Bilanzpressekonferenz der Franz Haniel & Cie. GmbH in Duisburg: De facto schuldenfrei

Portfolioerweiterung: Schatulle gut gefüllt,
aber keine übereilten Unternehmenskäufe geplant

Von Petra Grünendahl

Vorstandsvorsitzender Stephan Gemkow bei der Bilanzpressekonferenz der Franz Haniel & Cie. GmbH. Foto: Petra Grünendahl.

Vorstandsvorsitzender Stephan Gemkow bei der Bilanzpressekonferenz der Franz Haniel & Cie. GmbH. Foto: Petra Grünendahl.

„Wir erwarten in einem stabilen gesamtwirtschaftlichen Umfeld steigende Ergebnisse für 2015“, erklärte Stephan Gemkow, Vorstandsvorsitzender der Franz Haniel & Cie. GmbH, bei der Bilanzpressekonferenz für das Jahr 2014. Einen gut 10 Prozent höheren Umsatz konnte man im vergangenen Jahr verzeichnen (auf 3.944 Mio. Euro), das operative Ergebnis stieg von 166 Mio. Euro auf 217 Mio. Euro um satte 31 Prozent. Insgesamt entwickelten sich die Unternehmensbeteilungen – vor allen CWS-boco, ELG und TAKKT – sehr erfreulich. Auch wenn sinkende Kurse der Metro-Aktie (wegen der Ukrainekrise) das Ergebnis im vierten Quartal belasteten: „An einen Verkauf der Metro-Anteile denken wir nicht“, so Gemkow, der auf Fortschritte bei der strategischen Neuausrichtung verwies, die den Handelskonzern zurück auf den Renditeweg bringen soll.

Der Verkauf des Geschäftsbereichs Celesio, ein Pharma-Großhandel, der über 40 Jahre zum Haniel-Portfolio gehört hatte, brachte gute 2 Milliarden Euro Erlös ein, so dass das Ruhrorter Familienunternehmen de facto schuldenfrei da steht. Die Eigenkapitalquote sei damit von 34 auf 62 Prozent gestiegen, verkündeten Vorstandsvorsitzender Stephan Gemkow und Finanzvorstand Dr. Florian Funck in der Haniel-Akademie. Haniel verfüge nun über gut eine Milliarde Euro für Unternehmenskäufe, für die man sich eher in Europa als Deutschland umsehe. Das eher „Handels“-lastige Portfolio soll in den Bereich leichter Maschinen- und Gerätebau erweitert werden.

Finanzvorstand Dr. Florian Funck stellte bei der Bilanzpressekonferenz der Franz Haniel & Cie. GmbH die Ergebnisse der Beteiligungen vor. Foto: Petra Grünendahl.

Finanzvorstand Dr. Florian Funck stellte bei der Bilanzpressekonferenz der Franz Haniel & Cie. GmbH die Ergebnisse der Beteiligungen vor. Foto: Petra Grünendahl.

Neben einer Minderheitsbeteiligung am börsennotierten Metro-Konzern (30,01 Prozent) ist Haniel Mehrheitseigentümer an drei weiteren Unternehmen, die allesamt auf ihren Märkten führend sind und sich gut entwickeln. CWS-boco (100-Prozent-Tochter) ist ein internationaler Anbieter von Waschraumhygiene, Schmutzfangmatten, Berufskleidung und textilen Lösungen. Nach einer Phase der Profitabilisierung, so Florian Funck, habe CWS-boco durch gezielte Portfolioerweiterungen neue Märkte (Reinraumanwendungen z. B. in der Chipproduktion) erschlossen, die sowohl Umsatz als auch Erträge steigen ließen. ELG (100 Prozent) ist im Edelschrottrecycling tätig und liefert Rohstoffe (Superlegierungen) insbesondere an die Edelstahlindustrie. Neben der guten Wirtschaftslage verhalfen auch steigende Rohstoffpreise zu mehr Umsatz und Ertrag. Auch hier will man neue Marktbereiche (Karbonfaser) erschließen und ausbauen. TAKKT (Haniel-Anteil 50,25 Prozent) ist als Spezialversandhändler für Geschäftsausstattung in Europa und Nordamerika führend. Insbesondere das Nordamerika-Geschäft trug hier zu steigenden Umsätzen und Erträgen bei.

Nachdem die Haniel-Holding für 2013 eine Dividende von 30 Mio. Euro an die Anteilseigner ausschütten konnte (nach einer Null-Runde für 2012), will der Vorstand die Dividende für 2014 auf 40 Mio. Euro anheben. Die Entscheidung hierüber trifft der Aufsichtsrat. Die Dividende wird ausgeschüttet an 680 Anteilseigner (von insgesamt etwa 1.400 Familienmitgliedern).

Beteiligungen mit langfristige Perspektiven gesucht

Vorstandsvorsitzender Stephan Gemkow bei der Bilanzpressekonferenz der Franz Haniel & Cie. GmbH. Foto: Petra Grünendahl.

Vorstandsvorsitzender Stephan Gemkow bei der Bilanzpressekonferenz der Franz Haniel & Cie. GmbH. Foto: Petra Grünendahl.

„Wir suchen noch nach Beteiligungen für unser Portfolio, die unseren Ansprüchen genügen“, erklärte Gemkow. „Wir wollen unsere Ansprüche nicht infrage stellen. Viele Unternehmen auf dem Markt entsprechen aber nicht unseren Kriterien.“ Er hob dabei hervor, dass ein Unternehmenskauf schon langfristige Perspektiven liefern müsse – sowohl für die eigenen Anteilseigner als auch für das zu erwerbende Unternehmen: „Wir denken da weit über drei Jahre hinaus.“ Ein Unternehmensverkauf steht nur dann an, wenn Haniel – wie bei Celesio – unter einem anderen Eigentümer bessere Perspektiven das betreffende Unternehmen sieht. Auch die Familie Haniel bzw. der Aufsichtsrat der Anteilseigner unterstützt diesen auf langfristige Perspektiven ausgerichteten Kurs. Der im vergangenen Jahr abgesteckte Zeitrahmen von zwei bis drei Jahren für Zukäufe gelte nach wie vor, so Gemkow.

Die Unternehmenszentrale von Haniel in Duisburg-Ruhrort.  Foto: Petra Grünendahl.

Die Unternehmenszentrale von Haniel in Duisburg-Ruhrort. Foto: Petra Grünendahl.

Die Ansprüche sind hoch: Mittelständisch geprägt sollte ein Unternehmen sein, von relevanter Größe (ab 100 Mio. Euro Unternehmenswert), mit einem zukunftsfähigen Geschäftsmodell – und zu den Unternehmensstrukturen und in die Firmenphilosophie von Haniel passen. Interessant sind Unternehmen, die sich in einem wachsenden Marktumfeld bewegen, weltweit tätig sind und einen langfristig orientierten Investor für die nächsten Expansionsschritte suchen. Dabei strebt Haniel eine Mehrheitsbeteiligung und damit Mitsprache bei weiterhin operationeller Selbstständigkeit an. Nicht infrage kommen börsennotierte Unternehmen oder solche, die mehrere Vorbesitzer (darunter auch Private-Equity-Unternehmen) haben. Der Unternehmenserwerb sollte dazu beitragen, das Haniel-Portfolio weiter zu diversifizieren.

Franz Haniel & Cie. GmbH

Hier fing alles an: Das historische Packhaus in Ruhrort ist die Keimzelle des Haniel-Konzerns. Das Haus beherbergt heute das Haniel-Museum. Foto: Petra Grünendahl.

Hier fing alles an: Das historische Packhaus in Ruhrort ist die Keimzelle des Haniel-Konzerns. Das Haus beherbergt heute das Haniel-Museum. Foto: Petra Grünendahl.

Die Franz Haniel & Cie. GmbH ist als reiner Investor, Entwickler und Vermögensverwalter am Markt aktiv. Als Holding verwaltet sie das Vermögen der Haniel-Erben. Das „Family-Equity-Unternehmen“ Haniel verfolgt damit andere Ziele als die eher kurzfristige Renditeziele verfolgenden „Private-Equity-Unternehmen“, im Volksmund auch „Heuschrecken“ genannt. In einem Familienunternehmen zählen andere Werte: Mit seinem Slogan „Wir sind enkelfähig“ sagt Haniel genau das aus. Im Haniel-Konzern sind Firmen unterschiedlicher Geschäftsbereiche (mit ihren jeweiligen Tochterunternehmen) unter einem Dach vereint. Anteilseigner der Franz Haniel & Cie. GmbH sind ausschließlich Nachfahren von Aletta Haniel und ihrem Sohn Franz. Das Familienunternehmen hat seine Wurzeln in Ruhrort (Gründung 1756), wo am Franz-Haniel-Platz die Unternehmenszentrale mit dem Haniel-Museum, dem historischen Packhaus als Keimzelle des Unternehmens, steht.

© 2015 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Neuer Museumsführer für Duisburg erschienen

museumsfuehrerFür Kulturkenner und Geschichtsinteressierte, für Freunde des lokalen Brauchtums, für Naturliebhaber und Technikbegeisterte gibt es ab sofort die neu aufgelegte Broschüre „Duisburg Museumslandschaft“. Eine kurze Beschreibung des Hauses, bzw. der Sammlungen sind schnell auf einen Blick zu finden, wie die wichtigsten Daten und Fakten von Öffnungszeiten über Anfahrtsbeschreibungen bis hin zu Kontaktadressen.

Das Heft stellt aber nicht nur die verschiedenen Museen vor, sondern gibt auch noch eine kleine Stadtgeschichte an die Hand sowie einen Überblick zur Kunst im öffentlichen Raum der Stadt Duisburg.

„Duisburg Museumslandschaft“ wurde von der Duisburg Marketing GmbH in Kooperation mit den hiesigen Museen erstellt und hat eine Auflage von 10.000 Exemplaren. Das Heft liegt an vielen zentralen Orten der Stadt aus, unter anderem auch im RUHR.VISITORCENTER im CityPalais. Zudem ist es unter www.duisburgnonstop.de zum Download erhältlich.

– Presseinformation der DMG Duisburg Marketing Gesellschaft –

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Deutsche Oper am Rhein: Corby Welch ist Wagners „Lohengrin“ – ab 11. April wieder im Theater Duisburg

Der Retter nimmt Abschied: Sylvia Hamvasi (Elsa von Brabant), Corby Welch (Lohengrin), Chor der Deutschen Oper am Rhein Foto: Matthias Jung

Der Retter nimmt Abschied: Sylvia Hamvasi (Elsa von Brabant), Corby Welch (Lohengrin), Chor der Deutschen Oper am Rhein
Foto: Matthias Jung

In den vier Vorstellungen von Richard Wagners Oper „Lohengrin“ ab 11. April, 18.00 Uhr, im Theater Duisburg stehen unter anderem die langjährigen und international erfolgreichen Ensemblemitglieder Hans-Peter König als Heinrich der Vogler und Corby Welch in der Titelpartie auf der Bühne.

Regisseurin Sabine Hartmannshenn, die an der Deutschen Oper am Rhein bereits Henzes „Phaedra“ und Strawinskys „The Rake’s Progress“ erfolgreich inszenierte, hat sich zusammen mit ihrem Team der Aufgabe gestellt, allem Frageverbot zum Trotz den Wagnerschen „Lohengrin“-Mythos in seinen tieferen Sinnschichten auszuloten und dessen Tragfähigkeit bis in unsere Gegenwart zu prüfen.

Thorsten Grümbel (Heinrich der Vogler), Corby Welch (Lohengrin), Sylvia Hamvasi (Elsa von Brabant), Dmitri Vargin (Der Heerrufer), Chor der Deutschen Oper am Rhein Foto: Matthias Jung

Thorsten Grümbel (Heinrich der Vogler), Corby Welch (Lohengrin), Sylvia Hamvasi (Elsa von Brabant), Dmitri Vargin (Der Heerrufer), Chor der Deutschen Oper am Rhein
Foto: Matthias Jung

Sylvia Hamvasi übernimmt bei der Wiederaufnahme am 11. April die Partie der Elsa von Brabant – in späteren Vorstellungen alternierend mit Manuela Uhl. Simon Neal präsentiert sich als Friedrich von Telramund, Alexandra Petersamer singt alternierend mit Heike Wessels die Ortrud. Ensemblemitglied Bogdan Baciu ist als Heerrufer zu erleben, die Edlen von Brabant sind Florian Simson, Paul Stefan Onaga, Attila Fodre und David Jerusalem. In weiteren Partien sind Chormitglieder, der Chor und Extrachor der Deutschen Oper am Rhein zu erleben. Die Leitung der Duisburger Philharmoniker hat Kapellmeister Wen-Pin Chien.

Unser Bericht der Premiere …

Ein kleiner Vorgeschmack:

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„Lohengrin“ im Theater Duisburg:
Sa 11.04. 18.00 Uhr | So 26.04. 18.00 Uhr | So 03.05. 18.00 Uhr | Do 14.05. 18.00 Uhr

Karten und weitere Informationen sind erhältlich in den Opernshops Duisburg, Telefon 0203 / 9407777, oder Düsseldorf, Telefon 0211 / 8925211, sowie über www.operamrhein.de.

– Presseinformation der Deutschen Oper am Rhein –
Fotos: Matthias Jung

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Duisburger Hafen wird Ziel für Luxuskreuzfahrtschiffe

  • Ankunft des ersten Luxuskreuzers
  • Bau einer eigenen Anlegestelle für Flusskreuzfahrtschiffe
  • Auch Reederei Viking steuert duisport an

Die Ruhr-Mündung in den Rhein. Foto: Hans Blossey / duisport.

Die Ruhr-Mündung in den Rhein. Foto: Hans Blossey / duisport.

Am kommenden Samstag legt erstmals das Flusskreuzfahrtschiff „Scenic Jewel“ des Anbieters Scenic Cruises im Duisburger Hafen an. Dies ist der Auftakt einer regelmäßigen Anfahrt von Flusskreuzfahrtschiffen verschiedener Anbieter, darunter Scenic Cruises und Viking River Cruises. Gemeinsam mit der Reederei Viking wird duisport rund eine halbe Million Euro in eine hochwertige Anlegestelle mit entsprechender Arrondierung an der Mühlenweide investieren.

„Damit wird duisport zum Empfangstor für alle internationale Touristen, die den Duisburger Hafen, die Stadt Duisburg sowie die Route der Industriekultur näher kennenlernen möchten“, betont Erich Staake, Vorstandsvorsitzender der Duisburger Hafen AG.

Mit der Reederei Viking aus den USA steht duisport schon seit Anfang 2014 in Kontakt. Mit der gemeinsamen Investition der neuen Anlegestelle an der Mühlenweide, die auch von anderen Anbietern benutzt werden kann, wird die Attraktivität des Standorts für Fahrgastschiffe deutlich gestärkt. Die Anlegestelle soll bis Sommer 2015 fertig gestellt werden.

Zurzeit erarbeitet duisport ein detailliertes Konzept für das Areal rund um die geplante Anlegestelle. So sollen auch visuelle Elemente, wie beispielsweise ein Hinweis auf den weltgrößten Binnenhafen in Form eines Containers, installiert werden.

„Wir sorgen für eine optimale Landgangmöglichkeit für Flusskreuzfahrtschiffe in Duisburg. Diese wird so repräsentativ gestaltet, dass sie den Touristen nachhaltig in Erinnerung bleibt“, so Staake.

– Pressemeldung der Duisburger Hafen AG –
Foto: Hans Blossey / duisport

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Lutherkirche Duissern: Benefizveranstaltung zugunsten der Medizinischen Sprechstunde für unversicherte Menschen

Es gibt viele Menschen im Duisburger Norden, die keine Krankenversicherung haben: unter anderem Zuwanderer, Flüchtlinge, Menschen ohne Papiere. Im Krankheitsfall wird ihre Lage dramatisch – ohne Krankenversicherung keine Behandlung. Seit November bietet der Petershof einmal wöchentlich eine freie Sprechstunde für Nicht-Versicherte an.

Am Sonntag, 19.April um 17.00 Uhr in der
Lutherkirche Duissern, Martinstraße 37, 47058 Duisburg
Eine Schubertiade
Musik und Rezitation
Benefizveranstaltung
zugunsten der
Medizinischen Sprechstunde für unversicherte Menschen
(Infirmarium Im Petershof)
unterstützt vom Flüchtlingsrat Duisburg.

Eintritt frei – um eine großzügige Spende wird gebeten

plakat_benefizkonzertIm August 1812 schrieb ein halbes Kind, 15-jährig, ein Klaviertrio von großer Anmut. Dieses Kind hatte bereits seit zwei Jahren die Menschen in seiner Umgebung mit Kompositionen, vor allem mit Liedkompositionen zu anspruchsvollen und gruseligen Texten überrascht.
Ein Kind, das aus dem 9ten Bezirk stammte, einem Armenviertel Wiens. Ein Zuwandererkind, von seinem Vater mit 11 Jahren weggegeben: als Chorsänger, in das k.k. Konvikt, in dem es emotional zurückgezogen lebte, und das es später einmal als ein Gefängnis bezeichnen sollte.
Sechzehn Jahre später, in der zweiten Aprilhälfte des Jahres 1828, schrieb Franz Schubert eines seiner beiden großen Klaviertrios in B-Dur, der gleichen Tonart, wie das von 1812. Im gleichen Jahr starb er 31-jährig.
Er hatte so viele Werke geschrieben, dass rein rechnerisch die Lebenszeit eines Kopisten nicht ausgereicht hätte, sie zu kopieren. Das meiste schrieb er für die Schublade. Lediglich mit seinen Liedern wurde er in den Salons des aufstrebenden Bildungsbürgertums bekannt.
So waren damals die Zeiten. Die Zeit des Rückschritts, der Zensur und der Polizeispitzel gab einer kreativen und innovativen Jugend keine Chance.
Mit Musik und literarischen Texten wollen wir einen Bogen spannen zwischen 1812 und 1828, dem Beginn und dem frühen Ende dieses viel zu kurzen Künstlerlebens.

  • Klaviertrio B-Dur: Sonate (D 28)
  • Rezitation: Franz Schubert, Fragmente seines Lebens
  • Klaviertrio B-Dur (D 898)

Es wirken mit:
Friederike Lisken, Violoncello
Wolfgang Kauffmann, Violine
Hans Lembke, Klavier
Albrecht Süß, Rezitation

– Presseinformation der Veranstalter –

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Oper am Rhein: Guiseppe Verdis „Aida“ begeisterte bei der Premiere im Theater Duisburg

Zerrissen zwischen ihrem Vater, ihrem Volk
und dem Feind, den sie liebt

Von Petra Grünendahl

Noch sind sie glücklich: Morenike Fadayomi (Aida), Sergej Khomov (Radamès). Foto: Matthias Jung.

Noch sind sie glücklich: Morenike Fadayomi (Aida), Sergej Khomov (Radamès). Foto: Matthias Jung.

VORNE: Morenike Fadayomi (Aida), HINTEN: Thorsten Grümbel (der ägyptische König), Chor der Deutschen Oper am Rhein. Foto: Matthias Jung.

VORNE: Morenike Fadayomi (Aida), HINTEN: Thorsten Grümbel (der ägyptische König), Chor der Deutschen Oper am Rhein. Foto: Matthias Jung.

Die äthiopische Königstochter Aida (Morenike Fadayomi) lebt als Sklavin in Kairo. Hin und her gerissen wird sie zwischen ihrer Liebe zum ägyptischen Feldherren Radamès (Sergej Khomov) und ihrem Volk, das unter ihrem Vater, dem König Amonasro (Boris Statsenko), mit Ägypten im Krieg liegt. Radamès will trotz seiner Liebe zu Aida für den ägyptischen König (Bogdan Talos) als oberster Feldherr gegen Aidas Volk in den Krieg ziehen. Des ägyptischen Königs Tochter Amneris (Susan Maclean) hat ihrerseits ein Auge auf den Feldherren geworfen und sich in Radamès verliebt. Nach dem Sieg der Ägypter soll Radamès sie als Belohnung zur Frau bekommen. Aida ist verzweifelt …

Eine vom Publikum begeistert aufgenommene Premiere feierte im nahezu ausverkauften Theater Duisburg Guiseppe Verdis Oper „Aida“. Verdi komponierte seine ägyptische Oper für eine Uraufführung 1871 im Kairoer Opernhaus in vier Akten zu Texten (Libretto) von Antonio Ghislanzoni nach einem Szenario von Pascha François Auguste Ferdinand Mariette. Mit einer Pause läuft die Oper gute 3 Stunden (Überlänge). Gesungen wird in italienischer Sprache, deutsche Übertitel erleichtern das Verständnis der Handlung.

 
 

Vom großen Triumph und finalem Verlust

VORNE: Sergej Khomov (Radamès), Morenike Fadayomi (Aida), HINTEN: Thorsten Grümbel (der ägyptische König), Statisterie. Foto: Matthias Jung.

VORNE: Sergej Khomov (Radamès), Morenike Fadayomi (Aida), HINTEN: Thorsten Grümbel (der ägyptische König), Statisterie. Foto: Matthias Jung.

Mit Morenike Fayadomi als Aida und Susan Maclean als Amneris standen sich in den führenden Frauenrollen zwei ganz herausragenden Akteurinnen gegenüber, die um die Liebe eines Mannes kämpften – und beide verloren: die eine den Mann (Amneris), die andere ihrer beider Leben (Aida). Während die eine durch das ganze Stück hindurch zerrissen wird zwischen Pflicht und Liebe (Aida), durchläuft die andere (Amneris) eine Entwicklung: Sie verliebt sich, erkennt durch eine List die Rivalin, verrät den Mann aus Eifersucht, um schlussendlich zu erkennen, dass sie ihn verliert und nicht mehr retten kann. Er wird lebendig eingemauert – zusammen mit Aida, die sich heimlich in die Gruft geschlichen hatte. Ein tragischer Stoff, aber großes Kino mit hochklassigen Akteuren, die sängerisch wie schauspielerisch vollends überzeugten.

Sergej Khomov (Radamès), Chor der Deutschen Oper am Rhein. Foto: Matthias Jung.

Sergej Khomov (Radamès), Chor der Deutschen Oper am Rhein. Foto: Matthias Jung.

Nicht angebracht war die vom Regisseur Philipp Himmelmann initiierte Verlegung der Handlung vom antiken Ägypten ins Europa der Entstehungszeit der Oper. Katholische Geistliche, die Isis, Phtah und andere ägyptischen Gottheiten lobpreisen, sind einfach nicht glaubwürdig. Wenn der Zuschauer die unpassende (wenn auch bildschöne) Kostümierung vom Ende des 19. Jahrhunderts ignoriert, sich in Gedanken ins antike Ägypten zurückversetzt, kann er eine herrliche, stimmige Geschichte erleben, die mit fabelhaften Akteuren nicht nur musikalisch herausragend besetzt war.

Durch eine List erkennt sie ihren Rivalin: Susan Maclean (Amneris), Morenike Fadayomi (Aida). Foto: Matthias Jung.

Durch eine List erkennt sie ihren Rivalin: Susan Maclean (Amneris), Morenike Fadayomi (Aida). Foto: Matthias Jung.

Der große Triumphmarsch und monumentale Chorszenen setzen vor allem im ersten Teil, in den ersten beiden Akten, musikalische Gegenparts zu den Soli der Sänger. Im zweiten Teil dominieren die Solostimmen, treten die Einzelpersonen mit ihren inneren Konflikten deutlich in den Vordergrund. Die Chorgesänge kommen aus dem „Off“: Chor und Extrachor der Deutschen Oper am Rhein unter der Leitung von Gerhard Michalski, singen nicht auf, sondern hinter der Bühne. In Nebenrollen komplettierten Sami Luttinen (als Oberpriester Ramfis), Ingmar Klusmann (als Bote) und Eva Bodorová (als Priesterin/Tempelsängerin) die Besetzung.

Adrian Sâmpetrean (Ramfis), Damenchor der Deutschen Oper am Rhein. Foto: Matthias Jung.

Adrian Sâmpetrean (Ramfis), Damenchor der Deutschen Oper am Rhein. Foto: Matthias Jung.

Die Duisburger Philharmoniker unter der musikalischen Leitung von Axel Kober glänzen beim Triumphmarsch und bombastischen Chorpassagen ebenso wie als Begleitung der hervorragenden Sänger. Unterstützt werden sie dabei von den Aida-Trompeten aus der Trompetenklasse der Folkwang Universität Essen. Für die Gestaltung des Bühnenbildes zeichnet Johannes Leiacker verantwortlich, stimmungsvoll in Szene gesetzt durch das Licht-Design Manfred Voss. Die bildschönen pompösen Kostüme entwarf Gesine Völlm.

Ein kleiner Vorgeschmack:

Weitere Termine im Theater Duisburg:
So | 12. April 2015 | 18:30 Uhr,
Di | 14. April 2015 | 19:30 Uhr,
Sa | 9. Mai 2015 | 19:30 Uhr und
Fr | 22. Mai 2015 | 19:30 Uhr.

Morenike Fadayomi (Aida), Boris Statsenko (Amonasro) . Foto: Matthias Jung.

Morenike Fadayomi (Aida), Boris Statsenko (Amonasro) . Foto: Matthias Jung.

Karten gibt es im Opernshop, der sich zur Zeit im Theater Duisburg in der Kassenhalle befindet (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr), oder unter Telefon 0203 / 9407777. Die Theaterkasse öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten zwischen 20,30 und 70,30 Euro (Überlänge). Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man hier.

© 2015 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Matthias Jung, Köln / Deutsche Oper am Rhein

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Aktionsbündnis „Für die Würde unserer Städte“ zum Gesetzentwurf der Bundesregierung

Gesetz zur Förderung von Investitionen in finanzschwachen Kommunen

„Wir freuen uns, dass nach unserer parteiübergreifenden Demonstration mit Kolleginnen und Kollegen aus mehr als 50 Städten aus sieben Bundesländern in Berlin endlich Bewegung in die Bundespolitik kommt und Entlastungen für finanzschwache Kommunen vorgesehen sind. Was im Bundeskabinett beschlossen und im Landtag aktuell diskutiert wird, ist ein guter Schritt, doch für die Rettung der Kommunen ist das noch kein wirklicher Feuerwehreinsatz, sondern es sind erst einmal viele Tropfen auf einem heißen Stein. Aber es gibt uns Hoffnung, dass die grundlegenden Probleme erkannt sind und im Weiteren angegangen werden.“

Mit dieser Stellungnahme relativieren die Sprecher des Aktionsbündnisses „Für die Würde unserer Städte“, Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld (SPD) aus Mülheim an der Ruhr und Wuppertals Oberbürgermeister Peter Jung (CDU), den von der Großen Koalition vermittelten öffentlichen Eindruck, mit den jüngsten Hilfen würden die um ihre Gestaltungsfähigkeit ringenden Kommunen weitgehend von ihren Sorgen befreit. Das sei keineswegs der Fall.

euro-euroJetzt kommt es darauf an, konkrete Verteilungsschlüssel zu finden. Dazu OB Mühlenfeld und ihr Kollege Jung: „Nachdem der Bund aus unserer Sicht sinnvolle Kriterien für die Mittelverteilung gefunden hat, sind nun die Länder gefordert, damit die Mittel auch zu 100 % entsprechend an die finanzschwachen Kommunen weiter geleitet werden.“ Hierzu müssen nach Auffassung des Aktionsbündnisses in einem ersten Schritt klare Zugangskriterien für die konkrete „Finanzschwäche“ definiert werden. Ein geeignetes Kriterium könnte die Überschuldung oder die drohende Überschuldung sein (analog zum Stärkungspaktgesetz), ein weiteres der Erhalt von Schlüsselzuweisungen.

In einem nächsten Schritt ist festzulegen, wie die Verteilung erfolgt. Hierbei könnten die Höhe der Kassenkredite, die Arbeitslosenquote oder die Zahl der Hartz-IV Bedarfsgemeinschaften herangezogen werden.

Für die Kämmerer-Sprecher des Bündnisses, Uwe Bonan (Mülheim an der Ruhr) und Dr. Johannes Slawig (Wuppertal), ist zudem eine unkomplizierte Abwicklung wichtig. „Wir stehen bereit und haben vor dem Hintergrund des riesigen Investitionsstaus genug Maßnahmen in der Planung, die mit den Bundeshilfen finanziert werden können.“

Mühlenfeld, Jung und ihre Kämmerer bitten die Bundespolitik, bei der so dringend notwendigen finanziellen Entlastung der Kommunen objektiv zu bleiben und auf „politisches Marketing“ zu verzichten. „Trotz aller positiven Entwicklungen fehlt immer noch ein substanzieller Vorschlag für eine nachhaltige Lösung der Finanzprobleme Strukturschwacher Kommunen“, zeigt Dagmar Mühlenfeld auf. Das Aktionsbündnis erwartet daher als nächste Botschaft aus Berlin die baldige Entscheidung der Fraktionen des Deutschen Bundestages über den Termin einer öffentlichen Plenardebatte zur gesetzlich vorgeschriebenen, jedoch nicht mehr vorhandenen Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse zwischen den um ihre Gestaltungsfähigkeit kämpfenden Kommunen und ihren reichen „Verwandten“. Das hatten alle Fraktionsspitzen bei der Kommunalkonferenz am 24. Februar versprochen.

Oberbürgermeister Sören Link, Foto: Petra Grünendahl.

Oberbürgermeister Sören Link, Foto: Petra Grünendahl.

Die Duisburger Stadtspitze, die sich im Aktionsbündnis aktiv engagiert, sieht das ebenso. Oberbürgermeister Sören Link und Kämmerer Dr. Peter Langner erklären:

„Duisburg braucht die Mittel aus dem Investitionspaket schnell, um endlich wieder in die kommunale Infrastruktur investieren zu können. Wie haben hier keine Zeit für lange Debatten um Verteilerschlüssel – wir brauchen Planungssicherheit. Die Duisburgerinnen und Duisburger haben ein Recht darauf, dass in ihre Zukunft und die ihrer Kinder investiert wird. Damit wollen wir so schnell wie möglich beginnen.“

– Pressemitteilung der Stadt Duisburg –

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Bahnoperateur DistriRail setzt auf Drehscheibe duisport

  • Ausbau der Bahnverkehre zwischen Rotterdam und Duisburg
  • Stärkung der Hub-Funktion duisports
  • Kartellbehörde stimmt Beteiligung an DistriRail zu

duisport_bahnkran-containerterminalDer niederländische Bahnoperateur DistriRail und duisport verstärken ihre Zusammenarbeit. DistriRail nutzt das Netzwerk von duisport zur Verteilung der Waren im europäischen Hinterland und baut die Shuttle-Verkehre zwischen Rotterdam und Duisburg weiter aus. Darüber hinaus geht duisport eine Minderheitsbeteiligung bei DistriRail ein.

In den letzten Jahren hat duisport für seine Kunden aus der Logistik- und der verladenen Wirtschaft ein Hub-Konzept im Hinterland der Seehäfen aufgebaut. So werden Güterströme in Duisburg gebündelt und dann über das internationale Netzwerk, insbesondere über die Schiene, weiter verteilt. Zurzeit verkehren über 360 Züge wöchentlich zwischen Duisburg und 80 Destinationen in Europa und Asien.

Für die nordrhein-westfälische Wirtschaft sind maritime Verkehre von zunehmender Bedeutung. duisport sieht sich daher in der Pflicht die Zuverlässigkeit des Transportangebotes mit leistungsfähigen Operateuren am Standort Duisburg zu gewährleisten. In Richtung Antwerpen stellt duisport, trotz schwierigen Bedingungen in der Streckenführung, seit vielen Jahren ein umfangreiches Angebot in eigener Verantwortung bereit. Die Verbindung zum Rotterdamer Hafen wird von mehreren Operateuren angeboten, wobei das größte Volumen auf der Schiene von DistriRail abgewickelt wird.

DistriRail hat sich entschieden Duisburg verstärkt als Hinterlanddrehscheibe zu nutzen und die Zahl ihrer täglichen Shuttle-Verkehre zwischen Rotterdam und Duisburg deutlich zu erhöhen – auf mehrere Abfahrten täglich. Um dieses Konzept nachhaltig zu etablieren, hat duisport das Angebot der Eigentümer von DistriRail angenommen, eine Minderheitsbeteiligung an diesem System einzugehen. Dem von vielen Marktteilnehmern prognostizierten starken Containeraufkommen in den nächsten Jahren wird dadurch Rechnung getragen. Insbesondere den neuen Terminals auf der Maasvlakte II, die in deutlich stärkerem Maße Bahnverkehre ins Hinterland starten wollen, wird hiermit ein leistungsfähiges Konzept angeboten.

Als unabhängiger Bahnoperateur im KV-Bereich arbeitet DistriRail seit vielen Jahren erfolgreich für Reedereien und Logistikdienstleister. Am 10. März 2015 hat das Bundeskartellamt einer Minderheitsbeteiligung duisports an DistriRail zugestimmt.

– Pressemeldung und Foto: Duisburger Hafen AG –

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Oberbürgermeister Sören Link äußert sich zu den Vorfällen in Neuenkamp in Verbindung mit dem dort geplanten Asylbewerberheim

Oberbürgermeister Sören Link, Foto: Petra Grünendahl.

Oberbürgermeister Sören Link, Foto: Petra Grünendahl.

Ich bin entsetzt über die Angriffe gegen Manfred Osenger. Ich habe Verständnis, dass Bürger vor Ort eine erhöhtes Maß an Informationsbedürfnis haben und vielleicht auch unsicher sind, was sie erwartet, aber Gewaltandrohungen und Eierwürfe gegen das Haus unseres Bürgermeisters, das geht gar nicht! Man kann ja seine Meinung sagen, aber für Pöbeleien und Sachbeschädigung gegenüber demokratisch gewählten Mandatsträgern fehlt mir jedes Verständnis. So etwas darf nicht einreißen.

Vor dem Hintergrund des immensen Unterbringungsdrucks für die nach Duisburg kommenden Flüchtlinge hat der Rat am 2. März mit großer Mehrheit beschlossen, die ehemalige Schule auf der Paul-Rücker-Straße in Neuenkamp für Asylbewerber herzurichten. Bereits vier Tage später haben wir die Stadtgesellschaft vor Ort im Detail über unsere Pläne informiert.

Die Unterbringung von Flüchtlingen ist eine nationale Aufgabe, die alle Kommunen vor ähnliche Probleme stellt. Vor Ort müssen wir gemeinsam mit allen Kräften der Stadtgesellschaft diese Aufgabe lösen. Die Sorgen und Bedenken sind verständlich, es nutzt aber nichts, nach dem Sankt-Florians-Prinzip zu verfahren und sich im konkreten Fall wegzuducken.

Die Duisburgerinnen und Duisburger haben in der Vergangenheit mehrfach – auch nach zum Teil anfänglichen Bedenken – bewiesen, dass sie für eine Willkommenskultur gegenüber den Menschen aus den zahlreichen Krisengebieten der Welt stehen. Wir in Duisburg kennen die Sorgen aller Menschen in unserer Stadt und wir werden sie gemeinsam und friedlich miteinander lösen. Dies haben wir auch mit der „Duisburger Erklärung für Demokratie und Vielfalt“ deutlich gemacht, die Anfang Februar mit großem Konsens verabschiedet wurde.

Im Übrigen bin ich mir sicher, dass auch bei dieser Debatte in den nächsten Wochen wieder Vernunft einkehren wird.

– Pressemeldung der Stadt Duisburg –
Foto: Petra Grünendahl

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Zu wenig Frauen in Führungspositionen: Ein Mentoring-Programm des Unternehmerverbandes hilft individuell

Mentorinnen gesucht: Frauen helfen Frauen

Nicht gegen Männer, aber für Frauen – so versteht sich ein Netzwerk, das der Unternehmerverband bereits im Jahr 2011 ins Leben gerufen hat. Mit einem Mentoring-Programm werden Frauen auf führende Funktionen vorbereitet oder dabei unterstützt, sich in leitenden Positionen zu behaupten. Dabei helfen die teilnehmenden Frauen sich gegenseitig: Führungskräfte unterstützen Nachwuchskräfte.

Damit die Hilfestellungen möglichst konkret und individuell sind, hat der Unternehmerverband jeweils Zweier-Teams mit je einer Mentorin und einer Mentee gebildet. „Mit unseren guten Kontakten zu den Unternehmen können wir hier die richtigen Frauen zusammenbringen“, so Elisabeth Schulte, die das Projekt für den Unternehmerverband koordiniert. Die Mentees kommen vor allem aus der Industrie – im sozialen Dienstleistungsbereich, der ebenfalls stark im Unternehmerverband repräsentiert ist, sind Frauen in Führungspositionen nicht ungewöhnlich.

Bei der Erst-Auflage des Frauen-Mentorings machten zunächst sieben „Tandems“ den Anfang. Seitdem kommen hin und wieder neue Teilnehmerinnen hinzu, andere haben ihr Ziel erreicht. Für Elisabeth Schulte ist aber klar, dass man noch längst nicht alle Potentiale genutzt hat: „Wir brauchen vor allem mehr Mentorinnen, die sich um den Nachwuchs kümmern. Junge, aufstrebende Kandidatinnen haben wir einige. Für Sie suchen wir noch erfahrene Führungskräfte.“ Schulte ist dabei sicher, dass beide Seiten profitieren. „Auch die Mentorin profitiert von dem Austausch, nicht zuletzt weil auch sie ihr Netzwerk ausbaut“, so Schulte. Da die Organisation des Programms aufwendig ist und die Teilnahme kostenfrei, richtet sich das Angebot des Unternehmerverbandes ausschließlich an Mitgliedsfirmen.

Ein erfolgreiches Tandem: Laura Zimmermann (l.) und Pia Salonen (r.). Foto: Unternehmerverband.

Ein erfolgreiches Tandem: Laura Zimmermann (l.) und Pia Salonen (r.). Foto: Unternehmerverband.

Eines der Tandems bilden Laura Zimmermann (27) als Mentee und die aus Finnland stammende Pia Salonen (43) als Mentorin. Die beiden sind bereits seit 2011, dem Startjahr des Mentoring-Programms, ein Team. Die aufstrebende Laura Zimmermann arbeitet bereits seit fünf Jahren beim Oberhausener Automatisierungsspezialisten Lenord, Bauer und Co. GmbH. Sie ist dort im Marketing tätig und bereitet unter anderem den Auftritt des Unternehmens auf internationalen Messen vor. Auch Pia Salonen hat lange Jahre im Marketing gearbeitet, ehe sie ihre heutige Position als Entwicklungsmanagerin beim skandinavischen Stahlproduzenten Ruukki mit Büro in Duisburg eingenommen hat. „Wir können uns auch fachlich austauschen. Das hat mir in den letzten Jahren oft geholfen“, sagt Zimmermann.

Nach ihrem Master-Abschluss strebt die gelernte Industriekauffrau über kurz oder lang eine Führungsposition an. Auf dem Weg dorthin erhofft sie sich möglichst viele Tipps von ihrer Mentorin Pia Salonen. Beide Frauen eint die gleiche Erfahrung: das berufliche Umfeld in der Industrie ist weitgehend männlich. Dabei ist es nicht immer einfach, sich als Frau in einem männlich dominierten Unternehmen durchzusetzen. „Männer verfügen häufig über ein besseres Netzwerk im Unternehmen und setzen ihre Ellenbogen schneller ein. Wir Frauen sind oft zu bescheiden“, gibt sich Zimmermann realistisch. Doch sei dies kein Grund zu verzagen.

Im Gegenteil, ergänzt Salonen, sollten Frauen ihre Stärken selbstbewusst in das Unternehmen einbringen. Denn nicht nur aktuelle Studien besagen eindeutig, dass Unternehmen profitieren, wenn sie ein möglichst ausgewogenes Verhältnis von männlichen und weiblichen Führungskräften haben. Salonen unterstreicht die soziale Kompetenz und das große Organisationstalent vieler weiblicher Führungskräfte. „Davon kann auch die Industrie profitieren“, ist sie sich sicher.

Regelmäßig treffen sich die Teilnehmerinnen des Frauen-Mentorings, um über Erfahrungen zu berichten und Ideen auszutauschen. „Das tut uns gut. Daraus sind schon Freundschaften erwachsen. Netzwerkarbeit im besten Sinne halt“, blickt Mentorin Pia Salonen zufrieden auf die gemeinsamen Ziele. Ob die Zeiten der männerdominierten Industrie wohl schon bald der Vergangenheit angehören? „Wenn Frauen mutig sind und mit ihren Kompetenzen überzeugen, wird der Wandel gelingen. Quoten können das nicht erreichen, was Frauen selbst erreichen können“, ist sich Organisatorin Schulte sicher.

Die Unternehmerverbandsgruppe mit ihren sechs Einzelverbänden und ihren rund 700 Mitgliedsunternehmen gehört zu den größten Arbeitgeberverbänden Nordrhein-Westfalens. Mit Sitz in Duisburg reicht ihr angestammtes Verbreitungsgebiet vom westlichen Ruhrgebiet (Duisburg, Mülheim, Oberhausen) über den Kreis Wesel bis an die niederländische Grenze (Kreis Kleve) und ins Münsterland (Kreis Borken).

– Pressemeldung des Unternehmerverbandes Duisburg –

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36. Duisburger Akzente: Ausstellung von Wiebke Siem im Lehmbruck Museum

Wenn Ordnungsliebe zur Bedrohung wird
Von Petra Grünendahl

Eine Figur aus "Hot Skillet Mama" in der Glashalle. Im Hintergrund: Wiebke Siem (links) in der Pressseführung. Foto: Petra Grünendahl.

Eine Figur aus „Hot Skillet Mama“ in der Glashalle. Im Hintergrund: Wiebke Siem (links) in der Pressseführung. Foto: Petra Grünendahl.

Wiebke Siem (*1954) hat ihre Installation „Hot Skillet Mama“ mit Hängefiguren, die wie Marionetten wirken, neu arrangiert und extra für die Duisburger Präsentation um neue Standfiguren ergänzt. Diese Installation (2012/2015) erregt schon seit fast zwei Wochen im Rahmen von „Sculpture 21st“ in der Glashalle zum Kantpark die Neugier von Passanten und Museumsbesuchern: „Ihre Bildsprache erobert Herzen und weckt die Fantasie“, hat Kurator Dr. Michael Krajewski schon beobachten können. Am Samstag, 7. März, wird eine umfassende Einzelausstellung mit weiteren ihrer Werke im Anbau des Lehmbruck Museums eröffnet, zu denen neben Plastiken und Rauminstallationen auch ihre Zeichnungen gehören.

 

Wiebke Siem inmitten ihrer Hände: Werk "ohne Titel" von 2007. Foto: Petra Grünendahl.

Wiebke Siem inmitten ihrer Hände: Werk „ohne Titel“ von 2007. Foto: Petra Grünendahl.

Die Bildhauerin Wiebke Siem ist 2014 mit dem renommierten Kaiserring, dem internationalen Kunstpreis der Stadt Goslar, ausgezeichnet worden. Ihre Skulpturen und Installationen spielen mit den Themen Zuhause, Geborgenheit und Erinnerung. Sie präsentiert ihre Werke aus drei Jahrzehnten im Rahmen der 36. Duisburger Akzente, die unter dem Leitmotiv „Heimat“ stehen, im Lehmbruck Museum. Neben Skulpturen und Installationen sind erstmals auch ihre Zeichnungen zu sehen, die zum Teil Inspirationen für Plastiken wurden. Ihre Installationen erzählen kleine Episoden von der Störung des Geborgenseins, von in die Idylle einbrechenden Monstern, die man im realen Leben nicht sieht. Siem macht sie sichtbar, wo sie sonst unter schönem Schein und strenger Ordnung im Alltag verschwinden. Offiziell eröffnet wird die Ausstellung am Samstag, 7. März, um 16 Uhr.

Eine bedrohliche Art von Ordnungsliebe

Das Monster im Kleiderschrank: Installation "Sonntag" von 2006. Foto: Petra Grünendahl.

Das Monster im Kleiderschrank: Installation „Sonntag“ von 2006. Foto: Petra Grünendahl.

Wiebke Siem arbeitet mit Möbeln aus den Zwanziger, Dreißiger und Vierziger Jahren. Gelsenkirchener Barock als Symbol für die Spießigkeit einer Zeit, die die Zeit ihrer Eltern war. Sie stehen aber auch für eine Zeit des Grauens, das Wiebke Siems Mutter im Zweiten Weltkrieg in Polen erlebt hatte. Die Möbel verbinden sich für Siem nicht mit eigenen Kindheitserinnerungen: Dänisches Teakholz wäre die elterliche Einrichtung gewesen, an die sie sich erinnern könne, verrät die Künstlerin. Ihre Installationen leben von Details und einer perfekten Umsetzung des Bildes, welches sie von ihrem Kunstwerk hat. Die Schränke sind sauber, fast schon steril. Die Bettwäsche ist glatt gebügelt und frisch aufgezogen. Schöne heile Welt, wenn nicht das Monster im Kleiderschrank wäre – und der umgestoßene Stuhl, der das „schöne Bild“ stört.

Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Das Monster im Kleiderschrank: Installation "Sonntag" von 2006. Foto: Petra Grünendahl.

Das Monster im Kleiderschrank: Installation „Sonntag“ von 2006. Foto: Petra Grünendahl.

Wiebke Siem mit ihrem überdimensionierten Teppichklopfer: Werk "ohne Titel" von 2014. Foto: Petra Grünendahl.

Wiebke Siem mit ihrem überdimensionierten Teppichklopfer: Werk „ohne Titel“ von 2014. Foto: Petra Grünendahl.

Wiebke Siem als Teil ihrer Installation "Niema tego zeglo coby na dobry nie wyzlo (pol. In allem Schlechten steckt ein guter Kern) von 2007. Foto: Petra Grünendahl.

Wiebke Siem als Teil ihrer Installation „Niema tego zeglo coby na dobry nie wyzlo (pol. In allem Schlechten steckt ein guter Kern) von 2007. Foto: Petra Grünendahl.

Die Ausstellung mit Werken von Wiebke Siem läuft bis zum 19. April 2015. Das Lehmbruck Museum bietet mehrere unterschiedliche Führungen durch die Wiebke-Siem-Ausstellung an: Am Sonntag, 15. März, gibt es eine Familienführung um 11.30 Uhr. Am Sonntag, 22. März, steht um 15 Uhr eine Öffentliche Führung für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen an. Und am Sonntag, 29. März wird es um 11.30 Uhr eine Öffentliche Führung geben. Diese Rührungen kosten 2 Euro zusätzlich zum Eintritt. Am Donnerstag, 12. Marz, widmet sich die plastikBAR am 19 Uhr mit einer Kuratorenführung der Werkschau Wiebke Siems. Hier kostet der Eintritt 8 Euro (inkl. Begrüßungsgetränk), ermäßigt 5 Euro.
Mittwochs bis samstags ist das Lehmbruck Museum ab 12 Uhr geöffnet, sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 18 Uhr, donnerstags wegen der plastikBAR bis 21 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 8 Euro, ermäßigt 5 Euro. Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Schulklassen und Kindergärten pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte gibt es für 15 Euro.

Weitere Informationen gibt es unter tickets@lehmbruckmuseum.de, Telefon 0203 / 283-2195 oder www.lehmbruckmuseum.de.
(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70%), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen mit Sozialhilfebezug.
 

© 2015 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Lehrlingsausbildung: Praktische Begabungen müssen wieder stärker in den Fokus

Der Unternehmerverband kommentiert die aktuelle Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt und sieht grundsätzliche Fehlentwicklungen

Wolfgang Schmitz, Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes Ruhr-Niederrhein. Foto: Unternehmerverband.

Wolfgang Schmitz, Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes Ruhr-Niederrhein. Foto: Unternehmerverband.

„Die gute konjunkturelle Situation und die im Vergleich schwierige Lage auf dem Ausbildungsmarkt sind scheinbar ein Widerspruch, doch die Gründe für Probleme der dualen Ausbildung liegen tiefer“, darauf weist der Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes, Wolfgang Schmitz, hin. Der Berufsbildungsbericht der Bundesregierung, aus dem bereits mehrere Zeitungen zitieren, kommt offenbar bei seiner Einschätzung des Lehrstellenmarktes zu alarmierenden Ergebnissen. Unter anderem gelten demnach rund 81.000 junge Leute als unversorgt. Gerade das Ruhrgebiet ist von dieser Entwicklung betroffen.

Gleichzeitig berichten Kammern und Verbände, dass es so viele offene Lehrstellen wie selten geben würde. „Es ist deswegen schlicht falsch, allein den Betrieben den schwarzen Peter zuzuschieben“, mahnt Schmitz unter anderem die Gewerkschaften. „Unsere Mitgliedsunternehmen geben uns die ganz eindeutige Rückmeldung, dass es immer schwerer ist, geeignete Bewerber zu finden. In den Branchen, die unserem Unternehmerverband angehören, können unterm Strich rund 20 Prozent der freien Ausbildungsplätze nicht besetzt werden“, erläutert Schmitz.

Dabei sei auch die Annahme falsch, dass daran allein das zu hohe Anforderungsprofil in den Unternehmen die Schuld trage. „Wir reden hier von grundlegenden Fertigkeiten, die bei vielen Bewerbern vermisst werden. Probleme beim Lesen, Rechnen, Schreiben gehören genauso dazu wie grundsätzliche Motivationsprobleme oder ein inakzeptables Erscheinungsbild“, gibt Schmitz die Schilderungen der Unternehmen wieder.

Qualifizierte Jugendliche würden hingegen immer öfter ein Studium der Lehre vorziehen. Diese übermäßige Akademisierung verkenne allerdings die Chancen der dualen Ausbildung. „Eine Ausbildung ist ein wertvoller Berufseinstieg und eine fundierte Basis für den späteren Erfolg“, so Schmitz. Es bleibe dabei, dass man immer und immer wieder die Werbetrommel für die Ausbildungschancen rühren müsse.

Bei vielen Betrieben beobachtet Schmitz zudem ein Umdenken mit Blick auf die Anforderungen. „Die Bachelorisierung der Sacharbeit hilft niemandem. Nicht für jeden Job braucht es das Abitur. Praktische Begabung müssten wieder stärker in den Fokus“, fordert Schmitz. Insgesamt komme es entscheidend auf die gesellschaftliche Wertschätzung der Ausbildung an. Und darauf, dass man das Spektrum der Ausbildungschancen verdeutliche. „Zum Beispiel erkennen viel zu wenig Mädchen die Chancen der technischen Berufe. Hier sind gute Verdienstmöglichkeit und tolle Perspektiven gegeben“, so Schmitz.

Der Unternehmerverband setzt hierbei konkret auf die Zusammenarbeit mit den Schulen. So wird in den kommenden Wochen wieder das InfoMobil der Metall- und Elektroindustrie an den Schulen der Region unterwegs sein. Das InfoMobil will über die Ausbildungschancen der Branche aufklären und gerade auch Mädchen von den Möglichkeiten technischer Berufe überzeugen.

Eine Premiere wird die Region dann in der zweiten März-Hälfte erleben. Erstmals setzt der Unternehmerverband dann den nagelneuen InfoTruck der Metall- und Elektroindustrie ein. Der große Hightech-LKW mit 100 Quadratmetern Präsentationsfläche und modernster Technik an Bord soll Schülern die Faszination Technik näher bringen. Mit InfoMobil und InfoTruck sind insgesamt 12 Stationen an den Schulen der Region in den nächsten Wochen geplant.

Die Unternehmerverbandsgruppe mit ihren sechs Einzelverbänden und ihren rund 700 Mitgliedsunternehmen gehört zu den größten Arbeitgeberverbänden Nordrhein-Westfalens. Mit Sitz in Duisburg reicht ihr angestammtes Verbreitungsgebiet vom westlichen Ruhrgebiet (Duisburg, Mülheim, Oberhausen) über den Kreis Wesel bis an die niederländische Grenze (Kreis Kleve) und ins Münsterland (Kreis Borken).

– Pressemeldung des Unternehmerverbandes Duisburg –

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Ruhrtriennale 2015: Duisburger Spielorte im Landschaftspark Nord und Ruhrorter Eisenbahnhafen

„Seid umschlungen“ aus Schillers Ode „An die Freude“
als Leitmotiv für die nächsten drei Jahre

Von Petra Grünendahl

Ruhrtriennale-Intendant Johan Simons. Foto: Stephan Glagla.

Ruhrtriennale-Intendant Johan Simons. Foto: Stephan Glagla.

Kreatives Schaffen über Genre-Grenzen von Schauspiel, Musik, Tanz oder Installation hinweg – und das an Orten, wo man es nicht erwarten würden: Dafür steht die Ruhrtriennale als spartenübergreifendes Kulturfestival der Metropole Ruhr, dafür steht aber auch ganz besonders das neue Leitmotiv „Seid umschlungen“. Industriekulissen als Spielorte geben Kunst und Kultur dabei einen besonderen Reiz, den man jenseits des Ruhrgebiets nirgends findet. Und wie viel Kunst und Kultur im Ruhrgebiet stecken, hat das Kulturhauptstadtjahr 2010 auch nach innen wie nach außen deutlich gemacht. Mit „Seid umschlungen“ will der neue Intendant der Ruhrtriennale, der Holländer Johan Simons, der bis 2017 für das Festival verantwortlich zeichnet, Kulturbegeisterte ebenso sie Kulturinteressierte oder einfach nur neugierige Menschen anlocken, sich auf etwas Neues einzulassen. Anlässe dafür bietet das soeben vorgestellte Programm reichlich.

Der Landschaftsparkt Nord: einerder Spielorte der Ruhrtriennale in Duisburg. Foto: Julian Röder.

Der Landschaftsparkt Nord: einerder Spielorte der Ruhrtriennale in Duisburg. Foto: Julian Röder.

Vom 14. August bis zum 26. September läuft die Ruhrtriennale in diesem Jahr– im ersten Jahr unter der künstlerischen Leitung des Theatermachers Johan Simons. Das Festival der Künste zieht auch viele internationale Künstler in die Metropole Ruhr. Rund 140 Veranstaltungen bei 40 Produktionen wird es geben, davon 33 Eigen- und Koproduktionen, 17 Weltpremieren, Neuproduktionen und Deutschlandpremieren. Dazu kommen Installationen sowie viele Konzerte, die die einzigartigen Industriehallen der Region in außergewöhnliche Spielorte für Musiktheater, Schauspiel, Musik, Tanz und Installation verwandeln. Spielstätten finden sich in Bochum, Dinslaken, Duisburg, Essen, Gladbeck, Mülheim an der Ruhr und Oberhausen. Duisburg ist mit zwei Spielstätten vertreten: dem Landschaftspark Nord (Kraftzentrale, Gebläsehalle, Pumpenhalle, Gießhalle) und Ruhrort mit dem Eisenbahnhafen und dem dortigen Rheinufer. Erstmals dabei ist die Kohlenmischhalle der ehemaligen Zeche Lohberg in Dinslaken als größter Spielstätte der Ruhrtriennale.

Eisenbahnhafen in Ruhrort und am Rheinufer

Der EIsenbahnhafen in Ruhrort: Hier stellt "Urbane Künste Ruhr" sein Projekt "Nomanslanding" vor. Foto: Daniel Klemm.

Der EIsenbahnhafen in Ruhrort: Hier stellt „Urbane Künste Ruhr“ sein Projekt „Nomanslanding“ vor. Foto: Daniel Klemm.

Im Eisenbahnhafen präsentiert „Urbane Künste Ruhr“ sein Projekt „Nomanslanding“ mit einer Installation von Robyn Backen, Andre Dekker (Observatorium), Graham Eatough, Nigel Helyer, Jennifer Turpin (15. August bis 13. September, Eisenbahnhafen, täglich von 14 bis 23 Uhr, Eröffnung am 15. August um 16 Uhr, Eintritt frei, mehr auf Route-Industriekultur.de).
Am Rhein (ein genauer Spielort wird noch bekannt gegeben) gastiert das Studio ORKA mit einer Deutschlandpremiere des Schauspiels „Sturzflug“, einem Open-Air-Familienstück ab 8 Jahren (mehrere Vorstellungen zwischen dem 15. und dem 21. August).
Außerdem ist in Ruhrort während der ganzen Laufzeit der Ruhrtriennale die Installation „Ausstellungsstück Duisburg“ geplant. Details dazu gibt es aber erst später, der Zugang wird aber auch hier frei sein.

Schauspiel in der Gießhalle: Erster Teil einer Trilogie

Die Gießhalle im Landschaftspark Nord. Foto Franziska von Gagern.

Die Gießhalle im Landschaftspark Nord. Foto Franziska von Gagern.

Das Leitmotiv der Ruhrtriennale – „Seid umschlungen“ – umschließt die dreijährige Intendanz von Johan Simons inhaltlich, die erste Trilogie in der Festivalgeschichte verbindet alle drei Spielzeiten miteinander. Regisseur Luk Perceval widmet sich Emile Zolas Romanzyklus „Die Rougon-Macquart“: Eine Familie als Mikrokosmos, der alle Probleme und Phänomene der modernen Gesellschaft in sich trägt. Mit „Liebe“ feiert der erste Teil seiner Trilogie in der Gießhalle im Landschaftspark Nord seine Uraufführung (Premiere 9. September 2015, 10., 11., 12. und 13. September, jeweils um 19 Uhr, Dauer ca. dreieinhalb Stunden). Die weiteren Teile werden jeweils in den Folgejahren der Ruhrtriennale uraufgeführt.

Weitere Veranstaltungen und Projekte im Landschaftspark

DIe Kraftzentrale im Landschaftspark Nord. Foto: Thomas Berns.

DIe Kraftzentrale im Landschaftspark Nord. Foto: Thomas Berns.

DIe Kraftzentrale im Landschaftspark Nord. Foto: Thomas Berns.

DIe Kraftzentrale im Landschaftspark Nord. Foto: Thomas Berns.

Die Gebläsehalle im Landschaftspark Nord. Foto: Mattias Baus.

Die Gebläsehalle im Landschaftspark Nord. Foto: Mattias Baus.

  • Benefizkonzert „Hommage an Gerard Mortier“, den Begründer der Triennale, mit dem Klangforum Wien (16. August, 16 Uhr, Kraftzentrale).
  • Joseph Haydns „Die Schöpfung“ mit dem Collegium Vocale Gent und dem B’Rock Orchestra (27. August, 20 Uhr, Kraftzentrale).
  • Musiktheater „Prometeo“ von Luigi Nono mit dem Experimentalstudio des SWR, der SCHOLA Heidelberg und dem Ensemble Modern Orchestra (8., 11., 12. September, jeweils 19.30 Uhr, und am 13. September um 16 Uhr, Kraftzentrale).
  • Die belgische Choreografin und Tänzerin Anne Teresa De Keersmaeker bringt „Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“ nach Rainer Maria Rilke zu Musik von Salvatore Sciarriono als Zusammenspiel aus Tanz, Schauspiel und Musik als Uraufführung auf die Bühne (24., 25. und 26. September, 20 Uhr, Gebläsehalle).
  • Gepflegte Gespräche, gediegene Hausmusik: Bei der Ruhrtriennale öffnet Intendant Johan Simons die Schwingtür zu „Johans Saloon“ – für Künstlerinnen und Künstler des Festivals zu Gesprächen, Schnaps und Unwägbarkeiten (11. September, 23 Uhr, Gebläsehalle).
  • Die Installation „The Creation“ (so der bisherige Arbeitstitel) ist eine Filminstallation von Julian Rosefeldt (28. August bis 26. September, jeweils 13 bis 21 Uhr, Eröffnung 28. August um 18 Uhr, Pumpenhalle in der Gebläsehalle, Eintritt frei).

 

Tickets und weitere Infos

Die Gebläsehalle im Landschaftspark Nord. Foto: Mattias Baus.

Die Gebläsehalle im Landschaftspark Nord. Foto: Mattias Baus.

Rund 47.000 verfügbare Tickets warten auf Kulturinteressierte und Neugierige (ohne Veranstaltungen/Installationen bei freiem Eintritt). Karten gibt es unter anderem m Ruhr.Visitorcenter im Citypalais, im Opernshop (jetzt im Theater Duisburg in der Kassenhalle), bei der Tickethotline unter 0221 / 280210 sowie online auf http://www.ruhrtriennale.de ebenso wie in Ruhrtriennale-Centern in Bochum oder Essen, Partnern in Oberhausen und auf Zollverein sowie bei diverse weiteren Vorverkaufsstellen (siehe: Verkaufsstellen und Ermäßigungen).

Informationen zu allen Spielorten und Programmen gibt es unter https://www.ruhrtriennale.de.

© 2015 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Daniel Klemm, Matthias Baus (2), Franziska von Gagern, Stephan Glagla, Thomas Berns (2), Julian Röder

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Stadtkämmerer Dr. Peter Langner: „Investitionspaket aus Berlin bedeutet nachhaltigen Schub für Duisburger Infrastruktur“

Selten hat sich eine Berlinfahrkarte schneller amortisiert. Der heute verkündete Einstieg in ein Bundesteilhabegesetz schon im Jahr 2017 bedeutet für die Stadt Duisburg eine zusätzliche Entlastung von rund 12 Millionen Euro. Der volle Entlastungsbetrag ab 2018 schlägt dann – abhängig vom endgültigen Verteilungsschlüssel – voraussichtlich mit rund 40 Millionen Euro jährlich zu Buche. Im städtischen Haushalt waren bislang Entlastungen in Höhe von 8 Millionen Euro jährlich eingeplant.

Stadtkämmerer Dr. Peter Langner. Foto: Stadt Duisburg.

Stadtkämmerer Dr. Peter Langner. Foto: Stadt Duisburg.

Kämmerer Dr. Peter Langner dazu:
„Ein Volltreffer für Duisburg ist auch der noch in diesem Jahr aufgelegte kommunale Investitionsfonds speziell für finanzschwache Kommunen von 3,5 Milliarden Euro. Denn vor allem im Stadtbild werden die sich auseinander entwickelnden Lebensverhältnisse in Deutschland für den Bürger erkennbar. Zwar kann heute noch niemand genau sagen, in welcher Größenordnung und mit welchen Maßnahmen Duisburg hieran partizipieren wird. Einen nachhaltigen Schub für unsere an vielen Stellen aus Geldmangel auf Verschleiß gefahrene Infrastruktur ist aber auf jeden Fall zu erwarten.“

– Pressemeldung und Foto: Stadt Duisburg –

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Bund legt Investitionsprogramm für Kommunen auf

Oberbürgermeister Sören Link, Foto: Petra Grünendahl.

Oberbürgermeister Sören Link, Foto: Petra Grünendahl.

Oberbürgermeister Sören Link:
„Der Weg nach Berlin hat sich gelohnt“

Die im Koalitionsvertrag vereinbarte Entlastung der Kommunen im Rahmen des Bundesteilhabegesetzes kommt schon im Jahr 2017 bei den Kommunen an und steigt auf insgesamt 2,5 Mrd. Euro. In 2018 werden die vollen 5 Mrd. Euro pro Jahr erreicht. In den Jahren 2015 und 2016 bleibt es bei der bereits vereinbarten Entlastung von jeweils 1 Mrd. Euro pro Jahr.

Zusätzlich wird ein Kommunales Investitionsprogramm von 3,5 Millarden für die Jahre 2015 bis 2018 geschaffen. Der Fonds wird speziell für finanzschwache Kommunen aufgelegt. Der kommunale Eigenanteil soll dabei lediglich 10 Prozent betragen.

Die Forderung nach einem Investitionsprogramm für die Kommunen wurde von Oberbürgermeister Sören Link immer wieder nach Berlin getragen hat, zuletzt gemeinsam mit über 50 Hauptverwaltungsbeamten und Kämmerern vor Ort:

„Die Botschaft ist in Berlin angekommen: die Vertreter des Bundes haben realisiert, dass wir nur mit ihrer Hilfe aus der Schuldenfalle rauskommen. Die Unterfinanzierung der Kommunen bei steigenden Aufgaben ist hier in Duisburg kein selbstverschuldeter Einzelfall, sondern ein struktureller Systemfehler. Mit Leistungseinschränkungen und Abgabenerhöhungen ist dem Grundproblem nicht beizukommen, wenn Städte gleichzeitig handlungsfähig und attraktiv bleiben sollen. Das jedenfalls ist mein Ziel für Duisburg. Wir sind da noch nicht am Ende des Weges – aber die Richtung stimmt. Ich bin froh, dass der Bund mit diesen Zusagen zeigt, dass die Probleme der Kommunen in Berlin angegangen werden. Danke dafür!“

– Pressemitteilung der Stadt Duisburg –
Foto: Petra Grünendahl

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Stellungnahme von Oberbürgermeister Sören Link zur Namensgebung der Fraktion „Bürgerbewegung Pro Duisburg“

Die Ratsmitglieder Malonn, Bißling und Ingenillem haben mit Schreiben vom 8. Dezember 2014 mitgeteilt, dass sich die bisherige Fraktion „Pro NRW“ in Fraktion „Pro Duisburg“ umbenannt habe. Mit Schreiben vom 19. Dezember gab es eine erneute Umbenennung in „Fraktion Bürgerbewegung Pro Duisburg“.

Die Stadt hat keine rechtlichen Möglichkeiten, diese irreführende Namensgebung zu verhindern. Rein juristisch betrachtet, ist die weitere Auseinandersetzung eine zivilrechtliche Angelegenheit, bei der die Stadt formal unbeteiligt ist.

Oberbürgermeister Sören Link stellt jedoch klar:

Oberbürgermeister Sören Link, Foto: Petra Grünendahl.

Oberbürgermeister Sören Link, Foto: Petra Grünendahl.

„Unabhängig von der juristischen Auseinandersetzung will ich jedoch deutlich mein Befremden darüber zum Ausdruck bringen, dass der gute Name des Vereins proDUISBURG e.V. hier kalkuliert missbraucht wird. proDUISBURG ist ein Verein, dessen Engagement für Duisburg und seine Bürgerinnen und Bürger aus unserer Stadt nicht wegzudenken ist. Und dabei übernimmt proDUISBURG bewusst nur eine Partei – nämlich die des Bürgers. Ich fordere die Fraktion deshalb noch einmal nachhaltig dazu auf, dieses Possenspiel zu beenden und eine Fraktionsbezeichnung zu wählen, die sich nicht mit fremden Federn schmückt. Ich finde jedenfalls, dass es ein Armutszeugnis für die eigene politische Arbeit ist, wenn einem schon in der Fraktionsbenennung nur einfällt, sich bei den Inhalten anderer zu bedienen.“

– Presseinformation der Stadt Duisburg –
Foto: Petra Grünendahl

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MKM Museum Küppersmühle stellt Ralph Flecks „Malerische Grenzauflösungen“ im Duisburger Innenhafen vor

Von der Abstraktion der Nähe zur
Gegenständlichkeit mit dem nötigen Abstand

Von Petra Grünendahl

Ralph Fleck: Stadtbild 27/X (Berlin), 2013, Öl auf Leinwand, 240 x 240 cm, Sammlung Ströher, Darmstadt © VG Bild-Kunst, Bonn 2015, Foto: Henning Krause.

Ralph Fleck: Stadtbild 27/X (Berlin), 2013, Öl auf Leinwand, 240 x 240 cm, Sammlung Ströher, Darmstadt © VG Bild-Kunst, Bonn 2015, Foto: Henning Krause.

„Ich liebe die abstrakte Malerei genauso wie die gegenständliche“, hatte der Freiburger Maler Ralph Fleck (*1951) einmal gesagt. Wirken manche seiner Bilder aus der Nähe betrachtet eher abstrakt, so arbeitet sich mit zunehmendem Abstand das Gegenständliche und fast schon Dreidimensionale heraus. Die großzügigen hohen Räume im Erdgeschoss des Museums Küppersmühle bieten ausreichend Platz für den nötigen Abstand: Städteansichten, Landschaften und Berge sowie Menschenmengen, aber auch so banale Alltagsdinge wie Müllberge oder Bücherregale. Alle seine Bilder ihren Ursprung im real Gesehenen: Aus unendlich vielen Fotografien, die Ralph Fleck selbst macht, wählt er seine Bildvorlagen aus, die er dann malerisch umsetzt. Dabei entwickelt Fleck aus seinem fotografischen Blickwinkel heraus eine eigene Formensprache, in der Reduktion, Addition und Wiederholung eine große Rolle spielen.

Ralph Fleck, Paris, 2010. Foto: Clara Sutterer.

Ralph Fleck, Paris, 2010. Foto: Clara Sutterer.

Erstmals in Deutschland präsentiert die Stiftung für Kunst und Kultur e.V. den Maler Ralph Fleck (*1951) mit einem retrospektiven Überblick seines künstlerischen Schaffens von den 1980er Jahren bis heute: Zu sehen im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst im Duisburger Innenhafen. Er bewegt sich auf dem schmalen Grat „zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion“, so Museumsdirektor Walter Smerling – und schafft damit Seherlebnisse, die sich oft erst auf den zweiten Blick offenbaren. Kuratorin Susanne Kleine bezeichnet Flecks Arbeiten als ein „Ausloten der eigenen malerischen Möglichkeiten, und dass der Gegenstand ausschließlich Mittel zum Zweck ist.“ Vorgestellt werden in der Sonderschau rund 100 Arbeiten. Die Ausstellung zeichnet als Retrospektive (Werkschau) den Weg des Künstlers nach.

Ralph Fleck: Landschaft 29/V, 2008, Öl auf Leinwand, 200 x 300 cm, Privatsammlung © VG Bild-Kunst, Bonn 2015. Foto: Henning Krause.

Ralph Fleck: Landschaft 29/V, 2008, Öl auf Leinwand, 200 x 300 cm, Privatsammlung © VG Bild-Kunst, Bonn 2015. Foto: Henning Krause.

Die Räume sind den jeweiligen Themenbereichen im Werk zugeordnet, so dass diese für sich ihre Wirkung entfalten können. Gleichzeitig verdeutlichen Durchblicke die fließenden Übergänge in Flecks künstlerischem Wirken. So präsentiert die Ausstellung beispielsweise an der Schwelle zum großen Hauptausstellungsraum zunächst einige von Flecks Fassadenbildern, aus denen sich wiederum die Bücher-, aber auch die Städtebilder des Malers entwickelt haben.

Ralph Fleck vor Man Booker Prize, im neuen Atelier in Kirchzarten, 2011. Foto: Ilse Irmgard Klär.

Ralph Fleck vor Man Booker Prize, im neuen Atelier in Kirchzarten, 2011. Foto: Ilse Irmgard Klär.

Ralph Fleck: Stadion 5/X, 2006, Öl auf Leinwand, 120 x 110 cm, Privatsammlung, © VG Bild-Kunst, Bonn 2015. Foto: Bernhard Strauss, Freiburg.

Ralph Fleck: Stadion 5/X, 2006, Öl auf Leinwand, 120 x 110 cm, Privatsammlung, © VG Bild-Kunst, Bonn 2015. Foto: Bernhard Strauss, Freiburg.

Ralph Fleck: Genova 23/XI, 2007, Öl auf Leinwand, 200 x 200 cm, Privatsammlung © VG Bild-Kunst, Bonn 2015. Foto: Bernhard Strauss, Freiburg.

Ralph Fleck: Genova 23/XI, 2007, Öl auf Leinwand, 200 x 200 cm, Privatsammlung © VG Bild-Kunst, Bonn 2015. Foto: Bernhard Strauss, Freiburg.

„Die Motive für Flecks Kunst liegen auf der Straße. Man muss sie einfach aufnehmen. […] Vor diesem Hintergrund erweist sich die motivische Vielfalt der Malerei Ralph Flecks als eine Art wertendes Statement, als Aufforderung zum Hinsehen und zur Bereitschaft, den Fokus breit gestreut zu setzen“, bringt es Katalog-Autor Thomas Ebers auf den Punkt. Zur Ausstellung erscheint ein umfassender Katalog mit Beiträgen von Thomas Ebers und Susanne Kleine sowie einem Interview mit Ralph Fleck, geführt von Walter Smerling (158 Seiten, 140 Abbildungen, 25,- € Museumsausgabe, Wienand Verlag, Köln, 2015, ISBN: 978-3-86832-252-1). Das Museum Küppersmühle ist eines der wenigen Privatmuseen in Deutschland und kann seine regelmäßigen Wechselausstellungen nur mit der Unterstützung von Sponsoren in die Tat umsetzen: Die Ralph-Fleck-Ausstellung wurde ermöglicht durch das Engagement der Sparkasse Duisburg sowie der Provinzial Rheinland Versicherung, Düsseldorf.

 

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Duisburger haben donnerstags freien Eintritt

Ralph Fleck: Av. Donostiarra, 2002, Öl auf Leinwand, 200 x 200 cm, Privatsammlung © VG Bild-Kunst, Bonn 2015. Foto: Henning Krause, Freiburg.

Ralph Fleck: Av. Donostiarra, 2002, Öl auf Leinwand, 200 x 200 cm, Privatsammlung © VG Bild-Kunst, Bonn 2015. Foto: Henning Krause, Freiburg.

Die Arbeiten sind noch bis zum 26. April 2015 in den Erdgeschossräumen des Museums zu sehen. Das Museum Küppersmühle findet man am Innenhafen am Philosophenweg 55 (Haupteingang). Mittwochs ist das Museum von 14 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis sonntags sowie feiertags von 11 bis 18 Uhr. Montags und dienstags ist Ruhetag. Der Eintritt kostet nur für die Wechselausstellungen 6 Euro, für das gesamte Haus (inkl. Wechselausstellung) 9 Euro. Ermäßigt sowie bei Gruppen ab 10 Personen zahlt man pro Person 4,50 Euro, Kinder und Schüler über sechs Jahren zahlen 2 Euro. Kinder unter sechs Jahren haben freien Eintritt, ebenso donnerstags alle Duisburger. Alle Ausstellungsräume des Museums sind auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich. Führungen durch die Sammlung sowie durch laufende Ausstellungen gibt es jeden Sonntag um 15 Uhr, aber auch nach Vereinbarung. Mehr Informationen gibt es auf den Internet-Seiten des Museums Küppersmühle für Moderne Kunst.

© 2015 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Henning Krause (3), Bernhard Strauss (2), Ilse Irmgard Klär (1), Clara Sutterer (1)

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Junge Oper am Rhein: Ronja Räubertochters Uraufführung begeisterte im Theater Duisburg ein junges Publikum

Von feindlichen Räuberbanden und
Räuberkindern, die ihre Sippen versöhnen

Von Petra Grünendahl

Marta Márquez (Lovis), Torben Jürgens (Mattis) mit ihrer Ronja. FOTO: Hans Jörg Michel.

Marta Márquez (Lovis), Torben Jürgens (Mattis) mit ihrer Ronja. FOTO: Hans Jörg Michel.

In einer Gewitternacht wird Ronja (Maria Kateeva) auf der Räuberburg ihres Vaters, des Räuberhauptmanns Mattis (Torben Jürgens), geboren. Der einschlagende Blitz spaltet die Burg und trennt einen Teil ab, in den später die verfeindete Räubersippe Borkas (Cornel Frey) einzieht und sie Borkafeste nennt. Im Mattiswald, der die Burg umgibt, trifft Ronja als Zwölfjährige auf den gleichaltrigen Birk Borkassohn (Heidi Elisabeth Meier). Als Mattis Birk gefangen nimmt, begibt sich Ronja als Geisel in Borkas Hand. Nachdem die beiden Kinder wieder frei sind, ziehen sie gemeinsam in den Wald, weil sie von der Feindschaft ihrer Sippen nichts halten und einfach Freunde sein wollen. Dort genießen sie gemeinsam ihre Freiheit. Ronja zieht es heim, als Glatzen-Per (Stefan Wilkening) im Sterben liegt. Glatzen-Per regt eine Vereinigung der Räubersippen an. Die Sippen begraben ihre Feindschaft – und Ronja und Birk sind sich einig: sie wollen beide nie Räuberhauptmann werden.

Heidi Elisabeth Meier (Birk), Torben Jürgens (Mattis), Maria Kataeva (Ronja), Cornel Frey (Borka), Lisa Griffith (Undis), Herrenchor (Mattis- und Borkaräuber). FOTO: Hans Jörg Michel.

Heidi Elisabeth Meier (Birk), Torben Jürgens (Mattis), Maria Kataeva (Ronja), Cornel Frey (Borka), Lisa Griffith (Undis), Herrenchor (Mattis- und Borkaräuber). FOTO: Hans Jörg Michel.

Ihre Uraufführung feierte im Theater Duisburg „Ronja Räubertochter“ nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Astrid Lindgren (1981, dt. 1982) als Familienoper für ein junges Publikum ab 8 Jahren. Im Rahmen der „Jungen Opern Rhein-Ruhr“, dem neben der Deutschen Oper am Rhein auch die Theater in Dortmund und Bonn angehören, hatte man die Auftragskomposition an Jörn Arnecke vergeben, der das Libretto (Texte) von Holger Potocki vertonte. Übertitel erleichtern den noch ungeübten Opernbesuchern das Verständnis der Handlung ebenso wie Parts in Dialogform. Im nahezu voll besetzten Theater drängten sich in der vormittäglichen Premiere vor allem Schulklassen, die beim tosenden Schlussapplaus einem erwachsenen Publikum an Begeisterung um nichts nachstanden.

Heidi Elisabeth Meier (Birk), Maria Kataeva (Ronja). FOTO: Hans Jörg Michel.

Heidi Elisabeth Meier (Birk), Maria Kataeva (Ronja). FOTO: Hans Jörg Michel.

Statt in „Akte“ ist das Stück in „Bilder“ aufgeteilt. Das Bühnenbild ändert sich nicht hinter einem geschlossenen Vorhang, sondern unter den Blicken des Publikums durch Hoch- und Runterfahren und Verschieben der Kulissen. Von der soliden Burg wechseln die Bilder hin zum mystischen Mattiswald, dem Höllenschlund, der die Räuberbanden teilt, und zur drehbaren Bühne mit der Höhle, in der Ronja und Birk im Wald Zuflucht suchen. Nicht nur die Orte wechseln, sondern auch die Jahreszeiten: Sommer, Herbst, Winter mit ihren Formen und Farben überzeugend umgesetzt. Für Bühnenbild und Kostüme ist Tatjana Ivschina verantwortlich, die einen Einblick gab in die Arbeit in den Produktionswerkstätten, wo die Aufbauten entstanden sind. Die märchenhaften Kulissen werden durch das Lichtdesign von Volker Weinhart stimmungsvoll in Szene gesetzt.

VORNE Torben Jürgens (Mattis), Cornel Frey (Borka) HINTEN Herrenchor (Mattis- und Borkaräuber). FOTO: Hans Jörg Michel.

VORNE Torben Jürgens (Mattis), Cornel Frey (Borka) HINTEN Herrenchor (Mattis- und Borkaräuber). FOTO: Hans Jörg Michel.

Stefan Wilkening (Glatzen-Per), Herrenchor (Mattisräuber). FOTO: Hans Jörg Michel.

Stefan Wilkening (Glatzen-Per), Herrenchor (Mattisräuber). FOTO: Hans Jörg Michel.

Unter der musikalischen Leitung von Lukas Beikircher glänzten die Duisburger Philharmoniker. Der Chor der Deutschen Oper am Rhein unter der Leitung von Christoph Kurig unterstützte als Räuberbande die Ensemblesänger. Die Inszenierung verantwortet Regisseur Johannes Schmid, der für die „Jungen Opern Rhein-Ruhr“ schon „Vom Mädchen, das nicht schlafen wollte“ als Uraufführung einer Auftragsarbeit auf die Bühne gebracht hatte. Mit Schmid, Arnecke und Potocki hatten die „Jungen Opern Rhein-Ruhr“ ein mit Kinderstücken erfahrenes und engagiertes Team verpflichtet, welches die Stoff spannend und für ein junges Publikum altersgerecht auf die Bühne brachte, ohne künstlerische Ansprüche runterzuschrauben. Spiel- und singfreudige Akteure taten ein Übriges, den Stoff lebendig und überzeugend zu transportieren. Wenn die Inszenierung überall auf ein solch begeisterungsfähiges junges Publikum trifft, wird sie bald nicht nur an Rhein und Ruhr zu sehen sein.

Ein kleiner Vorgeschmack:

Maria Kataeva (Ronja), Heidi Elisabeth Meier (Birk). FOTO: Hans Jörg Michel.

Maria Kataeva (Ronja), Heidi Elisabeth Meier (Birk). FOTO: Hans Jörg Michel.

Maria Kataeva (Ronja), Heidi Elisabeth Meier (Birk). FOTO: Hans Jörg Michel.

Maria Kataeva (Ronja), Heidi Elisabeth Meier (Birk). FOTO: Hans Jörg Michel.

Weitere Termine
im Theater Duisburg:

Sa | 28. Februar 2015 | 18:00 Uhr,
So | 1. März 2015 | 11:00 Uhr,
Di | 3. März 2015 | 11:00 Uhr,
Mi | 4. März 2015 | 11:00 Uhr,
Do | 5. März 2015 | 11:00 Uhr und
Di | 12. Mai 2015 | 11:00 Uhr.

Im März, April und Juni gibt es Aufführungen im Opernhaus Düsseldorf. Tickets kosten einheitlich 18,00 Euro.

Karten gibt es im Opernshop, der sich zur Zeit im Theater Duisburg in der Kassenhalle befindet (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr), oder unter Telefon 0203 / 9407777. Die Theaterkasse öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Möglichkeiten für eventuelle Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man hier.

© 2015 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Hans Jörg Michel, Mannheim / Deutsche Oper am Rhein

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Finanzierung der Zugsicherung ist gesichert

DIe U-Bahn braucht neue SIcherungstechnik. Foto: Petra Grünendahl.

DIe U-Bahn braucht neue SIcherungstechnik. Foto: Petra Grünendahl.

Die Finanzierung der Zugsicherung ist gesichert. Der VRR fördert 80 Prozent der förderfähigen Gesamtkosten von 32 Millionen Euro. Oberbürgermeister Sören Link und Planungsdezernent Carsten Tum sind glücklich über das Ergebnis, dem monatelange Gespräche voraus gingen. Handlungsbedarf gibt es sowohl für die Erneuerung des OB-Karl-Lehr-Brückenzug, als auch für die Zugsicherungstechnik, die inzwischen veraltet ist und durch eine neue Technik ersetzt werden muss.

„Die Förderzusage bedeutet für uns einen riesigen Schritt in die infrastrukturelle Erneuerung Duisburgs. Damit wird es jetzt möglich, die Ausschreibung für das Zugsicherungssystem auf den Weg zu bringen, um die notwendigen Auftragsvergaben zur Systemerneuerung noch zeitgerecht leisten zu können. Die drohende Unterbrechung der U 79 an der Stadtgrenze zu Düsseldorf ist damit abgewendet“, so OB Sören Link.

Planungsdezernent Carsten Tum: „Die nun möglichen Investitionen in den ÖPNV sichern den öffentlichen Nahverkehr. Jetzt haben wir wieder Planungssicherheit für die Aufrechterhaltung eines leistungsfähigen, schienengebundenen ÖPNV in Duisburg. Unser Dank geht hier vor allem an den VRR. Ohne die zugesagte Förderung hätten wir das Projekt nicht stemmen können.“

– Presseinfo der Stadt Duisburg –
Foto: Petra Grünendahl

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Loveparade-Strafverfahren: Beweiserhebung im Zwischenverfahren

Fragenkatalog an Sachverständigen

Gedenkstätte für die Opfer der Loveparade 2010. Foto: Petra Grünendahl.

Gedenkstätte für die Opfer der Loveparade 2010. Foto: Petra Grünendahl.

Im Loveparade-Strafverfahren hat die zuständige 5. große Strafkammer des Landgerichts Duisburg beschlossen, dem Sachverständigen im Zwischenverfahren Fragen zur Erläuterung seines Gutachtens zu stellen. Dieser wird gebeten, etwa 75 Einzelfragen zu 15 Themenkomplexen binnen drei Monaten schriftlich zu beantworten. Eine Entscheidung über die Zulassung der Anklage kann nicht vor Eingang der Antworten des Sachverständigen erfolgen. Voraussichtlich wird auch den Verfahrensbeteiligten noch Gelegenheit zur Stellungnahme zu den Äußerungen des Sachverständigen einzuräumen sein. Der weitere zeitliche Verlauf des Zwischenverfahrens kann daher nicht abschließend eingeschätzt werden. Ebenso wenig lässt sich sagen, wann im Falle der Zulassung der Anklage eine Hauptverhandlung beginnen kann.

Zentrales Beweismittel im Loveparade-Strafverfahren ist ein im Ermittlungsverfahren eingeholtes vorläufiges Sachverständigengutachten. Gutachten und Anklage gehen davon aus, dass das Zu- und Abgangssystem zur Veranstaltung am Nachmittag des 24. Juli 2010 wegen Planungsfehlern dem Besucherstrom nicht mehr standhalten konnte. Aufgrund der in der Anklage im Einzelnen aufgeführten Planungsfehler habe sich ein Personenstau auf der Zugangsrampe gebildet. Der immense Druck in dieser Menschenmenge habe dann zum Tod von 21 und der Verletzung vieler weiterer Personen geführt.

Im Zwischenverfahren prüft die Kammer derzeit die Strafbarkeit des den Beschuldigten vorgeworfenen Verhaltens bei Planung und Genehmigungserteilung und ob die tatsächlichen Umstände, auf die sich die Anklage stützt, in einer etwaigen Hauptverhandlung voraussichtlich bewie-sen werden können. Hierzu gehört neben der Frage, wozu die einzelnen Beschuldigten im Rahmen der Planung bzw. Genehmigung verpflichtet waren, auch die Frage, ob und wie ihr Verhalten die Bildung des Personenstaus am Veranstaltungstag und damit den Tod und die Verletzung von Veranstaltungsbesuchern tatsächlich bewirkt hat (Hintergrundinformation: Fahrlässige Tötung/Körperverletzung).

Mit dem am 17. Februar 2015 gefassten, zwischenzeitlich bereits ins Englische übersetzten Beschluss hat die Kammer den Sachverständigen um Beantwortung von Fragen unter anderem zu folgenden Themenkomple-xen gebeten:

  • (Vor-)Kenntnisse des Sachverständigen vom deutschen Recht (z. B. Kausalitätsbegriff, Sonderbauverordnung, DIN-Normen)
  • Vorgehensweise bei der Gutachtenerstellung
  • Ermittlung des dem Gutachten zu Grunde gelegten Zahlenmaterials (z. B. Planungszahlen, Durchgangsbreiten, Besucherzahlen)
  • Auswirkungen der vom Sachverständigen aufgezeigten Pla-nungsfehler auf den konkreten Veranstaltungsablauf
  • Auswirkungen einzelner Maßnahmen am Unglückstag (z. B. Polizeiketten, Vorgänge an den Eingangsschleusen)
  • Öffentliche Äußerungen des Gutachters zu seinen Erkenntnissen und Bewertungen

Aktenzeichen: 35 KLs 5/14

– Pressemeldung des Landgerichts Duisburg –
Foto: Petra Grünendahl

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Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link in Berlin: „Kommunaler Rettungsschirm“ gefordert

50 Oberbürgermeister vom Aktionsbündnis „Für die Würde unserer Städte“ zeigen sich nach Gesprächen im Bundestag erwartungsvoll und kämpferisch

Bei ihrem Ringen um die Wiedergewinnung kommunalpolitischer Handlungsfähigkeit sehen mehr als 50 Oberbürgermeisterinnen, Oberbürgermeister, Landräte und Finanzdezernenten von Kommunen in Finanznot vom parteiübergreifenden Aktionsbündnis „Für die Würde unserer Städte“ optimistischer in die Zukunft: Bei Gesprächen mit allen Fraktionen des Deutschen Bundestages stellten prominente Bundespolitiker mehr Bundeshilfe zur kommunalen Selbsthilfe in Aussicht.

Duisburg Oberbürgermeister Sören Link mit allen Oberbürgermeisterinnen, Oberbürgermeistern, Landräten und Finanzdezernenten vor dem Deutschen Bundestag. Foto: Walter Schernstein, Stadt Mülheim.

Duisburg Oberbürgermeister Sören Link mit allen Oberbürgermeisterinnen, Oberbürgermeistern, Landräten und Finanzdezernenten vor dem Deutschen Bundestag. Foto: Walter Schernstein, Stadt Mülheim.

Die Kommunalpolitiker – an ihrer Spitze Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld (SPD) aus Mülheim an der Ruhr und Wuppertals Oberbürgermeister Peter Jung (CDU) mit ihren Kämmerern Uwe Bonan und Stadtdirektor Johannes Slawig – hatten eine baldige Plenardebatte des Deutschen Bundestages zur nicht mehr gegebenen Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse zwischen reichen und um ihre Zukunft kämpfenden Städten und Gemeinden sowie eine politische Initiative zur grundlegenden Neuordnung des Kommunalen Finanzsystems noch in dieser Legislative des Deutschen Bundestages gefordert.

Für die Annahme beider Forderungen sowie eine Reihe weiterer konkreter Erwartungen zur Einhaltung von Bundeszusagen zur Unterstützung der Kommunen gaben ihre Gesprächspartner in Fraktionen, Parteien und Regierung eindeutige Zusagen. Das versprachen für die CDU-CSU-Fraktion ihr Vorsitzender Volker Kauder und ihr kommunalpolitischer Sprecher Ingbert Liebing, für die SPD-Fraktion ihr Vorsitzender Thomas Oppermann und ihr kommunalpolitischer Sprecher Bernhard Daldrup, für „Die Linke“ der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Dietmar Bartsch, die Sprecherin für Kommunalpolitik Kerstin Kassner und die Sprecherin für Kommunalfinanzen Susanne Karawanskij, und für die Fraktion „Bündnis 90 / Die Grünen“ die Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt und die parlamentarische Geschäftsführerin und kommunalpolitische Sprecherin Britta Haßelmann sowie weitere Bundestagsabgeordnete.

OB Sören Link, Stadtkämmerer Dr. Peter Langner und den beiden Duisburger Bundestagsabgeordneten Bärbel Bas und Mahmut Özdemir. Foto: Stadt Duisburg.

OB Sören Link, Stadtkämmerer Dr. Peter Langner und den beiden Duisburger Bundestagsabgeordneten Bärbel Bas und Mahmut Özdemir. Foto: Stadt Duisburg.

Offiziell hatte Bundestagsvizepräsident Peter Hintze die Delegation des Aktionsbündnisses mit Mitgliedern aus 7 Bundesländern vor dem Reichstag zu einem Fototermin empfangen. Dabei verlangten die Kommunalpolitiker vom Bund einen „Kommunalen Rettungsschirm“.
Im Aktionsbündnis haben sich bundesweit 52 Städte mit mehr als acht Millionen Einwohnern und Kassenkrediten von insgesamt 22,5 Milliarden Euro zusammengeschlossen. Diese Summe können die Städte trotz eisernen eigenen Sparens niemals zurückzahlen. Das Bündnis begründet seine Appelle an die Bundespolitik mit einer Vielzahl von Gesetzen, die in der Vergangenheit ohne ausreichende Gegenfinanzierung zu Lasten der Kommunen erlassen wurden. „Deshalb traten wir heute in Berlin nicht als Bittsteller, sondern mit der Forderung nach Gerechtigkeit auf“, erklärten alle Oberbürgermeisterinnen, Oberbürgermeister und Kämmerer. Dass ihr gemeinsamer Auftritt in Berlin ernst genommen wurde, bewies eine zusätzliche Begegnung am Abend mit Vizekanzler und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel.

Die Oberbürgermeister und Kämmerer, allesamt politische Profis, wollen sich allerdings mit wohlmeinenden Ankündigungen allein nicht zufrieden geben. OB Dagmar Mühlenfeld und OB Peter Jung formulierten: „Wir sind guten Mutes, dass die Bundespolitiker Wort halten, dennoch bleiben wir weiter kämpferisch. Immerhin sprechen wir für zehn Prozent der deutschen Bevölkerung. Wird den notleidenden Kommunen nicht konkret geholfen, ist der soziale Frieden in Gefahr. Soweit darf es nicht kommen.“

Was die Kommunen als Erstes konkret erwarten, sagt Stadtkämmerer Bonan: „Die versprochene Entlastung in der Eingliederungshilfe muss schnell und mit einem Dynamisierungsfaktor kommen. In 2018 sind durch die üblichen Kostensteigerungsraten von den 5 Mrd. Euro Entlastung nur noch 1,5 Mrd. Euro effektiv – netto – übrig. Wir brauchen nachhaltige Entlastungslösungen, um aus der Vergeblichkeitsfalle herauszukommen.“

fuer-die-wuerde-unserer-staedteBerliner Erklärung
zur Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse durch ein gerechtes Gemeindefinanzsystem

Eine Neuordnung der Soziallastenfinanzierung, eine Strategie zur Stärkung der kommunalen Investitionsfähigkeit und ein Sondertilgungsprogramm zum Abbau überproportionaler Verschuldung sind zentrale Forderungen, um Haushaltsausgleich und Schuldenabbau realisieren zu können!

Ja! Die Kommunen stehen momentan gut da. Hilfreich waren dabei sicherlich die Entlastungen durch den Bund bei der Grundsicherung im Alter sowie die temporären Konsolidierungshilfen einiger Bundesländer.
Das positive Bild ist aber eine Durchschnittsbetrachtung – und der Durchschnitt ist eher selten real!
Der Blick hinter den Mittelwert offenbart eine stark wachsende Disparität unter den Städten und Gemeinden. Haushaltsüberschüsse dort, wo die Wirtschaft auf Wachstumskurs ist – Defizite in jenen Städten und Gemeinden, in denen der wirtschaftliche Strukturwandel seine Spuren hinterlassen hat und wo die sozialen Probleme auch in Zeiten guter Konjunktur und immer neuer Beschäftigungshöchststände nicht nachlassen oder sich zum Teil sogar verfestigen. Durchschnitt wäre hier schön. Davon ist man vielerorts weit entfernt – und die Schere wird immer größer.
Deshalb: Es kommt nicht auf den Durchschnitt an. Es gilt, dort die Probleme zu lösen, wo die Chancengerechtigkeit in Deutschland immer stärker in Frage gestellt ist. Es steht nicht weniger auf dem Spiel als die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse, ein Gut, das in der Vergangenheit mit eine der Stärken Deutschlands war und seine Standortqualität auszeichnete.
Das war bisher auch ein wesentlicher Verdienst der Kommunen, die mit ihrer Lösungskompetenz vor Ort viel zum Ausgleich sozialer Probleme und zur Sicherung der Lebensqualität sowie der Standortattraktivität Deutschlands beigetragen haben. Diese Kompetenz droht aber angesichts der fiskalischen Belastungen, die sich in den zahlreichen Kommunen in den letzten Jahrzehnten aufgebaut haben, verloren zu gehen. Die Ursache der fiskalischen Probleme kann im Wesentlichen auf zwei große Bereiche zurückgeführt werden:

  • anhaltender wirtschaftlicher Strukturwandel mit in der Folge lokal hohen und ungelösten sozialen Folgen bei gleichzeitig oftmals geringen Steuereinnahmen und
  • die Übertragung neuer Aufgaben (zuletzt z. B. Inklusion, U-3 Betreuung) und dem – oft schleichenden ¬– Ausbau von Standards ohne ausreichende konnexitätsorientierte Finanzierung.

Das parteiübergreifende Aktionsbündnis „Für die Würde unserer Städte“ tritt in Berlin nicht als Bittsteller auf, sondern fordert mit allem Nachdruck vom Bund, dass

  • zeitnah eine Plenardebatte des Deutschen Bundestages zur Wiederherstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse in den Kommunen stattfindet.
  • in der laufenden Legislaturperiode des Deutschen Bundestages die Initiative zur grundlegenden Neuordnung des kommunalen Finanzsystems ergriffen wird.
  • die große Koalition ihre Zusagen aus dem Koalitionsvertrag einhält und u. a. eine tatsächliche Entlastung der Kommunen von 5,0 Mrd. € bei den Kosten der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung bis 2017 in den Kommunalhaushalten wirksam wird. Die Reform der Eingliederungshilfe darf nicht zu neuen Kostenbelastungen führen, die die fiskalische Entlastung der Kommunen wieder aufbrauchen. Kostensteigerungen müssen in jedem Fall vom Bund zusätzlich übernommen werden.
  • der Bund die Reform des Länderfinanzausgleichs nutzt, um die Struktur- und Investitionsförderung an die tatsächliche Bedarfslage in den Kommunen anzupassen und beispielsweise die Solidarpaktmittel zur Stärkung der Standortqualität in die kommunale Infrastrukturerneuerung- und -instandhaltung einfließen.
  • der Bund gemeinsam mit den Ländern eine stärkere Beteiligung an den Sozial- und Jugendhilfeausgaben vor dem Hintergrund der gesamtstaatlichen Verantwortung sicherstellt. Hier bedarf es aktuell einer vollständigen Kostenentlastung im Hinblick auf die Aufnahme, Unterbringung und Versorgung von Asylbewerbern.
  • der Bund zusammen mit den Ländern insbesondere die hoch verschuldeten Kommunen beim Abbau der Altschulden unterstützt, um dort die Abwärtsspirale aus steigenden Zinslasten und zunehmender Steuerbelastung von Bürgern und Wirtschaft stoppt.
  • der Bund in Abstimmung mit den Ländern zuverlässige und verbindliche Regelungen findet, dass die für die Kommunen angedachten Finanzmittel auch tatsächlich vor Ort ankommen.

Wir selbst machen unsere Hausaufgaben und sind zu weiteren Konsolidierungsschritten bereit. Eine fiskalisch nachhaltige Kommunalpolitik, die Einnahmen und Ausgaben zum Ausgleich bringt, ist für uns keine Worthülse. Dazu brauchen wir aber auch eine aufgabengerechte Finanzverteilung und keine Aufgaben- und Ausgabenzuwächse, die die Konsolidierungsmaßnahmen wieder aufzehren. Wir sind mit unseren Erfahrungen und unseren lokalen Kompetenzen in der Lage, neben unseren kommunalen Selbstverwaltungsaufgaben auch viele gesamtstaatlich relevante Aufgaben – von der lokalen Arbeitsmarktpolitik bis zur Integration von Zuwanderern – zu erfüllen.
Handlungsfähige Kommunen sind das Fundament unseres Staatsaufbaus. Damit diese Handlungskompetenz vor Ort auch erhalten bleibt, bedarf es der Umsetzung unserer Forderungen.

– Presseinformation der Stadt Duisburg –
Fotos: Foto: Walter Schernstein/Stadt Mülheim, Stadt Duisburg.

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Neïl Beloufas „Being Rational“ im Lehmbruck Museum in Duisburg

Beziehungen zwischen Emotion und Berechenbarkeit oder
Die Reduktion der Formen auf ihre Struktur

Von Petra Grünendahl

Sofa mit Katze: Details aus Neїl Beloufas Installation „Being Rational“. Foto: Petra Grünendahl.

Sofa mit Katze: Details aus Neїl Beloufas Installation „Being Rational“. Foto: Petra Grünendahl.

Die Stahldraht-Installation erweckt den Anschein einer Wohnsituation, reduziert auf die wesentlichen Formen. Auf den ersten Blick wirkt es nüchtern, sachlich, kalt – bis man die Details erblickt, die dem Raum Bewohner, eine Persönlichkeit geben. Eine Garderobe, ein Sofa, ein Flügeltrockner mit Wäsche zum Trocknen, ein Sofa mit einer Katze und die Silhouetten der Bewohner sind hier nur eine Auswahl: Gegensätze von Struktur und Leben. Mittendrin steht: ein Flachbildschirm. Eingefasst in die raumgreifende, architektonische Skulptur zeigt er den Film „Data for Desire“ (2014). Der Film ist eine Mischung aus Fiktion – einer Party junger Leute von etwa 19, 20 Jahren in Nordamerika – und einer Dokumentation von analysierenden Studenten einer französischen Hochschule, die etwa im gleichen Alter sind. Sie versuchen, anhand mathematischer Formeln die Entwicklung der Charaktere und deren Beziehungen zu untersuchen und vorherzusagen, während im Wechsel der Sequenzen die fiktionale Handlung weiter geht.

Stellten die neue Installation vor (v. l.): Ronja Friedrichs, kuratorische Assistentin, Kulturdezernent Thomas Krützberg, Stephanie Seidel, Kuratorin des Projekts 25/25/25, Dr. Barbara Könches, Fachbereichsleiterin Visuelle Künste der Kunststiftung NRW, Neїl Beloufa und Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla. Foto: Petra Grünendahl.

Stellten die neue Installation vor (v. l.): Ronja Friedrichs, kuratorische Assistentin, Kulturdezernent Thomas Krützberg, Stephanie Seidel, Kuratorin des Projekts 25/25/25, Dr. Barbara Könches, Fachbereichsleiterin Visuelle Künste der Kunststiftung NRW, Neїl Beloufa und Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla. Foto: Petra Grünendahl.

„Being Rational“ heißt die zweiteilige Installation des algerisch-französischen Künstlers Neїl Beloufa (*1985). Beloufa stammt aus Paris, lebt und arbeitet dort. In Paris und in den USA (New York und Kalifornien) hat er bildende Kunst studiert. Seine Rauminstallation eröffnet am Samstag, 21. Februar, im Rahmen des Projekts „25/25/25“ im Anbau des Lehmbruck Museums in Duisburg. Der etwa 45-minütige Film „Data for Desire“ ist in englischer und französischer Sprache mit englischen Untertiteln. Zumindest Englischkenntnisse sollte man für das Verständnis der Handlung schon mitbringen, wenn man sich nicht auf die Installation beschränken will. Wobei diese allein schon der Mühe wert ist, sie entdecken zu wollen. Die Reduktion der Formen führe dazu, Dinge zu rationalisieren, erklärte Beloufa zu seiner Installation. Im Film führt er diese Rationalisierung der Dinge in der mathematischen Berechenbarkeit von Beziehungen an ihre Grenzen.

Die Kunststiftung NRW

Das Plakatmotiv „Don’t email my wife !!!“ zu Neїl Beloufas Installation „Being Rational“ hängt zur Zeit überall in Duisburg. © Neїl Beloufa.

Das Plakatmotiv „Don’t email my wife !!!“ zu Neїl Beloufas Installation „Being Rational“ hängt zur Zeit überall in Duisburg. © Neїl Beloufa.

Im Rahmen des Projekts „25/25/25“ bringt die Kunststiftung NRW zum Anlass ihres 25-jährigen Bestehens (2014) 25 internationale Künstler mit 25 städtischen Museen des Landes zusammen. Eine Jury hat die 25 Museen ausgesucht, eine zweite Jury war nicht nur für die Auswahl der 25 Künstler verantwortlich, sondern auch dafür, welcher Künstler sich wo präsentieren sollte: „Wer passt in dieses Projekt und welcher Künstler passt zu welchem Museum?“, erläuterte Dr. Barbara Könches von der Kunststiftung NRW die Kriterien. Die Wahl der international besetzten Jury fiel für das Lehmbruck Museum auf Neїl Beloufa. Schon seit einigen Tagen weisen große Werbeplakate überall in der Stadt auf die Präsentation im Lehmbruck Museum in.

Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Neїl Beloufa erklärte Details zu seiner Installation. Foto: Petra Grünendahl.

Neїl Beloufa erklärte Details zu seiner Installation. Foto: Petra Grünendahl.

Die Präsentation von Neїl Beloufas „Being Rational“ läuft bis zum 19. April 2015. Am Sonntag, 22. Februar, sowie Sonntag, 8. März, wird es um 11.30 Uhr öffentliche Führungen zu Beloufas Installation geben. Diese kosten 2 Euro zusätzlich zum Eintritt.
Mittwochs bis samstags ist das Museum ab 12 Uhr geöffnet, sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 8 Euro, ermäßigt 5 Euro. Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Schulklassen und Kindergärten pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte gibt es für 15 Euro.

Eine Katze:	Details aus Neїl Beloufas Installation „Being Rational“. Foto: Petra Grünendahl.

Eine Katze: Details aus Neїl Beloufas Installation „Being Rational“. Foto: Petra Grünendahl.

Weitere Informationen gibt es unter tickets@lehmbruckmuseum.de, Telefon 0203 / 283-2195 oder www.lehmbruckmuseum.de.
(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70%), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen mit Sozialhilfebezug.

© 2015 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Masterplan für Duisburg: Stadtspitze und Wirtschaft wollen dem Standort mit konkreten Zielvereinbarungen einen Impuls geben

Auf Initiative des hiesigen Unternehmerverbandes und der Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer Duisburg – Wesel – Kleve soll ein Masterplan Wirtschaft für Duisburg geschrieben werden. Möglichst „konkret, umsetzbar und nachprüfbar“ wollen Vertreter der Duisburger Unternehmerschaft sowie der Stadt Duisburg, wirtschaftliche Ziele und Ideen zur Entwicklung des Standorts festschreiben. Als Unternehmerverband und IHK Oberbürgermeister Sören Link den Masterplan-Vorschlag unterbreiteten, zögerte dieser nicht lange und sicherte seine Zusammenarbeit beim Projekt zu.

Wollen den Masterplan Wirtschaft ins Rollen bringen (v. l.): Hauptgeschäftsführer Wolfgang Schmitz vom Unternehmerverband, IHK-Präsident Burkhard Landers, Oberbürgermeister Sören Link und IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Stefan Dietzfelbinger. Foto: Unternehmerverband.

Wollen den Masterplan Wirtschaft ins Rollen bringen (v. l.): Hauptgeschäftsführer Wolfgang Schmitz vom Unternehmerverband, IHK-Präsident Burkhard Landers, Oberbürgermeister Sören Link und IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Stefan Dietzfelbinger. Foto: Unternehmerverband.

Nun wurde der Masterplan-Prozess mit einer großen Auftaktveranstaltung offiziell gestartet. IHK-Präsident Burkhard Landers begrüßte am frühen Freitagmorgen rund 60 Spitzenvertreter der heimischen Wirtschaft sowie der Stadtverwaltung in den Räumen der IHK. Landers sieht in dem großen Engagement der heimischen Unternehmer eine Chance für den Wirtschaftsstandort Duisburg: „Die Resonanz auf unser Vorhaben in den Betrieben der Stadt ist riesengroß. Diesen Schwung wollen wir jetzt nutzen.“

Duisburg habe zweifellos große Herausforderungen zu schultern. Die Stadt könne jedoch die Zukunft gewinnen, wenn sie die Weichen für Arbeitsplätze und Investitionen richtig stelle. Beides, Arbeitsplätze und Investitionen, habe Duisburg derzeit noch deutlich zu wenig. „Wie wir das Wachstum ankurbeln und das Image des Standorts verbessern können, wollen wir im Masterplan aufzeigen“, erklärt Landers das Ziel der gemeinsamen Arbeit. Für die Umsetzung sei es von entscheidender Bedeutung, dass Stadtspitze und Wirtschaft Hand in Hand arbeiteten. Landers begrüßte deswegen ausdrücklich das Engagement und die Offenheit von Oberbürgermeister Link für die Erstellung eines gemeinsamen Masterplans Wirtschaft.

Oberbürgermeister Sören Link dankte in seiner Rede Unternehmerverband und IHK für die gemeinsame Initiative. „Es ist wichtig, dass die Wirtschaft sich einbringt und aktiv den Dialog sucht.“ Auch Link betonte die Zukunftschancen des Standorts. „Die starke Industrie, die wachsende Logistikbranche und der innovative Forschungs- und Wissenschaftsstandort Duisburg sind Impulsgeber für die Zukunft. Wichtig ist, dass wir das Netzwerk untereinander ausbauen und dass die wichtigen Akteure an einem Strang ziehen“, so Link.

Der Masterplan soll fünf Kernthemen in den Blick nehmen, die gleichzeitig die zu erarbeitenden Kapitelthemen des Masterplans darstellen. Die Schwerpunkte lauten:

  • Infrastruktur, Energie und Umwelt
  • Bildung und Technologie
  • Familienfreundlichkeit
  • Gründung und Mittelstand
  • Image und internationales Profil

„Den Schwung nutzen“: Die Diskussion im Rahmen der Auftaktveranstaltung für die Masterplanarbeit zeigte das große Engagement der Wirtschaft für den Standort. Fotos: Unternehmerverband.

„Den Schwung nutzen“: Die Diskussion im Rahmen der Auftaktveranstaltung für die Masterplanarbeit zeigte das große Engagement der Wirtschaft für den Standort. Fotos: Unternehmerverband.

In Arbeitskreisen, die mit zuständigen Fachvertretern der Stadt, der Wirtschaft und weiteren thematisch betroffenen Akteuren besetzt sind, sollen die Themen entsprechend beraten und Vorschläge erarbeitet werden. Unternehmerpersönlichkeiten aus der Stadt leiten als Vorsitzende gemeinsam mit Vertretern der IHK und des Unternehmerverbandes die einzelnen Arbeitskreise. Ein Lenkungskreis, an dessen Spitze Oberbürgermeister Sören Link, IHK-Präsident Burkhard Landers und der Sprecher der regionalen Wirtschaft des Unternehmerverbandes Heinz Lison stehen, soll die Arbeit am Masterplan koordinieren und steuern.

Wolfgang Schmitz, Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes, bekräftigte den Willen aller Beteiligten „möglichst konkrete Vereinbarungen“ zu treffen. „Wir haben einen Projektzeitraum von zwei Jahren definiert. Regelmäßig werden Lenkungskreis und Arbeitskreise tagen, um die Fortschritte der gemeinsamen Arbeit zu begutachten“, erläutert Schmitz. Der Weg sei dabei das Ziel. „Gute Ideen aus der Masterplan-Arbeit können wir auch kurzfristig umsetzen“, sagt Schmitz.

Es habe in der Vergangenheit viele Rückschläge für den Standort Duisburg gegeben. Diese dürfe man nicht ausblenden, doch sie seien keine Ausrede, sich nicht um die Zukunft zu kümmern. „Das sind wir Arbeitnehmern, Arbeitssuchenden und Unternehmern in Duisburg schuldig“, unterstreicht Schmitz. Doch eines ist für Schmitz auch klar: „Der Masterplan selbst kann keine neuen Arbeitsplätze schaffen. Er kann nur ein Anschub sein.“ Dabei wies Schmitz auch auf Meinungsunterschiede zwischen Stadt und Wirtschaft hin, die bei der Erstellung des Masterplanes thematisiert würden.

IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Dietzfelbinger betonte abschließend, dass der Masterplan-Prozess offen sei für gute Ideen von außen: „Entscheidend wird sein, das vorhandene Wissen zur Zukunft des Standortes zusammenzuführen.“ Es gehe nicht darum, „das Rad neu zu erfinden“, sondern realistische Chancen des Wirtschaftsstandorts auch zu nutzen. Und mit Blick auf die vielen Negativ-Schlagzeilen über Duisburg in der Vergangenheit fügte Dietzfelbinger hinzu: „Wenn am Ende unseres gemeinsamen Weges das starke Signal nach außen steht, dass es sich lohnt, in Duisburg zu investieren, dann haben wir viel gewonnen.“

– Presseinfo und Fotos: Unternehmerverband Duisburg –

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Junge Oper am Rhein: „Zum Donnerdrummel!“ – Ein Wochenende zu „Ronja Räubertochter“

Junge Oper am Rhein bietet 10- bis 14-Jährigen freie Plätze in der Musiktheaterwerkstatt zur neuen Familienoper am 21. und 22. Februar im Ratskeller Hamborn.

Ronja Räubertochter: Maria Kataeva als Ronja. Foto: Hans Jörg MIchel.

Ronja Räubertochter: Maria Kataeva als Ronja. Foto: Hans Jörg MIchel.

Die Junge Oper am Rhein packt den „Kulturrucksack“ zur neuen Oper „Ronja Räubertochter“: „Zum Donnerdrummel!“ schallt es am Wochenende vom 21.und 22. Februar von 15.00 bis 18.00 Uhr durch den Ratskeller in Duisburg-Hamborn, wo sich alles um die wilde Räubertochter aus der berühmten Erzählung von Astrid Lindgren dreht: In Kooperation mit dem Kulturrucksack Duisburg lädt die Deutsche Oper am Rhein Jungen und Mädchen von 10 bis 14 Jahren zu einer zweitägigen Musiktheaterwerkstatt ein. Szenisch und musikalisch beschäftigen sich die Teilnehmer mit den Figuren des Romans – mit der Freundschaft zwischen Ronja und Birk, den verfeindeten Räuberbanden ihrer Eltern und ihren Erlebnissen in der Natur. Unter professioneller Anleitung bauen sie Instrumente und komponieren die passende Räubermusik. Eine Woche später geht es dann gemeinsam in die Oper: Am Sonntag, 1. März, besuchen die Kinder um 11.00 Uhr die neue Oper „Ronja Räubertochter“ im Theater Duisburg. Die Teilnahme an der Werkstatt kostet inklusive Opernbesuch 3,50 €. Wer Information und Anmeldung bei Krysztina Winkel, Junge Oper am Rhein, Telefon 0211 / 8925457, E-Mail: schule@operamrhein.de.

Freie Plätze in der Musiktheaterwerkstatt zu „Ronja Räubertochter“
Musiktheaterwerkstatt „Zum Donnerdrummel!“: Samstag und Sonntag, 21. und 22. Februar, jeweils von 15.00 bis 18.00 Uhr in der Reihe „kulturiges … im Ratskeller DU-Hamborn“, Duisburger Str. 213, 47166 Duisburg.
Gemeinsamer Besuch der Oper „Ronja Räubertochter“: Sonntag, 1. März, 11.00 Uhr im Theater Duisburg.
Teilnahmegebühr inklusive Operntickets: 3,50 €
Anmeldung und weitere Infos: Junge Oper am Rhein, Krysztina Winkel, Telefon 0211 / 8925457, eMail schule@operamrhein.de.

– Pressemeldung der Deutschen Oper am Rhein –
Foto: Hans Jörg Michel

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Duisburg: Resolution des Integrationsrates zur Pegida-Bewegung

Der Integrationsrat der Stadt Duisburg hat in seiner Sitzung am 9. Februar folgende Resolution einstimmig beschlossen:

Sitzung des Integrationsrates. Foto: Stadt Duisburg.

Sitzung des Integrationsrates. Foto: Stadt Duisburg.

„Der Integrationsrat der Stadt Duisburg erklärt, dass die Politik, die von den rechtsextremen Veranstaltern der Pegida-Bewegung versucht wird zu betreiben, mit unserer weltoffenen und bunten Duisburger Stadtgesellschaft unvereinbar ist. Unter dem Vorwand der angeblichen Islamisierung des Abendlandes versucht diese Bewegung rassistisches und menschenverachtendes Gedankengut salonfähig zu machen und in die Mitte der Gesellschaft zu tragen.

Der Vorsitzende des Integrationsrates: Erkan Üstünay. Foto: Stadt Duisburg.

Der Vorsitzende des Integrationsrates: Erkan Üstünay. Foto: Stadt Duisburg.

Hinter den vorgeschobenen Gründen der Demonstrationen verbirgt sich ein extrem migrantenfeindliches und rassistisches Weltbild sowie eine unmenschliche und undifferenzierte Diffamierung von Flüchtlingen. Dies wurde unter anderem durch die Äußerungen des mittlerweile zurückgetretenen Pegida-Gründers Lutz Bachmann nochmals deutlich.

Diese menschenfeindliche Bewegung, die auf billige Ressentiments setzt, ist in einer multikulturellen Stadt wie Duisburg völlig fehl am Platze. Jahrhunderte der Zuwanderung nach Duisburg haben diese Stadt sowohl kulturell als auch wirtschaftlich extrem bereichert. Unser aller Ziel muss es sein, sie zu einer Hochburg der Toleranz zu machen.

Der Integrationsrat der Stadt Duisburg spricht sich gegen jegliche Form der Migrantenfeindlichkeit, des Rassismus und der Diskriminierung aus. In Duisburg ist kein Platz für die menschenverachtende Pegida-Bewegung.“

– Pressemeldung der Stadt Duisburg –

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Marketing-Club Duisburg: Wolfgang Schmitz über „Die Zukunft des Wirtschaftsstandorts“

Neue Ideen und Impulse:
Masterplan Wirtschaft auf einen guten Weg bringen

Von Petra Grünendahl

Über "Die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Duisburg" sprach Wolfgang Schmitz vom Unternehmerverband in Buchholz. Foto: Petra Grünendahl.

Über „Die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Duisburg“ sprach Wolfgang Schmitz vom Unternehmerverband in Buchholz. Foto: Petra Grünendahl.

„Duisburg ist besser als sein Ruf und als das, was verschiedenste Ranglisten auszusagen scheinen“, erklärte Wolfgang Schmitz, seit dreizehn Jahren Hauptgeschäftsführer beim Unternehmerverband in Buchholz. „Die positiven Dinge müssen wir hier besser herausstellen: die Lage im Zentrum Europas, die Stahlindustrie, der Standort für Industrie und Logistik, das Fachkräfteangebot auch durch die Hochschulen“, zählte Schmitz nur ein paar Beispiele auf, die Unternehmen in die Region locken. Dass es darüber hinaus Probleme gibt, zu denen fehlende Ansiedlungsflächen oder auch hohe kommunale Steuern gehören, verschwieg er dabei nicht. „Wir müssen die Probleme angehen und sollten lieber die Chancen sehen“, so Schmitz.

Zu seiner ersten Veranstaltung im neuen Jahr hatte der Marketing-Club Duisburg-Niederrhein mit seinem Präsidenten Marco Pfotenhauer in die VIP-Lounge im Citypalais eingeladen. „Neue Ideen und Impulse“ für die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Duisburg stellte Wolfgang Schmitz den anwesenden Marketing-Fachleuten vor. Das bot Raum für einen regen Austausch, denn „Zukunft des Wirtschaftsstandortes“ heißt auch: Wie soll sich Duisburg positionieren, um als Wirtschaftsstandort attraktiv darzustellen und Unternehmen wie auch Unternehmensgründer anzuziehen? Die Verantwortlichen für das Marketing des Wirtschaftsstandortes sitzen zum einen im Rathaus und zum anderen bei der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung, einer städtischen Tochtergesellschaft. Dort müssen die Weichen für eine Imageverbesserung gestellt werden.

Wolfgang Schmitz, Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Wolfgang Schmitz, Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Masterplan Wirtschaft
Der Unternehmerverband will eine Dialogplattform bieten und Entscheider aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung zusammen bringen, sich über die Perspektiven des Standortes auszutauschen und ein Zukunftskonzept zu entwickeln. Am 20. Februar sind die ersten Gesprächsrunden geplant, an deren Ende ein „Masterplan Wirtschaft“ steht. Diesem Masterplan erarbeitet der Unternehmerverband zusammen mit Unternehmern, Fachleuten der IHK Niederrhein und der Stadt Duisburg, die mit ihren Dezernenten vertreten sein wird. Eingebunden in die Gespräche ist auch der Marketing-Club Duisburg-Niederrhein.

Die Gespräche zum „Masterplan Wirtschaft“ gliedern sich in fünf Arbeitgruppen: Image und internationales Profil, Familie, Bildung und Technologie, Infrastruktur und Flächen sowie Gründung und Mittelstand. Mit dem Image ist natürlich in erster Linie der Wirtschaftsstandort gemeint. Touristisch hat Duisburg in den letzten Jahren sein Profil ja durchaus geschärft. Aber es gilt auch herauszustellen, was Duisburg für die Wirtschaft attraktiv macht. Dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie mittlerweile sehr wichtig ist, um Fachkräfte zu gewinnen und zu halten, hat die Wirtschaft erkannt. Mit einem Preis ehrte das Bündnis für Familie beispielsweise Ende letzten Jahres das familienfreundlichen Engagement von Duisburger Unternehmen: „Diese und andere guten Beispiele müssen wir sichtbar machen“, bekräftigte Schmitz.

Technologiestandort lockt innovative Unternehmen

Wolfgang Schmitz, Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Wolfgang Schmitz, Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Insbesondere innovative Unternehmen siedeln sich gerne in der Nähe von Universitäten und Forschungseinrichtungen an. Seine Lage inmitten von Hochschulstandorten sollte Duisburg noch effizienter nutzen. Außerdem könne Duisburg gut seine Wirtschaftsbeziehungen nach China in ähnlicher Weise nutzen wie die Düsseldorfer Japan, regte Schmitz an. Hier glänzt der Standort nicht nur mit der „neuen Seidenstraße“, die insbesondere vom Duisburger Hafen gepflegt und ausgebaut wird, sondern auch mit der größten chinesischen Hochschulgruppe in Deutschland. Auch damit kann man den Wirtschaftsstandort weiter stärken.

Überhaupt müsse man mehr auf den Mittelstand setzen: Nicht die Großindustrie ist Deutschland Jobmotor, sondern der Mittelstand. Flächen und Infrastruktur sind ein großes Problem, gerade in Duisburg. Er hob dabei die Rheinquerung der A40 hervor, die für den Standort eine immense Bedeutung habe und schnellstens dauerhaft gesichert werden müsse. Die fehlenden Flächen muss man politisch durchsetzen – in Duisburg ebenso wie in Düsseldorf bei der Landesregierung, die für Landesentwicklungspläne verantwortlich ist und damit den Kommunen die Vorgaben macht. Hier müsse die Wirtschaft das nötige Bewusstsein schaffen, sagte Schmitz.

Erstes Treffen des Marketing-Clubs Duisburg Niederrhein: Über "Die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Duisburg" sprach Wolfgang Schmitz vom Unternehmerverband in Buchholz. Foto: Petra Grünendahl.

Erstes Treffen des Marketing-Clubs Duisburg Niederrhein: Über „Die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Duisburg“ sprach Wolfgang Schmitz vom Unternehmerverband in Buchholz. Foto: Petra Grünendahl.

Konkurrenz sitzt nicht hier in der Region

Wolfgang Schmitz, Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Wolfgang Schmitz, Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

„Wir brauchen Wachstum und Arbeitsplätze“, stellte der Unternehmerverbandsvertreter fest. Gute Rahmenbedingungen trotz fehlender Flächen, hoher Steuern und zurückgehender Bewerberzahlen für betriebliche Ausbildungsplätze (siehe auch hier …) sieht Schmitz insgesamt gegeben. Dass sich die Wirtschaft mittlerweile für den Standort mehr engagiere – „sie hat sich zu lange zurückgehalten“ – wertete er auch als positive Signal der Unternehmen am Wirtschaftsstandort. „Duisburg steht nicht in erster Linie in Konkurrenz zu Nachbarstädten im Rheinland und im Ruhrgebiet. Die ganze Region steht in Konkurrenz zu Wirtschaftsregionen wie Frankfurt, Stuttgart, München oder Hamburg“, stellte Schmitz klar. Wo Synergien möglich sind, regte er weiter reichende Kooperationen der Kommunen im Ruhrgebiet an. Die Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse (150.000) in Relation zu den Einwohnern hält er in Duisburg zu gering. Hier empfahl er, mal in die Nachbarstädte zu schauen, was die denn besser machen. Das Problem „Strukturwandel“ kennen sie alle, aber manche Kommunen an Rhein und Ruhr wie zum Beispiel Dortmund scheinen ihn besser bewältigt zu haben. Die Rahmenbedingungen müssen stimmen, damit die Wirtschaft investiert und Arbeitsplätze schafft. „Der Oberbürgermeister macht einen engagierten Job, er kann das aber auch nicht alleine. Es geht hier nicht um Parteipolitik, sondern um den Standort“, so Schmitz.

© 2015 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Noch viel Arbeit in den Produktionswerkstätten der Deutschen Oper am Rhein in Duisburg-Wanheimerort

Wo der Mattiswald und die Räuberburg für „Ronja Räubertochter“ Form und Farbe bekommen
Von Petra Grünendahl

Tatjana Ivschina, Kostüm- und Bühnenbildnerin für "Ronja Räubertochter", und Produktionsleiter Jan Hugenroth. Foto: Petra Grünendahl.

Tatjana Ivschina, Kostüm- und Bühnenbildnerin für „Ronja Räubertochter“, und Produktionsleiter Jan Hugenroth. Foto: Petra Grünendahl.

„Je nachdem, ob man mit dem Buch oder dem Film groß geworden ist, hat man unterschiedliche Vorstellungen davon, wie die Burg oder der Wald auszusehen haben“, erklärte Tatjana Ivschina, die als Kostüm- und Bühnenbildnerin für die Oper „Ronja Räubertochter“ verantwortlich ist. Schon vor gut einem Jahr habe sie sich erste Gedanken gemacht, wie das Stück nach Astrid Lindgren auf der Bühne ausstaffiert sein könnte. Dabei gelte es nicht nur, einen bestimmten Kostenrahmen einzuhalten, erzählte Produktionsleiter Jan Hugenroth, sondern auch so zu konstruieren, dass der Bühnenaufbau nicht nur im Theater Duisburg und im Opernhaus Düsseldorf auf die Bühne passe. Schließlich zieht die Inszenierung weiter zu den Theatern in Dortmund und Bonn.

Bildvorlagen bieten Anhaltspunkte für eine möglichst realistische Anmutung der Bühnenbilder. Foto: Petra Grünendahl.

Bildvorlagen bieten Anhaltspunkte für eine möglichst realistische Anmutung der Bühnenbilder. Foto: Petra Grünendahl.

Im Rahmen der Kooperation „Junge Opern Rhein-Ruhr“ hat die Deutsche Oper am Rhein die Kinderoper „Ronja Räubertochter“ als Auftragskomposition schreiben lassen: Komponiert hat Jörn Arnecke zu Texten von Holger Potocki (Libretto). Regisseur ist Johannes Schmid, der auch schon „Vom Mädchen, das nicht schlafen wollte“ inszeniert hatte. Er bringt nun die Geschichte von Astrid Lindgren auf die Opernbühne. Konzipiert ist die Oper für ein junges Publikum ab 8 Jahren. Inklusive Pause dauert die Aufführung zwei Stunden.
Der Mattiswald braucht noch etwas Farbe. Foto: Petra Grünendahl.

Der Mattiswald braucht noch etwas Farbe. Foto: Petra Grünendahl.

Die Kostüme, aber auch der Bühnenaufbau werden in den Produktionswerkstätten der Deutschen Oper am Rhein entworfen, geschneidert und gebaut. Auf dem Gelände. an der Neuenhofstraße in Duisburg-Wanheimerort arbeiten 40 Mitarbeiter: Zur Zeit sind es wegen Proben und Logistik insgesamt 80 Mitarbeiter. In den Hallen sind Tischlerei, Schlosserei, der Malersaal mit den Kascheuren*, Dekoration und Montagehalle sowie die Produktionsleitung und zwei Probebühnen untergebracht. Auf dem Areal lagern um den großen Hallenkomplex herum Bühnenbilder für Opern- oder Ballettaufführungen in Containern.

Kostüm- und Bühnenbildnerin Tatjana Ivschina mit dem kleinen Modell vor der großen Bärenhöhle. Fotos: Petra Grünendahl.

Kostüm- und Bühnenbildnerin Tatjana Ivschina mit dem kleinen Modell vor der großen Bärenhöhle. Fotos: Petra Grünendahl.

Zunächst werden kleine Modell für die Bühnenaufbauten erstellt: Bühnenbildnerin Tatjana Ivschina zeigt die Miniaturausgabe von Räuberburg und Mattiswald. Foto: Petra Grünendahl.

Zunächst werden kleine Modell für die Bühnenaufbauten erstellt: Bühnenbildnerin Tatjana Ivschina zeigt die Miniaturausgabe von Räuberburg und Mattiswald. Foto: Petra Grünendahl.

Regisseur betritt Neuland
„Die Uraufführung zu inszenieren ist eine aufregende Reise. Es gibt keine Aufführungsgeschichte, die man kennen müsste, aber man springt ins kalte Wasser“, erklärte Regisseur Johannes Schmid. Oder man setzt Maßstäbe für künftige Inszenierungen, wo man selber noch frei entwickeln und entwerfen konnte. Einzelne fertige Elemente wie ein drehbares Bühnenelement mit der Bärenhöhle sind hier bereits aufgebaut, so dass in den Produktionsstätten auch schon geprobt werden kann.
Am 9. Februar findet die technische Einrichtung der Bühne im Theater Duisburg statt. Bis dahin müssen die Bühnenaufbauten komplett fertig geschreinert, geklebt und mit passenden Oberflächen kaschiert* sein, um dem Betrachter als Burg, Wald oder Fels zu erscheinen. Witzige kleine Details wie zum Beispiel die Augen eines Tieres in einem Astloch verraten, mit wie viel Hingabe und Engagement hier das Bühnenbild gestaltet wird. Der märchenhafte Stoff schreit geradezu nach einer realistischen Umgebung, die an manchen Stellen etwas überzeichnet wirkt.

 
 

Abnehmbares Grün für die Bäume ermöglicht einen realitätsnahen Wandel der Jahreszeiten. Foto: Petra Grünendahl.

Abnehmbares Grün für die Bäume ermöglicht einen realitätsnahen Wandel der Jahreszeiten. Foto: Petra Grünendahl.

Kreativität und Handwerk
„Manchmal haben wir hier drei bis vier Bühnenbilder parallel in der Herstellung“, erzählte Produktionsleiter Hugenroth. Erste Designentwürfe, eine „Bauprobe“, die auch anhand der Bühnenpläne technischen Grenzen des Machbaren aufzeigt, sowie die Absteckung des finanziellen Rahmens, was das Ganze kosten darf, sind nur die ersten Schritte. Die technischen Zeichnungen für den Bau entstehen dann am Computer (mit Hilfe von CAD-Programmen). Realisiert wird das Bühnenbild ebenso wie Dekorationen oder die Kostüme der Darsteller dann komplett in Handarbeit.

Am 26. Februar 2015 feiert die Oper „Ronja Räubertochter“ ihre Uraufführung im Theater Duisburg. Noch in dieser Spielzeit ist sie an der Deutschen Oper am Rhein auch in Düsseldorf zu sehen. Im Rahmen der Jungen Oper Rhein-Ruhr wandert die Aufführung danach auch nach Bonn und Dortmund.

Die Termine in Duisburg:
Do | 26. Februar 2015 | 11:00 Uhr (Uraufführung),
Sa | 28. Februar 2015 | 18:00 Uhr,
So | 1. März 2015 | 11:00 Uhr,
Di | 3. März 2015 | 11:00 Uhr,
Mi | 4. März 2015 | 11:00 Uhr,
Do | 5. März 2015 | 11:00 Uhr und
Di | 12. Mai 2015 | 11:00 Uhr.
Im März, April und Juni gibt es Aufführungen im Opernhaus Düsseldorf. Tickets kosten einheitlich 18,00 Euro.

Karten gibt es im Opernshop an der Düsseldorfer Straße 5 – 7 (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 19 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr) oder unter Telefon 0203 / 9407777. Die Theaterkasse öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt.

*) „Kaschieren“ nennt man das Verbinden von Lagen gleichartiger oder verschiedener Materialien mit Hilfe von beispielsweise Lack, Leim oder Wachs. Hier bezeichnet es vor allem das Aufbringen von Oberflächenmaterialien auf einen Trägerkörper (Fertigungstechnik).

© 2015 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Oberbürgermeister Sören Link hatte zum Interkulturellen Gespräch im Rathaus Duisburg eingeladen

Eigentlich nicht der Rede wert, weil selbstverständlich:
Integration findet hier jeden Tag statt

Von Petra Grünendahl

Interkulturelles Gespräch mit Vereinen und Organisationen: auf dem Podium (v. l.) Angelika Wagner, Oberbürgermeister Sören Link und Pfarrer Armin Schneider. Foto: Petra Grünendahl.

Interkulturelles Gespräch mit Vereinen und Organisationen: auf dem Podium (v. l.) Angelika Wagner, Oberbürgermeister Sören Link und Pfarrer Armin Schneider. Foto: Petra Grünendahl.


„Integration und ein friedliches Zusammenleben findet täglich hier statt, ohne dass wir es bewusst als etwas Besonderes wahrnehmen“, erklärte Oberbürgermeister Sören Link. „Egal, ob in der Schule, bei der Arbeit oder in Vereinen: In Duisburg wird Vielfalt gelebt. Viele Duisburger empfinden dies als etwas ganz Normales“, bestätigte auch Angelika Wagner vom Bündnis für Toleranz und Zivilcourage, Vorsitzende des DGB Niederrhein. Die anwesenden engagierten Bürger unterzeichneten eine „Resolution für Demokratie, Toleranz und Vielfalt“.

Interkulturelles Gespräch mit Vereinen und Organisationen im Ratssaal. Foto: Petra Grünendahl.

Interkulturelles Gespräch mit Vereinen und Organisationen im Ratssaal. Foto: Petra Grünendahl.

Besser herausstellen und öffentlich machen, wie viel Integration in Duisburg täglich gelebt wird – 365 Tage im Jahr –, das wollen Oberbürgermeister Sören Link und das Bündnis für Toleranz und Zivilcourage. Zu einen „Interkulturellen Gespräch“ hatte der OB Duisburger Organisationen und Vereine ins Rathaus eingeladen, um aufzuzeigen, was von Bürgern schon an Integrationsarbeit geleistet wird. Ziel ist es, dies künftig über ein größeres Podium auch öffentlich zu machen. Dazu sollen alle Veranstaltungen, die mit Integration und vielfältigem Zusammenleben zu tun haben, zentral gesammelt werden. Der Landtagsabgeordnete Rainer Bischoff hat dafür sein Landtagsbüro zur Verfügung gestellt, wo man Veranstaltern auch ggf. Hilfestellung gibt – zum Beispiel zur Pressearbeit und wie man seine Veranstaltung am besten öffentlich macht. Der Referent des MdL, Alessio Vigna, ist dafür telefonisch unter 0211 / 884-2700 oder per Fax unter 0211 / 884-3191 zu erreichen. Integration und gelebte Vielfalt öffentlicher zu machen, dazu braucht es noch nicht einmal neue Veranstaltungen: Vieles, was in Duisburg läuft, kann man schon heute unter das Motto „für Vielfalt und Integration, gegen Rassismus und Ausgrenzung“ fassen. Was eventuell fehlt, ist eine größere Bekanntheit und eine größere Betonung von Integration und vielfältigem Zusammenleben.

Integration ist in Duisburg nichts besonderes

Oberbürgermeister Sören Link hatte zum interkulturellen Gespräch in den Ratssaal eingeladen. Foto: Petra Grünendahl.

Oberbürgermeister Sören Link hatte zum interkulturellen Gespräch in den Ratssaal eingeladen. Foto: Petra Grünendahl.

Allzu viel findet nämlich eher „im Verborgenen“ statt oder ist den Menschen einfach nicht bewusst – auch weil es eine Selbstverständlichkeit ist. Von daher ist es auch nicht erstaunlich, dass Pegida seine Anfänge und größte Gefolgschaft dort hat, wo es kaum Menschen mit Migrationshintergrund oder muslimischen Glaubens gibt: Dort, wo eben kaum Integration statt findet. Im Ruhrgebiet hingegen, wo sie seit der Industrialisierung zum Alltag gehört, ist sie so selbstverständlich, dass sich die Leute kaum Gedanken darüber machen und sie einfach nur leben. Was für den Alltag, die Arbeit und Vereine, insbesondere Sportvereine gilt, wird ebenso von den Religionsgemeinschaften gelebt: die evangelische Kirche, die katholischen Kirche, die jüdische Gemeinde und die Moschee-Gemeinden in den Stadtteilen reden miteinander und engagieren sich auch gemeinsam für „Duisburger Ziele“.

Interkulturelles Gespräch mit Vereinen und Organisationen: auf dem Podium (v. l.) Angelika Wagner, Oberbürgermeister Sören Link und Pfarrer Armin Schneider. Foto: Petra Grünendahl.

Interkulturelles Gespräch mit Vereinen und Organisationen: auf dem Podium (v. l.) Angelika Wagner, Oberbürgermeister Sören Link und Pfarrer Armin Schneider. Foto: Petra Grünendahl.

„Wir haben nicht mit Pegida angefangen, über Integration zu reden. Und wir werden damit nicht aufhören, wenn Pegida Geschichte ist“, stellte Sören Link fest, nachdem die Vertreter diversester Vereine und Organisationen kund getan hatten, in wieweit sie bereits seit langem ganz selbstverständlich Integrationsarbeit leisten. Und: „Wir alle repräsentieren verschieden Facetten unserer Stadt.“ Selbstverständlichkeiten werden zu wenig wahrgenommen, daran müsse sich was ändern, so Pfarrer Armin Schneider, Sprecher des Bündnisses für Toleranz und Zivilcourage. Damit setze man viel stärkere Zeichen gegen rechte Hetze und Ausgrenzung.

Kommentar
uebrigens!So selbstverständlich Integration, Vielfalt und ein friedliches Zusammenleben in unserer Stadt sind, um so wichtiger ist es, dieses auch öffentlich, nach innen wie nach außen darzustellen. Denn gerade diese Selbstverständlichkeit von Integration und Zusammenleben im ganzen Ruhrgebiet machte es Populisten und Rattenfängern von außen so leicht, sich bei den wenigen Unzufriedenen hier vor Ort Gehör zu verschaffen.
Wir müssen uns dringend auf die Werte besinnen, die das Ruhrgebiet mal zu dem gemacht haben, was es war: Menschen von überall her kamen, um die Ärmel hochzukrempeln und etwas aufzubauen, eine neue Heimat zu finden. „Zusammen schaffen wir das schon“ war das Motto – und es funktionierte. Und es sollte eigentlich immer noch funktionieren, das sollte uns bewusst sein. Für alles andere ist hier kein Platz!

Pegida in Duisburg schwächelt
„Demonstrationen ohne Vorkommnisse (ots) – Das Interesse an Pegida hat in Duisburg deutlich nachgelassen. 170 Teilnehmer nahmen am Pegida-Aufmarsch teil, rund 300 bei den Gegendemonstrationen. Ganz allein blieb der Anmelder der Bewegung für ‚Direkte Demokratie in Europa’. Er gab dann um 18:40 Uhr auf. Es kam zu keinen Zwischenfällen“, lautete denn auch die abschließende Meldung der Polizei Duisburg.

Noch Nachtrag zum Thema
Ein Fundstück: Die Publikation „Integration in Duisburg“ hat das Referat für Integration der Stadt Duisburg schon 2010 veröffentlicht. https://www.duisburg.de/micro/integration/medien-37/2010_12_14_Publikation_Integration_in_Duisburg.pdf

© 2015 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Universitätsorchester begeisterte beim Festkonzert im Theater Duisburg

Immer noch ein Geheimtipp:
Musikalische Vielfalt auf allerhöchstem Niveau!

Von Petra Grünendahl

Das Universitätsorchester der Uni Duisburg-Essen unter der Leitung von Oliver Leo Schmidt beim Festkonzert 2015 im Theater Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Das Universitätsorchester der Uni Duisburg-Essen unter der Leitung von Oliver Leo Schmidt beim Festkonzert 2015 im Theater Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Ganz minimalistisch, aber rhythmisch und harmonisch fingen sie an: mit dem Stück „Lollapalooza“ des zeitgenössischen amerikanischen Komponisten John Coolidge Adams. Gerade die Feinheit der Klänge offenbart die harmonische Perfektion des Orchesters. Üppiger instrumentiert geht es in den Ballettsuiten aus „Romeo und Julia“ von Sergej Prokofjev zu. Vielfältiger und variantenreicher in ihren Klängen verführen die sechs Stücke, die Augen zu schließen, mit den Ohren zu „schauen“ und sich dabei Balletttänzer vorzustellen. Anspruchsvolle Klangwelten erobern den Theatersaal, der im Parkett voll besetzt ist.

Das Universitätsorchester der Uni Duisburg-Essen beim Festkonzert 2015 im Theater Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Das Universitätsorchester der Uni Duisburg-Essen beim Festkonzert 2015 im Theater Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Sie beherrschen die kräftigen Töne ebenso gut wie die ruhigeren, die ernstere Klassik ebenso wie die swingenden und unterhaltsamen Klänge des Musicals: Das Universitätsorchester der Universität Duisburg-Essen unter der Leitung von Oliver Leo Schmidt gab sein erstes von drei Festkonzerten in diesem Jahr im Theater Duisburg. In diesem Jahr stehen die Festkonzerte im Zeichen des Jubiläums: Vor fünfzig Jahren mit sieben Musikern an der neuen Medizinischen Fakultät gegründet, wuchs das Orchester nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ zu seiner heutigen „Größe“. Die gerne gebrauchte Bezeichnung „Laienorchester“ ist pure Tiefstapelei. Auch wenn die aktuell 92 Musiker des Ensembles alle nur nebenberuflich Musik machen, tun sie dies aber mit Hingabe und einem Können, welches auch schwierige und anspruchsvolle Stücke leicht klingen lässt. Und dirigiert werden sie von einem Meister seines Fachs: Prof. Oliver Leo Schmidt hatte 2002 die Aufgabe als Dirigent übernommen. Hauptberuflich lehrt er Dirigieren an der Folkwang Universität der Künste in Essen.

Anspruchsvoll und vielfältig

„New York ist a hell of a town“: die Seemänner (Merlin Fargel, Hermann Bedke und Alexander Sasanowitsch) mit ihren Mädchen (Hanna Mall, Catherine Ckikosi und Anna Winter, jeweils v. l.). Foto: Petra Grünendahl.

„New York ist a hell of a town“: die Seemänner (Merlin Fargel, Hermann Bedke und Alexander Sasanowitsch) mit ihren Mädchen (Hanna Mall, Catherine Ckikosi und Anna Winter, jeweils v. l.). Foto: Petra Grünendahl.

Nach zwei höchst unterschiedlichen Vertretern moderner Klassik ging es mit einer besonderer musikalischen Rarität in die zweite Hälfte: Die konzertante Aufführung von Auszügen aus Leonard Bernsteins Musical „On the Town“ wird normalerweise von den Rechteinhabern nicht – wie hier – in einer Länge von gut 20 Minuten genehmigt. Dafür hatte Oliver Schmidt Musical-Studierende der Folkwang Universität der Künste (aus der Klasse seiner Kollegin Prof. Patricia Martin) als Unterstützung gewinnen können. Sechs Matrosen (Merlin Fargel, Hermann Bedke, Alexander Sasanowitsch, Elias Krischke, René Dalla Costa und Marvin Schütt) auf einem 24-stündigen Landgang in New York erobern nicht nur die Stadt sondern auch die Mädels (Hanna Mall, Anna Winter, Catherine Chikosi, Sarah Wilken, Lina Gerlitz und Anneke Brunekreeft). Nach einem traumhaften „Bolero“ von Maurice Ravel gab es schließlich als Zugabe noch einmal Leonard Bernstein, damit sich mit „Mambo“ aus der „West Side Story“ noch einmal alle Akteure von ihrem begeisterten Publikum verabschieden konnten.

Oliver Leo Schmidt, seit 2002 Dirigent des Universitätsorchesters, lehrt Dirigieren an der Folkwang Universität der Künste. Foto: Petra Grünendahl.

Oliver Leo Schmidt, seit 2002 Dirigent des Universitätsorchesters, lehrt Dirigieren an der Folkwang Universität der Künste. Foto: Petra Grünendahl.

Auch wenn das Universitätsorchester Duisburg-Essen bereits seit zehn Jahren im Theater Duisburg seine Festkonzerte spielt, ist es hier vor Ort immer noch ein Geheimtipp. Und das, obwohl sich das hochklassige Amateurorchester hinter Profi-Ensembles nicht verstecken braucht. In der Nachbarstadt füllen sie schon seit vielen Jahren den größten Konzertsaal der Stadt: die Philharmonie Essen mit 1.900 Plätzen. Ausverkauftes Haus wäre ihnen auch in Duisburg mehr als zu gönnen!

Noch zwei Konzerte in Essen

Prof. Dr. Ulrich Radtke, Rektor der Universität Duisburg-Essen, outete sich bei der Begrüßung als begeisterten Fan seines Universitätsorchesters. Foto: Petra Grünendahl.

Prof. Dr. Ulrich Radtke, Rektor der Universität Duisburg-Essen, outete sich bei der Begrüßung als begeisterten Fan seines Universitätsorchesters. Foto: Petra Grünendahl.

8. Februar 2015, 11 Uhr, in der Philharmonie Essen.
22. Februar 2015, 17 Uhr, in der Zeche Zollverein, Halle 12.
Vorverkauf:
Theater und Philharmonie Essen, Huyssenallee 53, Essen,
Telefon 0201 / 8122-200, tickets@theater-essen.de.
Die Karten kosten 18 Euro (Philharmonie) bzw. 15 Euro (Zeche Zollverein, jeweils ermäßigt 7 Euro).
Mehr Infos zum Universitätsorchester Duisburg-Essen …

© 2015 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Museum Küppersmühle Duisburg: Evonik Jugendkunstpreis 2014

Großes Interesse an „Jugend interpretiert Kunst“
Von Petra Grünendahl

Gewinner des Jugendkunstpreises 2014: das Albert-Einstein-Gymnasium aus Frankenthal vor ihrer 20-teiligen Arbeit "Anpassung und Wagnis". Foto: Petra Grünendahl.

Gewinner des Jugendkunstpreises 2014: das Albert-Einstein-Gymnasium aus Frankenthal vor ihrer 20-teiligen Arbeit „Anpassung und Wagnis“. Foto: Petra Grünendahl.

So viele junge Leute findet man selten auf einmal im Museum Küppersmühle für Moderne Kunst in Innenhafen. Rund 450 Schüler von Klasse 10 bis 13 waren mit ihren Lehrern nach Duisburg gereist und warteten nun gespannt auf die Siegerehrung des Jugendkunstpreises 2014 „Jugend interpretiert Kunst“. „Gewonnen haben eigentlich alle“, fand Museumsdirektor Prof. Dr. h.c. Walter Smerling, denn: „Sie haben Erfahrungen gewonnen und dürfen hier ausstellen, sich einem großen Publikum präsentieren.“ Gut ist die Stimmung im Saal: Dabei sein ist hier wirklich alles.

Museumsdirektor Walter Smerling, Oberbürgermeister Sören Link, Jury-Sprecher Coordt von Mannstein, Markus Langer, Leiter Konzernkommunikation Evonik Industries, und Kulturdezernent Thomas Krützberg (v. l.). Foto: Petra Grünendahl.

Museumsdirektor Walter Smerling, Oberbürgermeister Sören Link, Jury-Sprecher Coordt von Mannstein, Markus Langer, Leiter Konzernkommunikation Evonik Industries, und Kulturdezernent Thomas Krützberg (v. l.). Foto: Petra Grünendahl.

Zur Kürung und Ehrung der Sieger-Teams waren alle 20 beteiligten Schulen mit ihren Teilnehmern ins MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst gekommen. Evonik Industries war in diesem Jahr zum ersten Mal als Sponsor des Wettbewerbs zum Jugendkunstpreis dabei, welchen die Stiftung für Kunst und Kultur e. V. seit 14 Jahren auslobt. Eine hochkarätige Fachjury bewertete die Arbeiten und vergab die ersten drei Plätze, die mit 1.000, 2.000 und 5.000 Euro dotiert sind. Mit der Preisverleihung wurde auch die Sonderausstellung mit allen zwanzig Arbeiten eröffnet. Zur Jury zählten neben Museumsdirektor Smerling die Künstler Abraham David Christian und Anthony Cragg, Kuratorin Susanne Kleine (Kunst- und Ausstellungshalle Bonn), Markus Langer (Leiter Konzernkommunikation von Sponsor Evonik Industries), Werbeagenturchef Coordt von Mannstein (Solingen) sowie Sammlerin Sylvia Ströher (Darmstadt), die zusammen mit ihrem Mann Ulrich dem MKM ihre Kunstsammlung zur Präsentation im Innenhafen zur Verfügung stellt.

Großes Interesse am Jugendkunstpreis

Zweiter Platz beim Jugendkulturpreis 2014: die Installation "Mefac" (für "Mediaface") vom Andreae-Gymnasium, Herrenberg. Foto: Petra Grünendahl.

Zweiter Platz beim Jugendkulturpreis 2014: die Installation „Mefac“ (für „Mediaface“) vom Andreae-Gymnasium, Herrenberg. Foto: Petra Grünendahl.

Waren es im Jahr 2000 noch 50 Schulen gewesen, die sich um die Teilnahme am Jugendkunstpreis beworben hatte, so waren es 2014 schon 500. Beteiligen können sich Gymnasien, Gesamt- und Realschulen mit Schülergruppen ab Klasse 9. Zwanzig Teams dürfen mitmachen: Das Los entscheidet. Die Klassen/Kursgruppen verbringen jeweils zunächst einen Tag im Museum Küppersmühle, wo sie sich intensiv mit den ausgestellten Werken der Moderne und den Arbeitsweisen der Künstler beschäftigen. Unterstützt werden sie dabei von der Kunstpädagogin des Museums, die Hintergrundkenntnisse vermittelt. Acht Wochen haben die Schüler dann Zeit, ihre Eindrücke zu diskutieren, ein Konzept für ihr eigenes Werk zu erstellen und diese frei gewählte Arbeit künstlerisch darzustellen. Neben Kreativität und Fantasie sind Organisationstalent und Teamwork gefragt, die sich auch im Konzept wiederfinden sollten. Konzepte und Fotos werden dann per eMail an die Jury geschickt. Zum Abschluss stellt das Museum Küppersmühle die Werke in seinen Räumen im Erdgeschoss aus. Dort bekommt die Jury sie dann schließlich im Original zu sehen, bevor sie die Sieger kürt. Die Ausschreibung für den Jugendkunstpreis 2015 läuft bis zum 31. Januar 2015 (Teilnahmeschluss).

Die Sieger in diesem Jahr sind:

Gewinner des Jugendkunstpreises 2014: das Albert-Einstein-Gymnasium aus Frankenthal. Foto: Petra Grünendahl.

Gewinner des Jugendkunstpreises 2014: das Albert-Einstein-Gymnasium aus Frankenthal. Foto: Petra Grünendahl.

1. Albert-Einstein-Gymnasium, Frankenthal, mit „Anpassung und Wagnis“
2. Andreae-Gymnasium, Herrenberg, mit „Mediaface“
3. Angela-Merici-Gymnasium, Trier, mit „Zeit“
Unter den 20 teilnehmenden Schulen ist auch das Franz-Haniel-Gymnasium aus Homberg. Eine hochinteressante Ausstellung: Wer sich ein wenig in der Sammlung Ströher auskennt, den Meistern im ersten und zweiten Stock, der findet hier Einflüsse und „Handschriften“ wieder.

Dritter Platz beim Jugendkulturpreis 2014: der Beitrag "Zeit" vom Angela-Merici-Gymnasium, Trier. Foto: Petra Grünendahl.

Dritter Platz beim Jugendkulturpreis 2014: der Beitrag „Zeit“ vom Angela-Merici-Gymnasium, Trier. Foto: Petra Grünendahl.

Die Schülerarbeiten sind noch bis zum 8. Februar 2015 in den Erdgeschossräumen des Museums zu sehen. Das Museum Küppersmühle findet man am Innenhafen am Philosophenweg 55 (Haupteingang). Mittwochs ist das Museum von 14 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis sonntags sowie feiertags von 11 bis 18 Uhr. Montags und dienstags ist Ruhetag. Der Eintritt kostet nur für die Wechselausstellungen 6 Euro, für das gesamte Haus (inkl. Wechselausstellung) 9 Euro. Ermäßigt sowie bei Gruppen ab 10 Personen zahlt man pro Person 4,50 Euro, Kinder und Schüler über sechs Jahren zahlen 2 Euro. Kinder unter sechs Jahren haben freien Eintritt, ebenso donnerstags alle Duisburger. Alle Ausstellungsräume des Museums sind auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich. Führungen durch die Sammlung sowie laufende Ausstellungen gibt es jeden Sonntag um 15 Uhr, aber auch nach Vereinbarung. Mehr Informationen gibt es auf den Internet-Seiten des Museums Küppersmühle für Moderne Kunst.

© 2015 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Buchpräsentation zur Finissage „Zeichen gegen den Krieg“ im Lehmbruck Museum in Duisburg

Erste Sonderausstellungen in diesem Jahr:
Neïl Beloufa und Wiebke Siem

Von Petra Grünendahl

Präsentation des Ausstellungskataloges zu "Zeichen gegen den Krieg" (v. l.): Thomas Buchardt (Kurator der Ausstellung), Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla und Verleger Michael WIenand vor Lehmbrucks "Der Gestürzte" (1915/16). Foto: Petra Grünendahl.

Präsentation des Ausstellungskataloges zu „Zeichen gegen den Krieg“ (v. l.): Thomas Buchardt (Kurator der Ausstellung), Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla und Verleger Michael WIenand vor Lehmbrucks „Der Gestürzte“ (1915/16). Foto: Petra Grünendahl.

„Von gut 50 Büchern, die wir im Jahr verlegen, ist dieses eines der Wichtigsten“, kündigte der auf Kunst und Kultur spezialisierte Verleger Michael Wienand den neuen Ausstellungskatalog an. Pünktlich zur Finissage zur Ausstellung „Zeichen gegen den Krieg“ ist er fertig geworden: Am Sonntag, 1. Februar, wird er im Lehmbruck Museum präsentiert. Die Ausstellung zeigt 22 Künstler aus aller Welt, die sich in den letzten 100 Jahren mit dem Thema Krieg intensiv auseinander gesetzt haben. Die vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) geförderte Ausstellung lief im Rahmen der Reihe „1914 – Mitten in Europa. Das Rheinland und der erste Weltkrieg“. Unser Bericht …

Wilhelm Lehmbrucks "Die Kniende" (1911), Lehmbruck Museum Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Wilhelm Lehmbrucks „Die Kniende“ (1911), Lehmbruck Museum Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Noch bis zum 1. Februar 2015 läuft die überaus sehenswerte Ausstellung „Zeichen gegen den Krieg“ im Lehmbruck Museum. Zur Finissage am Sonntag wird es den Ausstellungskatalog zum Sonderpreis geben, danach regulär für 36 Euro. Hintergrundtexte geben Einblicke in das Schaffen der Künstler und ihre Werke, vertieft wird aber auch die Thematik. Künstler unterschiedlichster Herkunft haben mit den unterschiedlichsten Techniken und Kunstformen ihre persönlichen Erfahrungen mit Krieg verarbeitet. Auf 192 Seiten finden sich insgesamt 128 Abbildungen: Teils großformatig, zum Teil auch Detailaufnahmen der Kunstwerke, die ganz neue Blickwinkel ermöglichen. Das Buch ist im Lehmbruck Museum erhältlich (ISBN 978-3-86832-254-5).

Jubiläumsjahr ein Erfolg: Museum in der Stadt verankern

Antony Gormleys Skulptur LOSS im Rahmen der Reihe "Sculpture 21st" im Lehmbruck Museum in Duisburg

Antony Gormleys Skulptur LOSS im Rahmen der Reihe „Sculpture 21st“ im Lehmbruck Museum in Duisburg

Ein positive Fazit zog Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla für das vergangene Jahr: mit 29.300 Besuchern kamen im Jubiläumsjahr (50 Jahre Lehmbruck Museum) trotz zahlreicher Baustellen vor Ort mehr Besucher als im Vorjahr. So wurde der Lehmbruck-Trakt saniert, die Glashalle modernisiert und der Eingangsbereich zum Museum erneuert. Das hatte durchaus Besucher abgeschreckt. Nach Abschluss aller Arbeiten startet das Museum nun mit vielen Plänen für Sonderausstellungen ins neue Jahr. „Wir wollen das Museum in der Stadt verankern“, so Söke Dinkla. Die Glashalle im Norden des Gebäude-Ensembles, die sich in den Kantpark hinein öffnet, schafft mit immer wechselnden Ausstellungen die Verbindung nach draußen.

Wilhelm Lehmbrucks "Sitzender Jüngling" (1916/17) im Lehmbruck Museum Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Wilhelm Lehmbrucks „Sitzender Jüngling“ (1916/17) im Lehmbruck Museum Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Die Sonderausstellungen kündigte Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla zusammen mit den jeweils verantwortlichen Kuratoren in einem Pressegespräch an: Neïl Beloufas Installation „Being Rational“ macht im Rahmen eines Projektes „25/25/25“ der Kunststiftung NRW ab dem 21. Februar 2015 den Anfang. Mit dem Video „data for desire“ stellt er die Frage: Kann man die Gefühle zwischen zwei Menschen wissenschaftlich berechnen? Im Rahmen der Duisburger Akzente zum Thema „Heimat“ präsentiert sich Wiebke Siem ab dem 7. März zunächst mit einer Marionettenlandschaft in der Glashalle, dann auch mit zusätzlichen im Anbau.

Wilhelm Lehmbrucks "Mutter und Kind" (1907) im Lehmbruck Museum Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Wilhelm Lehmbrucks „Mutter und Kind“ (1907) im Lehmbruck Museum Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Ab dem 15. Mai beteiligt sich auch das Lehmbruck Museum an „China 8“ mit zeitgenössischer Kunst aus China an Rhein und Rhein – in acht Städten in neun beteiligten Museen. Am 3. September startet die „Black Box“, ein Spiel mit Wahrnehmung und Deutung, für die die Kunstvermittlung des Museums verantwortlich zeichnet und die bis Ostern 2016 laufen soll. Letzte Ausstellungseröffnung des Jahres 2015 ist am 3. Oktober mit „Wahlverwandtschaften“ die Präsentation Duisburger Künstler und junger Talente. Für die Teilnahme von Künstlern an dieser Ausstellung wird es eine Ausschreibung geben, auf die sich Kreative aus der Region bewerben können.

Öffnungszeiten und Eintrittspreise
Mittwochs bis samstags ist das Museum ab 12 Uhr geöffnet, sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 8 Euro, ermäßigt 5 Euro. Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Schulklassen und Kindergärten pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte gibt es für 15 Euro.

Wilhelm Lehmbrucks "Die Kniende" (1911), Lehmbruck Museum Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Wilhelm Lehmbrucks „Die Kniende“ (1911), Lehmbruck Museum Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Weitere Informationen gibt es unter tickets@lehmbruckmuseum.de, Telefon 0203 / 283-2195 oder www.lehmbruckmuseum.de.
(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70%), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen mit Sozialhilfebezug.

© 2015 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Duisburger Preis für Toleranz und Zivilcourage 2015 für Engagement in der Flüchtlingshilfe

Preisträgerinnen sind Stimme und Gesicht der Schutzsuchenden: Regina Scheurer und Cornelia Spitzlei
Von Petra Grünendahl

Werden geehrt für ihr beispielhaftes Engagement in der Flüchtlingshilfe in Duisburg (v.l.): Die Preisträgerinnen Cornelia Spitzlei (Deutsches Rotes Kreuz Duisburg) und Regina Scheurer (Diakonischen Werk Duisburg). Foto: Petra Grünendahl.

Werden geehrt für ihr beispielhaftes Engagement in der Flüchtlingshilfe in Duisburg (v.l.): Die Preisträgerinnen Cornelia Spitzlei (Deutsches Rotes Kreuz Duisburg) und Regina Scheurer (Diakonischen Werk Duisburg). Foto: Petra Grünendahl.

„Als man mich 1989 im Vorstellungsgespräch fragte, warum ich bei der Diakonie anfangen wollte, habe ich gesagt, dass ich mich für politisch Verfolgte und bedrohte Menschen einsetzen wolle“, erzählte Scheurer. Sie blickt ebenso wie ihre Co-Preisträgerin Cornelia Spitzlei auf über 25 Jahre in der Hilfe für Flüchtlinge und Asylsuchende zurück. „Mit der faktischen Abschaffung des Asylrechts 1993 ist unsere Arbeit schwieriger geworden“, sagte Preisträgerin Regina Scheurer in ihrer Dankesrede. „Seitdem ist es ein Problem, Verfolgten einen Aufenthaltstitel zu besorgen.“ Asyl bekommt laut Grundgesetz nur gewährt, wer mit dem Flugzeug aus seinem Heimatland nach Deutschland einreist. Andere Schutzsuchende werden bestenfalls geduldet. Dennoch versuchen die beiden Preisträgerinnen, in jedem Einzelfall pragmatisch das Machbare für Schutzsuchende herauszuholen.

Oberbürgermeister Sören Link, Angelika Wagner (Vorsitzende DGB Niederrhein), Pfarrer Armin Schneider (Sprecher des Bündnisses für Toleranz und Zivilcourage), Preisträgerin Regina Scheurer, Rainer Bischoff MdL, Preisträgerin Cornelia Spitzlei, Laudator Manfred Rekowski (Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland). Foto: Petra Grünendahl.

Oberbürgermeister Sören Link, Angelika Wagner (Vorsitzende DGB Niederrhein), Pfarrer Armin Schneider (Sprecher des Bündnisses für Toleranz und Zivilcourage), Preisträgerin Regina Scheurer, Rainer Bischoff MdL, Preisträgerin Cornelia Spitzlei, Laudator Manfred Rekowski (Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland). Foto: Petra Grünendahl.

Zum 14. Mal verlieh das Bündnis für Toleranz und Zivilcourage den „Duisburger Preis für Toleranz und Zivilcourage“ im Gemeindesaal der Jüdischen Gemeinde im Innenhafen. „Die Probleme im Vorfeld der Einrichtung eines Landesasyls im ehemaligen St.-Barbara-Hospital in Neumühl haben uns veranlasst, in diesem Jahr jemanden zu ehren, der sich langjährig für Flüchtlinge und Asylbewerber einsetzt“, erklärte Angelika Wagner, DGB-Vorsitzende in Duisburg und Geschäftsführerin des Bündnisses. „Dass viele Vorschläge eingereicht wurden, heißt zwar, dass wir viele aussortieren mussten. Aber es zeigt auch, dass wir viele engagierte Menschen in Duisburg haben.“ Diese Ehrung sei stellvertretend für alle, die sich hier engagieren, so Laudator Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Die Preisträgerinnen Cornelia Spitzlei (Deutsches Rotes Kreuz Duisburg, links) und Regina Scheurer (Diakonischen Werk Duisburg, rechts). Im Hintergrund: Armin Schneider und Angelika Wagner. Foto: Petra Grünendahl.

Die Preisträgerinnen Cornelia Spitzlei (Deutsches Rotes Kreuz Duisburg, links) und Regina Scheurer (Diakonischen Werk Duisburg, rechts). Im Hintergrund: Armin Schneider und Angelika Wagner. Foto: Petra Grünendahl.

Beide Preisträgerinnen sind seit über 25 Jahren in der Flüchtlingshilfe tätig: die eine beim Diakonischen Werk Duisburg, die andere beim Deutschen Roten Kreuz – und beide über ein berufliches Maß weit hinaus: „Sie sind Stimme und Gesicht als Anwältinnen für Schutzsuchende“, so Wagner. „Sie kümmern sich in beispielhafter Weise um Menschen, die in ihrer Heimat verfolgt und ausgegrenzt wurden.“ Sie kümmern sich im Team mit eigenen Mitarbeitern und Ansprechpartnern zum Beispiel beim kommunalen Einrichtungen darum, dass Flüchtlinge die Hilfe bekommen, die sie brauchen und ihre rechtlichen, sozialen und medizinischen Bedürfnisse erfüllt werden. Wer aus Kriegsgebieten kommt, ist häufig traumatisiert. Es gibt Ansprechpartner bei unterschiedlichsten Stellen, die für Flüchtlinge zuständig sind. Hier helfen Scheurer und Spitzlei mit Fachkenntnissen, aber auch Empathie und Einfühlungsvermögen, in einer Bürokratie, die wenig Rücksicht darauf nimmt, ob Hilfesuchende beispielsweise der Landessprache mächtig sein.

Verdrängen und Vergessen löst Probleme nicht

Die Preisträgerinnen Cornelia Spitzlei (Deutsches Rotes Kreuz Duisburg, links) und Regina Scheurer (Diakonischen Werk Duisburg, rechts). Foto: Petra Grünendahl.

Die Preisträgerinnen Cornelia Spitzlei (Deutsches Rotes Kreuz Duisburg, links) und Regina Scheurer (Diakonischen Werk Duisburg, rechts). Foto: Petra Grünendahl.

„Wer gegen Menschen hetzt, Schutzlose verfolgt und ausgrenzt, verteidigt nicht das christliche Abendland“, bezog Laudator Rekowski wie andere Redner auch Stellung gegen Hetze und Fremdenfeindlichkeit. „Es ist gut, dass wir gleich am Anfang hier in Duisburg ein Zeichen gesetzt haben“, so Sören Link zur Demonstration auf dem König-Heinrich-Platz in der letzten Woche. „Wir sind dafür verantwortlich, dass es nicht wieder passiert! Das Gefährliche am Wolf im Schafspelz ist nicht der Wolf: Wir müssen ihm den Schafspelz runterreißen und dem Wolf entgegentreten“, forderte der Oberbürgermeister. Willkommenskultur lebe von Menschen, die sich engagieren, so Rekowski. „Wir müssen uns gegen Antisemitismus, Islamfeindlichkeit und Ausgrenzung wehren“, erklärte Pfarrer Armin Schneider, Sprecher des Bündnisses für Toleranz und Zivilcourage, das ein solches Engagement mit diesem Preis ehrt.

Gute Tradition an einem Tag des Gedenkens

Die Gelsenkirchener Swingfoniker unter der Leitung von Lutz Peller gaben der Veranstaltung einen angemessenen und würdigen Rahmen. Foto: Petra Grünendahl.

Die Gelsenkirchener Swingfoniker unter der Leitung von Lutz Peller gaben der Veranstaltung einen angemessenen und würdigen Rahmen. Foto: Petra Grünendahl.

Der „Preis für Toleranz und Zivilcourage“ wird jährlich am Holocaust-Gedenktag (Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945) verliehen. Traditionell findet diese Preisverleihung bei der Jüdischen Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen im Innenhafen statt. Ebenfalls Tradition hat mittlerweile die Gestaltung des musikalischen Rahmenprogramms durch die Gelsenkirchener Swingfoniker unter der Leitung von Lutz Peller. Musikalisch anspruchsvoll und vielfältig gaben sie der Veranstaltung eine würdigen Rahmen.

© 2015 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Bündnis für Toleranz und Zivilcourage: Wir sind Duisburg!

Bunte Vielfalt in unserer Stadt – 365 Tage im Jahr
Von Petra Grünendahl

„Wir haben unsere Position markiert mit unserer Großveranstaltung letzten Montag. Das müssen wir nicht jede Woche wiederholen“, erklärte Stadtdechant Bernhard Lücking von der Katholischen Kirche. „Wir sind Duisburg! Und das nicht nur montags, sondern 365 Tage im Jahr“, zeigte Angelika Wagner die Richtung auf, die das Bündnis für Toleranz und Zivilcourage gegen Aufmärsche von islamfeindlichen Gruppen einschlägt. „Menschen hier müssen nicht jeden Montag beweisen, dass sie für Vielfalt sind.“ Viele Duisburger bewiesen dies täglich: „Und wir sollten zeigen, was wir hier haben.“

Christian Ladda (Stadtjugendring), Angelika Wagner (Vorsitzende des DGB Niederrhein) und Pfarrer Armin Schneider (Ev. Kirchenkreis Duisburg und Sprecher des Bündnisses für Toleranz und Zivilcourage). Foto: Petra Grünendahl.

Christian Ladda (Stadtjugendring), Angelika Wagner (Vorsitzende des DGB Niederrhein) und Pfarrer Armin Schneider (Ev. Kirchenkreis Duisburg und Sprecher des Bündnisses für Toleranz und Zivilcourage). Foto: Petra Grünendahl.

„Wir wollen deutlich machen, wofür Duisburg steht“, erklärte Pfarrer Armin Schneider, Sprecher des Bündnisses für Toleranz und Zivilcourage, die Intention der Kampagne, die unter dem Motto steht „Wir sind Duisburg! – 365 Tage im Jahr“. Duisburg stehe für gelebte Vielfalt, dass müsse aber in der Stadtgesellschaft viel deutlicher gemacht werden. „Wir wissen, dass hier nicht alles Gold ist, aber es gibt viele positive Beispiele.“ Dafür ruft das Bündnis zu einer Veranstaltungsreihe auf, die vor allem mehr Transparenz und Offenheit aller gesellschaftlichen Gruppen transportieren soll. Viele Veranstaltungen, die sich hier einreihen könnten, gibt es schon. Aber auch neue Veranstaltungen sind willkommen. Sie müssen aber über „eingeweihte“ Kreise hinaus beworben werden. Über das Bündnis für Toleranz und Zivilcourage könnten sie die nötige Öffentlichkeit bekommen.

Rainer Bischoff, MdL, und Stadtdechant Bernhard Lücking von der Katholischen Kirche. Foto: Petra Grünendahl.

Rainer Bischoff, MdL, und Stadtdechant Bernhard Lücking von der Katholischen Kirche. Foto: Petra Grünendahl.

„Viele kleine Veranstaltungen sind zwar mühsam, aber wirkungsvoller“, so Stadtdechant Lücking. Organisationen und Vereine, die sich dieser Veranstaltungsreihe zur Vielfalt in unserer Stadt anschließen und sich mit eigenen Events beteiligen wollen, können sich mit dem Landtagsbüro vom Rainer Bischoff, MdL, in Verbindung setzen, wenn sie Unterstützung zum Beispiel für Presseinformationen oder deren Aussendung brauchen – überhaupt: wenn sie einen größeren Interessentenkreis ansprechen wollen. Sein Büro im Düsseldorfer Landtag ist unter der Telefonnummer 0211 / 884-2700 zu erreichen (oder per Fax 0211 / 884-3191).

Buntes Duisburg aus der Mitte der Gesellschaft
Künftige Großveranstaltungen will das Bündnis nicht ausschließen. Ostermontag nannte Armin Schneider als einen möglichen Termin: Hier – ebenso wie beim großen Ökumenischen Gottesdienst am 1. Februar, wo Michael Rubinstein, Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen, die Ansprache hält – über die Grenzen von Glaubensgemeinschaften hinweg: „Eingeladen sind alle, die unsere Meinung [über die Vielfalt in unserer Stadt] teilen, wenn auch nicht unbedingt unseren Glauben“, so Lücking. So, wie Bürger aus der Mitte der Gesellschaft am letzten Montag auf dem König-Heinrich-Platz demonstriert haben: „Wir sind Duisburg!“ – Menschen aller Glaubensrichtungen, Menschen unterschiedlichster Herkunft: für ein buntes Duisburg. Wir haben hier gelebte Vielfalt, die einfach mehr Öffentlichkeit braucht!

Islamhasser: Alter Wein in neuen Schläuchen

Pressekonferenz des Bündenisses für Toleranz und Zivilcourage (v. l.): Christian Ladda (Stadtjugendring), Angelika Wagner (Vorsitzende des DGB Niederrhein), Pfarrer Armin Schneider (Ev. Kirchenkreis Duisburg und Sprecher des Bündnisses für Toleranz und Zivilcourage), Rainer Bischof, MdL, und Stadtdechant Bernhard Lücking (Katholische Kirche). Foto: Petra Grünendahl.

Pressekonferenz des Bündenisses für Toleranz und Zivilcourage (v. l.): Christian Ladda (Stadtjugendring), Angelika Wagner (Vorsitzende des DGB Niederrhein), Pfarrer Armin Schneider (Ev. Kirchenkreis Duisburg und Sprecher des Bündnisses für Toleranz und Zivilcourage), Rainer Bischof, MdL, und Stadtdechant Bernhard Lücking (Katholische Kirche). Foto: Petra Grünendahl.

„Die Gruppen, die hier montags aufmarschieren, sind ja nicht neu“, so Rainer Bischoff: „Die [rechtsradikale] Aachener Kameradschaft hat sich nur ein neues Schild umgehängt, wenn sie hier anreisen.“ Ähnliches gilt für die Gruppierungen der Dortmunder Neonazi-Szene, die vergangenen Montag hier in Truppenstärke aufmarschiert sind.
Auch wenn das Bündnis für Toleranz und Zivilcourage mit regelmäßigen Demonstrationen auch regelmäßig ein Vielfaches der Islamhasser auf die Beine kriegen würde, stärkt es die Stadtgesellschaft ungleich mehr, die Vielfalt und Gemeinsamkeiten aller Duisburger zu erkennen und herauszustellen. Der „Stern der Vielfalt“ wird leuchten: Dem haben die Islamhasser nichts entgegen zu setzen.

© 2015 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Ballett am Rhein: Martin Schläpfers b.22 feierte Premiere im Theater Duisburg

Episoden von Emotionen und Träumen,
vom Innenleben und dem Verborgenen

Von Petra Grünendahl

Martin Schläpfer: verwundert seyn – zu sehn – Ann-Kathrin Adam, Marcos Menha, Chidozie Nzerem Foto: © Gert Weigelt.

Martin Schläpfer: verwundert seyn – zu sehn – Ann-Kathrin Adam, Marcos Menha, Chidozie Nzerem Foto: © Gert Weigelt.

Der Tänzer (Marcos Menha) ist zunächst hin und her gerissen zwischen seinem eigenen dunklen Alter Ego (Chidozie Nzerem) und einem lichten befreienden Geist (Ann-Kathrin Adam). Er flüchtet sich in Träumereien und Illusionen, die er mit anderen Tänzern auslebt. Wo er zum Spielball seiner Bedürfnisse wird, bevor er in sein eigenes Ich zurückfindet – und zu seinem dunklen Alter Ego. Um die Episoden seiner „getanzten Erzählung“ musikalisch zu untermalen, wählte Schläpfer drei Stücke von zwei unterschiedlichen Komponisten aus. Eingerahmt von den eher experimentellen Sonaten Nr. 6 und Nr. 10 des russischen Komponisten und Pianisten Alexander Skrjabin (1872 – 1915) ist ein beschwingter früher Walzer von Franz Liszt (1811 – 1886). Als instrumentelle Begleitung seiner Tänzer hatte Schläpfer den weißrussischen Pianisten Denys Proshayev gewonnen, dessen Anschlag ganz hervorragend mit dem Tanz harmoniert.

Martin Schläpfer: verwundert seyn – zu sehn – Helen Clare Kinney, Marcos Menha, Christine Jaroszewski, Ann-Kathrin Adam (hinten) Foto: © Gert Weigelt.

Martin Schläpfer: verwundert seyn – zu sehn – Helen Clare Kinney, Marcos Menha, Christine Jaroszewski, Ann-Kathrin Adam (hinten) Foto: © Gert Weigelt.

Martin Schläpfers Choreografie „verwundert seyn – zu sehn“ erlebte im Rahmen des Ballettabends b.22 eine begeistert gefeierte Uraufführung im Theater Duisburg. Ein Ballettabend ohne Orchester, mit reduzierter musikalischer Begleitung und ebenso zurückhaltenden, teils sehr reduzierten Bühnenbildern. Auf gute zwei eindreiviertel Stunden ist der Ballettabend angelegt, unterbrochen werden die drei Stücke von zwei Pausen.
Der Titel des ersten Teils, „verwundert seyn – zu sehn“ stammt aus einem Zitat aus Arthur Schopenhauers „Parerga und Paralipomena“ (dt. „Beiwerke und Nachträge“), einer Sammlung von philosophischen Texten zu den verschiedensten Themen. Dieses Textfragment – „verwundert seyn – zu sehn“ – inspirierte Schläpfer zu seiner Erzählung vom Leben und Träumen.

Martin Schläpfer: ein Wald, ein See – Ensemble Foto: © Gert Weigelt.

Martin Schläpfer: ein Wald, ein See – Ensemble Foto: © Gert Weigelt.

Mysterium der Tiefe
„Ein Wald, ein See“ – sind Flächen, Horizonte, von unergründlicher Tiefe. Wellenförmig geformte Metallstangen schweben über der Bühne, wie Wellen auf dem Wasser. Dünne Stäbe halten sie von oben: ein Wald, ein See. Die Tänzer auf der Bühne: in den dunklen Tiefen des Sees, in der Dunkelheit des tiefsten Waldes. Martin Schläpfer hatte in seiner Zeit als Ballettdirektor in Mainz den britischen Musiker, Performer und Komponisten Paul Pavey gebeten, ihm die Musik für ein Ballett zu schreiben (2006 Uraufführung). Das Stück ist unkonventionell. Nicht leicht fällt auf Anhieb der Zugang. Man muss sich auf die Mystik der Klänge einlassen. Der Komponist selbst spielt hier sein Stück: Auf Instrumenten wie Fujara (slowakische Hirtenflöte), Wassertrommel, Flügelhorn, Trompete, Darabuka (arabische Bechertrommel), Hathway Saz (orientalische Langhalslaute), Klavier, Stimme und Electronics. Schläpfers Vorgaben an die Komposition spiegeln das Eindringen in die Tiefen und Mysterien von Wald und See, die Schläpfers Tänzer bildlich auf die Bühne zaubern.

Jerome Robbins: Moves © The Jerome Robbins Rights Trust – Ensemble Foto: © Gert Weigelt.

Jerome Robbins: Moves © The Jerome Robbins Rights Trust – Ensemble Foto: © Gert Weigelt.

A Ballet in Silence
Eingerahmt von seinen eigenen Choreografien hat Schläpfer Jerome Robbins’ „Moves“, das ganz ohne Musik auskommt. Dem amerikanischen Choreografen war nichts anderes übrig geblieben, denn Auftragskomponist Aaron Copland hatte ihn schlichtweg im Stich gelassen. Seine Choreografie für sein „Ballett: USA“ und die Tournee durch Europa erarbeitete er mit den Tänzern zunächst ganz ohne Musik. Nur mit den Vorgaben im Kopf, die er dem Komponisten gemacht hatte. Erste Entwürfe stellte Copland dann aber erst kurz vor der Abfahrt vor: Sie passten so gar nicht zu dem, was Robbins mit seiner 16-köpfigen Compagnie einstudiert hatte. Da verzichtete er lieber ganz auf eine akustische Begleitung.

Jerome Robbins: Moves © The Jerome Robbins Rights Trust – Ensemble Foto: © Gert Weigelt.

Jerome Robbins: Moves © The Jerome Robbins Rights Trust – Ensemble Foto: © Gert Weigelt.

Ohne Musik, ein minimalistisches Bühnenbild: die Tänzer ziehen ihren Rhythmus aus der Bewegung ihrer Körper, den Geräuschen des Tanzes auf der Bühne. Ohne Musik ist nicht leise! Dennoch eine Herausforderung für die Tänzer, aber die harmonischen Bewegungen und fließende Interaktion verraten: es fehlt nichts.

 
********************
 
Weitere Termine im Theater Duisburg:
So | 25. Januar 2015 | 18:30 Uhr,
Fr | 30. Januar 2015 | 19:30 Uhr,
Do | 5. Februar 2015 | 19:30 Uhr,
Sa | 7. Februar 2015 | 19:30 Uhr und
Mi | 11. Februar 2015 | 19:30 Uhr.
Im Mai und Juni 2015 kommt das Ballett b.22 nach Düsseldorf.

Martin Schläpfer: ein Wald, ein See – Julie Thirault, Andriy Boyetskyy Foto: © Gert Weigelt.

Martin Schläpfer: ein Wald, ein See – Julie Thirault, Andriy Boyetskyy Foto: © Gert Weigelt.

Karten gibt es im Opernshop an der Düsseldorfer Straße 5 – 7 (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 19 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr) oder unter Telefon 0203 / 9407777. Die Abendkasse öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten zwischen 16,10 und 56,00 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man hier.
Martin Schläpfer: ein Wald, ein See – Sachika Abe, Rashaen Arts, Ann-Kathrin Adam, Michael Foster Foto: © Gert Weigelt.

Martin Schläpfer: ein Wald, ein See – Sachika Abe, Rashaen Arts, Ann-Kathrin Adam, Michael Foster Foto: © Gert Weigelt.

© 2015 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Gert Weigelt, Köln / Deutsche Oper am Rhein

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Polizeichor Duisburg übergibt Spendenerlös an den VKM in Wanheimerort

Gelebte Inklusion: Kindern mit und ohne Behinderung
ein Stück Normalität geben

Von Petra Grünendahl

„Behinderte Kinder kennen ihre Stadt nicht. Es wird ein Riesenabenteuer für sie, wenn sie in unseren Projektwochen mit der Straßenbahn in die Stadt fahren“, erzählte Petra Wosnitzka, Pressesprecherin des VKM Verein für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderungen Duisburg e. V. In die Projektwochen in den Osterferien unter dem Motto „Duisburg – meine Stadt!“ fließt der Spendenerlös, den der Polizeichor Duisburg bei seinem Weihnachtskonzert im Dezember gesammelt hatte. Zwei Gruppen von jeweils zwanzig Kindern im Grundschulalter (zehn mit Behinderung, zehn ohne) werden dabei betreut, beschäftigt und gefördert.

Übergeben den Scheck über 4.500 Euro im Sparschwein (v.r.): Lothar Herrmann (Schatzmeister Polizeichor Duisburg) und Horst Fiedler (2. Vorsitzender Polizeichor Duisburg) mit Manfred Lücke (Stv. Vorsitzender VKM) und Anette Käbe (VKM-Geschäftsführerin). Foto: Petra Grünendahl.

Übergeben den Scheck über 4.500 Euro im Sparschwein (v.r.): Lothar Herrmann (Schatzmeister Polizeichor Duisburg) und Horst Fiedler (2. Vorsitzender Polizeichor Duisburg) mit Manfred Lücke (Stv. Vorsitzender VKM) und Anette Käbe (VKM-Geschäftsführerin). Foto: Petra Grünendahl.

Alle zwei Jahre sammelt der Polizeichor Duisburg 1928 e. V. bei seinem traditionellen Weihnachtskonzert Spenden für einen wohltätigen Zweck. Im Dezember 2014 sammelten die Sänger für den VKM, der in seinem Tageshaus an der Neuenhofstraße 61 (Wanheimerort, neben den Werkstätten der Deutschen Oper am Rhein) Kinder mit und ohne Behinderungen gemeinsam betreut. „Normalität herstellen“ ist das Ziel der Einrichtung: für Behinderte wie Nichtbehinderte, die erleben, dass der Umgang mit Behinderten etwas ganz normales sein kann. Gelebte Inklusion halt! Zielgruppe sind in erster Linie Kinder im Grundschulalter sowie deren Familien – in ganz Duisburg. Der Spendenerlös des Abends betrug etwas über 4.000 Euro. Die Sänger des Polizeichores haben diesen Betrag auf 4.500 Euro aufgestockt. Horst Fiedler und Lothar Herrmann übergaben für den Polizeichor den Spendenscheck an Anette Käbe und Manfred Lücke vom VKM.

Projekte bringen Kinder mit und ohne Behinderung einander näher
Mit ihren zahlreichen Projekten über das Jahr verteilt ist der VKM auch immer wieder auf Spenden angewiesen, weil sie allein von Mitgliedsbeiträgen, Teilnahmegebühren oder auch Fördermitteln nicht zu bestreiten sind. Teilnahmegebühren liegen im sehr sozialen Bereich. Für Projekttage oder –wochen liegen sie bei 15 Euro pro Kind am Tag. Das ist natürlich nicht kostendeckend – auch weil der Betreuungsbedarf unter Umständen recht hoch ist. „Planen können wir solche Projekte immer erst, wenn die Anmeldungen feststehen“, so Anette Käbe, Geschäftsführerin des VKM. „Erst dann wissen wir, mit welchem Personal wir planen müssen.“ Zehn behinderte und zehn nicht behinderte Kinder werden in einer Gruppe betreut. Wobei Kinder mit Rollstühlen das geringste Problem darstellen. „Wenn eine Zehnjährige dann bei einer Exkursion partout nicht aus der Straßenbahn aussteigen will, dann muss halt ein Betreuer mit ihr weiterfahren“, so Wosnitzka.

Auch Kinder mit einem unterentwickelten Gefahrenbewusstsein binden Kräfte, die ein Auge darauf behalten müssen: „Solche Kinder klettern auf einem Baum und meinen, sie könnten aus vier Meter Höhe runterspringen.“ Dieser Betreuungsbedarf muss eingeplant werden, wenn man mit der Gruppe „Meine Stadt“ erkunden will. Neben den Erkundungsfahrten stehen gemeinsames spielen, basteln, singen, musizieren, kochen und essen, tanzen und toben auf dem Programm. Weitere Projektwochen dieser Art gibt es in den Sommer- und Herbstferien. Projekttage bietet der VKM an Brückentagen, wo speziell berufstätige Mütter mit Grundschulkindern einen Bedarf haben, ihre Kinder gut unterzubringen.

Ein paar von insgesamt 10.000 Enten, die beim Entenrennen zum Innenhafenfest zur Unterstützung des VKM. Die große Ente rechts ist eine noch nicht gestaltete Promi-Ente. Foto: Petra Grünendahl.

Ein paar von insgesamt 10.000 Enten, die beim Entenrennen zum Innenhafenfest zur Unterstützung des VKM. Die große Ente rechts ist eine noch nicht gestaltete Promi-Ente. Foto: Petra Grünendahl.

Entenrennen im Innenhafen
Wer die Projekte des VKM unterstützen möchte, kann dies auch in diesem Jahr wieder beim Entenrennen auf dem Innenhafenfest (mit Drachenboot-Funregatta) vom 12. bis 14. Juni tun. Das Startgeld für eine Ente kostet 2 Euro, wer gleich drei ins Rennen schicken will, zahlt 5 Euro. Promi-Enten kosten 100 Euro und sind dafür größer. Der Polizeichor hat sich schon seine Ente gesichert und muss sie nur noch ausstaffieren. Schließlich gibt es nicht nur für die schnellste, sondern auch für die schönste Ente einen Preis. Sponsoren für die Preise werden ebenso noch gesucht wie ehrenamtliche Helfer vor Ort. Wer den VKM beim Entenrennen unterstützen will, findet hier weitere Informationen (pdf zum Download).

© 2015 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Schadensersatzklage wegen Umsatzeinbußen nach der Loveparade 2010

Baustoffhandel beklagt Unzugänglichkeit des Firmengeländes

An der Rampe zum Alten Güterbahnhof in Duisburg (Zugang zum Loveparade-Gelände 2010)Die Betreiberin eines Baustoffhandels in Duisburg verlangt von der L. GmbH als Veranstalterin der Loveparade im Jahre 2010 Schadensersatz wegen angeblich erlittener Umsatzeinbußen. Ihr Firmengelände sei nach den tragischen Ereignissen bei der Veranstaltung nicht mehr ungehindert zu erreichen gewesen, weil der Tunnel an der Karl-Lehr-Straße für sechs Wochen gesperrt worden sei. Ihren Schaden beziffert die Klägerin auf knapp 34.500,00 Euro.
Der Rechtsstreit wird am Freitag, 23. Januar 2015, um 9 Uhr vor der 6. Zivilkammer des Landgerichts Duisburg verhandelt.

Nachtrag vom Landgericht Duisburg:
Verhandlungstermin aufgehoben

Im Zivilverfahren zwischen der Betreiberin eines Baustoffhandels in Duisburg und der L. GmbH als Veranstalterin der Loveparade haben die Parteien heute das Ruhen des Verfahrens beantragt. Die Kammer hat dem Antrag entsprochen.
Der für Freitag, 23. Januar 2015, um 9 Uhr, anberaumte Verhandlungstermin findet daher nicht statt.
Die Parteien wollen Vergleichsverhandlungen führen.

– Presseinformationen des Landgerichts Duisburg –
Foto: Petra Grünendahl

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50 Jahre Universitätsorchester Duisburg-Essen mit ganz besonderem Festkonzert

Mitreißende Geburtstagsparty mit musikalischen Leckerbissen
Von Petra Grünendahl

„Ein Anschlag am Schwarzen Brett fragte: Wer möchte Kammermusik machen? Zu siebt haben wir angefangen, schon nach vier Wochen waren wir 16 Musiker“, erzählte Dr. Eve-Marie Hett, mittlerweile Dermatologin im Ruhestand. Als Medizinstudentin hatte sie sich im Wintersemester 1964/65 mit einigen Kommilitonen an der neuen Medizinischen Fakultät in Essen – die Universität kam erst später* – zusammengetan, gemeinsam klassische Musik zu machen. „Als wir größer wurden, übernahm ein Kommilitone, der vor Medizin sieben Semester Cello studiert hatte, das Dirigieren.“ Von den Sieben der ersten Stunde ist Evi Hett als einzige noch dabei: als erste Geige.

Das Uniorchester 2014 in der Philharmonie Essen. Fato: UDE.

Das Uniorchester 2014 in der Philharmonie Essen. Fato: UDE.

Kündigen das Festkonzert des Univeristätsorchesters Duisburg-Essen an (v.l.): Prof. Patricia Martin (Musical-Dozentin Folkwang-Universität der Künste), Dr. Eve-Marie (Evi) Hett (Gründungsmitglied des Uniorchesters), Prof. Oliver Leo Schmidt (Dirigent des Uniorchesters und Dozent für Dirigieren an der Folkwang-Universität), Prof. Dr. Eberhard Passarge (Musikbeauftragter der Universität Duisburg-Essen) und Karoline Hoell (Verwaltungsleiterin Theater Duisburg). Foto: Petra Grünendahl.

Kündigen das Festkonzert des Univeristätsorchesters Duisburg-Essen an (v.l.): Prof. Patricia Martin (Musical-Dozentin Folkwang-Universität der Künste), Dr. Eve-Marie (Evi) Hett (Gründungsmitglied des Uniorchesters), Prof. Oliver Leo Schmidt (Dirigent des Uniorchesters und Dozent für Dirigieren an der Folkwang-Universität), Prof. Dr. Eberhard Passarge (Musikbeauftragter der Universität Duisburg-Essen) und Karoline Hoell (Verwaltungsleiterin Theater Duisburg). Foto: Petra Grünendahl.

Das Universitätsorchester Duisburg-Essen hat sich in den fünfzig Jahren zu einer heute 92 Musiker starken Truppe entwickelt. Unter ihrem Dirigenten Prof. Oliver Leo Schmidt, der an der Folkwang-Universität der Künste unterrichtet, gibt es jetzt seit zehn Jahren das „Festkonzert der Universität Duisburg-Essen“ zum Abschluss des Wintersemesters. Gespielt wird in der Philharmonie Essen und im Theater Duisburg sowie in der Zeche Zollverein. Im Jahr 2002 hatte der Folkwang-Professor das Orchester als Dirigent übernommen. Unter ihm hat es sich zu einer herausragenden Klangformation entwickelt, die sich auch hinter professionellen Orchestern nicht verstecken braucht, obwohl Schmidt betont: „Wir machen den professionellen Orchestern keine Konkurrenz.“ Dafür kommt hier immer wieder auch Musik zur Aufführung, die man sonst nicht hört.

Siegfried Scheytt und Oliver Schmidt haben das Orchester geprägt

Von 1971 bis 2000  spielt das Uniorchester im Audimax des Essener Klinikums. Dirigent ist Siegfried Scheytt. Foto: UDE.

Von 1971 bis 2000 spielt das Uniorchester im Audimax des Essener Klinikums. Dirigent ist Siegfried Scheytt. Foto: UDE.

Siegfried Scheytt, ehemaliger Folkwang-Student, Kantor und Organist an der Essener Kreuzeskirche, übernahm 1966 das „Collegium musicum“, wie es sich damals noch nannte, als Dirigent. Er führte es dreißig Jahre lang und baute es zum Sinfonieorchester aus. Ab 1971 probte und konzertierte das Orchester im Audimax des Uniklinikums Essen. Heute füllen Konzerte die Philharmonie, den größten Konzertsaal Essens, mit 1.900 Plätzen. Seit 2003 (mit Gründung der Universität Duisburg-Essen) spielt das Orchester auch im Theater Duisburg.

Prof. Oliver Leo Schmidt, Dirigent des Universitätsorchesters Dusiburg-Essen, lehrt an der Folkwang-Universität der Künste. Foto: UDE.

Prof. Oliver Leo Schmidt, Dirigent des Universitätsorchesters Dusiburg-Essen, lehrt an der Folkwang-Universität der Künste. Foto: UDE.

Für Prof. Oliver Leo Schmidt, der das Universitätsorchester 2002 als Dirigent übernahm, war es ein Sprung ins kalte Wasser: „Ich hatte bis dahin nur mit Profimusikern gearbeitet.“ Schnell überzeugten Schmidt, der an der Folkwang-Universität Dirigieren unterrichtet, die Hingabe und Begeisterung der Musiker: „Das fehlt manchen Profimusiker!“ Diese Begeisterungsfähigkeit, Lernbegierde und die Vielfältigkeit der Musiker, die auch allen möglichen Berufen kommen (es sind schon lange nicht mehr nur Medizinstudenten und Mediziner), spiegeln sich auch in den vielfältigen Programmen, die Dirigent Schmidt mit seinem Orchester erarbeitet. Drei Stunden wöchentliche Probe (dienstags im Audimax der Universität an der Segerothstraße in Essen)) sowie gelegentliche Probenwochenenden perfektionieren ein Universitätsorchester, welches bundesweit zu den besten seiner Art gehört. „Das Orchester ist absolut mitreißend – und da bin ich halt geblieben“, so Schmidt, dem seine Studenten und Musiker eine hohe Motivationsfähigkeit bescheinigen. Ein Zusammenspiel, was nicht nur für das Jubiläumskonzert, sondern auch für die Zukunft musikalische Höhepunkte erwarten lässt.

Eine mitreißende Geburtstagparty – Feiern sie mit!

Als Collegium musicium konzertiert das Orchester Mitte 1960er Jahre im Foyer der Essener Strahlenklinik. Foto: UDE.

Als Collegium musicium konzertiert das Orchester Mitte 1960er Jahre im Foyer der Essener Strahlenklinik. Foto: UDE.

Für das Jubiläumskonzert hat sich Oliver Schmidt die Unterstützung der Musical-Abteilung von Prof. Patricia Martin gesichert. Zwölf Folkwang-Studenten werden zusammen mit dem Orchester für Ausschnitte aus Leonard Bernsteins Musical „On the Town“ auf der Bühne stehen. Obwohl die Rechte-Inhaber der Bernstein-Werke konzertanten Veranstaltungen sehr restriktiv gegenüber stehen, war es dem Orchester gelungen, die Erlaubnis für einen zwanzigminütigen Auszug aus dem Musical zu bekommen. „Für meine Studenten ist das eine wundervolle Möglichkeit, mal mit einem großen Orchester aufzutreten“, begeisterte sich die Musikpädagogin.
Neben Leonard Bernstein stehen der zeitgenössische amerikanische Komponist John Adams (*1947) mit „Lollapalooza“ für großes Orchester, Auszüge aus Sergej Prokofjews Ballettsuiten „Romeo und Julia“ sowie Maurice Ravels „Bolero“ auf dem Programm. Hier geht es zum aktuellen Programm des Universitätschores …

Konzerttermine:
1. Februar 2015, 16 Uhr, im Theater Duisburg.
8. Februar 2015, 11 Uhr, in der Philharmonie Essen.
22. Februar 2015, 17 Uhr, in der Zeche Zollverein, Halle 12.

Vorverkauf:
Theater Duisburg, Servicebüro Neckarstraße 1, Duisburg,
Telefon 0203 / 3009-100, servicebuero@theater-duisburg.de, bzw.
Theater und Philharmonie Essen, Huyssenallee 53, Essen,
Telefon 0201 / 8122-200, tickets@theater-essen.de.
Die Karten kosten in Duisburg 18 Euro (ermäßigt 7 Euro) und in Essen 18 bzw. 15 Euro (ermäßigt 7 Euro).

Mehr Infos zum Universitätsorchester Duisburg-Essen …

*) Die Gesamthochschulen in Essen und Duisburg, die sich 2003 zur Universität Duisburg-Essen zusammenschlossen, wurden beide 1972 gegründet.

© 2015 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (1), Universität Duisburg-Essen (4)

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Klares Zeichen gegen Rechts: „Euch braucht hier keiner – Wir sind Duisburg!“

Duisburg steht zusammen auf dem Opernplatz:
Ein starkes Wir-Gefühl!

Von Petra Grünendahl

"Wir sind Duisburg!" setzte auf dem Opernplatz ein kraftvolles Zeichen. Foto: Petra Grünendahl.

„Wir sind Duisburg!“ setzte auf dem Opernplatz ein kraftvolles Zeichen. Foto: Petra Grünendahl.


„Wir sind Duisburg! Wir lassen uns unsere Stadtgesellschaft nicht spalten“, erklärte Armin Schneider, Superintendent des Kirchenkreises Duisburg und Sprecher des Duisburger Bündnisses für Toleranz und Zivilcourage, vor dem Theater der Stadt Duisburg. Tausende Menschen auf dem Platz stimmten ihm zu. Wer oben zwischen den Säulen des Theaterportal stand, dem bot sich ein beeindruckendes Bild: Duisburg steht zusammen für ein friedliches Miteinander. Dem Aufrufs des Bündnisses waren Tausende von Menschen gefolgt, die dies hier nachdrücklich demonstrierten.

"Wir sind Duisburg!" setzte auf dem Opernplatz ein kraftvolles Zeichen. Foto: Petra Grünendahl.

„Wir sind Duisburg!“ setzte auf dem Opernplatz ein kraftvolles Zeichen. Foto: Petra Grünendahl.

Bis zu 4.000 Menschen stehen auf dem König-Heinrich-Platz vor dem Theater: Überwiegend Duisburger, aber auch Menschen aus dem Umland, die hier ein Zeichen setzen wollen für ein Miteinander, wie es in Duisburg schon immer gelebt wurde. Menschen aus 140 Nationen leben in Duisburg. Ein wenig spiegelte sich diese Vielfalt auch auf der Bühne wieder, wo nach der DGB-Vorsitzenden Angelika Wagner, Superintendent Armin Schneider und Oberbürgermeister Sören Link sowie Wolfgang Schmitz vom Unternehmerverband auch Ali Güzel, ThyssenKrupp-Betriebsrat und Trainer von Hamborn 07, der Integrationsratsvorsitzende Erkan Üstünay sowie Michael Rubinstein, Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Duisburg Mülheim Oberhausen, sprachen. Musikalisch rundeten das Blechbläserquintett der multinationalen Duisburger Philharmoniker (sie bliesen den Islamhassern den Marsch), der in Duisburg lebende amerikanischen Tenor der Deutschen Oper am Rhein, Corby Welch, sowie Peter Bursch das Programm ab.

Duisburger demonstrieren für Vielfalt und ein friedlches Miteinander. Foto: Petra Grünendahl.

Duisburger demonstrieren für Vielfalt und ein friedlches Miteinander. Foto: Petra Grünendahl.

„Wie dumm kann man eigentlich sein?“, fragte Michael Rubinstein. „Duisburg ist, was es ist, durch die, die gekommen sind und sich hier niedergelassen haben.“ Eine gelebte Vielfalt also, die von vielen als Bereicherung empfunden wird. „Es kann nicht sein, dass hier Menschen Angst haben müssen, in die Synagoge oder Moschee zu gehen“, so Rubinstein. Auch wenn Gewerkschaften eher selten mit Vertretern der Arbeitbeger Seite an Seite stehen: Hier standen beide für die gleichen Anliegen. Unternehmerverbands-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Schmitz hob die Bedeutung der Zuwanderung für die heimische Wirtschaft und ihre Entwicklung hervor: Gerade in Duisburger Betrieben spiele die Herkunft keine Rolle. Dass auch die „Gastarbeiter“ ihren Beitrag zum Wohlstand geleistet haben, betonte TK-Betriebsrat Ali Güzel. „Wir sind Duisburg! Wir lassen nicht zu, dass diese Stadt gespalten wird“, so Oberbürgermeister Sören Link, und „hier ist kein Platz für jene, die Ängste schüren oder gegen den Islam hetzen. Wir haben Probleme, aber die lösen wir hier gemeinsam.“ Duisburg stand hier für ein friedliches Miteinander: „ein kraftvolles, Mut machendes Zeichen“, schloss Link. „Vielen Dank!“

Mehrere Demonstrationen: Gemeinsam gegen Rechts

Rund 1.000 Menschen versammelte vor dem Hauptbahnhof das "Duisburger Netzwerk gegen Rechts". Foto: Petra Grünendahl.

Rund 1.000 Menschen versammelte vor dem Hauptbahnhof das „Duisburger Netzwerk gegen Rechts“. Foto: Petra Grünendahl.

Das Duisburger Netzwerk gegen Rechts hat am Hauptbahnhof eine Kundgebung mit gut 1.000 Teilnehmern auf die Beine gebracht, die sich gegen Islamhetze und Hassparolen lautstark zur Wehr setzen. Einige linke Autonome sollen nach Polizeiberichten vier Polizisten verletzt haben, als sie versuchten, Absperrungen zu rechten Demonstranten zu durchbrechen. Allerdings soll es nach Augenzeugenberichten auch Gewalt von „betrunkenen Hooligans“ gegeben haben, die ihrerseits mit Knüppeln auf Gegendemonstranten losgegangen seien. Die Polizei habe hier nicht eingegriffen, so die Organisatoren.

Duisburger demonstrieren für Vielfalt und ein friedlches Miteinander. Foto: Petra Grünendahl.

Duisburger demonstrieren für Vielfalt und ein friedlches Miteinander. Foto: Petra Grünendahl.

Eine Demonstration der „Initiative gegen Duisburger Zustände“ vor dem Kaufhof an der Düsseldorfer Straße verlieft weitgehend friedlich und störungsfrei, bis mehrere Polizisten in die Demonstrantenschar stürmten und – so die Aussage der Veranstalter – mit Schlagstöcken auf die Demonstranten einprügelten und die angemeldete und genehmigte Versammlung auseinander trieben. Das brutale Vorgehen gegen die Versammlungsteilnehmer habe der zuständige Kontaktbeamte der Polizei mit dem “Eifer des Gefechts” erklärt, berichtet die Initiative.[siehe auch Nachtrag unter Kommentare]

Rund 600 Menschen hat die islamfeindliche Pegida nach Duisburg gekarrt. Überwiegend von außerhalb: In 50-Mann-Stärke ist ein Trupp Hooligans aus Aachen angereist, auch die Dortmunder Neonazi-Szene ist bis hin zu Parteigrößen von NPD und „Die Rechte“ hier zahlenmäßig sehr gut vertreten. Duisburger finden sich allerdings kaum in ihren Reihen. Die zeigen lieber vor dem Stadttheater auf dem König-Heinrich-Platz Flagge!

© 2015 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Nein zu Hass und Gewalt im Namen der Religion! DIALOG JETZT ERST RECHT!

Stellungnahme des christlich-muslimischen Gesprächskreises Duisburg zu den terroristischen Attentaten in Paris und ihren Folgen für das Zusammenleben von Muslimen und Christen

Nein zu Hass und Gewalt im Namen der Religion!
DIALOG JETZT ERST RECHT!

Mit Fassungslosigkeit haben wir Kenntnis genommen von den in Paris verübten, dschihadistischen Attentaten, denen Menschen unterschiedlichster Weltanschauung zum Opfer gefallen sind. Wir sehen darin zugleich einen gewaltsamen Angriff auf die Meinungsfreiheit in einer offenen und religiös pluralen Gesellschaft.
Wir verurteilen auch die Art und Weise, wie nun andere Kritiker der offenen und religiös pluralen Gesellschaft, die wir u.a. in der PEGIDA-Bewegung, ihren Ablegern und rechtsextremen Zuarbeitern ausmachen, diese Anschläge ausnutzen, um Islamfeindlichkeit und ein Klima des Hasses zu schüren.

Die muslimischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer unseres Kreises werden schon längere Zeit mit anti-islamischen Ressentiments konfrontiert. Nach den terroristischen Attentaten von Paris befinden sie sich in einer bedrückenden Situation. Die durch nichts zu rechtfertigenden Morde in Frankreich (oder in Nigeria! Oder Syrien!) haben nichts mit ihrem Verständnis des Islam und ihrer Praxis zu tun, nach der sie hier in Deutschland ihr Leben gestalten. Dennoch werden sie ständig gedrängt, ihre Friedfertigkeit durch öffentliche Distanzierungen unter Beweis zu stellen. Diese Forderung wird zunehmend als Ausgrenzung erfahren. Das Misstrauen, das hinter solchen Forderungen steckt, erschwert das Zusammenleben im Alltag. Gerade auch jüngere Musliminnen und Muslime, die vielfach mit diskriminierenden Vorurteilen zu kämpfen haben, registrieren dies sehr genau. Ihre legitime Forderung nach gleichberechtigter Teilhabe am Leben der Gesellschaft verhallt und zeigt, dass die Gesellschaft sich trotz aller Lippenbekenntnisse immer noch nicht auf die Präsenz des Islam in Deutschland eingelassen hat. Auch die christlichen Teilnehmer und Teilnehmerinnen unseres Kreises bemerken, dass die Reduzierung ihres Glaubens auf den kulturellen Begriff eines „christlichen Abendlandes“ oder einer „westlichen Wertegemeinschaft“ ihrem Glauben nicht gerecht wird. Ihr christlicher Glaube lässt sie Anteil nehmen an den Bedrängnissen und Nöten ihrer muslimischen Partner.

Als Mitglieder des christlich-muslimischen Gesprächskreises

  • wehren wir uns gegen alle Versuche, religiöse Überzeugungen für Gewalt oder soziale Ausgrenzung zu missbrauchen.
  • wenden wir uns auf Grund unseres Glaubens gegen die Verletzung demokratischer Grundrechte

Wir haben erfahren:

  • dass wir als Christen und Muslime viele Glaubensüberzeugungen und Werturteile miteinander teilen und dass wir uns über religiöse Unterschiede austauschen können, ohne dass unsere gegenseitige Wertschätzung Schaden nimmt.
  • dass uns die Vielfalt in unserem Kreis bereichert und ein Vertrauen gewachsen ist, das positive Auswirkungen auf unseren Alltag hat.
  • dass unsere Erkenntnis Gottes begrenzt ist und zur Bescheidenheit nötigt. Absoluter Wahrheitsanspruch ist eine ungerechtfertigte und gefährliche Anmaßung. Aus einem konstruktiven Dialog gewinnen wir Einsichten, die für die friedliche Gestaltung unserer Stadtgesellschaft hilfreich sind.

Aus langjährigen Erfahrung als Mitglieder des
christlich-muslimischen Gesprächskreises sagen wir
Nein zu Hass und Gewalt im Namen der Religion!
DIALOG JETZT ERST RECHT!

Für den Gesprächskreis:
Nigar Yardim
Prof. Dr. Wolf-Dieter Just

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Neujahrempfang 2015 im Museum Küppersmühle in Duisburg: Kann Wirtschaft Kunst?

Die Frage ist eher: Können Politik und Verwaltung Kunst?
Von Petra Grünendahl

„Kulturförderung ist keine Subvention, sondern eine Investition“, so Prof. Dr. h.c. Walter Smerling (Direktor MKM) beim Neujahrsempfang des Museum Küppersmühle im Innenhafen. Foto: Petra Grünendahl.

„Kulturförderung ist keine Subvention, sondern eine Investition“, so Prof. Dr. h.c. Walter Smerling (Direktor MKM) beim Neujahrsempfang des Museum Küppersmühle im Innenhafen. Foto: Petra Grünendahl.


„Kulturförderung ist keine Subvention, sondern eine Investition“, merkte Prof. Dr. h.c. Walter Smerling, Direktor des Museums Küppersmühle für Moderne Kunst (MKM), an. Kommunen streichen Kulturetats zusammen, weil die finanziellen Mittel fehlen. Den Museen fällt es immer schwerer, Ausstellungen, Projekte und Kataloge zu finanzieren. Ohne das Engagement von Unternehmen oder Privatpersonen wäre vieles nicht mehr möglich. „Wir sind als Museum Anwalt der Künstler“, so Smerling. „Wir sammeln, bewahren und fördern.“

 

Prof. Dr. h.c. Walter Smerling (Direktor MKM), Lars Martin Klieve (Kämmerer der Stadt Essen), Moderator Thomas Hüser (Journalist aus Essen), Armin Laschet (CDU-Vorsitzender NRW und Oppositionsführer im Landtag), Prof. Dr. Thomas A. Lange (Vorstandsvorsitzender National-Bank AG), Dr. Stephan Muschick (Geschäftsführer der RWE Stiftung für Energie und Gesellschaft). Foto: Petra Grünendahl.

Prof. Dr. h.c. Walter Smerling (Direktor MKM), Lars Martin Klieve (Kämmerer der Stadt Essen), Moderator Thomas Hüser (Journalist aus Essen), Armin Laschet (CDU-Vorsitzender NRW und Oppositionsführer im Landtag), Prof. Dr. Thomas A. Lange (Vorstandsvorsitzender National-Bank AG), Dr. Stephan Muschick (Geschäftsführer der RWE Stiftung für Energie und Gesellschaft). Foto: Petra Grünendahl.

Den Neujahrsempfang hatte das Museum Küppersmühle (MKM) mit einer Diskussionsveranstaltung unter dem Titel „Kann Wirtschaft Kunst?“ verbunden. Nach einer Einführung von Armin Laschet (Fraktionsvorsitzender der CDU im Landtag NRW) und einem Impulsreferat von Dr. Stephan Muschick (Geschäftsführer der RWE Stiftung für Energie und Gesellschaft) nahmen neben den beiden und Museumsdirektor Walter Smerling Essens Kämmerer Lars Martin Klieve und Prof. Dr. Thomas A. Lange (Vorstandsvorsitzender der National-Bank) in einer Diskussionsrunde Platz. Die Runde moderierte der Journalist Thomas Hüser aus Essen.

Wirtschaft gibt etwas an die Menschen zurück

"Wir geben mit Kunstförderung der Stadt und ihren Bewohnern etwas zurück", so Dr. Stephan Muschick (Geschäftsführer der RWE Stiftung für Energie und Gesellschaft). Foto: Petra Grünendahl.

„Wir geben mit Kunstförderung der Stadt und ihren Bewohnern etwas zurück“, so Dr. Stephan Muschick (Geschäftsführer der RWE Stiftung für Energie und Gesellschaft). Foto: Petra Grünendahl.

„Wir müssen Klinken putzen“, klärte Walter Smerling auf. Aber wenn Fördermittel effizient eingesetzt würden, wäre die Wirtschaft gerne bereit Museen bei ihrer Arbeit zu unterstützen. „Auch wenn es in wirtschaftlich schwierigen Zeiten schwerer wird, Kunst zu fördern, so ist und bleibt es doch Bestandteil unseres gesellschaftlichen Engagements“, so RWE-Stiftungs-Geschäftführer Muschick. „Wir geben mit Kunstförderung der Stadt und ihren Bewohnern etwas zurück“, begründete er das überwiegend regional geprägte finanzielle Engagement.

Kann Politik Kunst?
Eine besondere Aktualität gewann die Diskussion durch die kürzlich öffentlich gewordene Absicht der WestLB-Nachfolgerin Portigon, in ihrem Besitz befindliche Kunstwerke überwiegend nordrhein-westfälischer Künstler zu verkaufen. Frage müsste wohl eher lauten: Können Politik und Verwaltung Kunst? – Das muss man manchmal bezweifeln: Wenn kommunale Gelder für ein städtisches Museum in der Höhe gekürzt werden, wie Fördermittel eingeworben wurden, ist das die gleiche ist politische Instinkt- und Kulturlosigkeit, als die Thomas Lange den Verkauf der WestLB-Kunstwerke durch Portigon bezeichnete. Damit verprellt man potenzielle Förderer, die sich engagieren und kommunale Zuwendungen aufstocken (und nicht ersetzen) wollen. „So etwas geht gar nicht!“, war sich das Podium einig.

„Kunstwerke ist kein ‚Assets’, welche beliebig zu Geld gemacht werden können wie Wertpapiere“, so (CDU-Vorsitzender NRW und Oppositionsführer im Landtag). Foto: Petra Grünendahl.

„Kunstwerke ist kein ‚Assets’, welche beliebig zu Geld gemacht werden können wie Wertpapiere“, so (CDU-Vorsitzender NRW und Oppositionsführer im Landtag). Foto: Petra Grünendahl.

Gerade der Verkauf der WestLB-Sammlung von Kunstwerken stieß mehrfach auf Kritik. „Kultur ist nicht disponibel“, erklärte Essens Stadtkämmerer Klieve, der sich auch gegen den Vorwurf wehrte, die Kunstsammlung des Folkwang-Museums (im Besitz der Stadt Essen) verkaufen zu wollen: „Die Stadt Essen will nicht, kann nicht und darf nicht“, verwies er auf die Schenkungsverträge aus dem Jahr 1922. Ebenfalls klare Worte fand Armin Laschet: „Kunstwerke ist kein ‚Assets’ (engl. Aktivposten, Bilanzvermögen), welche beliebig zu Geld gemacht werden können wie Wertpapiere.“ Ganz im Gegenteil: „Kunst ist Teil unserer Museumskultur. Das muss man auch der EU klar machen, die auf den Verkauf drängt.“ Die Sammlung gehöre dem Steuerzahler, betonte Laschet. Und nicht der Landesregierung, die sie hier als Vermögensmasse einsetzen will, um die eigene finanzielle Haftung zu umgehen. „Das ist Kultur des Landes NRW und die muss bleiben. Der Bund wird hier wohl eingreifen müssen“, so Laschet. „Wenn diese Kunstwerke verkauft werden, schadet das dem Land NRW“, hieb National-Bank-Vorstand Lange in die gleiche Kerbe. Und das wäre ein herber Verlust für seine Bürger, der in Geld nicht zu beziffern ist!

© 2015 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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