Petra Grünendahl
Wahlsieger Donald Trump. Foto: Screenshot (MSNBC / Youtube). _________________________________________
Angst, Ablehnung und Hass haben gewonnen: Donald Trump hatte sie im Wahlkampf reichlich geschürt – gegen Immigranten, gegen LBGTQ, gegen die Presse (enemy of the people) und nicht zuletzt gegen die Demokraten und ihre Unterstützer (enemy from within). Wo Trump mit Parolen Wahlkampf machte, setzte seine Gegenkandidatin Kamala Harris auf politische Botschaften und Visionen, was sie für ihre Präsidentschaft plante. Trump ist Unterhalter und Marketing-Mann, der natürlich in erster Linie seine eigene Kompetenz preist: „Wir hatten die beste Wirtschaft, als ich Präsident war.“ Spritpreise waren niedriger, weil während Corona niemand tanken musste. Die Inflation ist wegen gestörter Lieferketten und dann wegen des Ukraine-Krieges gestiegen. Die Inflation ist seitdem auf ein Normalmaß gesunken, aber die weiterhin hohen Preise belasten Verbraucher natürlich. Und anstatt sinkende Kosten als Preissenkungen an die Kunden weiter zu geben, machen die großen Handelsunternehmen lieber Rekordgewinne. Das drückt auf die Stimmung der Verbraucher. Vor vier Jahren gab es das Phänomen, dass republikanische Wähler „down the ballot“ (unten auf dem Wahlzettel) republikanisch gewählt hatten, aber den Top-Spot (Präsident) frei gelassen hatten: Deswegen verlor Trump. Dieses Mal gab es wohl viele Wähler, die unten demokratisch gewählt hatten, aber oben Donald Trump. In den Vororten der Großstädte (suburban areas) hatte Kamala Harris Stimmanteile halten, aber nicht ausbauen können.
Wahlsieger Donald Trump. Foto: Screenshot (MSNBC / Youtube). _________________________________________
Nach 2016 ist die Welt am 6. November 2024 ein zweites Mal in einer ganz anderen Realität aufgewacht. Donald Trump wurde zum 47. Präsidenten der USA gewählt – mit Folgen nicht nur für Amerika, sondern auch für Europa und die Welt. Beim ersten Mal 2016 sah es noch wie eine unglückliche Verirrung aus, jetzt ist das anders. Wie konnte es dazu kommen? Trump hatte ungefähr die gleiche Anzahl an Stimmen wie 2020 (ca. 74 Mio.) für sich verbuchen können. Kamala Harris hatte mit über 69 Mio. Stimmen aber deutliche 12 Mio. Wähler weniger als Joe Biden. Viele Wähler schienen Kamala Harris ihren „Schwung“ in die Mitte – 2019 hatte sie sich als Präsidentschaftskandidat deutlich progressiver positioniert – nicht abgenommen zu haben: Bisherige weibliche Regierungschefs in anderen Ländern kamen aus konservativen Parteien. Die Wahlbeteiligung lag insgesamt – trotz des Ansturms auf die frühen Wahlmöglichkeiten (Wahllokal, Briefwahl) – war lange nicht die Rekordbeteiligung, die man erwartet hatte. Sie war deutlich niedriger als noch 2020. Rund 100 Mio. mögliche Wähler hatten von ihrem Wahlrecht keinen Gebrauch gemacht – und auch damit die Wahl mitentschieden. Auch viele Demokraten, die im Vorfeld der Wahl so enthusiastisch schienen, blieben zu Hause, während Trumps Wähler in Massen zu den Wahlurnen strömten. Trump hat die unterschiedlichen Begierden seiner Wähler angesprochen und ausgenutzt: Die Gier der Reichen nach Steuersenkungen und mehr Macht oder die Angst weißer Menschen vor der Veränderung der Demographien im Land – oder schlicht den Egoismus jedes einzelnen seiner Wähler. Das war ihnen wichtiger als seine Schwächen: Sein Charakter, seine autokratischen Vorlieben, seine laufenden Gerichtsprozesse oder auch seine straf- wie zivilrechtlichen Verurteilungen.
Wo stehen die Wähler?
Kamala Harris‘ offizielles Portrait 2021. Foto: Lawrence Jackson / Official White House Photographer. ________________________________
Ländliche Wähler sind seit seiner ersten Kandidatur mehrheitlich sehr enthusiastisch für Trump. Trump hat bei allen Demographien Stimmanteile dazu gewonnen außer bei Frauen mit Hochschulbildung. Er gewann mehr Stimmanteile von männlichen Latinos, aber nur unwesentlich mehr von schwarzen Männern. Die alte „demokratische“ Koalition zerfällt: Trump übertraf alle Erwartungen – besonders in kritischen Gegenden. Trotz der Unterstützung einiger Gewerkschaften gingen den Demokraten wie schon seit vielen Jahren die „Arbeiter“ (working class oder auch die working poor) laufen: Viele von ihnen fühlen sich vom „American Dream“ abgehängt und vergessen, sind nicht mehr gewerkschaftlich organisiert (haben damit keine Verhandlungsmacht) und machen aktuell die Demokraten für ihre schlechte Lage verantwortlich, weil diese gerade in der Regierung sind. Auch Schwarze oder Latinos haben mitunter Interessen, die sie in der Demokratischen Partei nicht ausreichend vertreten sehen. Ihre wirtschaftlichen Interessen zu vertreten, traute eine Mehrheit der Wähler eher den Republikanern zu, obwohl Statistiken eindeutig demokratischen Präsidenten eine erfolgreichere Wirtschaft bestätigen. Dass diese Wählergruppen sich ausgerechnet von einer Partei gut vertreten sehen, deren Kandidaten elitär und „establishment“ und allzu häufig Millionäre oder Milliardäre sind oder von diesen mit vielen Millionen gekauft werden (Milliardär Peter Thiel hatte dem nun künftigen Vizepräsidenten J. D. Vance den Senatssitz maßgeblich finanziert), grenzt schon an Ironie. Ebenso die Tatsache, dass es viele Stimmen für Abstimmungen (ballot measures) gab, die das Recht auf „Abtreibung“* (Pro Choice) in Bundesstaatsverfassungen verankern sollten, von Leuten, die dann aber für Trump stimmten, der sich immer noch damit brüstet, das bundesweite Recht auf „Abtreibung“* mit seinen Obersten Richtern (Supreme Court) nach 50 Jahren Gültigkeit gekippt zu haben.
Was unter Joe Biden und Kamala Harris alles schief laufe, hatte Trump unter anderem argumentiert mit offenen Grenzen unter Biden (obwohl er, Trump, deutlich mehr illegale Grenzübertritte hatte), mit zu hohen Preisen (die trotz sprudelnder Gewinne der Unternehmen nicht runter gehen), mit einem mehr an Kriminalität (was keine Statistik hergibt). Als Schlagworte und Parolen kam an, was einer Überprüfung nicht standgehalten hätte: Die Emotionen waren das Entscheidende! Donald Trump präsentierte sich den Wählern wieder einmal als die einzige Lösung für alle Probleme („I alone can fix it!“).
Warnungen vor Trump, Project 2025 und Agenda 47
Nach der US-Wahl: Symbole der Demokratie (hier die Freiheitsstatue) verzweifelt. Foto: Screenshot (Facebook). ________________________________________
Warnungen verhallten ungehört, was Trump mit Project 2025 (oder vielleicht auch mit dem auf Donald Trump zugeschnittenen, aber weitgehend ähnlichen Plan des America First Policy Institute, der Agenda 47) und mit seiner Vorliebe für autokratische Herrscher in einer zweiten Amtszeit mit den USA und der amerikanischen Demokratie anstellen könnte: Schließlich sei ja in den vier Jahren der ersten Trump-Präsidentschaft nicht wirklich was Schlimmes passiert, meinten die Wähler. Die schleichende Autokratie, die nun zu erwarten ist (man sollte Trump vielleicht beim Wort nehmen!), haben die Amerikaner mehrheitlich gewählt. Sie folgten Trumps Parolen von Anlehnung und Hass: Politische Argumente überzeugten sie nicht.
Donald Trumps toxisches und aggressives Vorbild von „Männlichkeit“ (oder was er dafür hält) – zielt auf einen besonderen Typ Mann. Und das sprach mehr Wähler an als die schwarze Frau. Angesprochen fühlten sich hier vor allem solche Menschen, die eine traditionelle Gesellschafts- und Familienstruktur zurück haben wollen: Nicht von den 1950ern, sondern eher von 1850, als nur weiße Männer Rechte hatten. Rassismus, Sexismus und Frauenhass sind wohl im Land noch immer tiefer verwurzelt als mancher angenommen hat: Trump machte massiv Wahlkampf damit, was immer mehr Wähler Willens sind zu tolerieren. Trump hatte Kamala Harris als Gefahr für die Demokratie bezeichnet, als dumm und unfähig, als „garbage“ (Müll). Sein Vize-Kandidat nannte sie „trash“ (Abfall). Das ist nur frauenfeindlich, respektlos und menschenverachtend. Alleine das hätte die beiden schon disqualifizieren müssen, aber Trumps Kult-Anhänger lieben sie dafür!
Die meisten Wähler finden sich wohl in einer Kultur von Vielfalt, Inklusion und Gleichheit und LBGTQ-Themen nicht wieder. Außerdem fanden sie die Demokraten zu elitär, obwohl man auch genau dieses von Republikanern und auch von Trump sagen kann. Da verfangen Trumps Parolen, die einfache Lösungen versprechen: Viele Millionen „Illegale“ deportieren oder Zölle einführen beispielsweise ernteten auf Trumps Wahlkampfveranstaltungen Jubel und Applaus. Dass beides die Wirtschaftsleistung senkt und die Preise erhöht, interessierte das Publikum nicht: Es klingt alles so einfach. Viele „Illegale“ sind aber essentielle Arbeiter, die der Wirtschaft fehlen würden. Und auch erst nach der Wahl stellten Menschen bei Google die Frage: Sind Zölle schlecht? Trump hatte ja schließlich versprochen, dass das exportierende Land die Zölle zahlen würde, nicht der amerikanische Verbraucher. Informierte Wähler sehen anders aus!
Harris hatte sich möglicherweise auch nicht genug von Biden distanziert und Trump damit Gelegenheit gegeben, die Wahl gegen sie zu einem Referendum über den Zustand nach vier Jahren Biden zu machen. Sie hatte folglich mit den schlechten Zustimmungswerten des Präsidenten (40 Prozent) zu kämpfen. Erfahrungen der Vergangenheit zeigen, dass amtsinhabende Präsidentschaftskandidaten einen Stimmenanteil in Höhe ihrer Zustimmungsrate haben. Kamala Harris übertraf Joe Bidens Zustimmung mit ihren fast 48 Prozent der Stimmen immerhin deutlich, aber eben nicht ausreichend.
Rechte Stimmungsmache
Nach der US-Wahl: Symbole der Demokratie (hier Abraham Lincoln) verzweifelt. Foto: Screenshot (Facebook). ________________________________________
Desinformation und Fehlinformationen rechter Kreise in einer nie gekannten Fülle beeinflussten das Stimmungsbild. Viele Wähler haben nur in ihrer (zumeist rechten) Blase Informationen konsumiert statt in anderen, unabhängigen Quellen zu recherchieren. Eine Mitschuld haben die Medien, die Donald Trumps verlogene und faschistische Reden normalisiert sowie seinen schlechten Geistes- und Gesundheitszustand klein geredet hatten. Sie haben seinem falschen Populismus ein Forum gegeben und eher berichtet, wie schlecht die Wähler die Lage der Wirtschaft empfunden haben, nicht wie gut diese im weltweiten Vergleich tatsächlich ist. Dass die gute Wirtschaft nicht bei allen ankommt und man ihnen entsprechend glaubhaft eine Wirtschaftskrise einreden konnte (besonders auf rechten Medien wie Fox News), wurde den Demokraten zum Verhängnis. Die „Lage der Wirtschaft“ und die eigene Brieftasche waren für die Wähler entscheidend, nicht die abstrakte Gefahr eines Autokraten, der Allmacht und Vergeltung anstrebt. Die sinkende Inflation, niedrige Arbeitslosenzahlen und die Neuansiedlung im produzierenden Gewerbe, welches noch unter Trump seine Produktionen lieber ins Ausland verlagerte: Kein Thema, über das die Main-Stream-Medien (corporate media) berichtet hätten! Über Biden berichteten sie nichts Gutes, über Trump nichts Schlechtes, war er doch in seiner ersten Amtszeit ihre Gelddruckmaschine (Cash-cow).
Dazu kommt: „Die Rechten haben eine Propaganda-Maschine, die 24/7 ihre Meinungs- und Stimmungsmache raus haut“, sagte der politische Kommentator Brian Tyler Cohen. Die reicht von Fernsehsendern wie Fox News über diverse extrem rechte Podcasts (Joe Rogan, Tucker Carlson und viele andere) bis hin zu Twitter, welches im Besitz von Elon Musk und mit dem Namenswechsel zu X politisch zu einer Plattform für Hassparolen und Verschwörungstheorien geworden ist.
Überall auf der Welt seien nach Corona die Amtsinhaber von Wählern abgestraft und abgewählt worden, weil die Wähler sie für ihre schlechte wirtschaftliche Lage und höhere Preise verantwortlich machten, so der Kommentator. Davon habe in den USA Donald Trump profitiert. Und den Ruck nach Rechts sieht man auch in Europa.
Was sind die Auswirkungen?
Das haben Trumps Wähler nun zu erwarten. Foto: Screenshot (Twitter). ______________________________________
Zu den wichtigsten Punkten auf Donald Trumps politischer Agenda zählen: Steuersenkungen für die reichsten Amerikaner und für Unternehmen. Er will mehr Deregulierung (keine Auflagen mehr beispielsweise für Umweltschutz oder Arbeitssicherheit und Ölförderung und Fracking, was das Zeug hält). Bislang unpolitische administrative Stellen und Ämter zum Verbraucherschutz sollen abgebaut oder durch eigene politische Kräfte ersetzen werden. Hohe Priorität haben die Einführung von Zöllen auf importierte Güter sowie Deportation von Millionen von „Illegalen“: Also farbigen Menschen, die einen rechtmäßigen Aufenthalt nicht schnell genug nachweisen können: Amerika soll wieder weiß werden! Letzteres kann Trump beides über so genannte „Executive Orders“ schon am ersten Tag seiner Präsidentschaft anordnen. Außerdem ist damit zu rechnen, dass Trump die finanzielle Unterstützung der Ukraine einstellt. Dass er aus der NATO austreten will, war schon in seiner ersten Amtszeit deutlich geworden. In einer zweiten Amtszeit hätte er dies durchziehen wollen, hatten damals Insider gesagt. Diese zweite Amtszeit beginnt nun am 20. Januar 2025.
Trump wird seine politischen Gegner inhaftieren und vor Gericht stellen lassen – und damit das tun, was er ihnen – zu Unrecht – unterstellt hatte. Also das, woran er in seiner ersten Amtszeit von seinen Justizministern gehindert worden war. Trumps Aussagen waren für kundige Beobachter nie etwas anderes als Projektionen dessen, was er selber tat oder tun wollte – und nun ohne weiteres umsetzen kann.
Project 2025 und Trumps Agenda 47
Und dann ist da noch Project 2025, das auf 920 Seiten einen Leitfaden für eine künftige republikanische Regierung enthält. Es kündigt Maßnahmen an, die zum Beispiel zu einem Verbot von „Abtreibung“* führen, eine Massen-Deportationen von vermeintlich „Illegalen“, Gesetze gegen LBGTQ oder solche, die vor allem Nicht-Weiße massiv benachteiligen, sowie weitere anti-demokratische Maßnahmen, die sich teilweise sogar an Kongress und Supreme Court vorbei realisieren lassen. Um „Abtreibung“* landesweit zu verbieten, braucht es nicht einmal ein Urteil des Supreme Court, das sie für verfassungswidrig erklärt. Es reicht, ein Gesetz von 1873 (Comstock Act) durchzusetzen, das den Versand von erotischen Schriften, Verhütungsmitteln und Medikamenten verbietet, die (statt eines chirugischen Eingriffs) zur medikamentösen „Abtreibung“* genutzt werden. Oder die Food and Drug Administration (FDA) zieht die Genehmigung von Mifepristone und ähnlichen Mitteln zur medikamentösen „Abtreibung“* zurück.
Inwieweit ein Autokrat pro-demokratische Kräfte zulässt statt sie zu verfolgen und wegzusperren, muss sich erst noch zeigen. Wie wehrhaft die amerikanische Demokratie ist, deren Gründer nicht damit rechnen konnten, dass verurteilter Straftäter und jemand, der einen Aufstand gegen den Regierungswechsel 2020 angezettelt hatte, erneut kandidieren könnte und gewinnen würde. Trump wird nicht nur politische, sondern auch administrative Posten mit Loyalisten besetzen, die fachlich nicht unbedingt Ahnung haben, aber seine Politik durchsetzen würden. Wie viele der republikanische Marionetten im Kongress und in den Regierungen der Bundesstaaten werden Trumps Treiben unterstützen und damit der amerikanischen Demokratie den Todesstoß versetzen? Mit rechten Mehrheiten in Kongress und Supreme Court sind die verfassungsmäßigen „Checks and Balances“ außer Kraft gesetzt. Es gilt nur noch: Party over Country!
Und jetzt?
Das haben Trumps Wähler nun zu erwarten: Milliardär und Unternehmer Marc Cuban auf Twitter. Foto: Screenshot (Twitter). ______________________________________
Was passiert, wenn die Wähler merken, dass Trump ihre Erwartungen nicht erfüllen kann? Oder wenn er genau das wahr macht, was er im Wahlkampf versprochen hat? Zölle oder Deportationen kann der Präsident über so genannte „Executive Orders“ bestimmen. Dafür braucht er keinen Kongress, der vermutlich in beiden Häusern republikanisch kontrolliert sein wird (beim Repräsentantenhaus sind allerdings noch nicht alle Stimmen ausgezählt, aber man sollte hier nicht auf eine Demokratische Übernahme hoffen). Wobei auch der Kongress – republikanisch kontrolliert – keine Hürde für Trumps Agenda 47 sein dürfte. Widerstand dürfte es aus republikanischen Reihen dort nicht geben – und die Demokraten sind in der Minderheit.
Die Inflation bewegt sich zum Ende von Joe Bidens Amtszeit auf Normalniveau. Das insgesamt immer noch hohe Preisniveau ist mehr den Handelunternehmen geschuldet, die auf Kosten der Verbraucher Rekordgewinne einfahren. Ansonsten brummt die Wirtschaft: Das Wachstum des Bruttosozialprodukts (BSP) liegt bei 3 Prozent – über dem Niveau in Trumps erster Amtszeit vor Corona. Trump erbt (wie zuvor schon von Barack Obama) eine florierende Wirtschaft. Die zu erwartenden steigenden Preise und Brüche in essentiellen Wirtschaftszweigen (insbesondere Tourismus, Pflege, Lebensmittelverarbeitung und Landwirtschaft), die sinkendes BSP und weitere Preissteigerungen zur Folge haben, gehen dann auf Trumps Konto. Erste Unternehmen kündigen jetzt schon Preissteigerungen an wegen der zu erwartenden Zölle. Gegenzölle und der Verlust von Geschäft (Export) für die amerikanische Wirtschaft sind da noch gar nicht eingepreist.
„Soon the people who care so much about him will realize, that he doesn’t care about them“, kommentierte Comedian Jimmy Kimmel„I don’t care about you. I just want your vote!”, hatte Trump im Wahlkampf verkündet. Es ist zu vermuten, dass die Trump-Wähler gar nicht wissen, worauf sie sich mit ihm einlassen, weil sie größtenteils politisch „uninformiert“ sind und seine populärsten Wahlkampfparolen gar nicht verstanden haben. Viel soll in den Tagen vor der Wahl gegoogelt worden sein, ob Joe Biden noch im Rennen ist. Oder nach der Wahl, ob man seine Stimme noch ändern könne. Das spricht nicht für eine interessierte und vor allem nicht für eine informierte Wählerschaft, die die Basis für eine solide Demokratie ist. Das einzig Gute sei, dass er 2028 nicht noch einmal kandidieren könne, sagte Kimmel. Falls Trump nicht sein Versprechen wahrmacht: „Wenn ihr jetzt mich wählt, dann braucht ihr nie wieder zu wählen!“ Dass Donald Trump die Verfassung oder Teile davon abschaffen will, war ebenfalls bereits häufiger (auch schon in seiner ersten Amtszeit) von ihm zu hören.
Amerikas Versprechen und die Zukunft
Amerikas Zukunft. Foto: Screenshot (Twitter). ____________________________________________
Auf dem Weg, die Versprechungen der Unabhängigkeitserklärung wirklich für alle Menschen in den USA zu erfüllen (was bis heute nicht gelungen ist), ist diese Wahl jedenfalls ein herber Rückschlag. Aber so schwer es nach dieser Niederlage jetzt fällt: Widerstand regt sich bereits überall dort, wo Demokraten Mehrheiten haben – in den Bundesstaaten, wo Gouverneure ihre Bevölkerung vor Abtreibungsverboten* und vor Deportationen, die Familien mit gemischtem Status zerreißen werden, schützen wollen. Ebenso gibt es viele Bürgerinitiativen, die das Versprechen Amerikas als „Shining City on the Hill“ verteidigen wollen.
Wie viele andere auch warnt MSNBC-Host Rachel Maddow vor den Folgen der Wahl. Was für die Zukunft der Demokratie in den USA nötig ist, hat sie in einem Kommentar zur Wahl zusammengefasst (sehr interessanter Beitrag in Englisch):
*) Die ganz normale Gesundheitsversorgung zum Beispiel bei Bauchhöhlen-Schwangerschaften oder Fehlgeburten (eine so genannte Ausschabung) gilt in den USA rechtlich als „Abtreibung“. Hier wird in Staaten mit Abreibungsverbot erst behandelt, wenn die Ärzte der Meinung sind, die werdende Mutter stirbt. Viele Schwangere überleben das nicht oder sind nach einem viel zu späten Eingriff in einem anderen Staat dann unfruchtbar, weil die Fortpflanzungsorgane dauerhaft geschädigt sind. Auch nicht lebensfähige Föten müssen jetzt in vielen Bundesstaaten ausgetragen werden, wo Eltern ihre Neugeborenen dann kurz nach der Geburt elendiglich verrecken sehen.
Gezeichnete Geschichten vom Heiligen Hieronymus Von Petra Grünendahl
Siegfried Anzinger mit Geronimo im MKM. Foto: Petra Grünendahl. ______________________________________
„Ich kann mit dicken Farben nicht umgehen”, erklärte Siegfried Anzinger (*1953) die helle Leimfarbe seiner Leinwände. Auch seine Zeichnungen zeichnen sich durch eher gedeckte „Farben“ aus, die beim einen oder anderen Bild mit Tusche oder weichem Bleistift dunkel akzentuiert sind. Siegfried Anzingers „Geronimo“-Zyklus ist eine Auseinandersetzung mit dem Heiligen Hieronymus (italisierend: Geronimo), einem der bedeutendsten lateinischen Kirchenväter, der im 4./5. Jahrhundert als rigoroser Asket lebte. Wortgewaltig und rhetorisch brillant brachte er mit seiner Bibelübersetzung, der Vulgata, Gottes Wort unter das einfache Volk. Anzinger erzählt in „Geronimo“ Geschichten des herausragenden Gelehrten und sprachlichen Genies. „Das Eigene der Malerei ist für mich die Umsetzung, nicht das Motiv“, so der Künstler. Fiktion und Realität, Materialität und Immaterialität durchdringen seine Werke. Unterschiedliche Szenen und Ereignisse werden skizziert, interpretiert und teilweise phantasievoll ergänzt: Der Heilige Mann mit dem (zahmen) Löwen, mit Kruzifix, manche mit dem Gekreuzigten und immer wieder auch verschleierte Nomadinnen durchziehen wie rote Fäden die Bilder.
Walter Smerling (r.) und Siegfried Anzinger (l.) mit Geronimo im MKM. Foto: Petra Grünendahl. ______________________________________
Das MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst zeigt in Kooperation mit dem Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König über 100 Arbeiten aus dem Werkzyklus „Geronimo“ von Siegfried Anzinger. Museumsdirektor Walter Smerling stellte die Ausstellung gemeinsam mit dem Künstler vor. Den Geronimo-Zyklus hatte Anzinger in den vergangenen zwei Jahren geschaffen: Zu sehen sind hier 104 Zeichnungen auf Papier in Bleistift, Tusche, Buntstift und/oder Rötel sowie 18 Leinwände in Leimfarbe. Diese stellen eine Auswahl dar aus insgesamt 800 Zeichnungen und 200 Leinwänden, die der Künstler geschaffen hatte. Die 104 Zeichnungen stammen aus der Kunstsammlung vom MKM-Sponsor National-Bank, die auch diese Schau finanziell unterstützen. Die Leinwände stammen direkt aus dem Atelier des Künstlers. Die Ausstellung ist gestern Abend eröffnet worden und ist nun für das Publikum zugänglich.
Die Künstler und der Katalog
Siegfried Anzinger im MKM. Foto: Petra Grünendahl. ______________________________________
Der 1953 in Österreich geborene Siegfried Anzinger gehört zur Generation der „Neuen Wilden“, die Anfang der 1980er Jahre europaweit für Aufsehen sorgte. Nach seinem Umzug nach Köln nahm er 1982 an der documenta 7 in Kassel teil und ist seither eng mit der Region verbunden. Ab 1997 war Anzinger 25 Jahre lang Professor für Malerei und Graphik an der Kunstakademie Düsseldorf. Heute lebt und arbeitet er sowohl in Köln als auch in Wien. https://de.wikipedia.org/wiki/Siegfried_Anzinger
Siegfried Anzinger mit Geronimo im MKM. Foto: Petra Grünendahl. ______________________________________
Zur Ausstellung erscheint ein 224-seitiger Katalog in deutscher und englischer Sprache im Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König mit einem Vorwort von Walter Smerling, einem Geleitwort von Thomas A. Lange (National-Bank) sowie einer Einführung von Dieter Koepplin, ergänzt durch zahlreiche Farbabbildungen. Der Katalog ist für 45 Euro im Museumsshop erhältlich (ISBN 978-3-7533-0699-5).
Impressionen aus der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl
Diese Diashow benötigt JavaScript.
Museum Küppersmühle:
Duisburger haben donnerstags freien Eintritt
MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst am Innenhafen. Foto: Petra Grünendahl. ______________________________________
Siegfried Anzinger ist mit seinem Geronimo-Zyklus im Oberlichtsaal des Erweiterungsbaus bis zum 30. März 2025 zu sehen, die Ausstellung „Vida y Muerte“ von Miquel Barceló noch bis zum 19. Januar 2025 in den Wechselausstellungsräumen im Erdgeschoss. Das Museum Küppersmühle findet man im Innenhafen am Philosophenweg 55 (Haupteingang, der Parkplatz befindet sich auf der anderen Straßenseite). Mittwochs ist das Museum von 14 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis sonntags sowie feiertags von 11 bis 18 Uhr. Montags und dienstags ist Ruhetag. Der Eintritt kostet nur für die Wechselausstellungen 8 Euro (ermäßigt 4 Euro), für das gesamte Haus (inkl. Wechselausstellung) 14 Euro (ermäßigt 7 Euro). Familien (2 Erwachsene plus Kinder) zahlen 22 Euro für das ganze Haus. Kinder bis 16 Jahren haben freien Eintritt. Kindergruppen (Schule, Kita, Kinderfreizeit) zahlen 2 Euro pro Kind und Betreuer. Der Besuch der Aussichtsplattform ist gegen Aufpreis von 4 Euro beim Besuch des gesamten Hauses zubuchbar. Donnerstags haben alle Duisburger (gegen Vorlage des Personalausweises) freien Eintritt. Das MKM ist Partner der Ruhrkultur.Card. Alle Ausstellungsräume des Museums sind auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich.
Siegfried Anzinger mit Geronimo im MKM. Foto: Petra Grünendahl. ______________________________________
Offene Führungen durch die Sammlung sowie durch laufende Ausstellungen gibt es jeden Sonntag um 15 Uhr, aber auch nach Vereinbarung. Durch die Wechselausstellung gibt es mittwochs zwischen 15 und 16 Uhr die Führung „KunstMittwoch“. Beide Führungen sind im Eintritt enthalten. Zu den Ausstellungen bietet das MKM zudem immer wieder Themenführungen, Künstlergespräche oder Sonderformate an. Informationen zu Führungen und dem Begleitprogramm zu Ausstellungen gibt es unter www.museum-kueppersmuehle.de).
Das Museum Küppersmühle als Kunstwerk um die Moderne Kunst
Siegfried Anzinger mit Geronimo im MKM. Foto: Petra Grünendahl. ______________________________________
Das Museum Küppersmühle für Moderne Kunst wurde im April 1999 in einem ehemaligen Getreidespeicher im Innenhafen eröffnet. Er wurde nach Plänen der Basler Architekten Herzog & de Meuron zum Museum umgebaut. Initiator des Museumsprojekts war der Duisburger Kunstsammler Hans Grothe (1930–2019). Grothes Sammlung umfasste über 800 Werke von mehr als 40 deutschen Künstlern. Seit der Übernahme seiner Sammlung durch das Darmstädter Sammlerpaar Sylvia und Ulrich Ströher 2004/2005 stieg die Anzahl der Ausstellungsstücke und der vertretenen Künstler noch erheblich an. Insgesamt handelt es sich um eine der wichtigsten und umfangreichsten Sammlungen deutscher Kunst seit 1945. Zur Präsentation der ständigen Sammlung kommen immer wieder Wechselausstellungen hinzu. Seit 2008 war ein Erweiterungsbau geplant: Zunächst als ein „Schuhkarton“ auf den Silotürmen, der 2011 wegen Baumängeln scheiterte. Bei einem neuen Anlauf beauftragten die Ströhers 2014 das Architektenbüro Herzog & de Meuron erneut mit der Planung (Baubeginn war 2016): Der Erweiterungsbau wurde im September 2021 eröffnet. Seitdem sind im MKM in 42 Räumen auf gut 5.000 Quadratmetern etwas 320 Werke als Highlights aus der Sammlung Ströher in der Dauerausstellung zu sehen. Die Sammlung ist um ein mehrfaches größer: Schließlich sammelt das Darmstädter Ehepaar ja schon seit Mitte der 1980er-Jahre – und immer noch weiter. Der Fokus liegt auf Malerei, aber auch Skulptur, Installation und Fotografie sind vertreten. Die Sammlung umfasst zentrale Positionen der Kunstentwicklung in Deutschland, von der unmittelbaren Nachkriegszeit bis in die Gegenwart.
Das MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst als Standort der Sammlung Grothe wird seit seiner Gründung von der Stiftung für Kunst und Kultur e. V. Bonn betrieben. Die Stiftung konzipiert und organisiert die Ausstellungen und betreut die umfangreiche Sammlung, die heute dem Kunstsammler-Ehepaar Ströher aus Darmstadt gehört, im MKM. Direktor ist seit 1999 Walter Smerling.
Abstraktionen des menschlichen Körpers Von Petra Grünendahl
Henry Moore – For Duisburg im Lehmbruck Museum: Impressionen. Foto: Petra Grünendahl. _______________________________________
Als der englische Bildhauer und Zeichner Henry Moore (1898–1986) im Frühjahr 1965 das Lehmbruck Museum besuchte besuchte, war er begeistert. Der gläserne Neubau im Kantpark war damals das erst im Vorjahr neu eröffnete erste Museum moderner Skulptur in Europa. Henry Moore sicherte dem Lehmbruck Museum je ein Blatt all seiner künftig entstehenden Grafiken zu – mit einer Widmung „For Duisburg“. Diese Arbeiten bekam das Museum entweder geschenkt oder zu einem moderaten „Freundschaftspreis“ verkauft. Moore würdigte das Museum damit als eine „bemerkenswerte Errungenschaft“ und legte den Grundstein für eine der weltweit größten Sammlungen seines grafischen Werks, die heute 470 graphische Werke des Künstlers umfasst. Seine Grafiken stellen weniger einen „Bauplan“ für seine Skulpturen dar, sondern eruieren als eigenständige Kunstwerke die Möglichkeiten und Erscheinungen von Plastik im Raum. Der englische Bildhauer abstrahierte menschliche Körper und organische Strukturen und prägte mit seinen monumentalen Skulpturen die Kunst weltweit. In Deutschland wurde Moore einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, als der erste Hausherr des Bonner Bundeskanzleramts, Helmut Schmidt, 1979 auf dem Vorplatz seine Groß-Skulptur „Large Two Forms“ aufstellen ließ.
Henry Moore – For Duisburg im Lehmbruck Museum: Impressionen. Foto: Petra Grünendahl. _______________________________________
Mit „Henry Moore – For Duisburg“ in nun die zweite Ausstellung zum 60. Jubiläum des Lehmbruck Museums zu sehen. Nina Hülsmeier, Stellvertretende Direktorin des Lehmbruck Museums, stellte die Sonderschau zusammen mit Kulturdezernentin Linda Wagner und Kuratorin Sarah Louisa Henn vor. „Die Ausstellung ‚Henry Moore – For Duisburg’ ist eine Hommage, eine Ehrerweisung des Bildhauers Henry Moore an die Stadt Duisburg und an ihre Entscheidung, mit dem Lehmbruck Museum ein bedeutendes europäisches Museum für die internationale Skulptur zu erbauen. Das Jubiläumsjahr ist genau der richtige Zeitpunkt, um den Reichtum dieser Sammlung in einer umfassenden Ausstellung öffentlich zu präsentieren und unsererseits zu würdigen“, so Linda Wagner. Das Museum zeigt neben einer repräsentativen Auswahl der graphischen Arbeiten Helmut Schmidt (35 Lithografien, 31 Radierungen, 5 Zeichnungen) zehn ausgewählte exemplarische Skulpturen aus Moores Schaffen, die größtenteils als Leihgaben von namhaften Museen stammen. Neben einer eigenen Skulptur in dieser Schau besitzt das Lehmbruck Museum zwei weitere Skulpturen von Henry Moore, die im Skulpturenhof zu sehen sind. Die Sonderausstellung ist im Wechselausstellungsraum des Erweiterungsbaus zu sehen und wird heute Abend offiziell eröffnet.
Henry Moore war ein englischer Bildhauer und Zeichner, der für seine großen, abstrakten Skulpturen bekannt ist, die weltweit ausgestellt sind. Die Arbeiten sind oft Abstraktionen des menschlichen Körpers, typischerweise als „Mutter und Kind“ oder als „ruhende Figur“.
Henry Moore (*30. Juli 1898 in Castleford, Yorkshire) wuchs als siebtes von acht Kindern in einer Bergarbeiterfamilie auf und entwickelte schon früh ein Interesse an Kunst. Er erhielt ein Stipendium, das ihm ermöglichte, die höhere Schule zu besuchen. Nach seinem Dienst im Ersten Weltkrieg begann er 1919 ein Studium der Bildhauerei am Leeds College of Art, das er ab 1921 am renommierten Royal College of Art in London fortsetzte.
1922 reiste Moore zum ersten Mal nach Paris. In dieser Zeit fertigte er seine erste Mutter-Kind-Skulptur an – ein Thema, das er immer wieder aufgreifen wird. 1929 begann er mit der Arbeit an seinen Liegenden Figuren, einem weiteren zentralen Motiv seines Gesamtwerks. 1930 erlebte Moore seinen ersten internationalen Erfolg, als er gemeinsam mit Kollegen den britischen Pavillon auf der 17. Biennale in Venedig bespielte. 1932 übernahm er die Leitung des Fachbereichs Bildhauerei an der Chelsea School of Art in London. In dieser Zeit schloss er sich der avantgardistischen Künstlergruppe Unit One an, zu der auch Barbara Hepworth gehörte.
Henry Moore 1975 in Italien. Foto: Werner J. Hannappel. _________________________________
Moores Schaffen wurde durch die politischen Umstände seiner Zeit geprägt: Während des Zweiten Weltkriegs besuchte er die als Luftschutzbunker dienenden Londoner U-Bahn-Stationen und hielt die Eindrücke in seinen Shelter Drawings (Bunkerzeichnungen, 1940-41) fest. Sie verhalfen ihm zu großer internationaler Anerkennung und veranlassten das War Artists‘ Advisory Committee, Henry Moore zum offiziellen Kriegskünstler zu ernennen.
1948 erhielt Moore den internationalen Preis für Skulptur auf der 24. Biennale von Venedig. In den folgenden Jahren nahm er an bedeutenden internationalen Ausstellungen teil, darunter die erste documenta in Kassel 1955. 1977 wurde Moore vom deutschen Bundeskanzler Helmut Schmidt beauftragt, eine große Skulptur für das Bundeskanzleramt in Bonn zu fertigen. Seine „Large Two Forms“ wurden schließlich 1979 vor dem Bundeskanzleramt aufgestellt.
1977 gründete Moore die Henry Moore Foundation, die sich bis heute der Förderung der bildenden Kunst widmet. Seine Skulpturen und grafischen Werke waren zu der Zeit bereits weltweit in zahlreichen Museen und Ausstellungen zu sehen, darunter im Lehmbruck Museum in Duisburg, das drei seiner Skulpturen und eine der weltweit größten Sammlungen seines grafischen Werks beheimatet. 1974 widmete das Lehmbruck Museum Henry Moore eine große Einzelausstellung.
Henry Moore starb am 31. August 1986 in Much Hadham, Hertfordshire, England. https://de.wikipedia.org/wiki/Henry_Moore
Impressionen aus der Ausstellung.
Fotos: Petra Grünendahl
Diese Diashow benötigt JavaScript.
Das Lehmbruck Museum
Henry Moore – For Duisburg im Lehmbruck Museum: Impressionen. Foto: Petra Grünendahl. _______________________________________
Das mitten in Duisburg im Kantpark gelegene Lehmbruck Museum ist das international bedeutendste Museum für Skulptur der Moderne und der Gegenwart in Europa. Seine Sammlung moderner Plastiken von Künstlern wie Alberto Giacometti, Meret Oppenheim, Pablo Picasso, Barbara Hepworth, Rebecca Horn und natürlich Wilhelm Lehmbruck ist europaweit einzigartig. Beheimatet ist das Museum in einem eindrucksvollen Museumsbau inmitten eines Skulpturenparks mit Werken von Bildhauern wie Alicja Kwade, Julian Opie, Tony Cragg und Dani Karavan, der zum Schlendern und Entdecken einlädt.
Henry Moore – For Duisburg im Lehmbruck Museum: Impressionen. Foto: Petra Grünendahl. _______________________________________
Namensgeber des Hauses ist der Bildhauer Wilhelm Lehmbruck, der 1881 in Meiderich, heute ein Stadtteil von Duisburg, geboren wurde. Lehmbruck ist einer der bedeutendsten Bildhauer der Klassischen Moderne. Er hat mit seinem Werk maßgeblichen Einfluss auf nachfolgende Künstlergenerationen und ist auch nach seinem frühen Freitod im Jahr 1919 bis heute einflussreich geblieben. Das Lehmbruck Museum entstand 1964 nach den Entwürfen von Lehmbrucks Sohn Manfred (1913–1992). Der ab 1983 errichtete Erweiterungsbau wurde 1987 eröffnet. www.lehmbruckmuseum.de
Öffnungszeiten und Eintrittspreise
Henry Moore – For Duisburg im Lehmbruck Museum: Impressionen. Foto: Petra Grünendahl. _______________________________________
Die Ausstellung „Henry Moore – For Duisburg“ ist bis zum 19. Januar 2025 zu sehen. Geöffnet ist das Lehmbruck Museum dienstags bis freitags ab 12 Uhr, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags an Terminen der plastikBAR (erster Donnerstag im Monat ab 17.30 Uhr) bis 20 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro (ermäßigt* 5 Euro), eine Jahreskarte 35 Euro (ermäßigt* 20 Euro). Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Blinden- und Demenzbegleitung haben kostenlos Eintritt. Schulklassen und Kindergärten zahlen pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte (2 Erwachsene plus Kinder bis 14 Jahre) gibt es für 15 Euro. Jeden ersten Freitag im Monat gilt: „Pay what you want“. Ausgenommen davon sind angemeldete Gruppen.
Henry Moore – For Duisburg im Lehmbruck Museum: Impressionen. Foto: Petra Grünendahl. _______________________________________
Zu seinen Sonderausstellungen bietet das Lehmbruck Museum verschiedene Veranstaltungen als Rahmenprogramm an. Zu Henry Moore sind dies beispielsweise die plastikBAR – Kunst & Stulle (am Donnerstag, 7. November, 17.30 Uhr, mit Sarah Louisa Henn, Kuratorin), Kuratorenführungen (Sonntag, 10. November 2024, 14 Uhr, mit Sarah Louisa Henn, Kuratorin und Sonntag, 1. Dezember 2024, 14 Uhr, mit Luca Lienemann, kuratorischer Assistent), Gedichte von Wystan Hugh Auden, gelesen von Rupert Seidl (Sonntag, 1. Dezember 2024, 15.30 Uhr) und der „Familientag: Weihnachten mit Henry Moore“ (Sonntag, 8. Dezember 2024, 11 bis 17 Uhr) mit Führungen und Workshops in weihnachtlichem Ambiente. Öffentliche Führungen durch das Museum gibt es jeden Sonntag um 11.30 Uhr. Für Informationen steht die Kunstvermittlung des Lehmbruck Museums unter Telefon 0203 / 283-2195 oder eMail kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de zur Verfügung (Zu Preisen und Buchungen für Führungen geht es hier). Tickets für Führungen und Veranstaltungen können vorab im Ticket-Shop des Museums gebucht werden.
(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70 Prozent), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen im Sozialleistungsbezug.
Tevje, der Milchmann (Andreas Bittl), lebt mit seiner Frau Golde (Susan Maclean) und seinen fünf Töchtern im Dorf Anatevka. Er glaubt fest an Gott und an die Tradition. Dieser Tradition folgend sucht die Heiratsvermittlerin Jente (Morenike Fadayomi) für seine älteste Tochter Zeitel (Julia Danz) einen passenden Ehemann: Sie schlägt den reichen Fleischer Lazar Wolf (Rolf A. Scheider) vor, dem Tevje zustimmt. Allerdings will das Mädchen sich nicht einfach so verkuppeln lassen, da es in den armen Schneider Mottel (Roman Hoza) verliebt ist.
Nur mit viel gutem Zureden ist Tevje bereit, mit der Tradition zu brechen, die Wahl seiner Tochter zu akzeptieren und der Heirat zuzustimmen. Auch als Tochter Hodel (Kimberley Boettger-Soller) sich in Perchik (Florian Simson), den Hauslehrer ihrer beiden jüngeren Schwestern Sprintze (Klara Perbix) und Bielke (Frida Perbix), verliebt und Anspruch auf eine eigene Entscheidung erhebt, gibt Tevje nach. Der Wachtmeister des Schtetls (Stefan Stechmann), warnt Tevje, dass Pogrome gegen jüdische Bürger bevorstehen.
Anna Sophia Theil (Zeitel), Roman Hoza (Mottel), Ensemble, Chor der Deutschen Oper am Rhein. Foto: Sandra Then. ___________________________________
Auf Zeitels Hochzeitsfeier stürmt der Wachtmeister den Saal mit seinen Schergen, die alles kurz und klein hauen. Er hatte Befehl von „oben“. Die dritte Tochter Chava (Mara Guseynova) verliebt sich in den nicht-jüdischen Russen Fedja (Valentin Ruckebier): Als die beiden gegen Tevjes Willen heiraten, verstößt er seine Tochter. Hodel verlässt Anatevka und folgt dem inzwischen verurteilten Perchik nach Sibirien. Und schließlich verkündet der Wachtmeister den Juden von Anatevka, dass sie binnen drei Tages das Dorf verlassen müssten. Widerstand sei zwecklos! Die jüdische Dorfgemeinschaft ebenso wie Tevjes Familie werden auseinander gerissen und in alle Winde in eine ungewisse Zukunft geschickt.
Ein restlos begeistertes Publikum im ausverkauften Theater Duisburg sah Felix Seilers Opern-Inszenierung des Musicals „Anatevka“: Die jüdische Familiengeschichte spielt im Westen des zaristischen Russlands, in einem Korridor vom heutigen Polen über Weißrussland bis in die heutige Ukraine, in dem Juden sich hatten ansiedeln dürfen. Die Zeiten stehen 1905 allerdings auf Wandel: Nicht nur gibt es revolutionäre erste Stimmen im Volk gegen Adel und Zar, auch gegen die Juden wird Stimmung gemacht.
Das Musical (Originaltitel: „Fiddler on the Roof“) stammt von jüdischen Amerikanern: Mit Musik von Jerry Bock zu einem Buch von Joseph Stein mit Gesangstexten von Sheldon Harnick basiert es auf auf „Tewje, der Milchmann“ von Scholem Alejchem. Es feierte seine Premiere 1964 im Imperial Theatre am Broadway. Produziert wurde das Musical für die Bühne in New York von Harold Prince, die Original-Bühnenproduktion in New York inszenierte und choreografierte Jerome Robbins. Für diese Inszenierung von Felix Seiler choreographierte Danny Costello die Tanzszenen neu. Gesungen wird in deutscher Sprache (in der Übersetzung von Rolf Merz und Gerhard Hagen). Übertitel erleichtern das Verständnis der Handlung. Empfohlen ist das ca. 3¼-stündige Stück (inkl. Pause) ab 12 Jahren.
Szenenapplaus belohnte eine hochklassige Inszeniertung
Es dominieren die lebensfrohen Töne und eine ausgelassene Stimmung in der jüdischen Gemeinschaft, bis sich mit der Störung der Hochzeitsfeierlichkeiten eine Schwere und Melancholie in das Dorfleben schiebt, die mit der Vertreibung der Juden aus ihrer Heimat ihr trauriges Finale erreicht. Allerdings ist die Geschichte vom Wandel und Loslassen alter Traditionen nicht jüdisch, sondern vor allem eins: menschlich und universal gültig. Ein Japaner habe den Songtexter Sheldon Harnick mal gefragt, ob die Amerikaner das Stück überhaupt verstehen würden, verriet Dramaturgin Juliane Schunke in der Einführung: Es sei so japanisch!
Das durchkomponierte Stück mit vielen Szenen- und Bilderwechseln erntete – ob seiner herausragenden Akteure völlig zu Recht – reichlich Szenenapplaus. Das Musical lebt nicht nur vom hervorragenden Gesang, sondern auch von den schauspielerischen Qualitäten der Akteure, die ihre Charaktere zum Leben erweckten. Acht Tänzer (Choreografie Danny Costello) verstärkten die ausgelassene Lebensfreude der Handlung. Der Chor der Deutschen Oper am Rhein unter der Leitung von Patrick Francis Chestnut unterstützt die singenden Akteure vokal.
Die herausragenden Duisburger Philharmoniker unter der musikalischen Leitung von Katharina Müllner zeigen sich auch mit der lebhaften Musical-Komposition, die ein bisschen an die klassische jüdische Volksmusik (Klezmer) anknüpft, ganz in ihrem Element. Dass diese Broadway-Komposition mittlerweile in die Klezmer-Musik zurück gefunden und diese beeinflusst hat, wusste die Dramaturgin interessierten Besuchern zu vermitteln. Die schlichte Bühnengestaltung mit weißen Tüchern von Nikolaus Webern erleichtert die schnellen Szenenwechsel mit wechselndem „Mobiliar“, das in Sekundenschnelle auf die Bühne und wieder runter geschoben wurde, um Häuser und Räume der jeweiligen Handlung darzustellen. Ins rechte Licht setzte Volker Weinhart die Szenerie. Die zeitgenössischen Kostüme entwarf Sarah Rolke.
Do | 31. Oktober 2024 | 19:30 Uhr (Restkarten),
Sa | 9. November 2024 | 19:30 Uhr (Restkarten),
S4 | 24. November 2024 | 15:00 Uhr (ausverkauft!*) und
Sp | 1. Dezember 2024 | 18:30 Uhr (Restkarten). *) evtl. gibt es noch Restkarten an der Abendkasse (keine Garantie)
Die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg gGmbH ist eine Theatergemeinschaft der Städte Düsseldorf und Duisburg, die auf eine lange Tradition der Zusammenarbeit zwischen den beiden Großstädten zurückblicken kann. Seit ihrer Gründung 1956 zählt sie zu den bedeutendsten Opernhäusern Deutschlands. Durch ihr hochrangiges Solistenensemble, den Chor sowie die national wie international gefeierte Compagnie Ballett am Rhein hat sie sich zu einer der ersten Adressen für Musiktheater und Tanz in Europa entwickelt. Sie ist in der größten und dichtesten Kulturregion Deutschlands beheimatet. Allein die beiden Städte Düsseldorf und Duisburg zählen zusammen fast 1,1 Millionen Einwohner, aber auch die umliegenden Regionen und eine große Zahl auswärtiger Gäste profitieren vom hochkarätigen künstlerischen Angebot der Deutschen Oper am Rhein. www.operamrhein.de
Tickets kosten zwischen 19,00 und 78,00 Euro. Eintrittskarten gibt es online ebenso wie in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen wie zum Beispiel zur Familienkarte* findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in das Stück, seine Entstehung und die Aufführung gibt.
*) Mit der Familienkarte kostet der Eintritt 10 Euro für jedes eingetragene Familienmitglied.
Wandern zwischen Zeitzeugen der Industrialisierung Von Petra Grünendahl
Wanderglück Ruhrgebiet – Zu Fuß durchs östliche Ruhrgebiet im Klartext Verlag. Foto: Petra Grünendahl. ______________________________________
Wandern im Ruhrgebiet kann auch durch Landschaft und Wälder gehen, zeichnet sich aber häufiger dadurch aus, urbane Strukturen vorbei an Zeugen von Industrialisierung und Strukturwandel zu erkunden. Einige dieser Zeitzeugen sind heute Museen und bereiten die Industriegeschichte erlebbar auf. Andere Standorte sind anderweitig nachgenutzt. Die Zechen Fürst Leopold (Dorsten), Hannover (Bochum), Nachtigall (Muttental / Witten), Zollern (Dortmund) und einige spannende Zechen mehr mit ungewöhnlichen Fördergerüst/-turm-Architekturen, die Kokerei Hansa (Dortmund), die ehemaligen Hütten- und Stahlstandorte wie die Henrichshütte (Hattingen), der Bochumer Verein und Phoenix (Dortmund) oder auch das Schiffshebewerk von 1899 in Henrichenburg, das Pumpspeicherkraftwerk Hengsteysee (Herdecke) und die Lindenbrauerei in Unna sind die wohl bekanntesten Wegemarken an den Wanderstrecken: Zugpferde der Industriekultur kombiniert mit kleineren Schätzen der Region. Sie sind die Landmarken auf Pfaden, die noch weitaus mehr zu bieten haben, wenn man so ein wenig Einblicke in die Geschichte des Ruhrgebiets bekommen will. Dazwischen: Viel Grün, durch das sich das alles ganz herrlich erwandern lässt.
Wanderglück Ruhrgebiet – Zu Fuß durchs östliche Ruhrgebiet im Klartext Verlag. Foto: Petra Grünendahl. ______________________________________
Mit dem zweiten Band von „Wanderglück Industriekultur“ führen die Autoren Patrick Bierther und Kay Gropp den Leser zu Fuß durchs östliche Ruhrgebiet. Dafür haben sie 14 Touren konzipiert, die sie hier auf zumeist 10 bis 12 Seiten vorstellen. Der Einleitung mit ein paar grundlegenden Informationen folgen detaillierte Beschreibungen der Routen mit Wissenswertem zu ihren Sehenswürdigkeiten (Am Weg) und Abstechern (Abstecher und Info) sowie Gastronomietipps an der Strecke (mit Webadresse). Den Abschluss bildet jeweils eine Übersichtskarte über die Streckenführung mit Verortung von Sehenswertem. Die Wanderrouten sind mit zwischen 8,9 und 15,4 Kilometern überschaubar lang und in drei bis fünf Stunden zu absolvieren. Die Zeiten sind Orientierungswerte für durchschnittlich Trainierte und reine Wegezeiten: Wer also noch ein wenig gucken will, muss mehr Zeit einplanen. Steigungen (Höhenunterschiede) sind nicht angegeben, obwohl sich die Strecken hier an Schwierigkeit unterscheiden, zumal es ja schon auf und über Landschaftsbauwerke oder Halden geht, was für Ungeübte oder mäßig Trainierte eine Herausforderung werden kann. Alle Touren sind als Rundkurse konzipiert: Man kommt also dort wieder an, wo man gestartet ist. Angaben zu Start-/Zielort mit Adresse und Parkplätzen, Hinweise zur Anreise mit dem ÖPNV sowie Wegbeschaffenheit (Asphalt, befestigte Wege, Schotter, naturbelassen, Treppen) und Abkürzungsmöglichkeiten runden die Tourenbeschreibung ab. GPX-Daten erleichtern das Folgen der Routen mit Hilfe eines Smartphones.
Die Autoren und das Buch
Wanderglück Ruhrgebiet – Zu Fuß durchs östliche Ruhrgebiet im Klartext Verlag. Foto: Petra Grünendahl. ______________________________________
Patrick Bierther weiß, wovon er schreibt: Er ist in Essen-Werden geboren und aufgewachsen und nach 25 Jahren wieder dorthin zurückgekehrt, mit einem Blick auf die Basilika und um einen viel zu großen Garten zu pflegen. Dazwischen liegen ein Studium in Berlin, ein Redaktionsvolontariat, 20 Bücher, viele, viele Artikel – und zwei Jahre auf Zechen (Zollverein und Nordstern), freilich nicht als Bergmann, sondern als Öffentlichkeitsarbeiter unter anderem für die Bundesgartenschau. Den ersten Band von „Wanderglück Industriekultur“ mit Strecken im westlichen Ruhrgebiet findet man hier . Vom Patrick Bierther hatten wir zudem bereits die Bücher Heimatschätze – Die schönsten Altstädte im Ruhrgebiet und „Blühende Oasen – Ausflüge zu Parks und Gärten im Ruhrgebiet“ vorgestellt.
Kay Gropp wurde in Sichtweite von Schacht Kronprinz in Essen geboren. Fünf Jahre später starteten seine Eltern seine Wanderlaufbahn. Nach einem Studium der Geschichte an der Ruhr-Universität Bochum war er unter anderem Reporter bei Radio Essen und beim WDR. Dem Ruhrgebiet ist er treu geblieben: Er lebt in einer Zechensiedlung. Zuletzt war er 25 Jahre lang Pressereferenz der Universität Witten/Herdecke.
Wanderglück Ruhrgebiet – Zu Fuß durchs östliche Ruhrgebiet im Klartext Verlag. Foto: Petra Grünendahl. ______________________________________
Das Buch „Wanderglück Industriekultur – Zu Fuß durchs öestliche Ruhrgebiet“ von Patrick Bierther und Kay Gropp ist im Essener Klartext Verlag erschienen. Das 160-seitige reich und informativ bebilderte Taschenbuch aus der Reihe „Schönes NRW“ mit zahlreichen Fotografien unterschiedlichster Fotografen (auch ein paar von Patrick Bierther) sowie von Bildagenturen ist für 18,95 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-8375-2578-6).
Der Verlag
Wanderglück Ruhrgebiet – Zu Fuß durchs östliche Ruhrgebiet im Klartext Verlag. Foto: Petra Grünendahl. ______________________________________
Der Klartext Verlag wurde 1983 gegründet, seit 2007 ist er Teil der Funke Mediengruppe. Seine Heimat liegt im Ruhrgebiet, wo auch der überwiegende Teil seiner Publikationen angesiedelt ist: Freizeitführer, Sachbücher, Kalender und Bildbände. Mit der „Von oben“-Reihe kann man Städte nicht nur im Ruhrgebiet, sondern in ganz Deutschland aus der Vogelperspektive bewundern. Und mit der Reihe „Irrtümer und Wahrheiten“ (bei ihrem Start im Verlagsprogramm hieß die Serie noch „Klugscheißer“) lernt der Leser Neues zu verschiedenen Orten, Themen und Fußballvereinen – unterhaltsam, fundiert und auch mit dem einem oder anderen Augenzwinkern. www.klartext-verlag.de
Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet
fordern „Wirtschaft-first-Strategie“ Von Petra Grünendahl
Die Krisenstimmung der Unternehmen im Ruhrgebiet stellten (v. l.) Kerstin Groß, Hauptgeschäftsführerin der IHK zu Essen, Werner Schaurte-Küppers, Präsident der Niederrheinischen IHK und Dr. Stefan Dietzfelbinger, Hauptgeschäftsführer der Niederrheinischen IHK, vor. Foto: Gruppe C Photography / Niederrheinische IHK. ______________________________
„Schon seit Jahresbeginn ist die Lage angespannt und es geht weiter bergab. Wir sind angeschossen: Unsere Unternehmen hängen in der Rezession fest und sind verunsichert“, erklärte Werner Schaurte-Küppers, Präsident der Niederrheinischen IHK, in diesem Jahr Sprecher der IHKs im Ruhrgebiet. „Die Zahlen kann man nicht schönreden. Der Wirtschaft helfen keine politischen Lippenbekenntnisse, wir Unternehmer brauchen jetzt einen Wachstumsturbo aus Berlin“, forderte er. Den Entlastungspaketen der Bundesregierung fehle die Kraft. Die USA machten vor, wie es geht: Sie förderten Innovationen. „Zu viel Bürokratie, teure Energie und hohe Steuern schrecken ab. Viele fragen sich berechtigt: Warum soll ich in Deutschland investieren?“, so der IHK-Präsident. Und das täten Unternehmen immer weniger: Geld wird lieber im Ausland investiert – die Deindustrialisierung hat längst begonnen. „Geld, was ins Ausland geflossen ist, ist für Deutschland verloren und kommt nicht zurück“, sagte Schaurte-Küppers. „Seit mehr als 15 Jahren haben wir im Ruhrgebiet keine so lang an- haltend schlechten Umfragewerte beobachtet. Ja, vereinzelt, zur Coronazeit. Und als Folge des Energieschocks zu Beginn des Krieges in der Ukraine. Aber diese Krisen hatten einen externen Auslöser. Unsere Wirtschaft hat sich in beiden Fällen schnell gefangen und wieder Tritt gefasst. Das sehen wir derzeit nicht. Diese Krise ist anders. Sie ist struktureller Natur“, erklärte Hauptgeschäftsführer Dr. Stefan Dietzfelbinger.
Ruhrlagebericht der Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet. Foto: Titelbild. _________________________________________
Bei der Niederrheinischen IHK in Duisburg stellten IHK-Präsident Werner Schaurte-Küppers, Hauptgeschäftsführer Dr. Stefan Dietzfelbinger und Kerstin Groß, Hauptgeschäftführerin der IHK zu Essen, den 113. Ruhrlagebericht (Herbst 2024) im Pressegespräch vor. Die Stimmung der Wirtschaft im Ruhrgebiet ist mies, bilanzierten sie: Der IHK-Konjunkturklimaindex verharrt zum dritten Mal in Folge auf einem niedrigen Wert, aktuell bei 94 Punkten. Der Durchschnittswert der letzten zehn Jahre liegt bei 113 Punkten. Ähnlich sieht die Lage auch NRW-weit aus. Viele Betriebe sehen sich ausgebremst: Die politischen Rahmenbedingen passten nicht mehr in die Zeit, kritisierten 57 Prozent der Befragten. Die Ruhr-IHKs fordern deshalb eine „Wirtschaft- first-Strategie“: Gesetze müssten sich an die Bedürfnisse der Wirtschaft anpassen, so Schaurte-Küppers. „Wir vertreten unsere Unternehmen und müssen ihre Stimme sein.“ Die Industrieregion brauche mehr Gewerbeflächen und bezahlbare Energie. Auch Steuern und Abgaben müssten runter, so die Forderung der Interessenvertreter. Duisburg und Essen wollen die Gewerbesteuer senken: Eine kleine, aber konkrete Wirtschaftshilfe, lobten die IHKs. Gleichzeitig müsse das Ruhrgebiet mobil bleiben. „Bürokratie und lange Planung bremsen. Wir brauchen mehr Beispiele wie die Schlachthofbrücke in Bochum. Hier soll der Verkehr nach 15 Wochen Bauzeit wieder rollen. Bei der Uerdinger Brücke sind es selbst im besten Fall 13 Jahre. Viel zu lange“, kritisierte IHK-Präsident Schaurte-Küppers.
Fachkräfte halten, Integration fördern
Geschäftslage und Erwartungen nach Wirtschaftsbereichen. Infografik: Niederrheinische IHK. _________________________________
Im Ruhrgebiet kommen Menschen aus aller Welt zusammen. Das sei eine Stärke, finden die IHKs. Die Hürden seien jedoch zu hoch, bis Fachkräfte aus dem Ausland im Betrieb anfangen können. Die Anerkennung von Qualifikationen dauere zu lange. „Wir brauchen die Zuwanderung von qualifizierten Arbeitern und wir müssen die Länder identifizieren, wo sie herkommen sollen“, so Stefan Dietzfelbinger, der den Umgang der Behörden mit Zugewanderten kritisierte: „Wir brauchen beschleunigte Visa-Verfahren und hier ‚Willkommens-Center’, die Zuwanderer unterstützen.“ Trotz der schwächelnden Konjunktur bleibt der Fachkräftemangel weiter eine große Sorge vieler Unternehmen. Jeder zweite Betrieb bezeichnet ihn als Risiko für seine Entwicklung. 43 Prozent der Befragten geben an, ihre offenen Stellen langfristig nicht besetzen zu können.
Industrie und Handel sehen ihre Lage besonders pessimistisch, lediglich der Bereich Dienstleistungen zeigt sich krisenbeständig und ist zuversichtlicher als andere Branchen. Der Handel spürt hingegen die gesunkene Kauflaune. Auch verlieren stationäre Händler durch hohe Fixkosten gegenüber dem Online-Handel an Boden. Fast 40 Prozent erwarten schlechtere Geschäfte in den kommenden Monaten. Selbst das nahende Weihnachtsgeschäft sorgt in diesem Herbst nicht für Optimismus.
Konjunkturumfrage der IHKs im Ruhrgebiet
Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet (v. l.): Wulf-Christian Ehrich, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK zu Dortmund, Dr. Fritz Jaeckel, Hauptgeschäftsführer der IHK Nord Westfalen, Dr. Stefan Dietzfelbinger, Hauptgeschäftsführer der Niederrheinischen IHK, Dr. Katja Fox, Mitglied der Hauptgeschäftsführerin der IHK Mittleres Ruhrgebiet und Sprecherin für berufliche Bildung, Werner Schaurte-Küppers, Präsident der Niederrheinischen IHK, Kerstin Groß, Hauptgeschäftsführerin der IHK zu Essen, Dr. Ralf Geruschkat, Hauptgeschäftsführer der Südwestfälischen IHK zu Hagen und Dr. Jochen Grütters, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Nord Westfalen. Foto: Gruppe C Photography / Niederrheinische IHK. ___________________________________
Die Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet (Ruhr-IHKs) fragen zwei Mal im Jahr (zum Jahresanfang und im Herbst) bei ihren Mitgliedsunternehmen unter anderem danach, wie sie ihre gegenwärtige wirtschaftliche Lage beurteilen, ob sie von Insolvenz bedroht sind und mit welcher Geschäftsentwicklung sie in den kommenden Monaten rechnen. Bei der aktuellen Umfrage hatten sich rund 720 Unternehmen mit über 100.000 Beschäftigten beteiligt. Auch die Unternehmen im hiesigen IHK-Bezirk haben zum Ruhrlagebericht beigetragen. Zu den Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet zählen neben der Niederrheinischen IHK Duisburg, Wesel, Kleve zu Duisburg die IHK Mittleres Ruhrgebiet Bochum, die IHK zu Dortmund, die IHK für Essen, Mülheim an der Ruhr, Oberhausen zu Essen, die Südwestfälische IHK zu Hagen und die IHK Nord Westfalen (mit dem Standort Gelsenkirchen für die Emscher-Lippe-Region).
Den 113. Konjunkturbericht der IHKs im Ruhrgebiet findet man hier als pdf zum Download.
Niederrheinische IHK
Die Niederrheinische IHK vertritt das Gesamtinteresse von rund 70.000 Mitgliedsunternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen in Duisburg und den Kreisen Wesel und Kleve. Sie versteht sich als zukunftsorientierter Dienstleister und engagiert sich als Wirtschaftsförderer und Motor im Strukturwandel. www.ihk.de/niederrhein
Was die Wahl so unberechenbar macht –
und warum uns das interessieren sollte Von Petra Grünendahl
Donald Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung in Arizona 2016. Foto: By Gage Skid , CC BY-SA 3.0, Link. ____________________________________
Als Donald Trump 2015/16 für das höchste Amt der USA kandidierte, nahmen ihn viele erst nicht ernst: Zu rassistisch, zu frauenfeindlich trat der ehemalige Reality-TV-Star auf. Wie schon in seiner Fernseh-Show „The Apprentice“ machte er auch im Wahlkampf auf erfolgreichen Geschäftsmann. Das kam bei seinen MAGA-Fans (Make America Great Again) ebenso an wie sein Rassismus, seine Frauenfeindlichkeit, seine Aggressionen gegen Immigranten, gegen das Establishment und gegen die Bildungselite. Als er auf einer Wahlkampfveranstaltung einen behinderten (wohl Contergan-geschädigten) Journalisten lächerlich machte, dachten einige Beobachter: Das ist es! Der wird nicht Präsident! Dann kam das „Access Hollywood“-Video, in dem sich Trump als Sexualstraftäter outete. Spätestens hier hätte es für den Kandidaten zu Ende sein müssen. War es aber nicht: Er wurde gewählt. Nicht mit der Mehrheit der abgegebenen Stimmen – die gewann Hillary Clinton. Sondern mit Hilfe des Wahlmännergremiums, weil er in den entscheidenden „Swing States“ (die also nicht fest Demokratisch oder Republikanisch währen) ein paar wenige Tausend Stimmen mehr hatte als seine Gegenkandidatin und damit eine Mehrheit der Wahlmänner hinter sich brachte. Niemand war wohl so überrascht über seinen Wahlsieg wie Trump selber. Eine zweite Amtszeit verwehrte ihm 2020 Joe Biden, der auch für 2024 wieder kandidierte, nachdem Trump seine Kandidatur im November 2022 ankündigt hatte: Wohl in der Hoffnung, dass sich diverse Strafverfahren gegen ihn als Kandidaten erledigen würden. Dem war aber nicht so und mittlerweile ist er ein verurteilter Straftäter!
President Joe Biden poses for his official portrait, 2021, in the Library of the White House. Official White House Photo by Adam Schultz / Public Domain. _______________________________________
In gut zweieinhalb Wochen stehen nun die Präsidentschaftswahlen in den USA an. Nach einer katastrophalen ersten Wahlkampf-Debatte gegen Donald Trump hatte sich Joe Biden zurückgezogen und seiner Vizepräsidentin Kamala Harris den Weg zu ihrer Kandidatur freigemacht. Nun ist nicht mehr Joe Biden der „alte“ Kandidat, sondern Donald Trump. Dennoch scharen sich seine MAGA-Fans um ihn. Auch in der Republikanischen Partei geht nichts ohne ihn, obwohl er nach 2016 die eine um die andere Wahl verloren hatte: Mehrheiten im Kongress, Nachwahlen von ausgeschiedenen Senatoren oder Abgeordneten oder sogar Gouverneure – und das bis heute. Obwohl die Demokraten speziell seit der Wahl Bidens viele Mandate hätten verlieren müssen, übertrafen sie alle Erwartungen: Die Mehrheit der Republikaner im Repräsentantenhaus ist gering (und wird immer weniger). Die Demokraten konnten Mandate halten und gewannen neue dazu. Was auch daran lag, dass, wo auch immer Trump Kandidaten in innerparteilichen Wettbewerben unterstützte, diese zu extrem für das allgemeine Wahlvolk waren.
Dennoch erfreut sich Donald Trump bei seiner Basis (den MAGA-Anhänger) einer großen Beliebtheit, die ihm eine zweite Amtszeit einbringen könnte. Und das obwohl die Bilanz seiner ersten Amtszeit für die Amerikaner trotz seiner Prahlerei und seines Schwadronierens eine Katastrophe war: Die gute Wirtschaft der ersten Jahre hatte er von Obama „geerbt“. Und obwohl Trump anderes prophezeit hatte, machten Industriebetriebe im Land dicht. Die Corona-Pandemie redete er schließlich klein, so dass in den USA überdurchschnittlich viele Menschen daran starben (mehr Republikaner übrigens als Demokraten). Außer bei der Weltwirtschaftskrise 1929 (Herbert Hoover) hat kein Präsident so viele Arbeitsplätze „verloren“ wie Donald Trump. Sein einziger Erfolg einer Gesetzgebung war eine Steuerreform, die zu allergrößten Teilen den Reichsten im Land zugute kam: „I just made all of you a lot richer“, prahlte er beispielsweise bei einem Essen mit Millionären und Milliardären in seinem Golfclub Mar-a-Lago.
Warum sind die Umfragen zwischen den Kandidaten so knapp
Donald Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung in New Hampshire 2024. Foto: Artaxerxes – Own work, CC BY-SA 4.0, Link. ____________________________________
Im Gegensatz zur Administration von Joe Biden, die viel Geld in die Infrastruktur investiert, durch kluge Gesetzgebung wieder Industrieproduktion im Rust Belt fördert und ansiedelt, hat Trump für die arbeitende Bevölkerung gar nichts getan. Fabriken wurden geschlossen, Industriearbeitsplätze gingen schon lange vor Corona verloren. Seine Zölle auf chinesische Waren haben Vergeltungsmaßnahmen gegen die amerikanische Landwirtschaft hervorgerufen, die Washington zu Trumps Zeiten mit Zahlungen (Subventionen) an die Farmer ausgleichen musste: Das ländliche America wählt halt republikanisch.
Warum also sind Donald Trumps Anhänger so treu? Die Erfolge seiner Präsidentschaft halten sich schließlich in sehr engen Grenzen. Donald Trump ist kein Politiker – und auch kein erfolgreicher Unternehmer, als der er sich gerne verkauft. Er ist ein Unterhalter: „He’s funny“, hatte einer seiner Anhänger bei einer Wahlkampfveranstaltung erklärt, was er an dem Kandidaten mag. MAGA ist ein Kult! Und der wird massiv unterstützt von rechten Medien wie Fox News, One Amercia News Network (OAN) oder Newsmax, die ihr Publikum den ganzen Tag mit rechter Propaganda und Lügen berieseln und unterhalten statt mit „News“ und (realen) Fakten zu versorgen. Und dieses Publikum sucht sich auch keine anderen Quellen für Informationen.
Und manche seiner Anhänger meinen wohl auch, dass Trump nicht all die radikalen Aktionen, mit denen er sie in seinen Reden unterhält, wahrmachen würde. Das gilt wohl auch für seine Drohungen, seiner innenpolitischen Opposition die Nationalgarde oder das Militär auf den Hals zu hetzen. Er bezeichnet die Demokraten als „the enemy from within“ (der Feind im eigenen Land). Die Presse ist „enemy of the people“ (in Deutschland wird dafür gerne der Begriff „Lügenpresse“ verwendet), was ihn schon lange – seit seiner ersten Amtszeit und zunehmend mehr – als Faschisten entlarvt, seine Fans aber eher noch jubeln lässt. Und wenn es um die Deportation von Millionen Menschen geht, denen er einen illegalen Aufenthalt im Land unterstellt: Da werden schnell auch Legale und sogar US-Bürger mit deportiert, weil sie sich nicht schnell genug ausweisen können – und eben nicht Weiß sind! Viele der „Illegalen“ jedoch halten die Wirtschaft am Laufen: In Jobs, die kein Amerikaner machen will. Das wird alles Folgen haben für die amerikanische Wirtschaft, die Inflation und den Wohlstand in der Bevölkerung. Aber wie schon andere Kommentatoren immer wieder betonen: Man kann kein kritischen Denken von seinen Fans erwarten, die immer noch meinen, „I love the poorly educated“, so sagte Donald Trump einmal, sei ein Kompliment gewesen.
In seiner ersten Amtszeit gab es noch Mitarbeiter in seinem Kabinett und in den Stäben, die das Schlimmste verhindern konnten. Die wird es bei einer zweiten Amtszeit nicht mehr geben. Der Leitfaden für eine zweite Amtszeit ist das „Mandate for Leadership: Project 2025“ der rechten Denkfabrik Heritage Foundation gibt viele Hinweise, wohin die Rechten Amerika in naher Zukunft führen wollen. Mit einer Armee von Speichelleckern in Ministerien und in sogar (unpolitischen) administrativen Ämtern.
Donald Trump ungeschminkt beim Golfspielen. Foto: Cliff Hawkins / Getty Images / Quelle: People Magazine. ____________________________________
Auch wenn Donald Trumps Auftritt bei der Debatte gegen Joe Biden anderes vermuten lässt: Videoaufnahmen seiner Wahlkampfauftritte zeigen schon länger, dass er geistig arg nachlässt (Demenz liegt in seiner Familie), er wirres und unzusammenhängendes „Zeugs“ redet. Nikki Haley, seine Gegenkandidatin um die republikanische Kandidatur, hatte ihn als „unhinged“ bezeichnet – und ihm in den Vorwahlen viele Wählerstimmen abgenommen. Aktuelle Umfragen unterschiedlichster Demografien sehen mal Kamala Harris vorne, andere sehen ein „unentschieden“ oder gar Trump in Führung. Viele Beobachter – insbesondere die „Progressiveren“ – sind fassungslos, wie es so knapp sein kann und wie es noch immer Leute gibt, die nicht wissen, wen sie wählen wollen. Selbst wenn man argumentiere, man wisse nicht genug über Kamala Harris, argumentieren sie: „Wir wissen genug von Donald Trump!“ und warum dieser nie wieder ins Weiße Haus einziehen dürfe. Donald Trump verrät zudem genug, dass jeder Wähler seine Rechte und Freiheiten gegen ihn verteidigen sollte!
Selbst wenn Kamala Harris eine Mehrheit der abgegebenen Stimmen bekommt, heißt dass noch lange nicht, dass sie die Wahl gewinnt: Aktuell geht man von acht „Swing States“ aus, die die Wahl entscheiden. Sie müsste von diesen acht Staaten in genug Wahlmänner bekommen, um die nötige Mehrheit von 270 Stimmen zu haben. Das heißt: Besonders dort müssten auch alle Leute, die Trump nicht haben wollen, wählen gehen – und Demokratisch wählen. Und hoffen, dass ihre Stimmen dann auch zählen und gezählt werden: In vielen Bundesstaaten haben Republikaner Mehrheiten in den Regierungen. Gerne werden dort Wähler aus Wählerverzeichnissen gestrichen, Wahllokale geschlossen oder anderweitig vor allem Nicht-Weiße an ihrem Wahlrecht gehindert. Diese gesetzlich verankerte Wählerunterdrückung hat nach Trumps Niederlagen2020 weiter zugenommen. In vielen Staaten sitzen in den Wahlkommissionen zudem Wahlergebnisverweigerer (die immer noch glauben, Trump habe 2020 gewonnen), die angekündigt haben, Ergebnisse nicht zertifizieren zu wollen. Das alles geht natürlich zu Lasten der Demokraten!
Wenn man den Umfragen glauben darf, wird ein Sieg für Kamala Harris schwierig: Manche Demografien zeigen sich sprunghaft. Im Gegensatz dazu sind Trumps MAGA-Anhänger enthusiastisch – und sie gehen wählen. Das gilt nicht für alle Wählergruppen. Vor allem jüngere gehen häufig nicht wählen. Und vielen ist gar nicht bewusst, dass es bei dieser Wahl auch um den Fortbestand der amerikanischen Demokratie und ihrer eigenen Freiheit geht. Manche Wähler wollen keine der beiden großen Parteien wählen und orientieren sich anders, obwohl ihre Kandidaten in einem Zwei-Parteien-System mit Wahlmännergremium chancenlos sind: Und diese so genannten Drittparteien nehmen dann genau dem Kandidaten Stimmen ab, denen sich inhaltlich am nächsten stehen. Ohne die „Green Party“ hätte Hillary Clinton 2016 gewonnen – und Jill Stein brüstet sich seitdem damit, dass sie Trump zum Sieg verholfen hat: Ihr Wahlkampf wird auch in diesen Jahr von dessen Geldgebern finanziell unterstützt. Ein Schelm, der böses …
Trumps angekündigte Deportationen alleine sollten die Inflation in den USA anheizen und die amerikanische Wirtschaft in eine Krise stürzen. Außerdem will Trump Zölle auf Einfuhren erheben: 60 Prozent, 100 Prozent, sogar 200 Prozent oder noch mehr. Und das kann ein Präsident ohne den Kongress tun. Auch das treibt die Inflation, denn die Zölle sind ja nichts anderes als Verbrauchssteuern für amerikanische Konsumenten, auch wenn Trump behauptet, Zölle zahlen die Länder, aus denen importiert wird. Das heißt: Der amerikanischen Konsument kriegt weniger für sein Geld. Auf amerikanischen Zölle erfolgen natürlich Vergeltungszölle. Und die Krise in der amerikanischen Wirtschaft wird weltweit negative Auswirkungen haben.
Donald Trump will Diktator werden, nicht nur „only on day one“, wie er im Interview bei Fox News Sean Hannity versicherte. Seine Vorliebe für Autokraten ist mindestens seit 2015/16 mehr als deutlich, gerne wäre er selber einer: Ein Strongman (starker Mann). Spoiler-Alarm: Niemand beklagt weinerlicher, wie unfair alle zu ihm sind, als Trump. Mark Milley, unter Trump Generalstabschef der Streitkräfte, nannte ihn im Gespräch mit dem Journalisten Bob Woodward „a Fascist to the core“ (ein Faschist durch und durch). Ehemalige Kabinettsmitglieder und Mitarbeiter aus den politischen Stäben waren: „Trump is unfit to be president!“ Führende Republikaner stellen sich offen gegen ihren Partei-Kandidaten und unterstützen Kamala Harris.
Und sie gucken dabei auch über die Landesgrenzen hinaus, welche Auswirkungen zu erwarten sind: Dass Trump in einer zweiten Amtszeit aus der NATO aussteigen würde, war schon 2020 allen klar. Seit dem Beginn des Ukraine-Krieges, bei dem sich Trump auf die Seite des Aggressors Putin stellt, erklärt er immer deutlicher, dass er NATO-Partnern nicht bestehen würde: Solle Putin doch machen, was er will, so Trump. Dass Donald Trump schon einmal aus dem Pariser Klima-Abkommen ausgestiegen ist, sollte uns eine Warnung sein! Und dass er seinen (evangelikalen) Kult-Anhängern gesagt hat: Wählt jetzt für mich, dann braucht ihr nie wieder wählen, sollten wir ernst nehmen!
Von Leben und Tod: Stillleben des Alltäglichen Von Petra Grünendahl
Ausstellungsplakat: Miquel Barceló mit Vida y Muerte im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl. ________________________________________
Die großformatigen Stillleben von Miquel Barceló (*1957) wirken ungeheuer plastisch, fast schon lebendig, und kommen in der hohen Museumsarchitektur besonders gut zur Geltung. Sie sind der Ausgangspunkt der neuen Ausstellung des heute international erfolgreichsten spanischen Künstlers. Seine Werke erzählen vom Alltäglichen, von Leben und Tod (Vida y Muerte): Sie zeigen das Vergängliche in Leben und Freuden einer Gesellschaft. Sie erzählen von der katalanischen Küste und den Balearen, auf denen er geboren wurde und aufgewachsen ist, und von der Unterwasserwelt des Meeres, die er immer wieder als Taucher erforscht hat. Sie erzählen auch von fremden und weit entfernten Welten: Von Afrika, wo er zeitweise gelebt und gearbeitet hat, oder auch mit seinen Keramikmalereien, zu denen ihn die altsteinzeitlichen Höhlenmalereien von Altamira und Lascaux inspiriert haben. Der Realismus der Darstellungen zeigt sich hinter einer scheinbar abstrakten, aber doch sehr körperlichen und figurativen Malweise des Künstlers.
Von links: Kurator Kay Heymer, Miquel Barceló und Museumsdirektor Walter Smerling im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl. ________________________________________
Das Museum Küppersmühle für Moderne Kunst (MKM) präsentiert die erste groß angelegte Einzelausstellung von Miquel Barceló in Deutschland. Kurator Kay Heymer hat für die Ausstellung „Vida y Muerte“ (Leben und Tod) mit dem Künstler zentrale Arbeiten aus allen Schaffensperioden zusammengestellt: Gemeinsam mit Museumsdirektor Walter Smerling stellten sie die umfassende Werkauswahl im Pressegespräch vor. Das MKM zeigt etwa 70 überwiegend großformatige Gemälde und eine Auswahl von Keramiken sowie im Kabinett im Eingangsbereich Skizzen, Entwürfe für Großprojekte und Objekte aus der Sammlung des Künstlers: Sie geben einen faszinierenden Einblick in die Bildwelt eines der großen Maler unserer Zeit. Zu den finanziellen Unterstützern der Werkschau zählen O2 Telefónica, die Sparkasse Duisburg und die Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland. Die Ausstellung wird heute Abend mit geladenen Gästen eröffnet und ist ab Morgen für das Publikum zugänglich.
Die Künstler und der Katalog
Von links: Museumsdirektor Walter Smerling, Miquel Barceló und Kurator Kay Heymer im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl. ________________________________________
Geboren wurde Miquel Barceló 1957 in Felanitx (Mallorca). Seine Mutter war Amateurmalerin und Vertreterin der traditionellen mallorquinischen Landschaftsmalerei: Sie weckte früh sein Interesse für Kunst und für die Natur. Nach einem Kunststudium in Palma de Mallorca und Barcelona schloss sich Barceló 1976 einer Gruppe konzeptueller Künstler an, die sich mit ökologischen Themen beschäftigten. Während der 1980er-Jahre reicherte er seine Malerei mit organischen Materialien wie Erde, Stein und pflanzlichen Stoffen an. Mit Themen wie Verfall und Transzendenz reagiert er auf den Spanischen Mystizismus (16. Jahrhundert) und die Tradition der Barockmalerei (Höhepunkt im 17. und 18. Jahrhundert). Seit den frühen 1980er-Jahren illustrierte Barceló auch eine Vielzahl literarischer Werke. Er hat zudem zahlreiche öffentliche Aufträge ausgeführt, u. a. die Gestaltung der Kapelle von St. Peter im Dom von Palma de Mallorca mit keramischen Arbeiten (2002-2007) und die Kuppel von Raum XX (The Human Rights and Alliance of Civilzation Chamber) im Palais des Nations der UN in Genf (2007-2008).
Miquel Barceló (l.) und Kurator Kay Heymer (r.) im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl. ________________________________________
Seine Gemälde und Zeichnungen wurden und werden in renommierten Galerien und namhaften Museen weltweit gezeigt. Lediglich in Deutschland hatte es bislang keine größere Ausstellung seiner Werke geben, obwohl er bereits 1982 auf der Documenta VII in Kassel auf sich aufmerksam gemacht hatte. Mit dieser Ausstellung im Museum Küppersmühle wird nun erstmals in Deutschland eine umfassende Werkschau des Künstlers präsentiert. Zeitgleich zum MKM zeigt die Böhm-Kapelle in Hürth die Werkübersicht „FISH’N’FLOWERS“, die sich dem Meer und seinen Lebewesen im Werk von Miquel Barceló widmet. Gezeigt werden Gemälde und Keramiken aus den letzten Jahren, darunter eine große Studie für die Wandmalereien einer Kapelle der Kathedrale von Mallorca.
Miquel Barceló (l.) und Museumsdirektor Walter Smerling (r.) im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl. ________________________________________
Die Ausstellung in Duisburg wird von einer reich bebilderten Publikation begleitet, die einen Essay des Büchner-Preisträgers Clemens J. Setz („Der in den End Credits fehlende Leopard. Miquel Barcelós meisterhafte Stillleben“) sowie Beiträge des Künstlers und des Kurators Kay Heymer enthält. Der Katalog erscheint im Wienand Verlag, Köln als zweisprachige Ausgabe in deutscher und englischer Sprache. Für 40 Euro ist er an der Museumskasse zu haben (ISBN 978-3-86832-815-8).
Impressionen aus der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl
Diese Diashow benötigt JavaScript.
Museum Küppersmühle:
Duisburger haben donnerstags freien Eintritt
Miquel Barceló mit Vida y Muerte im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl. ________________________________________
Die Ausstellung „Vida y Muerte“ von Miquel Barceló ist bis zum bis zum 19. Januar 2025 in den Wechselausstellungsräumen im Erdgeschoss zu sehen. Das Museum Küppersmühle findet man im Innenhafen am Philosophenweg 55 (Haupteingang, der Parkplatz befindet sich auf der anderen Straßenseite). Mittwochs ist das Museum von 14 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis sonntags sowie feiertags von 11 bis 18 Uhr. Montags und dienstags ist Ruhetag. Der Eintritt kostet nur für die Wechselausstellungen 8 Euro (ermäßigt 4 Euro), für das gesamte Haus (inkl. Wechselausstellung) 14 Euro (ermäßigt 7 Euro). Familien (2 Erwachsene plus Kinder) zahlen 22 Euro für das ganze Haus. Kinder bis 16 Jahren haben freien Eintritt. Kindergruppen (Schule, Kita, Kinderfreizeit) zahlen 2 Euro pro Kind und Betreuer. Der Besuch der Aussichtsplattform ist gegen Aufpreis von 4 Euro beim Besuch des gesamten Hauses zubuchbar. Donnerstags haben alle Duisburger (gegen Vorlage des Personalausweises) freien Eintritt. Das MKM ist Partner der Ruhrkultur.Card. Alle Ausstellungsräume des Museums sind auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich.
Miquel Barceló mit Vida y Muerte im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl. ________________________________________
Offene Führungen durch die Sammlung sowie durch laufende Ausstellungen gibt es jeden Sonntag um 15 Uhr, aber auch nach Vereinbarung. Durch die Wechselausstellung gibt es mittwochs zwischen 15 und 16 Uhr die Führung „KunstMittwoch“. Beide Führungen sind im Eintritt enthalten. Zu den Ausstellungen bietet das MKM zudem immer wieder Themenführungen, Künstlergespräche oder Sonderformate an. So gibt es zum Beispiel am Freitag, 18. Oktober, um 18:30 Uhr Jakob Schwerdtfegers Leseshow „Ich sehe was was du nicht siehst und das ist Kunst“. Am Mittwoch, 20. November, um 19:30 Uhr sind die Duisburger Philharmoniker mit „Klang und Performance im Dialog mit Bild und Raum“ zu Gast. Familienführungen gibt es jeweils sonntags am 6. und 13. Oktober, am10. und 24. November sowie am 8. Dezember von 13:30 bis 14:30 Uhr. Informationen zu Führungen und dem Begleitprogramm zu Ausstellungen gibt es unter www.museum-kueppersmuehle.de). Hier findet man zu Corona-Maßnahmen.
Das Museum Küppersmühle als Kunstwerk um die Moderne Kunst
MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst am Innenhafen. Foto: Petra Grünendahl.
Das Museum Küppersmühle für Moderne Kunst wurde im April 1999 in einem ehemaligen Getreidespeicher im Innenhafen eröffnet. Er wurde nach Plänen der Basler Architekten Herzog & de Meuron zum Museum umgebaut. Initiator des Museumsprojekts war der Duisburger Kunstsammler Hans Grothe (1930–2019). Grothes Sammlung umfasste über 800 Werke von mehr als 40 deutschen Künstlern. Seit der Übernahme seiner Sammlung durch das Darmstädter Sammlerpaar Sylvia und Ulrich Ströher 2004/2005 stieg die Anzahl der Ausstellungsstücke und der vertretenen Künstler noch erheblich an. Insgesamt handelt es sich um eine der wichtigsten und umfangreichsten Sammlungen deutscher Kunst seit 1945. Zur Präsentation der ständigen Sammlung kommen immer wieder Wechselausstellungen hinzu. Seit 2008 war ein Erweiterungsbau geplant: Zunächst als ein „Schuhkarton“ auf den Silotürmen, der 2011 wegen Baumängeln scheiterte. Bei einem neuen Anlauf beauftragten die Ströhers 2014 das Architektenbüro Herzog & de Meuron erneut mit der Planung (Baubeginn war 2016): Der Erweiterungsbau wurde im September 2021 eröffnet. Seitdem sind im MKM in 42 Räumen auf gut 5.000 Quadratmetern etwas 320 Werke als Highlights aus der Sammlung Ströher in der Dauerausstellung zu sehen. Die Sammlung ist um ein mehrfaches größer: Schließlich sammelt das Darmstädter Ehepaar ja schon seit Mitte der 1980er-Jahre – und immer noch weiter. Der Fokus liegt auf Malerei, aber auch Skulptur, Installation und Fotografie sind vertreten. Die Sammlung umfasst zentrale Positionen der Kunstentwicklung in Deutschland, von der unmittelbaren Nachkriegszeit bis in die Gegenwart.
Das MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst als Standort der Sammlung Grothe wird seit seiner Gründung von der Stiftung für Kunst und Kultur e. V. Bonn betrieben. Die Stiftung konzipiert und organisiert die Ausstellungen und betreut die umfangreiche Sammlung, die heute dem Kunstsammler-Ehepaar Ströher aus Darmstadt gehört, im MKM. Direktor ist seit 1999 Walter Smerling.
Vom Kleinen Arschloch, Käpt’n Blaubär
und dem fantastischen Kontinent Zamonien Von Petra Grünendahl
Walter Moers in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen: Impressionen aus der Ausstellung. Foto: Petra Grünendahl. _________________________________________
Den Besucher empfangen bereits in den Erdgeschoss-Räumen der Ausstellung viele kleinteilige Comic-Strips und Stories, aber auch größerformatige Arbeiten. Jeder Raum erzählt andere Geschichten: Vom neuen Buch „Das Eichhörnchen, das rückwärts leben wollte“ (2024) über „Das Labyrinth der Träumenden Bücher“ oder „Der Bücherdrache“ bis hin zum Kleinen Arschloch oder Käpt’n Blaubär aus der „Sendung mit der Maus“ und Moers‘ erstem Roman „Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär“ (1999). Letzterer bildet Auftakt für die fantastische Zamonien-Reihe führt Moers’ Alter Ego Hildegunst von Mythenmetz als eigentlichen Verfasser der Zamonien-Romane ein. Mit dabei sind auch die Puppen aus der „Sendung mit der Maus“, die hier wohl ein letztes Mal präsentiert werden können: „Die zerbröseln so langsam“, erklärte Puppemmacher Carsten Sommer. Das vielfältige Moers’sche Universum versammelt Lügengeschichten, von denen so manche in einen jungen Publikum die Lust aufs Lesen geweckt haben. Comic-Strips, Zeichnungen, kleine Skulpturen (u. a. auch die „Buchlinge“), farbige Zeichnungen und Ölbilder, Monitore mit Bewegbild oder die Puppen aus Käpt’n Blaubär sind thematisch eingeordnet auf die verschiedenen Geschichten, die sie illustrieren: Sie werden in der Ludwiggalerie über drei Etagen verteilt präsentiert.
Stellten die neue Ausstellung vor (v. l.): Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt, Uwe Eichholz (Gestalter der Ausstellung), Dr. Wolfgang Ferchl, dem langjährigen Verleger und Lektor von Walter Moers, und Puppenbauer Carsten Sommer. Foto: Petra Grünendahl. ______________________________________
Die komische Kunst des Walter Moers ist unter dem Titel „Was gibt’s denn da zu lachen?“ in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen zu sehen. Sie präsentiert das umfangreiche wie komplexe Werk von Walter Moers als Comiczeichner, Illustrator und Schriftsteller in einer unterhaltsamen Schau. Anhand von weit mehr als 300 originalen Zeichnungen, zahlreichen Puppen und Animationen eröffnet sich der Kosmos der komischen Kunst des Geschichtenerzählers und Bildermachers. Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt stellte die Ausstellung zusammen mit Dr. Wolfgang Ferchl, dem langjährigen Verleger und Lektor von Walter Moers, Puppenbauer Carsten Sommer und dem Gestalter der Ausstellung, Uwe Eichholz, vor. Vom reduzierten Zeichenstil und den überdimensionalen Nasen der Moers’schen Comics bis hin zu der reich illustrierten Welt Zamoniens – das breite Spektrum des grafischen Könnens von Walter Moers zieht sich durch sein gesamtes Werk. Zitate aus der Kunstgeschichte sind dabei ebenso zu finden wie Anagramme und zahlreiche intermediale und intertextuelle Verweise. Dabei gehören Bild und Text kongenial zusammen. Die ausgestellten Werke stammen aus der Sammlung von Walter Moers selbst, aus der seine Frau Elvira die von der Ludwiggalerie gewünschten Exponate rausgesucht hat. Die Puppen stammen aus der Sammlung von Carsten Sommer, der sie damals für den WDR angefertigt hatte. Die Ausstellung wird gefördert von der Stadtsparkasse Oberhausen und dem Freundeskreis der Ludwiggalerie. Fürs Publikum ist sie ab Sonntag offiziell eröffnet. Hier gibt es den Flyer zur sehr sehenswerten Ausstellung als pdf zum Download.
Und hier ist das geniale Video „Der Bonker“ von Walter Moers mit Thomas Pigor …
Mit dem Videoclip „Ich hock‘ in meinem Bonker“ schafft die kontroverse Figur Adolf den Sprung ins Internet und in die deutschen Charts.
Der Künstler: Humor ist ein ernstes Geschäft
Walter Moers in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl. _________________________________________
Egal, ob als zeichnender Autor oder als schreibender Zeichner: Walter Moers (*1957) hat wie kein anderer in Deutschland die unterschiedlichsten Figuren erdacht und mit Witz und Hintergründigkeit ihre Geschichten erzählt. Seine Anfängen als Comic-Zeichner verrieten seine schwarzhumorige und provokante Seite: Das Kleine Arschloch, Der alte Sack oder Adolf, die Nazi-Sau, zeugen davon. Er schaffte den Sprung ins Internet und in die deutschen Charts. Auch im Film und Fernsehen, im Hörbuch und in der Graphic Novel sind seine Charaktere vertreten. Käpt’n Blaubär begeistert zunächst in der „Sendung mit der Maus“ mit seinen einfallsreichen Lügengeschichten ein junges Publikum und gibt mit Moers‘ erstem Roman „Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär“ den Auftakt für die fantastische Zamonien-Reihe.
 :
Walter Moers in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen: Impressionen aus der Ausstellung. Foto: Petra Grünendahl. _________________________________________
Ohne formellen Schulabschluss und mit einer abgebrochenen kaufmännischen Ausbildung verdiente Walter Moers zunächst sein Geld mit verschiedensten Gelegenheitsarbeiten. Zu seinen ersten zeichnerischen Aufträgen (auch diese zunächst als Gelegenheitsjobs) gehörten kleine Gutenachtgeschichten für das „Sandmännchen“. Sein zeichnerisches Können eignete sich Moers im Selbststudium an und er baute diese Tätigkeit sukzessive weiter aus. Als Autor und Zeichner wurde er schließlich einer der wichtigsten Vertreter der deutschen Fantasy-Literatur. Mit doppelbödigem Humor und einem Hang zur Parodie kreiert er die unterschiedlichsten Figuren und Geschichten und schöpft dabei in dem Zusammenspiel aus Zeichen- und Schreibkunst aus seinem fabelhaften Talent.
Zur Ausstellung erscheint ein 288-seitiger, reich bebilderter Katalog, herausgegeben von Christine Vogt, im Kerber Verlag. Das Werk ist im Museumsshop für 34,90 Euro zu haben (ISBN 978-3-7356-1004-1).
Impressionen aus der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl
Diese Diashow benötigt JavaScript.
Ludwiggalerie Schloss Oberhausen
Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.
Die Sonderausstellung im Großen Schloss läuft bis zum 19. Januar 2025. Das Museum ist geöffnet von Dienstag bis Sonntag zwischen 11 und 18 Uhr. Montags ist Ruhetag, feiertags sowie Oster- und Pfingstmontag ist jedoch geöffnet. Geschlossen ist am 24., 25. und 31. Dezember sowie 1. Januar. Der Eintritt kostet 8,00 Euro (ermäßigt 4,00 Euro, Familien mit zwei Erwachsenen plus Kindern 12,00 Euro). Außerdem gibt es ein Kombiticket mit dem Gasometer Oberhausen für 17,00 Euro.
Walter Moers in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen: Impressionen aus der Ausstellung. Foto: Petra Grünendahl. _________________________________________
Öffentliche Führungen finden im Großen Schloss sonn- und feiertags um 11.30 Uhr statt. Zudem gibt es zur Ausstellung Kuratorenführungen (mit Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt) am:
Sonntag, 6. Oktober 2024, 15 Uhr,
Sonntag, 20. Oktober 2024, 15 Uhr,
Sonntag, 1. Dezember 2024, 15 Uhr,
Sonntag, 15. Dezember 2024, 15 Uhr, und
Sonntag, 19. Januar 2024, 15 Uhr.
Darüber hinaus gibt es zahlreiche Veranstaltungen zu Themen rund um den Moers’schen Kosmos sowie Führungen der Kunstvermittlung für Erwachsene, Kinder und Jugendliche. Alle Führungen sind im Museumseintritt inklusive. Details zum gesamten Rahmenprogramm zu den Ausstellungen sowie zum museumspädagogischen Angebot gibt es im Flyer (Link siehe oben) sowie hier.
Ludwiggalerie Schloss Oberhausen: Das Kleine Schloss. Foto: Petra Grünendahl.
Im Kleinen Schloss ist noch bis zum 6. Oktober 2024 der Kunstverein zu Gast in der Ludwiggalerie und Andrea Benders Arbeiten in der Ausstellung „Kunstschnee“ zu sehen. Ab dem 20. Oktober 2024 bis zum 2. Februar 2025 widmet sich die Ausstellung „Aus der Rolle gefallen. Deutsche Comiczeichnerinnen im Blick“ fünf weiblichen Positionen in der Bilderzählung.
Die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen ist eines der 21 RuhrKunstMuseen. Sie befindet sich an der Konrad-Adenauer-Allee 46 in 46049 Oberhausen. Anfahrt am besten über die A42, Abfahrt Oberhausen-Zentrum. Weitere Infos unter www.ludwiggalerie.de.
Gedenkhalle im Schloss Oberhausen
Gedenkhalle am Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.
Sehr bemerkenswert ist die ebenfalls im Schloss Oberhausen untergebrachte, aber nicht zur Ludwiggalerie gehörige Gedenkhalle. Als städtische Einrichtung in Erinnerung an die Verfolgten des Nationalsozialismus arbeitet die Gedenkhalle seit 1962 gegen das Vergessen und für das Miteinander aller Menschen in Oberhausen. Mit der 2010 erneuerten Dauerausstellung widmet sie sich der Stadtgeschichte zwischen 1933 und 1945 sowie der Zwangsarbeit im Ruhrgebiet während der NS-Zeit. Der Eintritt ist frei. Da sollte man unbedingt mal vorbei schauen! www.gedenkhalle-oberhausen.de
text
Container statt Kohle: Auf dem Weg zum größten Containerterminal im europäischen Binnenland Von Petra Grünendahl
duisport-Vorstände Lars Nennhaus (l.) und Markus Bangen (r.) begrüßten Ministerpräsident Hendrik Wüst zur Eröffnung des Duisburg Gateway Terminals (DGT). Foto: Marco Stepniak / duisport. ___________________________________
„Wo mehr als 100 Jahre lang Kohle umgeschlagen wurde, steht jetzt ein klimaneutrales Containerterminal. Das Duisport Gateway Terminal ist ein herausragendes Beispiel für den gelungenen Strukturwandel im Ruhrgebiet: Die Umsetzung von der Idee bis zu Fertigstellung in nur wenigen Jahren zeigt, dass wir in Nordrhein-Westfalen Tempo machen“, erklärte Hendrik Wüst, Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, bei der offiziellen Eröffnung des Duisburg Gateway Terminal (DGT).
Gaben gemeinsam das Signal zum Start des Duisburg Gateway Terminals (v. l.): Lars Nennhaus (duisport), Vincent Ng (PSA), Oberbürgermeister Sören Link, Prof. Dr. Anna Grevé (Fraunhofer UMSICHT), NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst, Markus Bangen, Prof. Dr. Manfred Renner (Fraunhofer UMSICHT), Henk Heuvelman (HTS), Michail Stahlhut (Hupac), Christoph Kahlert (DGT), Marcel Heuvelman (HTS) und Sven Zölle (DGT). Foto: Petra Grünendahl. ___________________________________________
„Mit dem Duisburg Gateway Terminal erhöhen wir die Umschlagskapazitäten im Duisburger Hafen um rund 850.000 TEU* pro Jahr. Damit bauen wir die Position als eines der wichtigsten Logistik-Drehkreuze in Europa weiter aus und stärken unsere Funktion als Rückgrat der Industrie in Nordrhein-Westfalen“, sagte duisport-CEO Markus Bangen. Und: „Wir blicken nicht zurück, sondern nach vorne: Hier entsteht eine Blaupause für die Zukunft, die wir auch auf andere Umschlagplätze im Hafen übertragen wollen.“
Start des Duisburg Gateway Terminals. Foto: Petra Grünendahl. ________________________________________
Mit der Eröffnung des Duisburg Gateway Terminal auf der ehemaligen Kohleninsel in Ruhrort feierte der Duisburger Hafen einen der bedeutendsten Meilensteine in seiner über 300-jährigen Geschichte. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst, Oberbürgermeister Sören Link, Vertreter der vier DGT-Gesellschafter duisport, HTS, Hupac und PSA sowie des Forschungsinstituts Fraunhofer UMSICHT drückten im Beisein von rund 250 geladenen Gästen den symbolischen Startknopf.
Das Duisburg Gateway Terminal (DGT) nimmt offiziell seinen Betrieb auf. Foto: Petra Grünendahl. __________________________________________
Der erste Bauabschnitt ist fünf Jahre nach Beginn der Planungen (2019) und nach nur gut zwei Jahren Bauzeit fertig gestellt: Das DGT nimmt nun offiziell den Betrieb auf. „Wenn alle Seiten – Unternehmen, Planer, Behörden, Politik und Bürgervereine – zusammenarbeiten und nach Lösungen suchen, dann sind wir erfolgreich. Das Ergebnis eines solchen gemeinschaftlichen Erfolgsprojekts können wir hier heute sehen“, betonten die Geschäftsführer der Duisburg Gateway Terminal GmbH, Christoph Kahlert und Sven Zölle. In wenigen Jahren wird hier auch der zweite Bauabschnitt, der als Spiegelung der ersten Anlagen angelegt ist, in Betrieb gehen.
Zehntes Containerterminal im Duisburger Hafen
Das Duisburg Gateway Terminal (DGT) nimmt offiziell seinen Betrieb auf. Foto: Petra Grünendahl. __________________________________________
„Duisburg wird künftig eine immer zentralere Rolle in der deutschen Energiewende spielen. Schon jetzt ist das hier am Hafen zu sehen: Wo früher Millionen Tonnen Kohle umgeschlagen wurden, wird mit dem Duisburg Gateway Terminal ein wegweisender Beitrag zur CO2-Reduktion geleistet. Mit Hilfe von Wasserstoff-Technologie entsteht Logistik der Zukunft. Darauf können alle beteiligten Partner zu Recht stolz sein“, sagte Oberbürgermeister Sören Link. Das DGT ist nicht nur das zehnte Containerterminal im Duisburger Hafen, es wird im Endausbau zugleich das größte im gesamten europäischen Binnenland sein.
Moderatorin Bettina Böttinger mit (v. l.) Lars Nennhaus (duisport), Vincent Ng (PSA), Oberbürgermeister Sören Link, Prof. Dr. Anna Grevé (Fraunhofer UMSICHT), NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst, Markus Bangen, Prof. Dr. Manfred Renner (Fraunhofer UMSICHT), Henk Heuvelman (HTS), Michail Stahlhut (Hupac), Christoph Kahlert (DGT), Marcel Heuvelman (HTS) und Sven Zölle (DGT). Foto: Petra Grünendahl. ______________________________________________
Die riesigen Portal-Krananlagen (Containerbrücken) haben Ausmaße, dass sie auch Containerschiffe be- und entladen können, die statt bislang sechs Container nebeneinander acht Container stehen haben. Dies könnte in Zukunft nötig sein, wenn neue Güterschiffe breiter ausgelegt werden, um bei Niedrigwasser mit weniger Tiefgang mehr befördern zu können. Ins DGT einfahrende Lkw-Verkehre kommen vom Kreuz Kaiserberg über die Sympherstraße und die Schlickstraße zur Kohleninsel, ausgehende Verkehre sollen je nach Verkehrslage ebenfalls in Richtung Kreuz Kaiserberg und/oder über eine neu gebaute Brücke zur Ölinsel und über die neue Umgehungsstraße an der Anschlussstelle Ruhrort auf die A59 fahren. Wohngebiete werden von Lkw-Verkehren von und zum DGT nicht betroffen sein.
Klimaneutraler Betrieb wird im Forschungsprojekt enerPort II erprobt
Modellprojekt für die Zukunft der Logistik
Das Duisburg Gateway Terminal (DGT) nimmt offiziell seinen Betrieb auf. Foto: Petra Grünendahl. __________________________________________
Das Duisburg Gateway Terminal ist in vielfacher Hinsicht ein Modellprojekt für die Zukunft der Logistik: Auf dem insgesamt 33 Fußballfelder großen Areal werden alle Güterbewegungen digital gesteuert. Das Projekt „enerPort II“ spielt hierbei eine ganz entscheidende Rolle. Im Rahmen des Vorhabens, in das Wirtschaft und Wissenschaft gleichermaßen eingebunden sind, wird im Duisburger Hafen ein Konzept zur vollständigen energetischen Transformation des Terminals realisiert.
Das Duisburg Gateway Terminal (DGT) nimmt offiziell seinen Betrieb auf. Foto: Petra Grünendahl. __________________________________________
Mit „enerPort II“ soll erstmals aufgezeigt werden, dass auch ein Terminal dieser Größenordnung mit lokaler Erzeugung von Wärme und Strom vollkommen klimaneutral betrieben werden kann. Auf dem DGT wird dazu ein nachhaltiges Energiesystem installiert, das erneuerbare Energien, Energiespeicher, Verbraucher und verschiedene Wasserstofftechnologien miteinander koppelt. Schlüsselkomponenten dafür sind eine Photovoltaik-Anlage, Brennstoffzellen-Systeme und Wasserstoffmotoren zur Stromerzeugung sowie Batteriespeicher. Ein intelligentes lokales Energienetz koppelte dabei die verschiedenen Energieanlagen und -speicher zur Versorgung der Verbraucher auf dem Terminal: Dazu gehören Landstrom, Ladesäulen und Krananlagen. Darüber hinaus wird auch eine zukünftige Versorgung angrenzender Quartiere theoretisch betrachtet.
Projekt enerPort II setzt Maßstäbe
Das Duisburg Gateway Terminal (DGT) nimmt offiziell seinen Betrieb auf. Foto: Petra Grünendahl. __________________________________________
„Das Herausragende an enerPort II ist sowohl die Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft als auch der mutige Schritt in die Umsetzung. Wir sammeln schon heute wertvolle Erfahrungen zu Planung und Betrieb zukünftiger Energiesysteme“, sagt Prof.
Das Duisburg Gateway Terminal (DGT) nimmt offiziell seinen Betrieb auf. Foto: Petra Grünendahl. __________________________________________
Dr.-Ing. Anna Grevé, Abteilungsleiterin Elektrochemische Energiespeicher bei Fraunhofer UMSICHT (Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT). Das Oberhausener Institut leitet gemeinsam mit duisport das Forschungsprojekt. Weitere Partner sind die Westenergie Netzservice GmbH, die Rolls-Royce Power Systems AG, die Netze Duisburg GmbH, die Stadtwerke Duisburg AG sowie die Stadtwerke Duisburg Energiehandel GmbH. Das Projekt enerPort II wird im Rahmen der „Technologieoffensive Wasserstoff“ vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) gefördert.
Zahlen, Daten & Fakten zum Duisburg Gateway Terminal (DGT)
Das Duisburg Gateway Terminal (DGT) nimmt offiziell seinen Betrieb auf. Foto: Petra Grünendahl. __________________________________________
Gesellschafter: Duisburger Hafen AG (duisport), HTS Intermodaal B.V. (Niederlande), Hupac AG (Schweiz) und PSA International (Singapur, ehem. Port of Singapore Authority, die sich mittlerweile als Logistiker global aufgestellt haben)
Geschäftsführer: Christoph Kahlert, Sven Zölle
Baukosten (1. Bauabschnitt inkl. Projekt enerPort II und Brücke): rund 120 Mio. Euro, davon rund 50 Mio. Euro Förderung (aus zwei verschiedenen Fördertöpfen)
Ladesäule für Terminal-Fahrzeuge: Das Duisburg Gateway Terminal (DGT) nimmt offiziell seinen Betrieb auf. Foto: Petra Grünendahl. __________________________________________
Bauzeit: 2 Jahre (für den ersten Bauabschnitt)
Terminalfläche (gesamt): 235.000 qm
In Betrieb genommene Fläche (1. Bauabschnitt): 150.000 qm
Verwaltungsgebäude: Das Duisburg Gateway Terminal (DGT) nimmt offiziell seinen Betrieb auf. Foto: Petra Grünendahl. __________________________________________
Die Duisburger Hafen AG (duisport) ist die Eigentums- und Managementgesellschaft des Duisburger Hafens, des größten Binnenhafens der Welt. Die duisport-Gruppe bietet für den Hafen- und Logistikstandort Full Service-Pakete in den Bereichen Infra- und Suprastruktur inkl. Ansiedlungsmanagement. Darüber hinaus erbringen die Tochtergesellschaften logistische Dienstleistungen wie beispielsweise den Aufbau und die Optimierung von Transport- und Logistikketten, Schienengüterverkehrsleistungen, Gebäudemanagement und Verpackungslogistik. www.duisport.de
*) TEU (Twenty Foot Equivalent Unit) = Maßeinheit für Standardcontainer
Nationale Hafenpolitik und Herausforderungen für die maritime Logistik Von Petra Grünendahl
Von links: Markus Bangen, Dr. Christoph Kösters, Oliver Luksic, Werner Schaurte-Küppers, Henning Rehmann, Michael Röls-Leitmann und Frank Börner. Foto: Petra Grünendahl. ________________________________________
„Die Rheinvertiefungen zur Sohlenstabilisierung haben einen hohen Kosten-Nutzen-Faktor und sind volkswirtschaftlich von großer Bedeutung“, sagte Oliver Luksic MdB (FDP), parlamentarischer Staatssekretär beim Verkehrsministerium. Der Saarländer gilt als Streiter für den Kombinierten Verkehr und machte auch hier klar, dass angesichts ausgelasteter Straßen mehr von den noch verfügbaren Kapazitäten auf den Wasserstraßen genutzt werden müssten. Hier machten Investitionen in die Infrastruktur wirtschaftlich und ökologisch ebenso Sinn wie in die lange vernachlässigten Schienenanbindungen an die Häfen. Der Erhalt und die Ertüchtigung dieser und der Straßeninfrastruktur sei dringend nötig, allerdings anspruchsvoll in der Realisierung im laufenden Betrieb, erklärte er in seinem Eingangsstatement. Damit lief er bei den Teilnehmern der Veranstaltung ebenso wie auf dem Podium offene Türen ein. Die Verlässlichkeit und Kontinuität der Verkehrspolitik mahnte auch IHK-Präsident Werner Schaurte-Küppers in seiner Begrüßungsrede an: Um Ziele der Verkehrsverlagerung zu erreichen, müssten Binnenschifffahrt und maritime Logistik in den Mittelpunkt gerückt werden. VVWL-Hauptgeschäftsführer Dr. Christoph Kösters mahnte eine zügige Umsetzung der nationalen Hafenstrategie an, um den Gütertransport zuverlässig und planbar zu gestalten. Deutschland und insbesondere auf eine funktionierende Logistik angewiesen.
16. NetzwerkForum SchifffahrtHafenLogistik bei der Niederrheinischen IHK an der Mercatorstraße. Foto: Petra Grünendahl. ____________________________________
Zum 16. NetzwerkForum SchifffahrtHafenLogistik hatten der Verband Verkehrswirtschaft und Logistik NRW e. V. (VVWL) und die Niederrheinische IHK Duisburg Wesel Kleve eingeladen. Zum Traditionsevent kamen fast 100 Fachleute aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik, um über verschiedene Aspekte von nationaler Hafenpolitik und maritimer Logistik zu erörtern und zu diskutieren. Den Begrüßungen folgten zwei Podiumsrunden: ein Politik-Talk zur Zukunft maritimer Hinterlandverkehre und zur Infrastruktur in der aktuellen Politik sowie ein Wirtschafts-Podium zum Thema „Märkte, Transformationen und Nachhaltigkeit“ zu den Herausforderungen der maritimen Logistik. Die Moderation der Traditionsveranstaltung lag in den bewährten Händen von Sebastian Reimann, Chefredakteur der Deutschen Verkehrs-Zeitung (DVZ), einer Fachzeitung der Transport- und Logistikbranche.
Politik-Talk (von links): Frank Börner, Michael Röls-Leitmann, Oliver Luksic, Henning Rehmann und Moderator Sebastian Reimann. Foto: Petra Grünendahl. ____________________________________
Henning Rehbaum MdB (CDU, Münsterland), Frank Börner MdL (SPD, Duisburg) und Michael Röls-Leitmann MdL (Grüne, Dortmund) unterstrichen zusammen mit Oliver Luksic in der Diskussion, wie dringend nötig Investitionen in das System Wasserstraße mit Häfen, Flüssen und Kanälen, Schleusen und Brücken sind, um hier wirtschaftlich und umweltfreundlich insbesondere Schwer- und Massengüter zu transportieren. „Die Bedeutung der Infrastruktur ist allen klar“, so der Grüne Röls-Leitmann. „Wir wissen, dass wir mehr investieren müssten, denn die Verlässlichkeit der Transportwege ist wichtig.“ Dass insbesondere Ersatz-Neubauten für in die Jahre gekommene Infrastruktur schneller realisiert werden müsste, betonte auch der Duisburger MdL Frank Börner. Hier gebe es immer noch zu viel Bürokratie: „Wo schon eine Brücke steht, braucht man keine neue Umweltverträglichkeitsprüfung“, sagte Rehmann, der im Bundestags-Verkehrsausschuss sitzt.
Podiumsrunde Wirtschaft
Von links: Torsten Schütte, Markus Bangen, Dr. Christoph Kösters, Thijs van den Heuvel, Hanna Stelzel, Carsten Schmücker und Daniel Hosseus. Foto: Petra Grünendahl. ___________________________________
Als Vertreter der maritimen Logistik diskutierten Torsten Schütte (Geschäftsführer, Container Terminal Dortmund), Daniel Hosseus (Hauptgeschäftsführer, Verband der deutschen Seehafenbetriebe), Hanna Stelzel (Direktor Container, Hafen Rotterdam), Markus Bangen (Vorstandsvorsitzender der Duisburger Hafen AG), Carsten Schmücker (Globaler Logistikeinkauf, Lanxess Deutschland) und Thijs van den Heuvel (Geschäftsführer Transport-Netzwerk der Contargo-Gruppe) über die Herausforderungen, die Märkte, Transformation und Nachhaltigkeit an die Akteure stellen.
Wirtschafts-Podium (von links): Torsten Schütte, Daniel Hosseus, Hanna Stelzel, Markus Bangen, Carsten Schmücker, Thijs van den Heuvel und Moderator Sebastian Reimann. Foto: Petra Grünendahl. ________________________________________
Zu den Themen der Diskussion zählten Verschiebungen bei den Transportgütern (Zuwächse und Rückgänge gleichen sich an den Standorten der Diskutanten weitestgehend aus) sowie die Herausforderungen angesichts von Unabwägbarkeiten der Güterströme, die teilweise auch Zeichen sind für Produktionsverlagerungen: „Wir haben mehr Trailerverkehre aus Südost-Europa und der Türkei“, erklärte duisport-CEO Markus Bangen. Und: Das Outsourcing der Produktion gehe also nicht mehr so stark nach China und Südost-Asien, sondern bleibe in Europa. Umstrukturierungen von Lagerflächen sowie den Ausbau von Kooperationen erörterten die Podiumsteilnehmer hier ebenso wie die Übernahme von Technologien, die man bislang aus Seehäfen kannte, um die Warenabfertigung im Hinterland zu optimieren. Zur Diskussion standen auch Perspektiven von Wasserstofftransport und Lagerung, prognostizierte weitere Steigerungen der Güterverkehre (eine Studie geht von einer Verdreifachung aus) sowie die Cybersicherheit und ihre Bedeutung für Güterlogistik und Versorgungssicherheit.
Der Universitätsstandort und seine Entwicklung seit 1655 Von Petra Grünendahl
Duisburger Forschungen Band 64 Universität 1655 – 1818 – 2018. Foto: Petra Grünendahl. _______________________________
Nicht erst mit der Gründung der Gesamthochschule 1972 hatte es in Duisburg eine Hochschule gegeben: Bereits 1655 war die Universität Duisburg gegründet worden. Auf Weisung der preußischen Regierung wurde diese 1818 aufgelöst (im Rahmen des deutschen „.Hochschulsterbens“ um 1800). Die Auflösung der alten Universität wurde vor dem Hintergrund der Industrialisierung damals als folgerichtig bewertet, schreibt Dr. Andreas Pilger, Leiter des Duisburger Stadtarchivs, in seinem Beitrag über die „hochschullose“ Zeit. Erst mit dem Strukturwandel besann man sich auf dieses Erbe. Zahlreiche Hochschulgründungen im Ruhrgebiet ab den 1960er-Jahren zeugen davon. Neben den Gesamthochschulen in Duisburg und Essen thematisieren Autoren hier unter anderem die Folkwang Universität der Künste sowie den Neubeginn der Lehramtsausbildung nach 1945. Die Gesamthochschule, die später den Namen Gerhard-Mercator-Universität trug, fusionierte 2003 mit der Uni-Gesamthochschule Essen zur Universität Duisburg-Essen (UDE). Lockten die Hochschulgründungen der frühen Neuzeit noch Studenten aus dem Bildungsbürgertum, so zielten die Neugründungen der 1960er-Jahre darauf ab, Chancen für bildungsferne Schichten zu eröffnen. Mit der Fusion zur UDE entstand eine neue leistungsstarke Institution, die als Erfolgsgeschichte im Ruhrgebiet und mit ihrem tradierten Selbstverständnis ihren Platz in der akademischen Welt auch bundesweit behauptet.
Duisburger Forschungen Band 64 Universität 1655 – 1818 – 2018. Foto: Petra Grünendahl. _______________________________
Der neueste Band der „Duisburger Forschungen“ (Band 64) enthält acht Beiträge zur Geschichte der Hochschulen in Duisburg und Essen zwischen 1655 und 2018. Die Beiträge greifen unterschiedlichste Aspekte der Hochschullandschaft in der Region auf: Von der Rolle der Universität Duisburg in der niederländischen Kirchenpolitik der Frühen Neuzeit, über die Schließung der alten Duisburger Universität, den Wiederaufbau der Volksschullehrerausbildung in der Nachkriegszeit bis hin zur Fusion der Universität Duisburg-Essen. Inwieweit institutionelle Umbrüche im 19. und 20. Jahrhundert Strukturen und Aufgaben der regionalen (Hoch-)Schuleinrichtungen veränderten und gesellschaftlichen Wandel voran trieben, beschäftigte Wissenschaftler bei einer Tagung im Wintersemester 2018/19. Eine Auswahl an Beiträgen aus der Vortragsreihe wird mit diesem Buch in gut lesbarer Form einem breiteren interessierten Publikum zugänglich. Herausgegeben werden die Duisburger Forschungen vom Stadtarchiv Duisburg zusammen mit der Mercator-Gesellschaft. Dieser Band enthält Texte von Hendrik Friggemann, Ralf-Peter Fuchs, Manfred Komorowski, Andreas Pilger, Andreas Jacob, Wilfried Loth und Albert Bilo.
Die Duisburger Forschungen
Duisburger Forschungen Band 64 Universität 1655 – 1818 – 2018. Foto: Petra Grünendahl. _______________________________
Die Duisburger Forschungen sind eine historiografische Publikationsreihe des Duisburger Stadtarchivs und der Mercator-Gesellschaft Verein für Geschichte und Heimatkunde e. V. Duisburg, die seit dem Jahr 1957 in unregelmäßigen Abständen erscheint. Sie behandeln ein breites Spektrum an Themen, die von der Duisburger Vor- und Frühgeschichte bis nah an die Gegenwart reichen. Überwiegend sind die Bände um thematische Schwerpunkte herum konzipiert, die sie unter verschiedenen Aspekten wissenschaftlich fundiert beleuchten. Die Reihe „Duisburger Forschungen“ gewährt heimatgeschichtlich interessierten Bürgern einen Zugang zu stadthistorischen Forschungen. Die ersten 59 Bände der Duisburger Forschungen (bis 2013) sind über den DFG-Viewer online einsehbar. Veröffentlicht wurde die Reihe von wechselnden Duisburger Verlagen: Zunächst im Verlag für Wirtschaft und Kultur Werner Renckhoff (1957 bis 1961), später im Verlag Werner Braun (1961 bis 1997) sowie schließlich im Mercator-Verlag (1998 bis 2013). Seit dem Band 60 (2015) erscheint die Reihe im Essener Klartext Verlag.
Der 64. Band der „Duisburger Forschungen“ ist als 176-seitiges Buch mit einigen historischen Abbildungen im Broschur-Umschlag (Format 17 x 24 cm) im Essener Klartext Verlag erschienen. Für einen Preis von 29,95 Euro ist das Werk im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-8375-2622-6).
Der Blick ins Buch. Fotos: Petra Grünendahl
Diese Diashow benötigt JavaScript.
Der Verlag
Duisburger Forschungen Band 64 Universität 1655 – 1818 – 2018. Foto: Petra Grünendahl. _______________________________
Der Klartext Verlag wurde 1983 gegründet, seit 2007 ist er Teil der Funke Mediengruppe. Seine Heimat liegt im Ruhrgebiet, wo auch der überwiegende Teil seiner Publikationen angesiedelt ist: Freizeitführer mit Inspirationen für Jung und Alt, Sachbücher, Ausstellungskataloge, Kalender und Bildbände. Die Reihen von Freizeitführern bieten Tipps für „Umsonst & draußen“ oder „Märchenhaft wandern“. Im Rahmen „Schönes NRW“ zeigen die Bücher Ziele und Gegenden, die man zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit oder ohne Motor erholen, zu Fuß die Gegend erkunden kann: Im Ruhrgebiet, im Sauerland, im Münsterland, entlang des Niederrheins oder durch die Eifel. Mit der „Von oben“-Reihe kann man Städte nicht nur im Ruhrgebiet, sondern in ganz Deutschland aus der Vogelperspektive bewundern. Und mit der Reihe „Irrtümer und Wahrheiten“ (bei ihrem Start im Verlagsprogramm hieß die Serie noch „Klugscheißer“) lernt der Leser Neues zu verschiedenen Orten, Themen und Fußballvereinen – unterhaltsam, fundiert und auch mit dem einem oder anderen Augenzwinkern. www.klartext-verlag.de
Wanderrouten mit spannenden Ausflugzielen am Wegesrand Von Petra Grünendahl
Märchenhaft wandern am Niederrhein: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl. _______________________________
Die weitestgehend ebene Landschaft mit ihren überwiegend sanften Anstiegen ist als Wanderweg fast schon familientauglich. Der eine oder andere Berg, manch einer sogar mit einem Aussichtsturm oder gar die Schwanenburg in Kleve bieten aus erhöhter Position herrliche Ausblicke über diese Landschaft. Gärten und Parks, Schlösser und Wälder säumen die Wege und wecken Fantasien. Passend zu den Wanderungen haben die Autorinnen regionale Sagen und Legenden ausgegraben: Von den weisen Frauen an den Frauensteinen im Aaper Wald (Düsseldorf), Münchhausen in Wesel, von Riesen, Gespenst und vom Schwanenritter, von der Elfe, der Wasserfrau und dem Eremiten und natürlich von Siegfried, dem Drachentöter (Xanten). Auf der falschen Spur waren sie allerdings mit dem Schinderhannes: Die Schinderhanneshöhle im Duisburger Stadtwald müsste eigentlich „Fetzer-Höhle“ heißen. Mathias Weber aus Grefrath, der auch im Gebiet Duisburg / Mülheim auf Raubzüge ging und den man den „Fetzer“ nannte, soll sich dort mit seinen Kumpanen versteckt haben. Der Schinderhannes aus dem Hunsrück kannte den Fetzer zwar aus gemeinsamen Gefängniszeiten, war aber selber nie in Duisburg.
Märchenhaft wandern am Niederrhein: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl. _______________________________
Mit ihrem Buch „Märchenhaft wandern“ nehmen Nikola Hollmann und Andrea Slavik ihre Leser mit durch wanderbare Landschaften hin zu sagenhaften Orten am Niederrhein. Zwölf Touren haben die Autorinnen dafür erkundet und als Wanderrouten dokumentiert: Die Ziele reichen von Kleve im Norden bis Düsseldorf im Süden und vom Rhein bis zur holländischen Grenze. Garniert sind die Touren mit spannenden Sagen und Legenden der Region: Nachweislich sind manche Orte seit der Jungsteinzeit besiedelt. Die Kelten hinterließen Spuren ebenso wie nach ihnen die Römer. Und schließlich Kurfürsten, Grafen, Herzöge und Äbte Spannende Ausflugsziele mit Geschichte und Geschichten also, um die sich besagte Sagen und Legenden ranken. Das Buch bietet darüber hinaus Streckeninformationen in Texten und Daten (Wegstrecke, Wanderdauer, Höhendifferenz, Anreise, Wegbeschaffenheit) und Kategorien für Attraktionen an der Strecke (wie Sehenswürdigkeiten, Kunst und Kultorte, Aussichtspunkte, Freizeitspaß und Familienfreundlichkeit). Nicht fehlen dürfen natürlich die Exkurse, was sich am Wegesrand noch gut erkunden lässt. Eine abschließende grobe Übersichtskarte bietet genau das: Einen sehr groben Überblick über die jeweilige Streckenführung. Das Ganze bietet nicht nur für Wanderfreunde wertvolle Informationen für Freizeitaktivitäten, sondern auch für Leute, die nicht auf Schusters Rappen unterwegs sind. Die Wanderstrecken reichen von 9,5 bis 19,5 Kilometer bei einer Dauer zwischen 2:15 und 4:40 Stunden und Höhenmeter im Auf- und Abstieg zwischen 18 und 208 Metern. Wobei sich die Zeiten auf die reinen Wanderstrecken beziehen. Wer abseits des Weges schauen oder gar weitere Ziele „Am Weg“, unter „Tipp“ oder „Info“ mitnehmen will, sollte auf jeden Fall mehr Zeit einplanen. Gastronomietipps runden den gelungenen Ausflug ab. Zu den Touren gibt es auch gpx-Daten.
Die Autorinnen und das Buch
Märchenhaft wandern am Niederrhein: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl. _______________________________
Die Rheinländerin Nikola Hollmann ist Journalistin und Theologin, die Tirolerin Andrea Slavik Filmemacherin und Esoterikerin. Die beiden haben sich bei der Ausbildung zu Wanderführern im Deutschen Wanderverband kennen gelernt. Seitdem sind sie gemeinsam unterwegs und bringen ihre Erfahrungen in Wander- und Reisebüchern zu Papier. Immer wieder zieht es sie auch in die Kultur- und Industrielandschaft des Ruhrgebiets und an den Niederrhein – auf der Suche nach dem Speziellen und dem Magischen. Von dem Autoren-Team stammen auch die Wanderführer „Wanderbare Halden“ und „Halden, Himmel, Horizonte“ sowie „Märchenhaft wandern im Ruhrgebiet“ und „Abenteuer & Glücksmomente“ sowie „Ritter, Ruinen & Romantik“, die wir bereits in Augenschein nehmen durften. www.wandern-pilgern-reisen.de
Das Buch „Märchenhaft wandern – Unterwegs zu sagenhaften Orten am Niederrhein“ von Nikola Hollmann und Andrea Slavik ist im Essener Klartext Verlag erschienen. Das 160-seitige Taschenbuch aus der Reihe „Schönes NRW“ mit zahlreichen Fotografien (überwiegend von den Autorinnen selber) und spannenden Informationen ist für 18,95 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-8375-2603-5).
Der Blick ins Buch. Fotos: Petra Grünendahl
Diese Diashow benötigt JavaScript.
Der Verlag
Märchenhaft wandern am Niederrhein: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl. _______________________________
Der Klartext Verlag wurde 1983 gegründet, seit 2007 ist er Teil der Funke Mediengruppe. Seine Heimat liegt im Ruhrgebiet, wo auch der überwiegende Teil seiner Publikationen angesiedelt ist: Freizeitführer mit Inspirationen für Jung und Alt, Sachbücher, Ausstellungskataloge, Kalender und Bildbände. Die Reihen von Freizeitführern bieten Tipps für „Umsonst & draußen“ oder „Märchenhaft wandern“. Im Rahmen „Schönes NRW“ zeigen die Bücher Ziele und Gegenden, die man zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit oder ohne Motor erholen, zu Fuß die Gegend erkunden kann: Im Ruhrgebiet, im Sauerland, im Münsterland, entlang des Niederrheins oder durch die Eifel. Mit der „Von oben“-Reihe kann man Städte nicht nur im Ruhrgebiet, sondern in ganz Deutschland aus der Vogelperspektive bewundern. Und mit der Reihe „Irrtümer und Wahrheiten“ (bei ihrem Start im Verlagsprogramm hieß die Serie noch „Klugscheißer“) lernt der Leser Neues zu verschiedenen Orten, Themen und Fußballvereinen – unterhaltsam, fundiert und auch mit dem einem oder anderen Augenzwinkern. www.klartext-verlag.de
Vielfältige Freizeitziele für Jung und Alt Von Petra Grünendahl
Umsonst & draußen Niederrhein – Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl. _________________________________
Schmuggler- und Erlebnispfade, Märchenwälder und ein Urwald, Skulpturenpark und Solegarten, Paddeln auf der Niers und verschiedene frei zugängliche Tiergehege bieten eine Vielfalt an Freizeitaktivitäten, denen man am Niederrhein nachgehen kann. Und natürlich lässt sich auch durch die Galaxis gehen oder fahren, nur eben nicht per Anhalter. Für manche Ziele sollte man besser zu Fuß oder eventuell auch mit dem Fahrrad unterwegs sein, bei anderen kann man es ruhiger an„gehen“ lassen – im wahrsten Sinne des Wortes. Neben der Siegfriedstadt Xanten mit APX und Kriemhildmühle ist Kamp-Lintfort mit dem Zechenpark und dem Gartenreich am Kloster Kamp wohl das hier vor Ort bekannteste Ziel. Neben Kamp-Lintfort (2020) ist mit Grefrath ein zweites Landesgartenschau-Gelände (1970) dabei. Was nicht heißt, dass die weniger bekannten Ziele weniger spannend und lohnenswert sind: Die Autorin hat da auch den einen oder anderen Geheimtipp parat. Den Leser wird überraschen, wie viele außergewöhnliche Ziele am Niederrhein die Freizeitgestaltung bereichern können. Gespickt sind die Informationen des Freizeitführers mit Sagen, Legenden und historischen Hintergründen.
Umsonst & draußen Niederrhein – Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl. _________________________________
In ihrem Buch „Umsonst & draußen“ hat die Autorin Susanne Wingels viele Ideen und Anregungen für den – so der Unterteil – Freizeitspaß am Niederrhein für alle zusammen getragen. In 23 Kapiteln stellt Wingels in ihrem Freizeitführer kostenlose und frei zugängliche Ausflugsziele für die ganze Familie vor: Freizeitvergnügen von Sehenswürdigkeiten und Aussichtspunkten über Fahrrad- und Wanderstrecken bis hin zu Kunst- und Naturerlebnissen. Die Ziele reichen von Kleve und Rees in Norden bis Dormagen, Wegberg und Übach-Palenberg (bei Aachen) im Süden. Exkursionen macht die Autorin mit „Tipp“, „In der Nähe“ und „Für kleines Geld“ zu weiteren Zielen am Wegesrand. Wie bei allen Freizeitführer der Reihe „Schönes NRW – Heimat erleben“ im Klartext Verlag üblich, sind den Zielen Kategorien zugeordnet, die dem Leser eine Bewertung bzw. Einschätzung erleichtern. Sie geben auch Auskunft zur Barrierefreiheit und zur Familienfreundlichkeit des Ziels. Dazu gibt es Daten zur Anreise (Pkw, ÖPNV) sowie – falls vorhanden – Hinweise auf Webseiten. Zum Abschluss gibt es im Kapitel „Dies & das“ weitere praktische Tipps für die Ausflüge in die Region.
Die Autorin und das Buch
Umsonst & draußen Niederrhein – Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl. _________________________________
Susanne Wingels (Jahrgang 1969) lebt mit ihrer Familie in Bedburg-Hau. Die gelernte Industriekauffrau und Übersetzerin kennt den Niederrhein wie ihre Westentasche: Seit ihrer Kindheit erkundet sie die Region. Mit Leidenschaft zeigt sie den Besuchern und ihren beiden Töchtern ihre Heimat. „Umsonst & draußen“ ist das fünfte Buch, das Wingels im Klartext Verlag veröffentlicht hat. Auch wir hatten schon mehrere ihrer Bücher (bzw. x) für eine Buchbesprechung. www.susanne-wingels.de
Das Buch „Umsonst & draußen“ ist im Essener Klartext Verlag erschienen. Das reich bebilderte 144-seitige Taschenbuch im Klappbroschur-Umschlag ist für 16,95 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-8375-2572-4).
Der Blick ins Buch. Fotos: Petra Grünendahl
Diese Diashow benötigt JavaScript.
Der Verlag
Umsonst & draußen Niederrhein – Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl. _________________________________
Der Klartext Verlag wurde 1983 gegründet, seit 2007 ist er Teil der Funke Mediengruppe. Seine Heimat liegt im Ruhrgebiet, wo auch der überwiegende Teil seiner Publikationen angesiedelt ist: Freizeitführer mit Inspirationen für Jung und Alt, Sachbücher, Ausstellungskataloge, Kalender und Bildbände. Die Reihen von Freizeitführern bieten Tipps für „Umsonst & draußen“ oder „Märchenhaft wandern“. Im Rahmen „Schönes NRW“ zeigen die Bücher Ziele und Gegenden, die man zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit oder ohne Motor erholen, zu Fuß die Gegend erkunden kann: Im Ruhrgebiet, im Sauerland, im Münsterland, entlang des Niederrheins oder durch die Eifel. Mit der „Von oben“-Reihe kann man Städte nicht nur im Ruhrgebiet, sondern in ganz Deutschland aus der Vogelperspektive bewundern. Und mit der Reihe „Irrtümer und Wahrheiten“ (bei ihrem Start im Verlagsprogramm hieß die Serie noch „Klugscheißer“) lernt der Leser Neues zu verschiedenen Orten, Themen und Fußballvereinen – unterhaltsam, fundiert und auch mit dem einem oder anderen Augenzwinkern. www.klartext-verlag.de
Sport und Kultur unter einem Dach Von Petra Grünendahl
Claudia Schäfer und Songwriter Dagmar Albert Horn. Foto: Petra Grünendahl. _______________________________
Aus einer Schnapsidee war das Duisburg-Lied 1994 entstanden: Alma-Ata-Frontmann Dagmar Albert Horn schrieb das Lied, dass er dann mit MSV-Stürmer Peter Közle und Bülent Aksen (Torwart beim Handball-Bundesligisten OSC Rheinhausen) in einem Studio einspielte. Beim nächsten Heimspiel des MSV Duisburg wurde es in der Pause vorgestellt: Es ging dann auch in den bundesweiten Medien „durch die Decke“. Seitdem wird es bei den Heimspielen des MSV zusammen mit Zebratwist und Hymne als Ritual eingespielt und von den Fans mitgesungen wird. Dieses Lied verbindet Fußball-Fans mit Duisburg und den Duisburgern und schlägt Brücken vom Sportplatz in die Stadt. Welche Rolle das Duisburg-Lied bei den Anhängern des MSV seit 30 Jahren spielt, wird auf Fotos aus drei Jahrzehnten deutlich, die im Veranstaltungssaal im Obergeschoss der cubus kunsthalle hängen. Neben einer Vielfalt von dokumentarischen Zeugnissen spielen auch Skulpturen eine Rolle: Der Bildhauer Jörg Winke, der seit seiner Kindheit MSV-Fan ist, zeigt hier unter anderem in Arbeit befindliche Skulpturen der MSV-Legende und Identifikationsfigur Michael Tönnies (1959–2017).
30 Jahre Duisburg-Lied: Die Macher und die Protagonisten (v. l.) Ditmar Schädel, Jörg Winke, Claudia Schäfer, Armin Klaes und Dagmar Albert Horn. Foto: Petra Grünendahl. _____________________________
Erste Einblicke in die neue Ausstellung gewährte Dr. Claudia Schäfer, Direktorin der cubus kunsthalle, zusammen mit ihren Mitstreitern. Als Team hatte sie mit dem Dirigenten Armin Klaes und dem Fotografen Ditmar Schädel diese Ausstellung mit Musik zur Entstehung und der Wirkungsgeschichte des Duisburg-Liedes konzipiert und organisiert. Zum Pressetermin waren auch der Dagmar Albert Horn und Bülent Aksen ebenso wie der Bildhauer Jörg Winke erschienen. Die Ausstellung „30 Jahre Duisburg-Lied“ umfasst unter anderem Fotos, Videos, Zeitdokumente und Liebhaberstücke überwiegend aus der Sammlung von Dagmar Horn, aber auch von externen Leihgebern. Breiten Raum nimmt auch die fotografische Dokumentation aus Zeiten der MSV-Krise 2013/2014 ein, bei denen auch das Duisburg-Lied eine verbindende Rolle gespielt hatte. Ergänzt wird die Schau zeitgenössischer Exponate durch ein Foto-Projekt von Ditmar Schädel mit Fan-Familien sowie Skulpturen von Jörg Winke. Darüber hinaus werden noch Fotos vom ehemaligen MSV-Pressesprecher Frank Belo in die Ausstellung integriert.
Ausstellung zum Duisburg-Lied: Impressionen. Fotos: Petra Grünendahl
Diese Diashow benötigt JavaScript.
Duisburg-Lied: Seine Bedeutung für Verein und Stadt
Songwriter Dagmar Albert Horn. Foto: Petra Grünendahl. _______________________________
An Sonntagnachmittagen soll der Ausstellungsraum zum Treffpunkt für MSV-Fans, Duisburg-Fans und Kulturinteressierte werden: Das Rahmenprogramm sieht Begleitveranstaltungen mit Musik, mit Podiumsdiskussionen sowie Gesprächen mit Zeitzeugen, Fan-Vertretern, MSV-Legenden und –Verantwortlichen vor. Die Bedeutung eines Liedes für den Zusammenhalt eines Fußballvereins und seiner Anhänger und zugleich als Ausdruck der Verbindung zur Stadt und Bürgerschaft werden dabei hervorgehoben und unter verschiedenen Aspekten vorgestellt.
Jörg Winke mit Michael Tönnies als Büste und „in Action“. Foto: Petra Grünendahl. _______________________________
Die Ausstellung schlägt so eine Brücke zwischen Kultur und dem Sport, die, so Claudia Schäfer, allzu häufig um Sponsorengelder konkurrieren und gegeneinander ausgespielt werden. Veranstalter ist die cubus kunsthalle zusammen mit der Gesellschaft der Musikfreunde Rhein-Ruhr e.V. Duisburg. Finanziell unterstützen die Stadt Duisburg, die Sparkasse Duisburg und die Gebag die Ausstellung. „30 Jahre Duisburg-Lied“ ist vom 7. Juli bis 31. August 2024 in der cubus kunsthalle im Kant-Park zu sehen. Die Eröffnung ist Sonntag, 7. Juli, um 17 Uhr.
Duisburger Legenden: Das Duisburg-Lied 2023
cubus kunsthalle
cubus kunsthalle im Kant-Park. Foto: Petra Grünendahl.
Die cubus kunsthalle liegt im Kant-Park in der Duisburger Innenstadt in der Nachbarschaft des Lehmbruck Museums, wo sie mit Ausstellungen zeitgenössischer Künstler und Konzerten, aber auch mit partizipativen Angeboten das Umfeld und die Duisburger Kunstlandschaft belebt. Gegründet hat die cubus kunsthalle die Duisburger Kunstwissenschaftlerin Dr. Claudia Schäfer 1987/88 als cubus galerie in Duissern, bevor sie 1994/95 mit Hilfe eines gemeinnützigen Fördervereins in das Gebäude des ehemaligen Niederrheinischen Museums der Stadt Duisburg in den Kant-Park zog. Die cubus kunsthalle finanziert sich durch Spenden zur Förderung von Kunst & Kultur, über Sponsorenleistungen und durch die Untervermietung des Café Museums. Neben Duisburger Künstlern zeigt die Kunsthalle internationale Künstler und stellt einmal jährlich eine Sammlung vor – und dies weitestgehend bei freiem Eintritt. Geöffnet hat die privat geführte Kunst- und Ausstellungshalle mittwochs bis sonntags zwischen 14 und 18 Uhr. www.cubus-kunsthalle.de
Investitionen in den Bestand und die Entwicklung neuer Stadtquartiere Von Petra Grünendahl
Neubau an der Duisburger Straße in Homberg. Foto: Daniel Koke Fotografie. ____________________
„Wenn bundesweit Bauprojekte runter gefahren werden, weil die Baukosten und Zinsen massiv gestiegen sind, ist es uns wichtig, in Duisburg einen Fels in der Brandung zu haben, der sowohl seinen Bestand weiter modernisiert als auch Wohnungen neu baut“, erklärte Oberbürgermeister Sören Link. Nach bezahlbarem Wohnraum bestehe eine Riesennachfrage: „Es ist gut, mit der GEBAG starken und leistungsfähigen Partner an der Seite der Stadt zu wissen.“ Die Krise geht aber auch an der GEBAG nicht spurlos vorbei: Es wird nicht so viel modernisiert und neu gebaut, wie ursprünglich geplant. Dennoch schlugen bei den Neubau-Projekten die Fertigstellungen 2023 mit 19,9 Mio. Euro zu Buche (2022: 26 Mio. Euro), die laufenden Maßnahmen mit weiteren 17,4 Mio. Euro (2022: 35 Mio. Euro). Im Fokus steht dabei der Neubau von öffentlich geförderten Wohnungen, der gute Dreiviertel im Bestand der GEBAG ausmacht: Dieser war noch vor wenigen Jahren Investoren schwer zu vermitteln – heute wird er gerne mitgenommen. „Wir müssen mehr davon in Duisburg möglich machen. Die GEBAG hat immer darauf gesetzt, weil es gute Wohnqualität zu überschaubaren Preisen bietet, so der OB. „Wir haben hier beileibe noch kein Mietniveau wie in anderen Städten: Das ist gut, aber darauf können wir uns nicht ausruhen, weil häufig niedrige Mieten einhergehen mit einem schlechtem energetischen Standard. Deswegen ist es wichtig, dass die GEBAG ihren Bestand modernisiert. Das ist gut für die Mieter, weil deren Nebenkosten bei steigenden Energiekosten perspektivisch gleich bleiben“, sagte Link.
Im Pressegespräch (v. l.): Wienand Schneider, Bernd Wortmeyer und Oberbürgermeister Sören Link. Foto: Petra Grünendahl. __________________________
Bei der Bilanzpressekonferenz standen neben Oberbürgermeister Sören Link Bernd Wortmeyer, Vorsitzender der GEBAG-Geschäftsführung, und der Technische Geschäftsführer Wienand Schneider Rede und Antwort. Die Wohnungswirtschaft stecke in einem „Trilemma“, so Wortmeyer, die Rahmenbedingungen für Wirtschaftlichkeit (hohe Baukosten und Zinsen) mit Nachhaltigkeit (unzureichende Förderlandschaft) und Sozialverträglichkeit (bezahlbarer Wohnraum) in Einklang zu bringen. Mit einem Jahresergebnis von 1,9 Mio. Euro lag die GEBAG 2023 sogar ganz leicht über ihren eigenen Erwartungen (2022: 4,9 Mio. Euro). Gestiegen ist die Bilanzsumme von knapp 727 Mio. Euro 2022 auf 750 Mio. Euro im vergangenen Jahr. Der Wohnungsbestand der GEBAG wächst kontinuierlich: Von 12.609 Wohnungen 2022 auf 12.685 Wohnungen 2023. Bei einer Leerstandsquote von knapp 3 Prozent (0,7 Prozent marktbedingt, 2,4 Prozent maßnahmenbedingt) besteht Vollvermietung. Interessenten für einen Wohnungswechsel haben es schwer auf dem Markt: „Wer eine gute Wohnung hat, zieht in der aktuellen Situation nicht aus“, sagte Wortmeyer. Die Fluktuation bei der Mieterschaft ist mit 6,8 Prozent so gering wie noch nie (2022: 7,4 Prozent).
Angestrebte Klimaneutralität bis 2045
Infografik: GEBAG. _______________________
Wenngleich auch die GEBAG ihre noch vor wenigen Jahren ausgerufene „Neubauoffensive“ nicht mehr wie gewünscht fortsetzen kann, so zeigen doch diverse Modernisierungs- und Neubaumaßnahmen, dass die städtische Wohnungsbaugesellschaft kontinuierlich daran arbeitet, die Duisburger weiterhin mit bezahlbarem Wohnraum in einer guten Qualität zu versorgen und den Bestand fit zu machen für die Zukunft. „Wir haben in den letzten neun Jahren die GEBAG umgebaut und auf Nachhaltigkeit getrimmt“, erklärte Bernd Wortmeyer seinen Kurs seit Übernahme der Geschäftsführung 2014. Im Jahr 2023 hat die GEBAG 33,3 Mio. Euro in die Modernisierung ihres Immobilienbestandes investiert (2022 waren es noch 42,5 Mio. Euro). Maßnahmen im Gebäudebestand umfassen Dämmung und eine Modernisierung von technischen Anlagen, die sich angesichts gestiegener Energiekosten positiv auf die Nebenkosten auswirken. „Damit wir das ambitionierte Ziel der Bundesregierung – bis 2045 unseren Gebäudebestand klimaneutral umzubauen – und weiterhin bezahlbaren Wohnraum schaffen zu können, brauchen wir verlässliche Rahmenbedingungen“, machte Bernd Wortmeyer deutlich. Hierzu zählten beispielsweise zuverlässige Förderperspektiven, eine Erhöhung der öffentlichen Fördermittel für den Wohnungsbau und eine grundsätzlich flexible Förderkulisse. Der klimaneutrale Umbau von Wohngebäuden sei nicht über Mieten zu finanzieren und bräuchte massive Unterstützung von Bund und Land, so der GEBAG-Chef.
Auch im Bereich der Flächenentwicklung geht es mit Dekadenprojekte weiter, die allesamt Vorzeigecharakter für Stadtentwicklung auf ehemaligen Industrieflächen haben: So konnte beim größten Stadtentwicklungsprojekt in NRW – 6-Seen-Wedau – mit dem Vertrieb der ersten Vermarktungslose im Quartier „Am Uferpark“ gestartet werden. Bei den „Duisburger Dünen“ unmittelbar südlich des Hauptbahnhofs lag der Fokus vor allem auf Gutachten- und Konzeptarbeiten, auch die Arbeiten am Bebauungsplan und dem städtebaulichen Entwurf sind vorangeschritten. Außerdem wurde der Startschuss für die Projektgesellschaft des Technologiezentrums Wedau gegeben, das sich künftig ebenfalls auf der Fläche des Technologie-Quartier-Wedau finden soll. Die Projektgesellschaft ist ein gemeinsames Projekt der Universität Duisburg-Essen, GEBAG, Duisburg Business & Innovation und der Stadt Duisburg.
GEBAG
Verwaltung der GEBAG an der Tiergartenstraße im Dellviertel. Foto: Petra Grünendahl.
Die GEBAG Duisburger Baugesellschaft mbH (GEBAG) wurde als Duisburger Gemeinnützige Baugesellschaft AG 1872 gegründet und zählt zu den ältesten Baugesellschaften Deutschlands. Die GEBAG ist mit aktuell 12.685 Wohnungen mit insgesamt über 829.000 Quadratmetern Wohnfläche und mit 151 Gewerbeeinheiten das größte Immobilienunternehmen der Stadt. Sie bietet rund 35.000 Duisburgern ein Zuhause: Bezahlbar und in einer guten, zeitgemäßen Qualität. Die GEBAG ist das kommunale Immobilienunternehmen der Stadt Duisburg und beschäftigt mehr als 225 Mitarbeiter. Seit über 150 Jahren prägt sie die Gestaltung und Entwicklung der Stadt Duisburg maßgeblich mit. Soziales Engagement in und für Duisburg wird hier großgeschrieben.
Der Vertrieb für ein weiteres Vermarktungslos im Quartier Am Uferpark ist gestartet. Visualisierung: GEBAG.
Seit 2017 ist die kommunale Wohnungsbaugesellschaft auch als Stadt- und Flächenentwickler aktiv. So ist die GEBAG die treibende Kraft hinter 6-Seen-Wedau, dem größten Stadtentwicklungsprojekt in Nordrhein-Westfalen. Auch andere Flächenentwicklungsprojekte, wie das Gelände Am Alten Güterbahnhof unmittelbar südlich des Duisburger Hauptbahnhofs oder das Technologie-Quartier Wedau-Nord gehören ins Portfolio der GEBAG. Zudem ist die GEBAG seit 2023 im Auftrag der Stadt Duisburg zuständig für die Errichtung, Sanierung und Bewirtschaftung aller städtischen Kitas im Rahmen des Sondervermögen Kinder- und Jugendbereich Duisburg (SVK). Mit der Tochtergesellschaft Duisburger Stadionmanagement GmbH übernimmt die GEBAG die kaufmännische und technische Bewirtschaftung der Duisburger Schauinslandreisen-Arena. Mit den Projekten Urbane Zukunft Ruhr und Urban Zero ist die GEBAG Teil zweier beispielhafter Quartiersentwicklungs-Projekte, die maßgeblich zur nachhaltigen Transformation Duisburgs beitragen werden. www.gebag.de
Meilensteine der Industriekultur: Anfänge – Hochindustrialisierung – Strukturwandel Von Petra Grünendahl
StahlZeitReisen: der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl. _____________________________
Im Jahr 1758 wurde auf der St.-Antony-Hütte, der Wiege der Ruhrindustrie, die erste Eisenschmelze mit Holzkohle betrieben. Wie es damals auf St.-Antony ausgesehen haben muss, kann man heute noch im sauerländischen Balve-Wocklum in der ältesten komplett erhaltenen Hüttenanlage der Luisenhütte sehen: Diese nahm zeitgleich mit St.-Antony ihren Betrieb auf. Die beiden Hütten symbolisieren die enge Verflechtung des Ruhrgebiets mit Südwestfalen (Siegerland und Sauerland). Lange vor dem Ruhrgebiet wurde in Südwestfalen mit vorindustrieller Technik Eisen aus heimischen Erzen gewonnen. Der Erzbergbau geht zurück bis 8. und 9. Jahrhundert. Mit der Kohlenförderung an der Ruhr – ab dem 13. Jahrhundert für den Eigenbedarf, ab dem 18. Jahrhundert (und nach der Erfindung der Dampfmaschine) dann staatlich reglementiert – übernahm das Ruhrgebiet mit dem Stollenbergbau die Führung in der Frühindustrialisierung. Als die Förderung aus großen Tiefen möglich wurde (Tiefbauzechen) und der Bergbau nach Norden wanderte, etablierte sich dort die Schwerindustrie, die das Ruhrgebiet lange Zeit prägte. Dafür, dass Südwestfalen hier nie nachzog, bieten sich dort für Interessierte zahlreiche Möglichkeiten, auch Zeugnisse frühester Industrialisierung zu erkunden, die hier vor langer Zeit schon abgerissen und durch modernere Anlagen ersetzt worden waren.
StahlZeitReisen: der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl. _____________________________
Das Buch „StahlZeitReisen“ führt den Leser an 34 Meilensteine der Industriekultur – Bergbau (nicht nur Kohle und Erz), Eisen und Stahl, Wasser sowie Eisenbahn – im Ruhrgebiet und in Südwestfalen. Dazu kommen 68 weitere Kultur- und Freizeit-Attraktionen in deren Umfeld. Eine Übersichts-Klappkarte im vorderen Einband hilft bei der Verortung der Ziele. 293 Fotos und 39 zeichnerischen Illustrationen vermitteln Eindrücke der spannenden Ziele. Durch die StahlZeitReisen führen Al und Lu: Die Charaktere sind angelehnt an den Ruhrgebiets-Industriellen Alfred Krupp (1812–1887) und an Luise von Landsberg-Velen (1797–1866), Namensgeberin der vorindustriellen Luisenhütte im sauerländischen Balve. Als Zeitreisende besuchen sie die Stätten der Industriegeschichte und berichten in lockeren, kenntnisreichen Dialogen: Der Leser erfährt Wissenswertes zu Standorten und deren Entwicklung quasi aus erster Hand: Industriegeschichte von den frühen Anfängen über die Hochindustrialisierung bis zur Gegenwart und dem Strukturwandel mit vielen erstaunlichen Details und Anekdoten. Eine Karte in der vorderen Buchklappe gibt einen Überblick und verortet die einzelnen Standorte. Adressen, Kontaktdaten und Webseite sowie die Öffnungszeiten in den einzelnen Kapiteln runden die Lektüre ab: Schließlich soll man nicht nur über diese spannenden Orte lesen, sondern sie auch besuchen.
StahlZeitReisen: ein Reise- und Erlebnisführer
StahlZeitReisen: der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl. _____________________________
Das 196-seitige Buch „StahlZeitReisen“ im Klapp-Broschur-Einband wurde herausgegeben vom Regionalverband Ruhr (RVR) und dem WasserEisenLand e. V. Erschienen ist der reich bebilderte Reiseführer, der die Route Industriekultur mit der Industriekultur in Südwestfalen verbindet, im Mönnig-Verlag Iserlohn. Im lokalen Buchhandel sowie vielen Museumsshops an den Meilenstein-Standorten ist das von der NRW-Stiftung geförderte Werk für 19,80 Euro zu haben (ISBN 978-3-933519-96-2). www.stahlzeitreisen.de
Der Blick ins Buch. Fotos: Petra Grünendahl
Diese Diashow benötigt JavaScript.
Die Projektträger
StahlZeitReisen: der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl. _____________________________
Die Route Industriekultur (RIK) ist ein Projekt des Regionalverbandes Ruhr (RVR) und verbindet als touristische Themenstraße die „wichtigsten und touristisch attraktivsten“ Industriedenkmäler des Ruhrgebiets auf einem 400 Kilometer langen Rundkurs. Die Route der Industriekultur ist das weltweit umfangreichste touristische Netzwerk zur Erschließung des industriekulturellen Erbes einer zusammenhängenden Region. Über sieben Millionen Menschen besuchen jährlich die Standorte der Route der Industriekultur: 27 Ankerpunkte, die sowohl Erlebnisorte als auch Knotenpunkte der Information sind, 17 Panoramen der Industrielandschaft und 13 bedeutende Siedlungen zählen zu den Primärstandorten der Route. www.route-industriekultur.ruhr
StahlZeitReisen: der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl. _____________________________
Der WasserEisenLand e. V. ist ein Verbund aus unterschiedlichen Akteuren der Industriekultur in Südwestfalen: Betreiber von Industriemuseen und technischen Kulturdenkmälern wie Kommunen und Vereine, aber auch Industrie- und Handelskammern, Firmen und Privatpersonen. Die Aufgabe von „WasserEisenLand – Industriekultur in Südwestfalen“ besteht darin, die regionale Industriekultur mit ihren einzigartigen Technikdenkmälern zu unterstützen, zu fördern, zu schützen und touristisch zu erschließen. Als Dachmarke der industriekulturellen Denkmäler und Museen in Südwestfalen trägt WasserEisenLand dazu bei, ein Stück lebendige Industriegeschichte für nachfolgende Generationen zu erhalten. www.wassereisenland.de
Beim Hollywood-Filmproduzenten Makintosh (Torben Jürgens) laufen die Geschäfte schlecht. Seine Tochter Marylou (Valerie Eickhoff) reist mit ihrer Zofe Mabel (Julie Marszalkowski) nach Cannes: Im Grand Hotel will sie der Infantin Isabella (Sylvia Hamvasi) ein Angebot machen, deren Geschichte zu verfilmen. Die Infantin, die dort mit ihrem Hofstaat residiert, leidet unter akuter Geldnot, muss sie doch für den großzügigen Lebensstil auch ihrer Begleiter Großfürst Paul (David Jerusalem), des Zeremonienmeisters Baron Don Lossas (Benny Meisenberg) und ihrer Bediensteten aufkommen. Präsident Chamoix (Stefan Heidemann) gehört das Hotel (und mehrere weitere). Sein Sohn Albert (Jake Muffett) soll im Hotel als Kellner Stallgeruch schnuppern, benimmt sich aber etwas trottelig und verliebt sich zu allem Überfluss (ganz unstandesgemäß) in die Infantin. Deren Verlobter, der Prinz Andreas Stephan (Cornel Frey), hingegen macht lieber der Amerikanerin schöne Augen. Über den Prinzen sowie über die Hofdame Gräfin Inez de Ramirez (Gesine Forberger) versucht Marylou, zur Infantin vorgelassen zu werden. Obwohl die Infantin zunächst ablehnt – und dann auch noch Albert verschmäht –, gelingt es Marylou schließlich, sie samt ihrem Hofstaat nach Hollywood zu locken. Alles, was sie jetzt noch für ihren Film braucht, ist ein Happy End!
Einen Hauch von Revue bringt die Operette „Märchen im Grand Hotel“ des ungarisch-deutschen Komponisten Paul Abraham (1892–1960) auf die Bühne im Theater Duisburg. Die Lustspieloperette in zwei Akten mit einem Vor- und Nachspiel ist musikalisch auf die swingenden Zwanziger Jahre zugeschnitten: Das begeisterte Publikum geizte nicht mit Szenenapplaus und – zu Recht – mit minutenlangem Schlussapplaus. Das Libretto nach Alfred Savoir schrieben Alfred Grünwald und Dr. Fritz Löhner-Beda, mit denen Komponist Abraham in Berlin mehrere sehr erfolgreiche Operetten auf die Bühne gebracht hatte. Die Machtergreifung der Nationalsozialisten setzte dem erfolgreichen Trio in Deutschland ein Ende. „Märchen in Grand Hotel“ feierte 1934 in Wien seine begeistert aufgenommene Uraufführung. Seit 2013 erleben die Operetten Paul Abrahams in Deutschland eine Renaissance. Als Grundlage dienen die neuen, sogenannten „Bühnenpraktischen Rekonstruktionen“ der Partituren der Abraham-Operetten von Henning Hagedorn und Matthias Grimminger. Gesungen wird (gut verständlich!) in deutscher Sprache, Übertiteln erleichtern das Verständnis der Handlung. Der Opernabend dauert ca. 2¾ Stunden (inklusive eine Pause). Das Stück ist empfohlen ab 12 Jahren.
Neben Gesang und Dialogen kann diese Operetten-Inszenierung auch mit Tanzeinlagen aufwarten, die stilecht an die Zwanziger und die Zeit der großen Revuen angelegt sind: Choreografiert von Kati Farkas mit Unterstützung von Emma Kate Nelson. Glänzend aufgelegt präsentierten die Duisburger Philharmoniker unter der Leitung von Stefan Klingele die schwungvollen, beinahe jazzigen Klänge der Operette. Das variable Bühnenbild, das auf einer Drehscheibe vier verschiedene Bühnenräume bot, entwarf Rifail Ajdarpasic. Die wirkungsvolle Ausleuchtung oblag Guido Petzold. Für die Kostüme zeichnete Ariane Isabell Unfried verantwortlich.
Fr | 21. Juni 2024 | 19:30 Uhr,
Sa | 29. Juni 2024 | 19:30 Uhr,
So | 7. Juli 2024 | 18:30 Uhr (Familienkarte*),
Sa | 14. September 2024 | 19:30 Uhr (Wiederaufnahme),
Fr | 27. September 2024 | 19:30 Uhr,
Fr | 4. Oktober 2024 | 19:30 Uhr und
Sa | 12. Oktober 2024 | 19:30 Uhr. *) Mit der Familienkarte 10 Euro für jedes eingetragene Familienmitglied
Die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg gGmbH ist eine Theatergemeinschaft der Städte Düsseldorf und Duisburg, die auf eine lange Tradition der Zusammenarbeit zwischen den beiden Großstädten zurückblicken kann. Seit ihrer Gründung 1956 zählt sie zu den bedeutendsten Opernhäusern Deutschlands. Durch ihr hochrangiges Solistenensemble, den Chor sowie die national wie international gefeierte Compagnie Ballett am Rhein hat sie sich zu einer der ersten Adressen für Musiktheater und Tanz in Europa entwickelt. Sie ist in der größten und dichtesten Kulturregion Deutschlands beheimatet. Allein die beiden Städte Düsseldorf und Duisburg zählen zusammen fast 1,1 Millionen Einwohner, aber auch die umliegenden Regionen und eine große Zahl auswärtiger Gäste profitieren vom hochkarätigen künstlerischen Angebot der Deutschen Oper am Rhein. www.operamrhein.de
Tickets kosten zwischen 4,00 und 58,00 Euro. Eintrittskarten gibt es online ebenso wie in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in das Stück, seine Entstehung und die Aufführung gibt.
Ausstellung zum 60. Jubiläum des Lehmbruck Museums Von Petra Grünendahl
Courage: Lehmbruck und Schiele. Foto: Thomas Köster / KunstArztPraxis.de. ____________________
Mut ist die entscheidende Kompetenz des Menschen, um Krisen zu meistern. Mut ist die Fähigkeit, mit der wir uns immer wieder aus scheinbar aussichtslosen Situationen befreien und in die Zukunft denken. Ausgehend vom Werk Wilhelm Lehmbrucks (1881–1919) zeigt die Ausstellung, wie mutige Schritte und Entscheidungen in unsicheren Zeiten kreative Prozesse vorantreiben und Veränderungen bewirken können. Die Ausstellung nimmt den Besucher mit auf eine Reise in das frühe 20. Jahrhundert, in eine Zeit, die getragen ist von einer Aufbruchsstimmung und dem Mut, sich von überkommenen Konventionen zu lösen und frei zu denken. Es ist die Zeit, in der Wilhelm Lehmbruck seine wichtigsten Werke schuf. Die Kunst nutzt ihre Freiheiten, um ein neues Selbstbewusstsein zum Ausdruck zu bringen. Es ist vor allem die Skulptur, die in öffentlichkeitswirksamer Weise zur Selbsterfindung des gerade entstehenden Bürgertums beitrug.
Courage – Lehmbruck und die Avantgarde: Ausstellung zum 60. Jubiläum des Lehmbruck Museums. Bild: Ilja Höpping / Stadt Duisburg. _____________________________
Die einzigartige Architektur des Lehmbruck Museums gibt den Impuls für das Thema der Jubiläumsausstellung: Mit seiner monumentalen gläsernen Außenhaut ist das Museum selbst ein starkes Symbol für Mut, Transparenz und Weltoffenheit. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs beschließt die Stadt Duisburg, auf die Zerstörungskraft des Krieges mit einem „Haus aus Glas“ zu antworten — eine kühne Entscheidung. Die Fragilität der gläsernen Architektur ist in Wahrheit ein Zeichen von Stärke und dem festen Glauben an eine gute Zukunft. Sie steht für die Überzeugung, dass die Kunst ein Zeichen für den Neuanfang setzen kann. Schirmherrin der Jubiläumsausstellung ist die Duisburger Bundestagsabgeordnete Bärbel Bas, Präsidentin des Deutschen Bundestages. Die Ausstellung wird gefördert vom Landschaftsverband Rheinland (LVR), von dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, von der Sparkasse Duisburg, von der Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland, von der Ernst von Siemens Kunststiftung, der GEBAG und der Stadt Duisburg.
Courage: Auguste Rodin. Pierre de Vissant, 1885: Foto: Thomas Köster / KunstArztPraxis.de. _____________________
Die Ausstellung zeigt diesen Aufbruch in eine neue Zeit eindrucksvoll mit hochkarätigen Leihgaben aus renommierten Sammlungen der bedeutendsten Museen Europas, wie dem Albertina Museum Wien, dem Leopold Museum Wien, dem Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig, dem Museo Rosso, Mailand, dem Kröller-Müller Museum, Otterlo, den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, der Hamburger Kunsthalle und der Berlinischen Galerie sowie bedeutenden Privatsammlungen. Meisterwerke der Avantgarde von Pionieren wie Auguste Rodin, Medardo Rosso, Oskar Schlemmer, Käthe Kollwitz und Sophie Taeuber-Arp treten zum ersten Mal in einen Dialog mit Schlüsselwerken Lehmbrucks. Erstmals ist zudem eine repräsentative Werkauswahl des großen österreichischen Ausnahmekünstlers Egon Schiele im unmittelbaren Zwiegespräch mit Skulpturen Lehmbrucks zu erleben.
Das neue Bild des Menschen in der Moderne
Courage: Der Mensch als Maß, Lehmbruck und Schlemmer (2), Foto: Thomas Köster / KunstArztPraxis.de. ____________________
In fünf Sektionen führt die Ausstellung durch die entscheidenden Momente der Kunst der Moderne. Im vergleichenden Sehen öffnet sie dem Betrachter die Augen für die Eigenheiten des Werkes Lehmbrucks. Sie zeigt Bezüge zu den zarten Wachsskulpturen von Medardo Rosso (1858–1928), die nach der Auflösung des Materiellen streben, ebenso wie zu den antiheroischen Denkmälern Auguste Rodins (1840–1917). Es ist frappierend, dass Egon Schiele (1890–1918) zur gleichen Zeit zu erstaunlich ähnlichen Bildern des Menschen gekommen ist wie Lehmbruck. Ruhe und strenge Ordnung von Skulpturen wie der Schreitenden (1913/14) finden ihre Entsprechung in den tektonischen Werken des Bauhaus-Künstlers Oskar Schlemmer (1888–1943). Schlemmer und Lehmbrucks bringen Rationalität und Intuition miteinander in Einklang, um Gegensätze zu versöhnen.
Courage: Oskar Schlemmer, Abstrakte Figur, 19121-23 u. Drahtfigur Homo… 1930-31. Foto: Thomas Köster / KunstArztPraxis.de. ____________________________
Die Erschütterungen des Ersten Weltkrieges bringen Lehmbruck wie auch die große deutsche Bildhauerin Käthe Kollwitz (1867–1945) dazu, eindringliche Formen für das menschliche Leid und den Schmerz zu finden. Wie eine Gegenwelt erscheint im Vergleich dazu die Dada-Bewegung in Zürich, der Stadt, in der Lehmbruck von 1916 bis 1919 lebt. Betrachten wir seine Büste der Knienden (1911), die er direkt durch die empfindlichen Brustwarzen hindurch kappt, entdecken wir eine Nähe zu den provokanten Ansichten und innovativen Formen, mit denen die Dada-Bewegung die Kunst und die Gesellschaft erneuert hat. In der Moderne ereignen sich viele unterschiedliche Bewegungen gleichzeitig. Das beherrschende Thema der Zeit ist Geschwindigkeit: Das Auto, der Zug und das Flugzeug verändern die Wahrnehmungsgewohnheiten. Feste Formen lösen sich auf und unterschiedliche Perspektiven schieben sich ineinander.
Courage: Nie wieder Krieg, Lehmbruck und Kollwitz. Foto: Thomas Köster / KunstArztPraxis.de. ____________________________
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Texten von Dr. Söke Dinkla, Dr. Nathalie Lachmann, Sharon Hecker, Sarah Louisa Henn und Stephanie Eul, ca. 176 Seiten, zum Preis von 30 Euro. Beteiligte Künstler: Rudolf Belling, 1886–1972 (1), Umberto Boccioni, 1882–1916 (1), Émile-Antoine Bourdelle, 1861–1929 (1), Otto Dix, 1891–1969 (7), Lyonel Feininger, 1871–1956 (3), George Grosz, 1893–1959, John Heartfield, 1891–1968 (1), Hannah Höch, 1889–1978 (1), Alexej Jawlensky, 1864–1941 (2), Käthe Kollwitz, 1867–1945 (6), Henri Laurens, 1885–1954 (1), Alice Lex-Nerlinger, 1893–1975 (6), Jacques Lipchitz, 1891–1973 (1), Auguste Rodin, 1840–1917 (9), Medardo Rosso, 1858–1928 (11), Marina Rumjanzewa, geb. 1958 (1), Egon Schiele, 1890–1918 (6), Oskar Schlemmer, 1888–1943 (15), Vladimir Tatlin, 1885–1953 (1), Sophie Taeuber-Arp, 1889–1943 (21) und Wilhelm Lehmbruck, 1881–1919 (18).
Das Lehmbruck Museum
Das Lehmbruck Museum im Kantpark. Foto: Petra Grünendahl. ____________________
Das mitten in Duisburg im Kantpark gelegene Lehmbruck Museum ist das international bedeutendste Museum für Skulptur der Moderne und der Gegenwart in Europa. Seine Sammlung moderner Plastiken von Künstlern wie Alberto Giacometti, Pablo Picasso, Hans Arp und natürlich Wilhelm Lehmbruck ist europaweit einzigartig. Beheimatet ist das Museum in einem eindrucksvollen Museumsbau inmitten eines Skulpturenparks, der zum Schlendern und Entdecken einlädt.
Wilhelm Lehmbruck: Der Gestürzte. Foto: Petra Grünendahl. ____________________
Namensgeber des Hauses ist der Bildhauer Wilhelm Lehmbruck, der 1881 in Meiderich, heute ein Stadtteil von Duisburg, geboren wurde. Lehmbruck ist einer der bedeutendsten Bildhauer der Klassischen Moderne. Er hat mit seinem Werk maßgeblichen Einfluss auf nachfolgende Künstlergenerationen und ist auch nach seinem frühen Freitod im Jahr 1919 bis heute einflussreich geblieben. Das Lehmbruck Museum entstand 1964 nach den Entwürfen von Lehmbrucks Sohn Manfred (1913–1992). Der ab 1983 errichtete Erweiterungsbau wurde 1987 eröffnet. www.lehmbruckmuseum.de
Öffnungszeiten und Eintrittspreise
Ein Lieblingsmotiv von Wilhelm Lehmbruck: Mutter und Kind. Foto: Petra Grünendahl. ____________________
Die Ausstellung „Courage – Lehmbruck und die Avantgarde“ ist bis zum 6. Oktober zu sehen. Sculputre 21st mit Shirin Neshats „The Fury“ ist bis zum 25. August ausgestellt. Noch bis zum 1. September ist die Interaktive Tastausstellung SHAPE! im Lehmbruck Museum zu sehen. Geöffnet ist das Lehmbruck Museum dienstags bis freitags ab 12 Uhr, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags an Terminen der plastikBAR (erster Donnerstag im Monat ab 17.30 Uhr) bis 20 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro (ermäßigt* 5 Euro), eine Jahreskarte 35 Euro (ermäßigt* 20 Euro). Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Blinden- und Demenzbegleitung haben kostenlos Eintritt. Schulklassen und Kindergärten zahlen pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte (2 Erwachsene plus Kinder bis 14 Jahre) gibt es für 15 Euro. Jeden ersten Freitag im Monat gilt: „Pay what you want“. Ausgenommen davon sind angemeldete Gruppen.
Zu seinen Sonderausstellungen bietet das Lehmbruck Museum verschiedene Veranstaltungen als Rahmenprogramm an. Öffentliche Führungen durch das Museum gibt es jeden Sonntag um 11.30 Uhr. Für Informationen steht die Kunstvermittlung des Lehmbruck Museums unter Telefon 0203 / 283-2195 oder eMail kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de zur Verfügung (Zu Preisen und Buchungen für Führungen geht es hier). Tickets für Führungen und Veranstaltungen können vorab im Ticket-Shop des Museums gebucht werden.
(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70 Prozent), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen im Sozialleistungsbezug.
Der Waisenjunge Krabat (Miquel Martínez Pedro) wird vom Mühlenmeister (Damián Torío) als Lehrjunge aufgenommen. Neben der schweren Arbeit lernen die zwölf Jungen auch die Kunst der Magie. In der Osternacht dürfen die Gesellen die Mühle verlassen. Im Wald treffen sie auf Mädchen aus dem nahe gelegenen Dorf. Krabat ist von der Kantorka (Emilia Peredo Aguirre), die Vorsängerin der Mädchen, fasziniert. Sein Freund Tonda (Gustavo Carvalho) trifft seine Geliebte Worschula (Paula Alves). Als Tonda versucht, mit Worschula fortzugehen, erstarrt sie und wird wahnsinnig. Krabat sieht, wie der Meister Worschula quält. Vergeblich versucht Tonda seine Geliebte zu retten. Krabat begreift, dass sie, die Lehrjungen, Gefangene des Meisters sind. Der Herr Gevatter (Lara Delfino) erscheint und verlangt seinen Tribut vom Meister. Kurze Zeit später ist Tonda tot. Im zweiten Lehrjahr kommt Witko (Jack Bruce) als neuer Lehrjunge in die Mühle. Pumphutt (Elisabeth Vincenti), ein ehemaliger Müllergeselle und mächtiger Zauberer, erscheint: Es kommt zu einem magischen Kräftemessen mit dem Meister, das Pumphutt für sich entscheiden kann. Doch es ändert sich nichts. In der zweiten Osternacht treffen Krabat und Juro (Evan L’Hirondelle) auf die Kantorka und die Mädchen. Juro erklärt Krabat und der Kantorka, dass es einen Weg gibt, den Meister zu besiegen: Wenn ein Mädchen einen Gesellen liebt, kann sie ihn vom Meister freibitten: Sie muss dafür eine vom Meister auferlegte Prüfung bestehen. Schafft sie es nicht, müssen beide sterben.
Bereits 2013 hat Demis Volpi, bis zum Ende dieser Spielzeit Ballettdirektor und Chef-Choreograf am Ballett am Rhein, mit „Krabat“ sein erstes abendfüllendes Handlungsballett auf Grundlage des Jugendbuchs von Otfried Preußler am Stuttgarter Ballett uraufgeführt. Die Choreographie, die sofort zum Generationen übergreifenden Publikumsliebling avancierte, erobert nun mit seinen Zauber das Publikum im Theater Duisburg. Die Musik zur Choreografie stammt von Pēteris Vasks, Philip Glass und Krzysztof Penderecki. Weitere Stücke sind „Die Gedanken sind frei“ und die „Mühlenmusik“ aus einer laufenden Mühle, die in ihrer Dichte und Eindringlichkeit die Mühen der Arbeit spiegeln. Das Ballett am Rhein präsentierte die ausdrucksstarke Choreografie mit ihren markanten Charakteren vor einem restlos begeisterten Publikum und bot eine Ballettvorstellung von Feinsten: Die überwiegend jugendlichen Theaterbesucher, größtenteils Mittelstufenschüler von Schulen aus der Umgebung, belohnten die rundum gelungene Aufführung mit minutenlangem tosenden und lautstarken Applaus. Die Aufführung in drei Akten dauert ca. 2¾ Stunden (inklusive zwei Pausen) und ist empfohlen ab 10 Jahren.
Zurück in der Mühle verlangt Herr Gevatter erneut seinen Tribut vom Meister: Der nächste Junge stirbt, aber sein Vetter kommt nicht drüber hinweg. Und auch Krabat mag nicht mehr wegsehen. Im dritten Lehrjahr macht der Meister Krabat ein in seinen Augen verführerisches Angebot: Er bietet Krabat die Herrschaft über die Mühle an. Doch Krabat entscheidet sich, nicht länger ein Teil dieses grausamen Spiels sein zu wollen, – und lehnt das Angebot des Meisters ab. Die Kantorka tritt ein, um Krabats Freilassung zu erbitten. Der Meister verlangt, dass sie mit verbundenen Augen Krabat unter den zwölf Gesellen finden muss. Der Meister verwandelt die Gesellen in Raben, um ihr die Prüfung zu erschweren. In der Gruppe der Raben zittert Krabat erkennbar vor Angst um seine Kantorka: Daran erkennt sie ihn und kann ihn befreien. Damit fällt die Herrschaft des Mühlenmeisters: Die Liebenden und auch die andere Mühlenjungen werden von ihrem Joch befreit; die Mühle geht in Flammen auf.
Die variantenreichen und anspruchsvollen Kompositionen meistern die Duisburger Philharmoniker unter der Leitung von Christoph Stöcker. Für Bühne und Kostüme zeichnet Katharina Schlipf verantwortlich. Die Szenerie ins rechte Licht rückte Bonnie Beecher. Das Libretto schrieb Vivien Arnold. Die Gesangspartien übernahm als Solistin Mara Guseynova unterstützt vom Kinderchor der Akademie für Chor und Musiktheater e.V.
Sa | 15. Juni 2024 | 19:30 Uhr,
So | 16. Juni 2024 | 15:00 Uhr (Familienkarte*),
Mi | 19. Juni 2024 | 19:30 Uhr,
Sa | 21. September 2024 | 19:30 Uhr,
Sa | 28. September 2024 | 19:30 Uhr,
So | 6. Oktober 2024 | 18:30 Uhr,
Do | 24. Oktober 2024 | 19:30 Uhr,
So | 10. November 2024 | 18:30 Uhr und
Fr | 15. November 2024 | 11:00 Uhr (Schulvorstellung).
Danach geht die Aufführung an das Opernhaus Düsseldorf. *) Mit der Familienkarte 10 Euro für jedes eingetragene Familienmitglied
Die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg gGmbH ist eine Theatergemeinschaft der Städte Düsseldorf und Duisburg, die auf eine lange Tradition der Zusammenarbeit zwischen den beiden Großstädten zurückblicken kann. Seit ihrer Gründung 1956 zählt sie zu den bedeutendsten Opernhäusern Deutschlands. Durch ihr hochrangiges Solistenensemble, den Chor sowie die national wie international gefeierte Compagnie Ballett am Rhein hat sie sich zu einer der ersten Adressen für Musiktheater und Tanz in Europa entwickelt. Sie ist in der größten und dichtesten Kulturregion Deutschlands beheimatet. Allein die beiden Städte Düsseldorf und Duisburg zählen zusammen fast 1,1 Millionen Einwohner, aber auch die umliegenden Regionen und eine große Zahl auswärtiger Gäste profitieren vom hochkarätigen künstlerischen Angebot der Deutschen Oper am Rhein. www.operamrhein.de
Tickets kosten zwischen 19,00 und 78,00 Euro. Bei Schulaufführungen (in der Woche um 11 Uhr) gibt es für Schulklassen mit 5,50 Euro pro Person Sonderkonditionen. Für die Gruppenbuchung wendet man sich bitte an gruppen@theater-duisburg.de. Eintrittskarten gibt es online ebenso wie in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen wie zum Beispiel zur Familienkarte* findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in das Stück, seine Entstehung und die Aufführung gibt.
*) Mit der Familienkarte kostet der Eintritt 10 Euro für jedes eingetragene Familienmitglied.
Neue Feuerwache, barrierefreier Umbau von Haltestellen, mehr Schulraum Von Petra Grünendahl
Ratsfrau Slylvia Linn wurde als Nachfolgerin des verstorbenen Bürgermeisters Volker Mosblech gewählt. Foto: Tanja Pickartz / Stadt Duisburg. ________________________________
Der Rat bestimmt als letzte Instanz über die Ausgaben und die Einnahmen der Stadt: Der Schulentwicklungsplanung (mehr Schulraumbedarf angesichts steigender Schülerzahlen) stand ebenso auf der Tagesordnung wie die Erhöhung der Plätze im Offenen Ganztag an Grund- und Förderschulen oder die Planung für städtische Ausbildungsstellen. Weitere Tagesordnungspunkte waren die Genehmigung von Teilstandorten von Schulen, Neubauten von Schulen, Kitas oder der neuen Feuerwache an der Mercatorstraße, Sanierungen städtischer Immobilien, der barrierefreie Ausbau von Straßenbahnhaltestellen an der Kulturstraße sowie am Betriebshof Grunewald (beide an der Linie 903), Kostensteigerungen von bereits genehmigten Projekten oder auch Änderungen von Gebührensatzungen. Außerdem waren die Jahresabschlüsse 2023 nicht nur der Stadt Duisburg, sondern auch von städtischen Tochtergesellschaften ebenso wie noch ausstehende Wirtschaftspläne abzusegnen. Verschiedene Flächennutzungspläne und Bebauungspläne wurden überwiegend einvernehmlich abgesegnet. Lediglich informiert wurden die Ratsleute beispielsweise über den Sachstand von Projekten wie dem geplanten neuen Verwaltungsgebäude an der Steinschen Gasse oder der Verkehrsinfrastrukturentwicklung.
Joachim Schneider wurde als neues Ratsmitglied verpflichtet. Foto: Tanja Pickartz / Stadt Duisburg. ___________________________________
Der Rat der Stadt Duisburg traf sich in der Mercatorhalle zur letzten Ratssitzung vor den Sommerferien. Die Tagesordnung war mit über 100 Punkten gut gefüllt. Die eine oder andere geheime Abstimmung verzögerte die Sitzung mehr als die meisten Diskussionen. Lediglich das Neubaugebiet „Rahmerbuschfeld“ bedurfte längerer Diskussion, bevor es nach geheimer Abstimmung knapp beschlossen wurde. In den Rat eingeführt und verpflichtet wurde mit Sitzungsbeginn Ratsherr Joachim Schneider (CDU) als Nachrücker für den verstorbenen Bürgermeister Volker Mosblech. Für das Amt des zweiten ehrenamtlichen Oberbürgermeister-Stellvertreters wählte der Stadtrat in geheimer Abstimmung Ratsfrau Sylvia Linn zum Bürgermeister.
Neubaugebiet „Rahmerbuschfeld“:
Ein Kommentar
Ratssitzung in der Mercatorhalle. Foto: Screenshot. ____________________________
Zur Beratung standen der Flächennutzungsplan und der Bebauungsplan für das Neubaugebiet „Rahmerbuschfeld“: Überwiegend grüne Ratsleute argumentierten, dass man mit den geplanten Einfamilienhäusern nicht die Düsseldorfer anlockt, die mal angedacht waren, und man hier nicht die bestehenden Wohnraumprobleme lösen könnte. Die Argumentation ist richtig, geht aber am Kern der Probleme vorbei. Denn damit lässt man außer Acht, dass auch gut verdienende Duisburger, die sich gerne ein Einfamilienhaus gönnen würden, besser in Duisburg fündig werden sollten, statt in den Speckgürtel jenseits der Stadtgrenzen abzuwandern: Von den Gutverdienern und deren Einkommensteuern profitiert nämlich die Stadtkasse ganz immens. Und solange die aktuelle Art der Gemeindefinanzierung (mehr zu dieser Problematik hier) für eine Schieflage zwischen Kommunen mit hohem Anteil an Gutverdienern und solchen mit vielen gering verdienenden Bewohnern (wie in Duisburg und anderen Kommunen im Ruhrgebiet) sorgt, sollte man als Stadt versuchen, die Gutverdiener mit entsprechenden Angeboten zu halten.
Oberbürgermeister Sören Link leitete die Ratssitzung in der Mercatorhalle. Foto: Screenshot. ____________________________
Auch die Argumentation, zur Bekämpfung der Wohnungsnot müsse man eher Sozialwohnungen zu bauen, geht am Bedarf an günstigem Wohnraums vorbei: Angesichts von teuren Vorschriften für Neubauten können sich viele, die Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein (WBS) hätten, solche Wohnungen nämlich schon lange nicht mehr leisten. Die steigenden Mieten laufen mittlerweile ja ohnehin den Einkommen davon. Und da sind die gestiegenen Baukosten ebenso wenig berücksichtigt wie die Tatsache, dass Wohnraumbedürfnisse von Geringverdienern nicht unbedingt mit den Wohnflächen auf WBS zu decken sind. Hier müssen andere Lösungen her: Zum Beispiel wäre der Erhalt und die kostengünstige Modernisierung von günstigen Altbau-Beständen (statt Abriss und teurer Neubau) für bezahlbaren Wohnraum deutlich zielführender. Allerdings stehen dem kostengünstigen Erhalt von Bestandswohnraum mittlerweile auch hohe Baukosten bei Sanierungen entgegen.
Mit ihrem Verlangen nach geheimer Abstimmung hätten die Grünen das Projekt fast gekippt: Der Bebauungsplan ging denkbar knapp mit nur einer Stimme Mehrheit (49 zu 48 Stimmen) durch.
Britische Fotografie zwischen Sozialkritik und Identität Von Petra Grünendahl
Fotografien von UK Women in der Ludwiggalerie. Plaket: Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. ________________________________
Selbst dort, wo die Fotografinnen für die großen Magazine fotografiert haben, lag ihr Focus eher auf den Menschen von nebenan: Frauen, Männer, Familien und immer wieder Kinder und junge Leute, die sie in ihren jeweiligen Lebenswirklichkeiten abgelichtet haben. Eher als Dokumentation denn Hochglanz-Fotografie liegen ihre gesammelten Eindrücke weitab jeglicher Klischees, die man mit den Menschen von der Insel so reichlich verbindet. Diese können nämlich nicht die Realitäten ausblenden, mit denen sich Großbritannien seit Jahrzehnten auseinandersetzen muss: Gesellschaftliche und soziale Umbrüche, eine hohe (Jugend-)Arbeitslosigkeit, politische Instabilität. Diese und weitere hochaktuelle Themen wie Sozialkritik, Migration, Gender-Identität, Community und Diversität beleuchten in dieser Ausstellung 28 britische Fotografinnen aus drei Generationen – geboren wurden sie zwischen 1948 und 1998 – in seriellen Arbeiten. Dabei sind die Geschichten hinter den Fotografien untrennbar mit den darauf abgebildeten Menschen oder den persönlichen Erlebnissen der Fotografinnen verbunden.
Fotografien von UK Women in der Ludwiggalerie. Foto: Petra Grünendahl. _____________________________
Die Ludwiggalerie Schloss Oberhauen zeigt mit seiner Ausstellung „UK Women“ 28 fotografische Positionen aus dem Vereinigten Königreich, die sich mit dem Untertitel „Britische Fotografie zwischen Sozialkritik und Identität“ durch sehr individuelle „Handschriften“ auszeichnen. Mit frühen Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus den 1970er Jahren dokumentieren sie das Alltagsleben in der Großstadt und an der Küste. In den 1980ern und 1990ern lösen sich die Fotografinnen von der klassischen Dokumentarfotografie und öffnen sich für einen künstlerischen Blick und eine eigene Bildsprache, die sich durchaus humorvoll und satirisch präsentiert. Ab den 2000er Jahren bis heute wenden sich die jüngeren weiblichen Positionen der Fotografie als künstlerischem Medium zu und verarbeiten persönliche Identitätsfragen oder die Auswirkungen der Corona-Pandemie unter anderem in beeindruckenden (Selbst-)Porträts. Die Ausstellung seit dem vergangenen Wochenende fürs Publikum zugänglich.
Die Fotografinnen und der Katalog
Fotografien von UK Women in der Ludwiggalerie. Foto: Petra Grünendahl. _____________________________
Zu sehen sind (in alphabetischer Reihenfolge) Francesca Allen, Meredith Andrews, Laura Blight, Audrey Blue, Rachel Louise Brown, Tessa Bunney, Elaine Constantine, Anna Fox, Eliza Hatch, Sirkka-Liisa Konttinen, Markéta Luskačová, Kirsty Mackay, Zoe Natale Mannella, Sarah Maple, Fran May, Alison McCauley, Sandra Mickiewicz, Margaret Mitchell, Sejin Moon, Trish Morrissey, Tish Murtha, Freya Najade, Yan Wang Preston, Sophy Rickett, Michelle Sank, Arpita Shah, Hazel Simcox und Alys Tomlinson.
Fotografien von UK Women in der Ludwiggalerie. Foto: Petra Grünendahl. _____________________________
Alle 28 Fotografinnen eint ihr unbändiger Wille zu künstlerischer, sozialer und gesellschaftlicher Autonomie neben ihren männlichen Kollegen. Mit 220 Werken aus 29 Serien stellt die Ausstellung dies eindrucksvoll unter Beweis. Kuratiert wird sie von Ralph Goertz in Kooperation mit IKS Photo. Die Ausstellung wird gefördert vom Freundeskreis der Ludwiggalerie. Kulturpartner ist WDR 3.
Zur Ausstellung ist ein Booklet erhältlich, hrsg. von Kerrin Postert und Christine Vogt. Die 16-seitige Publikation ist im Museums-Shop für 5 Euro erhältlich (ISBN 978-3-932236-50-1). Einen Flyer zur Ausstellung gibt es hier als pdf zum Download.
Impressionen aus der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl
Diese Diashow benötigt JavaScript.
Ludwiggalerie Schloss Oberhausen
Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.
Die Sonderausstellung im Großen Schloss läuft bis zum 15. September. Das Museum ist geöffnet von Dienstag bis Sonntag zwischen 11 und 18 Uhr. Montags ist Ruhetag, feiertags sowie Oster- und Pfingstmontag ist jedoch geöffnet. Geschlossen ist am 24., 25. und 31. Dezember sowie 1. Januar. Der Eintritt kostet 8,00 Euro (ermäßigt 4,00 Euro, Familien mit zwei Erwachsenen plus Kindern 12,00 Euro). Außerdem gibt es ein Kombiticket mit dem Gasometer Oberhausen für 17,00 Euro.
Fotografien von UK Women in der Ludwiggalerie. Foto: Petra Grünendahl. _____________________________
Öffentliche Führungen finden im Großen Schloss sonn- und feiertags um 11.30 Uhr statt. Zudem gibt es zur Ausstellung Kuratorenführungen (im Wechsel mit Kerrin Postert oder Ralph Goertz) am:
Sonntag, 9. Juni 2024, 15 Uhr,
Sonntag, 14. Juli2024, 15 Uhr,
Sonntag, 4. August 2024, 15 Uhr, und
Sonntag, 1. September 2024, 15 Uhr.
Alle Führungen sind im Museumseintritt inklusive. Details zum Rahmenprogramm zu den Ausstellungen sowie zum museumspädagogischen Angebot gibt es hier.
Ludwiggalerie Schloss Oberhausen: Das Kleine Schloss. Foto: Petra Grünendahl.
Im Kleinen Schloss ist bis zum 9. Juni 2024 „Art_Upgrade_2024“ zu sehen. Künstler der ArtOthek stellen aus: Neues aus den Ateliers – Werke und Workshops. Anschließend ist, vom 23. Juni bis zum 6. Oktober 2024, die Ausstellung des Kunstvereins mit Werken von Andrea Bender zu Gast. Der Titel der Schau lautet: Kunstschnee.
Die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen ist eines der 21 RuhrKunstMuseen. Sie befindet sich an der Konrad-Adenauer-Allee 46 in 46049 Oberhausen. Anfahrt am besten über die A42, Abfahrt Oberhausen-Zentrum. Weitere Infos unter www.ludwiggalerie.de.
Gedenkhalle im Schloss Oberhausen
Gedenkhalle am Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.
Sehr bemerkenswert ist die ebenfalls im Schloss Oberhausen untergebrachte, aber nicht zur Ludwiggalerie gehörige Gedenkhalle. Als städtische Einrichtung in Erinnerung an die Verfolgten des Nationalsozialismus arbeitet die Gedenkhalle seit 1962 gegen das Vergessen und für das Miteinander aller Menschen in Oberhausen. Mit der 2010 erneuerten Dauerausstellung widmet sie sich der Stadtgeschichte zwischen 1933 und 1945 sowie der Zwangsarbeit im Ruhrgebiet während der NS-Zeit. Der Eintritt ist frei. Da sollte man unbedingt mal vorbei schauen! www.gedenkhalle-oberhausen.de
Interessante Einblicke durch verregnete Fensterscheiben Von Petra Grünendahl
Come in, look out: Karin Kneffel im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl. _________________________
„Ihre Bilder sind voll von Überraschungen und Geheimnisse“, erklärte Museumsdirektor Walter Smerling. In der Tat gibt es auf den sehr detailreichen neorealistischen Gemälden unterschiedlicher Größen viel zu entdecken in der Darstellung von Räumen. Karin Kneffel (*1957) gewährt Blicke durch Fensterscheiben: Von außen hinein in Häuser und Wohnräume, fast wie ein Voyeur. Aber nach dem Motto „Komm rein, dann kannste rausgucken“ gibt es auch Ausblicke aus dem Innenraum nach draußen. Sie habe teilweise alte Fotografien als Vorlagen für ihre Malerei genommen. „Ich habe aber auch eigene Fotos von Besuchen in Museen, Ateliers und Häusern. Oder Fotos von Kunstwerken in Museen“, erzählte Kneffel. Für ihre Malerei habe sie dann schon mal die Kunstwerke gedreht, die im wirklichen Raum – zum Beispiel im Lehmbruck Museum – nur von hinten zu sehen wären. Das gibt interessante Perspektiven von Räumen, die dem Betrachter bekannt sind. Neben Einblicken in den Lehmbruck-Trakt gibt Kneffel Einblicke in weitere bekannte Locations wie Haus Ester und Haus Lange in Krefeld, deren strenge Bauhaus-Gestaltung von Mies van der Rohe ihrer eigenen Darstellung aus einer zentralen Perspektive (im 90-Grad-Winkel) sehr entgegen kommt.
Come in, look out: Karin Kneffel (m.) beim Pressegespräche mit Kay Heymer (l.) und Walter Smerling (r.) im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl. _________________________
Das Museum Küppersmühle für Moderne Kunst (MKM) im Duisburger Innenhafen zeigt eine Werkschau der deutschen Künstlerin Karin Kneffel. Walter Smerling stellte die Sonderausstellung zusammen mit Karin Kneffel und Kurator Kay Heymer vor. Mit über 70 Gemälden und einer Serie von Aquarellen offenbart die Ausstellung ungewohnte architektonische Bezüge in Kneffels Arbeiten sowie ihren vielschichtigen Umgang mit dem zentralperspektivischen Blick in der Malerei. Die Übersichtsausstellung im MKM gibt Besuchern die Gelegenheit, das vielschichtige Schaffen von Karin Kneffel aus den vergangenen 25 Jahren zu erleben. Die Ausstellung spannt einen Bogen von persönlichen Beobachtungen bis hin zu kunsthistorischen Inspirationsquellen. Mit ihren variantenreichen Darstellungsmitteln schafft Karin Kneffel eine Mehrdimensionalität in ihren Werken, welche Betrachter dazu einladen, die Grenzen der eigenen Wahrnehmung zu hinterfragen. Die Malerei wird dabei einerseits als Fenster zu einer sorgfältig konstruierten Welt lesbar und wirkt andererseits als Spiegel, der die Konstruktion der Realität selbst reflektiert.
Die Künstlerin und der Katalog
Come in, look out: Karin Kneffel (m.) beim Pressrundgang im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl. _________________________
Karin Kneffel wurde 1957 in Marl im nördlichen Ruhrgebiet geboren. Sie studierte von 1977 bis 1981 Germanistik und Philosophie an der Westfälischen Universität Münster und an der Uni-Gesamthochschule Duisburg (heut: Universität Duisburg-Essen). Von 1981 bis 1987 studierte sie an der Kunstakademie Düsseldorf bei Johannes Brus, Norbert Tadeusz und wurde schließlich Meisterschülerin bei Gerhard Richter. Verschiedene Stipendien ermöglichten ihr künstlerische Aufenthalte unter anderem in Paris oder Rom.
„Die Malerin Karin Kneffel zählt zu den wichtigen Vertreterinnen des Neorealismus. Ihre fotorealistisch anmutenden Bilder verbinden Realismus und Surrealismus. In ihren Bildern zeigt sie Alltägliches, das durch Spiegelungen und Überlagerungen eine zweite Ebene erhalten. Wie flüchtige Momente erinnern ihre Szenerien an Traumartiges.“
Ralph Goertz, Institut für Kunstdokumentation und Szenografie
Come in, look out: Karin Kneffel im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl. _________________________
1995 übernahm Kneffel einen Lehrauftrag an der Sommerakademie Augsburg. 1998 wurde sie als Gastprofessorin an die Hochschule für Künste Bremen und 2000 an die Kunstakademie Islands in Reykjavík eingeladen. Von 2000 bis 2008 hatte sie eine Professur für Malerei an der Hochschule für Künste Bremen inne. Seit 2008 ist sie Professorin an der Akademie der bildenden Künste in München. Kneffel war Mitglied im Deutschen Künstlerbund. Sie lebt und arbeitet in Düsseldorf. www.kneffel.de
Zur Ausstellung ist ein umfassender Katalog im Schirmer/Mosel Verlag erschienen: Mit einem Vorwort von Museumsdirektor Walter Smerling, einen Geleitwort von Thomas A. Lange (National-Bank), Beiträgen von Ulrich Wilmes und Kurator Kay Heymer sowie einem Interview mit Walter Smerling und Karin Kneffel. Der reich bebilderte, zweisprachige Katalog (dt.-engl.) ist für 40 Euro an der Museumskasse erhältlich (ISBN 978-3-8296-1016-2).
Impressionen aus der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl
Diese Diashow benötigt JavaScript.
Museum Küppersmühle:
Duisburger haben donnerstags freien Eintritt
Come in, look out: Karin Kneffel im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl. _________________________
Die Ausstellung von Karin Kneffel ist noch bis zum bis zum 1. September 2024 in den Wechselausstellungsräumen im Erdgeschoss zu sehen. Das Museum Küppersmühle findet man im Innenhafen am Philosophenweg 55 (Haupteingang, der Parkplatz befindet sich auf der anderen Straßenseite). Mittwochs ist das Museum von 14 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis sonntags sowie feiertags von 11 bis 18 Uhr. Montags und dienstags ist Ruhetag. Der Eintritt kostet nur für die Wechselausstellungen 8 Euro (ermäßigt 4 Euro), für das gesamte Haus (inkl. Wechselausstellung) 14 Euro (ermäßigt 7 Euro). Familien (2 Erwachsene plus Kinder) zahlen 22 Euro für das ganze Haus. Kinder bis 16 Jahren haben freien Eintritt. Kindergruppen (Schule, Kita, Kinderfreizeit) zahlen 2 Euro pro Kind und Betreuer. Der Besuch der Aussichtsplattform ist gegen Aufpreis von 4 Euro beim Besuch des gesamten Hauses zubuchbar. Donnerstags haben alle Duisburger (gegen Vorlage des Personalausweises) freien Eintritt. Das MKM ist Partner der Ruhrkultur.Card. Alle Ausstellungsräume des Museums sind auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich.
Come in, look out: Karin Kneffel im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl. _________________________
Offene Führungen durch die Sammlung sowie durch laufende Ausstellungen gibt es jeden Sonntag um 15 Uhr, aber auch nach Vereinbarung. Durch die Wechselausstellung gibt es mittwochs zwischen 15 und 16 Uhr die Führung „KunstMittwoch“. Beide Führungen sind im Eintritt enthalten. Zu den Ausstellungen bietet das MKM zudem immer wieder Themenführungen, Künstlergespräche oder Sonderformate an. So gibt es zum KunstMittwoch jeden Mittwoch zwischen 15 und 16 Uhr Führungen durch die Ausstellung von Karin Kneffel. Familienführungen gibt es alle zwei Wochen sonntags (9. und 23. Juni, 7. und 21. Juli, 4. und 18. August sowie 1. September) von 13:30 bis 14:30 Uhr. Informationen zu Führungen und dem Begleitprogramm zu Ausstellungen gibt es unter www.museum-kueppersmuehle.de). Hier findet man zu Corona-Maßnahmen.
Das Museum Küppersmühle als Kunstwerk um die Moderne Kunst
Come in, look out: Karin Kneffel im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl. _________________________
Das Museum Küppersmühle für Moderne Kunst wurde im April 1999 in einem ehemaligen Getreidespeicher im Innenhafen eröffnet. Er wurde nach Plänen der Basler Architekten Herzog & de Meuron zum Museum umgebaut. Initiator des Museumsprojekts war der Duisburger Kunstsammler Hans Grothe (1930–2019). Grothes Sammlung umfasste über 800 Werke von mehr als 40 deutschen Künstlern. Seit der Übernahme seiner Sammlung durch das Darmstädter Sammlerpaar Sylvia und Ulrich Ströher 2004/2005 stieg die Anzahl der Ausstellungsstücke und der vertretenen Künstler noch erheblich an. Insgesamt handelt es sich um eine der wichtigsten und umfangreichsten Sammlungen deutscher Kunst seit 1945. Zur Präsentation der ständigen Sammlung kommen immer wieder Wechselausstellungen hinzu. Seit 2008 war ein Erweiterungsbau geplant: Zunächst als ein „Schuhkarton“ auf den Silotürmen, der 2011 wegen Baumängeln scheiterte. Bei einem neuen Anlauf beauftragten die Ströhers 2014 das Architektenbüro Herzog & de Meuron erneut mit der Planung (Baubeginn war 2016): Der Erweiterungsbau wurde im September 2021 eröffnet. Seitdem sind im MKM in 42 Räumen auf gut 5.000 Quadratmetern etwas 320 Werke als Highlights aus der Sammlung Ströher in der Dauerausstellung zu sehen. Die Sammlung ist um ein mehrfaches größer: Schließlich sammelt das Darmstädter Ehepaar ja schon seit Mitte der 1980er-Jahre – und immer noch weiter. Der Fokus liegt auf Malerei, aber auch Skulptur, Installation und Fotografie sind vertreten. Die Sammlung umfasst zentrale Positionen der Kunstentwicklung in Deutschland, von der unmittelbaren Nachkriegszeit bis in die Gegenwart.
Das MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst als Standort der Sammlung Grothe wird seit seiner Gründung von der Stiftung für Kunst und Kultur e. V. Bonn betrieben. Die Stiftung konzipiert und organisiert die Ausstellungen und betreut die umfangreiche Sammlung, die heute dem Kunstsammler-Ehepaar Ströher aus Darmstadt gehört, im MKM. Direktor ist seit 1999 Walter Smerling.
Resilienz, Widerstandswille und der Wunsch nach Freiheit im eigenen Land Von Petra Grünendahl
Leben in einem Albtraum – Was der Krieg in der Ukraine mit den Menschen macht: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl. _______________________________
Olena steht vor dem zerstörten Apartment-Haus in der Nähe von Kiew, in dem sie mit ihrem Mann und ihren Zwillingen gelebt hatte. Zu den wenigen Habseligkeiten, die sie retten konnten, gehören ein paar Puppen ihrer Kinder. Nur ein Beispiel von vielen, seit am frühen Morgen des 24. Februar 2022 die ersten aufheulenden Sirenen, Fliegeralarme und anrollende Panzerverbände ihre Welt grundsätzlich verändert hatten: Der Angriffen der russischen Streitkräfte auf die Ukraine war gestartet. In der Hauptstadt Kiew werden Menschen aufgefordert, sich vor den Luftangriffen in Schutzräume wie Keller oder beispielsweise U-Bahn-Schächte zu begeben. Der Reporter Jan Jessen ist in diesem ersten Tagen vor Ort, wo er eigentlich eine ganz andere Geschichte schreiben wollte. Er erlebt, wie Menschen – überwiegend Frauen, Kinder, die Alten – nach Westen flüchten, die Männer zur Verteidigung ihres Landes eingezogen werden. Sie verlieren ihr Zuhause, ihre Heimat: Das gilt für die Geflüchteten ebenso wie diejenigen, die bleiben in den Trümmern ihrer Existenz: Inmitten der von russischen Angreifern zerbombten Städte und der Trümmer leben Menschen, deren Schicksale durch diesen ungewollten Krieg verändert wurden. Sie haben ihre Männer in den Krieg geschickt, haben Angehörige verloren, viele auch ihre Heimat. Manche sind geflüchtet aus diesem Land, dessen Wiederaufbau (ebenso wie das Ende dieses Krieges) noch in weiter Ferne steht. Jan Jessen und Reto Klar haben ihre Geschichten aufgeschrieben und fotografiert: Sie geben diesen Schicksalen im kriegsgeschüttelten Land Namen und Gesichter, die nur einzelne Beispiele sind für die vielen Millionen Opfer des Krieges.
Leben in einem Albtraum – Was der Krieg in der Ukraine mit den Menschen macht: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl. _______________________________
Das Buch „Leben in einem Albtraum“ von Jan Jessen und Reto Klar zeigt in Texten und Bildern, „Was der Krieg in der Ukraine mit den Menschen macht“, so der Untertitel. In 25 Kapiteln findet der Leser die Reportagen und Bilder, die Jessen und Klar von ihren Reisen durch das Kriegsgebiet mitgebracht haben. Ukrainer machten ihnen ihr verlorenes Leben und die Verluste von Kindheit und Jugend zugänglich, die das Land noch auf Jahrzehnte prägen werden, selbst wenn die Ukraine letztendlich ihre Unabhängigkeit bewahren kann. Jan Jessens Reportagen reichen von den ersten Kriegstagen 2022 bis zum Frühjahr 2023 (das Buch ist bereits im August 2023 erschienen). Sehr einfühlsam und eindringlich schildert Jessen die Schicksale der Menschen, die Reto Klar in berührenden Fotografien festgehalten hat. Dafür haben Autor und Fotograf viele Gegenden des Landes bereist, um die Stimmen und Geschichten der Menschen einzufangen. Dieses Buch ist ein bisschen Rückblick, aber gleichzeitig auch eine Erinnerung daran, dass der andauernde Krieg immer noch die Schicksale von Menschen steuert, die ihm nicht entkommen: Das darf nicht in Vergessenheit geraten!
Die Ukraine
Leben in einem Albtraum – Was der Krieg in der Ukraine mit den Menschen macht: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl. _______________________________
Die Bilder von den zerbombten Städten und Dörfern, die in den ersten Kriegsmonaten 2022 noch die Nachrichten beherrschten, sind mittlerweile weitgehend aus der Berichterstattung verschwunden. Und damit das Bewusstsein in Deutschland und der Welt für einen Krieg, in dem sich immer noch Menschen in der Ukraine gegen die Einnahme durch das benachbarte Russland wehren. Der Krieg ist allgegenwärtig in einem Land, das um den Erhalt seiner Unabhängigkeit und die Freiheit seiner Menschen kämpft.
Leben in einem Albtraum – Was der Krieg in der Ukraine mit den Menschen macht: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl. _______________________________
Seit die Bevölkerung der seit 1991 unabhängigen* Ukraine 2014 seine russlandfreundliche Regierung gestürzt hatte, gab es Spannungen mit dem großen Nachbarn, der in der Folge die ukrainische Schwarzmeer-Halbinsel Krim besetzte und russische Separatisten in der Ostukraine unterstütze. Warnungen vor russischen Truppenbewegungen an der Grenze zur Ukraine hatte es schon Ende 2021 gegeben, aber niemand hatte wirklich mit einer kriegerischen Handlung gerechnet. Bis zu den Luftangriffen und zum Einmarsch von Truppen, die in Grenznähe sowie in der Ostukraine schnelle Erfolge verbuchen konnten. Der Einmarsch Richtung Kiew konnte gestoppt werden. Seitdem haben die ukrainischen Streitkräfte die Russen in vielen Schlachten zurückgeschlagen und manches verlorene Territorium zurückerobert.
Der Autor, der Fotograf und das Buch
Leben in einem Albtraum – Was der Krieg in der Ukraine mit den Menschen macht: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl. _______________________________
Jan Jessen, geboren 1972 in Münster, ist seit 1998 bei der NRZ als Politikredakteur und für die Funke Mediengruppe als Krisenberichterstatter tätig. Er hat bereits aus Afghanistan, dem Irak und Syrien berichtet. Er ist verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Söhnen.
Reto Klar, geboren 1967, arbeitet seit den 1980er Jahren als Fotograf und ist heute Foto-Chef und Cheffotograf bei der Funke Mediengruppe. Er lebt mit seiner Frau und den zwei Töchtern in Berlin. Seit Beginn des Kriegs im Februar 2022 reist er regelmäßig in die Ukraine und berichtet fotografisch aus allen Regionen des Landes.
Das Buch „Leben in einem Albtraum“ von Jan Jessen mit Fotos von Reto Klar ist im Essener Klartext Verlag erschienen. Das reich bebilderte 168-seitige Buch (16,5 x 23,5 cm) im Broschur-Klappumschlag ist für 19,95 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-8375-2624-0).
Der Blick ins Buch. Fotos: Petra Grünendahl
Diese Diashow benötigt JavaScript.
Der Verlag
Leben in einem Albtraum – Was der Krieg in der Ukraine mit den Menschen macht: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl. _______________________________
Der Klartext Verlag wurde 1983 gegründet, seit 2007 ist er Teil der Funke Mediengruppe. Seine Heimat liegt im Ruhrgebiet, wo auch der überwiegende Teil seiner Publikationen angesiedelt ist: Freizeitführer mit Inspirationen für Jung und Alt, Sachbücher, Ausstellungskataloge, Kalender und Bildbände. Die Reihen von Freizeitführern bieten Tipps für „Umsonst & draußen“ oder „Märchenhaft wandern“. Im Rahmen „Schönes NRW“ zeigen die Bücher Ziele und Gegenden, die man zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit oder ohne Motor erholen, zu Fuß die Gegend erkunden kann: Im Ruhrgebiet, im Sauerland, im Münsterland, entlang des Niederrheins oder durch die Eifel. Mit der „Von oben“-Reihe kann man Städte nicht nur im Ruhrgebiet, sondern in ganz Deutschland aus der Vogelperspektive bewundern. Und mit der Reihe „Irrtümer und Wahrheiten“ (bei ihrem Start im Verlagsprogramm hieß die Serie noch „Klugscheißer“) lernt der Leser Neues zu verschiedenen Orten, Themen und Fußballvereinen – unterhaltsam, fundiert und auch mit dem einem oder anderen Augenzwinkern. www.klartext-verlag.de
*) nach einem Referendum mit 90,3 Prozent Zustimmung
Erinnerungen an Gefangenschaft und Flucht Von Petra Grünendahl
Sculpture 21st – Shirin Neshat „The Fury“ im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl. ____________________________
Es sind Rückblicke einer Frau in Sicherheit: Eine spärlich bekleidete junge Frau tanzt in einem Raum mit uniformierten Männern. Dann sieht man sie durch die Straßen flüchten, wo sich schließlich die Wut von Menschen in Gewalt entlädt. Szenen aus der Video-Installation „The Fury“ von Shirin Neshat (*1957): Es zeichnet den emotionalen Weg einer jungen Iranerin nach, die inzwischen frei in den USA lebt, aber immer noch von ihren Erinnerungen an die Gefangenschaft traumatisiert ist. Eine raumgreifende Videoinstallation zeigt auf zwei monumentalen LED-Bildschirmen (ca. 3 x 6 Meter) in der Glashalle des Lehmbruck Museums zwei Perspektive der gleichen Geschichte. Die beiden ca. 15 Minuten langen Filmsequenzen laufen parallel: Der Betrachter sollte sich Zeit nehmen, denn die Perspektiv-Wechsel (linker Bildschirm – rechter Bildschirm) erfordern Aufmerksamkeit. Um die vielen Details aufzunehmen, sollten mal die Sequenzen nicht nur einmal anschauen. Der sehr detailreiche Film ist emotional aufgeladen, was fast im Gegensatz steht zur Musik, die Emotionen eher unterdrückt. Auch durch die großen Glasscheiben vom Kantpark aus betrachtet ein Erlebnis, wenngleich natürlich ohne Ton.
Sculpture 21st – Shirin Neshat „The Fury“ im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl. ____________________________
Das Lehmbruck Museum zeigt im Rahmen seiner Reihe „Sculpture 21st“ die neuste Videoarbeit der iranischen Künstlerin Shirin Neshat: „The Fury“. Die zwei Video-Screens zeigen unterschiedliche Perspektiven bzw. Szenen der gleichen Geschichte und laden ein, durch den Wechsel des Blickwinkels selbst zum Regisseur zu werden. Shirin Neshat widmet sich in ihren Arbeiten auf poetische Weise dem Leben und Schicksal von Frauen, die sich gegen Gewalt und Unterdrückung auflehnen. Die Ausstellung wird gefördert durch die Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West.
Die Künstlerin
Sculpture 21st – Shirin Neshat „The Fury“ im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl. ____________________________
Shirin Neshat wurde 1957 in Persien (heute: Iran) geborene und lebt heute Künstlerin und Filmemacherin in New York. Neshat arbeitet mit den Medien Fotografie, Video und Film, die sie mit höchst poetischen und politisch aufgeladenen Bildern und Erzählungen versieht, die Fragen zu Macht, Religion, Rasse, Geschlecht und der Beziehung zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Ost und West, Individuum und Kollektiv vor dem Hintergrund ihrer persönlichen Erfahrungen als im Exil lebende Iranerin stellen. In ihrem Werken gibt sie dem Leben von Frauen, die sich gegen Gewalt und Unterdrückung auflehnen, eine poetische Form. Mutig und selbstbewusst treten die Frauen in ihren Filmen, Videos und Fotografien auf: Sie stellen die Beziehung zwischen dem Männlichen und dem Weiblichen, dem Individuum und dem Kollektiv in Frage.
Sculpture 21st – Shirin Neshat „The Fury“ im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl. ____________________________
Neshat hatte zahlreiche Einzelausstellungen in internationalen Museen, darunter die Pinakothek der Moderne, München, das Modern Art Museum of Fort Worth, The Broad, Los Angeles, das Museo Correr, Venedig, Italien, das Hirshhorn Museum, Washington D.C. und das Detroit Institute of Arts. Sie hat bei drei abendfüllenden Filmen Regie geführt: Women Without Men (2009), der bei den 66. Internationalen Filmfestspielen von Venedig mit dem Silbernen Löwen für die beste Regie ausgezeichnet wurde, Looking For Oum Kulthum (2017) und zuletzt Land of Dreams, der bei den Filmfestspielen von Venedig (2021) uraufgeführt wurde. Neshat wurde mit dem Goldenen Löwen, dem Ersten Internationalen Preis der 48. Biennale di Venezia (1999), dem Hiroshima Freedom Prize (2005) und dem Dorothy and Lillian Gish Prize (2006) ausgezeichnet. 2017 erhielt sie den renommierten Praemium Imperiale Award in Tokio. https://de.wikipedia.org/wiki/Shirin_Neshat
Der Trailer
Nicht unbedingt für schwache Nerven …
Sculpture 21st
Sculpture 21st – Shirin Neshat „The Fury“ im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl. ____________________________
Unter dem Titel „Sculpture 21st” präsentiert das Lehmbruck Museum seit 2014, dem 50. Geburtstag des Museums, wechselnde Positionen zur Skulptur des 21. Jahrhunderts. Einige der wichtigsten Bildhauer der Gegenwart, unter ihnen Tino Sehgal, Jeppe Hein, Eija-Liisa Ahtila, Xu Bing, Julian Opie und zuletzt Mona Hatoum präsentierten in der ikonischen Glashalle des Museums ihre Werke und definieren so die Skulptur im 21. Jahrhundert. Dabei werden sowohl dem Museum, der Gesellschaft, aber auch der Kunst selbst Fragen gestellt, auf die es keine einfachen Antworten zu geben scheint.
Sculpture 21st – Shirin Neshat „The Fury“ im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl. ____________________________
Die imposante Nordhalle des Lehmbruck Museums mit ihren an drei Seiten großflächig verglasten Scheibenfronten aus über sieben Meter hohen Glasscheiben bildet die architektonische Schnittstelle zwischen Museum und Öffentlichkeit: Wechselnde monographische Inszenierungen mit Werken international bedeutender Künstler laden den musealen Raum der außergewöhnlichen Museumsarchitektur Manfred Lehmbrucks neu auf und kreieren ein Erfahrungsfeld, das sich in der Wahrnehmung der Betracher realisiert und diese physisch einbezieht. Durch die Glaswände sind die eindrucksvollen Werke auch außerhalb des Museums im Kantpark sichtbar und bilden so die Schnittstelle zwischen Öffentlichkeit und musealem Raum.
Impressionen aus „The Fury“ von Shirin Neshat.
Fotos: Petra Grünendahl
Diese Diashow benötigt JavaScript.
Das Lehmbruck Museum
Das Lehmbruck Museum im Kantpark. Foto: Petra Grünendahl.
Das mitten in Duisburg im Kantpark gelegene Lehmbruck Museum ist das international bedeutendste Museum für Skulptur der Moderne und der Gegenwart in Europa. Seine Sammlung moderner Plastiken von Künstlern wie Alberto Giacometti, Pablo Picasso, Hans Arp und natürlich Wilhelm Lehmbruck ist europaweit einzigartig. Beheimatet ist das Museum in einem eindrucksvollen Museumsbau inmitten eines Skulpturenparks, der zum Schlendern und Entdecken einlädt.
Wilhelm Lehmbruck: Der Gestürzte. Foto: Petra Grünendahl.
Namensgeber des Hauses ist der Bildhauer Wilhelm Lehmbruck, der 1881 in Meiderich, heute ein Stadtteil von Duisburg, geboren wurde. Lehmbruck ist einer der bedeutendsten Bildhauer der Klassischen Moderne. Er hat mit seinem Werk maßgeblichen Einfluss auf nachfolgende Künstlergenerationen und ist auch nach seinem frühen Freitod im Jahr 1919 bis heute einflussreich geblieben. Das Lehmbruck Museum entstand 1964 nach den Entwürfen von Lehmbrucks Sohn Manfred (1913–1992). Der ab 1983 errichtete Erweiterungsbau wurde 1987 eröffnet. www.lehmbruckmuseum.de
Öffnungszeiten und Eintrittspreise
Ein Lieblingsmotiv von Wilhelm Lehmbruck: Mutter und Kind. Foto: Petra Grünendahl.
Sculputre 21st mit Shirin Neshats „The Fury“ ist bis zum 25. August ausgestellt. Noch bis zum 1. September ist die Interaktive Tastausstellung SHAPE! im Lehmbruck Museum zu sehen. Geöffnet ist das Lehmbruck Museum dienstags bis freitags ab 12 Uhr, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags an Terminen der plastikBAR (erster Donnerstag im Monat ab 17.30 Uhr) bis 20 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro (ermäßigt* 5 Euro), eine Jahreskarte 35 Euro (ermäßigt* 20 Euro). Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Blinden- und Demenzbegleitung haben kostenlos Eintritt. Schulklassen und Kindergärten zahlen pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte (2 Erwachsene plus Kinder bis 14 Jahre) gibt es für 15 Euro. Jeden ersten Freitag im Monat gilt: „Pay what you want“. Ausgenommen davon sind angemeldete Gruppen.
Impressionen aus „The Fury“ von Shirin Neshat.
Fotos: Petra Grünendahl
Diese Diashow benötigt JavaScript.
Zu seinen Sonderausstellungen bietet das Lehmbruck Museum verschiedene Veranstaltungen als Rahmenprogramm an. Öffentliche Führungen durch das Museum gibt es jeden Sonntag um 11.30 Uhr. Für Informationen steht die Kunstvermittlung des Lehmbruck Museums unter Telefon 0203 / 283-2195 oder eMail kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de zur Verfügung (Zu Preisen und Buchungen für Führungen geht es hier). Tickets für Führungen und Veranstaltungen können vorab im Ticket-Shop des Museums gebucht werden.
(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70 Prozent), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen im Sozialleistungsbezug.
Rock, Pop, Kabarett und Knappenchöre unter dem Fördergerüst Von Petra Grünendahl
ExtraSchicht-Feuerwerk auf Schacht IV. Foto: Petra Grünendahl. ___________________
Den Auftakt des kulturellen Programms auf Schacht IV der ehemaligen Zeche Rheinpreußen in Moers macht ab 18 Uhr der Jugendspielmannszug Glück auf Geldern, gefolgt vom Knappenchor Rheinland. Auf Coversongs können sich Besucher mit ABBAkustik freuen (19 und 21 Uhr) oder zum Mitsingen mit dem Kneipenchor der Moerser Röhre (20 Uhr), Kabarett mit den „netten Koketten“ gibt es ab 22 Uhr. Ab 23 Uhr singt dann Deutschlands größter Knappenchor, der Ruhrkohle-Chor, mit 40 Sängern vor der dann illuminierten Fördermaschinenhalle. Zum Abschluss des Programms taucht das musikalische Höhenfeuerwerk unter dem Motto „AC/DC auf Kohle“ das 48 Meter hohe illuminierte Fördergerüst in Feuer und Flamme. DJ Dirk legt zwischendurch und dann bis 2 Uhr morgens Musik zum Tanzen und Feiern auf.
Extraschicht-Pressekonferenz am Industriedenkmal Rheinpreußen Schacht IV. Foto: Petra Grünendahl. _________________________
Der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e. V. (GMBGV) stellte im Fördermaschinenhaus des Industriedenkmals Rheinpreußen Schacht IV sein Programm zur Extraschicht 2024 am 1. Juni vor. Neben Frank Heinrich vom Vorstand des GMGV standen die Ehrenamtlichen des Arbeitskreises Schacht IV sowie Vertreter der beteiligten Vereine und der Sponsoren Rede und Antwort. „Nicht die Sponsoren sind für das Gelingen dieser Veranstaltung entscheidend, sondern das Engagement der ehrenamtlichen Mitstreiter“, stellte Guido Lohmann von Sponsor Volksbank Niederrhein klar. Ohne diese Ehrenamtler wäre nämlich das gesamte Programm nicht zu stemmen, so der Banker, der selber aus einer Bergbau-Familie stammt. „Wir geben Künstlern der Region hier eine Bühne“, so Frank Heinrich, der für den GMGV den Event organisiert. Die Führungen am Schacht IV machen ehrenamtlich tätige ehemalige Bergleute, in Meerbeck und am Geleucht engagieren sich die Moerser Stadtführer. Um die Bewirtung und das gastronomische Angebot kümmern sich ehrenamtliche Helfer vom GMGV sowie von verschiedenen anderen Moerser Vereinen.
Jetzt vier Formate von Führungen Der Klassiker unter den Führungen, „Mit Kumpel auf Kohle“, geht durch die Fördermaschinenhalle und das Bergbaumuseum im Untergeschoss. „Mit den Tagesbetrieb-Touren öffnen wir exklusiv zur Extraschicht ehemalige Bergbaugebäude auf dem Areal, die sonst für Besucher nicht zugänglich sein“, erklärte André Thissen, Leiter des Arbeitskreises Schacht IV. Diese Touren ist erst seit 2022 im Angebot: „Wir mussten ja erst mal die Eigentümer der Locations dazu bewegen, uns für diesen Abend Zugang zu gewähren“, erzählte Thissen. In diesem Jahr konnte die Tour noch etwas erweitert werden: Erstmals ist auch die ehemalige Lohnhalle dabei. „An allen Stationen gibt es Fotos und kurze Filmaufnahmen, wie dort früher gearbeitet wurde“, so der ehemalige Bergmann. Seit dem vergangenen Jahr sind Bus-Touren zur Zechenkolonie Meerbeck mit im Angebot: „Es gibt wenige so gut erhaltene Siedlungen in diesem ursprünglichen Zustand“, erklärte Jens Franken vom Stadtteilbüro Meerbeck. Entsprechend riesig war im letzten Jahr der Anddrang, der kaum bis Sonnenuntergang bewältigt werden konnte. Jens Heidenreich von der Wirtschaftsförderung freut sich, in diesem Jahr erstmals ein Herzensprojekt als Führung anbieten zu können: In Kooperation mit dem Verein „100 Jahre Kolonie Meerbeck“ geht es mit Werksbussen zum Geleucht auf der Halde Rheinpreußen. Dort finden Führungen statt, bis 23 Uhr ist auch der Zugang zur Landmarke offen. Ab 18 Uhr werden alle diese Führungen angeboten: Zur Zechenkolonie Meerbeck bis 21:30 Uhr, im Zechen-Tagesbetrieb bis 22 Uhr, zum Geleucht bis 22:30 Uhr und in der Maschinenhalle bis 2 Uhr.
Das Programm der Extraschicht am Samstag, 1. Juni, dauert offiziell bis 2:00 Uhr nachts. Karten für die Extraschicht gibt es zum Preis von 20 Euro (für alle 35 Spielorte in 19 Städten) an Vorverkaufsstellen wie dem Besucherzentrum im Landschaftspark Nord oder der Stadtinformation Moers sowie im Online-Shop unter www.extraschicht.de. Für Inhaber der RuhrtopCard kosten die Tickets 10 Euro (ausschließlich im Vorverkauf). An der Abendkasse gibt es die Tickets für 24 Euro. Im Ticket inklusive sind die Nutzung der Extraschicht-Shuttlebusse sowie des ÖPNV (VRR). Wer nur das Programm auf Schacht IV in Moers erleben möchte, erhält für 14 Euro sein Ticket an der Abendkasse.
Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e. V.
Schacht IV der Zeche Rheinpreußen in Moers-Hochstraß. Foto: Petra Grünendahl. _______________________
Der Museums- und Geschichtsverein in Moers (GMGV) möchte die Geschichte und Kultur der Grafschaft Moers schützen und erhalten – und das seit 1904. In diesem Jahr gründete Dr. Hermann Boschheidgen den „Verein für Heimatkunde“. Seitdem werden vom Verein, der heute „Grafschafter Museums- und Geschichtsverein“ heißt, Gegenstände aus dem Alltag und dem Leben der Moerser Bevölkerung zusammengetragen und im Moerser Schloss ausgestellt. Dadurch soll gemeinsam mit der Stadt Moers interessierten Bürgern die Geschichte der Grafschaft und des Altkreises Moers nahe gebracht werden. Den kulturellen und historischen Wert des Schlossparks stärker bewusst zu machen und zu erhalten ist ebenfalls ein Ziel der Arbeit des GMGV. Der heutige Vorsitzende, Peter Boschheidgen, ist ein Enkel des Vereinsgründers.
Schacht IV der Zeche Rheinpreußen in Moers-Hochstraß. Foto: Petra Grünendahl. _______________________
Als weiterer Schwerpunkt der Vereinstätigkeit kam später die Geschichte des Bergbaus mit dem Nutzungsrecht für das „Industriedenkmal Rheinpreußen Schacht IV“ hinzu, mit der Verpflichtung, das Maschinenhaus von 1906 zu erhalten. Der Bergwerks-Standort war 1962 stillgelegt worden. Unter dem langjährigen Vereinsvorsitzenden Andreas Eichholtz übernahm der GMGV Ende der 1990er-Jahre als Bauherr mit finanzieller Unterstützung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, des Landes NRW und der Nordrhein-Westfalen-Stiftung die Renovierung. Das Denkmal und die restaurierte Technik kann im alten Maschinenhaus besichtigt werden. Ehrenamtlich tätige ehemalige Bergleute erklären die Fördertechnik und führen durch die Sammlung. Geöffnet ist Bergbaumuseum an der Zechenstraße 50 in Moers-Hochstraß von Mai bis Ende Oktober jeden Sonntag von 13 bis 16 Uhr. Gruppenführungen sind auch außerhalb der Öffnungszeiten nach Vereinbarung möglich. Kontakt unter Telefon 02841 / 889108 (mittwochs 9 bis 12 Uhr) oder per Mail an schacht4(at)gmgv-moers.de. www.gmgv-moers.de Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e. V.
Vielfältigste Freizeitempfehlungen locken Von Petra Grünendahl
Hits fürs Wochenende – Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl. _________________________
Manche Veranstaltungen eignen sich eher für Singles und/oder Paare bzw. einen Freundeskreis, andere sprechen gleich ganze Familien mit Jung und Alt an. Bei der Vielfalt dessen, was in Nordrhein-Westfalen an Freizeitvergnügen geboten wird, sollte für jeden Geschmack etwas dabei sein: Von Hopfen, Wein und Feinschmecker über Special Interests wie Heim & Garten, Spielzeug, Ritterspiele oder Star Wars bis hin zu Musik jeglicher Stilrichtung und (sportlichen) Aktivitäten sei hier nur eine kleine Auswahl dessen genannt, was Fans anlockt. Von Daten und Adressen, teilweise auch Öffnungszeiten, Telefonnummern und Webseiten (wenn vorhanden) bis hin zu Eintrittspreisen reichen die Informationen, die von einer Kurzbeschreibung des Events begleitet sind. Verweise auf Coupons (hinten im Buch) gibt es im Veranstaltungsteil ebenfalls. Ortsübergreifende Events wie der Internationale Museumstag, der Deutsche Mühlentag, der Tag der Architektur, die Extraschicht oder der Tag des Offenen Denkmals, die in jedem Jahr stattfinden, haben eigene Einträge: Mit Verweisen auf die jeweiligen Event-Webseiten, die dann aktuell Informationen zu Highlights vor Ort bieten.
Hits fürs Wochenende – Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl. _________________________
Über 500 Termintipps aus Nordrhein-Westfalen hat ein Autoren-Team im Freizeitführer „Hits fürs Wochenende“ für das Jahr 2024 (ab April) zusammen getragen. Vorneweg gibt es Konzert- und Show-Highlights bzw. Ausstellungen, bevor es in die Veranstaltungen geht: Chronologisch durch das Jahr ist das Ganze sortiert, aber natürlich dann alphabethisch nach Städten. Zum Abschluss gibt es auf sechs Seiten eine Auswahl an Weihnachtsmärkten: Sowohl solche, die über die ganze Adventszeit reichen, als auch solche, die nur ein Wochenende dauern. Der Duisburger Weihnachtsmarkt hat es in die Auswahl geschafft, der Lichtermarkt im Landschaftspark Nord nicht. Die Auswahl erhebt aber auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ob Volks- oder Stadtfeste, (Themen-)Märkte oder Messen, Konzerte, Events oder Festivals: Das Buch bietet einen sejr umfassenden, wenn auch natürlich nicht vollständigen Überblick über das Veranstaltungsjahr 2024 in Nordrhein-Westfalen. Es ist ein Buch zum Blättern und Entdecken, was dem Leser für Ausflüge interessant erscheint. Nach einer mehrjährigen Corona-Pause ist der Traditionsbestseller für 2024 wieder zu haben: Mit fast 40 Coupons im Wert von über 200 Euro. Da hat sich der Kaufpreis für das Buch schnell rentiert.
Das Buch
Das Buch „Hits fürs Wochenende Nordrhein-Westfalen“ ist im Essener Klartext Verlag erschienen. Das reich bebilderte 176-seitige Taschenbuch ist für 9,95 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-8375-2649-3).
Der Blick ins Buch. Fotos: Petra Grünendahl
Diese Diashow benötigt JavaScript.
Der Verlag
Hits fürs Wochenende – Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl. _________________________
Der Klartext Verlag wurde 1983 gegründet, seit 2007 ist er Teil der Funke Mediengruppe. Seine Heimat liegt im Ruhrgebiet, wo auch der überwiegende Teil seiner Publikationen angesiedelt ist: Freizeitführer mit Inspirationen für Jung und Alt, Sachbücher, Ausstellungskataloge, Kalender und Bildbände. Die Reihen von Freizeitführern bieten Tipps für „Umsonst & draußen“ oder „Märchenhaft wandern“. Im Rahmen „Schönes NRW“ zeigen die Bücher Ziele und Gegenden, die man zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit oder ohne Motor erholen, zu Fuß die Gegend erkunden kann: Im Ruhrgebiet, im Sauerland, im Münsterland, entlang des Niederrheins oder durch die Eifel. Mit der „Von oben“-Reihe kann man Städte nicht nur im Ruhrgebiet, sondern in ganz Deutschland aus der Vogelperspektive bewundern. Und mit der Reihe „Irrtümer und Wahrheiten“ (bei ihrem Start im Verlagsprogramm hieß die Serie noch „Klugscheißer“) lernt der Leser Neues zu verschiedenen Orten, Themen und Fußballvereinen – unterhaltsam, fundiert und auch mit dem einem oder anderen Augenzwinkern. www.klartext-verlag.de
Frauen. Bergbau. Geschichten. & Unter Tage waren wir alle gleich: Zwei Ausstellungen unter einem Dach Von Petra Grünendahl „Die Frauen haben uns Einblicke in ihr Leben gegeben“, erzählte Autorin Ulrike Rauhut. Sie seien überall gemeinsam gewesen, so Fotografin Bettina Engel-Albustin, von der die beeindruckend schönen und sehr individuellen Porträtfotos stammen. Die älteste Porträtierte ist 90 Jahre alt, aber die Geschichten, die die Frauen aus ihren Familien erzählten, waren teilweise noch älter: Wie der Bergbau ihr Leben geprägt habe, hat Ulrike Rauhut in spannenden und erfrischend erzählten Geschichten verpackt. Die Idee zu dieser Ausstellung hatte Anja Reutlinger, die seit 27 Jahren in der Zechenkolonie Meerbeck lebt und sich dort mit ihrem Mann Walter für den Stadtteil engagiert. „Wir haben das Leben hier schätzen gelernt und ich wollte die Geschichten der Frauen festhalten, die mich beeindruckt haben mit ihrer Tatkraft und ihrem Engagement über Familie und Beruf hinaus.“ Mit Bettina Engel-Albustin (Foto) und Ulrike Rauhut (Texte) fand sie geeignete Partner für dieses Projekt, die die Frauen besucht haben, um sie in Wort und Bild zu porträtieren. Vier Monate lang war die Ausstellung mit großem Zuspruch in der Zechenkolonie Meerbeck zu sehen gewesen.
Stellten die neue Ausstellung vor (v. l.): Alberto Dominguez, Ulrike Rauhut, Bettina Engel-Albustin, Peter Boschheidgen, Anja Reutlinger, Frank Heinrich, Theo Wilbers, Wilfried Scholten und André Thissen. Foto: Petra Grünendahl.
Der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e. V. (GMGV) hatte die Ausstellung in Meerbeck finanziell unterstützt. Als die Bergleute des GMGV-Arbeitskreises Schacht IV die Ausstellung für die Präsentation in der Fördermaschinenhalle übernehmen wollten, nahmen Engel-Albustin und Rauhut dies zum Anlass, weitere Frauen zu besuchen, ihre Geschichten festzuhalten und sie zu porträtieren. Der Vorstand des GMGV stellte zusammen mit den Macherinnen die neue Ausstellung in der Fördermaschinenhalle auf Schacht IV vor: Eröffnet wird zum Start der neuen Saison am Sonntag, 5. Mai, um 11 Uhr. Die Portraits in Wort und Bild geben Auskunft über das Leben der Frauen im Bergbau am Niederrhein. Frauen und Töchter von Bergleuten kommen zu Wort und erzählen ihre „Bergbaugeschichten“, die einen intimen Einblick geben in das Leben im Bergbau und in der Zechenkolonie, das geprägt war vom Zusammenhalt der Menschen, von der Angst um die Männer, von abwesenden Vätern, aber auch Not und Armut in zwei Weltkriegen. Die zwölf Porträts mit 19 Frauen und Kindern hängen in den Fenstern der denkmalgeschützten Maschinenhalle. Daneben – oder vielmehr „darüber“ – sind immer noch die Fotografien der letztjährigen Ausstellung „Unter Tage waren wir alle gleich“ zu sehen, die die Zuwanderung im Bergbau ab den 1950er-Jahren dokumentiert. Diese beiden Ausstellungen ergänzen sich auf eine faszinierende Weise und verbinden die Geschichten der Bergmänner und der Bergfrauen. Zur Eröffnung am kommenden Sonntag werden auch einige der porträtierten Frauen am Industriedenkmal Rheinpreußen Schacht IV anwesend sein.
Einladung zu Gesprächen
Frauen im Bergbau mit Porträts in Wort und Bild: Die neue Ausstellung im Industriedenkmal Rheinpreußen Schacht IV in Moers. Foto: Petra Grünendahl.
„In Meerbeck hat die Ausstellung eingeladen zu Gesprächen über die Geschichten der Porträtierten und der Besucher. Ich denke, das wird auch hier der Fall sein“, sagte Anja Reutlinger. Finanziell unterstützt wurde die neue Ausstellung auch von der Volksbank Niederrhein, vom Stadtteilbüro Meerbeck, vom Kulturbüro Moers sowie vom NRW-Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung. Neben den beiden Ausstellungen in der Fördermaschinenhalle ist aber auch die Sammlung des Bergbaumuseums im Untergeschoss der Maschinenhalle mehr als nur sehenswert. Der Besucher erlebt die Untertagewelt zum Erkunden: „Wir sind ein Museum zum Anfassen“, erklärte André Thissen, Leiter des Arbeitskreises Schacht IV, der während der Öffnungszeiten gemeinsam mit anderen ehemaligen Bergleuten für kleine Führungen, Fragen und Antworten vor Ort zur Verfügung steht.
Frauen im Bergbau mit Porträts in Wort und Bild: Die neue Ausstellung im Industriedenkmal Rheinpreußen Schacht IV in Moers. Foto: Petra Grünendahl.
Zum Saisonstart öffnet das Industriedenkmal mit seinem Bergbaumuseum bereits um 11 Uhr. Der Eintritt ist frei. Bis Ende Oktober ist jeden Sonntag von 13 bis 16 Uhr geöffnet, außerhalb dieser Zeiten sind jedoch individuelle Termine für (kostenfreie) Gruppenführungen möglich. Die Führungen auf Schacht IV machen ehrenamtlich tätige ehemalige Bergleute.
Impressionen vom Schacht IV. Fotos: Petra Grünendahl
Diese Diashow benötigt JavaScript.
Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e. V.
Industriedenkmal Rheinpreußen Schacht IV in Moers. Foto: Petra Grünendahl.
Der Museums- und Geschichtsverein in Moers (GMGV) möchte die Geschichte und Kultur der Grafschaft Moers schützen und erhalten – und das seit 1904. In diesem Jahr gründete Dr. Hermann Boschheidgen den „Verein für Heimatkunde“. Seitdem werden vom Verein, der heute „Grafschafter Museums- und Geschichtsverein“ heißt, Gegenstände aus dem Alltag und dem Leben der Moerser Bevölkerung zusammengetragen und im Moerser Schloss ausgestellt. Dadurch soll gemeinsam mit der Stadt Moers interessierten Bürgern die Geschichte der Grafschaft und des Altkreises Moers nahe gebracht werden. Den kulturellen und historischen Wert des Schlossparks stärker bewusst zu machen und zu erhalten ist ebenfalls ein Ziel der Arbeit des GMGV. Der heutige Vorsitzende, Peter Boschheidgen, ist ein Enkel des Vereinsgründers.
Industriedenkmal Rheinpreußen Schacht IV in Moers. Foto: Petra Grünendahl.
Als weiterer Schwerpunkt der Vereinstätigkeit kam später die Geschichte des Bergbaus mit dem Nutzungsrecht für das „Industriedenkmal Rheinpreußen Schacht IV“ hinzu, mit der Verpflichtung, das Maschinenhaus von 1906 zu erhalten. Der Bergwerks-Standort war 1962 stillgelegt worden. Unter dem langjährigen Vereinsvorsitzenden Andreas Eichholtz übernahm der GMGV Ende der 1990er-Jahre als Bauherr mit finanzieller Unterstützung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, des Landes NRW und der Nordrhein-Westfalen-Stiftung die Renovierung. Das Denkmal und die restaurierte Technik kann im alten Maschinenhaus besichtigt werden. Ehrenamtlich tätige ehemalige Bergleute erklären die Fördertechnik und führen durch die Sammlung. Geöffnet ist Bergbaumuseum an der Zechenstraße 50 in Moers-Hochstraß von Mai bis Ende Oktober jeden Sonntag von 13 bis 16 Uhr. Gruppenführungen sind auch außerhalb der Öffnungszeiten nach Vereinbarung möglich. Kontakt unter Telefon 02841 / 889108 (mittwochs 9 bis 12 Uhr) oder per Mail an schacht4(at)gmgv-moers.de. www.gmgv-moers.de
Grandiose Panorama-Aussicht bis
ins Ruhrgebiet und an den Niederrhein Von Petra Grünendahl
MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst eröffnet die Aussichtsplattform 40 Meter über Duisburg. Foto: Ilja Höpping / Stadt Duisburg.
Aus etwa 40 Metern Höhe bietet die neue Aussichtsplattform auf den alten Silos des ehemaligen Getreidespeichers im Duisburger Innenhafen imposante Perspektiven: Bei gutem Wetter und klarer Sicht geht der Blick weit über den Innenhafen und Duisburg hinweg bis ins Ruhrgebiet, an den Niederrhein und sogar nach Düsseldorf. „Das Museum Küppersmühle ist zu einem wichtigen Anziehungspunkt für unsere Stadt geworden. Mit der neuen Aussichtsplattform bietet sich jetzt ein weiteres attraktives Ausflugsziel, das nicht nur Duisburger zu einem Besuch einlädt, sondern auch Touristen einen wunderbaren Blick über Duisburg ermöglicht“, sagte Oberbürgermeister Sören Link. „Die Küppersmühle war jahrzehntelang Nahrungslieferant für die Region. Heute liefert sie geistige Nahrung. Sie bietet einen faszinierenden Einblick in die bildende Kunst und einen Ausblick ins Ruhrgebiet. Das MKM ist somit ein kultureller Leuchtturm, der weit über Duisburg hinaus strahlt,“ ergänzte Museumsdirektor Walter Smerling. „Die neue Aussichtsplattform im MKM steigert die Attraktivität der Museumsstadt Duisburg“, so Kulturdezernentin Linda Wagner.
Sören Link, Linda Wagner und Walter Smerling (v. l.) auf der Aussichtsplattform am MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst am Innenhafen. Foto: Petra Grünendahl.
Das MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst eröffnet am Mittwoch, 1. Mai, seine neue Aussichtsplattform auf den Silos, die im Rahmen der Arbeiten zum Erweiterungsbau verstärkt worden waren. Walter Smerling, Direktor des MKM Museum Küppersmühle, Oberbürgermeister Sören Link und Linda Wagner, Kulturdezernentin der Stadt Duisburg stellten diese Bereicherung der Stadtlandschaft im Pressetermin vor. Unter optimalen Wetterbedingungen bietet die Plattform einen Panoramablick auf zahlreiche bekannte Wahrzeichen von Duisburg, darunter der Landschaftspark Nord, die Halde Rheinpreußen, die Salvatorkirche, das NRW-Landesarchiv, das Rathaus, das Stadttheater und die „Goldene Leiter“ sowie die verschiednen Stahlwerke mit ihren Hochöfen. Darüber hinaus sind der Rheinturm und die Skyline von Düsseldorf, der Stadtwald in Mülheim und der Gasometer in Oberhausen ebenso sichtbar wie der Förderturm vom Bergwerk West (heute Zechenpark Friedrich Heinrich) und die Bergehalden am Niederrhein. Die Eröffnung der Aussichtsplattform unterstreicht das Engagement des Museum Küppersmühle, außergewöhnliche Architektur und Kunst in einem einzigartigen Rahmen zu präsentieren. Die Plattform setzt einen weiteren Akzent im Museum, das vom renommierten Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron umgebaut und erweitert wurde.
Die Aussicht: Impressionen. Fotos: Petra Grünendahl
Diese Diashow benötigt JavaScript.
Aussichtsplattform nur in Verbindung mit Museumseintritt
Aussichtsplattform am MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst am Innenhafen. Foto: Petra Grünendahl.
Besichtigungen der Aussichtsplattform werden künftig an allen Öffnungstagen des Museums in der Zeit zwischen dem 1. April und dem 30. September des Jahres bei geeigneten Witterungsbedingungen jeweils um 14:30 Uhr (bis 15:30 Uhr) und um 16:30 Uhr (bis 17:30 Uhr) oder nach besonderer Vereinbarung angeboten. Der Zutritt zur Plattform kostet 4,00 Euro. Tickets sind allerdings ausschließlich in Verbindung mit dem Kauf eines Tickets für das gesamte Haus (12,00 Euro, ermäßigt 6,00 Euro) erhältlich. Der Gesamtpreis für den Besuch des Museums und die Aussichtsplattform beträgt 16,00 Euro (ermäßigt 10,00 Euro). Bei ermäßigten oder auch Freitickets bleibt der Eintrittspreis für die Plattform bestehen. Der Zugang ist auf Gruppengrößen von maximal 20 Personen begrenzt. Für die garantierte Besichtigung der Plattform ist eine verbindliche Terminreservierung erforderlich. Sind dann vor Ort spontan noch Plätze frei, kann aber auch ein Ticket für die Plattform nachträglich (nach bereits entrichtetem Museumseintritt) gelöst werden.
Museum Küppersmühle:
Duisburger haben donnerstags freien Eintritt
MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst am Innenhafen. Foto: Petra Grünendahl.
In den Wechselausstellungsräumen im Erdgeschoss ist noch bis zum bis zum 5. Mai 2024 die Sammlung Haniel zu sehen. Das Museum Küppersmühle findet man im Innenhafen am Philosophenweg 55 (Haupteingang, der Parkplatz befindet sich auf der anderen Straßenseite). Mittwochs ist das Museum von 14 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis sonntags sowie feiertags von 11 bis 18 Uhr. Montags und dienstags ist Ruhetag. Der Eintritt kostet nur für die Wechselausstellungen 6 Euro (ermäßigt 3 Euro), für das gesamte Haus (inkl. Wechselausstellung) 12 Euro (ermäßigt 6 Euro). Familien (2 Erwachsene plus Kinder) zahlen 18 Euro für das ganze Haus, 10 Euro für Wechselausstellungen. Kinder bis 16 Jahren haben freien Eintritt. Kindergruppen (Schule, Kita, Kinderfreizeit) zahlen 2 Euro pro Kind und Betreuer. Donnerstags haben alle Duisburger (gegen Vorlage des Personalausweises) freien Eintritt. Das MKM ist Partner der Ruhrkultur.Card. Alle Ausstellungsräume des Museums sind auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich.
MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst am Innenhafen. Foto: Petra Grünendahl.
Offene Führungen durch die Sammlung sowie durch laufende Ausstellungen gibt es jeden Sonntag um 15 Uhr, aber auch nach Vereinbarung. Durch die Wechselausstellung gibt es mittwochs zwischen 15 und 16 Uhr die Führung „KunstMittwoch“. Beide Führungen sind im Eintritt enthalten. Zu den Ausstellungen bietet das MKM zudem immer wieder Themenführungen, Künstlergespräche oder Sonderformate an. Informationen zu Führungen und dem Begleitprogramm zu Ausstellungen gibt es unter www.museum-kueppersmuehle.de). Hier findet man zu Corona-Maßnahmen.
Das Museum Küppersmühle als Kunstwerk um die Moderne Kunst
MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst am Innenhafen. Foto: Petra Grünendahl.
MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst am Innenhafen. Foto: Petra Grünendahl.
Das Museum Küppersmühle für Moderne Kunst wurde im Jahre 1999 in einem ehemaligen Getreidespeicher im Innenhafen eröffnet. Er wurde nach Plänen der Basler Architekten Herzog & de Meuron zum Museum umgebaut. Initiator des Museumsprojekts war der Duisburger Kunstsammler Hans Grothe (1930–2019). Grothes Sammlung umfasste über 800 Werke von mehr als 40 deutschen Künstlern. Seit der Übernahme seiner Sammlung durch das Darmstädter Sammlerpaar Sylvia und Ulrich Ströher 2004/2005 stieg die Anzahl der Ausstellungsstücke und der vertretenen Künstler noch erheblich an. Insgesamt handelt es sich um eine der wichtigsten und umfangreichsten Sammlungen deutscher Kunst seit 1945. Zur Präsentation der ständigen Sammlung kommen immer wieder Wechselausstellungen hinzu. Seit 2008 war ein Erweiterungsbau geplant: Zunächst als ein „Schuhkarton“ auf den Silotürmen, der 2011 wegen Baumängeln scheiterte. Bei einem neuen Anlauf beauftragten die Ströhers 2014 das Architektenbüro Herzog & de Meuron erneut mit der Planung (Baubeginn war 2016): Der Erweiterungsbau wurde im September 2021 eröffnet. Seitdem sind im MKM in 42 Räumen auf gut 5.000 Quadratmetern etwas 320 Werke als Highlights aus der Sammlung Ströher in der Dauerausstellung zu sehen. Die Sammlung ist um ein mehrfaches größer: Schließlich sammelt das Darmstädter Ehepaar ja schon seit Mitte der 1980er-Jahre – und immer noch weiter. Der Fokus liegt auf Malerei, aber auch Skulptur, Installation und Fotografie sind vertreten. Die Sammlung umfasst zentrale Positionen der Kunstentwicklung in Deutschland, von der unmittelbaren Nachkriegszeit bis in die Gegenwart.
Das MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst als Standort der Sammlung Grothe wird seit seiner Gründung von der Stiftung für Kunst und Kultur e. V. Bonn betrieben. Die Stiftung konzipiert und organisiert die Ausstellungen und betreut die umfangreiche Sammlung, die heute dem Kunstsammler-Ehepaar Ströher aus Darmstadt gehört, im MKM. Direktor ist seit 1999 Walter Smerling.
Originalität und Qualität als Basis für den persönlichen Erfolg entwickeln Von Petra Grünendahl
Foto: NoName_13 / pixabay.
Täuschungen und Lügen sind aus unserem Alltag leider (!) nicht mehr wegzudenken. An manchen Stellen lassen wir uns unbewusst (arglos) täuschen. In vielen Beispielen macht der Autor aber auch klar, wo sich Menschen bewusst auf Fakes einlassen und welcher Schaden dadurch entsteht: Anderen, aber auch uns selber. Dabei verweist er immer wieder auf die Verlässlichkeit von Authentizität und den Wert des Echten: Nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht, wo Plagiate in Deutschland Tausende Arbeitsplätze kosten. Fake News und gezielte Desinformation erfahren heutzutage dank digitaler Welten schnelle Verbreitung und gefährden damit die Demokratie. Reißerische Schlagzeilen prägen Meinungen, bevor jemand den eigentlichen Inhalt eines Artikels zur Kenntnis genommen hat (falls überhaupt!). Damit schwindet Vertrauen, aber es gehen in einer Gesellschaft auch existenzielle Werte verloren. Man sollte sich also immer die Frage stellen: Welche Ziele verfolgen die Initiatoren von Falschmeldungen? Konsumenten, die dies nicht hinterfragen, fördern deren Verbreitung statt die sachlicher Berichterstattung. Der Leser muss sich fragen: Auf welche Informationen ist Verlass? Manches lässt sich relativ einfach auf seinen Wahrheitsgehalt überprüfen. Wie werden die Möglichkeiten von KI (Künstlicher Intelligenz) in den Medien unsere Lesegewohnheiten und damit unser Leben verändern?
Blick ins Buch: Take No Fake von Alex Deitermann. Foto: Petra Grünendahl.
In seinem Buch „Take No Fake“ beschäftigt sich der Autor Alex Deitermann damit, wie man Täuschungen im Alltag erkennt und wie man ihnen am besten begegnet. Täuschungen und Fakes kommen in unterschiedlichster Gestalt daher: als Fälschungen, Desinformation oder Fake News, aber auch in Gestalt von Menschen, die betrügen, um nach außen besser da zu stehen oder um ihr Bild von sich selbst zu schönen. „Warum sind Fakes ein Problem?“, fragt Alex Deitermann. Und liefert gleich die Antwort: „Weil kein Bemühen dahintersteht, besser zu werden.“ Das, so der Autor, fördere die eigene Mittelmäßigkeit und sei kein Zeichen von Anspruch an sich selbst. „Der eine spielt den Fachmann, obwohl er nie einer wird, ein anderer spielt ihn, weil er einer werden will, bis er es ist.“ Aber: „Wer nicht aufhört, andere zu kopieren“, bilanziert der Autor, „wird nie selber ein Original!“
Foto: WOKANDAPIX / pixabay.
In seinen Ausführungen steigt der Autor tief in die Philosophie (bis zurück in die Antike) und in die Psychologie ein: Immer verständlich und auf den Punkt gebracht, den er dem Leser klar machen will. Das Buch liefert Impulse, sich mit seinen eigenen Vorstellungen und seinem Verhalten auseinander zu setzen, Fakten zu hinterfragen und fördert das eigene Urteil. Der Autor will die Wahrnehmung schärfen und seine Leser für alltägliche Täuschungen und Manipulationen sensibilisieren. Damit fördert er das Bewusstsein für fremde Täuschungen ebenso wie für die Selbsttäuschung und hilft, eigene klare und wahre Standpunkte zu entwickeln. Sein Storytelling und die anschaulichen Beispiele mitten aus dem realen Leben machen Deitermanns Buch zu einem echten Praxis-Ratgeber.
Foto: Gerd Altmann / pixabay.
Gegliedert ist das Buch in drei Teile mit mehreren Kapiteln: Im ersten Teil geht es um Fakten rund um das Thema „Fake“ aus wissenschaftlicher, wirtschaftlicher und politischer Sicht. Im zweiten Teil geht es praktischer in Kultur und Werte und ins menschliche Verhalten. Der dritte Teil kann dann der Schlüssel zur eigenen (Weiter-)Entwicklung sein: Mit Einblicken in Philosophie, Psychologie und auch dem Aufzeigen spiritueller Pfade. Das Buch regt an, sich mit seinen Werten und seiner Lebenswirklichkeit auseinander zu setzen: Diese in Frage zu stellen, um in sich selbst das Original zu finden. Das Buch erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, bietet aber als spannende Lektüre viele Steine des Anstoßes, über sich selbst und seinen Platz in der Welt nachzudenken.
Der Autor und das Buch
Blick ins Buch: Take No Fake von Alex Deitermann. Foto: Petra Grünendahl.
Alex Deitermann (Jahrgang 1959) ist ein überzeugter Idealist, bewusster Optimist und seit seinem 25. Lebensjahr Unternehmer mit Herzblut. Die Unterstützung von Menschen, die Unternehmer werden wollen, die bereits Unternehmer sind und wachsen wollen, sowie Menschen, die Ihr Lebenswerk krönen wollen, sieht er als seine Mission. Deitermann ist Unternehmer, Autor, Podcast-Host und Vortragsredner. Als Sparringspartner (eine Bezeichnung, die Deitermann dem „Berater“ vorzieht) unterstützt er Mittelständler und Familienunternehmen, ihre „Übergabefähigkeit“ an Nachfolger zu optimieren. Er hat seit 1985 vier Unternehmen gegründet, entwickelt und erfolgreich übergeben. www.alexdeitermann.de
Sein Buch „Take No Fake“ will Deitermann als Mutmacher-Buch verstanden sehen: Bewusst und gezielt genauer hinzuschauen, den Mut und die Klarheit für eigene Standpunkte zu entwickeln, auf die eigenen Sinne, Werte und Überzeugungen zu vertrauen sowie Wege für die Realisierung der eigenen Vorstellungen, Ideen, Konzepte, Visionen und Ziele zu entwickeln und dadurch die Welt ein Stück zu verbessern.
Das Buch „Take No Fake“ ist als Paperback mit Klappumschlag im Selbstverlag erschienen. Es ist für 29,90 Euro im lokalen Buchhandel zu haben (ISBN 978-3-98942-319-0).
Trotz Krise 2023 und Herausforderungen auf gutem Kurs Von Petra Grünendahl
Der Duisburger Hafen stellte seine Jahresbilanz für 2023 vor. Foto: Screenshot.
Der Duisburger Hafen stellte seine Jahresbilanz für 2023 vor. Foto: Screenshot.
„Wir haben die Erwartungen trotz der gesamtwirtschaftlichen Schwäche erfüllt und unsere Ziele teilweise übertroffen. Abgesehen von den erwarteten Rückgängen beim Umschlag haben alle Konzernbereiche mindestens planmäßig agiert, wirtschaftlich haben wir insgesamt sogar besser abgeschnitten als prognostiziert”, erklärte Markus Bangen, Vorsitzender des Vorstands der Duisburger Hafen AG. Sowohl der Gesamtumschlag von 50,5 Mio. Tonnen (minus 8 Prozent) als auch der Containerumschlag von 3,6 Mio. TEU* (minus 10 Prozent) waren krisenbedingt rückläufig. „Die Rückgänge der Umschlagsleistungen sind in anderen Häfen ähnlich“, so der Hafen-Chef. Während der Umsatz der gesamten duisport-Gruppe ganz leicht gesunken ist (von 332,5 Mio. Euro auf 331,5 Mio. Euro), ist das Gesamtergebnis vor Steuern sogar leicht gestiegen (von 20,5 Mio. Euro auf 22,1 Mio. Euro). „Die Häfen sind Frühindikatoren wirtschaftlicher Entwicklung. Strukturelle Veränderungen beeinflussen Rahmenbedingungen und Investitionsentscheidungen. Wir haben hier dringenden Handlungsbedarf, wenn wir die Industrie halten wollen“, sagte Bangen, der für den Hafen weitere Investitionen bekräftigte. Die Geschäftsbereiche der duisport-Gruppe (Umschlag und logistische Dienstleistungen) glichen sich aus, so Bangen. „Wir haben diese Geschäftsbereiche zukunftsfähig aufgestellt.“
Jahresbilanz-Pressekonferenz der Dusiburger Hafen AG (duisport) mit (v. l.) Lars Nennhaus, Vorstand Technik und Betrieb, und Markus Bangen, Vorsitzender des Vorstands. Foto: Marco Stepniak.
In der Bilanzpressekonferenz legte der Vorstand der Duisburger Hafen AG die Zahlen für das Jahr 2023 vor. Rede und Antwort standen CEO Markus Bangen und Lars Nennhaus, Vorstand Technik und Betrieb. Die China-Züge, so erklärte Hafenvorstand Bangen auf Nachfrage, seien keine Konkurrenz für die Seefracht, hätten aber im vergangenen Jahr von den Weltkrisen und Unsicherheiten der Seeverkehre profitiert. Wöchentlich seien es aktuell zwischen 20 und 25 Zugverbindungen – und die laufen in beide Richtungen. „Wir exportieren auch an China.“ Und er machte deutlich: „Unser Interesse sind Ladungen für Schiff und Bahn: Damit verdienen wir Geld.“ Dennoch komme der Hafen auch seiner Verantwortung für die Lkw-Verkehre nach: „Wir haben mehrere Parkplätze für Lkw im Bau bzw. schon in Betrieb, aber wir brauchen die passenden Flächen.“ Das neu entstehende DGT bekomme solche Stellplätze. Auch an den anderen Logistik-Standorten sei gebaut worden oder gebe es Pläne, sagte Lars Nennhaus. Er räumte aber ein: „Nicht alle Lkw-Verkehre in Duisburg haben mit dem Hafen zu tun. Und wir sind von den Autobahnen durchzogen: Auch für diese Verkehre muss etwas getan werden“, wies er auf die Notwendigkeit eines Autohofs am Kreuz Kaiserberg hin.
Mit Investitionen in Vorzeige-Projekte fit für die Zukunft machen
Der Duisburger Hafen stellte seine Jahresbilanz für 2023 vor. Foto: Screenshot.
Im Jahr 2023 hat die duisport-Gruppe fast 75 Millionen Euro in die Infrastruktur sowie Instandhaltungsmaßnahmen investiert. „2024 ist das Jahr, in dem wir viele bedeutende Projekte fertigstellen”, erklärte Lars Nennhaus, Vorstand für Technik und Betrieb, und blickt dabei zuerst auf das Duisburg Gateway Terminal (DGT): „Das größte Containerterminal im europäischen Hinterland nimmt im Sommer den Betrieb auf“, so Nennhaus. Auf einer Gesamtfläche von rund 235.000 Quadratmetern wird das DGT in zwei Bauabschnitten als zentraler Gateway-Hub im Herzen des Ruhrorter Hafenteils errichtet. Es leistet damit einen maßgeblichen Beitrag zur Weiterentwicklung moderner und zukunftsweisender Logistik am Standort Duisburg. In Kombination mit dem Forschungsprojekt enerPort II soll das Terminal komplett klimaneutral betrieben werden. Das sei aber eine gezielte Einzelmaßnahme im Hafen-Portfolio, so Markus Bangen. „Wir können Klimaneutralität nicht dadurch erreichen, dass wir die Stahlindustrie platt machen“, warnte er vor der Deindustrialisierung.
An vielen Stellen im Stadtgebiet investiert der Duisburger Hafen in die Infrastruktur, um sich zukunftsfähig aufzustellen und Anwohner zu entlasten. So werden zum Beispiel im logport I (Rheinhausen) ebenso wie zum logport VI (Walsum) Gleisanlagen erneuert. Zudem wurden in Rheinhausen alte Krupp-Hallen (die sogenannten Längshallen aus Vorkriegszeiten) abgerissen, um dort moderne Lagerhallen zu bauen. „Die abgeschriebenen Hallen waren eine ‚Cash-Cow’, aber wir haben entscheiden, den Standort mit modernen Lagerhallen zu entwickeln“, so Bangen. Zu den Zukunftsinvestitionen zählt auch der 2. Bauabschnitt der Querspange Walsum zum logport VI oder die Sanierung und der Ausbau von Straßen innerhalb des logport I, die ursprünglich nicht für die mittlerweile bestehenden Lkw-Verkehr konzipiert waren: „Wir müssen Hafenareale vernünftig ansteuern können: Über die Straße wie über die Schiene“, sagte Lars Nennhaus.
Der Duisburger Hafen stellte seine Jahresbilanz für 2023 vor. Foto: Screenshot.
Mit Kooperationen und Partnerschaften punktet der Duisburger Hafen im Wettbewerb. „Was uns von anderen Standorten unterscheidet: Bei uns agieren alle großen Logistiker – hier kann man auswählen“, erklärte Hafen-Chef Bangen. Und: „Eine Kooperation wie Log4NRW war vor wenigen Jahren noch undenkbar. Aber wir wissen, wo wir in einem Boot sitzen und nur zusammen erfolgreich sind!“ In punkto „Neue Energien“ gibt es Kooperationen mit den Häfen Antwerpen und Rotterdam: Die Abhängigkeiten seien wechselseitig, so der Hafenvorstand.
Der Duisburger Hafen stellte seine Jahresbilanz für 2023 vor. Foto: Screenshot.
Intern will sich die duisport-Gruppe stärker aufstellen: Mit weiteren Neustrukturierungen und dem Rebranding in den Bereichen der Logistischen Dienstleistungen. „Wir werden uns dort weiter entwickeln und verschiedene Geschäftseinheiten zu duisport logistics and port services verschmelzen“, sagte Nennhaus zur Neuausrichtung. „Wir haben Verbesserungsbedarf identifiziert, entrümpeln und schaffen doppelte Strukturen ab“, stellte Bangen klar. Die Restrukturierungen sollten noch in diesem Jahr abgeschlossen werden, erklärte Nennhaus.
Duisburger Hafen AG
Der Duisburger Hafen stellte seine Jahresbilanz für 2023 vor. Foto: Screenshot.
Die Duisburger Hafen AG (duisport) ist die Eigentums- und Managementgesellschaft des Duisburger Hafens, des größten Binnenhafens der Welt. Die duisport-Gruppe bietet für den Hafen- und Logistikstandort Full Service-Pakete in den Bereichen Infra- und Suprastruktur inkl. Ansiedlungsmanagement. Darüber hinaus erbringen die Tochtergesellschaften logistische Dienstleistungen wie beispielsweise den Aufbau und die Optimierung von Transport- und Logistikketten, Schienengüterverkehrsleistungen, Gebäudemanagement und Verpackungslogistik. www.duisport.de
*) TEU = 20-Fuß-Standardcontainer-Einheiten (eng. Twenty-Foot Equivalent Unit)