Deutsche Oper am Rhein: Puccinis „La Bohème“ begeisterte das Publikum im Theater Duisburg

Scheitern an der Utopie einer Liebe
Von Petra Grünendahl

Bogdan Baciu (Marcello), Luke Stoker (Colline), Richard Šveda (Schaunard), Eduardo Aladrén (Rodolfo). Foto: Hans Jörg Michel.

Vier Freunde – Rodolfo (Eduardo Aladrén), Marcello (Bogdan Baciu), Schaunard (Richard Sveda) und Colline (Beniamin Pop) – leben in einer Künstlergemeinschaft mit ausgelassener Lebensfreude als „Bohèmien“ – immer am Rande der Pleite. Sie leben mehr das Künstlerleben als ihre Kunst. Die Miete für die letzten drei Monate haben sie mal wieder nicht bezahlt, den Vermieter Benoît (Peter Nikolaus Kante) wurde man nur wegen eines außerehelichen Seitensprungs ohne Zahlung los.

Liana Aleksanyan (Mimì), Eduardo Aladrén (Rodolfo), Richard Šveda (Schaunard), Bogdan Baciu (Marcello). Foto: Hans Jörg Michel.

Dafür bändeln gleich zwei der Lebenskünstler, der Poet Rodolfo und der Maler Marcello, mit Frauen an: mit der Näherin Mimi (Liana Aleksanyan) und der leichtlebigen Musetta (Lavinia Dammes). In Puccinis Arien und Duette treiben die fantastischen Sänger die Handlung von ihrem eher komödiantischen Beginn hin zu ihrem tragischen Ende: Denn die Liebe gestaltet sich als Utopie, die zerbricht. Rodolfo verehrt stimmgewaltig in Mimi seine Muse, die Idealisierung seiner Liebe. Er kann nicht mit ihr, aber auch nicht ohne: Dass sie schwer krank ist, merkt er gar nicht, bis sie im Sterben liegt. Und das so schön dramatisch und stimmgewaltig, wie Helden nur in der Oper sterben.

 

Eduardo Aladrén (Rodolfo), Liana Aleksanyan (Mimì). Foto: Hans Jörg Michel.

Giacomo Puccinis (1858 –1924) Oper „La Bohème“ begeistert seit seiner Premiere am Theater Duisburg im November das Publikum. Die 1896 im Turiner Teatro Regio uraufgeführte Oper, das vierte Bühnenwerk des Komponisten, spielt im Paris der 1830er-Jahre und gilt heute als sein Meisterwerk. Die Deutsche Oper am Rhein legte hier eine Neuinszenierung von Philipp Westerbarkei, einem Regie-Talent aus eigenem Haus, vor. Auf mehreren Ebenen erzählt die Oper die Geschichten von Rodolfo und Mimi sowie Marcello und Musetta, die eingebettet sind in das Bohème-Leben der vier Freunde und ihrer Umgebung. Das Libretto schrieben Giuseppe Giacosa und Luigi Illica nach den „Scènes de la Vie de Bohème“ von Henri Murger. Die durchkomponierte Oper in vier Bildern wird gesungen in italienischer Sprache. Deutsche Übertitel erleichtern das Verständnis der Handlung. Sie dauert inklusive Pause knappe zweieinhalb Stunden.

 

 
Akteure begeisterten das Publikum

Lavinia Dames (Musetta), Bogdan Baciu (Marcello). FOoto: Christoph Reichwein.

Mit der Intonierung von Puccinis vielfältiger, komödiantisch bis tragischer Komposition glänzten die ganz hervorragend aufgelegte Duisburger Philharmoniker unter der Leitung des italienischen Kapellmeisters Antonino Fogliani, der als einer der führenden Belcanto-Dirigenten gilt (von „bel canto“ = ital. schöner Gesang), wobei die „Bohème“ historisch nicht mehr in diese Kategorie fällt. Die opulenten Chorszenen in der ersten Hälfte der Oper, dem eher komödiantischen Part, meisterte der Chor am Rhein unter der Leitung von Gerhard Michalski, den der Kinderchor am Rhein unter der Leitung von Sabina López Miguez unterstützte. Der zweite Teil setzt eher tragische Schwerpunkte, die sich auf einzelne Figuren bzw. Paar-Konstellationen konzentrieren. Viel Szenenapplaus gab es im voll besetzten Theater für die herausragenden Solosänger, die allesamt dem Ensemble der Deutschen Oper am Rhein angehören. Aber auch den nahezu endlosen minutenlangen Schlussapplaus hatten sich alle Sänger und Musiker wirklich verdient!

Liana Aleksanyan (Mimì), Eduardo Aladrén (Rodolfo), Richard Šveda (Schaunard), Luke Stoker (Colline), Peter Nikolaus Kante (Alcindoro), Lavinia Dames (Musetta), Bogdan Baciu (Marcello), Damen des Chores der Deutschen Oper am Rhein. Foto: Christoph Reichwein.

Anzeige
Mit seiner ersten großen Inszenierung bei der Deutschen Oper am Rhein glänzte Philipp Westerbarkei (Jahrgang 1987). Westerbarkei ist seit 2013/14 Spielleiter an der Deutschen Oper am Rhein, wo er 2016 erste Regie-Erfahrungen im Format „Young Directors“ mit dem Stück „Trouble in Tahiti“ (Leonard Bernstein) sammeln durfte. Überzeugt von seinen Fähigkeiten hatte ihm Opernintendant Prof. Dr. Christoph Meyer 2017 die Inszenierung der Kinderoper „Wo die wilden Kerle wohnen“ anvertraut, bevor er ihm hier mit „La Bohème“ auch die große Bühne überließ. Wie schon bei „Trouble in Tahiti“ und „Wo die wilden Kerle wohnen“ arbeitete Westerbarkei mit der renommierten Kostüm- und Bühnenbildnerin Tatjana Ivschina zusammen, die an der Deutschen Oper am Rhein vor allem zahlreiche Kinderopern visuell gestaltet hatte. Das Lichtdesign lag in den bewährten Händen von Volker Weinhart.

 

 
Ein kleiner Vorgeschmack:

 

 

Liana Aleksanyan (Mimì), Eduardo Aladrén (Rodolfo), Luke Stoker (Colline), Richard Šveda (Schaunard), Peter Nikolaus Kante (Alcindoro), Lavinia Dames (Musetta), Bogdan Baciu (Marcello). Foto: Hans Jörg Michel.

 
Weitere Termine im Theater Duisburg:

Bogdan Baciu (Marcello), Richard Šveda (Schaunard), Luke Stoker (Colline), Eduardo Aladrén (Rodolfo). Foto: Hans Jörg Michel.

Sa | 21. Dezember 2019 | 19:30 Uhr,
Mi | 25. Dezember 2019 | 18:30 Uhr,
Di | 28. April 2020 | 19:30 Uhr,
Sa | 2. Mai 2020 | 19:30 Uhr und
Mi | 13. Mai 2020 | 19:30 Uhr.

 

 

Lavinia Dames (Musetta), Liana Aleksanyan (Mimì), Eduardo Aladrén (Rodolfo), Bogdan Baciu (Marcello). Foto: Hans Jörg Michel.

Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten samstags und feiertags zwischen 19,00 und 76,00 Euro, sonst 17,00 bis 67,00 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

 
© 2019 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Hans Jörg Michel (6), Christoph Reichwein (2)

 

Über Petra Grünendahl

"Mich kann man nicht beschreiben, mich muss man erleben ;-)" . . . . . . . . . . . . Freie Journalistin aus Duisburg (Ruhrgebiet, Deutschland). . . . . . . . . . . . . . . . . IN*TEAM Redaktionsbüro Duisburg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Auto-Testberichte, Verkehrssicherheit, Binnenschifffahrt & Logistik, . . . . . . . Wirtschaft & Verbraucherthemen und vieles mehr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, Strategien & Konzepte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (Foto: Petra Grünendahl)
Dieser Beitrag wurde unter Duisburg, Kultur abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen