Unternehmerverband Duisburg: Unsicherheit dämpft Konjunktur-Erwartungen

“Wenn die Stadt mehr Gewerbesteuern haben will, brauchen wir mehr Gewerbeflächen, um Betriebe anzusiedeln“
Von Petra Grünendahl

„Mit der wirtschaftlichen Entwicklung 2014 können wir insgesamt zufrieden sein“, erklärte Heinz Lison, Sprecher der regionalen Wirtschaft. Dabei ist der Arbeitsmarkt robust: „Unternehmen wollen lieber einstellen als Stellen abbauen“, so Lison weiter. Allerdings macht ihm die Binnennachfrage Sorge. Im Maschinen- und Anlagenbau ist hier besonders die Nachfrage nach Investitionsgütern gemeint. Für 2015 verkündete Lison einen verhaltenen Optimismus der regionalen Wirtschaft, wobei allerdings Auswirkungen aktueller Krisen (insbesondere deren Verschärfung) noch nicht berücksichtigt sind. „Wir haben nicht mehr den Rückenwind wie im Frühjahr 2014“, so Lison.

Stellten beim Unternehmerverband die Konjunktur-Umfrage Herbst 2014: Heinz Lison und Wolfgang Schmitz (v.l.)

Stellten beim Unternehmerverband die Konjunktur-Umfrage Herbst 2014: Heinz Lison und Wolfgang Schmitz (v.l.)

Der Unternehmerverband Duisburg stellte die halbjährliche Konjunktur-Umfrage vor. Unternehmersprecher Heinz Lison und Hauptgeschäftsführer standen der Presse Rede und Antwort. Insgesamt 300 Unternehmen im Ruhrgebiet hatten sich beteiligt, darunter waren rund 80 Mitgliedsbetriebe des heimischen Unternehmerverbandes. Diese Zahlen unterscheiden sich grundsätzlich von bundesweiten Erhebungen, da die Entwicklungen im Ruhrgebiet immer etwas unter dem Bundesdurchschnitt liegen. Das Ruhrgebiet müsse sich wieder auf seine industriellen Stärken besinnen, so Lison. Ein Wandel des Reviers zu einer reinen Dienstleistungsgesellschaft sei falsch und töricht. „Wir haben nicht nur eine starke und wettbewerbsfähige Industrie im Ruhrgebiet, sondern alle Chancen auch im digitalen Zeitalter industriell vorne mit zu spielen“, meinte Lison und nannte insbesondere die dynamische und dichte Hochschullandschaft als „Pfund“ für zukünftige Herausforderungen. Das Ruhrgebiet müsse die Chancen des digitalen Wandel entschlossen ergreifen.

Rahmenbedingungen stimmen nicht
„Wir brauchen mehr Gewerbeflächen, um hier Industrie anzusiedeln“, forderte der Unternehmersprecher. „Nur mit neuen Industrieansiedlungen steigt das Gewerbesteueraufkommen.“ Womit er Recht hat: Die letzte Hebesatzerhöhung, die der Duisburger Stadtrat beschlossen hatte, brachte der Stadt Duisburg sinkende Gewerbesteuereinnahmen ein. Denn da, wo mehrere Faktoren zusammen kamen – fehlende Flächen plus höhere Hebesätze beispielsweise –, haben Unternehmen ihre Betriebe in Nachbarstädte verlagert und erweitert. Das ist weder im Sinne kommunaler Finanzen noch im Sinne des immer noch schwierigen Arbeitsmarktes.
„Wir sind hier auf keinem guten Weg“, tadelte Lison das beständige Drehen an der Steuerschraube. Eine Konsolidierung der Kommunen auf Knochen der Wirtschaft – über Anhebungen von Gewerbe- und Grundsteuern – schwächt deren Möglichkeiten zu investieren. Hier regt der Unternehmerverband an, dass sich der Bund von Staatsbeteiligungen wie Telekom oder Bahn trennen sollte, um die Kommunen zu entlasten. Diese brechen bekanntlich gerade in strukturschwachen Regionen gerade unter den Lasten zusammen, die Bund und Länder über Jahrzehnte immer gerne nach unten weitergereicht haben, ohne sie vernünftig zu finanzieren.
Die Erwartungen der Wirtschaft schwächeln im Vergleich zum Führjahr. Positive Erwartungen an Geschäftslage, Aufträge, Umsätze oder Erträge liegen unter oder nur knapp über der 60-Prozent-Marke. In der Metall- und Elektroindustrie, die hier in der Region stark vertreten ist, erreichen diese Zahlen nicht einmal die 50-Prozent-Schwelle. Dennoch halten die Unternehmen an ihren Mitarbeitern fest, um dem aufkommenden Fachkräfteengpass vorzubeugen.

Fachkräftemangel: Gebraucht werden Facharbeiter
„Unsere Unternehmen tun sich immer schwerer, geeignete Auszubildende zu finden“, bilanzierte Lison gerade im Hinblick auf die Metall- und Elektroindustrie, wo die Entwicklung bei den Ausbildungsplätzen negativ ist. „Einer der Gründe ist eine überzogenen Akademisierung zulasten der dualen Ausbildung. Zu viele junge Leute ziehen ein Studium vor“, erläuterte der Unternehmersprecher, der in Mülheim seinen Betrieb (Lison-Systemtechnik & Consulting GmbH) führt. Ein zweites Problem sieht er in den „Bildungsverlierern“, von denen es gerade im Ruhrgebiet zu viele gebe: „Die Betriebe können das nicht auffangen.“ Und das, obwohl viele Betriebe wieder verstärkt auf Auszubildende mit mittleren Abschlüssen setzen. „Wir können nicht oft genug den Wert einer Ausbildung und die guten Perspektiven dort unterstreichen. Diese Botschaft muss noch stärker in Schulen und Elternhäuser“, forderte Lison. „Es gibt auch ein Leben ohne Abitur – das sogar erfolgreich und sehr gut sein kann.“

© 2014 Petra Grünendahl (Text und Foto)

Über Petra Grünendahl

"Mich kann man nicht beschreiben, mich muss man erleben ;-)" . . . . . . . . . . . . Freie Journalistin aus Duisburg (Ruhrgebiet, Deutschland). . . . . . . . . . . . . . . . . IN*TEAM Redaktionsbüro Duisburg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Auto-Testberichte, Verkehrssicherheit, Binnenschifffahrt & Logistik, . . . . . . . Wirtschaft & Verbraucherthemen und vieles mehr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, Strategien & Konzepte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (Foto: Petra Grünendahl)
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