Hervorragende Jugendarbeit und Nachwuchsförderung zahlt sich aus Von Petra Grünendahl
Die Mini-Tanzgarde mit Nesthäkchen Luisa (3). Foto: Petra Grünendahl.
Schon als gleich zu Beginn die Mini-Tanzgarde in den närrisch geschmückten Saal der Pausenhalle einmarschierte, brach das Eis des jecken Publikums: Die überwiegend sechs bis 10 Jahre alten Mädchen lieferten bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt eine tolle Show ab. Nesthäkchen Luisa (3) stach zwar mit manchmal etwas eigenen Choreografien hervor, aber auch sie eroberte das Publikum im Sturm. Die Große Tanzgarde der KG Sonniger Süden Blau-Rot, die hier im zweiten Jahr tanzte, zeigte mit einem altersgemäß anspruchsvolleren Programm ihre Klasse. Die Mädchen ab 14 Jahren begeisterten das Publikum nicht minder: Hier tanzte die Zukunft des Duisburger Karnevals und die jungen Tänzerinnen machten schon mächtig Eindruck! „Unser ganzer Stolz!“, bemerkte dann auch Präsident Oliver Wolters treffend über den Nachwuchs seiner Gesellschaft.
Die Große Tanzgarde der KG Sonniger Süden Blau-Rot 1953. Foto: Petra Grünendahl.
Ihren klassischen Saalkarneval feierte die Karnevalsgesellschaft Sonniger Süden Blau-Rot 1953 an der Gesamtschule Mitte an der Falkstraße vor ausverkauftem Haus. Traditionell liegt der Fokus der Blau-Roten auf Eigengewächsen und Duisburger Talenten – was nicht schwer fällt! –, die man nur sehr sparsam mit auswärtigen Gästen ergänzte. Da Karnevalstalente nicht nur in eigenen Reihen, sondern auch in anderen Gesellschaften schlummern, hatten die Organisatoren das Tanzpaar Annika (12) und Marvin (13) sowie – singend und tanzend – Alina (13) von den Marxloher Jecken, Kinderprinzencrew des vergangenen Jahres, sowie das Tanzmariechen Emma (14) von der KG Königreich Duissern, die vor vier Jahren als Kinderprinzessin regierte, auf die Bühne geholt. Nachdem die geplante Showtanztruppe Temptation wegen Erkrankung mehrerer Tänzerinnen ausfiel, war kurzfristig die Duisburger Showtanztruppe Movie Stars eingesprungen, die mit Auftritten einer „großen“ und einer „kleinen“ Formation die Besucher von den Stühlen rissen. Die Truppe bewies, dass sie im vergangenen Jahr zu Recht NRW-, Deutscher und Europameister im Showtanz geworden war.
Willi Garohn wird Ehrenpräsident
Machten Willi Garohn (2. v. l.) zum Ehrenpräsidenten: Präsident Oliver Wolters, Geschäftsführer Tim Jakob, Schatzmeister Manfred Postelt und Vizepräsidentin Jacqueline Häuser. Foto: Petra Grünendahl.
Tränen hatte er in den Augen, der Willi Garohn: Seit 49 Jahren ist er Mitglied der KG Sonniger Süden Blau-Rot 1953 e. V., 19 Jahre davon führte er die Gesellschaft als Präsident. Im April letzten Jahres hatte er den Stab an den bisherigen Geschäftsführer Oliver Wolters und die nächste Generation Karnevalisten im Vorstand weitergereicht, der ihn nun zum Ehrenpräsidenten ernannte. Seine Präsidentenkette überreichte Wolters als neue Ehrenpräsidentenkette an Garohn zurück – und kriegte selber feuchte Augen, als ihm sein (verjüngter) Vorstand eine neue Präsidentenkette überreichte: Das war auch für das Publikum ein bewegender Moment. Konsequent hat die Gesellschaft in den letzten Jahren auf karnevalistischen Nachwuchs gesetzt: Mit zwei Jugend-Tanzgarden, einem Tanzpaar (welches wegen seines verletzten Mariechens in dieser Saison pausiert) – und mit einer Verjüngung des Vorstandes, was einen geordneten Übergang auf eine neue Generation garantierte: „Ihr habt als Verein vieles richtig gemacht“, lobte Bodo Malsch vom Landesverband Rechter Niederrhein e.V. (im Bund Deutscher Karnevalisten), der hier wieder einige verdiente Mitglieder auszeichnen durfte. Mittlerweile habe sich die KG zur zum achtgrößten Verein im HKD (Hauptausschuss Duisburger Karneval) gemausert: Ein Erfolg, der noch vor ein paar Jahren nicht abzusehen war!
Das Kinderprinzenpaar Luca II. und Maja I. mit Paginnen Celina und Jana. Foto: Petra Grünendahl.
Für ein bisschen „kölsche“ Stimmung im Duisburger Karneval sorgten die Dröpkes und „Die 3 Colonias“, die in diesem Jahr 44 Jahre Bühnenerfahrung mit Stimmungsmusik und Schunkelliedern feierten. Die Dröpkes aus Mönchengladbach, eine bekannte und beliebte Größe im Karneval unserer Stadt, begeisterten mit einer breiten Palette von Karnevals- und Stimmungsliedern bis hin zur Rockmusik. Heimspiel hingegen hatten der Prinz der Stadt Duisburg, Sascha I., mit seiner Crew sowie das Kinderprinzenpaar Luca II. und Maja I. mit ihrem Paginnen Celina und Jana und natürlich die Ruhrpott Guggis, die allesamt im Saal begeistert gefeiert wurden. Ein weiteres Highlight war zum Finale die traditionelle Show des Elferrats: Unter dem Thema „Ab in den Süden“ lockte der Elferrat mit Show, Tanz und Spässkes das Publikum auch zu vorgerückter Stunde aus der Reserve und von den Sitzen: Reichlich Applaus gab es bei der szenischen Vorführung, die immerhin fast eine Dreiviertelstunde die Besucher vergnügte, bevor im Anschluss an das Programm die Band „Concorde“ bis in den frühen Morgen zum Tanz aufspielte.
In Wanheimerort gegründet
Stadtprinz Sascha I. mit seiner Crew. Foto: Petra Grünendahl.
In der Gaststätte „Fuchsecke“ wurde die KG Sonniger Süden Blau-Rot im Jahr 1953 gegründet: am 21. Februar, wie die Chronik der Karnevalisten verrät. Viele Jahre feierte man seine Sitzungen in den großen Sälen von Gaststätten. Nachdem solche Örtlichkeiten nicht mehr zur Verfügung standen, zog die KG Sonniger Süden mit ihrem klassischen Saalkarneval 1997 in die Pausenhalle der Gesamtschule Duisburg-Mitte, wohin man seitdem die feierfreudigen Jecken zu ziehen weiß.
Ab in den Süden: Elferrats-Show begeisterte das Publikum. Foto: Petra Grünendahl.
Die KG Sonniger Süden Blau-Rot 1953 e. V. feiert weiter mit der Damensitzung am Samstag, 8. Februar, um 19 Uhr (Einlass 18 Uhr) sowie ihrer 3. Großen Kindersitzung am Sonntag, 9. Februar, um 13 Uhr (Einlass 12.00 Uhr). Beide finden ebenfalls in der Pausenhalle der Gesamtschule Mitte statt. Karten für die Damensitzung gibt es auch, für die Kindersitzung ausschließlich im Vorverkauf (siehe https://www.kg-sonniger-sueden.de/kontakt-bestellformular/). www.kg-sonniger-sueden.de
Impressionen der Prunksitzung der KG Sonniger Süden Blau-Rot 1953. Fotos: Petra Grünendahl
Spannende Ausstellungsvielfalt und neuer Lehmbruck-Preisträger Von Petra Grünendahl
Stellten das Jahresprogramm vor (v. l.): Pressesprecher Andreas Benedict, Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla und Kulturdezernent Thomas Krützberg. Foto: Petra Grünendahl.
Über Rekordbesucherzahlen 2019 freute sich Thomas Krützberg bei seinem letzten Jahresgespräch als Kulturdezernent: „Das verdanken wir der engagierten Arbeit von Söke Dinkla und ihrem Team!“ Er freue sich außerdem, so Krützberg, dass der „Wilhelm-Lehmbruck-Preis“ mit einer begleitenden Ausstellung dank des Engagements des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) für die Zukunft gesichert sei: Der 1966 erstmals vergebene Preis wird ab diesem Jahr regelmäßig alle fünf Jahre an Künstler verliehen, die einen herausragenden Beitrag zur Entwicklung der Skulptur geleistet haben. An Sonderausstellungen sind in Vorbereitung „Biester der Zeit“ mit rund 70 Plastiken und anderen Werken in der ersten Retrospektive des englischen Bildhauers Lynn Chadwick (1914 – 2003) in Deutschland sowie eine Sammlungspräsentation mit Werken von Jiří Tichý (1933 – 2016):
Kulturdezernten Thomas Krützberg und Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla (Mitte) mit dem Team des Lehmbruck Museums. Foto: Petra Grünendahl.
Beide starten am 29. Februar. Eine Deutschlandpremiere feiert die deutsche Installations- und Performancekünstlerin Nevin Aladağ (*1972 Van, Türkei) im Rahmen von Sculpture 21st ab 7. Mai im Lehmbruck Museum: Ihre Klang-Skulpturen werden auch bespielbar sein. Stephan Balkenhol (*1957) ist ein Bildhauer im klassischen Sinne: Mit Klöpfel und Beitel, Säge und Messer arbeitet er seine Skulpturen und Reliefs aus zum Teil riesigen Holzstämmen heraus. Zur umfassenden Werkschau zum Thema Mensch arbeitet der Künstler aktuell noch an neuen Plastiken, die ab dem 29. August zu sehen sein werden.
Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla und Kulturdezernent Thomas Krützberg. Foto: Petra Grünendahl.
Im Pressegespräch zogen Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla und Kulturdezernent Thomas Krützberg eine Bilanz des vergangenen Jahres und stellten das Ausstellungsprogramm für 2020 vor. Aktuell laufen noch Ausstellungen mit Carsten Nicolais “rota” und Eija-Liisa Ahtila (Skulpturen in Zeiten des Posthumanismus) – beide bis Sonntag, 26. Januar –, die „Künstler der Brücke“ (Kabinettausstellung zum Expressionismus) und „Wilhelm Lehmbruck. Ein Leben“ (Studioausstellung) – beide bis zum 1. Juni.
Das Lehmbruck Museum mit neuem Corporate Design: der Kopf der Knieenden. Foto: Petra Grünendahl.
Neben dem neuen „Corporate Design“ und dem Programmheft für das erste Halbjahr präsentierte das Museum auch seine neue Webseite unter www.lehmbruckmuseum.de, die jetzt barrierefrei (für Sehbehinderte) und auf Wunsch in „einfacher Sprache“ (für Menschen mit eingeschränktem Wortschatz) gestaltet ist. Fortführen wird das Lehmbruck Museum erfolgreiche Formate wie zum Beispiel das City Atelier mit wechselnden Künstlern (sonntags von 14 bis 17 Uhr im Souterrain), die Vortragsreihe „Lehmbruck Lectures“ (über Künstler der Moderne, Eintritt 5 Euro) und die plastikBAR (künftig mit „Kunst & Stulle“ und Live-Musik, Eintritt 12 Euro). Weitere Formate findet man unter Veranstaltungen.
Öffnungszeiten und Eintrittspreise
Carsten Nicolais „rota” in der Glashalle, Julian Opies „Walking People“ im Kantpark. Foto: Petra Grünendahl.
Dienstags bis freitags ist das Lehmbruck Museum ab 12 Uhr geöffnet, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags an Terminen der plastikBAR (erster Donnerstag im Monat ab 17.30 Uhr) bis 20 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro (ermäßigt* 5 Euro), eine Jahreskarte 35 Euro (ermäßigt* 20 Euro). Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Blinden- und Demenzbegleitung haben kostenlos Eintritt. Schulklassen und Kindergärten zahlen pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte (2 Erwachsene plus Kinder bis 14 Jahre) gibt es für 15 Euro. Jeden ersten Freitag im Monat gilt: „Pay what you want“. Ausgenommen davon sind angemeldete Gruppen.
Wilhelm Lehmbruck: „Der Gestürzte“ (vorne) und „Der Jüngling“ (hinten). Foto: Petra Grünendahl.
Zu seinen Sonderausstallungen bietet das Lehmbruck Museum verschiedene Veranstaltungen als Rahmenprogramm an. Öffentliche Führungen durch das Museum gibt es jeden Sonntag um 11.30 Uhr. Für Informationen steht die Kunstvermittlung des Lehmbruck Museums unter Telefon 0203 / 283-2195 oder eMail kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de zur Verfügung (Zu Preisen und Buchungen für Führungen geht es hier).
(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70%), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen mit Sozialhilfebezug.
Zugewanderte in Arbeit und Gesellschaft integrieren Von Petra Grünendahl
Reiner Siebert, Leiter des IvAF-Beratungsbüros im DGB-Haus am Stapeltor. Foto: Petra Grünendahl.
„Diese Menschen sind erleichtert, wenn sie eigenes Geld verdienen und nicht mehr auf Hilfe vom Staat angewiesen sind“, erzählte Reiner Siebert. „Sie sind dankbar für die Hilfe, hier aufgenommen worden zu sein, und wollen etwas zurückgeben.“ Reinere Siebert berät Geflüchtete bei der Suche nach Arbeits- oder Ausbildungsplätzen, zur Anerkennung von Schul- oder Universitätsabschlüssen sowie Berufsausbildungen. „Mit der Aufnahme einer Arbeit oder Ausbildung entsteht weiterer Beratungsbedarf im Behördendschungel“, erklärte Siebert seine Tätigkeit: Aufenthaltsrecht, Sprachkurse oder Kinderbetreuung zum Beispiel. Seit drei Jahren leitet Siebert das InCoach-Beratungsbüro für Geflüchtete Menschen im DGB-Haus am Stapeltor. Aktuell ist das Projekt bis Ende 2020 verlängert worden. Eine weitere Verlängerung bis Ende 2021 ist möglich und wahrscheinlich. Danach müsste eine neue Finanzierung gefunden werden. „Der Beratungsbedarf ist trotz sinkender Flüchtlingszahlen enorm und wird auch weiterhin bestehen, zumal der Beratungsbedarf mit der Aufnahme einer Beschäftigung nicht endet sowie zunehmend Familienangehörige mit einbezogen werden“, so Siebert. Die Beratungserfolge zeigen aber, dass sich Sieberts Arbeit lohnt und einen wichtigen Beitrag zur Integration dieser Menschen in Arbeitsmarkt und Gesellschaft leistet.
Angelika Wagner, Reiner Siebert und Bulut Surat. Foto: Petra Grünendahl.
Die Projektverlängerung für den Standort Duisburg im bundesweiten IvAF-Netzwerk (Integration von Asylsuchenden und Flüchtlingen) nahmen der Leiter des Integrationsbüros, Angelika Wagner als Geschäftsführerin des DGB Niederrhein und DGB-Gewerkschaftssekretär Bulut Surat zum Anlass für eine erste Bilanz. Finanziert wird das Duisburger Projekt aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Bildungsinstituts im Gesundheitswesen (BiG) Essen, einer mit der Gewerkschaft ver.di verbundenen Einrichtung. Das Duisburger Büro sei das erste seiner Art in einem Gewerkschaftshaus gewesen: „Gewerkschaftsarbeit wie bei uns kennen die Geflüchteten aus ihren Herkunftsländern gar nicht“, erklärte Angelika Wagner. „Bei uns erleben sie Gewerkschaft als hilfreiche Institution, die sich nicht nur um ihre Mitglieder kümmert.“
Konstant hoher Hilfs- und Beratungsbedarf
Angelika Wagner und Reiner Siebert. Foto: Petra Grünendahl.
Seit dem großen Flüchtlingsansturm 2015 habe es zahlreiche Gesetzesänderungen im Asyl-, Aufenthalts- und Ausländerrecht gegeben, die „Bedrohungsszenarien“ aufgebaut hätten, so Siebert, um vor weiterer Zuwanderung abzuschrecken: „Diese haben aber auch erhebliche Folgen für diejenigen, die bereits hier sind und sich integrieren wollen.“ Menschen ohne „Bleibeperspektive“ (zum Beispiel aus so genannten „sicheren Herkunftsländern“ wie dem immer noch terror- und bürgerkriegsgeschüttelten Afghanistan) bekommen keine Sprachkurse: „Das erschwert die Integration in Arbeitsmarkt und Gesellschaft!“ Siebert betreute bis Ende 2019 insgesamt 485 Ratsuchende (plus deren Familienangehörige) aus 36 Ländern in 2.409 Beratungskontakten mit 345 Intensivberatungen von über 6 Stunden. Überwiegend stammten die Ratsuchenden aus Syrien (43 Prozent), Afghanistan (18 Prozent), Iran (8 Prozent) und Irak (5 Prozent). Der Frauenanteil (ohne Familienangehörige) betrug 18 Prozent, junge Erwachsene (18 – 25 Jahre) waren 29 Prozent. Mehr als die Hälfte sind Männer zwischen 25 und 45 Jahren (54 Prozent).
„Viele dieser Menschen haben eine völlig ungesicherten Aufenthaltsstatus und bleiben über Monate bis Jahre in dieser Unsicherheit“, erzählte Reiner Siebert. Das erschwere die Vermittlung in Arbeit oder Ausbildung und fordere ihn als Netzwerker zwischen den unterschiedlichen zuständigen Behörden vom Sozialamt über Jobcenter bis zum Ausländeramt. Im Kontext seiner Beratung hätten seine „Schützlinge“ mindestens 522 Sprachkurse und 188 Praktika absolviert, 100 Arbeitsstellen aufgenommen, 45 eine Ausbildung angetreten und sechs Schulabschlüsse nachgeholt. Die Zahl von sozialversicherungspflichtig beschäftigten Geflüchteten in Deutschland hat sich in den letzten drei Jahren um rund 69.000 auf etwa 436.000 erhöht (19 Prozent): „Das sind rund 1,1 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten“, so Angelika Wagner. Eine Erfolgsgeschichte für alle, die sich beruflich oder ehrenamtlich für die Integration dieser Menschen einsetzen.
Azubi-Initiative sucht Unterstützung
„Asylbewerber [Anmerkung: vor der Anerkennung des Asylstatus] dürfen zwar nicht arbeiten, aber eine Ausbildung absolvieren“, erklärte Bulut Surat. Dabei böten die Flüchtlingsunterkünfte allerdings keinen geeigneten Wohnort für junge Menschen in Ausbildung: „Die Auszubildenden haben dort keine Ruhe und keinen Platz, ungestört zu lernen. Ein Recht auf eine eigenen Wohnung bekommen sie erst, wenn sie als Asylberechtigte anerkannt sind und einen gesicherten Aufenthaltsstatus haben“, so Bulut Surat, der sich beim DGB um die Azubi-Initiative kümmert: „Analog zu Studentenwohnheimen würden wir hier gerne Azubi-Wohnheime etablieren, brauchen dafür aber Unterstützung.“ Solche Gemeinschaftsunterkünfte ermöglichten den jungen Menschen soziale Teilhabe, das Knüpfen von Kontakten und Integration in die Gesellschaft.“ Bislang habe man erst ein gutes Dutzend adäquat unterbringen können: „Wir haben pro Jahr zwischen 50 und 100 Personen in schwierigen Situationen, für die wir angemessene Wohnverhältnisse suchen.“
Zu den Zielen künftiger Arbeit des Beratungsbüros zählt die Zusammenarbeit mit dem Kommunalen Integrationszentrum der Stadt, aus den Beratungsanliegen der Ratsuchenden zu lernen, um Verwaltungsabläufe zu verbessern. Außerdem will das Integrationsbüro das Partnerprojekt „Welcome“ der Bundesinitiative „Fachkräfte sichern“ ergänzen, um Fachkräftepotenziale zum Beispiel für Pflegeberufe unter bereits Zugewanderten zu erkennen, zu fördern und die betriebliche Integrationsbereitschaft zu verbessern: „Warum sollten wir im Ausland nach Fachkräften suchen, wenn wir hier bereits ausgebildete oder ausbildungswillige Menschen auf der Suche nach Beschäftigung haben?“, machte Siebert klar.
Beim Square Dance denkt man sicher zuerst an den etwas derberen amerikanischen Volkstanz der Farmer und Cowboys. Der georgische Choreograph George Balanchine (1904-1983) hat in einer Homage an seine amerikanische Wahlheimat* die Grundzüge des Square Dance (Uraufführung 1957) in die filigranen Bewegungen des Balletts integriert: Sechs Paare und ein Solo-Paar in schlichter heller Tanzkleidung vereinen die lebensfrohen Reigen des Volkstanzes mit der klassischen und filigranen Formensprache des Balletts, die hier frei und ausgelassen wirkt. Im Fokus der Musik von Antonio Vivaldi und Archangelo Corelli stehen auch bei Balanchines „Square Dance“ die Solo-Violinen (Siegfried Rivinius, Önder Baloglu, Matthias Bruns und Johannes Heidt), die die Tänzer quasi „antreiben“. Für die hier gezeigte Version der Wiederaufführung 1976 hatte Balanchine das Ballett neu kreiert, als er für den männlichen Tänzer des Solo-Paares zusätzliche Solo-Passagen integrierte, die er seinem Lead-Tänzer Bart Cook auf den Leib schneiderte. Cook, der heute als Repetitor und Choreograph tätig ist, hatte das anspruchsvolle Werk nun mit dem Ballett am Rhein für b.42 einstudiert.
Drei Stücke hatte Martin Schläpfer, Chef-Choreograph und Künstlerischer Direktor des Ballett am Rhein, für seinen Ballettabend b.42 ausgewählt, wie sie unterschiedlicher und kontrastreicher kaum sein können. Das Ensemble bewies einmal mehr seine Hochklassigkeit, die die anspruchsvolle Darbietung leicht wirken ließ. Die vielfältigen musikalischen Ansprüche der Kompositionen meisterten die Duisburger Philharmoniker unter der Leitung von Martin Braun. Für die Lichtgestaltung zeichnete Thomas Diek verantwortlich. Das restlos begeisterte Publikum feierte bei der Premiere des zweistündigen Ballettabends im Theater Duisburg die Akteure mit minutenlangem Applaus zu jedem Stück und mit teilweise stehendem und nicht enden wollenden Schlussapplaus: Ob ihrer fantastischen Leistungen völlig zu Recht!
Von der Neoklassik über die Moderne zur romantischen Klassik
Als zweites Stück des Ballettabends hatte Schläpfer „Symphonic Poem“ von Remus Şucheană ausgewählt. Die ursprünglichen Klänge von „Metacosmos“ der isländischen Komponistin Anna Thorvaldsdottir (*1977) hatten den jungen rumänischen Choreographen zu einem Ballett archaischer Bewegungen und purer Körperlichkeit inspiriert. Die Tänzer in ihren bunten Kostümen (Entwürfe: Mylla Ek) erschufen einen musikalischen Kosmos zwischen der Unterwelt (dem Orchester) und dem „Himmel“ (drei Trommler), die im Bühnenbild von Darko Petrovic sichtbar über den Tänzern schwebten. Şucheană hatte als Tänzer unter Martin Schläpfer angefangen – beim ballettmainz sowie beim Ballett am Rhein –, bevor er dann erste eigene Choreographien schrieb. Heute ist er Ballettdirektor beim Ballett am Rhein. Den Einfluss von Schläpfer spürt man: Wer es nicht besser wusste, hätte dieses Stück dem schweizer Choreographen zugeschrieben. Şucheanăs Choreographie erlebte hier ihre Uraufführung.
Nach Neoklassik (Ballanchine) und Moderne (Şucheană) beendete ein klassisches Ballett von Martin Schläpfer den Abend: Nach der „Reformations-Symphonie“, einer frühen Sinfonie von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847), hatte Martin Schläpfer eine Choreographie geschaffen, die seit ihrer Uraufführung 2008 (damals mit den ballettmainz) Publikum wie Kritiker begeistert. Erstmals seit 2012 zeigt das Ballett am Rhein diese puristische Choreographie („reines Ballett“) von ausdrucksstarker Körperlichkeit zu einer eher romantischen Komposition. Barfüßige Tänzer und Tänzerinnen in Spitzenschuhen zeigen hier Schläpfers anspruchsvolle Choreographie mit der Leichtigkeit und Lebendigkeit, die nur ein hochklassiges Ballett-Ensemble auf die Bretter bringt.
So | 12. Januar 2020 | 18:30 Uhr,
So | 19. Januar 2020 | 18:30 Uhr,
Sa | 25. Januar 2020 | 19:30 Uhr,
So | 2. Februar 2020 | 18:30 Uhr,
So | 16. Februar 2020 | 15:00 Uhr und
Sa | 22. Februar 2020 | 18:30 Uhr.
Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Stücke und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten samstags zwischen 19,00 und 76,00 Euro, sonst 17,00 bis 67,00 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.
*) Balanchine brachte die Tradition des klassischen russischen Balletts in die USA und gründete 1948 gemeinsam mit Lincoln Kirstein das New York City Ballet, das Weltgeltung erreichte. Hier arbeitete Balanchine bis zu seinem Tod im Jahr 1983.
Duisburg, der Niederrhein und Nordrhein-Westfalen brauchen Strategien für die Zukunft Von Petra Grünendahl
NRW-Wirtschaftsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Foto: Petra Grünendahl.
NRW-Wirtschaftsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Foto: Petra Grünendahl.
„Wir müssen Innovationen schneller und mutiger möglich machen“, sagte Prof. Dr. Andreas Pinkwart (FDP), als NRW-Wirtschaftsminister Gastredner beim Neujahrsempfang der Niederrheinischen IHK in Duisburg. Dabei sei die Digitalisierung und die Bereitstellung intelligenter Netze ein Muss, so der Wirtschaftsminister. Die Bürokratie müsse dringend verringert werden, so Pinkwart, damit Innovationen schneller auch weltweit vermarktet werden könnten, bevor andere diese auf dem Markt platzierten. Als Herausforderungen definierte Pinkwart auch den Klimaschutz sowie den demografischen Wandel, der Unternehmen bei der Fachkräftegewinnung zunehmend Probleme bereitet. Der Strukturwandel, so der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister auch im Hinblick auf den Ausstieg aus der Kohleverstromung, könne nur gelingen, wenn neue Strukturen geschaffen würden, bevor man das Alte abreiße.
IHK- Neujahrsempfang in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.
Zum traditionellen Neujahrsempfang hatte die Niederrheinische IHK Duisburg Wesel Kleve neben Unternehmern aus der Region Vertreter von Politik, Verwaltung und anderer Institutionen in die Mercatorhalle eingeladen. Fast 800 Gäste hatten sich eingefunden. In seiner Begrüßungsansprache begnügte sich IHK-Präsident Burkhard Landers nicht mit einer Einschätzung zur Herausforderungen für die Unternehmen am Niederrhein: Er machte auch deutlich, welche Forderungen die Industrievertreter in diesem Zusammenhang an die Politik im Land Nordrhein-Westfalen und im Bund stellen.
#GemeinsanUnternehmen
IHK-Präsident Burkhard Landers. Foto: Petra Grünendahl.
„Nach zehn Jahren Wirtschaftswachstum steht die Wirtschaft am Niederrhein am Rande einer Rezession“, erklärte IHK-Präsident Burkhard Landers. Brexit, der Handelskrieg mit den USA und das drohende Ende des internationalen Freihandels träfen auch unsere Region. Digitalisierung und Innovationen müssten auch von Bund, Land und Kommunen ebenso finanziell unterstützt werden wie die dringend nötige Sanierung der Infrastruktur. Auch die Klimapolitik müssen finanzierbar ausgestaltet werden, um den Wirtschaftsstandort zu schützen, während man den Umbau in eine nachhaltigere Wirtschaft voran treibe.
IHK-Präsident Burkhard Landers. Foto: Petra Grünendahl.
„Wirtschaftskrise, Digitalisierung, Migration und Klimawandel: diese Begriffe beschreiben die Umwälzungen des letzten Jahrzehnts“, so Landers. Das habe bei vielen Menschen zu einer tiefen Verunsicherung geführt: „Die Komplexität der Themen, die globalen Auswirkungen und ihre Dimension machen den Menschen Angst.“ Auch Unternehmer müssten sich in die Diskussion einbringen, Zusammenhänge und Folgen von Leitentscheidungen erklären, sagte der ehrenamtliche IHK-Präsident, der als Unternehmer in Wesel tätig ist. Er forderte einen funktionierenden Dialog zwischen ihnen, den Unternehmern, einerseits und Politik, Verwaltung und ganz besonders der Öffentlichkeit andererseits: „Die Lösung ist sicher nicht, dass die Wirtschaft einfache Antworten auf komplizierte Fragen gibt, wie das zum Teil in der Politik zu beobachten ist.“ Verkürzte Botschaften und radikale Wortwahl würden, so Landers, nicht weiterhelfen. Hier brauche man eine funktionierenden Dialog!
Mit einem bunten Programm von Klassisch bis Modern: Für jeden Geschmack was dabei Von Petra Grünendahl
Frauenchor der Polizei Duisburg (stehend in der Mitte), dahinter der Polizeichor Duisburg und im Vordergrund das Orchester Oberhausen beim Weihnachtskonzert vom Polizeichor Duisburg in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.
Als das Orchester Oberhausen anfingt, die allseits bekannte Melodie von „Alle Jahre wieder” zu spielen, gaben ein paar Bläser mächtig „schräge“ Töne von sich. Dirigent Sebastian M. Ostmeyer ließ das Orchester erneut ansetzen: Wieder „störten“ schräge Blasinstrumente das klassische Weihnachtslied. Im dritten Anlauf übernehmen dann die Bläser das Kommando mit dem Sound von „In the Mood“, in den der Frauenchor der Polizei Duisburg mit einer swingenden Version des Liedes einstimmte, zu dem die Besucher begeistert mitklatschten.
Die Solisten Katharina Göres und Thomas Pflumm mit dem Orchester Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.
Liebhaber aller möglichen Stilrichtungen weihnachtlicher Musik kamen auf ihre Kosten: vom klassischen Komponisten über Kirchenmusik bis hin zu traditionellen oder modernen Weihnachtsliedern reichte das Repertoire der Akteure auf der Bühne. Beide Chöre boten eine hochklassige Darbietung, was sie nicht nur den stimmlichen Qualitäten ihrer Sänger, sondern auch ihren professionellen Chorleitern Axel Quast (Männerchor) und Sebastian M. Ostmeyer (Frauenchor) zu verdanken haben. Die musikalische Gesamtleitung der Konzerte musste Quast in diesem Jahr allerdings Ostmeyer überlassen, der diese Aufgabe mit Bravour meisterte.
Weihnachtskonzert vom Polizeichor Duisburg in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.
Traditionell steht das vierte Adventswochenende im Zeichen der Weihnachtskonzerte des Polizeichors Duisburg 1928, die in der Mercatorhalle auch in diesem Jahr wieder Tausende von Zuschauern begeisterten. Rund um den Polizeichor Duisburg und den Frauenchor der Polizei Duisburg, die – wie alle Jahre wieder – das Orchester Oberhausen begleitete, hatte Musikdirektor Axel Quast, Chorleiter des Männerchores, unter de Motto „Moments of Glory“ ein buntes Programm auf die Beine gestellt, das unterschiedlichsten Vorlieben gerecht wurde.
Im Vordergrund die Solisten Katharina Göres, Lydia Krüger, Thomnas Pflumm und Klaus Hermann beim Weihnachtskonzert vom Polizeichor Duisburg in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.
Als Solisten hatte Quast Sopran Katharina Göres, Tenor Michael Pflumm sowie Mezzosopran Lydia Krüger gewinnen können. Bass Klaus Hermann hat als Sänger des Polizeichores auch als Solist „Heimspiel“: sein Solo in „Jerusalem“ leitete wie immer das Finale ein. Mit „Feliz Navidad“ und dem gemeinsam von allen auf und vor der Bühne gesungenen „Oh du fröhliche“ ging dann ein hochklassiges und stimmungsvolles Weihnachtskonzert zu Ende, das auf die Weihnachtstage einstimmte.
Junger Gitarist als Überraschungsgast Wie alle Jahre wieder brachte der Polizeichor Duisburg bei seinen Weihnachtskonzerten einen vielversprechenden jungen Musiker als Überraschungsgast auf die Bühne. Der 16-jährige Jan Christopher Heßling spielt seit 9 Jahren Gitarre. Nachdem er auf dem Flohmarkt ein Exemplar für kleines Geld erstanden hatte, begann er an der Musikschule Kamp-Lintfort seine Ausbildung. Heßling nimmt regelmäßig an Konzerten, Meisterkursen und Wettbewerben teil – und hat dabei auch schon zahlreiche Musikpreise und Auszeichnungen gewonnen. Mittlerweile komponiert er selber barocke Stücke: Auch diese sind mehrfach ausgezeichnet worden. In der Mercatorhalle zeigte er solo mit einer eigenen Komposition sowie mit Orchesterbegleitung und Vivaldi, wie filigran eine Akustikgitarre klingen kann.
Der Polizeichor-Vorsitzende Horst Fiedler, dahinter das Orchester Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.
Zum ersten Weihnachtskonzert habe man, so erzählte der Polizeichor-Vorsitzende Horst Fiedler bei der Begrüßung, 1964 in die Stadthalle Hamborn eingeladen. Schon 1965 sei der Polizeichor Duisburg mit seinen Weihnachtskonzerten in die (alte) Mercatorhalle gezogen. Ein Ausweichquartier bot dann das Theater am Marientor (TaM), als nach Abriss der alten Mercatorhalle die Neue gebaut wurde. Ein Ausweichen ins TaM stand dann noch ein weiteres Mal an, als ab 2012 die (neue) Mercatorhalle wegen Brandschutzmängeln während deren Beseitigung einige Jahre unbespielbar war. Drei Gastspiele gibt der Polizeichor an solchen Konzertwochenenden, die traditionell am vierten Advent stattfinden. In früheren Jahren waren es auch schon mal vier. In diesem Jahr, so verriet Horst Fiedler: „sind es die Konzerte 128 bis 130.“
Der Polizeichor Duisburg 1928 e. V.
Jerusalem: Bass Klaus Hermann mit dem Orchester Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.
Der Polizeichor (Männerchor) besteht nicht nur aus Polizisten, sondern steht auch nicht-polizeiangehörigen interessierten Sängern offen. Chorleiter ist seit Oktober 2012 Musikdirektor Axel Quast, dem auch die musikalische Gesamtleitung der Polizeichor-Konzerte (Weihnachts- wie Frühjahrskonzert) obliegt. Geprobt wird einmal wöchentlich montags um 17.30 Uhr im Ratskeller Hamborn (Kulturzentrum …kulturiges…) an der Duisburger Straße 213. Interessierte können einfach mal vorbeikommen. Weitere Informationen über den Polizeichor Duisburg 1928 e. V. findet man hier …
Weihnachtskonzert vom Polizeichor Duisburg in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.
Die Idee zu einem Frauenchor kam von Ehefrauen der Polizeichor-Sänger, die ebenfalls Freude am Singen hatten. Schließlich hatten sich 26 von ihnen 1992 zum gemeinsamen Gesang zusammen getan und nach einem Jahr „Probetraining“ selber einen Verein gegründet. Der Frauenchor der Polizei Duisburg 1983 e. V. wurde als erster Frauenchor in den Chorverband der Deutschen Polizei aufgenommen. Im Juni 2015 hat Sebastian M. Ostmeyer die musikalische Leitung des Frauenchors übernommen: Aus den Händen seines Vorgängers Musikdirektor Axel Quast, der seitdem nur noch den Männerchor leitet.
Im kommenden Jahr finden die Weihnachtskonzerte des Polizeichors Duisburg wie gewohnt am vierten Adventswochenende statt: am Samstag, 19. Dezember 2019, um 17.30 Uhr sowie am Sonntag, 20. Dezember 2019, um 14.30 und 19 Uhr.
Sicherheitsbedenken hatte die Feuerwehr im Vorfeld nicht laut geäußert Von Petra Grünendahl
Aus Platzgründen findet das Strafverfahren gegen vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent und sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg im CongressCenter der Messe Düsseldorf (CCD) statt. Foto: Petra Grünendahl.
„Ich habe im Frühjahr 2010 erfahren, dass ich bei der Loveparade in Duisburg im Leitungsstab Dienst tun sollte“, erklärte der Zeuge. Deswegen habe er ab diesem Zeitpunkt an Sitzungen der Arbeitsgruppe 4 (AG4 Sicherheit) teilgenommen, so H., um sich auf seinen Einsatz vorzubereiten. Er sei aber mehr nur Beobachter gewesen. Von Seiten der Feuerwehr sei Prämisse gewesen: „Es darf zu keiner Zeit zu Stagnationen im Tunnel kommen.“ Am Veranstaltungstag habe die Polizei nachmittags (gegen 16.30 Uhr), als er in der Feuerwehreinsatz-Leitstelle war, die Rampe sperren wollen, um umgestürzte Zäune wieder aufzustellen. „Ich war gegen eine Sperrung der Rampe und habe gesagt: ‚Dann müssen wir auch die Zugänge zum Tunnel sperren, damit Tunnel und Rampe leer laufen können’. Von Polizeiketten war da nicht die Rede“, so der Zeuge. Seine Einwände seien aber wohl zu spät gekommen: Ab 17 Uhr sei dann erstmals von Toten auf der Rampe die Rede gewesen.
Der Vorstizende Richter Mario Plein (mitte) mit zwei beisitzenden Richtern beim Loveparade-Strafprozess im Gerichtssaal im Congress Center Düsseldorf. Foto: Lars Heidrich / Funke Foto Services.
Als Zeugen hatte die 6. große Strafkammer des Landgerichts Duisburg einen Abteilungsleiter der Berufsfeuerwehr der Stadt Duisburg geladen. Der heute 54-Jährige war im Vorfeld bei Sitzungen zur Veranstaltungsplanung anwesend und am Tag der Loveparade im Leitungsstab der Feuerwehr (Feuerwehreinsatzleitung) tätig. Verantwortlich war er primär für die Kommunikationsinfrastruktur der Feuerwehr, die auf digitalen Funk sowie DSL-Kommunikation setzte (nicht wie die Polizei auf analogen Funk und Mobilfunk). Vor dem Landgericht Duisburg wird gegen drei Angeklagte wegen fahrlässiger Tötung in 21 Fällen und fahrlässiger Körperverletzung verhandelt: Sie waren damals als Mitarbeiter der Lopavent GmbH an den Planungen des Events beteiligt. Der Vorsitzende Richter Mario Plein ließ den Zeugen zunächst erzählen, welche Rolle er im Planungs- und Genehmigungsverfahren spielte, bevor er ihm aus Schriftstücken, Ermittlungsakten sowie Aussagen von Zeugen Sachverhalte vor hielt.
Sicherheitsbedenken bei der Feuerwehr?
Aus der Unterführung auf der Karl-Lehr-Straße. geht es über die Rampe zum Güterbahnhofsgelände Foto: Petra Grünendahl.
Ob es im Vorfeld Sicherheitsbedenken bei den an der Planung beteiligten Feuerwehr-Leuten gegeben habe, wollte der Richter wissen. Er spielte damit auf ein Schreiben eines Feuerwehrmannes zur Tunnelproblematik an, das im Vorfeld als „Remonstration“ an einen Vorgesetzten geschickt worden war. In seiner Zeugenvernehmung bei der Polizei hatte der Zeuge ausgesagt: „Wir hatten alle deswegen Bauchschmerzen. Wie sollten eine Millionen Menschen da durch kommen? Sicherheitsbedenken wurden durch die Vereinzelungsanlagen verringert, aber nicht ausgeräumt“, gab der Zeuge damals zu Protokoll. Diese Bedenken seien aber, so räumt er heute ein, nicht laut geäußert worden. „Das war alles durchgeplant. Ein gewisser Druck war, das durchzuziehen, war spürbar. Ich bekam den Eindruck: die Loveparade muss stattfinden!“ Unmittelbarer Druck sei aber nicht ausgeübt worden. Und: „Für mich war das Ordnungsamt federführend in Planung der Veranstaltung! Wenn jemand hätte absagen können, wäre das meiner Meinung nur das Ordnungsamt gewesen.“
„Sind gegenläufige Besucherströme im Tunnel und auf der Rampe als Gefahr erkannt worden?“, fragte der Vorsitzende Richter. „Da sollten keine stattfinden, denn für den Abfluss gab es ja die kleine Rampe“, antwortete der Zeuge. Diese und andere Aussagen des Zeugen machen eines deutlich: Obwohl wohnhaft in Duisburg (!) verfügt der Feuerwehrmann bis heute (!) über keinerlei (!) Ortskenntnisse am Ort der Katastrophe. Er kennt erkennbar weder das Güterbahnhofsgelände noch Rampe oder Tunnel oder gar den Verlauf der Karl-Lehr-Straße. Das wird besonders deutlich, wenn er immer wieder von „Entlastungsflächen vor den Vereinzelungsanlagen an den Tunneleingängen“ spricht. Denn die Vereinzelungsanlagen standen an den Einmündungen der Karl-Lehr-Straße in die Düsseldorfer Straße im Westen und die Kommandantenstraße im Osten. Das heißt: bei einer Sperrung der Vereinzelungsanlagen gab es immer noch viele Hunderte Menschen zwischen Sperrung und Tunnel, die weiter in Richtung Veranstaltungsgelände und in die Tunnel drängten.
Verantwortlichkeiten für die Veranstaltungsplanung
Juni 2011: Ansichten der Rampe zum alten Güterbahnhof aus dem Jahr 2011. Fotos: Petra Grünendahl.
Interessant ist auch die wiederholte Aussage des Feuerwehrbeamten, die Planungen zur Veranstaltung seien federführend vom Ordnungsamt geleitet worden. Anwesend waren bei den Arbeitsgruppensitzungen der AG4 (Sicherheit der Veranstaltung) primär Ordnungsamt, Feuerwehr und Polizei (also die Ordnungsbehörden Sicherheit), aber auch Mitarbeiter der Bauaufsicht. Letztere sei mit der Veranstaltungsplanung gar nicht befasst gewesen, hatten verschiedene Mitarbeiter in den vergangenen Wochen hier ausgesagt: „Wir planen keine Veranstaltung!“ Ihre Aufgabe sei lediglich die Erteilung einer Baugenehmigung nach den Vorgaben der Sonderbau-Verordnung Versammlungsstätten gewesen.
Abschied vom thyssenkrupp-Chor mit jungem Programm Von Petra Grünendahl
Anne Bicking verabschiedete den thyssenkrupp-Chor in Vertretung von Schirmherrin Dr. Sabine Maaßen von der großen Bühne. Foto: Petra Grünendahl.
„Der thyssenkrupp-Chor zeigt hier wieder einmal, wie stimmungsvoll Weihnachten sein kann“, sagte Anne Bicking, enge Mitarbeiterin von Dr. Sabine Maaßen, Arbeitsdirektorin bei thyssenkrupp Steel und Schirmherrin des thyssenkrupp-Chores. Sie lobte zum Abschied des Chores von der großen Bühne seine hohe Professionalität, die er sich in den 10 Jahren unter der Chorleitung von Peter Stockschläder erarbeitet hat.
Der thyssenkrupp-Chor mit der Duisburger Sinfonietta beim Weihnachtskonzert der Jubilaren-Vereinigung thyssenkrupp. Foto: Petra Grünnedahl.
Diese Professionalität bewies der Chor nun ein letztes Mal in der Mercatorhalle mit einer bunten Mischung an Weihnachtsliedern von traditionell und klassisch bis hin zu moderneren und poppigeren Stücken. Im Wechsel, teils auch gemeinsam mit den Gelsenkirchener Swingfonikern bewiesen die älteren Herren nicht nur ihr Können, sondern auch, dass sie musikalisch mit dem jüngeren Chor auf einer Linie lagen. Akzente setzten in einem stimmigen Konzertprogramm Solisten und ein Kinderchor, bevor Thomas Rabus-Schneider, Vorsitzender der Jubilaren-Vereinigung thyssenkrupp, ein begeistertes Publikum mit Weihnachtswünschen in den Rest-Advent entließ.
Die Solisten (v. l.): Sopran Evelyn Ziegler und Bassbariton Thomas Peter, im Hintergrund Pianistin Hyekoung Kang am Flügel. Foto: Petra Grünendahl.
Zum Weihnachtskonzert hatte die Jubilaren-Vereinigung thyssenkrupp in die Mercatorhalle eingeladen. Neben dem thyssenkrupp-Chor hatte Chorleiter Peter Stockschläder als musikalischer Gesamtverantwortlicher zum wiederholten Male Sopran Evelyn Ziegler und Bassbariton Thomas Peter als Solisten gewonnen.
Solistinnen des Kinderchors am Rhein. Foto: Petra Grünendahl.
Ebenfalls nicht zum ersten Mal dabei waren die Gelsenkirchener Swingfoniker unter der Leitung von Lutz Peller dabei. Als Kinderchor standen vier Solistinnen des Kinderchors am Rhein unter der Leitung von Sabina López Miguez mit Szenen aus „Hänsel und Gretel“ auf der Bühne. Instrumental begleitete traditionell die Duisburger Sinfonietta, Kammerorchester der Folkwang-Universität der Künste, die Veranstaltung, unterstützt von der Pianistin Hyekoung Kang am Flügel und der Orgel. Das rund dreistündige Konzertprogramm (zuzüglich Pause) band das Publikum in der zweiten Konzerthälfte mit ein, wünschten sich die Zuschauer doch, auch mitsingen zu dürfen.
thyssenkrupp-Chor Duisburg und Jubilaren-Vereinigung
Der thyssenkrupp-Chor mit den Gelsenkirchener Swingfonikern und der Duisburger Sinfonietta beim Weihnachtskonzert der Jubilaren-Vereinigung thyssenkrupp. Foto: Petra Grünnedahl.
Es ist das letzte „Konzertwochenende“ des thyssenkrupp-Chores. Die Sänger des Chores werden nicht jünger, Nachwuchs ist – wie bei allen Männerchören – schwer zu bekommen. Und solchen Konzertwochenenden mit zwei Auftritten haben es ja schon in sich. Was nicht heißt, dass der Chor aufhört: Er beschränkt sich nur künftig auf einfache, kleinere Konzerte und Auftritte. Für künftige Weihnachtskonzerte muss sich die Jubilaren-Vereinigung thyssenkrupp konzeptionell neu aufstellen.
Thomas Rabus-Schneider, Vorsitzender der Jubilaren-Vereinigung thyssenkrupp. Foto: Petra Grünendahl.
Sowohl die Jubilaren-Vereinigung thyssenkrupp als auch der thyssenkrupp-Chor lehnen sich an den Unternehmensnamen an. Beide entstammen ursprünglich den Werken von Thyssen in Duisburg. Der Chor entstand 1999 als Zusammenschluss der Werkschöre Ruhrort/Meiderich (1871/77) und Hamborn (1906), bevor er dann nach der Fusion in thyssenkrupp-Chor umbenannt wurde. Seit 10 Jahren leitet Chor-Dirigent Peter Stockschläder das Ensemble und ist für die musikalische Programmgestaltung der Weihnachtskonzerte verantwortlich. Sitz und Probelokal ist das Hotel Montan in Hamborn. Informationen zum thyssenkrupp-Chor, Kontaktdaten und Probetermine findet man unter www.thyssenkrupp-chor-duisburg.de/.
Der thyssenkrupp-Chor mit den Gelsenkirchener Swingfonikern, den Solisten und der Duisburger Sinfonietta beim Weihnachtskonzert der Jubilaren-Vereinigung thyssenkrupp. Foto: Petra Grünnedahl.
Die Vereinigung der Jubilare entstand 1922 in der August-Thyssen-Hütte, später Thyssen Stahl AG (die heutige thyssenkrupp Steel Europe AG), deren Hauptsitz immer noch Duisburg ist. Zu besten Zeiten – als die Stahlindustrie in Duisburg einige Zehntausend Arbeitskräfte beschäftigte – gehörten etwa 15.000 Jubilare dem Verein an, heute hat der Verein immerhin noch fast 6.000 Mitglieder, die mindestens ihre 25jährige Betriebszugehörigkeit bei Thyssen oder thyssenkrupp in Duisburg feiern durften.
Scheitern an der Utopie einer Liebe Von Petra Grünendahl
Bogdan Baciu (Marcello), Luke Stoker (Colline), Richard Šveda (Schaunard), Eduardo Aladrén (Rodolfo). Foto: Hans Jörg Michel.
Vier Freunde – Rodolfo (Eduardo Aladrén), Marcello (Bogdan Baciu), Schaunard (Richard Sveda) und Colline (Beniamin Pop) – leben in einer Künstlergemeinschaft mit ausgelassener Lebensfreude als „Bohèmien“ – immer am Rande der Pleite. Sie leben mehr das Künstlerleben als ihre Kunst. Die Miete für die letzten drei Monate haben sie mal wieder nicht bezahlt, den Vermieter Benoît (Peter Nikolaus Kante) wurde man nur wegen eines außerehelichen Seitensprungs ohne Zahlung los.
Liana Aleksanyan (Mimì), Eduardo Aladrén (Rodolfo), Richard Šveda (Schaunard), Bogdan Baciu (Marcello). Foto: Hans Jörg Michel.
Dafür bändeln gleich zwei der Lebenskünstler, der Poet Rodolfo und der Maler Marcello, mit Frauen an: mit der Näherin Mimi (Liana Aleksanyan) und der leichtlebigen Musetta (Lavinia Dammes). In Puccinis Arien und Duette treiben die fantastischen Sänger die Handlung von ihrem eher komödiantischen Beginn hin zu ihrem tragischen Ende: Denn die Liebe gestaltet sich als Utopie, die zerbricht. Rodolfo verehrt stimmgewaltig in Mimi seine Muse, die Idealisierung seiner Liebe. Er kann nicht mit ihr, aber auch nicht ohne: Dass sie schwer krank ist, merkt er gar nicht, bis sie im Sterben liegt. Und das so schön dramatisch und stimmgewaltig, wie Helden nur in der Oper sterben.
Eduardo Aladrén (Rodolfo), Liana Aleksanyan (Mimì). Foto: Hans Jörg Michel.
Giacomo Puccinis (1858 –1924) Oper „La Bohème“ begeistert seit seiner Premiere am Theater Duisburg im November das Publikum. Die 1896 im Turiner Teatro Regio uraufgeführte Oper, das vierte Bühnenwerk des Komponisten, spielt im Paris der 1830er-Jahre und gilt heute als sein Meisterwerk. Die Deutsche Oper am Rhein legte hier eine Neuinszenierung von Philipp Westerbarkei, einem Regie-Talent aus eigenem Haus, vor. Auf mehreren Ebenen erzählt die Oper die Geschichten von Rodolfo und Mimi sowie Marcello und Musetta, die eingebettet sind in das Bohème-Leben der vier Freunde und ihrer Umgebung. Das Libretto schrieben Giuseppe Giacosa und Luigi Illica nach den „Scènes de la Vie de Bohème“ von Henri Murger. Die durchkomponierte Oper in vier Bildern wird gesungen in italienischer Sprache. Deutsche Übertitel erleichtern das Verständnis der Handlung. Sie dauert inklusive Pause knappe zweieinhalb Stunden.
Akteure begeisterten das Publikum
Lavinia Dames (Musetta), Bogdan Baciu (Marcello). FOoto: Christoph Reichwein.
Mit der Intonierung von Puccinis vielfältiger, komödiantisch bis tragischer Komposition glänzten die ganz hervorragend aufgelegte Duisburger Philharmoniker unter der Leitung des italienischen Kapellmeisters Antonino Fogliani, der als einer der führenden Belcanto-Dirigenten gilt (von „bel canto“ = ital. schöner Gesang), wobei die „Bohème“ historisch nicht mehr in diese Kategorie fällt. Die opulenten Chorszenen in der ersten Hälfte der Oper, dem eher komödiantischen Part, meisterte der Chor am Rhein unter der Leitung von Gerhard Michalski, den der Kinderchor am Rhein unter der Leitung von Sabina López Miguez unterstützte. Der zweite Teil setzt eher tragische Schwerpunkte, die sich auf einzelne Figuren bzw. Paar-Konstellationen konzentrieren. Viel Szenenapplaus gab es im voll besetzten Theater für die herausragenden Solosänger, die allesamt dem Ensemble der Deutschen Oper am Rhein angehören. Aber auch den nahezu endlosen minutenlangen Schlussapplaus hatten sich alle Sänger und Musiker wirklich verdient!
Liana Aleksanyan (Mimì), Eduardo Aladrén (Rodolfo), Richard Šveda (Schaunard), Luke Stoker (Colline), Peter Nikolaus Kante (Alcindoro), Lavinia Dames (Musetta), Bogdan Baciu (Marcello), Damen des Chores der Deutschen Oper am Rhein. Foto: Christoph Reichwein.
Mit seiner ersten großen Inszenierung bei der Deutschen Oper am Rhein glänzte Philipp Westerbarkei (Jahrgang 1987). Westerbarkei ist seit 2013/14 Spielleiter an der Deutschen Oper am Rhein, wo er 2016 erste Regie-Erfahrungen im Format „Young Directors“ mit dem Stück „Trouble in Tahiti“ (Leonard Bernstein) sammeln durfte. Überzeugt von seinen Fähigkeiten hatte ihm Opernintendant Prof. Dr. Christoph Meyer 2017 die Inszenierung der Kinderoper „Wo die wilden Kerle wohnen“ anvertraut, bevor er ihm hier mit „La Bohème“ auch die große Bühne überließ. Wie schon bei „Trouble in Tahiti“ und „Wo die wilden Kerle wohnen“ arbeitete Westerbarkei mit der renommierten Kostüm- und Bühnenbildnerin Tatjana Ivschina zusammen, die an der Deutschen Oper am Rhein vor allem zahlreiche Kinderopern visuell gestaltet hatte. Das Lichtdesign lag in den bewährten Händen von Volker Weinhart.
Ein kleiner Vorgeschmack:
Liana Aleksanyan (Mimì), Eduardo Aladrén (Rodolfo), Luke Stoker (Colline), Richard Šveda (Schaunard), Peter Nikolaus Kante (Alcindoro), Lavinia Dames (Musetta), Bogdan Baciu (Marcello). Foto: Hans Jörg Michel.
Weitere Termine im Theater Duisburg:
Bogdan Baciu (Marcello), Richard Šveda (Schaunard), Luke Stoker (Colline), Eduardo Aladrén (Rodolfo). Foto: Hans Jörg Michel.
Sa | 21. Dezember 2019 | 19:30 Uhr,
Mi | 25. Dezember 2019 | 18:30 Uhr,
Di | 28. April 2020 | 19:30 Uhr,
Sa | 2. Mai 2020 | 19:30 Uhr und
Mi | 13. Mai 2020 | 19:30 Uhr.
Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten samstags und feiertags zwischen 19,00 und 76,00 Euro, sonst 17,00 bis 67,00 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.
Vom Respekt und der Würde des Menschen Von Petra Grünendahl
Polizeipräsidentin Dr. Elke Bartels hielt die Gastpredigt zur Barbarafeier bei HKM in einer geschmückten Kranhalle. Foto: Petra Grünendahl.
„Die Würde des Menschen ist unantastbar“, heißt es in Artikel 1 des Grundgesetzes, welches in diesem Jahr sein 70-jähriges Jubiläum feierte. Aus diesem Ansatz entwickelte Polizeipräsidentin Dr. Elke Bartels ihre Predigt zur Barbarafeier bei HKM. Sie verlangte in ihren nachdenkenswerten Ausführungen Offenheit und Respekt gegenüber dem Andersartigen ebenso wie sie im Gegenzug den Respekt für unsere Werte und Rechtsordnung einforderte.
Impressionen von der Barbarafeier bei HKM
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Fotos: Petra Grünendahl
Pastor Rolf Schragmann (l.) und Pfarrer Rainer Kaspers bei der Barbarafeier bei HKM in einer geschmückten Kranhalle. Foto: Petra Grünendahl.
Bereits zum 15. Mal öffnete HKM (Hüttenwerke Krupp Mannesmann) sein Tor 1 zum Einlass in die Kranhalle, in der die Barbarafeier im Hüttenheimer Stahlwerk gefeiert wird. Der ökumenische Gottesdienst findet traditionell am 2. Adventssonntag statt und ehrt die Heilige Barbara, Schutzheilige unter anderem der Bergleute und Hüttenwerker (4. Dezember). Neben der Gastpredigt bereicherten den ökumenischen Gottesdienst von Pfarrer Rainer Kaspers und Pastor Rolf Schragmann musikalische Beiträge der musical kids Rheinhausen, der Duisburg Voices (Leitung: Okko Herlyn), vom Jugendensemble des 1. Akkordeon-Orchesters Rheinhausen 1950 e. V. und vom Posaunenchor Großenbaum/Rahm (Leitung: Wolfgang Beckmann) die Veranstaltung. Zum Abschluss lud HKM wie immer im Vorzelt der Halle zu (alkoholfreiem) Glühwein, Weihnachtsplätzchen und Christstollen ein, den die Besucher bei netten Gesprächen genossen.
„Licht bei der Nacht“ mit dem Knappenchor Rheinland und Film-Dokumentation “Was wird bleiben?“ Von Petra Grünendahl
Stellten das Programm zum Kerzenkonzert auf Schacht IV vor (v. l.): Frank Heinrich, Werner Gröll, Alberto Dominguez, Wilfried Scholten, Frank Liebert und Peter Noruschat. Foto: :Petra Grünendahl.
Das Licht untertage ist erloschen, wir haben es über Tage wieder angezündet“, sagte Initiator Frank Heinrich. 1962 war auf Schacht IV „Schicht im Schacht“, 1990 folgte Schacht IX als letzter Schacht der Zeche Rheinpreußen und 1993 beendete die Stilllegung der Pattberg-Schächte den Bergbau in Moers. Als im vergangenen Jahr anlässlich des Endes der deutschen Steinkohlenförderung (Prosper-Haniel in Bottrop) ein solches Kerzenkonzert erstmals auf Schacht IV stattfand, war dies eine sehr emotionale Veranstaltung, was nicht nur an der stimmungsvollen Kerzenbeleuchtung lag: Versammelt hatten sich in der Maschinenhalle ehemalige Bergleute sowie viele Menschen, denen der Bergbau am Herzen liegt. Gänsehaut-Momente und „Pipi inne Augen“ hatten viele beim gemeinsam gesungenen Steigerlied (mit dem Knappenchor) oder am Ende der Film-Dokumentation „Was wird bleiben?“, als einer der ehemaligen Bergleute solo das Steigerlied anstimmte. „Das rief förmlich nach einer Wiederholung“, erklärte Frank Liebert.
In Kooperation mit dem Verein 100 Jahre Kolonie Meerbecke. V. lädt der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e. V. (GMGV) erneut zum Kerzenkonzert in die Fördermaschinenhalle am Schacht IV ein. Frank Heinrich (Schatzmeister des GMGV), Wilfried Scholten (2. Vorsitzender des GMGV), Frank Liebert (Vorsitzender des 100 Jahre Kolonie Meerbeck e. V.) und Peter Noruschat (Vorsitzender des Knappenchores Rheinland) stellten Veranstaltung im Pressegespräch vor. Bergmanns- und weihnachtliches Liedgut stehen auf dem musikalischen Programm. Fördergelder zur Finanzierung haben die Veranstalter aus dem Programm „Soziale Stadt“ von Land, Bund und Stadt Moers über das Stadtteilbüro Meerbeck/Hochstraß bekommen.
Auslauf des deutschen Steinkohlebergbaus am Schacht IV in Moers vom Grafschafter Museum- und Geschichtsverein Moers e.V. mit dem Knappenchor Rheinland. Foto: Knappenchor Rheinland.
Wieder mit Begeisterung an Bord ist auch der Knappenchor Rheinland: „Wir machen das, so lange wir können“, so der Vorsitzende Peter Noruschat. Die (nur noch) 40 Sänger des seit 1932 bestehenden Chores sind schließlich nicht mehr die Jüngsten, Nachwuchs ist schwer zu bekommen (schon gar nicht aus dem Bergbau!). „Mit dem Wahren von Traditionen können wir die Gegenwart mit gestalten“, so Frank Heinrich, dessen Verein das Industriedenkmal über Sommer Sonntagnachmittag für Besucher öffnet: „Ein Ausflugsziel für die ganze Familie!“ – „Wenn Schulklassen für Führungen herkommen, ist das für die immer ein besonderes Erlebnis“, erzählte Frank Liebert. Die ehemaligen Bergleute, die sonst am Schacht IV Führungen machen, stehen zum Kerzenkonzert für Fragen der Besucher bereit. Führungen wird es am Konzert-Abend selber nicht geben: „Alles, was machbar ist geht, aber dafür ist es wohl zu voll“, sagte Alberto Dominguez, einer der Führer auf Schacht IV, der wie alle ehemaligen Bergleute hier ehrenamtlich tätig ist.
Knappenchor Rheinland singt
Schacht IV in Moers. Foto: Petra Grünendahl.
Das Kerzenkonzert findet statt am Samstag, 21. Dezember, um 19 Uhr (Einlass 18 Uhr) auf dem Industriedenkmal Schacht IV an der Zechenstraße 50, 47443 Moers. Die Räume sind nicht beheizt: die Veranstalter empfehlen wärmende Schuhe. Die Dokumentation von Frederik Göke „Was wird bleiben?“ wird dieses Mal nicht in der Maschinenhalle gezeigt, sondern im benachbarten Vorführraum: In dem rund 40-minütigen Film erzählen drei ehemalige Bergleute und eine Verwaltungsmitarbeiterin aus der Region (Moers / Kamp-Lintfort) vom Leben im und mit dem Steinkohlenbergbau. Die separate Vorführung des Films entzerrt die Veranstaltung ein wenig, denn die Veranstalter rechnen mit einem ähnlichen Andrang wie im letzten Jahr. Der Eintritt zum Konzert in der Fördermaschinenhalle und der Vorführung der Dokumentation „Was wird bleiben?“ ist kostenlos.
Den Flyer zur Veranstaltung gibt es hier. Hier geht es zur Vorstellung der DVD zur Film-Dokumention (mit Trailer)
Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e. V.
Schacht IV der Zeche Rheinpreußen in Moers-Hochstraß. Foto: Petra Grünendahl.
Der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e.V. hat es sich mit Gründung 1904 zur Aufgabe gemacht, Geschichte und Kultur der Grafschaft Moers zu schützen und zu erhalten. Neben dem Grafschafter Museum im Schloss Moers gehört auch das Industriedenkmals Rheinpreußen Schacht IV dazu, für das der GMGV nach dessen Stilllegung 1962 erst Ende der 1990er-Jahre die Nutzungsrechte übertragen bekam. Das Nutzungsrecht für den Standort schließt den Erhalt des Industriedenkmals ebenso ein wie die Pflege der Vergangenheit, hat doch der Bergbau die Region massiv geprägt und Moers zu dem gemacht, was es heute ist. Ehrenamtlich führen Mitglieder des GMGV durch die Sammlung und erklären interessierten Besuchern Anlagen und Maschinen sowie die Bergbau-Sammlung, die Vereinsmitglieder hier zusammen getragen haben. Das Industriedenkmal ist von Mai bis Oktober jedem Sonntag von 13 bis 16 Uhr geöffnet. https://gmgv-moers.de/
Tiefer, härter, breiter, schneller:
Aber auchl und sicher! Von Petra Grünendahl
Essen Motor Show 2019. Foto: :Petra Grünendahl.
Mit dem VDAT e. V. (Verband der Automobil Tuner e.V.) engagieren sich seit 2005 Dienste für technische Überwachung, Automobilclubs und andere Akteure für sicheres Tuning im Rahmen des gesetzlich erlaubten. In Essen treffen sie alle Jahre wieder ihr Publikum mit Aufklärung und ihrem Blickfang: einem getunten Polizeifahrzeug. Das neue Kampagnen-Polizeifahrzeug von „Tune it! Safe!“, ein Audi RS4-R, stammt von Abt Tuning aus Kempten (Allgäu). Blickfänge bietet die Essen Motor Show aber auch darüber hinaus reichlich: getunte und gut gestylte Fahrzeuge aller Fahrzeugklassen. Tuning, Motor- und Rennsport, Formel 1 und sportliche Serienfahrzeuge, Designstudien sowie Unikate und Kuriositäten stehen im Fokus der Essen Motor Show, aber auch Werkzeug, Tuningteile und Zubehör locken während der zehntätigen Messe die Besucher. Überhaupt kommen Freunde sportlicher, veredelter und individualisierter Fahrzeuge hier auf ihre Kosten. Breiten Raum gewährt man auch Oldtimern (Classic Cars u. a. im Classic & Prestige Salon), automobilen Kunstwerken und zukunftsweisenden Studien. Die Fans zieht hier das Tuning von größeren Tunern ebenso wie Fahrzeuge privater Tuner, Fahrzeugtechnik, Zubehör und Werkzeuge. Automobilzulieferer der Segmente Reifen, Felgen und Fahrwerk runden das Angebot ab. Raum gibt die Essen Motor Show neben sicherem Tuning auch der Verkehrssicherheit.
Essen Motor Show 2019. Foto: :Petra Grünendahl.
Zum Preview Day durften wir einen ersten Blick auf die 52. Essen Motor Show 2019 werfen. Skoda ist als letzter Autohersteller (Importeur) noch selber mit einem großen Stand vertreten und zeigt sein Hochleistungs-SUV Kodiaq RS mit Biturbo-Aufladung (240 PS), weitere überwiegend sportlich gestylte aktuelle Modelle inklusive Octavia Combi RS60 und Karoq Sportline sowie den Rallye-Bolide Fabia R5. Mit dabei sind aber auch Elektro- oder elektrifizierte Fahrzeuge. Volkswagen zeigt das Elektrorennfahrzeug ID.R und Großserienmodell ID.3 als Beispiel für Wissens- und Technologietransfer zwischen Motorsport und Serienentwicklung. Verschiedene Automarken sind mit regionalen Händlern vertreten. Die Mercedes FanWorld zeigt sportliche Modelle mit dem Stern.
Essen Motor Show 2019. Foto: :Petra Grünendahl.
Freunde der automobilen Individualisierung (auch „Tuning“ genannt), die Schrauber, Bastler und Sammler finden reichlich „Material“ für ihr Hobby. Fahrzeugpflege und Lifestyle-Produkte runden das Angebot ab. Automobile Kunstwerke präsentieren rund 160 private Besitzer aus ganz Europa in der tuningXperience mit einer Sondershow in Halle 1A sowie Halle 3. In Halle 3 zeigt die Essen Motor Show eine Sonderschau mit Rennfahrzeugen, darüber hinaus Fahrzeuge mit Elektroantrieb, Ladesäulen- sowie eAuto- und Mobilitäts-Konzepte. Oldtimer-Fans finden auch (aber nicht nur) sportliche Exemplare sowohl von Händlern als auch private Fahrzeuge überwiegend über Markenclubs, wo sich nicht selten mit den Eigentümern der Fahrzeuge fachsimpeln lässt. Über 500 Aussteller aus 16 Nationen zeigen auf rund 100.000 Quadratmetern Ausstellungsflächen Fahrzeuge, Produkte und Service rund ums Auto. Über 300.000 Besucher werden zu Europas führendem Event für sportliche Fahrzeuge erwartet.
Impressionen von der Essen Motor Show 2019
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Fotos: Petra Grünendahl.
Öffnungszeiten und Preise
Essen Motor Show 2019. Foto: :Petra Grünendahl.
Die Essen Motor Show läuft noch bis Sonntag, 8. Dezember 2018. Geöffnet ist täglich von 10 bis 18 Uhr, am Wochenende von 9 bis 18 Uhr. Die Tageskarte kostet 16 Euro (ermäßigt 13 Euro). Ein Nachmittagsticket (ab 15 Uhr) ist für 10 bzw. 8 Euro zu haben, ein Zwei-Tages-Ticket 28 Euro. An Ticket-Specials gibt es das Girls-Day-Ticket (2. Dezember, nur an der Tageskasse) für 6 Euro sowie das Ticket4You (vier Personen inkl. Parken, nur im Vorverkauf) für 60 Euro. Parken kostet 10 Euro auf den Parkplätzen in unmittelbarer Nähe sowie auf Messeparkplätzen etwas weiter weg (inklusive Shuttle-Service). Die regulären Tagestickets sind im Vorverkauf (online oder Telefon 0201 / 3101-430) günstiger. Weitere Ticket-Variationen und Infos gibt es unter www.essen-motorshow.de. Der Ticket-Vorverkauf läuft über den Ticketservice der Messe Essen .
In die Tiefen der Duisburger Geschichte eintauchen Von Petra Grünendahl
Stadtarchäologe Dr. Kai Thomas Platz und Wirtschaftsdezernent Andree Haack stellen den neuen Band „Dispargum – Jahresberichte der Duisburger Stadtarchäologie“ für das Jahr 2018 vor. Foto: Petra Grünendahl.
„Immer wenn viel gebaut wird, wird viel gegraben“, erklärte Duisburgs Wirtschaftsdezernent Andree Haack. Darüber freue sich die Stadtarchäologie, die vor der Bautätigkeit das Gelände nach Spuren früherer Besiedlung durchsucht. Dabei bringen Fundstücke neue Erkenntnisse über Zeiten aus Duisburgs Geschichte: „Duisburg ist ja nicht erst mit der Industrialisierung entstanden, sondern war im Mittelalter ein reicher Handelsplatz – und Funde weisen auch auf Siedlungen aus römischer Zeit hin“, erzählte der Stadtarchäologe Dr. Kai Thomas Platz. Ein Glücksfall sei, so der Stadtarchäologe, das Rheinniedrigwasser des vergangenen Jahres gewesen: „Im Beeckerwerth haben wir am freigelegten Rheinufer Kalksandstein-Relikte gefunden, unter anderem wohl römischen Ursprungs“, erzählte Platz. Was nicht geborgen wurde, liege heute wieder gut schützt unter Wasser. Drohnen-Fotos haben den Fundort aber gut dokumentiert. „Man muss immer die Augen aufhalten“, so der Archäologe. Manchmal bekomme man auch Hinweise von Duisburgern.
Den dritten Band der Jahresberichte der Duisburger Stadtarchäologie „Dispargum 2018“ stellte Dr. Kai Thomas Platz, Herausgeber der Publikation, zusammen mit dem Beigeordneten Andree Haack vor, zu dessen Dezernat die Untere Denkmalbehörde gehört. Das Buch macht neue Erkenntnisse der Bodendenkmalpflege einem geschichtsinteressierten Publikum bekannt: Hier sind es Ausgrabungen aus dem Jahr 2018, denn die Aufarbeitung der Ergebnisse braucht seine Zeit. Zumal die Arbeiten für das Buch neben der normalen Arbeit der Stadtarchäologie zusätzlich laufen, wie Platz erklärte. Es sei aber, so der Stadtarchäologe, der gesetzliche Auftrag der Stadtarchäologie, ihre Funde und Erkenntnisse einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. „Für diese Publikation werden wir vom nordrhein-westfälischen Heimat- und Bauministerium finanziell unterstützt“, so Platz.
Das Dunkel der Geschichte füllen
Stadtarchäologe Dr. Kai Thomas Platz und Wirtschaftsdezernent Andree Haack stellen den neuen Band „Dispargum – Jahresberichte der Duisburger Stadtarchäologie“ für das Jahr 2018 vor. Foto: Uwe Köppen / Stadt Duisburg.
Wenig Erkenntnisse gebe es bislang aus der Merowinger-Zeit (ca. 5. bis 8. Jahrhundert), bedauerte Dr. Platz. Trotz nachweislicher Besiedlung schon zur Römer-Zeit wurde Duisburg erst 883 mit der Zerstörung der Stadt durch die Wikinger erstmals urkundlich erwähnt. Seiner Lage am Hellweg, einer bereits seit Jahrhunderten existierenden Handels- und Heerstraße, verdankte das mittelalterliche Duisburg seinen Aufstieg und Reichtum. Mit einem Königshof, der Kaiserpfalz, gewann Duisburg auch rechtliche Bedeutung. Überreste dieser Kaiserpfalz würde man wohl unter dem Areal Burgplatz / Rathaus / Salvatorkirche finden, wenn man dort graben könnte.
Neben den neuen Erkenntnissen der Stadtarchäologie enthalten die Jahresbände auch eine Zusammenfassung der stadtarchäologischen Aktivitäten in einem Duisburger Bezirk von etwa 1900 bis 2015 (Aktivitäten ab 2016 sind ja stadtübergreifend in den Jahresbänden verfügbar). Im dritten Band dieser Reihe wird der 3. Bezirk der Stadt, Meiderich-Beeck, dargestellt. Die vielfältigen Beiträge des Buches stammen zum Teil von den Mitarbeitern der Stadtarchäologie (Untere Denkmalbehörde), teilweise aber auch von externen Wissenschaftlern. Sie sind fachlich fundiert, aber auch für den geschichtlich interessierten Amateur gut zu verstehen.
Der dritte Band der Reihe „Dispargum – Jahresberichte der Duisburger Stadtarchäologie“ für das Jahr 2018 ist im Verlag Dr. Faustus erschienen und im lokalen Buchhandel für 35 Euro zu haben (ISBN 978-3-946387-23-7). Auch die beiden ersten Bände (Dispargum 2016 und Dispargum 2017) sind noch verfügbar, müssten dann aber wohl bestellt werden (beide kosten ebenfalls 35 Euro).
Bauamt für Zuwege ebenso wenig zuständig wie für den Veranstaltungsbetrieb auf dem Gelände Von Petra Grünendahl
Juni 2011: Ansichten der Rampe zum alten Güterbahnhof aus dem Jahr 2011. Fotos: Petra Grünendahl.
„Ich habe regelmäßig Bauanträge auf Nutzungsänderungen für Veranstaltungen bearbeitet und genehmigt: Landschaftspark Nord, Stadtwerke, Siemens oder HKM“, zählte der Zeuge B. auf, nachdem ihn der Vorsitzende Richter Mario Plein gefragt hatte, wie viele Großveranstaltungen er schon genehmigt habe. „Dass er gar keine „Veranstaltungen“ genehmige, hat der 65-jährige technische Sachbearbeiter der Unteren Bauaufsicht der Stadt Duisburg nicht hervorgehoben. Unternehmen bzw. Betreiber von Örtlichkeiten müssten eine Nutzungsänderung für ihr Gelände hätten beantragen müssen, wenn sie Veranstaltungen mit mehreren Tausend Leute dort ausrichten wollten. Für Veranstaltungen im Landschaftspark Nord gebe es, so der Zeuge, mittlerweile eine generelle Baugenehmigung. Als Ende März 2010 klar war, dass für die Loveparade eine Genehmigung nach Sonderbau-Verordnung (also Baurecht) nötig war, sei er als Ersatzmann ins Team der Unteren Bauaufsicht gekommen, Ende Mai – nach Erkrankung eines Kollegen – fest in die Thematik eingestiegen.
Der Vorstizende Richter Mario Plein (mitte) mit zwei beisitzenden Richtern beim Loveparade-Strafprozess im Gerichtssaal im Congress Center Düsseldorf. Foto: Lars Heidrich / Funke Foto Services.
Als Zeugen hatte die 6. große Strafkammer des Landgerichts Duisburg einen zweiten Sachbearbeiter der Unteren Bauaufsicht im Amt für Baurecht und Bauberatung der Stadt Duisburg geladen, der für die Bearbeitung der Baugenehmigung mit zuständig war. Der Schwerpunkt seiner Arbeit, so der Bauingenieur und Architekt, habe im Bereich Sonderbauten Industrie im ganzen Stadtgebiet gelegen. Der heute 65-jährige technische Angestellte hatte bis Jahresanfang zu den Angeklagten gehört. Gegen ihn war das Verfahren aber – wie gegen alle damaligen Mitarbeiter der Stadt sowie einen ehemaligen Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent – ohne Auflagen eingestellt worden. Gegen drei Angeklagte wird wegen fahrlässiger Tötung in 21 Fällen und fahrlässiger Körperverletzung weiter verhandelt: Sie waren damals als Mitarbeiter der Lopavent GmbH an den Planungen des Events beteiligt. Der Vorsitzende Richter Mario Plein ließ den Zeugen zunächst erzählen, welche Rolle er im Genehmigungsverfahren spielte, bevor er ihm aus Schriftstücken, Ermittlungsakten sowie Aussagen von Zeugen Sachverhalte vor hielt.
Später Bauantrag und umfassende Nachforderungen
Juni 2011: Ansichten der Rampe zum alten Güterbahnhof aus dem Jahr 2011. Fotos: Petra Grünendahl.
Ab März 2010 sei man bei den schon länger laufenden wöchentlichen Sitzungen der Arbeitgruppe 4 (AG4 Sicherheit) dabei gewesen, erzählte der Zeuge, wo er und seine Kollegen von der Bauaufsicht schauen sollten, „was für unseren Bauantrag relevant sein könnte.“ Der Bauantrag war nötig, weil die Duisburger Veranstaltung nicht – wie frühere Loveparades – im öffentlichen Raum, sondern auf einem eingezäunten Privatgelände statt fand. Trotz mehrfacher Mahnung ging ein formeller Bauantrag erst am 10. Juni 2010, also gut sechs Wochen vor der geplanten Veranstaltung, beim Bauordnungsamt ein. Die Eingangsbestätigung vom 14. Juni sei mit umfassenden Nachforderungen versehen gewesen, vierzehn Tage später seien diese noch einmal angemahnt worden. Zu den Nachforderungen gehörten laut B. das Brandschutzkonzept mit ausreichenden Fluchtwegen für die Besucher.
„Haben Sie sich Gedanken gemacht, wie Leute auf Gelände kommen?“, fragte der Richter nach. „Die Bauordnung fragt nicht, wie Leute aufs Gelände kommen. Wir wollten nicht den Sicherheitsbehörde dazwischen reden: Die mussten das entscheiden!“, so B., der aber auch andeutete, dass von dort durchaus die Ansage gekommen sei, man solle sich um sein Fachgebiet kümmern. „Haben Sie sich Gedanken gemacht, wie die Leute oben an der Rampe an den Floats vorbei aufs Gelände kommen?“, fragte der Richter weiter nach. Der Zeuge darauf: „Wir betrachten von der Bauordnung nur den Brandfall, nicht die Zuwege: Die ist Sache des Betreibers. Es gab die Prämisse: keine Stauungen im Tunnel.“
Das endgültige Sicherheitskonzept von Lopavent sah eine Besuchersteuerung oben auf dem Gelände ebenso vor wie Maßnahmen, die den Besucheransturm drosseln sollten: das Schließen der Vereinzelungsanlagen, das Durchfahren der Züge am Hauptbahnhof. „Wir überprüfen nur, ob sich das finale Konzept – kein Entwurf – konkret auf die geplante Veranstaltung bezieht. Die Plausibilität ist Sache der Sicherheitsbehörden. Wir als Bauordnung können das gar nicht überprüfen.“ Das Sicherheitskonzept sei in einer Sitzung am 15. Juli von allen Beteiligten ohne Bedenken oder Einwände abgenickt worden: Polizei, Bundespolizei, Ordnungsamt und Feuerwehr.
Kernthema war der Brandschutz
Juni 2011: Ansichten der Rampe zum alten Güterbahnhof aus dem Jahr 2011. Fotos: Petra Grünendahl.
„Bei Besprechungen der AG4 haben wir uns sehr zurückgehalten. Das waren Besprechungen von Lopavent mit Polizei, Feuerwehr und Ordnungsamt. Wir haben immer nur nach dem Bauantrag gefragt“, so der 65-Jährige. Erst als der auf Papier vorgelegen habe, habe man in die Prüfung der Unterlagen einsteigen können – und umfangreiche Unterlagen nachgefordert, die der Gesetzgeber für einen solchen Antrag für nötig hielte.
Für das Szenarien-Management war ein Gremium aus Polizei, Bundespolizei, Ordnungsamt und Feuerwehr zuständig – ohne die Bauordnung: „Das wäre nichts für uns, hatte man gesagt“, so B., der klar stellte: „Die Kernfrage der Baugenehmigung war der Brandschutz: Wie können Besucher entfluchtet werden? Für den Betrieb auf der Veranstaltungsfläche oder Zuwege im öffentlichen Raum sind wir nicht zuständig!“ Mit der Bauzustandsbesichtigung – Ortstermin war am Nachmittag des 23. Juli – sei das Baugenehmigungsverfahren beendet gewesen.
Finanzen für 2020 und 2021 festgezurrt Von Petra Grünendahl
Diskussionen vor der Sitzung des Stadtrates. Foto: Petra Grünendahl.
„In meinen 20 Jahren im Rat hat es nie einen so guten und ausgewogenen Haushalt gegeben“, lobte SPD-Fraktionschef Bruno Sagurna den von Kämmerer Martin Murrack vorgelegten Haushalt, der mit nur wenigen Änderungswünschen im Duisburger Stadtrat zu Abstimmung anstand. „Die Schwarze Null ist für uns kein Fetisch, sondern ein Ansatz, unsere finanzpolitische Freiheit zurück zu erlangen“, betonte auch Rainer Enzweiler, Vorsitzender der CDU-Ratsfraktion. In den Etatentwürfen für die Jahre 2020 und 2021 hat die Stadtverwaltung Gelder für „freiwillige Leistungen“ einfließen lassen, die durch die Verringerung von Schulden möglich wurden. Mit einer großen Mehrheit im Rücken, die schon die Zusammenarbeit von SPD und CDU sicherte, konnte Oberbürgermeister Sören Link zuversichtlich in die Tagesordnungspunkte der Abstimmung (TOP 2 bis 8) gehen.
In seiner letzten Sitzung des Jahres verabschiedete der Rat der Stadt Duisburg mit großer Mehrheit den Haushalt für die beiden kommenden Jahre. Die Stadt hat damit wieder Spiel für Investitionen, die nach Jahre langem Sparen mittlerweile insbesondere in der Infrastruktur – Schulen und Kitas sowie Brücken und Straßen stehen hier ganz oben auf der Liste – dringend benötigt werden. Nachdem dieser Auftakt der Tagesordnung mit allen Etatreden und Zusatzanträgen erst nach über drei Stunden abgehakt war, konnten sich die Ratsleute dann weiteren 84 Tagesordnungspunkten (TOP) im öffentlichen Teil sowie 14 TOP im nichtöffentlichen Teil widmen: Die letzte Ratssitzung des Jahres hat es da erfahrungsgemäß in sich, bevor sich die Ratsleute in die Vorweihnachtszeit verabschieden dürfen.
Doppelhaushalt schafft finanzielle Freiheiten
Rathaus am Burgplatz. Foto: Petra Grünendahl.
Für das Jahr 2020 plant die Stadt Duisburg mit 1,984 Mrd. Euro Ausgaben bei 1,993 Mrd. Euro Einnahmen (das macht ein Plus von fast 9 Mio. Euro), für 2021 steigt der Etat auf fast 2,005 Mrd. Euro bei Einnahmen von knappen 2,006 Mrd. Euro (plus 1,5 Mio. Euro). Auch die Fortschreibungen der Finanzplanung bis 2024, in denen die Stadt dann ohne Zahlungen aus dem Stärkungspakt Stadtfinanzen auskommen muss, liegen jeweils bei über 1 Mio. Euro in einem Gesamtetat von knapp über 2 Mrd. Euro. Die Berechnungen setzen allerdings voraus, dass die Zinsen niedrig und die wirtschaftliche Entwicklung positiv bleibt.
Für eine dauerhafte Lösung des Altschulden-Problems, welches viele Kommunen im Ruhrgebiet umtreibt, braucht es allerdings die Mitarbeit von Bund und Land. Zum einen müssten diese endlich Zahlungsverpflichtungen, die sie auf die Kommunen abwälzen, mit einer ausreichenden Finanzierung ausstatten. Zum Zweiten wäre ein Schuldenschnitt sinnvoll, denn viele dieser Altschulden gehen darauf zurück, dass Bund und Land den Städten Kosten aufgedrückt haben (und immer noch tun), für die die Städte sehen mussten, woher sie das Geld kriegen. Neben Schulden machen haben Städte nämlich wenig Möglichkeiten, ihre Einnahmen zu steigern: Ihre einzigen selbst bestimmten Einnahmen generieren sich aus Grund- und Gewerbesteuern, die wiederum die Wettbewerbsfähigkeit im Umland in Konkurrenz zu den Nachbarstädten beeinträchtigen. Eine Neuordnung der Kommunalfinanzierung wäre dringend nötig!
Museum DKM in Duisburg zeigt Architektur-Fotografie von Klaus Kinold Architektur mit den Augen des Fotografen Von Petra Grünendahl
Architektur-Fotograf Klaus Kinold im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.
Überwiegend hat Klaus Kinold (*1939 in Essen) die Fotografien der Ausstellung im Museum DKM in Schwarz-Weiß fotografiert. „Nur wo die Farben von Bedeutung waren, habe ich einen Farbfilm benutzt“, erklärte der Fotograf. Der leicht bedeckte Himmel lässt die Farben gedämpft wirken, die Wiesen mit Gänseblümchen und Löwenzahn heben sich damit nicht allzu deutlich von den Grautönen der Umgebung, von Mauern, Wegen und Treppen ab. Die Fotos von Carlo Scarpas „La Tomba Brion“ in San Vito D-Altivole (Provinz Treviso, Italien) seien alle an einem Tag entstanden, so Kinold. Damals wie heute fotografiert der Wahl-Münchener analog: Mittel- und Großformat-Kameras (9×6 cm bzw. 18×24 cm) kommen zum Einsatz, mit einer aufwändigen Entwicklung von Dias und Negativen im eigenen Haus. Die kleinformatigen Bilder (A2) stammten eingescannt vom eigenen Fotodrucker, erzählte der Künstler. Die Großformate lasse er drucken.
Stellten die Ausstellung im Pressegespräch vor (v. l.): Dirk Krämer, Klaus Kinold und Klaus Maas. Foto: Petra Grünendahl.
Zusammen mit dem Künstler Klaus Kinold stellten Museumsstifter Klaus Maas und Dirk Krämer im Museum DKM die neue Sonderausstellung vor, die nur der Auftakt zu einer Reihe von Kinolds Archtiektur-Fotografien ist. Der venezianische Architekt Scarpa, den Kinold in den 1980er-Jahren als Motiv entdeckt hatte, hatte der Unternehmerfamilie Brion zwischen 1969 und 1976 auf 2.000 Quadratmetern die Familiengrabstätte „La Tomba Brion“ geschaffen. Das Areal der monumentalen Grabanlage grenzt an den dörflichen Friedhof: Mit Pavillon, Kapelle, Wasserbecken und Wiesen. Ein Ort der Ruhe und Meditation – und ein architektonisches Denkmal. Auf einer Reise im Jahr 1985 lichtete Kinold das Gräber-Denkmal ab: „Die Grabstätte hatte damals schon Patina angesetzt, wie sich Scarpa dies vorgestellt hatte, war aber noch nicht in dem heutigen verfallenen Zustand“, erzählte Kinold. Eine Art „Idealzustand zwischen Fertigstellung und Verfall“ nannte es Hans-Michael Koetzle in einem Aussstellungskatalog zu dieser Ausstellung, die zuvor in der Kleinen Pinakothek in München zu sehen war. Gelungen sind Klaus Kinold damit Zeitaufnahmen, die sich so nicht wiederholen lassen. Die Ausstellung eröffnet am Samstag, 23. November, fürs Publikum.
Der Künstler Klaus Kinold
Architektur-Fotograf Klaus Kinold. Foto: Petra Grünendahl.
Nach dem Abitur war der in einer streng katholischen Familie aufgewachsene Kinold zunächst zum Studium nach München gegangen, bevor er an der Technischen Hochschule in Karlsruhe bei Egon Eiermann (Stichwort: alte Horten-Fassade) Architektur studierte. Nebenbei begann er mit der Fotografie, so dass er nach seinem Architektur-Diplom 1968 ein Atelier für Architekturfotografie in München eröffnete, wo er bis heute lebt und arbeitet. Er fotografierte für Architekturzeitschriften und Fachbücher. Als Künstler entdeckt hat ihn der Berliner Galerist Rudolf Kicken. Ausgestellt hat Klaus Kinold seine Werke in Einzel- und Gruppenausstellungen weltweit. Einige seiner Werke befinden sich in Museumsbesitz.
Museum DKM
Architektur-Fotograf Klaus Kinold vor zweien seiner Großformate. Foto: Petra Grünendahl.
Architektur mit dem Auge des Fotografen: Architektur-Fotograf Klaus Kinold im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.
Neben den Fotografien der Grabstätte im Hauptausstellungsraum sind in angrenzenden Räumen Panoramafotografien von Kinolds Reisen nach Venedig und ins Veneto zu sehen. Die Sonderausstellung ist im Museum DKM bis zum 10. Mai 2020 in den Wechselausstellungsräumen im Anbau zu sehen. Regulär geöffnet hat das private Museum DKM der Stifter Klaus Maas und Dirk Krämer an der Güntherstraße 13-15 im Dellviertel samstags, sonntags und an Feiertagen zwischen 12 und 18 Uhr sowie jeden ersten Freitag im Monat ebenfalls zwischen 12 und 18 Uhr*. Montags bis freitags wird ansonsten nur nach Vereinbarung für Gruppen geöffnet*. Der Eintritt kostet 12 Euro (ermäßigt 6 Euro, für Schüler und Studenten bis 28 Jahre), Kinder bis 7 Jahre haben freien Eintritt. Für Gruppen (zw. 10 und 15 Personen) gibt es einen Gruppentarif (10 Euro pro Person) zzgl. einer (kostenpflichtigen) Führung. Eine Jahreskarte** kostet 100 Euro. Die Teilnahme an der Freitagsführung kostet 6 Euro zusätzlich zum Eintritt. Weitere Infos gibt es hier.
*) An folgenden Tagen haben ist grundsätzlich geschlossen: 24. bis 26. Dezember, 31. Dezember und 1. Januar.
**) Nicht übertragbar, berechtigt zum kostenlosen Eintritt während der regulären Öffnungszeiten.
Das Bühnenbild beherrscht ein rostiger Kahn, der den Namen „MS Wodan“ trägt und die alte Weltordnung der Götter symbolisiert, die dem Untergang geweiht ist: Wotans Speer ist zerbrochen, die Weltesche gefällt. Siegfried (Corby Welch) und Brünnhilde (Linda Watson) feiern hier auf dem symbolischen Walkürenfelsen ihre Liebe. Bevor Siegfried zu neuen Heldentaten zieht, tauschen sie Siegfrieds „Ring“ und ihr Pferd „Grane“ als Pfand ihrer Liebe. Siegfried zieht zum Gibichungen-Hof, wo Bösewicht Hagen (Sami Luttinen) seine Halbgeschwister Gunther (Bogdan Baciu) und Gutrune (Sylvia Hamvasi) anstachelt, mit einem Zaubertrank Siegfried an Gutrune zu binden, damit dieser unter seiner Tarnkappe als Gunther Brünnhilde bezwingt.
Hagens Intrige geht auf: Siegfried hat seine Liebesvergangenheit mit Brünnhilde vergessen und „erobert“ die ehemalige Walküre für Gunther. Brünnhilde klagt Siegfried an, als sie mit Gunther als Brautpaar zum Hof zurückkehrt. Siegfrieds „Meineid“ will Brünnhilde rächen: Sie erzählt Hagen von Siegfrieds Schwäche. Hagen verfolgt eigene Ziele, will er doch Siegfrieds Ring zurück, den Hagens Vater Alberich (Stefan Heidemann) geschmiedet hatte und der Macht und Besitz verheißt. Siegfried war immun gegen die Macht des Ringes, so dass Alberichs Fluch an ihm abprallte. Allerdings soll der Ring Siegfried doch den Tod bringen. Ein weiterer Zaubertrank Hagens löst Siegfrieds Gedächtnis, so dass er im Sterben seine Vergangenheit erzählt: Gunther und schließlich Gutrune erfahren die Wahrheit. Brünnhilde reitet mit Grane in Siegfrieds Scheiterhaufen, um mit ihm in den Tod zu gehen, nachdem sie den Ring (und damit das Rheingold) den Rheintöchtern zurück gegeben hat.
Mit der „Götterdämmerung“ aus Richard Wagners Zyklus „Der Ring des Nibelungen“ feierte schließlich die szenische Inszenierung der Deutschen Oper am Rhein ihre viel umjubelte Premiere im Theater Duisburg. Wegen eines Wasserschadens im Theater war die ursprüngliche Aufführung nur konzertant in der Mercatorhalle möglich gewesen. Mit der kompletten Tetralogie, dem „Ring am Rhein“, kam die Inszenierung von Dietrich W. Hilsdorf nun vollständig auf die Duisburger Bühne. Dirigent Axel Kober hatte die Einstudierung von Wagners „Der Ring des Nibelungen“ in der Inszenierung von Dietrich W. Hilsdorf in Düsseldorf und Duisburg initiiert. Kober ist nicht nur Generalmusikdirektor der Deutschen Oper am Rhein sowie der Duisburger Philharmoniker, sondern auch einer der renommiertesten Wagner-Dirigenten, weswegen er einige Male schon für die Bayreuther Festspiele engagiert wurde. An allen vier Opernabenden dirigierte er die hervorragend aufspielenden Duisburger Philharmoniker, die Wagners vielfältige und variantereiche Komposition mit Bravour intonierten.
Dietrich W. Hilsdorfs Interpretation von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ ist militärisch-kriegerisch geprägt, was sich in Bühnenbild-Gestaltung und Kostümen niederschlägt. Das setzten Renate Schmitzer in Kostüme und Dieter Richter in ein Bühnenbild um, welches von Volker Weinhart effektvoll in Szene gesetzt wurde. Die Texte der Opern stammen vom Komponisten: Gesungen wird in deutscher Sprache, deutsche Übertitel erleichtern das Verständnis der Handlung. Die Deutsche Oper am Rhein brachte die Tetralogie innerhalb von sechs Abenden auf die Bühne im Theater Duisburg: Dem zweieinhalbstündigen Vorspiel (ohne Pause) folgten Opernabende von 4¾, 5 und 5½ Stunden (jeweils mit zwei Pausen). In dieser Dichte ist es eine Herausforderung für alle Akteure, die das begeisterte Publikum bei allen Vorstellungen völlig zu Recht mit minutenlangem Pausen- und Schlussapplaus feierte.
Fantastische Aufführung: Der “Ring am Rhein” als Gesamtwerk
Das Rheingold: Kimberley Boettger-Soller (Wellgunde), Iryna Vakula (Floßhilde), Stefan Heidemann (Alberich), Heidi Elisabeth Meier (Woglinde) FOTO: Hans Jörg Michel.
Nachdem die Rheintöchter (Heidi Elisabeth Meier, Maria Hilmes und Anny Harvey) den Zwergen Alberich (Stefan Heidemann) gedemütigt haben, schwört dieser der Liebe ab und kann das Weltherrschaft „verheißende „Rheingold“ entwenden. Gottvater Wotan (James Rutherford) hat von den Riesen Fafner (Lukasz Konieczny) und Fasolt (Bogdan Talos) Walhall bauen lassen, will nun diesen aber nicht die versprochene Bezahlung – seine Schwägerin Freia (Anna Priceva) – überlassen. Er stielt Alberich das Rheingold samt Ring und Tarnhelm, worauf der Zwerg den Ring verflucht. Anstelle von Freia gibt Wotan den Riesen den Gold-Hort samt Tarnkappe und den verfluchten Ring, der sofort seine Wirkung entfaltet: Fafner erschlägt seine Bruder. Wotan zieht mit seiner Frau Fricka (Katarzyna Kuncio) in Walhall ein, sein Verhalten hat aber die Götterwelt erschüttert.
Die Walküre: Daniel Frank (Siegmund), Sarah Ferede (Sieglinde). FOTO: Hans Jörg Michel.
Viele Jahre später setzt die „Walküre“ ein: ein Flüchtender, Siegmund (Michael Weinius), sucht Schutz, welches die Herrin des Hauses, Sieglinde (Sarah Ferede), ihm gewährt. Sie war gegen ihren Willen mit Hunding (Sami Luttinen) verheiratet worden. Sieglinde erkennt in Siegmund den Befreier, den ihr ein Fremder, Wotan (James Rutherford), bei ihrer Hochzeit verheißen hat. Die beiden sind Geschwister, die als Kinder getrennt wurden, ihre Liebe ist Inzest. Hunding verlangt die Bestrafung des Ehebruchs. Wotan bittet seine Tochter, die Walküre Brünnhilde (Linda Watson), Siegfried zu schützen. Fricka, Hüterin von Familie und Ehe, verlangt aber Siegfrieds Tod. Daraufhin befiehlt Wotan seiner Tochter, Hundings Sieg zu sichern. Im Kampf zwischen Siegmund und Hunding zerstört Wotan mit seinem Speer Siegmunds Schwert Nothung. Brünnhilde, die sich Wotans Willen widersetzt hat, flieht mit den Schwertstücken und der schwangeren Sieglinde. Zur Strafe versetzt Wotan Brünnhilde, die Sieglinde allein im Wald zurückgelassen hat, in einen tiefen Schlaf, umgeben von einem Feuerring, den nur ein Held durchschreiten kann, der das Feuer nicht fürchtet.
Sieglindes Sohn „Siegfried“ (Corby Welch) wächst nach dem Tod seiner Mutter beim Zwergen-Schmied Mime (Cornel Frey) auf, Alberichs Bruder. Da der Junge die Furcht nicht kennt, kann er Nothung neu schmieden. Mime will ihn benutzen, den Ring des Nibelungen vom Riesen Fafner zurück zu bekommen. Als Siegfried Fafner besiegt hat, durchschaut er aber die Intrige seines Ziehvaters und erschlägt ihn. Siegfried lässt den Schatz zurück und nimmt nur Ring und Tarnkappe mit sich, ohne deren Bedeutung zu kennen. Auf dem Weg zu Brünnhilde begegnet er seinem Großvater Wotan, der als Wanderer durch die Welt zieht. Mit Nothung zerschlägt der junge Held Wotans Speer und damit die alte Ordnung. Nachdem Durchschreiten des Feuers weckt er Brünnhilde und die beiden feiern ihre Vereinigung: „leuchtende Liebe, lachender Tod“. Letztendlich scheitert jedoch Wagners Held Siegfried an seiner Naivität – „der das Fürchten nicht kennt“ –, was Brünnhilde, die Liebe und Mitgefühl verkörpert gegen Besitz und Macht, als strahlende Heldin in drei der vier Opern umso mehr hervorhebt.
Götterdämmerung: Siegfried (Corby Welch) mit dem Ring des Nibelungen. Foto: Hans Jörg Michel.
Obwohl jede der vier Opern natürlich auch für sich alleine völlig zu Recht bestehen kann, bot sich doch mit dem kompletten Ring-Zyklus die Gelegenheit, den „Ring des Nibelungen“ in seiner Gesamtheit zu erleben, ohne die Fäden der einzelnen Handlungsstränge aus den Augen zu verlieren. Viele Zuschauer waren denn auch an allen vier Abenden im Theater Duisburg zu Besuch, um genau dieses zu genießen. Aber vor allem die szenische Premiere von der „Götterdämmerung“ zog natürlich noch einmal etwas mehr Publikum ins dann tatsächlich voll besetzte Theater Duisburg. Die Zuschauer erlebten fantastische Aufführungen, die die Deutsche Oper am Rhein überwiegend und sehr hervorragend aus eigenen Reihen, aber auch ganz gezielt mit großartigen Gastsängern besetzt hatte. Das Publikum lobte dabei aber auch die konzertante Aufführung der „Götterdämmerung“ in der Mercatorhalle, sofern sie diese erlebt hatten, in höchsten Tönen! In dieser Spielzeit in Düsseldorf und in kommenden Spielzeiten in Duisburg werden Besucher wieder die Gelegenheit bekommen, den kompletten „Ring am Rhein“ zu erleben. Auch wenn sich die Aufführungen in der Woche natürlich für die angestellt arbeitende Bevölkerung schwierig gestalten lässt: Es lohnt sich auf jeden Fall!
Wagner als Revolutionär: Umbruch und Niedergang der alten Ordnung
Das Rheingold: VORNE Katarzyna Kuncio (Fricka), James Rutherford (Wotan) HINTEN Lukasz Konieczny (Fafner). FOTO: Hans Jörg Michel.
Während seiner Zeit als Kapellmeister in Dresden beschäftigte sich Richard Wagner (1813 – 1883) ab 1843 mit deutschen Sagen, der nordischen Edda, der griechischen Mythologie und dem Grals-Mythos. Daraus zog der Dramatiker und Komponist seine Ideen für seine monumentale Tetralogie, die als sein Hauptwerk gilt. Mit Siegfried schuf er den germanischen Helden und freien Menschen, der gegen die alte Weltordnung der Götter kämpfte: Ihre auf Macht und Besitz basierende Welt sollte einer neuen edleren Weltordnung Platz machen. Wagner war ein Anarchist, der die Revolutionen 1848/49 unterstützte und vom Umbruch alter Herrschaftsstrukturen und einem geeinten Deutschland träumte. Noch in Dresden vollendete er 1848 die Dichtung zu „Siegfrieds Tod“, aus der später die „Götterdämmerung“ wurde. Wegen seiner Beteiligung am Dresdner Maiaufstand 1849 floh Richard Wagner in die Schweiz, wo er seine Arbeiten an der Dichtung zum „Ring des Nibelungen“ fortsetzte. Er entwickelte seine Handlung vom Finale aus zurück, weil für den Zuschauer mehr Vorgeschichte nötig war, als er narrativ in der „Götterdämmerung“ verarbeiten konnte. Nach Abschluss der Textarbeiten komponierte Wagner dann ab 1851 die vier Opern vom Rheingold an sukzessive (bis 1874).
Die Walküre: Katharina von Bülow (Grimgerde), Simon Neal (Wotan), Katarzyna Kuncio (Waltraute), Evelyn Krahe (Schwertleite), Linda Watson (Brünnhilde), Jessica Stavros (Gerhilde). FOTO: Hans Jörg Michel.
Konzipiert ist das ganze als mehrtägiges Festspiel (drei Tage und ein Vorabend), für das er in Bayreuth ein Festspielhaus bauen wollte. Wagner unterbrach die Arbeiten an seinem Monumentalwerk immer wieder, weil er Geld brauchte: Kleinere Opern entstanden, die ihm finanziell über die Runden halfen, sein Hauptwerk zu vollenden. Allerdings musste sich Wagner schließlich beim „Rheingold“ und der „Walküre“ dem Willen seines Mäzens König Ludwig II. beugen, die fertigen Opern 1869 und 1870 am Nationaltheater München uraufzuführen. Wagner selber schwebte die Aufführung in einem Festspielhaus vor, welches nach seinen Entwürfen 1872 – 1875 in Bayreuth entstand. Dort feierten dann „Siegfried“ und die „Götterdämmerung“ im August 1876 bei der ersten Komplettaufführung des Rings unter der Leitung von Richard Wagner ihre Uraufführungen.
Ein kleiner Vorgeschmack:
Weitere Termine:
Götterdämmerung: Gutrune (Sylvia Hamvasi), Siegfried (Michael Weinius), Gunther (Bogdan Baciu), Brünnhilde (Linda Watson), Opernchor und Herren des Extrachors, Statisterie. FOTO: Hans Jörg Michel.
Die Walküre, So | 8. Dezember 2019 | 15 Uhr in Düsseldorf, Das Rheingold, Sa | 21. Dezember 2019 | 19:30 Uhr in Düsseldorf und Die Walküre, So | 22. Dezember 2019 | 19:30 Uhr in Düsseldorf.
Den kompletten Ring-Zyklus spielt die Deutsche Oper am Rhein in Düsseldorf vom 7. bis zum 13. April 2020 (innerhalb von sieben Tagen).
Im Theater Duisburg läuft der „Ring am Rhein“ erst in der Spielzeit 2020/21 wieder, bleibt aber im Repertoire für regelmäßige Wiederaufführungen.
Götterdämmerung: Siegfried (Michael Weinius), Brünnhilde (Linda Watson), Gutrune (Sylvia Hamvasi), Gunther (Bogdan Baciu), Opernchor und Herren des Extrachors. FOTO: Hans Jörg Michel.
Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten in Duisburg zwischen 19.00 und 76,00 Euro, in Düsseldorf ist es mit 27,00 bis 106,00 Euro (21,00 bis 96,00 Euro für „Das Rheingold“) teurer. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.
Im Fokus der Baugenehmigung stehen Brandschutz und Entfluchtung Von Petra Grünendahl
Die Rampe zum Loveparade-Gelände nach der Katastrophe. Foto: Petra Grünendahl.
„Zum Bauantrag für eine vorübergehende Nutzungsänderung verlangt der Gesetzgeber für Veranstaltungen über 5.000 Besucher, dass ein Sicherheitskonzept vorgelegt wird“, erklärte der Zeuge G. Baugenehmigungen für eine vorübergehende Nutzungsänderung für Veranstaltungen bearbeite er häufiger, erzählte der Zeuge: „Es sind auch schon mal Großveranstaltungen dabei gewesen mit maximal 4.200 Besuchern in der Kraftzentrale im Landschaftspark Nord oder ein Open-Air-Konzert mit 26.000 Besuchern.“ Aber, so der Zeuge: „Ich genehmige keine Großveranstaltung!“ Eine vorübergehende Nutzungsänderung sei ein Bauantrag wie viele andere auch – und die „Bauherren“ von Lopavent seien da nicht weniger uneinsichtig gewesen als andere: „Die wollen ihr Konzept durch kriegen.“ Sehr lange, so erzählt auch Zeuge G., hätte sich Veranstalter Lopavent und deren Rechtsanwalt gegen den geforderten Bauantrag gewehrt: „Wir bauen doch gar nicht“, hieß es immer. Als dann doch endlich Anfang Juni ein formeller Bauantrag vorlag, war die Liste der Nachforderungen lang: „Lopavent beantragte eine Fristverlängerung, die wir dann auch gewährt haben.“
Der Vorstizende Richter Mario Plein (mitte) mit zwei beisitzenden Richtern beim Loveparade-Strafprozess im Gerichtssaal im Congress Center Düsseldorf. Foto: Lars Heidrich / Funke Foto Services.
Als Zeugen hatte die 6. große Strafkammer des Landgerichts Duisburg einen Sachbearbeiter der Unteren Bauaufsicht im Amt für Baurecht und Bauberatung der Stadt Duisburg geladen, der für die Bearbeitung der Baugenehmigung mit zuständig war. Der heute 57-jährige Bauingenieur hatte bis Jahresanfang zu den Angeklagten gehört. Gegen ihn war das Verfahren aber – wie gegen alle damaligen Mitarbeiter der Stadt sowie einen ehemaligen Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent – ohne Auflagen eingestellt worden. Gegen drei Angeklagte wird wegen fahrlässiger Tötung in 21 Fällen und fahrlässiger Körperverletzung weiter verhandelt: Sie waren damals als Mitarbeiter der Lopavent GmbH an den Planungen des Events beteiligt. Der Vorsitzende Richter Mario Plein ließ den Zeugen zunächst erzählen, welche Rolle er im Genehmigungsverfahren spielte, bevor er ihm aus Schriftstücken, Ermittlungsakten sowie Aussagen anderer Zeugen Sachverhalte vor hielt.
Gesetzgeber regelt Auflagen für Bauantrag
August 2011: Ansichten der Rampe zum alten Güterbahnhof aus dem Jahr 2011. Fotos: Petra Grünendahl.
Kernpunkt der Diskussionen mit dem Veranstalter seien ein Brandschutzkonzept mit ausreichenden Breiten an Rettungswegen zur Entfluchtung des Party-Geländes gewesen, erzählte der Bauingenieur, der in seinem Sachgebiet Sonderbauten auch Bauanträge für eine vorübergehende Nutzungsänderung bearbeitet und – wenn alle gesetzlichen Auflagen erfüllt sind – genehmigt. Hier habe Lopavent Zugeständnisse verlangt, die mit der Bauaufsicht nicht zu machen waren, wie der Zeuge erklärte. Brandschutz und Rettungswege seien Kernpunkte dessen, was der Gesetzgeber für eine vorübergehende Nutzungsänderung als Versammlungsstätte verlange, sagte der Zeuge. Zur Klärung über ausreichende Rettungswege wurde schließlich von der Firma TraffGo eine Entfluchtungsanalyse erstellt, die Prof. Michael Schreckenberg dann im Auftrag der Stadt begutachtet hatte. Solche Gutachten ebenso wie eine Überprüfung der Statik – beim verdichteten Untergrund ebenso wie bei der Standfestigkeit der Zäune – kann die Bauordnung nicht selber überprüfen. Dafür werden externe Gutachter mit dem entsprechenden Fachwissen geholt.
Gleiches gelte für das Sicherheitskonzept, hob der 57-Jährige, der seit 1990 im Bauamt der Stadt Duisburg arbeitet, hervor: „Wir brauchen für die Genehmigung des Bauantrages ein Sicherheitskonzept: keinen Entwurf, sondern in finales Konzept. Wir müssen aber nur wissen, dass es eins gibt, welches mit den Sicherheitsbehörden abgestimmt wurde, und dass es inhaltlich nicht baurechtlichen Anforderungen entgegen steht.“ Eine fachliche Überprüfung ist nicht Sache der Bauordnung, die über keinerlei Kompetenzen in der Veranstaltungsplanung verfügt: „Der Veranstalter führt in seinem Konzept Maßnahmen zur gezielten Steuerung von Besucherströmen auf, die wir nicht überprüfen können.“ Welche Auflagen für die Genehmigung des Bauantrags erfüllt werden müssen, hat der Gesetzgeber – hier das Land NRW – in der Sonderbau-Verordnung geregelt: „Wir haben beispielsweise die Installation von Vereinzelungsanlagen und Maßnahmen zur Besucherzählung vorgeschrieben, sind aber fachlich nicht dafür zuständig, was wo und wie aufgestellt werden.“
“Wir haben keine Großveranstaltung genehmigt“
Die neu gestaltete Gedenkstätte für die Opfer der Loveparade 2010 ist fertig: Püntlich kurz vor dem dritten Jahrestag. Foto: Petra Grünendahl.
Die Zuständigkeit der Bauaufsicht habe sich rein auf das Veranstaltungsgelände bezogen: „Unsere baurechtliche Zuständigkeit endet an den Grenzen des Veranstaltungsgeländes, welches der Bauherr in seinem Antrag festlegt.“ Das Veranstaltungsgelände ging bis zum unteren Ende der Rampe: dahinter – ab dem Bürgersteig – begann der öffentliche Raum. An der Arbeitsgruppe 4 (AG4 Sicherheit) durfte die Bauaufsicht ab der dritten Sitzung teilnehmen, bei einem „Szenarien-Workshop“ allerdings nicht. Die Bauaufsicht habe an diesen Sitzungen der AG4 nur zuhören sollen, ob baurechtlich relevante Dinge besprochen wurden. Nachfragen eines Mitarbeiters der Bauordnung nach der „Tunnelproblematik“ – also den Zuwegen zum Gelände – wurden abgebügelt. „Unser Thema war die Entfluchtungsproblematik, die in der Sonderbau-Verordnung verlangt wird“, betonte der Zeuge noch einmal die Prioritäten des Gesetzgebers.
Bei einem Ortstermin auf dem alten Güterbahnhofsgelände am Vortag der Loveparade (23. Juli 2010) händigten die Mitarbeiter die Baugenehmigung aus, stellten aber noch ein paar leichte Mängel fest, die bis abends beseitigt werden sollten. Das waren sie auch bis zum abendlichen Kontrollgang: „Allerdings gab es dann neue Mängel, die bis zum nächsten Vormittag behoben werden sollten. Der Ordnungsamtsleiter hatte sich bereit erklärt, dies am nächsten Tag zu überprüfen, – und damit war unsere Aufgabe erledigt.“
Duisburgs Alt-Oberbürgermeister Josef Krings im Dezember 2011 bei einer Pressekonferenz des Abwahl-Bündnisses. Foto: Petra Grünendahl.
Mit dem Mopped ist „Jupp“ Krings damals von seiner Realschule zum Arbeitskampf streikender Stahlarbeiter auf die „Brücke der Solidarität“ gefahren. In Mülheim-Broich war der ehrenamtlich tätige Duisburger Oberbürgermeister (1975 – 1997) Lehrer für Deutsch und Geschichte sowie Direktor gewesen als die Stahlarbeiter in Rheinhausen um den Erhalt des Hüttenwerkes kämpften. Die Arbeitsplätze waren dem Sozialdemokraten – wie soziale Belange überhaupt – sehr wichtig. Einen gewaltigen Strukturwandel weg von Kohle und Stahl galt es in der Montan-Stadt zu bewältigen, der bis heute noch nicht ganz abgeschlossen ist. Den Umbau des Duisburger Hafens trieb Krings frühzeitig mit an. Daneben setzte er sich aber auch für die Kultur ein: Die Gründung der Duisburger Universität (heute: Universität Duisburg-Essen UDE) lag ihm ebenso am Herzen wie die Deutsche Oper am Rhein, wo er lange im Verwaltungsrat tätig war. Der Duisburger Alt-OB machte Politik für den Menschen: Im Stadtrat, im Landtag, als Oberbürgermeister und darüber hinaus als moralische Instanz seiner Partei und der Stadt. Seine Politik machte er für die Menschen in Duisburg, das lag ihm am Herzen.
Alt-Oberbürgermeister Josef „Jupp“ Krings (*21. Oktober 1926) starb jetzt im Alter von 93 Jahren. In seinen 22 Jahren als Oberbürgermeister prägte er unsere Stadt nachhaltig und blickte dabei auch immer über Duisburg hinaus. Auch als er mit 70 Jahren aus dem Amt des Oberbürgermeisters ausschied, blieb Krings in der Öffentlichkeit und den Geschicken Duisburgs verbunden: Nach der Loveparade-Katastrophe war er den Duisburgern die versöhnliche Stimme, die sie aus dem Rathaus nicht hörten. Zahlreiche Ehrungen waren ihm im Laufe der Jahre nicht nur in Duisburg zuteil geworden. Dazu zählten unter anderem der Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen, der Bürgerpreis des Wanheimerorter Bürgervereins von 1874 e. V. oder das Bürgerehrenwappen des Verbandes Duisburger Bürgervereine e. V. Die UDE ernannte ihn zum Ehrensenator, die Deutsche Oper am Rhein zum Ehrenmitglied und die Duisburger Prinzengarde zum Ehrenoffizier, was Josef Krings’ vielfältiges Engagement in unserer Stadt, aber auch seine Anerkennung in der Stadtgesellschaft eindruckvoll widerspiegelt. Eine Duisburger „Institution“ ist gegangen: Er wird uns fehlen!
Den Struwwelpeter kennt man aus seinen Kindertagen. Auch mit Paulinchen, dem Suppenkasper, Zappel-Philipp oder Hanns Guck-in-die-Luft sind Kinder hierzulande groß geworden. Der Arzt Dr. Heinrich Hoffmann hatte die Geschichten 1844 für seine Kinder als Erziehungslektüre zu Papier gebracht, da ihm die zeitgenössische Literatur der Biedermeierzeit nicht zur Kindererziehung förderlich schien. Zum erstmals überhaupt erzählte hier ein Bilderbuch Geschichten gezielt für Kinder. Außerdem nutzte Hoffmann eine neue reduzierte und karikierende Bildsprache, die sich von den biedermeierlichen Sehgewohnheiten stark abhob. Mit seinem erzählenden Bilderbuch erschuf er ein Werk, das seine Leser bis heute fasziniert und zugleich erschaudern lässt. Das Buch von Heinrich Hoffmann inspiriert seit 175 Jahren Künstler zu eigenen Varianten dieses Klassikers, der unter dem Stichwort der schwarzen Pädagogik mitunter auch kritisch gesehen wurde.
Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.
Schloss Oberhausen vom Gasometer aus. Foto: Ludwiggalerie.
Was aus dem Urstruwwelpeter wurde und was DarthVader oder MarkTwain damit zu tun haben, können Besucher in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen unter dem Titel „Zwischen Faszination und Kinderschreck von Hoffmann bis Böhmermann“ entdecken. Überall lassen sich der Struwwelpeter, aber auch Paulinchen, Konrad, Hanns und Friederich wiederfinden – mal auf den ersten Blick, mal nach intensiver Betrachtung. Die Bildthemen sind bis heute hochaktuell und teilweise politisch. Das ist zum Beispiel Hoffmanns „Geschichte von den schwarzen Buben“, in der der große Nikolas die fremdenfeindlichen Buben zur Strafe in ein großes Tintenfass taucht. 2013 thematisiert Luise Bofinger den in dieser Geschichte dargestellten Rassismus eindringlich und mit unmissverständlicher Botschaft. Auch Manfred Boringer, Anke Kuhl, David Füleki oder Hans Witte haben Hoffmanns Geschichte neu gestaltet und modern interpretiert. Mehr als 200 Zeichnungen, Illustrationen, Gemälde, Bücher und Objekte unter anderem aus der facettenreichen und internationalen Sammlung Sauer veranschaulichen die Geschichte und Entwicklung des Themas.
Eintritt und Öffnungszeiten
Plakat zur Ausstellung mit den Variationen des Struwwelpeter und anderer Geschichten von Heinrich Hoffmann. Grafik: Ludwiggalerie.
Die Ausstellung läuft noch bis zum 12. Januar 2020. Die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen ist eines der zwanzig RuhrKunstMuseen. Das Museum an der Konrad-Adenauer-Allee 46 in 46049 Oberhausen ist dienstags bis sonntags zwischen 11 und 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 8 Euro (ermäßigt 4 Euro), Familien (zwei Erwachsene plus Kinder) zahlen 12 Euro. Öffentliche Führungen gibt es an Sonn- und Feiertagen um 11.30 Uhr. Zur Ausstellung ist ein Katalog im Kerber Verlag erschienen, herausgegeben von den Kuratorinnen Linda Schmitz und Christine Vogt (128 Seiten, 29,80 Euro). Nähere Informationen zu dem die Ausstellung begleitenden museumspädagogischen Angebot und zum Rahmenprogramm gibt es unter www.ludwiggalerie.de.
Simon Schwartz erzählt Geschichte(n) in starken Bildern
Im Kleinen Schloss zeigt die Ludwiggalerie bis zum 19. Januar 2020 die Ausstellung „Simon Schwartz – Geschichtsbilder. Comics & GraphicNovels“. Sein Debüt „drüben!“ mit der autobiografischen Erzählung der Ausreise seiner Eltern aus der DDR 1984 hat Simon Schwartz (*5. Oktober 1982) bekannt gemacht. Danach hat er sich auch anderen historischen Themen gewidmet, Hintergründe recherchiert und diese zeichnerisch erkundet und zu Geschichten aufgearbeitet. Mit seiner Bildererzählung zum Fall der Mauer und der Wende griff Schwartz noch einmal seine familiären Wurzeln auf. Seine „Geschichtsbilder“ leben von eindringlicher Sprache und eindrücklichen Bildern. Schwartz gehört zu den wichtigsten Zeichnern und Autoren seiner Generation. Geschichten mit historischem Hintergrund gehören ebenso zu seinen Spezialitäten wie das Erzählen auf einer Seite. Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Kunstmuseum in Erfurt, dem Geburtsort von Simon Schwartz. Zu erreichen ist das Kleine Schloss über den Zugang im Museums-Shop. Der Eintritt ist frei. Auch hier ist zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen: Im avant-verlag mit Texten von Andreas Platthaus, Christine Vogt und Jochen Voit (136 Seiten, 29,00 Euro).
Gegensätzlichkeit von Farben:
Von Meditation und Temperatment Von Petra Grünendahl
Farbe absolut: Kathrina Grosse (l.) und Gotthard Graubner (r.) im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.
Wie behäbige Farbkörper wirken die aufgepolsterten Leinwand-Malereien von Gotthard Graubner (1930-2013): Mit ihrem Verzicht auf Gegenständlichkeit strahlen sie Ruhe und Gelassenheit aus. Völlig anders verhalten sich die eruptiven Farblandschaften von Katharina Grosse (*1961). Der Zuschauer ist gefordert, jede Komposition in ihrer einzigartigen Aussage wahrzunehmen, dabei aber auch den Dialog der fast gegensätzlichen Stile zu erfassen. Die Körperlosigkeit und Transparenz von Katharina Grosses Farben strotzenden Werken verdeutlicht ganz besonders das größte Exponat der Schau: eine fast 17 Meter breite Tuch-Installation, die an der Decke mit Abstand von der Wand angebracht wurde, damit der Betrachter „hinter die Kulissen“ des bis weit auf den Boden ausgebreiteten Werks schauen kann.
Im Pressegespräch stellten (v. l.) Katharina Grosse, Museumsdirketor Prof. Dr. h. c. Walter Smerling und Kuratorin Dr. Eva Schmidt die Ausstellung „Farbe absolut“ im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst vor. Foto: Petra Grünendahl.
Im Museum Küppersmühle für Moderne Kunst stellte Museumsdirektor Walter Smerling im Pressegespräch zusammen mit der Kuratorin Dr. Eva Schmidt und der Künstlerin Katharina Grosse die Doppel-Werkschau vor: „Farbe absolut“ zeigt Werke der Künstler Katharina Grosse und Gotthard Graubner. Katharina Grosse ist im Ruhrgebiet aufgewachsen, hat unter anderem an der Kunstakademie Düsseldorf bei Gotthard Graubner studiert und sich mit seinen Arbeiten auseinander gesetzt. Heute lehrt Grosse selber in Düsseldorf, lebt und arbeitet aber überwiegend in Berlin. Im Eingangsbereich stehen sich noch die eher kleinformatigen Frühwerke der beiden Künstler gegenüber, bevor es zu den reiferen Werken in größere Dimensionen übergeht. Vor allem diese Großformate kommen in den hohen und großzügig dimensionierten Ausstellungshallen besonders gut zur Geltung.
Exemplarische Gegenüberstellungen
Farbe absolut: Gotthard Graubner im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.
Die üppigen Farben sind gemeinsame Grundlage, die der Ausstellung ihren Namen – „Farbe absolut“ – gegeben haben. Daraus haben beide Künstler eine eigene Sprache und Formen der Darstellung entwickelt, die sich in den Sälen des Wechselausstellungsbereichs im Dialog gegenüber stehen. „Die Werke laden sich gegenseitig auf“, beschrieb Museumsdirektor Smerling seinen Eindruck. „Sie kommunizieren miteinander.“ Katharina Grosse beschrieb ihre Auseinandersetzung mit Farbe so: „Sie ist Material und Wert zugleich.“ Wofür es im Deutschen nur einen Begriff gebe, unterscheide man im Englischen „paint“ und „color“. Zum mehrmaligen Ansehen eigne sich die Werkschau mit ihrem Dialog von Künstlerpositionen ganz besonders, merkte Walter Smerling an: „Ich gehe seit zehn Tagen täglich hier durch und finde immer wieder etwas Neues.“
Farbe absolut: Katharina Grosse im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.
Die Ausstellung „Farbe absolut“ der Stiftung für Kunst und Kultur e. V. (Träger des Museums) unterstützt als Hauptsponsor die National-Bank AG. Zur Ausstellung ist ein umfassender, reich bebilderter Katalog erschienen, mit einem Essay von der Kuratorin Dr. Eva Schmidt und einem Gespräch mit Katharina Grosse (geführt von Corinne Diserens). Der 152-seitige Band (Winand Verlag Köln) ist als Museumsausgabe für 30 Euro zu haben. Zu beziehen ist er außer an der Museumskasse auch im lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-86832-541-6).
Impressionen aus der Ausstellung „Farbe absolut“. Fotos: Petra Grünendahl
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Museum Küppersmühle:
Duisburger haben donnerstags freien Eintritt
Farbe absolut: Katharina Grosse im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.
Die Ausstellung „Farbe absolut“ mit Werken von Katahrina Grosse und Gotthard Graubner ist bis zum 26. Januar 2020 in den Erdgeschossräumen des Museums zu sehen. Das Museum Küppersmühle findet man im Innenhafen am Philosophenweg 55 (Haupteingang). Mittwochs ist das Museum von 14 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis sonntags sowie feiertags von 11 bis 18 Uhr. Montags und dienstags ist Ruhetag. Der Eintritt kostet nur für die Wechselausstellungen 6 Euro, für das gesamte Haus (inkl. Wechselausstellung) 9 Euro. Ermäßigt sowie bei Gruppen ab 10 Personen zahlt man pro Person 4,50 Euro, Kinder und Schüler über sechs Jahren zahlen 2 Euro. Kinder unter sechs Jahren haben freien Eintritt, ebenso donnerstags alle Duisburger (gegen Vorlage des Personalausweises). Das MKM ist Partner der Ruhrkultur.Card und des DB Bonusprogramms. Alle Ausstellungsräume des Museums sind auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich. Offene Führungen durch die Sammlung sowie durch laufende Ausstellungen gibt es jeden Sonntag um 15 Uhr, aber auch nach Vereinbarung. Zur Ausstellung wird es wieder ein reichhaltiges Begleitprogramm geben. Informationen gibt es unter https://www.museum-kueppersmuehle.de). Fortgeführt wird in diesem Rahmen auch das Format „Kunst trifft …“ mit einem Termin am 15. November (mit Katharina Grosse) sowie einem im Januar.
Zuwegsproblematik: Besucherströme kein Teil der Baugenehmigung Von Petra Grünendahl
Aus Platzgründen findet das Strafverfahren gegen vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent und sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg im CongressCenter der Messe Düsseldorf (CCD) statt. Foto: Petra Grünendahl.
„Anfang Februar 2010 stand das Gelände des alten Güterbahnhofs als Veranstaltungsfläche fest. Ab März wurden wir dann in die schon lange laufenden Planungen einbezogen, weil der eingezäunte Veranstaltungsbereich eine Baugenehmigung erforderte“, erzählte der Zeuge J. „Unsere Forderung nach einem Bauantrag war vom Veranstalter bzw. deren Anwälten immer wieder abgewehrt worden: ‚Wir bauen doch gar nicht’, sagten sie.“ Und: „Wir werden Anregungen in die Besprechungen rein gegeben haben, konnten aber ohne Bauantrag noch nichts tun“, meinte J. Ende April habe er das erste Mal an einer Arbeitsgruppensitzung teilgenommen, wo er erwartete Besucherzahlen infrage gestellt habe: „Ich habe angemerkt, dass wir in der Baugenehmigung Obergrenze für Besucherzahlen festlegen müssen.“ Damals waren – mit zwei Personen je Quadratmeter – rund 180.000 Besucher gleichzeitig im Gespräch. Erst Anfang Juni habe dann ein Bauantrag vorgelegen, dessen Eingang mit umfangreichen Nachforderungen für Unterlagen an den Bauherren, Loveparade-Veranstalter Lopavent GmbH, bestätigt wurde.
Der Vorstizende Richter Mario Plein (mitte) mit zwei beisitzenden Richtern beim Loveparade-Strafprozess im Gerichtssaal im Congress Center Düsseldorf. Foto: Lars Heidrich / Funke Foto Services.
Als Zeugen hatte die 6. große Strafkammer des Landgerichts Duisburg den Sachgebietsleiter der Unteren Bauaufsicht im Amt für Baurecht und Bauberatung der Stadt Duisburg geladen, der für die Bearbeitung des Genehmigungsverfahrens zuständig war. Der heute 57-jährige Technische Angestellte hatte bis Jahresanfang zu den Angeklagten gehört. Gegen ihn war das Verfahren aber – wie gegen alle damaligen Mitarbeiter der Stadt sowie einen ehemaligen Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent – ohne Auflagen eingestellt worden. Gegen drei Angeklagte wird wegen fahrlässiger Tötung in 21 Fällen und fahrlässiger Körperverletzung weiter verhandelt: Sie waren damals als Mitarbeiter der Lopavent GmbH an den Planungen des Events beteiligt. Der Vorsitzende Richter Mario Plein ließ den Zeugen zunächst erzählen, welche Rolle er im Genehmigungsverfahren spielte, bevor er ihm aus Schriftstücken, Ermittlungsakten sowie Aussagen anderer Zeugen Sachverhalte vor hielt.
Spätem Bauantrag mussten umfangreiche Unterlagen nachgereicht werden
Achter Jahrestag der Loveparade-Katastrophe: Nacht der 1.000 Lichter an der Gedenkstätte. Foto: Petra Grünendahl.
Nachdem die Loveparade 2010 in Duisburg auf einem eingezäunten Privatgelände stattfinden sollte, war statt einer ordnungsrechtlichen Verfügung (Veranstaltungsgenehmigung) eine Baugenehmigung nötig. Die Bauaufsicht wurde dafür erst spät in die schon seit vielen Monaten laufenden Veranstaltungsplanungen einbezogen. Wobei „einbezogen“ – wenn man den bisherigen Aussagen von Mitarbeitern des Bauordnungsamtes glauben darf – nicht das richtige Wort ist: Man erwartete von ihnen eine Genehmigung, ohne dass man sich klar war, was die Bauordnung zu prüfen hatte. „Die Versammlungsstätten-Verordnung ist nicht auf Großveranstaltungen ausgerichtet, konnte also nicht 1:1 umgesetzt werden“, so Zeuge J. Zumal er einräumte, dass die Auflagen für Veranstalter dann unerfüllbar seien. Die Verordnung beziehe sich auf Räume und wäre auch von daher im Freien nicht umzusetzen: Sprinkleranlagen nannte er als Beispiel. Die vom Gesetzgeber geforderte Fluchtwegbreite sollte deshalb im Freien durch eine Entfluchtungsanalyse ersetzt werden, so J.
Genehmigt wurde die Nutzungsänderung des Partygeländes, ohne die dort keine Veranstaltung hätte stattfinden dürfen. Besagte Genehmigung war, wie auch J. in seinen Aussagen immer wieder deutlich machte, eine Baugenehmigung. Dafür gibt es in Land NRW die Versammlungsstättenverordnung*, nach der der Bauantrag genehmigt werden muss, wenn die vom Gesetzgeber geforderten Auflagen erfüllt sind. Zu diesen Auflagen zählen zum Beispiel die Beschaffenheit des Untergrundes, der von den Besuchern gefahrlos zu nutzen sein muss, eine Obergrenze für Besucher sowie Fluchtwege (Brandschutzkonzept). „Das Bauordnungsamt plant keine Veranstaltung!“, machte auch J. im Zeugenstand deutlich. Und: „Besucherströme gehören nicht zur Baugenehmigung“, erklärte J. Das gelte für die Zuwege zum Gelände ebenso wie Bewegungen auf dem Gelände: „Das war Sache des Veranstalters, der uns erklärte wie auf dem Gelände die Besuchersteuerung laufen sollte.“
Die baugenehmigungspflichtige Fläche habe unten an der Rampe begonnen: „Das legt der Veranstalter in seinem Bauantrag so fest“, so der Zeuge. Laut Landesbauordnung seien öffentliche Straßen keine Zuständigkeit der Bauordnung, merkte er an. Eine einzige vom Gesetzgeber vorgesehene Verfügung ging über das Veranstaltungsgelände hinaus. Wegen der Besucherobergrenze, so erzählte J., habe man die Zählung der Besucher verlangt: „Der Veranstalter sollte uns zusichern, dass er zählt. Das war nötig, um das Gelände bei zu vielen Besuchern vorübergehend schließen zu können.“ Letztendlich wollten wohl Veranstalter, Ordnungsamt und Polizei zählen.
Bauaufsicht sollte nur genehmignen
August 2011: Ansichten der Rampe zum alten Güterbahnhof aus dem Jahr 2011. Fotos: Petra Grünendahl.
So sehr man sich unter der Koordination des Ordnungsdezernats in den Arbeitsgruppen mit Sicherheitskräften, Ordnungsamt und Veranstalter um eine Verzahnung der sicherheitsrelevanten Akteure bemühte: Die Bauaufsicht blieb weitgehend außen vor. Als der Gutachter Prof. Schreckenberg auf die Tunnelproblematik** hingewiesen habe, hätte ihn vielmehr der damalige stellvertretende Feuerwehrchef auf seine Nachfrage zurechtgewiesen, er solle sich nur um seine Zuständigkeiten kümmern, gab der Zeuge zur Kenntnis.
Die Baugenehmigung habe er am Nachmittag des 23. Juli bei einer Begehung des Geländes ausgehändigt, erzählte J. Letzte kleinere Mängel hätten bis abends beseitigt sein sollen: „Der Veranstalter hat sich das sehr bemüht, die Mängel zu beheben“, so der Zeuge. Was trotzdem noch beanstandet wurde, sollte bis Samstagmorgen behoben sein. Ordnungsamtsleiter Bölling wollte dies am Morgen noch einmal überprüfen. Die Arbeit des Bauordnungsamtes war mit Aushändigung der Baugenehmigung abgeschlossen.
*) Sonderbauverordnung Teil I: Versammlungsstätten
**) Die „Tunnelproblematik“ war auch nicht Teil von Schreckenbergs Gutachten, hatte dieser doch nur die Entfluchtungsanalyse zu begutachten.
Der Weiße Riese fällt durch die Sprengung in sich zusammen. Foto: Petra Grünendahl.
Der erste Weiße Riese wurde im März 2019 gesprengt. Zwei weitere Hochhäuser werden noch folgen. Die im Zuge der Rückbauarbeiten freiwerdenden Flächen werden als parkähnliche Grünflächen ausgebaut, um die Aufenthaltsqualität im Quartier zu erhöhen. Zusammen mit den Bürgern und der Politik sollen Leitbilder sowie funktionale und gestalterische Ziele für die Entwicklung des gesamten Plangebietes entwickelt werden. Im Rahmen unterschiedlichster Beteiligungsangebote wird den Bürgern die Möglichkeit gegeben, ihre Wünsche und Anregungen in den Planungsprozess einzubringen. Besonderes Augenmerk liegt auf den Bereichen „Neuer Quartierspark“, „Ladenstadt“, Moerser- und Kirchstraße. Darüber hinaus können auch Vorschläge für die Namenswahl der neu geplanten Parkanlage eingereicht werden.
Die Reste des gesprengten Weißen Riesen in Homberg-Hochheide. Foto: Petra Grünendahl.
Bürger sind dazu eingeladen, am Dienstag, 29. Oktober, von 16.30 bis 18.30 Uhr und am Mittwoch, 30. Oktober, von 10 bis 12 Uhr an Spaziergängen durch das Quartier teilzunehmen. Treffpunkt ist das Quartiersbüro Hochheide auf der Moerser Straße 245. Das mit der Erstellung des Rahmenplans beauftragte Büro KRAFT.RAUM. wird gemeinsam mit den Teilnehmern durch das Quartier gehen und Anregungen sowie Vorschläge entgegennehmen. Die Spaziergänge führen durch den gesamten Betrachtungsbereich des Rahmenplans. Ferner besteht die Möglichkeit, sich morgen und am Samstag, 26. Oktober von 8 bis 13 Uhr am Informationsstand auf dem Wochenmarkt in Hochheide zur Planung zu erkundigen und Anregungen und Wünsche zu äußern.
Auf der Internetseite www.duisburg.de/weisseriesen besteht zudem von Donnerstag, 31. Oktober bis Donnerstag, 14. November, die Möglichkeit, an einer Online-Befragung teilzunehmen und Ideen sowie Vorschläge für die Neugestaltung der Freianlagen im gesamten Quartier einzureichen. Die Online-Beteiligung ist auch auf Englisch verfügbar.
Darüber hinaus steht das Quartiersbüro Hochheide zu den Öffnungszeiten (Dienstag 14 bis 16 Uhr, Mittwoch 9 bis 12 Uhr, Donnerstag 16 bis 18 Uhr) zur Verfügung. Die eingebrachten Anregungen und Wünsche werden in einer Ergebnispräsentation zusammengefasst, die im Quartiersbüro Hochheide bis Ende November 2019 ausgestellt wird. Stadt Duisburg Fotos: Petra Grünendahl
Ruhr-IHKs fordern deutliche Impulse bei Regionalplan und Ruhrkonferenz Von Petra Grünendahl
Stellten den aktuellen Konjunkturbericht zur Lage der Ruhrwirtschaft vor (v. l.): Stefan Schreiber, Burkhard Landers, Veronika Lühl und Dr. Stefan Dietzfelbinger. Foto: Petra Grünendahl.
„Handelsbeschränkungen und Protektionismus sind Gift für die Wirtschaft“, erklärte Burkhard Landers, Präsident der Niederrheinischen IHK. Das gelte auch für Erwartungen für die künftige Entwicklung, die der Brexit ebenso dämpfen wie die US-Handelssanktionen. „Die schwachen Exporterwartungen schlagen bei der Industrie besonders negativ zu Buche“, ergänzte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Stefan Dietzfelbinger. Bereits im Abschwung seien Metall- und Maschinenbau. Auch Chemie- und Pharmaunternehmen blickten mit Sorge in die Zukunft. Gut laufe es hingegen noch bei der Bauindustrie: Öffentliche Aufträge zur Sanierung der Infrastruktur ebenso wie das niedrige Zinsniveau machen vieles möglich. „38 Prozent der Unternehmen beschreiben ihre Geschäfts als ‚gut’“, so Landers. Das seien aber deutlich weniger als zu Jahresbeginn (48 Prozent). Der Konjunkturklimaindex der Ruhr-IHKs sank von 126 auf 110 Punkte. Angesichts einer vergleichsweise guten Beschäftigungslage profitieren immerhin Handel und Dienstleistungen noch von der Kauflaune der Konsumenten. Hier halten sich Optimisten und Pessimisten (noch) die Waage.
Den Konjunkturbericht „Lage der Ruhrwirtschaft“ stellte die in diesem Jahr federführende Niederrheinsche IHK im Pressegespräch vor: Zusammen mit Burkhard Landers und Dr. Stefan Dietzfelbinger standen Stefan Schreiber, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Dortmund (federführende IHK 2018) und Veronika Lühl, stv. Hauptgeschäftsführerin der IHK für Essen, Mülheim, Oberhausen (federführende IHK 2020), Rede und Antwort. An der Umfrage, die jeweils zum Jahresbeginn und im Herbst stattfindet, beteiligten sich rund 1.000 Unternehmen im ganzen Ruhrgebiet mit ca. 110.000 Beschäftigten.
Infrastrukturmaßnahmen dauern zu lange
Hauptgeschäftsführer Dr. Stefan Dietzfelbinger (l.) und IHK-Präsident Burkhard Landers (r.). Foto: Petra Grünendahl.
„Nach vielen Jahren eines Hochs stehen wir nun am Rande einer Rezession“, sagte IHK-Präsident Landers. Und: „Wir brauchen jetzt deutliche Impulse, um bei den Unternehmen das Vertrauen in die Zukunft zu fördern.“ Die Infrastruktur nannte Landers einen der Knackpunkte in einem industriellen Kernland wie NRW: „Unsere Straßen und Brücken, Schienen und Schleusen sind marode!“ Die Sperrung der A1-Brücke bei Leverkusen für die Lkw-Verkehr vor sieben (!) Jahren sei ein Weckruf für die Politik gewesen. Bund und Land stellen seitdem mehr Geld bereit. Schneller gingen Sanierung und Ersatzbau aber trotzdem nicht, so Landers. Fünf Wochen nach der Sperrung der Uerdinger Rheinbrücke für Lkw sei gerade mal der Schaden begutachtet, die Reparaturarbeiten aber immer noch nicht gestartet. Von einem Ersatzbau, der in wenigen Jahren an dieser Stelle fällig wird, reden wir noch gar nicht: „Wir brauchen ein vereinfachtes Verfahren für den Ersatzneubau“, zitierte er eine Grundforderung der IHK: „Da, wo schon eine Brücke steht, dürfen nicht die gleichen Maßstäbe angesetzt werden wie für die Planung auf einer grünen Wiese.“ In anderen Ländern sei man hier schon weiter: Infrastrukturprojekte werden weitaus zügiger umgesetzt als hierzulande. Da müsse die Politik mehr Mut zeigen, forderte der Unternehmer.
Gemeinsam für Gesamtinteressen eintreten
Burkhard Landers, Präsident der Niederrheinischen IHK. Foto: Petra Grünendahl.
Als großes Problem machte Landers die kleinteilige Interessenlage lokaler Bürgerinitiativen aus: „nicht in meinem Hinterhof“ sei die Devise, wo das Gesamtinteresse einer Region oberstes Ziel sein müsse. Dies hätte der für dieses Jahr geplante Regionalplan leisten können, der durch einen Ausgleich der Interessen Kommunen, aber auch Betrieben und Investoren Sicherheit bei der Entwicklung von Wohnen und Gewerbe gegeben hätte. Dass dieser Regionalplan nach 10 Jahren Arbeit gestoppt wurde, sei ein herber Rückschlag für die Region, so Landers, der Außenwirkung und Image beschädige. „Das Thema ist wichtig für unsere Region wie für ganz NRW“, sagte Landers. Mit der Ruhrkonferenz hatte die Landesregierung NRW vor einem Jahr eine Initiative gestartet, die die Ruhr-IHKs unterstützen: „“Wir brauchen eine gute Mischung aus Ambitionen und Investitionen“, so der IHK-Präsident, und: „Es muss darum gehen, heute die richtigen Schwerpunkte zu setzen.“
Zuwege kritisch, aber nicht Teil der Baugenehmigung Von Petra Grünendahl
Der Loveparade-Strafprozess des Landgerichts Duisburg findet aus Platzgründen im CongressCenter der Messe Düsseldorf statt. Foto: Petra Grünendahl.
„Lange hatte Lopavent sich geweigert, einen Bauantrag einzureichen: ‚Wir bauen doch gar nicht!’ war das Argument der Mitarbeiter, aber auch der Anwälte des Veranstalters“, betonte Abteilungsleiter D. Sie wollten eine Veranstaltungsgenehmigung haben – wie für die Loveparade in Essen und Dortmund. In Duisburg waren die Voraussetzungen aber ganz anders: Der alte Güterbahnhof als geplantes Veranstaltungsgelände gehörte nicht zum öffentlichen Raum. Die Errichtung von Zelten und Aufbauten und schließlich die komplette Einzäunung des Geländes hatten es nötig gemacht, dass das Amt für Baurecht und Bauberatung eine Baugenehmigung erteilen musste: Für eine vorübergehende Nutzungsänderung als Veranstaltungsstätte (Sonderbauverordnung Teil I Versammlungsstätten). Die eigentliche Veranstaltungsplanung war bereits viele Monate unter der Führung und Koordination des Ordnungsamtes gelaufen, als Anfang 2010 die Bausicht ins Spiel kam.
Der Vorstizende Richter Mario Plein (mitte) mit zwei beisitzenden Richtern beim Loveparade-Strafprozess im Gerichtssaal im Congress Center Düsseldorf. Foto: Lars Heidrich / Funke Foto Services.
Der Abteilungsleiter Untere Bauaufsicht / Untere Denkmalbehörde des Duisburger Amtes für Baurecht und Bauberatung sagte im Strafprozess zur Loveparade-Katastrophe von 2010 vor der 6. große Strafkammer des Landgerichts Duisburg erstmals zur Sache aus. Der 60-Jährige Jurist hatte bis Jahresanfang zu den Angeklagten gehört. Gegen ihn war das Verfahren aber – wie gegen alle damaligen Mitarbeiter der Stadt sowie einen ehemaligen Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent – ohne Auflagen eingestellt worden. Gegen drei Angeklagte wird wegen fahrlässiger Tötung in 21 Fällen und fahrlässiger Körperverletzung weiter verhandelt: Sie waren damals als Mitarbeiter der Lopavent GmbH an den Planungen des Events beteiligt. Der Vorsitzende Richter Mario Plein ließ den Zeugen zunächst erzählen, welche Rolle er im Genehmigungsverfahren spielte, bevor er ihm aus Schriftstücken, Ermittlungsakten sowie Aussagen anderer Zeugen Sachverhalte vor hielt.
Genehmigung für bauliche Anlagen
Achter Jahrestag der Loveparade-Katastrophe: Nacht der 1.000 Lichter an der Gedenkstätte. Foto: Petra Grünendahl.
Nachdem sich im Lauf des Februars 2010 herauskristallisiert hatte, dass das Bauordnungsamt in die Vorbereitungen mit einzubeziehen sei, hatte am 2. März das erste Gespräch mit Vertretern des Bauamtes statt gefunden. Zwar hätten in der Folge die Mitarbeiter der Bauaufsicht schon mal Einblicke in Konzepte bekommen, erzählte D., aber: „Das sind alles Spekulationen gewesen, keine greifbaren Pläne. Ein prüffähiger Bauantrag lag erst am 10. Juni vor.“ Mit der Eingangsbestätigung vom 14. Juni forderte die Bauaufsicht weitere Unterlagen, die der Gesetzgeber für die Genehmigung forderte: Brandschutzkonzept, Rettungswege, Statik (für die Herrichtung des Geländes für Zuschauer und einer Fahrstrecke für 40-Tonner) und die Bestätigung des Veranstalters, dass er ein System zu Erfassung der Besucher installiert. „Ein Brandschutzkonzept oder die Statik können wir nicht selber machen, sondern wir fordern Gutachten an von staatlich anerkannten Sachverständigen“, so der Zeuge. Die seien dann ja auch vorgelegt worden.
Seien alle gesetzlich vorgeschriebenen Auflagen erfüllt, müsse die Bauaufsicht die Genehmigung erteilen, bekräftigte der Zeuge. Für die Genehmigung seien die Mitarbeiter des Sachgebietes verantwortlich gewesen: „Ich prüfe Bauanträge nicht selber, werde aber im Vorfeld oft um Einschätzungen in Rechtsfragen gebeten“, erklärte der Jurist seine eigene Rolle im Prozedere. „Meine Aufgabe sind rechtliche Bewertungen. Wir als Bauaufsicht genehmigen nur die bauliche Anlage eines Versammlungsortes – und keine Veranstaltung!“, erklärte der Bereichsleiter. „Ein Veranstalter hat viele Genehmigungen zu beantragen: Für eine Veranstaltung müssen andere Genehmigungen her.“
Zuwegung kein Thema für die Baugenehmigung
Die Rampe zum Loveparade-Gelände nach der Katastrophe. Foto: Petra Grünendahl.
Am Donnerstag vor der Loveparade sei er ein einziges Mal bei einer Begehung des alten Güterbahnhofsgeländes dabei gewesen: „Wir sind über den späteren VIP-Eingang gekommen.“ Die Rampe habe er persönlich früher mal in Augenschein genommen: für die Ansiedlung der Firma Stracke auf dem Gelände. „Wir waren nicht in die Planungen involviert. Unsere Arbeit endete mit der Baugenehmigung. Eine Mitarbeit im Krisenstab hätte keine Sinn gemacht, denn dort ging es um Besucherströme“, so D. Für Besucherströme und die Zuwegung zum Versammlungsgelände sei das Bauamt nicht zuständig. „Dass man sich über Personensteuerung Gedanken machen musste“, so Düster, habe er aus dem Seminar über „Großveranstaltungen im Freien“ mitgenommen. Hier seien Feuerwehr und Ordnungskräfte gefordert. „Das hat aber keine Auswirkungen auf die Baugenehmigung, weil der Gesetzgeber diesbezüglich keine Anforderungen macht.“
Das Spiel der zerstörten Träume Von Petra Grünendahl
Sergej Khomov (Hermann), Chor der Deutschen Oper am Rhein FOTO: Hans Jörg Michel.
Unter der Venus von Moskau: Renée Morloc (Die Gräfin), Damen des Chores der Deutschen Oper am Rhein FOTO: Hans Jörg Michel.
So ein wenig wirkt er wie Woody Allen: Dunkle Brille, etwas längere Haare und ein brauner Cord-Anzug, der in einem von Bonbonfarben und Petticoat geprägtem Ambiente so fehl am Platz wirkt. Der mittellose, aber ehrgeizige Hermann (Sergej Khomov) ist der Außenseiter in einer reichen Gesellschaft. Er verleibt sich in Lisa (Natalia Muradymova), die Enkelin einer reichen Gräfin (Renée Morloc), die aber schon mit Fürst Jeletzki (Jorge Espino) verlobt ist. Graf Tomski (Stefan Heidemann) enthüllt die Vorgeschichte der Gräfin, in ihrer Jugend als „Venus von Moskau“ bekannt war. Im Tausch für eine gemeinsame Nacht hatte ihr der berüchtigte Graf von Saint-Germain das Geheimnis verraten, immer beim Kartenspiel zu gewinnen. Die „Pique Dame“ wurde damit reich. Hermann, der nüchtern und direkt, wie er ist, so gar nicht zu den ihn umgebenden Spielernaturen passt, will ihr dieses Geheimnis entlocken, um damit die unerreichbare Lisa, die auch ihm zugetan ist, zu gewinnen.
Sergej Khomov (Hermann), Johannes Preißinger (Tschekalinski), Bruno Vargas (Surin), Herren des Chores der Deutschen Oper am Rhein FOTO: Hans Jörg Michel.
Mit Peter I. Tschaikowskys (1840–1893) „Pique Dame“ startete die Deutsche Oper am Rhein in Duisburg in die neue Spielzeit. Das prachtvolle Spiel um Geld und Liebe ist die russische Antwort auf die Opulenz der französischen Grand Opéra. Tschaikowskys Bruder Modest hatte aus der gleichnamigen Novelle von Alexander Puschkin ein Libretto geschrieben, das der Komponist nach anfänglichem Zögern dann doch mit Leidenschaft vertonte. Auch ihm, der seine Homosexualität zeitweise sehr offen auslebte, war die Außenseiterrolle nicht fremd: Diese Oper – seine Zweite – war seine Lieblingsoper, die 1890 im Kaiserlichen Mariinski-Theater in St. Petersburg uraufgeführt worden war. Die Inszenierung der amerikanischen Regisseurin Lydia Steier transportiert die Handlung der Oper vom Ende des 18. Jahrhunderts in die 1950er-Jahre, die sie mit viel Opulenz und den Ausschweifungen der höheren Gesellschaft darstellt. Gesungen wird in russischer Sprache mit deutschen Übertiteln, die das Verständnis der Handlung erleichtern (an diesem Abend waren sie aber wegen technischer Probleme nur schlecht zu entziffern). Der grandiose Opernabend in sieben Bildern dauert mit einer Pause knappe 3¼ Stunden.
Die 1950er in Bonbonfarben und Petticoat
Renée Morloc (Die Gräfin), Chor der Deutschen Oper am Rhein, Statisterie FOTO: Hans Jörg Michel.
Die Operninszenierung spielt mit Zeitsprüngen zwischen einer Realität der Gegenwart und Phantasien einer noch pompöseren Vergangenheit, in denen der „Held“ nahtlos zwischen Wirklichkeit und Visionen bis hin zum Wahn hin und her gleitet. Letztendlich muss er scheitern, weil ihm das Spiel um Geld wichtiger wird als die Liebe, mit der er eine verzweifelte Lisa zurücklässt. Beim Glücksspiel gewinnt er zunächst mit den Karten, die ihm die alte Gräfin verraten hat. In der dritten Runde gewinnt das Ass, aber Hermann hatte versehentlich alles auf die Pik-Dame gesetzt.
Renée Morloc (Die Gräfin), Luis Fernando Piedra (Zermonienmeister), Statisterie, Chor der Deutschen Oper am Rhein FOTO: Hans Jörg Michel
Das Publikum feierte die hervorragenden Akteure zu Recht mit Szenenapplaus sowie mit einem lang anhaltenden Schlussapplaus. Gesanglich wie schauspielerisch überzeugten die Sänger auf ganzer Linie. In den großen opulenten Szenen mit üppigen Chorgesängen glänzten der Chor der Deutschen Oper am Rhein (unter der Leitung von Gerhard Michalski) und der Kinderchor der Akademie für Chor und Musiktheater aus Düsseldorf (unter der Leitung von Justine Wanat. Unter der Leitung von Kapellmeister Aziz Shokhakimov zeigten die Duisburger Philharmonikern bei lustvoll-leidenschaftlichen Klängen der Komposition ihre Klasse. Passend zur Inszenierung in den 1950er-Jahren sind viele der Kostüme von Ursula Kudrna im Rockabilly-Stil mit Bonbonfarben und Petticoats, für die Zeitsprünge dann wieder in prächtigem Barockstil gestaltet. Das variable Bühnenbild gestaltete Bärbl Hohmann. Effektvoll in Szene und ins rechte Licht gesetzt hat es Stefan Bolliger.
Mi | 16. Oktober 2019 | 19:30 Uhr und
So | 8. Dezember 2019 | 15 Uhr.
Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten zwischen 17 und 67 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.
Duisburg hat viel zu bieten: Das müssen wir mehr nach außen transportieren! Von Petra Grünendahl
Zum „Image der Stadt Duisburg“ standen auf dem Podium (v. l.): Andree Haack, Thomas Knabner, Alexander Kranki, Prof. Peter Kürble und Uwe Kluge. Foto: Petra Grünendahl.
„Das Image ist ein Fremdbild, bis man anfängt, sich selber darzustellen“, erklärte Prof. Peter Kürble, der in den 1980er-Jahren zum Studieren herkam und dem Duisburg seitdem ans Herz gewachsen ist. Natürlich sei nicht alles perfekt, aber vieles entwickle sich sehr positiv, waren sich die Podiumsteilnehmer einig. Ein vielschichtiges Image bestätigte der Stadt auch Wirtschaftsdezernent Andree Haack: Wirtschaft und Logistik zählten zu den Pluspunkten, Bevölkerungsarmut und hoher Migrantenanteil wirken nach außen eher negativ. „Das Bild, was woanders herrscht, passt nicht“, sagte Uwe Kluge. Vorurteile gebe es bei Leuten, die das aktuelle Duisburg nicht kannten, so der Tenor. Duisburg habe sich in den letzten 10, 20 Jahren gut entwickelt und viele Erfolgsgeschichten geschrieben.
Stellten sich den Fragen von Moderator Mario Mario (v. l.): Andree Haack, Uwe Kluge, Alexander Kranki und Thomas Knabner. Foto: Petra Grünendahl.
Zur Podiumsdiskussion „Image der Stadt Duisburg“ hatte der Marketing-Club Duisburg-Niederrhein ins Atrium des Tec-Tower (Tectrum Technologiezentrum für Duisburg) eingeladen. Das Podium war mit Vertreters aus Wirtschaft und Marketing gut besetzt: Wirtschaftsdezernent Andree Haack, DuisburgKontor-Geschäftsführer Uwe Kluge, Alexander Kranki (als Vorstand des Vereins Wirtschaft für Duisburg) und Thomas Knabner, Regionaldirektor Deutsche Hospitality (InterCity Hotels). Einen einleitenden Vortrag zum Thema „Was ist Image?“ hielt Prof. Dr. Dr. Peter Kürble, Marketing-Experte an der Hochschule für Oekonomie & Management (FOM Duisburg). Im Anschluss an die Podiumsrunde diskutierten die Teilnehmer mit einem interessierten und durchaus kritischen Publikum. Von den fünf Experten auf dem Podium, die alle ein aus eigener Erfahrung positives Bild von Duisburg vermittelten, ist nur einer im Stadtgebiet geboren. Da muss man sich die Frage stellen, ob es nicht gerade die (erfolgreichen) Zugewanderten sind, die Duisburg viel positiver und selbstbewusster nach außen tragen als so manch einer, der hier geboren ist!
Starke Bilder und Leuchtturm-Projekte
Moderator Mario Mais vom Vorstand des Marketing-Clubs leitete die Podiumsdiskussion. Foto: Petra Grünendahl.
„Für deutsche Kunden spielt der Standort schon eine Rolle“, sagte Alexander Kranki. Mit seinem Unternehmenssitz im Innenhafen kann er da punkten – und Ortsfremden eines der Highlights der Stadt präsentieren. „Ausländische Kunden kennen Duisburg eher gar nicht. Dafür ist in China das Duisburg-Bild positiv besetzt.“ Image entsteht durch Wahrnehmung, ein schlechtes Image durch Vorurteile. Duisburg habe viel zu bieten, sagte Marketing-Club-Präsident Marco Pfotenhauer: „Aber das reiche wohl nicht für ein gutes Image, denn zu wenig werden Duisburgs gute Seiten nach außen getragen.“ Auch manch ein Duisburger übernimmt ein schlechtes Bild von seiner Stadt aus der leider viel zu häufigen Negativdarstellung in überregionalen Medien. Hintere Plätze in irgendwelchen Rankings? Duisburg habe in Sachen Kultur nichts zu bieten, hatte es in einem Magazin geheißen, was definitiv von der Unkenntnis der Autoren zeugt! Man müsse mehr starke Bilder und Leuchttürme nach außen tragen: Projekte wie Duisburger Freiheit und 6-Seen-Wedau zum Beispiel. Der Landschaftspark Nord ist nach wie vor ein Magnet auch für Auswärtige: Viel zu wenig locken überregional die herausragenden Kulturangebote der Stadt: hier wäre mehr (und gebündeltes) Marketing nötig. „Zum Renner entwickelt sich der Fahrradtourismus“, erzählte Thomas Knabner, in dessen Intercity-Hotel am Hauptbahnhof extra Garagenflächen für Zweiräder eingerichtet wurden. Für den Tourismus sieht er in Duisburg noch Potenzial, denn die Stadt habe nicht nur viel, sondern auch Vielfältiges zu bieten: Industriekultur, klassische Kultur, Sport und Ausflugs/Freizeittourismus und: „die Besucher sind begeistert von der Herzlichkeit und Offenheit der Duisburger.“
Der Marketing-Club Duisburg-Niederrhein Die regionale Berufsstandesorganisation in Duisburg wurde 2009 gegründet und ist als Mitglied im Deutschen Marketing Verband einer von 66 Clubs deutschlandweit. Der Marketing-Club ist der Weiterbildung seiner Mitglieder ebenso verpflichtet wie der Schaffung einer Kommunikationsplattform. Fast jeden Monat trifft sich der Marketing-Club Duisburg-Niederrhein zu überwiegend fachlich orientierten Besichtigungen oder Fachvorträgen in der ganzen Region. Informationen zu Themen, Veranstaltungen und Kontakten gibt es auf der Homepage des Clubs. Wer im Marketing tätig ist und sich für eine Mitgliedschaft im Marketing-Club interessiert, kann bei den monatlichen Treffen erste Kontakte knüpfen: Netzwerken lässt sich im Anschluss an den fachlichen Teil nämlich ganz hervorragend. Und natürlich lassen sich die fachlichen Fragen mit den jeweiligen Referenten in Einzelgesprächen noch vertiefen.
Zum fünften und sechsten Mal die Schwarze Null Von Petra Grünendahl
Vor der Sitzung im Rat der Stadt Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.
„Seit 2015 ist es uns gelungen, unsere Verschuldung um rund 430 Mio. Euro zu reduzieren. Das ist nicht Mittel zum Zweck, sondern verschafft uns wieder mehr Handlungsspielräume“, erklärte Oberbürgermeister Sören Link. So könne die Stadt zum Beispiel von Förderprogrammen des Landes und des Bundes profitieren, so der OB, weil sie sich den Eigenanteil leisten kann, ohne den sie diese Finanzspritzen nicht bekommt. Sowohl OB Link als auch Kämmerer Murrack kritisierten Bund und Land, die immer wieder Aufgaben auf die Kommunen abwälzten, ohne für eine ausreichende Finanzierung zu sorgen (Konnexiktätsprinzip: Wer die Musik bestellt, muss sie bezahlen!). Dies habe viele Kommunen insbesondere im Ruhrgebiet in die Überschuldung geführt. Von den 1,3 Mrd. Euro Kassenkrediten der Stadt Duisburg stammten, so Link, 722 Mio. Euro von Geldern, die die Stadt in den Aufbau Ost (Solidarpakt nach der Wiedervereinigung) zahlen musste.
Neu im Rat der Stadt: Oberbürgermeister Sören Link (3. v. l.) verpflichtete – v. l. – Angelika Röder (Bürgerlich-Liberale, HSV-Fraktion), Muhammet Keteci (SPD) und Stefanie Kreitz (CDU) als nachrückende Ratsleute. Foto: Petra Grünendahl.
Zur ersten Sitzung nach der Sommerpause legten Oberbürgermeister Sören Link und Stadtkämmerer Martin Murrack dem Rat der Stadt den Haushaltsentwurf für die Jahre 2020/21 (Doppelhaushalt) vor. Planerisch ist der Haushalt mit einem Aufwandsvolumen von 2 Mrd. Euro ausgeglichen: der fünfte und sechste in Folge. Im Jahr 2020 braucht es dazu noch Gelder aus dem Stärkungspakt Stadtfinanzen, 2021 muss es dann ohne diese Konsolidierungshilfe gehen. Das setzt aber eine unverändert positive Wirtschaftslage und gleich bleibend niedrige Zinsen voraus, um tatsächlich am Ende unterm Strich ein positive Jahresergebnis zu erzielen. Sonst sind die Zahlen schnell Makulatur. Der Rat beschloss einstimmig, diesen Entwurf an die Bezirksvertretungen, an die Fachausschüsse sowie an den Haupt- und Finanzausschuss zur Beratung zu überweisen.
Licht am Ende des Tunnels
Vor der Sitzung im Rat der Stadt Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.
Hilfen aus dem Stärkungspakt Stadtfinanzen sowie kommunale Sparrunden und die seinerzeitige Erhöhung der Grund- und Gewerbesteuer hätten Duisburg auf einen guten Weg gebraucht, durch Abbau von Schulden wieder mehr Freiheiten zur Gestaltung zu bekommen, sagte OB Link. „Es gibt ein Licht am Ende des Tunnels. Und wir sind diesem Licht in den vergangenen Jahren deutlich näher gekommen“, so der Oberbürgermeister. „Duisburg entwickelt sich gut und wir haben allen Grund, voller Zuversicht in die Zukunft zu blicken.“
Der unverschuldeten Altschuldenproblematik vieler Städte müssten sich Bund und Länder endlich stellen, forderte Martin Murrack. Dafür müssten aber, so der Stadtkämmerer, die Länder mitziehen: „Während in Hessen schon gehandelt wird, hat die Landesregierung in NRW noch immer keine geeigneten Vorschläge gemacht“, erklärte Murrack. Außerdem sind gerade Bund und Land dabei, die Kommunen wieder stärker zu belasten: Das Angehörigen-Entlastungs-Gesetz soll ebenso wie die in Düsseldorf angestrebte Reform zur Finanzierung der Straßenbaubeiträge Bürger entlasten: „Das ist gut und richtig!“, sagte der Oberbürgermeister. Weil dadurch der Stadt aber Einahmen entfielen und höherer Personalaufwand sogar teurer für die Stadt würde, so Sören Link, belaste es letztendlich doch wieder den Bürger, der die Zeche zahlen muss. Denn die Stadt kann sich das Geld ja nicht aus dem Ärmeln schütteln: es muss irgendwo her kommen. Seit Jahren schon verlangen Kommunalpolitiker aller Couleur eine verursachergerechte Regelung zur Finnanzierung von Landes- und Bundesgesetzen: „Sonst“, so OB Link, „stehen wir in 15 oder 20 Jahren wieder genauso da wie heute!“
Es gab eine Baugenehmigung, keine Veranstaltungsgenehmigung! Von Petra Grünendahl
Der Loveparade-Strafprozess vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg findet aus Platzgründen im Congress-Center der Düsseldorfer Messe statt. Foto: Petra Grünendahl.
„Ich möchte den Eltern mein Mitgefühl aussprechen: Ein Kind zu verlieren, ist wohl das Schlimmste, was einem passieren kann“, begann Bauamtsleiterin Anja Geer ihre Aussage. Sie fuhr fort, dass sie es für wichtig hielte, die Aufgaben des Amtes für Baurecht und das Prozedere der Baugenehmigung zu erklären: Allezu viele hätten ihrer Meinung nach eine falsche Vorstellung von dem, was ihr Amt zur Vorbereitung der Loveparade beigetragen habe. „Um auf einem geschlossenen Gelände eine Veranstaltung durchzuführen, braucht es eine Genehmigung nach Versammlungsstättenverordnung und nach Sonderbauverordnung. Nachdem feststand, dass das Gelände des alten Güterbahnhofs als Veranstaltungsgelände eingezäunt werden sollte, kam Anfang 2010 die Bauaufsicht in Spiel“, erzählte die Amtsleiterin. Schon viele Monate dauerten zu diesem Zeitpunkt Planungen und Vorbereitungen von Polizei, Feuerwehr und Ordnungsamt. Letztere sind für die Genehmigung einer Veranstaltung im öffentlichen Raum zuständig. Die Zuständigkeit für eine Genehmigung wechselte ebenso wie die Art der Genehmigung: „Wir planen keine Veranstaltung. Wir bekommen einen Bauantrag, den wir, wenn alle rechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind, genehmigen müssen“, umriss die Amtsleiterin die Aufgaben der Bauaufsicht. „Wir überprüfen nur, ob gesetzliche Anforderungen an Fläche, Gebäude oder bauliche Anlagen erfüllt sind.“
Der Vorstizende Richter Mario Plein (mitte) mit zwei beisitzenden Richtern beim Loveparade-Strafprozess im Gerichtssaal im Congress Center Düsseldorf. Foto: Lars Heidrich / Funke Foto Services.
Die Amtsleiterin des Duisburger Amtes für Baurecht und Bauberatung, Anja Geer, sagte im Strafprozess zur Loveparade-Katastrophe von 2010 vor der 6. große Strafkammer des Landgerichts Duisburg erstmals zur Sache aus. Die 51-Jährige hatte bis Jahresanfang zu den Angeklagten gehört. Gegen sie war das Verfahren aber – wie gegen alle damaligen Mitarbeiter der Stadt sowie einen ehemaligen Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent – ohne Auflagen eingestellt worden. Gegen drei Angeklagte wird wegen fahrlässiger Tötung in 21 Fällen und fahrlässiger Körperverletzung weiter verhandelt: Sie waren damals als Mitarbeiter der Lopavent GmbH an den Planungen des Events beteiligt. Der Vorsitzende Richter Mario Plein ließ die Zeugin zunächst erzählen, welche Rolle sie im Genehmigungsverfahren spielte, bevor er ihr aus Schriftstücken, Ermittlungsakten sowie Aussagen anderer Zeugen Sachverhalte vorhielt.
Wenig Kooperation vom Veranstalter: Wozu ein Bauantrag, wenn wir nicht bauen?
Gedenktstätte für Opfer der Loveparade 2010 in Duisburg am Alten Güterbahnhof. Foto: Petra Grünendahl,
„Wir haben in den letzten Jahren viel zusammen gesessen und versucht zu klären, was passiert ist. Ich habe Dinge zur Kenntnis bekommen, die ich damals im Vorfeld der Loveparade nicht gewusst habe“, sagte die Zeugin. „Es ist schwer, heute zu differenzieren, was ich 2010 gewusst habe und was erst später.“
„Wir prüfen bei Veranstaltungsstätten nicht, ob die Veranstaltung problemlos verlaufen würde. Wir müssen ein Brandschutzkonzept haben, dass im Ernstfall eine Entfluchtung gefahrlos möglich ist“, erklärte die Amtsleiterin. Die Bauordnung verlange für die Genehmigung eines Bauantrages nicht, dass der Zugang zur Fläche überprüft wird: „Die Veranstaltungsfläche begann an der Rampe. Früh in der Planung war damit klar, dass die Tunnel nicht voll laufen durften. Dazu schrieb die Bauordnung Vereinzelungsanlagen vor, die aber nicht auf dem Veranstaltungsgelände, sondern im öffentlichen Raum installiert wurden“, sagte die Zeugin. Für die Sicherheit bei Großveranstaltungen im öffentlichen Raum ist das Ordnungsamt zuständig. „Wir sind davon ausgegangen, dass die Leute nicht ungebremst auf die Rampe kommen. Für uns war klar, da kümmern sich andere drum“, erklärte die Bauamtsleiterin die Zuständigkeiten der Fachleute von Ordnungsamt, Feuerwehr und Polizei für die Sicherheit der Zuwege.
Seit das Bauordnungsamt Anfang 2010 in das Genehmigungsverfahren involviert war, hätten ihre Mitarbeiter die Veranstalterin Lopavent mehrfach und immer wieder aufgefordert, eine Bauantrag einzureichen, damit ihre Behörde die Genehmigung des Güterbahnhofsgeländes als Veranstaltungsgelände prüfen könne: „Dies ist sowohl von der Kanzlei von Lopavent als auch von den Mitarbeitern immer wieder zurück gewiesen worden. Der Kooperationsvertrag der Ruhrgebietsstädte von 2007 hätte eine solche Vorgehensweise nicht vorgesehen, so die Lopavent-Argumentation.
Für die Sicherheit der Zu- und Abwege waren Fachleute gefragt
Gedenktstätte für Opfer der Loveparade 2010 in Duisburg am Alten Güterbahnhof. Foto: Petra Grünendahl,
Ihr Amt habe Vereinzelungsanlagen an den Zugangsstrecken verlangt und auch, dass die Besucherzahlen erfasst würden: „Die technischen Möglichkeiten gab es schon damals, dies ohne hohen Zusatzaufwand zu machen“, so die Zeugin. Und mit Überschreiten der Besucherzahlen, für die das Gelände genehmigt war – 180.000 Besucher gleichzeitig –, hätte ein weiterer Zugang zum Gelände gesperrt werden müssen. Dies jedoch, so die Zeugin, lag in der Verantwortung des Veranstalters bzw. des Ordnungsamtes und der Polizei. „Für die Zugänge zum Gelände waren Fachleute verantwortlich. Denen hätten wir doch nicht sagen können, was geht und was nicht. Ein Zuständigkeitsvakuum für den Tunnel hat es nicht gegeben: Das war der Zuweg zum Veranstaltungsgelände, damit hatten wir nichts zu tun.“
„Es ist nicht unüblich, dass Bauherren große Vorhaben platzen lassen wollen, wenn sie Gegenwind bei der Baugenehmigung kriegen. Lopavent war in dieser Hinsicht ein ganz gewöhnlicher Bauherr“, erklärte die Amtsleiterin. Nur: „Die wollten nicht einsehen, dass sie einen Bauantrag einzureichen hatten. Das wäre nicht nötig: ‚Wir bauen doch gar nicht’ haben sie argumentiert.“ Dass sie einen solchen im Gegensatz zu Essen oder Dortmund einzureichen hatten, war der Tatsache geschuldet, dass die Veranstaltung dort im öffentlichen Raum stattfand. In Duisburg jedoch sollte die große Party auf einen eingezäunten Privatgelände steigen, für das eine Nutzungsänderung beantragt werden musste: Deswegen ein Bauantrag! Nachdem Lopavent und deren Anwälte monatelang von der Bauaufsicht ein „konstruktive Entgegenkommen“ gefordert hatten, reichten sie Anfang Juni schließlich doch einen Bauantrag ein. Erst jetzt konnte die Bauaufsicht diesen darauf hin prüfen, ob alle gesetzlichen Anforderungen an die Fläche erfüllt sind. Sicherheitsbedenken der Fachleute von Feuerwehr, Polizei oder Ordnungsamt spielten hierfür keine Rolle, denn für die Zuwegung galten andere Zuständigkeiten als für die Veranstaltungsfläche. „Wir haben nicht billigend in Kauf genommen, dass Menschen zu Schaden kommen, wie uns immer wieder vorgeworfen wurde. Ich wusste doch, dass sich Kinder meiner Mitarbeiter und meiner Freunde auf der Loveparade sein würden. Wenn sich jeder an Absprachen gehalten hätte, wäre nichts passiert“, ist sich die Zeugin sicher.
Man erinnere sich an Aussagen früherer Zeugen vor Gericht [den einen oder anderen haben wir hier auch dokumentiert], die vom unkoordinierten Öffnen und Schließen der Vereinzelungsanlagen und mangelhafter Kommunikation der vor Ort Verantwortlichen berichteten. So konnten Tunnel und Rampe voll laufen, was die Vereinzelungsanlagen und wenn nötig die Sperrung der Zuwege zum Gelände hätten verhindern sollen.
Glühend heiße Farbspiele begeisterten die Besucher im Oxygenstahlwerk Von Petra Grünendahl und André Sommer
Die Prozesse der Stahlproduktion sind elektronisch gesteuert, müssen aber von Mitarbeitern überwacht werden. Foto: Petra Grünendahl.
„Zunächst wird das angelieferte Roheisen in Gießpfannen umgefüllt und dann entschwefelt“, erzählte Heiner Buhren, als er mit den Besuchern im Oxygenstahlwerk den Prozess der Stahlerzeugung verfolgt. Das flüssige Roheisen wird seit 1994 nicht mehr am Standort produziert, sondern kommt in Torpedopfannen von den thyssenkrupp-Hochöfen in Bruckhausen oder Schwelgern. Während des Entschwefelungsprozesses wird Schrott wird in einen Konverter gefüllt. Der Schrott ist speziell zusammen gestellt für die zu erzielende Stahlsorte, dient aber auch der Kühlung im Konverter. Schließlich wird das Roheisen aus der Gießpfanne (oder Chargierpfanne) in den Konverter gefüllt, wo dann mit Lanzen aufgeblasener Sauerstoff den Kohlenstoffanteil des Roheisens reduziert (das hier angewandte TBM-Verfahren nach Thyssen-Blas-Metallurgie ist eine Variante des LD-Verfahren). Eine Argonspülung homogenisiert schließlich die Schmelze, bevor sie entgast, mit weiteren Zusatzstoffen veredelt und schließlich ein zweites Mal mit Argonspülung bearbeitet wird. Nach dem Oxygenstahlwerk geht es noch rüber zur Stranggießanlage, wo der Stahl zu Knüppeln vergossen wird.
Heiner Buhren führte eine Besuchergruppe durch die Stahlproduktion. Foto: Petra Grünendahl.
Im Rahmen der neunten Langen Nacht der Industrie öffneten auch Betriebe in Duisburg ihre Tore für Besucher: Zum dritten Mal war das Stahlwerk von ArcelorMittal in Ruhrort (das eigentlich in Laar liegt) dabei. Insgesamt kamen knapp 60 Besucher in den Genuss, geführt von Heiner Buhren und Norbert Fleischer, beides ehemalige Mitarbeiter von ArcelorMittal (so genannte Bären-Führer), die Stahlproduktion aus erster Hand zu erleben und erklärt zu bekommen. In Duisburg wird bei ArcelorMittal hochwertiges Vormaterial in Form von Langprodukten für die weiterverarbeitende Industrie hergestellt. Ein Teil der Produktion geht von hier direkt zum Kunden. Der Großteil jedoch wird entweder im Knüppelwalzwerk weiterverarbeitet oder geht als Vormaterial ins Drahtwalzwerk. Auch hier entsteht jedoch noch kein Endprodukt, sondern ebenfalls ein Vormaterial zum weiteren Verarbeitung. Von rund 2.500 Stahlsorten kann ArcelorMittal am Standort Ruhrort 400 Legierungen produzieren und liefern. Den Produktionsablauf für die Stahlerzeugung zeigt ArcelorMittal hier in einer Flash-Animation).
Lange Nacht der Industrie bei ArcelorMittal in Ruhrort: Die orange-glühenden Farbspiele der Stahlproduktion begeisterten die Besucher. Fotos: Petra Grünendahl.
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Die ArcelorMittal Duisburg GmbH und der Konzern
Die Prozesse der Stahlproduktion sind elektronisch gesteuert, müssen aber von Mitarbeitern überwacht werden. Foto: Petra Grünendahl.
Der heutige Standort ArcelorMittal Ruhrort (liegt größtenteils in Laar) wurde 1852 als Phoenix Anonyme Gesellschaft für Bergbau und Hüttenbetrieb gegründet. Der Name änderte sich im Laufe der Jahrzehnte mehrfach nach Fusionen und Umfirmierungen: unter anderem Vereinigte Stahlwerke AG Hütte Ruhrort- Meiderich, Hüttenwerke Phoenix AG, Phoenix Rheinrohr AG und schließlich nach der Verschmelzung der Phoenix Rheinrohr AG mit der ATH 1970 zu August-Thyssen-Hütte AG Hochofenwerk Ruhrort/Meiderich. Im Jahr 1997 übernahm die ISPAT-Gruppe den Standort als ISPAT Stahlwerk Ruhrort GmbH. Den Hochofenbetrieb hatte schon Thyssen 1994 eingestellt: das Roheisen kommt seitdem den Thyssen-Hochöfen aus Hamborn.
Die Prozesse der Stahlproduktion sind elektronisch gesteuert, müssen aber von Mitarbeitern überwacht werden. Foto: Petra Grünendahl.
Zusammen mit dem Stahlwerk Ruhrort kam auch das 1851 in Hochfeld als Niederrheinische Hütte gegründeten Werk Hochfeld der Thyssen Stahl AG zur ISPAT-Gruppe, aus der später durch Fusionen Mittal Steel und dann ArcelorMittal wurde. Als 2013 die neue Drahtstraße in Ruhrort in Betrieb ging, schloss man den Standort Hochfeld endgültig. Auf Teilen des alten Firmenareals wurde der Rheinpark angelegt. Der Betrieb der ArcelorMittal Ruhrort GmbH ging auf die ArcelorMittal Hochfeld GmbH als dem operativen Teil der ArcelorMittal Duisburg GmbH über. Der Rest wartet auf eine Nachnutzung.
Umfüllen des Rohstahls in die Gießpfanne. Foto: Petra Grünendahl.
Im Werk Ruhrort arbeiten fast 1.000 Mitarbeiter. Mit einer Produktion von 1,12 Mio. Tonnen erwirtschaften sie einen Umsatz von 723 Mio Euro (Zahlen von 2018). Jährlich starten hier mindestens 15 junge Leute ihre Ausbildung in gewerblich-technischen und kaufmännischen Berufen. „Die Ausbildungsgänge dauern drei bis dreieinhalb Jahre, können bei entsprechenden Leistungen durch eine vorgezogene Prüfung verkürzt werden“, erzählte Verena Kempken, verantwortlich für den Bereich Berufsbildung und Organisatorin der „Lange Nacht“-Tour in Ruhrort. Die Zahl der Ausbildungsplätze – aktuell sind 55 Azubis in Ruhrort beschäftigt – orientierten sich am eigenen Bedarf und dürften in den kommenden Jahren wegen des demografischen Wandels steigen, so Kempken. Auch akademische Nachwuchskräfte sind gefragt: Sie entwickelt man zu Fach- und Führungskräften. Weiterbildungen qualifizieren Mitarbeiter für technische Veränderungen und betriebliche Erfordernisse. https://duisburg.arcelormittal.com
Der Rohstahl wird zu Knüppeln vergossen. Foto: Petra Grünendahl.
ArcelorMittal ist mit 200.000 Mitarbeitern in 60 Ländern der größte Stahlkonzern weltweit. Arcelor entstand 2001 durch den Zusammenschluss von Arbed (ein luxemburgischer Stahlkonzern), Aceralia (ein spanischer Stahl-Konzern) und Usinor (ein französischer Stahlkonzer). Mittal Steel gründete sich in 2004, als ISPAT International (die zu 77 Prozent von Lakshmi Mittal kontrolliert wurde) die LNM Holdings (nach dem Eigentümer Lakshmi Niwas Mittal) und die amerikanische International Steel Group (ISG) übernahm. Die beiden so entstandenen Konzerne (weltweit die Stahlproduzenten Nr. 1 und 2) fusionierten 2006 zum ArcelorMittal-Konzern. Der Hauptsitz befindet sich in Luxemburg-Stadt.
Kalender auch im sechsten Jahr mit 13 neuen Motiven und Moerser Anekdötchen Von Petra Grünendahl
Das Kreisständehaus wurde 1900 gebaut (heute: Altes Landratsamt). Quelle: GMGV.
„Auch in unserem neuen Kalender ‚Moerser Ansichten 2020’ gibt es keine Bilder, die früher schon mal veröffentlicht waren“, bekräftigte Dr.Wilfried Scholten, stellvertretender Vorsitzender des Grafschafter Museums- und Geschichtsvereins (GMGV). Dies, so Scholten, sei immer wieder eine Herausforderung. Der ehemalige Studiendirektor des Städtischen Gymnasiums in den Filder Benden hat wie in den Vorjahren die Motive ausgewählt und als profunder Kenner der Moerser Geschichte mit informativen Anekdoten versehen, die ihre historische Bedeutung einordnen. Da erfährt auch der kundige Betrachter Neues zu ihm bekannten Motiven und Hintergründe für Problematiken der Stadt von heute: „Ich würde mir wünschen, dass man sich bei Neugestaltungen in der Stadt mehr Gedanken macht, was man abreißen sollte und was nicht“, erklärte Scholten, der historisch Bedeutsames gerne der Nachwelt erhalten will.
Schacht V der Zeche Rheinpreußen in Repelen/Utfort (heute befindet sich dort der Businesspark Eurotec). Quelle: GMGV.
Bereits zum sechsten Mal hat der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e. V. einen großformatigen Wandkalender mit Motiven aus der Moerser Geschichte vorgelegt. „Schatzmeister Frank Heinrich hatte vor sechs Jahren die Idee, die damals noch mit finanzieller Hilfe der Volksbank Niederrhein realisiert worden war“, erzählte Peter Boschheidgen, Vorsitzender des Vereins, bei der Vorstellung des Kalenders im Rittersaal des Moerser Schlosses. Finanziell trägt sich der Kalender mittlerweile von alleine. Der Überschuss fließt in die Vereinsarbeit: historische Dokumente und Informationen suchen und sichern sowie sie der Öffentlichkeit zugänglich machen. Dies geschieht über die vereinseigenen Exponate im Grafschafter Museum, der Pflege und Instandhaltung des Industriedenkmals am Schacht IV sowie über Publikationen von Artikeln oder Büchern, aber eben auch mit diesem Kalender, dessen Wert über das Jahr seiner „Nutzung“ weit hinaus reicht.
Neben dem Vereinsarchiv, der Sammlung des Grafschafter Museums und dem Stadtarchiv hat Wilfried Scholten auch Privatarchive sichten und auswerten können wie die private Sammlung Schröder-Schulze oder das Archiv des Sammlers Gregor Boese, der unter http://www.mattorn.de seine Sammlung auch einer interessierten Öffentlichkeit zeigt. Häufig kann Scholten bei der Auswahl auf die Motive zweier bedeutender Fotografen zurück greifen, die Moers fotografisch dokumentiert haben: Wilhelm Bergmann gründete sein Atelier in den 1860er-Jahren, sein Nachfolger Ewald Steiger übernahm 1900.
Klosterstraße um 1900. Foto: Ewald Steiger / GMGV.
Dreizehn Motive findet der Betrachter in den „Moerser Ansichten 2020“: ein Titelbild und zwölf kundig betexte Fotos für die einzelnen Monate. Die ausgewählten Fotografien hat Ingo Plückhahn für die Veröffentlichung im Kalender digital bearbeitet und von den allzu häufig vorhandenen Kratzern befreit, so dass die Bilder in einer optischen Qualität erstrahlen, als wären sie gerade erst gemacht. Darüber hinaus zeichnet er auch für Layout, Gestaltung und Satz verantwortlich. So entstand ein hochwertiger Kalender, der nach seinem „Ablauf“ den Status Sammlerstück verdient hat.
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Steinstraße Anfang des 20. Jahrhundert. Quelle: GMGV.
Die „Moerser Ansichten 2020“ gibt es im Format A3 in einer Auflage von 500 Exemplaren. Sie sind zum Preis von 9,95 Euro zu haben. Zu kaufen gibt es den Kalender unter anderem im Grafschafter Museum, in lokalen Buchhandlungen, in der Stadtinformation sowie am vom Verein betreuten Industriedenkmal Schacht IV an der Zechenstraße 50 (hier allerdings nur noch bis Oktober, siehe unten).
Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e. V.
Das Amtsgericht von 1913. Quelle: GMGV.
Der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e.V. hat es sich mit Gründung 1904 zur Aufgabe gemacht, Geschichte und Kultur der Grafschaft Moers zu schützen und zu erhalten. Neben dem Grafschafter Museum im Schloss Moers gehört auch das Industriedenkmals Rheinpreußen Schacht IV dazu, für das der GMGV erst Ende der 1990er-Jahre die Nutzungsrechte übertragen bekam. Das Nutzungsrecht für den Standort schließt den Erhalt des Industriedenkmals ebenso ein wie die Pflege der Vergangenheit, hat doch der Bergbau die Region massiv geprägt und Moers zu dem gemacht, was es heute ist. Ehrenamtlich führen Mitglieder des GMGV durch die Sammlung und erklären interessierten Besuchern Anlagen und Maschinen sowie die Bergbau-Sammlung, die Vereinsmitglieder hier zusammen getragen haben. Das Industriedenkmal ist von Mai bis Oktober jedem Sonntag von 13 bis 16 Uhr geöffnet. https://gmgv-moers.de/
Kunst im Dialog mit ihrer Umgebung Von Petra Grünendahl
Erwin Wortelkamp im Museum DKM: Raum 1 mit Skulptur -Architektur. Foto: Museum DKM.
Auftakt von Erwin Wortelkamps raumbezogenen Konzeption ist die gekalkte Eichenskulptur „Skulptur – Architektur“ von 2001, die wiederum einen Pfeiler benutzt, um Halt zu finden. In diesem Raum probiert die Skulptur „Stand- und Spielbein einen“ vorsichtigen Schritt, der ihr erstmals im Arp Museum 2009 gelang. In Korrespondenz zu den beiden sehr unterschiedlichen Positionen wirken die skizzenhaften Zeichnungen filigran: Sie beziehen sich auf Filarete, den Bildhauer, Architekten und Theoretiker der Renaissance, und erinnern an anfängliche Studien zu Grundproblemen des Bauens. Wortelkamp setzt diese Skizzen für seine Gestaltungsideen ein. Die Ummantelungen der 70-iger Jahre scheinen einen direkten Bezug zu den Papierarbeiten zu nehmen. Kleine, entsprechend zugeschnittene Eisenflächen sind so verschweißt, dass sie einen Mantel bilden, gleich einer neuen Haut für das Baum/Astfragment. Sie gehören zu den ersten Beispielen, der sich immer noch fortsetzenden Skulpturengruppe der „Angelehnten“.
Die „Orangen für Hans von Marßee“ des Bildhauers Erwin Wortelkamp mit Bildern von Hans von Marée mit dem wiederkehrenden Motiv von Orangen (r.) sowie Papierarbeiten und Prägedrucken (l.). Foro: Petra Grünendahl.
Erwin Wortelkamp im Museum DKM: Raum 2 mit den Orangen für Hans von Marées. Foto: Museum DKM.
Das Museum DKM widmet dem Bildhauer Erwin Wortelkamp eine umfassende Werkschau auf der gesamten, sechs Räume umfassenden Wechselausstellungsfläche. Die Arbeiten umfassen eine über 40-jährige Schaffensphase, von den siebziger Jahren bis heute. Erwin Wortelkamp bevorzugt für seine autonomen Skulpturen seit Jahrzehnten besondere Innen- und Außenräume. Dabei reize ihn besonders, seine Werke, die direkt aus dem Atelier kommen, in den unterschiedlichsten Umgebungen zu zeigen, so der Künstler: „Ich will meine Arbeiten gerne in anderen Wirkungszusammenhängen sehen“, sagte er. In ihrer damaligen Galerie DKM im Innenhafen hatten die Museumsgründer bereits 2001 die Raum füllende Arbeit „Skulptur – Architektur“ des Künstlers gezeigt. Diese bildete den Abschluss einer Ausstellung seiner Werke im Lehmbruck Museum, die den Stadtraum bis zum Innenhafen nutzte. Sie hätten ihren Part damals als einen Höhepunkt der Werkschau empfunden, so Klaus Maas.
Der Künstler und Bildhauer
Erwin Wortelkamp im Museum DKM: Raum 2 mit den Orangen für Hans von Marées. Foto: Museum DKM.
Erwin Wortelkamp im Museum DKM: Raum 6. Foto: Museum DKM.
Erwin Wortelkamp (*1938) hat 1965 seine Studien in München bei dem international bekannten dänischen Eisen-Bildhauer Robert Jakobsen abgeschlossen. Er beherrscht den Umgang mit Holz und Eisen, mit denen er divergierende skulpturale Konzeptionen realisiert. Das Wilhelm Lehmbruck Museum zeigte 2001 in Kooperation mit dem Albertinum Dresden sein vielseitiges Werk. Erwin Wortelkamp hat zusammen mit seiner Familie den größten privaten Skulpturenpark Deutschlands geschaffen: Seit 1986 entwickelt sich die 11 Hektar große Anlage „im Tal“ in Hasselbach/Werkhausen, die im Norden von Rheinland-Pfalz nahe der Grenze zu Nordrhein-Westfalen liegt. Von den bisher 50 beteiligten Künstlern, Schriftstellern und Architekten kommt etwa die Hälfte aus Nordrhein-Westfalen. Die Sammler und Museumsgründer Dirk Krämer und Klaus Maas verfolgen das Werk des Bildhauers Erwin Wortelkamp bereits seit zwanzig Jahren. Unter den Künstlern, die Wortelkamp eingeladen hat, Arbeiten im Tal zu realisieren, befinden sich mit Johannes Brus, Bogomir Ecker, Barbara Köhler und Claudia Terstappen Positionen, die regelmäßig mit Installationen oder Einzelausstellungen im Museum DKM vertreten sind.
Museum DKM
Erwin Wortelkamp im Museum DKM: Raum 5 mit Kopf – Köpfe. Foto: Museum DKM.
Die Sonderausstellung von Erwin Wortelkamp ist im Museums DKM bis zum 1. März 2020 in den Wechselausstellungsräumen in Erdgeschoss zu sehen. Regulär geöffnet hat das private Museum DKM der Stifter Klaus Maas und Dirk Krämer an der Güntherstraße 13-15 im Dellviertel samstags, sonntags und an Feiertagen zwischen 12 und 18 Uhr sowie jeden ersten Freitag im Monat ebenfalls zwischen 12 und 18 Uhr*. Montags bis freitags wird ansonsten nur nach Vereinbarung für Gruppen geöffnet*. Der Eintritt kostet 12 Euro (ermäßigt 6 Euro, für Schüler und Studenten bis 28 Jahre), Kinder bis 7 Jahre haben freien Eintritt. Für Gruppen (zw. 10 und 15 Personen) gibt es einen Gruppentarif (10 Euro pro Person) zzgl. einer (kostenpflichtigen) Führung. Eine Jahreskarte** kostet 100 Euro. Die Teilnahme an der Freitagsführung kostet 6 Euro zusätzlich zum Eintritt. Weitere Infos gibt es hier.
*) An folgenden Tagen haben ist grundsätzlich geschlossen: 24. bis 26. Dezember, 31. Dezember und 1. Januar.
**) Nicht übertragbar, berechtigt zum kostenlosen Eintritt während der regulären Öffnungszeiten.
An Planung, Genehmigung und Durchführung nicht beteiligt Von Petra Grünendahl
Aus Platzgründen findet das Strafverfahren gegen vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent und sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg im CongressCenter der Messe Düsseldorf (CCD) statt. Foto: Petra Grünendahl.
Wenn mich die Staatsanwaltschaft Köln bei ihren Ermittlungen vernommen hätte, wüssten Sie, dass ich nichts zur Aufklärung beitragen kann”, erklärte Duisburgs ehemaliger Baudezernent Jürgen Dressler. Der heute 72-Jährigen sagte zum ersten Mal zu den Geschehnissen vor und bei der Loveparade 2010 im Gerichtssaal aus. Eine frühere Vernehmung habe es zu seinem Bedauern nicht gegeben. Gleich zu Beginn stellte Dressler klar, dass er weder an der Planung noch an Genehmigung oder Durchführung der Loveparade in irgendeiner Art und Weise beteiligt gewesen sei. Die drei noch verbliebenen Angeklagten, die als Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent in die Planungen eingebunden waren, habe er erst im Verfahren auf der Anklagebank kennen gelernt, erklärte er. Über ein „Guten Tag“ und „Wie geht’s?“ hinaus, so Dressler, habe er keinerlei Kontakt zu ihnen gehabt. Am Tag der Loveparade habe er zu Hause den Geburtstag seiner Frau gefeiert, sagte der Pensionär. Am Morgen des Folgetags habe Oberbürgermeister Adolf Sauerland ihn angerufen und gebeten, an der Pressekonferenz teilzunehmen. „Das habe ich abgelehnt“, so Dressler.
Der Vorsitzende Richter Mario Plein von der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg, flankiert von zwei beisitzenden Richterinnen beim Loveparade-Strafprozess. Foto: Lars Heidrich / Funke Foto Services.
Im Strafprozess zur Loveparade-Katastrophe von 2010 hatte die die 6. große Strafkammer des Landgerichts Duisburg den damaligen Baudezernenten Jürgen Dressler als Zeugen geladen. Gegen sieben der zehn Angeklagten – darunter auch Dressler – war zu Jahresbeginn das Verfahren ohne Auflagen eingestellt worden. Die Übrigen wollten sich nicht auf eine Verfahrenseinstellung gegen Auflagen einlassen, so dass gegen die drei damaligen Mitarbeiter der Lopavent GmbH wird wegen fahrlässiger Tötung in 21 Fällen und fahrlässiger Körperverletzung weiter verhandelt wird. Nach dem ehemaligen Kreativdirektor der Lovavent, der im Mai ausgesagt hatte, ist Dressler jetzt der erste der ehemaligen Angeklagten aus Reihen der Stadt Duisburg, die in den Zeugenstand geladen werden. Der Vorsitzende Richter Mario Plein ließ Dressler wie gehabt zunächst erzählen, wie er mit der Loveparade in Verbindung gestanden hatte, bevor er gezielt nachfragte und ihm aus den Ermittlungsakten Sachverhalte vorhielt.
Dresslers freie Erzählung war kurz: zu den Sachverhalten von Planung, Genehmigung und Durchführung könne er keine Aussage machen, da er nicht involviert gewesen sei. Interessante Angaben machte er trotzdem: So war ihm von Rainer Wendt, dem aus Duisburg stammenden Bundesvorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft, zugetragen worden, dass es einen Beschluss im NRW-Innenministerium gegeben habe, dass nicht gegen die Polizei ermittelt würde. Zu Beginn der Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft Köln war auch nur gegen einen Polizeibeamten ermittelt, dass Verfahren aber vor der Klageerhebung eingestellt worden.
Bauaufsicht dem Ordnungsdezernenten unterstellt
Gedenktstätte für Opfer der Loveparade 2010 in Duisburg am Alten Güterbahnhof. Foto: Petra Grünendahl,
Mehrfach wehrte sich Jürgen Dressler gegen die Wortwahl des Richters, das Amt für Baurecht und Bauberatung (Amt 62) habe zu seiner Zuständigkeit gehört und sei im unterstellt gewesen. „Die Bauaufsicht ist eine staatliche Aufgabe, die der Bezirksregierung unterstellt ist“, machte er klar, auch wenn die Ansiedlung des Amtes in seinem Dezernat andere Schlüsse zuließe. Seine Aktenvermerke auf Schriftstücken in den Ermittlungsakten seien Sachverhalte, auf die ihn seine Amtsleiterin hingewiesen hatte, und Entgegnungen (Remonstrationen) gewesen, weil „seinem“ Amt 62 unterstellt worden war, inkompetent und borniert zu sein: „Die Bauaufsicht dient nicht der Beliebigkeit der Antragsteller“, machte Dressler klar. Ein Entgegenkommen in Sicherheitsfragen, um die Veranstaltung zu ermöglichen, hatte die Mitarbeiter zu Recht abgelehnt. Das Bauordnungsamt sei keine planende Behörde, sondern eine genehmigende Behörde: „Die Nutzbarkeit des Geländes für eine Veranstaltung zu prüfen, ist die Aufgabe der Bauaufsicht nach der Versammlungsstättenverordnung“, so Dressler. Man habe weder die Veranstaltung geplant noch eine Veranstaltungsgenehmigung erteilt, sondern eine Baugenehmigung für die vorübergehende Nutzungsänderung eines geschlossenen (Privat-)Geländes. Und als Baugenehmigung sei sie mit der Sorgfalt höchst kompetenter Sachbearbeiter geprüft worden, verteidigte Dressler die Mitarbeiter der Bauaufsicht.
Politisch gewollt
Rathaus am Burgplatz. Foto: Petra Grünendahl.
Die Veranstaltung sei politisch gewollt gewesen als Leuchtturmprojekt im Kulturhauptstadtjahr: Nicht nur von der Landesregierung unter Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU), sondern auch von den Parteien in Duisburg: „Einen Erfolg der Loveparade sollte sich besonders für die CDU positiv auswirken“, so Dressler wörtlich. Auch bei den anderen Parteien habe es keine Opposition zur Loveparade gegeben: Keine Partei wollte allein der CDU das Sonnen im Erfolg gönnen oder zum Spielverderber werden für das große Techno-Spektakel.
Unmittelbaren Druck habe er allerdings nicht bemerkt, auch wenn der damalige Ordnungsdezernent Wolfgang Rabe als verantwortlicher Koordinator der Planungen immer wieder hervorgehoben hatte, dass Oberbürgermeister Adolf Sauerland die Veranstaltung wünsche und man dem Veranstalter entgegen kommen müsse. Außer Bedenken vom ehemaligen Polizeipräsidenten Rolf Cebin, zu dem er damals in seiner Nachbarschaft Kontakt hatte, seien ihm keine Bedenken bekannt gewesen, sagte Dressler. Und auch die von Cebin habe er nur in einem persönlichen Gespräch auf der Straße wahrgenommen. Was wenig wundert, denn nach eigener Aussage war Dressler in die Vorbereitungen nicht involviert gewesen. Die Zuständigkeit für Amt 62 (Bauaufsicht) im Zusammenhang mit der Baugenehmigung für den alten Güterbahnhof hatte OB Sauerland am 3. März 2010 an den Beigeordneten Rabe delegiert, der den Lenkungskreis für Planungen und Genehmigung koordinierte. Das entsprechende Schriftstück findet sich in den Ermittlungsakten und wurde auch hier wieder zitiert. Da wundert sich der Beobachter schon, warum Jürgen Dressler überhaupt auf der Anklagebank gesessen hatte!
Baureife Flächen mit Wasseranschluss und
überregionaler Verkehrsanbindung Von Petra Grünendahl
Stadthafen Wesel. Foto: Petra Grünendahl.
Andreas Stolte, Geschäftsführer der DeltaPort Niederrheinhäfen GmbH und der DeltaPort GmbH & Co. KG. Foto: Petra Grünendahl.
„Auf diesem Areal hatte sich eigentlich ein Futtermittelhersteller ansiedeln wollen, aber nachdem deren Absatz sank, haben sie ihr jüngstes Erweiterungsprojekt gestoppt“, erzählte Andreas Stolte, Geschäftsführer der DeltaPort Niederrheinhäfen GmbH, im Stadthafen Wesel. Das war der einzige Wehrmutstropfen, über den Stolte zu berichten hatte. Dafür steht jetzt ein Filet-Stück mit trimodaler Anbindung im Stadthafen Wesel für eine Neuansiedlung zur Verfügung. Die komplette Kaimauer war erst zwischen 2013 und 2015 erneuert worden, als Hülskens dort auch seine neue Salzverladung baute: Rund 1 Mio. Tonnen Salz aus Rheinberg-Borth werden mittlerweile hier verladen. „Saniert haben wir auch die Gleisanlagen im Hafen und die Gleise bis zum Bahnhof Wesel, wo die Güterzüge ins Netz der Deutschen Bahn wechseln“, berichtete Dieter Thurm, Technischer Leiter der Deltaport GmbH & Co. KG. „Die 300 Meter neue Kaimauer im Rhein-Lippe-Hafen sind im vergangenen Jahr fertig geworden“, erzählte Thurm. Sie dient der Schwergut-Verladung bei Hegmann Transit.
Auf der River Lady gingen rund 200 Gäste auf die Tour „Deltaport vor Ort“. Foto: Petra Grünendahl.
Rhein-Lippe-Hafen in Wesel. Foto: Petra Grünendahl.
Bereits zum siebten Mal (und zum zweiten Mal unter dem Dach der Hafenkooperation DeltaPort Niederrheinhäfen) hatte DeltaPort zu seinem Traditions-Event geladen, rund 200 Gästen aus Politik, Verwaltung und Logistik-Branche die Entwicklung seiner Hafenstandorte „vor Ort“ zu präsentieren. Die Schiffstour mit der River Lady ging vom Anleger an der Weseler Rheinpromenade Richtung Süden über den Stadthafen und den Rhein-Lippe-Hafen (ehemals Ölhafen) in Wesel sowie den Hafen Emmelsum in Voerde bis zum Hafen Rheinberg-Orsoy. Neben Andreas Stolte und Dieter Thurm sprachen auch Vertreter von Kooperationspartnern und Hafenanliegern über ihre Unternehmen, die Entwicklungen ihrer Ansiedlungen und Pläne für Erweiterungen. Dabei bekamen die Gäste einen kleinen Einblick, in welche Richtung die Entwicklung der Häfen gehen soll: Eine weitere Diversifizierung des Ladegutes durch neue Ansiedlungen sowie Engagement in Zukunftsfeldern wie Kühllogistik, Digitalisierung und Nachhaltigkeit (insbesondere in Zusammenarbeit mit Kooperationspartner Hafen Rotterdam) standen ganz oben auf der Agenda.
Die DeltaPort Niederrheinhäfen
Hafen Voerde-Emmelsum. Foto: Petra Grünendahl.
Die DeltaPort Niederrheinhäfen GmbH ist ein Anfang 2018 gegründeter Zusammenschluss der DeltaPort-Häfen (Stadthafen und Rhein-Lippe-Hafen in Wesel sowie Hafen Voerde-Emmelsum) mit den Häfen Emmerich und dem NIAG-Hafen Rheinberg-Orsoy. Ziel der Gesellschafter des Hafenverbundes – DeltaPort GmbH & Co. KG, NIAG Niederrheinische Verkehrsbetriebe AG und Port Emmerich GmbH – ist es, die Binnenhäfen am Niederrhein zu stärken. Gemeinsam bilden die Partner das gesamte Umschlag-Portfolio ab: Von Schüttgütern über Stück- und Schwergut bis zu Flüssiggütern und Containern. Der Güterumschlag betrug im letzten Jahr 7,5 Mio. Tonnen – mit deutlichem Wachstum vor allem beim Massengut (Schütt- und Flüssiggütern) von 13 Prozent und bei Containern von 23 Prozent.
NIAG-Hafen Rheinberg-Orsoy. Foto: Petra Grünendahl.
Die Niederrheinhäfen liegen im Hinterland der Überseehäfen von Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen (ARA). Alle fünf Hafenstandorte profitieren von ihrer Lage jenseits des staubelasteten Ruhrgebiets mit einer hervorragenden Anbindung an überregionale Verkehrswege. Ihre überwiegend trimodale Infrastruktur prädestiniert sie als Drehscheibe für Warenverteilströme, aber auch für Mehrwerte schaffende Unternehmen, die hafenaffine Produktion ansiedeln wollen. Mit Leuchtturmprojekten wie EcoPort 813 und dem Förderprogramm „Innovative Hafentechnologien“ besetzen sie Zukunftsthemen wie Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Insgesamt verfügt DeltaPort aktuell über 81 Hektar baureife Flächen am Wasser. http://www.deltaport-niederrheinhaefen.de
Erinnern heißt mahnen: „Es ist wichtig, dass sich junge Menschen damit beschäftigen” Von Petra Grünendahl
Schüler der Fachklasse Erzieher stellten ihr Kunstprojekt über Sophie Scholl und Anne Frank bei der traditionellen Antikriegstags-Veranstaltung im Ratssaal vor. Foto: Petra Grünendahl.
Die angehenden Erzieher hatten sich im Kunstunterricht mit der Lehrerin Rita Glaser für ein Kunstprojekt mit Anne Frank und Sophie Scholl, Namensgeberin ihrer Schule, beschäftigt. Zur künstlerischen Auseinandersetzung kam die Beschäftigung mit den persönlichen Geschichten, die beide – wenn auch aus unterschiedlichen Gründen – zu Opfern des Nationalsozialismus werden ließ. „Es ist wichtig, dass sich junge Menschen damit beschäftigen“, sagte Angelika Wagner, Vorsitzende des DGB Niederrhein. Denn die Erinnerung mahnt, dass so etwas nicht wieder geschieht. Die Ergebnisse des Kunstprojekts waren am 12. Juni in einer Ausstellung an der Schule in Marxloh zu sehen, wo das Sophie-Scholl-Berufskolleg als Musterbeispiel gelebter Vielfalt gilt. Einen Teil der Exponate hatten die Schüler mit ins Rathaus gebracht und im bzw. vor dem Ratssaal aufgebaut. In einem Gemeinschaftsvortrag stellten Vertreter des Kunstkurses das Projekt dem Publikum vor.
Schüler der Fachklasse Erzieher stellten ihr Kunstprojekt über Sophie Scholl und Anne Frank bei der traditionellen Antikriegstags-Veranstaltung im Ratssaal vor. Foto: Petra Grünendahl.
Zum Antikriegstag hatte der DGB Niederrhein in den Ratssaal der Stadt Duisburg zu seiner Traditionsveranstaltung eingeladen. Angelika Wagner und Bürgermeister Manfred Osenger als Vertreter der Stadt warnten vor der Spaltung der Gesellschaft: Mit Verschwörungstheorien und Lügen würden heute wieder Menschen gegeneinander ausgespielt. Umso wichtiger, dass sich die EU, seit über 70 Jahren Garant für den Frieden in Europa, dem Rechtspopulismus entgegen stelle: „Wieder lassen sich Menschen hier und woanders von Verschwörungstheorien, Lügen und Menschenfeindlichkeit verführen“, sagte Osenger. „Der Antikriegstag gewinnt an Bedeutung, weil die Zahl der bewaffneten Konflikte wächst. Immer mehr Menschen fliehen vor Krieg“, so Osenger. Das Wettrüsten ist weltweit im Gange, Rüstungsausgaben so hoch wie seit dem Ende des Kalten Krieges nicht mehr: „Dieses Geld kann man viel sinnvoller in Bildung investieren, oder in die Pflege mit ordentliche bezahlten Arbeitsplätzen“, so Angelika Wagner. Sie warnte, dass Demokratie, Freiheit und Frieden keine Selbstverständlichkeit seien, sondern mitunter erkämpft werden müssten.
Kranzniederlegung am Mahnmal
Kranzniederlegung mit Schülern und Gästen an der Ruhrorter Straße (v. l.): Angelika Wagner (DGB), Vildan Güngör, Angelina Thill, Bürgermeister Manfred Osenger und Alexandra Orekou. Foto: Petra Grünendahl.
Musikalisch begleitet die Veranstaltung traditionell der Stattchor. Zum Abschluss der Veranstaltung legten der DGB, die SPD-Ratsfraktion und die Stadt Duisburg am Mahnmal für die ermordeten Gewerkschafter an der Ruhrorter Straße Kränze nieder. Die Niederlegung ehrt traditionell stellvertretend alle Opfer des Krieges und des Nationalsozialismus. Das Mahnmal „Erfahrbare Wände“ von Gabriella Fekete – vier leere Stühle vor Steinblöcken – steht auf der Ruhrorter Straße vor dem Haus Nummer 11, wo damals das Gewerkschaftshaus stand. Dort im Keller waren die Duisburger Gewerkschafter Julius Birck, Emil Rentmeister, Johann Schlösser und Michael Rodenstock gefoltert und ermordet und anschließend im Hünxer Wald verscharrt worden (siehe Schriftenreihe der DGB Jugend Duisburg: Broschüre „2. Mai 1933 – Tatort Duisburg“).
Impressionen von der Veranstaltung. Fotos: Petra Grünendahl.
Als Netzwerker bemüht um Konsenz jenseits
politischer und religiöser Überzeugungen Von Petra Grünendahl
Preisverleihung in Wanheimerort (v. l.): Torsten Steinke, Vorsitzender des Wanheimerorter Bürgervereins, Laudator Wolfgang Braun und mit Preisträger Günter Zirbi. Foto: Petra Grünendahl.
Günter Zirbi, der neue Träger des Bürgerpreises. Foto: Petra Grünendahl.
„Günter Zirbi war immer ein guter Netzwerker, ein Strippenzieher im positiven Sinne“, sagte Laudator Wolfgang Braun über den neuen Träger des Wanheimerorter Bürgerpreises. Seit über 20 Jahren kennt Laudator Braun den Wanheimerorter, hat mit ihm im Regionalverein von Gegen Vergessen – Für Demokratie e. V. zusammen gearbeitet. Viele Jahre war Zirbi Braun Stellvertreter als Sprecher des Vereins, engagierte sich im Kampf gegen Rechts. Braun lobte den neuen Preisträger als konsequent, geradlinig und direkt: „Er ist kompromissfähig, ohne seine Überzeugung aufzugeben.“ Zu seinen vielen ehrenamtliche – auch politischen – Engagements zählen 30 Jahre beim Politischen Nachtgebet und seine Zeit als Vorsitzender der KAP Duisburg (Katholische Arbeitnehmer-Bewegung). Seine eigene Überzeugung habe ihn nie abgehalten, so der Laudator, mit Vertretern anderer Religionen oder demokratischen Parteien gemeinsame Wege zu suchen und zu finden.
Torsten Steinke, Vorsitzender des Wanheimerorter Bürgervereins, ehrte Günter Zirbi mit dem Bürgerpreis 2019. Foto: Petra Grünendahl.
Der Wanheimerorter Bürgerverein von 1874 e. V. hatte in den Gemeindesaal von St. Michael eingeladen, um mit Günter Zirbi eine Person zu ehren, die sich um den Stadtteil Wanheimerort (und darüber hinaus) verdient gemacht hat. Der Wanheimerorter Bürgerpreis wird seit 1994 verliehen an Einzelpersonen oder Organisationen. Der Bürgervereinsvorsitzende Torsten Steinke zeichnete des 26. Träger dieses Preises aus, der anlässlich des 120. Vereinsjubiläums ins Leben gerufen worden war. Wanheimerort ist als Siedlung erst 1871 entstanden und damit einer der jüngsten Duisburger Stadtteile, verfügt aber über einen der beiden ältesten Bürgervereine Duisburgs. „Wir brauchen solche politisch engagierten Menschen in einer Zeit, in der Gedankengut der Vergangenheit wieder Fuß fassen will“, erklärte Torsten Steinke die Auswahl des Bürgervereins-Gesamtvorstandes aus den eingereichten Vorschlägen. Steinke dankte dem Verein Gegen Vergessen – Mehr Demokratie e. V. für die Hilfe, die der Bürgerverein unter anderem für eine Gegenveranstaltung zur Nazi-Demo am 1. Mai erhalten hatte.
Den musikalischen Rahmen zur Verleihung des Wanheimerorter Bürgerpreises gestaltete die Formation Faelend. Foto: Petra Grünendahl.
Für die musikalische Begleitung der Ehrung hatte Torsten Steinke die Formation Faelend gewinnen können: Sie interpretieren Tolkiens Ring-Saga musikalisch (Music from the Dark Elves). Ihr vielfältiges Repertoire reicht von rockig bis sanft mit einem Gesang in elbischer Sprache, ist aber keinem Genre zuzuordnen. Der vergleichsweise kleine Gemeindesaal war für die in großer Besetzung erschienen Elben-Musiker akustisch eine Herausforderung, die sie zur Begeisterung des Publikums trefflich meisterten.
Seinen Bürgerpreis verleiht der Wanheimerorter Bürgerverein seit 1994. Foto: Petra Grünendahl.
Günter Zirbi, der neue Träger des Bürgerpreises. Foto: Petra Grünendahl.
Impressionen vom Caravan Salon. Fotos: Petra Grünendahl.
„Auf den Stellplatz am Strand rangiert es sich leicht, doch wie kommt man vom Sand wieder weg?“, fragte Joachim Baumgartner, Geschäftsführer von Concorde, bei der Pressekonferenz rhetorisch. Eine Lösung präsentierte der mittelständische Hersteller von Reisemobilen im Luxus-Premium-Segment auf dem Caravan Salon: Seinen neuen Allrad-SUV-Siebentonner (mit einer Anhängelast von 3,5 Tonnen gebremst). Immer mehr Hersteller bringen mittlerweile geländegängige Camper und Reisemobile (4×4 Allroad) auf den Markt. Aber der Caravan Salon hat natürlich noch viel mehr zu bieten: Das Spektrum riecht von der kleinen Knutschkugel zum stattlichen Wohnwagen von bis 12 Metern Länge, vom ausgebauten Kastenwagen als Wohnmobil für ein oder zwei Personen, dem umgebauten Van oder Transporter bis hin zum Riesenmobil auf Lkw-Basis. In Düsseldorf präsentiert sich die Branche von ihrer vielfältigen und natürlich schillernden Seite. Sie spricht nicht nur den kleine Camper an, sondern auch Menschen, die unterwegs auf keinen Luxus verzichten wollen. Von wenigen Tausend Euro bis hin zu über 1,5 Mio. Euro reicht die Preisspanne. Auch wenn man sich die meisten dieser Mobile sich nicht leisten kann: Mal gucken lohnt sich!
Impressionen vom Caravan Salon. Fotos: Petra Grünendahl.
Die Branche ist wieder zu Hause in ihrem Wohnzimmer: Am Wochenende öffnet der Caravan Salon unter dem Motto „In der Welt zu Hause“ auf der Messe in Düsseldorf seine Pforten. Alle Größen der Branche – von Knaus Tabbert, Dethleffs, Bürstner, Hymer oder Carthago bis Reimo, Adria, La Strada, Fendt oder Niesmann & Bischof sowie Fiat, Ford, Mercedes, Peugeot, Renault oder VW Nutzfahrzeuge, um hier nur eine Auswahl zu nennen – präsentieren ihr aktuelles Programm ebenso wie Neuheiten und Innovationen. Nach dem Fachbesuchertag zum Auftakt können nun auch Camping-Fans und Wohnmobil-Interessierte eine breite Palette dessen begutachten, was an Neuheiten auf den Markt kommt: Reisemobile und Wohnwagen aller Größen und Klassen vom Einsteiger für kleineres Geld bis Premium-Luxus stehen im Mittelpunkt der Schau. Darüber hinaus gibt es Technik und Zubehör, Zelte und Falt-Caravans. Aber auch mit Themenspektren wie Telekommunikation und Konnektivität, Sicherheit, Ökologie und Elektromobilität stellen sich die Hersteller und Zulieferer dar.
Impressionen vom Caravan Salon. Fotos: Petra Grünendahl.
Zu den Features mit Zukunftspotenzial gehört das 48-Volt-Netz im Wohnwagen, das den Betrieb eines Kühlschranks ebenso ermöglicht wie den Elektroherd (also das gasfreie Kochen). Ein weiterer Trend fällt auf: neben Weiß und Hellgrau gibt es viele Reisemobile mittlerweile auch Farben wie Schwarz, dunkleren Grautönen und sogar Blau oder Rot. In der Starter Welt (Halle 18) gibt es eine Beratung für Caravan- und Camping-Einsteiger. Auf insgesamt 214.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche zeigen mehr als 130 Marken über 2.100 Freizeit-Fahrzeuge aller Art. Aufgrund zahlreicher Jubiläen – von 15 bis 175 Jahre – bieten Hersteller Sonder-Editionen an. Der Caravan Salon ist auch immer eine Verkaufsmesse: Zu „Messe-Preisen“ gibt es das eine oder andere Modell schon mal günstiger – zumindest in seinem jeweiligen Preissegment.
Impressionen vom Caravan Salon. Fotos: Petra Grünendahl.
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Öffnungszeiten und Preise
Impressionen vom Caravan Salon. Fotos: Petra Grünendahl.
Noch bis zum Sonntag, 8. September, läuft der Caravan Salon in Düsseldorf. Ab Freitag, 6. September, kommt zum Caravan Salon noch die TourNatur in Messehalle 6 dazu. Tageskarten gibt es zum Preis von 18 Euro, ermäßigt 15 Euro (online gekauft für 15 bzw. 11 Euro, weitere Ermäßigungen gibt es hier). Geöffnet ist der Caravan Salon täglich von 10 bis 18 Uhr. Das Messegelände an der Stockumer Kirchstraße in der Nachbarstadt ist von Duisburg sehr gut und stressfrei mit der U79 (Haltestelle: Messe Ost / Stockumer Kirchstraße) zu erreichen. Weitere Informationen gibt es im hier.