Nichtzulassung der Klage im Loveparade-Strafprozess: Erklärung des Langerichtspräsidenten Ulf-Thomas Bender

Ulf-Thomas Bender, Präsident des Landgerichts Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Ulf-Thomas Bender, Präsident des Landgerichts Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Die im Rahmen der Pressekonferenz abgegebene Erklärung des Landgerichtspräsidenten Ulf-Thomas Bender zum Nichteröffnungsbeschluss der 5. Großen Strafkammer im Loveparade-Strafverfahren lautet auszugsweise wie folgt:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

auch ich begrüße Sie zu der heutigen Pressekonferenz.

Die 5. Große Strafkammer des Landgerichts Duisburg hat mit dem heute Morgen bekannt gegebenen Beschluss entschieden, im Loveparade-Strafverfahren das Hauptverfahren nicht zu eröffnen. Die mit der Anklageschrift angeschuldigten Personen sind nach Auffassung der Strafkammer einer Straftat nicht hinreichend verdächtig. Das bedeutet, dass es keine öffentliche Hauptverhandlung geben wird.
Mich bewegt Folgendes:

Am 24. Juli 2010 haben bei der Loveparade in Duisburg 21 junge Menschen ihr Leben verloren. Viele Menschen wurden verletzt und traumatisiert. Eltern haben ihre Kinder verloren. Diese Tragödie hat uns alle tief getroffen. Sie berührt uns alle, auch mich persönlich, und auch die mit der Sache befassten Richterinnen und Richter.

Und wir alle hegen die berechtigte und nachvollziehbare Erwartung, dass die Ursachen für diese Katastrophe aufgeklärt und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.
Der Beschluss der 5. Großen Strafkammer, das Hauptverfahren nicht zu eröffnen, kann diese Erwartung nicht erfüllen. Das bedarf einer Erklärung. Ich möchte Ihnen daher die wesentlichen Gründe für diesen Beschluss erläutern.

Die 5. Große Strafkammer hat den gesetzlichen Auftrag, vor der Eröffnung des Hauptverfahrens zu prüfen, ob die mit der Anklage angeschuldigten Personen einer Straftat hinreichend verdächtig sind. Einer Straftat hinreichend verdächtig ist jemand dann, wenn eine überwiegende Wahrscheinlichkeit dafür besteht, dass er in einer nachfolgenden Hauptverhandlung auch verurteilt werden wird. Denn nur in diesem Fall darf überhaupt eine Hauptverhandlung durchgeführt werden.

Dabei geht es ausschließlich um die Feststellung individueller strafrechtlicher Schuld der Angeschuldigten. Es geht nicht um die Feststellung sonstiger Versäumnisse oder Fehler oder um eine allgemeine Aufklärung des Geschehens. Das kann und darf nicht Gegenstand eines Strafverfahrens sein.
Grundlage der Entscheidung ist der in der Anklageschrift vorgetragene Sachverhalt einschließlich der dort angebotenen Beweismittel. Die Bewertung dieses Sachverhalts und der Beweismittel durch die Strafkammer hat ergeben, dass eine individuelle strafrechtliche Verantwortlichkeit der angeschuldigten Personen nicht festgestellt werden kann.

Die Kammer hat sich ihre Entscheidung nicht leicht gemacht. Sie hat sich die erforderliche Zeit genommen, um das sehr umfangreiche Material besonders sorgfältig zu prüfen. Sie hat versucht, durch ergänzende Fragen an den Sachverständigen den Sachverhalt weiter aufzuklären. Sie hat allen Verfahrensbeteiligten die erforderliche Zeit gegeben, ihren Anspruch auf rechtliches Gehör wahrzunehmen. Schließlich hat die Kammer ihre Entscheidung sehr ausführlich begründet. Der Beschluss umfasst 460 Seiten.

Es würde den Rahmen dieser Pressekonferenz sprengen, die Gründe des Beschlusses hier im Einzelnen darzulegen. Ich werde jedoch versuchen, die wesentlichen Erwägungen der Kammer kurz darzustellen:
 
[Es folgen inhaltliche Ausführungen zum Beschluss der Kammer. Diese gleichen den Ausführungen in der Presseerklärung des Gerichts von heute, die über die Internetseite des Gerichts abrufbar ist.]
 
Erlauben Sie mir zum Abschluss zwei Hinweise zum Verfahren:

Die Richter der 5. Großen Strafkammer sind in ihrer Entscheidung frei und nur dem Gesetz unterworfen. Sie unterliegen damit keiner Einflussnahme von außen. Sie dürfen sich somit auch nicht von Emotionen der Betroffenen oder Erwartungen der Öffentlichkeit leiten lassen.
Der Beschluss der 5. Großen Strafkammer ist nicht rechtskräftig. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Nebenkläger können den Beschluss mit der sofortigen Beschwerde anfechten. Die Beschwerdefrist beträgt eine Woche und beginnt mit der Zustellung der Entscheidung. Über die Beschwerde entscheidet ein Strafsenat des Oberlandesgerichts Düsseldorf.

Vielen Dank“

– Presseinformation des Landgerichts Duisburg –

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Loveparade-Strafprozess – Anklage nicht zugelassen: Stellungnahme von Oberbürgermeister Sören Link

Oberbürgermeister Sören Link. Foto: Petra Grünendahl.

Oberbürgermeister Sören Link. Foto: Petra Grünendahl.

„Fünf Staatsanwälte und fast Hundert Polizisten haben in den letzten Jahren zur Loveparade-Katastrophe ermittelt. Die Hauptakte umfasste mehr als 44000 Seiten, über 3400 Zeugen wurden vernommen. Trotz dieser kaum vorstellbaren Datenflut konnte im strafrechtlichen Sinne kein Schuldiger gefunden werden.

Das Gericht führte heute aus, dass vor allem das Gutachten des Panikforschers Keith Still nicht verwertbar sei, da es, ich zitiere, „an gravierenden methodischen und inhaltlichen Mängeln“ leide. Die Vorwürfe der Anklage können mit den vorgelegten Beweismitteln nicht bewiesen werden, weswegen eine Verurteilung nicht zu erwarten sei.

Ich bin kein Jurist und kann deswegen keine fachliche Einschätzung abgeben. Ich bin sicher, es wird in den nächsten Tagen viele geben, die die Begründung des Gerichts fundiert bewerten können. Aber ich bin ein Mensch. Ein Mensch, der Familie hat, eine Frau, Freunde, Menschen die ich liebe, die mein Leben bereichern – ja ausmachen.

Und als solcher leide ich heute mit den Angehörigen, mit den Eltern, Partnern, mit den Freundinnen und Freunden, mit den vielen Verletzten und Traumatisierten, mit den Menschen, für die die Loveparade eine Zäsur in ihrem Leben darstellt, von der sich viele bis heute nicht erholt haben.

Sie alle werden heute schwer tragen an der Entscheidung des Gerichts. Sie werden schwer daran tragen, dass es auf die Frage, wer die Schuld an dieser Katastrophe trägt, auch nach über fünf Jahren keine eindeutige Antwort gibt.

Wer seinen Sohn, seine Tochter, sein Liebstes verloren hat, der fragt nicht nach Verfahrensfehlern oder danach, warum ein Gutachten verwertbar ist oder nicht. Der darf Unverständnis äußern, dass es mehr als ein halbes Jahrzehnt brauchte, um diese Katastrophe aufzuarbeiten, ohne dass am Ende jemand strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden konnte.

Ich weiß allerdings auch, dass viele Betroffene schon lange davon ausgingen, dass die juristische Aufarbeitung ihnen keinen Frieden bringen wird. Für viele war es ein Schlag ins Gesicht, dass die damalige Stadtspitze und der Geschäftsführer des Veranstalters nicht auf der Liste der Beschuldigten standen. So ist der heutige Tag für viele eine weitere Enttäuschung.

– Pressemeldung der Stadt Duisburg / Referat für Kommunikation –
Foto: Petra Grünendahl

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Bankrotterklärung der Justiz: Landgericht Duisburg stellt Strafprozess gegen Loveparade-Verantwortliche ein

Gericht sieht keinen hinreichenden Tatverdacht

Prof. Dr. Julius Reiter (l.) und Gerhart Baum, Bundesinnenminister a. D. Foto: Anke Jacobs.

Prof. Dr. Julius Reiter (l.) und Gerhart Baum, Bundesinnenminister a. D. Foto: Anke Jacobs.

Die Kanzlei baum reiter & collegen, die zahlreiche Loveparade-Opfer vertritt, wägt weitere Schritte ab. Die Sozietätspartner Gerhart Baum und Prof. Dr. Julius Reiter sehen nun die Staatsanwaltschaft sowie die Landesregierung in der Verantwortung.

Erneute Schlappe für die Loveparade-Opfer: Das Landgericht Duisburg stellt das Hauptverfahren gegen die Verantwortlichen der Loveparade-Katastrophe ein, bei der 21 Menschen ums Leben kamen sowie Hunderte verletzt und traumatisiert wurden. Die Richter begründen ihren Beschluss mit dem fehlenden Tatverdacht aus tatsächlichen Gründen. Es lägen nicht genug Beweise gegen die Angeschuldigten vor. Die Kanzlei baum reiter & collegen, die eine Vielzahl an Nebenklägern vertritt, zweifelt die Gründlichkeit des Beschlusses an und wägt weitere juristische Schritte ab.

„Die Nichtzulassung der Anklage nach rund sechs Jahren Ermittlungen ist eine Bankrotterklärung der Justiz. Die Beweislage hätte eine strafrechtliche Klärung dringend erfordert“, erklärt Gerhart Baum, Bundesinnenminister a. D. und Partner der Kanzlei baum reiter & collegen. Es handelt sich um einen Sachverhalt, bei dem man nach den äußeren Umständen von Anfang an diese Katastrophe befürchten musste. Den Betroffenen fehlt jegliches Verständnis dafür, dass eine strafrechtliche Klärung nun nicht erfolgen soll. Sie haben einen Anspruch darauf auch im Andenken an ihre Toten, dass die Sache jetzt nicht zu den Akten gelegt wird. „Wir sehen uns außerstande, den Opfern zu erklären, dass das Fehlverhalten einiger nun weder aufgeklärt noch gesühnt wird.“, erklärt Prof. Dr. Julius Reiter, Partner der Kanzlei baum reiter & collegen, „Durch die Entscheidung des Landgerichts ist auch die Abwicklung der Entschädigungen erheblich erschwert worden. Die Betroffenen sind jetzt auf langwierige Verfahren vor den Zivilgerichten angewiesen. Es ist zu befürchten, dass dadurch auch die Behandlung langdauernder seelischer Schädigungen gefährdet ist“.

Nun gilt es abzuwarten, wie die Staatsanwaltschaft auf den Beschluss reagiert. Die Nebenklägervertreter prüfen nun sämtliche Rechtsmittel. „Wir erwarten, dass die Staatsanwaltschaft sofortige Beschwerde einlegt“, so Reiter. Abzuwägen gilt, inwieweit eine Beschwerde als Nebenkläger erfolgversprechend ist. Baum appelliert an das Land NRW: „Es ist jetzt auch Sache der Landesregierung, die durch sofortige Hilfe nach der Katastrophe ihre Verantwortung unter Beweis gestellt hat, zu erklären, wie sie sich eine Aufklärung vorstellt. Wir wiederholen unsere Forderung für die Einrichtung einer Opferstiftung. Der Landtag sollte erwägen, zumindest das Organisationsverschulden unabhängig von der strafrechtlichen Aufarbeitung in einem Untersuchungsausschuss zu klären.“

– Pressemeldung der Rechtsanwaltskanzlei baum reiter & collegen –
Foto: Anke Jacobs

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Stiftung Duisburg 24.7.2010 zur Bekanntgabe der Nichtzulassung des Prozesses

stiftung-duisburg-24-07-2010„Die Nachricht über die Entscheidung des Duisburger Landgerichts, die Loveparade-Anklage nicht zuzulassen, hat bei Hinterbliebenen und Betroffenen Bestürzung und Fassungslosigkeit ausgelöst. Sie hatten sich von einem Prozess die Antwort auf die Frage erhofft, wer die Verantwortung für Tod von 21 jungen Menschen und die über 500 Verletzten und Traumatisierten trägt.

Die „Stiftung Duisburg 24.7.2010″ sieht nun ihre wichtigste Aufgabe darin, den Hinterbliebenen und Betroffenen zu helfen, diesen Schock zu verarbeiten. In Gesprächen mit ihnen ist immer deutlich geworden, wie wichtig es für sie ist, dass die Ursachen der Katastrophe von einem Gericht aufgeklärt und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Dass dies nun trotz jahrelanger Ermittlungen einer Sonderkommission der Polizei und der Duisburger Staatsanwaltschaft sowie der Einschaltung eines international anerkannten Gutachters nicht geschehen soll, macht die Hinterbliebenen und Betroffenen fassungslos.“

– Pressemeldung der Stiftung Duisburg 24.7.2010 –

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Loveparade-Verfahren: Sofortige Beschwerde der Staatsanwaltschaft

staatsanwaltschaftDie Entscheidung des Landgerichts Duisburg, das Hauptverfahren nicht zu eröffnen, ist aus Sicht der Staatsanwaltschaft nicht nachvollziehbar und rechtsfehlerhaft. Gegen den Beschluss der Strafkammer hat die Staatsanwaltschaft daher umgehend sofortige Beschwerde eingelegt.

Mit Akribie und großem Fleiß hat sich die Kammer nach mehr als zweijähriger Prüfung erkennbar bemüht, im Zwischenverfahren die von der Staatsanwaltschaft zusammengetragenen Beweismittel umfassend abschließend zu würdigen und auf dieser Grundlage einen Nichteröffnungsbeschluss gefasst, ohne dass sich die Öffentlichkeit einen Eindruck sowohl von der Validität der Beweismittel als auch dem Willensbildungsprozess der Kammer verschaffen konnte. Nach der Auffassung der Staatsanwaltschaft hat die Kammer die Funktion des Zwischenverfahrens überdehnt und den Amtsermittlungsgrundsatz, der für sie gleichermaßen wie für die Staatsanwaltschaft gilt, nicht in genügender Weise beachtet.

Der Beschluss der Strafkammer ist – jedenfalls überwiegend – mit Bedenken gegen den Sachverständigen Prof. Dr. Still und sein Gutachten begründet. Die Zurückweisung des Gutachters und seiner Ergebnisse ist indes nicht gerechtfertigt. Gerade auch angesichts der Vielzahl an Beweismitteln, die die Staatsanwaltschaft für die von ihr erhobenen Tatvorwürfe – neben dem Gutachten des Sachverständigen – benannt hat, hätte sich die Strafkammer aufgrund des Amtsermittlungsgrundsatzes zudem veranlasst sehen müssen, einen zweiten Gutachter zu beauftragen. Die Beauftragung von Gutachtern durch das Gericht im Stadium des Zwischenverfahrens ist gängige Praxis. Es entspricht zudem der üblichen Verfahrensweise, die Staatsanwaltschaft und die übrigen Verfahrensbeteiligten (frühzeitig) auf etwaige Bedenken hinzuweisen und der Staatsanwaltschaft Gelegenheit zu geben, die für erforderlich erachteten ergänzenden Ermittlungen nachzuholen.

Prof. Dr. Still ist ein international anerkannter renommierter Experte, an dessen Sachkunde und Unabhängigkeit keine Zweifel bestehen. Er hat nachvollziehbar und im Kern unverändert dargelegt, dass bei der Planung und Genehmigung der maximal möglichen Durchflusskapazität des zum Veranstaltungsgeländes führenden Tunnels – 82 Personen pro Meter pro Minute – keinerlei Beachtung geschenkt und dadurch das tragische Geschehen herbeigeführt worden ist.

Die gegen diese Bewertung seitens der Strafkammer erhobenen Bedenken teilt die Staatsanwaltschaft nicht, auch weil es sich bei der maximalen Durchflusskapazität um einen wissenschaftlich anerkannten Erfahrungswert handelt. Dieser muss als allgemeingültiger Wert angesehen werden, für den es einer sachverständigen Feststellung im Einzelfall nicht bedarf.

Die Ablehnung des Sachverständigen als befangen entbehrt aus Sicht der Staatsanwaltschaft der Grundlage; sie wäre nur möglich, wenn der Sachverständige durch mündliche oder schriftliche Äußerungen den Eindruck einer Voreingenommenheit hervorgerufen hätte. Dies ist auch unter Berücksichtigung der von der Strafkammer aufgeführten Umstände nicht der Fall.

Den von der Staatsanwaltschaft festgestellten Zeitpunkt der „Unumkehrbarkeit des Geschehens“, den die Strafkammer als nicht belegt ansieht, hat die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage, gestützt auf zahlreiche Beweismittel, wie etwa Videoaufnahmen, Zeugenaussagen, aber auch Feststellungen des Sachverständigen Prof. Dr. Still, sehr sorgfältig begründet. Die Zweifel des Landgerichts sind – auch unter Berücksichtigung der insoweit von der Strafkammer angeführten Gründe – nicht nachvollziehbar. Die in diesem Zusammenhang von der Strafkammer
angesprochen Alternativursachen sind – weder für sich genommen noch insgesamt – ursächlich für das tragische Geschehen geworden.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass das Oberlandesgericht Düsseldorf als zuständiges Beschwerdegericht den Beschluss des Landgerichts aufheben und die Durchführung des Hauptverfahrens anordnen wird. Nur dadurch wird – auch im Interesse der zahlreichen Opfer und ihrer Angehörigen – die gebotene weitere Aufklärung der Ereignisse in öffentlicher Hauptverhandlung sichergestellt.

– Pressemeldung der Staatsanwaltschaft Duisburg –

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Loveparade-Strafverfahren: Landgericht Duisburg lässt Anklage nicht zu

justiz_rgbDie 5. Große Strafkammer des Landgerichts Duisburg hat die Anklage im Loveparade-Strafverfahren nicht zugelassen. Die Eröffnung des Hauptverfahrens wurde abgelehnt. Der Beschluss wurde am 30.03.2016 gefasst und heute den Verfahrensbeteiligten bekannt gegebenen. Danach wird es keine Hauptverhandlung gegen die zehn angeschuldigten Personen geben.

Das Gericht hat die gesetzliche Aufgabe, die mit der Anklage erhobenen Vorwürfe zunächst daraufhin zu prüfen, ob eine Hauptverhandlung mit hinreichender Wahrscheinlichkeit zu einer Verurteilung der Angeschuldigten führt. Nur dann darf eine solche Hauptverhandlung durchgeführt werden. Die eingehende Prüfung der Anklagevorwürfe und der hierzu vorgelegten Beweismittel durch die 5. Große Strafkammer des Landgerichts Duisburg hat ergeben, dass kein hinreichender Tatverdacht besteht. Die Vorwürfe der Anklage können mit den vorgelegten Beweismitteln nicht bewiesen werden. Eine Verurteilung der Angeklagten ist deshalb nicht zu erwarten. Das hat die Kammer in ihrem 460 Seiten umfassenden Beschluss im Einzelnen dargelegt.

Das wesentliche Beweismittel, auf dem die Anklage beruht, ist das Gutachten des Sachverständigen Prof. Dr. Still. Dieses Gutachten ist nach Auffassung der Kammer jedoch nicht verwertbar. So leide es an gravierenden inhaltlichen und methodischen Mängeln (dazu sogleich unter 1.). Aufgrund des Gutachtens lasse sich daher nicht beantworten, aus welchen Gründen es zu den tragischen Ereignissen anlässlich der Loveparade im Jahre 2010 kommen konnte. Darüber hinaus bestehe gegen den Gutachter die Besorgnis der Befangenheit (dazu unter 2.). Zudem seien die Ausführungen der Anklage zur Frage der Kausalität von Planungs- und Genehmigungsfehlern für das Unglück nicht belegt (dazu unter 3.). Andere tragfähige Beweismittel, die den Anklagevorwurf stützen könnten, stünden dem Gericht aber nicht zur Verfügung. Insbesondere sei dem Gericht die Einholung eines neuen Gutachtens im Zwischenverfahren von Gesetzes wegen untersagt. Zwar dürfe das Gericht einzelne Beweiserhebungen auch im Zwischenverfahren anordnen, es könne aber nicht das zentrale Beweismittel durch ein neues ersetzen. Dementsprechend habe die Kammer 75 Fragen an den Gutachter gestellt, die aber weder zu einer abschließenden Klärung der offenen Fragen noch zu einer Behebung der grundlegenden Mängel führten.

Zu den tragenden Gründen ihrer Entscheidung führt die Kammer im Einzelnen aus:

  1. Inhaltliche und methodische Mängel des Gutachtens

Das Gutachten von Prof. Dr. Still leidet an schwerwiegenden methodischen und inhaltlichen Mängeln, die dazu führen, dass die grundsätzlichen Fragen zu den Ursachen des Loveparade-Unglücks nicht beantwortet werden.

  • Der Gutachter hat lediglich eine „erste grobe Risikoanalyse“ aus Sicht eines Planers vor Beginn der Veranstaltung Damit kann der erforderliche Nachweis, dass Fehler in der Planung oder Genehmigung die Todesfälle und Verletzungen verursacht hätten (Kausalitätsbeweis), nicht geführt werden.
  • Dr. Still hat in unzulässiger Weise die Auswahl der Tatsachen, auf denen sein Gutachten aufbaut, auf örtliche Gegebenheiten beschränkt. Sämtliche andere mögliche Unglücksursachen, insbesondere Handlungen der die Veranstaltung vor Ort begleitenden Personen, hat er hingegen nicht berücksichtigt.
  • Dr. Still legt seinen Berechnungen Planzahlen des Veranstalters zu den Besucherströmen zugrunde. Von diesen Planzahlen behauptet er zwar, sie seien manipuliert, verwendet sie aber gleichwohl im Rahmen seines Gutachtens.
  • Die von Dr. Still zugrunde gelegten Teilnehmerzahlen konnte er trotz mehrfacher Nachfrage der Kammer nicht schlüssig begründen. Z. B. beruft er sich zur Begründung der von ihm angenommenen Teilnehmerzahlen auf Schätzungen allein der Transportkapazitäten des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr. Damit bleibt ungeklärt, wie viele Besucher tatsächlich auf das Gelände gelangt sind. Daher steht auch nicht fest, dass sich eine – unterstellt – fehlerhafte Berechnung der Besucherströme durch die Angeschuldigten im konkreten Unglück ausgewirkt hat.
  • Darüber hinaus ist das Gutachten an zentralen Punkten in sich widersprüchlich. Dr. Still geht einerseits davon aus, dass wegen der dem Unglücksort vorgelagerten Vereinzelungsanlagen maximal ca. 44.000 Personen pro Stunde von außen auf das Gelände gelangen konnten. Andererseits leitet er seinen Rückschluss auf eine fehlerhafte Planung unter anderem aus der Annahme her, dass zwischen 55.000 und 90.000 Personen pro Stunde auf das Gelände gelangen sollten.
  • Dr. Still hat seine Pflicht zur persönlichen Erstattung des Gutachtens verletzt. Er hat die verfügbaren Unterlagen nie selber vollständig gesichtet, sondern die eigenständige Auswahl aller für das Gutachten verwendeten Dokumente zwei Mitarbeiterinnen übertragen. Diese Auswahl konnte er mangels Kenntnis der deutschen Sprache nicht selbst prüfen.
  • Dr. Still hat zudem die Sorgfaltsmaßstäbe, die er den Angeschuldigten auferlegt hat, nicht nachvollziehbar begründet. Er hat sich mit den für Deutschland maßgeblichen Normen und Regeln, die für die Veranstaltungsplanung anzuwenden sind, nicht beschäftigt. Der vom Gutachter seiner Engstellenberechnung zugrunde gelegte maximale Personendurchfluss von 82 Personen pro Minute und Meter findet sich nicht in den maßgeblichen Normen. Er ist auch nicht allgemein als Stand der ordnungsgemäßen Veranstaltungsplanung anerkannt.
  • Dem Gutachten von Dr. Still liegt ein falscher Ursächlichkeitsbegriff zugrunde. Er vermengt die nach deutschem Recht zu unterscheidenden Kategorien der Kausalität einerseits und der Vorhersehbarkeit andererseits. Für eine Verurteilung ist aber nach deutschem Recht erforderlich, dass sich ein konkreter Planungs- oder Genehmigungsfehler eines Angeschuldigten in einer konkreten Verletzung auswirkt.
  1. Besorgnis der Befangenheit des Gutachters Dr. Still

Das Sachverständigengutachten von Prof. Dr. Still ist in einer Hauptverhandlung nicht verwertbar, weil Prof. Dr. Still als befangen abzulehnen wäre. Entsprechende Ablehnungsanträge sind schon im Zwischenverfahren angekündigt worden. Ein Befangenheitsgesuch ist schon dann erfolgreich, wenn ein Grund vorliegt, der geeignet ist, Misstrauen gegen die Unparteilichkeit eines Sachverständigen zu rechtfertigen. Es kommt dabei nicht darauf an, ob tatsächlich eine Befangenheit des Sachverständigen besteht. Derartige Gründe für eine im Rahmen einer etwaigen Hauptverhandlung erfolgreiche Ablehnung des Sachverständigen benennt die Kammer wie folgt:

  • Nachdem er das Gutachten vorgelegt hatte, hat sich Dr. Still in öffentlich gehaltenen Vorträgen, die auch über das Internet zugänglich waren, unsachlich zu dem Unglück geäußert. So hat er behauptet, dass die Daten für das Genehmigungsverfahren manipuliert gewesen seien, ohne dass er dies begründet oder belegt. Weiter hat er ausgeführt, dass von den Planern der Veranstaltung einfachste Gesetze der Mathematik, die sein Sohn im Alter von vier Jahren beherrscht hätte, nicht beachtet worden seien.
  • Ferner hat er sich in Vorträgen und einem Fachbuch nach Vorlage des Gutachtens auf bestimmte Unglücksursachen und Ergebnisse Insbesondere hat er Fehler in Planung, Genehmigung und Durchführung der Veranstaltung als sicher unterstellt, ohne alternative Unglücksursachen in Betracht zu ziehen. Ein Abrücken von diesen öffentlich mehrfach verbreiteten Behauptungen in einer Hauptverhandlung könnte für Prof. Dr. Still mit einem erheblichen beruflichen Ansehensverlust verbunden sein.
  • Auch habe Dr. Still sich selbst nicht als unabhängigen, nicht weisungsgebundenen Gutachter angesehen, sondern als von einem Sicherheitsunternehmen und einer englischen Universität beauftragt betrachtet. Diese haben die Vorgehensweise bei der Gutachtenerstellung zumindest teilweise mitbestimmt. Zudem hat er die Prüfung seines Gutachtens im Interesse der Haftpflichtversicherung seiner Arbeitgeber für erforderlich gehalten und eine entsprechende Überprüfung durchführen lassen.
  1. Keine Unumkehrbarkeit des Geschehens

Die Kammer bezweifelt die der Anklage zugrunde liegenden Kausalitätserwägungen:

  • Die Anklage geht davon aus, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt (15:30 Uhr 16:02 Uhr) die tragischen Ereignisse unumkehrbar gewesen seien, also unabhängig von weiteren Handlungen zum Unglück hätten führen müssen. Dabei beruft sie sich auf Angaben des Prof. Dr. Still. Dieser allerdings nimmt eine Unumkehrbarkeit des Geschehensverlaufs allenfalls zu deutlich späteren Zeitpunkten an. Für die Frage der Ursächlichkeit etwaiger Planungs- und Genehmigungsfehler für die Todesfälle und Verletzungen kommen auch aus diesem Grund noch mögliche andere Ursachen, insbesondere die später eingezogenen Polizeiketten, die unterlassene Schließung der Zugangssysteme und später entfernte Begrenzungszäune an den Einlassanlagen, in Betracht.

Gegen den Beschluss der Kammer können Staatsanwaltschaft und Nebenkläger binnen einer Woche sofortige Beschwerde einlegen. Über diese entscheidet das Oberlandesgericht Düsseldorf.

***

Auszüge der Entscheidung werden in Kürze auf der Internetseite des Gerichts veröffentlicht. Sobald eine vollständig anonymisierte Fassung vorliegt, soll die Entscheidung dort im Volltext veröffentlicht werden.

– Pressemitteilung des Landgerichts Duisburg –

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Marketing Club Duisburg-Niederrhein im Tectrum: Dietmar Bramsel über CSR-Zertifizierung

Unternehmerische Gesellschaftsverantwortung
als Marketing-Instrument?

Von Petra Grünendahl

Agenturchef Dietmar Bramsel gab gute Tipps, worauf es ankommt beim sozialen Engagement für Unternehmen. Foto: Petra Grünendahl.

Agenturchef Dietmar Bramsel gab gute Tipps, worauf es ankommt beim sozialen Engagement für Unternehmen. Foto: Petra Grünendahl.

„Ich dachte, wir würden wahrgenommen, als Bayer von seinen Lieferanten und Dienstleistern Nachweise über soziales Engagement verlangte“, erzählte Dietmar Bramsel, Geschäftsführer der Kommunikationsagentur Drei Elemente GmbH. „Wo stehen Sie mit Ihrem Engagement? Sind Sie sichtbar?“, fragte er weiter. „Stellen Sie sich vor, Sie handeln sozial verantwortlich und keiner merkt’s“, umriss er das Problem, vor dem er mit seiner Agentur stand. Nicht nur das soziale Engagement war gefragt, sondern auch der schlüssige und überprüfbare Nachweis. Bayer wollte zeigen: Wir arbeiten mit zertifizierten Dienstleistern zusammen. Das untermauert die eigene Glaubwürdigkeit. „Und jetzt werben sie mit uns“, so Bramsel.

Die Werte der Gesellschaft haben sich geändert und heute steht Nachhaltigkeit hoch im Kurs. Mit dem Wertewandel haben die Ansprüche geändert: die der Endverbraucher ebenso wie der Unternehmen, die ihren Kunden gegenüber gefordert sind, diese Nachhaltigkeit gegebenenfalls auch nachzuweisen. „Wir hatten das nötige Engagement – auch seitens unserer Mitarbeiter. Aber es wurde nicht wahrgenommen“, erklärte der Geschäftsführer der Drei Elemente GmbH, einer Kommunikationsagentur mit heute 22 Mitarbeitern, die Bramsel vor 16 Jahren gegründet hatte. Und er suchte ein „Dach“, unter dem er das soziale Engagement seines Unternehmens und seiner Mitarbeiter über eine CSR-Zertifizierung (Corporate Social Responsibility = Unternehmerische Gesellschaftsverantwortung) sichtbar machen konnte. Dieses fand er bei UN Global Compact (https://www.unglobalcompact.org/), einer der prominentesten Initiativen zur Förderung von verantwortungsvollen Unternehmenspraktiken, die weltweit unter dem Mantel der Vereinten Nationen (UN) tätig ist. Im Deutschen Netzwerk (https://www.globalcompact.de) sind rund 300 Unternehmen sowie 40 Organisationen aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft und dem öffentlichen Sektor versammelt.

CSR-Zertifizierung als unanhängige überprüfbare Instanz
Was gehört zur unternehmerischen Gesellschaftsverantwortung (CSR) dazu? Nachhaltigkeit in Sachen Ökologie, Ökonomie und Soziales! Umweltschutz muss man nicht weiter erklären. Zur ökonomischen Komponente zählt zum Beispiel auch die Fairness gegenüber seinen eigenen Lieferanten. Am breitesten gefächert ist „Soziales“: Das beginnt mit dem Umgang mit den eigenen Mitarbeitern, die mitzunehmen und zu fördern sind. Dann gehört dazu das soziale Engagement – das eigene und das der Mitarbeiter.

„Der spannendste Schritt ist, das nach außen zu transportieren“, meinte Dietmar Bramsel. Dieser Schritt hat nämlich Folgen über die Zertifizierung hinaus: Die Mitarbeiter identifizieren sich mit ihrem Unternehmen und tragen das Engagement nach außen. „Das ist alles nur möglich im Team: Es geht nur zusammen“, sagte der Agenturchef. Und dafür muss man seine Mitarbeiter „mitnehmen“. Gute Tipps für zielgerichtetes Soziales Engagement in Einklang mit den Unternehmenszielen hatte der Agenturchef für seine Zuhörer ebenfalls parat. Die Zertifizierung schaffe Vertrauen, aber – so Bramsel – 60 Prozent der mittelständischen Unternehmen hätten Angst vor dieser Transparenz.

“We are not asking corporations to do something different from their normal business; we are asking them to do their normal business differently.”
Kofi Annan,
ehemaliger Generalsekretär der Vereinten Nationen,
Initiator des UN Global Compact.

Was die CSR-Zertifizierung gebracht hat
Natürlich sei die Zertifizierung ein Riesenaufwand gewesen, so Bramsel. Sämtliche relevanten Bereiche müssen umfassend dokumentiert und nachgewiesen werden – zusätzlich zur täglich anfallenden Arbeit. Außerdem müsste weiterhin auch in der Folge nachgehalten werden, dass die Kriterien eingehalten werden. „Wir sind ein kleines Unternehmen: das machte es vielleicht einfacher. Es waren aber trotzdem drei Monate Arbeit, die sich aber gelohnt haben: Wir gehören zu den besten 9 Prozent“, verkündete Bramsel stolz. Die Zertifizierung kostete sein Unternehmen 2,5 Prozent vom Umsatz als Invest, die aber in der Folge 15 Prozent Umsatzsteigerung durch verbesserte Sichtbarkeit brachten. „Manch einen Kunden hätten wir ohne Zertifizierung nie bekommen.“ Dietmar Bramsels Fazit: „Es kostet Mühe und Geld, aber es hat sich gelohnt. Es macht Sinn, sein Profil zu schärfen!“

Andreas Ocklenburg (l.), geschäftsführender Vorstand des Marketing Clubs Duisburg-Niederrhein, hatte Dietmar Bramsel, Geschäftsführer der Kmmunikationsagentur Drei Elemente, gewonnen, den Marketing-Fachleuten von seinen Erfahrungen mit einer CSR-Zertifizierung zu berichten. Foto: Petra Grünendahl.

Andreas Ocklenburg (l.), geschäftsführender Vorstand des Marketing Clubs Duisburg-Niederrhein, hatte Dietmar Bramsel, Geschäftsführer der Kmmunikationsagentur Drei Elemente, gewonnen, den Marketing-Fachleuten von seinen Erfahrungen mit einer CSR-Zertifizierung zu berichten. Foto: Petra Grünendahl.

Der Marketing Club Duisburg-Niederrhein
Die regionale Berufsstandesorganisation wurde 2009 gegründet und ist als Mitglied im Deutschen Marketing Verband einer von 65 Clubs deutschlandweit. Der Marketing Club ist der Weiterbildung seiner Mitglieder ebenso verpflichtet wie der Schaffung einer Kommunikationsplattform. Fast jeden Monat trifft sich der Marketing Club Duisburg-Niederrhein zu überwiegend fachlich orientierten Besichtigungen oder Vorträgen in der ganzen Region. Informationen zu Themen, Veranstaltungen und Kontakten gibt es auf der Homepage des Clubs unter https://www.mc-duisburg.de. Wer im Marketing tätig ist und sich für eine Mitgliedschaft im Marketing Club interessiert, kann bei solchen Gelegenheiten erste Kontakte knüpfen: Netzwerken lässt sich im Anschluss an den fachlichen Teil nämlich ganz hervorragend. Und natürlich lassen sich die fachlichen Fragen mit den jeweiligen Referenten in Einzelgesprächen noch vertiefen.

© 2016 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Leitbildentwicklung in Duisburg im Bürgerdialog: „Ihre Ideen, unsere Stadt“

Duisburger sollen sich mit der Image-Kampagne identifizieren
Von Petra Grünendahl

Oberbürgermeister Sören Link. Foto: Petra Grünendahl.

Oberbürgermeister Sören Link. Foto: Petra Grünendahl.

„Unsere Stadt hat viele schöne Seiten, auf die wir stolz sein können“, erklärte Oberbürgermeister Sören Link. Für eine Image-Kampagne müssten diese Stärken in einem Leitbild herausgearbeitet werden. Zu den Kernfragen zähle auch: In welchen Bereichen kann die Stadt besser werden? Und: Kann man aus einzelnen Schwächen vielleicht sogar Stärken entwickeln? Was bewegt die Menschen und woran hängt ihr Herz? „Ich bin mit Leib und Seele Duisburger“, bekräftigte Link. „Viele Duisburger sind stolz auf ihre Stadt: Wir wollen dieses Gefühl kanalisieren.“ Denn: „Wir haben anscheinend Probleme, unsere Stärken ins rechte Licht zu rücken“, so der Oberbürgermeister.

Stellten die Ideenwerkstatt zur Leitbildentwicklung vor (v. l.): Peter Joppa, Sören Link, Birgit Nellen und Marco Pfotenhauer. Foto: Petra Grünendahl.

Stellten die Ideenwerkstatt zur Leitbildentwicklung vor (v. l.): Peter Joppa, Sören Link, Birgit Nellen und Marco Pfotenhauer. Foto: Petra Grünendahl.

Oberbürgermeister Sören Link und Peter Joppa, Geschäftsführer von Duisburg Kontor, stellten den Entwicklungsprozess vor, der den Grundstein dafür legen soll, was im kommenden Jahr als Image-Kampagne realisiert wird. Unterstützt wurden sie dabei von Birgit Nellen und Marco Pfotenhauer. Nellen verantwortet den Image- und Leitbildprozess als Leiterin der Stabstelle Strategisches Marketing. Pfotenhauer zeichnet als geschäftsführender Gesellschafter der in Duisburg ansässigen SanderWerbung für die Kampagne zur Leitbildentwicklung („Ideenwerkstatt: Ihre Ideen, unsere Stadt“) verantwortlich. „Wir wollen zeigen, wie gut man hier leben und arbeiten kann. Das wollen wir herausstellen“, umriss der Oberbürgermeister das Ziel einer Image-Kampagne. Duisburg sei eine Stadt mit vielen Angeboten – Sport, Freizeit, Kultur. „Es ist beeindruckend, wie viele Menschen diese Angebote nutzen.“ Neben den vielen Sportvereinen und Sportevents zählen wohl der Zoo Duisburg und der Landschaftspark Nord zu den Highlights.

Begeisterung der Menschen für ihre Stadt wecken

Stellten die Ideenwerkstatt zur Leitbildentwicklung vor (v. l.): Peter Joppa, Sören Link, Birgit Nellen und Marco Pfotenhauer. Foto: Petra Grünendahl.

Stellten die Ideenwerkstatt zur Leitbildentwicklung vor (v. l.): Peter Joppa, Sören Link, Birgit Nellen und Marco Pfotenhauer. Foto: Petra Grünendahl.

„Viele Menschen, die Duisburg nicht kennen, haben noch alte Klischees im Kopf: von schmutziger Industrie und schlechter Luft“, stellte Peter Joppa fest, und: „Menschen, die schon mal hier waren, tragen auch die Vorzüge nach außen.“ Das Image von Duisburg könne man aber nicht von außen ändern: „Das muss von innen heraus kommen.“ Von innen heraus heißt hier konkret: „Wir wollen uns auf den Weg machen und die Duisburger mitnehmen“, stellte Birgit Nellen den ersten Schritt vor, der schlussendlich in eine Image-Kampagne münden soll. Dafür wird es ein breit angelegter Prozess: „Wir gehen bewusst in die sieben Bezirke, weil wir deren Vielfalt einbinden wollen“, so Sören Link.

Oberbürgermeister Sören Link. Foto: Petra Grünendahl.

Oberbürgermeister Sören Link. Foto: Petra Grünendahl.

„Wir wollen herausarbeiten, was Leute sehen, die sich zu Duisburg bekennen. Und es gibt viele Leute, die Duisburg spannend finden.“ Duisburg muss sich besser positionieren: „Wir haben Einzigartiges, was wir herausstellen müssen.“ Ein erster Schritt sei, „die Begeisterung der Duisburger für unsere Stadt zu wecken“, um die Stärken zu ermitteln, die dann nach innen wie nach außen kommuniziert werden sollen. „Ihre Ideen, unsere Stadt“ als Leitmotiv bringt genau diese Intention auf den Punkt. Denn zunächst sollen Duisburger den Kern dessen miterarbeiten und mit gestalten, was die Kampagne im kommenden Jahr auch außerhalb unserer Stadtgrenzen vermitteln soll: Den Kern dessen, was unsere Stadt ausmacht, müssen die Duisburger erst einmal finden, selber verinnerlichen und nach außen tragen.

Konkurrenz zur geplanten Kampagne der Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr (wmr) sieht Sören Link nicht, eher eine Ergänzung: „Wir liegen an der Schnittstelle von Ruhrgebiet, Rheinland und Niederrhein. Wir haben verschiedene Lokalidentitäten in unserer Stadt.“ Und diese Vielfalt will der Oberbürgermeister für Duisburg herausgestellt sehen.

leitbild_ideen_plakatIdeen für Duisburg
Zur Leitbildentwicklung für eine Image-Kampagne wird ein Bürgerdialog gestartet, der mit dem Austausch von Ideen eine Basis für den weiteren Leitbildprozess erarbeiten soll. Zur Auftaktveranstaltung lädt die Stadt Duisburg
am Sonntag, 17. April, um 15 Uhr
in den kleinen Saal der Mercatorhalle.

An fünf Themenständen im Foyer können sich Bürger informieren und mit Fachleuten austauschen. Für eine Talkrunde mit Oberbürgermeister Sören Link haben Jutta Stolle (Haniel), Prof. Dr. Ulrich Radtke (Rektor der Universität Duisburg-Essen), Bülent Aksen (Fanbeauftragter beim Deutscher Fußball-Bund) und Ulrich Grillo (Unternehmer und Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie) zugesagt. Es moderiert die in Duisburg geborene Journalistin und Rundfunkmoderatorin Asli Sevindim. Kai Magnus Sting wird das Thema „Image“ als bekennender Duisburger kabarettistisch beleuchten. Den musikalischen Part übernehmen das Klangkraft Ensemble, die Band Gorilla Taxi und Trionova.

Stellten die Ideenwerkstatt zur Leitbildentwicklung vor (v. l.): Peter Joppa, Sören Link, Birgit Nellen und Marco Pfotenhauer. Foto: Petra Grünendahl.

Stellten die Ideenwerkstatt zur Leitbildentwicklung vor (v. l.): Peter Joppa, Sören Link, Birgit Nellen und Marco Pfotenhauer. Foto: Petra Grünendahl.

Nach der Auftaktveranstaltung wird es Ideenwerkstätten in allen sieben Bezirken geben. Gleichzeitig werden alle gesellschaftlich und wirtschaftlich relevanten Gruppen und Institutionen in den Dialogprozess eingebunden. Außerdem können Duisburger sich und ihre Ideen über Soziale Medien oder über die Webseite der Leitbildentwicklung unter https:// http://www.ideen-fuer-duisburg.de einbringen. Dort gibt es auch die Termine für die Ideenwerkstätten in den Bezirken, die zwischen Mai und Oktober stattfinden sollen. Aus dem so generierten Leitbild heraus wird dann eine Image-Kampagne entwickelt, die die Stadt im kommenden Jahr in Auftrag geben wird. Für den Prozess der Leitbildentwicklung hat der Stadtrat einen Kostenrahmen von 100.000 Euro für 2016 beschlossen.

© 2016 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Zoo Duisburg: Sibirische Tiger El-Roi und Dasha ziehen in neues naturnah gestaltetes Tigergehege

Neue Attraktion: Besucher bekommen
bessere Einblicke in naturnahe Tierhaltung

Von Petra Grünendahl

Eröffnung des Tigergeheges im Zoo Duisburg. Foto: Petra Grünendahl

Eröffnung des Tigergeheges im Zoo Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.


Künstliche Felsen, Bäume, ein „Fluss“ mit mehreren Wasserbecken – und das ganze auf einer Fläche, die drei Mal so groß ist wie zuvor. In dieser naturnah gestalteten Anlage finden die beiden sibirischen Tiger ihr neues Zuhause. Das zehnjährige Männchen El-Roi stammt aus München und lebt schon seit vielen Jahren im Zoo Duisburg. Seine neue Gefährtin Dasha stammt aus Dänemark und ist ihm vor einigen Wochen vom Zuchtbuchführer vermittelt worden. Gemeinsam sollen die beiden Vertreter einer gefährdeten Tierart – im Freiland leben weltweit nur noch 450 Sibirische Tiger – das Gehege auch mit neuem Leben füllen: Der Zoo hofft hier auf Nachwuchs: „Die Vergrößerung der Anlage ermöglicht eine noch bessere Haltung und Zucht der seltenen Tiere“, erklärte Zoo-Direktor Achim Winkler.

Eröffnung des Tigergeheges im Zoo Duisburg (v. l.) Stadtdirektor Reinhold Spaniel, Theo Pagel (DIrektor des Kölner Zoos), Oberbürgermeister Sören Link, Evonik-Vorstandsvorsitzender Dr. Klaus Engel, Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Joachim Bonn und Zoo-Direktor Achim Winkler. Foto: Petra Grünendahl.

Eröffnung des Tigergeheges im Zoo Duisburg (v. l.) Stadtdirektor Reinhold Spaniel, Theo Pagel (DIrektor des Kölner Zoos), Oberbürgermeister Sören Link, Evonik-Vorstandsvorsitzender Dr. Klaus Engel, Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Joachim Bonn und Zoo-Direktor Achim Winkler. Foto: Petra Grünendahl.

Eröffnung des Tigergeheges im Zoo Duisburg (v. l.): Dr. Joachim Bonn, Achim Winkler, Sören Link, Dr. Klaus Engel, Theo Pagel. Foto: Petra Grünendahl.

Eröffnung des Tigergeheges im Zoo Duisburg (v. l.): Dr. Joachim Bonn, Achim Winkler, Sören Link, Dr. Klaus Engel, Theo Pagel. Foto: Petra Grünendahl.

Nach einem knappen Jahr Bauzeit konnte Diplom-Biologe Winkler als „Chef des Hauses“ die neue Anlage eröffnen, die Evonik Industries mit fast 2 Mio. Euro gesponsert hatte. Zur Feierstunde waren Oberbürgermeister Sören Link – der Zoo Duisburg ist eine städtische Tochtergesellschaft –, Dr. Joachim Bonn (Aufsichtsratsvorsitzender des Zoo Duisburg), Dr. Klaus Engel (Vorstandsvorsitzender von Evonik) und Theo Pagel, Präsident des Verbandes der Zoologischen Gärten und Direktor des Kölner Zoos, erschienen. Im Anschluss wurde der Zugang zum Gehege auch für die Besucher des Zoos freigegeben. Das neue Tigergehege verfügt über zwei Außengehege, die voneinander getrennt werden können, um für den erhofften Jungtiger-Nachwuchs Konkurrenzkämpfe mit dem Vater auszuschließen. Der sibirische Tiger ist die größte Raubkatze, ein Männchen kann bis zu 300 Kilogramm schwer werden. Das rund 2.200 Quadratmeter große Freigehege ist dem ursprünglichen Lebensraum des sibirischen Tigers möglichst realitätsnah nachempfunden. Dazu kommen Innenstallungen von 55 Quadratmetern Fläche sowie ein Sibirien-Besucherhaus, das Besuchern auch einen Einblick von oben ins Tigergehege bietet. Die Tiere profitieren von Sonnen- und Schattenplätze sowie Klettergelegenheiten, Wasserstellen und Rückzugsmöglichkeiten.

Faszination für Raubkatzen
lockt neue Besuchergruppen

Eröffnung des Tigergeheges im Zoo Duisburg: Klettereinlage von Tiger-Dame Dasha. Foto: Petra Grünendahl.

Eröffnung des Tigergeheges im Zoo Duisburg: Klettereinlage von Tiger-Dame Dasha. Foto: Petra Grünendahl.

„Der Zoo ist ein Aushängeschild unserer Stadt“, sagte Oberbürgermeister Sören Link. Rund eine Millionen Besucher lockt der Zoo Duisburg jedes Jahr. Das neue Tigergehege werde die Bekanntheit und Attraktivität des Zoos weiter steigern, ist Link überzeugt. Und davon profitiere auch die Stadt Duisburg. Besucher können die Tiere von mehreren Ebenen aus beobachten. Verschiedene Blickwinkel sind nicht nur durch Panzerglasscheiben und freie Blicke über die Wasserbecken möglich, sondern auch von der Galerie des neuen Besucherhauses. Dieses wurde in der traditionellen Holzarchitektur Sibiriens errichtet.

Eröffnung des Tigergeheges im Zoo Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Eröffnung des Tigergeheges im Zoo Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Neben dem Tiergehege entsteht als zweites Teilprojekt das Evonik-Zoo-Labor als alternativer schulischer Lernort. Ab Sommer erleben Kinder und Jugendliche hier Naturwissenschaften auf spielerische Art und in einem besonderen Umfeld. „Ein Besuch im Zoo ist abwechslungsreich und bietet die Chance, interessantes naturkundliches Wissen zu erwerben“, sagte Evonik-Chef Engel, Tierfreund und gebürtiger Duisburger. „Die Faszination der Raubkatzen möchten wir für das Evonik-Zoo-Labor nutzen.“ Evonik Industries ist durch die neue Partnerschaft mit dem Zoo Duisburg zweitgrößter Sponsor nach Hauptsponsor Sparkasse Duisburg. Finanziert werden die Teilprojekte aus Mitteln, die ursprünglich für den Erweiterungsbau des Museums Küppersmühle gedacht waren. Da das Bauprojekt nicht wie vorgesehen verwirklicht wurde, hat sich Evonik entschlossen, die Fördersumme einem anderen nachhaltigen Zweck für die Duisburger Bürger zukommen zu lassen.

Zoologische Gärten heute

Eröffnung des Tigergeheges im Zoo Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Eröffnung des Tigergeheges im Zoo Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Zoologische Gärten, die wie der Zoo Duisburg im Verband der Zoologischen Gärten organisiert sind, arbeiten wissenschaftlich, für Tierschutz, Erhalt und Zucht bedrohter oder gefährdeter Tierarten. Auch die Präsentation des Tierlebens heute unterscheidet sich gravierend von dem, was heutige Generationen mittleren Alters in ihrer Jugend in Tierparks zu sehen bekamen. Anlagen sind weitläufiger gestaltet und weitgehend der natürlichen Umgebung der Herkunftsländer vieler Arten angepasst. Tiere werden weniger „vorgeführt“, was aber auch schon mal zur Folge haben kann, dass Besucher einzelne Tiere nicht zu sehen bekommen, weil sie sich zurückgezogen haben. Eine artgerechte Aufzucht und Pflege steht im Vordergrund der Haltung. Gitterstäbe gibt es nur da, wo es aus Sicherheitsgründen unbedingt nötig ist. Meist trennen Scheiben aus Plexiglas den Besucher von der Tierwelt.

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Zoo Duisburg
Im Jahr 1934 wurde der “Tierpark am Kaiserberg” auf 4 Hektar eröffnet. Heute umfasst das Areal des Zoo Duisburg 16 Hektar, auf denen ca. 4.000 Tiere in großzügigen, naturnah gestalteten Anlagen leben. Der Zoo ist als wissenschaftlicher Zoo in den entsprechenden deutschen, europäischen und weltweiten Fachverbänden organisiert: Tiere erforschen, nachzüchten und Tieren Lebensraum geben, die gefährdet sind in „freier Wildbahn“, gehört zu seinen Aufgaben. Rund eine Millionen Besucher kommen im Jahr an den beidseitig der A3 am Autobahnkreuz Kaiserberg gelegenen Tierpark. Der Haupteingang befindet sich auf der Mülheimer Straße 273, einen Nebeneingang gibt es an der Carl-Benz-Straße (der ist aber im Winter geschlossen). Mehr Infos: https://www.zoo-duisburg.de.

Und hier sind noch ein paar mehr Fotos ….

© 2016 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Duisburger Altstadt beleben: Das Quartier hat viele Gesichter

Ausstellung an der Münzstraße:
Ein Viertel und die Menschen, die es prägen

Von Petra Grünendahl

„Der Altstadt ein Gesicht“: Ausstellung im Ladenlokal am Contipark-Parkhaus Münzstraße / Ecke Peterstal. Foto: Petra Grünendahl.

„Der Altstadt ein Gesicht“: Ausstellung im Ladenlokal am Contipark-Parkhaus Münzstraße / Ecke Peterstal. Foto: Petra Grünendahl.

„Egal, ob Gewerbetreibender, Hauseigentümer oder Anwohner: Sie alle geben der Altstadt ihr Gesicht“, meint Yvonne Bleidorn, gemeinsam mit ihrem Kollegen Francesco Mannarino Quartiersmanager Altstadt bei der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Duisburg (GFW). Um die Wichtigkeit der Akteure weiß auch GFW-Geschäftsführer Ralf Meurer. Denn nur gemeinsam wird man etwas bewegen können, um den Revitalisierungsprozess anzustoßen und in Fahrt zu bringen. „Identitätsstiftende und das Wir-Gefühl fördernde Aktionen wie diese sind ein wichtiger Baustein“, so Meurer. Die Quartiersmanager bräuchten die engagierte Unterstützung aller Akteure aus dem Viertel.

In einem Ladenlokal am unteren Ende der Münzstraße (Ecke Peterstal, dort war früher Tedi) ist nun eine Ausstellung eröffnet worden, die „Der Altstadt ein Gesicht“ gibt. Die Fotos der Ausstellung stammen von einer Aktion im Rahmen der Imagekampagne „Heimat shoppen“, die die Niederrheinische Industrie- und Handelskammer (IHK Duisburg – Wesel – Kleve) im Herbst 2015 initiiert hatte. Sabina Zang vom Friseurbedarf Haarcenter Zang hatte die Idee, Menschen zu porträtieren, die in der Altstadt leben und arbeiten. Dabei wurden mehr als 40 Einzelporträts und Gruppenfotos geschossen, die in einer Videodarstellung im Schaufenster des Haarcenters zu sehen waren. Nun werden die Fotos großformatig einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Interessierte können sich die Fotos im leeren Ladenlokal des Contipark Parkhauses im Vorbeigehen anschauen und auf Entdeckungsreise gehen. Die Kunstwerke sind von außen sichtbar, durch die LED-Beleuchtung auch im Dunkeln und das bis einschließlich Freitag, 22. April.

Die Altstadt:
Nicht mehr nur Warten auf den Aufschwung

RAlf Meurer, Kira Lindner, Yvonne Bleidorn und Francesco Mannarion (v. l.) präsentieren „Der Altstadt ein Gesicht“: Ausstellung im Ladenlokal am Contipark-Parkhaus Münzstraße / Ecke Peterstal. Foto: Petra Grünendahl.

RAlf Meurer, Kira Lindner, Yvonne Bleidorn und Francesco Mannarion (v. l.) präsentieren „Der Altstadt ein Gesicht“: Ausstellung im Ladenlokal am Contipark-Parkhaus Münzstraße / Ecke Peterstal. Foto: Petra Grünendahl.

Die Altstadt: Das ist das Viertel zwischen dem Schwanentor und Marientor und reicht von der Steinschen Gasse bis zum Innenhafen. Die Zeiten der großen Kaufhäuser und namhaften Geschäfte in diesen Straßen sind längst Vergangenheit. Das Viertel sucht einen Weg in die Zukunft. Hier leben und arbeiten Menschen, die dieses Viertel liebens- und lebenswert machen. Aus einem Einzelprojekt der Standortkampagne „Heimat shoppen“ ist ein Beteiligungsprojekt geworden: „Wir vom Quartiersbüro haben unterstützt, die passenden Kontakte zusammen zu bringen, so dass die Fotos in einer großen Ausstellung Bürgern und Besuchern Duisburgs sichtbar werden“, erklärt Francesco Mannarino.

Gemeinsam für ein Ziel

„Der Altstadt ein Gesicht“: Ausstellung im Ladenlokal am Contipark-Parkhaus Münzstraße / Ecke Peterstal. Foto: Petra Grünendahl.

„Der Altstadt ein Gesicht“: Ausstellung im Ladenlokal am Contipark-Parkhaus Münzstraße / Ecke Peterstal. Foto: Petra Grünendahl.

Das leer stehende Ladenlokal bot die Betriebsleiterin der Contipark Interparking Group, Rita Thiele, an. Sie hat natürlich ein Interesse daran, den Eingang zur Münzstraße vom Parkhaus aus attraktiver zu machen. Die großformatig abgezogenen Fotografien brauchten nun passende Rahmen: Yvonne Bleidorn sprach das Diakoniewerk Duisburg an: Über Kira Lindner, Maßnahmeleiterin der „Aktivierungshilfe für Jüngere“, warb sie um die Mithilfe der Jugendlichen der Holzwerkstatt. Die Dipl.-Sozialwissenschaftlerin war schnell begeistert, haben die von ihr begleiteten Jugendlichen doch selten die Chance, öffentlichkeitswirksame Projekte umzusetzen, bei denen sie sich engagieren können. Acht Jugendliche zwischen 18 und 25 Jahren, die an der „Individuellen Aktivierungshilfe“ teilnehmen, verliehen den gespendeten Holzpaletten unter der Anleitung von Ralf Korfmann (Diakoniewerk Duisburg) einen attraktiven Anstrich. Sie bestückten diese anschließend mit Halterungen für die Beleuchtung und montierten die Fotos darauf. „City Electronicer“ Lars Hoffmann stellte die Beleuchtungstechnik zur Verfügung, die die Fotos nun stimmungsvoll in Szene setzen.

„Die Ausstellung ist für uns ein Test. Bringt diese Form der Leerstandsbelebung für den Eigentümer oder die Besucher einen Mehrwert, so werden wir prüfen, ob im kommenden Jahr ähnliche Aktionen zur ‚Bespielung’ von Leerständen durchgeführt werden.“ Da kann man aber fast von ausgehen, denn alles ist besser als die bekannte trostlose Leere, die das Viertel nur weiter runter zieht.

Kommentar: Aufenthaltsqualität steigern ist dringend nötig

Trostlos: Leerstand an der Münzstraße. Foto: Petra Grünendahl.

Trostlos: Leerstand an der Münzstraße. Foto: Petra Grünendahl.

Leerstehende Ladenlokale nutzen niemandem – und sie sehen auch nicht schön aus. Sie sind eine schäbige Visitenkarte – auch für den Eigentümer. Und sie sind immer die erste Drehung zur Spirale nach unten. Ein paar wenige Geschäfte halten in der Altstadt noch die Fahne hoch und verhindern, dass die Spirale ganz unten ankommt. Um die Kehrtwende zu schaffen, sind auch die Immobilienbesitzer gefragt, denn ihre leeren Ladenlokale tragen nicht zur Attraktivität des Standortes bei. Sie spiegeln eine Trostlosigkeit und sind in ihrer Masse eher kontraproduktiv, wenn man neue Mieter für die Geschäftsräume finden will. Diese Ausstellung ebenso wie ähnliche Aktionen in anderen Ladenlokalen können aber nur ein erster Schritt sein. Gähnende Leerstände schrecken ab: Potenzielle Kunden ebenso wie Interessierte, die vielleicht ein Ladenlokal anmieten und ein Geschäft dort aufmachen würden. Da werden noch dicke Bretter zu bohren sein und man kann den Quartiersmanagern nur einen langen Atem wünschen!

Siehe auch:

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Offensive für die Duisburger Innenstadt gestartet: Attraktivität durch Angebote und Gestaltung steigern

Königstraße in der Duisburger Innenstadt. Foto: Petra Grünendahl.

Königstraße in der Duisburger Innenstadt. Foto: Petra Grünendahl.

Die Duisburger Innenstadt profitiert von der Entscheidung des Stadtrats, auf die Realisierung des Factory-Outlet-Centers (FOC) in Hamborn zu verzichten. Davon sind die Niederrheinische Industrie- und Handelskammer Duisburg-Wesel-Kleve, der Einzelhandelsverband und das City-Management Duisburg überzeugt. Neue Mieter und Investoren sollen das Angebot erweitern. In den nächsten Wochen ist eine Kundenbefragung geplant, die die Wünsche der Citybesucher beleuchten wird.

Zur Stärkung der Duisburger Innenstadt ist eine Vielzahl von Projekten geplant. Ein neues Standortexposé wird potenziellen Mietern und Investoren die Stärken der Duisburger Innenstadt zeigen. So soll der Branchenmix und das Einzelhandelsangebot zukünftig verbessert werden. Die Planung für den Bau eines Factory-Outlet-Centers im Duisburger Norden hat viele Innenstadt-Einzelhändler zuletzt von notwendigen Investitionen abgehalten. „Geld in den eigenen Betrieb zu stecken, solange die Gefahr bestand, dass das FOC doch noch gebaut werden würde, war ein Risiko für die Unternehmer“, erklärt Wilhelm Bommann, Hauptgeschäftsführer des Niederrheinischen Einzelhandelsverbands. Er ist sicher: „Die Investitionsbereitschaft wird nun steigen.“ Jochen Braun, Vorsitzender des Duisburger City-Managements, betont: „Wir müssen uns nun darauf fokussieren, die Duisburger Innenstadt nach vorne zu bringen. Diese Aufgabe gehen wir zusammen mit IHK und Einzelhandelsverband an.“

Für die Kunden sind vor allem die kleinen Details bestimmend für das Einkaufserlebnis. Die Anlieger des Wallquartiers haben auf Initiative der Niederrheinischen IHK und des City-Managements verschiedene Maßnahmen verabredet, die das Quartier aufwerten. Ein vertiefendes Treffen ist für den Sommer geplant. Unter Federführung des Einzelhandelsverbands erarbeitet eine Arbeitsgruppe derzeit eine Strategie, die Vorteile des Onlinehandels auf den stationären Handel in der Innenstadt zu übertragen. Ein weiterer Baustein: Sogenannte Innenstadthausmeister sind seit März in der Innenstadt und im Innenhafen unterwegs und sorgen für Sauberkeit. Fortgeführt wird auch die Aktion „Heimat shoppen“, die in diesem Jahr am 9. und 10. September die Kunden mit besonderen Angeboten des Handels in die Innenstadt locken wird.

„Mit einer Kunden- und Haushaltsbefragung erfassen wir im Frühjahr die Wünsche und Meinungen der Besucher zum Einkaufen und zum Aufenthalt in der Innenstadt. Daraus erarbeiten wir weitere konkrete Handlungsempfehlungen für die Entwicklung der Duisburger Innenstadt“, erläutert Michael Rüscher, Geschäftsführer der Niederrheinischen IHK, ein weiteres Projekt.

Alle Beteiligten sind sich einig, dass in der Innenstadt eine Menge Potenzial schlummert, dass nun gehoben werden muss. „Kontraproduktiv wäre es, wenn nun eine weitere Diskussion über die Ansiedlung eines FOCs an anderer Stelle im Stadtgebiet wie zum Beispiel auf dem Güterbahnhofsgelände entbrennen würde“, warnt Bommann.

– Pressemitteilung der IHK Niederrhein –
Foto: Petra Grünendahl

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Duisburger Denkmalthemen – Heft 11: Architektur der Zwanziger Jahre in Alt-Hamborn und Marxloh

“Wir wollen den Menschen vor Ort zeigen,
was für Schätze sie haben“

Von Petra Grünendahl

Die Autoren präsentieren das Heft 11 aus der Reihe "Duisburger Denkmalthemen vor dem Amtsgericht Hamborn (v. l.): Jörg Weißmann (Heimatverein Hamborn), Dr. Claudia Euskirchen (Amt für Denkmalpflege), Stadtentwicklungsdezernent Carsten Tum, Dr. Michael Kanther (Stadtarchiv), Thorsten Fischer (UDE), Jürgen Müller (Layout), Foto: Petra Grünendahl.

Die Autoren präsentieren das Heft 11 aus der Reihe „Duisburger Denkmalthemen vor dem Amtsgericht Hamborn (v. l.): Jörg Weißmann (Heimatverein Hamborn), Dr. Claudia Euskirchen (Amt für Denkmalpflege), Stadtentwicklungsdezernent Carsten Tum, Dr. Michael Kanther (Stadtarchiv), Thorsten Fischer (UDE), Jürgen Müller (Layout), Foto: Petra Grünendahl.

Stadtentwicklungsdezernent Carsten Tum (2. v. l.) stellte zusammen mit den Autoren das Hamborner Denkmalthemen-Heft vor (v. l.): Dr. Michael Kanther, Dr. Claudia Euskirchen, Jörg Weißmann und Thorsten Fischer. Foto: Petra Grünendahl.

Stadtentwicklungsdezernent Carsten Tum (2. v. l.) stellte zusammen mit den Autoren das Hamborner Denkmalthemen-Heft vor (v. l.): Dr. Michael Kanther, Dr. Claudia Euskirchen, Jörg Weißmann und Thorsten Fischer. Foto: Petra Grünendahl.

„Die besten Architekten waren damals für Hamborn gerade gut genug“, brachte Dr. Michael Kanther vom Stadtarchiv auf den Punkt. Das habe bis in die 1950-er Jahre gegolten, als Wohnsiedlungen für Werksangehörige gebaut wurden, die von namhaften Architekten wie zum Beispiel Max Taut entworfen worden waren (Zinkhüttensiedlung). Die „Bausünden“, von denen es auch in Hamborn einige gibt, seien erst späteren Datums, so die Autoren der neuen „Denkmalthemen“. Hamborn entstand durch Industrieansiedlungen: die Gewerkschaft Deutscher Kaiser (aus der Thyssen hervorging), die Aktiengesellschaft für Zinkindustrie (heute: Grillo), die Zeche Neumühl und die metallverarbeitenden Betriebe der Familie Morian. Menschen siedelten sich an, um dort zu arbeiten oder mit den Firmen, ihren Eigentümern oder Arbeitern Geschäfte zu machen. Im Jahr 1900 wurde Hamborn als Bürgermeisterei (industrielle Landgemeinde) selbstständig und bekam 1911 als Großstadt mit mehr als 100.000 Einwohnern die Stadtrechte. Bis 1928 wuchs die Bevölkerung auf 130.000 Menschen an. Nach nur 29 Jahren war Schluss mit der Selbstständigkeit: Hamborn wurde 1929 mit Duisburg zu Duisburg-Hamborn vereinigt – ein Name, der bis 1935 Bestand hatte, als der Hamborner Namensteil entfiel.

Mit dem Heft 11 aus der Reihe der Duisburger Denkmalthemen legt die Untere Denkmalbehörde der Stadt ihr neuestes Werk über „Die Architektur der 1920-er Jahre in Alt-Hamborn und Marxloh“ vor. Das Heft stellt 26 Bauten vor mit sehr informativen Texten fachkundiger Autoren sowie 87 Abbildungen, die Spuren verfolgen von der Vergangenheit bis in die Gegenwart. Stadtentwicklungsdezernent Carsten Tum, zu dessen Dezernat auch die Untere Denkmalbehörde gehört, stellte die Informationsschrift zusammen mit den Autoren Jörg Weißmann (Heimatverein Hamborn), Dr. Claudia Euskirchen (ehem. Leiterin der Unteren Denkmalbehörde, jetzt: LVR Amt für Denkmalpflege im Rheinland), Thorsten Fischer (Universität Duisburg-Essen) und Dr. Michael Kanther (Stadtarchiv Duisburg) vor.

Dinge, die wir erfahren haben,
an die Menschen zurück geben

Amtsgericht Hamborn ca. 1955 aus: Duisburger Denkmalthemen, Heft 11. Quelle: Stadtarchiv Duisburg.

Amtsgericht Hamborn ca. 1955 aus: Duisburger Denkmalthemen, Heft 11. Quelle: Stadtarchiv Duisburg.

„Wir wollen, dass die Menschen hier stolz sind auf ihren Ort“, so Claudia Euskirchen. Die große Vergangenheit ist noch sichtbar in Verwaltungs- und Geschäftsgebäuden ebenso wie in der Wohnbebauung der damaligen Zeit. Nicht alle der aufgeführten Gebäude stehen unter Denkmalschutz, aber könnten gut Kandidaten für die Denkmalliste sein. In die Beschreibungen der Architektur sind die Unterschutzstellungstexte der Denkmalbehörde eingeflossen: „Die machen viel Arbeit und sind nur für die Akten einfach zu schade“, so Euskirchen. So gehen sie über diese Publikation zurück an Menschen, die sich für die Historie ihres Stadtteils interessieren. „Wir müssen den Menschen vor Ort zeigen, was für Schätze sie haben.“ Im Alltag neigen viele Menschen dazu, an den vermeintlich bekannten Bauten vorbei zu gehen, ohne sich weitere Gedanken über ihre Bedeutung zu machen. „Wir haben hier ein zeitloses Werk“, erklärte Jörg Weißmann, der statt der üblichen Auflage von 1.500 Exemplaren gleich die doppelte Anzahl hatte drucken lassen. Sponsoren sind Bürger und Kaufleute aus Hamborn, die dieses Werk erst möglich gemacht hatten. Es soll das Wissen über den Stadtbezirk weiter verbreiten und besonders Menschen ansprechen, die Eigentümer solcher kulturellen Schätzchen sind.

Zeugnis der Lokalgeschichte

Stadtbad Hamborn 1938: Duisburger Denkmalthemen Heft 11. Quelle: Stadtarchiv Duisburg.

Stadtbad Hamborn 1938: Duisburger Denkmalthemen Heft 11. Quelle: Stadtarchiv Duisburg.

Stadtbad Hamborn 2005: Duisburger Denkmalthemen Heft 11. Foto: Dr. Claudia Euskirchen.

Stadtbad Hamborn 2005: Duisburger Denkmalthemen Heft 11. Foto: Dr. Claudia Euskirchen.

Amtsgericht Hamborn mit Vorplatz und Rathaus um 1955: Duisburger Denkmalthemen Heft 11. Quelle: Stadtarchiv Duisburg.

Amtsgericht Hamborn mit Vorplatz und Rathaus um 1955: Duisburger Denkmalthemen Heft 11. Quelle: Stadtarchiv Duisburg.

„Drei Jahre haben an dem Heft gearbeitet von den Anfängen bis zur Publikation“, erzählte Jörg Weißmann. Zumindest mit dem Konzept brauchte man sich nicht lange aufhalten: Dr. Euskirchen konnte den Hambornern eins vorlegen, welches schon ihr Vorgänger in der Unteren Denkmalbehörde ausgearbeitet hatte. Ein Auge hatten die Denkmalschützer also schon länger auf den Bezirk im Norden mit seiner charakteristischen Urbanität geworfen. Mit dem erst 2011 gegründeten Heimatverein Hamborn fanden sich auch die Mitstreiter vor Ort, denen diese Publikation zur Herzensangelegenheit wurde. Die bestätigte Jörg Weißmann, der schon mit Vereinsgründung Kontakte u. a. auch zur Denkmalbehörde aufgenommen hatte. Vor Ort warb er nun Sponsoren, die diese Publikation finanziell unterstützten.

Einige Bauwerke lassen heute die frühere Pracht eher nur noch erahnen. Das Stadtbad Hamborn (Baubeginn 1929) gehört ebenso dazu wie Schwelgernpark mit dem Schwelgernstadion, die 1925 zum 25-jährigen Gemeindejubiläum und zur „Tausendjahrfeier der Rheinlande“ erbaut und in Betrieb genommen worden waren. Andere Gebäude haben sich nur wenig verändert, Fotos neusten Datums belegen, wie gepflegt die Häuser auch heute noch sind. Im Anschluss an die Textseiten gibt es eine Karte, auf der die Gebäude eingezeichnet sind. So hat der Leser die Möglichkeit, das Geschriebene an Ort und Stelle nachzuvollziehen. Die hochwertigen Bauten aus den 1920-er Jahren machen nämlich – entsprechend über die Jahrzehnte gepflegt – auch heute noch was her. „Eigentum verpflichtet“ kann man den Eigentümern von denkmalgeschützten und denkmalwürdigen Gebäuden da ins Stammbuch schreiben, auf dass sich die Eigentümer um den Erhalt des Kulturguts kümmern. Leider geht gerade an dieser Stelle die Stadt Duisburg mit erkennbar schlechtem Beispiel voran, obwohl „ein allgemeines Interesse am Erhalt dieser alten Schätzchen besteht“, wie Denkmalschützerin Euskirchen betonte.

Die Reihe: Duisburger Denkmalthemen
denkmalthemen_11Mit 8 Seiten zum Thema „Rathaus Rheinhausen“ fing die Reihe „Duisburger Denkmalthemen“ einmal an. Elf Hefte sind es jetzt: Die „Architektur der 1920-er Jahre in Alt-Hamborn und Marxloh“ bringt es schon auf 40 Seiten (inkl. Werbeanzeigen der Sponsoren). Zu beziehen sind die Hefte bei der Unteren Denkmalbehörde, Friedrich-Wilhelm-Straße 96, Duisburg-Mitte (Hoist-Hochhaus) oder im Bezirksamt – für dieses Heft wäre dies das Bezirksamt im Hamborner Rathaus , für ältere Hefte das jeweils zuständige Bezirksamt (solange der Vorrat reicht). Unter https://www.duisburg.de/micro2/pbv/denkmalpflege/publikationen/102010100000316226.php findet man eine Übersicht über die bislang erschienenen Hefte sowie Links zum Download. Die Lektüre der hochinformativen Hefte lohnt sich für jeden, der sich für die Stadtgeschichte interessiert.

© 2016 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Duisburg: Integrationsrat und Oberbürgermeister positionieren sich gegen Radikalismus und Rassismus

Der Integrationsrat fordert Gemeinsamkeit und
Entschlossenheit gegen Rassismus

Erkan Üstünay, Vorsitzender des Integrationsrates der Stadt Duisburg. Foto: Stadt Duisburg.

Erkan Üstünay, Vorsitzender des Integrationsrates der Stadt Duisburg. Foto: Stadt Duisburg.

Im Zeichen der menschenverachtenden Anschläge von Paris, Ankara, Istanbul und aktuell Brüssel fordert der Vorsitzende des Integrationsrates, Erkan Üstünay, alle demokratisch gesinnten Menschen in Duisburg auf, gegen Rassismus aktiv zu werden und diesen zu ächten.

„Diskriminierung und Ausgrenzung von Minderheiten, Andersdenkenden und -lebenden haben ihren Ursprung in rassistischer Weltanschauung und untergraben die Grundpfeiler einer vielfältigen, demokratisch verfassten Gesellschaft“, sagt der Vorsitzende des Integrationsrates.

Der Vorsitzende des Integrationsrates nimmt bei der Bekämpfung des Rassismus alle demokratischen Kräfte der Zivilgesellschaft in die Pflicht: „Wir Demokraten müssen im Vorgehen gegen Rassismus und Rechtspopulismus Einigkeit demonstrieren. Angesichts dieser Reihe von schrecklichen Attentaten ist es heute wichtiger denn je, zusammenzustehen und uns auf unsere Gemeinsamkeiten zu besinnen – unabhängig von Herkunft und Glauben.“

Kein Platz für radikale Prediger in Duisburg

Oberbürgermeister Sören Link, Foto: Petra Grünendahl.

Oberbürgermeister Sören Link, Foto: Petra Grünendahl.

Der Duisburger Oberbürgermeister Sören Link und der Vorsitzende des Duisburger Integrationsrates, Erkan Üstünay, erklären zu dem geplanten – inzwischen aber scheinbar wieder abgesagten – Auftritt radikaler Prediger in einer Moschee in Duisburg-Marxloh:

„Wir brauchen keine religiösen Hetzer in unserer Stadt. Radikale Einstellungen, gleich ob religiös oder politisch motiviert, schaden dem erfolgreichen und friedlichen Zusammenleben in Duisburg. Deshalb wenden wir uns zusammen mit einer breiten Mehrheit der Duisburger Bevölkerung entschieden gegen solche Auftritte und Veranstaltungen. Wir wollen den seit vielen Jahren erfolgreich praktizierten Weg des interreligiösen Dialogs weiter gehen – wir in Duisburg reden miteinander und nicht übereinander.“

– Pressemeldungen der Stadt Duisburg –
Fotos: Petra Grünendahl (u.), Stadt Duisburg (o.)

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Bundesverkehrswegeplan 2030: Niederrhein profitiert von Ausbau der Infrastruktur

Niederrheinische IHK - Industrie- und Handelskammer Duisburg an der MercatorstraßeDie Niederrheinische Industrie- und Handelskammer Duisburg-Wesel-Kleve zu Duisburg zeigt sich grundsätzlich zufrieden mit dem Entwurf des neuen Bundesverkehrswegeplans (BVWP), den Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt in der vergangenen Woche vorgestellt hat. Sorge bereitet das schlechte Abschneiden der Schienenverbindung nach Antwerpen. Die Güterverkehrsstrecke Eiserner Rhein ist in drei Varianten durchgefallen.

Vergangene Woche wurden die Eckwerte des neuen Bundesverkehrswegeplans vorgestellt. Mit dem Plan legt die Bundesregierung fest, welche Straßen, Schienen und Wasserwege in den kommenden 15 Jahren ausgebaut oder ertüchtigt werden sollen. Stück für Stück werden immer mehr Details der Bewertung bekannt. Demnach profitiert die Industrie- und Logistikregion Duisburg-Niederrhein insbesondere bei den Straßenbauprojekten. Nahezu alle für die Region angemeldeten Straßenprojekte finden sich im vordringlichen Bedarf wieder, darunter die Beseitigung von Engpässen im Zuge der Autobahnen A 3, A 40, A 57 und A 59 sowie wichtige Entlastungsstrecken im nachgelagerten Netz wie die B 67 bei Uedem oder die B 220 bei Kleve Kellen.

Weniger positiv bewertet die Niederrheinische IHK die Aussagen zu den Schienenprojekten. Zwar wird der dreigleisige Ausbau zwischen Emmerich und Oberhausen im Zuge der Betuwe-Linie als fest geplantes Projekt aufgeführt. Ansonsten sticht in der Region aber lediglich der Rhein-Ruhr-Express (RRX) als ein reines Personenverkehrsprojekt heraus. Der für den Güterverkehr so wichtige Eiserne Rhein, die Schienengüterverbindung zwischen dem Seehafen Antwerpen und dem Ruhrgebiet, ist gar nicht aufgenommen – sehr zum Unverständnis von Ocke Hamann, IHK-Geschäftsführer für den Bereich Verkehr und Logistik: „Wir können nicht verstehen, warum der Eiserne Rhein in allen drei vorgeschlagenen Trassenvarianten bereits in der Grobbewertung durchgefallen ist.“ Hier werde man im Rahmen des laufenden Beteiligungsverfahrens weitere Details zur Bewertung des Projekts einfordern. Eine Erklärung für das schlechte Abschneiden könnte Hamann zufolge sein, dass der Bundesverkehrswegeplan mit zu geringen Wachstumsmengen in den Seehäfen Antwerpen und Rotterdam rechnet. Damit würden die Verkehrsachsen von und zu diesen Häfen systematisch schlechter bewertet. In der Folge würden Ausbauprojekte auf diesen Achsen als zu kostspielig eingeschätzt.

Insgesamt warnt IHK-Verkehrsexperte Hamann mit Blick auf den vorliegenden BVWP-Entwurf vor zu viel Euphorie: „Die erste Hürde auf dem Weg zur Realisierung vieler Infrastrukturprojekte ist genommen, mehr aber auch noch nicht. Der Status im Bundesverkehrswegeplan sagt noch nichts darüber aus, ob die Projekte auch tatsächlich in absehbarer Zeit angegangen werden.“ Hierfür seien eine feste Finanzierungszusage des Bundes ebenso erforderlich wie ausreichende Planungskapazitäten beim Land.

– Pressemeldung der Niederrheinischen IHK Duisburg Wesel Kleve –

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Städtebauliche Entwicklung des St. Barbara-Areals in Duisburg-Neumühl

Haupteingang vom St. Barbara-Hospital in Duisburg an der Barbarastraße, Ecke Schroerstraße 2006. Foto: BlackIceNRW (CC BY-SA 3.0).

Haupteingang vom St. Barbara-Hospital in Duisburg an der Barbarastraße, Ecke Schroerstraße 2006. Foto: BlackIceNRW (CC BY-SA 3.0).

Die zukünftige städtebauliche Perspektive für das St. Barbara-Areal in Neumühl steht. Einstimmig hat eine Empfehlungskommission unter Leitung des Beigeordneten Carsten Tum gemeinsam mit dem Grundbesitzer und Investor IPG die Entscheidung zugunsten eines Architektenteams gefällt.

Der Entwurf der Düsseldorf Städtebauer und Architekten von hector 3 (Markus Schneider) gemeinsam mit den Landschaftsarchitekten von GTL (Markus Gnüchtel) zeigt einen Vorschlag, in dem große Teile des St. Barbara-Hospitals erhalten und durch Anbauten ergänzt wurden. Damit wird der Gebäudebestand mit seinen Potentialen und einem neuen großen Park genutzt und als Alleinstellungsmerkmal für das neue Quartier erhalten. Der alte Baumbestand wird integriert. Die vorgeschlagenen Nutzungen im alten Gebäude (Wohnen, Gesundheit, Ausstellung, Ateliers, Cafe) lassen eine neue Mitte für das Quartier entstehen, so die Empfehlungskommission in Ihrer Begründung.

Das östliche und südliche Plangebiet zeichnen sich durch eine Mischung von Mehrfamilienhäusern und Stadthäusern mit Übergängen zur Nachbarschaft aus. Die vielfältigen Wohnungstypen für unterschiedliche Lebens- und Wohnmodelle ermöglichen eine große Flexibilität des städtebaulichen Konzeptes insgesamt. Die Integration der ehemaligen Adolph-Kolping-Schule ist eine weitere Option.

Neben der reinen Erschließung können die kleinen Straßen auch weitere Freiraumfunktionen für die Bewohner und Nachbarn übernehmen. Diese flexible Mehrfachnutzung bietet Wohnumfeldqualität, ohne zu viel Fläche in Anspruch zu nehmen oder die Nachbarschaft über Durchgangsverkehr zu belästigen.

Oberbürgermeister Sören Link zeigt sich überzeugt: „Wohnraum zu schaffen ist eine vorrangige Aufgabe für die Stadtentwicklung, wie sie mit der Stadtentwicklungsstrategie Duisburg 2027 beschlossen wurde. Es ist hier sehr gut gelungen, Wohnraum in verschiedenen Formen zur schaffen, und die Geschichte der Fläche durch den Erhalt der vorhandenen Bausubstanz erlebbar zu machen.“

Beigeordneter Carsten Tum sieht hier eine hervorragende Konzeptgrundlage für die weiteren Planungsschritte: „Für das bevorstehende Bebauungsplanverfahren haben wir jetzt einen städtebaulichen Entwurf, der gut zum Stadtteil passt, die vorhandenen städtebaulichen- und freiraumplanerischen Strukturen hervorragend fortführt und auch die historische Bausubstanz berücksichtigt.“

Jörg R. Lemberg, Vertreter des Investors IPG aus Berlin, und Jörg Faltin vom Projektmanagement FALTIN+SATTLER aus Düsseldorf freuen sich über den gelungenen Planungsprozess: „Wir haben mit dem tollen Teambeitrag jetzt das Fundament, um die anspruchsvolle städtebauliche Qualität in den nächsten Jahren für die Realisierung vorzubereiten.“

– Pressemeldung der Stadt Duisburg –
oto: BlackIceNRW (CC BY-SA 3.0)

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Deutsche Oper am Rhein: Puccinis „Il Trittico“ begeisterte im Theater Duisburg

Spiel mir die Lieder vom Tod
Von Petra Grünendahl

Marta Márquez (Lauretta), Michail Milanov (Simone), Bruno Balmelli (Gianni Schicchi), Bogdan Talos (Betto di Signa), Dmitri Vargin (Marco), Katarzyna Kuncio (Ciesca). Foto: Hans Jörg Michel.

Marta Márquez (Lauretta), Michail Milanov (Simone), Bruno Balmelli (Gianni Schicchi), Bogdan Talos (Betto di Signa), Dmitri Vargin (Marco), Katarzyna Kuncio (Ciesca). Foto: Hans Jörg Michel.

Als „Gianni Schicchi“ überlistet Bruno Balmelli die gierige Verwandtschaft, die den letzten Willen des verstorbenen Buoso Donati, seinen Besitz den Mönchen zu vermachen, nicht akzeptieren will. Die alteingesessenen Adligen fragen zähneknirschend den Florentiner Neubürger um Rat. Schicchi hilft ihnen, Teile des Besitzes unter sich aufzuteilen, heimst sich aber die wertvollsten Güter ein, die seiner Tochter Lauretta (Anke Krabbe) und ihrem geliebten Rinuccio (Ovidiu Purcel), einem eher entfernten Verwandten des Verstorbenen und einzigem Anständige der Truppe, zu Gute kommen.

Lisa Griffith (Nella), Ioan Hotea (Rinuccio), Dmitri Vargin (Marco), Bogdan Taloş (Betto di Signa), Marta Márquez (Zita), Michail Milanov (Simone), Katarzyna Kuncio (Ciesca). Foto: Hans Jörg Michel.

Lisa Griffith (Nella), Ioan Hotea (Rinuccio), Dmitri Vargin (Marco), Bogdan Taloş (Betto di Signa), Marta
Márquez (Zita), Michail Milanov (Simone), Katarzyna Kuncio (Ciesca). Foto: Hans Jörg Michel.

Begeistert aufgenommen hat das Publikum im voll besetzten Theater Duisburg die Wiederaufnahmen von „Il Trittico“ („Das Triptychon“) von Giacomo Puccini. Bereits sein 2003 hat die Deutsche Oper am Rhein das Werk in einer Inszenierung von Dietrich W. Hilsdorf im Repertoire. Bei „Il Trittico“ verbindet Puccini ein tragisches Stück (Il Tabarro) mit einem lyrischen Stück (Suor Angelica) und einem heiterem Stück (Gianni Schicchi) in einer Aufführung zu verbinden. Die Uraufführung, die wegen des ersten Weltkrieges nicht in Rom realisiert werden konnte, fand 1918 an der Metropolitan Opera in New York statt. Zu „Gianni Schicchi“, der auf einer Episode aus Dante Alighieris „Göttlicher Komödie“ basiert, schrieb Giovacchino Forzano ebenso das Libretto wie zu „Suor Angelica“, das keine literarische Vorlage hat. „Il Tabarro“ (Der Mantel), zu dem Giuseppe Adami das Libretto geschrieben hat, basiert auf dem Schauspiel „La Houppelande“ von Didier Gold.

Sarah Ferede (Äbtissin), Eva Bodorová (1. Almosensucherin), Damenchor. Foto: Hans Jörg Michel.

Sarah Ferede (Äbtissin), Eva Bodorová (1. Almosensucherin), Damenchor. Foto: Hans Jörg Michel.

Die Reihenfolge der drei jeweils etwa einstündigen Einakter hat Regisseur Hilsdorf für seine Inszenierung herumgedreht: Er fängt mit dem heiteren „Gianni Schicchi“ aus dem 13. Jahrhundert an, dem dann die eher tragischen Stücke folgen. Schwester Angelica (Sylvia Hamvasi) ist nach der unehelichen Geburt ihres Kindes Ende des 17. Jahrhundert wegen der Schande in ein strenges Kloster verbannt worden. Als ihre Tante, die Fürstin (Helena Zubanovich), ihr bei einem Besuch verrät, dass ihr Sohn schon zwei Jahre zuvor an einer schweren Krankheit gestorben ist, sucht hingebungsvolle Nonne den Tod. Sie stirbt in der Erkenntnis, sich mit ihrem Freitod erneut versündigt zu haben.

Morenike Fadayomi (Giorgetta), Anooshah Golesorkhi (Michele). Foto: Hans Jörg Michel.

Morenike Fadayomi (Giorgetta), Anooshah Golesorkhi (Michele). Foto: Hans Jörg Michel.

Den Abend beschließt das Melodrama „Il Tabarro“ (Der Mantel) aus dem Hafenarbeiter-Milieu im Paris um 1910: Giorgetta (Morenike Fadayomi) und ihr Mann, der Schiffer Michele (Anooshah Golesorki), haben sich nach dem Tod ihres Kindes auseinander gelebt. Giorgetta bandelt mit Hafenarbeiter Luigi (Mikhail Agafonov) an. Als Michele den beiden auf die Schliche kommt, tötet er Luigi und hüllt ihn in seinen Mantel, der einst die Liebe zu seiner Frau umhüllt hatte. Als Giorgetta unter dem Mantel den getöteten Geliebten entdeckt, schreit sie entsetzt auf. Sie hat alles verloren!

Wechselspiele von Stimmung und Ambiente

Gustavo Porta (Luigi), Morenike Fadayomi (Giorgetta). Foto: Hans Jörg Michel.

Gustavo Porta (Luigi), Morenike Fadayomi (Giorgetta). Foto: Hans Jörg Michel.

Die fantastische Besetzung kann nicht nur gesanglich, sondern auch schauspielerisch überzeugen und die Nuancen der Charaktere ausspielen. Mit Bravour meisterten die Duisburger Philharmoniker unter der Leitung von Axel Kober die wechselnden Stimmungen der einzelnen Opernteile, die von falschen Trauer der übertölpelten Erbschleicher über die klösterliche Ruhe hin zur Dramatik der Dreiecksgeschichte im Hafenarbeiter-Milieu geht. Genial das Bühnenbild von Johannes Leiacker mit zwei nach hinten spitz zulaufenden Wänden, in denen von Stück zu Stück Fenster und Türen passend zum Ambiente der Handlung variierten. Leiacker zeichnet auch für die Kostüme verantwortlich. Der Chor der Deutschen Oper am Rhein überzeugte unter der Leitung von Gerhard Michalski. Gesungen wird in italienischer Sprache, deutsche Übertitel erleichtern das Verständnis der Handlung.

Sylvia Hamvasi (Angelica), Helena Zubanovich (Fürstin). Foto: Hans Jörg Michel.

Sylvia Hamvasi (Angelica), Helena Zubanovich (Fürstin). Foto: Hans Jörg Michel.

Vollständig auf die Bühne gebracht ist „Il Trittico“ ein monumentales Werk: Dreieinviertel Stunden (inklusive zwei Pausen), 44 Gesangsrollen in allen drei Stücken, die die Deutsche Oper am Rhein fast ausschließlich aus dem eigenen Ensemble besetzen konnte, sowie musikalische Variationen, die die unterschiedlichen Stimmungen der drei Stücke widerspiegelten. „Il Trittico“ ist in jeder Hinsicht anspruchvoll – auch dies wohl ein Grund, warum es eher selten vollständig an einem Abend gespielt wird. Die Länge überforderte wohl auch manch einen Zuschauer, der nach der zweiten Pause nicht wieder kam und den hervorragenden Abschluss eines höchst anspruchsvollen Opernabends verpasste.

Weitere Termine im Theater Duisburg:
So | 3. April 2016 | 18:30 Uhr und
So | 10. April 2016 | 15 Uhr.

HINTEN: Ioan Hotea (Rinuccio), Johannes Preißinger (Gherardo), Dmitri Vargin (Marco), Bogdan Taloş (Betto di Signa) VORNE: Michail Milanov (Simone), Marta Márquez (Zita), Katarzyna Kuncio (Ciesca), Lisa Griffith (Nella). Fptp: Hans Jörg Michel.

HINTEN: Ioan Hotea (Rinuccio), Johannes Preißinger (Gherardo), Dmitri Vargin (Marco), Bogdan Taloş (Betto di
Signa) VORNE: Michail Milanov (Simone), Marta Márquez (Zita), Katarzyna Kuncio (Ciesca), Lisa Griffith (Nella). Fptp: Hans Jörg Michel.

Karten gibt es im Opernshop, der sich zur Zeit im Theater Duisburg in der Kassenhalle befindet (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr), oder unter Telefon 0203 / 9407777. Die Theaterkasse öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten zwischen 16,10 bis 56,00 Euro am 3. April und ab 18,10 Euro in der Nachmittagsvorstellung am 10. April. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man hier.

© 2016 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Hans Jörg Michel, Mannheim / Deutsche Oper am Rhein

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Loveparade-Zivilverfahren: Entscheidungen zu Prozesskostenhilfe und Hinweis im Berufungsverfahren

Loveparade-Gedenkstätte zum dritten Jahrettag 2013. Foto: Petra Grünendahl.

Loveparade-Gedenkstätte zum dritten Jahrettag 2013. Foto: Petra Grünendahl.

Der 18. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Düsseldorf hat am 17. März 2016 fünf von insgesamt sieben Beschwerden zu Prozesskostenhilfeanträgen in Loveparade-Zivilverfahren zurückgewiesen. Eine der Beschwerden war hingegen teilweise erfolgreich, eine weitere aus formalen Gründen zumindest vorläufig. Die Antragsteller hatten sich mit ihren Beschwerden gegen die Entscheidungen des Landgerichts Duisburg als Vorinstanz gewandt. Das Landgericht hatte die Gewährung von Prozesskostenhilfe abgelehnt, da die beabsichtigen Klagen keine Erfolgsaussichten hätten.

Im Berufungsverfahren eines Feuerwehrmanns hat der Senat auf die fehlenden Erfolgsaussichten der Berufung hingewiesen. Bereits das Landgericht Duisburg hatte die Klage abgewiesen.

A. Beschwerden in Prozesskostenhilfeverfahren
(Fall 1) Einer Antragstellerin, die von der Haftpflichtversicherung der Veranstalterin Lopavent GmbH bereits vorgerichtlich Schadenersatz in Höhe von 25.000 € erhalten hatte, hat der Senat Prozesskostenhilfe für die Geltendmachung eines weiteren Schmerzensgeldes in Höhe von 15.000 € sowie materieller Schäden gegen die Veranstalterin bewilligt. Die Klage muss nun vor dem Landgericht Duisburg verhandelt werden. Die 36-jährige Klägerin kam beim Besuch der Loveparade in das Gedränge im Bereich der östlichen Rampe, verlor dort das Bewusstsein und gibt an, eine posttraumatische Belastungsstörung und eine bis heute nicht ausgeheilte Knieverletzung erlitten zu haben. Wie der Senat ausführt, hafte indes – jedenfalls soweit dies im Prozesskostenhilfeverfahren zu beurteilen sei – für die Ansprüche der Klägerin allenfalls die Veranstalterin Lopavent GmbH. Eine persönliche Haftung des Geschäftsführers der Veranstalterin scheide aus Rechtsgründen aus. Eine Haftung der Stadt Duisburg und des Landes NRW komme gleichfalls nicht in Betracht, da vorrangig die Veranstalterin hafte. Ansprüchen gegen das Land NRW stehe außerdem entgegen, dass die Antragstellerin schon nicht konkret vorgetragen habe, welche Amtspflichtverletzungen sie der Polizei vorwerfe.

(Fall 2) Aus formellen Gründen zumindest vorläufigen Erfolg hatte eine weitere Beschwerde, da der die Prozesskostenhilfe ablehnende Beschluss nicht von den zuständigen Richtern bei dem Landgericht Duisburg erlassen worden sei. Aufgrund dieses Verfahrensfehlers hat der Senat die Entscheidung des Landgerichts Duisburg aufgehoben. Die zuständige Zivilkammer bei dem Landgericht Duisburg muss über den Prozesskostenhilfeantrag erneut entscheiden.

Die Erfolgsaussichten aller weiteren im Beschwerdeverfahren gegenständlichen Klagen hat der 18. Zivilsenat hingegen verneint:
(Fall 3) Ein als Ordner tätiger Antragsteller sei nicht in dem Gedränge selbst eingeschlossen gewesen, sondern lediglich Zeuge des Katastrophenereignisses geworden. Er zähle daher nicht zu den unmittelbar betroffenen Menschen, die unter Umständen auch für erlittene psychische Beeinträchtigungen entschädigt werden müssten. (Fall 4) Aus denselben Gründen hat der Senat die Erfolgsaussichten einer beabsichtigten Klage einer Frau verneint, die sich auf dem Festivalgelände außerhalb des Rampenbereichs aufgehalten hat und nicht Augenzeugin des unmittelbaren Geschehens geworden ist.

Die Klagen dreier weiterer Antragsteller (Fälle 5-7) – eine Besucherin, ein Besucher und ein privater Ordner – hätten gleichfalls keine Aussicht auf Erfolg, da die Antragsteller ihre Prozesskostenhilfeanträge erst nach Ablauf der Verjährungsfrist bei Gericht eingereicht und ihre Ansprüche auch vorher nicht rechtzeitig geltend gemacht hätten. Da sie ihre Ansprüche gegenüber der Veranstalterin haben verjähren lassen, hafte den Antragstellern auch weder die Stadt Duisburg noch das Land NRW. Eine Haftung des Geschäftsführers der Veranstalterin bestehe ebenfalls nicht.

B. Hinweis auf fehlende Erfolgsaussichten im Berufungsverfahren
Im Berufungsverfahren eines Feuerwehrmanns hat der Senat den Kläger auf die voraussichtliche Erfolglosigkeit seiner Berufung hingewiesen. Die Veranstalterin hafte dem Kläger nicht, weil er sich nicht in dem tödlichen Gedränge befunden habe und dort nicht zu Schaden gekommen sei. Der Kläger sei wie ein Zeuge des Geschehens zu behandeln, der seine psychische Schädigung entschädigungslos hinzunehmen habe. Außerdem sei ein eventueller Anspruch gegen die Veranstalterin verjährt. Der Geschäftsführer der Veranstalterin und das Land NRW hafteten dem Kläger deshalb ebenfalls nicht. Vor einer Entscheidung des Senats hat der Kläger zunächst Gelegenheit, zu den erteilten Hinweisen Stellung zu nehmen.

Aktenzeichen OLG Düsseldorf:
(Fall 1): I-18 W 64/15, (Fall 2): I-18 W 81/15, (Fall 3): I-18 W 67/15, (Fall 4): I-18 W 83/15, (Fall 5): I-18 W 63/15, (Fall 6): I-18 W 79/15, (Fall 7): I-18 W 76/15, (Berufungsverfahren): I-18 U 1/16

– Pressemeldung des OLG Düsseldorf –

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Stadt Duisburg konnte Projektentwickler „the developer“ für den Innenhafen gewinnen

Neuer Leuchtturm heißt „The Curve“:
Nach vielen Rückschlägen Chance auf Realisierung

Von Petra Grünendahl

Visualsierung von "The Curve". Quelle: die developer / Architekturbüro Structurelab.

Visualsierung von „The Curve“. Quelle: die developer / Architekturbüro Structurelab.

Ein eher trister Anblick: das Eurogate. Foto: Petra Grünendahl.

Ein eher trister Anblick: das Eurogate. Foto: Petra Grünendahl.

Oberbürgermeister Sören Link (m.), Stefan H. Mühling (2. v. r.) und Planungsdezernent Carsten Tum (r.) stellten "The Curve" im Hafenforum der Presse vor. Foto: Petra Grünendahl.

Oberbürgermeister Sören Link (m.), Stefan H. Mühling (2. v. r.) und Planungsdezernent Carsten Tum (r.) stellten „The Curve“ im Hafenforum der Presse vor. Foto: Petra Grünendahl.

„Die Treppe schreit danach, von den Bürgern genutzt zu werden“, stellte Projektentwickler Stefan H. Mühling klar. Die Treppe ist das Eurogate, welches mangels Absicherung im Hinterland nicht betreten werden darf und mit Bauzäunen abgesperrt ist. Die letzte Baulücke im Innenhafen bietet aktuell einen doch eher tristen Anblick. Sie soll bald geschlossen werden: Wenn bis 2017 Baurecht geschaffen ist, können Anfang 2018 die Bagger rollen. Ende 2019 würden die Gebäude ihrer Bestimmung übergeben. Erst dann will sich der Projektentwickler auch von den Immobilien trennen und sie an institutionelle Anleger verkaufen.

Im Hafenforum – mit Blick auf die Treppe, die es zu beleben gilt – stellte Stefan Mühling vom Projektentwickler „die developer“ (https://die-developer.de) zusammen mit Oberbürgermeister Sören Link und Stadtentwicklungsdezernent Carsten Tum die Pläne zum „Lückenschluss“ vor. Nachdem im Jahr 2012 der letzte potenzielle Investor abgesprungen war, war es sehr lange ruhig um dieses Projekt gewesen – zumindest in der Öffentlichkeit. Hinter den Kulissen hatte aber die Stadt Duisburg begonnen, die nicht realisierbaren Rahmenbedingungen zu ändern. Die Rahmenbedingungen waren an die Fördergelder gebunden, mit denen der Treppenbogen mal erbaut worden war. „Wir haben als Stadt gemeinsam mit dem Land nach einer Möglichkeit gesucht, dieses Projekt zu realisieren“, erklärte Sören Link. Die Einigung mit dem Wirtschaftsministerium in Düsseldorf mündete schließlich in neuen Rahmenbedingungen für ein Entwicklungsprojekt, ohne dass die Stadt erhaltene Gelder zurückzahlen muss. Knackpunkt war eine Wohnbebauung, die ursprünglich nicht vorgesehen war, für die es aber in dieser Lage durchaus eine Nachfrage gibt, was die Sache für einen Projektentwickler interessant machen kann. Zumal es eine hochwertige Wohnbebauung südlich des Hafenbeckens an den Grachten bereits gibt. Mit diesem Konzept ist die Stadt dann auf mögliche Projektentwickler zugegangen. Als Wunschpartner nahm schließlich „die developer“ die Herausforderung an, an dieser hervorgehobenen Stelle ein Zeichen zu setzen.

Für den Schlusspunkt die Kurve gekriegt

Visualsierung von "The Curve". Quelle: die developer / Architekturbüro Structurelab.

Visualsierung von „The Curve“. Quelle: die developer / Architekturbüro Structurelab.

Projektentwickler Stefan H. Mühling mit einer Planzeichung. Foto: Petra Grünendahl.

Projektentwickler Stefan H. Mühling mit einer Planzeichung. Foto: Petra Grünendahl.

Entlang der sichelförmigen Treppe wird ein Ensemble aus vier Gebäuden entstehen, die – so zumindest die ersten Entwürfe des Architekten Jürgen Schubert vom Architekturbüro Structurelab (https://www.structurelab.com/) – über die Dachgeometrie miteinander verbunden sind. Die bogenförmige Anordnung stand Pate für den neuen Namen „The Curve“, der das „Eurogate“ nun ablöst. Zwischen Treppe und Gebäuden wird es eine Promenade geben, die ebenso wie die Treppe zum Flanieren einlädt. Das Gebäude-Ensemble beginnt im Westen mit zwei Bürogebäuden mit 15.000 bis 20.000 Quadratmetern Büroflächen (7 – 8 Stockwerke hoch). In der Mitte schließt sich ein Hotel an, das mit fünf Geschossen Platz für 200 bis 250 Zimmern der Kategorie „vier Sterne plus“ bieten soll (auf 6.000.bis 8.000 Quadratmetern). In das Hafenbecken etwas hinein ragt das Wohngebäude, das wieder etwas höher wird, so dass die Dachgeometrie insgesamt eine Wölbung aufweist. Vorgesehen sind 80 bis 100 Wohnungen mit Grundflächen zwischen 50 und 150 Quadratmetern mit Balkonen zur Wasserseite. In den Erdgeschossen wird es Gastronomie geben, was die Aufenthaltsqualität erhöht. Unter den Gebäuden entstehen Parkflächen, die mindestens den Bedarf der Gebäudenutzer decken sollen. Eventuell gibt es dort auch gegen Gebühr öffentlich nutzbare Stellplätze.

Juwel Innenhafen: Gelungener Strukturwandel

Stefan Mühling präsetierte eine visualisierte Luftbild-Ansicht vom Areal. Foto: Petra Grünendahl.

Stefan Mühling präsetierte eine visualisierte Luftbild-Ansicht vom Areal. Foto: Petra Grünendahl.

Das Modell: "The Curve" zwischen Portsmouth-Damm und Five Boats. Foto: Petra Grünendahl.

Das Modell: „The Curve“ zwischen Portsmouth-Damm und Five Boats. Foto: Petra Grünendahl.

Das „Wohnen am Wasser“ ist der Traum eines jeden Stadtentwicklers, der aber selten auf so günstige Bedingungen trifft wie im Duisburger Innenhafen, der längst aus der aktiven Hafennutzung herausgefallen ist. Anfang der 1990-er Jahre war das Areal abgewirtschaftet und lag weitgehend brach. Mit dem Masterplan von Sir Norman Foster kamen die ersten Idealisten, die sich ab der zweiten Hälfte der Neunziger Jahre dort ansiedelten. Damit begann eine positive Entwicklung: das Areal wurde vom Hafenbetrieb abgetrennt, es siedelten sich Dienstleiter an, Verwaltungen, Museen, Gastronomie. Und – ein ganz großer Vorteil gegenüber dem Düsseldorfer Medienhafen! – hochwertiger Wohnraum wurde südlich des hinteren (östlichen) Hafenbeckens geschaffen. Für eine solche Wohnnutzung ist der Innenhafen prädestiniert, gibt es doch hier keine Verladung oder Hafennutzung mehr, die zu Interessenkollisionen führen kann (siehe auch Literatur-Hinweis am Ende des Textes). Auch Büroflächen sind zur Zeit sehr gefragt: Weniger als 3 Prozent Leerstand bei Büroimmobilien in Duisburg sprechen eine deutliche Sprache. Auch hier sehen die Projektentwickler gute Chancen.

Wenn dieses Projekt gelingt, dann schließt sich die Lücke in einem Areal, das insgesamt ein gelungenes Beispiel für Strukturwandel darstellt. Zwar ist das in der jüngsten Vergangenheit mit den Leuchtturmprojekten in Duisburg so eine Sache gewesen – Leuchttürme wuchsen nicht in den Himmel, sondern scheiterten mitunter schon am Fundament –, aber in diesem Fall sitzen Akteure am Tisch, die willens und in der Lage sind, das Projekt zu realisieren. Die Stadt einerseits will hier endlich eine Lücke schließen, die nur unbefriedigend sein konnte. Sie hat die Initiative ergriffen und einen potenziellen Projektentwickler angesprochen. Auch hat die Stadt dafür gesorgt, dass die Rahmenbedingungen, die früher Investoren abgeschreckt haben, angepasst werden konnten an das, was im Interesse von Projektentwicklern und Stadt gleichermaßen liegt. Und als „preferred bidder“, bevorzugter Investor, konnte eine Projektgesellschaft gewonnen werden, die in dieser Region schon mehrere Leuchtturmprojekte verwirklicht hat: Sie haben dabei nicht nur die nötige Kompetenz unter Beweis gestellt, sondern auch gezeigt, dass sie in der Lage sind, solche Großprojekte zu finanzieren. „Geld war nie ein Problem“, so Mühling, der mit einem Investitionsvolumen von rund 100 Mio. Euro für das Projekt „The Curve“ rechnet. Das sind gute Anzeichen dafür, dass es an dieser prominenten Stelle endlich voran gehen wird!

die developer Projektentwicklung GmbH
Stefan H. Mühling gründete die Gesellschaft 2008 zusammen mit Kurt Zech als Hauptgesellschafter der Zech Group GmbH, Bremen. Der Fokus liegt auf Projektentwicklung für Dienstleistungsnutzung, geografisch liegen die Tätigkeitsfelder in Nordrhein-Westfalen, an der Rheinschiene von Bonn bis Krefeld sowie im Ruhrgebiet. Mühling kann auf 30 Jahre Erfahrung in der Projektentwicklung zurückblicken. Zu den Referenzen der in Düsseldorf ansässigen Entwicklungsgesellschaft zählen der Kö-Bogen und der Vodafone-Campus in Düsseldorf, um hier nur einmal die namhaftesten Projekte aufzuzählen, die vollständig realisiert und ihrer Bestimmung übergeben sind. Hochwertige Immobilienprojekte sollen speziell rendite- und qualitätsorientierte Immobilieninvestoren ansprechen. Stefan Mühling präsentierte sein Unternehmen und sein Projekt durch und durch als solider Investor, der weiß, was er tut, der in jeder Hinsicht die nötigen Voraussetzungen mitbringt und der Duisburg gut tun wird. Auch wenn die Kaufverträge über das Areal erst noch verhandelt werden und Baurecht geschaffen werden muss, sitzen hier doch Menschen am Tisch (auf beiden Seiten), die sich ihrer Verantwortung für den Standort Innenhafen bewusst sind, und die zügig an der Umsetzung arbeiten werden.

Zur Thematik „Probleme der Stadtentwicklung in Binnenhäfen“ siehe auch:
Binnenschifffahrtsrechtstag „Stadtentwicklung versus Hafennutzung“ in Duisburg: Hafen wird als Wirtschaftsfaktor unterschätzt, Schifffahrts-Magazin, Heft 9/2013, Seite 24-25.
https://schifffahrts-news.de/archivausgaben/Schifffahrts-Magazin%2009%202013%20online.pdf

© 2016 Petra Grünendahl (Text und Fotos)
Visualisierungen: die developer / Architekturbüro Structurelab

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MKM Museum Küppersmühle: Markus Lüpertz im Innenhafen Duisburg

Dem Idealbild immer näher kommen wollen
Von Petra Grünendahl

Markus Lüpertz im Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl.

Markus Lüpertz im Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl.

Pressegespräch im Museum Küppersmühle (v.l.): Kurator Götz Adriani, Markus Lüpertz, Museumsdirektor Walter Smerling. Foto: Petra Grünendahl.

Pressegespräch im Museum Küppersmühle (v.l.): Kurator Götz Adriani, Markus Lüpertz, Museumsdirektor Walter Smerling. Foto: Petra Grünendahl.

Markus Lüpertz im MKM. Hinten an der Wand: "Westwall" (1968, 5-teilig, Gesamtmaß 200 x 1250 cm) Foto: Petra Grünendahl.

Markus Lüpertz im MKM. Hinten an der Wand: „Westwall“ (1968, 5-teilig, Gesamtmaß 200 x 1250 cm) Foto: Petra Grünendahl.

„Malen ist wie Luft holen: ich brauche das täglich“, erklärte Prof. Markus Lüpertz im Pressegespräch. In den hohen Hallen des Museums Küppermühle wirken selbst seine großformatigen Werke schon wieder filigran. Zu den imposantesten Werken zählen der „Westwall“, ein fünfteiliges Werk mit einem Gesamtmaß von 12,5 x 2 Metern, und „Gegen Abend besetzen Störche Lüpolis“, ein 20-teiliges Werk mit fast 12 x 3 Metern. Neben vielen, teils großformatigen Bildern gibt es auch Skulpturen des Künstlers. „Eine Arbeit gebiert die nächste“, so Lüpertz: „Das Werk in seinem Scheitern am Ideal, in seiner Unzulänglichkeit provoziert Neues.“ Die Gestaltung der Ausstellung, ihre Zusammensetzung und Installation oblag dem Kurator. Lüpertz sah sie zur Vorbesichtigung selbst zum ersten Mal: „Ich bin begeistert!“ Viele Bilder hatte er lange nicht gesehen: „Deshalb bin ich hier.“

Erstmalig präsentiert die Stiftung für Kunst und Kultur e. V. den Maler, Bildhauer und langjährigen Rektor der Kunstakademie Düsseldorf, Markus Lüpertz (*1941), im MKM Museum Küppermühle für Moderne Kunst im Duisburger Innenhafen. Unter dem Titel „Kunst, die im Wege steht“ umfasst die Ausstellung ausschließlich Werke Lüpertz’, die zur Sammlung des Ehepaars Ströher zählen, – und davon fanden noch nicht einmal alle Werke in den Erdgeschossräumen des Museums Platz. Die Sammlung von Sylvia und Ulrich Ströher ist wohl weltweit eine der Größten des Düsseldorfer Künstlers: Sie umfasst Werke ab Anfang der 1960-er Jahre bis heute – knappe 55 Jahre von Lüpertz’ Schaffen. Über alle diese Phasen erstreckt sich auch die Sonderausstellung, die mehr als 80 Arbeiten zeigt. Im Katalog, der mit der Eröffnung erscheint, sind allerdings alle Werke der Ströher-Sammlung vertreten. Museumsdirektor Walter Smerling stellte zusammen mit Kurator Götz Adriani und Markus Lüpertz die Ausstellung vor.

Markus Lüpertz im Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl.

Markus Lüpertz im Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl.

Markus Lüpertz: Gegen Abend besetzen Störche Lüpolis (1977, 20-teilig, Gesamtmaß 296 x 1187 cm). Foto: Petra Grünendahl.

Markus Lüpertz: Gegen Abend besetzen Störche Lüpolis (1977, 20-teilig, Gesamtmaß 296 x 1187 cm). Foto: Petra Grünendahl.

Bilder über den Faschismus (1980): Manifest (l.) und Haus der Kunst (r.). Foto: Petra Grünendahl.

Bilder über den Faschismus (1980): Manifest (l.) und Haus der Kunst (r.). Foto: Petra Grünendahl.

Markus Lüpertz: Die "Toten Tanz"-Reliefs (1989-1990). Foto: Petra Grünendahl.

Markus Lüpertz: Die „Toten Tanz“-Reliefs (1989-1990). Foto: Petra Grünendahl.

Markus Lüpertz: Judith (Bronze,1995). Foto: Petra Grünendahl.

Markus Lüpertz: Judith (Bronze,1995). Foto: Petra Grünendahl.

Überblick über Lüpertz’ Schaffen
Bilderzyklen, Serien und Variationen hängen zusammen – auch als Ausstellungsobjekte: Die Räume sind nach Themen und Motiven gegliedert. Das vermittelt dem Betrachter Zusammenhänge. Der Dädalus-Zyklus (33 Bilder), fünf Bilder über den Faschismus, vier Bilder über den Krieg sowie die Druckstöcke zur Serie „Männer ohne Frauen (Parsifal)“ (das Foto im Header zeigt einen Auszug) werden vollständig gezeigt. Die Ausstellung zeigt die Entwicklung Lüpertz in über fünfzig Jahren. Der Titel der Ausstellung, „Kunst, die im Wege steht“ greift den Titel von einer seiner ersten Präsentationen 1966 in Berlin auf. Hier und heute stellt „Kunst, die im Wege steht“ einen sehr umfassenden Überblick über Lüpertz’ gesamtes Lebenswerk dar.

Der Katalog zur Ausstellung ist zur Eröffnung erschienen: Das umfassende Werk mit Beiträgen von Götz Adriani, Walter Smerling und Peter Weibel (120 Seiten, 113 farbige Abbildungen, Wienand Verlag Köln, ISBN 978-3-86832-311-5) ist an der Museumskasse für 25 Euro zu haben (im Buchhandel teurer).Von Duisburg geht die Ausstellung nach Karlsruhe, wo sie ab 9. Juli im ZKM Zentrum für Kunst und Medientechnologie zu sehen ist.

Museum Küppersmühle:
Duisburger haben donnerstags freien Eintritt

Die Arbeiten sind noch bis zum 29. Mai 2016 in den Erdgeschossräumen des Museums zu sehen. Das Museum Küppersmühle findet man im Innenhafen am Philosophenweg 55 (Haupteingang). Mittwochs ist das Museum von 14 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis sonntags sowie feiertags von 11 bis 18 Uhr. Montags und dienstags ist Ruhetag. Der Eintritt kostet nur für die Wechselausstellungen 6 Euro, für das gesamte Haus (inkl. Wechselausstellung) 9 Euro. Ermäßigt sowie bei Gruppen ab 10 Personen zahlt man pro Person 4,50 Euro, Kinder und Schüler über sechs Jahren zahlen 2 Euro. Kinder unter sechs Jahren haben freien Eintritt, ebenso donnerstags alle Duisburger (gegen Vorlage des Personalausweises). Alle Ausstellungsräume des Museums sind auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich. Führungen durch die Sammlung sowie durch laufende Ausstellungen gibt es jeden Sonntag um 15 Uhr, aber auch nach Vereinbarung. Am Donnerstag, 21. April, um 17 Uhr findet eine Führung der Reihe „Kunst und Genuss“ durch die Lüpertz-Ausstellung statt: inklusive Getränk und Imbiss zum Ausklang im Restaurant Küppersmühle beträgt der Teilnahmepreis 21 Euro (Anmeldung unter https://www.museum-kueppersmuehle.de/informatîon/veranstaltungsprogramm. Mehr Informationen gibt es auf den Internet-Seiten des Museums Küppersmühle für Moderne Kunst.

© 2016 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Duisburg-Wanheimerort: Neue Bebauungspläne verhindern Ansiedlung von Spielhallen

Von der Aufenthaltsqualität in Einkaufszonen: Ein Kommentar
Von Petra Grünendahl

Der Bebauungsplan südlich der Fischerstraße reicht von der Eschenstraße im Westen bis zur Düsseldorfer Straße im Osten.

Der Bebauungsplan südlich der Fischerstraße reicht von der Eschenstraße im Westen bis zur Düsseldorfer Straße im Osten.

Vermehrt habe es in letzter Zeit Anfragen zur Ansiedlung von „Vergnügungsstätten“ an der Fischerstraße in Wanheimerort gegeben, heißt es zur Beschlussvorlage, die dem Rat der Stadt vorlag. Der eine oder andere Leerstand auf der Basarstraße lädt auch dazu ein. Diverse Leerstände sind mittlerweile neu vermietet, andere stehen noch immer – teils auch schon länger – leer. Augenoptiker oder Hörgeräte-Akkustiker waren die letzten Einzelhändler, die sich in größerer Anzahl im Umkreis von recht neu errichteten Seniorenheimen und Altenwohnungen niedergelassen hatten. Weitere Ansiedlungen in dieser Richtung scheint es nicht mehr zu geben, zumal wohl langsam eine Sättigung des Marktes erreicht wird.

Fußgängerzone Fischerstraße in Wanheimerort. Foto: Petra Grünendahl,

Fußgängerzone Fischerstraße in Wanheimerort. Foto: Petra Grünendahl,

In der letzten Ratssitzung wurde ein Bebauungsplan verabschiedet (B-Plan 1198), der südlich von der Fischerstraße bis an die Düsseldorfer Straße die Ansieldung von „Vergnügungsstätten“ teils völlig ausschließen soll. Lediglich zwischen Erlen- und Fliederstraße soll der Betrieb ausnahmsweise zulässig sein. Der südliche Teil der Basarstraße bleibt damit überwiegend dem Einzelhandel und der bürgerlichen Gastronomie vorbehalten. Einen ähnlichen Bebauungsplan wird man aber mit Sicherheit in absehbarer Zeit auch für die nördliche Straßenhälfte beschließen müssen, denn auch dort gibt es Leerstände. Gut gemeintes Ziel ist es, die Nahversorger- und Aufenthaltsqualitäten in diesem Bereich zu stärken und zu erhalten. Das Problem fängt allerdings nicht erst dort an, wo sich Vergnügungsstätten ansiedeln wollen. Ansetzen muss man da schon viel früher – und vielleicht ist es auch noch nicht zu spät, obwohl der Branchenmix auf der Basarstraße schon lange recht einseitig ist, es in Wanheimerort beispielsweise weder eine Buchhandlung noch einen Schreibwarenladen gibt. Nur die Versorgung mit Lebensmittelgeschäften und Drogeriewaren ist vermutlich nirgends in Duisburg besser als hier.

uebrigens!Kommentar: Die Aufenthaltsqualität muss auch der Kunde pflegen!
Das Kind fällt nicht erst in den Brunnen, wenn Ladenlokale länger leer stehen. Das Kind ist schon in den Brunnen gefallen, wenn Geschäfte dicht machen (müssen), weil die Erträge Kosten und Lebensunterhalt nicht mehr decken (können). Das muss nicht an schlechtem Wirtschaften des Geschäftsinhabers liegen. Viel häufiger liegt es heutzutage daran, dass nicht mehr ausreichend Kunden dort einkaufen. Der überwiegend inhabergeführte Einzelhandel kann aber nur dann überleben, wenn die Kundschaft von vor Ort dort auch einkauft. Geben die ersten Läden auf, sinkt auch die Kundenfrequenz in den anderen Geschäften: eine Spirale nach unten. Und wenn erst einmal der Branchenmix nicht mehr stimmt, orientieren sich Kunden auch gerne woanders hin. Auch das zum Schaden der verbliebenen Geschäfte.

Leerstände in der Fußgängerzone Fußgängerzone Fischerstraße in Wanheimerort. Foto: Petra Grünendahl,

Leerstände in der Fußgängerzone Fußgängerzone Fischerstraße in Wanheimerort. Foto: Petra Grünendahl,

Leerstände in der Fußgängerzone Fußgängerzone Fischerstraße in Wanheimerort. Foto: Petra Grünendahl,

Leerstände in der Fußgängerzone Fußgängerzone Fischerstraße in Wanheimerort. Foto: Petra Grünendahl,

Leerstände in der Fußgängerzone Fußgängerzone Fischerstraße in Wanheimerort. Foto: Petra Grünendahl,

Leerstände in der Fußgängerzone Fußgängerzone Fischerstraße in Wanheimerort. Foto: Petra Grünendahl,

Gerne lässt sich auch der Kunde von heute noch in inhabergeführten Fachgeschäften beraten – und kauft dann im Internet, weil es dort ein bisschen billiger ist. Natürlich kann es dort billiger sein, denn es entfällt die Geschäftsmiete und der Aufwand für Beratung. Wer sich diese Beratung aber langfristig sichern will, sollte auch bereit sein, dafür zu bezahlen. Gleiches gilt aber auch für den vielfältigen Bedarf, den ich unter Umständen noch vor Ort decken kann: Die Leute, die anfangen, diesen Bedarf außerhalb zu decken, ziehen den ersten Bogen zur Spirale nach unten. Da muss man gegenhalten, solange die Aufenthaltsqualität der Einkaufszonen noch zu retten ist.

Man kann die Entwicklung an der Wanheimer Straße in Hochfeld bedauern. Zu viele „Vergnügungsstätten“ gab es dort aber schon längst, als der Stadtrat über einen Bebauungsplan doch endlich gegensteuern wollte. Früher war alles besser? Wenn Geschäfte schließen, hat das zumeist den Grund, dass sie sich nicht mehr rechnen. Dann steht hier ein Laden leer und dort ein Laden leer: Der sinkenden Attraktivität geschuldet folgen im Dominoeffekt die nächsten Geschäfte, die aufgeben. Und schließlich ziehen halt jene in die Ladenlokale ein, die sich noch gute Geschäfte versprechen. Und das sind dann eher diejenigen, die ihr gutes Geld mit den weniger Betuchten verdienen: Spielhallen zum Beispiel. Und die Leute, die Geld haben, kaufen schon lange woanders ein …

Der Kunde muss schon seine Geschäfte vor Ort „pflegen“, wenn er will, dass sie ihm erhalten bleiben. Denn unterm Strich sieht es doch ganz einfach so aus: Jeder bekommt die Einkaufsstraße, die er verdient!

Niederrheinische IHK - Industrie- und Handelskammer Duisburg an der MercatorstraßeInhabergeführte Geschäfte leisten noch mehr
Und der lokale Einzelhandel und Gastronomiebetriebe bestimmen ja nicht nur maßgeblich die Aufenthaltsqualität von Fußgängerzonen und Stadtteilen, sondern leisten noch viel mehr: Einer Studie der IHK Niederrhein zufolge stärken Ladeninhaber vor Ort das Gemeinwohl, dem sich gerade die inhabergeführten Betriebe verpflichtet fühlen. Hier geht es zur Studie: https://www.ihk-niederrhein.de/Studie-Handel.

© 2016 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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thyssenkrupp beteiligt sich zum ersten Mal an der ExtraSchicht: Besucher können in Duisburg beim „Erlebnis Stahl“ dabei sein

extraschicht_logo„ExtraSchicht – Die Nacht der Industriekultur“ ist im jeden Sommer das Top-Ereignis im Ruhrgebiet und ein Anziehungspunkt für viele Gäste. Seit 2001 findet die von der Ruhr Tourismus GmbH organisierte Veranstaltung statt. Allein im vergangenen Jahr besuchten mehr als 200.000 Besucher das Kulturfest. Bei der 16. Neuauflage am 25. Juni 2016 ist zum ersten Mal auch thyssenkrupp dabei. Die Stahlsparte in Duisburg bietet rund um das Technikzentrum in Hamborn ein Programm mit Informationen über das Unternehmen und interessanten Einblicken in die Herstellung des modernen Werkstoffs. Außerdem werden Rundtouren per Bus über das Werkgelände angeboten.

Von 18 bis um 2 Uhr in der Nacht läuft das größte Kulturfest in Deutschland an 48 Spielorten mit mehr als 500 Veranstaltungen. Erstmalig fährt auch thyssenkrupp eine „ExtraSchicht“. thyssenkrupp Steel Europe beteiligt sich als einer der wenigen produzierenden Betriebe daran. Unter dem Motto „Erlebnis Stahl“ wird den Besuchern eine hochmoderne, industrielle Fertigung und die Bedeutung des riesigen Hüttenwerkes für die Region näher gebracht werden. Der Anlass dafür ist das Jubiläum „125 Jahre Stahl in Duisburg“: Am 17. Dezember 1891 wurde im Stahlwerk Bruckhausen, dem jetzigen Oxygenstahlwerk 1, in Gegenwart von Firmengründer August Thyssen der erste Stahl erschmolzen. Heute ist die Stahlsparte von thyssenkrupp mit circa 14.000 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber Duisburgs und die Stadt nach wie vor der größte Stahlstandort Europas.

Thyssenkrupp Steel Europe: Das Betriebsgelände aus der Luft. Foto: TKSE.

Thyssenkrupp Steel Europe: Das Betriebsgelände aus der Luft. Foto: TKSE.

Weitere Informationen unter https://www.extraschicht.de

– Presseinformation und Foto: thyssenkrupp Steel Europe AG –

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Bildhauer Johannes Brus in Duisburg: Doppelausstellung im Museum DKM und im Lehmbruck Museum

Vom „Einerlei wo außerhalb der Welt“ im Museum DKM zur „Probe zu: Tanzen für Brâncuşi“ im Lehmbruck Museum
Von Petra Grünendahl

Bildhauer Johannes Brus mit seinem Werk „Zwei Bildhauer und ihr Werk“. Foto: Petra Grünendahl.

Bildhauer Johannes Brus mit seinem Werk „Zwei Bildhauer und ihr Werk“. Foto: Petra Grünendahl.

Johannes Brus' "Kontrolleurin" links, das "Gespenst" rechts in der Glashalle des Lehmbruck Museums. Foto: Petra Grünendahl.

Johannes Brus‘ „Kontrolleurin“ links, das „Gespenst“ rechts in der Glashalle des Lehmbruck Museums. Foto: Petra Grünendahl.


Mit „Einerlei wo außerhalb der Welt“ zeigt das Museum DKM im Anbau Werke von Johannes Brus’ künstlerischen Reisen durch exotische Welten, archaische Kulturen und mythische Gestalten. Skulpturen von Tieren sind eingerahmt von großformatigen bearbeiteten fotografischen Arbeiten von Elefanten, Pferden oder Maharadschas, die Brücken bauen zu den Totenbeigaben aus dem alten China und der Khmer-Kultur, die in der Sammlung DKM präsentiert werden. Die steinernen und Bronze-Köpfe im Eingangsbereich (Foto im Header) schlagen den Bogen zu den vielfältigen Kopf-Skulpturen in der Dauerausstellung. Ganz anders empfängt den Besucher Johannes Brus in der großen Glashalle im Lehmbruck Museum. Hier hat Brus im Rahmen von „Sculpture 21st“ eine eher bodenständige Installation geschaffen, in der sich Einzelwerke des Künstlers sich um die zentrale Figur „Die blonde Negerin“ (La Négresse blonde) von Constantin Brâncuşi (rumänisch-französischer Bildhauer, 1876-1957) zu bewegen scheinen. Erstmals zu sehen sind hier die „Tänzerinnen“, deren Dynamik einen Hauch von Bewegung in das Ensemble bringt.

 

Der Künstler Johannes Brus (3. v. l.) zusammen mit den Ausstellern seiner Werke (v. l.): Klaus Maas, Dirk Krämer, Dr. Söke Dinkla, Thomas Krützberg und Dr. Michael Krajewski. Foto: Petra Grünendahl.

Der Künstler Johannes Brus (3. v. l.) zusammen mit den Ausstellern seiner Werke (v. l.): Klaus Maas, Dirk Krämer, Dr. Söke Dinkla, Thomas Krützberg und Dr. Michael Krajewski. Foto: Petra Grünendahl.

Zwei Duisburger Museen, das Lehmbruck Museum in Kantpark sowie das Museum DKM wenige Gehminuten entfernt in der Güntherstraße, präsentieren unterschiedliche Variationen aus dem Werk des Bildhauers und Fotografen Johannes Brus (*1942). Duisburgs Kulturdezernent Thomas Krützberg stellte zusammen mit Museumsdirektoren Dr. Söke Dinkla, Kurator Dr. Michael Krajewski sowie den Vorständen der Stiftung DKM, den Kunstsammlern Dirk Krämer und Klaus Maas, die Ausstellung sowie den anwesenden Künstler Johannes Brus vor.

Constantin Brâncuşis "Die blonde Negerin" (La Négresse blonde). Foto: Petra Grünendahl. Foto: Petra Grünendahl.

Constantin Brâncuşis „Die blonde Negerin“ (La Négresse blonde). Foto: Petra Grünendahl. Foto: Petra Grünendahl.

Eine Homage an Constantin Brâncuşi. Foto: Petra Grünendahl.

Eine Homage an Constantin Brâncuşi. Foto: Petra Grünendahl.

Eine der "Tänzerinnen" von Johannes Brus ind er großen Glashalle. Foto: Petra Grünendahl.

Eine der „Tänzerinnen“ von Johannes Brus ind er großen Glashalle. Foto: Petra Grünendahl.

Eine der "Tänzerinnen" von Johannes Brus ind er großen Glashalle. Foto: Petra Grünendahl.

Eine der „Tänzerinnen“ von Johannes Brus ind er großen Glashalle. Foto: Petra Grünendahl.

Die "Kontrolleurin" von Johannes Brus ind er großen Glashalle. Foto: Petra Grünendahl.

Die „Kontrolleurin“ von Johannes Brus ind er großen Glashalle. Foto: Petra Grünendahl.

Der in Gelsenkirchen geborene Künstler studierte an der Kunstakademie in Düsseldorf (1964-71) und lehrte später Bildhauerei unter anderem als Professor an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig (1986-2007). Er lebt und arbeitet in Essen-Kettwig. Die Werke von Johannes Brus sind bereits die zweite „gemeinsame“ Ausstellung der beiden Museen, darüber hinaus arbeiten sie aber schon länger zusammen. Zusammen mit dem MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst im Innenhafen machen sie als „die Duisburger Kunstmuseen“ klar, dass Duisburg eine ganze Menge zu bieten hat.

Von der Stille zur Dynamik der Bewegung
Während „Einerlei wo außerhalb der Welt“ vom Blick der Sammler geprägt ist, die mit den Werken von Brus über das Archaische, Eexotische ihre Annäherung an die eigene Sammlerleidenschaft suchen, konzentriert sich „Probe zu: Tanzen für Brâncuşi“ auf die menschliche Figur, den Körper, die Anatomie, die Bewegung. Zu den Tänzerinnen, von denen Brus im Lehmbruck drei Figuren erstmalig ausstellt, haben ihn Fotos der Kompanie Pina Bausch inspiriert, deren Körperlichkeit er in Gips modelliert hat. Gips, Beton, Porzellan oder auch schon mal Holz oder Elastomere sind seine Materialien für Skulpturen. Auch die fotografischen Arbeiten sind nicht nur auf speziellem Barytpapier abgezogene Aufnahmen, sondern farbig getont und bearbeitet, dass ihr Ursprung als Fotografie nicht mehr sichtbar ist.

Die beiden Ausstellungen werden am Mittwoch, 16. März, eröffnet: Zunächst um 18.30 Uhr mit einer zentralen Eröffnung im Lehmbruck Museum, anschließend im Museum DKM mit einem Gespräch mit dem Künstler Johannes Brus. Pünktlich zur Ausstellungseröffnung präsentieren Lehmbruck Museum und Museum DKM eine Publikation über den Künstler – „Johannes Brus in Duisburg“ – mit Texten von Söke Dinkla, Hans Günter Golinski, Jochen Hörisch und Kurator Michael Krajewksi (erschienen im Kerber-Verlag, ISBN 978-3-7356-0227-5). Das „Künstlerbuch“ mit vielen spannenden Fotografien und informativen Texten ist für 30 Euro in beiden Museen erhältlich (im Buchhandel 35 Euro).

 
 
Lehmbruck Museum
Johannes Brus’ Installation „Probe zu: Tanzen für Brâncuşi“ in der Glashalle des Lehmbruck Museums läuft bis zum 16. Mai 2016. Dienstags bis freitags ist das Lehmbruck Museum ab 12 Uhr geöffnet, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags wegen der plastikBAR bis 21 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro, ermäßigt 5 Euro. Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Schulklassen und Kindergärten pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte gibt es für 15 Euro.

Zu den Sonderausstellungen bietet das Lehmbruck Museum Rahmenprogramme an. Details findet man auf den Internet-Seiten des Museums. Öffentliche Führungen gibt es jeden Sonntag, sie kosten 2 Euro zusätzlich zum Eintritt. Für weitere Informationen und Buchungen steht die Kunstvermittlung unter Telefon 0203 / 283-2195 oder eMail kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de zur Verfügung. Weitere Informationen gibt es unter tickets@lehmbruckmuseum.de, Telefon 0203 / 283-2195 oder www.lehmbruckmuseum.de.

(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70%), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen mit Sozialhilfebezug.

 
 

Eine Elefantenplastik von Johannes Brus im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Eine Elefantenplastik von Johannes Brus im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Museum DKM
Die Ausstellung von Johannes Brus ist ab Samstag, 19. März, bis zum 4. September 2016 zugänglich. Während der Laufzeit der Ausstellung wird es auch hier verschiedene Führungen geben. Die Teilnahme ist in Verbindung mit der Eintrittskarte kostenfrei.

Regulär geöffnet hat das private Museum DKM an der Güntherstraße 13-15 im Dellviertel samstags und sonntags zwischen 12 und 18 Uhr sowie jeden ersten Freitag im Monat ebenfalls zwischen 12 und 18 Uhr. Montags bis freitags wird ansonsten nur nach Vereinbarung für Gruppen geöffnet. Der Eintritt kostet 10 Euro (ermäßigt 5 Euro, für Schüler und Studenten bis 28 Jahre), Kinder bis 7 Jahre haben freien Eintritt. Für Gruppen (zw. 10 und 15 Personen) gibt es einen Gruppentarif (7 Euro pro Person) zzgl. einer (kostenpflichtigen) Führung. Weitere Infos gibt es hier.

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© 2016 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Masterplan Wirtschaft für Duisburg: Beteiligte ziehen positive Zwischenbilanz

Stadtverwaltung und Wirtschaft in einem Boot:
„Wir müssen vorhandene Potenziale nutzen!“

Von Petra Grünendahl

„Wir waren vor einem Jahr sehr mutig, einen Masterplan Wirtschaft aufstellen zu wollen“, erklärte Heinz Lison, Sprecher der regionalen Wirtschaft im Unternehmerverband Duisburg. „Ziel des Masterplanes ist der wirtschaftliche Aufbruch, den Duisburg dringend braucht.“ Rund 16.000 Langzeitarbeitslose, eine Strukturschwäche, zu der auch die hohe Verschuldung der Stadt zählt, sowie ein hoher Anteil Jugendlicher, der die Schule ohne Abschluss verlässt, sind die Lasten: Duisburg bliebe unter seinen Möglichkeiten, so Lison. „Ihnen, Herr Oberbürgermeister, ist es sehr ernst: Vielen Dank!“ Die Initiative von Unternehmerverband und IHK Niederrhein (Industrie- und Handelskammer Duisburg-Wesel-Kleve) zielt darauf, zusammen mit der Stadtverwaltung Ideen zu bündeln mit dem Ziel: Wie bekommen wir mehr Arbeitsplätze in unsere Stadt.

Die Vorsitzenden des Lenkungskreises, von links: IHK-Präsident Burkhard Landers, Oberbürgermeister Sören Link und Heinz Lison, Sprecher der regionalen Wirtschaft, stellen die Zwischenbilanz zum "Masterplan Wirtschaft für Duisburg" vor. Foto: Petra Grünendahl.

Die Vorsitzenden des Lenkungskreises, von links: IHK-Präsident Burkhard Landers, Oberbürgermeister Sören Link und Heinz Lison, Sprecher der regionalen Wirtschaft, stellen die Zwischenbilanz zum „Masterplan Wirtschaft für Duisburg“ vor. Foto: Petra Grünendahl.

Gemeinsam zogen Heinz Lison, IHK-Präsident Burkhard Landers und Oberbürgermeister Sören Link als Vorsitzende des Lenkungskreises „Masterplan Wirtschaft für Duisburg“ eine Zwischenbilanz. Nach der Sitzung des Lenkungskreises im Haus der Unternehmer standen die Vorsitzenden der Presse Rede und Antwort. Sie lobten einhellig das Engagement der Duisburger Wirtschaft, aber auch der Verwaltung, die allesamt mit dem Ziel am Tisch säßen, um Duisburg weiter nach vorne zu bringen. Konkrete Handlungsempfehlungen und Projekte werden in fünf Arbeitsgruppen entwickelt, in denen neben Vertretern von Wirtschaft und Stadtverwaltung auch Repräsentanten der Stadtgesellschaft sitzen: Sie wollen – auch mit Experten, die von außen auf die Stadt und ihre Möglichkeiten schauen – Entwicklungsmöglichkeiten eruieren und Rahmenbedingungen verbessern.

Der Standort bleibt unter seinen Möglichkeiten
Made_in_Duisburg„Duisburg hat das Potenzial für eine erfolgreiche Zukunft“, stellte Heinz Lison fest. Hervorragend sei die strategische Lage in Deutschland und Europa. Auch aus dieser guten Lage heraus ergibt sich die Bedeutung des Hafens als Wachstumsmotor in der Stadt, aber auch als Imagefaktor, der Duisburg weltweite Bedeutung verschafft: „Das ist Champions League!“, urteilte Lison. Das dritte Plus sei die Industrie, und hier insbesondere: die mittelständische Industrie. „Wir haben hier mittelständische Unternehmen, die Weltmarktführer sind in ihrem Bereich: hidden champions!“, hob Lison hervor. Einen kleinen Einblick in die Vielfalt gibt die Broschüre „Made in Duisburg“, die im Zuge des Masterplans entstanden ist.

Auch die Universität Duisburg-Essen ist ein wichtiger Baustein, der den Standort Duisburg als möglichen Firmenstandort attraktiv macht. Natürlich sind die Absolventen als Facharbeitskräfte gefragt. Die hier in der Region zu halten, ist nicht nur für die Wirtschaft wichtig. Auch die Forschung kommt Unternehmen vor Ort zugute. Hier bestünde allerdings noch Potenzial: „Wir müssen mehr Verbindungen zum Mittelstand herstellen“, machte der Wirtschaftssprecher klar. Nicht nur die fachliche Forschung ist hierbei von Interesse, sondern auch das an der Uni ansässige Kompetenzzentrum für Innovation und Unternehmensgründung, das die Entwicklung und Umsetzung von Projektideen Geschäftskonzepten aus der Uni heraus befördern soll. Die Stadt will sich hier bemühen, mehr „Gründerimmobilien“ anzubieten. Bisherige Kapazitäten beispielsweise im Tectrum (Technologiezentrum für Duisburg) reichten, so der Oberbürgermeister, schon längst nicht mehr aus. Für Gründer bezahlbar müssten diese Einsteigerstandorte sein – und den Gründern nach der Konsolidierungsphase gute Angebote für eine endgültigen Firmenstandort gemacht werden.

Zu guter Letzt gehören auch die Menschen in Duisburg zu den Pluspunkten, die Unternehmen in unsere Stadt an der Schnittstelle von Rheinland, Niederrhein und Ruhrgebiet locken könnten: Verlässlich und fleißig seien die Menschen hier, betonte Heinz Lison, – und: Integration sei eine Selbstverständlichkeit. Die Internationalität der Stadt, sagte er: „da gibt es unendlich viele positive Beispiele!“ Und gerade das ist ein Pluspunkt, mit dem heutzutage nicht jede Region in Deutschland punkten kann.

Mit seinen Potenzialen sollte Duisburg offensiver umgehen – nach außen wie nach innen, denn auch so mancher Einwohner sieht nicht die vielen positiven Seiten der Stadt, die man dann – in der Region und darüber hinaus – durchaus kommunizieren dürfte. Im nächsten Jahr soll eine Imagekampagne für Duisburg anlaufen, die die Stärken herausstellt. Angedacht sind auch „Stadtrundfahrten“ mit potenziellen Investoren, denen man mögliche Ansiedlungsflächen präsentiert. Der Duisburger Hafen fährt mit einer solchen Strategie seit Jahren schon sehr erfolgreich: Bedeutende Ansiedlungen auf Hafenflächen bestätigen dies.

Wirtschaft schätzt Duisburger Standortqualitäten
Die Zufriedenheit der Unternehmer in Duisburg sei Umfragen zufolge hoch, berichtete IHK-Präsident Landers. Die Standortbedingen gelten als gut, mit Genehmigungsverfahren sind die meisten zufrieden (beim Index „Genehmigungswirklichkeit“ liegt Duisburg im oberen Drittel). Die Unternehmen seien gerne in Duisburg, weiche Standortfaktoren wie beispielsweise Familienfreundlichkeit lägen mittlerweile hoch im Kurs. Oberbürgermeister Link wies darauf hin, dass die Stadt hier frühzeitig ihre Hausaufgaben gemacht habe: „Schon vor den jeweiligen Stichtagen hatten wir die vorgeschriebene Ausbaustufen der Kinderbetreuung verwirklicht.“ Auf Kosten der Stadtkasse übrigens, denn für eine ausreichende Finanzierung haben die Gesetzgeber in Bund und Land nicht gesorgt. Nach wie vor ein Schwachpunkt kommunaler Finanzierung, die Duisburg teuer zu stehen kommt. Und nach solchen Faktoren fragten, so Landers, auch Stellenbewerber, sofern sie Familie haben oder planen: Das ist ein Plus für die Unternehmen bei der Suche nach qualifizierten Arbeitskräften.

Problematisch für die Wirtschaft sind vor allem zwei Faktoren: die hohe Gewerbesteuer sowie die unzureichende Ausweisung von Industrieflächen. Die Gewerbesteuer ist dabei weniger oder zumindest nicht ausschließlich ein Grund, wenn Unternehmen Duisburg verlassen. Fehlende Flächen für Betriebserweiterung sind es häufiger und dann auch in erster Linie, die zur Umsiedlung in andere Städte der Region bewegen. Ein Verlust für Duisburg, dem gegengesteuert werden sollte, denn Unternehmen in der Stadt halten und neue Unternehmen anzusiedeln (mit der entsprechenden Steigerung von Gewerbesteuererträgen), sollte auch in Zukunft irgendwann die von der Wirtschaft angestrebte Senkung der Hebesätze ermöglichen.

Das ist ein guter Anfang!

Die Vorsitzenden des Lenkungskreises), von links:  Oberbürgermeister Sören Link, IHK-Präsident Burkhard Landers und Heinz Lison, Sprecher der regionalen Wirtschaft, stellen die Zwischenbilanz zum "Masterplan Wirtschaft für Duisburg" vor. Foto: Petra Grünendahl,

Die Vorsitzenden des Lenkungskreises), von links: Oberbürgermeister Sören Link, IHK-Präsident Burkhard Landers und Heinz Lison, Sprecher der regionalen Wirtschaft, stellen die Zwischenbilanz zum „Masterplan Wirtschaft für Duisburg“ vor.
Foto: Petra Grünendahl,

„Wir haben viel erreicht“, bilanzierten die Vorsitzenden des Lenkungskreises unisono. Offen und mitunter auch kontrovers diskutierten die Beteiligten aus Wirtschaft und Verwaltung, das Engagement sei auf beiden Seiten hoch, betonten sie. Ein Lichtblick beim Erreichen der Ziele des Masterplans sind insbesondere die für die Infrastruktur geplanten rund 40 Mio. Euro. Das ist etwa die Hälfte der in der letzten Ratssitzung abgesegneten 81 Mio. Euro an kommunaler Investitionsoffensive die zu 90 Prozent vom Bund bezuschusst wird. Groß ist der Spielraum nämlich nicht, den die Stadt an eigenem Geld in die Hand nehmen kann, um die Handlungsempfehlungen des Masterplans zu unterstützen. Engagement beweist auch hier wieder einmal die lokale Wirtschaft, die sich auf freiwilliger Basis finanziell einbringen will. „Und wir reden hier nicht nur von den Unternehmen, an die wir immer zuerst denken, wenn es um das Sponsoring von Projekten in unserer Stadt geht“, stellte Burkhard Landers klar. Die Unterstützung für den Standort steht schon auf breiten Beinen in der Wirtschaft: Die Unternehmen bringen sich ein! Der Sprecher der regionalen Wirtschaft bilanzierte schließlich: „Das ist ein guter Anfang, es bleibt aber noch viel zu tun. Der Masterplan ist eine gute Chance für Duisburg!“

© 2016 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Fressnapf investiert im Duisburger Hafen

Neues Importlager für Waren aus Asien und Nordamerika / Errichtung eines Logistikzentrums auf logport I noch in 2016 / bis zu 150 neue Arbeitsplätze

Das Areal von logport I in Rheinhausen. Foto: Hans Blossey / duisport.

Das Areal von logport I in Rheinhausen. Foto: Hans Blossey / duisport.

Die FRESSNAPF-Gruppe, Europas Marktführer der Heimtierbranche, baut ihre Präsenz rund um ihre Unternehmenszentrale in Krefeld weiter aus: Gemeinsam mit einem international führenden Immobilienkonzern soll 2016 ein neues Logistikzentrum auf logport I in Duisburg-Rheinhausen entstehen. FRESSNAPF plant dort, ein Importlager insbesondere für Waren aus Asien und Nordamerika einzurichten. Aufgrund der optimalen Vernetzung des Duisburger Hafens und seiner Rolle als führende Logistikdrehscheibe in Zentraleuropa fiel die Wahl auf den Standort Duisburg.

Die künftige Logistik-Niederlassung ist ein weiterer Baustein für FRESSNAPFs fortschreitenden Wachstumskurs: „Das neue Importlager bietet uns beste Voraussetzungen für unsere ambitionierten Ziele“, so der Geschäftsführer für Ware, Logistik und Cross-Channel-Marketing Alfred Glander, „insbesondere der Warenfluss für unser Wachstum im Eigenmarken-Bereich wird hiervon stark profitieren.“

Das neue Logistikzentrum für FRESSNAPF soll auf der noch freien Fläche an der Europaallee entstehen. Diese war bislang für die Ansiedlung der Firma Talke vorgesehen, die sich entschieden hat, ihr Vorhaben in Duisburg nicht weiter zu verfolgen.

„Wir haben gemeinsam mit Talke eine Lösung gefunden, die eine kurzfristige Nutzung des Areals ermöglicht. logport bietet mit seiner trimodalen Infrastruktur ideale Voraussetzungen für die neue Importdrehscheibe von FRESSNAPF. Die Unternehmensgruppe wächst dynamisch. Wir freuen uns, diese Entwicklung logistisch begleiten zu können“, so Erich Staake, Vorstandsvorsitzender der Duisburger Hafen AG.

FRESSNAPF beabsichtigt, an dem neuen Logistikstandort perspektivisch bis zu 150 Arbeitsplätze zu schaffen – zu Beginn im Zwei-, später im Drei-Schicht-Betrieb. Vorbehaltlich der behördlichen Genehmigung wird der Bau des Logistikzentrums noch in diesem Jahr beginnen, so dass FRESSNAPF schnellstmöglich einziehen kann.

– Pressemeldung der Duisburger Hafen AG –
Foto: duisport / Hans Blossey

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Marketing Club Duisburg-Niederrhein: Experte im Benennungsmarketing referierte

Wie man Markennamen zum Erfolg macht
Von Petra Grünendahl

Experte für Benennungsmarketing Dr. Bernd M. Samland. Foto: Petra Grünendahl.

Experte für Benennungsmarketing Dr. Bernd M. Samland. Foto: Petra Grünendahl.

„Mit 100 Mio. Euro Einführungsetat mache ich Ihnen jede Marke bekannt“, erklärte Referent Dr. Bernd Samland, Experte für Markennamen. Seine Firma Endmark ist der europäische Marktführer im Benennungsmarketing. Die meisten Unternehmen haben aber keine 100 Mio. Euro in der Portokasse, wenn sie sich am Markt neu positionieren wollen. Folglich sollten sie sich gute Gedanken darüber machen, mit welchem Namen sie firmieren. Da gibt es Spezialisten, die sich mit „guten Markennamen“ bestens auskennen – und einer davon gab den anwesenden Marketing-Fachleuten ein paar gute Tipps mit auf den Weg. Nichts sei schlimmer als den Markennamen zu ändern oder gar ändern zu müssen: „Dann stirbt die Marke“, warnte er. Wer nicht gegen ein entsprechendes Honorar auf Profis zurückgreifen kann oder will, sollte bei der Namensfindung ein paar wichtige Regeln beachten: Ein paar Tipps gab der Kölner Experte seinem Publikum mit auf den Weg.

Das Stadtfenster an der Steinschen Gasse mit Stadtbibliothek und Volkshochschule. Foto: Petra Grünendahl.

Das Stadtfenster an der Steinschen Gasse mit Stadtbibliothek und Volkshochschule. Foto: Petra Grünendahl.

Der Marketing Club Duisburg-Niederrhein hatte zum monatlichen Treffen ins neue Café der Stadtbibliothek im Stadtfenster an der Steinschen Gasse eingeladen. Als Referent hatte Andreas Ocklenburg, geschäftsführender Vorstand des Clubs, Dr. Bernd Samland, Geschäftsführer der Endmark GmbH, gewinnen können. Zum Thema „Im Namen der Marke! Wie beeinflusst der Markenname den Erfolg?“ erläuterte Samland, wie ein guter Markenname aussieht und welche Fehler bei der Benennung immer wieder gerne gemacht werden. Und gerade heute, wo der Markt mit neuen Marken nur so überschwemmt wird, kann ein Name ein guter Einstieg oder der Beginn eines Misserfolges sein.

Starke Marke: Unterscheide dich!
„Modeworte differenzieren nicht, technische Begriffe veralten“, stellte Samland klar. Man solle recherchieren, ob es den Namen schon gebe, und ob es beim weltweiten Einsatz Probleme sprachlicher oder kultureller Art geben könne, mahnte er gern gemachte formale Fehler an. So lässt sich der Mitsubishi PAJERO unter diesem Namen in Spanien nicht verkaufen. Ein SHARAN klingt wie „Sharon“ – der Name ist in Großbritannien nicht positiv besetzt: Dort verkauft sich der früher baugleiche Ford Galaxy viel besser. Eine „Isetta“ findet mehr Anklang als ein „C1“ (ein überdachtes Motorrad von BMW, die den Markennamen inzwischen an Citroen weiterverkauft haben). Auch Abkürzungen machen schlechte Markennamen: BMW profitiert hier von seinen 100 Jahren am Markt. Neu wäre die Marke heute kaum mehr zu etablieren.

Zu den strategischen Fehlern bei der Namensgebung zählt die inhaltliche Überfrachtung: einfach sollte ein Name sein. Aber nicht „leer“: Arcandor, Aventis oder Novartis haben keine kulturelle Heimat. Mit Jägermeister oder Häagen-Daz verbinden die Menschen etwas, auch wenn der Anker bei Häagen-Daz nur angedeutet ist: Die Firma ist amerikanisch. Familiennamen eigenen sich nur bedingt als Markennamen. Außerdem wichtig: Man sollte den Namen als Einziger nutzen dürfen. Gattungsbegriffe sind bestenfalls als Bildmarken schützbar, nicht aber als Markennamen. Und: „Die Deutschen sind relativ schmerzfrei mit ihrer eigenen Sprache“, kritisierte Samland. Auch das schlägt sich in misslungen Markennamen nieder. Anhand der Wirkung von Namen erläuterte Experte an einigen Beispielen, wie sich ein Markenname auf das Image auswirkt. Der Referent zeigte auf, dass die Benennung einer Marke nicht auf die leichte Schulter zu nehmen ist. Es gibt nicht umsonst Agenturen, die spezialisiert sind auf „Namensfindung“ – und ein guter Name ist eine Investition fürs (Firmen-)Leben.

English for Runaways: Englisch für Fortgelaufene

Robert Tonks: It is not all English what shines. Foto: Petra Grünendahl.

Robert Tonks: It is not all English what shines. Foto: Petra Grünendahl.

Zu Einstimmung in den Abend hatte MC-Mitglied Robert Tonks frei nach dem Titel seines ersten Buchs „It is not all English what shines“ zum Besten gegeben, welche Fehler Deutschsprachige (also inklusive Österreicher und Schweizer) bei Namensgebung und Werbeslogans machen, die eher in die Kategorie „gut gemeint“ denn „gelungenes Marketing“ gehören. Selbst sprachlich korrekte englischsprachige Werbeaussagen verstehen zwei Drittel der Deutschen nicht oder falsch. Die Heiterkeit im Saal verriet aber, dass der Großteil des Publikums durchaus verstand, worauf der aus Wales stammende Brite mit seinem kurzweiligen Vortrag hinaus wollte. Da kann man nur hoffen, dass „Denglisch“ eine Mode-Erscheinung ist, die vorüber geht. Schließlich wollen die zumeist kleineren Unternehmer, die sprachlich so dermaßen daneben liegen, den wirtschaftlichen Erfolg und nicht die Lacher auf ihrer Seite. Tonks macht jedenfalls sehr humorvoll deutlich, wie wenig Sinn es macht, sich einer Sprache bedienen zu wollen, die man nicht beherrscht. „Der Deutsche erfindet dann auch schon mal englische Wörter“, spitzte es Tonks zu. „Handy“, „Public Viewing“ oder „Body Bag“ beispielsweise. In geselliger Runde vertieften die Mitglieder des Marketing Clubs das Thema mit den Referenten weiter.

Foto: Petra Grünendahl.

Foto: Petra Grünendahl.

Der Marketing Club Duisburg-Niederrhein
Die regionale Berufsstandesorganisation wurde 2009 gegründet und ist als Mitglied im Deutschen Marketing Verband einer von 65 Clubs deutschlandweit. Der Marketing Club ist der Weiterbildung seiner Mitglieder ebenso verpflichtet wie der Schaffung einer Kommunikationsplattform. Fast jeden Monat trifft sich der Marketing Club Duisburg-Niederrhein zu überwiegend fachlich orientierten Besichtigungen oder Vorträgen in der ganzen Region. Informationen zu Themen, Veranstaltungen und Kontakten gibt es auf der Homepage des Clubs unter https://www.mc-duisburg.de. Wer im Marketing tätig ist und sich für eine Mitgliedschaft im Marketing Club interessiert, kann bei solchen Gelegenheiten erste Kontakte knüpfen: Netzwerken lässt sich im Anschluss an den fachlichen Teil nämlich ganz hervorragend.

© 2016 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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FOC Obermarxloh: Duisburger Stadtrat beschließt Aufhebung der Bauleitplanung

Suche nach Alternativkonzepten beginnt
Von Petra Grünendahl

beschlussvorlageDie Planung eines Factory Outlet Centers (FOC) ist für Duisburg erst einmal ad acta gelegt: Der Bebauungsplan Nr. 1179 Obermarxloh wurde aufgehoben, die Entwicklung einer Alternativplanung für die beiden städtischen Grundstücke (Rhein-Ruhr-Halle und ehemaliges Stadtbad Hamborn) angestoßen. Eine Mehrheit aus SPD, Grünen, Linken, Fraktion Piraten-SGU-BL und Einzelratsleuten setzte sich gegen Stimmen der CDU, FDP, Junges Duisburg/DAL, NPD/Bürger für Duisburg sowie die Ratsherren Malonn (Ex-ProNRW, jetzt Republikaner) und Lücht (Ex-AfD, jetzt parteilos) bei Enthaltung der AfD durch. Robin de Groot, der aktuelle Projektentwickler der als Investor auftretenden Douvil GmbH, hatte wohl bei sämtlichen Fraktionsvorsitzenden noch einmal Werbung für sein Vorhaben gemacht hatte und zumindest den Anschein erweckte, als hätte er alle städtischen Auflagen für eine Realisierung erfüllt – blumige Versprechungen von bis zu 1.000 Arbeitsplätzen inklusive.

Vor der Sitzung des Stadtrates. Foto: Petra Grünendahl.

Vor der Sitzung des Stadtrates. Foto: Petra Grünendahl.

„Die Verwaltung und der Rat haben das Recht, eine andere Planung auf den Weg zu bringen“, begründete Oberbürgmeister Sören Link in der Ratssitzung die Beschlussvorlage der Verwaltung, den seinerzeitigen Bebauungsplan Nr. 1179 aufzuheben, der die Errichtung eines Factory Outlet Centers (FOC) in Obermarxloh erlaubt hätte. Der Rat gab dieser Vorlage mehrheitlich statt, nachdem schon länger verschiedene Fraktionen im Rat der Stadt von einer solchen Planung Abstand hatten nehmen wollen. Was den Beobachter des Geschehens nach fünf Jahren Stillstand und diversen Wechseln von Gesellschaftern und Geschäftsführern beim potenziellen Investor Douvil GmbH (HRB 27380, AG Duisburg, Stammkapital 33.334 Euro) nicht verwundert. Schadenersatz könne er, bekräftigte Rechtsdezernentin Daniela Lesmeister auf Anfrage der Fraktion Piraten-SGU-BL, weder gegen die Stadt noch gegen den Rat geltend machen.

uebrigens!Kommentar: Es reicht!
Der Rat hat einen Schlussstrich gezogen – und das ist auch gut so! Fünf Jahre Stillstand reichen aus. Selbst wenn der Investor jetzt endlich alle Gutachten zusammen gehabt hätte: Wann hätte er gebaut? Denn eine Bautätigkeit ohne Vorverträge über künftige Mieter ist nur schwer vorstellbar. Ob diese potenziellen Mieter an einem FOC in Duisburg Interesse hätten, wenn sie schon in einem der bestehenden oder gerade entstehenden umliegenden FOC gebunden sind, ist die Frage. Zumal man mittlerweile auch von einer Übersättigung des Marktes ausgehen kann. Da werden die angepeilten bis zu 1.000 Arbeitsplätze schnell zum Luftschloss, denn ohne Ansiedlung von Händlern keine Arbeitsplätze. Ob die zusätzlich entstehen, ist dann aber eine andere Frage, denn potenzielle Einkäufer kommen ja nicht nur aus der Region, sondern auch aus Duisburg: Wo man kostenlos parken kann, kauft der Kunde schließlich umso lieber ein. Das ist zum Schaden bestehender Handelsstrukturen in den Ortskernen, wo zumeist ein Obolus fürs Parken verlangt wird. Wie man sich so Innenstädte kaputt machen kann, hat Oberhausen mit dem Centro sehr eindruckvoll vorgemacht. Leerstände in der Duisburger Innenstadt sogar in 1A-Lagen sollten eine Warnung sein. Auch Einzelhandelszonen in Marxloh oder Hamborn würden nicht profitieren. Schaden würde ein FOC aber stadtweit dort, wo es potenzielle Käufer abzieht. Sein Geld kann der Kunde schließlich nur einmal ausgeben. Und wo der Bekleidungs-Einzelhandel, die inhabergeführten Geschäfte mit persönlicher Bindung an den Ort, aufgeben müssen, folgen bald auch andere Branchen und die Gastronomie, denen auf lange Sicht ebenfalls die Kundschaft weg bleibt. Was dort an Arbeitsplätzen, Gewerbesteuern und Aufenthaltsqualität verloren geht, kann ein letztendlich gesichtsloses und austauschbares FOC nicht aufwiegen.

Diskussionen vor der Sitzung des Stadtrates. Foto: Petra Grünendahl.

Diskussionen vor der Sitzung des Stadtrates. Foto: Petra Grünendahl.

Das Areal von Rhein-Ruhr-Halle und ehemaligem Stadtbad mit denkmalgeschützter Fassade ist als Gewerbefläche mit Sicherheit kein Filetstück – das haben auch die Erfahrungen der Vergangenheit gezeigt: Schlange gestanden haben möglich Investoren dort nie. Ideal wäre ein Mittelständler, der sich mit Verwaltung, Forschung & Entwicklung sowie einer „sauberen“ Produktion dort ansiedelt – und damit Arbeitsplätze in die Stadt bringt. Besser ein solches Luftschloss als ein Luftschloss „FOC“, was mangels Nachfrage (bei Kunden wie bei Händlern, denn auch der Markt in dieser Region steht kurz vor der Übersättigung) möglicherweise ohnehin nie realisiert wird.

© 2016 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Duisburger Geschichte: Werner Maistraks „Meiderich“ im Sutton Verlag

Öffentliche Buchvorstellung am 3. März:
Meidericher Alltags- und Vereinsgeschichten

Von Petra Grünendahl

sutton-verlag_meiderich_55635Im Jahr 1800 lebten in Meiderich rund 1.200 Menschen. Dörflich sei das Leben gewesen, weiß Werner Maistrak zu berichten, die Menschen arbeiteten in der Landwirtschaft, im Handwerk oder auf den Schiffswerften in Meiderich bzw. im Ruhrorter Hafen. Da sie keiner Prügelei mit den Ruhrortern aus dem Weg gingen, so Maistrak, sage man ihnen nach: „sie kämpfen wie die Haanes (Hähne)“, was den Meiderichern ihre Symbolfigur, den Hahn, einbrachte. Das gesellschaftliche Leben beschränkte sich auf kirchliche Feste, Höhepunkte im Jahr waren die zwei Mal jährlich die Kram- und Viehmärkte, aus denen zum Beispiel die Beecker Kirmes hervorgegangen ist. Gerne zitiert der Autor hier aus Protokoll- oder Kirchenbüchern, um seine Ausführungen zu belegen. Als Franz Haniel 1828 die erste Werft für Dampfschiffe baute, hatte Meiderich noch 2.000 Einwohner. Mit dem Beginn der Industrialisierung wuchs Meiderich vom Dorf zur Stadt. Menschen schlossen sich dann auch in Vereinen zusammen, um gemeinsame Interessen zu verfolgen.

Autor Werner Maistrak hat viele kleine Alltags- und Vereinsgeschichten aus der Zeit zwischen 1800 und 1945 zusammengetragen für sein Buch „Meiderich“. Es ist sein erstes Werk im Erfurter Sutton Verlag, welches er jetzt in der Meidericher Traditionsbuchhandlung Filthaut (https://www.buchhandlung-filthaut.de/) präsentierte. Schon seit Jahren beschäftigt er sich mit der Stadtteil- und Vereinsgeschichte, von denen er in jüngerer Vergangenheit so manches Kapitel mitgeschrieben hat, so emsig hat sich Maistrak in „seinem“ Meiderich eingebracht.

Autor Werner Maistrak stellte sein Buch in der Meidericher Traditionsbuchhandlung Filthaut vor. Foto: Petra Grünendahl.

Autor Werner Maistrak stellte sein Buch in der Meidericher Traditionsbuchhandlung Filthaut vor. Foto: Petra Grünendahl.

Im Jahr 1894 erhielt Meiderich die Stadtrechte, schon ein gutes Jahr später zählte es über 25.000 Einwohner. Lange behielt Meiderich die Stadtrechte aber nicht: Schon 1905 folgte der Zusammenschluss mit Duisburg und Ruhrort. Die wachsende Bevölkerung hatte vielfältige Interessen, was entsprechend ein buntes Vereinsleben zur Folge hatte: Sportvereine, Gesangsvereine und Musikgruppen, Unterhaltungs- und Geselligkeitsvereine, Schützen-, Krieger- oder Beamtenvereine, Arbeiter- und Bürgervereine, ein Polizeihundeverein, ein literarischer Verein, zwei Raucherclubs und so einiges mehr. Dazu kamen Handwerkerzusammenschlüsse und kirchliche Gruppen. Die Bevölkerung wuchs zusammen mit der Industrie: Schulen mussten her, und Wohnhäuser. Mit dem Wunsch der in Mietshäusern wohnenden Menschen nach einem eigenen kleinen Garten gründeten sich Kleingartenvereine. Selbst für das „Rennpferd des kleinen Mannes“, die Brieftaube, fanden sich ausreichend Freunde zusammen, um einen Verein zu gründen. Lebendig schildert Maistrak das Alltags- und Vereinsleben und webt immer wieder Belege für seine Ausführungen ein.

Im Nationalsozialismus endete ein geselliges Vereinsleben entweder in der Gleichschaltung oder im Vereinsverbot. Für „1000 Jahre“ feierte man noch 1925 das Rheinland, andere waren nach 12 Jahren schon beendet und Meiderich – wie auch der Rest von Duisburg – in Schutt und Asche gelegt. Mühsam war dann der Neuaufbau, der zunächst vom der Genehmigung der Alliierten abhing oder alternativ nur über eine Neugründung möglich war: Über den Neubeginn des Meidericher Vereinslebens nach dem zweiten Weltkrieg würde Werner Maistrak gerne noch ein zweites Buch schreiben – mit Geschichten, die er über viele Jahrzehnte miterlebt, wenn nicht sogar mitgeprägt hat. Eine Meidericher Chronik von der ersten urkundlichen Erwähnung 900 bis zum Ende des zweiten Weltkriegs schließt das Buch ab. Ca. 80 bislang unveröffentlichte Abbildungen illustrieren den hochinformativen Text auf 128 Seiten. Das Buch ist im Format 17 x 24 cm (Hardcover) im Sutton Verlag erschienen und im lokalen Buchhandel erhältlich. Der Preis beträgt 19,99 Euro (ISBN 978-3-95400-635-9).

Öffentliche Buchvorstellung
Autor Werner Maistrak und der Sutton Verlag laden zum Streifzug durch die Vergangenheit. Geschichten von großen Helden und normalen Bürgern, Anekdoten aus dem Alltag und Bilder, die Erinnerungen wach werden lassen: Der Ehrenvorsitzende der Interessengemeinschaft Meidericher Vereine, Werner Maistrak, lädt mit seinem Buch „Meiderich. Alltags- und Vereinsgeschichte von 1800 bis 1945“ (Sutton Verlag) zu einem kurzweiligen und einmaligen Streifzug durch 150 Jahre Stadtgeschichte ein.
Donnerstag, 3. März 2016, um 19 Uhr in der
Evangelischen Kirche Meiderich,
Auf dem Damm 8, 47137 Meiderich (Eintritt frei)

Werner Maistrak
Autor Werner Maistrak hat erst ab 1968 in Meiderich Wurzeln geschlagen. Geboren wurde er 1933 in Osnabrück. Nach einer abgebrochenen Bergbau-Ausbildung (wegen eines Augenleidens „berguntauglich“) und einigen Jahren in einer Tapetenfabrik machte er eine Ausbildung als Trickreiter und Dressurassistent. Circus Williams, Schweizer Nationalzirkus Knie, Stallmeister in Schweden, Heirat 1959, Stallmeister im Turnierreitsport in verschiedenen Stellen, bevor er aus gesundheitlichen Gründen seinen Beruf aufgeben musste. Als Angestellten einer Duisburger Glasbaufirma verschlug es ihn 1968 dann nach Meiderich, wo er bis heute lebt.

Werner Maistrak kennt sein Meiderich. Jahrzehntelang engagierte er sich ehrenamtlich in vielen Vereinen und schrieb dabei zahlreiche Vereinschroniken. Aus dem Pflänzlein, das einst Wurzeln schlug, ist längst ein Meidericher Gewächs geworden. Aus dem Meidericher Vereinsleben ist er jedenfalls kaum wegzudenken: So organisierter er 30 Jahre lang große Stadtteilveranstaltungen mit und war Mitbegründer der Interessengemeinschaft Meidericher Vereine, deren Vorsitz er 25 Jahre lang inne hatte. Aktiver Sänger in einem Männerchor, Leitung einer Kinder-Theatergruppe, eigene Theaterstücke geschrieben und aufgeführt, den Förderverein des Lernbauerhofs „Ingenhammshof“ mit gegründet. Ebenso zahlreich sind die Ehrungen, die ihm für sein (immer ehrenamtliches) Engagement verliehen wurden: Meidericher Hahn, Goldene Nadel des Deutschen Sängerbundes, 15 goldene Sportabzeichen sowie das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Der Sutton Verlag
ist der führende Verlag für Regionalgeschichte und -literatur im deutschsprachigen Raum, vom historischen Bildband bis zum Freizeitführer. Den zweiten Schwerpunkt des 1997 gegründeten Erfurter Verlags bildet die Verkehrs- und Technikgeschichte. Unter dem Motto „mordmäßig spannend“ bietet das Label Sutton Krimi seit 2011 Regionalkrimis der unterschiedlichsten Genres. Seit Anfang 2014 gehört Sutton zum Verlagshaus GeraNova Bruckmann.

© 2016 Petra Grünendahl (Text und Foto)
Buchcover: Sutton Verlag, Erfurt (https://www.suttonverlag.de)

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Vortragsreihe im Landesarchiv Duisburg: Die rheinischen Gestapostellen im Spiegel ihrer Überlieferung 1933-1945

„Der Dienst verlangt eine innere Härte…“

gestapo_personalbogenxDie Geheime Staatspolizei war das wichtigste und bekannteste Instrument zur Unterdrückung der einheimischen Bevölkerung. Mit monatlichen Lageberichten informierten die rheinischen Gestapostellen die nationalsozialistische Führung in Berlin über die Verhältnisse in der Region und über die Verfolgung des Widerstandes. Jetzt liegen die 1934-1936 verfassten Berichte gedruckt vor, herausgegeben von der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde und bearbeitet von Anselm Faust, Bernd-A. Rusinek und Burkhard Dietz. Aus diesem Anlass lädt das Landesarchiv NRW am 1. März 2016 zur Buchpräsentation im Rahmen eines Vortragsabends ein.
 

gestapo_schutzhaftbefehlNeben den Lageberichten verwahrt das Landesarchiv ca. 72.000 Gestapo-Personenakten der Leitstelle Düsseldorf mit den Außenstellen Duisburg, Essen, Mönchengladbach, Krefeld, Oberhausen, Wuppertal sowie der Grenzkommissariate Emmerich, Kaldenkirchen und Kleve. Die Akten wurden von 1933 bis 1944 über Oppositionelle, Kommunisten, Landesverräter, „Arbeitsscheue“, Homosexuelle und weitere verdächtige Personen angelegt. Anhand dieser, für die Erinnerungskultur zentralen Quellen, lassen sich einzelne, aber auch gruppenbiografische Verfolgtenschicksale rekonstruieren. Zahlreiche NS-Gedenkstätten im In- und Ausland betreiben ihre Forschungen und didaktischen Programme auf Grundlage dieses Bestandes. Im Rahmen einer Vortragsreihe werden dazu bekannte rheinische Institutionen der Erinnerungskultur sprechen. Am Beispiel ausgewählter Verfolgtengruppen berichten die Referentinnen und Referenten über Repression, Verfolgung und die Erinnerungsarbeit der jeweiligen Einrichtung.

Besuchereingang zum Landesarchiv NRW im Duisburger Innenhafen. Foto: Petra Grünendahl.

Besuchereingang zum Landesarchiv NRW im Duisburger Innenhafen. Foto: Petra Grünendahl.

Begleitend zeigt die Abteilung Rheinland des Landesarchivs Exponate aus den Beständen zur Geschichte der Gestapo.

Weitere Informationen sind auf der Homepage des Landesarchivs unter https://www.archive.nrw.de/lav/aktuelles/index.php zu finden.

Der erste Vortrag findet statt am
Dienstag, 1. März 2016, um 18 Uhr
im Landesarchiv NRW,
Schifferstraße 30a, 47059 Duisburg
(Besuchereingang an der Hafenseite).

Informationen inkl. weiterer Termine bietet der Flyer zum Thema „Gestapo im Rheinland“ als pdf zum Download.

Wer ein bisschen stöbern möchte, findet hier
Auszüge aus den Gestapoberichten Rheinland (Duisburg).

– Presseinformation und Bildmaterial: Landesarchiv NRW in Duisburg –
Foto: Petra Grünendahl

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Oper am Rhein: Premiere von Richard Strauss’ „Ariadne auf Naxos“ im Theater Duisburg frenetisch gefeiert

Wenn der Zuschauer Teil des Schauspiels wird:
Von der Oper in der Oper

Von Petra Grünendahl

Katarzyna Kuncio (Der Komponist). Foto: Florian Merdes.

Katarzyna Kuncio (Der Komponist). Foto: Florian Merdes.

Bogdan Baciu (Harlekin), Heidi Elisabeth Meier (Zerbinetta). Foto: Florian Merdes.

Bogdan Baciu (Harlekin), Heidi Elisabeth Meier (Zerbinetta). Foto: Florian Merdes.

Karine Babajanyan (Ariadne). Foto: Florian Merdes.

Karine Babajanyan (Ariadne). Foto: Florian Merdes.

Der junge Komponist (Katarzyna Kuncio) verzweifelt: Sein Auftraggeber will seiner Oper ein Lustspiel folgen lassen, wo er sich so viel Mühe mit seinem neuen Stück gibt. Auch seine Primadonna (Karine Babajanyan) und der Tenor (Corby Welch) sind alles andere als begeistert. Um die Zeit zwischen Festmahl und Feuerwerk für seine Gäste nicht zu lang werden zu lassen, lässt der Auftraggeber den Opern- und Lustspielakteuren ausrichten, dass sie doch bitte gleichzeitig spielen sollten und das ganze dürfe höchstens eine Stunde dauern. Während der Opernkomponist verzweifelt, sieht es die Komödiantentruppe eher locker: Improvisieren sei ja schließlich ihre Sache. Und so treffen sich nun Drama und Lustspiel auf einer Bühne: Wo die Primadonna in ihrer Rolle der Ariadne seit Jahren um den geliebten Theseus trauert, hält ihr die lebenslustige Komödiantin Zerbinetta (Koloratursopran Heidi Elisabeth Meier, die hier ihr Rollendebüt gab und jüngst erst in Mozarts „Entführung aus dem Serail“ begeistert hatte) vor, wie austauschbar doch die Männer wären: gehe Einer, so käme doch schon der Nächste – oder gar gleich zwei. In ihrer Todessehnsucht wartet Ariadne jedoch auf den Todesboten. Der Tenor spielt den Bacchus, der Circe entkommen ist und von Ariadne zunächst für den Todesboten gehalten wird. Die beiden verlieben sich, während Zerbinetta spöttisch triumphiert: „kommt der neue Gott gegangen, hingegeben sind wir stumm“.

Begeistert feierte das Publikum im Theater Duisburg bei der Premiere von Richard Strauss’ Oper „Ariadne auf Naxos“ die hervorragenden Akteure immer wieder mit Szenenapplaus und schließlich mit minutenlangem Schlussapplaus. Bereits in der vergangenen Spielzeit hatte die Inszenierung von Dietrich W. Hilsdorf in Düsseldorf Premiere gefeiert, nun folgte Duisburg. Die Oper in einem Aufzug nebst einem Vorspiel von Hugo von Hofmannsthal dauert zweieinviertel Stunden (ohne Pause) und wird in deutscher Sprache gesungen. Übertitel erleichtern das Verständnis der Handlung.

Von der Wertschätzung der Kunst

Aus der Düsseldorfer Aufführung in der letzten Spielzeit: Cornel Frey (Brighella), Bruce Rankin (Scaramuccio), Elena Sancho Pereg (Zerbinetta), Bogdan Taloş (Truffaldin). Foto: Hans Jörg Michel.

Aus der Düsseldorfer Aufführung in der letzten Spielzeit: Cornel Frey (Brighella), Bruce Rankin (Scaramuccio), Elena Sancho Pereg (Zerbinetta), Bogdan Taloş (Truffaldin).
Foto: Hans Jörg Michel.

Corby Welch (Bacchus), Karine Babajanyan (Ariadne). Foto: Florian Merdes.

Corby Welch (Bacchus), Karine Babajanyan (Ariadne). Foto: Florian Merdes.

Die Uraufführung der „Ariadne von Naxos“ hatte in Stuttgart 1912 direkt im Anschluss an eine Aufführung von Molieres „Bürger als Edelmann“ stattgefunden: Weder das eine noch das andere Stück waren vom Publikum angemessen honoriert worden. Komponist Strauss und Librettist von Hofmannsthal ersannen daraufhin das Vorspiel, mit dem sie auch ein bisschen Umstände um die Uraufführung durch den Kakao zogen und den Umgang der Mächtigen mit der Kultur anprangerten. Die Uraufführung der heutigen Fassung in der Wiener Hofoper (heute: Staatsoper) fand 1916 statt. Zu einem festlichen Anlass soll die Ariadne-Oper uraufgeführt werden, der Komponist arbeitet noch am letzten Feinschliff. Vor der Oper haben die Festgäste ein großes Mahl genossen, nach der Oper sollen sie sich am Lustspiel einer Komödianten-Truppe erfreuen, bevor es nach Zeitplan zum Feuerwerk geht. So weit, so ärgerlich: der Komponist schäumt. Dann verlangt der Auftrag- und Geldgeber, dass beide Stücke – die ernste Oper und das Lustspiel – gleichzeitig aufzuführen seien. Eine Herausforderung für den Komponisten, seine Primadonna und seinen Tenor, während die Komödianten dieses Anliegen eher auf die leichte Schulter nehmen, sind sie doch Improvisation gewöhnt. Kaum ist das Stück beendet, hört man auch schon das Feuerwerk: Eilig verlassen die Gäste im Publikum ihre Sitze, die Oper in der Oper bleibt ohne Applaus zurück. Den spendete das echte Publikum nun dafür umso eifriger, denn hochklassig waren die Akteure gesanglich wie schauspielerisch. Das Duisburger Publikum weiß halt Klasse zu schätzen, während dies dem „Auftraggeber“ der Oper in der Oper und seinen Gästen so völlig egal ist, womit Strauss und von Hofmannsthal anprangerten, das manch einer Kunst nicht um ihrer selbst willen schätze.

Heidi Elisabeth Meier (Zerbinetta), Katarzyna Kuncio (Der Komponist). Foto: Florian Merdes.

Heidi Elisabeth Meier (Zerbinetta), Katarzyna Kuncio (Der Komponist). Foto: Florian Merdes.

Eine Herausforderung stellt diese Konstellation aber auch an das Orchester, das Komödie und Drama gleichzeitig, immer im Wechsel, angemessen vertonen musste. Eine Herauforderung, die die Duisburger Philharmoniker in Kammerbesetzung (38 Musiker) mit Verstärkung durch Ville Enckelmann am Klavier unter der Leitung von Kapellmeister Wen-Pin Chien mit Bravour meisterten – nicht im Orchestergraben, der zugebaut als Bühne diente, sondern im Hintergrund auf der Bühne, wo normalerweise die Akteure spielen. Der Zuschauer fand sich daraufhin mitten in der Handlung wieder, denn auch im Publikum waren natürlich Akteure versteckt. Die Bühnengestaltung mit einer Bühne auf der Bühne, die ins Publikum hinein die Grenzen verschwimmen ließ, gestaltete Dieter Richter, von Volker Weinhart ins rechte Licht gerückt. Die Kostüme entwarf Renate Schmitzer.

Ein kleiner Vorgeschmack:

Weitere Termine im Theater Duisburg:
Do | 3. März 2016 | 19:30 Uhr,
So | 13. März 2016 | 15:00 Uhr,
Sa | 19. März 2016 | 19:30 Uhr.
Danach geht die „Ariadne auf Naxos“ wieder nach Düsseldorf.

Karten gibt es im Opernshop, der sich zur Zeit im Theater Duisburg in der Kassenhalle befindet (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr), oder unter Telefon 0203 / 9407777. Die Theaterkasse öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten zwischen 18,10 und 62,80 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man hier.

© 2016 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Hans Jörg Michel, Mannheim (1), Florian Merdes, Leipzig (5)

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37. Duisburger Akzente im Lehmbruck Museum: Lynn Hershman Leeson und Jakub Nepraš

Fließende Identitäten und das Leben im Fluss
Von Petra Grünendahl

Jakub Nepraš: mit seiner Videoskulptur Landscape (2012). Foto: Petra Grünendahl.

Jakub Nepraš: mit seiner Videoskulptur Landscape (2012). Foto: Petra Grünendahl.

Jakub Nepraš: Ayahuasca (2007). Foto: Petra Grünendahl.

Jakub Nepraš: Ayahuasca (2007). Foto: Petra Grünendahl.

Jakub Nepraš: Natural Selection (2015). Foto: Petra Grünendahl.

Jakub Nepraš: Natural Selection (2015). Foto: Petra Grünendahl.

Der junge tschechische Künstler Jakub Nepraš verbindet in seinen Ausstellungsobjekten skulpturale Gebilde mit Filmsequenzen, die den Installationen einen lebendigen Charakter verleihen: „State of Flux“, Zustand des Flusses, ist der Titel der Ausstellung, die drei seiner Werke präsentiert. Das Videogemälte „Ayahuasca“ (2007) wirkt wie ein lebendiger Organismus durch die vielen Videosequenzen, die eingearbeitet sind. Der Zuschauer braucht Zeit, die vielen eigenständigen Bewegungsabläufe, zu erfassen. Die beiden Videoskulpturen Landscape (2012) und Natural Selection (2015) beschäftigen den Betrachter ebenfalls etwas länger, bis er die Details erkundet hat, die die jeweiligen Skulpturen in Verbindung mit den Filmsequenzen ausmachen.

Gleich mit zwei neuen Sonderausstellungen eröffnet das Lehmbruck Museum zu den 37. Duisburger Akzenten: Lynn Hershman Leeson (*1941 in Cleveland, Ohio) und Jakub Nepraš (*1981 in Prag). Besonders Jakub Nepraš spiegelt in seinen Werken die Thematik der Duisburger Akzente, „Nah und Fern – 300 Jahre Duisburger Hafen“, indem er den Fluss des Lebens in den Fokus rückt, weswegen er auch explizit im Rahmen der Duisburger Akzente präsentiert wird. Die beiden Sonderausstellungen belegen die Räume im Erweiterungsbau. Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla, Kulturdezernent Thomas Krützberg, Kuratorin Ronja Friedrichs und Dr. Joachim Bonn, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Duisburg als Sponsor der Ausstellung, stellten zusammen mit den anwesenden Künstlern ihre Werke vor. Die Ausstellungseröffnung findet am Samstag, 27. Februar, um 16 Uhr im Rahmen der Akzente-Eröffnung im Lehmbruck Museum im Kantpark statt.

 


Jakub Nepraš: Ayahuasca (2007)
 

"Liquid Identities", eine Werkschau (v.l.): Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla, die Künstlerin Lynn Hershmann Leeson, Kuratorin Ronja Friedrichs. Foto: Petra Grünendahl.

„Liquid Identities“, eine Werkschau (v.l.): Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla, die Künstlerin Lynn Hershmann Leeson, Kuratorin Ronja Friedrichs. Foto: Petra Grünendahl.

Lynn Hershman Leeson: "Liquid Identities", eine Werkschau. Foto: Petra Grünendahl.

Lynn Hershman Leeson: „Liquid Identities“, eine Werkschau. Foto: Petra Grünendahl.

Mit „Liquid Identities“, Fließende Identitäten, präsentiert das Lehmbruck Museum eine Werkschau der amerikanischen Medienkünstlerin Lynn Hershman Leeson über 50 Jahre ihre Schaffens. Von der Frauenbewegung der 1960-er Jahre inspiriert suchte sie sich früh eine Kunstrichtung, die noch nicht von Männern dominiert war. Frauen hatten einen schweren Stand in der damaligen Kunstszene: eigene Ausstellungen waren nahezu unmöglich. Einzige Möglichkeit der Präsentation war Kunst im öffentlichen Raum, wie Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla erklärte. Die Medienkunst war damals noch neu, so dass es wenige etablierte Künstler gab. Von den frühen Werken im linken Dreiecksraum bis hin zu einem aktuellen Werk – „The Infinity Engine“ (2015) im Foyer des Erweiterungsbaus reicht die Werkschau, die auch Künstler und ihre Werke präsentiert, die von Hershman beeinflusst wurden, die auf der Ausstellung „Lynn Hershman Leeson. Civic Radar“ des ZKM Zentrum für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe basiert. Zur der umfassenden Ausstellung gibt es ein Begleitheft mit allen Werken der Retrospektive an der Museumskasse (2,00 Euro). Ein Ausstellungskatalog zu Lynn Hershman Leeson wird zur Zeit vom kooperierenden ZKM konzipiert und erstellt und wird erst im Laufe der Ausstellung verfügbar sein.

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Lynn Hershman Leesons Videoinstallation „The Infinity Engine“ (2015)

Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Jakub Nepraš: Landscape (2012). Foto: Petra Grünendahl.

Jakub Nepraš: Landscape (2012). Foto: Petra Grünendahl.

Lynn Hershman Leeson: "Liquid Identities", eine Werkschau. Foto: Petra Grünendahl.

Lynn Hershman Leeson: „Liquid Identities“, eine Werkschau. Foto: Petra Grünendahl.

Die beiden Sonderausstellungen laufen über die Duisburer Akzente hinaus bis zum 5. Juni. Dienstags bis freitags ist das Lehmbruck Museum ab 12 Uhr geöffnet, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags wegen der plastikBAR bis 21 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro, ermäßigt 5 Euro. Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Schulklassen und Kindergärten pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte gibt es für 15 Euro.

Zu den Sonderausstellungen bietet das Lehmbruck Museum Rahmenprogramme an. Details findet man auf den Internet-Seiten des Museums. Öffentliche Führungen gibt es jeden Sonntag, sie kosten 2 Euro zusätzlich zum Eintritt. Für weitere Informationen und Buchungen steht die Kunstvermittlung unter Telefon 0203 / 283-2195 oder eMail kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de zur Verfügung. Weitere Informationen gibt es unter tickets@lehmbruckmuseum.de, Telefon 0203 / 283-2195 oder www.lehmbruckmuseum.de.

(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70%), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen mit Sozialhilfebezug.

© 2016 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Liebfrauen Kulturkirche: Duisburger Philharmoniker unterstützen syrische Flüchtlingskinder

Benefizkonzert: Künstler engagieren sich ehrenamtlich für Flüchtlingslager im Libanon
Von Petra Grünendahl

Eingebunden in die visuelle Kunst von Kevork Mourad: Kinan Azmeh  mit seiner Klarinette. Foto: Ingrid Töteberg.

Eingebunden in die visuelle Kunst von Kevork Mourad: Kinan Azmeh mit seiner Klarinette. Foto: Ingrid Töteberg.

„Wir sind als Menschen verpflichtet, denen, die flüchten müssen, zu helfen“, begründete Dr. Alfred Wendel, Intendant der Duisburger Philharmoniker, das Engagement seines Hauses in der Flüchtlingshilfe. Auch Kulturdezernent Thomas Krützberg hob die vielfältigen Angebote hervor, mit denen sich die Duisburger Kulturszene für Flüchtlinge und deren Integration einsetzt. Die Konzerte der Philharmoniker in der Flüchtlingsunterkunft Memelstraße sind da ja nur ein Projekt unter vielen, die den Flüchtlingen helfen sollen, hier Fuß zu fassen. Hilfen wollen die Kulturschaffenden aber nicht nur hier vor Ort geben, sondern sie unterstützen mit dem geplanten Benefizkonzert in der Liebfrauen Kulturkirche am König-Heinrich-Platz die Arbeit der Jasmin-Hilfe e. V., die im Libanon in der Bekaa-Ebene sechs Flüchtlingslager fördern.

Kinan Azmeh  mit seiner Klarinette. Foto: Ingrid Töteberg.

Kinan Azmeh mit seiner Klarinette. Foto: Ingrid Töteberg.

Bei einer Pressekonferenz im Rathaus stellten Kulturdezernent Krützberg und Philharmoniker-Intendant Wendel zusammen mit weiteren Akteuren das Benefizkonzert zugunsten syrischer Flüchtlingskinder im Libanon vor: Michael Rademacher-Dubbick, Vorsitzender des Rotary Clubs Duisburg, der das Benefizkonzert unterstützt, Ingrid Töteberg vom Vorstand des Vereins Jasmin-Hilfe – humanitäre Hilfe für syrische Kinder e. V., deren Projekte hier unterstützt werden, Wolfgang Esch, Vorstand der Liebfrauen Kulturkirche (Stiftung Brennender Dornbusch), und Max Bilitza, Bildender Künstler und Kurator der Ausstellung „Flüchtlingshilfe“ in der Liebfrauenkirche im Rahmen der 37. Duisburger Akzente.

Libanon: 4 Mio. Einwohner – und eine Mio. Flüchtlinge

Liebfrauen - Die Duisburger Kulturkirche am König-Heinrich-Platz. Foto: Petra Grünendahl.

Liebfrauen – Die Duisburger Kulturkirche am König-Heinrich-Platz. Foto: Petra Grünendahl.

„Man darf sich das nicht so vorstellen, dass die Flüchtlinge dort ankommen und die Zelte warten nur auf sie“, erklärte Ingrid Töteberg. „Sie bauen sich ihre Zelte selbst – auf Feldern, für die sie dem Bauern Miete zahlen: aus Werbeplanen, Karton, Holzlatten, was man so in der Umgebung findet. Dort leben sie dann in eher provisorischen Unterkünften mit ihren Familien, die dem extremen Wetter kaum standhalten. 50 Cent bekommen sie pro Person und pro Tag vom UN Word Food Programme für ihren gesamten Lebensunterhalt“, schilderte Töteburg weiter. Die hygienischen Zustände seien eine Katastrophe. Ihr Verein bezahlt auch eine Lehrkraft, die den Kindern Lesen, Schreiben, Rechnen und etwas Englisch beibringt. Zumindest den kleineren Kindern: „Die größeren Kinder gehen auf den umliegenden Feldern arbeiten, damit die Familien noch ein bisschen Geld bekommen.“ Neben dem Unterricht für Kinder finanzieren sie ärztliche Versorgung und geben Hilfen zum Lebensunterhalt: „Wir versorgen ca. 700 Familien mit 6 – 8 Personen. Eingekauft wird in den Läden vor Ort im Libanon, damit wenigstens die Bevölkerung auch was davon hat“, so Töteburg. Ein Transport von Waren von Deutschland aus wäre zu teuer. Alle Spenden, die dem Verein zufließen, gehen direkt in die Hilfsregion, wo die Jasmin-Hilfe sechs Flüchtlingslager finanziell unterstützt.

Eingebunden in die visuelle Kunst von Kevork Mourad: Kinan Azmeh  mit seiner Klarinette. Foto: Ingrid Töteberg.

Eingebunden in die visuelle Kunst von Kevork Mourad: Kinan Azmeh mit seiner Klarinette. Foto: Ingrid Töteberg.

Das Benefizkonzert trägt den Titel „Home within Projekt“ und verspricht ein abendfüllendes Programm. Bereits am Samstag, 5. März – „das war der einzige Termin, an dem die beiden Künstler gemeinsam herkommen konnten“, so Wendel – ab 19.30 Uhr (Einlass 19 Uhr, freie Platzwahl) spielen das Streichquartett der Duisburger Philharmoniker Robert Schumann, bevor die beiden syrisch-stämmigen, heute in New York lebenden Künstler Kinan Azmeh (Klarinette) und Kevork Mourad (Bildender Künstler) ihre audiovisuelle Performance auf die Bühne bringen. Moderiert wird der Abend von Sascha Devigne von Studio 47. Gleichzeitig ist die Liebfrauen Kulturkirche zu den 37. Duisburger Akzenten ein Ausstellungsraum, den Duisburger Schüler und Flüchtlingskinder mit künstlerischen Arbeiten füllen, die sie im Rahmen eines Sonderprojektes „Flüchtlingshilfe“ im Landesprogramm Kulturrucksack erstellt haben. Die vom Bildenden Künstler Max Bilitza kuratierte Ausstellung präsentiert mit der begehbaren Container-Skulptur Artopia „20 Fuß* Poesie“, die Teil der Schulkunstausstellung „Containt“ ist.
*) 20 Fuß = Länge eines Standardcontainers im Gütertransport

Die Künstler: Kinan Azmeh (Klarinette) und Kevork Mourad (Bildender Künstler). Foto: Ingrid Töteberg.

Die Künstler: Kinan Azmeh (Klarinette) und Kevork Mourad (Bildender Künstler). Foto: Ingrid Töteberg.

Einnahmen kommen vollends der Flüchtlingshilfe zugute
Eintrittskarten zum Preis von 20 Euro gibt es im Vorverkauf im Servicebüro des Theaters Duisburg sowie – falls dann noch Restbestände vorhanden sind – an der Abendkasse. Diese 20 Euro kommen ebenso in voller Höhe dem Hilfsprojekt zugute wie der Erlös des Umtrunks, bei dem in Anschluss an das Konzert das Hilfsprojekt interessierten Besuchern vorgestellt wird. Zusätzliche Spenden nehme man auch gerne vor Ort noch entgegen, so Michael Rademacher-Dubbick, dessen Rotarier schon im Vorfeld der Veranstaltung für den guten Zweck sammeln.

© 2016 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Ingrid Töteberg (4), Petra Grünendahl (1)

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Meilenstein beim Bau des neuen Tuchfilters für die Sinteranlage in Duisburg

Schiffe liefern insgesamt über 480 Tonnen Großkomponenten

Am Haken: Im Hafen Schwelgern - mit der Kokerei im Hintergrund - wurden die Frachtschiffe, die jeweils rund 200 Tonnen Material transportiert hatten, entladen. Foto: TKSE.

Am Haken: Im Hafen Schwelgern – mit der Kokerei im Hintergrund – wurden die Frachtschiffe, die jeweils rund 200 Tonnen Material transportiert hatten, entladen. Foto: TKSE.

Bauteile im Gesamtgewicht von mehr als 480 Tonnen sind im Hafen Schwelgern angeliefert und zur Sinteranlage transportiert worden. Die größten Einzelkomponenten waren zwei Schalldämpfer, die jeweils einen Durchmesser von rund 6,5 Meter haben und 53 Tonnen wiegen. Im Duisburger Norden hat die Stahlsparte von thyssenkrupp Ende vergangenen Jahres mit dem Bau einer weiteren modernen Tuchfilteranlage begonnen. Diese wird künftig für eine zusätzliche Entstaubung sorgen und dadurch die Umweltsituation in Duisburg zusätzlich verbessern. Die neue Abgasreinigung, die dann weltweit größte Filteranlage für den Sinterprozess, soll Anfang 2017 in Betrieb gehen.

Am Haken: Im Hafen Schwelgern - mit der Kokerei im Hintergrund - wurden die Frachtschiffe, die jeweils rund 200 Tonnen Material transportiert hatten, entladen. Foto: TKSE.

Am Haken: Im Hafen Schwelgern – mit der Kokerei im Hintergrund – wurden die Frachtschiffe, die jeweils rund 200 Tonnen Material transportiert hatten, entladen. Foto: TKSE.

Die Großkomponenten waren vom niedersächsischen Dinklage aus zunächst mit zwölf Spezial-Trucks und dann per Schiff drei Tage lang zu thyssenkrupp Steel Europe transportiert worden. Aufgrund der Abmessungen konnte die Lieferung nur über den Wasserweg erfolgen. Auf einem der Schiffe befanden sich tonnenschwere Rohrleitungen mit einem Durchmesser von etwa 6,5 Meter und einer maximalen Länge von ca. 19 Meter. Hinzu kamen zwei Schalldämpfer, die jeweils 53 Tonnen schwer sind. Auf dem zweiten Schiff befanden sich ebenfalls mächtige Rohrleitungen und zwei weitere Schalldämpfer mit einem Gesamtgewicht von mehr als 120 Tonnen. „Diese Lieferung ist ein wichtiger Meilenstein beim Bau des neuen Gewebefilters für das Sinterband 3. Hier befinden wir uns voll im Zeitplan“, betont Projektleiter Carsten Rokitt, der bei thyssenkrupp Steel Europe unter anderem für die Sinteranlage zuständig ist. „Bis Mitte des Jahres sind weitere sechs bis sieben Schiffstransporte geplant.“

– Pressemeldung und Fotos: thyssenkrupp Steel Europe –

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Deutsche Oper am Rhein: „Ariadne auf Naxos“ als Blick hinter die Kulissen des Theaters

Corby Welch (Bacchus), Karine Babajanyan (Ariadne). Foto: Florian Merdes.

Corby Welch (Bacchus), Karine Babajanyan (Ariadne). Foto: Florian Merdes.

In der Inszenierung von Dietrich W. Hilsdorf feiert Richard Strauss’ „Ariadne auf Naxos“ am Donnerstag Premiere im Theater Duisburg. Wen-Pin Chien übernimmt die musikalische Leitung.

Wenn das Publikum am Donnerstag, 25. Februar, um 19.30 Uhr zur Premiere von Richard Strauss‘ Oper „Ariadne auf Naxos“ in den Zuschauersaal des Duisburger Theaters strömt, sind die Vorbereitungen scheinbar noch in vollem Gange: Auf der Bühne probt das Orchester, Bühnenteile, Dekoration und Requisiten werden hinein getragen, der Komponist grübelt über seinem Werk und hinter den Kulissen steigt die Nervosität.

Kurz vor der Uraufführung seiner Oper „Ariadne auf Naxos“ ist das Vertrauen in den Komponisten und sein neues Werk bereits erschüttert. Es sei zu lang, zu schwierig und noch dazu eine Tragödie. Um dem Publikum trotzdem einen unterhaltsamen Abend zu garantieren, wird kurzerhand beschlossen, die Oper durch improvisierte Auftritte einer Commedia dell’arte-Gruppe aufzulockern. Widerspruch scheint zwecklos, und auch zum Proben fehlt die Zeit: Im „Theater auf dem Theater“ verschmilzt die Oper über den antiken Mythos der von Theseus verlassenen Ariadne, die auf der Insel Naxos den Tod herbeisehnt und durch Bacchus neuen Lebensmut schöpft, mit den improvisierten und kommentierenden Einlagen der Schauspieltruppe.

Bogdan Baciu (Harlekin), Heidi Elisabeth Meier (Zerbinetta). Foto: Florian Merdes.

Bogdan Baciu (Harlekin), Heidi Elisabeth Meier (Zerbinetta). Foto: Florian Merdes.

In „Ariadne auf Naxos“ geht es um das Musiktheater an sich, das feinmaschige Netz der Beziehungen und Abhängig­keiten zwischen Künstlern und ihrer Kunst, Auftraggebern und Zuschauern. Der Regisseur Dietrich W. Hilsdorf folgt den Spuren von Richard Strauss und seinem Librettisten Hugo von Hofmannsthal und zieht uns in die Innen­welt des Theaters. „Schein und Wirklichkeit, Bühne und Publikum gehen hier bruchlos ineinander über; es saugt den Zuschauer in einen imaginären Raum, macht ihn unweigerlich zum Akteur in diesem großen Welttheater, wo das Leben ein Spiel und das Spiel das Leben ist“, schreibt der Kritiker Markus Schwering über die Düsseldorfer Premiere. Hilsdorfs Inszenierung im Bühnenbild von Dieter Richter und mit Kostümen von Renate Schmitzer wird als „Sternstunde aktueller Opernregie“ (Kölner Stadt-Anzeiger), „großer Coup“ (theater:pur) und „rundum überzeugende Eigenproduktion“ (Opernwelt) gewürdigt.

Auf der Bühne begleiten die Duisburger Philharmoniker unter der Leitung von Wen-Pin Chien das bestens eingespielte Sängerensemble: Karine Babajanyan singt die Titelpartie an der Seite von Corby Welch als Bacchus. Für die erkrankte Elena Sancho Pereg übernimmt Heidi Elisabeth Meier die Partie der Zerbinetta und führt führt zusammen mit Bogdan Baciu als Harlekin die muntere Commedia dell’arte-Truppe an. Katarzyna Kuncio ist als Komponist zu erleben.

„Ariadne auf Naxos“ im Theater Duisburg:
Do 25.02. – 19.30 Uhr (Premiere) | Do 03.03. – 19.30 Uhr | So 13.03. – 15.00 Uhr | Sa 19.03. – 19.30 Uhr

„Ariadne auf Naxos“ im Opernhaus Düsseldorf:
So 27.03. – 18.30 Uhr (Wiederaufnahme) | So 10.04. – 18.30 Uhr

Dauer: ca. 2 ¼ Stunden, keine Pause.

Karten und weitere Informationen gibt es an der Theaterkasse Duisburg, Telefon 0203 / 9407777, im Opernshop Düsseldorf, Telefon 0211 / 8925211, und über www.operamrhein.de.

– Pressemitteilung der Deutschen Oper am Rhein –
Fotos: Forian Merdes

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Evonik Jugendkunstpreis 2016 im MKM Museum Küppersmühle in Duisburg

Die diesjährigen Gewinner kommen aus
Würzburg, Nohfelden-Türkismühle und Velen/Ramsdorf

450 Schüler, 1000 Ideen, eine nicht zu beziffernde Menge an neuen Eindrücken und nicht zuletzt insgesamt 8.000 Euro Preisgeld – das ist der Evonik Jugendkunstpreis im MKM Museum Küppersmühle. Die Kreativität der Zukunft fördern ist das erklärte Ziel des Projekts, das die Stiftung für Kunst und Kultur e.V. seit nunmehr 15 Jahren im MKM realisiert. Seit 2014 wird der Wettbewerb durch das in Essen ansässige Spezialchemie-Unternehmen Evonik Industries ermöglicht.

Der EVONIK Jugendkunstpreis 2016 geht an Deutschhaus - Gymnasium Würzburg. Riesenjubel bei den Jungen un Mädchen. Foto: Georg Lukas, Essen.

Der EVONIK Jugendkunstpreis 2016 geht an Deutschhaus – Gymnasium Würzburg. Riesenjubel bei den Jungen un Mädchen. Foto: Georg Lukas, Essen.

Hunderte Schulklassen haben sich beworben, 20 haben am Wettbewerb teilgenommen. Sie werden bei der Preisverleihung dabei sein und der Bekanntgabe der Gewinner des Evonik Jugendkunstpreises 2015 entgegenfiebern. Bevor das Geheimnis um die drei besten Wettbewerbsbeiträge gelüftet wird, begrüßt Fernsehmoderatorin Katty Salié gemeinsam mit MKM-Direktor Walter Smerling die Teilnehmer und stellt das Projekt vor. Weitere Gesprächs- Teilnehmer auf dem Podium sind Thomas Krützberg (Beigeordneter für Familie, Bildung und Kultur der Stadt Duisburg), Markus Langer (Leiter Konzernmarketing/PR Evonik Industries AG), Bernd Neuendorf (NRW-Staatssekretär für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport) und Jurysprecher Coordt von Mannstein (Agentur von Mannstein).

Der Evonik Jugendkunstpreis 2015 geht an das Deutschhaus-Gymnasium Würzburg (BY), die Gesamt- und Gemeinschaftsschule Nohfelden-Türkismühle (SL) und die Realschule Velen/Ramsdorf (NRW). Ausgewählt wurden die diesjährigen Preisträger von den Künstlern Anthony Cragg und Abraham David Christian, der Kunsthistorikerin und Kuratorin an der Bundeskunsthalle, Susanne Kleine, dem Leiter des Konzernmarketings der Evonik Industries AG, Markus Langer, MKM-Direktor Walter Smerling, Sammlerin Sylvia Ströher und Werbeagentur-Chef Coordt von Mannstein. Ihre Entscheidung für die ersten drei Plätze begründet die Jury wie folgt:

Deutschhaus - Gymnasium Würzburg. Foto: Georg Lukas, Essen.

Deutschhaus – Gymnasium Würzburg. Foto: Georg Lukas, Essen.

Platz 1
Der Evonik Jugendkunstpreis 2015 geht an das Deutschhaus-Gymnasium Würzburg für die Arbeit „Blick in den Spiegel“, die durch ihre kompositorische Gestaltung überzeugt. Hervor- zuheben ist vor allem die starke Reflektion aktueller Entwicklungen. Insbesondere die Integration heutiger sozialer und technischer Phänomene ist gelungen, denn der Beitrag zeigt Resultate unserer fortschrittsorientierten Gesellschaft am Beispiel der Digitalisierung und technischen Möglichkeiten mit Blick in andere Kosmen auf. Parallel dazu wird der heutigen Wegwerfgesellschaft der Spiegel vorgehalten, werden Wertigkeiten visualisiert und der gesellschaftliche Dialog angeregt. Eine Sonde explodiert, sie begibt sich auf Spurensuche und hinterlässt gleichzeitig Spuren. Überzeugt war die Jury einstimmig von der künstlerischen Umsetzung der Installation und lobte die „Kunstgedankenmacher“ aus Würzburg. Die Schülerinnen und Schüler dürfen sich über ein Preisgeld in Höhe von 5.000,- EUR freuen.

Gesamtschule Nohfelden-Türkismühle. Foto: Georg Lukas, Essen.

Gesamtschule Nohfelden-Türkismühle. Foto: Georg Lukas, Essen.

Platz 2
Der 2. Preis wird an die Gesamt- und Gemeinschaftsschule Nohfelden-Türkismühle vergeben. An der Arbeit „Our one world“ der Schülerinnen und Schüler aus Nohfelden- Türkismühle gefiel besonders die reduzierte, sehr ansprechende Formgebung, die vordergründig lieblich und schön, harmonisch und symmetrisch wirkt. Erst auf den zweiten Blick wird die Wahrnehmung des Betrachters auf das aus der Reihe Fallende, Nicht-Symmetrische gelenkt. Fragen werden aufgeworfen. Warum sind die an der Wand angebrachten Kugeln der kräftigen Farben entzogen – im Gegensatz zu den am Boden liegenden? Was symbolisieren harmonische Masse einerseits und gleichzeitige Gruppendynamik andererseits? Ein kluger und sensibler Wettbewerbsbeitrag, der insgesamt zum Nachdenken/Hinterfragen anregt, und von der Jury daher mit dem 2. Preis ausgezeichnet wird. Das Preisgeld beträgt 2.000,- EUR.

Realschule Velen-Ramsdorf. Foto: Georg Lukas, Essen.

Realschule Velen-Ramsdorf. Foto: Georg Lukas, Essen.

Platz 3
Über den 3. Preis freut sich die Realschule Velen/Ramsdorf. Die multimediale Installation
„Vor die Wand gefahren“ überzeugt durch ihre materielle Vielschichtigkeit. Die Arbeit geht auf aktuelle soziale Themen ein, insbesondere auf die Flüchtlingsproblematik, aber auch allgemein auf menschliche Problemsituationen. Lebensziele und ihre mögliche oder auch unmögliche Erreichbarkeit stehen im Fokus des Beitrags, dem in der Ausführung zudem der Transport starker Emotionen gelingt. Die Schülerinnen und Schüler geben mit künstlerischen Mitteln der Menschlichkeit ein Gesicht. Das Preisgeld beträgt 1.000,- EUR.

Alle 20 Wettbewerbsbeiträge werden mit einer gemeinsamen Ausstellung belohnt, die bis zum 28. Februar 2016 im MKM Museum Küppersmühle zu sehen ist. Die Teilnehmer am Wettbewerb 2015 kommen aus Bedburg (NRW), Daun (RP), Düsseldorf (NRW), Duisburg (NRW), Esslingen (BW), Herbrechtingen (BW), Hohen Neuendorf (BB), Jessen (Elster, ST), Krefeld (NRW), Marl (NRW), Mönchengladbach (NRW), Nieder-Olm (RP), Nohfelden- Türkismühle (SL), Velen (NRW), Weilheim (BY), Wiehl (NRW), Winnweiler (RP), Würzburg (BY), Xanten (NRW) und Zeitz (ST).

 1. Platz: Deutschhaus-Gymnasium Würzburg Titel: „Blick in den Spiegel“. © MKM, Foto: Georg Lukas, Essen.

1. Platz: Deutschhaus-Gymnasium Würzburg
Titel: „Blick in den Spiegel“. © MKM, Foto: Georg Lukas, Essen.

Projekt und Sponsoring
Mit bislang 15 Jahren Laufzeit ist der Jugendkunstpreis im MKM eine feste Größe in der künstlerischen Nachwuchsförderung. Viele hundert Schulen bewerben sich jedes Jahr. Das Los entscheidet, welche 20 Schulklassen die Chance zur Teilnahme am Wettbewerb erhalten, bei dem es um vieles geht: um Neugierde, Inspiration, Teamwork und Organisationstalent und nicht zuletzt darum, Ideen und Kreativität neu zu entdecken und Potenziale freizusetzen.

Der Evonik Jugendkunstpreis ist ein Projekt der Stiftung für Kunst und Kultur e.V. Bonn. Die Logistik des Projekts liegt in den (kunst)erfahrenen Händen der Transportfirma Hasenkamp. Seit 2014 wird das ambitionierte Kunstvermittlungsprojekt ermöglicht durch die Unter- stützung der Evonik Industries AG: „Wer das Neue in die Welt bringen will, muss sich die Welt anders vorstellen können, als sie ist. Hier begegnen wir als kreativer Industriekonzern der Kunst: Ihre Schöpferkraft schärft unseren Blick für die Möglichkeiten“, begründet Markenchef Markus Langer das Kunst-Engagement des Essener Spezialchemie- Unternehmens.

– Pressemeldung des MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst –
Foto: Georg Lukas, Essen

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Factory Outlet Center FOC: Duisburger Rat entscheidet über Änderung der Bauleitplanung

Bürger sollen in neuem Verfahren beteiligt werden

Foto: Petra Grünendahl.

Foto: Petra Grünendahl.

In seiner Sitzung am 23. November letzten Jahres beschloss der Rat der Stadt, einen Rücktritt des zwischen dem Projektentwickler und der Stadt Duisburg geschlossenen Grundstückskaufvertrags zu prüfen. Zudem sollten Alternativplanungen für den Standort des geplanten Factory-Outlet-Center weiter vorangetrieben werden.

Der Stand der durch den Investor zu erbringenden Gutachten lässt nach wie vor etliche Fragen offen, die zur Weiterführung der Planverfahren einer unbedingten Klärung bedürften. Der nächste Verfahrensschritt im Bauleitplanverfahren, die öffentliche Auslegung der Gutachten, kann deshalb – nach mittlerweile fast fünf Jahren der Planung und Prüfung – nicht erbracht werden.

Lärmdemo der Bewohner der Zinkhüttensieldung vor der Ratssitzung im November 2013. Foto: Petra Grünendahl.

Lärmdemo der Bewohner der Zinkhüttensieldung vor der Ratssitzung im November 2013. Foto: Petra Grünendahl.

Aufgrund der zeitlichen Entwicklungen gibt es nun neue stadtplanerische Überlegungen.
Die Verwaltung hat deshalb auf Grundlage des Antrags aus November für die nächste Sitzung des Rates eine Vorlage erstellt, mit der der Ausstieg aus dem Bauleitplanverfahren beschlossen und somit die Planungen für ein Factory Outlet Center in Hamborn beendet werden sollen. Damit macht der Rat von seinem Recht auf Änderung der Bauleitplanung Gebrauch.

Zur Entwicklung einer Alternativplanung empfiehlt die Verwaltung, nun einen deutlichen Schritt vor der Bauleitplanung zu beginnen, um zu einem aktuellen stadtplanerischen und städtebaulichen Konzept zu gelangen, das den Ansprüchen des Standorts und den Bedürfnissen der Bürger und Beteiligten gerecht wird.

Dazu soll ein Planungsbüro bis zum Sommer 2016 in einer Zielgruppenbeteiligung mit ortsansässigen Bürgern einen Katalog mit möglichen Nutzungen erstellen. Dieser Katalog soll als Grundlage für eine Ausschreibung der Flächen dienen.

Statt Kommentar: Das wurde aber auch Zeit!
Siehe auch Kommentar vom 25. November 2015 …

– Pressemeldung der Stadt Duisburg – Referat für Kommunikation –
Fotos: Petra Grünendahl

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Oper am Rhein: Wolfgang Amadeus Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“ begeisterte im Theater Duisburg

Großmut siegt über den Hass und die Rache
Von Petra Grünendahl

Thorsten Gümbel (Osmin), Jussi Myllys (Belmonte). Foto: Hans Jörg Michel.

Thorsten Gümbel (Osmin), Jussi Myllys (Belmonte). Foto: Hans Jörg Michel.

Belmonte (Corby Welch) sucht verzweifelt nach seiner Verlobten Konstanze (Heidi Elisabeth Meier). Ihr Schiff wurde von Piraten gekapert und sie auf dem Sklavenmarkt verkauft. Konstanze, ihre englische Zofe Blondchen (Sibylla Duffe) und Pedrillo (Johannes Preißinger), der Diener Belmontes und Geliebter Blondchens, sind nun Eigentum des türkischen Herrschers Bassa Selim (Peter Nikolaus Kante). Während Bassa Selim Konstanze für sich gewinnen will, ist sein Diener Osmin (Thorsten Grümbel) hinter der resoluten Engländerin her. Beide Frauen wehren jedoch die sie umgarnenden Männer ab und beschwören ihre Treue zu ihren Geliebten. Pedrillos Plan, nach dem Belmonte die Gefährten befreien will, scheitert. Selim nimmt sie gefangen. Nachdem dieser erfahren hat, dass Belmonte der Sohn seines ärgsten Feindes ist, lässt er die vier gehen und verzichtet auf Konstanze. Er will nicht den Hass von Belmontes Vater mit Rache vergelten, sondern mit Großmut ein Zeichen setzen.

Adela Zaharia (Konstanze), Sibylla Duffe (Blonde). Foto: Hans Jörg Michel.

Adela Zaharia (Konstanze), Sibylla Duffe (Blonde). Foto: Hans Jörg Michel.

Die Deutsche Oper am Rhein begeisterte das Publikum mit der Wiederaufführung von Wolfgang Amadeus Mozarts (1756 – 1791) Singspiel „Die Entführung aus dem Serail“ im nahezu voll besetzten Theater Duisburg. Mozart hatte das Werk „Belmonte und Konstanze“ von Christoph Friedrich Bretzner gegen dessen erklärten Willen (heute würde man sagen: urheberrechtswidrig) zusammen mit Johann Gottlieb Stephanie d. J. bearbeitet: Mozart hatte es inhaltlich an eigene Vorstellungen angepasst und als Auftragswerk des österreichischen Hofes im Wiener Burgtheater 1782 zur Uraufführung gebracht. Das erste Werk seiner „Wiener Schaffensphase“ war auch als Werk bürgerlicher Aufklärung Auftakt zur Freiheitsthematik, die sein ganzes weiteres Werk durchzieht. Musikalisch schöpfte Mozart hier aus dem Vollen: Eine Komposition für großes Orchester mit Elementen dessen, was damals man in Mitteleuropa für türkische/orientalische Klänge hielt: Janitscharenmusik.

Johannes Preißinger (Pedrillo), Sibylla Duffe (Blonde). Foto: Hans Jörg Michel.

Johannes Preißinger (Pedrillo), Sibylla Duffe (Blonde). Foto: Hans Jörg Michel.

Als Singspiel enthält „Die Entführung aus dem Serail“ neben Gesangspartien auch Dialoge und Monologe, die das Verständnis der Handlung erleichtern. Insbesondere die Sprecheinlagen geben dem auf Unterhaltung angelegten Stück eine heitere Note. Der Dreiakter dauert gute drei Stunden (inklusive Pause), in denen sich das Publikum allen Stimmungen auf der Klaviatur der Emotionen ausgesetzt sieht. Gesungen wird in deutscher Sprache, allerdings wären Übertitel durchaus für das Verständnis der Liedtexte durchaus hilfreich.

Virtuose Klänge bezaubern das Publikum

Johannes Preißinger (Pedrillo), Thorsten Gümbel (Osmin). Foto: Hans Jörg Michel.

Johannes Preißinger (Pedrillo), Thorsten Gümbel (Osmin). Foto: Hans Jörg Michel.

Jussi Myllys (Belmonte), Adela Zaharia (Konstanze). Foto: Hans Jörg Michel.

Jussi Myllys (Belmonte), Adela Zaharia (Konstanze). Foto: Hans Jörg Michel.

Anspruchsvoll hat Mozart die Gesangsrollen dieses Singspiels angelegt. Das gilt insbesondere (aber nicht nur) für die Rolle der Konstanze, die er seiner Hauptdarstellerin Caterina Cavalieri als Koloratursopran auf den Leib schneiderte: Tonfolgen von höchster Virtuosität, die auch Heidi Elisabeth Meier bravourös meisterte. Die Melodie umspielenden Verzierungen der Koloratur ist ein wichtiger Bestandteil des Belcanto (von ital. „bel canto“ = schöner Gesang), einer Gesangstechnik, die bis 1840 die bevorzugte Technik für den Gesang in der europäischen Oper war. Immer wieder belohnte Szenenapplaus die mehr als hervorragenden Solo- oder Duettgesänge der Akteure, die wirklich vom Allerfeinsten waren. Schön herausgearbeitet sind in den Liedtexten die Charaktere, Mozarts Kompositionen unterstreichen deren Gefühlswelten eindrucksvoll und zeigen auf, wie sie sich den Lauf der Handlung voran treiben. Nicht nur sängerisch, sondern auch spielerisch überzeugten die Akteure, die ihre Charaktere auf der Bühne lebendig werden ließen.
 

Götz Argus (Bassa Selim). Foto: Frank Heller.

Götz Argus (Bassa Selim). Foto: Frank Heller.

Die gleiche Virtuosität wie den Sängern verlangte Mozarts Komposition aber auch dem Orchester ab. Die Duisburger Philharmoniker meisterten diese Herausforderung unter der musikalischen Leitung von Stefan Klingele mit Bravour. Als Janitscharenchor entführte der Chor der Deutschen Oper am Rhein unter der Leitung von Christoph Kurig in orientalische Gefilde. Zur Inszenierung des ungarischen Schauspielers und Regisseurs András Fricsay hatte Johannes Leiacker Bühnenbild und Kostüme entworfen, die zeitgenössische Vorstellungen von „Orient“ widerspiegeln. Bereits seit 2003 läuft diese Inszenierung an der Deutschen Oper am Rhein in Duisburg und Düsseldorf – und zu Recht immer noch mit großem Erfolg!

Johannes Preißinger (Pedrillo), Thorsten Gümbel (Osmin), Sibylla Duffe (Blonde), Adela Zaharia (Konstanze), Jussi Myllys (Belmonte). Foto: Hans Jörg Michel.

Johannes Preißinger (Pedrillo), Thorsten Gümbel (Osmin), Sibylla Duffe (Blonde), Adela Zaharia (Konstanze), Jussi Myllys (Belmonte). Foto: Hans Jörg Michel.

Weiterer Termin im Theater Duisburg:
Sa | 28. Mai 2016 | 19:30 Uhr.
Termine im Opernhaus Düsseldorf:
Sa | 9. April 2016 | 19:30 Uhr,
So | 5. Juni 2016 | 18:30 Uhr,
Sa | 11. Juni 2016 | 19:30 Uhr,
Sa | 19. Juni 2016 | 15:00 Uhr.

Jussi Myllys (Belmonte), Adela Zaharia (Konstanze). Foto: Hans Jörg Michel.

Jussi Myllys (Belmonte), Adela Zaharia (Konstanze). Foto: Hans Jörg Michel.

Karten gibt es im Opernshop, der sich zur Zeit im Theater Duisburg in der Kassenhalle befindet (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr), oder unter Telefon 0203 / 9407777. Die Theaterkasse öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten im Theater Duisburg zwischen 18,10 und 62,80 Euro, im Opernhaus Düsseldorf 16,80 bis 75,10 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man hier.

© 2016 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Hans Jörg Michel, Mannheim / Deutsche Oper am Rhein (7), Frank Heller / Deutsche Oper am Rhein (1)

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Haniel beteiligt sich an Initiative deutscher Unternehmen zur Integration von Flüchtlingen

wir_zusammen_logoInitiative „Wir zusammen“: Gemeinsam etwas bewegen

Als nachhaltiges und gesellschaftlich verantwortlich handelndes Unternehmen möchte Haniel seinen Beitrag zur Integration von Flüchtlingen aus den Krisenregionen der Welt leisten. Die große Zahl von Flüchtlingen, die derzeit auf der Suche nach Sicherheit und einer besseren Zukunft zu uns kommen, stellt Deutschland im Ganzen und Duisburg als Stadt mit eigenen großen Herausforderungen vor eine historische Aufgabe. Sie bietet aber auch substanzielle Chancen für unser Land und unsere Region – wenn es gelingt, die Menschen in unsere Gesellschaft zu integrieren.

Wir bei Haniel verpflichten uns deshalb unter dem Dach von „Wir zusammen – Die Integrations-Initiative der deutschen Wirtschaft“ einen konkreten, nachhaltigen Beitrag zur Integration von Flüchtlingen in Deutschland zu leisten. Haniel wird dies in enger Abstimmung mit dem Oberbürgermeister der Stadt Duisburg sowie der Stabsstelle „Flüchtlinge“ umsetzen. „Wir handeln mit Anstand. Unternehmerisch und gesellschaftlich. Daher ist es für uns keine Frage, einen Beitrag zur Integration von Flüchtlingen zu leisten, sondern unsere Verantwortung, nachhaltig dafür Sorge zu tragen“, sagt Stephan Gemkow, Vorstandsvorsitzender von Haniel.

Konkret übernimmt Haniel die Patenschaft für die Akuthilfe bei Engpässen in der Integration von Flüchtlingen, die über die Stabsstelle gemeldet werden. Diese Hilfe erfolgt noch am gleichen oder nächsten Tag nach Meldung. Außerdem unterstützt Haniel die Stadt Duisburg beim Aufbau der Organisations- und Lagerlogistik für die Integrationshilfe. Aktuell werden die Vorbereitungen zur beruflichen Integration von Flüchtlingen mit Bleiberecht in die Haniel-Gruppe getroffen. Es ist geplant, künftig auch Kultur-, Sach- und Sprachschulungen sowie Kinder- und Jugendbetreuung anzubieten. Dazu arbeitet Haniel an einem Modell, in dem sich Mitarbeiter persönlich in stärkerem Maße ehrenamtlich engagieren.

„Wir zusammen“ bündelt die Integrations-Initiativen der deutschen Wirtschaft. Ziel ist es, ein Netzwerk zu unterhalten und auszubauen, dessen Mitglieder sich dauerhaft dem Thema Integration widmen und dieses vorantreiben. Dazu führen die teilnehmenden Unternehmen eigenständige Integrationsprojekte durch und untermauern diese mit verbindlichen Partnerschaften. Als gemeinsame Plattform dient die Website http://www.wir-zusammen.de.

Alles zur Initiative „Wir zusammen“ finden Sie in der angehängten Pressemitteilung zur Initiative und dem Patenschaftsversprechen der Franz Haniel & Cie. GmbH.

Details zum Engagement von Haniel finden Sie im angehängten Patenschaftsversprechen und unter https://www.wir-zusammen.de/patenschaften/franz-haniel-und-cie-gmbh.

– Pressemitteilung der Franz Haniel & Cie. GmbH –

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Deutsche Oper am Rhein: Wiederaufführung von Massenets „Werther“ im Theater Duisburg

Sarah Ferede (Charlotte). Foto: Matthias Jung.

Sarah Ferede (Charlotte). Foto: Matthias Jung.

Am Mittwoch, den 10. und am Samstag, 13. Februar, jeweils um 19.30 Uhr, hebt sich im Theater Duisburg der Vorhang für einen wahren Klangrausch: Jules Massenets „Werther“ ist eine in musikalischer Farbenpracht schillernde Oper, die nach ihrer triumphalen Uraufführung 1892 in Wien einen beispiellosen Erfolg feierte. Regisseur Joan Anton Rechi setzte das von Goethes dramatischem Briefroman inspirierte Werk in tiefgründigen Bildern in Szene.

Die Geschichte der unerfüllten Liebe Werthers zu Charlotte und sein Freitod berühren das Publikum heute wie damals. Aus Goethes berühmtem Romanstoff entwickelte Jules Massenet eine Opernhandlung, die nicht mehr ausschließlich aus der Perspektive des unglücklich verliebten Dichters Werther erzählt ist. Auch Charlotte, Albert und Sophie gewinnen als eigenständige Figuren an Tiefe. Mit großer Raffinesse fasst Massenet Werthers leidenschaftliche Liebe zu Charlotte in Musik und durchdringt mit psychologischem Feingefühl die Beziehungen zwischen den einzelnen Figuren. Die Zuschauer werden von Massenets vor emotionaler Spannung glühender Musik in das Drama hineingezogen, an dessen Ende Werthers Liebestod steht. Charlotte, die ihn sterbend findet, muss mit dem Mann weiterleben, der ihr von Beginn an als Gatte zugedacht war.

In der Titelpartie ist Sergej Khomov zu erleben, als Charlotte Sarah Ferede und als deren eifersüchtiger Ehemann Albert Dmitri Vargin. Die in den Kritikerumfragen der WELT und der „Opernwelt“ zur Nachwuchssängerin des Jahres 2015 gekürte Elena Sancho Pereg, ab 25. Februar im Theater Duisburg auch in Dietrich W. Hilsdorfs Inszenierung von Strauss’ „Ariadne auf Naxos“ zu erleben, ist Charlottes schwärmerische Schwester Sophie. Mit Günes Gürle als Le Bailli, Bruce Rankin als Schmidt und Daniel Djambazian als Johann stehen weitere erfahrene Ensemblemitglieder auf der Bühne des Theaters Duisburg. Attila Fodre und Opernstudiomitglied Maria Popa (als Brühlmann und Käthchen) sowie der Chor der Deutschen Oper am Rhein und Kinderchor am Rhein komplettieren die Besetzung. Am Pult der Duisburger Philharmoniker steht Kapellmeister Lukas Beikircher.

Unser Bericht von der Premiere …

„Werther“ im Theater Duisburg
Mi 10.02. 19.30 Uhr | Sa 13.02. 19.30 Uhr

Karten und weitere Informationen sind erhältlich an der Theaterkasse Duisburg und im Opernshop Düsseldorf, Telefon 0203 / 9407777 bzw. 0211 / 8925211, sowie über http://www.operamrhein.de.

– Pressemeldung der Deutschen Oper am Rhein –
Foto: Matthias Jung

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Bunker in Duisburg: Abriss des Hochbunkers auf dem Hochfelder Markt

Schandfleck weicht einer Neugestaltung:
Bürgerwerkstatt im Frühjahr sammelt Ideen

Von Petra Grünendahl

Nach dem Abriss des Hochbunkers soll der Hochfelder Markt komplett neu gestaltet werden. Fördergelder sind beantragt. Foto: Petra Grünendahl.

Nach dem Abriss des Hochbunkers soll der Hochfelder Markt komplett neu gestaltet werden. Fördergelder sind beantragt. Foto: Petra Grünendahl.

Ein Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg: der Hochbunker auf dem Hochfelder Markt. Foto: Petra Grünendahl.

Ein Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg: der Hochbunker auf dem Hochfelder Markt. Foto: Petra Grünendahl.

Massiv gebaut. Foto: Petra Grünendahl.

Massiv gebaut. Foto: Petra Grünendahl.

„Vor drei Wochen haben die Abrissarbeiten mit der Entkernung begonnen. Seit gestern werden mit Großgerät Dach, Decken und Wände eingerissen“, erzählte Stadtplanungsdezernent Carsten Tum. „Der Abriss ist seit Jahren geplant, aufgrund unseres Handlungskonzepts haben Bund und Land jetzt Gelder bereitgestellt, die den Beginn einer Neugestaltung möglich machen“, erklärte Oberbürgermeister Sören Link. Bis auf das Fundament geht der Abriss. Rund 580.000 Kubikmeter Steine und Geröll werden hier abtransportiert. Von den Abrisskosten von etwa 290.000 Euro tragen Land und Bund 90 Prozent (261.000 Euro). Auch bei der Neugestaltung greifen Land und Bund der Stadt Duisburg unter die Arme, die mit dem Integrierten Handlungskonzept „Stadterneuerung Hochfeld“ die Grundlage erbracht hatte, Fördermittel im Rahmen der „Städtebauförderung – Soziale Stadt“ zu beantragen.

Das Ungetüm auf dem Hochfelder Marktplatz – viele Bürger empfinden ihn als Schandfleck – wird Mitte März Geschichte sein. Wie viele andere Hochbunker in Duisburg in den 1930-er Jahren erbaut, diente er ursprünglich dem Schutz der Zivilbevölkerung bei Luftangriffen. Bis zu 431 Zivilisten fanden in ihm Platz. Längst hatte er ausgedient und war „entfestigt“ worden, damit er keine Luftschutzqualitäten mehr besaß. Der Bunker am Hochfelder Markt ist einer von neun Hochbunkern in Duisburg, die sich in städtischem Besitz befinden. Die meisten anderen Hochbunker gehören dem Bund, einige sind auch mittlerweile – nach dem Verkauf aus Bundesvermögen – in Privatbesitz. Mit dem Abriss auf dem Hochfelder Markt schafft die Stadt die Grundlage für eine Neugestaltung des Areals, um die Aufenthaltsqualität auf dem bislang eher nicht belebten Platz zu steigern. Sieht man von Wochenmärkten mittwochs und samstags ab, wird das Gelände als Parkplatz genutzt.

Von der Notunterkunft zur Asylbewerber-Untefkunft

Foto: Petra Grünendahl.

Foto: Petra Grünendahl.

Foto: Petra Grünendahl.

Foto: Petra Grünendahl.

Bis Mitte März ist der "Schandfleck" Geschichte. Foto: Petra Grünendahl.

Bis Mitte März ist der „Schandfleck“ Geschichte. Foto: Petra Grünendahl.

„Das Ziegeldach diente eher der Verschönerung, gehört aber nicht zum eigentlichen Bunker“, erzählte Georg Fobbe, der als Mitarbeiter der EG-DU (Entwicklungsgesellschaft Duisburg) für den Stadtteil Hochfeld zuständig ist. „Nach dem Krieg wurden die Innenräume zu Wohnzwecken umgebaut und als Notunterkunft genutzt. Zuletzt war es für etwa zehn Jahre eine Asylbewerber-Unterkunft und steht seit fünf Jahren leer“, führte Fobbe fort. Wie der Bunker zwischen der Nutzung als Notunterkunft nach dem Krieg und den Einzug von Asylbewerbern im Jahr 2000 genutzt wurde, weiß Fobbe nicht – und nicht, wie lange dieser Zeitraum war. Zuletzt waren die Wohnräume jedoch baulich in einem so schlechten Zustand, dass er den Bunker schlicht als „unbewohnbar“ einstuft.

Bürgerwerkstatt zur Neugestaltung
„Nach dem Abriss gehen wir in die zweite Stufe der Neugestaltung des gesamten Areals unter Beteiligung der Bürger“, erklärte Heiner Maschke, Geschäftsführer der EG-DU. Im Frühjahr solle es eine „Bürgerwerkstatt“ im Karl-Jarres-Haus geben, kündigte er an. Diese werden dann auf Machbarkeit abgeklopft – auch in Zusammenarbeit dem Duisburg Kontor, das hier eine sehr gut funktionierenden Wochenmarkt betreibt, der auch Besucher von außerhalb lockt. Dieser zumindest soll auch nach der Umgestaltung erhalten bleiben, nicht jedoch die Parkplätze. Außer Grün wird es Sitzgelegenheiten geben, und eventuell einen Pavillon mit Bäckerei, wie sei auf dem Brückenplatz und auf dem Wanheimerorter Michaelplatz schon seit Jahren ihr Publikum haben. Für die konkrete Gestaltung will man die Ideen der Anwohner sammeln. „Für die wollen schließlich die Aufenthaltsqualität erhöhen und Leben auf den Platz bringen“, so Georg Fobbe. Angemeldet ist eine Förderung in Höhe von 1,5 Mio. Euro. Mal schauen, wie viel davon genehmigt wird und was daraus im Herzen von Hochfeld entsteht.

© 2016 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Lehmbruck Museum stellte Jahresprogramm für Ausstellungen und Aktionen 2016 vor

Hochklassige Ausstellungen: Ein Booklet stellt Highlights des ersten Halbjahres vor
Von Petra Grünendahl

Wilhelm Lehmbruck: Der Gestürzte. Foto: Petra Grünendahl.

Wilhelm Lehmbruck: Der Gestürzte. Foto: Petra Grünendahl.

Mit der Verlängerung der „Black Box“ bis zum 5. Juni knüpft das Lehmbruck Museum im Kantpark ins neue Ausstellungsjahr zunächst an das Vorjahr an. Ab dem 27. Februar starten mit „Liquid Identities“ von Lynn Hershman Leeson (Medienkunst der Gegenwart) sowie mit „State of Flux“ von Jakub Nepraš (mediale Kunst) die 37. Duisburger Akzente erneut mit Beteiligung des Lehmbruck Museums. Auch diese Sonderausstellungen laufen bis zum 5. Juni. Die erfolgreiche Reihe „Scupture 21st“ erfährt ihre Fortführung mit Johannes Brus (17. März bis 16. Mai) und Jeppe Hein (9. Juni bis 3. Oktober).

Programmpräsentation 2016 im Lehmbruck Museum (v.l.): Sybille Kastner (Kunstvermittlung), Kulturdezernent Thomas Krützberg, Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla, Ronja Friedrichs (Wissenschaftliche Mitarbeiterin), Dr. Michael Krajewski Dr. Marion Bornscheuer (beide Kuratoren), Claudia Thümler (Kunstvermittlung), Andrea Perlt (Stv. Museumsdirektorin). Foto: Petra Grünendahl.

Programmpräsentation 2016 im Lehmbruck Museum (v.l.): Sybille Kastner (Kunstvermittlung), Kulturdezernent Thomas Krützberg, Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla, Ronja Friedrichs (Wissenschaftliche Mitarbeiterin), Dr. Michael Krajewski Dr. Marion Bornscheuer (beide Kuratoren), Claudia Thümler (Kunstvermittlung), Andrea Perlt (Stv. Museumsdirektorin). Foto: Petra Grünendahl.

Das Ausstellungsprogramm des Lehmbruck Museums im ersten Halbjahr gibt es erstmals auch gedruckt im handlichen A5-Format. Booklet und Programm stellten Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla dieses zusammen mit ihrem Team und Kulturdezernent Thomas Krützberg bei einem Pressetermin vor. Mit einem erhöhten Ausstellungsetat, aber vor allem durch Drittmittel (Sponsoren wie Sparkasse Duisburg, thyssenkrupp Steel Europe, Nationalbank, die Kunststiftung NRW, die Stiftung Denkmalpflege und die Kulturstiftung des Bundes) können in diesem Jahr wieder interessante Sonderausstellungen ins Museum im Kantpark geholt werden. Das zweite Halbjahr läutet die große Sommerausstellung „An der Oberfläche. Die Oberfläche als Bedeutungsträger in der Skulptur“ ein. Präsentiert werden Werksbeispiele wegweisender Bildhauer wie Medardo Rosso, August Rodin, Constantin Brâncuşi, Georg Baselitz, Rebecca Horn, Berlinde von Bruyckere, Carsten Nicolai und natürlich Wilhelm Lehmbruck im Wechselausstellungsraum im Neubau. Früh eingebunden seien Kunstvermittler, so Claudia Thümler, die Rahmenprogramme für die Sonderausstellen konzipieren. Darüber hinaus gehen einige Werke Lehmbrucks auch auf Reisen: mit Leihgaben ist das Museum auf Sonderausstellungen zum Beispiel in Zwolle (NL), in Neumarkt/Oberpfalz sowie im Leopold Museum in Wien vertreten.

Konsolidierung gelungen, Ausstellungsetat verdoppelt

Wilhelm Lehmbruck: Der Jüngling. Foto: Petra Grünendahl.

Wilhelm Lehmbruck: Der Jüngling. Foto: Petra Grünendahl.

Sanierungsarbeiten und den Umbau des Erweiterungsbaus kündigte Andrea Perlt, Leiterin der Museumsverwaltung, an. Im Dezember, nach Abschluss der Arbeiten, rundet die Neupräsentation der Sammlung das Ausstellungsjahr ab: Auch länger nicht öffentlich gezeigte größere Werke sollen dann wieder gezeigt werden. Sparmaßnahmen im eigenen Haus in Höhe von 600.000 Euro sowie ein Zuschuss von der Stadt ermöglichten dem Lehmbruck Museum, die für die Deckensanierung aus dem Stiftungskapital entnommen 700.000 Euro in die Stiftung zurückzuführen. Die Deckenplatten in der großen Ausstellungshalle sollen nach abgeschlossenen Arbeiten noch in diesem Jahr wieder angebracht werden.

Gerade laufen Ausschreibungen für ein Fellowship: Das 18-Monats-Programm wird von der Kulturstiftung des Bundes finanziert und soll der wissenschaftlich fundierten Untersuchung von „Audience Development“ dienen: der nachhaltigen Erschließung von (neuen) Besucherkreisen. Hier sind Impulse zu erwarten, die der künftigen Entwicklung des Museums nützen.

Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Ein Lieblingsmotiv von Wilhelm Lehmbruck: Mutter und Kind. Foto: Petra Grünendahl.

Ein Lieblingsmotiv von Wilhelm Lehmbruck: Mutter und Kind. Foto: Petra Grünendahl.

Dienstags bis freitags ist das Lehmbruck Museum ab 12 Uhr geöffnet, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags wegen der plastikBAR bis 21 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro, ermäßigt 5 Euro. Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Schulklassen und Kindergärten pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte gibt es für 15 Euro.

Zu den Sonderausstellungen bietet das Lehmbruck Museum Rahmenprogramme an. Details findet man auf den Internet-Seiten des Museums. Öffentliche Führungen gibt es jeden Sonntag, sie kosten 2 Euro zusätzlich zum Eintritt. Für weitere Informationen und Buchungen steht die Kunstvermittlung unter Telefon 0203 / 283-2195 oder eMail kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de zur Verfügung. Weitere Informationen gibt es unter tickets@lehmbruckmuseum.de, Telefon 0203 / 283-2195 oder www.lehmbruckmuseum.de.

(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70%), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen mit Sozialhilfebezug.

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