Deutsche Oper am Rhein: Familienoper „Wo die wilden Kerle wohnen“ begeisterte im Theater Duisburg

Wie sich Max als König der wilden Kerle austobt
Von Petra Grünendahl

Lavinia Dames (Max), Daniel Djambazian (Hahnkerl), Ensemble. Foto: Hans Jörg Michel.

Lavinia Dames (Max), Daniel Djambazian (Hahnkerl), Ensemble. Foto: Hans Jörg Michel.

Die Eltern (Felicitias Brunke und Lukasz Konieczny) haben die Verwandtschaft in ihr feudales Haus eingeladen, Sohn Max (Lavinia Dames) ist oben in seinem Zimmer spielen. Er tobt durch sein Zimmer: Sein uneingeschränktes Reich, in dem er zuweilen seine Stofftiere malträtiert. Sein Toben bleibt den Eltern und Gästen im Esszimmer nicht verborgen, der wackelnde Kronleuchter spricht für sich: Die Mutter geht hoch, schimpft ihn aus und schickt ihn ohne Abendessen ins Bett. Dort macht sich der wütende Junge auf die Reise in eine Welt seltsamer Kreaturen, währenddessen sich unten im Esszimmer seine Eltern, Onkel und Großmutter in tierähnliche Wesen verwandeln. Zusammen mit seinem mittlerweile lebendig gewordenen Stoffaffen (Joschka Hinrichs) geht er zu den seltsamen Wesen. Dort kann er spielen und toben, wie es ihm gefällt, die „wilden Kerle“ machen den Jungen zu ihrem König, mit einer Suppenschüssel als Krone und einem Schöpflöffel als Zepter. Als er völlig ausgepowert ist von der ganzen Toberei und die Nase voll hat, schickt er die „wilden Kerle“ ins Bett. Er will nicht mehr: Er hat Hunger und Sehnsucht nach seiner Mutter. Er legt seinen Stoffaffen in die Spielzeugkiste und geht ins Bett. Als er aufwacht, findet er seine Familie im Esszimmer vor – und einen Teller mit seiner Lieblingssuppe auf dem Tisch.

VORNE Norbert Kaulhausen (Butler), Lavinia Dames (Max), Felicitas Brunke (Mutter/Tzippie) HINTEN Sebastià Peris (Hornkerl), Peter Aisher (Bart- und Ziegenkerl). Foto: Hans Jörg Michel.

VORNE Norbert Kaulhausen (Butler), Lavinia Dames (Max), Felicitas Brunke (Mutter/Tzippie) HINTEN Sebastià Peris (Hornkerl), Peter Aisher (Bart- und Ziegenkerl). Foto: Hans Jörg Michel.

In einem Bilderbuch schickte der amerikanische Kinderbuchillustrator und Autor Maurice Sendak 1928-2012) Max 1962 auf die abenteuerliche Reise. „Wo die wilden Kerle wohnen“ feierte in einer Inszenierung von Philipp Westerbarkei seine Premiere als die diesjährige Familienoper der Deutschen Oper am Rhein. Oliver Knussen (*1952) komponierte Anfang der 1980er-Jahre aus dem Bilderbuch diese Oper, zu der Maurice Sendak auch weitere Texte (über die 333 Worte aus seinem Bilderbuch hinaus) in Form einer Fantasiesprache beisteuerte. Im voll besetzten Theater folgten überwiegend Schulklassen, aber auch einzelne Kinder mit Eltern oder Großeltern gebannt der Handlung und den hervorragenden Akteuren, die sie zum Abschluss mit lang anhaltendem begeisterten Applaus belohnten

Lavinia Dames (Max), Statisterie. Foto: Hans Jörg Michel.

Lavinia Dames (Max), Statisterie. Foto: Hans Jörg Michel.

Gesanglich aber auch schauspielerisch war besonders Lavinia Dames gefordert, die als Max über die ganze Länge der Handlung präsent und aktiv war. Die Großmutter (Daniel Djambazian als Hahnkerl) und die beiden Onkel (Peter Aisher als Ziegenkerl und Sebastià Peris als Hornkerl) trugen schon beim Familienmal erste Züge der Figuren, in die sich sie als wilde Kerle verwandeln würden. Für die mit großen Maskenköpfen ausgestatteten wilden Kerle selber standen Statisten auf der Bühne, bis sie sich wieder in die Verwandtschaft von Max zurückverwandelten.

Die schwierige Komposition Oliver Knussens meisterten hervorragend aufgelegte Duisburger Philharmoniker unter der musikalischen Leitung von Jesse Wong. Bühne und Kostüme gestaltete Tatjana Ivschina, die seit 2009 sämtliche Familienpern ausstaffiert hatte. Für das rechte Licht sorgte Franz-Xaver Schaffer.

Statisterie (Doubles Wilde Kerle). Foto: Hans Jörg Michel.

Statisterie (Doubles Wilde Kerle). Foto: Hans Jörg Michel.

Für Familien und Schulklassen
Im Rahmen der „Junge Oper am Rhein“ bemüht sich die Deutsche Oper am Rhein auch um junges Publikum. Drei Theaterpädagoginnen kümmern sich um zielgruppenspezifische Angebote unter anderem für Familien und Schulen. Die übliche Einführung in die Oper gestaltete zur Premiere Anja Fürstenberg vom Team der „Jungen Oper“: Kindgerecht gerade für die überwiegend jüngeren Schulkinder. „Wir gehen auch in Schulklassen, die zu uns kommen wollen, und machen eine Einführung in die Oper vor Ort“, erzählte Fürstenberg.

Ein kleiner Vorgeschmack:

Weitere Termine im Theater Duisburg:
Schulvorstellungen:
Di 7. März – 11.00 Uhr,
Mi 29. März – 11.00 Uhr,
Di 13. Juni – 11.00 Uhr,
Mi 5. Juli – 11.00 Uhr.
Familienvorstellungen:
So 30. April – 15.00 Uhr,
So 7. Mai – 15.00 Uhr,
So 11. Juni – 15.00 Uhr.
Dauer: ca. 45 Minuten ohne Pause. Empfohlen ab 6 Jahren.
Gesungen wird in deutscher Sprache, deutsche Übertitel erleichtern das Verständnis der Handlung.

Daniel Djambazian (Hahnkerl), Felicitas Brunke (Mutter/Tzippie). Foto: Hans Jörg Michel.

Daniel Djambazian (Hahnkerl), Felicitas Brunke (Mutter/Tzippie). Foto: Hans Jörg Michel.

Tickets kosten 18 Euro (ermäßigt 10 Euro). Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Schulklassen erhalten Tickets zu 5,50 Euro unter Telefon 0211 / 8925-328 oder eMail an gruppen@operamrhein.de. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt.

© 2017 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Hans Jörg Michel, Mannheim / Deutsche Oper am Rhein

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Loveparade-Zivilverfahren: Neue Verhandlungstermine angesetzt

justiz_rgbZwei neue Verhandlungstermine
Am 8. März 2017 verhandelt die 3. Zivilkammer über die Klage eines 46jährigen Mannes aus Duisburg. Der Termin war zunächst für den 5. Oktober 2016 vorgesehen, musste aber verlegt werden (Az. 3 O 389/14, siehe hier).

Am 29. März 2017 verhandelt die 10. Zivilkammer erneut die Klage einer 49 Jahre alten Frau aus Essen. Der erste Termin hatte am 11.05.2016 stattgefunden (Az. 10 O 344/14, siehe hier).

In beiden Fällen ist das persönliche Erscheinen der Kläger nicht angeordnet und eine Beweisaufnahme nicht vorgesehen.

Klageabweisendes Urteil der 8. Zivilkammer
Mit Urteil vom 23.02.2017 hat die 8. Zivilkammer des Landgerichts die Klage eines 28jährigen Mannes aus Herne (siehe hier) abgewiesen. Dabei ist die Kammer der Frage, wie es zu den tragischen Ereignissen am 24. Juli 2010 kommen konnte, nicht nachgegangen. Denn selbst wenn die Beklagten hierfür die Verantwortung tragen müssten, hätte der Kläger nach Auffassung des Gerichts keinen Anspruch auf Schmerzensgeld. Die Kammer hat bei der rechtlichen Würdigung Bezug auf die Entscheidung über die Klage eines Feuerwehrmanns genommen, über die die Kammer im September 2015 entschieden hatte. Grund für die Klageabweisung sei wie damals insbesondere, dass grundsätzlich nur der unmittelbar Verletzte Ansprüche auf Schadensersatz habe (siehe hier). Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Kläger kann Berufung zum Oberlandesgericht Düsseldorf einlegen (Az. 8 O 344/14).

Aktueller Verfahrensbestand
Derzeit sind noch sechs Klagen auf Schadensersatz und Schmerzensgeld im Zusammenhang mit den tragischen Ereignissen der Loveparade 2010 anhängig. Anträge auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe stehen nicht mehr zur Entscheidung an.

– Presseinformation des Landgerichts Duisburg –

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Neue Kaimauer: DeltaPort feiert ersten Rammschlag im Rhein-Lippe-Hafen Wesel

Ausbau des ehemaligen Ölhafen zum Universalhafen
Von Petra Grünendahl

Vision: so soll der Rhein-Lippe-Hafen bald aussehen. Foto: Petra Grünendahl.

Vision: so soll der Rhein-Lippe-Hafen bald aussehen. Foto: Petra Grünendahl.

Neue Kaimauer: DeltaPort feiert ersten Rammschlag im Rhein-Lippe-Hafen Wesel„In Zeiten immer knapper werdender Gewerbeflächen können wir uns glücklich schätzen, hier noch Flächen mit Wasseranbindung für hafenaffine Gewerbe- und Industriebetriebe verfügbar zu haben“, erklärte Wesels Bürgermeisterin Ulrike Westkamp. 1957 war der heutige Rhein-Lippe-Hafen als Ölhafen angelegt worden, mit dem Bau einer 300 Meter langen Kaimauer will sich der Hafenverbund DeltaPort hier mit einem weiteren Universalhafen zukunftssicher aufstellen. Die Bürgermeisterin lobte die gute interkommunale Zusammenarbeit, die zur Gründung von DeltaPort und der gemeinsamen Vermarktung von Flächen in den Häfen der Städte Wesel und Voerde geführt hatte.

Den ersten symbolischen Rammschlag für die neue Kaimauer am Rhein-Lippe-Hafen in Wesel begleiteten Vertreter aus Politik und Wirtschaft zusammen mit Andreas Stolte, Geschäftsführer der DeltaPort GmbH & Co. KG. Anteilseigner am Hafenverbund DeltaPort sind die Städte Wesel und Voerde, auf deren Stadtgebiet die drei Häfen liegen, sowie der Kreis Wesel. Neben dem Rhein-Lippe-Hafen zählen der Stadthafen Wesel sowie der Hafen Emmelsum in Voerde zum Hafenverbund. Die Weseler Firma Hülskens Wasserbau, die schon am Bau des Ölhafens beteiligt war, hat im Februar mit den Bauarbeiten begonnen. Im ersten Bauabschnitt entstehen 150 Meter Kaimauer, die vom anliegenden Schwerlastgüter-Transporteur Hegmann Transit genutzt werden. In einem zweiten Bauabschnitt wird die Kaimauer am Nordrand des Hafenbeckens um 150 Meter erweitert. Dem Abschluss der Bauarbeiten sieht man für Dezember dieses Jahres entgegen.

Hafenverbund DeltaPort

Startschuss für den ersten Rammstoß: Den symbolischen roten Knopf drücken (v. l.) Peter Kiehlmann (Aufsichtsratsvorsitzender DeltaPort), Geschäftsführer Andreas Stolte (DeltaPort), Karl Borkes (Kämmerer des Kreises Wesel), Bürgermeisterin Ulrike Westkamp (Stadt Wesel), Bürgermeister Dirk Haarmann (Stadt Voerde) und der technische Leiter Dieter Thurm (DeltaPort). Foto: Petra Grünendahl.

Startschuss für den ersten Rammstoß: Den symbolischen roten Knopf drücken (v. l.) Peter Kiehlmann (Aufsichtsratsvorsitzender DeltaPort), Geschäftsführer Andreas Stolte (DeltaPort), Karl Borkes (Kämmerer des Kreises Wesel), Bürgermeisterin Ulrike Westkamp (Stadt Wesel), Bürgermeister Dirk Haarmann (Stadt Voerde) und der technische Leiter Dieter Thurm (DeltaPort). Foto: Petra Grünendahl.

Die Spundbohle wird mit Hilfe einer Ramme in die Erde „gerüttelt“. Foto: Petra Grünendahl.

Die Spundbohle wird mit Hilfe einer Ramme in die Erde „gerüttelt“. Foto: Petra Grünendahl.

Die Spundbohle wird mit Hilfe einer Ramme in die Erde „gerüttelt“. Foto: Petra Grünendahl.

Die Spundbohle wird mit Hilfe einer Ramme in die Erde „gerüttelt“. Foto: Petra Grünendahl.

Vom Investitionsvolumen in Höhe von 9 Mio. Euro tragen die Gesellschafter von DeltaPort 20 Prozent. Fördergelder von EU, Bund und Land finanzieren die restlichen 80 Prozent. Der Bau einer neuen Kaianlage sei Grundlage der Erschließung des nördlichen Areals des Rhein-Lippe-Hafens und somit ein wichtiges Fundament in der weiteren Entwicklung DeltaPorts, so Geschäftsführer Andreas Stolte zum symbolischen ersten Rammschlag. In Zeiten zunehmender Verkehrsengpässe auf deutschen Straßen werden verstärkt logistisch nutzbare Grundstücke entlang der Wasserstraßen gesucht. Binnenhäfen als verkehrsübergreifende Schnittstellen gewinnen daher an Bedeutung, um mit der Kombination verschiedener Verkehrsträger die Straßen zu entlasten. Der Hafenverbund DeltaPort besitze insgesamt 86 Hektar zu entwickelndes Flächenpotential, allein im Rhein-Lippe-Hafen stünden 65 Hektar zur Verfügung, erklärte .Hafenchef Stolte.

„350 Spundbohlen mit einer Einzellänge von bis zu 25 Metern, von denen lediglich 14,50 Meter aus dem Erdreich ragen, bilden den sichtbaren Teil der Kaianlage. Insgesamt werden 1.250 Tonnen Stahl und 40.000 Tonnen Erde verbaut. Schwerlasten mit einem Gesamtgewicht von 300 Tonnen können zukünftig problemlos auf der ergänzenden Schwerlastplattform abgefertigt werden. Zusätzlich werden Leerrohre für Datenkabel sowie eine mögliche Landstromversorgung der Binnenschiffe installiert“. berichtete Dieter Thurm, Technischer Leiter von DeltaPort. Er sehe im Ausbau der Anlagen im Rhein-Lippe-Hafen einen wichtigen Schritt zur Zukunftssicherung der Weseler Häfen als Verkehrsknotenpunkt am Niederrhein, erkärte Karl Borkes, Kämmerer des Kreises Wesel mit Sitz im Aufsichtsrat des Hafenverbundes.

© 2017 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Deutsche Oper am Rhein: Premiere der Familienoper „Wo die Wilden Kerle wohnen“ am Freitag, 3. März

Max will doch nur spielen
Von Petra Grünendahl

Pressegespräch vor der Premiere von „Wo die wilden Kerle wohnen“ (v. l.): Regisseur Philipp Westerbarkei und Tatjana Ivschina, verantwortlich für Bühnenbild und Kostüme. Foto: Petra Grünendahl.

Pressegespräch vor der Premiere von „Wo die wilden Kerle wohnen“ (v. l.): Regisseur Philipp Westerbarkei und Tatjana Ivschina, verantwortlich für Bühnenbild und Kostüme. Foto: Petra Grünendahl.

„Die Komposition ist extrem anspruchvoll und fordert den Sängern viel ab“, erklärte Regisseur Philipp Westerbarkei. Die Familienoper auf Grundlage eines Bilderbuchs mit 333 Wörtern war auch für den Regisseur in Zusammenarbeit mit Tatjana Ivschina, die für Bühnenbild und Kostüme verantwortlich zeichnet, eine Herausforderung. In einem Ambiente des 19. Jahrhunderts startet Max (Lavinia Dames) nach einem Streit mit seiner Mutter (Felicitas Brunke) eine abenteuerliche Reise. In der Buchvorlage sind mehr Szenenzeichnungen als Texte vorgegeben waren, die wiederum der Regisseur nicht nur in Bildern, sondern auch in Handlung auf die Bühne bringen musste. Ein Streit mit seiner Mutter lässt Max in eine Fantasiewelt flüchten, um den „blöden“ Erwachsenen zu entkommen. Dort findet er die „wilden Kerle“ – seltsame Wesen, die irgendwie den Mitgliedern seiner Familie ähneln. Max, sonst nur in seinem Kinderzimmer uneingeschränkter Herrscher, wird ihr König. Die kindliche Anarchie, die er an seinen Stofftieren auslebt, bekommen jetzt „menschlichenähnliche“ Kreaturen zu spüren. Er bekommt Heimweh, doch die wilden Kerle wollen ihn nicht ziehen lassen …

Pressegespräch vor der Premiere von „Wo die wilden Kerle wohnen“ (v. l.): Tatjana Ivschina, verantwortlich für Bühnenbild und Kostüme, und Regisseur Philipp Westerbarkei. Foto: Petra Grünendahl.

Pressegespräch vor der Premiere von „Wo die wilden Kerle wohnen“ (v. l.): Tatjana Ivschina, verantwortlich für Bühnenbild und Kostüme, und Regisseur Philipp Westerbarkei. Foto: Petra Grünendahl.

Mit „Wo die wilden Kerle wohnen“ feiert mittlerweile die achte Familienoper der Deutschen Oper am Rhein seit 2009 ihre Premiere im Theater Duisburg: Am Freitag, 3. März, um 11 Uhr startet das neue Stück für Kinder ab 6 Jahren und ein Klassiker der Familienoper des 20. Jahrhunderts auf der großen Bühne am Opernplatz. Oliver Knussens fantastische Oper nach der gleichnamigen Vorlage von Maurice Sendak, der auch das Libretto schrieb, führt den kleinen Max auf eine Traumreise ins Reich der Fantasie. Dort begegnet er den „wilden Kerlen“ – seltsamen Kreaturen, mit denen Max die ungeheuerlichsten Abenteuer erlebt.

Pressegespräch vor der Premiere von „Wo die wilden Kerle wohnen“ (v. l.): Regisseur Philipp Westerbarkei und Tatjana Ivschina, verantwortlich für Bühnenbild und Kostüme. Foto: Petra Grünendahl.

Pressegespräch vor der Premiere von „Wo die wilden Kerle wohnen“ (v. l.): Regisseur Philipp Westerbarkei und Tatjana Ivschina, verantwortlich für Bühnenbild und Kostüme. Foto: Petra Grünendahl.

Bilder in Klang und Farben auf die Bühne gebracht
Die Welt, die Maurice Sendak in seinem berühmten Kinderbuch beschreibt, hat der britische Komponist Oliver Knussen Anfang der 1980er Jahre in einer expressiven Musik voll leuchtender Klangfarben ausgemalt. Mit allen Sinnen erfahrbar wird sie im Theater Duisburg: Der junge Dirigent Jesse Wong bringt die Partitur mit Solisten der Deutschen Oper am Rhein und den Duisburger Philharmonikern zum Klingen. Regisseur Philipp Westerbarkei zeigt auf der Bühne, wie sich die Erwachsenen in Max’ Elternhaus in die Helden seiner Fantasie verwandeln. Dazu hat Tatjana Ivschina, die seit 2009 alle Familienopern an der Deutschen Oper am Rhein ausstattet, eine feudale Villa als Bühnenbild sowie fantastisch-skurrile Kostüme und Masken entworfen.

Weitere Termine im Theater Duisburg:
Schulvorstellungen: Fr 3. März – 11.00 Uhr / Di 7. März – 11.00 Uhr / Mi 29. März – 11.00 Uhr / Di 13. Juni – 11.00 Uhr / Mi 5. Juli – 11.00 Uhr.
Familienvorstellungen: So 30. April – 15.00 Uhr / So 7. Mai – 15.00 Uhr / So 11. Juni – 15.00 Uhr.
Dauer: ca. 45 Minuten ohne Pause. Empfohlen ab 6 Jahren.

Pressegespräch vor der Premiere von „Wo die wilden Kerle wohnen“ (v. l.): Regisseur Philipp Westerbarkei und Tatjana Ivschina, verantwortlich für Bühnenbild und Kostüme. Foto: Petra Grünendahl.

Pressegespräch vor der Premiere von „Wo die wilden Kerle wohnen“ (v. l.): Regisseur Philipp Westerbarkei und Tatjana Ivschina, verantwortlich für Bühnenbild und Kostüme. Foto: Petra Grünendahl.

Tickets kosten 18 Euro (ermäßigt 10 Euro). Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Schulklassen erhalten Tickets zu 5,50 Euro unter Telefon 0211 / 8925-328 oder eMail an gruppen@operamrhein.de. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt.

© 2017 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Logistik-Konferenz in Duisburg: Nutzung von LNG in der Binnenschifffahrt

Experten gaben Einblicke in Entwicklungen, Erfahrungen und Erfolge
Von Petra Grünendahl

Das Binnenschiff gilt als umweltfreundlicher Verkehrsträger. Sein Schadstoffausstoß ist in Relation zur transportierten Menge an Gütern geringer als anderswo. Mit LNG (flüssigem Erdgas) steht hier ein Energieträger zur Verfügung, der Abgasemissionen weiter mindert und zumindest stellenweise Dieselkraftstoff ersetzen kann. In Deutschland ebenso wie in der EU gibt es erste Projekte in Anlauf oder Planung, die den Gütertransport mit Erdgas ermöglichen. Entsprechende Projekte stellten Vertreter von Häfen, Energielieferanten, Feuerwehr und Sicherheitsdienstleister sowie von Verwaltungen in Land, Bund und EU-Kommission bei einer Konferenz vor.

Die Güterschiffen GreenStream und Green Rhine sind auf dem Rhein mit LNG unterwegs.

Die Güterschiffen GreenStream und Green Rhine sind auf dem Rhein mit LNG unterwegs.

Als Binnenschifffahrtsland Nr. 1 hat Nordrhein-Westfalen ein besonderes Interesse an der Nutzung umweltfreundlicher Transportmittel, wie die Konferenz „Nutzung von LNG in der Binnenschifffahrt“ zeigte. Gastgeber in der Mercatorhalle war das Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen (MBWSV), die Referenten zu verschiedenen Projekten Entwicklungen und Erfahrungen aufzeigen ließ. Auch in NRW ist geplant, in Häfen am Rhein und im Kanalnetz Bunker- und Verteilstationen für den umweltfreundlichen Kraftstoff zu errichten. Woanders ist man da schon weiter: Von den Häfen in Rotterdam, Mannheim und Emden berichteten Vertreter über die Realisierung ihrer Projekte und worauf dabei besonderes Augenmerk zu richten war.

Duisburger Hafen hat konkrete Pläne

Lars Nennhaus, Manager Sustainability Affairs, stellte die Pläne der Duisburger Hafen AG vor. Foto: Petra Grünendahl.

Lars Nennhaus, Manager Sustainability Affairs, stellte die Pläne der Duisburger Hafen AG vor. Foto: Petra Grünendahl.

In NRW gibt es Planungen für Erdgas-Bunkerstationen (für Nicht-Binnenschiffer: Versorgungsstationen) in Duisburg, Düsseldorf und Köln an der Rheinschiene bzw. in Dortmund und Hamm, den beiden größten öffentlichen Kanalhäfen Deutschlands. Die Duisburger Hafen AG hat sich für den Aufbau einer LNG-Betankung die RWE Supply & Trading an Bord geholt. Geplant ist in einem ersten Schritt die Versorgung von Binnenschiffen, Terminalfahrzeugen, Loks und Lkw, aber auch von Industrie vor Ort. Die LNG-Tankstellen konzentrieren sich zunächst auf den kombinierten Verkehr mit seiner multimodalen Anbindung, sollen aber längerfristig die Region (Ruhrgebiet und darüber hinaus) erschließen. Den Anfang machen mobile Verteiler (z. B. Tanklaster), die dann je nach Bedarf um weitere Module ergänzt werden, um einen – hoffentlich steigenden – Bedarf zu decken, wie Lars Nennhaus, Manager Sustainability Affairs bei der Duisburger Hafen AG, ausführte.

Dass gerade Projekte mit multimodaler Anbindung aus europäischen Fördertöpfen besonders gerne gefördert würden, darauf wies Helmut Morsi, Berater für „Investment, Innovative & Sustainable Transport“ bei der EU-Kommission, nachdrücklich hin.

LNG (Liquid Natural Gas)
LNG ist Erdgas, das durch Kühlung auf -161° Grad in den Flüssigzustand versetzt wird. Dabei reduziert sich das Volumen auf etwa ein 1/600 des Erdgas-Volumens unter Normaldruck, womit der Transport großer Erdgasmengen möglich wird. LNG ist wesentlich umweltfreundlicher als andere Kraftstoffe (insbesondere Diesel), da die Emissionen von Kohlendioxid, Stickoxid, Schwefeldioxid und Feinstaub geringer sind.

LNG ähnelt dem komprimierten (verdichteten) Erdgas CNG (Compressed Natural Gas), welches im Pkw-Bereich als Kraftstoff für Verbrennungsmotoren ebenso zum Einsatz kommt wie das Autogas LPG (Liquefied Petroleum Gas oder Flüssiggas), welches hauptsächlich aus Butan und Propan besteht.

© 2017 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Marketing-Club Duisburg-Niederrhein: Imperials Markenstrategie in der Logistik

Eine starke Dachmarke: Alle unter einen Hut
Von Petra Grünendahl

Prof. Dr. Rembert Horstmann, Marketingleiter der Imperial Logistics International, lehrt als Honorarprofessor an der Fachhochschule der Wirtschaft in Paderborn. Foto: Imperial.

Prof. Dr. Rembert Horstmann, Marketingleiter der Imperial Logistics International, lehrt als Honorarprofessor an der Fachhochschule der Wirtschaft in Paderborn. Foto: Imperial.


„Wir waren ‚Firmenjäger’ und haben Unternehmen aufgekauft, die auf ihrem Gebiet in der Logistik Spezialisten waren“, erklärte Prof. Dr. Rembert Horstmann, Marketingleiter der Imperial International Logistics. Zu diesen Zukäufen gehörte 2011 auch die Lehnkering GmbH, die im Duisburger Innenhafen ansässig ist. Vor gut drei Jahren begann Imperial für seine vielen Töchter mit ihren alten Markennamen ein „Re-Branding“, um alle Logistik-Aktivitäten unter einen Markennamen zusammen zu fassen. Der alte Lehnkering-Speicher heißt heute Kontorhaus, die Firmenlogos und Schriftzüge weisen die immer noch eigenständige Tochter als „Imperial Chemical Logistics GmbH“ aus. Zwar sind aus alten Leasing-Verträgen noch Lkw mit Lehnkering-Schriftzug auf den Straßen unterwegs: „Sie umzuflaggen hätte unnötig Geld verbrannt“, so Horstmann. Mit neuen Leasing-Verträgen kommen nach und nach die Lkw mit Imperial-Schriftzug.

Der Marketing-Club Duisburg-Niederrhein hatte seine Mitglieder zum Thema „Markenführung in der Logistik“ eingeladen: Prof. Dr. Rembert Horstmann, Marketingleiter der in Duisburg ansässigen Imperial Logistics International, informierte über das Re-Branding des Konzerns in Europa. Horstmann lehrt auch als Honorarprofessor an der Fachhochschule der Wirtschaft in Paderborn. Die deutsche Hauptniederlassung der europäischen Imperial Logistics International B. V. sitzt in Ruhrort, Konzernmutter ist die Imperial Holding in Süd-Afrika. Mehrere Tochterunternehmen sind ebenfalls in Duisburg beheimatet. Imperial kümmert sich mit seinen jeweils spezialisierten Tochterunternehmen um die Logistik in den Bereichen Automobil, Maschinen- und Anlagenbau, Stahl, Chemie sowie Einzelhandels- und Konsumgüter.

Starke Marken emotionalisieren

Marken-Auftritt von Imperial: die neu gestaltete Homepage unter www.imperial-international.com. Quelle: Screenshot.

Marken-Auftritt von Imperial: die neu gestaltete Homepage unter http://www.imperial-international.com. Quelle: Screenshot.

Die Logistik ist nach Automobil und Maschinenbau der drittgrößte Wirtschaftsbereich in Deutschland, führt aber trotz ihrer Relevanz ein Schattendasein. Dies sei eine besondere Herausforderung für das Marketing, so Horstmann. Als er 2014 zu Imperial kam, hatte die Gesellschaft durch Firmenkäufe rund 40 Marken im Portfolio. Manche Kunden hätten sogar mit mehreren dieser Tochterunternehmen zu tun gehabt, ohne zu wissen, dass sie zur gleichen Muttergesellschaft gehörten. „Wir wollten uns nicht in Untermarken verlieren und setzten auf eine Single-Branding-Strategie. Wer in der Logistik vorne dabei sein möchte, muss alles unter einem Markendach konzentrieren“, erklärte Horstmann seien Strategie. Für den Kunden sei die Marke dann griffiger und transparenter: Er habe das Ganze mehr im Blick und verliere sich nicht in Firmenverästelungen. „Transparenz schafft Vertrauen zu einer Marke“, betonte Horstmann.

Die Weiterentwicklung der Unternehmensmarke ging mit einer strukturellen Vereinfachung und einer Bereinigung von Zuständigkeiten ebenso einher wie mit einer Vereinheitlichung der Unternehmensdarstellung nach außen. Imperial teilt sich nun unter der Dachmarke „Imperial“ auf in die Bereiche „Transport Solutions“ und „Supply Chain Solutions“, unter die sukzessive alle Tochter-Marken überführt wurden. Obwohl man auf eingeführte Markennamen verzichtete, blieben die Tochtergesellschaften – mit neuen Namen – bestehen. Zur Schaffung einer gemeinsamen Dachmarke verstärkte man die interne Kommunikation, um Mitarbeiter „mitzunehmen“ und den Zusammenhalt im Konzern zu stärken. Das Wir-Gefühl kommt allen Bereichen des diversifizierten und spezialisierten Logistik-Dienstleisters zugute. In Duisburg sind die Imperial-Töchter, von denen mehrere im Stadtgebiet ihren Sitz haben, mittlerweile alle an der einheitlichen Dachmarke zu erkennen.

Der Marketing-Club Duisburg-Niederrhein

Foto: Petra Grünendahl.

Foto: Petra Grünendahl.

Die regionale Berufsstandesorganisation wurde 2009 gegründet und ist als Mitglied im Deutschen Marketing Verband einer von 65 Clubs deutschlandweit. Der Marketing-Club ist der Weiterbildung seiner Mitglieder ebenso verpflichtet wie der Schaffung einer Kommunikationsplattform. Fast jeden Monat trifft sich der Marketing-Club Duisburg-Niederrhein zu überwiegend fachlich orientierten Besichtigungen oder Vorträgen in der ganzen Region. Informationen zu Themen, Veranstaltungen und Kontakten gibt es auf der Homepage des Clubs. Wer im Marketing tätig ist und sich für eine Mitgliedschaft im Marketing-Club interessiert, kann bei solchen Gelegenheiten erste Kontakte knüpfen: Netzwerken lässt sich im Anschluss an den fachlichen Teil nämlich ganz hervorragend. Und natürlich lassen sich die fachlichen Fragen mit den jeweiligen Referenten in Einzelgesprächen noch vertiefen.

© 2017 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Imperial (1), Petra Grünendahl (1)

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Duisburg Helau: Karnevalistische Hafenrundfahrt auf der Karl Jarres

Gute Stimmung an Board: Markus Bangen, Vorstandsmitglied der Duisburger Hafen AG (2. Reihe, 4. v. l.), empfing Prinz Mark I. samt Kinderprinzenpaar und Gefolge bei Sonnenschein auf der Karl Jarres. Foto duisport.

Gute Stimmung an Board: Markus Bangen, Vorstandsmitglied der Duisburger Hafen AG (2. Reihe, 4. v. l.), empfing Prinz Mark I. samt Kinderprinzenpaar und Gefolge bei Sonnenschein auf der Karl Jarres. Foto duisport.

Eine geballte Karnevalspower empfing Markus Bangen, Vorstandsmitglied der Duisburger Hafen AG (duisport), auf dem Konferenzschiff „Karl Jarres“. An Bord schunkelten mit ausgelassenem Helau Prinz Mark I., das Kinderprinzenpaar Dustin I. und Nina I., Michael Jansen, Präsident des Hauptausschuss Duisburger Karneval sowie der Vorstand der KG Weiß-Grün Ruhrort. Bereits seit Anfang der 1950er Jahre lädt die Duisburger Hafen AG jedes Jahr den Duisburger Prinzen samt Gefolge zur karnevalistischen Rundfahrt durch den Hafen ein.

– Pressemeldung und Foto: Duisburger Hafen AG –

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Museum Küppersmühle Duisburg: Evonik Jugendkunstpreis verliehen

Themen der Zeit in Kunst verpackt
Von Petra Grünendahl

Evonik Jugendkunstpreis 2016: Preisverleihung im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.

Evonik Jugendkunstpreis 2016: Preisverleihung im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.

„Die eingereichten Arbeiten sind mittlerweile nicht nur eine Auseinandersetzung mit der Kunst, sondern vielmehr Reflektion über zeitgenössischen Themen, über Gesellschaft, Individualität und Vielfalt, über Welt und Politik“, fasste Moderatorin Katty Salié ihre Eindrücke zusammen. Kreativ loteten die Schüler der 20 Kunstkurse im Wettbewerb die Möglichkeiten unterschiedlicher Kunstformen aus: Von audio-visuellen oder Rauminstallationen über Skulpturen bis hin zu plastisch gestalteten Bildern oder Bildern mit plastischen Elementen, die bis in den Raum hineinreichen.

Evonik Jugendkunstpreis 2016: Preisverleihung im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.

Evonik Jugendkunstpreis 2016: Preisverleihung im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.

450 Schüler aus ganz Deutschland, 1.000 Ideen, eine nicht zu beziffernde Menge an neuen Eindrücken und insgesamt 8.000 Euro Preisgeld – das ist der Evonik Jugendkunstpreis im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst in Duisburg. Der Preis wird in diesem Jahr zum 16. Mal vergeben und seit 2014 durch das in Essen ansässige Spezialchemie-Unternehmen Evonik Industries ermöglicht. Auch im Jahr 2016 hatten wieder 20 Schulklassen die Chance zur Teilnahme am Wettbewerb, bei dem es um vieles geht: Um Neugierde, Inspiration, Teamwork, Organisationstalent, die Entwicklung neuer Ideen und die Freisetzung von Potenzialen – kurz: die Kreativität der Zukunft zu fördern. Alle 20 Teilnehmerklassen (Kunstkurse) waren bei der Preisverleihung dabei und erwarteten mit Spannung die Entscheidung der Jury. Ausgezeichnet wurden die drei besten Wettbewerbsbeiträge mit dem Evonik Jugendkunstpreis. Unabhängig davon werden alle Arbeiten mit einer gemeinsamen Museumsschau honoriert, die bis zum 19. Februar läuft. Die Verleihung des Evonik Jugendkunstpreises stellte gleichzeitig die Ausstellungseröffnung dar.

Evonik Jugendkunstpreis 2016: Jugend interpretiert Kunst. Der 1. Platz ging an das Hermann-Staudinger Gymnasium, Erlenbach. Foto: Georg Lukas, Essen.

Evonik Jugendkunstpreis 2016: Jugend interpretiert Kunst. Der 1. Platz ging an das Hermann-Staudinger Gymnasium, Erlenbach. Foto: Georg Lukas, Essen.

Der Evonik Jugendkunstpreis 2016 ging an das Hermann-Staudinger-Gymnasium (1. Platz) in Erlenbach, Bayern, an das Städtische Gymnasium Ahlen (2. Platz), NRW, und an das Freie Gymnasium Regenbogen (3. Platz) in Augustusburg, Sachsen. Ausgewählt haben die diesjährigen Preisträger die Künstler Anthony Cragg und Abraham David Christian, die Kunsthistorikerin und Kuratorin an der Bundeskunsthalle, Susanne Kleine, der Leiter der Markenkommunikation der Evonik Industries AG, Markus Langer, MKM-Direktor Walter Smerling, Sammlerin Sylvia Ströher und Werbeagentur-Chef Coordt von Mannstein. Mit dem Franz-Haniel-Gymnasium Homberg war auch eine Duisburger Schule im Wettbewerb vertreten.

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Organisation und Sponsoring

Zur Gesprächsrunde hatte Moderatorin Katty Salié (l.) Gäste auf das Podium geholt (v. l.): Armin Laschet, Vorsitzender der Landtagsfraktion und der CDU Nordrhein-Westfalen, Markus Langer, Leiter Markenkommunikation Evonik Industries AG, und Coordt von Mannstein, Sprecher der Jury. Foto: Petra Grünendahl.

Zur Gesprächsrunde hatte Moderatorin Katty Salié (l.) Gäste auf das Podium geholt (v. l.): Armin Laschet, Vorsitzender der Landtagsfraktion und der CDU Nordrhein-Westfalen, Markus Langer, Leiter Markenkommunikation Evonik Industries AG, und Coordt von Mannstein, Sprecher der Jury. Foto: Petra Grünendahl.

Der Evonik Jugendkunstpreis ist ein Projekt der Stiftung für Kunst und Kultur e.V. Bonn. Die Logistik des Projekts liegt in den (kunst)erfahrenen Händen der Transportfirma Hasenkamp. Seit 2014 wird das ambitionierte Kunstvermittlungsprojekt ermöglicht durch die Unterstützung der Evonik Industries AG: „Wer das Neue in die Welt bringen will, muss sich die Welt anders vorstellen können, als sie ist. Hier begegnen wir als kreativer Industriekonzern der Kunst: Ihre Schöpferkraft schärft unseren Blick für die Möglichkeiten“, begründet Markenchef Markus Langer das Kunst-Engagement des Essener Spezialchemie-Unternehmens.

Museum Küppersmühle:
Duisburger haben donnerstags freien Eintritt

Evonik Jugendkunstpreis 2016: Die eingereichten Beiträge sind im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst bis zum 19. Februar zu sehen. Foto: Petra Grünendahl.

Evonik Jugendkunstpreis 2016: Die eingereichten Beiträge sind im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst bis zum 19. Februar zu sehen. Foto: Petra Grünendahl.

Die Arbeiten sind noch bis zum 19. Februar 2017 in den Erdgeschossräumen des Museums zu sehen. Das Museum Küppersmühle findet man im Innenhafen am Philosophenweg 55 (Haupteingang). Mittwochs ist das Museum von 14 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis sonntags sowie feiertags von 11 bis 18 Uhr. Montags und dienstags ist Ruhetag. Der Eintritt kostet nur für die Wechselausstellungen 6 Euro, für das gesamte Haus (inkl. Wechselausstellung) 9 Euro. Ermäßigt sowie bei Gruppen ab 10 Personen zahlt man pro Person 4,50 Euro, Kinder und Schüler über sechs Jahren zahlen 2 Euro. Kinder unter sechs Jahren haben freien Eintritt, ebenso donnerstags alle Duisburger (gegen Vorlage des Personalausweises). Alle Ausstellungsräume des Museums sind auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich. Führungen durch die Sammlung sowie durch laufende Ausstellungen gibt es jeden Sonntag um 15 Uhr, aber auch nach Vereinbarung.

© 2017 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl, Georg Lukas / MKM (1. Platz)

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Deutsche Oper am Rhein: Puccinis „Madama Butterfly“ begeisterte bei der Premiere im Theater Duisburg

Eine Japanische Tragödie im
Zusammenprall unterschiedlicher Kulturen

Von Petra Grünendahl

Eduardo Aladrén (Pinkerton), Liana Aleksanyan (Cio-Cio-San), Chor. Foto: Hans Jörg Michel.

Eduardo Aladrén (Pinkerton), Liana Aleksanyan (Cio-Cio-San), Chor. Foto: Hans Jörg Michel.

Der amerikanische Leutnant Benjamin Franklin Pinkerton (Eduardo Aladrén) schließt mit Goro (Florian Simson), einem Makler und Heiratsvermittler, einen Vertrag, der ihm ein Haus und eine japanische Braut, das Geisha-Mädchen Cio-Cio-San (Liana Aleksanyan), für 999 Jahre zusichert. Diesen Vertrag kann er nach japanischem Recht jederzeit annullieren. Für ihn ist das Arrangement nur für die Dauer seiner Stationierung, das 15-jährige Mädchen hingegen glaubt an eine Verbindung nach amerikanischem Recht – also auf Dauer. Als er nach Amerika zurückkehrt, lässt er sie mit ihrer Dienerin Suzuki (Maria Kataeva) in dem Haus zurück. Obwohl am Ende des ersten Aktes buchstäblich ihre Welt zusammen bricht, glaubt sie fest an seine Rückkehr. Nachdem sie von ihrer Familie verstoßen worden ist, entehrt, weil sie von ihrem Mann verlassen und mit dem Kind des Amerikaners (Sarah Bock) zurück geblieben ist, ist diese Hoffnung alles, was sie aufrecht hält: Ihre Hoffnung und das Kind als Zeichen der Zusammengehörigkeit.

Liana Aleksanyan (Cio-Cio-San). Foto: Hans Jörg Michel.

Liana Aleksanyan (Cio-Cio-San). Foto: Hans Jörg Michel.

Ihre Premiere feierte im Theater Duisburg nicht die Urfassung von Giacomo Puccinis (1858-1924) Oper „Madama Butterfly“ (als Zweiakter 1904 in der Mailänder Scala uraufgeführt), sondern die wenig später in Brescia uraufgeführte dreiaktige Fassung. Zu seiner Tragödie in drei Akten inspirierte Puccini das gleichnamige Theaterstück von David Belasco, welches wiederum auf der Erzählung von John Luther Long sowie dem Roman „Madama Chrysanthème“ von Pierre Loti basiert. Für den Operntext (Libretto) zeichnen Giuseppe Giacosa und Luigi Illica verantwortlich. Die Geschichte der „Madama Butterfly“ geht wohl auf einen historischen Fall in Nagasaki zurück, wo die Oper auch spielt, allerdings sind viele ähnliche Fälle in Japan belegt. Auch wenn die Handlung einen Zusammenprall der westlichen (amerikanischen) Kultur mit der japanischen darstellt, ist sie durch und durch eine „italienische“ Oper ihrer Zeit: Allerdings nicht als Werk, welches dem damals gängigen „Japanismus“ in der Kultur nachlief. Vielmehr arbeitete Puccini hier massive Kritik am amerikanischen Kulturimperialismus ein. Mit seinen drei Stunden (inkl. eine Pause) hat der Opernabend Überlänge. Gesungen wird in italienischer Sprache, deutsche Übertitel erleichtern das Verständnis der Handlung.

In Ehren sterben

Stefan Heidemann (Konsul Sharpless), Eduardo Aladrén (Pinkerton). Foto: Hans Jörg Michel.

Stefan Heidemann (Konsul Sharpless), Eduardo Aladrén (Pinkerton). Foto: Hans Jörg Michel.

Der amerikanische Konsul Sharples (Stefan Heidemann) hatte Pinkerton vor dieser Eheschließung gewarnt: Das naive Mädchen könne an eine Beziehung auf Dauer glauben, wo der Offizier nur Spaß für seine Zeit in Japan suchte. Das von Familie und Gesellschaft isolierte Mädchen glaubt immer noch an ihre amerikanische Ehe, als Sharpless versucht, ihr zu erklären, dass Pinkerton nicht ihretwegen zurück komme. Sie will nichts davon wissen, präsentiert ihr gemeinsames Kind als Symbol ihrer ehelichen Bindung. Vom Konsul erfährt der Ex-Marineleutnant bei seiner Rückkehr nach Japan von seinem Sohn. Den Jungen wollen er und seine Frau Kate (Maria Boiko) nach Amerika mitnehmen. Pinkerton will Cio-Cio-San eigentlich nicht sehen, aber das ist ihre Bedingung, ihm und seiner Frau das Kind zu geben. Vor seinen Augen nimmt sie sich mit dem Dolch ihres Vaters das Leben.

Fantastische Inszenierung stimmungsvoll umgesetzt

Liana Aleksanyan (Cio-Cio-San). Foto: Hans Jörg Michel.

Liana Aleksanyan (Cio-Cio-San). Foto: Hans Jörg Michel.

Gesanglich wie schauspielerisch überzeugten die Sängerinnen und Sänger. Die hervorragend aufgelegten Duisburger Philharmoniker meisterten Puccinis Komposition unter der musikalischen Leitung von Aziz Shokhakimov. Die Inszenierung von Joan Anton Rechi ist eine Koproduktion mit dem Festival Castell de Peralada. Das Bühnenbild gestaltete Alfons Flores, ins rechte Licht gerückt von Volker Weinhart, die Kostüme Merce Paloma. Ensemble- und Gastsänger unterstützte der Chor der Deutschen Oper am Rhein unter der Leitung von Christoph Kurig. Die brillante Aufführung erhielt zu Recht minutenlangen Schlussapplaus mit stehenden Ovationen in einem ausverkauften Theater.

Ein kleiner Vorgeschmack:

Weitere Termine im Theater Duisburg:
Mi | 8. Februar 2017 | 19:30 Uhr,
Sa | 11. Februar 2017 | 19:30 Uhr,
So | 19. Februar 2017 | 15:00 Uhr,
Sa | 25. Februar 2017 | 19:30 Uhr,
Mi | 1. März 2017 | 19:30 Uhr,
So | 5. März 2017 | 18:30 Uhr,
Do | 9. März 2017 | 19:30 Uhr,
Sa | 6. Mai 2017 | 19:30 Uhr,
Fr | 26. Mai 2017 | 19:30 Uhr und
Sa | 3. Juni 2017 | 19:30 Uhr.

Liana Aleksanyan (Cio-Cio-San), Damen des Chores. Foto: Hans Jörg Michel.

Liana Aleksanyan (Cio-Cio-San), Damen des Chores. Foto: Hans Jörg Michel.

Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten wegen Überlänge zwischen 20,30 und 70,30 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

© 2017 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Hans Jörg Michel, Mannheim / Deutsche Oper am Rhein

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Duisburger Freiheit: Designer Outlet Center am alten Güterbahnhof?

 
Eine Schnapsidee! – Der Kommentar
Von Petra Grünendahl

Gelände vom Alten Güterbahnhof. Foto: Petra Grünendahl.

Gelände vom Alten Güterbahnhof. Foto: Petra Grünendahl.

Der Rat der Stadt Duisburg soll in einer Sondersitzung eine Änderung des Bebauungsplanes für den alten Güterbahnhof beschließen. Anstelle der geplanten Möbelhäuser auf dem Gelände von Kurt Krieger soll dort nun ein Designer Outlet Center entstehen: Das Größte in Deutschland soll es werden, mit einer Verkaufsfläche von 30.000 Quadratmetern und etwa 175 Läden. Hier sollen nun per Herstellerdirektverkauf Markenartikel von Designer-Labeln zu reduzierten Preisen an den Mann – oder wohl mehr an die Frau – gebracht werden.

Da entscheidet also ein Stadtrat, besetzt mit Leuten, von denen bestimmt über 90 Prozent noch nie in einem Designer Outlet Center shoppen waren – zum Beispiel in Roermond oder Maasmechelen Village, um hier nur die nächsten erreichbaren zu nennen. Sie entscheiden aufgrund einer Beschlussvorlage der Verwaltung und Versprechungen, die ihnen Investoren machen. Geschenkt: Das hatten wir doch alles schon mal! Die Idee eines großflächigen, um nicht zu sagen überdimensionierten Textileinzelhandels wird auch nicht besser dafür, dass sie jetzt an anderer Stelle neu aufgekocht wird, wo nicht für Parkplätze Menschen aus ihrer Heimat vertrieben werden.

Meinung: Eine Schnapsidee ist eine Schnapsidee und bleibt eine Schnapsidee!
uebrigens!Das Einkaufszentrum MultiCasa ist Mitte des vergangenen Jahrzehnts nach Jahren von Planungen und Luftschlössern gekippt worden: Zu dicht an der Innenstadt ohne eine ausreichende Anbindung an diese seien Einzelhandel und die Attraktivität dort gefährdet. Die Pläne für ein Factory Outlet Center in Hamborn haben der Innenstadt massiv geschadet, weil man das Pferd immer noch aufzäumen wollte, obwohl der Gaul längst tot war. Jetzt kommt der nächste Schuss vor Bug der Einzelhändler an und um die Königstraße: Direkt von den Toren der Stadt will man großflächig Konkurrenz errichten – und diese auch noch mit Wettbewerbsvorteilen ausstatten, mit denen keine Innenstadt mithalten kann.

Gerne wird hier Roermond als Beispiel genannt, welches von seinem Designer Outlet fraglos profitiert hat. Vom Parkplatz seitliche des Centers läuft man keine 500 Meter durch eine breite Unterführung mitten hinein in eine hübsche lebendige Kleinstadt mit holländischem Charme und vielen interessanten Geschäften und Gastronomie. Da kann man ja schon mal, vor allem, wenn man im Outlet selber vielleicht noch nicht das Richtige gefunden hat. Oder, man parkt gleich dort und geht in die Stadt. Frei parken lockt halt. Na, das passt doch – aber leider nicht in Duisburg! Zu groß sind die Entfernungen hier: Unter zwei Kilometern dürfte da nichts zu machen sein – je nach dem, wo der Investor die Parkplätze hinbauen will. Diese zwei Kilometer läuft keiner – schon gar nicht in eine Stadt, die an ihrer Optik und Attraktivität noch ein wenig feilen müsste.

Spiel mit gezinkten Karten

Gelände vom Alten Güterbahnhof. Foto: Petra Grünendahl.

Gelände vom Alten Güterbahnhof. Foto: Petra Grünendahl.

Wettbewerb belebt das Geschäft? Ja, wenn die Wettbewerber gleichen Bedingungen unterliegen. Tun sie hier aber nicht, denn am Designer Outlet würden große Parkplätze in unmittelbarer Nähe kostenlos zur Verfügung stehen; in der Innenstadt ist dies nicht möglich. Das lenkt Besucherströme – nicht nur von außerhalb! Denn: Auch Duisburger dürften am DOC für lau parken. Wer ohnehin mit dem Auto zum Einkaufen fährt, wird wohl kaum noch dort hin fahren, wo ihn Parken „was kost“. Dass sich die IHK und der Einzelhandelsverband gegen unfairen Wettbewerb zulasten ihrer Mitglieder wehren, ist nicht nur verständlich: Das muss so sein! Dazu sind diese Interessenvertretungen da.

Gewerbesteuern dürften an der Stadt vorbeifließen
Außer der Grundsteuer werden wohl kaum Steuern an die Stadt fließen. Die Hersteller verkaufen „direkt“, dass heißt: nicht über Inhabergeführte Geschäfte oder Filialgeschäfte mit Eintrag im hiesigen Handelsregister. Also fließen Gewerbesteuern am Hauptsitz des Herstellers ab – und der liegt NICHT in Duisburg. Wenn beim Bau das eine oder andere Duisburger Unternehmen beteiligt wird: Schön für deren Umsatz – und ein paar Tröpfchen Gewerbesteuern fließen zumindest in der Bauphase an die Stadt. Wenn überhaupt! Wer kann, zahlt seine Gewerbesteuern lieber woanders, sind die Hebesätze in Duisburg doch alles andere als verlockend. Profitieren wird Duisburg hier wohl eher nicht!

Der Herstellerdirektverkauf schafft Arbeitsplätze? Büros bieten ja wohl Arbeitsplätze von ganz anderer Qualität an: Jobs, von denen man leben kann. Höherwertige Jobs stünden der Stadt besser zu Gesicht als überwiegend geringfügige Beschäftigung im Einzelhandel – sofern nicht ohnehin nur eine Verlagerung von Jobs aus der Innenstadt statt findet, denn dort braucht sich ja kein höherwertiger Textiler mehr ansiedeln und diejenigen, die dort schon sind (ja, die gibt es!), werden wohl ob der Konkurrenz auf der Grünen Wiese mit ihren Wettbewerbsvorteilen bald die Segel streichen (müssen).

Und: Was gerne vergessen wird!
Mehr Einkaufsmöglichkeiten schaffen ja nicht mehr Umsatz: Er verteilt sich nur anders. Sein Geld kann der Kunde nämlich nur einmal ausgeben!

Sondersitzung für Meinungsbild?
Eilige Sondersitzung zwecks Meinungsbildung hatte es im Vorfeld aus dem Rathaus geheißen. Dass man den Punkt „Designer Outlet“ in den nichtöffentlichen Teil der Tagesordnung zur Ratssitzung gepackt hat, spricht Bände: An einer öffentlichen Diskussion ist man nicht interessiert. Das Abstimmungsergebnis „Pro-DOC“ steht angesichts der Mehrheit von SPD und CDU – Fraktionszwang lässt grüßen – ohnehin fest. Die Meinung der kleine Fraktionen und Gruppen war bestenfalls mal von Interesse, als man sie noch für Mehrheiten brauchte. Und auch da waren sie nur dann gefragt, wenn sie eigene Interessen spiegelten.

© 2017 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Publikum im Theater Duisburg feierte Chor und Orchester bei Festkonzert: 30 Jahre Universitätschor

Wahrlich keine bösen Geister
Von Petra Grünendahl

Schauspieler Linus Schutz als Zauberlehrling. Foto: Petra Grünendahl.

Schauspieler Linus Schutz als Zauberlehrling. Foto: Petra Grünendahl.

„Die Geister, die ich rief, die werd’ ich nun nicht los“, verzwiefelte Sprecher Linus Schütz. Goethes Ballade vom Zauberlehrling hatte ihren Reiz, auch wenn man sie schon lange nicht mehr auswendig kann: ein Deja-vu, das doch die eine oder andere Zeile ins Gedächtnis rief. Den dichterisch-schauspielerischen Einschub umgaben phantastische Kompositionen, die ein hervorragendes Universitätsorchester zusammen mit dem Universitätschor mit viel Können und noch mehr Leidenschaft erklingen ließ. Musikalisch anspruchsvoll – auch für das Publikum – boten die Musiker und Sänger eine Vorstellung wie aus einem Guss. Wie viele Mühen in der Erarbeitung der Stücke gesteckt haben muss, blieb dem Publikum angesichts einer herausragenden Vorstellung verborgen.

Festkonzert der Universität Duisburg-Essen. Foto: Petra Grünendahl.

Festkonzert der Universität Duisburg-Essen. Foto: Petra Grünendahl.

Zum traditionellen Festkonzert zum Semesterabschluss hatte die Universität Duisburg-Essen eingeladen – in diesem Jahr mit einem besonderem Anlass: dem 30-jährigen Chorjubiläum. Seit dem Zusammenschluss der beiden Universitäten 2003 findet die Festkonzert-Premiere im Theater Duisburg statt, vor der Aufführung in Essens Philharmonie. „Das Publikum wird in Duisburg jedes Jahr größer“, merkte Prof. Dr. Ulrich Radtke, Rektor der Universität Duisburg-Essen (UDE), zur Begrüßung erfreut an. Noch ist das Theater Duisburg nicht – wie die Philharmonie Essen – in jedem Jahr ausverkauft. Was nicht an der musikalischen Qualität liegen kann: Dass die hochanspruchsvollen Stücke von einem Laienorchester gespielt werden, hört und glaubt man nicht! „Wir haben zwar keine Fakultät, aber Musik wird bei uns sehr groß geschrieben“, so der Universitäts-Rektor. Die minutenlangen stehenden Ovationen eines begeisterten Publikums zum Abschluss des Konzerts hatten ihre volle Berechtigung.

Festkonzert der Universität Duisburg-Essen. Vorne auf der Bühne (v. l.) Dirigent Hermann Kruse, Bariton Rafael Bruck, Tenor Michael Siemon und Bass-Bariton Andrew Nolen. Foto: Petra Grünendahl.

Festkonzert der Universität Duisburg-Essen. Vorne auf der Bühne (v. l.) Dirigent Hermann Kruse, Bariton Rafael Bruck, Tenor Michael Siemon und Bass-Bariton Andrew Nolen. Foto: Petra Grünendahl.

Neben Linus Schütz, Schauspiel-Absolvent der Folkwang-Universität, hatte die Programmverantwortlichen um Prof. Dr. Eberhard Passarge (Musikbeauftragter der UDE), Chor-Dirigent Herman Kruse und Orchester-Dirigent Prof. Oliver Leo Schmidt noch drei Solisten auf die Bühne geholt: Tenor Michael Siemon, Barition Rafael Bruck und Bass-Bariton Andrew Nolen. Der Chor hatte sich mit Sängern des Konzertchors Unna verstärkt. Unter dem Motto „von Hexen, Geistern und Dämonen“ hatten sie ein musikalisch anspruchsvolles Programm erarbeitet, welches auch Profi-Ensembles herausfordert. Mit Modest Mussorgski („Die Nacht auf dem kahlen Berge“), Paul Dukas („L’apprenti Sorcier – Der Zauberlehrling“) und Jerry Goldsmith (mit der Filmmusik aus „Das Omen“) kamen Komponisten zur Aufführung, die eher selten gespielt werden. Bekannter dagegen ist Felix Mendelssohn Bartholdy, dessen „Erste Walpurgisnacht“ allerdings auch nicht in vielen Repertoires gespielt wird.

30 Jahre Universitätschor

Festkonzert der Universität Duisburg-Essen mit Dirigent Hermann Kruse. Foto: Petra Grünendahl.

Festkonzert der Universität Duisburg-Essen mit Dirigent Hermann Kruse. Foto: Petra Grünendahl.

Gegründet hat den Universitätschor der damaligen Uni-Gesamthochschule Essen 1987 der langjährige Dirigent des Universitätsorchesters, Siegfried Scheytt. Von Beginn an hatte der Chor – ebenso wie das Orchester – einen ausgebildeten Profi und hauptberuflichen Dirigenten, obwohl beide Ensembles „nur“ aus sehr engagierten Laienmusikern und –sängern bestehen. Seit 2001 führt Hermann Kruse den Taktstock, der vor seiner Übersiedlung ins Ruhrgebiet 2000 zwei Jahre lang Chordirektor der Jenaer Philharmonie war. Der Universitätschor Essen mit etwa 170 Sängern besteht überwiegend aus aktuellen und ehemaligen Studierenden sowie Mitarbeitern der Hochschule, zuweilen – je nach aktueller Stimmverteilung – sind aber auch „Externe“ willkommen.

Das Universitätsorchester

Festkonzert der Universität Duisburg-Essen mit Dirigent Oliver Leo Schmidt. Foto: Petra Grünendahl.

Festkonzert der Universität Duisburg-Essen mit Dirigent Oliver Leo Schmidt. Foto: Petra Grünendahl.

Gegründet wurde das Universitätsorchester im Semester 1964/65 von Studenten der Medizinischen Fakultät in Essen. Heute hat das Ensemble rund 90 Mitglieder. „Wir brauchen den Vergleich mit professionellen Klangkörpern nicht scheuen“, bekräftigte Prof. Dr. Eberhard Passarge, Musikbeauftragter der Universität Duisburg-Essen (UDE), der die beiden Ensembles zu Recht als „Exzellenzcluster“ bezeichnete. Gleiches bestätigte Prof. Oliver Leo Schmidt, Dirigent des Universitätsorchesters, der Dirigieren an der Folkwang-Universität lehrt und bereits am Dirigierpult namhafter Orchester gestanden hat: „Amateure sind die besseren Liebhaber. Wo professionelle Orchester vielleicht technisch besser sind, gleichen das Amateure mit mehr Leidenschaft aus.“ Wobei aber auch – in beiden Universitäts-Ensembles – auf sehr hohem Niveau auch mit ausgesprochen schwierigen Stücken gearbeitet wird. Zwei ambitionierte Dirigenten – Schmidt und Kruse – holen dabei das bestmögliche aus ihren Musikern und Sängern heraus.

Festkonzert der Universität Duisburg-Essen. Foto: Petra Grünendahl.

Festkonzert der Universität Duisburg-Essen. Foto: Petra Grünendahl.

Beide Ensembles spielen und singen überwiegend Stücke, die selten aufgeführt werden. Aus gutem Grund: Es sind schwierige Stücke sind eine Herausforderung für Dirigent und Orchester bzw. Chor. Was dabei heraus kommt, kann sich seit Jahrzehnten hören lassen: Beide Uni-Ensembles haben sich ihren Platz in der hiesigen Kulturszene zu Recht erobert. Vielleicht in ein paar Jahren auch im Duisburger Theater vor ausverkauftem Haus.

© 2017 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Marketing-Club Duisburg-Niederrhein informierte sich über Business in China

Neue Seidenstraße als Weg zum
wirtschaftlichen Erfolg auch in Duisburg

Von Petra Grünendahl

Ex-MdB Johannes Pflug, offizieller China-Beauftragter der Stadt Duisburg und Präsident des China-Business-Network. Foto: Petra Grünendahl.

Ex-MdB Johannes Pflug, offizieller China-Beauftragter der Stadt Duisburg und Präsident des China-Business-Network. Foto: Petra Grünendahl.

„Mittlerweile fahren zehn Züge pro Woche von China nach Duisburg, aber sie sollten nicht leer wieder zurückfahren“, erklärte Johannes Pflug, ehemaliger Bundestagsabgeordneter und offizieller China-Beauftragter der Stadt Duisburg, der die „neue Seidenstraße“ auch gerne in Richtung Asien genutzt sehen möchte. Chinesen wollten in Deutschland wirtschaftlich Fuß fassen, auch mit Produktion und Entwicklung: „Dies sollte aber keine Einbahnstraße sein, sondern auf Augenhöhe geschehen“, so Pflug. Gute Chancen sehe er hier besonders für Duisburg, das schon sehr intensive Geschäftskontakte nach China pflegt. Aber als Industriestandort – und darüber hinaus mit seiner Lage mitten in Europa – hat Duisburg natürlich viel auch an Know-how zu bieten. Nicht nur der Hafen, auch die Stadt sind sehr um gute Kontakte ins Reich der Mitte bemüht. „Im letzten und vorletzten Jahr waren Delegationen aus Duisburg in China, um dort Kontakte für die lokale Wirtschaft zu knüpfen.“ Die chinesische Regierung unter Staatspräsident Xi Jinping sei ebenfalls sehr an Geschäftsbeziehungen auch nach Deutschland interessiert, um der chinesischen Wirtschaft weiteres Wachstum zu ermöglichen.

Neujahrsempfang des Marketing-Clubs zum Thema China (v. l.): Ex-MdB Johannes Pflug, Club-Präsident Marco Pfotenhauer und Susanne Löhr vom Konfuzius-Institut. Foto: Petra Grünendahl.

Neujahrsempfang des Marketing-Clubs zum Thema China (v. l.): Ex-MdB Johannes Pflug, Club-Präsident Marco Pfotenhauer und Susanne Löhr vom Konfuzius-Institut. Foto: Petra Grünendahl.

Zum Neujahrsempfang hatte der Marketing-Club Duisburg-Niederrhein seine Mitglieder in das Restaurant Küppersmühle eingeladen. Geschäftsverbindungen nach China als Thema des Abends fand auch bei den Marketing-Fachleuten ein interessiertes Publikum, dem die Gastrednern der Veranstaltung jede Menge Informationen und gute Tipps mit auf den Weg gebe konnten. Johannes Pflug, der auch Präsident des jüngst gegründeten China-Business-Network ist, und Susanne Löhr, Geschäftsführerin des Konfuzius-Institutes Metropole Ruhr, brachten aus ihren Arbeitsbereichen wertvolle Erfahrungen mit, wie aus einer künftig stärkeren Position Chinas auch Duisburger Unternehmen profitieren können.

WeChat: Wo sich das digitale Leben in China abspielt

Neujahrsempfang des Marketing-Clubs zum Thema China (v. l.): Ex-MdB Johannes Pflug, Club-Präsident Marco Pfotenhauer und Susanne Löhr vom Konfuzius-Institut. Foto: Petra Grünendahl.

Neujahrsempfang des Marketing-Clubs zum Thema China (v. l.): Ex-MdB Johannes Pflug, Club-Präsident Marco Pfotenhauer und Susanne Löhr vom Konfuzius-Institut. Foto: Petra Grünendahl.

Der chinesische Webdienst „WeChat“ (chin. Weixin) ist weit mehr als nur ein soziales Netzwerk. Es ist darüber Messenger, Adressbuch und digitale Geldbörse. Mit rund 850 Mio. Nutzern ist es das größte Netzwerk Chinas, nur Facebook ist weltweit größer. In China mit seinem zensierten Internet ist WeChat das Maß aller Dinge. Die Plattform wird überwiegend über Smartphone genutzt. „Viele Firmen betreiben ihre Webseiten ausschließlich über WeChat“, erklärte Susanne Löhr. „Hier locken sie mit Bonusvorteilen Kunden oder knüpfen Geschäftskontakte.“ WeChat ist die Kommunikationsplattform in China, gerade auch als Marketing-Tool für in China aktive Unternehmen wertvolle Dienste leisten oder einen Markteinstieg erleichtern kann.

Foto: Petra Grünendahl.

Foto: Petra Grünendahl.

Der Marketing-Club Duisburg-Niederrhein
Die regionale Berufsstandesorganisation wurde 2009 gegründet und ist als Mitglied im Deutschen Marketing Verband einer von 65 Clubs deutschlandweit. Der Marketing-Club ist der Weiterbildung seiner Mitglieder ebenso verpflichtet wie der Schaffung einer Kommunikationsplattform. Fast jeden Monat trifft sich der Marketing-Club Duisburg-Niederrhein zu überwiegend fachlich orientierten Besichtigungen oder Vorträgen in der ganzen Region. Informationen zu Themen, Veranstaltungen und Kontakten gibt es auf der Homepage des Clubs. Wer im Marketing tätig ist und sich für eine Mitgliedschaft im Marketing-Club interessiert, kann bei solchen Gelegenheiten erste Kontakte knüpfen: Netzwerken lässt sich im Anschluss an den fachlichen Teil nämlich ganz hervorragend. Und natürlich lassen sich die fachlichen Fragen mit den jeweiligen Referenten in Einzelgesprächen noch vertiefen.

© 2017 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Duisburger Bündnis für Toleranz und Zivilcourage zeichnet Community-Tanzprojekt „Exile“ aus

Verständigung und Integration: Mit
„Tanzen für ein besseres Leben“ Brücken bauen

Von Petra Grünendahl

Pfarrer Armin Schneider, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Duisburg und Sprecher des Bündnisses für Toleranz und Zivilcourage. Foto: Petra Grünendahl.

Pfarrer Armin Schneider, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Duisburg und Sprecher des Bündnisses für Toleranz und Zivilcourage. Foto: Petra Grünendahl.

„Vielfalt prägt unsere Stadtgesellschaft: Duisburg begreift dies als Bereicherung, nicht als eine Bedrohung“, erklärte Pfarrer Armin Schneider, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Duisburg und Sprecher des Bündnisses für Toleranz und Zivilcourage. „Kunst und Kultur bauen Brücken, schaffen Respekt und Verständigung“, begründete Schneider die diesjährige Ehrung. „Mit Tanz und Musik haben die Beteiligten eine Sprache gefunden, die weltweit verstanden wird“, so Kulturdezernent Thomas Krützberg als Laudator. Die Verständigung der Beteiligten sei nach den Aufführungen am 23. und 24. September letzten Jahres aber nicht abgerissen: „Vertiefte Kontakte zwischen den Mitwirkenden blieben: Das Kulturprojekt baute Brücken und führte Menschen zusammen, die bereit waren, offen aufeinander zuzugehen. Das wirkt bis heute nach.“

Preisverleihung des Bündnisses für Toleranz und Zivilcourage (v. l.): Bürgermeister Manfred Osenger DGB-Chefin, Angelika Wagner, Dr. Alred Wendel, Ulla Weltike, Superintendent Armin Schneider und Laudator Thomas Krützberg. Foto: Petra Grünendahl.

Preisverleihung des Bündnisses für Toleranz und Zivilcourage (v. l.): Bürgermeister Manfred Osenger DGB-Chefin, Angelika Wagner, Dr. Alred Wendel, Ulla Weltike, Superintendent Armin Schneider und Laudator Thomas Krützberg. Foto: Petra Grünendahl.

Den Duisburger Preis für Toleranz und Zivilcourage erhielt in diesem Jahr das Community-Tanzprojekt „Exile“. Angelika Wagner, als DGB-Vorsitzende Geschäftsführerin des Bündnisses, verlieh den Preis traditionell anlässlich des Holocaust-Gedenktages im Gemeindesaal der Jüdischen Gemeinde in Innenhafen. Den in Form einer ausgestreckten Hand gestaltete Preis bekamen symbolisch für alle Beteiligten Ulla Weltike, Tanzwerkstatt Duisburg, und Dr. Alfred Wendel, Generalintendant der Duisburger Philharmoniker, überreicht. Geehrt wurde damit wurde damit das Mitwirken vieler Ehrenamtlicher, die für ein friedliches und tolerantes Miteinander, für Verständigung und Integration unterschiedlicher Kulturen stehen.

Thomnas Krützberg, Armin Schneider und Angelika Wagner (links iim Bild) applaudieren den Preisträgern vom Tanzprojekt "Exile". Foto: Petra Grünendahl.

Thomnas Krützberg, Armin Schneider und Angelika Wagner (links iim Bild) applaudieren den Preisträgern vom Tanzprojekt „Exile“. Foto: Petra Grünendahl.

Exile – Tanz für ein besseres Leben

Kulturdezernent Thomas Krützberg sprach die Laudatio. Foto: Petra Grünendahl.

Kulturdezernent Thomas Krützberg sprach die Laudatio. Foto: Petra Grünendahl.

Angelika Wagner, DGB-Chefin in Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Angelika Wagner, DGB-Chefin in Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Die rund 200 Teilnehmer rekrutierten sich aus Schülern vom Max-Planck-Gymnasium, einer Integrationsklasse am Sophie-Scholl-Berufskolleg, und einer Rheinhauser Sprachschule sowie aus Flüchtlingen der Unterkunft an der Memelstraße und den Duisburger Philharmonikern. Gemeinsam mit Choreographen und Tanzlehrern erarbeiteten sie das Stück „Exile – Tanzen für ein besseres Leben“, eine Choreographie, die Royston Maldoom schon 2007 erstmals in Luxemburg präsentiert hatte. Es geht dabei um junge Menschen, die ihre Heimat verlassen, sich in einer fremden Welt neu orientieren müssen: Mit ihren Hoffnungen, Ängsten, Träumen und Erinnerungen treffen in ihrer neuen Umgebung auf Menschen mit anderer Geschichte, Herkunft und ihren eigenen Gefühlen. In der Geschichte des Stücks wie in der gemeinsamen Erarbeitung für die Bühne machen sich Heimatsuchende und Beheimatete auf den Weg in eine gemeinsame Zukunft. Das Projekt schaffte Begegnungen von Menschen, die sich sonst nie kennen gelernt hätten, um Gemeinsamkeiten für die Zukunft zu suchen und zu finden. Musik und Tanz ermöglichten Kommunikation und Verständigung, persönliche Kontakte reichten über das Projekt hinaus.

Die Gelsenkrichener Swingfoniker gestalteten under der Leitung von Lutz Peller den musikalischen Rahmen. Foto: Petra Grünendahl.

Die Gelsenkrichener Swingfoniker gestalteten under der Leitung von Lutz Peller den musikalischen Rahmen. Foto: Petra Grünendahl.

Das Engagement, mit Musik, Kunst und Kultur Brücken zu bauen und Verständigung für ein friedliches Zusammenleben zu vermitteln, hatte in der Ausschreibung für die diesjährige Preisverleihung im Fokus gestanden. „Wir haben so viele Vorschläge für unseren Preis bekommen“, erzählte Angelika Wagner, was zeige: „wie vielfältig das Engagement in unserer Stadt ist.“ Eine Jury aus Vertretern unterschiedlichster Bereiche des öffentlichen Lebens traf schließlich die Entscheidung über die eingereichten Vorschläge.

Bewährte Traditionen

Alexander Drehmann, Geschäftführer der Jüdischen Gemeinde. Im Hintergrund: Sänger der Gelsenkirchener Swingfoniker. Foto: Petra Grünendahl.

Alexander Drehmann, Geschäftführer der Jüdischen Gemeinde. Im Hintergrund: Sänger der Gelsenkirchener Swingfoniker. Foto: Petra Grünendahl.

„Wir sind hier zwar mitten in Bauarbeiten, was den Zugang erschwert, wollten uns diese Veranstaltung aber nicht nehmen lassen, weil sie uns wichtig ist“, erklärte Alexander Drehmann, Geschäftsführer der gastgebenden Jüdischen Gemeinde, in deren Haus die Preisverleihung nun zum 16. Mal statt fand. Auch eine weitere Tradition hatte Bestand: Die Gelsenkirchener Swingfoniker gestalteten unter der Leitung von Lutz Peller den musikalischen Rahmen.

© 2017 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Sculpture 21st: Lehmbruck Museum Duisburg zeigt Danica Dakićs „Missing Sculpture“

Zuschauer ist gefordert: Individuelles Eintauchen
in Erinnerungen, Assoziationen und Gedanken

Von Petra Grünendahl

„Bitte suchen Sie sich ihren Weg in den Zwischenräumen der Bodenzeichnung“, steht auf dem Steinboden geschrieben, bevor die „Skulptur“ beginnt, die nicht wirklich plastisch sein will. Foto: Petra Grünendahl.

„Bitte suchen Sie sich ihren Weg in den Zwischenräumen der Bodenzeichnung“, steht auf dem Steinboden geschrieben, bevor die „Skulptur“ beginnt, die nicht wirklich plastisch sein will. Foto: Petra Grünendahl.

Sculpture 21 in der großen Glashalle: Danica Dakics Missing Sculpture. Foto: Petra Grünendahl,

Sculpture 21 in der großen Glashalle: Danica Dakics Missing Sculpture. Foto: Petra Grünendahl,

„Bitte suchen Sie sich ihren Weg in den Zwischenräumen der Bodenzeichnung“, steht auf dem Steinboden geschrieben, bevor die „Skulptur“ beginnt, die nicht wirklich plastisch sein will. Zitate aus einer Dankesrede von Joseph Beuys, 1986 im Lehmbruck Museum gehalten, sind mit Knochenleim und Kreidepigmenten auf den Boden aufgebracht. Aus sieben Lautsprechern erklingt eine Soundinstallation: Ein Sprecher (Philipp Heitmann) zitiert aus Briefen von Wilhelm Lehmbruck, Museumsbesucher berichten Eindrücke, Erlebnisse, Gedanken. Das Partizipationsprojekt „Missing Sculpture“ der in Düsseldorf lebenden Künstlerin Danica Dakić (*1962 in Sarajeva) nimmt die Geographie des Raumes auf und verbindet sie mit Gedanken, Erinnerungen von Menschen. Das Werk ist seine Entstehung, der Austausch unterschiedlicher Menschen, deren Ergebnisse nun vor dem Betrachter und Zuhörer liegen: Bereit von ihm erkundet zu werden, mit eigenen Eindrücken und Empfindungen gefüllt zu werden. Ein Kunstwerk, welches sich seinem Publikum nicht gleich erschließt. Welches erobert werden will.

Pressefotograf und Künstlerin: Wie bekomme ich Danica Dakics Missing Sculpture auf ein Foto? Foto: Petra Grünendahl,

Pressefotograf und Künstlerin: Wie bekomme ich Danica Dakics Missing Sculpture auf ein Foto? Foto: Petra Grünendahl,

Das Lehmbruck Museum zeigt im Rahmen von Sculpture 21st Danica Dakićs „Missing Sculpture“ in der großen Glashalle zum Kantpark. Zu sehen ist von außen, aus dem Park heraus, allerdings praktisch nichts. Man muss das Werk begehen, vorsichtig zwischen den Textzeilen, damit diese nicht beschädigt werden. Die Texte auf dem Boden ebenso auf sich wirken lassen wie die Klänge und Stimmen aus den sieben Lautsprechern, die außen an den großen Glasfronten installiert sind. Kuratiert wurde die Ausstellung von Ronja Friedrich, die das gesamt Projekt von den ersten Ideen der Künstlerin im Haus bis hin zur Realisierung betreut hatte.
Sculpture 21 in der großen Glashalle: Danica Dakics Missing Sculpture. Foto: Petra Grünendahl,

Sculpture 21 in der großen Glashalle: Danica Dakics Missing Sculpture. Foto: Petra Grünendahl,

Das Partizipative Projekt ist ein Mitmachprojekt, an dem viele Akteure beteiligt waren: Von der Künstlerin selber über Sybille Kastner von der Kunstvermittlung, die Teilnehmer aus Duisburg für die Soundinstallation vorschlug, und den Fotografen Helge Trogemann, der das Projekt wie so viele andere der Künstlerin fotografisch begleitete, bis hin zum Klangkünstler Bojan Vuletić, dem Sprecher Philipp Heitmann, Künstlergästen sowie kunst-affinen Duisburgern, die in der 15-minütige Soundinstallation zu hören sind (Technische Realisierung: Marco Hugo Schretter). Die Ausstellung eröffnet am Donnerstag, 26. Januar, um 19 Uhr.

Die Künstlerin Danica Dakić

Die Künstlerin Danica Dakic beim Pressegespräch zu Sculpture 21: Missing Sculpture. Foto: Petra Grünendahl,

Die Künstlerin Danica Dakic beim Pressegespräch zu Sculpture 21: Missing Sculpture. Foto: Petra Grünendahl,

In unterschiedlichen Medien arbeitet Danica Dakić mit performativen und partizipativen Prozessen (Inszenierung und Mitwirkung), um kulturelles Gedächtnis und Identität, Sprache sowie (Kunst-)Geschichte in ihrer ständigen Veränderung zu befragen. Ihre Projekte basieren auf oft langdauernden Produktionsprozessen und einer intensiven Zusammenarbeit mit den Akteuren, die ihnen eine eigene, zugleich sinnbildliche und vorübergehende Rolle im gegenwärtigen „Theatrum Mundi“ ermöglicht und stereotype Zuschreibungen verschiebt.

Sculpture 21 in der großen Glashalle: Danica Dakics Missing Sculpture. Foto: Petra Grünendahl,

Sculpture 21 in der großen Glashalle: Danica Dakics Missing Sculpture. Foto: Petra Grünendahl,

Sculpture 21 in der großen Glashalle: Danica Dakics Missing Sculpture. Foto: Petra Grünendahl,

Sculpture 21 in der großen Glashalle: Danica Dakics Missing Sculpture. Foto: Petra Grünendahl,

Mit ihren künstlerischen Arbeiten, die sie oft in Zusammenarbeit mit dem Fotografen und Kameramann Egbert Trogemann realisiert, schafft Danica Dakić Bühnen, auf denen sich jenseits politischer, sozialer oder ökonomischer Festschreibungen eigene, individuelle Erzählungen entwickeln lassen. Die Bedeutung des Besonderen im Lokalen gegenüber dem Universalen der Globalisierung, die Vielstimmigkeit der mündlichen Überlieferung und des geschriebenen Wortes, die Erzählung als Identität stiftendes Moment, die Kraft der Stimme, des Geräuschs, der Musik – mit all diesen Aspekten arbeitet die Künstlerin, um die Schönheit der menschlichen Existenz zu erkunden.

Danica Dakić (*1962 in Sarajevo) studierte an der Akademie der Künste in Sarajevo, der Akademie der Künste in Belgrad und der Kunstakademie in Düsseldorf. Seit 1993 lebt und arbeitet sie in Düsseldorf. Seit 2011 ist sie Professorin an der Bauhaus-Universität Weimar, wo sie den internationalen Master-Studiengang „Public Art and New Artistic Strategies“ leitet. Im Lehmbruck Museum war sie zuletzt zu sehen mit dem Bild „La Grande Galerie“ in der Ausstellung „Zeichen gegen den Krieg“.

Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla und Kulturdezernent Thomas Krützberg beim Pressegespräch zu Sculpture 21: Danica Dakics Missing Sculpture. Foto: Petra Grünendahl,

Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla und Kulturdezernent Thomas Krützberg beim Pressegespräch zu Sculpture 21: Danica Dakics Missing Sculpture. Foto: Petra Grünendahl,

Die „Missing Sculpture“ von Danica Dakić wird im Rahmen der Reihe „Sculpture 21st“ in der großen Glashalle bis zum 19. März 2017 zu erleben sein. Dienstags bis freitags ist das Lehmbruck Museum ab 12 Uhr geöffnet, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags wegen der plastikBAR bis 21 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro, ermäßigt 5 Euro. Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Blinden- und Demenzbegleitung haben kostenlos Eintritt. Schulklassen und Kindergärten zahlen pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte gibt es für 15 Euro. Jeden ersten Freitag im Monat gilt: „pay what you want“. Ausgenommen davon sind angemeldete Gruppen.

Sculpture 21 in der großen Glashalle: Danica Dakics Missing Sculpture. Foto: Petra Grünendahl,

Sculpture 21 in der großen Glashalle: Danica Dakics Missing Sculpture. Foto: Petra Grünendahl,

Am Donnerstag, 2. März 2017, lädt das Lehmbruck Museum im Rahmen der plastikBAR zum Künstlergespräch mit Danica Dakić, in Verbindung mit einer Performance von Vasili Macharadze. Öffentliche Führungen durch das Museum gibt es jeden Sonntag; sie kosten 2 Euro zusätzlich zum Eintritt. Für Informationen und Buchungen steht die Kunstvermittlung des Lehmbruck Museums unter Telefon 0203 / 283-2195 oder eMail kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de zur Verfügung. Weitere Informationen gibt es unter tickets@lehmbruckmuseum.de, Telefon 0203 / 283-2195 oder www.lehmbruckmuseum.de sowie im Veranstaltungskalender.

(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70%), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen mit Sozialhilfebezug.

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© 2017 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl,
Diashow: Natsumi Sugiyama (Grafik) und Egbert Trogemann (Fotos)

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Festkonzert der Universität Duisburg-Essen: 30 Jahre Universitätschor

Von der Walpurgisnacht über den Zauberlehrling, der die Geister rief, bis hin zur dämonischen Filmmusik
Von Petra Grünendahl

Stellten das Festkonzert der Universität Duisburg-Essen im Foyer des Theaters vor (v. l.): Karoline Hoell, Leiterin der Kulturbetriebe Duisburg, Orchester-Dirigent Oliver Leo Schmidt, Prof. Dr. Eberhard Passarge, Musikbeauftragter der UDE, und Swen Wagner, Sprecher des Universitätschores. Foto: Petra Grünendahl.

Stellten das Festkonzert der Universität Duisburg-Essen im Foyer des Theaters vor (v. l.): Karoline Hoell, Leiterin der Kulturbetriebe Duisburg, Orchester-Dirigent Oliver Leo Schmidt, Prof. Dr. Eberhard Passarge, Musikbeauftragter der UDE, und Swen Wagner, Sprecher des Universitätschores. Foto: Petra Grünendahl.

„Ich bin ja nicht so für Motto-Konzerte, aber es ein schönes Programm geworden und passt gut zusammen“, erklärte Orchester-Dirigent Prof. Oliver Leo Schmidt. Gemeinsam mit Chor-Dirigent Hermann Kruse hatte er das Festkonzert 2017 zusammen gestellt. Zwei Stücke zur Walpurgisnacht – Modest Mussorgskis „Die Nacht auf dem kalten Berge“ und Felix Mendelssohn Bartholdys “Die erste Walpurgisnacht op. 60“ – umrahmen Goethes „Zauberlehrling“ als Ballade vertont von Paul Dukas und „Das Omen“, eine Suite von Jerry Goldsmith aus dem gleichnamigen Film. Modernes gepaart mit älterem und Klassikern, die sich auch mit Bezügen untereinander allesamt gut unter ein gemeinsames Motto fassen ließen.

„Von Hexen, Geistern und Dämonen“ heißt das diesjährige Festkonzert, welches das Universitätsorchester Duisburg-Essen traditionell zum Ende des Wintersemesters in Essen und seit der Fusion mit Duisburg auch im hiesigen Theater am König-Heinrich-Platz veranstaltet. Das Festkonzert 2017 gibt den Rahmen für das 30-jährige Jubiläum, welches der Universitätschor in diesem Jahr feiert. Dieses Jubiläum nahmen die beiden universitären Musik-Ensembles zum Anlass, wieder einmal ein gemeinsames Programm zu erarbeiten und aufzuführen. Unterstützt werden die Uni-Ensembles dabei vom Konzertchor Unna, von drei Solisten – Michael Siemon (Tenor), Rafael Bruck (Bariton) und Andrew Nolen (Bass-Bariton) –, die allesamt beim Theater Krefeld-Mönchengladbach engagiert sind, sowie als Spreche Linus Schütz, Absolvent der Folkwang-Universität der Künste und ab Februar am Schauspielhaus Bochum unter Vertrag.

30 Jahre: Universitätschor feiert Geburtstag

Stellten das Festkonzert der Universität Duisburg-Essen im Foyer des Theaters vor (v. l.): Swen Wagner, Sprecher des Universitätschors, Prof. Oliver Leo Schmidt, Dirigent des Universitätsorchesters, und Prof. Dr. Eberhard Passarge, Musikbeauftragter der Universität Duisburg-Essen. Foto: Petra Grünendahl.

Stellten das Festkonzert der Universität Duisburg-Essen im Foyer des Theaters vor (v. l.): Swen Wagner, Sprecher des Universitätschors, Prof. Oliver Leo Schmidt, Dirigent des Universitätsorchesters, und Prof. Dr. Eberhard Passarge, Musikbeauftragter der Universität Duisburg-Essen. Foto: Petra Grünendahl.

Gegründet hat den Universitätschor der damaligen Uni-Gesamthochschule Essen 1987 der langjährige Dirigent des Universitätsorchesters, Siegfried Scheytt. Von Beginn an hatte der Chor – ebenso wie das Orchester – einen ausgebildeten Profi und hauptberuflichen Dirigenten, obwohl beide Ensembles „nur“ aus engagierten Laienmusikern und –sängern bestehen. Seit 2001 führt Hermann Kruse den Taktstock, der vor seiner Übersiedlung ins Ruhrgebiet 2000 zwei Jahre lang Chordirektor der Jenaer Philharmonie war.

Der Universitätschor Essen mit etwa 170 engagierten Sängern besteht überwiegend aus aktuellen und ehemaligen Studierenden sowie Mitarbeitern der Hochschule, zuweilen – je nach aktueller Stimmverteilung – sind aber auch „Externe“ willkommen. Gesangserfahrung oder eine „Profistimme“ seien nicht nötig, bekräftigte Swen Wagner. Vor 27 Jahren war er dem Chor beigetreten: „Nach zwei Wochen im ersten Semester war ich dabei.“ Mit dem Studium ist er lange fertig, begeistert sich aber immer noch fürs Singen im Chor: Heute ist der Sprecher des Ensembles.

„Wir brauchen den Vergleich mit professionellen Klangkörpern nicht scheuen“, bekräftigte Prof. Dr. Eberhard Passarge, Musikbeauftragter der Universität Duisburg-Essen (UDE). Gleiches bestätigte Prof. Oliver Leo Schmidt, Dirigent des Universitätsorchesters, der Dirigieren an der Folkwang-Universität lehrt und bereits am Dirigierpult namhafter Orchester gestanden hat: „Amateure sind die besseren Liebhaber. Wo professionelle Orchester vielleicht technisch besser sind, gleichen das Amateure mit mehr Leidenschaft aus.“ Wobei aber auch – in beiden Universitäts-Ensembles – auf sehr hohem Niveau auch mit ausgesprochen schwierigen Stücken gearbeitet wird. Zwei ambitionierte Dirigenten – Schmidt und Kruse – holen dabei das bestmögliche aus ihren Musikern und Sängern heraus. Beide Ensembles spielen und singen überwiegend Stücke, die selten aufgeführt werden. Aus gutem Grund: Es sind schwierige Stücke und eine Herausforderung für Dirigent und Orchester bzw. Chor. Was dabei heraus kommt, kann sich seit Jahrzehnten hören lassen: Beide Uni-Ensembles haben sich ihren Platz in der hiesigen Kulturszene zu Recht erobert.

Ein Festkonzert zum Geburtstag
festkonzert-plakatDas Festkonzert der Universität Duisburg-Essen feiert seine Premiere im Theater Duisburg am Sonntag, 29. Januar, um 16 Uhr. Das Konzert in der Philharmonie Essen folgt am Sonntag, 5. Februar, um 11 Uhr. Karten für das Premierenkonzert in Duisburg gibt es zum Preis von 18 Euro (ermäßigt 7 Euro) gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg, den Duisburger Philharmonikern und der Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“ an der Neckarstraße 1. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Das Konzert in der Essener Philharmonie kostet 20 Euro (ermäßigt 8 Euro), Karten gibt es unter Telefon 0201 / 8122-200 oder eMail tickets@theater-essen.de. Zum ausführlichen Programm geht es hier … Mehr zum Universitätsorchester, welches vor zwei Jahren sein 50-jähriges Jubiläum feierte, gibt es hier … oder hier …

© 2017 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Neujahrsempfang der Niederrheinischen IHK in der Duisburger Mercatorhalle

Burkhard Landers mahnte, Entwicklungen
mit langfristigen Strategien zu verfolgen

Von Petra Grünendahl

Präsident Burkhard Landers beim IHK-Neujahrsempfang in der Duisburger Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

Präsident Burkhard Landers beim IHK-Neujahrsempfang in der Duisburger Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

„Die aufkommende Diskussion über ein Factory Outlet Center auf dem Gelände des alten Güterbahnhofs ist kontraproduktiv“, warnte Burkhard Landers, Präsident der Niederrheinischen IHK Duisburg Wesel Kleve, in seiner Begrüßung. Genau jenes Gelände habe man schon vor 10 Jahren für das damalige Multi-Casa-Projekt abschließend als nicht geeignet befunden. Ein solcher Standort schade der Duisburger City ebenso wie dem Handel im Umland. Die IHK empfehle, die vom Stadtrat vor einigen Jahren beschlossene Idee aufzugreifen, das Gelände als hochwertigen Bürostandort zu entwickeln. Landers: „Ich bin der festen Überzeugung: Dieses Konzept at gute Aussicht auf Erfolg, er braucht allerdings einen langen Atem.“ Der Duisburger Innenhafen zeige aber, dass sich eine langfristige Strategie bezahlt mache. Auch die Nähe zu Düsseldorf solle man stärker nutzen, würden doch dort sowohl Gewerbeflächen als auch das Wohnraumangebot langsam knapp.

IHK-Neujahrsempfang mit über 800 geladenen Gästen aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Gesellschaft in der Duisburger Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

IHK-Neujahrsempfang mit über 800 geladenen Gästen aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Gesellschaft in der Duisburger Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

Traditionell hatte die Niederrheinische IHK zum Neujahrsempfang eingeladen – nach fünf Jahren „Abstinenz“ wieder in die Mercatorhalle. Mit dem Präsidenten des Bundeskartellamtes, Andreas Mundt, hatte man einen Redner für den Abend gewonnen, der sehr anschaulich seine Arbeit und die seiner eher kleinen Bonner Behörde mit 350 Mitarbeitern vermitteln konnte. Von der historischen Rückschau – 1933 soll es rund 2.000 Kartelle in Deutschland gegeben haben, ein fairer Wettbewerb war da nicht möglich – über die Gründung 1958 durch Ludwig Ehrhardt, der Wettbewerbspolitik als Eckpfeiler der sozialen Marktwirtschaft etablierte, bis hin zu den sich wandelnden Aufgaben und Herausforderungen, vor die Kartellamt und Wirtschaft gleichermaßen das Zeitalter der Digitalisierung stellt.

Herausforderung Digitalisierung: Wirtschaft 4.0

Kartellamtspräsident Andreas Mundt beim IHK-Neujahrsempfang in der Duisburger Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

Kartellamtspräsident Andreas Mundt beim IHK-Neujahrsempfang in der Duisburger Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

Die Globalisierung als neue Arbeitsteilung verschiebe wirtschaftliche Machtverhältnisse, so Mundt. Die Kartellverfolgung sei wichtig, Wettbewerbsfähigkeit und Dynamik der Wirtschaft zu erhalten: sonst lasse die Innovationskraft nach, die für die deutsche Wirtschaft wichtig ist. Die Politik wisse aber nicht immer, was sie tun müsse, um die deutsche Wirtschaft wettbewerbsfähig zu halten. Mehr in den Fokus gehörten Bildung und Infrastruktur, forderte Mundt.

Die Bußgelder, die das Kartellamt bei Verstößen verhängt, sieht Mundt als völlig ausreichend: „Wir brauchen keine Strafverfolgung.“ Die Schadenersatzforderungen, die geschädigte Unternehmen oder staatliche Organisationen vor Gericht gegen Kartelle durchsetzten, seien deutlich höher als die Bußgelder seiner Behörde. Die schmerzten mehr, da sie den erschlichenen Vorteil zunichte machten. „Unser System ist angemessen, wir brauchen keine Änderung.“

Kartellamtspräsident Andreas Mundt beim IHK-Neujahrsempfang in der Duisburger Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

Kartellamtspräsident Andreas Mundt beim IHK-Neujahrsempfang in der Duisburger Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

„Digitalisierung verändert die Wirtschaft und erfasst alle Bereiche. Die Wirtschaft wird sich umstellen müssen: Das Internet bedeutet neue Märkte, neue Ideen und Produkte“ erklärte der Kartellamtspräsident, meinte aber auch: „Hier bildeten sich Marktmächte, die kontrolliert werden müssen.“ Wettbewerb werde hier außer Kraft gesetzt, aber eine große Marktmacht lasse sich kaum verhindern: „Man will nicht mehr als ein Facebook, in dem man seine Kontakte sammelt“, sagte der Wettbewerbshüter. „Wettbewerbsbehörden haben früher vor zu viel Staat gewarnt, heute warnen sie vor zu großen Unternehmen“, sagte Mundt. „Unsere Arbeit wird schwieriger: Wir müssen den Missbrauch von Marktmacht verhindern, wir müssen schneller werden und Märkte offen halten“, hob Mundt die Bedeutung der Wettbewerbshüter hervor. Sein Beispiel: Microsoft habe mit dem Internet Explorer über Jahre den Markt beherrscht. Sicherheitsupdates oder Weiterentwicklungen des Browser habe es über die Jahre ohne Konkurrenz nicht gegeben. Mit dem Brechen der Marktmacht, die Microsoft über sein Betriebssystem im Browser-Markt hatte, habe sich dies geändert und den Weg auch für Innovationen frei gemacht, von der auch der Endverbraucher profitiert habe. Auch mit der Ware „Big Data“ gerate der Verbraucher immer mehr in den Fokus des Kartellamts. Grenzen verschwimmen, wenn so auch Verbraucherschutz zum Bestandteil der Wettbewerbskontrolle wird.

Vernetzung und Zusammenarbeit statt Abschottung

Präsident Burkhard Landers beim IHK-Neujahrsempfang in der Duisburger Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

Präsident Burkhard Landers beim IHK-Neujahrsempfang in der Duisburger Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

Burkhard Landers warnte davor, dass Unternehmen in Deutschland und Europa Wettbewerbsnachteilen unterliegen, ihre außereuropäische Konkurrenz nicht. Das führe zu Kostennachteilen und Wettbewerbsverzerrungen: Preise für Industriestrom sowie die Verschärfung des CO2-Handels nannte er hier als Beispiele. „Wir verlangen von der Bundesregierung, für ein international vergleichbares Kostenniveau zu sorgen, wenn unsere wichtigen Unternehmen im weltweiten Wettbewerb eine faire Chance haben sollen.“ Er forderte Augenmaß im Interesse der Industrieunternehmen und von zehntausenden hochwertigen Arbeitsplätzen in der Region:. Die niederrheinsche Industrie, auf die 10 Prozent des industriellen Energieverbrauchs in Deutschland fallen, sei hier besonders betroffen.

Präsident Burkhard Landers beim IHK-Neujahrsempfang in der Duisburger Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

Präsident Burkhard Landers beim IHK-Neujahrsempfang in der Duisburger Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

Duisburg setzt als Stadt auf regionale Zusammenarbeit und Vernetzung: National schließt man sich zur Metropolregion Rheinland zusammen, übernational verbündet sich der Regierungsbezirk Düsseldorf (zu dem auch Duisburg gehört) mit den Niederländern in der Provinz Gelderland als NiederRheinLande. „Mit diesen Kooperationen werden die Türen aufgestoßen, die unseren Niederrhein im europäischen Wettbewerb der Regionen nach vorne tragen wird“, erwartet Landers von der Vernetzung.

Sorge hingegen bereiteten ihm die Rufe nach mehr Nationalstaat, nach neuen Grenzzäunen, nach Abschottung, Protektionismus und mehr Einschränkungen des freien Handels: „Sie gefährden unsere bürgerlichen Freiheiten und nicht zuletzt auch unsere wirtschaftliche Grundordnung.“ So verständlich die Sehnsucht nach einfachen Rezepten und Antworten sei: „Sie wird gefährlich, wenn sie grundlegende Werte wie die freie Entfaltung, Fairness und Gerechtigkeit oder die Teilhabe aller infrage stellt.“ Als Unternehmer und Vertreter der Unternehmer in der IHK fühle er sich der freien und ausgleichenden sozialen Marktwirtschaft und dem Dialog verpflichtet und stehe für die Prinzipien des Ehrbaren Kaufmanns. „Darauf basieren unser Wohlstand und unsere Beschäftigung.“

Nach den Ansprachen nutzten mehr als 800 geladene Gäste das traditionelle „Get Together“ im Foyer der Mercatorhalle zur Kontaktpflege, zum Netzwerken und zu Diskussionen im kleinen Kreis über aktuelle Themen.

© 2017 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Duisburg: Neues Beratungsbüro für Geflüchtete im DGB-Haus am Stapeltor

Perspektiven zur Arbeitsmarktintegration: Brücken bauen für beide Seiten
Von Petra Grünendahl

Pressegespräch zum neuen Beratungsbüro im DGB-Haus (v.l.): -	Detlev Schmidt (Geschäftsführer der ver.di-Tochter Bildungsinstitut im Gesundheitswesen gGmbH, Düsseldorf), Reiner Siebert (Leiter des IvAF-Beratungsbüros Duisburg), DGB-Vorsitzende Angelika Wagner, Duisburg, und ver.di-Geschäftsführer Thomas Keuer, Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Pressegespräch zum neuen Beratungsbüro im DGB-Haus (v.l.): – Detlev Schmidt (Geschäftsführer der ver.di-Tochter Bildungsinstitut im Gesundheitswesen gGmbH, Düsseldorf), Reiner Siebert (Leiter des IvAF-Beratungsbüros Duisburg), DGB-Vorsitzende Angelika Wagner, Duisburg, und ver.di-Geschäftsführer Thomas Keuer, Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

„Ein wichtiger Schritt zur Integration von Geflüchteten in die Gesellschaft ist das Heranführen an den Arbeitsmarkt“, erklärte Angelika Wagner, DGB-Vorsitzende in Duisburg und Geschäftsführerin des DGB Niederrhein. Möglichst früh müssten die betroffenen Menschen Zugang zu Deutsch- und Integrationskursen sowie Praktika in Unternehmen bekommen, um beruflich Fuß fassen zu können, so Wagner. Reiner Siebert als Leiter der Beratungsstelle ist schon seit gut einem Jahr unterwegs, Geflüchtete in Flüchtlingswohnheimen oder an Sprachschulen auf das Projekt aufmerksam zu machen, welches vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales ebenso gefördert wird wie vom Europäischen Sozialfonds für Deutschland. „Bislang haben wir uns in Cafés in der Nähe von Heimen oder Schulen zusammengesetzt, jetzt haben wir hier in Duisburg einen festen Anlaufpunkt geschaffen“, so Siebert.

Werden vom Beratungsbüro betreut (v. l.): -	Abdul Monem (Syrer), Hassan (Iraner), Nader (Syrer), Abdul Hakam (Syrer), Fadi (Syrer), Alirazi (Pakistani) unf Abdul Albaset (Syrer). Foto: Pertra Grünendahl.

Werden vom Beratungsbüro betreut (v. l.): – Abdul Monem (Syrer), Hassan (Iraner), Nader (Syrer), Abdul Hakam (Syrer), Fadi (Syrer), Alirazi (Pakistani) unf Abdul Albaset (Syrer). Foto: Pertra Grünendahl.

Angelika Wagner und Thomas Keuer, Geschäftsführer von ver.di Duisburg, stellten zusammen mit Reiner Siebert, Fachberater Bildung und Beruf, sowie Detlev Schmidt und Wolfram Gießler vom BiG Bildungsinstitut im Gesundheitswesen gGmbH, einer ver.di-Tochter und Träger des „In Coach“-Projekts, stellten das neue Beratungsbüro für Geflüchtete vor, das seit Jahresbeginn im DGB-Haus am Stapeltor seine Büroadresse hat. Das „In Coach“-Projekt ist Teil des bundesweiten Netzwerks zur beruflichen Integration von Asylsuchenden und Flüchtlingen (IvAF). Rede und Antwort standen auch Geflüchtete aus Syrien, Pakistan und dem Iran, die alle hier in Duisburg wohnen und sich hier – zum Teil mit ihren Familien – integrieren und heimisch werden wollen. Bis zu anderthalb Jahren sind sie schon in Deutschland, einen Deutschkurs besuchen sie seit rund sechs Monaten. Recht ordentlich läuft die Verständigung mit den überwiegend jüngeren Männern, wobei alle ihre gerade erworbenen Kenntnisse bislang nur wenig in der Praxis anwenden konnten. Praktika und ein Heranführen an den Arbeitsmarkt wären für sie eine große Hilfe, denn: Deutsch lernt man erst richtig in der praktischen Anwendung, im Gespräch mit Deutschsprachigen, so BiG-Geschäftsführer Detlev Schmidt.

Offene Beratung als Ergänzung zu den Regelangeboten der Jobcenter

Reiner Siebert, Leiter des Beratungsbüros im DGB-Haus, ist täglich von 9 bis 12 Uhr telefonisch erreichbar. Foto: Petra Grünendahl.

Reiner Siebert, Leiter des Beratungsbüros im DGB-Haus, ist täglich von 9 bis 12 Uhr telefonisch erreichbar. Foto: Petra Grünendahl.

„Wir helfen bei der Suche nach Deutsch- oder Integrationskursen, beim Beantragen von Fördermitteln für die Kurse und bei der Vermittlung von Praktika“, erklärte Siebert, der damit eine Ergänzung zur Jobcenter anbieten will. „Wir helfen aber auch bei sozialen oder finanziellen Problemen bis hin zur Schuldnerberatung, weil diese Menschen hier mit Dingen konfrontiert sind, die sie nicht kennen und die sie in Schwierigkeiten bringen.“ Sprachkurse seien ein Problem: Es gebe zu wenig Plätze für den Bedarf. Die Verfahrensdauer sei ein weiteres Problem: „Manchmal dauert es neun, zehn Monate, bis überhaupt erst ein Asylantrag gestellt werden kann.“ In dieser Zeit blieben die Menschen ziemlich auf sich allein gestellt, wenn es nicht – wie zum Beispiel in der Flüchtlingsunterkunft an der Memelstraße in Neudorf – sehr viel ehrenamtliches Engagement in der Nachbarschaft gäbe, die Geflüchteten zu integrieren. „Sprachkurse sind während des Asylverfahrens schon möglich, für Betriebspraktika braucht man eine Einzelgenehmigung“, machte Siebert klar. In der Wirtschaft finde man schon Ansprechpartner, besonders aber das Engagement der Kreishandwerkerschaft in Duisburg hob Angelika Wagner hervor.

Gewerkschaftliches Engagement auch für Arbeitnehmerrechte

In Syrien war er kaufmännischer Leiter eines Krankenhauses: Abdul Monem (4. v. l.) mit Thomas Keuer, Detlev Schmidt, Angelika Wagner, Reiner Siebert und Wolfram Gießler. Foto: Petra Grünendahl.

In Syrien war er kaufmännischer Leiter eines Krankenhauses: Abdul Monem (4. v. l.) mit Thomas Keuer, Detlev Schmidt, Angelika Wagner, Reiner Siebert und Wolfram Gießler. Foto: Petra Grünendahl.

„Hier wird gerne mit Ängsten gespielt [Stichwort: „Gefährder“, Köln oder Berlin lassen grüßen], die mit der Masse der Probleme nichts zu tun haben“, erklärte ver.di-Geschäftsführer Keuer, der auf Entgegenkommen von Gewerkschaftern, Betriebsräten und Unternehmern hofft, die den überwiegend hoch motivierten Geflüchteten eine Perspektive eröffnen. „Integration ist keine Einbahnstraße“, so Angelika Wagner, aber: „das funktioniert in Duisburg ganz gut, weil die Integrationsbereitschaft traditionell hoch ist.“ Thomas Keuer mahnte aber auch: „Wir müssen noch viele Vorbehalte abbauen – auf beiden Seiten.“

„Diese jungen Männer hier kommen aus Ländern, in denen es weder freie Gewerkschaften noch betriebliche Arbeitnehmervertretungen gibt“, führte Wagner für die gewerkschaftliche Anbindung an, auch gesetzlich garantierte Arbeitnehmerrechte zu vermitteln. „Wir können nur kleine Gruppen ansprechen, aber es spricht sich auch rum, was wir den Geflüchteten anzubieten haben“, erklärte Siebert den Schneeballeffekt. „Wir haben einige Leute mit hervorragenden Qualifikationen. Man muss jeden Fall einzeln betrachten: Wir haben so viele tolle Leute hier“, schwärmte Siebert: „Für die müssen wir Brücken bauen.“ Deutschland brauche sehr lange mit der Anerkennung von Zeugnissen und Dokumenten, wurde aber auch Kritik laut.

Für die Zielgruppe – Asylbewerber, Geduldete und Flüchtlinge – hat der DGB eine zweisprachige Informationsbroschüre „Wissen ist Schutz!“ aufgelegt, in der auf jeweils 30 Seiten zusammengestellt ist, was Geflüchtete wissen sollten, um in Deutschland erfolgreich zu arbeiten. Diese Broschüren sind erhältlich in den Sprachen Englisch, Französisch, Spanisch und Arabisch (als Zweitsprache neben Deutsch): Eine gute Zusammenstellung von Informationen – nicht nur für die Geflüchteten, sondern auch für jene, die bei der Arbeitsmarktintegration helfen wollen.

Projekt InCoach: das Beratungsbüro
Im Raum 1.25 im Haus des DGB am Stapeltor 17-19 finden Geflüchtete mit Reiner Siebert einen Ansprechpartner, der sie unter anderem zu Deutschkursen und zur Integration in den Arbeitsmarkt beraten kann. Ansprechbar ist Siebert telefonisch unter 0203 / 3663456 von montags bis freitags zwischen 9 und 12 Uhr sowie nach Vereinbarung. Er sucht Kontakte – Gewerkschafter oder Betriebsräte in Unternehmen –, die für die Geflüchteten – je nach Ausbildung, Kenntnissen und Erfahrungen, die sie aus ihren Heimatländern mitbringen – von Interesse sein können. Einer der hier Anwesenden will studieren, andere haben ein oder sogar zwei Hochschulabschlüsse, Berufserfahrung, sind teilweise mehrsprachig, was sie für Unternehmen interessant machen könnte, die beispielsweise im arabischen Raum, Indien oder Russland agieren. „Manche Unternehmen müssten vielleicht etwas mehr Fantasie mitbringen, wie man diese Menschen mit ihren Hintergrund einbinden kann“, empfahl Wolfram Gießler, Organisationsberater Personalentwicklung beim BiG.

© 2017 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Deutsche Oper am Rhein: Wiederaufführung von Georges Bizets „Carmen“ begeisterte im Theater Duisburg

Von der Freiheit der Liebe
Von Petra Grünendahl

Sergej Khomov als Don José mit Morenike Fadayomi als Carmen. Foto: Hans Jörg Michel.

Sergej Khomov als Don José mit Morenike Fadayomi als Carmen. Foto: Hans Jörg Michel.

„Die Liebe ist ein Zigeunerkind*“, macht die Zigeunerin Carmen (Ramona Zaharia) in der Habanera gleich zu Beginn klar, wie sie über die Liebe und ihr Leben in Freiheit denkt. Liebschaften kostet sie aus, ihre Freiheit genießt sie in vollen Zügen, wie es sonst zu jener Zeit nur Männer durften. Diese liegen der exotischen Schönheit scharenweise zu Füßen, angefangen vom Sergeanten der Wache, Don José (Sergej Khomov), bis zum Leutnant Zuninga (Lukasz Konieczny). Micaela (Liana Aleksanyan, die hier kurzfristig für die erkrankte Luiza Fatyol eingesprungen war) überbringt Don José einen Brief seiner Mutter, die ihn bittet, nach Hause zu kommen und Micaela zu heiraten. Er verfällt aber der schönen Carmen. Als Don José der Zigeunerin die Flucht ermöglicht, wird er degradiert und eingesperrt. Sein Vorgesetzter Zuninga versucht nun selber sein Glück bei Carmen. Der aber macht auch der gerade eingetroffene Stierkämpfer Escamillo (Bogdan Baciu) schöne Augen. Obwohl Carmen zunächst mit Don José liebäugelt, verraten Duette wenig Einigkeit zwischen den beiden, während sie in einen Duett mit Escamillo ihr Herz wirklich verliert: Ein schönes Liebesduett von Zaharia und Baciu, die miteinander verheiratet sind.

Sergej Khomov als Don José mit Maria Kataeva als Carmen. Foto: Susanne Diesner.

Sergej Khomov als Don José mit Maria Kataeva als Carmen. Foto: Susanne Diesner.

Die Wiederaufführung von Georges Bizets (1818–1875) Oper „Carmen“ feierte ein begeistertes Publikum im nahezu voll besetzten Theater Duisburg – mit viel Szenenapplaus und einem minutenlangen Schlussapplaus. Bizet, der nur drei Monate nach der Uraufführung starb, durfte zwar 33 Aufführungen seiner „Carmen“ erleben – was mehr war, als seine Opern zuvor auf die Bühne brachten –, verschied aber in dem Glauben, nie eine erfolgreiche Oper komponiert zu haben: Bei der Premiere war die Oper wegen der ihre Freiheit (auch sexuell) so offen proklamierenden Carmen noch eher verpönt; erst eine leichte Überarbeitung brachte den gewünschten Erfolg. Mit Ballettszenen und ohne die zunächst vorhandenen Dialoge für die Premiere in Wien mauserte sich die Oper auf internationalen Bühnen zu einem der beliebtesten und meistgespielten Stücke, das bis heute in keinem Opernrepertoire der großen Häuser fehlen darf. Die sehr „spanische“ Oper in vier Akten wurde gesungen in französischer Sprache (Libretto von Henri Meilhac und Ludovic Halévy nach einer Novelle von Prosper Mérimée). Deutsche Übertitel erleichtern das Verständnis der Handlung. Inklusive Pause hat der Opernabend mit etwa drei Stunden schon Überlänge: Die temporeiche Handlung kennt aber weder Längen noch Spannungslücken.

Starke Besetzung begeisterte die Zuschauer

Dmitry Lavrov als Escamillo mit, Maria Kataeva als Carmen. Foto: Susanne Diesner.

Dmitry Lavrov als Escamillo mit, Maria Kataeva als Carmen. Foto: Susanne Diesner.

Eine sängerisch wie schauspielerisch ganz starke Ramona Zaharia traf hier auf eine ebenso hervorragende „Gegenspielerin“ Liana Aleksanyan um die Gunst Don Josés. Dieser reibt sich in einer grandiosen Vorstellung auf zwischen Leidenschaft (Carmen) und Pflicht (Micaela), eine Entscheidung, die in der Novellenvorlage zur Oper gar nicht vorgesehen war: die Figur der Micaela ist eine Kreation von Bizet und seinen Librettisten. Als Carmen ihn zurückweist, ihm sogar seinen Ring vor die Füße wirft, weil sie ihre Liebe für den strahlenden Stierkämpfer Escamillo entdeckt hat, dem ein hervorragend agierender Bogdan Baciu Gesicht, Statur und seine fabelhafte Bariton-Stimme leiht, sinnt Don José auf Rache. Wenn er Carmen nicht haben kann, soll sie auch kein anderer haben: Er ersticht sie schlussendlich.

Stimmungsvoll „spanische“ Inszenierung

Der Stierkämpfer Escamillo (Richard Šveda) mit dem Kinderchor am Rhein. Foto: Hans Jörg Michel.

Der Stierkämpfer Escamillo (Richard Šveda) mit dem Kinderchor am Rhein. Foto: Hans Jörg Michel.

In Kooperation mit der Opéra national de Lorraine entstand die Inszenierung des deutsch-venezolanischen Regisseurs Carlos Wagner, die seit 2011 zum Repertoire der Deutschen Oper am Rhein gehört. Regisseur Wagner spielt mit Licht (mitunter gleißender Helligkeit) und Schatten (tiefer Dunkelheit). Das vom spanischen Maler Goya inspirierte Bühnenbild von Rifail Ajdarpasic wechselt im Spiel des Lichtdesign von Fabrice Kebour Farben, Konturen und Ambiente, um so den wechselnden Spielorten der Handlung einen stimmungsvollen Rahmen zu geben. Passend dazu hatte Patrick Dutertre die Kostüme entworfen.

Die vielfältige Komposition Georges Bizets brachten phantastisch aufgelegte Duisburger Philharmoniker unter der Leitung von Gastdirigent Marc Poillet zum Erklingen: von den ruhigen Klängen über die temperamentvoll-feurigen Zigeunerweisen bis hin zum schmissigen Torero-Marsch passte einfach alles. In großartigen Chorszenen glänzten sowohl der Kinderchor unter der Leitung von Sabina López Miguez als auch der Chor der Deutschen Oper am Rhein unter der Leitung von Gerhard Michalski. Die Ballettszenen für acht Tänzer hatte Ana Garcia choreographiert.

Ein kleiner Vorgeschmack:

Weitere Termine im Theater Duisburg:
So | 5. Februar 2017 | 18:30 Uhr,
Sa | 1. April 2017 | 19:30 Uhr,
So | 23. April 2017 | 18:30 Uhr,
Do | 4. Mai 2017 | 19:30 Uhr und
Mo | 5. Juni 2017 (Pfingstmontag) | 18:30 Uhr.

Sergej Khomov als Don José mit Morenike Fadayomi als Carmen. Foto: Hans Jörg Michel.

Sergej Khomov als Don José mit Morenike Fadayomi als Carmen. Foto: Hans Jörg Michel.

Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten samstags, sonntags und feiertags zwischen 18,10 und 62,80 Euro, an dem einzigen Termin in der Woche (4. Mai) 16,10 bis 56,00 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

*) Anmerkung: „Die Liebe ist ein Zigeunerkind“ ist die Übersetzung im Übertitel. Im Libretto heißt es „oiseau rebelle“ = rebellischer Vogel.

© 2017 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Hans Jörg Michel (3), Susanne Diesner (2) / Deutsche Oper am Rhein

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Polizeichor Duisburg 1928 e. V. übergibt Weihnachtskonzert-Spende an Lebenshilfe

Spende hilft bei der Finanzierung des Erweiterungsbaus
Von Petra Grünendahl

„Unser Wunsch ist es, hier in Duisburg zu helfen“, erklärte Horst Fiedler, 2. Vorsitzender des Polizeichors Duisburg, bei der Übergabe der Spende der Weihnachtskonzerte 2016. Der Polizeichor-Vorstand konnte dem Vorstand der Lebenshilfe Duisburg um die Vorsitzende Dagmar Frochte die „aufgerundete“ Summe von 5.555 Euro überreichen: Die gespendeten Gelder der drei Weihnachtskonzerte im Dezember hatte der Polizeichor dabei – wie immer – ein wenig aus eigenen Mitteln aufgestockt.

Übergabe der Spenden vom Weihnachtskonzert des Polizeichors Duisburg (v. l.): Raimund Vollmer (Mitglied des Vorstandes der Lebenshilfe Duisburg e. V.), Songül Kisin (Schatzmeisterin der Lebenshilfe Duisburg e. V.) und Vorstandsvorsitzende Dagmar Frochte mit den Vorständes des Polizeichors Duisburg 1928 e. V., Herbert Zachcial (Geschäftsführer), Lothar Herrmann (Schatzmeister) und Horst Fiedler (2. Vorsitzender). Foto: Petra Grünendahl.

Übergabe der Spenden vom Weihnachtskonzert des Polizeichors Duisburg (v. l.): Raimund Vollmer (Mitglied des Vorstandes der Lebenshilfe Duisburg e. V.), Songül Kisin (Schatzmeisterin der Lebenshilfe Duisburg e. V.) und Vorstandsvorsitzende Dagmar Frochte mit den Vorständes des Polizeichors Duisburg 1928 e. V., Herbert Zachcial (Geschäftsführer), Lothar Herrmann (Schatzmeister) und Horst Fiedler (2. Vorsitzender). Foto: Petra Grünendahl.

Im Zweijahres-Rhythmus sammelt der Polizeichor Duisburg 1928 e. V. bei seinen Weihnachtskonzerten Spenden für einen wohltätigen Zweck im lokalen Umfeld. Gesammelt wurde in der Pause sowie nach dem Konzert. „Wir haben beim Konzert natürlich im Foyer der Mercatorhalle über unsere Arbeit informiert“, erzählte Dagmar Frochte. Dabei ergab sich auch eine größere Spende, die im Anschluss an das Konzert per Überweisung auf dem Konto der Lebenshilfe einging. „Der Spender gibt wohl jedes Jahr zu Weihnachten eine größere Summe an einen wohltätigen Zweck – und wir konnten ihn für die diesjährige Spende mit unserem Engagement überzeugen“, freute sich die Lebenshilfe-Vorsitzende.

Lebenshilfe baut dringend benötigte neue Gruppenräume
„Wir mussten einige unserer Räume in Büros umwandeln, nachdem sich hier größerer Bedarf ergeben hatte“, erklärte die Lebenshilfe-Vorsitzende. Für Aktivitäten und Veranstaltungen im Innenstadtbereich habe man deshalb mehr auf externe Räumlichkeiten ausweichen müssen. Dies solle nun ein Ende haben: „Wir planen einen Wintergarten-ähnlichen Anbau an der Rückfront dieses Gebäudes“ – gemeint ist das Lebenshilfe-Center an der Mülheimer Straße 200 in Neudorf. Die Pläne für die neuen Gesellschaftsräume hat ein Architekt schon fertig gestellt: 140 bis 150 Quadratmeter solle der Anbau groß werden. „Was nicht aus eigenen Mitteln bestritten werden kann, läuft über eine Finanzierung der Bank“, erklärte Songül Kisin, Schatzmeisterin der Lebenshilfe Duisburg. Spenden sind da natürlich hoch willkommen, reduzieren sie doch den Kreditbedarf – und damit die aufzubringenden Zinsen.

Lebenshilfe Duisburg e. V.
Im Jahr 1961 gegründet, kümmerte sich die Lebenshilfe hier vor Ort zunächst um geistig behinderte Menschen. Im Laufe der Jahre weiteten sich die Angebote aus auch auf Menschen mit Körperbehinderungen, Entwicklungs- oder Lernverzögerung sowie auf nicht-behinderte Menschen. Nach dem Motto: „Es ist normal, verschieden zu sein“ wird hier Inklusion gelebt. Die Betreuung wird immer dem persönlichen Bedarf des Einzelnen angepasst. Über eine gemeinnützige GmbH betreibt die Lebenshilfe Duisburg ihre Heilpädagogischen Sozialdienste wie Frühförderung, Sozialpädagogische Familienhilfe, Kinder- und Jugendhilfe, betreutes Wohnen, Beratungsstellen, Kindertagesstätten sowie Freizeitangebote für behinderte und nichtbehinderte Menschen (Inklusion). Spenden sind ebenso immer willkommen wie ehrenamtliche Helfer.

Wer sich über die Lebenshilfe Duisburg e. V., ihre vielfältigen Aktivitäten und Veranstaltungen in ganz Duisburg informieren will, wird hier auch online fündig.

© 2017 Petra Grünendahl (Text und Foto)

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Homberg-Hochheide: Abrissarbeiten am ersten „Weißen Riesen“

Vorarbeiten zur Sprengung in vollem Gange
Von Petra Grünendahl

Vorbereitende Abrissarbeiten zur Sprengung des Weißen Riesen Friedrich-Ebert-Straße 10-16. Foto: Petra Grünendahl.

Vorbereitende Abrissarbeiten zur Sprengung des Weißen Riesen Friedrich-Ebert-Straße 10-16. Foto: Petra Grünendahl.

Treiben die Neugestaltung in Hochheide voran (v. l.): Rainer Bischoff, MdL, Baudezernent Carsten Tum, Oberbürgermeister Sören Link, Mahmut Özdemir, MdB, Christoph Weber, Geschäftsführer Immobilien-Managemant Duisburg, und Hans-Joachim Paschmann, Bezirksbürgermeister Homberg-Ruhrort-Baerl. Foto: Petra Grünendahl.

Treiben die Neugestaltung in Hochheide voran (v. l.): Rainer Bischoff, MdL, Baudezernent Carsten Tum, Oberbürgermeister Sören Link, Mahmut Özdemir, MdB, Christoph Weber, Geschäftsführer Immobilien-Managemant Duisburg, und Hans-Joachim Paschmann, Bezirksbürgermeister Homberg-Ruhrort-Baerl. Foto: Petra Grünendahl.

„Dass wir hier 20 Mio. Euro in die Neugestaltung stecken können, ist der guten Zusammenarbeit mit Land und Bund zu verdanken“, erklärte Oberbürgermeister Sören Link. Über ein neues Quartiersbüro im Stadtteil sollen auch die Bürger an der Neugestaltung der Flächen und Weiterentwicklung der Nachbarschaft beteiligt werden. Solche Termine machten ihm immer Spaß, erzählte Baudezernent Carsten Tum: „Hier wird an Veränderungen gearbeitet.“ Mit der Landesförderung aus dem Integrierten Handlungskonzept Hochheide (IHK) stehen der Stadt die nötigen Mittel zur Verfügung, die Sanierung von Hochheide zu gestalten, nachdem die leerstehenden Hochhäuser (immerhin 20 Stockwerke mit 320 bzw. 160 Wohnungen) schon seit langen ein Ärgernis im Stadtteil waren.

Ende November 2016 hatte die Abrissfirma Prangenberg & Zaum (P&Z) mit der Einzäunung der Baustelle am Grundstück Friedrich-Ebert-Straße 10-16 begonnen. Bis zur Sprengung im September oder Oktober dieses Jahres sind noch vorbereitende Arbeiten nötig, die Christoph Weber, Geschäftsführer Technik beim Immobilien-Management Duisburg (IMD), zusammen mit Mitarbeitern von P&Z in Anwesenheit des Oberbürgermeisters und des Baudezernenten erläuterte. Nach der Absicherung des Areals nach außen habe man mit der Entrümpelung der Wohnungen begonnen. „Mittlerweile haben wir hier zwei Baustellenbereiche: einen weißen und einen schwarzen“, erläuterte Weber. In den „schwarzen Bereichen“, die nach außen versiegelt sind, werden Schadstoffe entsorgt. Asbest steht ganz oben auf der Liste dessen, was vor einer Sprengung aus dem Gebäude entfernt werden muss, aber auch weitere gesundheitsgefährdende Stoffe: Dort darf nur mit entsprechender Schutzkleidung gearbeitet werden.

Informierten sich über den Stand der Arbeiten (v. l.): Rainer Bischoff, MdL, Baudezernent Carsten Tum, Oberbürgermeister Sören Link, Mahmut Özdemir, MdB, N.N. (P&Z). Foto: Petra Grünendahl.

Informierten sich über den Stand der Arbeiten (v. l.): Rainer Bischoff, MdL, Baudezernent Carsten Tum, Oberbürgermeister Sören Link, Mahmut Özdemir, MdB, N.N. (P&Z). Foto: Petra Grünendahl.

Letztlich soll nur der reine Betonkörper übrig bleiben, nachdem die Fassaden abmontiert und alle vier Gebäude vollständig entkernt worden sind. Dieser Betonbau auf einer Fläche von 1.350 Quadratmetern wird dann im Herbst (ein genauer Termin steht noch nicht fest) gesprengt. Die insgesamt 40.000 Tonnen Bauschutt werden dann zerkleinert und als Recycling-Material zum Verfüllen genutzt: Damit werden dann nicht nur die Kellerbereiche des Hochhausblocks, sondern auch die 7.000 Quadratmeter der nebenliegenden Tiefgarage aufgefüllt, die ehemals 160 Fahrzeugen Platz geboten hatte und sich zur Zeit im Abriss befindet. Das erspart den Abtransport per Lkw. Die Gesamtkosten für Abbruch inklusive Sprengung belaufen sich beim ersten „Weißen Riesen“ auf ca. 3,5 Mio. Euro.

Handlungsbedarf im Stadtteil Homberg-Hochheide: die Hochhäuser Friedrich-Ebert-Straße 10-16 (roter Punkt links) und Ottostraße 24-30 (roter Punkt rechts) sollen abgerissen werden. Grafik: Stadt Duisburg.

Handlungsbedarf im Stadtteil Homberg-Hochheide: die Hochhäuser Friedrich-Ebert-Straße 10-16 (roter Punkt links) und Ottostraße 24-30 (roter Punkt rechts) sollen abgerissen werden. Grafik: Stadt Duisburg.

Städtebauliche Aufwertung des Areals

Vorbereitende Abrissarbeiten zur Sprengung des Weißen Riesen Friedrich-Ebert-Straße 10-16: der Abriss der Tiefgarage ist bereits in vollem Gange. Foto: Petra Grünendahl.

Vorbereitende Abrissarbeiten zur Sprengung des Weißen Riesen Friedrich-Ebert-Straße 10-16: der Abriss der Tiefgarage ist bereits in vollem Gange. Foto: Petra Grünendahl.

Den Häuserblock Friedrich-Ebert-Straße 10-16 hatte die Stadt Duisburg ebenso schon erwerben können wie den Block Ottostraße 24-30 (320 Wohnungen), der im Anschluss an den ersten Abriss ebenfalls dem Erdboden gleich gemacht werden soll. In Verhandlungen steht die Stadt noch beim Gebäude Ottostraße 54-56 (160 Wohnungen), der ebenfalls der Neugestaltung Hochheide weichen soll. Für den zweiten „Weißen Riesen“ rechnet die Firma P&Z fürs kommende Jahr mit der Sprengung, da im Prinzip die gleichen vorbereitenden Maßnahmen nötig sind wie beim Bau Friedrich-Ebert-Straße.

Vorbereitende Abrissarbeiten zur Sprengung des Weißen Riesen Friedrich-Ebert-Straße 10-16. Foto: Petra Grünendahl.

Vorbereitende Abrissarbeiten zur Sprengung des Weißen Riesen Friedrich-Ebert-Straße 10-16. Foto: Petra Grünendahl.

Die Abrissflächen sollen nicht wieder neu bebaut werden, das war Voraussetzung für die Förderung aus Landesmitteln: „Wir wollten die Wohnungen vom Markt nehmen, da sie nicht gebraucht werden“, so Carsten Tum. In einem Wettbewerbsverfahren mit Landschaftsarchitekten und Bürgern soll erarbeitet werden, wo und wie Grünflächen, Verbindungswege, Aufenthaltsflächen und Spielmöglichkeiten gestaltet werden können. Ziel des Wettbewerbs sei ein Rahmenplan, erzählte Tum, der je nach Sanierungsschritt flexibel umgesetzt werden könne: „Es ist vorgesehen, das Wettbewerbsverfahren noch 2017 zu beginnen.“

Er soll als erster der "Weißen Riesen" fallen: der Häuserblock Friedrich-Ebert-Straße 10-16. Foto: Petra Grünendahl.

Er soll als erster der „Weißen Riesen“ fallen: der Häuserblock Friedrich-Ebert-Straße 10-16. Foto: Petra Grünendahl.

© 2017 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Geschichte der Binnenschiffer-Ausbildung in Duisburg: Buch von Hans-Günter Portmann

Von der Dorfschule zum Bildungszentrum:
Das Schiffer-Berufskolleg RHEIN in Homberg

Von Petra Grünendahl

Die 1892 in Ruhrort gegründete Stromschifferschule zog kurz nach der Jahrhundertwende in die Räume des Rathauses an der Dammstraße. Foto: Stadtarchiv Duisburg.

Die 1892 in Ruhrort gegründete Stromschifferschule zog kurz nach der Jahrhundertwende in die Räume des Rathauses an der Dammstraße. Foto: Stadtarchiv Duisburg.

Als sich im Zuge der Industrialisierung die Anforderungen an die Binnenschiffer erhöhten, entstanden die ersten deutschen Schifferschulen: Ab 1855 in Sachsen (Elbeschiffer-Fachschulen), später dann auch in Preußen. Mit der Schifferschule in Ruhrort entstand erst 1892 die erste Schifferschule im (damals noch preußischen) Rheinland. Unterrichtet hat man damals nur im Winter, wenn die Schifffahrt wegen Eisgang still lag. Die Ansprüche an eine Ausbildung waren berechtigt, vertraute man den Schiffern doch Werte in Form von Schiff und Ladung an, die man nicht verlieren wollte. Die Industrialisierung ließ den Wert von Schiffen und Ladung ebenso steigen wie den Schiffsverkehr. Die Schiffe wurden größer, Transporte anspruchsvoller. Sollten Binnenschiffer diesen wachsenden Ansprüchen gerecht werden können, musste man sie ausbilden: Diese Erkenntnis setzte sich Mitte des 19. Jahrhundert so weit durch, dass man begann, entsprechende Einrichtungen zu etablieren. Die Entwicklung der Binnenschifferausbildung in Duisburg ist dabei eingebettet in die Entwicklung der Schifferausbildung in Deutschland und Europa, aber natürlich auch an die Gegebenheiten am Rhein, an dem zu dieser Zeit noch die Preußen das Sagen hatten.

Den ehemaligen Schulleiter des Schiffer-Berufskollegs RHEIN in Duisburg-Homberg, Hans-Günter Portmann, hatte nach seiner Pensionierung die Binnenschifffahrt nicht losgelassen. Neben Reisen im Auftrag der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Sachen Binnenschifffahrtsausbildung beschäftigte er sich auch mit der Geschichte der Schiffer-Berufsschule. Die Geschichte „seiner“ alten Schule reicht weit über das hinaus, was 1949 als Schulbetrieb nach dem Krieg im damals selbstständigen Homberg (Kreis Moers) wieder aufgenommen wurde. Dass diese Schule zu einem Aushängeschild Duisburgs wurde, ist nicht zuletzt Portmanns Verdienst und seine Hinterlassenschaft aus dreizehn Jahren Schulleitung, in der er dem schulischen Teil der Schiffer-Ausbildung in Duisburg seinen Stempel aufgedrückt hat. Ein Verdienst im Übrigen, für den der Verband Duisburger Bürgervereine Hans-Günter Portmann im Jahr 2012 mit dem Bürgerehrenwappen ausgezeichnet hat.

Moderne Schule bietet unterschiedliche Abschlüsse an

Buchvorstellung im Mercatorzimmer (v. l.): Ehefrau Mechthild Portmann, Autor Hans-Günter Portmann, Dezernent Thomas Krützberg, Verlegerin Anne Kappes und Manfred Wieck, Schulleiter am Schiffer-Berufskolleg Rhein. Enkel Paul-Johann (2 ½, unten im Bild) hatte auch schon eifrig geblättert. Foto: Petra Grünendahl.

Buchvorstellung im Mercatorzimmer (v. l.): Ehefrau Mechthild Portmann, Autor Hans-Günter Portmann, Dezernent Thomas Krützberg, Verlegerin Anne Kappes und Manfred Wieck, Schulleiter am Schiffer-Berufskolleg Rhein. Enkel Paul-Johann (2 ½, unten im Bild) hatte auch schon eifrig geblättert. Foto: Petra Grünendahl.

Neben den Anfängen der Schifferausbildung in Deutschland erforschte er die Ursprünge seiner Schifferberufsschule, die seit 2006 neben ihren traditionellen Bildungsgängen Binnenschiffer und Boots-/Schiffbauer (seit 1999) auch die Fachkraft für Hafenlogistik ausbildet. Als im Jahr 1892 die erste Binnenschifferschule in Duisburg gegründet wurde, diente sie primär der Erlangung des Schifferpatents. Von Ruhrort zog diese Schule nach dem Zweiten Weltkrieg auf die andere Rheinseite nach Homberg, wo sie nach verschiedenen Standortwechseln seit 1989 am Bürgermeister-Wendel-Platz (früher: Kaiserplatz) beheimatet ist. Eine klassische Berufsausbildung mit Lehrvertrag, Ausbildungsordnung und Abschlussprüfung gibt es erst seit 1936. „Diese Ausbildungsordnung wurde erst in meiner Zeit als Schulleiter modernisiert“, erzählte Portmann. Neben den normalen Berufschulklassen bietet das Schiffer-Berufskolleg RHEIN auch seit einigen Jahren Berufschulklassen für Binnenschifffahrts-Azubis an, die bei entsprechender Vorqualifikation zur Erlangung der fachbezogenen Hochschulreife (Fach-Abitur) führen. Der Lehrlingssuche von Partikulieren und Schiffseignern hat es mit Sicherheit nicht geschadet, ihren Azubis höherwertige Abschlüsse anbieten zu können.

Die Geschichte der Binnenschifferausbildung in Deutschland ist in erster Linie eine Duisburger Geschichte, denn einen besseren Standort als im Zentrum der Binnenschifffahrt konnte es dafür nicht geben. Dieser Meinung waren schon die Preußen, was zur ersten Schulgründing 1892 damals noch in Ruhrort geführt hatte. „Ohne die Unterstützung der Verbände der Binnenschifffahrt und der Stadt Duisburg wäre die Entwicklung der jetzigen Schule in Homberg nicht möglich gewesen“, bekräftigte Hans-Günter Portmann. Neben dem Schiffer-Berufskolleg RHEIN mit dem angegliederten Schulschiff RHEIN im Homberger Stadthafen gibt es heute in der Binnenschiffer-Ausbildung lediglich eine Fachklasse an einem Berufskolleg in Schönebeck bei Magdeburg. Pro Jahr verlassen rund 100 Bootsjungen und Bootsmädchen nach ihrem Abschluss das Duisburger Schiffer-Berufskolleg RHEIN.

Nicht nur lokal und für Bildungshistoriker interessant

Das Schiffer-Berufskolleg RHEIN am Bürgermeister-Wendel-Platz in Homberg. Foto: Petra Grünendahl.

Das Schiffer-Berufskolleg RHEIN am Bürgermeister-Wendel-Platz in Homberg. Foto: Petra Grünendahl.

Dieses Buch geht weit über das hinaus, was an lokaler Entwicklung oder für Bildungshistoriker interessant sein könnte. Denn natürlich sind diese Entwicklungen in einem Kontext zu sehen, den Portmann hier ebenfalls herausarbeitet. So wird der Einfluss politischer und wirtschaftlicher Entwicklungen klar, die über das Rheinland und Deutschland mittlerweile nicht nur Europa erfassen. Das Buch ist eine schöne Ergänzung zur Chronik „300 Jahre Duisburger Hafen“, geht es über die lokalen Gegebenheiten und den Duisburger Hafen weiter hinaus. Aber auch lokal geht Portmann an vielen Stellen noch weiter in die Tiefe als die Hafen-Chronik: Die vielen alten Firmennamen und ihren Anteil an der Entwicklung zeichnen auch die Geschichte der Stadt nach.

Immer wieder zitiert Portmann zeitgenössische Texte: Briefe, Dokumente aber auch Erzählungen aus dem Schulleben. Andere Stimmen und andere Aspekte fließen hierdurch ein. Faszinierende Einblicke geben auch zum Beispiel die Lehrpläne der Schifferschule sowie Daten und Fakten über verschiedenen Schulen und deren Schulbesuch. Mit sinkenden Schülerzahlen aus der näheren Umgebung und mehr Schülern aus anderen deutschen Ländern (heute würde man Bundesländer sagen), ergab sich das Problem der Unterbringung: eine Art Internat musste her, wo die Schüler während ihres Blockunterrichts wohnen konnten. Als erstes Schulschiff wurde schon 1937 die „Duisburg“ (ein umgebauter Dampfer der Franz Haniel Cie.), das seinen Liegeplatz im Ruhrorter Kaiserhafen bekam, für fachpraktischen Unterricht sowie die gemeinsame Unterbringung der Schiffsjungen (damals noch keine Mädchen) angeschafft, die in 10-Wochen-Intervallen (heute ca. 13 Wochen) die Schifferschule besuchten. Seit 1996 kommen die Schüler sogar aus der Schweiz, nachdem die dortige Schifferberufsschule dicht gemacht worden war.

Werbung um Nachwuchs in der Binnenschifffahrt

Foto vom Schulschiff RHEIN im Homberger 'Stadthafen, welches seit der Fusion des Arbeitgeberverbandes mit dem Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt e. V. vom BDB unterhalten und finanziert wird. Foto: Petra Grünendahl.

Foto vom Schulschiff RHEIN im Homberger ‚Stadthafen, welches seit der Fusion des Arbeitgeberverbandes mit dem Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt e. V. vom BDB unterhalten und finanziert wird. Foto: Petra Grünendahl.

Viele Schiffsjungen (und m mittlerweile auch Schiffsmädchen) stammen aus Binnenschifferfamilien. Allerdings konnte aus diesen Reihen allein selten der Bedarf an Binnenschiffer-Nachwuchs gedeckt werden. Schon in den 1930-er Jahren machte die Branche Werbung für die Binnenschifferausbildung. Auch in späteren Jahrzehnten wurde Nachwuchssicherung immer wieder ein Thema, wie Portmann in seinen Ausführungen darlegt. Berufe in der Flussschifffahrt haben „Landratten“ eher selten im Blick, wenn es um eine Berufsausbildung geht. Werbekampagnen und Musterlehrverträge zeigen die Anforderungen und die Berufsentwicklung über die 125-jährige Geschichte der Binnenschifffahrtsausbildung in Duisburg, die heute auch praktisch zum Beispiel mit Schiffsmotoren, einem Radar-Fahrsimulator oder Schulungsmöglichkeiten im Gefahrgut-Bereich gut und zukunftsfähig aufgestellt ist.

Apropo Schiffsmädchen: Als „Margot“ 1965 ihre Binnenschiffer-Ausbildung anfing, durfte sie nicht zur Berufsschule, weil Mädchen damals noch nicht aufgenommen wurden. Damals unterrichtete sie ihr Vater, ein Binnenschiffer. Und das, obwohl es schon 1961 geheißen hatte: „mit Mädchen ist zu rechnen“, wie in Portmanns Buch nachzulesen ist. Erst Ende der 1990-er Jahre wurden auch Schiffsmädchen am Schiffer-Berufskolleg angenommen: Sie sind aus der Binnenschifferausbildung mittlerweile ebenso wenig wegzudenken wie aus dem Schiffer-Berufskolleg, auch wenn sie immer noch eine Minderheit der Auszubildenden und Schüler stellen.

Neuanfang nach 1945 in Homberg

Im septeber 2010 lagen sie noch zu Zweit unter dem Hebeturm im ehemaligen Eisenbahnhafen: das Schulschiff RHEIN I (vorne) und das Schulschiff RHEIN II (hinten). Foto: Petra Grünendahl.

Im septeber 2010 lagen sie noch zu Zweit unter dem Hebeturm im ehemaligen Eisenbahnhafen: das Schulschiff RHEIN I (vorne) und das Schulschiff RHEIN II (hinten). Foto: Petra Grünendahl.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gliederte man die neu gegründete Berufsschule für die Rheinschifffahrt zunächst an die Gewerbliche Berufsschule Homberg an. Die neue Schifferberufsschule RHEIN (heute: Schiffer-Berufskolleg RHEIN) nahm 1949 ihren Betrieb auf. Die Schule bekam dann auch ihr Schulschiff zurück, welches nun in Anlehnung an den Schulnamen auf den Namen „RHEIN“ getauft wurde. In der Trägerschaft des Arbeitgeberverbandes der deutschen Binnenschifffahrt e. V. (heute: Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt e.V.) baute man es zum modernen Internatsschiff mit Schulungsräumen um, welches im Homberger Stadthafen (Eisenbahnhafen) vor Anker ging. Zum Schulschiff RHEIN (später RHEIN I) gesellte sich ab 1984 die größere RHEIN II, die nach Kapazitätserweiterungen nun alleine im Stadthafen liegt.

Interessant für allgemein geschichtlich Interessierte ebenso wie für Lokalhistoriker, aber auch Menschen, die sich für die Geschichte des Bildungswesens oder die Geschichte der Binnenschifffahrt interessieren: Von den vielen Teilaspekten kann jeder von ihnen für sich eine ganze Menge mitnehmen. Es ist ein Buch zum Schmökern, keines, was man in einem Rutsch (auch nicht in mehreren) am Stück lesen kann. Es lädt eher ein, immer wieder einzelne Kapitel, einzelne Begebenheiten rauspicken. Was fehlt, ist eine kurze, vielleicht zwei- oder dreiseitige Chronik mit den wichtigsten Jahreszahlen zu Meilensteinen in der Schifferausbildung in Duisburg zum Abschluss des Buches. Der Überblick geht über die lange Lektüre ja doch ein wenig verloren.

Hans-Günter Portmann: Von der Dorfschule zum Bildungszentrum

Das Titelbild zeigt die Stromschifferschule im alten Ruhrorter Rathaus um 1900 (oben) und das heutige Gebäude des Schiffer-Berufkollegs RHEIN am Bürgermeister-Wendel-Platz in Homberg, wo die Schule seit 1989 ansässig ist. © AWD Druck + Verlag GmbH, Alsdorf.

Das Titelbild zeigt die Stromschifferschule im alten Ruhrorter Rathaus um 1900 (oben) und das heutige Gebäude des Schiffer-Berufkollegs RHEIN am Bürgermeister-Wendel-Platz in Homberg, wo die Schule seit 1989 ansässig ist. © AWD Druck + Verlag GmbH, Alsdorf.

Als Mann der Praxis hatte Portmann eine Ausbildung zum Schiffbauer gemacht, bevor er nach seiner Dienstzeit bei der Marine und einer Hochschulreife über den Zweiten Bildungsweg ein Studium aufnahm: zunächst Schiffstechnik, später Lehramt. Seine erste Stelle trat er 1975 im Robert-Bosch-Berufskolleg in Duisburg-Hamborn an, wo er die Berufsschule für Boots- und Schiffsbauer aufbaute, die er 1999 mit an das Schiffer-Berufskolleg RHEIN (SBKR) in Homberg nahm, als er dort seine Stelle als Schulleiter antrat. Das Schiffer-Berufskolleg RHEIN baute er in seinen 13 Jahren als Schulleiter zur führenden Ausbildungseinrichtung nicht nur in Deutschland, sondern in Europa auf. Gut vernetzt ist die Schule europaweit in Aus- und Weiterbildungsinitiativen.

Das 560 Seite starke Buch über die Entwicklung der Binnenschifferschule vom 19. bis in das 21. Jahrhundert ist mit festen Einband (Format 24 x 29 cm) erschienen bei der AWD Druck + Verlag GmbH, Alsdorf (bei Aachen). Zum Preis von 39 Euro ist das Buch im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-937062-570).

© 2016 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Stadtarchiv Duisburg (1), Petra Grünendahl (4), AWD Druck und Verlag (Buchcover)

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Wir wünschen unseren Lesern einen guten Start ins Jahr 2017 !

Amaryllis
pet 2016

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Wir wünschen unseren Lesern frohe, gesegnete Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Weihnachtskarten-Schmuck
Foto: Petra Grünendahl

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Deutsche Oper am Rhein: Franz Lehárs Operette „Der Graf von Luxemburg“ begeisterte Duisburger Premierenpublikum

Wenn aus der Scheinehe die Liebesheirat wird
Von Petra Grünendahl

Cornel Frey (Armand Brissard), Bo Skovhus (René Graf von Luxemburg), Chor. Foto: Hans Jörg Michel.

Cornel Frey (Armand Brissard), Bo Skovhus (René Graf von Luxemburg), Chor. Foto: Hans Jörg Michel.

Lavinia Dames (Juliette), Cornel Frey (Armand). Foto: Hans Jörg Michel.

Lavinia Dames (Juliette), Cornel Frey (Armand). Foto: Hans Jörg Michel.

Der Graf von Luxemburg (Bo Skovhus) hat sein Geld mit Freunden verprasst – „demokratisiert und unters Volk gebracht“, wie er es nennt –, ein Teil seines Vermögens wurde konfisziert. Da bietet ihm der russische Fürst Basil Basilowitsch (Bruce Rankin) viel Geld für eine Scheinehe. Die Opernsängerin Angèle Didier (Juliane Banse) soll durch die Heirat den Adelstitel bekommen, den sie braucht, um für den Fürsten eine standesgemäße Partie zu sein. Der abgebrannte Graf René willigt ein, die beiden heiraten, ohne sich zu sehen. Dem Grafen geht die mysteriöse Unbekannte nicht aus dem Kopf und er macht sich auf die Suche nach ihr. Er weiß nur, dass sie Angèle heißt, dass sie kleine Hände hat und welches Parfum sie trägt. Ein klassisches Motiv: der Teufel hat Renés Seele gekauft – jetzt versucht René, diese zurück zu bekommen. Und Angèle dazu, die nicht anzurühren er dem Fürsten versprochen hatte. Erst als sich rausstellt, dass der Fürst seinerseits schon vor Jahren der Gräfin Kokozowa (Doris Lamprecht) die Ehe versprochen hatte, entlässt dieser René aus seinem Versprechen und zu Angèle.

Bruce Rankin (Fürst Basil Basilowitsch), Karl Walter Sprungala, David Jerusalem), Luis Fernando Piedra (des Fürsten Leibwächter) und Bo Skovhus (René Graf von Luxemburg). Foto: Hans Jörg Michel.

Bruce Rankin (Fürst Basil Basilowitsch), Karl Walter Sprungala, David Jerusalem),
Luis Fernando Piedra (des Fürsten Leibwächter) und Bo Skovhus (René Graf von Luxemburg). Foto: Hans Jörg
Michel.

Keine drei Wochen nach der Düsseldorfer Premiere von Franz Lehárs (1870-1948) Operette „Der Graf von Luxemburg“ feierte Jens-Daniel Herzogs Inszenierung auch auf der zweiten Bühne der Deutschen Oper am Rhein ihre vielumjubelte Premiere: im Theater Duisburg. Eine Operette ist die Komödie unter den Sing-Theatern: Sie soll die Menschen zum Lachen bringen. Der Komponist Franz Lehár hat zusammen mit seinen Librettisten Alfred Maria Willner und Robert Bodanzky eine Operette in drei Akten geschaffen, der es an Witz nicht mangelt, welche aber existenzielle Fragen ebenso thematisiert wie gesellschaftliche und politische Zustände. Das 1909 im Theater an der Wien uraufgeführte Werk wurde ähnlich wie Lehárs „Lustige Witwe“ (1905) schnell ein weltweiter Erfolg. Das dreistündige musikalische Lust-Spiel (inklusive einer Pause) wird – unerbrochen von den in Operetten üblichen Dialogen – in deutscher Sprache gesungen; Übertitel erleichtern das Verständnis der Gesangspartien.

Herzerfrischende emotionale Verstrickungen mit Happy End

Gräfliche Hochzeit (v. l.): Bo Skovhus (René Graf von Luxemburg), Juliane Banse (Angèle Didier), Luis Fernando Piedra (Leibwächter), Bruce Rankin (Fürst Basil Basilowitsch). Foto: Hans Jörg Michel.

Gräfliche Hochzeit (v. l.): Bo Skovhus (René Graf von Luxemburg), Juliane Banse (Angèle Didier), Luis Fernando Piedra (Leibwächter), Bruce Rankin (Fürst Basil Basilowitsch). Foto: Hans Jörg Michel.

Den vergnüglichen Charakter der Operette atmeten die Akteure mit jedem Lied und jedem Dialog aus, aber auch schauspielerisch überzeugten sie in ihren Rollen. Klar herausgezeichnet sind die Charaktere. Für alles – auch die philosophischen Fragestellungen – gibt es eine Lösung und ein Happy End. So gewinnt zum Schluss nicht nur der Graf, dessen konfiszierte Besitztümer wieder freigegeben werden, die Liebe seiner bereits angetrauten Angèle, sondern auch der mittellose Maler Armand (Cornel Frey) die hübsche Sängerin Juliette (Lavinia Dames) – und der russische Fürst bekommt die Gräfin, bei der er im Wort stand. Einziger Verlierer ist wohl der Pförtner/Hausmeister/Hotelmanager/Liftboy/Kellnerin-in-Personalunion: fünf Rollen, die Regisseur Jens-Daniel Herzog in einer Rolle (Oliver Breite) zusammengeführt hat. Personalnotstand halt: eine von vielen modernen Anspielungen – „die Kanzlerin hat 500.000 Stellen geschaffen, fünf davon hab ich“ – in einem Stück, dass immer schon modern und politisch aktuell war.

Hat er sie gefunden? Der Graf beobachtet in der Oper die Sängerin Angèle: Bo Skovhus (René Graf von Luxemburg), Juliane Banse (Angèle Didier), Chor. Foto: Hans Jörg Michel.

Hat er sie gefunden? Der Graf beobachtet in der Oper die Sängerin Angèle: Bo Skovhus (René Graf von Luxemburg), Juliane Banse (Angèle Didier), Chor. Foto: Hans Jörg Michel.

Kapellmeister Lukas Beikircher dirigierte glänzend aufgelegte Duisburger Philharmoniker, die die Spielfreude in Franz Lehárs variationsreicher Komposition phantastisch zur Geltung brachten. Gastsänger (beide Hauptrollen) und Ensemble unterstützte der Chor der Deutschen Oper am Rhein unter der Leitung von Christoph Kurig. Die einfallsreiche, hocheffektive Bühnengestaltung (mit zwei verschiedenen Bühnenbildern im ersten bzw. zweiten und dritten Akt) hatte Mathis Neidhardt entworfen, Kostüme Sibylle Gädeke, für das Licht-Design zeichnete Volker Weinhart verantwortlich.

Ein kleiner Vorgeschmack:

Weitere Termine im Theater Duisburg:
Mo | 26. Dezember 2016 | 18:30 Uhr,
Mi | 28. Dezember 2016 | 19:30 Uhr,
Sa | 31. Dezember 2016 | 19:00 Uhr (ausverkauft),
Fr | 6. Januar 2017 | 19:30 Uhr,
So | 15. Januar 2017 | 19:30 Uhr,
Di | 7. Februar 2017 | 19:30 Uhr,
Fr | 31. März 2017 | 19:30 Uhr und
Fr | 16. Juni 2017 | 19:30 Uhr.

Die Gräfin macht ihre Ansprüche auf den Fürsten geltend (v. l.): Susan Maclean (Gräfin Stasa Kokozowa), Bruce Rankin (Fürst Basil Basilowitsch), Bo Skovhus (René Graf von Luxemburg). Foto: Hans Jörg Michel.

Die Gräfin macht ihre Ansprüche auf den Fürsten geltend (v. l.): Susan Maclean (Gräfin Stasa Kokozowa), Bruce Rankin (Fürst Basil Basilowitsch), Bo Skovhus (René Graf von
Luxemburg). Foto: Hans Jörg Michel.

Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten zwischen 20,30 und 70,30 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

© 2016 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Hans Jörg Michel, Mannheim / Deutsche Oper am Rhein

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Weihnachtskonzert 2016: Polizeichor Duisburg 1928 e. V. begeisterte sein Publikum in der Mercatorhalle

Weihnachtliches aus der Klassik und klassische Weihnachtslieder
Von Petra Grünendahl

Polizeichor Duisburg 1928 e. V.: Weihnachtskonzert 2016 in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

Polizeichor Duisburg 1928 e. V.: Weihnachtskonzert 2016 in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

Lyrischer Koloratursopran: Antje Bitterlich beim Weihnachtskonzert des Polizeichors Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Lyrischer Koloratursopran: Antje Bitterlich beim Weihnachtskonzert des Polizeichors Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Den Geist der Weihnacht fanden die klassischen Komponisten in der Bibel, aus deren Geschichten einige ihrer Werke entstanden. Um die Ankunft des Messias und den Frieden in der Welt schufen Librettisten Texte zu Kompositionen, die gerade in der Hektik der Weihnachtszeit Ruhe und Besinnlichkeit einkehren lassen konnten. Wolfgang Amadeus Mozart und Georg Friedrich Händel nahmen mit ihren Chor-Kompositionen breiten Raum in beiden Teilen des über zweieinhalbstündigen Programms ein. Akzente setzten die Solisten, insbesondere der lyrische Koloratursopran Antje Bitterlich, die ihren ungeheuren Tonumfang mit einer Klarheit intonierte, dass dem Zuhörer mangels Luft schwindelig werden konnte. Das überwiegend klassische Programm war immer wieder angereichert mit modernen Weihnachtsliedern – bekannten und weniger bekannten –, die eine Prise Schwung in den Saal brachten, bis bei den finalen Stücken des Konzertes zu Feliz Navidad das Publikum im Rhythmus mitklatschte. Das traditionelle Finale bildete – wie alle Jahre wieder – die „Stille Nacht, heilige Nacht“, bei der das Publikum zusammen mit allen Sängern auf der Bühne und Orchesterbegleitung gemeinsam sang.

Polizeichor Duisburg 1928 e. V.: Weihnachtskonzert 2016 in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

Polizeichor Duisburg 1928 e. V.: Weihnachtskonzert 2016 in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

Mit ihren Weihnachtskonzerten kehrte der Polizeichor Duisburg 1928 e. V. nach fünf Jahren in die Mercatorhalle, in die „gute Stube“ der Stadt zurück. Alle drei Konzerte an alter Wirkungsstätte waren nahezu ausverkauft. Der Polizeichor Duisburg kann dabei traditionell auf die Unterstützung des Frauenchors der Polizei Duisburg ebenso zählen wie auf das Orchester Oberhausen. Neben den eigenen Solisten, Conny Herrmann (Mezzosopran) vom Frauenchor und Klaus Hermann (Bass) vom Männerchor, hatte man die Essener Sopranistin Antje Bitterlich (Lyrischer Koloratursopran) und den Tenor Wolfram Wittekind verpflichtet. Die musikalische Gesamtleitung oblag Musikdirektor Axel Quast, dem Leiter des Polizeichors Duisburg.

Die Überraschung hat Tradition

Harfenistin Jenny Meyer aus Detmold als Überraschungsgast beim Weihnachtskonzert 2016. Foto: Petra Grünendahl.

Harfenistin Jenny Meyer aus Detmold als Überraschungsgast beim Weihnachtskonzert 2016. Foto: Petra Grünendahl.

Traditionell gab es in der zweiten Hälfte des Konzerts einen Überraschungsgast. „Auch unser Dirigent hat erst gestern erfahren, wer der Überraschungsgast ist“, verriet Rolf Holz, der 1. Vorsitzende des Polizeichors. Mit der Harfenistin Jenny Meyer aus Detmold hatte der Polizeichor wieder einmal ein junges Talent auf die große Bühne geholt, von dem man mit Sicherheit noch einiges hören wird. Das Publikum bezauberte die Solistin mit filigranen Harfenklängen, die den Großen Saal der Mercatorhalle mit seiner wunderbaren Akustik ganz ausfüllten.

Zur guten Tradition gehört auch die Spendensammlung, mit der der Polizeichor alle zwei Jahre einen guten Zweck unterstützt. In diesem Jahr ist der Inhalt der Spenden-Schweinchen für die Lebenshilfe in Duisburg gedacht, die damit ihre Arbeit für Menschen mit Behinderung weiter ausbaut.

Der Polizeichor Duisburg 1928 e. V.

Polizeichor Duisburg 1928 e. V.: Weihnachtskonzert 2016 in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

Polizeichor Duisburg 1928 e. V.: Weihnachtskonzert 2016 in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

Der Polizeichor (Männerchor) besteht nicht nur aus Polizisten, sondern steht auch nicht-polizeiangehörigen interessierten Sängern offen. Chorleiter ist seit Oktober 2012 Musikdirektor Axel Quast, dem auch die musikalische Gesamtleitung der Polizeichor-Konzerte (Weihnachts- wie Frühjahrskonzert) obliegt. Geprobt wird einmal wöchentlich montags um 17.30 Uhr im Ratskeller Hamborn (Kulturzentrum …kulturiges…) an der Duisburger Straße 213.
Interessierte können einfach mal vorbeikommen.
Weitere Informationen über den Polizeichor Duisburg 1928 e. V. findet man hier …

Die Solisten beim Weihnachtskonzert 2016 (v. l.): Antje Bitterlich, Conny Herrmann, Klaus Hermann und Wolfram Wittekind. Foto: Petra Grünendahl.

Die Solisten beim Weihnachtskonzert 2016 (v. l.): Antje Bitterlich, Conny Herrmann, Klaus Hermann und Wolfram Wittekind. Foto: Petra Grünendahl.

Die Idee zu einem Frauenchor kam von Ehefrauen der Polizeichor-Sänger, die ebenfalls Freude am Singen hatten. Schließlich hatten sich 26 von ihnen 1992 zum gemeinsamen Gesang zusammen getan und nach einem Jahr „Probetraining“ selber einen Verein gegründet. Der Frauenchor der Polizei Duisburg 1983 e. V. wurde als erster Frauenchor in den Chorverband der Deutschen Polizei aufgenommen. Im Juni 2015 hat Sebastian M. Ostmeyer die musikalische Leitung des Frauenchors übernommen: Aus den Händen seines Vorgängers Musikdirektor Axel Quast, der seitdem nur noch den Männerchor leitet.

Tenor Wolfram Wittekind beim Weihnachtskonzert des Polizeichors Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Tenor Wolfram Wittekind beim Weihnachtskonzert des Polizeichors Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Unsere früheren Berichte …

© 2016 Petra Grünendahl
(Text und Fotos)

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Von Thyssen Stahl bis thyssenkrupp Steel Europe: 125 Jahre Stahl in Duisburg

Aus der ersten Schmelze in der Hütte Bruckhausen entstand ein innovativer Hersteller von High Tech-Werkstoffen

Mitte der 1920er Jahre hatten Passanten in Duisburg-Hamborn diesen Blick auf das damalige Siemens-Martin-Stahlwerk I von der Kaiser-Wilhelm-Straße aus gesehen. Foto: tkse.

Mitte der 1920er Jahre hatten Passanten in Duisburg-Hamborn diesen Blick auf das damalige Siemens-Martin-Stahlwerk I von der Kaiser-Wilhelm-Straße aus gesehen. Foto: tkse.

Der „alte Herr“, so nannten ihn die Stahlkocher respektvoll, war dabei, als vor 125 Jahren Historisches geschah: In Anwesenheit von August Thyssen wurde am 17. Dezember 1891 in der Hütte Bruckhausen, dem heutigen Oxygen-Stahlwerk 1, der erste Stahl erschmolzen. Einige Monate zuvor hatte der Firmengründer bekannt gegeben, dass er im Besitz aller Anteile an der Zechen-Gesellschaft Deutscher Kaiser sei. „Er vereinigte Kohle und Zeche in einer Hand“, heißt es in einer älteren Ausgabe der Werkzeitschrift der August-Thyssen-Hütte. „Ein neuer und für die Zukunft des jungen Unternehmens entscheidender Schritt war getan.“ Neben dem Standort-Vorteil durch die Lage am Rhein war es vor allem die Entwicklung zum integrierten Hüttenwerk mit allen Verarbeitungsstufen vom Rohstoff bis zum fertigen Stahlblech, die das Unternehmen wettbewerbsfähig machte. Heute ist thyssenkrupp Steel Europe der größte Stahlhersteller in Deutschland. Gleichzeitig ist das Unternehmen der bedeutendste Arbeitsgeber in der Stadt Duisburg, die nach wie vor der größte Stahl-Standort Europas ist.

Das Foto zeigt einen Mitarbeiter bei der Probennahme im Hochofenbetrieb der Gewerkschaft Deutscher Kaiser zwischen 1900 und 1918. Die Probenentnahme gibt es auch heute, in wesentlich effizienterer und präziserer Form, immer noch. Foto: tkse.

Das Foto zeigt einen Mitarbeiter bei der Probennahme im Hochofenbetrieb der Gewerkschaft Deutscher Kaiser zwischen 1900 und 1918. Die Probenentnahme gibt es auch heute, in wesentlich effizienterer und präziserer Form, immer noch. Foto: tkse.

Im ersten Jahr erschmolz die Thyssen-Hütte mit 850 Stahlkochern knapp 50.000 Tonnen Rohstahl, 1966 waren es mit einer Belegschaft von 16.400 ca. vier Millionen Tonnen. Heute sind in Duisburg-Nord etwa 13.000 Mitarbeiter beschäftigt, hinzu kommen ungefähr 1.300 im thyssenkrupp-Werk in Duisburg-Hüttenheim. Die Jahresproduktion liegt bei rund 12 Millionen Tonnen. Insgesamt wurden seit Produktionsbeginn vor 125 Jahren insgesamt an die 500 Millionen Tonnen Stahl produziert. In dieser Zeit hat sich das gefertigte Produkt vom Einheits-Massenstahl zum High Tech-Werkstoff mit mehr als 2.000 Stahlsorten entwickelt. Heute steht „Stahl – Made in Duisburg“ für innovative Lösungen zum Beispiel für effizienten Leichtbau in der modernen Automobilherstellung.

1912 wurde in Duisburg noch mit dem damaligen Siemens-Martin-Verfahren Stahl erschmolzen. Heute wird Stahl in hochmodernen Oxygen-Stahlwerken produziert. Foto: tkse.

1912 wurde in Duisburg noch mit dem damaligen Siemens-Martin-Verfahren Stahl erschmolzen. Heute wird Stahl in hochmodernen Oxygen-Stahlwerken produziert. Foto: tkse.

Auch auf anderen Feldern hat sich die Stahlproduktion tiefgreifend gewandelt. „Zu den größten Errungenschaft gehört, dass wir bei der Arbeitssicherheit und den Arbeitsbedingungen für unsere Beschäftigten sowie beim Umweltschutz gerade in den letzten 30 Jahren enorme Fortschritte gemacht haben“, betont Thomas Schlenz anlässlich des Jubiläums „125 Jahre Stahl in Duisburg“. „Die stetige Veränderung und Verbesserung gehört zu unserer Stahlindustrie dazu“, so der Personalvorstand der thyssenkrupp Steel Europe AG. „Daher weiß unsere Belegschaft, dass wir nicht nachlassen dürfen, gemeinsam an unserer Wettbewerbsfähigkeit zu arbeiten. Nur so können wir die Zukunft unserer Mitarbeiter und Auszubildenden, deren Familien sowie der Partnerfirmen und Zulieferer sicherstellen.“

Welche ist die wichtigste Modernisierung in den letzten 125 Jahren Stahlproduktion in Duisburg gewesen? „Die Arbeitssicherheit“, sagt der Personalvorstand der thyssenkrupp Steel Europe AG, Thomas Schlenz, hier dargestellt in der Wandlung der Helme. Und: Heute gibt es über 2000 unterschiedliche Stahlsorten für Branchen wie den Automobilbau, Energie, Verpackung, Haushalt, Bau oder Maschinen- und Anlagenbau. Foto: tkse.

Welche ist die wichtigste Modernisierung in den letzten 125 Jahren Stahlproduktion in Duisburg gewesen? „Die Arbeitssicherheit“, sagt der Personalvorstand der thyssenkrupp Steel Europe AG, Thomas Schlenz, hier dargestellt in der Wandlung der Helme. Und: Heute gibt es über 2000 unterschiedliche Stahlsorten für Branchen wie den Automobilbau, Energie, Verpackung, Haushalt, Bau oder Maschinen- und Anlagenbau. Foto: tkse.

– Presseinformation und Fotos: thyssenkrupp Steel Europe AG –

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Potenziale von Migrantenwirtschaft erkennen: Höhere Gründungsfreude und wachsende Betriebe

Niederrheinische IHK - Industrie- und Handelskammer Duisburg an der MercatorstraßeDie Gründerzahlen am Niederrhein und im gesamten Bundesgebiet sind rückläufig. In konjunkturell guten Zeiten wie diesen entscheiden sich viele potenzielle Gründer lieber für eine Festanstellung als für den Aufbau eines eigenen Unternehmens. Laut Gründerreport des DIHK sind noch nie in den 79 Industrie- und Handelskammern so wenige Gespräche mit angehenden Unternehmern geführt worden wie 2015. Das ist keine erfreuliche Situation, denn die fehlenden Gründer von heute sind die fehlenden Unternehmer von morgen. Einen interessanten Trend gibt es jedoch: Zuwanderer sind gründungsfreudiger als Deutsche – auch am Niederrhein. Hier liegt Potenzial, um die heimische Wirtschaft zu stärken. Die Niederrheinische Industrie- und Handelskammer Duisburg-Wesel Kleve hat dazu einige Kennzahlen für die Region vorgestellt.

Es gibt immer mehr Selbstständige und Unternehmer mit Migrationshintergrund am Niederrhein. Die Zahl deutscher Gründer ist dagegen rückläufig. Aktuellen Zahlen zu Unternehmensgründungen am Niederrhein bestätigen diesen Trend. Während 2005 noch 8.999 Deutsche ein Unternehmen im IHK-Bezirk gründeten, waren es 2015 nur 5.967. Die ausländischen Gründer hingegen legen zu: Im Jahr 2015 haben in Duisburg und den Kreisen Kleve und Wesel 3.231 Ausländer (d. h. Menschen, die eine andere als die deutsche Staatsbürgerschaft haben) ein Gewerbe angemeldet, 2005 waren es noch 2.451. Der Anteil nicht-deutscher Gründer an den gesamten Neugründungen ist am Niederrhein zwischen 2005 und 2015 somit von 21 auf 35 Prozent angestiegen. „Wir haben hier ein beachtliches Potenzial. Das gilt es zu heben. Unsere IHK will ihr Service- und Beratungsangebot noch stärker auf diese Zielgruppe ausrichten“, so Dr. Stefan Dietzfelbinger, IHK-Hauptgeschäftsführer. Dr. Birgit Beisheim, Unternehmerin aus Duisburg und Sprecherin von Bündnis90/Die Grünen für Industriepolitik und Diversity Management im Landtag, betonte: „Migrantische Unternehmer werden zunehmend zum Motor für Wertschöpfung und Arbeitsplätze in NRW. Ziel der Landesregierung ist es, diese Bevölkerungsgruppe stärker bei der Unternehmensgründung und -förderung zu unterstützen“. Neben der IHK und Bündnis 90/Die Grünen hatte die Entwicklungsgesellschaft Duisburg mbH zu dieser Veranstaltung eingeladen.

Neue Arbeitsplätze und mehr Branchenvielfalt
Viele Unternehmer mit ausländischen Wurzeln sind auf Wachstumskurs und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Dynamik des Mittelstandes und zu Beschäftigungssituation am Niederrhein. Unternehmen in allen Branchen werden heute von Inhabern mit Zuwanderungshintergrund geführt. Ähnliches lässt sich für das aktuelle Gründungsgeschehen am Niederrhein sagen. Viele Ausländer gründeten bisher insbesondere im Einzelhandel und Gastgewerbe. 2015 beabsichtigten nur 19 Prozent der von der IHK beratenen ausländischen Gewerbetreibenden, sich in einem dieser beiden Wirtschaftszweige selbstständig zu machen. Ein weitaus größerer Teil will im produzierenden Gewerbe – hier vor allem in der Bauwirtschaft – am Markt bestehen.

Wer gründet am Niederrhein?
Die Statistik der IHK unterscheidet bei den Gründern, die nicht die deutsche Staatsbürgerschaft haben, auch nach Nationalität. Ähnlich wie im übrigen Nordrhein-Westfalen hat nach 2005 am Niederrhein die Zahl der Gründungen durch Menschen aus den neuen Mitgliedstaaten der EU zugenommen. Daneben zeigen sich türkische Staatsbürger und Niederländer weiterhin als gründungsfreudig.

Unter den Gewerbetreibenden mit Neugründungsabsicht, die nicht die deutsche Staatsbürgerschaft haben, bleiben am Niederrhein die Männer mit mehr als 80 Prozent (2.555) gegenüber den Frauen (667) die stärkere Gruppe. Frauen sind auch bei den deutschen Neugründern 2005 und 2015 noch in der Minderheit. Allerdings wächst ihre Gruppe prozentual, von etwas mehr als 30 Prozent auf fast 40 Prozent (2.195 Frauen, 3.772 Männer).

Bezogen auf 10.000 Personen im erwerbsfähigen Alter zeigt sich: Auf 10.000 ausländische Frauen kommen im Jahr 2015 (113) fast doppelt so viele Gründungen wie auf 10.000 deutsche Frauen (63).

Chance für Integration und Ausbildung
Es zeigt sich deutlich: Das Unternehmertum ist bei Zuwanderern und Migranten ausgeprägter als bei Deutschen. Und hier liegen Chancen für die Wirtschaft am Niederrhein und die hier arbeitenden Menschen. Zuwanderer, die Unternehmen gründen, integrieren sich schneller und besser, sind ihrer neuen Heimat eng verbunden und Vorbilder für neu hinzukommende Migranten. Migrantenunternehmen schaffen zudem Arbeits- und Ausbildungsplätze.

– Presseinformation der Niederrheinischen IHK –

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thyssenkrupp Jubilaren-Vereinigung: Weihnachtskonzerte begeisterten in der Mercatorhalle

Aus 1.600 vollen Kehlen „O du fröhliche“
Von Petra Grünendahl

Peter Stockschläder dirigierte im Schlusspart den "großen" Chor von 1.600 Sängern. Foto: Petra Grünendahl.

Peter Stockschläder dirigierte im Schlusspart den „großen“ Chor von 1.600 Sängern. Foto: Petra Grünendahl.


Von Liedern der Weihnacht aus aller Welt und Weihnachtlichem klassischer Komponisten bis hin zu weihnachtlichen Anleihen populärerer Musik reichte das Repertoire der Chöre in der voll besetzten Mercatorhalle. In den kräftigen Chorgesängen setzte bei einzelnen Stücken als Solist der Bass-Bariton Jakob Kim mit seinem dunklen Timbre Akzente. Sein „Jerusalem“ vor dem großen Finale ist alle Jahre wieder ein Erlebnis. Die wundervolle Akustik ließ den Großen Saal der Mercatorhalle ganz besonders im Schlusspart mit den von Mitwirkenden auf der Bühne und Gästen im Zuschauerraum gemeinsam gesungenen deutschen Weihnachtsliedklassikern bis hin zum finalen „O du fröhliche“ förmlich erbeben.

Wiehnachtskonzert der Jubliaren-Vereinigung thyssenkrupp mit dem thyssenkrupp-Chor, dem Projektor "Weihnachtne", dem Rheydter Knabenchor (mit Mädchen-Verstärkung) und der Duisburger Sinfonietta. Foto: Petra Grünendahl

Wiehnachtskonzert der Jubliaren-Vereinigung thyssenkrupp mit dem thyssenkrupp-Chor, dem Projektor „Weihnachtne“, dem Rheydter Knabenchor (mit Mädchen-Verstärkung) und der Duisburger Sinfonietta. Foto: Petra Grünendahl

Zu ihrem traditionellen Weihnachtskonzert kehrte die Jubilaren-Vereinigung thyssenkrupp am dritten Adventswochenende in die „Gute Stube“ der Stadt zurück: die Mercatorhalle. Ein gutes Händchen hatte Chor-Dirigent Peter Stockschläder bei der Zusammenstellung von Programm und mitwirkenden Musikern und Sängern bewiesen: Der langjährige Leiter des thyssenkrupp-Chores und musikalisch Gesamtverantwortliche für das Weihnachtskonzert setzte eine bunte Mischung aus Bekanntem und weniger Bekanntem, auf traditionelle Weihnachtslieder und Musik unterschiedlichster Stilrichtungen und Herkunft mit weihnachtlichem Ambiente. An Begleitchören hatte Stockschläder den Rheydter Knabenchor (unter der Leitung von Udo Witt, bereichert um Sängerinnen des Mädchenchores) sowie den Projektchor „Weihnachten“ des Sängerkreises Duisburg-Dinslaken mit ins Boot geholt. Instrumental begleiteten die Sänger traditionell die Duisburger Sinfonietta, das Kammerorchester der Folkwang-Universität der Künste, diesmal unterstützt von der Kanadierin Lucie Samson am Klavier sowie Friedrich Storfinger (Orgel). Als Solist hatte man den Bass-Bariton Jakob Kim verpflichtet, der hier schon seit vielen Jahren eine treue Fangemeinde hat.

thyssenkrupp-Chor Duisburg und Jubilaren-Vereinigung

Wiehnachtskonzert der Jubliaren-Vereinigung mit dem thyssenkrupp-Chor und der Duisburger Sinfonietta. Foto: Petra Grünendahl

Wiehnachtskonzert der Jubliaren-Vereinigung mit dem thyssenkrupp-Chor und der Duisburger Sinfonietta. Foto: Petra Grünendahl

Sowohl die Jubilaren-Vereinigung thyssenkrupp als auch der thyssenkrupp-Chor lehnen sich an den Unternehmensnamen an. Beide entstammen ursprünglich den Werken von Thyssen in Duisburg. Der Chor entstand 1999 als Zusammenschluss der Werkschöre Ruhrort/Meiderich (1871/77) und Hamborn (1906), bevor er dann nach der Fusion in thyssenkrupp-Chor umbenannt wurde. Schon seit vielen Jahren leitet Chor-Dirigent Peter Stockschläder das Ensemble und ist für die musikalische Programmgestaltung der Weihnachtskonzerte verantwortlich. Sitz und Probelokal ist das Hotel Montan in Hamborn. Informationen zum thyssenkrupp-Chor, Kontaktdaten und Probetermine findet man unter https://www.thyssenkrupp-chor-duisburg.de/.

Bass-Bariton Jakob Kim im Kreise des thyssenkrupp-Chores und der Duisburger Sinfonietta: immer iweder gerne gehört. Foto: Petra Grünendahl.

Bass-Bariton Jakob Kim im Kreise des thyssenkrupp-Chores und der Duisburger Sinfonietta: immer iweder gerne gehört. Foto: Petra Grünendahl.

Die Vereinigung der Jubilare entstand vor gut 100 Jahren in der August-Thyssen-Hütte, später Thyssen Stahl AG, bis zur heutigen thyssenkrupp Steel Europe, deren Hauptsitz immer noch Duisburg ist. Zu besten Zeiten – als die Stahlindustrie in Duisburg einige Zehntausend Arbeitskräfte beschäftigte – gehörten etwa 15.000 Jubilare dem Verein an, heute hat der Verein immerhin noch gut 8.000 Mitglieder, die mindestens ihre 25jährige Betriebszugehörigkeit bei Thyssen oder thyssenkrupp in Duisburg feiern durften.

© 2016 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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300 Jahre Duisburger Hafen: Das Buch zum Jubiläum

Von ersten befestigten Ankerplätzen in der Region zum weltweit vernetzten Logistik-Dienstleister
Von Petra Grünendahl

Ruhrort. im Jahr 1587.

Ruhrort. im Jahr 1587.

Die Börtschifffahrt nutzte für den Warenhandel unbefestigte Liegeplätze am Flussufer. Da sich das Handelsvolumen bis in die frühe Neuzeit in überschaubaren Grenzen hielt, reichte dies völlig aus. Aber der Warenverkehr stieg als Folge von Kolonialisierung und dann auch Bergbau und Industrialisierung. Am 16. September 1716 beschloss der Magistrat der damals selbstständigen Stadt Ruhrort, einen Hafen zu bauen. Oberhalb der heutigen Schifferbörse begradigte man das Ufer und verstärkte es mit Holzbohlen, um erste befestigte Ankerplätze in unmittelbarer Nähe zum Dorf zu schaffen. Zimmerleute begannen, Boote zu reparieren. Eine erste Werft entstand schon 1712. Wirtschaftlich bot der Hafen dem Dorf eine Perspektive, denn von damaligen Handelsrouten wie dem Hellweg war Ruhrort ebenso abgeschnitten wie von einem direkten Weg in die südlich gelegene Reichs- und Hansestadt Duisburg.

Ruhrort noch mit dem Kaiserhafen Anfang des 20. Jahrhunderts. Foto: Duisburger Hafen AG.

Ruhrort noch mit dem Kaiserhafen Anfang des 20. Jahrhunderts. Foto: Duisburger Hafen AG.

Der Magistratsbeschluss von 1716 legte den Grundstein zur heutigen Duisburger Hafen AG, die in diesem Jahr ihr 300. Jubiläum feiert. Aus den Anfängen als befestigter Ankerplatz in Ruhrort über den Zusammenschluss mit dem Duisburger Hafen nach Vereinigung der Städte Duisburg, Ruhrort und Meiderich bis hin zum Ausbau der Duisburger Hafen AG als weltweit vernetzten Logistik-Dienstleister zeichnet die Chronik, die die Hafengesellschaft zum Jubiläum in Auftrag gegeben hatte, wichtige Epochen in der Geschichte des Ruhrgebiets und Deutschlands nach. Immer wieder gab es Rückschläge, die die Autoren detailliert, aber dennoch gut lesbar beschreiben. Überschaubar haben sie die Geschichte der Hafenentwicklungen in Ruhrort und Duisburg aufbereitet, immer wieder ergänzt durch Biographien von Menschen, die in der Entwicklung des Hafens Spuren hinterlassen haben. Neben den politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Hafenentwicklung haben sie dabei auch immer ein Auge auf die Entwicklung der Arbeitswelt.

Erfolgreiche Hafenstandorte an alten Handelsrouten

Loren und Schüttrinnen erleichterten die Kohleverladung im 19. Jahrhundert. Foto: Duisburger Hafen AG.

Loren und Schüttrinnen erleichterten die Kohleverladung im 19. Jahrhundert. Foto: Duisburger Hafen AG.

Hafenmund: Erzverladung um 1970. Foto: Duisburger Hafen AG.

Hafenmund: Erzverladung um 1970. Foto: Duisburger Hafen AG.

Hier wurden ab 1901 Frachtraten und Schlepplöhne ausgehandelt: die alte Schifferbörse in Ruhrort. Foto: Duisbureger Hafen AG.

Hier wurden ab 1901 Frachtraten und Schlepplöhne ausgehandelt: die alte Schifferbörse in Ruhrort. Foto: Duisbureger Hafen AG.

Duisburger Hafen 1977: erstes Flüssiggaslager ist im Bau. Foto: Duisburger Hafen AG.

Duisburger Hafen 1977: erstes Flüssiggaslager ist im Bau. Foto: Duisburger Hafen AG.

Auch wenn die Ruhrorter Uferbefestigung die Gründung des Hafens markierte, florierte in der Nachbarstadt (und ehemaligen Hansestadt) Duisburg seit langem der Warenverkehr: Ideal war schon zur Römerzeit die Lage am Hellweg, an der Ruhr und über viele Jahrhunderte auch am Rhein, dass die Schiffe bis zum Schwanentor fahren konnten. Ende des 13 Jahrhunderts verlagerte der Rhein seinen Lauf nach Westen, so dass der Schiffsverkehr die Stadt nicht mehr erreichte und der Handel massiv zurück ging. Erst 1674 konnte Duisburg vertraglich eine Börtschifffahrtslinie nach Nimwegen einrichten. Ab 1717 verkehrten auch Schiffe nach Amsterdam, Arnheim und Utrecht, die Kolonialwaren den Rhein hinauf brachten. Die Schiffe mit zunächst 80 Tonnen, später bis zu 400 Tonnen Ladung ankerten außerhalb in Neuenkamp Ein Kanal zum Rhein wurde zwar angedacht, aber zur damaligen Zeit noch nicht realisiert. Währenddessen profitierte Ruhrort in 18. und 19. Jahrhundert vom Kohletransport aus den Fördergebieten von Essen bis Dortmund. Die kleineren Schiffe, die Ruhrort mit der Kohle ansteuerten, wurden dort auf größere, bis zu 150 Tonnen fassende Rheinschiffe umgeladen.

Den Ruhrorter Hafen übernahm 1756 der preußische Staat, der nach den napoleonischen Kriegen und der politischen und wirtschaftlichen Neuordnung Europa (Wiener Kongress) ab 1815 auch dessen Ausbau finanzierte. Dagegen schlossen sich in Duisburg Kaufleute zum Rhein-Kanal-Aktien-Verein zusammen, um die Stadt mit einem Kanal wieder an den Rhein anschließen wollte (der heutige Außenhafen). Die Häfen waren Konkurrenten, wobei Ruhrort durch den Kohletransport ganz klar im Vorteil war. Auch dann noch, als Duisburg längst über den Rhein-Kanal wieder Anschluss zum Rhein hatte: Duisburg blieb ein Handelshafen. Ein Ruhr-Kanal sollte Abhilfe schaffen, die Gründung des Ruhr-Kanal-Aktien-Vereins trieb das nötige Geld ein, aber Berlin bevorzugte den preußischen Hafen Ruhrort. Die Arbeiten am Ruhr-Kanal konnten erst 1840 begonnen werden. An seinem Ende entstand als Hafenbecken der Vorläufer des heutigen Innenhafens.

Die Dampfschifffahrt machte Pferde (zum Treideln), Segel und Mast überflüssig. Mit der Geschwindigkeit und zuverlässigeren Transporten nahm die Bedeutung des Binnenschiffstransports weiter zu. Das Holz im Schiffbau wich Eisen, welches die Schiffe stabiler und langlebiger machte. Dampfschleppschiffe machten den Massentransport wirtschaftlicher, konnten sie doch sechs bis sieben Lastkähne mit einer Gesamtladung von 2.000 Tonnen hinter sich her ziehen. Dies in Verbindung mit dem Ruhr-Kanal machte den Duisburger Hafen zu einem ernsthaften Konkurrenten für Ruhrort.

Trajektturm der Homberg-Ruhrorter Trajektanschalt: ganze Eisenbahnzüge konnten mit Hilfe einer Fähre über den Rhein gebracht werden.  Foto: Duisburger Hafen AG.

Trajektturm der Homberg-Ruhrorter Trajektanschalt: ganze Eisenbahnzüge konnten mit Hilfe einer Fähre über den Rhein gebracht werden. Foto: Duisburger Hafen AG.

Die Eisenbahn band ab den 1840-er Jahren die Häfen ans Hinterland an, was vor allem Duisburg und Ruhrort nutzen, sahen sie die Bahn eben nicht als Konkurrenz, sondern als Zubringer: Kohle, Erz und fertige Erzeugnisse verlangten nach schnelleren Transportwegen, so dass Industrie nicht mehr direkt an Flüssen bzw. neben Bergbauschächten angesiedelt werden mussten. Der bi-modale Transportverkehr war geboren. Trajektanstalten auf beiden Seiten des Rheins mit einer Fähre zum Übersetzen verbanden die Rheinufer. Berlin lehnte Brückenverbindungen über den Rhein aus strategischen Gründen (Angst vor einem Übersetzten der Franzosen) ab. Der Hebeturm im Homberger Stadthafen sowie der Eisenbahnhafen in Ruhrort zeugen noch davon. Ideale Bedingungen fand auch die Industrie, die sich verstärkt hier ansiedelte. Mehr Industrie bedeutete aber auch im Umkehrschluss: Mehr Umschlag in den Häfen.

Der Innenhafen war mal der Brotkorb des Feviers. Foto: Duisbrger Hafen AG.

Der Innenhafen war mal der Brotkorb des Feviers. Foto: Duisbrger Hafen AG.

In Duisburg wurden aus dem Rhein-Kanal-Aktien-Verein und dem Ruhr-Kanal-Aktien-Verein der Rhein-Ruhr-Kanal-Aktien-Verein, die Duisburger Häfen kamen unter eine gemeinsame Verwaltung. 1889 schließlich übernahm die Stadt Duisburg die Aktien und das Eigentum am Hafen, nachdem eine Übernahme durch Preußen und die Vereinigung mit Ruhrort gescheitert war. Erträge des Hafens sollten nun in die Anlagen investiert werden: Die Stadt erweiterte den Innenhafen nach Osten und baute einen Floßhafen, nachdem der Ruhrkanal bis auf ein Wendebecken zugeschüttet worden war (der spätere Holzhafen). Ab 1898 machten die Duisburger dem Nachbarn Ruhrort im Parallelhafen beim Kohletransport Konkurrenz. Auch Ruhrort erweiterte seine Anlagen, nachdem die Wirtschaftskrise von 1874/75 einem soliden Aufschwung gewichen war. Als in Ruhrort keine Erweiterungsflächen mehr zur Verfügung standen, erweiterte man den Hafen schließlich über einen Kanal Richtung Meiderich, wo Ausbauflächen vorhanden waren. Die ersten Werkshäfen entstanden, wie der Hafen der Hüttenwerke Rheinhausen (heute logport I). Es folgten Schwelgern (Thyssen) und Walsum (Gutehoffnungshütte).

Luftbild Duisburger Hafen 2015: Vorne Ruhrort, hinten Meiderich. Foto: Hans Blossey / duisport.

Luftbild Duisburger Hafen 2015: Vorne Ruhrort, hinten Meiderich. Foto: Hans Blossey / duisport.

Der Zugtransport der Kohle zum Rhein wurde wirtschaftlicher als die Ruhrschifffahrt, was die Konkurrenz der Häfen weiter anfacht und schließlich in einen ruinösen Wettbewerb zum Ende des 19. Jahrhunderts mündete. Die Zusammenlegung der beiden Häfen in einer Gesellschaft folgt auf die Vereinigung der Städte Duisburg, Ruhrort und Meiderich. Vom Zusammenschluss (1905, Kapitel 5) über die Gründung der Duisburg-Ruhrorter Hafen AG (1926, Kapitel 6) bis zur heutigen duisport-Gruppe haben die Autoren noch viele weitere spannende Detailinformationen zusammen getragen, mit Zitaten und zeitgenössischem Bildmaterial versehen, die die Geschichte der Hafenentwicklung lebendig werden lassen. Immer wieder ist die Entwicklung an Persönlichkeiten festgemacht, die entscheidend zur Hafenentwicklung beigetragen hatten. Dass aber die Erfolgsgesichte des Duisburger Hafens, die in diesen Buch zehn Kapitel füllt, noch lange nicht zu Ende geschrieben ist, verrät der Hafenplan auf der vorletzten Seite: Er muss schon wieder erweitert und neu gezeichnet werden.

Das Buch zum Duisburger Hafenjubiläum: 300 Jahre Duisburger Hafen - Weltweit vernetzt, regional verankert. Foto: Petra Grünendahl.

Das Buch zum Duisburger Hafenjubiläum: 300 Jahre Duisburger Hafen – Weltweit vernetzt, regional verankert. Foto: Petra Grünendahl.

Chronik zum Schmökern
Das großformatige Buch „300 Jahre Duisburger Hafen“ ist erschienen im Geschichtsbüro Verlag, Köln. Es bietet auf 256 reich bebilderten Seiten gut lesbare hochinformative Textabschnitte aus der wechselhaften Entwicklungsgeschichte der Duisburger Häfen. Kein Werk, das man wie einen Roman von Anfang bis zum Ende liest, sondern eher ein Werk zum Blättern und Schmökern, wieder und immer wieder, um der Dichte der in Text gegossenen Informationen Herr zu werden. Über den lokalen Buchhandel ist es zum Preis von 29.95 Euro zu beziehen (ISBN 978-3-940371-36-2).

© 2016 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Duisburger Hafen AG bzw. Hans Blossey / duisport (Luftaufnahme 2015), Petra Grünendahl (Buchcover)

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Verfügungsfonds zur Revitalisierung der Duisburger Altstadt: Der Anfang ist gemacht

Wirtschaftsförderung dankt Unterstützern (v.l.): José Carlos Barreiras da Ponte, Dagmar Bungardt, Yvonne Bleidorn, Pfarrer Stephan Blank, Daniel Staak, Ralf Meurer, Christiane Möser, Ottmar Schuwerak, Yvonne Rettig, Martin Schmitz, Constanze Drews, Marianne Pauli (v.l.n.r.); Foto: Francesco Mannarino / GFW Duisburg.

Wirtschaftsförderung dankt Unterstützern (v.l.): José Carlos Barreiras da Ponte, Dagmar Bungardt, Yvonne Bleidorn, Pfarrer Stephan Blank, Daniel Staak, Ralf Meurer, Christiane Möser, Ottmar Schuwerak, Yvonne Rettig, Martin Schmitz, Constanze Drews, Marianne Pauli (v.l.n.r.); Foto: Francesco Mannarino / GFW Duisburg.

Stadt und Wirtschaftsförderung würdigen privates Engagement engagierter Unterstützer

„Für mich ist es selbstverständlich, mich finanziell im Rahmen meiner Möglichkeiten einzubringen, habe ich doch mein Restaurant in der Altstadt. Wird diese Stück für Stück revitalisiert, fühlen sich meine Gäste noch wohler und kommen noch lieber zu mir. Neben Stammgästen finden dann vielleicht auch neue Besucher den Weg ins Quartier“, so die Überlegung von José Carlos Barreiras da Ponte.

Reges Treiben herrschte heute Morgen im Quartiersbüro in der Beekstraße, kamen hier doch zahlreiche engagierte Unterstützer der Altstadt zusammen. Gefolgt waren sie damit der Einladung von Ralf Meurer, Geschäftsführer der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Duisburg, und den Altstadtmanagern, die sich bei den Sponsoren, Kooperationspartnern sowie den Mitgliedern des Entscheidungsgremiums „Verfügungsfonds“ für die produktive Zusammenarbeit bedankten.

Zu den Vorreitern bürgerschaftlichen und unternehmerischen Engagements zählen: die Volksbank Rhein-Ruhr, der Gastronom des Restaurants „Brasil Live“, José Carlos Barreiras da Ponte, Markus und Constanze Drews, Immobilieneigentümer in der Altstadt, Daniel Staak, Immobilienverwalter der Gutencor GmbH, Lars Hoffmann, Inhaber vom City Electronicer, der Knüllermarkt, das City-Management Duisburg e.V., Bürgermeister Manfred Osenger, Michael Rüscher von der Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer Duisburg-Wesel-Kleve sowie die Evangelische Kirche, vertreten durch Pfarrer Stephan Blank.

„Sie alle sind Vorbilder, die andere zum Nachahmen ermuntern können“, betont GFW-Chef Ralf Meurer. Auch die Quartiersmanager Yvonne Bleidorn und Francesco Mannarino wissen, dass die Entwicklung der Altstadt-Süd maßgeblich von der aktiven Mitwirkung anderer Multiplikatoren abhängt: „Ausschlaggebender Faktor sind Anwohner, Immobilieneigentümer und ansässige Einzelhändler“, erklärt Bleidorn.

Yvonne Rettig, Leiterin Vorstandsstab der Volksbank Rhein-Ruhr, erklärt: „Wer will, dass sich etwas bewegt, der muss selbst den Anfang machen. Dann werden andere dem Beispiel folgen. Als Genossenschaftsbank ist es uns ein Anliegen, die kleinen und mittleren Unternehmer, die dort ansässig sind, auch durch unser soziales Engagement zu unterstützen.“
Constanze Drews, Immobilieneigentümerin in der Altstadt, ist sich sicher: „Der Anfang ist am schwersten. Und der ist jetzt gemacht: mit Kunst- und Begrünungsaktionen sowie einem überaus erfolgreichen Wintermarkt. Mit all dem tragen Wirtschaftsförderung und Stadt dazu bei, dass die Umsätze der Einzelhändler angekurbelt werden, das Viertel belebt wird und der Wert der Immobilien wieder zunimmt.“

Der Verfügungsfonds ist ein Instrument zur Revitalisierung der Altstadt. Mit den Mitteln des Verfügungsfonds sollen in möglichst kurzen Zeiträumen Projekte und Aktionen angestoßen und verwirklicht werden, die einen nachhaltigen Nutzen für die Altstadt-Süd haben. Dabei können ganz unterschiedliche Maßnahmen gefördert werden. Die Bandbreite reicht von Maßnahmen im öffentlichen Raum über Maßnahmen zur Stärkung der Stadtteilkultur oder der Belebung des Einzelhandels bis hin zu Mitmach-Aktionen. Das jährliche Budget aus dem Verfügungsfonds beläuft sich auf 30.000 Euro. Es setzt sich jeweils zur Hälfte aus öffentlichen und privaten Finanzmitteln zusammen. Über die Verwendung der Mittel und die Umsetzung der Maßnahmen entscheidet ein Gremium aus Quartiersakteuren und Vertretern der Stadt. Einer davon ist Ottmar Schuwerak, Leiter des Bezirksamts Duisburg-Mitte. Das Gremiumsmitglied weiß: „Die Fülle an Ideen ist zahlreich. Durch gute Kooperation öffentlicher und privater Akteure konnte bereits manches erreicht werden. Je mehr private Sponsoren für die Belebung der Altstadt gefunden werden können, desto mehr Aktionen können umgesetzt werden. Nur so kann die Altstadt nachhaltig und spürbar aufgewertet werden.“

Sollen Maßnahmen umgesetzt werden, so ist der private Anteil dabei grundsätzlich durch die Antragsteller selbst aufzubringen. In diesem Jahr konnte das Quartiersbüro allerdings durch das finanzielle Engagement eingangs genannter „Sponsoren“ auch andere Ideen realisieren. Dazu gehörten sowohl die Urban Art-Aktion an der Beginenstraße, bei der Leitpfosten durch den Künstler Martin Schmitz farbenfroh verschönert wurden, als auch die Begrünungsaktion „Gartenreich Altstadt-Süd“ von Prem Lüers entlang der Klosterstraße. Auch die aktuelle Weihnachtsbeleuchtung entlang der Münzstraße, Beekstraße, Kühlingsgasse und dem Calaisplatz, die Groß und Klein erfreut, wurde durch den Verfügungsfonds Wirklichkeit.

– Presseinformation und Foto: GFW Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Duisburg –

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Familienfreundliche Unternehmen in Duisburg: Haeger & Schmidt, Kindernothilfe und ThyssenKrupp Steel Europe ausgezeichnet

Alle Bewerber sind Vorbilder, so die Jury
Erstmals Sonderpreise für öffentlichen Dienst

Drei erste Plätze für die Unternehmen ThyssenKrupp Steel Europe AG, Haeger & Schmidt International GmbH und die Kindernothilfe. Die Vertreter der Unternehmen: (v. l. n. r.) Olaf Prenzing von Haeger & Schmidt, Sina Echterhoff und Klaus Bailer von ThyssenKrupp Steel sowie Marcel Rütten und Petra Niederau von der Kindernothilfe. Foto: Unternehmerverband Duisburg.

Drei erste Plätze für die Unternehmen ThyssenKrupp Steel Europe AG, Haeger & Schmidt International GmbH und die Kindernothilfe. Die Vertreter der Unternehmen: (v. l. n. r.) Olaf Prenzing von Haeger & Schmidt, Sina Echterhoff und Klaus Bailer von ThyssenKrupp Steel sowie Marcel Rütten und Petra Niederau von der Kindernothilfe. Foto: Unternehmerverband Duisburg.

Maßstäbe in Sachen Familienfreundlichkeit setzen – dies tun die zehn Unternehmen, die sich in diesem Jahr beim Wettbewerb „Familienfreundliches Unternehmen 2016“ beworben haben. Im Rahmen einer Feierstunde in den neuen Räumlichkeiten der KROHNE Messtechnik GmbH in Duissern – das Unternehmen hatte den Preis 2014 gewonnen – wurden sie nun für ihr Engagement ausgezeichnet. Drei von ihnen besonders: Das Unternehmen Haeger & Schmidt International GmbH, die Kindernothilfe e. V. und die ThyssenKrupp Steel Europe AG. Erstmals gab es darüber hinaus Sonderpreise für Bewerber aus dem öffentlichen Dienst.

Beworben hatten sich: Runder Tisch Marxloh e. V., Haeger & Schmidt International GmbH, Franz Haniel & Cie. GmbH, ThyssenKrupp Steel, Kindernothilfe, KROHNE Messtechnik GmbH, Siemens AG, Duisburger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH, Wirtschaftsbetriebe Duisburg AöR und Bundesagentur für Arbeit Duisburg. Jedes Unternehmen bekam für die erfolgreiche Teilnahme eine eigens für diese Auszeichnung erstellte Grafik mit der Überschrift „Platz für Familie ist Raum für Zukunft“ des bekannten Cartoonisten Dirk Meissner.

Oberbürgermeister Sören Link freute sich im Rahmen der Feierstunde über Qualität und Vielfalt der eingegangenen Bewerbungen. Dies sei ein gutes Signal für den Standort Duisburg. Link betonte den Stellenwert der Familienfreundlichkeit für Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen: „Die besten Fachkräfte finden Unternehmen dann, wenn sie möglichst passgenau auf die Wünsche ihrer Mitarbeiter zu Arbeitszeit und Arbeitsort eingehen.“

Davon ist auch Wolfgang Schmitz, Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes, überzeugt: „Wir stellen längst fest, dass es den Arbeitnehmern von heute bei der Arbeitsplatzwahl nicht mehr nur ums Geld geht. Sie wollen, dass der Arbeitgeber auf die Herausforderungen ihrer Lebensphase eingeht.“ Alle Initiatoren betonten den hohen Stellenwert von Familienfreundlichkeit als Erfolgsfaktor für Unternehmen. „Fachkräfte langfristig zu binden, ist auch für unsere niederrheinischen Unternehmen ein immer wichtigeres Thema. Mit unserem Wettbewerb stellen wir Best Practice vor, damit andere Betriebe davon lernen können“, so Dr. Stefan Dietzfelbinger, Hauptgeschäftsführer der Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer Duisburg-Wesel-Kleve. Das habe der Wettbewerb erneut eindrucksvoll gezeigt.

Die Kindernothilfe erhielt in diesem Jahr den Preis für ihr umfassendes Engagement in Sachen Vereinbarkeit von Familie und Beruf: „Das soziale Engagement und die Überzeugung, Kindern weltweit helfen zu können, ist nur die eine Seite der Medaille“, so Jurymitglied Matthias Heidmeier, Geschäftsführer beim Unternehmerverband, in seiner Laudatio. „Die Kindernothilfe setzt mit einer selbstverständlichen und in allen Fasern des Unternehmens gelebten Kultur der Familienfreundlichkeit Maßstäbe – für andere sozialen Dienstleister, aber auch für alle anderen Unternehmen.“

Das Unternehmen ThyssenKrupp Steel konnte mit seinem weiten Spektrum an familienfreundlichen Maßnahmen die Jury ebenfalls überzeugen: „Nicht nur unzählige Arbeitszeitmodelle für die Beschäftigen, auch eine Betriebsvereinbarung zum Thema Elternzeit, Unterstützung im Bereich ,Beruf und Pflege‘ sowie eine Betriebskita lassen keine Wünsche offen“, so Jurymitglied und Jugendamts-Mitarbeiterin Sabrina Schwoerer.„Die Jury beeindruckt, dass ThyssenKrupp trotz enormer Herausforderungen und Umbrüche im Stahlbereich ganz klar sagt: Bei der Familienfreundlichkeit wird nicht gespart, im Gegenteil: Familienfreundlichkeit ist wichtiger Teil unseres Erfolgskonzepts für die Zukunft“, begründet Schwörer die Preisvergabe.

Den Preis in der Kategorie „kleinere Unternehmen“ gewann die Haeger & Schmidt International GmbH. „Es handelt sich dabei um ein familienfreundliches, mittelständisches Traditionsunternehmen, das schon fast seit einem Jahrhundert an seinem Standort in Duisburg die Geschichte der Binnenschifffahrt miterzählt“, so Jurymitglied Nadine Deutschmann von der niederrheinischen IHK. „Für ein Logistikunternehmen ist es aufgrund vorgegebener Strukturen nicht immer leicht, sich familienfreundlich aufzustellen“, so Deutschmann weiter. Umso mehr solle mit dem Preis gewürdigt werden, dass Haeger & Schmidt das Thema Vereinbarkeit von Arbeit und Familie zu einem festen Bestandteil seiner Unternehmenskultur erklärt habe.

Preisverleihung Familienfreundliches Unternehmen 2016 in den Räumen der Fa. Krohne Messtechnik in Duissern: Teilnehmer, Preisträger und Organisatoren des Wettbewerbs „Familienfreundliches Unternehmen Duisburg 2016“. Foto: Unternehmerverband Duisburg.

Preisverleihung Familienfreundliches Unternehmen 2016 in den Räumen der Fa. Krohne Messtechnik in Duissern: Teilnehmer, Preisträger und Organisatoren des Wettbewerbs „Familienfreundliches Unternehmen Duisburg 2016“. Foto: Unternehmerverband Duisburg.

Erstmals gab es Sonderpreise für Bewerber aus dem öffentlichen Dienst. Matthias Heidmeier: „Der öffentliche Dienst ist ein bedeutender Arbeitgeber in Duisburg mit mehreren zehntausend Beschäftigen in Kliniken, Behörden, in der Universität und anderswo. Und weil es von so großer Bedeutung für Duisburg und so viele Bürger dieser Stadt ist, wie sich der öffentliche Dienst in der Stadt in Sachen Familienfreundlichkeit aufstellt, möchten wir heute die Arbeitsagentur, die Wirtschaftsbetriebe und die DVV als Vorbilder in diesem Bereich auszeichnen“. Der Preis solle auch eine Anregung für andere öffentliche Dienstleister sein, sich über familienfreundliche Maßnahmen untereinander noch besser auszutauschen.

Im letzten Jahr gewannen die Unternehmen Franz Haniel & Cie. GmbH und die TARGO Dienstleistungs GmbH. Die Initiative für das Bündnis hatte seinerzeit die Wirtschaft ergriffen. Nach Ansicht der Bündnispartner entscheidet die Familienfreundlichkeit mit über die Zukunft der Stadt. Bündnispartner sind neben Unternehmerverband, Niederrheinische IHK und Stadt Duisburg der DGB, die Wirtschaftsjunioren, die Agentur für Arbeit, das Jobcenter und die Wohlfahrtsverbände. Gemeinsam will man dem demographischen Wandel mit positiven Signalen begegnen. Auch im nächsten Jahr sollen familienfreundliche Unternehmen in Duisburg ausgezeichnet werden.

– Presseinformation und Fotos: Unternehmerverband Duisburg –

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Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. stellt die „Duisburger Zechen in historischen Fotografien“ vor

Als das „Schwarze Gold“ Arbeit und Wohlstand brachte
Von Petra Grünendahl

Spurensuche an der Duisburger Straße in Hamborn: Schachtgerüst Friedrich Thyssen IV als eines der letzten Überbleibsel Hamborner Zechenvergangenheit. Foto: Petra Grünendahl.

Spurensuche an der Duisburger Straße in Hamborn: Schachtgerüst Friedrich Thyssen IV als eines der letzten Überbleibsel Hamborner Zechenvergangenheit. Foto: Petra Grünendahl.

Das „Schwarze Gold“ legte einst den Grundstein für Duisburgs Industrialisierung. Den Zechen und Kokereien folgten Eisenhütten und Stahlwerke, die Duisburgs Wohlstand ausmachten und vielen gut bezahlten Arbeitern Lohn und Brot und Heimat gaben. Von den ersten Zechen – Neu-Duisburg (1854), Hochfeld und Neuenkamp (1855) – sind die Autoren der „Duisburger Zechen“ gerade mal mit einer Karte (im Vorsatz) und ein Foto (Zeche Java) fündig geworden. Deutlich umfassender gestalten die die Kapitel zur Gewerkschaft Deutscher Kaiser (1871), die Daniel Morian 1867 (nach Neu-Duisburg) als Gewerkschaft Hamborn gegründet hatte. 1885 übernahm August Thyssen erste Anteile, vier Jahre später die Mehrheit. Mit dem Untergang der Monarchie 1919 gründete Thyssen sie als Gewerkschaft Friedrich Thyssen – nach seinem Vater – neu: Die alten Schachtanlagen der GDK wurden in die neue Unternehmung überführt. Mit den Zechen, denen Kokerei, Eisenhütte und schließlich das Stahlwerk folgte, begründete Thyssen einen späteren Weltkonzern.

Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. präsentiert im Hamborner Ratskeller die "Duisburger Zechen in alten Fotografien". Die Autoren (v.l.): Frank Bocek, Reinhold Stausberg, Harald Molder, Andre Sommer und Melanie Patten. Foto: Petra Grünendahl.

Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. präsentiert im Hamborner Ratskeller die „Duisburger Zechen in alten Fotografien“. Die Autoren (v.l.): Frank Bocek, Reinhold Stausberg, Harald Molder, Andre Sommer und Melanie Patten. Foto: Petra Grünendahl.

Den Ort der Buchvorstellung „Duisburger Zechen“ hatte Harald Molder, Vorsitzender der Zeitzeugenbörse Duisburg e. V., gut gewählt: Steht doch nicht weit vom Ratskeller Hamborn mit dem Schachtgerüst Friedrich Thyssen IV einer der letzten Kohlefördertürme Duisburgs. Nicht alle Zechen habe man so umfassend in diesem Buch behandeln können, wie sie es gerne getan hätten, erzählte Molder. Das habe von der Fülle des Materials abgehangen. „Aus rund 1.200 Bildern mussten wir etwa 160 auswählen“, so der Chef der Zeitzeugenbörse. Zu der einen oder anderen Zeche sei man aber trotzdem nichts zu finden gewesen. Zu einzelnen Schachtanlagen gab es nur wenig Material und kaum Informationen, während sie bei anderen die Qual der Wahl gehabt hätten.

Als die Bergleute noch lebenslang mit Kohle versorgt wurden

Spurensuche auf der Straße Am Alten Schacht in Homberg 2015: Alte Zechengebäude erinnern in einem Gewerbegebiet an die Zeche Rheinpreußen. Foto: Petra Grünendahl.

Spurensuche auf der Straße Am Alten Schacht in Homberg 2015: Alte Zechengebäude erinnern in einem Gewerbegebiet an die Zeche Rheinpreußen. Foto: Petra Grünendahl.

Spurensuche auf der Vergessene-Häfen-Tour mit der Rheinfels 2012: der Förderturm des Bergwerks Walsum am Nordhafen steht noch. Foto: Petra Grünendahl.

Spurensuche auf der Vergessene-Häfen-Tour mit der Rheinfels 2012: der Förderturm des Bergwerks Walsum am Nordhafen steht noch. Foto: Petra Grünendahl.

„Fünf Tonnen Kohle im Jahr kriegte man als Deputat“, erzählte Walter Kirch. Der ehemalige Bergmann, der in den Zechen Westende, Friedrich Thyssen 2/5 und Walsum gearbeitet hatte, konnte als Besucher im „kulturiges“ berichten, dass schon zu seiner Zeit – ab 1959 – die Kohle nur noch mit Hilfe von Maschinen „gehauen“ wurde. Die mühselige „Handarbeit“ des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, die auch in diesem Buch dokumentiert sind, war durch den technischen Fortschritt überflüssig geworden.

Die Autoren haben für ihr Buch eine Vielzahl von Zechen „ausgegraben“, die ihren Standort auf heutigem Duisburger Stadtgebiet hatten. „Der Bergbau hat sich stufenweise aus unserer Stadt verabschiedet“, so Molder. Erste Stilllegungen habe es schon in den 1920-er oder 1930-er Jahren gegeben. Die letzte Zeche machte am 30. Juni 2008 dicht. Viele ehemalige Zechenstandorte sind heute überbaut, zumeist mit Gewerbegebieten. An die frühere Nutzung erinnert nur wenig: Förderturme, Schornsteine und Zechengebäude wurden allzu häufig abgerissen oder gesprengt. Auch hierüber legt das Buch Zeugnis ab.

Von den Gewerkschaften Deutscher Kaiser und Friedrich Thyssen über die Zechen Neumühl, Diergardt, Mevissen, Java, Rheinpreußen, Walsum und Wehofen bis hin zu den Schachtanlagen Beeckerwerth, Westende Meiderich/Laar und Rönsbergshof reichen die Kapitel, in die die Materialfülle zwecks besserer Übersicht gegliedert ist. Darüber hinaus gibt es die unvermeidlichen „Ereignisse und Begebenheiten“, Einblicke in die Arbeit „Unter Tage“ sowie „Bergmannsalltag und Erinnerungen“ mit schönen Bildern der alten Zechensiedlungen. Das Buch weckt Erinnerungen, bietet aber auch Einblicke in frühere Arbeitswelten, die man sich heute kaum noch vorstellen kann.

Zum Entdecken und Erinnern

Die „Duisburger Zechen in historischen Fotografien“ sind bereits das 17. Buch, die Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. im Sutton Verlag veröffentlicht hat. Cover: Sutton Verlag.

Die „Duisburger Zechen in historischen Fotografien“ sind bereits das 17. Buch, die Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. im Sutton Verlag veröffentlicht hat. Cover: Sutton Verlag.

Das Buch „Duisburger Zechen in historischen Fotografien“ publiziert – wie alle Werke der Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. – der Erfurter Sutton Verlag, Deutschlands führender Verlag für Regionalgeschichte. Auf 126 Seiten findet der Leser rund 160 bis dato unveröffentlichten Aufnahmen und Postkarten aus privaten Sammlungen. Hochinformative Texte ordnen die Bilder ein und beschreiben die Ansichten und ihre Entwicklung bis heute. Die historischen Aufnahmen und Postkarten illustrieren die wirtschaftliche Entwicklung zwischen den 1854 (Zeche Neu-Duisburg in Neudorf) bis zur Schließung der letzten Zeche (Bergwerk Walsum) 2008. Die Abbildungen stammen aus den Sammlungen von Mitgliedern der Zeitzeugenbörse Duisburg wie Reinhold Stausberg und Harald Molder bzw. dem Studio der Heimat, welches die Zeitzeugenbörse größtenteils übernehmen konnte, aus Privatsammlungen von Birgit Henning-Friebe und Melanie Patten sowie von der Rheinhauser Bergbausammlung. Neben den Bildgebern trugen Vereinsmitglieder wie Andre Sommer und Frank Bocek ebenso Informationen zu den Texten bei wie Hans Joachim Meyer, ein „wahrer Kenner der Geschichte Hamborn“ (so die Autoren), Dieter Schulze-Elvert sowie weitere frühere Kumpels, die in den Zechen und Gruben auf heutigem Duisburger Gebiet gearbeitet haben. Das reich bebilderte Buch mit Hardcover-Einband ist im Sutton Verlag in der Reihe „Sutton Archiv“ erschienen und kostet 19,99 Euro. Zu beziehen ist es über den lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-95400-747-9).

Zeitzeugenbörse Duisburg e. V.
Die Zeitzeugenbörse Duisburg wurde von Harald Molder ins Leben gerufen. Molder beschäftigt sich seit 1975 mit der Stadtgeschichtsforschung. Unter seinem Vorsitz ist die Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. 2007 ins Vereinsregister der Stadt eingetragen worden. Seither vernetzen sich engagierte Heimatforscher, um Duisburger Stadtgeschichte auch in Ausstellungen, Vorträgen und Büchern erlebbar zu machen.

Sutton Verlag, Erfurt
Sutton ist der führende Verlag für Regionalgeschichte und -literatur im deutschsprachigen Raum, vom historischen Bildband bis zum Freizeitführer. Den zweiten Schwerpunkt des 1997 gegründeten Verlages bildet die Verkehrs- und Technikgeschichte. Außerdem bietet Sutton Krimi unter dem Motto „mordsmäßig spannend“ seit 2011 Regionalkrimis der unterschiedliches Genres. Seit Anfang 2014 gehört Sutton zum Verlagshaus GeraNova Bruckmann in München.

Zur vollständigen Liste der bisherigen Publikationen der Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. im Sutton Verlag geht es hier im Menüpunkt „Bücher“.

© 2016 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (4), Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. / Sutton Verlag (Cover), ZZB / Reinhold Stausberg (Header)

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Lehmbruck Museum in Duisburg zeigt Neupräsentation der Sammlung: Neuaufgestellt!

Erlebnis in neuer Ausstellungsarchitektur
Von Petra Grünendahl

Das Schaukelpferd des Medienpioniers Nam June Paik in Neuaufgestellt! Neurpäsentation der Sammlung im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.

Das Schaukelpferd des Medienpioniers Nam June Paik in Neuaufgestellt! Neurpäsentation der Sammlung im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.

Neuaufgestellt! Neurpäsentation der Sammlung im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.

Neuaufgestellt! Neurpäsentation der Sammlung im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.

Im Foyer empfängt den Besucher unter anderem ein Modell der Lifesaver-Skulptur von Jean Tinguely und Niki de Saint Phalle, eine drehbare Henry-Moore-Bronzeskulptur oder das Schaukelpferd des Medienpioniers Nam June Paik. Die Anforderungen der Bauordnung, die Räume zu öffnen, bescheren den Besuchern rund 800 Quadratmeter Ausstellungsfläche, die Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla mit ihrem Team rund um die Kustoden Dr. Marion Bornscheuer und Dr. Michael Krajewski mit Perlen der museumseigenen Sammlung bestückt haben, von denen viele lange nicht in den Ausstellungsräumen zu sehen waren.

Die Neupräsentation der Sammlung im umgestalteten Anbau des Lehmbruck Museum öffnet am Samstag, 3. Dezember, um 16 Uhr mit einem Festprogramm. Meilensteine der Kunstgeschichte von der Arte Povera über Minimal Art bis zur Pop Art sowie Meisterwerke des Expressionismus sind unter dem Titel „Neuaufgestellt!“ zu sehen. Der nach dem Umbau wieder vollständig über zwei Etagen geöffnete Raum bietet zusätzlichen 100 Kunstwerken mehr Ausstellungsfläche als vorher. Der Neubau war 1987 eingeweiht worden. Zur Ruhr2010 hatte man für eine Wackerbarth-Ausstellung Zwischenwände gezogen, so dass die bekannten Dreiecksräume entstanden. Diese boten zwar zusätzliche Wandflächen für Bilder in nachfolgenden Ausstellungen, waren aber eben auch recht dunkel. Der Umbau, für den die Architekten Agnes Brigida Giannone und Frank Lohner verantwortlich zeichnen, öffnete die Räume auf beiden Etagen und ließ Licht hinein, was die ausgestellten Werke ganz anders wirken lässt.

Vom Foyer aus schweift der Blick über die geöffneten Räume, die durch ein großes Oberlicht mit einer Helligkeit durchflutet werden, die man in den letzten Jahren vermissen konnte. In den Galerienräumen sind Meisterwerke der herausragenden Gemäldesammlung des Lehmbruck Museums zu sehen, darunter Gemälde der Künstlergruppen „Brücke“, „Blaue Reiter“ und „Novembergruppe“.

Neuaufgestellt! Neurpäsentation der Sammlung im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.

Neuaufgestellt! Neurpäsentation der Sammlung im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.

Bedeutende Gemälde von Karl Schmidt-Rottluff, Erich Heckel, Emil Nolde, Max Pechstein und Ernst Ludwig Kirchner, die Kunstgeschichte geschrieben haben, werden von Graphiken und Skulpturen zum Beispiel von Tony Cragg oder A. R. Penck begleitet. Im Untergeschoss zeigen raumgreifende Installationen, ikonische Skulpturen und Objekte mit Hauptwerken der Arte Povera von Jannis Kounellis, der Minimal Art mit Donald Judd und als Gegenpol Andy Warhol mit seiner berühmten „Brillo Box“ exemplarisch die wichtigsten Bewegungen der Kunstgeschichte der sechziger Jahre. Ein eigener Bereich ist Joseph Beuys und seinem Umkreis um 1970 gewidmet. Prominent präsentiert sind bedeutende Werke von Anish Kapoor und Frank Stella.

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Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Neuaufgestellt! Neurpäsentation der Sammlung im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.Neuaufgestellt! Neurpäsentation der Sammlung im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.

Neuaufgestellt! Neurpäsentation der Sammlung im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.Neuaufgestellt! Neurpäsentation der Sammlung im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.

Dienstags bis freitags ist das Lehmbruck Museum ab 12 Uhr geöffnet, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags wegen der plastikBAR bis 21 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro, ermäßigt 5 Euro. Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Schulklassen und Kindergärten pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte gibt es für 15 Euro. Jeden ersten Freitag im Monat gilt: „pay what you want“. Ausgenommen davon sind angemeldete Gruppen.

Die Kunstvermittlung des Lehmbruck Museums hat ein sehr umfangreiches Begleitprogramm zur Neupräsentation der Sammlung im Anbau erarbeitet (hier …). Öffentliche Führungen durch das Museum gibt es jeden Sonntag, sie kosten 2 Euro zusätzlich zum Eintritt. Für weitere Informationen und Buchungen steht die Kunstvermittlung unter Telefon 0203 / 283-2195 oder eMail kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de zur Verfügung. Weitere Informationen gibt es unter tickets@lehmbruckmuseum.de, Telefon 0203 / 283-2195 oder www.lehmbruckmuseum.de.

(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70%), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen mit Sozialhilfebezug.

© 2016 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Neue Ausstellung im Garten der Erinnerung in Duisburg: Jüdische Ghettos

Vom ersten jüdischen Ghetto in Venedig
zum letzten jüdischen Ghetto in Shanghai

Ausstellung im Ludwigturm im Duisburger Innenhafen

Spanische Synagoge in Venedig. Foto: Davide Calimani.

Spanische Synagoge in Venedig. Foto: Davide Calimani.

Vor genau 500 Jahren wurde in Venedig das erste jüdische Ghetto gegründet – über vierhundert Jahre später entstand in China das letzte Ghetto, in dem über 20.000 Juden den Holocaust überlebten.

Vom 1. Dezember 2016 bis 15. Januar 2017 zeigt die Janusz Korczak Akademie in Duisburg eine Ausstellung, die den weiten Bogen schlägt vom heute noch begehbaren Ghetto in der Lagunenstadt bis zum fernen Zufluchtsort in Shanghai.

Die beiden italienischen Fotografen Davide Calimani und Lino Sprizzi begaben sich dafür in Venedig auf eine Spurensuche. Sie fanden Zeugnisse jüdischen Lebens aus der Vergangenheit und Gegenwart.

Der Ludwigrum im Garten der Erinnerung als erkennbares Überbleibsel der des Verwaltungsgebäudes der ehemaligen Spedition Hermann Ludwig. Foto: Petra Frünendahl.

Der Ludwigrum im Garten der Erinnerung als erkennbares Überbleibsel der des Verwaltungsgebäudes der ehemaligen Spedition Hermann Ludwig. Foto: Petra Frünendahl.

Wie die Menschen in der Zeit des Nationalsozialismus im Ghetto von Shanghai lebten, können Besucher anhand von Schautafeln nachvollziehen, die das Schicksal einzelner Bewohner erzählen. Die Geflüchteten schafften sich eine eigene Infrastruktur und führten auch ein bemerkenswertes kulturelles Leben mit Cafés, Theater, Künstlervereinigungen und eigenen Zeitungen.

Die Ausstellung ist vom 1. Dezember 2016 bis 15. Januar 2017 montags bis mittwochs von 13 bis 16 Uhr sowie nach Vereinbarung mit der Europäischen Janusz Korczak Akademie unter anmeldungnrw@ejka.org geöffnet. Der Ludwigturm steht im Garten der Erinnerungen am Yitzhak-Rabin-Platz.

– Presseinformation der Europäischen Janusz Korczak Akademie –
Fotos: DAvide Calimani (1), Petra Grünendahl (1)

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Duisburger Hafen auf Platz 40 unter den Häfen der Welt: Rekordjahr bei der Vermarktung von Flächen

Rekordjahr bei der Flächenvermarktung: Nicht nur auf logport I (hier im Bild) entstehen neue Großprojekte, auch auf den weiteren Flächen konnte duisport erfreuliche Erfolge erzielen. Foto: duisport / Hans Blossey.

Rekordjahr bei der Flächenvermarktung: Nicht nur auf logport I (hier im Bild) entstehen neue Großprojekte, auch auf den weiteren Flächen konnte duisport erfreuliche Erfolge erzielen. Foto: duisport / Hans Blossey.

Der Duisburger Hafen ist weltweit die Nummer eins unter den Binnenhäfen der Welt. Aber auch im Ranking aller Häfen steht duisport bereits auf Platz 40. Unter den Top 100 weltweit konnten sich mit Hamburg (Platz 18) und Bremerhaven (Platz 25) zwei weitere deutsche Häfen platzieren. „Es macht mich sehr stolz, dass wir als Binnenhafen mittlerweile in der Liga der großen Häfen dieser Welt mitspielen“, so duisport-Vorstandsvorsitzender Erich Staake.

Es ist davon auszugehen, dass sich duisport im Hafen-Ranking weiter nach vorne schieben wird. Denn im 300. Jubiläumsjahr ist mit insgesamt rund 355 000 Quadratmetern so viel Fläche im Hafen vermarktet worden wie nie zuvor. Darauf werden Hallen in einer Gesamtfläche von rund 180 000 Quadratmetern gebaut. „Fast 1000 direkte Arbeitsplätze werden geschaffen. duisport ist der Jobmotor in der Stadt und der Region “, so Staake.

Fressnapf, Europas Marktführer der Heimtierbranche, errichtet auf dem Rheinhauser logport-I-Gelände auf 50 000 Quadratmetern sein neues Importlager für Waren aus Asien und Nordamerika. Ebenfalls auf logport I entsteht auf einem 35000-Quadratmeter-Grundstück das Distributionszentrum für Trinkkontor Bacher-Carina & Stams, das zur Bitburger Braugruppe gehört. Am neuen Standort soll die gesamte Bandbreite der Dienstleistungen für den Getränkegroßhandel erbracht werden. Des Weiteren haben die schon auf logport I ansässigen Unternehmen Greiwing und Rhenus Logistics weitere Hallen für den Umschlag von Gütern gebaut. Neue Arbeitsplätze auf logport I: 320.

Vom duisport-Standort Kaßlerfeld schlägt das japanische Unternehmen NGK, weltweit führender Hersteller von Zünd- und Glühkerzen, auf einer Fläche von rund 70 000 Quadratmetern seine Produkte um. Neue Arbeitsplätze in Kaßlerfeld: 150.

Die Steinhoff-Gruppe, einer der weltweit führenden Anbieter der Möbelbranche mit Sitz in Südafrika, siedelt sich mit ihrer Tochtergesellschaft Global Warehouse als erstes Unternehmen auf einer Fläche von rund 100 000 Quadratmetern auf logport IV in Kamp-Lintfort an. Nach Steinhoff konnte das E-Commerce-Unternehmen Chal-Tec gewonnen werden, das ebenfalls auf einer Fläche von annähernd 100 000 Quadratmetern seinen Online-Handel abwickeln wird. Neue Arbeitsplätze auf logport IV: 500.

Staake ist angesichts der boomenden Flächennachfrage zufrieden darüber, dass auf dem Gelände der ehemaligen Papierfabrik in Duisburg-Walsum logport VI errichtet werden kann. „Dort schaffen wir wie auf allen Logportflächen Raum für die Ansiedlung von Logistikunternehmen. Das schafft Arbeitsplätze. Unsere Erfolgsstory, aus Altem Neues zu machen, setzt sich fort.“

– Presseinformation der Duisburger Hafen AG / duisport –
Foto: duisport / Hans Blossey

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Winterzauber in der Altstadt: mit Weihnachtsglanz und Tannenschmuck

Quartiersmanager und Kooperationspartner
sorgen für strahlend-schönes Viertel

Weihnachtlicher Wintermarkt in der Duisburger Altstadt. Foto: Petra Grünendahl.

Weihnachtlicher Wintermarkt in der Duisburger Altstadt. Foto: Petra Grünendahl.

Advents- und Weihnachtsstimmung haben Einzug gehalten in der Altstadt. Dafür sorgen nicht zuletzt der Baumschmuck und die illuminierten Tannen, die entlang der Hauptachsen aufgestellt wurden und damit das dortige Viertel während der Vorweihnachtszeit optisch wie atmosphärisch aufwerten.

Heute sorgten rund 100 Schülerinnen und Schüler der Grundschulen Klosterstraße (Altstadt) und Goldstraße (Dellviertel) sowie die Mädchen und Jungen der Kindertagesstätte Sankt Joseph (Duisburg-Mitte) für adventliche Stimmung, indem sie selbst gebastelten Baumschmuck auf den Tannenbäumen verteilten und dabei Advents- und Weihnachtslieder sangen.

Weihnachtlicher Wintermarkt in der Duisburger Altstadt. Foto: Petra Grünendahl.

Weihnachtlicher Wintermarkt in der Duisburger Altstadt. Foto: Petra Grünendahl.

Die Weihnachtsbeleuchtung stand auf dem Wunschzettel der Altstädter ganz oben; erstmals wurde der Gedanke bei der ersten Ideenwerkstatt im Juli 2015 geäußert und konsequent weiterverfolgt. Aus Mitteln des Verfügungsfonds konnte aus dem Wunsch Wirklichkeit werden. 21 Laternen mussten dazu für rund 3.200 Euro umgerüstet werden: mit speziellen Sicherungen, Steckern und Kabeln.

Nachdem die Straßenlaternen an der Münzstraße, Beekstraße, Kühlingsgasse und dem Calaisplatz umgerüstet worden sind und damit für die Winterbeleuchtung ertüchtigt wurden, konnten pünktlich zu Beginn des Wintermarktes die Schalter umgelegt werden. Seitdem erstrahlt die Altstadt in neuem Glanz – dank der tatkräftigen Hilfe engagierter Kooperationspartner. Dazu zählen das City-Management Duisburg e.V., Octeo, Netze Duisburg, Elektro Pfeiffer, City Electronicer, Stadt Duisburg.

„Nur gemeinsam lassen sich Aktionen wie diese auf die Beine stellen: Weihnachtsbeleuchtung, Baumschmuckaktivitäten und Wintermarkt wären im Alleingang nicht möglich. Wir möchten uns daher bei allen, die das Viertel mit voranbringen, herzlich bedanken“, betont Quartiersmanagerin
Yvonne Bleidorn.

Kooperationspartner des Wintermarktes in der Altstadt (v.l.): Marco Toszkowski (Stadtwerke Duisburg AG), Yvonne Bleidorn (Quartiersbüro Altstadt), Lars Hoffmann (City Electronicer) und Dagmar Bungardt (City-Management Duisburg e.V.), Foto: Francesco Mannarino / GFW Duisburg.

Kooperationspartner des Wintermarktes in der Altstadt (v.l.): Marco Toszkowski (Stadtwerke Duisburg AG), Yvonne Bleidorn (Quartiersbüro Altstadt), Lars Hoffmann (City Electronicer) und Dagmar Bungardt (City-Management Duisburg e.V.), Foto: Francesco Mannarino / GFW Duisburg.

City-Managerin Dagmar Bungardt weiß: „Die Duisburger Fußgängerzone ist lang; für die Altstadt muss man sich schon etwas Besonderes überlegen, damit die Passanten hinter´m Riesenrad ihren Stadtbummel und Weihnachtsmarktbesuch fortsetzen. Wichtig ist, dass Frequenzbringer geschaffen werden, die die Aufenthaltsqualität erhöhen und damit auch die Umsätze für den stationären Einzelhandel vor Ort.“

Einer dieser Einzelhändler und Altstadt-Unterstützer ist Lars Hoffmann, Inhaber des City Electronicers. Der Unternehmer freut sich „als ortsansässiger Händler gemeinsam mit den anderen Parteien die Weihnachtsbeleuchtung möglich gemacht“ zu haben. „Ich bin zuversichtlich, dass das Quartier dadurch über Weihnachten hinaus positiv wahrgenommen wird.“ Auch der Wintermarkt, der bis zum 30. Dezember 2016 stattfinden werde, könne dazu beitragen. „Ich erhoffe mir von all den Aktivitäten, dass diese Charme in die Altstadt bringen und die Geschäfte ankurbeln werden“, schließt Hoffmann.

– Presseinformation der GFW Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Euisburg –
Fotos: Petra Grünendahl (2), Francesco Mannarino / GFW Duisburg (1)

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Essen Motor Show 2016: Automobile Leidenschaften – For Drivers and Dreams

Sportliche Fahrzeuge, Tuning, Oldtimer, Design-Studien und Motorsport
Von Petra Grünendahl

Zum Preview Day auf der Essen Motor Show 2016. Foto: Petra Grünendahl.

Zum Preview Day auf der Essen Motor Show 2016. Foto: Petra Grünendahl.

Motor- und Rennsport, Formel 1 und sportliche Serienfahrzeuge stehen im Fokus der Essen Motor Show, aber auch Tuning und Zubehör locken während der zehntätigen Messe die Besucher. Überhaupt kommen Freunde sportlicher, veredelter und individualisierter Fahrzeuge hier auf ihre Kosten. Breiten Raum gewährt man auch Oldtimern (Classic Cars).

Zum Preview Day durften wir einen ersten Blick auf die Essen Motor Show 2016 werfen. Den Schwerpunkt bilden die sportlichen Fahrzeuge, Designstudien, Unikate und Kuriositäten, Oldtimer, Rennwagen und Formel 1. Die Fans zieht hier das Tuning von den großen Tunern ebenso wie private Tuningfahrzeuge sowie das nötige Zubehör und Werkzeuge. Automobilzulieferer der Segmente Reifen (Continental, Hankook, Toyo), Felgen und Fahrwerk runden das Angebot ab.

Skoda zeigt in einer Deutschland-Premiere den neuen Kodiaq sowie seine Rallye-Boliden und sportlich gestylte Modelle. BMW und Mini sind mit Motorsport und John Cooper Works (der hauseigenen Tuningschmiede für Mini) hier vertreten. Die sportlichen Ford-Modelle verschiedener Baureihen ebenso wie Rallye-Fahrzeuge stehen am Stand eines Fordhändlers, der die Marke in Essen schon seit Jahren vertritt. Als weitere Autohersteller zeigen sich Abarth, Peugeot, Porsche Motorsport und Renault Sport Deutschland einem interessierten Publikum, verschiedene Marken sind über regionale Händler hier präsent. Freunde der automobilen Individualisierung (auch „Tuning“ genannt), die Schrauber, Bastler und Sammler finden reichlich „Material“ für ihr Hobby.

Oldtimer-Fans finden auch (aber nicht nur) sportliche Exemplare sowohl von Händlern als auch private Fahrzeuge überwiegend über Markenclubs, wo sich nicht selten mit den Eigentümern der Fahrzeuge fachsimpeln lässt. Über 500 Aussteller zeigen auf mehr als 100.000 Quadratmetern Hallenflächen über 1.000 Fahrzeuge.

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Die Bilder gibt es auch in einem Album bei Flickr.

Die Essen Motor Show läuft noch bis Sonntag, 4. Dezember 2016. Geöffnet ist täglich von 10 bis 18 Uhr, am Wochenende von 9 bis 18 Uhr. Die Tageskarte kostet 16 Euro (ermäßigt 13 Euro). Ein Nachmittagsticket (ab 15 Uhr) ist für 10 bzw. 8 Euro zu haben, ein Zwei-Tages-Ticket 28 Euro. An Ticket-Specials gibt es das Girls-Day-Ticket (28. November, nur an der Tageskasse) für 6 Euro, das Vater-Sohn-Ticket (am 2. Dezember, nur mit Söhnen unter 18) für 20 Euro sowie das Ticket4You (vier Personen inkl. Parken, nur im Vorverkauf) für 60 Euro. Parken kostet 9 Euro auf den Parkplätzen in unmittelbarer Nähe sowie 5 Euro auf Messeparkplätzen etwas weiter weg. Kombi-Ticket mit freier Hin- und Rückfahrt (VRR und ÖPNV Deutsche Bahn, 2. Klasse) gibt es ebenfalls nur im Vorverkauf (für 20,50 Euro / ermäßigt 17,50 Euro). Die regulären Tagestickets sind im Vorverkauf günstiger. Weitere Ticket-Variationen und Infos gibt es unter www.essen-motorshow.de. Der Ticket-Vorverkauf läuft über den Ticketservice der Messe Essen .

© 2016 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Letzte Ratssitzung des Jahres: Duisburger Haushalt 2017 verabschiedet

Foto: Petra Grünendahl.

Foto: Petra Grünendahl.

Schwarze Null steht auf tönernen Füßen
Von Petra Grünendahl

„Belastungen, die von übergeordneten Ebenen angeordnet werden, machen unseren ausgeglichenen Haushalt immer wieder zu Makulatur“, warnte Grünen-Fraktionsvorsitzende Claudia Leiße. „Da reichen kommunale Anstrengungen nicht mehr aus“, beklagte Martina Ammann-Hilberath, Fraktionsvorsitzende der Linken. Zusätzlicher Finanzierungsbedarf hatte schon im Haushalt 2016 neue Sparmaßnahmen erfordert. Städtische Gebühren sind landesweit schon jetzt an der Spitze, was die Attraktivität Duisburg als Wohn- und Wirtschaftsstandort nicht gerade erhöht. Noch im letzten Jahr hatte die SPD zusammen mit den Grünen und den Linken einen gemeinsamen Haushalt mit einer Erhöhung von Grund- und Gewerbesteuern auf die Beine gestellt. In diesem Jahr suchten Oberbürgermeister Sören Link und SPD-Fraktionsvorsitzende Herbert Mettler ihre Mehrheit lieber woanders. Mit Ausnahme einer von der Bezirksregierung angemahnten Kürzung bei den Personalausgaben blieb man bei einem schon früher aufgestellten Haushaltssicherungskonzept, um den Haushalt im zweiten Jahr in Folge auszugleichen.

In seiner letzten Sitzung in diesem Jahr verabschiedete der Stadtrat die Haushaltssatzung 2017. Wie schon im letzten Jahr der scheidende Stadtkämmerer Dr. Peter Langner legte auch die neue Stadtkämmerin Prof. Dr. Dörte Diemert einen ausgeglichenen Haushaltsentwurf vor. Mit einer Enthaltung und den Gegenstimmen aller anderen Parteien und Gruppierungen wie den Grünen, den Linken, der FDP, SPL oder DAL/Junges Duisburg segnete eine Mehrheit aus SPD und CDU den Entwurf ab, der zumindest erst einmal – und auf dem Papier – eine schwarze Null trägt. Einen haushaltspolitischen Erfolg nannte es der Fraktionschef Mettler.

Hilfen vom Land werden langsam weniger
„Die Zeiten, in denen wir der Bezirksregierung einen defizitären Haushalt vorlegen und dennoch auf eine Genehmigung hoffen konnten, sind vorbei. Duisburg muss liefern, wenn wir weiterhin die Hilfen aus dem Stärkungspakt erhalten wollen“, erklärte Rainer Enzweiler, Fraktionsvorsitzender der CDU, in seiner Hauhaltsrede. Bis 2021 fließen noch Gelder aus dem Stärkungspakt Stadtfinanzen, danach muss Duisburg den ausgeglichenen Haushalt aus eigener Kraft schaffen. Das Haushaltssicherungskonzept wurde für 2017 weiter verfolgt, Steuererhöhungen gibt es fürs kommende Jahr nicht. Allerdings, so stellte Wilhelm Bies von der Ratsgruppe der FDP fest, fehle der Mut für neue Ideen und neues Wachstum. Stattdessen wiederholten nicht nur Herbert Mettler und Rainer Enzweiler gebetsmühlenartig, dass man im Duisburger Süden finanzstärkere Düsseldorfer mit günstigen Baugrundstücken anlocken wolle.

Wer die Musik bestellt ….
Immer wieder kommen Kosten auf die Stadt zu, die diese gar nicht zu verantworten hat: Maßnahmen werden von Bund und Land beschlossen – und die Kommunen sollen es finanzieren. Dass den Städten Gelder zur Erfüllung dieser Aufgaben bereit gestellt werden: Fehlanzeige! Und um neue Aufgaben, die den Kommunen aufgedrückt wurden, waren Bund und Land noch nie verlegen: der U3-Ausbau und die Inklusion sind hier nur zwei Beispiele, bei denen die Städte schlichtweg im Stich gelassen werden.

Der Stärkungspakt sei letztendlich seine Begrifflichkeit nicht wert, so Enzweiler, wenn die Kommunen mit immer neuen Problemen überfordert würden. Wo neue Aufgaben durchgereicht würden, müssten auch zusätzliche Mittel bereit gestellt werden. Hier verwies er auf den Beschluss der Bundesregierung, den Unterhaltsvorschuss für Kinder künftig bis zum 18. Geburtstag auszuweiten: „Auf die Stadt Duisburg kommt auch damit eine neue Belastung zu, die wir als Haushaltssicherungs-Kommune alleine nicht stemmen können.“ Diese und ähnliche „von oben“ angeordnete Ausgaben drohen den gerade verabschiedeten Haushalt schon wieder zu Makulatur werden zu lassen, wenn sie nicht ordentlich gegenfinanziert werden von denen, die sie anordnen.

© 2016 Petra Grünendahl (Text und Foto)

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Hinterm Riesenrad geht´s weiter: Weihnachtlicher Wintermarkt in der Duisburger Altstadt

Quartiersbüro Altstadt und Kooperationspartner bringen im Viertel auf kreative Weise die Welt zusammen

Bis in die Münzstraße reicht der Weihnachtsmarkt schon lüänger (hier Dezember 2013), in diesem Jahr präsentiert sich die Altstadt erstmals mit eigenständigem Konzept. Foto: Petra Grünendahl.

Bis in die Münzstraße reicht der Weihnachtsmarkt schon lüänger (hier Dezember 2013), in diesem Jahr präsentiert sich die Altstadt erstmals mit eigenständigem Konzept. Foto: Petra Grünendahl.

Ein neues Konzept für die Fortführung des Weihnachtsmarktes im Bereich der Altstadt. Mit viel Herzblut und einigen Akteuren ging´s auf Ideensuche. „Etwas Besonderes mussten wir uns einfallen, um Besucher dafür zu gewinnen, ihren Weg hinterm Riesenrad fortzusetzen“, erklärt Altstadtmanagerin Yvonne Bleidorn. Organisator des Wintermarktes ist das Quartiersbüro Altstadt, Veranstalter Duisburg Kontor. Kooperationspartner sind Petra Manoah vom Knüllermarkt und Werner Ginters von Unlimited Events sowie Schausteller Mike Bengel.

Wie auf der Königstraße locken bis zum 30. Dezember 2016 die Akteure in den Holzbuden von 11 bis 20 Uhr mit wöchentlich wechselnden Angeboten zum Stöbern, Probieren und Staunen. In der ersten sowie den beiden letzten Wochen präsentieren Kreativschaffende sowie die Macher kleiner Labels und Kunsthandwerker ihre hochwertigen Produkte. In den drei Wochen dazwischen können sich die Besucherinnen und Besucher auf internationale Vereine aus Indonesien, der Türkei und China freuen, die mit einem vielseitigen Rahmenprogramm aufwarten.

Da das Viertel einen eigenen Charakter und spezielle Herausforderungen hat, soll es hier bunt und weltoffen zugehen. Und das wiederum lieben zahlreiche Kreative. Daher werden auf dem Wintermarkt Klänge und Produkte aus Ländern rund um den Globus zu hören und zu sehen sein. Auch werden die Besucherinnen und Besucher zu Mitmach-Aktionen eingeladen. Neben dem etablierten Angebot von Schausteller Mario Wittler, seit 16 Jahren auf dem Weihnachtsmarkt im Bereich der Altstadt tätig, wird es somit innovative, individuelle und außergewöhnliche Ergänzungen des Bekannten geben.

Einen Flyer mit allen Highlights gibt es im Quartiersbüro. Digital ist dieser auf der Facebook-Seite des Quartiersbüros einsehbar. Das bereits bestehende Programm wird in den nächsten Wochen noch um das eine oder andere Angebot ergänzt werden. „Schließlich sind sechs Wochen eine lange Zeit, da wollen unsere Besucher abwechslungsreich unterhalten werden“, weiß Quartiersmanagerin Bleidorn.

– Presseinformation der GfW Gesellschaft für Wirtschaftsförderung –
Foto: Petra Grünendahl

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Deutsche Oper am Rhein: „Die lustigen Weiber von Windsor“ begeisten zur Premiere im Theater Duisburg

Hinter den Fassaden einer bürgerlichen Ordnung
Von Petra Grünendahl

Heidi Elisabeth Meier (Frau Fluth), Katarzyna Kuncio (Frau Reich). Foto Hans Jörg Michel.

Heidi Elisabeth Meier (Frau Fluth), Katarzyna Kuncio (Frau Reich). Foto Hans Jörg Michel.

“Ja, wenn es doch ein Ritter wär’, fein zierlich, jung an Jahren”, seufzt Frau Fluth (Heidi Elisabeth Meier), als sie Falstaffs Brief mit der Bitte um ein Stelldichein liest. Zu ihrem Leidwesen stammt der Brief aber nur vom dicken Ritter Sir John Falstaff (Thorsten Grümbel) als Personifikation von Lebenslust, dem seine Vorliebe für Wein und gutes Essen anzusehen ist. Und einen gleichlautenden Brief hatte der wenig attraktive Schürzenjäger auch noch an die Nachbarin Frau Reich (Katarzyna Kuncio) geschickt. Mit seinem Werben um die Frauen dringt er in die heile Welt ihrer bürgerlichen Gesellschaft ein. Den galanten Liebhaber jedoch nehmen ihm die Damen nicht ab, sein diesbezügliches Selbstbild ist wohl eher Illusion. Die Damen beschließen, ihm einen Denkzettel zu verpassen, der es in sich hat. Indem Falstaff wieder und wieder trotz schlechter Erfahrungen auf die vermeintlichen Angebote der Damen eingeht, wird er von der komischen zur tragischen Figur.

William Shakespeares einzige bürgerliche Komödie „Die lustigen Weiber von Windsor“ diente als Vorlage für die gleichnamige Oper, die Otto Nicolai (1810 – 1849) als komisch-fantastisches Singspiel (mit gesprochenen Dialogen) in drei Akten komponiert hatte. Nachdem er für das 1849 uraufgeführte Werk mehrere Libretti hatte schreiben lassen, entschied er sich für den Text von Hermann Salomon Mosenthal. Die Inszenierung der gut dreieinviertelstündigen Aufführung (inklusive zwei Pausen) stammt von Dietrich W. Hilsdorf, der schon verschiedene Stücke an der Deutschen Oper am Rhein auf die Bühne gebracht hatte. Obwohl in deutscher Sprache gesungen, erleichtern Übertitel das Verständnis der Handlung.

Virtuose Akteure begeistern das Publikum

Thorsten Grümbel (Sir John Falstaff), Heidi Elisabeth Meier (Frau Fluth). Foto: Hans Jörg Michel.

Thorsten Grümbel (Sir John Falstaff), Heidi Elisabeth Meier (Frau Fluth). Foto: Hans Jörg Michel.

Nicht nur gesanglich, auch schauspielerisch überzeugten die Akteure. So mimte der schlanke Thorsten Grümbel den lebenslustigen übergewichtigen Ritter ebenso glaubhaft wie Heidi Elisabeth Meier (als Frau Fluth) und Katarzyna Kuncio (als Frau Reich) die lustvoll Ränke schmiedenden Bürgersfrauen. Die Ränkeschmiederei gipfelte in virtuosen Gesangspartien der Damen, die das Publikum begeisterten. Erst nach der zweiten Lektion werden bis dato ahnungslosen die Männer (Stefan Heidemann als Herr Fluth, Sami Luttinen als Herr Reich) eingeweiht, so dass sie gemeinsam die finale Demütigung des verhinderten Liebhabers planen, an der im Wald vor dem Ort ganz Windsor Anteil haben soll.

Jungfrau Anna und ihre Verehrer (v.l.): Paul Schweinester (Junker Spärlich), Anna Princeva (Jungfer Anna Reich), Jussi Myllys (Fenton), Günes Gürle (Dr. Cajus). Foto: Hans Jörg Michel.

Jungfrau Anna und ihre Verehrer (v.l.): Paul Schweinester (Junker Spärlich), Anna Princeva (Jungfer Anna Reich), Jussi Myllys (Fenton), Günes Gürle (Dr. Cajus). Foto: Hans Jörg Michel.

Fäden in ihrem Sinne spinnen wollte in einem zweiten Handlungsstrang auch Frau Reich (Kuncio), die für ihre heiratfähige Tochter Anna (Anna Princeva) eine anderen Verehrer, den Franzosen Dr. Cajus (Günes Gürle), favorisiert als ihr Mann mit dem Junker Spärlich (Paul Schweinester). Anna jedoch macht beiden einen Strich durch die Rechnung und heiratet ihren Liebsten Fenton (Jussi Myllys) in der Waldkapelle, während Falstaff in unmittelbarer Nähe seine finale Demütigung durch eine Bürgerschaft erlebt, die einem Lynchmob gleichkommt.

VORNE: Katarzyna Kuncio (Frau Reich), Heidi Elisabeth Meier (Frau Fluth), Stefan Heidemann (Herr Fluth), HINTEN: Herrenchor. Foto: Hans Jörg Michel.

VORNE: Katarzyna Kuncio (Frau Reich), Heidi Elisabeth Meier (Frau Fluth), Stefan Heidemann (Herr Fluth), HINTEN: Herrenchor. Foto: Hans Jörg Michel.

Falstaff bedroht als Außenseiter aus verarmtem Adel nicht nur die bürgerliche Ehe (der Fluths und der Reichs), sondern die Kleinbürgerlichkeit ihrer Weltordnung. Die dritte Bestrafung im Wald ist denn auch eher ein Abschlachten denn ein Pisacken. Der „gehörnte“ Falstaff landet schlussendlich in einem Sarg. Sein „I’ll do my very best“ als man ihm die Weinflasche hinein reicht, stammt aber vermutlich weder von Shakespeare noch Mosenthal … 😉

Stimmungsvolle Inszenierung

VORNE: Katarzyna Kuncio (Frau Reich), Stefan Heidemann (Herr Fluth), Heidi Elisabeth Meier (Frau Fluth), Paul Schweinester (Junker Spärlich), HINTEN: Chor, Günes Gürle (Dr. Cajus). Foto: Hans Jörg Michel.

VORNE: Katarzyna Kuncio (Frau Reich), Stefan Heidemann (Herr Fluth), Heidi Elisabeth Meier (Frau Fluth), Paul Schweinester (Junker Spärlich), HINTEN: Chor, Günes Gürle (Dr. Cajus). Foto: Hans Jörg Michel.

Maßgeschneidert zu Hilsdorfs Inszenierung hat Dieter Richter ein Bühnenbild, welches den Anforderungen an die wechselnden Orte der Handlung gerecht wurde: Charakteristisch und mit einem eigenen Ambiente überzeugten die unterschiechen Örtlichkeiten, die durch das Licht-Design von Volker Weinhart brillant in Szene gesetzt waren. In den malerischen Kulissen tummelten sich die Akteure in Kostümen von Renate Schnitzer, die das kleinbürgerliche Milieu spiegelten. Vokale Unterstützung bekamen die Ensemble-Sänger vom Chor der Deutschen Oper am Rhein unter der Leitung von Gerhard Michalski. Die Solo-Violine auf der Bühne spielte Siegfried Rivinius. Glänzend aufgelegt zeigten sich die Duisburger Philharmoniker unter der Leitung von Opern-Generalmusikdirektor Axel Kober.

Ein kleiner Vorgeschmack:


Premiere im Düsseldorfer Opernhaus in der vergangenen Spielzeit – mit anderer Besetzung.

Weitere Termine im Theater Duisburg:
Di 15. November 2016 | 19:30 Uhr,
Do 17. November 2016 | 19:30 Uhr und
Sa 26. Dezember 2016 | 19:30 Uhr.
Danach geht die Produktion an das Düsseldorfer Opernhaus.

Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten samstags zwischen 20,30 und 70,30 Euro, sonst 18,10 bis 62,80 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

© 2016 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Hans Jörg Michel, Mannheim / Deutsche Oper am Rhein

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