MKM Museum Küppersmühle in Duisburg zeigt Sigmar Polkes Zyklus „Kunst + Fälschung“

Vom Kunstdiebstahl über die Fälschung zur Originalität der Kunst
Von Petra Grünendahl

Walter Smerling stellte Sigmar Polkes „Original + Fälschung“ im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst vor. Foto: Petra Grünendahl.

Der Diebstahl eines Rembrandt-Gemäldes und eine Interpol-Liste gestohlener Meisterwerke, nach denen Anfang der 1970er-Jahre gesucht wurde, provozierten Sigmar Polkes (1941–2010) Auseinandersetzung mit den Themenfeldern Original, Diebstahl und Fälschung. Die Steckbriefe diensten als Vorlage für Polkes Gemälde: Unter Mitarbeit von Achim Duchow interpretierte er neun wertvolle kanonische Gemälde u. a. von Toulouse-Lautrec, Rembrandt oder Rubens neu und abstrahierte sie. Diese und weitere großformatige teilweise auch ältere Werke von Polke sind begleitet von kleineren, collagenartigen Kommentarbildern, die mit zusätzlichem Text- und Bildmaterial, Skizzen und Zeitungsausschnitten vielfältige Assoziationsräume eröffnen. „Seine als Fälschung deklarierten Originale stiften Unruhe, schärfen die Wahrnehmung und schaffen Distanz vom gewohnten Sehen“, resümierte die Polke-Autorin Anne Erfle im Sammlungskatalog zur Eröffnung der Küppersmühle 1999.

 

Walter Smerling stellte Sigmar Polkes „Original + Fälschung“ im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst vor. Foto: Petra Grünendahl.

Das MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst hat den Oberlichtsaal im obersten Stockwerk des Erweiterungsbaus mit Werken aus der Sammlung neu bestückt. Der 38-teilige Gemäldezyklus „Original + Fälschung“ von Sigmar Polke ist damit erstmals nach zwanzig Jahren wieder komplett im MKM zu sehen. Dieses zu den Schlüsselwerken zählende Werk des Künstlers wurde 1973 im Rahmen einer Rauminstallation im Westfälischen Kunstverein Münster präsentiert. „Zur Sammlung von Sylvia und Ulrich Ströher gehören mehr Kunstwerke als wir hier auf einmal zeigen können“, erklärte Museumsdirektor Prof. Dr. h. c. Walter Smerling bei der Vorstellung der Schau. „Deswegen arrangieren wir auch die Räume der Dauerausstellung immer mal wieder neu.“ Der Duisburger Kunstsammler Hans Grothe hatte Sigmar Polkes Werke Mitte der 1970er-Jahre für seine Sammlung erworben. Mitte der 2000er-Jahre erwarb das Kunstsammlerehepaar Sylvia und Ulrich Ströher seine Sammlung: „Obwohl der Verkauf der Sammlung damals kritisiert wurde, war er für Duisburg, NRW und Deutschland ein Glücksfall“, sagte der Museumsdirektor. Die komplette Übernahme habe garantiert, dass die Sammlung erhalten und zusammen blieb. Davon profitierte nicht zuletzt die deutsche Kunstlandschaft mit einer der wichtigsten Sammlungen deutscher Nachkriegskunst, die im Duisburger Innenhafen zu Hause ist.

 

 
Der Künstler Sigmar Polke

Steckbriefe und Gemälde: Sigmar Polkes „Original + Fälschung“ im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.

Sigmar Polke wurde am 13. Februar 1941 in Oels, Schlesien, geboren. 1945 floh die Familie nach Thüringen und siedelte im Jahr 1953 nach Düsseldorf über. Nach einer Glasmaler-Lehre bei der Firma Derix in Düsseldorf−Kaiserswerth (1959 bis 1961) folgte das Studium an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf (1961 bis 1967) in den Klassen von Gerhard Hoehme und Karl Otto Götz. In diese Zeit fielen die ersten Ausstellungen (1963 Gruppenausstellung mit Gerhard Richter, Manfred Kuttner und Konrad Lueg in Düsseldorf, 1966 die erste Einzelausstellung in Berlin). Neben seinem künstlerischen Schaffen lehrte Polke an der Hochschule für bildende Künste Hamburg (1970/71; ab 1977 als Professor) und unternahm ausgedehnte Reisen, u. a. nach Afghanistan und Pakistan (1974) sowie Indonesien, Papua−Neuguinea, Australien, Singapur, Malaysia und Thailand (1980/81). Seit 1978 lebte und arbeitete Sigmar Polke in Köln, wo er am 10. Juni 2010 verstarb. Sein Werk wurde in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland präsentiert, in einer Vielzahl von Publikationen gewürdigt und vielfach ausgezeichnet. Arbeiten von Sigmar Polke sind in zahlreichen Museen und Privatsammlungen weltweit vertreten.

 

 
 
Impressionen aus der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl

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Das Museum Küppersmühle als Kunstwerk um die Moderne Kunst

MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.

Das Museum Küppersmühle für Moderne Kunst wurde im Jahre 1999 in einem ehemaligen Getreidespeicher im Innenhafen eröffnet. Er wurde nach Plänen der Basler Architekten Herzog & de Meuron zum Museum umgebaut. Initiator des Museumsprojekts war der Duisburger Kunstsammler Hans Grothe (1930–2019). Grothes Sammlung umfasste über 800 Werke von mehr als 40 deutschen Künstlern. Seit der Übernahme seiner Sammlung durch das Darmstädter Sammlerpaar Sylvia und Ulrich Ströher 2004/2005 stieg die Anzahl der Ausstellungsstücke und der vertretenen Künstler noch erheblich an. Insgesamt handelt es sich um eine der wichtigsten und umfangreichsten Sammlungen deutscher Nachkriegskunst: Mit Werken und Werkgruppen der einflussreichsten deutschen Künstler von den 1950er-Jahren bis heute. Zur Präsentation der ständigen Sammlung kommen immer wieder Wechselausstellungen hinzu. Seit 2008 war ein Erweiterungsbau (ein „Schuhkarton“ auf den Silotürmen) geplant, der 2011 wegen Baumängeln scheiterte. Bei einem neuen Anlauf beauftragten die Ströhers 2014 das Architektenbüro Herzog & de Meuron erneut mit der Planung (Baubeginn war 2016): Der Erweiterungsbau wurde im September 2021 eröffnet.

 
Das MKM Museum Küppersmühle als Standort der Sammlung Grothe wird seit seiner Gründung von der Stiftung für Kunst und Kultur e. V. Bonn betrieben. Die Stiftung konzipiert und organisiert die Ausstellungen und betreut die umfangreiche Sammlung, die heute dem Ehepaar Ströher aus Darmstadt gehört, im MKM. Direktor ist seit 1999 Walter Smerling.

 

 
Museum Küppersmühle:
Duisburger haben donnerstags freien Eintritt

Raimund Girke im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.

Aktuell ist in den Wechselausstellungsräumen im Erdgeschoss des Altbaus noch bis zum 26. Juni 2022 „Raimund Girke – Klang der Stille“ zu sehen (hier unser Bericht). Das Museum Küppersmühle findet man im Innenhafen am Philosophenweg 55 (Haupteingang, der Parkplatz befindet sich auf der anderen Straßenseite). Mittwochs ist das Museum von 14 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis sonntags sowie feiertags von 11 bis 18 Uhr. Montags und dienstags ist Ruhetag. Der Eintritt kostet nur für die Wechselausstellungen 6 Euro (ermäßigt 3 Euro), für das gesamte Haus (inkl. Wechselausstellung) 12 Euro (ermäßigt 6 Euro). Familien (2 Erwachsene plus Kinder) zahlen 18 Euro für das ganze Haus, 10 Euro für Wechselausstellungen. Kinder bis 16 Jahren haben freien Eintritt. Kindergruppen (Schule, Kita, Kinderfreizeit) zahlen 2 Euro pro Kind und Betreuer. Donnerstags haben alle Duisburger (gegen Vorlage des Personalausweises) freien Eintritt. Das MKM ist Partner der Ruhrkultur.Card. Alle Ausstellungsräume des Museums sind auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich.

 

MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.

Offene Führungen durch die Sammlung sowie durch laufende Ausstellungen gibt es jeden Sonntag um 15 Uhr, aber auch nach Vereinbarung. Wieder aufleben lassen will das MKM die Veranstaltungsreihe „Kultur trifft“: Am Donnerstag, 12. Mai, um 18.30 Uhr heißt es „Kultur trifft … Fälschung“. Walter Smerling moderiert Vortrag und Gespräch mit dem Kunsthistoriker Hubertus Butin zum Thema „Von Albrecht Dürer bis Sigmar Polke: Künstler und Fälschungen – ein spezielles Verhältnis“. Die Teilnahme kostet 10 Euro (inkl. Museumseintritt), eine Anmeldung ist nötig (Anmeldung an office(at)musuem-kueppersmuehle.de). Weitere Informationen zu Führungen und dem Begleitprogramm zu Ausstellungen gibt es unter www.museum-kueppersmuehle.de). Hier findet man zu Corona-Maßnahmen.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

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Museum DKM in Duisburg zeigt Fotografien vom „Bild des Mannes“

Eros in Fotografie und Skulptur seit dem späten
19. Jahrhundert sowie Fotografien „Schönheit und Urkräfte der Natur“ von Claudia Terstappen

Von Petra Grünendahl

Impressionen aus der Ausstellung „Eros in Erwartung der Ewigkeit“ im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Nackte Frauenkörper oder der weibliche Akt hat zu allen Zeiten in jeder Form in der Kunst einen hohen Stellenwert besessen. Darstellungen männlicher Körper wurden seit der Antike eher nur als Helden oder Märtyrer akzeptiert. Darbietungen der puren männlichen Schönheit und Sexualität waren lange Zeit ein Tabu. Einer der ersten Verfechter der männlichen Nacktfotografie siedelte Ende des 19. Jahrhunderts seine männlichen Modelle in einer Phantasiewelt im antiken Griechenland an.

Impressionen aus der Ausstellung „Eros in Erwartung der Ewigkeit“ im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Der Bezug zur Antike legitimierte also die Zurschaustellung des männlichen Körpers. Erst ab den 1960er-Jahren, die in vielerlei Hinsicht für Menschen ein Befreiungsschlag waren, wurde es möglich, den „puren“ männlichen Akt einer Öffentlichkeit frei zugänglich zu machen. Der Männerkörper als Objekt von Lust und Begierde verabschiedet sich von Triumph und Tod des Helden: Der Akt feiert das Leben. Die Darstellung des männlichen Körpers zeigt auch eine veränderte Wahrnehmung des Bildes vom Mann und der Präsentation männlicher Identität. „Was ist der Mann?“ geht über zu einem „Welche Art von Mann ist er?“: Männlichkeit darf in ihrer Darstellung auch Facetten und andere Interpretationen zeigen.

 

Impressionen aus der Ausstellung „Eros in Erwartung der Ewigkeit“ im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Zwei neue Sonderausstellungen zeigt das Museum DKM im Altbau des Gebäudes seit Ende März. „Eros in Erwartung der Ewigkeit“ zeigt das Bild des Mannes in Fotografie (vom Klein- bis Großformat) und Skulptur seit dem späten 19. Jahrhundert in einer sehenswerten Schau. Zu sehen sind Werke von 34 Künstlern aus unterschiedlichsten Ländern und Kulturkreisen. Zugang zu dieser umfassenden Schau bekommt der Besucher über einen Raum mit Fotografien der deutschen Künstlerin Claudia Terstappen (*1959). „Schönheit und Urkräfte der Natur“ zeigt Schwarzweißfotografien aus den 1990er- und frühen 2000er-Jahren. Die hier gezeigten Arbeiten stellen einen Ausschnitt aus dem umfangreichen Sammlungsbestand vor, den das Werk Claudia Terstappens bereits seit den 1980er Jahren in der Sammlung DKM einnimmt. Viele Kleinformate rahmen die einzelnen großformatigen Fotografien ein.

 

 
Claudia Terstappen

Impressionen aus der Ausstellung von Claudia Terstappen im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Claudia Terstappen ist in vielen Kunstsparten tätig: Fotografie, Videokunst, Skulptur, Zeichnung, Holzschnitt sowie Installation. In all diesen Genres ist sie über Jahrzehnte dem Thema Landschaft treu geblieben, doch ist es nicht nur die Natur, sondern insbesondere die Verschmelzung von Natur und Kultur, der sie in ihren Arbeiten auf den Grund geht. Sie reflektiert die Abhängigkeit zwischen dem Menschsein und der natürlichen Umwelt.

Impressionen aus der Ausstellung von Claudia Terstappen im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Landschaftsfotografien sind zu einem Maßstab für verschwindende Welten geworden, die eine ästhetische sowie romantische Schönheit zeigen und ihre Vulnerabilität offen legen. Die Künstlerin spürt jedoch nicht nur reale Orte auf und bildet sie ab, sondern sie schafft auch fiktionale Orte, die als Akteure die damit verbundenen Werte in ihrem jeweiligen kulturellen Kontext spiegeln. Claudia Terstappen suche Magie in unserer Umwelt, im Wissen unserer Vergangenheit oder uns unbekannter Völker und lasse sie uns Altbekanntes in neuem Licht erfahren, so die Presseinformation zu der Ausstellung.

 

Impressionen aus der Ausstellung von Claudia Terstappen im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Claudia Terstappen lebt und arbeitet in Barcelona / Spanien und Melbourne / Australien. Sie hat Germanistik und Philosophie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf studiert sowie Skulptur und Fotografie an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf. Über viele Jahre hinweg hat sich ihre künstlerische Arbeit auf die Wechselbeziehung zwischen Religion, Aberglaube und Wissenschaft in Bezug auf Ort, Kultur und Zeit konzentriert. Ihr Werk ist in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen weltweit vertreten.

 
Impressionen aus der Ausstellung „Eros in Erwartung der Ewigkeit“ im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl

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Kuratorenführungen durch die Sammlung zu Ostern
Über Ostern bietet das Museum DKM wegen der Feiertage zusätzliche Öffnungszeiten an: Karfreitag, Samstag, Ostersonntag sowie Ostermontag jeweils von 12.00 Uhr bis 18.00 Uhr. Außerdem stehen an diesem Osterwochenende zwei Sonderführungen mit Jörg Mascherrek an:

  • Sonderführung am Karfreitag, den 15. April 2022, um 15.00 Uhr sowie
  • Sonderführung am Ostermontag, den 18. April 2022, um 15.00 Uhr.

 
Der Kurator Jörg Mascherrek wird sich in seinen Sonderführungen mit dem Leitmotiv des Hauses beschäftigen, Linien stiller Schönheit, und die kulturhistorische Sammlung mit ihrem Augenmerk auf die zeitlos anmutende Schönheit von Gefäßen aller Art in den Mittelpunkt stellen.
Interessierte melden sich bitte per E-Mail mail@museum-dkm.de oder telefonisch 0203 / 93555470 an. Zum Museumseintritt kommt eine Führungsgebühr von 6 Euro.

 

 
Museum DKM

Das Museum DKM in der Nähe des Hauptbahnhofs. Foto: Petra Grünendahl.

Das private Museum DKM hat 1999 etwas kleiner als Galerie im Duisburger Innenhafen begonnen. Mit wachsender Sammlung zogen die Museumsstifter 2009 ins Zentrum der Innenstadt zwischen Kantpark mit dem Lehmbruck Museum und Hauptbahnhof. Die Architektur des Museums, eine umgebaute ehemalige Gewerbeimmobilie, dient in ihrer Zurückhaltung der Ausstellung der Kunst. Hier zeigen die Museumsstifter Klaus Maas und Dirk Krämer unter dem Motto „Linien stiller Schönheit“ ihre eigene Kunstsammlung sowie wechselnde Sonderausstellungen auch mit Leihgaben. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf zeitgenössischer Kunst, Kunst aus Südostasien, Alt-Ägypten und zeitgenössischer Fotografie. Die drei Baukörper des Museums erstrecken sich über fünf Ebenen und umfassen 2.700 Quadratmeter oder 51 Räume. Aus den Räumen des Neubaus bieten sich inszenierte Ausblicke in Außenbereiche. Das Foyer mit Museumscafé lädt zum Ausruhen und Erfrischen ein. Das Museum DKM gehört zu den 21 RuhrKunstMuseen.

 

Das Museum DKM in der Nähe des Hauptbahnhofs. Foto: Petra Grünendahl.

Die beiden reizvollen Sonderausstellungen „Eros in Erwartung der Ewigkeit“ und Claudia Terstappens „Schönheit und Urkräfte der Natur“ werden im Museum DKM bis zum 25. September 2022 in den Wechselausstellungsräumen im Erdgeschoss zu sehen sein. Noch bis zum 4. September zeigt das DKM außerdem in der Verlängerung die ebenfalls sehr sehenswerte Kimono-Ausstellung „Omoshirogara“ (hier unser Bericht) in den Wechselausstellungsräumen im Neubau. Regulär geöffnet hat das private Museum DKM der Stifter Klaus Maas und Dirk Krämer an der Güntherstraße 13-15 im Dellviertel samstags, sonntags und an Feiertagen zwischen 12 und 18 Uhr sowie jeden ersten Freitag im Monat ebenfalls zwischen 12 und 18 Uhr*. Montags bis freitags wird ansonsten nur nach Vereinbarung für Gruppen geöffnet*. Der Eintritt kostet 12 Euro (ermäßigt 6 Euro, für Schüler und Studenten bis 28 Jahre), Kinder bis 7 Jahre haben freien Eintritt. Für Gruppen (zw. 10 und 15 Personen) gibt es einen Gruppentarif (10 Euro pro Person) zzgl. einer (kostenpflichtigen) Führung. Eine Jahreskarte** kostet 100 Euro. Die RuhrKultur.Card ermöglicht einen einmalig freien Eintritt. Die Teilnahme an der Freitagsführung kostet 6 Euro zusätzlich zum Eintritt. Weitere Infos gibt es hier.

 
Corona
Im Museum gilt weiterhin die 3G-Regel (geimpft, genesen, getestet) für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren. Außerdem gelten Maskenpflicht, Abstands- und Hygieneregelungen nach der Corona-Schutzverordnung des Landes NRW. Weitere Infos gibt es hier.

 
*) An folgenden Tagen ist grundsätzlich geschlossen: 24. bis 26. Dezember, 31. Dezember und 1. Januar.
**) Nicht übertragbar, berechtigt zum kostenlosen Eintritt während der regulären Öffnungszeiten.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Museum DKM in Duisburg zeigt Kimono-Ausstellung „Omoschirogara“

Der Kimono im Spiegel moderner Zeiten
Von Petra Grünendahl

Impressionen aus der Kimono-Ausstellung „Omoschirogara“ im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Als vor 160 Jahren die Westmächte mit Kanonenbooten und einem Katalog Forderungen vor den Toren Japans standen, erfand sich das Inselreich neu: Damit begann ein Prozess der rapiden Modernisierung, der sämtliche Aspekte des japanischen Lebens ergriff — von der Familie und den Geschlechterbeziehungen über das Bildungssystem (Schule und Universität), die politische Verfassung und Verwaltung bis hin zu Industrie und Militär. Der Kultur fiel die Aufgabe zu, die krassen Spannungen zwischen Tradition und Neuerung zu vermitteln. Genau deshalb ist es möglich die Geschichte des modernen Japan anhand nur eines, wiewohl einzigartigen Kleidungsstücks zu rekonstruieren: des Kimonos. Eine faszinierende Auswahl künstlerisch gestalteter Kimonos zeigt die Ausstellung „Omoschirogara“ aufgehängt als „Wandgemälde“ sowie in Vitrinen, die den Betrachter zum Entdecken fein gezeichneter Details einlädt.

 

Impressionen aus der Kimono-Ausstellung „Omoschirogara“ im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Bis zum 4. September verlängert hat das Museum DKM die Kimono-Sonderausstellung „Omoschirogara“, die wir uns im Zusammenhang mit zwei neuen Ausstellungen erstmals angesehen haben. Sie ist bereits seit dem vergangenen Jahr zu sehen. „Omoschirogara“ präsentiert die Sammlung der japanischen Textilhistorikerin und unumstrittenen Expertin auf dem Gebiet, Prof. em. Yoshiko Inui (Tokai Universität, Sapporo / Japan). Konzipiert hat sie die Präsentation im Museum DKM zusammen mit Roger M. Buergel, wissenschaftlich beraten durch Hans B. Thomsen, Professor für Kunstgeschichte Ostasiens an der Universität Zürich. Neben den Kimonos aus der Sammlung Inui zeigt „Omoschirogara“ Werke der zeitgenössischen Künstlerin Erika Kobayashi sowie den Film Osaka Elegy (1936) von Kenji Mizoguchi.

 

 
„Bizarre Muster” auf Kimonos

Impressionen aus der Kimono-Ausstellung „Omoschirogara“ im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Gleich dem Kaiserhaus ist der Kimono eine Konstante des japanischen Lebens: Er bleibt sich im Wesentlichen gleich. Weil nun der Kimono seine Form nicht ändert, müssen sich die Muster verändern, die ihn zieren. „Bizarre Muster“ (so viel bedeutet omoshirogara) tauchen gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf, als die Mode die Moderne zu verarbeiten beginnt: Eisenbahnen, Schlachtschiffe, Flugzeuge, Kino, Mickey Mouse, Postkarten oder auch Zeitungsberichte über militärische Heldentaten. Widmen sich die Muster vor 1900 einer Synthese von Tradition und Neuem, so zelebrieren die 1920er Jahre einen optimistischen Internationalismus mit Zeppelin und Olympischen Spielen. In den 1930er Jahren verdüstern sich die Farben und Symbole, als Japan mit Nazi-Deutschland und dem faschistischen Italien paktiert. Die Ausstellung überrascht den Besucher mit vielfältigen, überwiegend sehr filigranen Zeichnungen auf Textil, die Kunst auf einem Alltagsgegenstand lebendig werden lassen. Als Ausstellungskatalog liegt eine 32-seitige bebilderte A4-Broschüre mit Texten in Deutsch und Japanisch in der Ausstellung aus.

 
Impressionen aus der Kimono-Ausstellung „Omoschirogara“ im Museum DKM. Fotos: Petra Grünendahl

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Kuratorenführungen durch die Sammlung zu Ostern
Über Ostern bietet das Museum DKM wegen der Feiertage zusätzliche Öffnungszeiten an: Karfreitag, Samstag, Ostersonntag sowie Ostermontag jeweils von 12.00 Uhr bis 18.00 Uhr. Außerdem stehen an diesem Osterwochenende zwei Sonderführungen mit Jörg Mascherrek an:

  • Sonderführung am Karfreitag, den 15. April 2022, um 15.00 Uhr sowie
  • Sonderführung am Ostermontag, den 18. April 2022, um 15.00 Uhr.

 
Der Kurator Jörg Mascherrek wird sich in seinen Sonderführungen mit dem Leitmotiv des Hauses beschäftigen, Linien stiller Schönheit, und die kulturhistorische Sammlung mit ihrem Augenmerk auf die zeitlos anmutende Schönheit von Gefäßen aller Art in den Mittelpunkt stellen.
Interessierte melden sich bitte per E-Mail mail@museum-dkm.de oder telefonisch 0203 / 93555470 an. Zum Museumseintritt kommt eine Führungsgebühr von 6 Euro.

 

 
Museum DKM

Das Museum DKM in der Nähe des Hauptbahnhofs. Foto: Petra Grünendahl.

Das private Museum DKM hat 1999 etwas kleiner als Galerie im Duisburger Innenhafen begonnen. Mit wachsender Sammlung zogen die Museumsstifter 2009 ins Zentrum der Innenstadt zwischen Kantpark mit dem Lehmbruck Museum und Hauptbahnhof. Die Architektur des Museums, eine umgebaute ehemalige Gewerbeimmobilie, dient in ihrer Zurückhaltung der Ausstellung der Kunst. Hier zeigen die Museumsstifter Klaus Maas und Dirk Krämer unter dem Motto „Linien stiller Schönheit“ ihre eigene Kunstsammlung sowie wechselnde Sonderausstellungen auch mit Leihgaben. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf zeitgenössischer Kunst, Kunst aus Südostasien, Alt-Ägypten und zeitgenössischer Fotografie. Die drei Baukörper des Museums erstrecken sich über fünf Ebenen und umfassen 2.700 Quadratmeter oder 51 Räume. Aus den Räumen des Neubaus bieten sich inszenierte Ausblicke in Außenbereiche. Das Foyer mit Museumscafé lädt zum Ausruhen und Erfrischen ein. Das Museum DKM gehört zu den 21 RuhrKunstMuseen.

 

Das Museum DKM in der Nähe des Hauptbahnhofs. Foto: Petra Grünendahl.

Noch bis zum 4. September zeigt das Museum DKM in der Verlängerung die ebenfalls sehr sehenswerte Kimono-Ausstellung „Omoshirogara“ in den Wechselausstellungsräumen im Neubau. Im Wechselausstellungsbereich im Altbau sind bis zum 25. September die beiden Sonderausstellungen „Eros in Erwartung der Ewigkeit“ und Claudia Terstappens „Schönheit und Urkräfte der Natur“ zu sehen: Auch diese sind sehr sehenswert (hier unser Bericht). Regulär geöffnet hat das private Museum DKM der Stifter Klaus Maas und Dirk Krämer an der Güntherstraße 13-15 im Dellviertel samstags, sonntags und an Feiertagen zwischen 12 und 18 Uhr sowie jeden ersten Freitag im Monat ebenfalls zwischen 12 und 18 Uhr*. Montags bis freitags wird ansonsten nur nach Vereinbarung für Gruppen geöffnet*. Der Eintritt kostet 12 Euro (ermäßigt 6 Euro, für Schüler und Studenten bis 28 Jahre), Kinder bis 7 Jahre haben freien Eintritt. Für Gruppen (zw. 10 und 15 Personen) gibt es einen Gruppentarif (10 Euro pro Person) zzgl. einer (kostenpflichtigen) Führung. Eine Jahreskarte** kostet 100 Euro. Die RuhrKultur.Card ermöglicht einen einmalig freien Eintritt. Die Teilnahme an der Freitagsführung kostet 6 Euro zusätzlich zum Eintritt. Weitere Infos gibt es hier.

 
Corona
Im Museum gilt weiterhin die 3G-Regel (geimpft, genesen, getestet) für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren. Außerdem gelten Maskenpflicht, Abstands- und Hygieneregelungen der Corona-Schutzverordnung des Landes NRW. Weitere Infos gibt es hier.

 
*) An folgenden Tagen ist grundsätzlich geschlossen: 24. bis 26. Dezember, 31. Dezember und 1. Januar.
**) Nicht übertragbar, berechtigt zum kostenlosen Eintritt während der regulären Öffnungszeiten.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Küssdenfrosch eröffnet Freies Kolumbarium Rheinkirche in Duisburg-Homberg

Wachgeküsst: Mit einen anderen Blick auf den Tod“
Von Petra Grünendahl

Küssdenfrosch-Geschäftsführer Andreas Knapp Im Mittelschiff vor den Regalen für die Urnenboxen. Foto: Petra Grünendahl.

„Die Kirche war in einem schlechten Zustand, so dass eine grundlegende Sanierung nötig wurde“, erzählte Andreas Knapp. Insbesondere der undichte Dachstuhl habe es ihn sich gehabt: Schimmel und Holzschwamm im Gebälk. Das wurde an dem denkmalgeschützten Gebäude nicht nur aufwendig, sondern auch teuer: Rund 2,5 Mio. Euro hat allein die Sanierung gekostet. „Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, reizvolle alte Gebäude für eine neue Nutzung zu entwickeln“, erklärte Knapp. Aus dem Dornröschenschlaf erwacht ist die ehemalige Kirche dann als Kolumbarium: Bis zu 9 Meter hohe Regale stehen im Mittelschiff, die bis zu 4.500 Urnenboxen Platz bieten könnten. „Wir werden hier aber nur etwa 3.500 Plätze anbieten, weil wir in den Regalen Lichtöffnungen lassen wollten“, so der Projektentwickler. Weitere 3.000 Grabplätze stehen in Gemeinschaftsräumen im Obergeschoss. In der Apsis, wo früher der Altar stand, finden die Tauerfeiern statt. In den Seitenschiffen ist Raum für Bilder der Verstorbenen und Kränze, die dort nach dem Begräbnis gute zwei Wochen aufgestellt sind und damit einen direkten Bezug für „Friedhofsbesucher“ bieten.

 

Schale für die Urne zur Trauerfeier. Foto: Petra Grünendahl.

Die Küssdenfrosch Wachküssgesellschaft eröffnet nach einer mehrjährigen Sanierung das Freie Kolumbarium Rheinkirche in Duisburg-Homberg. Küssdenfrosch-Geschäftsführer Andreas Knapp stellte das Projekt im Pressegespräch vor. Die Architekten und Projektplaner aus Düsseldorf kaufen sanierungsbedürftige Gebäude mit Potenzial, die sie für eine angemessen Nachnutzung entwickeln. Sie sind in Düsseldorf und der Region tätig.

 

 
Gräberstätte moderner Prägung in denkmalgeschützen Gebäude

Küssdenfrosch hat die Rheinkirche in Duisburg-Homberg zu einem Kolumbarium umgebaut. Foto: Petra Grünendahl.

Die ersten Skizzen seien Ende 2017 nach dem Kauf des Gebäudes entstanden, erzählte Architektin Regine Naudascher. Schon lange war das 1894 im neo-gotischen Stil erbaute Haus als Kirche nur noch sporadisch genutzt worden. Der Verkauf wurde nötig, weil die Gemeinde die Kosten für dringend nötige Sanierungsarbeiten nicht stemmen konnte. Mit Küssdenfrosch fanden sie einen Käufer. „Wichtig war uns bei der Suche nach einer Nachnutzung der respektvolle Umgang mit dem Gebäude und seiner Geschichte“, erklärte Andreas Knapp. Dabei ist hier ein Friedhof ganz anderer Art entstanden: Der „Begräbnisraum“ hat nicht nur Aufenthaltsqualität, sondern soll auch für kleinere Events, Kunstausstellungen oder Konzerte genutzt werden können. Die passende Akustik bietet das Kirchengebäude dafür allemal. Dass eine Grabstätte keine „Friedhofsatmosphäre“ verbreiten muss, zeigen Bestattungsriten in anderen Ländern, die mehr von Lebenslust als von Trauer geprägt sind: „Wir wollen hier diesen etwas anderen Blick auf den Tod: Wir wollen ihn mit ins Leben holen“, philosophierte Projektentwickler.

 

 
Das freie Kolumbarium in der Rheinkirche

Im Mittelschiff nehmen bis zu 9 Meter hohe Regale die Urnenboxen auf. Foto: Petra Grünendahl.

Die von Küssdenfrosch gegründete Betreibergesellschaft der offenen, nicht konfessionsgebunden Begräbnisstätte, Kolumba GmbH, arbeitet mit allen Duisburger Bestattern zusammen: Diese kümmern sich in Duisburg um rund 6.000 Sterbefälle jährlich, von denen heutzutage etwa 70 Prozent eingeäschert werden. Der Trend gehe zu alternativen Bestattungsformen weg vom klassischen Friedhof, sagte Andreas Knapp, der hier für das Kolumbarium Chancen sieht. Menschen mit einem Bezug zu diesem ehemals evangelischen Kirchengebäude – Kirchenbesuche, Taufe, Konfirmation oder Hochzeit – hätten ihn bereits angesprochen und Interesse bekundet, sagte er. Allerdings, so Stefan Schuster, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft, stünde ein Begräbnis im Freien Kolumbarium Rheinkirche allen, auch anderen Konfessionen und nicht Konfessionsgebundenen offen.

 

Raum zur Besinnung zwischen den Regalen mit Urnenboxen im Mittelschiff. Foto: Petra Grünendahl.

Die Mindestruhezeit beträgt im Kolumbarium 12 Jahre, danach kann jährlich verlängert werden, solange Hinterbliebene diesen Ort zur Trauer brauchen. Nach Ablauf der Ruhezeit wird die Asche über eine unterirdische Zisterne dem Erdreich zugeführt. Für 12 Jahre kostet diese Grabstätte im Mittelschiff der Kirche 3.500 Euro (inklusive Grabpflege), in den Gemeinschaftsräumen 1.200 Euro. Die Reservierung einer Grabstätte ist für 120 Euro pro Jahr möglich. Wer bereits eine Grabstätte reserviert hat, darf im Garten der Gedanken auch sein eingeäschertes Haustier begraben.

 

 

In den Seitenschiffen ist Raum für Trauer nach dem Begräbnis. Foto: Petra Grünendahl.

Die Sanierung ist wegen des maroden Dachstuhls deutlich teurer geworden als ursprünglich veranschlagt. Dafür gab es dann aber Fördergelder von Bund und Land in Höhe von rund 350.000 Euro für die denkmalgerechte Sanierung. In den kompletten Innenausbau nach der Sanierung sowie die Gestaltung der 2.000 Quadratmeter großen Gartenanlage hinter der Kirche ist eine weitere Millionen Euro geflossen. Allein die acht Stelenkonstruktionen mit rund 5.000 laufenden Metern Holz schlugen mit etwa 700.000 Euro zu Buche. Auch die Orgel die ist funktionstüchtig wieder hergerichtet.

 

Trauerfeiern sollen in der Apsis stattfinden. Foto: Petra Grünendahl.

Wie ein Friedhof wird das ehemalige Kirchengebäude ebenso wie der angrenzende „Garten der Gedanken“ tagsüber (dienstags bis freitags zwischen 11 und 16 Uhr) auch öffentlich zugänglich sein. Sonntags gibt es zwischen 13 und 15 Uhr eine Führung (Anmeldung ist nicht notwendig). Zur Eröffnung gibt es am Sonntag, 3. April, von 11 bis 16 Uhr einen Tag der offenen Tür.
http://kolumbarium-rheinkirche.de/

 

 
 
Freies Kolumbarium in der Rheinnkirche.Impressionen von Petra Grünendahl

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Küssdenfrosch Wachküssgesellschaft

Küssdenfrosch hat die Rheinkirche in Duisburg-Homberg zu einem Kolumbarium umgebaut. Foto: Petra Grünendahl.

„Wir finden interessante Gebäude, sie wir revitalisieren wollen, und suchen dann eine angemessene Nutzung“, beschrieb Andreas Knapp das Anliegen seiner Gesellschaft. Die Küssdenfrosch Wachküssgesellschaft sind Architekten, Projektentwickler und Andersdenker. Seit 2003 suchen und kaufen sie Gebäude, die erhaltenswert und außergewöhnlich sind. Sie suchen und finden dann für diese reizvollen Bauten das richtige wirtschaftliche Konzept, das den Erhalt dieser Gebäude für das Stadtbild und die nächsten Generationen sicherstellt. Die mitunter arg vernachlässigten Schmuckstücke im Dornröschenschlaf wollen zumeist erst einmal grundlegend saniert und „wachgeküsst“ werden. Küssdenfrosch plant und realisiert den Umbau vom Entwurf bis zur Fertigstellung mit eigenen Mitarbeitern, damit man Einfluss auf die Details nehmen kann und nichts dem Zufall überlassen muss.
https://www.kuessdenfrosch.haus/

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Rat der Stadt Duisburg diskutierte über Osttangente in Rheinhausen

Stellplatzsatzung geht in die dritte Lesung, Verwaltung soll klimaneutrales Ruhrort prüfen
Von Petra Grünendahl

Vor der Ratssitzung in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

„Die Gegner des Projekt sagen, es geht auch anders, sagen aber nicht, wie es anders gehen soll“, erklärte Ratsherr Reiner Friedrich (SPD) als Berichterstatter zum Thema „Osttangente Rheinhausen“. Die Verwaltung solle nach der vorgelegten Machbarkeitsstudie alle möglichen Varianten prüfen, um Lkw vom Logport I zur Autobahn geleitet werden können, ohne für die Bewohner von Rheinhausen und Hochfeld mehr als nötig zu belasten: „Erst nach der Prüfung durch die Verwaltung entscheiden wir über den Bau“, so der Ratsherr. Auch seine Fraktion begrüße das Ergebnis der Studie, die eine Ostumgehung um den Ortskern Rheinhausen für möglich hält, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Thomas Mahlberg. Gegenstimmen gab es dafür nicht nur von den Grünen, den Linken oder Junges Duisburg, sondern auch aus Reihen der SPD. Die Osttangente mitten durch ein Naturschutzgebiet sei nicht die Lösung des Problems, so Grünen-Fraktionsvorsitzende Anna von Spiczak-Brzezinski. Auch mache die Machbarkeitsstudie keine Aussage über die Genehmigungsfähigkeit insbesondere mit Bezug auf den Hochwasserschutz, sagte die Ratsfrau. Man solle nicht Stadtteile gegeneinander ausspielen, erklärte Ratsherr Ersin Erdal (SPD) seine Opposition: „Wir sind eine Stadt am Rhein. Den Zugang sollte man nicht zupflastern.“ Planungsdezernent Martin Linne versuchte zu vermitteln: „Die Osttangente ist seit 20 Jahren in der Diskussion, weil nie alle Fakten auf dem Tisch lagen.“ Die Machbarkeitsstudie sei ein erster Schritt, eine Entscheidung setzte aber noch weitergehende Prüfungen insbesondere auch der Umweltverträglichkeit voraus. In der geheimen Abstimmung votierten 58 Ratsleute für eine weitere Prüfung, die in den Jahren 2022 und 2023 rund 600.000 Euro kosten soll, 33 dagegen bei zwei Enthaltungen.

 

Wegen Corona tagt der Rat der Stadt in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

Die Sitzung im Rat der Stadt zog sich wegen zahlreicher Diskussionen ein wenig in die Länge, obwohl „nur“ 79 Tagesordnungspunkte im öffentlichen Teil (plus neun TOP im nichtöffentlichen Teil) überschaubar schienen. Das meiste wurde einstimmig ohne Diskussion abgesegnet: Die Planungen zur Einstellung von Azubis und Praktikanten 2023, die Planung einer 6-zügigen Gesamtschule in Wanheimerort, der Ersatzneubau der Cölve-Brücke, die energetische Ertüchtigung der Eissporthalle und der Neubau des Straßenverkehrsamtes in Neumühl ebenso wie diverse Flächennutzungs- und Bebauungspläne, die nach der Zustimmung in Fach- und Bezirksausschüssen hier ihr endgültiges Votum bekamen. Wie immer bekam der Beschluss für verkaufsoffene Sonntage zahlreiche Gegenstimmen. Die viel diskutierte Stellplatzsatzung (Pkw- und Fahrradstellplätze für Neubauten) wurde schlussendlich als dritte Lesung zur Entscheidung auf die nächste Sitzung verschoben. Trotz längerer Diskussion stimmte der Rat dem Beschlussentwurf „UrbanZero Ein Stadtteil [Ruhrort] wird klimaneutral“ mehrheitlich zu, welcher die Stadtverwaltung beauftragt, „mit den beteiligten Projektpartnern die Entwicklung einer entsprechenden Strategie zur Umsetzung zu prüfen und dem Rat zur Information und ggfs. Beschlussfassung vorzulegen.“

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Niederrheinische IHK: Jahresempfang in der Mercatorhalle mit Christian Lindner

Trotz wirtschaftlicher Sorgen eine Rückkehr zu etwas Normalität
Von Petra Grünendahl

Ihk-Präsident Burkhard Landers war digital zugeschaltet beim Jahresempfang der Niederrheinischen IHK. Foto: Petra Grünendahl.

„Wir hatten nach zwei Jahren der Pandemie gehofft, mit den wärmeren Tagen wieder aufatmen zu dürfen. Aber nun herrscht in Europa wieder Krieg“, sagte IHK-Präsident Burkhard Landers. „Putin schert sich nicht um das Völkerrecht, ihn interessieren weder Leben, Freiheit noch Menschenwürde.“ Wirtschaftlichen Folgen träfen auch die Unternehmen, die alle Sanktionen vom ersten Tag an aus Überzeugung unterstützt hätten. Das habe massiv gestörte Lieferketten zu Folge, einen gebremsten internationalen Handel und eine hohe Inflation. Landers wandte sich gegen Krieg und Gewalt, mahnte aber: Auch die Pandemie sei noch nicht vorbei.

Gastredner Christian Lindner beim Jahresempfang der Niederrheinischen IHK. Foto: Petra Grünendahl.

Die Zukunft der Innenstädte, Kampf gegen Leerstände, Digitalisierung und Fachkräftemangel stünden weiterhin auf der Agenda, während man sich Gedanken mache, wie man aus fatalen Abhängigkeiten (z. B. vom russischen Gas) raus komme. „Wir können uns in Deutschland im weltweiten Wettbewerb der Systeme nur behaupten, wenn wir entschlossen und gemeinsam handeln“, so der IHK-Präsident. Die Zukunft der Industrie stehe dabei an erster Stelle. Mit der CO2-neutralen Stahlproduktion und der Versorgung von energie-intensiven Industrien stünde man vor großen Herausforderungen, die man nur gemeinsam meistern könne: „Wenn uns diese gemeinsame Strategie nicht rasch und zuverlässig gelingt, laufen wir Gefahr, unsere Industrie schleichend zu verlieren.“ Und: „Woran wir gemeinsam arbeiten müssen, ist ein breites, auch bürgerschaftliches Bekenntnis zu Wirtschaft, Wertschöpfung und Investitionen. Unser Wohlstand ist keine Selbstverständlichkeit.“

 

IHK-Vizepräsident Werner Schauerte-Küppers begrüßte die Gäste beim Jahresempfang der Niederrheinischen IHK. Foto: Petra Grünendahl

Die Niederrheinische IHK hatte zum Jahresempfang, der in Vor-Corona-Zeiten zum Jahresbeginn Tradition hatte, in die Mercatorhalle eingeladen. Gut besucht war die Veranstaltung, auch wenn es etwas weniger Gäste waren als bei den Neujahrsempfängen: Manch einer hatte wohl wegen Corona Bedenken und sah von einer Teilnahme ab. Dank 2G+ plus zusätzlichem Coronatest bot die Veranstaltung fast schon einen Hauch von Normalität, die viele Gäste nach zwei Jahren Einschränkungen als sehr wohltuend empfanden. IHK-Vizepräsident Werner Schauerte-Küppers vertrat bei der Begrüßung den IHK-Präsidenten Burkhard Landers, der wegen einer Corona-Erkrankung seine Rede digital hielt – aus seinem Arbeitszimmer in Wesel übertragen. Geladene Gäste aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Institutionen trafen sich nach den Reden von Burkhard Landers und Gastredner Bundesfinanzminister Christian Lindner im Foyer des großen Saals bei einem Imbiss zum entspannten Networking. Dass diese Veranstaltung so stattfinde, sei gut, sagte Lindner: „Wir müssen verantwortbare Schritte zurück zur Normalität gehen.“

 

 
Russland, aber auch China: Abhängigkeiten der deutschen Wirtschaft reduzieren

Gastredner Christian Lindner beim Jahresempfang der Niederrheinischen IHK. Foto: Petra Grünendahl.

Sowohl die verabschiedeten Entlastungspakete als auch die Investitionen in die Bundeswehr seien notwendig, so Bundesfinanzminister Christian Lindner, eine „Investition in unsere Freiheit“. Er verteidigte die Sanktionen gegen Russland, aber auch den Verzicht auf ein Embargo auf russisches Gas: „Die Sanktionen sollen Putin treffen, aber nicht die deutsche Wirtschaft schwächen.“ Er forderte die deutsche Wirtschaft auf, angesichts gestörter Lieferketten ihre Innovationskraft zu mobilisieren, auch um sich aus der Energieabhängigkeit von Russland zu befreien. Er warnte aber auch davor, dass bei einem gleich bleibend hohen Niveau von Energiekosten der Staat nicht unendlich lange einspringen könne. Er mahnte, sich nicht nur aus russischen Abhängigkeiten zu befreien, sondern auch aus chinesischen: „China ist starker Handelspartner, aber ein systemischer Rivale, der unser Gesellschaftsmodell und Völkerrechte nicht anerkennt.“

 

Gastredner Christian Lindner beim Jahresempfang der Niederrheinischen IHK. Foto: Petra Grünendahl.

In der Ukraine sei er vor Corona zu Gesprächen wesen, erzählte Lindner: „Ich hatte damals den Eindruck, dass man sich realer Probleme bewusst war, aber die Ukrainer auch klare Vorstellungen davon hatten, wohin sich ihre Gesellschaft entwickeln sollte: In Richtung Westen mit seinen liberalen Werten und sozialer Marktwirtschaft.“ Deswegen habe Putin angegriffen: „In der Ukraine werden auch unserer Werte verteidigt!“ Solidarität dürften keine leeren Worte sein: „Wir unterstützen die Ukraine!“ Er verwies auf die Verpflichtung Deutschlands, als wirtschaftliche Macht auch politische Verantwortung in Europa zu übernehmen: „Das geht über finanzielle Hilfen und Waffen hinaus.“ Die Flüchtlinge, zumeist Frauen mit Kindern, fragten hier nach Registrierung, Sprachkursen und Möglichkeiten zur Arbeit: „Wir sollten sie Willkommen heißen und integrieren und uns am Wiederaufbau der Ukraine beteiligen“, so der Finanzminister. Den Kommunen sagte er weitere Hilfen zu: Für die Altschulden könne er sich einen Deal vorstellen, dass eine Entschuldung durch Bund und Länder mit einer Selbstverpflichtung der Städte zum Einhalten einer Schuldenbremse einher gehe. Oberbürgermeister Sören Link ebenso wie die anwesenden Vertreter von Kommunen der Kreise Wesel und Kleve werden dies mit Freude vernommen haben.

 

 
Niederrheinische IHK

Jahresempfang der Niederrheinischen IHK. Foto: Petra Grünendahl.

Die Niederrheinische Industrie- und Handelskammer Duisburg – Wesel – Kleve zu Duisburg vertritt das Gesamtinteresse von rund 70.000 Mitgliedsunternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen in Duisburg und den Kreisen Wesel und Kleve. Sie versteht sich als zukunftsorientierter Dienstleister und engagiert sich als Wirtschaftsförderer und Motor im Strukturwandel.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Lehmbruck Museum zeigt Wilhelm-Lehmbruck-Preisträger 2020: Janet Cardiff & George Bures Miller

Vielschichtige Wahrnehmungen in mehreren Dimensionen
Von Petra Grünendahl

Sad Waltz and the Dancer Who Couldn’t Dance (2015): Wilhelm-Lehmbruck-Preisträger Janet Cardiff und George Bures Miller im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.

Wie versucht man, diese Ausstellung in Worten und Bildern dem Leser nahe zu bringen? Die Fotos transportieren nur eine sehr bescheidene einzelne Dimension ihrer Werke: Die Kanadier Janet Cardiff (*1957) und George Bures Miller (*1960) arbeiten nicht nur visuell, sondern auch mit Klang und Narrativ. Ihre multimedialen Installationen sind Bildhauerei im weitesten Sinne: Ihre „Skulpturen“ leben, sprechen unsere Sinne an, erzählen mitunter Geschichten – und lassen eigene Ideen, Gedankenwelten und Interpretationen in den Vorstellungen des jeweiligen Betrachters entstehen. Auch gefilmt sind diese Arbeiten kaum zu erfassen, arbeiten sie doch mit einem besonderen „Surround Sound“, den Cardiff und Miller perfektioniert haben und der integraler Bestandteil ist: In zumeist dunklen Rauminstallationen mit wechselnden Farbenspielen umgibt den Besucher auch eine reiche Klangwelt. So meint man beim Forty-Part Motet (2001), von einem vielstimmigen Chor im wahrsten Sinne des Wortes „umgeben“ zu sein oder im Paradise Institute (2001) in einem Kino mit anderen Zuschauern zu sitzen. Andere Installationen bieten wie bei einem Wimmelbild unzählige kleine Details zum Entdecken. Die Ausstellung macht Arbeiten aus den letzten 20 Jahren erlebbar. Zum ersten Mal in Europa zeigt das Lehmbruck Museum das neueste Werk von Cardiff und Miller, den Escape Room (2021), den Besucher mit ihren Bewegungen „zum Leben” erwecken können.

 

Opera for a Small Room (2005): Wilhelm-Lehmbruck-Preisträger Janet Cardiff und George Bures Miller im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.

Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla stellte zusammen mit den Künstlern Janet Cardiff und George Bures Miller die Sonderausstellung vor. Bereits 2020 war den beiden kanadischen Künstlern der renommierte Wilhelm-Lehmbruck-Preis der Stadt Duisburg und des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR). „Unter den bisherigen Preisträgern sind viele Künstler, die wir bewundern und die uns inspirieren“, erklärte George Bures Miller. Corona-bedingt konnte die mit dem Preis verbundene Ausstellung erst jetzt in diesem Rahmen realisiert werden. Der Aufbau der sehr aufwändigen Installationen sei nur dank des engagierten Museums-Teams möglich gewesen, freute sich das kanadische Künstler-Ehepaar. Zu sehen sind die Arbeiten in den Wechselausstellungsräumen im Anbau und mit Einzelexponaten (z. B. die Telefon-Serie Dreams, 2008-2010) an verschiedenen Stellen in der Sammlung sowie im Untergeschoss, wo auch der Escape Room eingerichtet wurde. Für die eigene Sammlung erworben hat das Lehmbruck Museum das Werk „Sad Waltz and the Dancer Who Couldn’t Dance“ (2015), welches aktuell im Übergang zum ersten Dreiecksraum im Anbau aufgebaut ist. Die Ausstellung wird am Samstagnachmittag mit geladenen Gästen eröffnet und ist ab Sonntag öffentlich zugänglich.

 
Impressionen: Janet Cardiff & George Bures Miller im Lehmbruck Museum. Fotos: Petra Grünendahl.

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Der Katalog zur Ausstellung

Escape Room (2021): Wilhelm-Lehmbruck-Preisträger Janet Cardiff und George Bures Miller im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.

Begleitend zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog mit Texten (deutsch/englisch) von Dr. Söke Dinkla, Dr. Stefan Trinks und Ronja Friedrichs, 168 Seiten, im Wienand Verlag. Über abgedruckte QR-Codes sind Videos und Audiodateien der in der Ausstellung präsentierten Werke abrufbar. In zahlreichen Statements berichten Weggefährten von Janet Cardiff und George Bures Miller, unter ihnen Kasper König, Carolyn Christov-Bakargiev und Dr. Söke Dinkla, von persönlichen Begegnungen und gemeinsamen Projekten und zeichnen auf diese Weise sehr anschaulich und persönlich wichtige Etappen im Leben des Künstlerpaares nach. Der Katalog ist zum Preis von 24,90 Euro an der Museumskasse und für 28 Euro im Buchhandel (ISBN 978-3-86832-693-2) erhältlich.

 

 
Die Künstler

Wilhelm-Lehmbruck-Preisträger Janet Cardiff und George Bures Miller im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.

Janet Cardiff, geboren 1957 in Brussels, Kanada, studierte Bildende Kunst an der Queen’s University in Kingston, Ontario, und an der Universität von Alberta, Edmonton, wo sie George Bures Miller kennenlernte. Miller, geboren 1960 in Vegreville, Kanada, hatte zuvor bereits Photo Electric Arts an der Universität für Kunst und Design, Ontario, studiert. Seit den 1990er-Jahren arbeiten Cardiff und Miller zusammen und haben gemeinsam über 30 großen Installationen, 28 Walks und diversen kleineren Arbeiten geschaffen. Sie leben und arbeiten in Berlin und in Grindrod, Britisch-Columbia (Kanada). Internationale Bekanntheit erlangten sie insbesondere seit dem Jahr 2001, in dem sie für ihre Arbeit The Paradise Institute mit dem Goldenen Löwen der 49. Biennale in Venedig ausgezeichnet wurden. Nur wenige Künstler haben sich Räumen und Orten mit einer so großen Imaginationskraft genähert wie Janet Cardiff und George Bures Miller.

 
Werke von Cardiff und Miller befinden sich in Sammlungen bedeutender Museen weltweit. 2011 erhielt das kanadische Künstlerpaar den Käthe-Kollwitz-Preis. 2020 wurden Cardiff und Miller mit dem Wilhelm-Lehmbruck-Preis der Stadt Duisburg und des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) für ihren herausragenden Beitrag zur Entwicklung der Skulptur der Gegenwart geehrt.

 
The Killing Machine von Janet Cardiff & George Bures Miller. Fotos: Petra Grünendahl.

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Das Lehmbruck Museum

Das Lehmbruck Museum im Kantpark. Foto: Petra Grünendahl.

Das mitten in Duisburg im Kantpark gelegene Lehmbruck Museum ist ein Museum für Skulptur. Seine Sammlung moderner Plastiken von Künstlern wie Alberto Giacometti, Pablo Picasso, Hans Arp und natürlich Wilhelm Lehmbruck ist europaweit einzigartig. Beheimatet ist das Museum in einem eindrucksvollen Museumsbau inmitten eines Skulpturenparks, der zum Schlendern und Entdecken einlädt.

 
Namensgeber des Hauses ist der Bildhauer Wilhelm Lehmbruck, der 1881 in Meiderich, heute ein Stadtteil von Duisburg, geboren wurde. Lehmbruck ist einer der bedeutendsten Bildhauer der Klassischen Moderne. Er hat mit seinem Werk maßgeblichen Einfluss auf nachfolgende Künstlergenerationen und ist auch nach seinem frühen Freitod im Jahr 1919 bis heute einflussreich geblieben.

 

 
Öffnungszeiten und Eintrittspreise
Die Sonderausstellung der Lehmbruck-Preisträger von 2020 ist unter anderem in den Wechselausstellungsräumen im Anbau zu sehen bis zum 14. August 2022. Geöffnet ist das Lehmbruck Museum dienstags bis freitags ab 12 Uhr, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags an Terminen der plastikBAR (erster Donnerstag im Monat ab 17.30 Uhr) bis 20 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro (ermäßigt* 5 Euro), eine Jahreskarte 35 Euro (ermäßigt* 20 Euro). Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Blinden- und Demenzbegleitung haben kostenlos Eintritt. Schulklassen und Kindergärten zahlen pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte (2 Erwachsene plus Kinder bis 14 Jahre) gibt es für 15 Euro. Jeden ersten Freitag im Monat gilt: „Pay what you want“. Ausgenommen davon sind angemeldete Gruppen.

Zu seinen Sonderausstellungen bietet das Lehmbruck Museum verschiedene Veranstaltungen als Rahmenprogramm an. Zu den Highlights zählt hier mit Sicherheit das Künstlergespräch am Sonntag, 27. März, um 14 Uhr, sowie die Kuratorinnenführungen am Sonntag, 1. Mai, mit Ronja Friedrich sowie am Sonntag, 12. Juni, mit Dr. Söke Dinkla. Öffentliche Führungen durch das Museum gibt es jeden Sonntag um 11.30 Uhr. Für Informationen steht die Kunstvermittlung des Lehmbruck Museums unter Telefon 0203 / 283-2195 oder eMail kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de zur Verfügung (Zu Preisen und Buchungen für Führungen geht es hier). Tickets für Führungen und Veranstaltungen können vorab im Ticket-Shop des Museums gebucht werden.

 
Nach der aktuellen Corona-Lage gelten folgende Regelungen: Die 3G-Regel erlaubt Zutritt nur für Geimpfte, Genesene und Getestete (Testergebnis nicht älter als 24 Stunden). Das Tragen einer FFP2-Maske ist weiterhin obligatorisch. Für Führungen und Veranstaltungen aus dem Rahmenprogramm sind Anmeldungen erforderlich. Die Veranstaltungen finden vorbehaltlich eventueller Veränderungen aufgrund der Corona-Pandemie statt. Aktuelle Informationen gibt es hier .

(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70%), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen mit Sozialhilfebezug.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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MKM Museum Küppersmühle in Duisburg zeigt Raimund Girke

Variationen von Weiß als “Klang der Stille”
Von Petra Grünendahl

Raimund Girke Weiß dynamisch, 1994. 160 x 200 cm, Öl auf Leinwand. MKM Museum Küppermühle, Duisburg, Sammlung Ströher. Foto: Wolfgang Morell, Bonn.

„Weiß ist grenzenloser dimensionaler Raum, ist immateriell“, meinte Raimund Girke. Schon früh hatte er sich auf wenige Farben in abstrakter Malerei fokussiert, bevor er sein Schaffen mehr und mehr auf die Farbe Weiß reduzierte, deren Möglichkeiten er auch mit einer mitunter plastischen wirkenden Gestaltung seiner Bilder auslotete. „Ich will in meinen weißen Bildern den Bildraum nicht fixieren, sondern das Bild in ein Stadium führen, das über die Bewegung in der Fläche hinaus die unbegrenzte räumliche Bewegung ermöglicht. Diese beruht auf dem feinnuancierten, an- und abschwellenden Weiß. […] Das Weiß entzieht sich jeder Festlegung, es scheint sich ständig auszudehnen und zu verändern. Es ist Ruhe und Bewegung zugleich, ist grenzenlos und nimmt dem Bild seinen materiellen Zustand“, so der Maler 1963 über seine Werke. Er sah Weiß als Ruhe und Bewegung, als Aktivität und Passivität: Als gegensätzliche Pole von Energien, die es zu vereinen galt.

 

Raimund Girke in seinem Atelier, 1992. Foto: Martin Müller, Berlin.

Als groß angelegte Retrospektive zeigt das MKM Museum Küppermühle im Duisburger Innenhafen „Klang der Stille“ mit Werken von Raimund Girke (1930–2002). Kuratiert haben die Sonderausstellung seine Tochter und Nachlassverwalterin Madeleine Girke und Museumsdirektor Prof. Dr. h. c. Walter Smerling. Aus Anlass seines 20. Todestages in diesem Jahr zeigt das MKM Museum Küppersmühle Werke aus fast 50 Schaffensjahren und würdigt seinen bedeutenden Beitrag zur deutschen Malerei nach 1945. Dabei reichen die gezeigten Bilder von normalen bis hin zu großformatigen Werken, die in den Wechselausstellungsräumen des Museums besonders gut zu Geltung kommen. Die umfangreiche Retrospektive mit etwa 130 Werken aus der gesamten Schaffenszeit des Künstlers ist ein Projekt der Stiftung für Kunst und Kultur e.V. Bonn, die in Duisburg das Museum Küppersmühle betreibt. Gefördert wird die Ausstellung von der Evonik Industries AG. Die Sonderausstellung wird heute Abend mit geladenen Gästen eröffnet.

 

 
Der Künstler

Raimund Girke Erdfarben, 1956. 55 x 65 cm, Öl auf Leinwand. Sammlung Karin Girke / Courtesy Walter Storms
Galerie München. Foto: Friedrich Rosenstiel.

Raimund Girke gilt als einer der maßgeblichen Wegbereiter der analytischen Malerei, der durch seine Auseinandersetzung mit der Farbe Weiß bekannt geworden ist. Geboren wurde er 1930 in Heinzendorf (Jasienica) bei Breslau als Sohn eines Kunstlehrers und Schulleiters. Ende des zweiten Weltkriegs floh die Familie aus Niederschlesien und ließ sich im Osnabrücker Land nieder. Nach seinem Abitur 1951 studierte Girke bis 1952 an der Werkkunstschule Hannover und anschließend bis 1956 an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf. Von 1966 bis 1971 war er Dozent an der Werkkunstschule Hannover, von 1971 bis 1996 Professor an der Hochschule der Künste Berlin. Seit den 1980er-Jahren hatte Girke ein Atelier in Köln, welches seine Tochter Madelaine erst 2017 auflöste. Er starb 2002 und liegt in Köln auf dem Melaten-Friedhof begraben.
Siehe auch: Wikipedia und www.raimundgirke.com.

 

Raimund Girke
Fluktuation, 1965. 95 x 70 cm, Öl auf Leinwand. Private collection, courtesy of Axel Vervoordt Gallery. Foto: Jan Liégeois.

Ausgehend von gestisch-informeller Abstraktion gelangte Raimund Girke gegen Ende der 1950er-Jahre zu beinahe monochromen Bildern. Er reduzierte seine Palette auf wenige Farben und thematisierte diese als Licht-Erscheinungen, die er auf verschiedene Weise bis hin zur optischen Irritation rhythmisch strukturierte. Die zunehmende Verfeinerung des Pinselduktus’ führte Girke schließlich in den 1960er-Jahren hin zum Verzicht auf jede Malgeste: Mit der Verwendung der Spritzpistole erreichte er eine gleichmäßig-homogene Verteilung seiner nun fast ausschließlich weißen Farbe. Die Bilder dieser Zeit sind oftmals horizontal gegliedert oder in kaum mehr differenziert wahrnehmbaren Abschattungen und Hell-Dunkel-Übergängen fein gerastert. Sie sind eine Herausforderung an die Wahrnehmung des Publikums.

 

Raimund Girke Echo der Nacht, 1997/98. 200 x 220 cm, Öl auf Leinwand. Kunstpalast, Düsseldorf – Stiftung Sammlung Kemp. Foto: Horst Kolberg.

Zu Beginn der 1970er-Jahre verwarf der Maler die Spritztechnik wieder zugunsten einer ausdrucksstärkeren Gestik. In den Bildern dieser Zeit brechen breite Pinselstriche ihre eigene, weiterhin oft horizontal gestaffelte Ordnung dynamisch auf. Bewegung und Tiefe kommen in das Bildgeschehen, die Fläche wird zum Hell-Dunkel-Phänomen. Seit Mitte der 1980er-Jahre pulsiert Girkes Farbe wieder in einem breiteren Spektrum, das nun auch Erdfarben oder vielfältige Blautöne enthalten kann. Pinselstriche bewegen sich kraftvoll mit- und gegeneinander oder vernetzen sich in einem über das Bildformat hinausweisenden dynamischen Geflecht. Dabei ist das Malverfahren über die Pinselspuren immer deutlich ablesbar, was eine verblüffende Diskrepanz ergibt zu der spirituell-meditativen Wirkung dieser entgrenzten Werke jenseits von Fläche oder Raum.

 
Ein umfassender Katalog zur Ausstellung mit einem Beitrag von Florian Illies und einem Gespräch mit Peter Iden, geführt von Walter Smerling, erscheint Ende April.

 

 
Das Museum Küppersmühle als Kunstwerk um die Moderne Kunst

Das Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.

Das Museum Küppersmühle für Moderne Kunst wurde im Jahre 1999 in einem ehemaligen Getreidespeicher im Innenhafen eröffnet. Er wurde nach Plänen der Basler Architekten Herzog & de Meuron zum Museum umgebaut. Initiator des Museumsprojekts war der Duisburger Kunstsammler Hans Grothe (1930–2019). Grothes Sammlung umfasste über 800 Werke von mehr als 40 deutschen Künstlern. Seit der Übernahme seiner Sammlung durch das Darmstädter Sammlerpaar Sylvia und Ulrich Ströher 2005 stieg die Anzahl der Ausstellungsstücke und der vertretenen Künstler noch erheblich an. Insgesamt handelt es sich um eine der wichtigsten und umfangreichsten Sammlungen deutscher Nachkriegskunst: Mit Werken und Werkgruppen der einflussreichsten deutschen Künstler von den 1950er Jahren bis heute. Zur Präsentation der ständigen Sammlung kommen immer wieder Wechselausstellungen hinzu. Seit 2008 war ein Erweiterungsbau (ein „Schuhkarton“ auf den Silotürmen) geplant, der 2011 wegen Baumängeln scheiterte. Bei einem neuen Anlauf beauftragten die Ströhers 2014 das Architektenbüro Herzog & de Meuron erneut mit der Planung eines Erweiterungsbaus (Baubeginn war 2016), der im September 2021 eröffnet wurde.

 
Das MKM Museum Küppersmühle wird seit seiner Gründung von der Stiftung für Kunst und Kultur e. V. Bonn betrieben. Die Stiftung konzipiert und organisiert die Ausstellungen und betreut die Sammlung Ströher im MKM. Direktor ist seit 1999 Walter Smerling.

 

 
Museum Küppersmühle:
Duisburger haben donnerstags freien Eintritt

MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.

Die Ausstellung „Raimund Girke – Klang der Stille“ ist bis zum 26. Juni 2022 in den Erdgeschossräumen des Museums zu sehen. Das Museum Küppersmühle findet man im Innenhafen am Philosophenweg 55 (Haupteingang, der Parkplatz befindet sich auf der anderen Straßenseite). Mittwochs ist das Museum von 14 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis sonntags sowie feiertags von 11 bis 18 Uhr. Montags und dienstags ist Ruhetag. Der Eintritt kostet nur für die Wechselausstellungen 6 Euro (ermäßigt 3 Euro), für das gesamte Haus (inkl. Wechselausstellung) 12 Euro (ermäßigt 6 Euro). Familien (2 Erwachsene plus Kinder) zahlen 18 Euro für das ganze Haus, 10 Euro für Wechselausstellungen. Kinder bis 16 Jahren haben freien Eintritt. Kindergruppen (Schule, Kita, Kinderfreizeit) zahlen 2 Euro pro Kind und Betreuer. Donnerstags haben alle Duisburger (gegen Vorlage des Personalausweises) freien Eintritt. Das MKM ist Partner der Ruhrkultur.Card. Alle Ausstellungsräume des Museums sind auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich.

 
Offene Führungen durch die Sammlung sowie durch laufende Ausstellungen gibt es jeden Sonntag um 15 Uhr, aber auch nach Vereinbarung. Informationen zu Führungen und dem Begleitprogramm zu Ausstellungen gibt es unter www.museum-kueppersmuehle.de). Aktuell gelten die 3G-Regel und allgemeine Hygieneregeln. Weitere Infos findet man hier.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (2), Horst Kolberg (1), Jan Liégeois (1), Wolfgang Morell, Bonn (1), Martin Müller, Berlin (1), Friedrich Rosenstiel (1)

 
 

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Haltung zeigen: Internationalen Wochen gegen Rassismus in Duisburg vom 14. bis 27. März

Mit den Menschen ins Gespräch kommen: Veranstaltungen machen Rassismus bewusst
Von Petra Grünendahl

Haltung zeigen: Internationale Wochen gegen Rassismus 2022. Zeichnung: Martin Meissner. Quelle: http://www.iwgrdu.de.

„In Duisburg leben 500.000 Menschen aus 160 Ländern. Da begegnet uns das Thema Rassismus immer wieder“, erklärte Benjamin Wilde vom Kommunalen Integrationszentrum, das federführend die Internationalen Wochen gegen Rassismus in Duisburg koordiniert. „Auch wenn wir hier den Fokus auf 14 Tage legen, muss uns das Thema jeden Tag präsent sein“, ergänzte Marijo Terzic, Leiter des Kommunalen Integrationszentrums. Die Aktionen und Veranstaltungen im Laufe dieser zwei Wochen thematisieren strukturellen, institutionellen und Alltagsrassismus, mit dem Menschen konfrontiert werden. Manchmal vielleicht ohne dass es dem Diskriminierenden bewusst ist. Hier wollen die beteiligten Akteure ansetzen mit Dialog, Aufklärung, Beratung und Training.

 

Von links: Julia Rombeck, Marijo Terzic (beide oben), Benjamin Wilde und Sven Michler-Temme (unten). Foto: Screenshot.

Im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus vom 14. bis 27. März 2022 führen 30 Duisburger Organisationen bzw. Akteure mehrere öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen unter dem diesjährigen Motto „Haltung zeigen“ digital und in Präsenz durch. Im Pressegespräch stellten Marijo Terzic, Sven Michler-Temme (Jugendamt), Gülgün Teyhani und Sedanur Barut (beide ARIC NRW), Uwe Busch (Stadtsportbund Duisburg) sowie die beiden Hauptkoordinatoren Julia Rombeck und Benjamin Wilde vom Kommunalen Integrationszentrum die Veranstaltung und das Programm vor. Die „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ (IWgR) – getragen von der Stiftung für die Internationalen Wochen gegen Rassismus und dem Arbeitskreis ECCAR (European Coalition of cities against racism), dem Duisburg seit Ende 2016 angehört, – finden schon seit 27 Jahren immer im März statt. Duisburg beteiligt sich nach 2021 zum zweiten Mal.

 

 
Vielfältige Akteure bieten einmaliges Programm

Als Teil der Koordinierungsgruppe „Pink gegen Rassismus“ lädt der Stadtsportbund Duisburg die Mitglieder der Duisburger Sportvereine ein, sich mit ihren Vereinen in Pink gegen Rassismus zu positionieren. Quelle: http://www.iwgrdu.de.

Dialog, Aufklärung und Beratung, Workshops und Empowerment-Netzwerk (Austausch von Betroffenen), Film, Theater und Rollenspiele, Lesungen und Diskussionen: Von Einzelveranstaltungen der unterschiedlichsten beteiligten Organisationen und Akteure bis hin Projekten über die ganze zweiwöchige Laufzeit bieten die Internationalen Wochen gegen Rassismus eine große Bandbreite für alle Altersklassen. Highlights gibt es da viele! Schon der Programmflyer weckt Interesse: Zum Beispiel die Lesung (mit anschließender Diskussion) von Autor Hasnain Kazim aus seinem Buch „Post von Karlheinz – Wütende Mails von richtigen Deutschen – und was ich ihnen antworte“, ein Argumentationstraining gegen Stammtischparolen oder was wir im täglichen Leben machen können. Der Blick ins Programm lohnt sich.

 
Das i-Tüpfelchen ist wohl der große Aktionstag am Samstag, 19. März, von 12 bis 18 Uhr, der in der Innenstadt auf der Königstraße vor dem Forum stattfindet. Damit erreicht man mehr Menschen, die sich vielleicht noch nie mit der Thematik auseinander gesetzt haben und kann ins Gespräch kommen. Hier gibt es Informationen und einen Orientierungsplan für den Aktionstag.

 

Haltung zeigen: Internationale Wochen gegen Rassismus 2022. Quelle: http://www.iwgrdu.de.

Der Programmflyer listet schon eine ganze Reihe an Veranstaltungen (Stand: Drucklegung), das Programm wird aber auf der Webseite der Veranstaltung laufend aktualisiert und erweitert. Das meiste findet in Präsenz statt, einzelne Veranstaltungen nur online. Für beide Arten von Veranstaltung sind üblicherweise Anmeldungen erforderlich. Weiterführende Links stellen Veranstalter und die jeweiligen Veranstaltungen im Detail vor. Das Kommunale Integrationszentrum der Stadt Duisburg findet man unter www.wir-sind-du.de.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Screenshot, http://www.iwgrdu.de

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Deutsche Oper am Rhein: Leoš Janáčeks „Katja Kabanova“ begeisterte im Theater Duisburg

Starke Frauen beherrschen das Geschehen
Von Petra Grünendahl

Sylvia Hamvasi (Katja), Anna Harvey (Varvara). Foto: Sandra Then-Friedrich.

Katja Kabanova (Sylvia Hamvasi) ist mit Tichon (Matthias Klink) verheiratet, der ganz unter der Fuchtel seiner herrischen Mutter, der Kaufmannswitwe Marfa, genannt Kabanicha (Eva Urbanová), steht. Die selbstbewusste und starke Katja wird in dieser Ehe – entgegen ihren ursprünglichen Erwartungen – nicht glücklich und sehnt sich nach einem anderen Mann: Dass sie für Boris (Daniel Frank) schwärmt, empfindet die zutiefst gläubige junge Frau jedoch als Sünde. Varvara (Anna Harvey), Pflegetochter im Hause Kabanov, wird Katjas Vertraute: Sie selber schwärmt für den Lehrer Wanja (Cornel Frey) und bietet Katja an, ein heimliches Treffen für die beiden „Paare“ zu arrangieren. Als die Kabanicha, die eifersüchtig auf ihre Schwiegertochter ist, Tichon auf eine längere Geschäftsreise schickt, gibt sie ihm vor, Katja zum Gehorsam ihr gegenüber zu mahnen. So gedemütigt willigt Katja nun in Varvaras Vorschlag ein. Natürlich kommen sie und Boris sich näher: Als Tichon zurückkehrt, beichtet Katja bei einem Gewitter ihren Ehebruch öffentlich. Sie rennt hinaus in den tosenden Sturm. Dort trifft sie auf Boris, der ihr mitteilt, dass sein Onkel Dikoj (Sami Luttinen) ihn nach Sibirien schickt. Mit dem Gefühl, allein gelassen zu sein, stürzt sich Katja in die Fluten der Wolga. Tichon gibt seiner Mutter die Schuld am Tod seiner Frau.

 

Anna Harvey (Varvara), Sylvia Hamvasi (Katja). Foto: Sandra Then-Friedrich.

Premiere feierte auf der Bühne der Deutschen Oper am Rhein im Theater Duisburg die Oper „Katja Kabanova“ des tschechischen Komponisten Leoš Janáček (1854 – 1928). Janáčeks Spätwerk gilt als seine kraftvollste Schaffensphase, die geprägt ist von einer platonischen Leidenschaft für eine junge Frau (ab 1917), der er über die Jahre viele Briefe geschrieben hatte. Kamila Stösslová ist auch die Inspiration für seine Katja. Die Oper erlebte 1921 ihre Uraufführung am Nationaltheater Brünn (Brno/Mähren, Tschechien) mit einem Libretto des Komponisten nach dem Schauspiel „Das Gewitter“ (1859) von Alexander Ostrowski. Zwar gibt es eine deutsche Übersetzung, jedoch hatte sich die Regisseurin Tatjana Gürbaca dafür entschieden, ihre Inszenierung, die als Koproduktion mit dem Grand Théâtre de Genève entstand, im tschechischen Original auf die Bühne zu bringen. Deutsche Übertitel erleichtern das Verständnis der Handlung. Der Opernabend dauert gute 1 ¾ Stunden (keine Pause) und ist empfohlen ab 14 Jahren.

 

 
Großartige Inszenierung mit starken Charakteren

Eva Urbanova (Kabanicha), Sylvia Hamvasi (Katja), Matthias Klink (Tichon), Anna Harvey (Varvara) ,
Ekaterina Aleksandrova (Glascha). Foto: Sandra Then-Friedrich.

Die Sänger – allen voran die hervorragende Sylvia Hamvasi in der Titelrolle und Eva Urbanoná als Kabanicha –, gehen sehr engagiert in Charakteren auf, die sie nicht nur gesanglich, sondern auch schauspielerisch überzeugend verkörpern. Gesanglich unterstützt das Ensemble der Chor der Deutschen Oper am Rhein. Glänzend aufgelegte Duisburger Philharmoniker meisterten unter der musikalischen Leistung von Generalmusikdirektor Axel Kober die anspruchsvolle Komposition. Für das wandlungsfähige Bühnenbild zeichnet Henrik Ahr verantwortlich, für die Kostüme Barbara Drosihn und das Lichtdesign Stefan Bolliger.

 

Roman Hoza (Kuligin), Ekaterina Aleksandrova (Glascha), Statisterie. Foto: Sandra Then-Friedrich.

Minutenlange Schlussovationen mit einigen Bravo-Rufen belohnten das engagierte Ensemble für eine sehr gelungene Vorstellung. Die Zugabe aus traurigem Anlass – Mendelssohns Kantate für den Frieden – wird dem Publikum wohl noch einen Weile bei künftigen Vorstellungen erhalten bleiben: „Bei uns arbeiten Menschen aus 40 Nationen, darunter auch Russen und Ukrainer, die jetzt alle Angst um ihre Familien haben“, so Christoph Meyer, Generalintendant der Deutschen Oper am Rhein. Auch diese Vorstellung von Ensemble und Chor wurde noch einmal mit reichlich Applaus bedacht.

 

 
Ein kleiner Vorgeschmack:

 

 
Weitere Termine im Theater Duisburg:

Sylvia Hamvasi (Katja). Foto: Sandra Then-Friedrich.

So | 13. März 2022 | 15:00 Uhr,
So | 20. März 2022 | 18:30 Uhr,
Sa | 26. März 2022 | 19:30 Uhr und
Mo | 28. März 2022 | 19:30 Uhr.

 
Deutsche Oper am Rhein

Daniel Frank (Boris), Sylvia Hamvasi (Katja), Luiza Bardan (Fekluscha), Matthias Klink (Tichon). Foto: Sandra Then-Friedrich.

Die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg gGmbH ist eine Theatergemeinschaft der Städte Düsseldorf und Duisburg, die auf eine lange Tradition der Zusammenarbeit zwischen den beiden Großstädten zurückblicken kann. Seit ihrer Gründung 1956 zählt sie zu den bedeutendsten Opernhäusern Deutschlands. Durch ihr hochrangiges Solistenensemble, den Chor sowie die national wie international gefeierte Compagnie Ballett am Rhein hat sie sich zu einer der ersten Adressen für Musiktheater und Tanz in Europa entwickelt. Sie ist in der größten und dichtesten Kulturregion Deutschlands beheimatet. Allein die beiden Städte Düsseldorf und Duisburg zählen zusammen fast 1,1 Millionen Einwohner, aber auch die umliegenden Regionen und eine große Zahl auswärtiger Gäste profitieren vom hochkarätigen künstlerischen Angebot der Deutschen Oper am Rhein.
www.operamrhein.de

 

 

Sylvia Hamvasi (Katja), Matthias Klink (Tichon), Luiza Bardan (Fekluscha). Foto: Sandra Then-Friedrich.

Tickets kosten zwischen 17,00 und 67,00 Euro. Eintrittskarten gibt es online ebenso wie in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in das Stück, seine Entstehung und die Aufführung gibt. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

 

 
Die unvermeidlichen Corona-Regeln

Roman Hoza (Kuligin), Matthias Klink (Tichon), Luiza Bardan (Fekluscha), Ekaterina Aleksandrova (Glascha), Sami Luttinen (Dikoj). Foto: Sandra Then-Friedrich.

Die Vorstellungen werden aktuell mit einer Kapazitätsbegrenzung von 847 Plätzen im Theater Duisburg durchgeführt. Der Zutritt erfolgt auf Basis der 3G-Regel. Innerhalb der Räumlichkeiten muss eine medizinische Maske getragen werden, die man auch während der Vorstellung nicht abnehmen sollte. Es gelten die üblichen Hygiene- und Abstandsregeln. Ein Garderobenservice steht zur Verfügung, ein gastronomisches Angebot im Opernfoyer gibt es mit Einschränkungen.
Aktuelle Regelungen findet man immer hier.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Sandra Then-Friedrich

 

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IHK: Konjunkturumfrage bei der Wirtschaft im Rheinland offenbart Probleme

Erwartungen eingetrübter als im Herbst, aber immer noch leicht positiv
Von Petra Grünendahl

Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf. Foto: Olaf-Wull Nickel / IHK Düsseldorf.

Erneute Einschränkungen der Wirtschaft aufgrund der Corona-Pandemie im Herbst 2021 haben die wirtschaftliche Lage, die gerade auf Erholungskurs war, wieder ausgebremst. Die Nachfrage ist dabei eher nicht das Problem, sondern das Angebot bzw. die Möglichkeit, etwas anzubieten. Zwar sind die Erwartungen insgesamt noch positiv, aber für den weiteren Jahresverlauf doch (wieder) sehr gedämpft. Wie bereits die Konjunkturbarometer der Niederrheinischen IHK sowie der Ruhr-IHKs zeigten, gehen die Erwartungen zurück: Ein Phänomen, welches sich nicht nur im Ruhrgebiet zeigt, sondern auch im Rheinland. Und: „Es gibt da keine signifikanten Unterschiede in den einzelnen IHK-Bezirken“, erklärte Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf, für das Rheinland.

 

Foto: Screenshot.

Im Online-Pressegespräch stellte Gregor Berghausen das Konjunkturbarometer zusammen mit Gerd Helmut Diestler, Konjunkturreferent der IHK Düsseldorf, als Federführer des diesjährigen Konjunkturberichts der IHK-Initiative Rheinland vor. Befragt hatten die Industrie- und Handelskammern die Unternehmen zwischen Mitte Dezember 2021 und Ende Januar 2022, so dass die aktuelle Entwicklung in der Ukraine noch nicht berücksichtigt ist. Corona spielt so langsam nicht mehr die alleinige Hauptrolle in den Konjunktur-Erwartungen, sondern Risiken wie Rohstoff- und Energiekosten sowie der Fachkräftemangel. Zwar ist insgesamt die Industrie noch am besten durch die Coronakrise gekommen, allerdings leiden jetzt hier einige Branchen mehr als andere unter den hohen Rohstoff- und Energiekosten sowie an unsicheren Lieferketten.

 

 
Folgen des Lockdown und Rohstoffpreise drücken die Stimmung

Foto: Screenshot.

Je näher am Konsumenten der Handel positioniert ist, desto schwerer wogen die Einschränkungen durch Corona. Auch beklagt der Einzelhandel die immer noch unklare Öffnungsperspektive und die fehlende Shoppinglaune der Verbraucher. Der produktionsnahe (Groß-)Handel ist hier eher weniger betroffen, hat aber mitunter mit Lieferproblemen zu kämpfen. Der Bereich Dienstleistung ist im Vergleich zum vergangenen Jahr wieder verhaltender in der Einschätzung von Wirtschaftslage und Erwartungen: Je kontaktintensiver und näher am Kunden, desto schlechter die Lage und umso pessimistischer blicken die Unternehmer in die Zukunft. Gastronomie und Eventbranche stechen hier besonders heraus, könnten sie doch auf keinerlei Nachhol-Effekte hoffen, machte Berghausen klar: „Das ausgefallene ‚Essen gehen’ holen Sie nicht nach.“ Außerdem hat die Gastronomie nach dem Lockdown auch damit zu kämpfen, qualifizierte Mitarbeiter zu finden, weil viele sich für ihren Lebensunterhalt umorientieren mussten.

 

Foto: Screenshot.

Die Exporterwartungen bleiben hoch, die Nachfrage auch aus dem Ausland stabil positiv. Besonders optimistisch sind der Fahrzeug-/Maschinenbau und die Elektroindustrie, aber auch die Chemie. Die insgesamt etwas getrübten Konjunkturerwartungen drücken ein wenig auf die Planung von Investitionen und Personal, beide liegen aber (noch) im positiven Bereich. Rückläufig seien Investitionen jedoch zum Beispiel in der Ernährungsindustrie, Einzelhandel und Gastgewerbe, ergab die Umfrage. Kurzarbeit werde weiterhin genutzt. Stabil ist die Geschäftslage insgesamt, Belastungen treten in den Branchen auf, deren Beschaffungskosten in die Höhe geschnellt sind.

 

 
Die Niederrheinische IHK und die IHKs im Rheinland

Foto: Screenshot.

Die Niederrheinische IHK vertritt das Gesamtinteresse von rund 69.000 Mitgliedsunternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen in Duisburg und den Kreisen Wesel und Kleve. Sie versteht sich als zukunftsorientierter Dienstleister und engagiert sich als Wirtschaftsförderer und Motor im Strukturwandel. Zur Gruppe der IHK-Initiative Rheinland zählen neben Duisburg, Wesel und Kleve die Kammerbezirke Krefeld / Mittlerer Niederrhein, Düsseldorf, Wuppertal / Bergisches Land, Aachen, Köln und Bonn / Rhein-Sieg. Seit 18 Jahren arbeiten sie gemeinsam am Konjunkturbarometer Rheinland, für die die Unternehmen in den IHK-Bezirken jeweils zum Jahresbeginn und im Spätsommer befragt werden. Beteiligt hatten sich bei der Umfrage zum Jahresbeginn 2022 rund 3.100 Unternehmen aus der Region. Der ungewöhnlich große Rücklauf aus Industrie, Groß- und Einzelhandel und dem Dienstleistungssektor ermöglichte die Aufschlüsselung der Daten in 16 Einzelbranchen, die ein genaueres Bild der Lage widergaben.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Olaf-Wull Nickel (1), Infografiken/Präsentation: IHK Düsseldorf

 
 

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Stadtwerke Düsseldorf: Kündigung durch regionalen Versorger wenig nachvollziehbar

Wer Kunde bleiben will, bekommt eine saftige Erhöhung des Grundpreises um 238 Prozent
Von Petra Grünendahl

Foto: Petra Grünendahl.

Zuletzt machten eher Strom- und Gas-Discounter mit zweifelhaften Kündigungen von sich reden, weil sie die hohen Beschaffungskosten nicht an Kunden weiterreichen, sondern diese lieber gleich „entsorgen“ wollte. Als Kunde eines regionalen Versorgers aus der Nachbarstadt fühlte man sich sicher, dass so etwas nicht passieren könnte. Das stellte sich als Irrtum heraus, als in der vergangenen Woche ein Brief des Versorgers kam: Man könne den Regio-Kunden (außerhalb Düsseldorfs) nicht mehr zu den bisherigen Konditionen beliefern, hieß es in dem Schreiben. Man kündige den Vertrag ordentlich zum 31. März 2022, allerdings könne der Kunde nicht ein (natürlich sehr deutlich teureres!) Folgeangebot annehmen.

 
Kein „Preiserhöhungsschreiben“, sondern gleich eine ordentliche Kündigung schickten die Stadtwerke Düsseldorf ihren Kunden jenseits der Stadtgrenze. Ohne eine Erklärung, was bei Annahme des „Folgeangebots“ finanziell auf den Kunden zukommt, wie es bei einer Preiserhöhung gesetzlich vorgeschrieben ist. Nein, der letztendlich gut versteckte brutale Rausschmiss, wenn man als Kunde nicht aktiv wird und um eine Fortführung des Vertrages „bittet“. Da der bisherige Kunde als Antragsteller ja als Neukunde kommt, könnten die Stadtwerke Düsseldorf ihn auch ablehnen. Was dann aber für den überrumpelten Kunden auch erst mal bedeutet, dass sich informieren muss, was er bislang für Kosten in seinem Vertrag hatte und was die Preise im „Folgeangebot“ des Stromanbieters für ihn bedeuten: Den üblichen Vergleich, den man mit einer Preiserhöhung bekommt, gab es hier ja im Kündigungsschreiben nicht. Für einen Kunden, der nicht die Absicht hat, den Stromversorger zu wechseln, ist das Schreiben unterirdisch.

 

 
 
Nur der Grundpreis steigt

Drehstromzähler. Foto: Petra Grünendahl.

Nicht der Strompreis wird teurer: Massivst erhöht wird im „Folgeangebot“ der Grundpreis, der unabhängig vom Verbrauch zu zahlen ist. Von vorher 65 Euro auf rund 220 Euro im Jahr. Das ist eine Erhöhung von rund 238 Prozent, die bei einem Ein-Personen-Haushalt einen großen Anteil an den Gesamtkosten für Strom ausmacht!

 
Diese Kündigung in Verbindung mit einem „Folgeangebot“ bekommen übrigens wohl nur Kunden im Regio-Tarif. Für Düsseldorfer, für die die Stadtwerke Düsseldorf Grundversorger sind, ändert sich nichts. Für Düsseldorfer scheinen die Grundkosten der Stromlieferung nicht gestiegen zu sein, nur für Kunden jenseits der Stadtgrenze. Wobei Konzessionsabgaben für den jeweiligen Wohnort im Arbeitspreis enthalten sind, wie den Erklärungen zum Preis zu entnehmen ist. Daran kann es also nicht liegen!

 
Über 40 Prozent der Stromkosten entfallen damit beim Strom sparenden Regio-Kunden (1.200 kWh) damit mittlerweile auf den Grundpreis. Bei 1.500 kWh sind es immerhin noch 37 Prozent. Ohne Preisgarantie ist der neue Tarif obendrein, d. h. die Preise können schneller steigen als der Kunde gucken kann. Und geknebelt wird der Zwangs-Neukunde nun mit 12 Monaten Mindestvertragslaufzeit. Immerhin habe er ein außerordentliches Kündigungsrecht im Falle einer Strompreiserhöhung, sagt das „Kleingedruckte“. Na denn!

 

 
Vorsicht Kostenfalle!

Foto: Petra Grünendahl.

Wer den Brief nicht richtig liest, bekommt schnell ein noch größeres Problem, denn die Kündigung selbst fällt unter dem Fettgedruckten – man könne ein Folgeangebot annehmen – nicht sofort ins Auge: Denn die Kündigung wird zum 31. März wirksam, wenn der Kunde nicht bis zum 2. März selbst tätig wird. Dann fällt man nämlich automatisch an den Grundversorger – und damit in einen Grundversorgungstarif für Neukunden, der gut doppelt so teuer ist wie der für Bestandskunden. Woanders hin wechseln ist angesichts völlig überteuerter Neukunden-Tarife auch keine Option. Denn dann wird der Strom noch teurer, als er mit der massiven Erhöhung des Grundpreises bei den Stadtwerken Düsseldorf wäre. Egal, wie man das Schreiben der Stadtwerke Düsseldorf dreht und wendet: Das Schreiben hätte dem Kunden einen direkten Vergleich der bisherigen und der neuen Kosten ermöglichen sollen. Das wäre fair gewesen!

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Rat der Stadt Duisburg: Matthias Börger zum Dezernenten gewählt

Ratsfrau Edeltraut Klabuhn erste ehrenamtliche Stellvertreterin des Oberbürgermeisters
Von Petra Grünendahl

Matthias Börger (re.) wurde vom Rat der Stadt einstimmig zum Beigeordneten gewählt. Oberbürgermeister Sören Link beglückwünschte ihn. Foto: Uwe Köppen / Stadt Duisburg.

Zehn Monate nach seiner ersten Wahl kann sich Matthias Börger nun nach dem wiederum einstimmigen Votum des Stadtrats auf seinen Amtsantritt als Dezernent für Umwelt und Klimaschutz, Gesundheit, Verbraucherschutz und Kultur bei der Stadt Duisburg freuen. Eine Mitbewerberin hatte beim ersten Mal wegen des Vorauswahl-Verfahrens geklagt und Recht bekommen: Das Bewerbungsverfahren musste wiederholt werden und Matthias Börger wurde dem Rat ein zweites Mal zur Wahl vorgeschlagen. Ebenfalls nicht ganz unumstritten war die Wahl eines neuen ersten ehrenamtlichen Stellvertreters für Oberbürgermeister Sören Link: Die Fraktion hatte sich für Ratsfrau Edeltraut Klabuhn ausgesprochen, der Parteitag der Duisburger SPD für Ratsherr Udo Vohl, der aber bei der Abstimmung im Rat nicht antrat. Klabuhn bekam in geheimer Wahl 71 Stimmen bei 19 Gegenstimmen, ein paar Enthaltungen und einer ungültigen Stimme. Sie tritt damit die Nachfolge des im letzten Herbst verstorbenen Bürgermeisters Manfred Osenger an.

 

Edeltraud Klabuhn (SPD) wurde vom Rat der Stadt zur ersten Bügermeisterin gewählt. Oberbürgermeister gratulierte ihr. Foto: Uwe Köppen / Stadt Duisburg.

Nach dem zwei Wahlgängen zu Beginn der ersten Sitzung im Rat der Stadt Duisburg und einer längeren Diskussion um die Beantwortung von Fraktions-Anfragen in der Niederschrift der letzten Sitzung arbeiteten die Ratsleute die Tagesordnung inklusive Nachtrag zügig ab. Zu ein paar Tagesordnungspunkten gab es noch Beratungsbedarf: Sie wurden in erster Lesung behandelt bzw. in die Fachausschüsse verwiesen. Beschlussvorlagen der Verwaltung wurden weitestgehend einstimmig abgesegnet. Dazu zählten unter anderem Senkungen von Elternbeiträgen für Kindertageseinrichtungen sowie in Offenen Ganztagsschulen, aber auch die Erhöhung und Umschichtung von Zuschussmitteln für verschiedene Städtische Einrichtungen, da die Finanzhoheit beim Rat der Stadt liegt und dieser sämtliche Ausgaben (und Einnahmen) absegnen muss.

 

 
Stadtentwicklung und Infrastruktur

Sitzung des Rat der Stadt Duisburg. Foto: Uwe Köppen / Stadt Duisburg.

Beschlossen wurde des Weiteren eine Reihe von Maßnahmen von Schulbauten und Erweiterungen bis hin zu Stadtentwicklung und Stadtteilförderung im Rahmen von Integrierten Handlungskonzepten zum Beispiel in Hochfeld oder Marxloh. Außerdem erforderte die Übertragung von städtischen Grundstücken im neuen Mercatorviertel an die Gebag die Zustimmung des Rates, der damit die Federführung sowohl für die Eigenentwicklung als auch für die Vermarktung an private Investoren an das städtische Wohnungsbauunternehmen abgab. Die Machbarkeitsstudie zur Verlängerung der Osttangente in Rheinhausen wurde nach erster Lesung in die Fachausschüsse überwiesen. Zugestimmt hat de4r Rat auch der Ausschreibung für eine Beigeordnetenstelle für das Dezernat für Wirtschaft, Sicherheit und Ordnung, die der bisherige Dezernent Andree Haack nach seinem Wechsel nach Köln im Juni frei macht.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Uwe Köppen / Stadt Duisburg

 
 

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Lehmbruck Museum in Duisburg stellte Jahresprogramm für 2022 vor

Dimensionen der Kunst: Vom Geistigen zum Materiellen bis in den virtuellen Raum
Von Petra Grünendahl

Janet Cardiff and George Bures Miller: Escape Room 2021. Foto: (c) the artists and Luhring Augustine, New York.

Ein altes und immer noch sehr aktuelles Thema ist der Widerstreit zwischen dem Geistigen und dem Materiellen: Es gehe nicht um die Gestaltung des Physischen, sondern des Seelischen, hatte Wilhelm Lehmbruck einst postuliert. Die Präsenz, aber auch die Ideen und Gedanken manifestieren sich in der Skulptur, in gestalteter Materie. In Zeiten von Corona hat eine dritte Dimension immer mehr Zugang zum Leben der Menschen gefunden: Der virtuelle Raum. Diesen bespielen die Wilhelm-Lehmbruck-Preisträger des Jahres 2020, Janet Cardiff & George Bures Miller, mit ihren spannenden Installationen, die ab Ende März im Lehmbruck Museum zu sehen sind.

Visualisierung der Ausstellung von Rineke Dijkstra im Lehmbruck Museum. Visualisierung: Lehmbruck Museum.

Seit 2014 zeigt Sculpture 21st Positionen zur Skulptur des 21. Jahrhunderts: Die niederländische Künstlerin Rineke Dijkstra, die mit ihren eindringlichen fotografischen Porträts junger Heranwachsender berühmt geworden ist, ist ab Mai in der Glashalle zum Kantpark zu sehen. Im zweiten Halbjahr steht Antony Gormley im Lehmbruck-Trakt dem Duisburger Meister der Bildhauerei gegenüber. Und zum Jahresende feiert das Museum den 100. Geburtstag des deutschen Bildhauers Norbert Kricke, Lehmbruck-Preisträger des Jahres 1971, mit einem neuen Blick auf sein prägendes Werk.

 

Antony Gormley vor seiner Arbeit Sublimate XIII, 2007 (c) Künstler. Foto: Britta Lauer.

Das Programm des Lehmbruck Museums für das Jahr 2022 stellte Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla im Online-Pressegespräch vor. Nachdem die Pandemie-Entwicklung 2021 wieder mehr Ausstellungen und Publikumsverkehr im Museum möglich machten als während der Lockdowns 2020, hofft Dinkla auf eine Normalisierung ab März. Auch wenn die digitalen Angebote des Museums kaum mehr wegzudenken sind: „Die Menschen wollen Kultur live erleben“, so die Museumsdirektorin. Neben den publikumswirksamen Ausstellungen arbeitet das Lehmbruck Museum an Formaten, die weitere Kreise der Bevölkerung für Kunst erschließen sollen. Unter anderem mit Fördergeldern aus dem Programm „Neustart Kultur“ entwickelt die Kunstvermittlung ein digitales Text-Adventure-Game über das bewegte Leben Wilhelm Lehmbrucks. Und in Kooperation mit den Museen Krefeld fördert das städtische Museum über „Mach Dein Ding“ freie Kreativität und kulturelle Teilhabe für Kinder.

 

 
Das Lehmbruck Museum

Das Lehmbruck Museum im Kantpark. Foto: Petra Grünendahl.

Das mitten in Duisburg im Kantpark gelegene Lehmbruck Museum ist ein Museum für Skulptur. Seine Sammlung moderner Plastiken von Künstlern wie Alberto Giacometti, Pablo Picasso, Hans Arp und natürlich Wilhelm Lehmbruck ist europaweit einzigartig. Beheimatet ist das Museum in einem eindrucksvollen Museumsbau inmitten eines Skulpturenparks, der zum Schlendern und Entdecken einlädt.

 
Namensgeber des Hauses ist der Bildhauer Wilhelm Lehmbruck, der 1881 in Meiderich, heute ein Stadtteil von Duisburg, geboren wurde. Lehmbruck ist einer der bedeutendsten Bildhauer der Klassischen Moderne. Er hat mit seinem Werk maßgeblichen Einfluss auf nachfolgende Künstlergenerationen und ist auch nach seinem frühen Freitod im Jahr 1919 bis heute einflussreich geblieben.

 

 
Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Mach Dein Ding. Foto: Marta Colombo.

Aktuell ist noch eine Sonderausstellungen von Tony Cragg in der Glashalle zum Kantpark zu sehen: Bis zum 18. April 2022. Geöffnet ist das Lehmbruck Museum üblicherweise – solange es die Corona-Lage zulässt – dienstags bis freitags ab 12 Uhr, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags an Terminen der plastikBAR (erster Donnerstag im Monat ab 17.30 Uhr) bis 20 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro (ermäßigt* 5 Euro), eine Jahreskarte 35 Euro (ermäßigt* 20 Euro). Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Blinden- und Demenzbegleitung haben kostenlos Eintritt. Schulklassen und Kindergärten zahlen pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte (2 Erwachsene plus Kinder bis 14 Jahre) gibt es für 15 Euro. Jeden ersten Freitag im Monat gilt: „Pay what you want“. Ausgenommen davon sind angemeldete Gruppen.

Zu seinen Sonderausstellungen bietet das Lehmbruck Museum verschiedene Veranstaltungen als Rahmenprogramm an. Zu den Highlights zählt hier mit Sicherheit das Künstlergespräch – Stephan Balkenhol im Gespräch mit Heinz-Norbert Jocks – am Freitag, 23. Oktober, um 18 Uhr (ca. 1 ½ Stunden). Auch diese Veranstaltung ist bereits ausgebucht. Öffentliche Führungen durch das Museum gibt es jeden Sonntag um 11.30 Uhr. Für Informationen steht die Kunstvermittlung des Lehmbruck Museums unter Telefon 0203 / 283-2195 oder eMail kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de zur Verfügung (Zu Preisen und Buchungen für Führungen geht es hier).

 
Nach der aktuellen Corona-Lage gelten folgende Regelungen: Die 2G-Regel erlaubt Zutritt nur für Geimpfte und Genesene (es gibt Ausnahmen für 3G). Das Tragen einer FFP2-Maske ist weiterhin obligatorisch. Für Führungen und Veranstaltungen aus dem Rahmenprogramm sind Anmeldungen erforderlich. Die Veranstaltungen finden vorbehaltlich eventueller Veränderungen aufgrund der Corona-Pandemie statt. Aktuelle Informationen gibt es hier .

(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70%), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen mit Sozialhilfebezug.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (1), Janet Cardiff and George Bures Miller (1), Lehmbruck Museum (1), Britta Lauer (1), Marta Colombo (1)

 
 

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Umfrage: Konjunkturlagebericht der Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet

Energie- und Rohstoffpreise bremsen die Wirtschaft ebenso wie G2-Regeln in Einzelhandel und Gastronomie
Von Petra Grünendahl

Grafik aus dem des 108. Ruhrlagebericht. Quelle: Ruhr-IHKs.

Knapp zwei Drittel der befragten Unternehmen im Ruhrgebiet nannten die stark gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise das größte Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung (Herbst 2021: knapp 60 Prozent). Im Verkehrs- und Logistikbereich liegt dieser Anteil bei 72 Prozent und in der Industrie sogar bei 85 Prozent. Unterm Strich bilanzieren 58 Prozent der Unternehmen, dass sie in erheblichem Umfang von Preisanstiegen betroffen sind. „Diese starken Preisanstiege sind eine Folge des Mangels. Angebot und Nachfrage klaffen weit auseinander. Die Wirtschaft im Ruhrgebiet leidet unter anhaltenden Problemen bei der Beschaffung von Vorprodukten sowie Rohstoffen und steht vor enormen logistischen Herausforderungen“, machte Heinz-Herbert Dustmann, Präsident der für die Ruhr-IHKs aktuell federführenden IHK zu Dortmund, deutlich. Der Gesamtausblick der Ruhrwirtschaft fällt weniger pessimistisch aus: 16 Prozent der befragten Unternehmen bewerten die nahe Zukunft negativ, 22 Prozent erwarten bessere und das Gros von 62 Prozent gleich bleibende Geschäfte. Sorgen bereiten den Ruhr-IHKs jedoch verschiedene Unsicherheitsfaktoren, die eine weitere Erholung der Unternehmen gefährden können.

 

Pressekonferenz zur Vorlage des 108. Ruhrlageberichts (v. l.): Michael Bergmann (Hauptgeschäftsführer IHK Mittleres Ruhrgebiet in Bochum), Heinz-Herbert Dustmann (Präsident IHK zu Dortmund) und Stefan Schreiber (Hauptgeschäftsführer IHK zu Dortmund). Foto: Stephan Schütze / IHK zu Dortmund.

Zum Jahresbeginn hat die Ruhrwirtschaft insgesamt die schlimmsten Auswirkungen der Corona-Pandemie überwunden, wie die aktuelle Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammern (IHKs) im Ruhrgebiet zeigt. Im Pressegespräch stellten Michael Bergmann, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittleres Ruhrgebiet (Bochum), sowie IHK-Präsident Heinz-Herbert Dustmann und Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber (beide IHK zu Dortmund) die Ergebnisse der Umfrage im Detail vor. Im Vorjahresvergleich präsentieren sich viele Unternehmen gegenwärtig in einer robusteren Verfassung. Gegenüber der Herbstumfrage hat sich die Stimmung jedoch wieder leicht eingetrübt. Heinz-Herbert Dustmann betonte: „Die flächendeckenden 2G- oder 2G+-Regelungen haben seit dem Spätherbst vor allem im Handel- und Dienstleistungsbereich ihre Spuren hinterlassen. Die nachhaltige Erholung unserer Wirtschaft ist alles andere als ein Selbstläufer und die Liste der Konjunkturrisiken ist lang.“

 

 
Gastgewerbe und Einzelhandel beklagen Zugangsbarrieren

Foto: Jacqueline Wardeski / Niederrheinische IHK.

Zu kämpfen haben mit den Corona-Auswirkungen nach wie vor der Einzelhandel und das Gastgewerbe, die beide eher nie Infektionstreiber waren. „Ich habe deshalb kein Verständnis dafür, dass die 2G-Zugangsbeschränkung für den Nicht-Lebensmitteleinzelhandel in Nordrhein-Westfalen aufrechterhalten wird. Der Einzelhandel war nie ein Infektionstreiber. Je länger diese Zugangsbarriere beibehalten wird, umso gravierender sind die negativen wirtschaftlichen Folgen für die Betriebe in den Innenstädten und Stadtteilzentren“, betonte Dustmann. Immerhin muss der Einzelhandel ab heute nur noch stichprobenweise überprüfen und nicht mehr direkt beim Zugang zum Geschäft. Denn die Kontrollen sind nicht nur zeitaufwändig, sondern schrecken auch Kunden ab. Deswegen fordern die IHKs, man solle die 2G-Regel im gesamten Einzelhandel aufheben.

 
Dramatisch stellt sich die Situation gegenwärtig im Gastgewerbe dar: Sieben von zehn Unternehmen geht es eigenen Angaben zufolge schlecht, bei der Herbstumfrage 2021 war nur ein Drittel so pessimistisch. Fast zwei Drittel der Gastronomen melden verringerte Umsätze, was in erster Linie auf das stark eingeschränkte Weihnachts- und Silvestergeschäft zurückzuführen sein dürfte. Fast folgerichtig ist die aktuelle Finanzlage auch nur bei gut einem Fünftel der Betriebe im Gastgewerbe unproblematisch. Gut sechs von zehn Unternehmen melden hingegen einen Rückgang des Eigenkapitals und rund zwölf Prozent sind sogar von einer Insolvenz bedroht. Für die kommenden Monate geht fast jeder dritte Gastronomiebetrieb sogar von einer noch schlechteren Geschäftslage aus.

 
 
Konjunktur-Risiken: Lieferengpässe, Fachkräftemangel und marode Verkehrsinfrastruktur

Grafik aus dem des 108. Ruhrlagebericht. Quelle: Ruhr-IHKs.

Insgesamt bewerten 84 Prozent aller befragten Unternehmen im Ruhrgebiet ihre Geschäftslage mit gut oder befriedigend. Im vergangenen Herbst waren es 87 Prozent und vor einem Jahr 74 Prozent. Von schlechten Geschäften berichten aktuell 16 Prozent. Der Konjunkturklimaindex liegt bei 115 Punkten (Herbst 2021: 122 Punkte, Jahresbeginn 2021: 100 Punkte). Als Stabilisator der wirtschaftlichen Situation erweist sich einmal mehr die Industrie: Neun von zehn Betrieben zeigen sich in einer guten Verfassung.

 

Grafik aus dem des 108. Ruhrlagebericht. Quelle: Ruhr-IHKs.

Der Mangel an Vorleistungen, insbesondere Halbleiter, elektronische Bauteile, Baumaterialien, Metalle, Chemikalien und Papier, hat sich jedoch in einigen Industriebereichen zu einer wesentlichen Bremse für den Aufschwung entwickelt. 83 Prozent der Unternehmen sind von Lieferengpässen betroffen, drei Viertel berichten über Ertragseinbußen, 53 Prozent von gestiegenem Planungsaufwand. Fast 30 Prozent dieser Unternehmen rechnen erst im zweiten Halbjahr 2022 mit einer besseren Versorgung bei relevanten Rohstoffen. 35 Prozent erwarten sogar keinerlei Verbesserung.

 
Ein fast schon chronisches Wachstumsrisiko stellt für sechs von zehn Unternehmen der Fachkräftemangel dar. Im Herbst sah es ähnlich aus. Erneut ist es das Gastgewerbe, das besonders zu leiden hat. Sieben von zehn Betrieben sind vom Fachkräftemangel besonders betroffen. Denn die Corona-Einschränkungen der vergangenen knapp zwei Jahre haben dazu geführt, dass sich viele Mitarbeiter umorientiert haben und nun dauerhaft fehlen.

 
Die marode Verkehrsinfrastruktur im Ruhrgebiet ist ein altbekanntes Problem, das durch die Ereignisse der vergangenen Wochen aktueller denn je geworden ist. „Die Vollsperrung und der notwendige Abriss der A45-Talbrücke bei Rahmede sind eine Katastrophe für die Wirtschaft. Der starke Industrieraum Südwestfalen wird förmlich vom Ruhrgebiet abgeschnitten“, erklärte Dustmann. Ein moderner Wirtschaftsstandort wie das Ruhrgebiet könne ohne intakte Verkehrsinfrastruktur auf Dauer nicht funktionieren. „Bei der Instandsetzung und dem Neubau von Autobahnen, Schienenwegen und Wasserstraßen ist viel zu lange gespart worden. Und jetzt zahlen wir die Zeche“, so der IHK-Präsident, der ein deutlich schnelleres Planungs- und Genehmigungsverfahren für Neubauten und ein intelligentes Verkehrsmanagement forderte.

 

 
Konjunkturumfrage der IHKs im Ruhrgebiet

Grafik aus dem des 108. Ruhrlagebericht. Quelle: Ruhr-IHKs.

Die IHKs im Ruhrgebiet fragen zwei Mal im Jahr (zum Jahresanfang und im Herbst) bei ihren Mitgliedsunternehmen unter anderem danach, wie sie ihre gegenwärtige wirtschaftliche Lage beurteilen, ob sie von Insolvenz bedroht sind und mit welcher Geschäftsentwicklung sie in den kommenden Monaten rechnen. Bei der Umfrage zum Jahresbeginn 2022 hatten sich fast 900 Unternehmen mit insgesamt 120.000 Beschäftigten beteiligt. Auch die Unternehmen im hiesigen IHK-Bezirk haben zum Ruhrlagebericht beigetragen. Zu den Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet zählen neben der Niederrheinischen IHK Duisburg, Wesel, Kleve zu Duisburg die IHK Mittleres Ruhrgebiet Bochum, die IHK zu Dortmund, die IHK für Essen, Mülheim an der Ruhr, Oberhausen zu Essen, die Südwestfälische IHK zu Hagen und die IHK Nord Westfalen (mit dem Standort Gelsenkirchen für die Emscher-Lippe-Region).

Mehr zum 108. Konjunkturbericht der IHKs im Ruhrgebiet findet man hier: www.ihks-im-ruhrgebiet.de.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Stephan Schütze / IHK zu Dortmund (1), Jacqueline Wardeski / Niederrheinische IHK (1)

 
 

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Ludwiggalerie Schloss Oberhausen: Manfred Vollmer im Kleinen Schloss

Mit einem Blick für das Menschliche
Von Petra Grünendahl

Manfred Vollmer ist mit 80 großformatigen Fotografien im Kleinen Schloss der Ludwiggalerie zu sehen. Foto: Petra Grünendahl.

Fast ikonisch sind die Fotografien von Manfred Vollmer (*1944 in Torgau/Elbe) beispielsweise aus dem Arbeitskampf 1987 in Rheinhausen. Die Arbeitswelten im Ruhrgebiet, die Arbeitskämpfe und das Leben der Menschen hat er jahrzehntelang dokumentiert und auf Film gebannt. Sehr beeindruckende Fotos geben dem Betrachter Einblicke in vergangene Welten und zeugen von dem Respekt des Fotografen gegenüber den Menschen, die er fotografiert hat. Neben dem Ruhrgebiet zeigt die Retrospektive auch Reihen von Fotos beispielsweise aus der DDR und von der Wiedervereinigung 1990, von den Folgen der Havarie eines amerikanischen Öltankers in der Bretagne 1978, vom Besuch des Konzentrationslagers Auschwitz oder von Kirchenfesten in Italien. Mit der Digitalfotografie ab 2002 und besonders mit seinen Fotos vom Kulturhauptstadtjahr Ruhr 2010 wurden seine Bilder künstlerischer, ohne jedoch ihren dokumentarischen Wert zu verlieren.

 

Stellten die Ausstellung vor (v. l.): Apostolos Tsalastras, Manfred Vollmer und Dr. Christine Vogt. Foto: Petra Grünendahl.

Die neue Ausstellung „ausgelöst“ mit Fotografien von Manfred Vollmer stellte Dr. Christine Vogt, Direktorin der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen, im Pressegespräch zusammen mit Kulturdezernent Apostolos Tsalsastras und dem Fotografen selber in der Panorama-Galerie vor. Manfred Vollmers „Fotografien von 1968 bis heute“ finden Besucher im Kleinen Schloss in der Panorama-Galerie sowie im Kabinett. Die Ausstellung von Vollmers Fotografien sei ihr ein besonderes Bedürfnis gewesen, sagte Christine Vogt, die die Ausstellung in enger Zusammenarbeit mit Vollmer kuratiert hatte. Sie lobte sein gut geordnetes Archiv: „Das erlebt man nicht überall.“ Die großformatigen gerahmten Fotografien hat Manfred Vollmer für diese Retrospektive neu produziert. Die Werkschau und der Katalog zur Ausstellung werden vom Freundeskreis der Ludwiggalerie gefördert. Eine Ausstellungseröffnung (Vernissage) darf es wegen Corona nicht geben, dafür ist die Schau aber schon ab Samstag, 5. Februar, für das Publikum geöffnet. Den Flyer zur Ausstellung gibt es hier.

 

 
Manfred Vollmer

Arbeitskämpfe: Fotografien von Manfred Vollmer in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

„Mein Revier ist das Revier“ lautete für Jahrzehnte das Motto des in Essen lebenden Fotografen Manfred Vollmer. Und doch gingü sein Interesse und seine fotografische Arbeit sehr viel weiter. Geboren wurde er 1944 in Sachsen. 1946 bekam sein Vater Arbeit in der Nähe von Freiburg, wo Vollmer dann aufwuchs. Ins Ruhrgebiet kam er 1965 zum Studium an der Folkwang Hochschule bei Otto Steinert, den der Fotograf als kompromisslosen Lehrer bezeichnete: „Das hat mir mit meinen Ansprüchen an die eigene fotografische Qualität gut getan.“

Kirchenfeste in Italien: Fotografien von Manfred Vollmer in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Bereits das erste große Projekt, seine Abschlussarbeit an der Folkwangschule in Essen zum Thema „Kirchenfeste in Italien“, führte ihn Ende der 1960er Jahre immer wieder vor allem nach Süditalien. Seit 1970, nach dem Examen an der Folkwangschule mit Folkwangpreis, arbeitete er als freier Fotograf vor allem für Wochen- und Tageszeitungen, für Verlage und Gewerkschaften, besonders für die IG Metall. Er baute sich systematisch ein Archiv mit einem großen Themenspektrum auf. In den 1970er Jahren reiste Vollmer wiederholt in die DDR, wo er als Besucher, ohne Akkreditierung, Alltagsszenen, Städtebilder etc. fotografierte. Die Fotoserie über die Wiedervereinigungsfeier in Berlin Anfang Oktober 1990 ist ihm ein großes Anliegen. Seine Arbeit ist – und dies sieht man bis heute – so überzeugend, dass er mehrfach dafür ausgezeichnet wird. 1978 reiste er in die Bretagne, um als Bildreporter über die Ölpest zu berichten, die die Havarie des amerikanischen Tankers Amoco Cadiz verursacht hat. Dafür erhielt er den ersten Preis beim World Press Photowettbewerb in der Kategorie „News Picture Stories“. In den 1990er Jahren arbeitete er für die IBA Emscher Park und begleitete zahlreiche der Strukturwandelprojekte.

Arbeiter: Fotografien von Manfred Vollmer in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Seinen persönlichen Strukturwandel erlebte Manfred Vollmer im Jahr 2002, als er konsequent auf Digitalfotografie umstellte: „Seitdem verstehe ich die Arbeiter, die um ihre Arbeitsplätze bangten“, erklärte Vollmer. Hieß es in analogen Zeiten „heute noch“ liefern, sei dies in Zeiten der Digitalfotografie zu „wann heute?“ geworden. Die Belastung der Fotografen sei dadurch höher als im goldenen Zeitalter der Fotografie, welches er selber in den 1970er-Jahren noch erleben durfte, bekundete der Fotograf, der seine fotografische Heimat immer noch in der schwarz-weißen Analogfotografie sieht. Sein analoges Archiv ist seit 2006 im Besitz des Ruhr Museums auf der Zeche Zollverein in Essen.

Katalog zur Ausstellung „Manfred Vollmer ausgelöst“. Foto: Petra Grünendahl.

Die Ludwiggalerie widmet diesem wichtigen Bildfinder unter dem Titel „ausgelöst“ nun mit knapp 80 programmatischen Aufnahmen eine überblickende Werkschau. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der erstmals in einer monografischen Publikation Vollmers fotografisches Werk ausführlich vorstellt. Das 128-seitige Werk „MANFRED VOLLMER – ausgelöst“ enthält Fotografien von 1968 bis heute und wurde herausgegeben von Christine Vogt. Erschienen im Kerber Verlag, Bielefeld, ist er für 29,80 Euro an der Museumskasse, im Shop im Kleinen Schloss sowie im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-7356-0842-0).

 

 
Ludwiggalerie Schloss Oberhausen

Bücher: Fotografien von Manfred Vollmer in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Die Sonderausstellung im Kleinen Schloss läuft bis zum 15. Mai 2022. Im Großen Schloss laufen bis zum 8. Mai die Ein-Raum-Ausstellung „VINYL! Die Comic-Cover“ (hier unser Bericht) sowie die Sonderausstellung „Ruhrgebietschronist trifft Kulturlegende: Rudolf Holtappel und Walter Kurowski – Eine foto_grafische Begegnung“ (hier ist unser Bericht)

Auschwitz: Fotografien von Manfred Vollmer in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Das Ausstellungshaus ist geöffnet von Dienstag bis Sonntag zwischen 11 und 18 Uhr. Montags ist Ruhetag, feiertags sowie Oster- und Pfingstmontag ist jedoch geöffnet. Geschlossen ist am 24., 25. und 31. Dezember sowie 1. Januar. Der Eintritt kostet 8,00 Euro (ermäßigt 4,00 Euro, Familien mit zwei Erwachsenen plus Kindern 12,00 Euro). Außerdem gibt es ein Kombiticket mit dem Gasometer Oberhausen für 14,00 Euro. Im Kleinen Schloss ist der Eintritt frei.

 

DDR und Wiedervereinigung: Fotografien von Manfred Vollmer in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Öffentliche Führungen finden im Großen Schloss sonn- und feiertags um 11.30 Uhr statt. Zur Kuratorinnenführung lädt Dr. Christine Vogt an zwei Sonntagen, am 6. März und am 15. Mai, um 15 Uhr ins Kleine Schloss. Den Vortrag „Manfred Vollmer – Fotografien aus dem Ruhrgebiet“ hält Dr. Susanne Sommer, Direktorin des Kultur- und Stadthistorisches Museums Duisburg (KSM), am Sonntag, 20. März, um 15 Uhr. Alle Führungen sind im Museumseintritt inklusive. Details zum Rahmenprogramm zu den Ausstellungen sowie zum museumspädagogischen Angebot gibt es hier. Tagesaktuelle Informationen zu den Corona-Regeln auf gibt es auf der Website.

 
Die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen ist eines der 21 RuhrKunstMuseen. Sie befindet sich an der Konrad-Adenauer-Allee 46 in 46049 Oberhausen. Anfahrt am besten über die A42, Abfahrt Oberhausen-Zentrum. Weitere Infos: ludwiggalerie.de.

 
Impressionen aus der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl

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© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Bündnis verleiht Duisburger Preis für Toleranz und Zivilcourage 2022

Friedensaktivistin Inge Holzinger erhält Preis 2022 für ihr Lebenswerk
Von Petra Grünendahl

Laudator Dr. Klaus Hänsch. Foto: Petra Grünendahl.

Er selbst habe in frühester Jugend noch den zweiten Weltkrieg und seine Folgen erlebt und dies nie vergessen können, sagte Laudator Dr. Klaus Hänsch (*1938 in Schlesien). Das habe sein politisches Handeln geprägt, so der Europa-Parlamentarier (1979-2009) und Parlamentspräsident a. D., bei der Preisverleihung des Bündnisses für Toleranz und Zivilcourage.

Preisträgerin 2022 Inge Holzinger am Podium. Foto: Petra Grünendahl.

Preisträgerin 2022 ist die ehemalige Lehrerin Inge Holzinger (89), die für ihr Lebenswerk geehrt wird: Auch sie engagiert sich aus ihrer eigenen Erfahrung von Krieg, Vertreibung und Flucht seit vielen Jahrzehnten als Friedensaktivistin unter anderem beim Friedensforum Duisburg. Wichtig waren ihr – auch als Lehrerin – die Aufklärung über Kriege, ihre Ursachen und Folgen – und das Engagement für deren Verhinderung. Menschen zusammenbringen, um ihnen Lebensperspektiven zu eröffnen, treibt sie bis heute an. Selbst in ihrem hohen Alter ist sie eine aktive Antifaschistin und Stimme für Toleranz und Zivilcourage, die das politische Geschehen immer noch aufmerksam und kritisch beobachtet.

 

Zwei Jahrgänge von Preisträgern des Bündnisses für Toleranz und Zivilcourage (v. l.): Angelika Wagner (DGB), Jannik Neuhaus (Jusos), Rabbiner David Geballe, Jülide Celenk (Jusos), Frank Börner MdL, Preisträgerin Inge Holzinger vor ihrem Laudator Dr. Klaus Hänsch, Bündnis-Sprecher Rainer Bischoff, BDKJ-Geschäftsführer Henning Gerlach, Simon Lenz und Florence Mankenda (beide BDKJ). Foto: Petra Grünendahl.

Traditionell fand die Verleihung des Preises für Toleranz und Zivilcourage am Holocaust-Gedenktag (27. Januar) im Gemeindesaal der Jüdischen Gemeinde Duisburg Mülheim Oberhausen im Innenhafen statt. „An einem Tag, an dem überall der Opfer gedacht wird, schauen wir hier mit der Auszeichnung für Engagement auch optimistisch in die Zukunft“, hob Bündnis-Sprecher Rainer Bischoff den besonderen Charakter dieser Preisverleihung hervor. Er bedauerte, dass man nicht jeden mit diesem Preis ehren könne, der es verdient habe. „Wir freuen uns immer über sehr viele sehr gute Vorschläge“, erklärte Angelika Wagner, und: „Es ist gut zu wissen, dass es hier viele Menschen gibt, die nicht wegschauen und abwarten, sondern selber etwas tun!“ Die Ausschreibung des Preises im Herbst eines jeden Jahres ist immer mit einem Schwerpunkt-Thema verbunden, aus dem die vorgeschlagenen Personen mit ihren Tätigkeiten stammen sollten. Musikalisch begleitet hat diese Veranstaltung das Duo Charme mit Mariia Kostina (Querflöte) und Oksana Shnit (Klavier), die eine gelungene Auswahl an Werken von Haydn, Beethoven und Schubert zum Besten gaben.

 

 
Preisträger für 2021

Das Bündnis für Toleranz und ZIvilcourage übergibt die Preise. Foto: Petra Grünendahl.

Im vergangenen Jahr, als der öffentliche Preisverleihung zum Bedauern aller Beteiligten wegen Corona ausfallen musste, hatte das Bündnis nach Menschen gesucht, die sich in Zeiten der Pandemie für hilfsbedürftige Menschen eingesetzt hatten. Stellvertretend für so viele (auch unbekannte) Duisburger „Alltagshelden“ hatte das Bündnis hier zwei Jugendorganisationen geehrt: Preisträger waren der Duisburger Stadtverband des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) sowie der Duisburger Stadtverband der Jungsozialisten (Jusos). „Diese Generationen übergreifenden und Nachbarschaften verbindenden Hilfsangebote sind für den Zusammenhalt unserer Stadtgesellschaft von großer Bedeutung“, lobte der damalige Bündnis-Sprecher und ehemalige Superintendent des Kirchenkreises Duisburg Armin Schneider diese gelebte Solidarität. Hier zeige sich einmal mehr, dass „wir in Duisburg ganz unabhängig von Alter, Gesundheit, Nationalität und religiöser Herkunft zusammen stehen“, hatte auch Oberbürgermeister Sören Link, als OB Schirmherr des Bündnisses, die Preisträger gewürdigt.

 

 
Duisburger Bündnis für Toleranz und Zivilcourage

Bündnis für Toleranz und Zivilcourage: Logo.

Das Bündnis für Toleranz & Zivilcourage ist ein Zusammenschluss zivilgesellschaftlicher Organisationen und Einrichtungen aus Duisburg. Es setzt sich ein für eine lebendige Kultur der Erinnerung und engagiert sich für ein gutes, von Toleranz und Respekt geprägtes Zusammenleben in unserer multikulturellen und multireligiösen Stadtgesellschaft.

Das Bündnis wurde im Jahr 2000 nach dem Anschlag auf die Düsseldorfer Synagoge gegründet. Getragen von dem Gefühl „Wir müssen etwas tun“, rief man damals für den 27. Januar — dem Auschwitz-Gedenktag — zu einer Menschenkette rund um die Duisburger Synagoge auf, an der sich spontan viele Duisburger Bürger beteiligten. Mit diesem symbolischen „menschlichen Schutzwall“ wurde ein eindrucksvolles Zeichen dafür gesetzt, dass in Duisburg für Antisemitismus kein Platz ist.

Seither verleiht das Bündnis jährlich zum Holocaust-Gedenktag seinen „Preis für Toleranz und Zivilcourage“ an Duisburger Gruppen und Einzelpersonen für deren engagiertes Eintreten gegen Hass, Fremdenfeindlichkeit und religiösen Fanatismus. Außerdem hat sich das Bündnis auch immer wieder an Aktionen gegen rechte Kräfte beteiligt, die in unserer Stadt Fuß fassen wollen.
www.toleranz-zivilcourage-duisburg.de

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Ludwiggalerie Schloss Oberhausen zeigt Rudolf Holtappel und Walter Kurowski

Ruhrgebietschronist trifft Kulturlegende: Eine foto_grafische Begegnung
Von Petra Grünendahl

Stellten die neue Ausstellung vor (v. l.): kuratorinnen Kerrin Postert und Miriam Hüning mit Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt. Foto: Petra Grünendahl.

„Wir freuen uns, unsere beiden Künstler hier zusammen präsentieren zu können“, erklärte Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt. Die beiden Oberhausener Künstler haben viele Berührungspunkte:

Krupp-Arbeitskampf Rheinhausen: Walter Kurowski in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Rauchende Schlote und Industriewüsten, streikende Arbeiter – zahlreiche Themen des Ruhrgebiets finden und begegnen sich in der Fotografie von Rudolf Holtappel (1923–2013) und in der Malerei und Grafik von Walter Kurowski (1939–2017). Diese werden hier in der Ausstellung teilweise gegenübergestellt in ihren unterschiedlichen Stilen: Die Fotografien scheinbar objektiv, die Illustrationen und speziell die Karikaturen sehr politisch. „Ich finde, sie ergänzen sich“, so Vogt. Was besonders dort deutlich wird, wo ein Werk des einen in der Monografie des anderen hängt. Obwohl beide in Oberhausen lebten, blickten sie auch immer wieder künstlerisch zum südwestlichen Nachbarn nach Duisburg.

 

Ruhrgebietschronist trifft Kulturlegende in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen präsentiert Fotografien des Oberhausener „Ruhrgebietschronisten“ Rudolf Holtappel zusammen mit Malerei, Plakaten, Illustrationen und Karikaturen des Oberhausener Zeichners Walter Kurowski. Die Direktorin der Ludwiggalerie stellte die Sonderausstellung gemeinsam mit den Kuratorinnen Miriam Hüning (Holtappel) und Kerrin Postert (Kurowski) im Pressegespräch vor. Die Kuratorinnen haben als wissenschaftliche Mitarbeiterinnen die beiden künstlerischen Nachlässe, die seit 2017 die Sammlung der Ludwiggalerie bereichern, aufgearbeitet und erschlossen.

Arbeiter: Ruhrgebietschronist Rudolf Holtappel in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Sie wurden retrospektiv bereits einzeln präsentiert und stehen sich nun erstmalig in einer gemeinsamen Ausstellung direkt gegenüber. In eigenen monografischen Räumen werden zusätzlich die zentralen Themenschwerpunkte der beiden Künstler gezeigt. Die gesamte künstlerische Breite Rudolf Holtappels wird durch die Motive der Warenhausfotografie, Theateraufnahmen und Industriekulissen präsentiert. Malerei, Plakate, Karikaturen und Zeichnungen demonstrieren die Vielfalt im Schaffen von Walter Kurowski. Die Ausstellung ist ab Sonntag, 23. Januar, für das Publikum geöffnet.

 

 
Echte Oberhausener Kulturschätze

Innenhafen: Ruhrgebietschronist Rudolf Holtappel in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Rudolf Holtappels Nachlass mit etwa 360.000 Negativen in Schwarz-Weiß und Farbe, mehr als 6.000 Fotoabzügen und über 600 Diapositivbögen wurde 2017 von der Stadt Oberhausen angekauft. Im gleichen Jahr wird der Nachlass Walter Kurowskis mit über 3.000 Werken erworben. Dank der Unterstützung des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) konnten die Nachlässe wissenschaftlich und konservatorisch aufgearbeitet werden. Die Ausstellung in der Ludwiggalerie würdigt mit über 250 fotografischen Arbeiten von Rudolf Holtappel und über 150 Exponaten von Walter Kurowski diese wichtigen Oberhausener Protagonisten. Kulturpartner ist WDR 3. Den Flyer zur Ausstellung gibt es hier zum Download.

 
Biografien und Kataloge zur Ausstellung

Ruhrgebietschronist Rudolf Holtappel in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Der Ruhrgebietschronist RUDOLF HOLTAPPEL (1923–2013), arbeitet nach seiner Meisterprüfung in der Fotografie 1950 als freier Bildjournalist und Fotograf. Der Wahl-Oberhausener prägt mit seiner Bildsprache jahrzehntelang das visuelle Erscheinungsbild des Warenhauskonzerns Karstadt (1964–1995) sowie zahlreicher Industrieunternehmen an Rhein und Ruhr, darunter Henkel (1974–2002). Seine Aufnahmen beeinflussen das Bild des Theater Oberhausens in der Ära Büch (1961–1970) und Ära Weise (1992–2003) sowie der Stadtbildbände namhafter Verlage (Carl Lange Verlag/Mercator-Verlag).

 

Die Kataloge zu Ruhrgebietschronist trifft Kulturlegende in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

RUDOLF HOLTAPPEL – Die Zukunft hat schon begonnen. Ruhrgebietschronist Theaterdokumentarist Warenhausfotograf. Eine fotografische Werkschau von 1950–2013; herausgegeben von Miriam Hüning und Christine Vogt, 2. Auflage, 272 Seiten, Verlag Kettler, 29,80 Euro (ISBN 978-3-86206-815-9). Diese Ausstellung hatten wir 2020 besucht: Unser Bericht.

 

Selbstportrait: Walter Kurowski in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

WALTER KUROWSKI (1939–2017) bewegt als Kulturlegende und einziger Oberhausener Stadtkünstler über 50 Jahre lang die künstlerische und musikalische Szene der Stadt und malt und zeichnet sich so in ihr Gedächtnis. Der prämierte Absolvent der Folkwangschule kämpft mit seiner Kunst als einer der deutschlandweit wichtigsten Karikaturisten in den 1970er und 1980er Jahren an der Seite der Arbeiter für Frieden und Gerechtigkeit und gegen Unterdrückung und Ausbeutung. Als Plakatgestalter erhält er jahrzehntelang Aufträge für Kulturveranstaltungen, politische Organisationen und Gewerkschaften.

 

Selbstportrait: Walter Kurowski in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

WALTER KUROWSKI – Künstler Karikaturist Kulturlegende. Eine Werkschau von 1956–2015; herausgegeben von Kerrin Postert und Christine Vogt, 160 Seiten, 29,80 Euro (ISBN 978-3-932236-45-7).

 

 
 
 
Impressionen aus der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl

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Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen

Plaket der BI gegen den Abriss der Rheinpreußensiedlung: Walter Kurowski in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Die Sonderausstellung im Großen Schloss läuft bis zum 8. Mai 2022. Das Museum ist geöffnet von Dienstag bis Sonntag zwischen 11 und 18 Uhr. Montags ist Ruhetag, feiertags sowie Oster- und Pfingstmontag ist jedoch geöffnet. Geschlossen ist am 24., 25. und 31. Dezember sowie 1. Januar. Der Eintritt kostet 8,00 Euro (ermäßigt 4,00 Euro, Familien mit zwei Erwachsenen plus Kindern 12,00 Euro). Außerdem gibt es ein Kombiticket mit dem Gasometer Oberhausen für 14,00 Euro.