Bundestagspräsidentin Bärbel Bas MdB trug sich ins Goldene Buch der Stadt Duisburg ein

Ehrung mit Feierstunde im Lehmbruck Museum

 

„Berlin kann jeder, Duisburg muss man wollen.“
Und ich will!
Glück auf!

Bärbel Bas

 

Oberbürgermeister Sören Link (l.) mit Bundestagspräsidentin Bärbel Bas MdB (r.) vor dem Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.

„Alles, was dich ausmacht, ist noch da“, sagte Oberbürgermeister Sören Link, als er an gemeinsame Zeiten in der Walsumer SPD und bei den Jusos erinnerte. Bundestagspräsidentin Bärbel Bas MdB trug sich in der Feierstunde im Lehmbruck Museum ins Goldene Buch der Stadt ein. Eine große Ehre, betonte sie. „Menschen sagen mir“, so die Geehrte, „sie seien stolz, dass eine von ihnen in dieser wichtigen Position ist. Und ich bin stolz, eine von ihnen zu sein.“

Bundestagspräsidentin Bärbel Bas MdB trug sich ins Goldene Buch der Stadt Duisburg ein. Foto: Petra Grünendahl.

Bärbel Bas ist seit Oktober 2021 Präsidentin des Deutschen Bundestages. Damit bekleidet die 54-jährige Sozialdemokratin protokollarisch das zweithöchste Amt in Deutschland. Zugute kommen der gebürtigen Walsumerin dabei auch der unverwüstliche Humor und die Mentalität des Ruhrgebiets. Ihr Motto: „Nicht nur klagen, sondern selbst anpacken!“

„Mit dem Amt hat sich verändert, wie ich als Person wahrgenommen werde. Manche fragen: Dürfen wir Dich denn jetzt noch duzen?“, erzählte Bärbel Bas Sven Lilienström, Gründer der Initiative Gesichter der Demokratie, der uns dieses Interview zur Verfügung stellte.

 
Sven Lilienström sprach mit Bärbel Bas über Demokratiebildung, zivilgesellschaftliches Engagement und die Frage, ob wir in Deutschland eine neue Diskussions- und Debattenkultur brauchen.

 
Frau Bas, als Bundestagspräsidentin repräsentieren und vertreten Sie seit Oktober 2021 den Deutschen Bundestag: Welchen Stellenwert haben Demokratie und demokratische Werte für Sie ganz persönlich?

Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla begrüßte die Gäste zur Feierstunde. Foto: Petra Grünendahl.

Unsere moderne, freiheitliche Demokratie ist für mich mehr als eine Regierungsform. Sie steht für ein Gesellschaftsmodell, das die Würde und die Freiheit des einzelnen Menschen in den Mittelpunkt stellt. Unsere Demokratie überträgt den Bürgerinnen und Bürgern aber auch Verantwortung für ihr Gemeinwesen und ermöglicht ihnen Teilhabe und Mitsprache. Sie kann deshalb nur bestehen, wenn die Menschen bereit sind, sich einzubringen und mitzuwirken. Eine Demokratie wie unsere ist eine wertvolle Errungenschaft, die wir pflegen und verteidigen müssen. Dafür werbe ich.

 
Autokratien wie Russland attackieren zunehmend die Werte unserer Demokratie. Gleichzeitig bereiten soziale Verwerfungen den Nährboden für Populisten wie Marine Le Pen. Steckt die Demokratie in einer Systemkrise?

Oberbürgermeister Sören Link. Foto: Petra Grünendahl.

Autoritäre Regime sehen die Demokratie als Feindbild. Vor allem deshalb, weil sie für die Menschen attraktiv ist, die in diesen autoritären Staaten leben müssen. Der russische Angriff auf die Ukraine gilt auch dem Wunsch des ukrainischen Volkes nach Selbstbestimmung und Demokratie.

Demokratien sind am besten in der Lage, flexibel auf Bedrohungen zu reagieren und Krisen gemeinsam zu bewältigen. Das haben wir in der Corona-Pandemie bewiesen und auch jetzt im Ukraine-Krieg. Um weiter im globalen Wettbewerb der Herrschafts- und Gesellschaftsformen zu bestehen, müssen wir beständig dazulernen, noch enger mit unseren Partnern in Europa wie der Welt zusammenarbeiten und auch soziale Verwerfungen aktiv angehen. Populisten schüren gezielt Politikverachtung. Um dagegen zu halten, müssen wir deutlicher machen, wie unsere Demokratien arbeiten und was sie für ihre Bürgerinnen und Bürger leisten.

 
Laut „Demokratieindex 2021“ ist die Demokratie mit 45,7 Prozent weltweit auf dem Rückzug – einst stabile Demokratien erodieren. Brauchen wir mehr Demokratiebildung und zivilgesellschaftliches Engagement?

Bundestagspräsidentin Bärbel Bas MdB zwischen Dr. Söke Dinkla und Ex-MdB Johannes Pflug. Foto: Petra Grünendahl.

Meine Antwort dürfte nicht überraschen: Beides ist notwendig. Die Demokratie lebt von gut informierten und engagierten Menschen. Dafür kann die Politik einiges tun: Indem sie zum Beispiel solide Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen für Journalistinnen und Journalisten bietet. Indem sie politische Bildungsangebote bereitstellt, die auch wirklich alle gesellschaftlichen Gruppen erreichen – nicht nur diejenigen, die ohnehin schon politisch interessiert sind.

Die Schulen spielen eine wesentliche Rolle. Sie müssen Kindern und Jugendlichen ermöglichen, gesellschaftliche Fragen zu diskutieren, sich über die aktuelle Politik auszutauschen. Unseren Kindern und Jugendlichen sollten wir einen Weltzugang ermöglichen, der alle sozialwissenschaftlichen Disziplinen einbezieht. Dafür gibt es das Fach Sozialwissenschaften. Wir brauchen mehr statt weniger sozialwissenschaftliche Bildung. Ganz besonders in diesen Zeiten wachsender Herausforderungen in der Bildungsarbeit gegen Antisemitismus, Rassismus oder Populismus.

Demokratie muss erlernt und geübt werden. Schülerinnen und Schüler müssen die grundlegenden Verfahren unserer Demokratie kennenlernen und in Klassenräten etc. erproben. Um zu engagierten Bürgerinnen und Bürgern heranzuwachsen, brauchen sie Zeit und Raum für eigene Ideen, Diskussion und Kritik. Auch die Chance, Verantwortung zu übernehmen.

Deswegen ist es ganz entscheidend, schon die angehenden Lehrerinnen und Lehrer bei der Werte- und Demokratievermittlung zu schulen. Demokratiebildung endet nicht mit der Schulzeit oder dem Universitätsabschluss. Überall muss erfahrbar werden, was es heißt, sich einzubringen und durch demokratische Verfahren etwas zu verändern.

Dazu müssen wir zusätzliche Freiräume schaffen, vor allem in der Arbeitswelt. Wir müssen alle unterstützen, die sich gerne engagieren würden, aber sich dazu nicht in der Lage sehen. Ich bin sicher, dass wir da noch viel Potential aktivieren können. Sowohl in der Pandemie als auch bei der Aufnahme ukrainischer Flüchtlinge haben wir gesehen, wie solidarisch, tatkräftig und kreativ unsere Zivilgesellschaft ist.

 
Die Meinungsfreiheit – auch in den sozialen Medien – gilt als Gradmesser für den Zustand einer Demokratie. Dennoch: Was tun gegen Hass und Hetze im Netz und wie bewerten Sie den Kauf von Twitter durch Elon Musk?

Bundestagspräsidentin Bärbel Bas MdB trug sich ins Goldene Buch der Stadt Duisburg ein. Foto: Petra Grünendahl.

Die Meinungsfreiheit ist ein zentrales demokratisches Grundrecht. Hass und Hetze sind aber keine legitime Meinung. Aus gutem Grund betont der Artikel 5 unserer Verfassung die Grenzen dieses Grundrechts. Diese Grenzen gelten auch im Internet. Die europäischen und nationalen Regeln für den digitalen Raum sind durchzusetzen – auf allen Plattformen, egal ob sie Elon Musk oder Mark Zuckerberg gehören. Kurzum: Es ist nicht verboten, sich auch im Netz mit Respekt und Anstand zu begegnen.

 
Im Podcast der „Hörbar Rust“ kritisierten Sie, dass viele Diskussionen nicht mehr im Parlament stattfinden, sondern in Talkshows. Brauchen wir eine neue Diskussions- und Debattenkultur in Deutschland? Was schlagen Sie vor?

Der Deutsche Bundestag ist der wichtigste Ort für die politische Debatte in Deutschland. Damit das so bleibt, müssen wir überlegen, ob wir mit unseren Abläufen im Plenum und in den Ausschüssen noch auf der Höhe der Zeit sind. Deshalb unterstütze ich die in der Diskussion befindlichen Pläne zur Reform unserer Geschäftsordnung. Bei der letzten großen Reform 1980 hieß der Bundeskanzler noch Helmut Schmidt.

Klar ist: Wir müssen mit unserer Arbeit und unseren Abläufen im Deutschen Bundestag näher an die Bürgerinnen und Bürger heran. Dazu gehört in erster Linie Transparenz und eine verständliche Sprache. Dabei müssen wir auf jene stärker zugehen, denen „die Politik“ fremd geworden ist. Die politische Teilhabe aller Menschen in unserem Land ist mir ein Herzensanliegen.

Die Diskussionskultur liegt übrigens nicht allein in der Hand der Politik. Alle sind gefordert sich zu beteiligen. Alle können ihren Beitrag leisten, dass wir fair, respektvoll und auf der Basis von Argumenten miteinander reden. Und dadurch zu guten Ergebnissen kommen.

 
Kürzlich wurden bei Anti-Israel-Demonstrationen offen judenfeindliche Parolen skandiert – auch antisemitische Straftaten aus dem rechten Spektrum nehmen zu. Haben wir ein Antisemitismus-Problem in Deutschland?

Bundestagspräsidentin Bärbel Bas MdB trug sich ins Goldene Buch der Stadt Duisburg ein. Foto: Petra Grünendahl.

Antisemitismus war nie verschwunden. Seine Erscheinungsformen haben sich verändert. Im 20. Jahrhundert gipfelten Hetze und Hass gegen Juden im nationalsozialistischen Vernichtungswahn, Millionen wurden entrechtet, verfolgt und ermordet. Auch heute noch gibt es Unbelehrbare, die diese Verbrechen kleinreden oder leugnen. Auch heute werden immer noch und schon wieder Jüdinnen und Juden beleidigt, gedemütigt und attackiert. Manche Täter versuchen, ihre antisemitischen Motive als legitime Israelkritik zu tarnen. Das ist gerade angesichts unserer Vergangenheit unerträglich. Wir dürfen die Augen nicht verschließen vor Antisemitismus – egal, in welchem Gewand er auftritt. Wir sind in Politik und Gesellschaft gefordert, konsequent dagegenzuhalten. Das ist für mich eine Verpflichtung aus unserer Geschichte.

 
Frau Bas, Sie bekleiden – in einer für unsere Demokratie herausfordernden Zeit – protokollarisch das zweithöchste Amt in Deutschland. Woher nehmen Sie die Energie und wie hat sich Ihr Alltag seit Ihrem Amtsantritt verändert?

Bundestagspräsidentin Bärbel Bas MdB. Foto: Petra Grünendahl.

Mein Alltag ist noch viel enger getaktet als er es als Bundestagsabgeordnete sowieso schon war – auch am Wochenende, da viel ehrenamtliches Engagement natürlich nicht an Werktagen stattfinden kann. Das habe ich aber schon immer positiv gesehen. Jetzt kommt zu meiner Arbeit in Berlin und meinem Duisburger Wahlkreis die Repräsentation des Deutschen Bundestages im In- und Ausland. Das macht mir zunehmend mehr Freude.

Die nötige Energie hat mir schon immer Musik gegeben. Jetzt im Sommer komme ich hoffentlich auch wieder zum Motorradfahren, um den Kopf freizubekommen. Außerdem hilft mir immer der unverwüstliche Humor und die Mentalität des Ruhrgebiets: Nicht nur klagen, sondern selbst anpacken und einfach anfangen.

Mit dem Amt hat sich verändert, wie ich als Person wahrgenommen werde. Die Leute schauen anders auf mich – gerade im Wahlkreis merke ich das. Manche fragen: Dürfen wir Dich denn jetzt noch duzen? Natürlich dürfen sie. Genau diese Gespräche geben mir auch viel Energie und halten mich auf den Boden der Tatsachen.

Vielen Dank für das Interview Frau Bas!

 
Interview: Sven Lilienström / Initiative Gesichter der Demokratie,
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Lektüretipp: Lieblingstouren Ruhrgebiet – Unterwegs auf ungewöhnlichen Radrouten im Klartext Verlag

Spannende Ausflugsziele auf dem Fahrrad entdecken
Von Petra Grünendahl

Lieblingstouren Ruhrgebiet: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Gleich auf der ersten Tour führt Thomas Terbeck den Leser durch Duisburg. Industriekulissen, Strukturwandel, aber auch Natur. Weitere Touren gehen natürlich auch auf Halden, die für den Radfahrer auch schon mal – zum Beispiel beim Halden-Hopping – sportlich eine Herausforderung sind. Neben den Halden kommt der Radfahrer auch an einigen ehemaligen Zechenstandorten vorbei, auf denen heute noch Fördergerüste stehen, von denen das eine oder andere nicht eingezäunt oder zumindest zu Öffnungszeiten zugänglich ist. Manche sind auch mittlerweile Museum. Die Strecken führen auch durch viel Grün: Egal, ob sich die Natur eine Brache zurück geholt hat oder die Grünflächen künstlich geschaffen wurden. Viele Orte am Wegesrand sind spannend und dürften den meisten eher unbekannt sein, liegen die Touren doch nicht gerade an den üblichen Ausflugsrouten. Zumal der Autor auch gezielt nach dem Besonderen am Weg seiner Strecken gesucht und diese in seinen Wegbeschreibungen versteckt hat: Geschichte und Geschichten findet er an jeder Ecke. Man nimmt das Buch zum Stöbern immer gerne wieder in die Hand, um das Ruhrgebiet noch mal ein bisschen anders und besser kennen zu lernen.

 

Lieblingstouren Ruhrgebiet: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Thomas Terbeck, auch bekannt als bikingtom, ist auf seinen „Lieblingstouren Ruhrgebiet“ unterwegs auf ungewöhnlichen Radtouren, wie der Untertitel verspricht. Zwölf Touren, die er auf jeweils 10 bis 16 Seiten beschreibt, führen den Leser so durch Duisburg, Mülheim, Dinslaken, Bottrop, Gelsenkirchen, Bochum, Dinslaken, Hattingen, Witten, Dortmund, Herdecke, Herne und den Kreis Recklinghausen. Detaillierte Wegbeschreibungen (häufig auch abseits der zu Radwegen umgebauten ehemaligen Bahntrassen) führen vorbei an allen möglichen interessanten Zielen, auf die er – unter Am Weg und Abstecher – mit interessanten Details zu ihrer Geschichte und Entwicklung eingeht. Und natürlich dürfen auch die Gastronomie-Tipps für die kleine Rast unterwegs nicht fehlen. Technische Daten zu Tour-Dauer (2 bis 4 Stunden, wer mehr gucken will, sollte mehr Zeit einplanen), Wegstrecke (24 bis 49 Kilometer) und Höhenunterschiede (140 bis 410 Meter) liefert das Buch gleich mit. Start und Ziel sind überwiegend Bahnhöfe, die jedoch auch Parkmöglichkeiten für diejenigen bieten, die mit dem Auto ankommen. Allerdings sind nicht alle Touren als Rundkurse angelegt, so dass man vom Ziel entweder mit dem Zug oder mit dem Fahrrad zum Ausgang der Tour zurück muss. Hilfreich sind für Radfahrer auch die Angaben zur Wegbeschaffenheit der Route (Asphalt, Schotter, Wald-/Feldwege, von gut befahrbar bis ruppig) und Schwierigkeitsgrad (leicht bis schwer). Unter „Besonderheiten“ fasst Terbeck die Reize der der einzelnen Strecken zusammen.

Weitere Tipps:
https://www.route-industriekultur.ruhr/unterwegs-auf-der-route/route-per-rad/

 
 

 
Der Autor und das Buch

Lieblingstouren Ruhrgebiet: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Thomas Terbeck (Jahrgang 1977) ist Medientechnologe, leidenschaftlicher Radfahrer und Fahrrad-Blogger. Er betreibt den Blog bikingtom und berichtet dort über die Faszination des Radfahrens. Das Ruhrgebiet ist seine Heimat: Der gebürtige Essener lebt in Borbeck.
bikingtom.com

 
Das Buch „Lieblingstouren Ruhrgebiet – Unterwegs auf ungewöhnlichen Radrouten“ von Thomas Terbeck ist im Essener Klartext Verlag erschienen. Das 160-seitige Taschenbuch aus der Reihe „Schönes NRW“ mit zahlreichen Fotografien (die meisten vom Autor selber), spannenden Informationen und detaillierten Karten ist für 18,95 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-8375-2458-1).

 

 
Der Verlag

Lieblingstouren Ruhrgebiet: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Der Klartext Verlag wurde 1983 gegründet, seit 2007 ist er Teil der Funke Mediengruppe. Seine Heimat liegt im Ruhrgebiet, wo auch der überwiegende Teil seiner Publikationen angesiedelt ist: Freizeitführer, Sachbücher, Kalender und Bildbände. Mit der „Von oben“-Reihe kann man Städte nicht nur im Ruhrgebiet, sondern in ganz Deutschland aus der Vogelperspektive bewundern. Und mit der Reihe „Irrtümer und Wahrheiten“ (bei ihrem Start im Verlagsprogramm hieß die Serie noch „Klugscheißer“) lernt der Leser Neues zu verschiedenen Orten, Themen und Fußballvereinen – unterhaltsam und fundiert, denn, so der Verlag: „wir machen Bücher mit Qualität und gerne auch mal einem Augenzwinkern.“
www.klartext-verlag.de

 
Der Blick ins Buch. Fotos: Petra Grünendahl

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© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Unterwegs zu sagenhaften Orten im Ruhrgebiet: Märchenhaft wandern im Klartext Verlag

Wanderstrecken in der Region auch mal anders entdecken
Von Petra Grünendahl

Märchenhaft wandern: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Vor den Zeiten der Schwerindustrie und der Ruhrbarone war das heutige Ruhrgebiet ländlich geprägt: Mit Bauern, Rittern, Gutsherren und den Fürstäbtissinnen des Stifts zu Essen, die ab dem 14. Jahrhundert die wirtschaftlichen Geschicke der Region bis in die Industrialisierung maßgeblich beeinflussten. Bis heute sind viele Wälder erhalten, sind auf Halden neue (Industrie-)Wälder gewachsen. Selbst Berge gibt es – und das sogar jenseits der (künstlich angelegten) Halden. Da lässt es sich gut wandern: Durch ländliche Gegenden ebenso wie schon mal mitten durch die Stadt und fast doch nur durchs Grün. Was das Ruhrgebiet von den bekannten Wanderregionen unterscheidet, sind jedoch seine vielen interessanten Marken am Weg: „Häuser“ jeglicher Größenordnung und Nutzung aus früherer Zeit, Besonderheiten der Natur und Denkmäler. Und das alles in einer Dichte, die in anderen Regionen nicht zu finden ist. Um die Gebäude, aber auch um Orte und Menschen ranken sich nicht nur Geschichte(n), sondern mitunter auch Sagen und Legenden – und auch mal ein wahres Märchen.

 

Märchenhaft wandern: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

In ihrem neuen Wanderführer „Märchenhaft wandern“ nehmen Nikola Hollmann und Andrea Slavik den Leser mit zu sagenhaften Orten im Ruhrgebiet. In Hünxe, Essen (2 Touren), Gelsenkirchen, Hattingen, Bochum, Witten, Dortmund, Holzwickede, Haltern am See, Oer-Erkenschwick und Hamm haben die Autorinnen Strecken ausgemacht, die sich nicht nur zum Wandern eignen, sondern mit vielen Besonderheiten und Stätten am Wegesrand mehr zu bieten haben. Der aufmerksame Leser wird viele ihm unbekannte Orte finden, weil die Strecken natürlich nicht an den gängigen Ausflugsrouten liegen. Den zwölf Touren sind jeweils 10 bis 14 Seiten gewidmet: Mit ausführlichen Beschreibungen der Wanderwege, Interessantem am Rande des Weges (Am Weg) mit Beschreibungen und Geschichte der Örtlichkeiten, mit Gastronomie-Tipps sowie doppelseitigen Karten der Strecken, die die Wegeplanung erleichtern. Garniert ist das Ganze mit Sagen, Märchen und Legenden zu den angesteuerten Zielen – fantasievoll und mitunter etwas eigenwillig neu erzählt. Die Autorinnen geben Informationen zu Wanderzeit (zwischen 1:45 und 3:15 Stunden, man sollte aber für das Erkunden von spannender Umgebung weitere Zeit einplanen), Wanderstrecke (5,5 bis 13 Kilometer) und zu überwindenden Höhenmetern an (10 bis 500 Meter). Außerdem wichtig sind die Anreise mit dem ÖPNV (auf der einen oder anderen Karte ist auch ein Parkplatz eingezeichnet) zum Start/Ziel der Wanderung sowie Beschaffenheit der Strecke (u. a. Wald- und Feldwege, Schotter, Asphalt), damit der Wanderer weiß, was ihn (auch körperlich) erwartet. Die Wanderwege haben die Hollmann und Slavik selbst erprobt. Zu den Routen sind auch gpx-Daten verfügbar.

 

 
Die Autorinnen und das Buch

Märchenhaft wandern: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Die Rheinländerin Nikola Hollmann ist Journalistin und Theologin, die Tirolerin Andrea Slavik Filmemacherin und Esoterikerin. Die beiden haben sich bei der Ausbildung zu Wanderführern im Deutschen Wanderverband kennen gelernt. Seitdem sind sie gemeinsam unterwegs und bringen ihre Erfahrungen in Wander- und Reisebüchern zu Papier. Immer wieder zieht es sie in die Kultur- und Industrielandschaft des Ruhrgebiets – auf der Suche nach dem Speziellen und dem Magischen. Die Alpen des Ruhrgebiets haben sie zum Thema von Büchern gemacht: Von dem Autoren-Team stammen auch die Wanderführer „Wanderbare Halden“ und „Halden, Himmel, Horizonte“, die wir bereits in Augenschein nehmen durften.

 
Das Buch „Märchenhaft wandern – Unterwegs zu sagenhaften Orten im Ruhrgebiet“ von Nikola Hollmann und Andrea Slavik ist im Essener Klartext Verlag erschienen. Das 160-seitige Taschenbuch aus der Reihe „Schönes NRW“ mit zahlreichen Fotografien (überwiegend von den Autorinnen selber), spannenden Informationen und detaillierten Karten ist für 18,95 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-8375-2433-8).

 

 
Der Verlag

Märchenhaft wandern: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Der Klartext Verlag wurde 1983 gegründet, seit 2007 ist er Teil der Funke Mediengruppe. Seine Heimat liegt im Ruhrgebiet, wo auch der überwiegende Teil seiner Publikationen angesiedelt ist: Freizeitführer, Sachbücher, Kalender und Bildbände. Mit der „Von oben“-Reihe kann man Städte nicht nur im Ruhrgebiet, sondern in ganz Deutschland aus der Vogelperspektive bewundern. Und mit der Reihe „Irrtümer und Wahrheiten“ (bei ihrem Start im Verlagsprogramm hieß die Serie noch „Klugscheißer“) lernt der Leser Neues zu verschiedenen Orten, Themen und Fußballvereinen – unterhaltsam und fundiert, denn, so der Verlag: „wir machen Bücher mit Qualität und gerne auch mal einem Augenzwinkern.“
www.klartext-verlag.de

 
Der Blick ins Buch. Fotos: Petra Grünendahl

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© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Deutsche Oper am Rhein stellte Programm für die kommende Spielzeit vor

Zurück mit den großen Produktionen
Von Petra Grünendahl

Christoph Meyer. Foto: Susanne Diesner.

„Im Mittelpunkt der kommenden Opernsaison stehen große Stoffe zeitgenössisch interpretiert und in neuen, spannenden Regiehandschriften präsentiert“, versprach Prof. Christoph Meyer, Generalintendant der Deutschen Oper am Rhein bei der Vorstellung des Programms für die kommende Spielzeit. Zu den Neuproduktionen in Duisburg zählt Richard Wagners „Der fliegende Holländer“ sowie „Die tote Stadt“ von Erich Wolfgang Korngold. Nach Duisburg kommen zudem Francesco Cileas Oper „Adriana Lecouvreur“, die in der vergangenen Spielzeit in Düsseldorf gespielt wurde. Verdis „Macbeth“ (Duisburger Premiere am kommenden Sonntag), Tschaikowskys „Die Jungfrau von Orleans“, Vincenzo Bellinis „La sonnambula“, Jules Massenets „Herodiade“ erleben ihre Premieren in Düsseldorf.

 

Das Leitungsteam der Deutschen Oper am Rhein (v. l.): Axel Kober (Generalmusikdirektor), Alexandra Stampler-Brown (Geschäftsführende Direktorin), Prof. Christoph Meyer (Generalintendant), Demis Volpi (Ballettdirektor und Chefchoreograph Ballett am Rhein). Foto: Anne Orthen.

Nach zwei Spielzeiten unter ständig wechselnden Pandemiebedingungen steht die Saison 2022/23 unter neuen Vorzeichen: Die Deutsche Oper am Rhein präsentiert wieder große Opern- und Ballettabende, Kraft und Klang ihrer großen Ensembles und sinnliche Erlebnisse, an deren Intensität man sich gerade erst wieder gewöhnt. Mit einem Theaterfest am Samstag, 20. August 2022, im Opernhaus Düsseldorf und dem HANIEL Klassik Open Air am Freitag, 2. September 2022, auf dem Opernplatz in Duisburg begrüßt die Deutsche Oper am Rhein ihr Publikum zur neuen Spielzeit. Auf dem Programm stehen rund 250 Vorstellungen allein auf den großen Bühnen in Düsseldorf und Duisburg – 25 verschiedene Opern, zehn Ballettprogramme, kleinere und größere Konzertformate sowie Galaveranstaltungen.

 

 
Repertoire, Ballett und Junge Oper

Axel Kober. Foto: Christian Schoppe.

„Das Repertoire hat während Corona gelitten, aber davon lebt die Oper“, sagte Generalmusikdirektor Axel Kober. Denn nicht nur die Premieren seien wichtig: „Mit den Wiederaufführungen zeigen wir die ganze Vielseitigkeit, die dieses Haus ausmacht.“ Das Duisburger Publikum darf sich hier auf Donizettis „Lucia di Lammermoor“, Puccinis „Tosca“, Mozarts „Die Zauberflöte“, Donizettis „La Fille du régiment“ und natürlich „Hänsel und Gretel“ freuen. Weitere Stücke wie Don Giovanni, Die Feldermaus, Falstaff, Siegfried oder Figaro sowie Turandot und Madame Butterfly gibt es in Düsseldorf.

Demis Volpi, Ballettdirektor und Chefchoreograph am Ballett am Rhein. Foto: Andreas Endermann.

Zwei Premieren des Ballett am Rhein gibt es in Duisburg mit „Zwischenwelten“ (Choreographien von Demis Volpi / Gil Harush) und „Shortcuts“ (Hans van Manen / Bridget Breiner / Neshama Nashman / William Forsythe), vier in Düsseldorf: Die Handlungsballette „Giselle“ und „Krabat“ (beide Demis Volpi) sowie Coppélia X Machina (Hélène Blackburn) und der Ballettabend „SACRE“ (Jerome Robbins / Demis Volpi / Marcos Morau). „’Giselle’ hatte eigentlich mein Einstand werden sollen vor zwei Jahren“, sagte Demis Volpi, Ballettdirektor und Chefchoreograph am Ballett am Rhein, – und dann kam Corona. Zur Wiederaufführung kommen in Duisburg „Der Nussknacker“ und „One and Others“, in Düsseldorf „Vier neue Temperamente“ (George Balanchine / Michèle Anne de Mey / Demis Volpi / Hélène Blackburn / John Neumeier).

 
Für ein junges Publikum (ab 8 Jahren) kommen die im Rahmen der Jungen Opern Rhein Ruhr entstandene Familienoper „Iwein Löwenritter“ (in Düsseldorf) sowie „Das fliegende Klassenzimmer“ (in Duisburg), eine Auftragskomposition der Jungen Opern Rhein Ruhr, auf die großen Bühnen. Außerdem gibt es Wiederaufnahmen von „Der Kiosk“ (Duisburger Premiere am kommenden Freitag) und „Nils Karlsson Däumling“. Oper und Ballett am Rhein begegnen jungen Zuschauern aber nicht nur in den beiden großen Häusern: An vier verschiedenen Orten in Duisburg (Ruhrort und Innenhafen) sowie Düsseldorf (Oberbilk und am Rheinufer in Golzheim) wird das „UFO – Junge Oper Urban“ zum Spielort und Treffpunkt für neues Musiktheater.

 
Corona machte auch der Deutschen Oper am Rhein zu schaffen

Alexandra Stampler-Brown. Foto: Andreas Endermann.

„Die letzte Spielzeit war nicht einfach“, erzählte Alexandra Stampler-Brown, Geschäftsführende Direktorin der Deutschen Oper am Rhein. Man hatte die Spielzeit mit kleineren Formaten begonnen – und als die größeren Produktionen auf dem Programm standen, kam Omikron. Einschränkungen habe es Backstage wie auch auf der Bühne gegeben: „Im Großen und Ganzen konnten wir in der auslaufenden Spielzeit am Spielplan festhalten“, so die Direktorin, aber: „Allerdings mussten wir in Duisburg acht und in Düsseldorf 16 Vorstellungen absagen – wegen Corona-Erkrankungen bei der Besetzung.“ Auch die reduzierten Kapazitäten sorgen für finanzielle Ausfälle: In Durchschnitt lag die Auslastung bei rund 50 Prozent, was die Einnahmen durch Eintrittskarten schmälerte. Kurzarbeit und fehlende Kosten für Gastsänger schafften aber auch Entlastung, so dass ein kleines Reservepolster angelegt werden konnte: Für den Fehlbetrag von 2,1 Mio. Euro im 56,4-Mio.-Euro-Etat für die Spielzeit 2022/23. Das Publikum will nach zwei Jahren Corona erst zurück erobert werden. „Manche“, so Stampler-Brown, „haben aber noch Bedenken.“ Vielleicht überzeugt sie ja das Programm für die Spielzeit 2022/23.

Hier gibt es Informationen zu den neuen Produktionen. Den neuen Spielplan als 164-seitige Broschüre im A4-Format gibt es im Opernshop Düsseldorf und an der Theaterkasse Duisburg, aber auch zum Download, zum Bestellen oder zum online blättern. Gestartet ist auch der Vorverkauf für die gesamte Spielzeit 2022/23.

 

 
Deutsche Oper am Rhein

Theater Duisburg. Foto: Jens Wegner.

Die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg gGmbH ist eine Theatergemeinschaft der Städte Düsseldorf und Duisburg, die auf eine lange Tradition der Zusammenarbeit zwischen den beiden Großstädten zurückblicken kann. Seit ihrer Gründung 1956 zählt sie zu den bedeutendsten Opernhäusern Deutschlands. Durch ihr hochrangiges Solistenensemble, den Chor sowie die national wie international gefeierte Compagnie Ballett am Rhein hat sie sich zu einer der ersten Adressen für Musiktheater und Tanz in Europa entwickelt. Sie ist in der größten und dichtesten Kulturregion Deutschlands beheimatet. Allein die beiden Städte Düsseldorf und Duisburg zählen zusammen fast 1,1 Millionen Einwohner, aber auch die umliegenden Regionen und eine große Zahl auswärtiger Gäste profitieren vom hochkarätigen künstlerischen Angebot der Deutschen Oper am Rhein.
www.operamrhein.de

 

 

Opernhaus Düsseldorf. Foto: Jens Wegner.

Eintrittskarten gibt es online ebenso wie in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in das Stück, seine Entstehung und die Aufführung gibt. Zusätzlich gibt es zu den meisten Produktionen einen Audio-Opern- oder Ballettführer in einem Kurzformat unter https://www.operamrhein.de/de_DE/opernfuehrer-audio. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

 

 
Die unvermeidlichen Corona-Regeln
Die Kapazitätsbegrenzungen in den Sälen sind aufgehoben. Es gelten die üblichen Hygiene- und Abstandsregeln. Aktuelles gibt es hier.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Andreas Endermann (2), Jens Wegner (2), Anne Orthen (1), Susanne Diesner (1), Christian Schoppe (1)

 

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Lektüretipp: Das UNESCO Welterbe – Monumente der Menschheit – Wunder der Natur

Einblicke in die immense Vielfalt des menschlichen Kulturerbes
Von Petra Grünendahl

Das UNESCO Welterbe: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Die Pyramiden und Städte der Maya und Inka in Mittel- und Südamerika brauchen sich nicht hinter den Pyramiden des alten Ägypten oder den Festungen oder Tempelbauwerken des antiken Mesopotamiens verstecken. Sie alle führen dem Leser vor Augen, zu was für baulichen Leistungen menschliche Kulturen fähig waren – und dass nicht einmal die hoch entwickelten Kulturen und Erschaffer imposanter Bauwerke dem Untergang entgehen konnten. An manchen Stätten zeugen nur noch Ruinen von vergangener Pracht, an anderen Stellen ist die alte Pracht mehr oder weniger erhalten und beeindruckt den Betrachter schon auf dem Papier. Es ist eine Reise in die entlegensten Winkel der Erde – und um Jahrtausende in die Vergangenheit. Die Reisen auf dem Papier entführen nicht nur zu den baulichen Zeugnissen der Vergangenheit, sondern auch in (relativ unberührte) Landschaften, die sich viel von ihrer Ursprünglichkeit bewahren konnten. Ein spannendes Buch, das immer wieder zum Blättern und Stöbern einlädt.

 

Das UNESCO Welterbe: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Für das Buch „Das UNESCO Welterbe“ hat eine Redaktion von Autoren die Monumente der Menschheit und die Wunder der Natur zusammen getragen, die von der UNESCO als besonders schützenswert anerkannt wurden. Erst 2020/21 hat es 37 neue Ernennungen gegeben, die im Buch vorneweg auf 24 Seiten in knackig-kurzen Texten und aussagekräftigen Fotos beschrieben werden. Hier findet sich zum Beispiel auch der niedergermanische Limes als Grenze des Römischen Reichs, dessen Spuren man auch in unserer Region findet. Im Hauptteil listet das Buch sämtliche (weiteren) Stätten auf der ganzen Welt nach Kontinenten aufgeteilt und darin jeweils von Nord nach Süd und von West nach Ost. Von den aktuell 1154 Welterbestätten gelten 897 als Weltkulturerbe und 218 als Weltnaturerbe, weitere 39 Stätten werden als gemischte Kultur- und Naturerbestätte geführt. Sie spiegeln die Vielfalt von hohen Kulturen aus mehreren Tausend Jahren Menschheitsgeschichte und noch viel weiter zurück reichender Erdgeschichte. Überwiegend sind zwei Stätten pro Seite beschrieben, aber auch die eine oder andere Sehenswürdigkeit auf einer oder gar zwei Seiten.

 

Das UNESCO Welterbe: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Das UNESCO Welterbe umfasst einzigartige Kultur- und Naturgüter, die unter dem Schutz der UNESCO stehen, seit die Vereinten Nationen 1972 ein Abkommen geschlossen haben, Objekte von universellem Wert zu bewahren. Was ihnen aber im Zweifelsfalle wenig nützt, wenn Menschen aus Hass auf alles, was nicht in ihr Weltbild passt, die Zerstörung einzigartiger Kulturzeugnisse anordnen oder gar andere Länder mit Krieg und Bombardierung überziehen. Bereits zerstört wurden Welterbestätten (oder Teile davon) in der Oasenstadt Timbuktu (Mali), der Altstadt von Aleppo, in Palmyra und Mar Elian (alle Syrien), in Al-Hadra im Irak und im Bamian-Tal in Afghanistan. Aktuell gefährdet sind unter anderem die Welterbestätten in der Ukraine wie das historische Zentrum von Lwiw (Lemberg), die Sophienkathedrale in Kiew sowie das nahe gelegene Höhlenkloster am Ufer des Dnjepr. Aber auch die Ausbreitung der Zivilisation zerstört mitunter Stätten – auch in der westlichen Welt: Die UNESCO hat durchaus schon mal Stätten aus ihrer Welterbeliste gestrichen, weil sie überplant ihren ursprünglich schützenswerten Charakter verloren haben. Das wertschätzende Studium dieser Lektüre und der beschriebenen Stätten sollte des Lesers Respekt vor den Kulturen der Erde und der Erdgeschichte fördern – und das Bestreben, diese einzigartigen Güter der Nachwelt zu erhalten.

 

 
 
Das Buch

Das UNESCO Welterbe: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Kompakt und kompetent stellt „Das UNESCO Welterbe“ in prächtigen Abbildungen und informativen Texten alle aktuellen Welterbestätten in 167 Ländern auf allen fünf Kontinenten* vor. Ergänzend sorgen kleine Karten für die grobe geografische Einordnung. Das reich bebilderte 808-seitige Werk „Das UNESCO Welterbe“ im Format 21 x 16 x 5,5 cm mit Paperback-Umschlag ist im Kunth Verlag erschienen und für 29,95 Euro im lokalen Buchhandel zu haben (ISBN 978-3-96965-042-4).

 

 
Kunth Verlag

Das UNESCO Welterbe: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Der Münchener Kunth Verlag wurde 1997 von Wolfgang und Calina Kunth gegründet. Publikationen des Verlages erhielten über die Jahre zahlreiche Auszeichnungen. Schwerpunkte des Verlagsprogramms liegen bei hoch informativen Bildbänden und reich bebilderten Reisebüchern, die eine Auszeit vom Alltag schon beim Blättern und natürlich reichhaltige Reise-Inspirationen bieten. Reisekarten / Weltatlanten sowie reich illustrierte Sachbücher aus geografischen, kulturellen und touristischen Themenbereichen und Kalender vervollständigen das Verlagsprogramm. Kunth ist ein Partnerverlag der MairDumont Reiseverlagsgruppe .
www.kunth-verlag.de

*) Amerika zählt hier als ein Kontinent

 
Der Blick ins Buch. Fotos: Petra Grünendahl

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© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Historische Orte am Niederrhein: Susanne Wingels zeigt ihre „Heimatschätze“ im Klartext Verlag

Interessante Ziele für Freizeittouren in der Region
Von Petra Grünendahl

Blick in Susanne Wingels‘ Heimatschätze am Niederrhein. Foto: Petra Grünendahl.

Kirchen und Kapellen, Burgen und Schlösser, Herren- oder Bürgerhäuser, Windmühlen, Tortürme und andere Baudenkmäler: Susanne Wingels beschreibt ihre Lieblingsorte am Niederrhein gespickt mit vielen Geschichten über ihre Entstehung und Entwicklung. An manchen Stellen reicht die Geschichte sichtbar bis ins Mittelalter zurück, an anderen Stellen gar bis zu den Römern in die Antike. Wo es sogar Spuren steinzeitlicher Besiedlung gibt, sind diese allerdings bestenfalls in Museum zu sehen. Das Buch „Heimatschätze“ ist eine Einladung, die historischen Innenstädte, Orte und Stätten am Niederrhein zu erkunden, in Geschichte(n) zu stöbern und Ungewöhnliches zu entdecken: So viel davon, schreibt die Autorin, „damit ließen sich auch vier Bücher füllen.“ Aber selbst in diesem einen Buch bringt Susanne Wingels insgesamt doch sehr viel fundiertes Wissen über die Geschichte der Orte am Niederrhein an den geneigten Leser und regt damit zum Stadtbummel und zur Besichtigung an.

 

Blick in Susanne Wingels‘ Heimatschätze am Niederrhein. Foto: Petra Grünendahl.

Mit ihrem Buch „Heimatschätze“ lädt Autorin Susanne Wingels ihre Leser ein, „Historische Orte am Niederrhein [zu] entdecken“. Jedes Dorf am Niederrhein habe etwas zu erzählen, meinst die Autorin: Auf diesen Seiten hat sie ihre persönlichen Heimatschätze zusammen gestellt. Sie erkundet in Texten und (fast ausschließlich eigenen) Bildern auf jeweils vier bis zwölf Seiten 23 Städte zwischen Kleve, Kranenburg und Rees in Norden bis Erkelenz und (Dormagen-)Zons im Süden. Außer Rees sind Wesel, (Hünxe-)Krudenburg, (Voerde-)Götterswickerham und Dinslaken rechtsrheinisch angesiedelt, alle anderen Orte linkrheinisch. Die Autorin gibt zusätzlich Informationen zur Anfahrt mit Pkw (inkl. Parkplatz) oder ÖPNV, eine Einordnung in Kategorien (wie Sehenswürdigkeit, Wanderstrecke, Naturerlebnis, Familienfreundlich, Kulturstätte oder Kunstobjekt), Gastronomie-Angebote sowie nahe gelegene lohnende Ziele (Am Weg oder In der Nähe und spannende Museen überwiegend kulturgeschichtlicher Natur mit Adressen). Ein paar „Extra-Tipps“ beinhalten Stadtführungen, Events, Besichtigungen aller Art und Hinweise auf spannende Unternehmungen. Gut lesbar geschrieben lädt das Buch immer wieder zum Blättern und Stöbern ein. Und natürlich dazu, die Orte selber mal zu besuchen.

 

 

Blick in Susanne Wingels‘ Heimatschätze am Niederrhein. Foto: Petra Grünendahl.

In Wingels Ausführungen zur Befestigung der Stadt Moers vermisst der kundige Leser allerdings trotz Erwähnung der im Luftbild immer noch erkennbaren Spuren der Festungsanlagen Informationen zum hier sichtbaren oranischen Festungsbau (1601–1620), über den man ganze Bücher schreiben kann (mehr dazu hier und hier), sowie die – zugegeben neuere – Entwicklung der Stadt durch den Bergbau, den man ja mittlerweile auch als „historisch“ bezeichnen kann (die Zechensiedlung Lohberg in Dinslaken ist schließlich auch erwähnt).

 
 
Die Autorin und das Buch

Blick in Susanne Wingels‘ Heimatschätze am Niederrhein. Foto: Petra Grünendahl.

Susanne Wingels (Jahrgang 1969) lebt mit ihrer Familie in Bedburg-Hau. Den Niederrhein kennt die gelernte Industriekauffrau und Übersetzerin wie ihre Westentasche.
https://susanne-wingels.de/

 
Das Buch „Heimatschätze – Historische Orte am Niederrhein entdecken“ von Susanne Wingels ist im Essener Klartext Verlag erschienen. Das 160-seitige Taschenbuch aus der Reihe „Schönes NRW“ mit zahlreichen Fotografien ist für 18,95 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-8375-2486-4).

 
Von Susanne Wingels hatten bereits das Buch „Niederrhein – Schlösser Burgen Herrenhäuser Rittergüter“ in einer Buchbesprechung (hier der Bericht).

 

 
Der Verlag

Blick in Susanne Wingels‘ Heimatschätze am Niederrhein. Foto: Petra Grünendahl.

Der Klartext Verlag wurde 1983 gegründet, seit 2007 ist er Teil der Funke Mediengruppe. Seine Heimat liegt im Ruhrgebiet, wo auch der überwiegende Teil seiner Publikationen angesiedelt ist: Freizeitführer, Sachbücher, Kalender und Bildbände. Mit der „Von oben“-Reihe kann man Städte nicht nur im Ruhrgebiet, sondern in ganz Deutschland aus der Vogelperspektive bewundern. Und mit der Reihe „Irrtümer und Wahrheiten“ (bei ihrem Start im Verlagsprogramm hieß die Serie noch „Klugscheißer“) lernt der Leser Neues zu verschiedenen Orten, Themen und Fußballvereinen – unterhaltsam und fundiert, denn, so der Verlag: „wir machen Bücher mit Qualität und gerne auch mal einem Augenzwinkern.“
www.klartext-verlag.de

 
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Entlang der Ruhr auf dem Weg durchs Ruhrgebiet: Auszeiten am Fluss im Klartext Verlag

Annika Fischer nimmt den Leser mit auf Entdeckungsreise durch ein post-industrielles Freizeitrevier
Von Petra Grünendahl

Blick in Annika Fischers „Auszeiten am Fluss“. Foto: Petra Grünendahl.

Von ihren 219 Kilometern Länge fließt die in der Nähe von Winterberg im Sauerland entspringende Ruhr ab Schwerte gerade mal 102 Kilometer durch das Ruhrgebiet. Annika Fischer beschreibt auf ihren Entdeckungsreisen nicht nur die Landschaften von heute, sondern auch ihre Entwicklung: Von vorindustrieller, ländlich geprägter Zeit über die Industrialisierung, die hier an der Ruhr mit oberflächennaher Kohle begann, bis in die nachindustrielle Zeit. Die Zeit, in der die Ruhr weitestgehend renaturiert wurde, um heute auch der Erholung und Freizeitgestaltung zu dienen. Stauseen überwiegend aus den 1920er- und 1930er-Jahren waren nicht für die Freizeitgestaltung angelegt worden, sondern zur Trinkwassergewinnung, Reinigung der Ruhr und zur Stromerzeugung u. a. durch Wasserkraft. Von Osten nach Westen arbeitet sich die Autorin am Ruhrlauf entlang, vom Stausee Hengsen bei Holzwickede über Hengstey-, Harkort-, Kemnader bis hin zum Baldeney- und zum Kettwiger See im Essener Süden sowie durch verschiedene alte Ortskerne bis nach Duisburg-Ruhrort und hin zur Ruhrmündung in den Rhein am Rheinorange (Rheinkilometer 780).

 

Blick in Annika Fischers „Auszeiten am Fluss“. Foto: Petra Grünendahl.

Das Buch „Auszeiten am Fluss“ von Annika Fischer entführt den Leser zu – so der Untertitel – „Entdeckungen und Erlebnisse[n] an der Ruhr. Das Buch aus der Reihe „Schönes NRW“ gibt faszinierende Einblicke in lohnenswerte Ausflugsziele und Ziele für Freizeitaktivitäten entlang des Flusses, der so abwechslungsreich ist wie die Region, der er seinen Namen gegeben hat. Dabei zeigt die Autorin auf jeweils zehn bis vierzehn Seiten elf Touren mit verschiedenen Arten von Entdeckungen: zu Fuß, mit dem Fahrrad oder auch mit dem Boot. Sogar die eine oder andere (ehrenamtlich betriebene) Privatbahn lädt zu Touren in die jeweilige Umgebung ein. Auch wenn das Buch vielleicht in erster Linie Naturfreunde anspricht, ist es doch auch für jene ein Genuss, der sich für historische Entwicklungen im Ruhrgebiet und die entsprechende Baukunst interessieren – und diese erkunden wollen. Die Region hat sich von der landwirtschaftlichen Prägung früherer Jahrhunderte mit Herrenhäusern, Schlössern und Burgen über den Bergbau und die Industrialisierung in ein post-industrielles Zeitalter gewandelt: Mit einer Vielzahl von Oasen für Freizeitgestaltung, Erholung und Naturschutzgebieten. Und viele Ziele müssen ja nicht unbedingt auf den vorgeschlagenen Touren erwandert werden: Man kann sie auch direkt ansteuern.

 

 

Blick in Annika Fischers „Auszeiten am Fluss“. Foto: Petra Grünendahl.

Von manch einer stolzen Burg auf Erhebungen am Ruhrufer sind nur noch Ruinen übrig. Die Relikte von Bergbau und Industrie sind heute vielfach, sofern noch vorhanden, museal erschlossen und für Besucher zugänglich. Weitere Spuren des Bergbaus finden sich aber auch nicht nur als Ziele beschrieben, sondern an vielen Strecken entlang der Wege. Informationen gibt die Autorin auch zur Anfahrt mit Pkw (inkl. Parkplatz) oder ÖPNV, Besonderheiten und eine Einordnung in Kategorien (wie Sehenswürdigkeit, Wanderstrecke, Naturerlebnis, Familienfreundlich, Kulturstätte oder Kunstobjekt), Gastronomie-Angebote sowie nahe gelegene lohnende Ziele (Am Weg oder In der Nähe). Ein paar Extra-„Tipps“ für Unternehmungen abseits des Bekannten laden zum Beispiel dazu ein, die Ruhrufer vom Wasser aus zu erkunden. Gut lesbar geschrieben lädt das Buch immer wieder zum Blättern und Stöbern ein. Und dazu, die beschriebenen Touren selber zu unternehmen und verlockende Ziele anzusteuern.

 
 
Die Autorin und das Buch

Blick in Annika Fischers „Auszeiten am Fluss“. Foto: Petra Grünendahl.

Annika Fischer (* 1971) ist ein Kind des Ruhrgebiets. Sie hat Publizistik und Kommunikationswissenschaften studiert. Bereits 1991 hat sie als freie Mitarbeiterin bei der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung begonnen. Hier ist sie seit 1998 zunächst als Volontärin, dann als Redakteurin und seit 2001 als Reporterin in der Region tätig. „Geschichtenerzählerin aus Leidenschaft“, sagt sie über sich selbst. Darüber hinaus hat sie einige Bücher veröffentlicht.

 
Das Buch „Auszeiten am Fluss – Entdeckungen und Erlebnis entlang der Ruhr“ von Annika Fischer ist im Essener Klartext Verlag erschienen. Das 144-seitige reich bebilderte Taschenbuch aus der Reihe „Schönes NRW“ mit zahlreichen Fotografien ist für 16,95 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-8375-2442-0).

 

 
Der Verlag

Blick in Annika Fischers „Auszeiten am Fluss“. Foto: Petra Grünendahl.

Der Klartext Verlag wurde 1983 gegründet, seit 2007 ist er Teil der Funke Mediengruppe. Seine Heimat liegt im Ruhrgebiet, wo auch der überwiegende Teil seiner Publikationen angesiedelt ist: Freizeitführer, Sachbücher, Kalender und Bildbände. Mit der „Von oben“-Reihe kann man Städte nicht nur im Ruhrgebiet, sondern in ganz Deutschland aus der Vogelperspektive bewundern. Und mit der Reihe „Irrtümer und Wahrheiten“ (bei ihrem Start im Verlagsprogramm hieß die Serie noch „Klugscheißer“) lernt der Leser Neues zu verschiedenen Orten, Themen und Fußballvereinen – unterhaltsam und fundiert, denn, so der Verlag: „wir machen Bücher mit Qualität und gerne auch mal einem Augenzwinkern.“
www.klartext-verlag.de

 
Der Blick ins Buch. Fotos: Petra Grünendahl

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Global Player aus Duisburg: Mit ELG setzt Stahlkonzern Aperam auf mehr Nachhaltigkeit

 
Recycling von Edelstahl-Schrott und Hochleistungswerkstoffen verringert CO2-Emissionen
Von Petra Grünendahl

Dr. Markus Larres, Betriebsleiter Edelstahl, erklärt den Ablauf des Edelstah-Recyclings. Foto: Petra Grünendahl.

Was auf den ersten Blick aussieht wie ein ganz gewöhnlicher Schrottplatz, ist eine Anlieferung von Edelstahl-Schrott, der als Wertstoff recycelt wird. Hier werde ausschließlich sortenreiner Edelstahl aufbereitet, erklärte Dr. Markus Larres, Betriebsleiter Edelstahl. Beimischungen von Holz oder Kunststoff würden aussortiert: „Die werden woanders recycelt“, so Larres. Auf dem Betriebshof der ELG in Meiderich ist man spezialisiert auf das Recycling von Eisenlegierungen und Hochleistungswerkstoffen. Mit einem Handgerät nimmt Andreas Link, Fachkraft für Abfall- und Kreislaufwirtschaft, per Röntgenstahl eine erste Analyse des Materials vor.

Andreas Link unterzieht den angelieferten Edelstahl-Schrott einer ersten Analyse. Foto: Petra Grünendahl.

Genauere Analysen liefert das betriebseigene Labor, sobald Proben aus dem Schrottberg genommen sind. Die so bestimmte Qualität ist zum einen für die Abrechnung mit dem Lieferanten wichtig, der ja angemessen für seinen Rohstoff bezahlt werden will. Zum zweiten liefert die ELG ihren Kunden das aufgearbeitete Recycling-Material sortenrein nach deren Anforderungen und besonderen Spezifikationen. Hier entsteht also ein Sekundärrohstoff von höchster Qualität, der in der Produktion die nachhaltige Wiederverwertung eines zuvor energieintensiv produzierten Primärrohstoffs ermöglicht. Der über Lkw angelieferte Edelstahl-Schrott wird zu kompakten, aber schwergewichtigen Ballen gepresst und über den betriebseigenen Gleisanschluss per Güterzug an die Kunden ausgeliefert.

 

Nils von Stromberg, Betriebsleiter der ELG in Duisburg, zeigte Abläufe im Bereich Titan. Foto: Petra Grünendahl.

Die ELG GmbH ist Spezialist für das Recycling, die Aufbereitung und den Handel von nachhaltigen Rohstoffen für die Edelstahlindustrie sowie Hochleistungswerkstoffen wie Superlegierungen und Titan. Der Hauptsitz des weltweit agierenden Recycling-Netzwerks befindet sich in Duisburg. Am Standort Kremerskamp sind neben der Aufbereitung von Edelstahlschrott und einem Labor auch die Bereiche Titan und Nickel-Kobalt angesiedelt.

Dieses Stück Titan wurde aussortiert, weil es höchste Reinheitsanforderungen nicht erfüllen kann. Foto: Petra Grünendahl.

Zunächst muss akribisch sortiert werden, denn für manche Abnehmer braucht man zum Beispiel Titan von höchster sortenreiner Qualität: „Was in der Wäsche vor dem Einschmelzen nicht rausgeht, muss man in der Vorsortierung entfernen“, erklärte Nils von Stromberg, Betriebsleiter der ELG in Duisburg. Makelloses Titan geht zum Weiterverarbeiten an die Luft- und Raumfahrtindustrie sowie die Medizin, wo es höchsten Ansprüchen an Reinheit genügen muss. Das verbleibende Titan geht in andere Industriebereiche. „Wir verstehen uns als Teil der Lieferkette von Rohstoffen (Supply Chain), nicht als Schrotthändler“, betonte von Stromberg die Bedeutung des Sekundärrohstoffs, der beim Recycling entsteht.

 

 
 
Vom Start-up 1962 zum Global Player

Der angelieferte Edelstahl-Schrott wird vorsortiert. Foto: Petra Grünendahl.

Günter Kreissel gründete die ELG 1962 als Eisenlegierungen Handelsgesellschaft mbH in Duisburg. Das kleine Unternehmen konnte durch die Beteiligung des Ruhrorter Private-Equity-Investors Franz Haniel & Cie. GmbH ab 1980 eine Marktposition nachhaltig ausbauen und expandieren – auch ins Ausland. 1989 übernahm Haniel die ELG Haniel GmbH zu 100 Prozent. Die ELG verfolgte ihre Strategie zur Expansion durch Firmenübernahmen und Gründungen von Tochterunternehmen weltweit: Heute gibt es Tochtergesellschaften in 20 Ländern auf fünf Kontinenten. Zum 31. Dezember 2021 übernahm der luxemburgische Stahlkonzern Aperam die ELG-Gruppe von Haniel im Rahmen einer Umstrukturierung des Haniel-Portfolios. Im Aperam-Konzern belegt die ELG das neu geschaffene Segment „Recycling“ als Kern einer neuen Wachstumsstrategie: Die Kreislaufwirtschaft dient der Sicherung eines wichtigen Rohstoffs, der als Sekundärrohstoff ein großen Potenzial zur CO2-Einsparung mitbringt.

 

Der angelieferte Edelstahl-Schrott wird vorsortiert. Foto: Petra Grünendahl.

Seit 60 Jahren ist die ELG in Duisburg ansässig, wo sich auch immer noch die Unternehmenszentrale befindet. Der 80.000 Quadratmeter große Standort befindet sich im Hafengebiet in Meiderich. Heute zählt der Standort 250 Mitarbeiter in Recycling-Betrieb und Verwaltung. Dazu kommen in Deutschland weitere 40 Mitarbeiter in den Recycling-Betrieben in Karlsruhe, Dresden und Minden, die von hier aus verwaltet werden. Weltweit beschäftigt das Unternehmen inklusive seiner Tochtergesellschaften 1.270 Mitarbeiter an 51 Standorten – Tendenz weiter steigend.

Im betriebseigenen Labor wird eine Mischung aus verschiedenen Einzelproben final analysiert. Foto: Petra Grünendahl.

Das Unternehmen produziert weltweit rund 1,2 Mio. Tonnen recycelter Rohstoffe von höchster Qualität jährlich, davon 200.000 Tonnen in Deutschland. Das spart über 4 Mio. Tonnen CO2 im Jahr. Für den Standort Duisburg sucht die ELG Mitarbeiter in den verschiedensten Bereichen. „Im Recycling-Betrieb brauchen wir Mitarbeiter mit der nötigen Erfahrung im Recycling“, betonte Markus Larres. Deswegen bilde man für den eigenen Bedarf aus und fördere die Weiterbildung. Andreas Link hat bei der ELG gelernt und ist zurzeit neben seiner Arbeit in der Weiterbildung zum Meister. Für Auszubildende gibt es Lehrstellen im kaufmännischen Bereich ebenso wie im Recycling-Betrieb als Fachkraft für Abfall- und Kreislaufwirtschaft.
http://www.elg.de

 

Volker Pawlitzki (links), Vertriebschef Globales Recycling bei ELG, und Sudhakar Sivaji, Vorstand Finanzen bei Konzernmutter Aperam. Foto: Petra Grünendahl.

„Für uns ist der Kauf von ELG ein weiterer Schritt in unserer Nachhaltigkeitsstrategie“, erklärte Sudhakar Sivaji, seit Mai 2020 Finanzchef von Aperam, einem weltweit agierenden Hersteller von Edelstahl, Elektro- und Spezialstahl. Der Aperam-Finanzchef hatte mit Haniel, zu deren Portfolio die ELG bis dato gehörte, über den Kauf verhandelt. Vor seiner Tätigkeit bei Aperam war Sudhakar Sivaji 12 Jahre bei thyssenkrupp und bei thyssenkrupp Steel in Hamborn tätig. Erneuerbare Rohstoffe ermöglichten hohe CO2-Einsparungen in der Produktion von Edelstahl: „Das passt für wunderbar zusammen, denn ELG hat ein breites Spektrum von Lieferanten, bietet auch für uns als Konzern die Chance, unseren CO2-Fußabruck zu senken, und ist einer der weltweit größten Recycler“, sagte Sivaji. Dabei ist Edelstahlhersteller Aperam nicht der einzige Abnehmer von Sekundärrohstoffen aus Duisburg: „Die ELG bedient nach wie vor ihren bisherigen vielfältigen Kundenstamm“, stellte der Aperam-CFO klar. Aperam ist der zweitgrößte Edelstahlhersteller Europas hinter dem finnischen Werkstoffunternehmen Outokumpu, die 2012 thyssenkrupps Edelstahl-Sparte Inoxum übernommen hatten, und vor den Konzernen Acerinox (Spanien) und Arvedi (Italien).

 

 
 
Aperam
Aperam ist ein Global Player im Bereich Edelstahl, Elektro- und Spezialstahl und Recycling mit Kunden in über 40 Ländern. Aperam produziert Edelstahl in sechs Werken weltweit: An drei Standorten in Frankreich, zwei in Belgien und einem in Brasilien. Mit dem Erwerb der ELG wurde das Unternehmen in vier primäre berichtspflichtige Segmente unterteilt: Edelstahl & Elektrostahl, Dienstleistungen & Lösungen, Legierungen & Spezialitäten sowie Recycling & Erneuerbare Energien.

Aperam verfügt über eine Flachstahlkapazität von 2,5 Millionen Tonnen und ist führend bei hochwertigen Spezialprodukten. Zusätzlich zu seinem Industrienetzwerk, das sich über sechs Produktionsstätten in Brasilien, Belgien und Frankreich erstreckt, verfügt Aperam über ein hoch integriertes Vertriebs-, Verarbeitungs- und Servicenetzwerk sowie über die einzigartige Fähigkeit, rostfreie Stähle und Spezialstähle mit niedrigem Kohlenstoff-Fußabdruck aus Biomasse, Edelstahlschrott und Schrott aus Hochleistungslegierungen herzustellen. Mit Bioenergia und seiner einzigartigen Fähigkeit, Holzkohle aus der eigenen FSC-zertifizierten Forstwirtschaft zu produzieren, und mit ELG, einem weltweit führenden Unternehmen für die Sammlung, den Handel, die Verarbeitung und das Recycling von Edelstahlschrott und Hochleistungslegierungen, stellt Aperam die Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt seines Geschäfts und hilft seinen Kunden weltweit, sich in der Kreislaufwirtschaft zu behaupten. Im Jahr 2021 erzielte Aperam einen Umsatz von 5,102 Milliarden Euro und lieferte 1,82 Millionen Tonnen Stahl.
http://www.aperam.com

 
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Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Ballett am Rhein: Ballettabend „One and Others“ begeisterte im Theater Duisburg

Individuell choreographierte Bewegungsspiele von anspruchvoller Technik und Präzision
Von Petra Grünendahl

Demis Volpi „one and others“: Futaba Ishizaki und Tommaso Calcia. © Bettina Stöß.

Bis zu fünf Tanzpaare auf der Bühne tanzen – jedes Paar mit seiner individuellen Choreographie – zu einem Streichquartett des zeitgenössischen griechischen Komponisten Christos Hatzis. Die Musik kommt über Lautsprecher im Surround-Sound auf die Bühne, immer wieder verbunden mit Sound-Effekten, die das emotionale Bewegungsspiel der Tänzer dramatischer wirken lassen.

Demis Volpi „one and others“: Lara Delfino und Ensemble^. © Bettina Stöß.

Demis Volpi, Ballettdirektor und Chefchoreograph des Ballett am Rhein, hatte „One and Others“, das diesem Ballettabend seine Namen gibt, 2015 für das Ballet Nacional del Sodre in Uruguay kreiert. Der britische Choreograph Christopher Wheeldon ist heute eher für seine abendfüllenden narrativen Ballette bekannt. Mit „Polyphonia“ entwickelte er 2001 für das New York City Ballet eine abstrakte neoklassische Arbeit mit einer herausfordernden Choreographie, die – ähnlich wie „One and Others“ auf jeden Tänzer, jedes der vier Paare individuell zugeschnitten ist.

Demis Volpi „one and others“: Nelson López Garlo, Damián Torío, Lara Delfino, Dukin Seo, Pedro Maricato, Tommaso Calcia. © Bettina Stöß.

Die Musik stammt von György Ligeti: Zehn Klavierstücke (gespielt von Susanna Kadzhoyan und Eduardo Boecheat) aus unterschiedlichen Schaffensphasen des österreichisch-ungarischem Komponisten. Das Ballett gilt als ein Meilenstein der Tanzgeschichte. Monoton und wuchtig wie das Wummern von Maschinen beginnt die Musik von Ori Lichtik: Wie Roboter bewegen sich auch zunächst die Tänzer. Je melodischer die Komposition, umso agiler und individueller werden auch die Bewegungen der Tänzer. Die israelische Choreographin Sharon Eyal nimmt den Betrachter mit „Salt Womb“, das sie 2016 für das Nederlands Dans Theater choreographiert hat, mit auf einer Reise ins Innere: Ritual und Rausch sprechen ihre eigene Bewegungssprache.

 

Christopher Wheeldon „Polyphonia“: Rashaen Arts und Lara Delfino. © Bettina Stöß.

Mit “One and Others” zeigte Demis Volpi seinem neuen Ballettabend im Theater Duisburg. Alle drei Stücke – „Polyphonia“ von Christopher Wheeldon, „Salt Womb“ von Sharon Eyal sowie seine eigene Choreographie “One and Others” – bietet modernes abstraktes Tanztheater, dass die Tänzer des Ballett am Rhein mit anspruchvoller Technik und höchster Präzision vor einem begeisterten Publikum auf die Bühne brachten.

Christopher Wheeldon „Polyphonia“: Marié Shimada und Orazio Di Bella. © Bettina Stöß.

Neben der Klavierbegleitung in „Polyphonia“ kam in den beiden anderen Stücken Tonbandmusik zum Einsatz, da die aufwendige musikalische Untermalung so wohl nicht hätte live von einem Orchester präsentiert werden können. Der Ballettabend ist empfohlen ab 12 Jahre und dauert gute zwei Stunden (inkl. zwei Pausen). Die Bühnengestaltung lebte von der Präsenz der Tänzer in ihren Kostümen und ihrer Inszenierung im Licht. Für „Polyphonia“ zeichnete Holly Hynes für Kostüme und Mark Stanley für Licht verantwortlich. Bei „One and Others“ stammen die Kostüme von Thomas Lempertz, das Lichtdesign von Claudia Sánchez. Und „Salt Womb” zeigte Kostüme von Sharon Eyal, Gai Behar, Rebecca Hytting und ein Lichtdesign von Alon Cohen.

 

 
Ein kleiner Vorgeschmack:

 

 
Weitere Termine:
Do | 26. Mai 2022 | 18:30 Uhr im Theater Duisburg sowie
Fr | 27. Mai 2022 | 19:30 Uhr im Opernhaus Düsseldorf.

 
Deutsche Oper am Rhein

Christopher Wheeldon „Polyphonia“: Marié Shimada, Orazio Di Bella, Simone Messmer, Nelson López Garlo, Charlotte Kragh, Gustavo Carvalho, Lara Delfino, Rashaen Arts. © Bettina Stöß.

Die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg gGmbH ist eine Theatergemeinschaft der Städte Düsseldorf und Duisburg, die auf eine lange Tradition der Zusammenarbeit zwischen den beiden Großstädten zurückblicken kann. Seit ihrer Gründung 1956 zählt sie zu den bedeutendsten Opernhäusern Deutschlands. Durch ihr hochrangiges Solistenensemble, den Chor sowie die national wie international gefeierte Compagnie Ballett am Rhein hat sie sich zu einer der ersten Adressen für Musiktheater und Tanz in Europa entwickelt. Sie ist in der größten und dichtesten Kulturregion Deutschlands beheimatet. Allein die beiden Städte Düsseldorf und Duisburg zählen zusammen fast 1,1 Millionen Einwohner, aber auch die umliegenden Regionen und eine große Zahl auswärtiger Gäste profitieren vom hochkarätigen künstlerischen Angebot der Deutschen Oper am Rhein.
www.operamrhein.de

 

 

Sharon Eyal „Salt Womb”: Gustavo Carvalho, Miquel Martínez Pedro und Ensemble. © Bettina Stöß.

Tickets kosten für Duisburg zwischen 17,00 und 67,00 Euro und für Düsseldorf 19,00 bis 90,00 Euro. Eintrittskarten gibt es online ebenso wie in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr).

Sharon Eyal „Salt Womb”: Miquel Martínez Pedro und Ensemble. © Bettina Stöß.

Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in das Stück, seine Entstehung und die Aufführung gibt. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

 

 
Die unvermeidlichen Corona-Regeln

Sharon Eyal „Salt Womb”: Ensemble. © Bettina Stöß.

Die Kapazitätsbegrenzungen in den Sälen sind aufgehoben. Im gesamten Haus gilt nach wie vor, voraussichtlich mindestens bis zum 15. Mai 2022, Maskenpflicht. Es wird gebeten, den Mund-Nasen-Schutz auch im Saal während der gesamten Vorstellung zu tragen. Innerhalb der Räumlichkeiten (z. B. Vorstellungskasse, Garderobenbereiche, Foyers, Sanitäranlagen) ist das Tragen einer OP- oder FFP2-Maske Pflicht. Es gelten die üblichen Hygiene- und Abstandsregeln. Aktuelles gibt es hier.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Bettina Stöß

 

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Deutsche Oper am Rhein begeisterte im Theater Duisburg mit Der Kaiser von Atlantis

Widerstand gegen das Unrecht:
Wenn der Tod seine Arbeit verweigert

Von Petra Grünendahl

Emmett O’Hanlon (Overall). © Hans Jörg Michel.

Seit 15 Jahren ist Overall (Emmett O’Hanlon) Kaiser von Atlantis und seit 15 Jahren herrscht Krieg. Der Harlekin (Martin Koch) verhöhnt sich mit seinem Lachen selber, der Tod (Luke Stoker) verzweifelt: Das Lachen, das nicht mehr lachen, und das Sterben, das nicht mehr weinen kann. Der Kaiser hat sich in seinem Palast eingeschlossen, um besser regieren zu können: Er schert sich nicht um das Leid seines Volkes. Als er, begleitet vom Lautsprecher (Thorsten Grümbel) und dem Trommler (Rosarió Chavez), den Krieg jeder gegen jeden ausruft, streikt der Tod: Die Menschen und Soldaten leiden, aber kein Tod erlöst sie. Es kommt zu Aufständen der lebenden Toten gegen den despotischen Herrscher. Der Soldat (Sergej Khomov) erschießt das Mädchen (Anke Krabbe), aber es stirbt nicht. Das Mädchen (in Uniform) hat nie etwas anderes als Krieg erlebt. Mit dem Soldaten entdeckt sie, dass es noch etwas anderes als Krieg gibt. Der Tod bietet Overall an, seinen Streik zu beenden, wenn er ihm folgt: „Ich lasse die Menschen nicht leiden. Ich erlöse sie vom Leid“, so der Tod, der seine Bestimmung wieder gefunden hat. Harlekin und der Tod, zu Beginn verzweifelt und optisch heruntergekommen, erstrahlen mit dem Abgang des ungeliebten Herrschers, haben sie doch ihre Bedeutung wieder erlangt: Den Menschen die volle Bandbreite des Leben mit Liebe, Freude und Sterben wieder zu geben.

 

David Fischer (Harlekin). © Hans Jörg Michel.

In Duisburg feierte Viktor Ullmanns „Der Kaiser von Atlantis“ eine vom Publikum begeistert aufgenommene Premiere. Viktor Ullmann hatte das Spiel in einem Akt und vier Bildern zu einer Dichtung von Peter Kein 1943/44 komponiert, als sie beide im Konzentrationslager Theresienstadt (auch Ghetto Theresienstadt) einsaßen: Die Erlebnisse von Entbehrungen und Terror beeinflussten die Entstehung der Oper, die zwar in Theresienstadt geprobt worden war, aber erst 1975 in Amsterdam uraufgeführt wurde (deutsche Erstaufführung 1985). Ihre Botschaft jedoch, aufzustehen gegen Unrecht und Unterdrückung, trägt bis in unsere Gegenwart. Musikalisch geprägt war Ullmann von unterschiedlichen Stilrichtungen: die Marschmusik seiner Kindheitstage als Sohn eines hochrangigen k.u.k.-Offiziers, die Lehren seiner Mentoren Arnold Schönberg und Alexander von Zemlinsky, die jazzgeprägte Unterhaltungsmusik seiner Zeit und seine Liebe zur formalen Strenge eines Johann Sebastian Bach flossen in die Komposition ein. Die italienische Opernregisseurin Ilaria Lanzino hatte das Stück für ein Corona-Publikum inszeniert (wegen seiner kleinen Besetzung beim Gesang und Orchester, die auf Abstand agieren, und der überschaubaren Dauer): In Düsseldorf feierte das Stück bereits im Oktober 2020 Premiere, war dann im Lockdown bei Operavision zu sehen und erlebte jetzt auch in Duisburg endlich seine Premiere. Und man muss ganz klar sagen: Das Stück hat auch nach den Einschränkungen der Corona-Pandemie seinen Platz im Repertoire mehr als verdient. Das gut einstündige Stück (keine Pause) wird gesungen in deutscher Sprache, Übertitel erleichtern das Verständnis der Handlung. Empfohlen wird die Kurzoper ab 12 Jahren.

 

 
Über den Kampf um die Menschlichkeit

Luke Stoker (Tod). © Hans Jörg Michel.

Das Stück wurde vom Komponisten und vom Dichter ganz bewusst als Parabel angelegt über die Arbeitsverweigerung des Todes, der sich nicht länger zum Handlanger des despotischen Kaiser Overall instrumentalisieren lassen will. Trotz diverser Zensurversuche während der Proben ist das Stück in Theresienstadt nie zur Aufführung gekommen. Seine Botschaft ist aber aktuell wie nie zuvor: Neben seinen musikalischen Qualitäten ein Grund, es viel häufiger auf die Opernbühne zu bringen!

 

Kimberley Boettger-Soller (Trommler), Emmett O’Hanlon (Overall). © Hans Jörg Michel.

In kleiner Besetzung spielten hervorragende Duisburger Philharmoniker unter der Leitung von Christoph Stöcker auf. Für Bühnenbild und Kostüme zeichnet Emine Güner verantwortlich, das Lichtdesign stammt von Thomas Diek. So empfehlenswert auch die Aufzeichnung bei Operavision war, die anerkanntermaßen ihre Stärken hatte, so sehr zeigte aber auch die Aufführung die Qualitäten des Live-Erlebnisses: Die Akustik im Theatersaal brachte die herausragenden Sänger mit ihren anspruchsvollen und herausfordernden Gesangspartien ebenso wie die fantastischen Duisburger Philharmoniker ganz hervorragend zur Geltung. Das kann eine Filmaufzeichnung nicht leisten.

 

 
Ein kleiner Vorgeschmack:

 

 
Weitere Termine im Theater Duisburg:
Sa | 21. Mai 2022 | 19:30 Uhr,
So | 29. Mai 2022 | 15:00 Uhr,
Sa | 4. Juni 2022 | 19:30 Uhr und
Sa | 11Juni 2022 | 1930 Uhr.

 
Deutsche Oper am Rhein

Sergej Khomov (Soldat), Anke Krabbe (Mädchen). © Hans Jörg Michel.

Die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg gGmbH ist eine Theatergemeinschaft der Städte Düsseldorf und Duisburg, die auf eine lange Tradition der Zusammenarbeit zwischen den beiden Großstädten zurückblicken kann. Seit ihrer Gründung 1956 zählt sie zu den bedeutendsten Opernhäusern Deutschlands. Durch ihr hochrangiges Solistenensemble, den Chor sowie die national wie international gefeierte Compagnie Ballett am Rhein hat sie sich zu einer der ersten Adressen für Musiktheater und Tanz in Europa entwickelt. Sie ist in der größten und dichtesten Kulturregion Deutschlands beheimatet. Allein die beiden Städte Düsseldorf und Duisburg zählen zusammen fast 1,1 Millionen Einwohner, aber auch die umliegenden Regionen und eine große Zahl auswärtiger Gäste profitieren vom hochkarätigen künstlerischen Angebot der Deutschen Oper am Rhein.
www.operamrhein.de

 

 

Emmett O’Hanlon (Overall), David Fischer (Harlekin). © Hans Jörg Michel.

Tickets kosten zwischen 14,00 und 56,00 Euro. Eintrittskarten gibt es online ebenso wie in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in das Stück, seine Entstehung und die Aufführung gibt. Zusätzlich gibt es zu den meisten Produktionen einen Audio-Opern- oder Ballettführer in einem Kurzformat unter https://www.operamrhein.de/de_DE/opernfuehrer-audio. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

 

 
Die unvermeidlichen Corona-Regeln

Emmett O’Hanlon (Overall), Luke Stoker (Tod). © Hans Jörg Michel.

Die Kapazitätsbegrenzungen in den Sälen sind aufgehoben. Im gesamten Haus gilt nach wie vor, voraussichtlich mindestens bis zum 15. Mai 2022, Maskenpflicht. Es wird gebeten, den Mund-Nasen-Schutz auch im Saal während der gesamten Vorstellung zu tragen. Innerhalb der Räumlichkeiten (z. B. Vorstellungskasse, Garderobenbereiche, Foyers, Sanitäranlagen) ist das Tragen einer OP- oder FFP2-Maske Pflicht. Es gelten die üblichen Hygiene- und Abstandsregeln. Aktuelles gibt es hier.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Hans Jörg Michel

 

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Lehmbruck Museum in Duisburg zeigt Sculpture 21st: Rineke Dijkstra

Bilder einer Heranwachsenden in ihrer ungekünstelten Natürlichkeit
Von Petra Grünendahl

Rineke Dijkstra: Ruth Drawing Picasso 2009 Video Still-1. Foto: Rineke Dijkstra.

Bei ihrem Besuch der Tate Liverpool studiert Ruth Picassos Gemälde „Weinende Frau”. Das Werk Picassos sowie Ruths Zeichnung bleiben dabei unsichtbar. Visuell isoliert erscheint das Mädchen in seiner Schuluniform im Moment und in ihrer Arbeit versunken. Mit ausgestreckten Beinen auf dem Boden sitzend, konzentriert es sich vollkommen darauf, das berühmte Kunstwerk zu kopieren. Nur das Kratzen des Stiftes auf dem Papier ist zu hören. „Ruth Drawing Picasso” ist ein berührendes filmisches Porträt eines jungen Mädchens. Unverstellt und ungekünstelt entwickeln die Bilder Dijkstras eine stilbildende Kraft und bleiben dem Betrachter im Gedächtnis. Die niederländische Künstlerin Rineke Dijkstra (*1959) beschäftigt sich mit den großen Themen der Menschheit: Mit Geburt und Tod, mit Krieg und Frieden und mit der dem Menschen eigenen Verletzlichkeit. Dijkstra ist mit ihren eindringlichen fotografischen Porträts junger Heranwachsender berühmt geworden.

 
Mit der Präsentation von Rineke Dijkstras Videoarbeit „Ruth Drawing Picasso“ (2009) in der Reihe „Sculpture 21st“ zeigt das Lehmbruck Museum ein ikonisches Motiv der Versunkenheit und Konzentration. Dijkstra führt dem Zuschauer in ihrer charakteristischen intensiven Bildsprache ein junges Mädchen bei Zeichenübungen im Museum vor. Die große Videoleinwand ist in der großen Glashalle auch vom Kantpark aus zu sehen. Die Ausstellung wird gefördert durch die Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West. Die Ausstellung wurde am Donnerstagabend mit geladenen Gästen in Anwesenheit der Künstlerin eröffnet und ist ab Freitag, 13. Mai, für das Publikum zugänglich.

 

 
Rineke Dijkstra und Sculpture 21st

Rineke Dijkstra. Foto: Dana Lixenberg.

Nach ihrem Studium in Amsterdam war Rineke Dijkstra als freie Fotografin für Magazine (Mode, Wirtschaft) tätig. Das selbstdarstellerische Posieren der Porträtierten war nicht ihr Ding: Sie suchte Alternativen im künstlerischen Bereich. Nachdem sie auch Arbeiten in der Reihe „Menschen am Strand“ verworfen hatte, weil die Erwachsenen sehr selbstbewusst und wenig natürlich posierten, fand sie in einer 13-Jährigen ein Motiv, das ihren Vorstellungen von Individualität in Posen, Gesicht und subtilen Gesten entsprach. Ab Mitte der 1990er-Jahre wurde die niederländische Künstlerin mit ihren eindringlichen fotografischen Porträts junger Heranwachsender berühmt. Seit den 1990er-Jahren arbeitet Rineke Dijkstra auch mit dem bewegten Bild der Videokamera. Ihre Bilder wirken ehrlich und unverstellt. Sie zeigen junge Menschen in Lebensabschnitten, die von Veränderungen geprägt sind. Die Unsicherheit über das eigene „Ich“ ist sichtbar und noch kaum hinter eingeübten Posen verborgen. Ungeschönt zeigt Deijkstra junge Mütter direkt nach der Geburt oder junge Männer, die freiwillig in den Krieg ziehen. Großformatige Foto-Serien wie die Aufnahmen von Almerisa, einem jungen Mädchen, das mit ihren Eltern vor dem Bosnien-Krieg in den Westen geflüchtet ist, sind heute Teil der Sammlung des Museum of Modern Art. Sie haben dazu beigetragen, die Gattung der Fotografie als eine ebenbürtige Form neben den anderen künstlerischen Gattungen zu etablieren. Rineke Dijkstra lebt und arbeitet in Amsterdam.

 
Unter dem Titel „Sculpture 21st” präsentiert das Lehmbruck Museum seit 2014 wechselnde Positionen zur Skulptur des 21. Jahrhunderts. Einige der wichtigsten Bildhauer der Gegenwart, unter ihnen Tino Sehgal (2014), Antony Gormley (2014), Eija-Liisa Ahtila (2015), Xu Bing (2018) und Julian Opie (2019), präsentieren in der ikonischen Glashalle des Museums ihre Werke und unternehmen damit eine Positionsbestimmung zur Skulptur des 21. Jahrhunderts. Sie alle stellen auf sehr unterschiedliche Weise grundlegende Fragen an das Museum, die Kunst und ihr Verhältnis zur Gesellschaft.

 
Einen kleinen Eindruck vermittelt ein Video von 2009/2010. Quelle: 45Kirederf / YouTube.

 

 
Das Lehmbruck Museum

Das Lehmbruck Museum im Kantpark. Foto: Petra Grünendahl.

Das mitten in Duisburg im Kantpark gelegene Lehmbruck Museum ist ein Museum für Skulptur. Seine Sammlung moderner Plastiken von Künstlern wie Alberto Giacometti, Pablo Picasso, Hans Arp und natürlich Wilhelm Lehmbruck ist europaweit einzigartig. Beheimatet ist das Museum in einem eindrucksvollen Museumsbau inmitten eines Skulpturenparks, der zum Schlendern und Entdecken einlädt.

 
Namensgeber des Hauses ist der Bildhauer Wilhelm Lehmbruck, der 1881 in Meiderich, heute ein Stadtteil von Duisburg, geboren wurde. Lehmbruck ist einer der bedeutendsten Bildhauer der Klassischen Moderne. Er hat mit seinem Werk maßgeblichen Einfluss auf nachfolgende Künstlergenerationen und ist auch nach seinem frühen Freitod im Jahr 1919 bis heute einflussreich geblieben.

 

 
Öffnungszeiten und Eintrittspreise
Rineke Dijkstras Videoarbeit zeigt das Lehmbruck Museum im Rahmen von Sculpture 21st bis zum 28. August. Eine Sonderausstellung der Lehmbruck-Preisträger von 2020 ist unter anderem in den Wechselausstellungsräumen im Anbau zu sehen bis zum 14. August 2022. Geöffnet ist das Lehmbruck Museum dienstags bis freitags ab 12 Uhr, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags an Terminen der plastikBAR (erster Donnerstag im Monat ab 17.30 Uhr) bis 20 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro (ermäßigt* 5 Euro), eine Jahreskarte 35 Euro (ermäßigt* 20 Euro). Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Blinden- und Demenzbegleitung haben kostenlos Eintritt. Schulklassen und Kindergärten zahlen pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte (2 Erwachsene plus Kinder bis 14 Jahre) gibt es für 15 Euro. Jeden ersten Freitag im Monat gilt: „Pay what you want“. Ausgenommen davon sind angemeldete Gruppen.

Zu seinen Sonderausstellungen bietet das Lehmbruck Museum verschiedene Veranstaltungen als Rahmenprogramm an. Zu den Highlights zählt hier mit Sicherheit das Künstlergespräch am Sonntag, 27. März, um 14 Uhr, sowie die Kuratorinnenführungen am Sonntag, 1. Mai, mit Ronja Friedrich sowie am Sonntag, 12. Juni, mit Dr. Söke Dinkla. Öffentliche Führungen durch das Museum gibt es jeden Sonntag um 11.30 Uhr. Für Informationen steht die Kunstvermittlung des Lehmbruck Museums unter Telefon 0203 / 283-2195 oder eMail kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de zur Verfügung (Zu Preisen und Buchungen für Führungen geht es hier). Tickets für Führungen und Veranstaltungen können vorab im Ticket-Shop des Museums gebucht werden.

Aktuelle Informationen zu Corona-Schutzmaßnahmen gibt es hier .

 
(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70%), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen mit Sozialhilfebezug.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Rineke Dijkstra (1), Dana Lixenberg (1), Petra Grünendahl (1)

 
 

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Ludwiggalerie Schloss Oberhausen zeigt Fotografien von Linda McCartney

Die Fotografin unter Musikern entführt zu den Jugend-Idolen der späten Sechziger
Von Petra Grünendahl

The Rolling Stones, New York, 1966 © Paul McCartney/Fotografin Linda McCartney/Courtesy Sammlung Reichelt und Brockmann.

Ihre Fotos begeistern insbesondere durch ihre Nähe zu den Stars, die die Idole so manch einer Jugend waren. Als die Amerikanerin Linda Eastman (1941–1998) Mitte der 1960er Jahre zu fotografieren beginnt, gerät sie unmittelbar in die Szene von Rock und Pop. Eine Presseeinladung öffnet ihr die Türen zu der Promotion-Party der Rolling Stones. Hier beginnt ihre ungewöhnliche Karriere: „Es waren die Zeiten, als Jimi Hendrix aus heiterem Himmel in mein Apartment geschneit kam und ich mit Jim Morrison in Chinatown zum Essen ging.

The Beatles, London, 1967 © Paul McCartney/Fotografin Linda McCartney/Courtesy Sammlung Reichelt und Brockmann.

Einmal kaufte ich mit Janis Joplin Erdnussbutter für ein mitternächtliches Festmahl, ein andermal kurvte ich mit Jackson Browne mit der U-Bahn durch die Stadt.“ Bereits etabliert als Fotografin in der Musikszene trifft sie die Beatles und damit ihren späteren Ehemann Paul, mit dem sie von 1969 bis zu ihrem Tod verheiratet war. Sie beobachtet und dokumentiert die Entstehung des berühmten Covers zu Abbey Road aus dem Jahr 1969 und gibt mit ihren Fotos intimen Einblick in das Familienleben der McCartneys.

 

Linda McCartney: Das Plakat zur Ausstellung. Quelle: Ludwiggalerie.

Kaum war zu Beginn des Jahres 2020 die Ausstellung „Fotografin unter Musikern: Linda McCartney – The Sixties and ” eröffnet, musste sie – nach dem Ausbruch von Corona – auch schon wieder schließen. Die bis dahin tolle Resonanz und unzählige Nachfragen nach einer Wiederauflage haben die Ludwiggalerie dazu bewogen, diese internationale und weibliche Position im Bereich der Fotografie, inklusive eines breiten Rahmenprogramms, erneut zu zeigen. Die Ausstellung wurde erarbeitet mit der Stiftung „Reichelt und Brockmann Art Foundation“ Mannheim. Die Schau wird am Samstag, 14. Mai offiziell eröffnet. Einen Einblick gibt der Flyer zur Ausstellung.

 

 
Die Sechziger in Bildern eingefangen

Roadworks: My Love, London, 1978 © Paul McCartney/Fotografin Linda McCartney/Courtesy Sammlung Reichelt und Brockmann.

Vor allem ihre Bilder der großen Musikstars der späten 1960er Jahre prägen bis heute das Bild dieser sich von moralischer Etikette befreienden Zeit. Janis Joplin und Jimi Hendrix, Nico und Brian Jones, The Doors und The Who, Aretha Franklin und Bob Dylan werden von ihr in selbstverständlicher Natürlichkeit und häufig auch mit großer Dynamik ins Bild gesetzt. Die Ausstellung zeigt mit den Fotos aus den Sixties eindringliche Momente dieser intensiven musikalischen Ära. Auch auf all ihren Reisen hat Linda McCartney die Kamera mit dabei gehabt. Ihre Roadworks zeigen ausdrucksvoll die Beobachtungen von Menschen und Räumen. Immer wieder ist es der Blick in den Rückspiegel, der fasziniert hat. Und schließlich ist McCartney auch im experimentellen Bereich kreativ geworden. Ihre Sunprints zeigen durch das Tageslicht, durch die Sonne, belichtete Bilder, die vom Stillleben bis zum Porträt reichen.

 

Aretha Franklin, für Mademoiselle, Los Angeles, 1968 © Paul McCartney/Fotografin Linda McCartney/Courtesy Sammlung Reichelt und Brockmann.

Zusätzlich zu den Fotografien wird dem Thema der Musik und dessen bildkünstlerischer Ausformung intensiv nachgegangen. Die Gestaltung von Plattencovern, die sich ab der Mitte der 1960er Jahre ebenfalls grundlegend verändert, wird in einem eigenen Ausstellungsbereich vorgestellt. Ikonische Designs wie Hipgnosis‘ The Dark Side of the Moon für Pink Floyd, Klaus Voormanns Revolver für die Beatles oder Andy Warhols Sticky Fingers für die Rolling Stones haben heute Kultstatus. Ein eigens für die Ausstellung zusammengestellter Soundwalk ermöglicht den Besuchern auch musikalisch in die Zeit der Sechzigerjahre einzutauchen.

 
Zur Ausstellung „Fotografin unter Musikern: Linda McCartney – The Sixties and More“ ist ein Booklet mit einem Text von Dr. Christine Vogt mit 16 Seiten (2. Auflage) für 5,00 Euro erhältlich (ISBN 978-3-932236-47-1).

 

 
Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen

Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Die Sonderausstellung im Großen Schloss läuft bis zum 11. September 2022. Das Museum ist geöffnet von Dienstag bis Sonntag zwischen 11 und 18 Uhr. Montags ist Ruhetag, feiertags sowie Oster- und Pfingstmontag ist jedoch geöffnet. Geschlossen ist am 24., 25. und 31. Dezember sowie 1. Januar. Der Eintritt kostet 8,00 Euro (ermäßigt 4,00 Euro, Familien mit zwei Erwachsenen plus Kindern 12,00 Euro). Außerdem gibt es ein Kombiticket mit dem Gasometer Oberhausen für 14,00 Euro.

 

Janis Joplin im Fill East mit “Ball and Chain”, New York, 1967 © Paul McCartney/Fotografin Linda McCartney/Courtesy Sammlung Reichelt und Brockmann.

Öffentliche Führungen finden im Großen Schloss sonn- und feiertags um 11.30 Uhr statt. Zudem gibt es Kuratorinnenführungen (mit der Direktorin Dr. Christine Vogt):

  • Sonntag, 15.05.2022, 14 Uhr (um 15 Uhr führt sie durch die Manfred-Vollmer-Ausstellung im Kleinen Schloss),
  • Sonntag, 26.06.2022, 15 Uhr,
  • Sonntag,31.07.2022, 15 Uhr,
  • Sonntag, 21.08.2022, 15 Uhr,
  • Sonntag, 11.09.2022, 15 Uhr.

Alle Führungen sind im Museumseintritt inklusive. Details zum Rahmenprogramm zu den Ausstellungen sowie zum museumspädagogischen Angebot gibt es hier. Tagesaktuelle Informationen zu den Corona-Regeln auf gibt es auf der Website.

 

Das Kleine Schloss der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Nur noch bis Sonntag, 15. Mai 2022 zeigt die Ludwiggalerie in im Kleinen Schloss Fotografien von Manfred Vollmer: „ausgelöst – Fotografien von 1968 bis heute“. Hier unser Bericht … Ab dem 22. Mai zeigt die Ludwiggalerie im Kleinen Schloss bis zum 3. Juli 2022 die Ausstellung „Welche Farbe hat …? – 55 Jahre Städtische Malschule Oberhausen“ und anschließend vom 10. Juli bis zum 16. Oktober 2022 „PARALLEL – Der Kunstverein zu Gast in der Ludwiggalerie“ mit den Künstlern Jan Kolata und Paul Schwer.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Linda McCartney / Sammlung Reichelt und Brockmann (6), Petra Grünendahl (2)

 
 

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GMGV in Moers zeigt Gemälde von Axel Kasseböhmer auf Rheinpreußen Schacht IV

Ausstellung bergmännischen Lebens
neu konzipiert und erweitert

Von Petra Grünendahl

Von links: Peter Boschheidgen, André Thissen und Theo Wilbers. Foto: Petra Grünendahl.

„Unsere Lampenmeisterin putzt noch die letzten Lampen, da wir hier auf den letzten Drücker fertig werden“, erklärte André Thissen, Leiter des Arbeitskreises Schacht IV, der sich mit ehrenamtlichen Helfern um das Industriedenkmal und die Bergbausammlung des Vereins kümmert. Aus dem Nachlass des in München lebenden Künstlers Axel Kasseböhmer hat der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein (GMGV) dessen Sammlung von Bergbau-Utensilien als Schenkung bekommen. Während der zwei Jahre Corona-Pause haben ehemalige Moerser Bergleute und Helfer Tausende von Arbeitsstunden investiert, um diese und andere Ausstellungsstücke zu restaurieren und das Museum für eine Neupräsentation umzubauen. Lampenmeisterin Anja Thissen hat die Wetterlampen aufgearbeitet und poliert, die elektrischen Lampen gereinigt und aus den Akkus die Lauge entfernt, damit diese gut gepflegt in den neuen Vitrinenschränken präsentiert werden können. Zumindest teilweise: „Wir haben rund 300 Lampen bekommen, davon gut die Hälfte elektrisch“, so André Thissen. „Knapp 80 Lampen können wir hier zeigen. Das heißt, wir werden die Ausstellung auch mal umbauen.“

 

Von links: Dieter Soyke, Alberto Dominguez, Joachim Bürger, Heinz Bernard, Theo Wilbers, Peter Boschheidgen und André Thissen. Foto: Petra Grünendahl.

Zur Saisoneröffnung am Sonntag, 15. Mai, um 11 Uhr auf Rheinpreußen Schacht IV in Moers startet der GMGV mit einer Doppel-Premiere, die der GMGV-Vorsitzende Peter Boschheiden zusammen mit André Thissen und ehrenamtlichen Helfern vorstellte. Zum einen startet das Bergbaumuseum im Fördermaschinenhaus mit einem völlig neuen Konzept und vielen neuen Ausstellungstücken. Zum Zweiten zeigt der GMGV erstmals in Moers eine Ausstellung mit Gemälden von Axel Kasseböhmer (1952–2017). Die Bilder werden dem GMGV für diese Saison (die Arbeiten sind bis Oktober zu sehen) von dessen Berliner Galerie Sprüth Magers als Leihgaben zur Verfügung gestellt. Seine Gemälde in unterschiedlichen Formaten sind an den Wänden im Maschinenraum ausgestellt, wo sonst die historische Architektur, Fördermaschine und Umformer die Stars sind. Am Vorabend der Ausstellungseröffnung soll es von 21 bis 23 Uhr einen Night-Preview geben, bei dem die Schaustücke und Gemälde in der Maschinenhalle nur im Schein der Lichtinstallationen zu sehen sind, die André Thissen mit seinen Kollegen an den Maschinen angebracht hat und die sonst nie wirklich (auch nicht zur Extraschicht) zur Geltung kommt. Zur Eröffnung am Sonntag ist Schacht IV bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist ebenso wie die Führungen durch das Museum kostenlos. „Wir als ehemalige Bergleute wollen Besuchern das Leben im Bergbau nahe bringen“, so André Thissen.

 

 
Axel Kasseböhmer und seine Bergbau-Leidenschaft

Axel Kasseböhmer im Maschinenraum. Foto: Petra Grünendahl.

Als Sohn eines Bergmanns wurde Axel Kasseböhmer 1952 in Herne geboren. Aufgewachsen ist er in Neukirchen-Vluyn, wo sein Vater auf der Zeche Niederberg (Niederrheinische Bergwerksgesellschaft) beschäftigt war. An der Düsseldorfer Kunstakademie studierte er bei Joseph Beuys und Gerhard Richter. Kassebaum lebte und arbeitete schließlich in München, wo er seit 2001 eine Professur an der Akademie der Bildenden Künste inne hatte und 2017 nach langer Krankheit verstarb. Als Künstler positionierte sich Axel Kasseböhmer zeitlebens abseits von malerischen Moden und Strömungen und hinterlässt ein umfangreiches Werk, das sich durch einen radikalen, konzeptuellen Ansatz zum Malen auszeichnet. Er war zudem ein begeisterter Sammler von Bergbau-Utensilien.

 

Wetterlampen ab 1816 (unten links). Foto: Petra Grünendahl.

Die Schwester und Alleinerbin Anne Frank wollte diese Sammlung einem Bergbaumuseum geben: Weil die Familie ihre Wurzeln im Ruhrgebiet hat, konnten sich die Moerser durch Vermittlung von Dieter Krämer aus Kamp-Lintfort den Schatz sichern. André Thissen, der als Arbeitskreisleiter dem erweiterten Vorstand des GMGV angehört, hatte gleich begeistert zugesagt, musste aber den geschäftsführenden Vorstand von der Idee erst noch überzeugen. Als die Sammlung 2018 nach Moers kam, war sie zunächst Leihgabe gedacht, allerdings konnten die Ehrenamtlichen die Nachlassverwalterin überzeugen, ihnen die Sammlung (die Stücke sind in der Ausstellung mit einem blauen Punkt gekennzeichnet) zu schenken, was dem Museum die nötige Sicherheit gab. Denn: Auch wenn die Sammlung eine Schenkung war, mussten doch – neben sehr viel ehrenamtlicher Arbeit – auch fast 20.000 Euro investiert werden, um diese mit vielen Stücken aus der eigenen Sammlung in einem Bergbaumuseum angemessen präsentieren zu können.

 

 
 
Bergbaumuseum zeigt einen Querschnitt bergmännischen Lebens

Lampenstube in der Kaue. Foto: Petra Grünendahl.

Fördergelder deckten gerade mal 10 Prozent der nötigen Investitionen, z. B. in Vitrinenschränke und Umbauten zur Präsentation von alten und neuen Ausstellungstücken. In einem hinteren Raum auf der Fördermaschinenebene, der heute auch als Büro oder Konferenzraum genutzt wird, haben die Ehrenamtlichen des Arbeitskreises Schacht IV gute neun Meter Vitrinenschränke aufgebaut und so bestückt, dass Besucher die Entwicklung der Wetterlampen ab 1816 (zunächst Öllampen, später Benzin-Sicherheitslampen) und der elektrischen Bergbaulampen nachvollziehen können. Die Vitrinen sind Maßanfertigungen für die Ausstellung, die André Thissen geplant hatte: „Die Entwürfe sind genau so umgesetzt worden, wie er uns seine Planung auf dem PC gezeigt hatte“, erzählte Peter Boschheidgen. Neben den Lampen geben weitere Exponate rund um den Bergbau Einblicke in die Geschichte der Schachtanlagen vor Ort (Zeche Rheinpreußen mit insgesamt neun Schächten in Moers und Duisburg). Weitere Ausstellungsräume befinden sich im Untergeschoss, wo auch bislang schon Schaustücke rund um den Bergbau in der Region aus der umfassenden Sammlung des GMGV präsentiert worden waren.

 

Frühe Sauerstoffgeräte der Grubenwehr. Foto: Petra Grünendahl.

Dazu zählt neben der Neuaufstellung des Grubenwehrraumes mit einer besseren Präsentation und zusätzlichen Informationen auch die neue Kaue (in der Ausstellung kombiniert mit der Lampenstube). Auch haben die Helfer und Vereinsmitglieder durchaus vorhandene Lücken in der umfangreichen Sammlung von Kasseböhmer mit eigenen Schaustücken (als Leihgaben) ergänzt. Das Bergbaumuseum mit viel Lokalkolorit (fast alles war auf der Zeche Rheinpreußen im Einsatz) ist ein Schmuckstück geworden, welches einen Besuch lohnt!

 

 
Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e.V.

Fördermaschinenhaus am Schacht IV der Zeche Rheinpreußen in Moers-Hochstraß. Foto: Petra Grünendahl.

Der Museums- und Geschichtsverein in Moers möchte die Geschichte und Kultur der Grafschaft Moers schützen und erhalten – und das seit 1904. In diesem Jahr gründete Dr. Hermann Boschheidgen den „Verein für Heimatkunde“. Seitdem werden vom Verein, der heute „Grafschafter Museums- und Geschichtsverein“ heißt, Gegenstände aus dem Alltag und dem Leben der Moerser Bevölkerung zusammengetragen und im Moerser Schloss ausgestellt. Dadurch soll gemeinsam mit der Stadt Moers interessierten Bürgern die Geschichte der Grafschaft und des Altkreises Moers nahe gebracht werden. Den kulturellen und historischen Wert des Schlossparks stärker bewusst zu machen und zu erhalten ist ebenfalls ein Ziel der Arbeit des GMGV. Der heutige Vorsitzende, Peter Boschheidgen, ist ein Enkel des Vereinsgründers.

André Thissen in der Kaue. Foto: Petra Grünendahl.

Als weiterer Schwerpunkt der Vereinstätigkeit kam später die Geschichte des Bergbaus mit dem Nutzungsrecht für das „Industriedenkmal Rheinpreußen Schacht IV“ hinzu, mit der Verpflichtung, das Maschinenhaus von 1906 zu erhalten. Der Bergwerks-Standort war 1962 stillgelegt worden. Unter dem langjährigen Vereinsvorsitzenden Andreas Eichholtz übernahm der GMGV Ende der 1990er-Jahre als Bauherr mit finanzieller Unterstützung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, des Landes NRW und der Nordrhein-Westfalen-Stiftung die Renovierung. Das Denkmal und die restaurierte Technik kann im alten Maschinenhaus besichtigt werden. Ehemalige Bergleute erklären die Fördertechnik und führen durch die Sammlung. Geöffnet ist Bergbaumuseum von Mai bis Oktober jeden Sonntag von 13 bis 16 Uhr. Gruppenführungen sind außerhalb der Öffnungszeiten nach Vereinbarung möglich. Kontakt unter Telefon 02841 / 889108 (mittwochs 9 bis 12 Uhr) oder per Mail an schacht4(at)gmgv-moers.de.
www.gmgv-moers.de

Impressionen aus der Ausstellung auf Zeche Rheinpreußen Schacht IV. Fotos: Petra Grünendahl

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© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Das Ruhrgegbiet lockt für spannende Ausflüge: „Blühende Oasen“ im Klartext Verlag

Parks und Gärten in der Region von
Xanten und Wesel bis Dortmund und Hamm

Von Petra Grünendahl

Blick ins Buch: Blühende Oasen – Ausflüge zu Parks und Gärten im Ruhrgebiet im Klartext Verlag. Foto: Petra Grünendahl.

In Duisburg hat es der Garten der Erinnerungen in die Auswahl des Autors geschafft, mit einer einzigartigen Verbindung von Historie, Kunst und Grün. Ebenso der Kaisergarten in Oberhausen, der mehr ist als nur ein Volksgarten mit Tiergehege. Die Ziele reichen vom Archäologischen Park in Xanten und dem Heubergpark in Wesel, der ursprünglich mal ein Exerzierplatz war, im Westen über Gärten und Parks in Mülheim, Essen, Bochum, Gelsenkirchen und Herten bis zum Park der Hohensyburg in Dortmund und dem Maximilianpark in Hamm im Osten. Parks von Schlössern und Herrenhäusern finden sich neben gestalteten Grünanlagen und ehemaligen Gartenschaugeländen (Gruga und Nordsternpark). Dass es im Ruhrgebiet außer viel Industriekultur auch repräsentative Schlossparks, Klostergärten und aufregend inszenierte öffentliche Parks gibt, sollte nur den erstaunen, der nicht von hier stammt. Was aber wiederum nicht heißt, dass nicht auch Menschen im Ruhrgebiet den einen oder anderen Hinweis gebrauchen könnten, wo sich lohnende Ausflugsziele in der Region finden. Viele Tipps dafür hat der Autor jedenfalls parat.

 

Blick ins Buch: Blühende Oasen – Ausflüge zu Parks und Gärten im Ruhrgebiet im Klartext Verlag. Foto: Petra Grünendahl.

Für sein Buch „Blühende Oasen“ hat Patrick Bierther 15 Ausflüge zu Parks und Gärten im Ruhrgebiet zusammen gestellt. Auf jeweils acht bis zwölf Seiten beschreibt Bierther seine ausgewählten Ziele mit ihren historischen Hintergründen, aktueller Nutzung und mitunter sehr detailliert die Botanik. Grundlegende Daten zum Ziel, seine Besonderheiten und seine unmittelbaren und näheren Umgebung (Am Weg oder Abstecher), eine Einordnung des Ziels in verschiedene Kategorien, Gastronomie-Tipps sowie Tipps zur Anreise (Pkw/Parkplatz und ÖPNV) runden die Informationen ab.

 

 
Der Autor und das Buch

Blick ins Buch: Blühende Oasen – Ausflüge zu Parks und Gärten im Ruhrgebiet im Klartext Verlag. Foto: Petra Grünendahl.

Patrick Bierther weiß, wovon er schreibt: Er ist in Essen-Werden aufgewachsen und nach 25 Jahren wieder dorthin zurückgekehrt, um einen viel zu großen Garten zu pflegen. Dazwischen liegen ein Studium in Berlin, ein Redaktionsvolontariat, 20 Bücher, viele, viele Artikel – und zwei Jahre auf Zechen (Zollverein und Nordstern), freilich nicht als Bergmann, sondern als Öffentlichkeitsarbeiter unter anderem für die Bundesgartenschau.

 
Das Buch „Blühende Oasen – Ausflüge zu Parks und Gärten im Ruhrgebiet“ von Patrick Bierther ist im Essener Klartext Verlag erschienen. Das 144-seitige Taschenbuch aus der Reihe „Schönes NRW“ mit zahlreichen Fotografien ist für 16,95 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-8375-2455-0).

 

 
Der Verlag

Blick ins Buch: Blühende Oasen – Ausflüge zu Parks und Gärten im Ruhrgebiet im Klartext Verlag. Foto: Petra Grünendahl.

Der Klartext Verlag wurde 1983 gegründet, seit 2007 ist er Teil der Funke Mediengruppe. Seine Heimat liegt im Ruhrgebiet, wo auch der überwiegende Teil seiner Publikationen angesiedelt ist: Freizeitführer, Sachbücher, Kalender und Bildbände. Mit der „Von oben“-Reihe kann man Städte nicht nur im Ruhrgebiet, sondern in ganz Deutschland aus der Vogelperspektive bewundern. Und mit der Reihe „Irrtümer und Wahrheiten“ (bei ihrem Start im Verlagsprogramm hieß die Serie noch „Klugscheißer“) lernt der Leser Neues zu verschiedenen Orten, Themen und Fußballvereinen – unterhaltsam und fundiert, denn, so der Verlag: „wir machen Bücher mit Qualität und gerne auch mal einem Augenzwinkern.“
www.klartext-verlag.de

 
Der Blick ins Buch. Fotos: Petra Grünendahl

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© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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DuMont: Auf Landkarten-Rätselreise durch Deutschland

Informative Reisen auf dem Papier
Von Petra Grünendahl

Blick ins Buch: Landkarten-Rätselreise Deutschland von DuMont. Foto: Petra Grünendahl.

Wo jeder Reiseführer zur Inspiration und Vorbereitung einer Reise dient, ist die Landkarten-Rätselreise eine Reise auf dem Papier: Texte und schöne Fotos geben einen Eindruck von Orten und ihren Besonderheiten, auf Karten erkundet der Leser dann die Gegend, um Fragen zu beantworten. Dabei lernt er Ziele und Gegenden in ganz Deutschland kennen, deren Besuch selten zu den touristischen Hotspots zählen. Der Leser erfährt auf seinen Reisen mitunter viel Unbekanntes und auch Kurioses. Zum Beispiel: Dass das geografische Zentrum der Welt in Gotha liegt, warum die der erste Raumflug und die Mondlandung im Ruhrgebiet live zu hören waren oder welche deutsche Stadt wie Rom auf sieben Hügeln erbaut worden ist. Oder auch wie die preußische Regierung den Versand von Depeschen aus dem Rheinland nach Berlin von Tagen auf Stunden reduzieren konnte.

 

Blick ins Buch: Landkarten-Rätselreise Deutschland von DuMont. Foto: Petra Grünendahl.

Für ihre „Landkarten-Rätselreise Deutschland“ haben die Autoren Nadine Ormo und Michael Laufersweiler 44 über ganz Deutschland verteilte Orte ausgewählt. Jeweils vier Seiten sind jedem Ziel gewidmet. Einem Einleitungstext folgen sieben bis zehn Fragen zur nebenstehenden Karte in drei Schwierigkeitsgraden: ankommen, aufwärmen, durchstarten. Für das Kartenstudium ist für manch einen vielleicht eine Lupe hilfreich. Die Antworten (ab Seite 182) sind ausführlich und gehen mit weiteren Informationen tiefer in die Materie. Die Fragen lassen alle mit Blick auf die Karte beantworten, die man genau studieren sollte: Aber die ausführlichen Antworten machen die Lektüre weniger zu einer Rätselreise als zu einer Reise zur Erweiterung des eigenen Wissens.

 

 
Die Autoren und das Buch

Blick ins Buch: Landkarten-Rätselreise Deutschland von DuMont. Foto: Petra Grünendahl.

Die beiden Autoren, Nadine Ormo und Michael Laufersweiler, erkunden beide gerne Landkarten. Nadine Ormo lebt in München und ist als freie Kommunikationsberaterin, Texterin und Buchautorin tätig. Schon als Kind begeisterte sie sich im Naturkundeunterricht für Landkarten. Auch nach Bergwanderungen genießt sie es, auf Papierkarten Wege und Flüsse, Bergketten und Hochflächen in Gedanken weiter zu erkunden. Michael Laufersweiler ist gebürtiger Rheinländer, der als freiberuflich tätiger Geograph schon viel in der Welt rumgekommen ist. Er liebt es, gerade die Regionen zu erkunden, die nicht in allen Reiseführern gelistet sind. Auf eine einsame Insel würde er einen Weltatlas mitnehmen.

DuMonts „Landkarten-Rätselreise Deutschland“ bietet auf 232 Seiten viele Informationen, Karten und ansprechende Fotos. Das Taschenbuch ist zum Preis von 15,00 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-616-03101-9).

 

 
DuMont Reiseverlag

Blick ins Buch: Landkarten-Rätselreise Deutschland von DuMont. Foto: Petra Grünendahl.

Die MairDumont Reiseverlagsgruppe aus Ostfildern (bei Stuttgart), zu der auch der DuMont Reiseverlag gehört, ist spezialisiert auf Reise- und Freizeitbücher. Die gesamte Reihe „DuMont Bildatlas“ ist für eine Neuauflage komplett inhaltlich und gestalterisch überarbeitet worden. Die Reihe bietet Reiseführer im Magazinformat über Städte und Regionen – von Deutschland über Europa bis hin zu Zielen in aller Welt, die jetzt sukzessive alle überarbeitet in einer Neuauflage erscheinen.
www.dumontreise.de

 
Der Blick ins Buch. Fotos: Petra Grünendahl

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© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Inspirierende Ausflüge: Kunst und Natur am Niederrhein im Klartext Verlag

Vielfalt von Museen in Schmuckstücken unterschiedlichster Baustile
umgeben von gestalteter Natur

Von Petra Grünendahl

Blick ins Buch: Inspirierende Ausflüge Kunst und Natur am Niederrhein im Klartext Verlag. Foto: Petra Grünendahl.

„Kunst und Natur am Niederrhein“ verheißt Gärten und Parklandschaften, renaturierte Auen sowie öffentlich zugängliche Skulpturenparks ebenso wie einen vielfältigen Fundus an Museum oder Denkmäler unterschiedlichster Art. Das barocke Schloss Benrath, der Hofgarten und die Kaiserswerther Kaiserpfalz in Düsseldorf, das Museum Insel Hombroich und ein Shakespeare-Theater in Neuss, die Bauhaus-Villen Haus Lange und Haus Esters in Krefeld, Schloss Moyland in Bedburg-Hau oder Kloster Kamp sind nur einige der Ziele, die Autorin Stefanie Bisping angesteuert hat. Sie vermittelt in ihren Texten fundierte und ausführliche Einblicke in die Historie der Orte (und darüber hinaus), die dem Buch einen zusätzlichen Reiz geben. So manches Schätzchen von heute war noch vor wenigen Jahrzehnten eine Ruine oder hat seine heutige Form erst nach Zerstörungen durch einen Neu- oder Umbau bekommen. Dem Leser wird bei der Lektüre schnell klar, wie spannend die Heimat sein kann.

 

Blick ins Buch: Inspirierende Ausflüge Kunst und Natur am Niederrhein im Klartext Verlag. Foto: Petra Grünendahl.

Zwölf „Inspirierende Ausflüge“ hat Autorin Stefanie Bisping zusammen getragen, die den Leser raus locken sollen zu Kunst und Natur am Niederrhein. Die Ziele ihrer Touren liegen zwischen Mönchengladbach und Neuss am mittleren Niederrhein und Kleve am unteren Niederrhein. Historisch greift Bisping bis in die Römerzeit zurück, mit dem Archäologischen Park Xanten und dem westgermanischen Grenzwall Limes (seit 2021 Unesco Welterbe). Von den Spuren der Römer geht es über die Bauslust und Sammelleidenschaft der Kurfürsten und Grafen bis hin zur Strahlkraft der Düsseldorfer Kunstakademie, die weit über die Region hinaus reicht. Es sind spannende Ziele in der Region, die zu besuchen die Autorin mit informativen Texten und einer guten Auswahl an begleitenden Fotos (aus unterschiedlichsten Quellen) Appetit macht.

 

Blick ins Buch: Inspirierende Ausflüge Kunst und Natur am Niederrhein im Klartext Verlag. Foto: Petra Grünendahl.

Ihre Inspirationen für Ausflüge in die nähere Umgebung bieten die Ziele für Menschen mit unterschiedlichsten Interessen, die gerne auch ein bisschen über ihren Tellerrand hinaus schauen. 10 bis 14 Seiten hat die Autorin jedem Ausflugsziel gewidmet. Grundlegende Daten zum Ziel, seiner Umgebung, eine Einordnung des Ziels in verschiedene Kategorien, Gastronomie-Tipps sowie Tipps zur Anreise (Pkw/Parkplatz und ÖPNV) runden die Informationen ab. Eine kleine Nachlässigkeit muss man der Autorin (und den Lektoren des Verlages) allerdings vorwerfen: Für den „Menhir“, der sogar in einer Kapitelüberschrift vorkommt, hätte man sich schon eine Erklärung oder vielleicht sogar ein Foto gewünscht. Immerhin wird man dann über Google schlussendlich bei Wikipedia fündig.

 

 
Die Autorin und das Buch

Blick ins Buch: Inspirierende Ausflüge Kunst und Natur am Niederrhein im Klartext Verlag. Foto: Petra Grünendahl.

Stefanie Bisping schreibt als Reisejournalistin für Tageszeitungen und Magazine und hat zahlreiche Reiseführer und Reise-Bücher über viele unterschiedliche Ecken der Welt veröffentlicht. Sie war 2018 und 2019 unter den Top Ten der „Reisejournalisten des Jahres“ und hat es 2020 auf Platz eins des Rankings geschafft. Geboren und aufgewachsen in Münster lebt sie heute am mittleren Niederrhein.

 
Das Buch „Inspirierende Ausflüge – Kunst und Natur am Niederrhein“ von Stefanie Bisping ist im Essener Klartext Verlag erschienen. Das 144-seitige Taschenbuch aus der Reihe „Schönes NRW“ mit zahlreichen Fotografien ist für 16,95 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-8375-2457-4).

 
Wir hatten bereits Stefanie Bispings „Abenteuer & Oasen Duisburg“ in einer Buchbesprechung (hier der Bericht).

 

 
Der Verlag

Blick ins Buch: Inspirierende Ausflüge Kunst und Natur am Niederrhein im Klartext Verlag. Foto: Petra Grünendahl.

Der Klartext Verlag wurde 1983 gegründet, seit 2007 ist er Teil der Funke Mediengruppe. Seine Heimat liegt im Ruhrgebiet, wo auch der überwiegende Teil seiner Publikationen angesiedelt ist: Freizeitführer, Sachbücher, Kalender und Bildbände. Mit der „Von oben“-Reihe kann man Städte nicht nur im Ruhrgebiet, sondern in ganz Deutschland aus der Vogelperspektive bewundern. Und mit der Reihe „Irrtümer und Wahrheiten“ (bei ihrem Start im Verlagsprogramm hieß die Serie noch „Klugscheißer“) lernt der Leser Neues zu verschiedenen Orten, Themen und Fußballvereinen – unterhaltsam und fundiert, denn, so der Verlag: „wir machen Bücher mit Qualität und gerne auch mal einem Augenzwinkern.“
www.klartext-verlag.de

 
Der Blick ins Buch. Fotos: Petra Grünendahl

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© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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In schwierigem Umfeld: Duisburger Hafen AG zieht positive Bilanz für 2021

 
Mitarbeiter-Engagement und Impulse zur Weiterentwicklung wirkten sich positiv aus
Von Petra Grünendahl

Umsatz und Ergebnis. Foto: Screenshot.

„Wir haben eines der besten Ergebnisse der letzten Jahrzehnte erreicht. Daran haben alle mitgearbeitet, die den Betrieb während der Corona-Zeit aufrecht erhalten haben“, sagte Markus Bangen, seit August 2021 Vorsitzender der Geschäftsführung der Duisburger Hafen AG. Durch Umstrukturierungen hatte Bangen seitdem intern wie extern zahlreiche Impulse zur Weiterentwicklung und Modernisierung des Duisburger Hafens gesetzt. „Die positive Bilanz 2021 ist das Ergebnis von vertrauensvoller Teamarbeit, einem offenen Austausch untereinander und vor allem vom herausragenden Engagement aller Kollegen bei duisport. Ihnen gilt ein weiteres Mal der Dank des gesamten Vorstands, denn ohne ihren unermüdlichen Einsatz – egal ob im Büro, zu Hause, auf den Terminals oder in unseren Hallen – hätten wir unseren Betrieb nicht aufrechterhalten können“, so Bangen.

 

Der duisport-Vorstand stellte heute in einer hybriden Pressekonferenz die duisport-Bilanz 2021 vor (v. l. n. r.): Prof. Thomas Schlipköther (Mitglied des Vorstands). Markus Bangen (Vorstandsvorsitzender) und Dr. Carsten Hinne (Mitglied des Vorstands). Foto: krischerfotografie / duisport.

Die duisport-Gruppe (Duisburger Hafen AG und Tochterunternehmen) konnte sich auch im zweiten Jahr der Corona- Pandemie erfolgreich behaupten und beweisen, dass sie krisenfest und zukunftsfähig aufgestellt ist. Hafenchef Markus Bangen stellte die Bilanz 2021 zusammen mit seinen Vorstandskollegen Prof. Thomas Schlipköther und Dr. Carsten Hinne im Hybrid-Pressegespräch vor. Obwohl das Geschäftsjahr 2021 stark von den Auswirkungen und Beschränkungen rund um die dritte und vierte Pandemie-Welle sowie weltweit gestörten Logistikketten und einem massiven Mangel an Rohstoffen und Vorprodukten geprägt war, überzeugte das breit aufgestellte Geschäftsmodell von duisport mit einer deutlich spürbaren Resilienz. Vor diesem Hintergrund ist das Ergebnisplus (nach Steuern) von mehr als 33 Prozent bei einem Umsatzplus von fast 19 Prozent umso beeindruckender. Der Hafenchef warnte allerdings auch, die Erwartungen für das laufende Jahr nicht zu hoch zu schrauben: „Nach einen guten Start im ersten Quartal 2022 sind die Rahmenbedingungen schlechter geworden mit dem Ukraine-Krieg und dem erneuten Lockdown in China.“ Das gelte nicht nur für die Häfen, sondern für die gesamte deutsche Wirtschaft: „Wir fahren auf Sicht im Nebel – und der Nebel wird dichter.“

 

 

  • Umsatz und Ergebnis deutlich gesteigert
  • Containerumschlag weiter auf Rekordniveau
  • Gesamtgüterumschlag bleibt stabil

Umschlag nach Verkehrsträger und Conteiner. Foto: Screenshot.

Die Umsatzerlöse der duisport-Gruppe lagen 2021 mit 346,8 Millionen Euro deutlich oberhalb des Vorjahreswerts von 291,7 Mio. Euro – ein Plus von 18,9 Prozent. Das übertraf auch die Prognose von 315 Mio. Euro klar. In Folge der gestiegenen Umsätze verbesserte sich der Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen (EBITDA) von 44,3 Mio. Euro auf nunmehr 54,6 Mio. Euro. Das Ergebnis vor Steuern liegt bei 29,5 Mio. Euro über dem Vorjahreswert von 22,3 Mio. Euro. Der Jahresüberschuss nach Steuern wuchs von 14,2 Mio. Euro um 33,1 Prozent auf 18,9 Mio. Euro.

 
Im Geschäftsjahr 2021 stieg der Containerumschlag ein weiteres Mal leicht um 2 Prozent auf rund 4,3 Mio. TEU (Twenty-foot Equivalent Unit, so die Bezeichnung für Standard-Container) an (Vorjahr 4,2 Mio.). Insgesamt hat die duisport-Gruppe im vergangenen Jahr 58,2 Mio. Tonnen Güter per Schiff, Bahn und Lkw umgeschlagen. In allen Duisburger Häfen zusammen (also inklusive Werkshäfen) waren es insgesamt 111,1 Mio. Tonnen (Vorjahr: 110,4 Mio. Tonnen).

 

 
 
Investitionen sichern Attraktivität des Standorts

Infrastrukturprojekte im Duisburger Hafen. Foto: Screenshot.

Gesteigert hat duisport seine Ausgaben für Sach- und Finanzinvestitionen auf gut 42 Mio. Euro (2020: 38,6 Mio. Euro). Hinzu kommen 14,1 Mio. Euro für Instandhaltungsarbeiten der Infra- und Suprastruktur des Duisburger Hafens. Insgesamt investierte duisport 2021 somit 56,6 Mio. Euro in seine Leistungsfähigkeit. Am Hauptstandort in Duisburg liegt der Fokus in den kommenden Monaten auf der Modernisierung der Hafeninfrastruktur. „Wir investieren massiv in die Erneuerung und den Neubau von Straßen, Schienen und Brücken, um unsere internen Verkehre und Abfertigungsprozesse schneller und effizienter zu gestalten, aber auch die angrenzenden Wohnquartiere weiter zu entlasten“, sagte Prof. Thomas Schlipköther, Vorstand für Bau, Technik und Betrieb. Dabei gehe es nicht zuletzt um die Anbindung des künftigen Duisburg Gateway Terminals (DGT) auf der ehemaligen Kohleninsel – dem größten Containerterminal im europäischen Hinterland, das komplett klimaneutral betrieben werde.

 

Die ehemalige Kohleninsel wartet auf die Entwicklung zum DGT. Foto: Screenshot.

Damit setzt die duisport-Gruppe ein deutliches Zeichen für nachhaltiges Wirtschaften und Klimaschutz. Der weltweit größte Binnenhafen nimmt seine Verantwortung ernst, arbeitet fortlaufend an einer Optimierung seines Beitrags zum Umweltschutz und stellt hierfür nachhaltige Transportkonzepte zur Verfügung. Dazu hat die Unternehmensgruppe Anfang des Jahres 2021 eine entsprechende Umwelt-Strategie aufgestellt. Diese umfasst die vier Handlungsfelder Modal Shift, Luft, Lärm und Klima, Energieversorgung sowie Ressourcen. Ziel ist, den Duisburger Hafen zukünftig zu einem zentralen Hinterland-Hub für grünen Wasserstoff, Ammoniak, Methanol und flüssiges CO2 zu entwickeln. Auf diesem Weg sollen auch die rückläufigen Mengen an Kohle und die zu erwartenden rückläufigen Mengen an Mineralöl im Zuge des gesamtgesellschaftlichen Ausstiegs aus den fossilen Brennstoffen kompensiert werden.

 

 
China-Züge und Osttangente

Die ehemalige Kohleninsel wartet auf die Entwicklung zum DGT. Foto: Screenshot.

Neben dem Lockdown in Chinas Hafenstadt Shanghai, der aktuell die Zulieferketten für die deutsche Wirtschaft massiv ausbremst, ist mit dem Ukraine-Krieg auch der Zugverkehr mit China (Neue Seidenstraße) beeinträchtigt. Die bislang primär genutzte mittlere Strecke der „Neuen Seidenstraße“ würde mit einem Embargo gegen die russische Staatsbahn wegfallen: „Wir arbeiten intensiv daran, die südliche Route zu ertüchtigen“, so Dr. Carsten Hinne, der die Bereiche Netzwerk International sowie Suprastruktur, Personal und Einkauf verantwortet. Nach durchschnittlich 60 Zügen pro Woche im vergangenen Jahr (über 70 in Spitzenzeiten) treffen aktuell nur noch 40 Züge pro Woche in Duisburg ein: „Das trifft jeden, nicht nur die Industrie.“

 
„Die Osttangente wäre für alle von extrem hoher Bedeutung“, erklärte auf Anfrage Markus Bangen. „Wir sehen da auch keine Alternativen!“ Wobei er aber klar machte: „Manche Leute fühlen sich nicht mitgenommen. Auch wenn wir die Osttangente dringend brauchen, so muss aber die Zeit sein, sie angemessen diskutieren zu dürfen.“ Der Duisburger Hafen habe es keinen „Plan B“, die Lkw-Verkehre aus den Ortsteilen raus zu halten, so der Hafen-CEO.

 

 
Duisburger Hafen AG (duisport)

Der duisport-Vorstand stellte heute in einer hybriden Pressekonferenz die duisport-Bilanz 2021 vor (v. l. n. r.): Prof. Thomas Schlipköther (Mitglied des Vorstands). Markus Bangen (Vorstandsvorsitzender) und Dr. Carsten Hinne (Mitglied des Vorstands). Foto: Screenshot.

Die Duisburger Hafen AG ist die Eigentums- und Managementgesellschaft des Duisburger Hafens, des größten Binnenhafens der Welt. Die duisport-Gruppe bietet für den Hafen- und Logistikstandort Full- Service-Pakete in den Bereichen Infra- und Suprastruktur inkl. Ansiedlungsmanagement. Darüber hinaus erbringen die Tochtergesellschaften logistische Dienstleistungen wie beispielsweise den Aufbau und die Optimierung von Transport- und Logistikketten, Schienengüterverkehrsleistungen, Gebäudemanagement, Kontrakt- und Verpackungslogistik.
www.duisport.de

 
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Fotos: krischerfotografie (1), Screenshots (7)

 
 

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Europa to Go: Die 110 besten Trips von Lonely Planet von MairDumont

Tipps für Trips: Reizvolle Ideen,
den eigenen Horizont zu erweitern

Von Petra Grünendahl

Blick ins Buch: Europa To Go von Lonely Planet. Foto: Petra Grünendahl.

Auf den Spuren von Dracula durch Transsylvanien und die Walachei (Rumänien) oder durch mittelalterliche Städte mit gotischer Architektur, die Mauren in Spanien, osmanische Architektur in Bosnien-Herzegowina, byzantinische Spuren auf Malta und römisches Erbe in England: Europa hat immer wieder spannende und unerwartete Ansichten zu bieten. Es locken Architektur und Kunst verschiedener Epochen und die Erbschaften europäischer Weltreiche, die längst Geschichte sind. Man erkundet Weinregionen in verschiedenen Teilen Europas oder auf einer Whisky-Tour Schottland, vielleicht auch Schlösser und Burgen, charmante Altstädte und schöne Landschaften. Und natürlich lockt die gute Küche, die „woanders“ mal so ganz den Gaumen verwöhnt. Ein paar deutsche Reiseziele haben es in die Auswahl geschafft: Interessant zu lesen vor allem deshalb, weil man neue, andere Perspektiven bekommt [Anmerkung: Das Buch ist im Original auf Englisch]. Nur die Wellness-Oasen der Sowjetzeit – Odessa (Ukraine), Jalta (Krim) und Sotschi (Russland) – meidet man heutzutage vielleicht besser. Verbunden mit der Hoffnung, die „Perle am Schwarzen Meer“ (Odessa) doch noch einmal in ihrer Schönheit erleben zu dürfen.

 

Blick ins Buch: Europa To Go von Lonely Planet. Foto: Petra Grünendahl.

Erfahrene Reiseautoren haben für „Europa To Go“ die 110 besten Trips von Lonely Planet auf unserem Kontinent zusammengestellt. Spannende Reiseziele in Westeuropa (42), Südeuropa (43), Osteuropa und Nordeuropa (jeweils 12) haben sie mit ihren Highlights auf spannenden Routen zusammen getragen: Vom verlängerten Wochenende bis hin zur bis zu zwei- oder gar dreiwöchigen Reise. Außer der groben geografischen Aufteilung ist die Reihenfolge innerhalb der vier Teile eher willkürlich gewählt. Eine Liste der Trips nach Themen sortiert – vom Aktiv- oder Abenteuertrip über Kunst & Kultur bis hin zur Geschichte oder einfach zur Erholung – (vorne) und ein alphabetisches Register von Ländern sowie Städten und Orten (hinten) runden einen Reiseführer ab, den man in erster Linie als Ideengeber und Inspiration für eine Reiseplanung verstehen sollte.

 

 
Viele reizvolle Appetithäppchen

Blick ins Buch: Europa To Go von Lonely Planet. Foto: Petra Grünendahl.

Es sind eher nicht unbedingt die klassischen Touristenziele, die Eingang in dieses Buch gefunden haben, sondern lohnenswerte Reiseziele mit einem gewissen „Geheimtipp-Charakter“. Und auch wenn man die meisten dieser Ziele doch eher mit dem Flugzeug ansteuert: Vor Ort sind häufig Zug, Bus oder Fahrrad, aber auch schon mal das Auto oder „per pedes“ empfohlen. Beim Insel-Hopping dürfen es zudem Fähre und Flieger sein. Auf zwei Seiten wird jede Routenempfehlung in Text, Fotos, einer Übersichtskarte und ein paar Fakten u. a. mit ihrer besten Reisezeit vorgestellt. Für die Touren haben die Autoren auch jeweils noch ein paar lohende Extra-Ziele in petto, mit denen man die Trips noch ein wenig erweitern kann. Die eher kurzen, aber verlockenden Beschreibungen verstehen sich eher Inspiration für die nächste Urlaubsreise als konkrete Ansätze zur finalen Reiseplanung. Dafür lädt die Lektüre auch immer wieder zum Blättern ein.

 
Das Buch „Europa To Go“ ist in der Reihe „Lonely Planet“ bei MairDumont in Stuttgart erschienen. Das 256-seitige Hardcover-Buch im Format 19,6 x 24,7 Zentimeter mit zahlreichen Farbbildern ist zum Preis von 26,95 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-8297-3195-9).

 

 
Lonely Planet bei MairDumont

Blick ins Buch: Europa To Go von Lonely Planet. Foto: Petra Grünendahl.

Die MairDumont Reiseverlagsgruppe aus Ostfildern (bei Stuttgart) ist spezialisiert auf Reise- und Freizeitbücher. Die Reihe „Lonely Planet“ ist eine Adaption der Bücher des australischen Verlages Lonely Planet Publishing, einer der erfolgreichsten unabhängigen Reiseverlage der Welt. Seit seiner Gründung Anfang der 1970er-Jahre ist der Verlag der Philosophie seiner Gründer Tony und Maureen Wheeler treu geblieben, Reiseinfos höchster Qualität zu bieten. Die Wheeler reisen dafür aber schon lange nicht mehr alleine: Mittlerweile arbeiten sie über ihre Verlagsbüros in Melbourne, Oakland und London mit 400 erfahrenen Autoren zusammen, die für Lonely Planet rund um den Erdball reisen. Der australische Verlag wurde mehrfach für seine hochwertige Reise-Literatur ausgezeichnet. Lonely Planet hat über 500 Titel im Programm, davon ca. 270 Reiseführer.
www.lonelyplanet.de/
www.mairdumont.com

 
Der Blick ins Buch. Fotos: Petra Grünendahl

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Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Ruhrgebiet: Wanderungen für Langschläfer in einer spannenden Region

Autor Michael Moll nimmt Leser mit
auf 27 abwechslungsreiche Halbtagestouren

Von Petra Grünendahl

Blick ins Buch: „Wanderungen für Langschläfer Ruhrgebiet“ von Michael Moll. Foto: Petra Grünendahl.

Das Ruhrgebiet ist eine urbane Landschaft, in der Städte teils nahtlos ineinander übergehen. Dennoch hat die Region viel Grün und Natur zu bieten: Wälder, Flussläufe, Stauseen und Auenlandschaften, Naturschutzgebiete und – Berge, nennt man doch die Abraumhalden des Bergbaus hier gerne auch die Alpen des Ruhrgebiets. Der Autor beschreibt hier keine „Hochleistungs-Wanderwege“, sondern Tagestouren in der Natur für Leute, die es gerne etwas gemütlicher angehen lassen.

Blick ins Buch: „Wanderungen für Langschläfer Ruhrgebiet“ von Michael Moll. Foto: Petra Grünendahl.

Schließlich stehen hier nicht die sportlichen Aspekte im Vordergrund, sondern erlebnisreiche Freizeitunternehmungen. Die Wanderwege sind manchmal Waldwege oder Schotter-, häufig auch Asphaltpisten, selbst durch die Natur. Überbleibsel der Industrialisierung halt, insbesondere auch dort, wo Brachflächen renaturiert wurden. Manche Strecken gehen durch den Wald, andere sind ehemalige Bahntrassen, die heute zu Freizeitzwecken umgebaut sind.

 
 

Blick ins Buch: „Wanderungen für Langschläfer Ruhrgebiet“ von Michael Moll. Foto: Petra Grünendahl.

Der gebürtige Essener Michael Moll hat in seinem Wanderführer „Wanderungen für Langschläfer Ruhrgebiet“ 27 Halbtagestouren zwischen Moers und Xanten im Westen sowie Dortmund und Hagen im Osten zusammengestellt. In den Kategorien leicht, mittel, schwer finden Unternehmungslustige erste Anhaltspunkte über die Beschaffenheit der Routen. Kleine Karten geben jeweils einen Überblick über die Strecke, Gehzeiten, Höhenunterschiede und Weglängen.

Blick ins Buch: „Wanderungen für Langschläfer Ruhrgebiet“ von Michael Moll. Foto: Petra Grünendahl.

Als Tourenfinder bietet eine Tabelle zu Beginn des Buches die „technischen Daten“ der Touren im Überblick zum schnellen Vergleich. Die meisten Wanderungen sind Rundkurse, deren Start und Ziel am gleichen Ort liegen und zumindest mit dem Pkw (und oft auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln) gut zu erreichen sind. An Streckenrouten – wie zum Beispiel den beiden Touren am Baldeneysee: eine am Südufer und eine am Nordufer – finden sich an Start und Ziel ÖPNV-Halte, die An- und/oder Abreise erleichtern. Manch lange Touren lassen sich auch gut teilen bzw. verkürzen. Die Wanderungen verstehen sich als Vorschläge, nur wenige Wege sind tatsächlich als Wanderwege eingerichtet und beschildert. Was aber ihren Reiz keinesfalls mindert.

 

 
Der Autor und das Buch

Blick ins Buch: „Wanderungen für Langschläfer Ruhrgebiet“ von Michael Moll. Foto: Petra Grünendahl.

Michael Moll (*1974) wohnt in Essen. Er ist selbstständiger Reisebuchautor und zertifizierter Wanderführer. Seit zwei Jahrzehnten reist er privat und beruflich mit einem Wohnmobil durch Europa. Neben der Veröffentlichung von Wohnmobil-Reiseführern und Artikeln in bekannten Wohnmobil-Zeitschriften veranstaltet er auch gut besuchte Reisevorträge und Fotoausstellungen zu Themen wie »Mit dem Wohnmobil durch Europa« oder «Mit dem Wohnmobil zum Nordkap«. Außerdem betreibt er am Schloss Nordkirchen im Münsterland seinen eigenen Wohnmobilstellplatz mit Platz für 22 Wohnmobile.

 

Blick ins Buch: „Wanderungen für Langschläfer Ruhrgebiet“ von Michael Moll. Foto: Petra Grünendahl.

Michael Molls „Wanderungen für Langschläfer Ruhrgebiet“ umfassen 27 Touren auf 160 Seiten mit ca. 200 Abbildungen. Auf jeweils vier bis sechs Seiten beschreibt der Autor die Routen im Detail. Das eine oder andere Ziel lässt sich auch jenseits von Wanderungen ansteuern und lädt zum Erkunden ein. Auch wenn im Norden die Halden locken, verfügen die Routen entlang der Ruhr mit den Ruhrhöhen über mehr Steigungen. Gastro-Tipps für die Einkehr runden die Touren-Empfehlungen ab.

Blick ins Buch: „Wanderungen für Langschläfer Ruhrgebiet“ von Michael Moll. Foto: Petra Grünendahl.

Die abwechslungsreichen Wanderrouten reichen von 8 bis 20 Kilometern mit Höhenunterschieden von 9 bis 440 Metern und sind in normalem Wandertempo innerhalb von 2 bis 6 Stunden zu bewältigen. Geeignet sind sie für das ganze Jahr: Neben der Natur locken Industrie und Kultur. Das Taschenbuch im Format 16,5 x 23,5 cm enthält vorne im Klappumschlag eine Übersichtskarte mit einer Verortung der Routen. Für den interessierten Leser gibt es außerdem die Wanderempfehlungen als GPS-Daten zum Download. Im lokalen Buchhandel ist das Buch für 19,99 Euro zu haben (ISBN 978-3-7343-2066-8).

 

 
Bruckmann Verlag

Blick ins Buch: „Wanderungen für Langschläfer Ruhrgebiet“ von Michael Moll. Foto: Petra Grünendahl.

Unter dem Motto »die Welt entdecken« bietet der Bruckmann Verlag, der 2018 sein 160-jähriges Bestehen feierte, heute mit aktuellen Reisebildbänden und innovativen Reise- und Outdoor-Führern das Rüstzeug für Freizeit- und Urlaubserlebnisse. Neben dem umfangreichen Buchprogramm von Freizeit- und Reiseführern für Wanderer, Radfahrer, Auto- und Motorradfahrer verlegt Bruckmann das Magazin Bergsteiger, das 2020 sein 90-jähriges Bestehen beging und damit als ältestes kommerzielles Bergsteiger-Magazin der Welt gilt. Der Bruckmann Verlag gehört zum Verlagshaus GeraNova Bruckmann in München.
https://verlagshaus24.de/bruckmann/

 
Der Blick ins Buch. Fotos: Petra Grünendahl

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© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl, Layout: Bruckmann Verlag

 
 

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MKM Museum Küppersmühle in Duisburg zeigt Sigmar Polkes Zyklus „Kunst + Fälschung“

Vom Kunstdiebstahl über die Fälschung zur Originalität der Kunst
Von Petra Grünendahl

Walter Smerling stellte Sigmar Polkes „Original + Fälschung“ im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst vor. Foto: Petra Grünendahl.

Der Diebstahl eines Rembrandt-Gemäldes und eine Interpol-Liste gestohlener Meisterwerke, nach denen Anfang der 1970er-Jahre gesucht wurde, provozierten Sigmar Polkes (1941–2010) Auseinandersetzung mit den Themenfeldern Original, Diebstahl und Fälschung. Die Steckbriefe diensten als Vorlage für Polkes Gemälde: Unter Mitarbeit von Achim Duchow interpretierte er neun wertvolle kanonische Gemälde u. a. von Toulouse-Lautrec, Rembrandt oder Rubens neu und abstrahierte sie. Diese und weitere großformatige teilweise auch ältere Werke von Polke sind begleitet von kleineren, collagenartigen Kommentarbildern, die mit zusätzlichem Text- und Bildmaterial, Skizzen und Zeitungsausschnitten vielfältige Assoziationsräume eröffnen. „Seine als Fälschung deklarierten Originale stiften Unruhe, schärfen die Wahrnehmung und schaffen Distanz vom gewohnten Sehen“, resümierte die Polke-Autorin Anne Erfle im Sammlungskatalog zur Eröffnung der Küppersmühle 1999.

 

Walter Smerling stellte Sigmar Polkes „Original + Fälschung“ im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst vor. Foto: Petra Grünendahl.

Das MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst hat den Oberlichtsaal im obersten Stockwerk des Erweiterungsbaus mit Werken aus der Sammlung neu bestückt. Der 38-teilige Gemäldezyklus „Original + Fälschung“ von Sigmar Polke ist damit erstmals nach zwanzig Jahren wieder komplett im MKM zu sehen. Dieses zu den Schlüsselwerken zählende Werk des Künstlers wurde 1973 im Rahmen einer Rauminstallation im Westfälischen Kunstverein Münster präsentiert. „Zur Sammlung von Sylvia und Ulrich Ströher gehören mehr Kunstwerke als wir hier auf einmal zeigen können“, erklärte Museumsdirektor Prof. Dr. h. c. Walter Smerling bei der Vorstellung der Schau. „Deswegen arrangieren wir auch die Räume der Dauerausstellung immer mal wieder neu.“ Der Duisburger Kunstsammler Hans Grothe hatte Sigmar Polkes Werke Mitte der 1970er-Jahre für seine Sammlung erworben. Mitte der 2000er-Jahre erwarb das Kunstsammlerehepaar Sylvia und Ulrich Ströher seine Sammlung: „Obwohl der Verkauf der Sammlung damals kritisiert wurde, war er für Duisburg, NRW und Deutschland ein Glücksfall“, sagte der Museumsdirektor. Die komplette Übernahme habe garantiert, dass die Sammlung erhalten und zusammen blieb. Davon profitierte nicht zuletzt die deutsche Kunstlandschaft mit einer der wichtigsten Sammlungen deutscher Nachkriegskunst, die im Duisburger Innenhafen zu Hause ist.

 

 
Der Künstler Sigmar Polke

Steckbriefe und Gemälde: Sigmar Polkes „Original + Fälschung“ im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.

Sigmar Polke wurde am 13. Februar 1941 in Oels, Schlesien, geboren. 1945 floh die Familie nach Thüringen und siedelte im Jahr 1953 nach Düsseldorf über. Nach einer Glasmaler-Lehre bei der Firma Derix in Düsseldorf−Kaiserswerth (1959 bis 1961) folgte das Studium an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf (1961 bis 1967) in den Klassen von Gerhard Hoehme und Karl Otto Götz. In diese Zeit fielen die ersten Ausstellungen (1963 Gruppenausstellung mit Gerhard Richter, Manfred Kuttner und Konrad Lueg in Düsseldorf, 1966 die erste Einzelausstellung in Berlin). Neben seinem künstlerischen Schaffen lehrte Polke an der Hochschule für bildende Künste Hamburg (1970/71; ab 1977 als Professor) und unternahm ausgedehnte Reisen, u. a. nach Afghanistan und Pakistan (1974) sowie Indonesien, Papua−Neuguinea, Australien, Singapur, Malaysia und Thailand (1980/81). Seit 1978 lebte und arbeitete Sigmar Polke in Köln, wo er am 10. Juni 2010 verstarb. Sein Werk wurde in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland präsentiert, in einer Vielzahl von Publikationen gewürdigt und vielfach ausgezeichnet. Arbeiten von Sigmar Polke sind in zahlreichen Museen und Privatsammlungen weltweit vertreten.

 

 
 
Impressionen aus der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl

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Das Museum Küppersmühle als Kunstwerk um die Moderne Kunst

MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.

Das Museum Küppersmühle für Moderne Kunst wurde im Jahre 1999 in einem ehemaligen Getreidespeicher im Innenhafen eröffnet. Er wurde nach Plänen der Basler Architekten Herzog & de Meuron zum Museum umgebaut. Initiator des Museumsprojekts war der Duisburger Kunstsammler Hans Grothe (1930–2019). Grothes Sammlung umfasste über 800 Werke von mehr als 40 deutschen Künstlern. Seit der Übernahme seiner Sammlung durch das Darmstädter Sammlerpaar Sylvia und Ulrich Ströher 2004/2005 stieg die Anzahl der Ausstellungsstücke und der vertretenen Künstler noch erheblich an. Insgesamt handelt es sich um eine der wichtigsten und umfangreichsten Sammlungen deutscher Nachkriegskunst: Mit Werken und Werkgruppen der einflussreichsten deutschen Künstler von den 1950er-Jahren bis heute. Zur Präsentation der ständigen Sammlung kommen immer wieder Wechselausstellungen hinzu. Seit 2008 war ein Erweiterungsbau (ein „Schuhkarton“ auf den Silotürmen) geplant, der 2011 wegen Baumängeln scheiterte. Bei einem neuen Anlauf beauftragten die Ströhers 2014 das Architektenbüro Herzog & de Meuron erneut mit der Planung (Baubeginn war 2016): Der Erweiterungsbau wurde im September 2021 eröffnet.

 
Das MKM Museum Küppersmühle als Standort der Sammlung Grothe wird seit seiner Gründung von der Stiftung für Kunst und Kultur e. V. Bonn betrieben. Die Stiftung konzipiert und organisiert die Ausstellungen und betreut die umfangreiche Sammlung, die heute dem Ehepaar Ströher aus Darmstadt gehört, im MKM. Direktor ist seit 1999 Walter Smerling.

 

 
Museum Küppersmühle:
Duisburger haben donnerstags freien Eintritt

Raimund Girke im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.

Aktuell ist in den Wechselausstellungsräumen im Erdgeschoss des Altbaus noch bis zum 26. Juni 2022 „Raimund Girke – Klang der Stille“ zu sehen (hier unser Bericht). Das Museum Küppersmühle findet man im Innenhafen am Philosophenweg 55 (Haupteingang, der Parkplatz befindet sich auf der anderen Straßenseite). Mittwochs ist das Museum von 14 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis sonntags sowie feiertags von 11 bis 18 Uhr. Montags und dienstags ist Ruhetag. Der Eintritt kostet nur für die Wechselausstellungen 6 Euro (ermäßigt 3 Euro), für das gesamte Haus (inkl. Wechselausstellung) 12 Euro (ermäßigt 6 Euro). Familien (2 Erwachsene plus Kinder) zahlen 18 Euro für das ganze Haus, 10 Euro für Wechselausstellungen. Kinder bis 16 Jahren haben freien Eintritt. Kindergruppen (Schule, Kita, Kinderfreizeit) zahlen 2 Euro pro Kind und Betreuer. Donnerstags haben alle Duisburger (gegen Vorlage des Personalausweises) freien Eintritt. Das MKM ist Partner der Ruhrkultur.Card. Alle Ausstellungsräume des Museums sind auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich.

 

MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.

Offene Führungen durch die Sammlung sowie durch laufende Ausstellungen gibt es jeden Sonntag um 15 Uhr, aber auch nach Vereinbarung. Wieder aufleben lassen will das MKM die Veranstaltungsreihe „Kultur trifft“: Am Donnerstag, 12. Mai, um 18.30 Uhr heißt es „Kultur trifft … Fälschung“. Walter Smerling moderiert Vortrag und Gespräch mit dem Kunsthistoriker Hubertus Butin zum Thema „Von Albrecht Dürer bis Sigmar Polke: Künstler und Fälschungen – ein spezielles Verhältnis“. Die Teilnahme kostet 10 Euro (inkl. Museumseintritt), eine Anmeldung ist nötig (Anmeldung an office(at)musuem-kueppersmuehle.de). Weitere Informationen zu Führungen und dem Begleitprogramm zu Ausstellungen gibt es unter www.museum-kueppersmuehle.de). Hier findet man zu Corona-Maßnahmen.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

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Museum DKM in Duisburg zeigt Fotografien vom „Bild des Mannes“

Eros in Fotografie und Skulptur seit dem späten
19. Jahrhundert sowie Fotografien „Schönheit und Urkräfte der Natur“ von Claudia Terstappen

Von Petra Grünendahl

Impressionen aus der Ausstellung „Eros in Erwartung der Ewigkeit“ im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Nackte Frauenkörper oder der weibliche Akt hat zu allen Zeiten in jeder Form in der Kunst einen hohen Stellenwert besessen. Darstellungen männlicher Körper wurden seit der Antike eher nur als Helden oder Märtyrer akzeptiert. Darbietungen der puren männlichen Schönheit und Sexualität waren lange Zeit ein Tabu. Einer der ersten Verfechter der männlichen Nacktfotografie siedelte Ende des 19. Jahrhunderts seine männlichen Modelle in einer Phantasiewelt im antiken Griechenland an.

Impressionen aus der Ausstellung „Eros in Erwartung der Ewigkeit“ im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Der Bezug zur Antike legitimierte also die Zurschaustellung des männlichen Körpers. Erst ab den 1960er-Jahren, die in vielerlei Hinsicht für Menschen ein Befreiungsschlag waren, wurde es möglich, den „puren“ männlichen Akt einer Öffentlichkeit frei zugänglich zu machen. Der Männerkörper als Objekt von Lust und Begierde verabschiedet sich von Triumph und Tod des Helden: Der Akt feiert das Leben. Die Darstellung des männlichen Körpers zeigt auch eine veränderte Wahrnehmung des Bildes vom Mann und der Präsentation männlicher Identität. „Was ist der Mann?“ geht über zu einem „Welche Art von Mann ist er?“: Männlichkeit darf in ihrer Darstellung auch Facetten und andere Interpretationen zeigen.

 

Impressionen aus der Ausstellung „Eros in Erwartung der Ewigkeit“ im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Zwei neue Sonderausstellungen zeigt das Museum DKM im Altbau des Gebäudes seit Ende März. „Eros in Erwartung der Ewigkeit“ zeigt das Bild des Mannes in Fotografie (vom Klein- bis Großformat) und Skulptur seit dem späten 19. Jahrhundert in einer sehenswerten Schau. Zu sehen sind Werke von 34 Künstlern aus unterschiedlichsten Ländern und Kulturkreisen. Zugang zu dieser umfassenden Schau bekommt der Besucher über einen Raum mit Fotografien der deutschen Künstlerin Claudia Terstappen (*1959). „Schönheit und Urkräfte der Natur“ zeigt Schwarzweißfotografien aus den 1990er- und frühen 2000er-Jahren. Die hier gezeigten Arbeiten stellen einen Ausschnitt aus dem umfangreichen Sammlungsbestand vor, den das Werk Claudia Terstappens bereits seit den 1980er Jahren in der Sammlung DKM einnimmt. Viele Kleinformate rahmen die einzelnen großformatigen Fotografien ein.

 

 
Claudia Terstappen

Impressionen aus der Ausstellung von Claudia Terstappen im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Claudia Terstappen ist in vielen Kunstsparten tätig: Fotografie, Videokunst, Skulptur, Zeichnung, Holzschnitt sowie Installation. In all diesen Genres ist sie über Jahrzehnte dem Thema Landschaft treu geblieben, doch ist es nicht nur die Natur, sondern insbesondere die Verschmelzung von Natur und Kultur, der sie in ihren Arbeiten auf den Grund geht. Sie reflektiert die Abhängigkeit zwischen dem Menschsein und der natürlichen Umwelt.

Impressionen aus der Ausstellung von Claudia Terstappen im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Landschaftsfotografien sind zu einem Maßstab für verschwindende Welten geworden, die eine ästhetische sowie romantische Schönheit zeigen und ihre Vulnerabilität offen legen. Die Künstlerin spürt jedoch nicht nur reale Orte auf und bildet sie ab, sondern sie schafft auch fiktionale Orte, die als Akteure die damit verbundenen Werte in ihrem jeweiligen kulturellen Kontext spiegeln. Claudia Terstappen suche Magie in unserer Umwelt, im Wissen unserer Vergangenheit oder uns unbekannter Völker und lasse sie uns Altbekanntes in neuem Licht erfahren, so die Presseinformation zu der Ausstellung.

 

Impressionen aus der Ausstellung von Claudia Terstappen im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Claudia Terstappen lebt und arbeitet in Barcelona / Spanien und Melbourne / Australien. Sie hat Germanistik und Philosophie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf studiert sowie Skulptur und Fotografie an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf. Über viele Jahre hinweg hat sich ihre künstlerische Arbeit auf die Wechselbeziehung zwischen Religion, Aberglaube und Wissenschaft in Bezug auf Ort, Kultur und Zeit konzentriert. Ihr Werk ist in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen weltweit vertreten.

 
Impressionen aus der Ausstellung „Eros in Erwartung der Ewigkeit“ im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl

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Kuratorenführungen durch die Sammlung zu Ostern
Über Ostern bietet das Museum DKM wegen der Feiertage zusätzliche Öffnungszeiten an: Karfreitag, Samstag, Ostersonntag sowie Ostermontag jeweils von 12.00 Uhr bis 18.00 Uhr. Außerdem stehen an diesem Osterwochenende zwei Sonderführungen mit Jörg Mascherrek an:

  • Sonderführung am Karfreitag, den 15. April 2022, um 15.00 Uhr sowie
  • Sonderführung am Ostermontag, den 18. April 2022, um 15.00 Uhr.

 
Der Kurator Jörg Mascherrek wird sich in seinen Sonderführungen mit dem Leitmotiv des Hauses beschäftigen, Linien stiller Schönheit, und die kulturhistorische Sammlung mit ihrem Augenmerk auf die zeitlos anmutende Schönheit von Gefäßen aller Art in den Mittelpunkt stellen.
Interessierte melden sich bitte per E-Mail mail@museum-dkm.de oder telefonisch 0203 / 93555470 an. Zum Museumseintritt kommt eine Führungsgebühr von 6 Euro.

 

 
Museum DKM

Das Museum DKM in der Nähe des Hauptbahnhofs. Foto: Petra Grünendahl.

Das private Museum DKM hat 1999 etwas kleiner als Galerie im Duisburger Innenhafen begonnen. Mit wachsender Sammlung zogen die Museumsstifter 2009 ins Zentrum der Innenstadt zwischen Kantpark mit dem Lehmbruck Museum und Hauptbahnhof. Die Architektur des Museums, eine umgebaute ehemalige Gewerbeimmobilie, dient in ihrer Zurückhaltung der Ausstellung der Kunst. Hier zeigen die Museumsstifter Klaus Maas und Dirk Krämer unter dem Motto „Linien stiller Schönheit“ ihre eigene Kunstsammlung sowie wechselnde Sonderausstellungen auch mit Leihgaben. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf zeitgenössischer Kunst, Kunst aus Südostasien, Alt-Ägypten und zeitgenössischer Fotografie. Die drei Baukörper des Museums erstrecken sich über fünf Ebenen und umfassen 2.700 Quadratmeter oder 51 Räume. Aus den Räumen des Neubaus bieten sich inszenierte Ausblicke in Außenbereiche. Das Foyer mit Museumscafé lädt zum Ausruhen und Erfrischen ein. Das Museum DKM gehört zu den 21 RuhrKunstMuseen.

 

Das Museum DKM in der Nähe des Hauptbahnhofs. Foto: Petra Grünendahl.

Die beiden reizvollen Sonderausstellungen „Eros in Erwartung der Ewigkeit“ und Claudia Terstappens „Schönheit und Urkräfte der Natur“ werden im Museum DKM bis zum 25. September 2022 in den Wechselausstellungsräumen im Erdgeschoss zu sehen sein. Noch bis zum 4. September zeigt das DKM außerdem in der Verlängerung die ebenfalls sehr sehenswerte Kimono-Ausstellung „Omoshirogara“ (hier unser Bericht) in den Wechselausstellungsräumen im Neubau. Regulär geöffnet hat das private Museum DKM der Stifter Klaus Maas und Dirk Krämer an der Güntherstraße 13-15 im Dellviertel samstags, sonntags und an Feiertagen zwischen 12 und 18 Uhr sowie jeden ersten Freitag im Monat ebenfalls zwischen 12 und 18 Uhr*. Montags bis freitags wird ansonsten nur nach Vereinbarung für Gruppen geöffnet*. Der Eintritt kostet 12 Euro (ermäßigt 6 Euro, für Schüler und Studenten bis 28 Jahre), Kinder bis 7 Jahre haben freien Eintritt. Für Gruppen (zw. 10 und 15 Personen) gibt es einen Gruppentarif (10 Euro pro Person) zzgl. einer (kostenpflichtigen) Führung. Eine Jahreskarte** kostet 100 Euro. Die RuhrKultur.Card ermöglicht einen einmalig freien Eintritt. Die Teilnahme an der Freitagsführung kostet 6 Euro zusätzlich zum Eintritt. Weitere Infos gibt es hier.

 
Corona
Im Museum gilt weiterhin die 3G-Regel (geimpft, genesen, getestet) für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren. Außerdem gelten Maskenpflicht, Abstands- und Hygieneregelungen nach der Corona-Schutzverordnung des Landes NRW. Weitere Infos gibt es hier.

 
*) An folgenden Tagen ist grundsätzlich geschlossen: 24. bis 26. Dezember, 31. Dezember und 1. Januar.
**) Nicht übertragbar, berechtigt zum kostenlosen Eintritt während der regulären Öffnungszeiten.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Museum DKM in Duisburg zeigt Kimono-Ausstellung „Omoschirogara“

Der Kimono im Spiegel moderner Zeiten
Von Petra Grünendahl

Impressionen aus der Kimono-Ausstellung „Omoschirogara“ im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Als vor 160 Jahren die Westmächte mit Kanonenbooten und einem Katalog Forderungen vor den Toren Japans standen, erfand sich das Inselreich neu: Damit begann ein Prozess der rapiden Modernisierung, der sämtliche Aspekte des japanischen Lebens ergriff — von der Familie und den Geschlechterbeziehungen über das Bildungssystem (Schule und Universität), die politische Verfassung und Verwaltung bis hin zu Industrie und Militär. Der Kultur fiel die Aufgabe zu, die krassen Spannungen zwischen Tradition und Neuerung zu vermitteln. Genau deshalb ist es möglich die Geschichte des modernen Japan anhand nur eines, wiewohl einzigartigen Kleidungsstücks zu rekonstruieren: des Kimonos. Eine faszinierende Auswahl künstlerisch gestalteter Kimonos zeigt die Ausstellung „Omoschirogara“ aufgehängt als „Wandgemälde“ sowie in Vitrinen, die den Betrachter zum Entdecken fein gezeichneter Details einlädt.

 

Impressionen aus der Kimono-Ausstellung „Omoschirogara“ im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Bis zum 4. September verlängert hat das Museum DKM die Kimono-Sonderausstellung „Omoschirogara“, die wir uns im Zusammenhang mit zwei neuen Ausstellungen erstmals angesehen haben. Sie ist bereits seit dem vergangenen Jahr zu sehen. „Omoschirogara“ präsentiert die Sammlung der japanischen Textilhistorikerin und unumstrittenen Expertin auf dem Gebiet, Prof. em. Yoshiko Inui (Tokai Universität, Sapporo / Japan). Konzipiert hat sie die Präsentation im Museum DKM zusammen mit Roger M. Buergel, wissenschaftlich beraten durch Hans B. Thomsen, Professor für Kunstgeschichte Ostasiens an der Universität Zürich. Neben den Kimonos aus der Sammlung Inui zeigt „Omoschirogara“ Werke der zeitgenössischen Künstlerin Erika Kobayashi sowie den Film Osaka Elegy (1936) von Kenji Mizoguchi.

 

 
„Bizarre Muster” auf Kimonos

Impressionen aus der Kimono-Ausstellung „Omoschirogara“ im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Gleich dem Kaiserhaus ist der Kimono eine Konstante des japanischen Lebens: Er bleibt sich im Wesentlichen gleich. Weil nun der Kimono seine Form nicht ändert, müssen sich die Muster verändern, die ihn zieren. „Bizarre Muster“ (so viel bedeutet omoshirogara) tauchen gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf, als die Mode die Moderne zu verarbeiten beginnt: Eisenbahnen, Schlachtschiffe, Flugzeuge, Kino, Mickey Mouse, Postkarten oder auch Zeitungsberichte über militärische Heldentaten. Widmen sich die Muster vor 1900 einer Synthese von Tradition und Neuem, so zelebrieren die 1920er Jahre einen optimistischen Internationalismus mit Zeppelin und Olympischen Spielen. In den 1930er Jahren verdüstern sich die Farben und Symbole, als Japan mit Nazi-Deutschland und dem faschistischen Italien paktiert. Die Ausstellung überrascht den Besucher mit vielfältigen, überwiegend sehr filigranen Zeichnungen auf Textil, die Kunst auf einem Alltagsgegenstand lebendig werden lassen. Als Ausstellungskatalog liegt eine 32-seitige bebilderte A4-Broschüre mit Texten in Deutsch und Japanisch in der Ausstellung aus.

 
Impressionen aus der Kimono-Ausstellung „Omoschirogara“ im Museum DKM. Fotos: Petra Grünendahl

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Kuratorenführungen durch die Sammlung zu Ostern
Über Ostern bietet das Museum DKM wegen der Feiertage zusätzliche Öffnungszeiten an: Karfreitag, Samstag, Ostersonntag sowie Ostermontag jeweils von 12.00 Uhr bis 18.00 Uhr. Außerdem stehen an diesem Osterwochenende zwei Sonderführungen mit Jörg Mascherrek an:

  • Sonderführung am Karfreitag, den 15. April 2022, um 15.00 Uhr sowie
  • Sonderführung am Ostermontag, den 18. April 2022, um 15.00 Uhr.

 
Der Kurator Jörg Mascherrek wird sich in seinen Sonderführungen mit dem Leitmotiv des Hauses beschäftigen, Linien stiller Schönheit, und die kulturhistorische Sammlung mit ihrem Augenmerk auf die zeitlos anmutende Schönheit von Gefäßen aller Art in den Mittelpunkt stellen.
Interessierte melden sich bitte per E-Mail mail@museum-dkm.de oder telefonisch 0203 / 93555470 an. Zum Museumseintritt kommt eine Führungsgebühr von 6 Euro.

 

 
Museum DKM

Das Museum DKM in der Nähe des Hauptbahnhofs. Foto: Petra Grünendahl.

Das private Museum DKM hat 1999 etwas kleiner als Galerie im Duisburger Innenhafen begonnen. Mit wachsender Sammlung zogen die Museumsstifter 2009 ins Zentrum der Innenstadt zwischen Kantpark mit dem Lehmbruck Museum und Hauptbahnhof. Die Architektur des Museums, eine umgebaute ehemalige Gewerbeimmobilie, dient in ihrer Zurückhaltung der Ausstellung der Kunst. Hier zeigen die Museumsstifter Klaus Maas und Dirk Krämer unter dem Motto „Linien stiller Schönheit“ ihre eigene Kunstsammlung sowie wechselnde Sonderausstellungen auch mit Leihgaben. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf zeitgenössischer Kunst, Kunst aus Südostasien, Alt-Ägypten und zeitgenössischer Fotografie. Die drei Baukörper des Museums erstrecken sich über fünf Ebenen und umfassen 2.700 Quadratmeter oder 51 Räume. Aus den Räumen des Neubaus bieten sich inszenierte Ausblicke in Außenbereiche. Das Foyer mit Museumscafé lädt zum Ausruhen und Erfrischen ein. Das Museum DKM gehört zu den 21 RuhrKunstMuseen.

 

Das Museum DKM in der Nähe des Hauptbahnhofs. Foto: Petra Grünendahl.

Noch bis zum 4. September zeigt das Museum DKM in der Verlängerung die ebenfalls sehr sehenswerte Kimono-Ausstellung „Omoshirogara“ in den Wechselausstellungsräumen im Neubau. Im Wechselausstellungsbereich im Altbau sind bis zum 25. September die beiden Sonderausstellungen „Eros in Erwartung der Ewigkeit“ und Claudia Terstappens „Schönheit und Urkräfte der Natur“ zu sehen: Auch diese sind sehr sehenswert (hier unser Bericht). Regulär geöffnet hat das private Museum DKM der Stifter Klaus Maas und Dirk Krämer an der Güntherstraße 13-15 im Dellviertel samstags, sonntags und an Feiertagen zwischen 12 und 18 Uhr sowie jeden ersten Freitag im Monat ebenfalls zwischen 12 und 18 Uhr*. Montags bis freitags wird ansonsten nur nach Vereinbarung für Gruppen geöffnet*. Der Eintritt kostet 12 Euro (ermäßigt 6 Euro, für Schüler und Studenten bis 28 Jahre), Kinder bis 7 Jahre haben freien Eintritt. Für Gruppen (zw. 10 und 15 Personen) gibt es einen Gruppentarif (10 Euro pro Person) zzgl. einer (kostenpflichtigen) Führung. Eine Jahreskarte** kostet 100 Euro. Die RuhrKultur.Card ermöglicht einen einmalig freien Eintritt. Die Teilnahme an der Freitagsführung kostet 6 Euro zusätzlich zum Eintritt. Weitere Infos gibt es hier.

 
Corona
Im Museum gilt weiterhin die 3G-Regel (geimpft, genesen, getestet) für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren. Außerdem gelten Maskenpflicht, Abstands- und Hygieneregelungen der Corona-Schutzverordnung des Landes NRW. Weitere Infos gibt es hier.

 
*) An folgenden Tagen ist grundsätzlich geschlossen: 24. bis 26. Dezember, 31. Dezember und 1. Januar.
**) Nicht übertragbar, berechtigt zum kostenlosen Eintritt während der regulären Öffnungszeiten.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Küssdenfrosch eröffnet Freies Kolumbarium Rheinkirche in Duisburg-Homberg

Wachgeküsst: Mit einen anderen Blick auf den Tod“
Von Petra Grünendahl

Küssdenfrosch-Geschäftsführer Andreas Knapp Im Mittelschiff vor den Regalen für die Urnenboxen. Foto: Petra Grünendahl.

„Die Kirche war in einem schlechten Zustand, so dass eine grundlegende Sanierung nötig wurde“, erzählte Andreas Knapp. Insbesondere der undichte Dachstuhl habe es ihn sich gehabt: Schimmel und Holzschwamm im Gebälk. Das wurde an dem denkmalgeschützten Gebäude nicht nur aufwendig, sondern auch teuer: Rund 2,5 Mio. Euro hat allein die Sanierung gekostet. „Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, reizvolle alte Gebäude für eine neue Nutzung zu entwickeln“, erklärte Knapp. Aus dem Dornröschenschlaf erwacht ist die ehemalige Kirche dann als Kolumbarium: Bis zu 9 Meter hohe Regale stehen im Mittelschiff, die bis zu 4.500 Urnenboxen Platz bieten könnten. „Wir werden hier aber nur etwa 3.500 Plätze anbieten, weil wir in den Regalen Lichtöffnungen lassen wollten“, so der Projektentwickler. Weitere 3.000 Grabplätze stehen in Gemeinschaftsräumen im Obergeschoss. In der Apsis, wo früher der Altar stand, finden die Tauerfeiern statt. In den Seitenschiffen ist Raum für Bilder der Verstorbenen und Kränze, die dort nach dem Begräbnis gute zwei Wochen aufgestellt sind und damit einen direkten Bezug für „Friedhofsbesucher“ bieten.

 

Schale für die Urne zur Trauerfeier. Foto: Petra Grünendahl.

Die Küssdenfrosch Wachküssgesellschaft eröffnet nach einer mehrjährigen Sanierung das Freie Kolumbarium Rheinkirche in Duisburg-Homberg. Küssdenfrosch-Geschäftsführer Andreas Knapp stellte das Projekt im Pressegespräch vor. Die Architekten und Projektplaner aus Düsseldorf kaufen sanierungsbedürftige Gebäude mit Potenzial, die sie für eine angemessen Nachnutzung entwickeln. Sie sind in Düsseldorf und der Region tätig.

 

 
Gräberstätte moderner Prägung in denkmalgeschützen Gebäude

Küssdenfrosch hat die Rheinkirche in Duisburg-Homberg zu einem Kolumbarium umgebaut. Foto: Petra Grünendahl.

Die ersten Skizzen seien Ende 2017 nach dem Kauf des Gebäudes entstanden, erzählte Architektin Regine Naudascher. Schon lange war das 1894 im neo-gotischen Stil erbaute Haus als Kirche nur noch sporadisch genutzt worden. Der Verkauf wurde nötig, weil die Gemeinde die Kosten für dringend nötige Sanierungsarbeiten nicht stemmen konnte. Mit Küssdenfrosch fanden sie einen Käufer. „Wichtig war uns bei der Suche nach einer Nachnutzung der respektvolle Umgang mit dem Gebäude und seiner Geschichte“, erklärte Andreas Knapp. Dabei ist hier ein Friedhof ganz anderer Art entstanden: Der „Begräbnisraum“ hat nicht nur Aufenthaltsqualität, sondern soll auch für kleinere Events, Kunstausstellungen oder Konzerte genutzt werden können. Die passende Akustik bietet das Kirchengebäude dafür allemal. Dass eine Grabstätte keine „Friedhofsatmosphäre“ verbreiten muss, zeigen Bestattungsriten in anderen Ländern, die mehr von Lebenslust als von Trauer geprägt sind: „Wir wollen hier diesen etwas anderen Blick auf den Tod: Wir wollen ihn mit ins Leben holen“, philosophierte Projektentwickler.

 

 
Das freie Kolumbarium in der Rheinkirche

Im Mittelschiff nehmen bis zu 9 Meter hohe Regale die Urnenboxen auf. Foto: Petra Grünendahl.

Die von Küssdenfrosch gegründete Betreibergesellschaft der offenen, nicht konfessionsgebunden Begräbnisstätte, Kolumba GmbH, arbeitet mit allen Duisburger Bestattern zusammen: Diese kümmern sich in Duisburg um rund 6.000 Sterbefälle jährlich, von denen heutzutage etwa 70 Prozent eingeäschert werden. Der Trend gehe zu alternativen Bestattungsformen weg vom klassischen Friedhof, sagte Andreas Knapp, der hier für das Kolumbarium Chancen sieht. Menschen mit einem Bezug zu diesem ehemals evangelischen Kirchengebäude – Kirchenbesuche, Taufe, Konfirmation oder Hochzeit – hätten ihn bereits angesprochen und Interesse bekundet, sagte er. Allerdings, so Stefan Schuster, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft, stünde ein Begräbnis im Freien Kolumbarium Rheinkirche allen, auch anderen Konfessionen und nicht Konfessionsgebundenen offen.

 

Raum zur Besinnung zwischen den Regalen mit Urnenboxen im Mittelschiff. Foto: Petra Grünendahl.

Die Mindestruhezeit beträgt im Kolumbarium 12 Jahre, danach kann jährlich verlängert werden, solange Hinterbliebene diesen Ort zur Trauer brauchen. Nach Ablauf der Ruhezeit wird die Asche über eine unterirdische Zisterne dem Erdreich zugeführt. Für 12 Jahre kostet diese Grabstätte im Mittelschiff der Kirche 3.500 Euro (inklusive Grabpflege), in den Gemeinschaftsräumen 1.200 Euro. Die Reservierung einer Grabstätte ist für 120 Euro pro Jahr möglich. Wer bereits eine Grabstätte reserviert hat, darf im Garten der Gedanken auch sein eingeäschertes Haustier begraben.

 

 

In den Seitenschiffen ist Raum für Trauer nach dem Begräbnis. Foto: Petra Grünendahl.

Die Sanierung ist wegen des maroden Dachstuhls deutlich teurer geworden als ursprünglich veranschlagt. Dafür gab es dann aber Fördergelder von Bund und Land in Höhe von rund 350.000 Euro für die denkmalgerechte Sanierung. In den kompletten Innenausbau nach der Sanierung sowie die Gestaltung der 2.000 Quadratmeter großen Gartenanlage hinter der Kirche ist eine weitere Millionen Euro geflossen. Allein die acht Stelenkonstruktionen mit rund 5.000 laufenden Metern Holz schlugen mit etwa 700.000 Euro zu Buche. Auch die Orgel die ist funktionstüchtig wieder hergerichtet.

 

Trauerfeiern sollen in der Apsis stattfinden. Foto: Petra Grünendahl.

Wie ein Friedhof wird das ehemalige Kirchengebäude ebenso wie der angrenzende „Garten der Gedanken“ tagsüber (dienstags bis freitags zwischen 11 und 16 Uhr) auch öffentlich zugänglich sein. Sonntags gibt es zwischen 13 und 15 Uhr eine Führung (Anmeldung ist nicht notwendig). Zur Eröffnung gibt es am Sonntag, 3. April, von 11 bis 16 Uhr einen Tag der offenen Tür.
https://kolumbarium-rheinkirche.de/

 

 
 
Freies Kolumbarium in der Rheinnkirche.Impressionen von Petra Grünendahl

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Küssdenfrosch Wachküssgesellschaft

Küssdenfrosch hat die Rheinkirche in Duisburg-Homberg zu einem Kolumbarium umgebaut. Foto: Petra Grünendahl.

„Wir finden interessante Gebäude, sie wir revitalisieren wollen, und suchen dann eine angemessene Nutzung“, beschrieb Andreas Knapp das Anliegen seiner Gesellschaft. Die Küssdenfrosch Wachküssgesellschaft sind Architekten, Projektentwickler und Andersdenker. Seit 2003 suchen und kaufen sie Gebäude, die erhaltenswert und außergewöhnlich sind. Sie suchen und finden dann für diese reizvollen Bauten das richtige wirtschaftliche Konzept, das den Erhalt dieser Gebäude für das Stadtbild und die nächsten Generationen sicherstellt. Die mitunter arg vernachlässigten Schmuckstücke im Dornröschenschlaf wollen zumeist erst einmal grundlegend saniert und „wachgeküsst“ werden. Küssdenfrosch plant und realisiert den Umbau vom Entwurf bis zur Fertigstellung mit eigenen Mitarbeitern, damit man Einfluss auf die Details nehmen kann und nichts dem Zufall überlassen muss.
https://www.kuessdenfrosch.haus/

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Rat der Stadt Duisburg diskutierte über Osttangente in Rheinhausen

Stellplatzsatzung geht in die dritte Lesung, Verwaltung soll klimaneutrales Ruhrort prüfen
Von Petra Grünendahl

Vor der Ratssitzung in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

„Die Gegner des Projekt sagen, es geht auch anders, sagen aber nicht, wie es anders gehen soll“, erklärte Ratsherr Reiner Friedrich (SPD) als Berichterstatter zum Thema „Osttangente Rheinhausen“. Die Verwaltung solle nach der vorgelegten Machbarkeitsstudie alle möglichen Varianten prüfen, um Lkw vom Logport I zur Autobahn geleitet werden können, ohne für die Bewohner von Rheinhausen und Hochfeld mehr als nötig zu belasten: „Erst nach der Prüfung durch die Verwaltung entscheiden wir über den Bau“, so der Ratsherr. Auch seine Fraktion begrüße das Ergebnis der Studie, die eine Ostumgehung um den Ortskern Rheinhausen für möglich hält, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Thomas Mahlberg. Gegenstimmen gab es dafür nicht nur von den Grünen, den Linken oder Junges Duisburg, sondern auch aus Reihen der SPD. Die Osttangente mitten durch ein Naturschutzgebiet sei nicht die Lösung des Problems, so Grünen-Fraktionsvorsitzende Anna von Spiczak-Brzezinski. Auch mache die Machbarkeitsstudie keine Aussage über die Genehmigungsfähigkeit insbesondere mit Bezug auf den Hochwasserschutz, sagte die Ratsfrau. Man solle nicht Stadtteile gegeneinander ausspielen, erklärte Ratsherr Ersin Erdal (SPD) seine Opposition: „Wir sind eine Stadt am Rhein. Den Zugang sollte man nicht zupflastern.“ Planungsdezernent Martin Linne versuchte zu vermitteln: „Die Osttangente ist seit 20 Jahren in der Diskussion, weil nie alle Fakten auf dem Tisch lagen.“ Die Machbarkeitsstudie sei ein erster Schritt, eine Entscheidung setzte aber noch weitergehende Prüfungen insbesondere auch der Umweltverträglichkeit voraus. In der geheimen Abstimmung votierten 58 Ratsleute für eine weitere Prüfung, die in den Jahren 2022 und 2023 rund 600.000 Euro kosten soll, 33 dagegen bei zwei Enthaltungen.

 

Wegen Corona tagt der Rat der Stadt in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

Die Sitzung im Rat der Stadt zog sich wegen zahlreicher Diskussionen ein wenig in die Länge, obwohl „nur“ 79 Tagesordnungspunkte im öffentlichen Teil (plus neun TOP im nichtöffentlichen Teil) überschaubar schienen. Das meiste wurde einstimmig ohne Diskussion abgesegnet: Die Planungen zur Einstellung von Azubis und Praktikanten 2023, die Planung einer 6-zügigen Gesamtschule in Wanheimerort, der Ersatzneubau der Cölve-Brücke, die energetische Ertüchtigung der Eissporthalle und der Neubau des Straßenverkehrsamtes in Neumühl ebenso wie diverse Flächennutzungs- und Bebauungspläne, die nach der Zustimmung in Fach- und Bezirksausschüssen hier ihr endgültiges Votum bekamen. Wie immer bekam der Beschluss für verkaufsoffene Sonntage zahlreiche Gegenstimmen. Die viel diskutierte Stellplatzsatzung (Pkw- und Fahrradstellplätze für Neubauten) wurde schlussendlich als dritte Lesung zur Entscheidung auf die nächste Sitzung verschoben. Trotz längerer Diskussion stimmte der Rat dem Beschlussentwurf „UrbanZero Ein Stadtteil [Ruhrort] wird klimaneutral“ mehrheitlich zu, welcher die Stadtverwaltung beauftragt, „mit den beteiligten Projektpartnern die Entwicklung einer entsprechenden Strategie zur Umsetzung zu prüfen und dem Rat zur Information und ggfs. Beschlussfassung vorzulegen.“

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Niederrheinische IHK: Jahresempfang in der Mercatorhalle mit Christian Lindner

Trotz wirtschaftlicher Sorgen eine Rückkehr zu etwas Normalität
Von Petra Grünendahl

Ihk-Präsident Burkhard Landers war digital zugeschaltet beim Jahresempfang der Niederrheinischen IHK. Foto: Petra Grünendahl.

„Wir hatten nach zwei Jahren der Pandemie gehofft, mit den wärmeren Tagen wieder aufatmen zu dürfen. Aber nun herrscht in Europa wieder Krieg“, sagte IHK-Präsident Burkhard Landers. „Putin schert sich nicht um das Völkerrecht, ihn interessieren weder Leben, Freiheit noch Menschenwürde.“ Wirtschaftlichen Folgen träfen auch die Unternehmen, die alle Sanktionen vom ersten Tag an aus Überzeugung unterstützt hätten. Das habe massiv gestörte Lieferketten zu Folge, einen gebremsten internationalen Handel und eine hohe Inflation. Landers wandte sich gegen Krieg und Gewalt, mahnte aber: Auch die Pandemie sei noch nicht vorbei.

Gastredner Christian Lindner beim Jahresempfang der Niederrheinischen IHK. Foto: Petra Grünendahl.

Die Zukunft der Innenstädte, Kampf gegen Leerstände, Digitalisierung und Fachkräftemangel stünden weiterhin auf der Agenda, während man sich Gedanken mache, wie man aus fatalen Abhängigkeiten (z. B. vom russischen Gas) raus komme. „Wir können uns in Deutschland im weltweiten Wettbewerb der Systeme nur behaupten, wenn wir entschlossen und gemeinsam handeln“, so der IHK-Präsident. Die Zukunft der Industrie stehe dabei an erster Stelle. Mit der CO2-neutralen Stahlproduktion und der Versorgung von energie-intensiven Industrien stünde man vor großen Herausforderungen, die man nur gemeinsam meistern könne: „Wenn uns diese gemeinsame Strategie nicht rasch und zuverlässig gelingt, laufen wir Gefahr, unsere Industrie schleichend zu verlieren.“ Und: „Woran wir gemeinsam arbeiten müssen, ist ein breites, auch bürgerschaftliches Bekenntnis zu Wirtschaft, Wertschöpfung und Investitionen. Unser Wohlstand ist keine Selbstverständlichkeit.“

 

IHK-Vizepräsident Werner Schauerte-Küppers begrüßte die Gäste beim Jahresempfang der Niederrheinischen IHK. Foto: Petra Grünendahl

Die Niederrheinische IHK hatte zum Jahresempfang, der in Vor-Corona-Zeiten zum Jahresbeginn Tradition hatte, in die Mercatorhalle eingeladen. Gut besucht war die Veranstaltung, auch wenn es etwas weniger Gäste waren als bei den Neujahrsempfängen: Manch einer hatte wohl wegen Corona Bedenken und sah von einer Teilnahme ab. Dank 2G+ plus zusätzlichem Coronatest bot die Veranstaltung fast schon einen Hauch von Normalität, die viele Gäste nach zwei Jahren Einschränkungen als sehr wohltuend empfanden. IHK-Vizepräsident Werner Schauerte-Küppers vertrat bei der Begrüßung den IHK-Präsidenten Burkhard Landers, der wegen einer Corona-Erkrankung seine Rede digital hielt – aus seinem Arbeitszimmer in Wesel übertragen. Geladene Gäste aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Institutionen trafen sich nach den Reden von Burkhard Landers und Gastredner Bundesfinanzminister Christian Lindner im Foyer des großen Saals bei einem Imbiss zum entspannten Networking. Dass diese Veranstaltung so stattfinde, sei gut, sagte Lindner: „Wir müssen verantwortbare Schritte zurück zur Normalität gehen.“

 

 
Russland, aber auch China: Abhängigkeiten der deutschen Wirtschaft reduzieren

Gastredner Christian Lindner beim Jahresempfang der Niederrheinischen IHK. Foto: Petra Grünendahl.

Sowohl die verabschiedeten Entlastungspakete als auch die Investitionen in die Bundeswehr seien notwendig, so Bundesfinanzminister Christian Lindner, eine „Investition in unsere Freiheit“. Er verteidigte die Sanktionen gegen Russland, aber auch den Verzicht auf ein Embargo auf russisches Gas: „Die Sanktionen sollen Putin treffen, aber nicht die deutsche Wirtschaft schwächen.“ Er forderte die deutsche Wirtschaft auf, angesichts gestörter Lieferketten ihre Innovationskraft zu mobilisieren, auch um sich aus der Energieabhängigkeit von Russland zu befreien. Er warnte aber auch davor, dass bei einem gleich bleibend hohen Niveau von Energiekosten der Staat nicht unendlich lange einspringen könne. Er mahnte, sich nicht nur aus russischen Abhängigkeiten zu befreien, sondern auch aus chinesischen: „China ist starker Handelspartner, aber ein systemischer Rivale, der unser Gesellschaftsmodell und Völkerrechte nicht anerkennt.“

 

Gastredner Christian Lindner beim Jahresempfang der Niederrheinischen IHK. Foto: Petra Grünendahl.

In der Ukraine sei er vor Corona zu Gesprächen wesen, erzählte Lindner: „Ich hatte damals den Eindruck, dass man sich realer Probleme bewusst war, aber die Ukrainer auch klare Vorstellungen davon hatten, wohin sich ihre Gesellschaft entwickeln sollte: In Richtung Westen mit seinen liberalen Werten und sozialer Marktwirtschaft.“ Deswegen habe Putin angegriffen: „In der Ukraine werden auch unserer Werte verteidigt!“ Solidarität dürften keine leeren Worte sein: „Wir unterstützen die Ukraine!“ Er verwies auf die Verpflichtung Deutschlands, als wirtschaftliche Macht auch politische Verantwortung in Europa zu übernehmen: „Das geht über finanzielle Hilfen und Waffen hinaus.“ Die Flüchtlinge, zumeist Frauen mit Kindern, fragten hier nach Registrierung, Sprachkursen und Möglichkeiten zur Arbeit: „Wir sollten sie Willkommen heißen und integrieren und uns am Wiederaufbau der Ukraine beteiligen“, so der Finanzminister. Den Kommunen sagte er weitere Hilfen zu: Für die Altschulden könne er sich einen Deal vorstellen, dass eine Entschuldung durch Bund und Länder mit einer Selbstverpflichtung der Städte zum Einhalten einer Schuldenbremse einher gehe. Oberbürgermeister Sören Link ebenso wie die anwesenden Vertreter von Kommunen der Kreise Wesel und Kleve werden dies mit Freude vernommen haben.

 

 
Niederrheinische IHK

Jahresempfang der Niederrheinischen IHK. Foto: Petra Grünendahl.

Die Niederrheinische Industrie- und Handelskammer Duisburg – Wesel – Kleve zu Duisburg vertritt das Gesamtinteresse von rund 70.000 Mitgliedsunternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen in Duisburg und den Kreisen Wesel und Kleve. Sie versteht sich als zukunftsorientierter Dienstleister und engagiert sich als Wirtschaftsförderer und Motor im Strukturwandel.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Lehmbruck Museum zeigt Wilhelm-Lehmbruck-Preisträger 2020: Janet Cardiff & George Bures Miller

Vielschichtige Wahrnehmungen in mehreren Dimensionen
Von Petra Grünendahl

Sad Waltz and the Dancer Who Couldn’t Dance (2015): Wilhelm-Lehmbruck-Preisträger Janet Cardiff und George Bures Miller im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.

Wie versucht man, diese Ausstellung in Worten und Bildern dem Leser nahe zu bringen? Die Fotos transportieren nur eine sehr bescheidene einzelne Dimension ihrer Werke: Die Kanadier Janet Cardiff (*1957) und George Bures Miller (*1960) arbeiten nicht nur visuell, sondern auch mit Klang und Narrativ. Ihre multimedialen Installationen sind Bildhauerei im weitesten Sinne: Ihre „Skulpturen“ leben, sprechen unsere Sinne an, erzählen mitunter Geschichten – und lassen eigene Ideen, Gedankenwelten und Interpretationen in den Vorstellungen des jeweiligen Betrachters entstehen. Auch gefilmt sind diese Arbeiten kaum zu erfassen, arbeiten sie doch mit einem besonderen „Surround Sound“, den Cardiff und Miller perfektioniert haben und der integraler Bestandteil ist: In zumeist dunklen Rauminstallationen mit wechselnden Farbenspielen umgibt den Besucher auch eine reiche Klangwelt. So meint man beim Forty-Part Motet (2001), von einem vielstimmigen Chor im wahrsten Sinne des Wortes „umgeben“ zu sein oder im Paradise Institute (2001) in einem Kino mit anderen Zuschauern zu sitzen. Andere Installationen bieten wie bei einem Wimmelbild unzählige kleine Details zum Entdecken. Die Ausstellung macht Arbeiten aus den letzten 20 Jahren erlebbar. Zum ersten Mal in Europa zeigt das Lehmbruck Museum das neueste Werk von Cardiff und Miller, den Escape Room (2021), den Besucher mit ihren Bewegungen „zum Leben” erwecken können.

 

Opera for a Small Room (2005): Wilhelm-Lehmbruck-Preisträger Janet Cardiff und George Bures Miller im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.

Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla stellte zusammen mit den Künstlern Janet Cardiff und George Bures Miller die Sonderausstellung vor. Bereits 2020 war den beiden kanadischen Künstlern der renommierte Wilhelm-Lehmbruck-Preis der Stadt Duisburg und des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR). „Unter den bisherigen Preisträgern sind viele Künstler, die wir bewundern und die uns inspirieren“, erklärte George Bures Miller. Corona-bedingt konnte die mit dem Preis verbundene Ausstellung erst jetzt in diesem Rahmen realisiert werden. Der Aufbau der sehr aufwändigen Installationen sei nur dank des engagierten Museums-Teams möglich gewesen, freute sich das kanadische Künstler-Ehepaar. Zu sehen sind die Arbeiten in den Wechselausstellungsräumen im Anbau und mit Einzelexponaten (z. B. die Telefon-Serie Dreams, 2008-2010) an verschiedenen Stellen in der Sammlung sowie im Untergeschoss, wo auch der Escape Room eingerichtet wurde. Für die eigene Sammlung erworben hat das Lehmbruck Museum das Werk „Sad Waltz and the Dancer Who Couldn’t Dance“ (2015), welches aktuell im Übergang zum ersten Dreiecksraum im Anbau aufgebaut ist. Die Ausstellung wird am Samstagnachmittag mit geladenen Gästen eröffnet und ist ab Sonntag öffentlich zugänglich.

 
Impressionen: Janet Cardiff & George Bures Miller im Lehmbruck Museum. Fotos: Petra Grünendahl.

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Der Katalog zur Ausstellung

Escape Room (2021): Wilhelm-Lehmbruck-Preisträger Janet Cardiff und George Bures Miller im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.

Begleitend zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog mit Texten (deutsch/englisch) von Dr. Söke Dinkla, Dr. Stefan Trinks und Ronja Friedrichs, 168 Seiten, im Wienand Verlag. Über abgedruckte QR-Codes sind Videos und Audiodateien der in der Ausstellung präsentierten Werke abrufbar. In zahlreichen Statements berichten Weggefährten von Janet Cardiff und George Bures Miller, unter ihnen Kasper König, Carolyn Christov-Bakargiev und Dr. Söke Dinkla, von persönlichen Begegnungen und gemeinsamen Projekten und zeichnen auf diese Weise sehr anschaulich und persönlich wichtige Etappen im Leben des Künstlerpaares nach. Der Katalog ist zum Preis von 24,90 Euro an der Museumskasse und für 28 Euro im Buchhandel (ISBN 978-3-86832-693-2) erhältlich.

 

 
Die Künstler

Wilhelm-Lehmbruck-Preisträger Janet Cardiff und George Bures Miller im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.

Janet Cardiff, geboren 1957 in Brussels, Kanada, studierte Bildende Kunst an der Queen’s University in Kingston, Ontario, und an der Universität von Alberta, Edmonton, wo sie George Bures Miller kennenlernte. Miller, geboren 1960 in Vegreville, Kanada, hatte zuvor bereits Photo Electric Arts an der Universität für Kunst und Design, Ontario, studiert. Seit den 1990er-Jahren arbeiten Cardiff und Miller zusammen und haben gemeinsam über 30 großen Installationen, 28 Walks und diversen kleineren Arbeiten geschaffen. Sie leben und arbeiten in Berlin und in Grindrod, Britisch-Columbia (Kanada). Internationale Bekanntheit erlangten sie insbesondere seit dem Jahr 2001, in dem sie für ihre Arbeit The Paradise Institute mit dem Goldenen Löwen der 49. Biennale in Venedig ausgezeichnet wurden. Nur wenige Künstler haben sich Räumen und Orten mit einer so großen Imaginationskraft genähert wie Janet Cardiff und George Bures Miller.

 
Werke von Cardiff und Miller befinden sich in Sammlungen bedeutender Museen weltweit. 2011 erhielt das kanadische Künstlerpaar den Käthe-Kollwitz-Preis. 2020 wurden Cardiff und Miller mit dem Wilhelm-Lehmbruck-Preis der Stadt Duisburg und des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) für ihren herausragenden Beitrag zur Entwicklung der Skulptur der Gegenwart geehrt.

 
The Killing Machine von Janet Cardiff & George Bures Miller. Fotos: Petra Grünendahl.

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Das Lehmbruck Museum

Das Lehmbruck Museum im Kantpark. Foto: Petra Grünendahl.

Das mitten in Duisburg im Kantpark gelegene Lehmbruck Museum ist ein Museum für Skulptur. Seine Sammlung moderner Plastiken von Künstlern wie Alberto Giacometti, Pablo Picasso, Hans Arp und natürlich Wilhelm Lehmbruck ist europaweit einzigartig. Beheimatet ist das Museum in einem eindrucksvollen Museumsbau inmitten eines Skulpturenparks, der zum Schlendern und Entdecken einlädt.

 
Namensgeber des Hauses ist der Bildhauer Wilhelm Lehmbruck, der 1881 in Meiderich, heute ein Stadtteil von Duisburg, geboren wurde. Lehmbruck ist einer der bedeutendsten Bildhauer der Klassischen Moderne. Er hat mit seinem Werk maßgeblichen Einfluss auf nachfolgende Künstlergenerationen und ist auch nach seinem frühen Freitod im Jahr 1919 bis heute einflussreich geblieben.

 

 
Öffnungszeiten und Eintrittspreise
Die Sonderausstellung der Lehmbruck-Preisträger von 2020 ist unter anderem in den Wechselausstellungsräumen im Anbau zu sehen bis zum 14. August 2022. Geöffnet ist das Lehmbruck Museum dienstags bis freitags ab 12 Uhr, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags an Terminen der plastikBAR (erster Donnerstag im Monat ab 17.30 Uhr) bis 20 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro (ermäßigt* 5 Euro), eine Jahreskarte 35 Euro (ermäßigt* 20 Euro). Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Blinden- und Demenzbegleitung haben kostenlos Eintritt. Schulklassen und Kindergärten zahlen pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte (2 Erwachsene plus Kinder bis 14 Jahre) gibt es für 15 Euro. Jeden ersten Freitag im Monat gilt: „Pay what you want“. Ausgenommen davon sind angemeldete Gruppen.

Zu seinen Sonderausstellungen bietet das Lehmbruck Museum verschiedene Veranstaltungen als Rahmenprogramm an. Zu den Highlights zählt hier mit Sicherheit das Künstlergespräch am Sonntag, 27. März, um 14 Uhr, sowie die Kuratorinnenführungen am Sonntag, 1. Mai, mit Ronja Friedrich sowie am Sonntag, 12. Juni, mit Dr. Söke Dinkla. Öffentliche Führungen durch das Museum gibt es jeden Sonntag um 11.30 Uhr. Für Informationen steht die Kunstvermittlung des Lehmbruck Museums unter Telefon 0203 / 283-2195 oder eMail kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de zur Verfügung (Zu Preisen und Buchungen für Führungen geht es hier). Tickets für Führungen und Veranstaltungen können vorab im Ticket-Shop des Museums gebucht werden.

 
Nach der aktuellen Corona-Lage gelten folgende Regelungen: Die 3G-Regel erlaubt Zutritt nur für Geimpfte, Genesene und Getestete (Testergebnis nicht älter als 24 Stunden). Das Tragen einer FFP2-Maske ist weiterhin obligatorisch. Für Führungen und Veranstaltungen aus dem Rahmenprogramm sind Anmeldungen erforderlich. Die Veranstaltungen finden vorbehaltlich eventueller Veränderungen aufgrund der Corona-Pandemie statt. Aktuelle Informationen gibt es hier .

(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70%), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen mit Sozialhilfebezug.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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MKM Museum Küppersmühle in Duisburg zeigt Raimund Girke

Variationen von Weiß als “Klang der Stille”
Von Petra Grünendahl

Raimund Girke Weiß dynamisch, 1994. 160 x 200 cm, Öl auf Leinwand. MKM Museum Küppermühle, Duisburg, Sammlung Ströher. Foto: Wolfgang Morell, Bonn.

„Weiß ist grenzenloser dimensionaler Raum, ist immateriell“, meinte Raimund Girke. Schon früh hatte er sich auf wenige Farben in abstrakter Malerei fokussiert, bevor er sein Schaffen mehr und mehr auf die Farbe Weiß reduzierte, deren Möglichkeiten er auch mit einer mitunter plastischen wirkenden Gestaltung seiner Bilder auslotete. „Ich will in meinen weißen Bildern den Bildraum nicht fixieren, sondern das Bild in ein Stadium führen, das über die Bewegung in der Fläche hinaus die unbegrenzte räumliche Bewegung ermöglicht. Diese beruht auf dem feinnuancierten, an- und abschwellenden Weiß. […] Das Weiß entzieht sich jeder Festlegung, es scheint sich ständig auszudehnen und zu verändern. Es ist Ruhe und Bewegung zugleich, ist grenzenlos und nimmt dem Bild seinen materiellen Zustand“, so der Maler 1963 über seine Werke. Er sah Weiß als Ruhe und Bewegung, als Aktivität und Passivität: Als gegensätzliche Pole von Energien, die es zu vereinen galt.

 

Raimund Girke in seinem Atelier, 1992. Foto: Martin Müller, Berlin.

Als groß angelegte Retrospektive zeigt das MKM Museum Küppermühle im Duisburger Innenhafen „Klang der Stille“ mit Werken von Raimund Girke (1930–2002). Kuratiert haben die Sonderausstellung seine Tochter und Nachlassverwalterin Madeleine Girke und Museumsdirektor Prof. Dr. h. c. Walter Smerling. Aus Anlass seines 20. Todestages in diesem Jahr zeigt das MKM Museum Küppersmühle Werke aus fast 50 Schaffensjahren und würdigt seinen bedeutenden Beitrag zur deutschen Malerei nach 1945. Dabei reichen die gezeigten Bilder von normalen bis hin zu großformatigen Werken, die in den Wechselausstellungsräumen des Museums besonders gut zu Geltung kommen. Die umfangreiche Retrospektive mit etwa 130 Werken aus der gesamten Schaffenszeit des Künstlers ist ein Projekt der Stiftung für Kunst und Kultur e.V. Bonn, die in Duisburg das Museum Küppersmühle betreibt. Gefördert wird die Ausstellung von der Evonik Industries AG. Die Sonderausstellung wird heute Abend mit geladenen Gästen eröffnet.

 

 
Der Künstler

Raimund Girke Erdfarben, 1956. 55 x 65 cm, Öl auf Leinwand. Sammlung Karin Girke / Courtesy Walter Storms
Galerie München. Foto: Friedrich Rosenstiel.

Raimund Girke gilt als einer der maßgeblichen Wegbereiter der analytischen Malerei, der durch seine Auseinandersetzung mit der Farbe Weiß bekannt geworden ist. Geboren wurde er 1930 in Heinzendorf (Jasienica) bei Breslau als Sohn eines Kunstlehrers und Schulleiters. Ende des zweiten Weltkriegs floh die Familie aus Niederschlesien und ließ sich im Osnabrücker Land nieder. Nach seinem Abitur 1951 studierte Girke bis 1952 an der Werkkunstschule Hannover und anschließend bis 1956 an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf. Von 1966 bis 1971 war er Dozent an der Werkkunstschule Hannover, von 1971 bis 1996 Professor an der Hochschule der Künste Berlin. Seit den 1980er-Jahren hatte Girke ein Atelier in Köln, welches seine Tochter Madelaine erst 2017 auflöste. Er starb 2002 und liegt in Köln auf dem Melaten-Friedhof begraben.
Siehe auch: Wikipedia und www.raimundgirke.com.

 

Raimund Girke
Fluktuation, 1965. 95 x 70 cm, Öl auf Leinwand. Private collection, courtesy of Axel Vervoordt Gallery. Foto: Jan Liégeois.

Ausgehend von gestisch-informeller Abstraktion gelangte Raimund Girke gegen Ende der 1950er-Jahre zu beinahe monochromen Bildern. Er reduzierte seine Palette auf wenige Farben und thematisierte diese als Licht-Erscheinungen, die er auf verschiedene Weise bis hin zur optischen Irritation rhythmisch strukturierte. Die zunehmende Verfeinerung des Pinselduktus’ führte Girke schließlich in den 1960er-Jahren hin zum Verzicht auf jede Malgeste: Mit der Verwendung der Spritzpistole erreichte er eine gleichmäßig-homogene Verteilung seiner nun fast ausschließlich weißen Farbe. Die Bilder dieser Zeit sind oftmals horizontal gegliedert oder in kaum mehr differenziert wahrnehmbaren Abschattungen und Hell-Dunkel-Übergängen fein gerastert. Sie sind eine Herausforderung an die Wahrnehmung des Publikums.

 

Raimund Girke Echo der Nacht, 1997/98. 200 x 220 cm, Öl auf Leinwand. Kunstpalast, Düsseldorf – Stiftung Sammlung Kemp. Foto: Horst Kolberg.

Zu Beginn der 1970er-Jahre verwarf der Maler die Spritztechnik wieder zugunsten einer ausdrucksstärkeren Gestik. In den Bildern dieser Zeit brechen breite Pinselstriche ihre eigene, weiterhin oft horizontal gestaffelte Ordnung dynamisch auf. Bewegung und Tiefe kommen in das Bildgeschehen, die Fläche wird zum Hell-Dunkel-Phänomen. Seit Mitte der 1980er-Jahre pulsiert Girkes Farbe wieder in einem breiteren Spektrum, das nun auch Erdfarben oder vielfältige Blautöne enthalten kann. Pinselstriche bewegen sich kraftvoll mit- und gegeneinander oder vernetzen sich in einem über das Bildformat hinausweisenden dynamischen Geflecht. Dabei ist das Malverfahren über die Pinselspuren immer deutlich ablesbar, was eine verblüffende Diskrepanz ergibt zu der spirituell-meditativen Wirkung dieser entgrenzten Werke jenseits von Fläche oder Raum.

 
Ein umfassender Katalog zur Ausstellung mit einem Beitrag von Florian Illies und einem Gespräch mit Peter Iden, geführt von Walter Smerling, erscheint Ende April.

 

 
Das Museum Küppersmühle als Kunstwerk um die Moderne Kunst

Das Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.

Das Museum Küppersmühle für Moderne Kunst wurde im Jahre 1999 in einem ehemaligen Getreidespeicher im Innenhafen eröffnet. Er wurde nach Plänen der Basler Architekten Herzog & de Meuron zum Museum umgebaut. Initiator des Museumsprojekts war der Duisburger Kunstsammler Hans Grothe (1930–2019). Grothes Sammlung umfasste über 800 Werke von mehr als 40 deutschen Künstlern. Seit der Übernahme seiner Sammlung durch das Darmstädter Sammlerpaar Sylvia und Ulrich Ströher 2005 stieg die Anzahl der Ausstellungsstücke und der vertretenen Künstler noch erheblich an. Insgesamt handelt es sich um eine der wichtigsten und umfangreichsten Sammlungen deutscher Nachkriegskunst: Mit Werken und Werkgruppen der einflussreichsten deutschen Künstler von den 1950er Jahren bis heute. Zur Präsentation der ständigen Sammlung kommen immer wieder Wechselausstellungen hinzu. Seit 2008 war ein Erweiterungsbau (ein „Schuhkarton“ auf den Silotürmen) geplant, der 2011 wegen Baumängeln scheiterte. Bei einem neuen Anlauf beauftragten die Ströhers 2014 das Architektenbüro Herzog & de Meuron erneut mit der Planung eines Erweiterungsbaus (Baubeginn war 2016), der im September 2021 eröffnet wurde.

 
Das MKM Museum Küppersmühle wird seit seiner Gründung von der Stiftung für Kunst und Kultur e. V. Bonn betrieben. Die Stiftung konzipiert und organisiert die Ausstellungen und betreut die Sammlung Ströher im MKM. Direktor ist seit 1999 Walter Smerling.

 

 
Museum Küppersmühle:
Duisburger haben donnerstags freien Eintritt

MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.

Die Ausstellung „Raimund Girke – Klang der Stille“ ist bis zum 26. Juni 2022 in den Erdgeschossräumen des Museums zu sehen. Das Museum Küppersmühle findet man im Innenhafen am Philosophenweg 55 (Haupteingang, der Parkplatz befindet sich auf der anderen Straßenseite). Mittwochs ist das Museum von 14 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis sonntags sowie feiertags von 11 bis 18 Uhr. Montags und dienstags ist Ruhetag. Der Eintritt kostet nur für die Wechselausstellungen 6 Euro (ermäßigt 3 Euro), für das gesamte Haus (inkl. Wechselausstellung) 12 Euro (ermäßigt 6 Euro). Familien (2 Erwachsene plus Kinder) zahlen 18 Euro für das ganze Haus, 10 Euro für Wechselausstellungen. Kinder bis 16 Jahren haben freien Eintritt. Kindergruppen (Schule, Kita, Kinderfreizeit) zahlen 2 Euro pro Kind und Betreuer. Donnerstags haben alle Duisburger (gegen Vorlage des Personalausweises) freien Eintritt. Das MKM ist Partner der Ruhrkultur.Card. Alle Ausstellungsräume des Museums sind auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich.

 
Offene Führungen durch die Sammlung sowie durch laufende Ausstellungen gibt es jeden Sonntag um 15 Uhr, aber auch nach Vereinbarung. Informationen zu Führungen und dem Begleitprogramm zu Ausstellungen gibt es unter www.museum-kueppersmuehle.de). Aktuell gelten die 3G-Regel und allgemeine Hygieneregeln. Weitere Infos findet man hier.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (2), Horst Kolberg (1), Jan Liégeois (1), Wolfgang Morell, Bonn (1), Martin Müller, Berlin (1), Friedrich Rosenstiel (1)

 
 

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Haltung zeigen: Internationalen Wochen gegen Rassismus in Duisburg vom 14. bis 27. März

Mit den Menschen ins Gespräch kommen: Veranstaltungen machen Rassismus bewusst
Von Petra Grünendahl

Haltung zeigen: Internationale Wochen gegen Rassismus 2022. Zeichnung: Martin Meissner. Quelle: http://www.iwgrdu.de.

„In Duisburg leben 500.000 Menschen aus 160 Ländern. Da begegnet uns das Thema Rassismus immer wieder“, erklärte Benjamin Wilde vom Kommunalen Integrationszentrum, das federführend die Internationalen Wochen gegen Rassismus in Duisburg koordiniert. „Auch wenn wir hier den Fokus auf 14 Tage legen, muss uns das Thema jeden Tag präsent sein“, ergänzte Marijo Terzic, Leiter des Kommunalen Integrationszentrums. Die Aktionen und Veranstaltungen im Laufe dieser zwei Wochen thematisieren strukturellen, institutionellen und Alltagsrassismus, mit dem Menschen konfrontiert werden. Manchmal vielleicht ohne dass es dem Diskriminierenden bewusst ist. Hier wollen die beteiligten Akteure ansetzen mit Dialog, Aufklärung, Beratung und Training.

 

Von links: Julia Rombeck, Marijo Terzic (beide oben), Benjamin Wilde und Sven Michler-Temme (unten). Foto: Screenshot.

Im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus vom 14. bis 27. März 2022 führen 30 Duisburger Organisationen bzw. Akteure mehrere öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen unter dem diesjährigen Motto „Haltung zeigen“ digital und in Präsenz durch. Im Pressegespräch stellten Marijo Terzic, Sven Michler-Temme (Jugendamt), Gülgün Teyhani und Sedanur Barut (beide ARIC NRW), Uwe Busch (Stadtsportbund Duisburg) sowie die beiden Hauptkoordinatoren Julia Rombeck und Benjamin Wilde vom Kommunalen Integrationszentrum die Veranstaltung und das Programm vor. Die „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ (IWgR) – getragen von der Stiftung für die Internationalen Wochen gegen Rassismus und dem Arbeitskreis ECCAR (European Coalition of cities against racism), dem Duisburg seit Ende 2016 angehört, – finden schon seit 27 Jahren immer im März statt. Duisburg beteiligt sich nach 2021 zum zweiten Mal.

 

 
Vielfältige Akteure bieten einmaliges Programm

Als Teil der Koordinierungsgruppe „Pink gegen Rassismus“ lädt der Stadtsportbund Duisburg die Mitglieder der Duisburger Sportvereine ein, sich mit ihren Vereinen in Pink gegen Rassismus zu positionieren. Quelle: http://www.iwgrdu.de.

Dialog, Aufklärung und Beratung, Workshops und Empowerment-Netzwerk (Austausch von Betroffenen), Film, Theater und Rollenspiele, Lesungen und Diskussionen: Von Einzelveranstaltungen der unterschiedlichsten beteiligten Organisationen und Akteure bis hin Projekten über die ganze zweiwöchige Laufzeit bieten die Internationalen Wochen gegen Rassismus eine große Bandbreite für alle Altersklassen. Highlights gibt es da viele! Schon der Programmflyer weckt Interesse: Zum Beispiel die Lesung (mit anschließender Diskussion) von Autor Hasnain Kazim aus seinem Buch „Post von Karlheinz – Wütende Mails von richtigen Deutschen – und was ich ihnen antworte“, ein Argumentationstraining gegen Stammtischparolen oder was wir im täglichen Leben machen können. Der Blick ins Programm lohnt sich.

 
Das i-Tüpfelchen ist wohl der große Aktionstag am Samstag, 19. März, von 12 bis 18 Uhr, der in der Innenstadt auf der Königstraße vor dem Forum stattfindet. Damit erreicht man mehr Menschen, die sich vielleicht noch nie mit der Thematik auseinander gesetzt haben und kann ins Gespräch kommen. Hier gibt es Informationen und einen Orientierungsplan für den Aktionstag.

 

Haltung zeigen: Internationale Wochen gegen Rassismus 2022. Quelle: http://www.iwgrdu.de.

Der Programmflyer listet schon eine ganze Reihe an Veranstaltungen (Stand: Drucklegung), das Programm wird aber auf der Webseite der Veranstaltung laufend aktualisiert und erweitert. Das meiste findet in Präsenz statt, einzelne Veranstaltungen nur online. Für beide Arten von Veranstaltung sind üblicherweise Anmeldungen erforderlich. Weiterführende Links stellen Veranstalter und die jeweiligen Veranstaltungen im Detail vor. Das Kommunale Integrationszentrum der Stadt Duisburg findet man unter www.wir-sind-du.de.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Screenshot, http://www.iwgrdu.de

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Deutsche Oper am Rhein: Leoš Janáčeks „Katja Kabanova“ begeisterte im Theater Duisburg

Starke Frauen beherrschen das Geschehen
Von Petra Grünendahl

Sylvia Hamvasi (Katja), Anna Harvey (Varvara). Foto: Sandra Then-Friedrich.

Katja Kabanova (Sylvia Hamvasi) ist mit Tichon (Matthias Klink) verheiratet, der ganz unter der Fuchtel seiner herrischen Mutter, der Kaufmannswitwe Marfa, genannt Kabanicha (Eva Urbanová), steht. Die selbstbewusste und starke Katja wird in dieser Ehe – entgegen ihren ursprünglichen Erwartungen – nicht glücklich und sehnt sich nach einem anderen Mann: Dass sie für Boris (Daniel Frank) schwärmt, empfindet die zutiefst gläubige junge Frau jedoch als Sünde. Varvara (Anna Harvey), Pflegetochter im Hause Kabanov, wird Katjas Vertraute: Sie selber schwärmt für den Lehrer Wanja (Cornel Frey) und bietet Katja an, ein heimliches Treffen für die beiden „Paare“ zu arrangieren. Als die Kabanicha, die eifersüchtig auf ihre Schwiegertochter ist, Tichon auf eine längere Geschäftsreise schickt, gibt sie ihm vor, Katja zum Gehorsam ihr gegenüber zu mahnen. So gedemütigt willigt Katja nun in Varvaras Vorschlag ein. Natürlich kommen sie und Boris sich näher: Als Tichon zurückkehrt, beichtet Katja bei einem Gewitter ihren Ehebruch öffentlich. Sie rennt hinaus in den tosenden Sturm. Dort trifft sie auf Boris, der ihr mitteilt, dass sein Onkel Dikoj (Sami Luttinen) ihn nach Sibirien schickt. Mit dem Gefühl, allein gelassen zu sein, stürzt sich Katja in die Fluten der Wolga. Tichon gibt seiner Mutter die Schuld am Tod seiner Frau.

 

Anna Harvey (Varvara), Sylvia Hamvasi (Katja). Foto: Sandra Then-Friedrich.

Premiere feierte auf der Bühne der Deutschen Oper am Rhein im Theater Duisburg die Oper „Katja Kabanova“ des tschechischen Komponisten Leoš Janáček (1854 – 1928). Janáčeks Spätwerk gilt als seine kraftvollste Schaffensphase, die geprägt ist von einer platonischen Leidenschaft für eine junge Frau (ab 1917), der er über die Jahre viele Briefe geschrieben hatte. Kamila Stösslová ist auch die Inspiration für seine Katja. Die Oper erlebte 1921 ihre Uraufführung am Nationaltheater Brünn (Brno/Mähren, Tschechien) mit einem Libretto des Komponisten nach dem Schauspiel „Das Gewitter“ (1859) von Alexander Ostrowski. Zwar gibt es eine deutsche Übersetzung, jedoch hatte sich die Regisseurin Tatjana Gürbaca dafür entschieden, ihre Inszenierung, die als Koproduktion mit dem Grand Théâtre de Genève entstand, im tschechischen Original auf die Bühne zu bringen. Deutsche Übertitel erleichtern das Verständnis der Handlung. Der Opernabend dauert gute 1 ¾ Stunden (keine Pause) und ist empfohlen ab 14 Jahren.

 

 
Großartige Inszenierung mit starken Charakteren

Eva Urbanova (Kabanicha), Sylvia Hamvasi (Katja), Matthias Klink (Tichon), Anna Harvey (Varvara) ,
Ekaterina Aleksandrova (Glascha). Foto: Sandra Then-Friedrich.

Die Sänger – allen voran die hervorragende Sylvia Hamvasi in der Titelrolle und Eva Urbanoná als Kabanicha –, gehen sehr engagiert in Charakteren auf, die sie nicht nur gesanglich, sondern auch schauspielerisch überzeugend verkörpern. Gesanglich unterstützt das Ensemble der Chor der Deutschen Oper am Rhein. Glänzend aufgelegte Duisburger Philharmoniker meisterten unter der musikalischen Leistung von Generalmusikdirektor Axel Kober die anspruchsvolle Komposition. Für das wandlungsfähige Bühnenbild zeichnet Henrik Ahr verantwortlich, für die Kostüme Barbara Drosihn und das Lichtdesign Stefan Bolliger.

 

Roman Hoza (Kuligin), Ekaterina Aleksandrova (Glascha), Statisterie. Foto: Sandra Then-Friedrich.

Minutenlange Schlussovationen mit einigen Bravo-Rufen belohnten das engagierte Ensemble für eine sehr gelungene Vorstellung. Die Zugabe aus traurigem Anlass – Mendelssohns Kantate für den Frieden – wird dem Publikum wohl noch einen Weile bei künftigen Vorstellungen erhalten bleiben: „Bei uns arbeiten Menschen aus 40 Nationen, darunter auch Russen und Ukrainer, die jetzt alle Angst um ihre Familien haben“, so Christoph Meyer, Generalintendant der Deutschen Oper am Rhein. Auch diese Vorstellung von Ensemble und Chor wurde noch einmal mit reichlich Applaus bedacht.

 

 
Ein kleiner Vorgeschmack:

 

 
Weitere Termine im Theater Duisburg:

Sylvia Hamvasi (Katja). Foto: Sandra Then-Friedrich.

So | 13. März 2022 | 15:00 Uhr,
So | 20. März 2022 | 18:30 Uhr,
Sa | 26. März 2022 | 19:30 Uhr und
Mo | 28. März 2022 | 19:30 Uhr.

 
Deutsche Oper am Rhein

Daniel Frank (Boris), Sylvia Hamvasi (Katja), Luiza Bardan (Fekluscha), Matthias Klink (Tichon). Foto: Sandra Then-Friedrich.

Die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg gGmbH ist eine Theatergemeinschaft der Städte Düsseldorf und Duisburg, die auf eine lange Tradition der Zusammenarbeit zwischen den beiden Großstädten zurückblicken kann. Seit ihrer Gründung 1956 zählt sie zu den bedeutendsten Opernhäusern Deutschlands. Durch ihr hochrangiges Solistenensemble, den Chor sowie die national wie international gefeierte Compagnie Ballett am Rhein hat sie sich zu einer der ersten Adressen für Musiktheater und Tanz in Europa entwickelt. Sie ist in der größten und dichtesten Kulturregion Deutschlands beheimatet. Allein die beiden Städte Düsseldorf und Duisburg zählen zusammen fast 1,1 Millionen Einwohner, aber auch die umliegenden Regionen und eine große Zahl auswärtiger Gäste profitieren vom hochkarätigen künstlerischen Angebot der Deutschen Oper am Rhein.
www.operamrhein.de

 

 

Sylvia Hamvasi (Katja), Matthias Klink (Tichon), Luiza Bardan (Fekluscha). Foto: Sandra Then-Friedrich.

Tickets kosten zwischen 17,00 und 67,00 Euro. Eintrittskarten gibt es online ebenso wie in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in das Stück, seine Entstehung und die Aufführung gibt. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

 

 
Die unvermeidlichen Corona-Regeln

Roman Hoza (Kuligin), Matthias Klink (Tichon), Luiza Bardan (Fekluscha), Ekaterina Aleksandrova (Glascha), Sami Luttinen (Dikoj). Foto: Sandra Then-Friedrich.

Die Vorstellungen werden aktuell mit einer Kapazitätsbegrenzung von 847 Plätzen im Theater Duisburg durchgeführt. Der Zutritt erfolgt auf Basis der 3G-Regel. Innerhalb der Räumlichkeiten muss eine medizinische Maske getragen werden, die man auch während der Vorstellung nicht abnehmen sollte. Es gelten die üblichen Hygiene- und Abstandsregeln. Ein Garderobenservice steht zur Verfügung, ein gastronomisches Angebot im Opernfoyer gibt es mit Einschränkungen.
Aktuelle Regelungen findet man immer hier.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Sandra Then-Friedrich

 

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IHK: Konjunkturumfrage bei der Wirtschaft im Rheinland offenbart Probleme

Erwartungen eingetrübter als im Herbst, aber immer noch leicht positiv
Von Petra Grünendahl

Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf. Foto: Olaf-Wull Nickel / IHK Düsseldorf.

Erneute Einschränkungen der Wirtschaft aufgrund der Corona-Pandemie im Herbst 2021 haben die wirtschaftliche Lage, die gerade auf Erholungskurs war, wieder ausgebremst. Die Nachfrage ist dabei eher nicht das Problem, sondern das Angebot bzw. die Möglichkeit, etwas anzubieten. Zwar sind die Erwartungen insgesamt noch positiv, aber für den weiteren Jahresverlauf doch (wieder) sehr gedämpft. Wie bereits die Konjunkturbarometer der Niederrheinischen IHK sowie der Ruhr-IHKs zeigten, gehen die Erwartungen zurück: Ein Phänomen, welches sich nicht nur im Ruhrgebiet zeigt, sondern auch im Rheinland. Und: „Es gibt da keine signifikanten Unterschiede in den einzelnen IHK-Bezirken“, erklärte Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf, für das Rheinland.

 

Foto: Screenshot.

Im Online-Pressegespräch stellte Gregor Berghausen das Konjunkturbarometer zusammen mit Gerd Helmut Diestler, Konjunkturreferent der IHK Düsseldorf, als Federführer des diesjährigen Konjunkturberichts der IHK-Initiative Rheinland vor. Befragt hatten die Industrie- und Handelskammern die Unternehmen zwischen Mitte Dezember 2021 und Ende Januar 2022, so dass die aktuelle Entwicklung in der Ukraine noch nicht berücksichtigt ist. Corona spielt so langsam nicht mehr die alleinige Hauptrolle in den Konjunktur-Erwartungen, sondern Risiken wie Rohstoff- und Energiekosten sowie der Fachkräftemangel. Zwar ist insgesamt die Industrie noch am besten durch die Coronakrise gekommen, allerdings leiden jetzt hier einige Branchen mehr als andere unter den hohen Rohstoff- und Energiekosten sowie an unsicheren Lieferketten.

 

 
Folgen des Lockdown und Rohstoffpreise drücken die Stimmung

Foto: Screenshot.

Je näher am Konsumenten der Handel positioniert ist, desto schwerer wogen die Einschränkungen durch Corona. Auch beklagt der Einzelhandel die immer noch unklare Öffnungsperspektive und die fehlende Shoppinglaune der Verbraucher. Der produktionsnahe (Groß-)Handel ist hier eher weniger betroffen, hat aber mitunter mit Lieferproblemen zu kämpfen. Der Bereich Dienstleistung ist im Vergleich zum vergangenen Jahr wieder verhaltender in der Einschätzung von Wirtschaftslage und Erwartungen: Je kontaktintensiver und näher am Kunden, desto schlechter die Lage und umso pessimistischer blicken die Unternehmer in die Zukunft. Gastronomie und Eventbranche stechen hier besonders heraus, könnten sie doch auf keinerlei Nachhol-Effekte hoffen, machte Berghausen klar: „Das ausgefallene ‚Essen gehen’ holen Sie nicht nach.“ Außerdem hat die Gastronomie nach dem Lockdown auch damit zu kämpfen, qualifizierte Mitarbeiter zu finden, weil viele sich für ihren Lebensunterhalt umorientieren mussten.

 

Foto: Screenshot.

Die Exporterwartungen bleiben hoch, die Nachfrage auch aus dem Ausland stabil positiv. Besonders optimistisch sind der Fahrzeug-/Maschinenbau und die Elektroindustrie, aber auch die Chemie. Die insgesamt etwas getrübten Konjunkturerwartungen drücken ein wenig auf die Planung von Investitionen und Personal, beide liegen aber (noch) im positiven Bereich. Rückläufig seien Investitionen jedoch zum Beispiel in der Ernährungsindustrie, Einzelhandel und Gastgewerbe, ergab die Umfrage. Kurzarbeit werde weiterhin genutzt. Stabil ist die Geschäftslage insgesamt, Belastungen treten in den Branchen auf, deren Beschaffungskosten in die Höhe geschnellt sind.

 

 
Die Niederrheinische IHK und die IHKs im Rheinland

Foto: Screenshot.

Die Niederrheinische IHK vertritt das Gesamtinteresse von rund 69.000 Mitgliedsunternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen in Duisburg und den Kreisen Wesel und Kleve. Sie versteht sich als zukunftsorientierter Dienstleister und engagiert sich als Wirtschaftsförderer und Motor im Strukturwandel. Zur Gruppe der IHK-Initiative Rheinland zählen neben Duisburg, Wesel und Kleve die Kammerbezirke Krefeld / Mittlerer Niederrhein, Düsseldorf, Wuppertal / Bergisches Land, Aachen, Köln und Bonn / Rhein-Sieg. Seit 18 Jahren arbeiten sie gemeinsam am Konjunkturbarometer Rheinland, für die die Unternehmen in den IHK-Bezirken jeweils zum Jahresbeginn und im Spätsommer befragt werden. Beteiligt hatten sich bei der Umfrage zum Jahresbeginn 2022 rund 3.100 Unternehmen aus der Region. Der ungewöhnlich große Rücklauf aus Industrie, Groß- und Einzelhandel und dem Dienstleistungssektor ermöglichte die Aufschlüsselung der Daten in 16 Einzelbranchen, die ein genaueres Bild der Lage wiedergaben.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Olaf-Wull Nickel (1), Infografiken/Präsentation: IHK Düsseldorf

 
 

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Stadtwerke Düsseldorf: Kündigung durch regionalen Versorger wenig nachvollziehbar

 
Wer Kunde bleiben will, bekommt eine saftige Erhöhung des Grundpreises um 238 Prozent
Von Petra Grünendahl

Foto: Petra Grünendahl.

Zuletzt machten eher Strom- und Gas-Discounter mit zweifelhaften Kündigungen von sich reden, weil sie die hohen Beschaffungskosten nicht an Kunden weiterreichen, sondern diese lieber gleich „entsorgen“ wollte. Als Kunde eines regionalen Versorgers aus der Nachbarstadt fühlte man sich sicher, dass so etwas nicht passieren könnte. Das stellte sich als Irrtum heraus, als in der vergangenen Woche ein Brief des Versorgers kam: Man könne den Regio-Kunden (außerhalb Düsseldorfs) nicht mehr zu den bisherigen Konditionen beliefern, hieß es in dem Schreiben. Man kündige den Vertrag ordentlich zum 31. März 2022, allerdings könne der Kunde nicht ein (natürlich sehr deutlich teureres!) Folgeangebot annehmen.

 
Kein „Preiserhöhungsschreiben“, sondern gleich eine ordentliche Kündigung schickten die Stadtwerke Düsseldorf ihren Kunden jenseits der Stadtgrenze. Ohne eine Erklärung, was bei Annahme des „Folgeangebots“ finanziell auf den Kunden zukommt, wie es bei einer Preiserhöhung gesetzlich vorgeschrieben ist. Nein, der letztendlich gut versteckte brutale Rausschmiss, wenn man als Kunde nicht aktiv wird und um eine Fortführung des Vertrages „bittet“. Da der bisherige Kunde als Antragsteller ja als Neukunde kommt, könnten die Stadtwerke Düsseldorf ihn auch ablehnen. Was dann aber für den überrumpelten Kunden auch erst mal bedeutet, dass sich informieren muss, was er bislang für Kosten in seinem Vertrag hatte und was die Preise im „Folgeangebot“ des Stromanbieters für ihn bedeuten: Den üblichen Vergleich, den man mit einer Preiserhöhung bekommt, gab es hier ja im Kündigungsschreiben nicht. Für einen Kunden, der nicht die Absicht hat, den Stromversorger zu wechseln, ist das Schreiben unterirdisch.

 

 
 
Nur der Grundpreis steigt

Drehstromzähler. Foto: Petra Grünendahl.

Nicht der Strompreis wird teurer: Massivst erhöht wird im „Folgeangebot“ der Grundpreis, der unabhängig vom Verbrauch zu zahlen ist. Von vorher 65 Euro auf rund 220 Euro im Jahr. Das ist eine Erhöhung von rund 238 Prozent, die bei einem Ein-Personen-Haushalt einen großen Anteil an den Gesamtkosten für Strom ausmacht!

 
Diese Kündigung in Verbindung mit einem „Folgeangebot“ bekommen übrigens wohl nur Kunden im Regio-Tarif. Für Düsseldorfer, für die die Stadtwerke Düsseldorf Grundversorger sind, ändert sich nichts. Für Düsseldorfer scheinen die Grundkosten der Stromlieferung nicht gestiegen zu sein, nur für Kunden jenseits der Stadtgrenze. Wobei Konzessionsabgaben für den jeweiligen Wohnort im Arbeitspreis enthalten sind, wie den Erklärungen zum Preis zu entnehmen ist. Daran kann es also nicht liegen!

 
Über 40 Prozent der Stromkosten entfallen damit beim Strom sparenden Regio-Kunden (1.200 kWh) damit mittlerweile auf den Grundpreis. Bei 1.500 kWh sind es immerhin noch 37 Prozent. Ohne Preisgarantie ist der neue Tarif obendrein, d. h. die Preise können schneller steigen als der Kunde gucken kann. Und geknebelt wird der Zwangs-Neukunde nun mit 12 Monaten Mindestvertragslaufzeit. Immerhin habe er ein außerordentliches Kündigungsrecht im Falle einer Strompreiserhöhung, sagt das „Kleingedruckte“. Na denn!

 

 
Vorsicht Kostenfalle!

Foto: Petra Grünendahl.

Wer den Brief nicht richtig liest, bekommt schnell ein noch größeres Problem, denn die Kündigung selbst fällt unter dem Fettgedruckten – man könne ein Folgeangebot annehmen – nicht sofort ins Auge: Denn die Kündigung wird zum 31. März wirksam, wenn der Kunde nicht bis zum 2. März selbst tätig wird. Dann fällt man nämlich automatisch an den Grundversorger – und damit in einen Grundversorgungstarif für Neukunden, der gut doppelt so teuer ist wie der für Bestandskunden. Woanders hin wechseln ist angesichts völlig überteuerter Neukunden-Tarife auch keine Option. Denn dann wird der Strom noch teurer, als er mit der massiven Erhöhung des Grundpreises bei den Stadtwerken Düsseldorf wäre. Egal, wie man das Schreiben der Stadtwerke Düsseldorf dreht und wendet: Das Schreiben hätte dem Kunden einen direkten Vergleich der bisherigen und der neuen Kosten ermöglichen sollen. Das wäre fair gewesen!

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Rat der Stadt Duisburg: Matthias Börger zum Dezernenten gewählt

Ratsfrau Edeltraut Klabuhn erste ehrenamtliche Stellvertreterin des Oberbürgermeisters
Von Petra Grünendahl

Matthias Börger (re.) wurde vom Rat der Stadt einstimmig zum Beigeordneten gewählt. Oberbürgermeister Sören Link beglückwünschte ihn. Foto: Uwe Köppen / Stadt Duisburg.

Zehn Monate nach seiner ersten Wahl kann sich Matthias Börger nun nach dem wiederum einstimmigen Votum des Stadtrats auf seinen Amtsantritt als Dezernent für Umwelt und Klimaschutz, Gesundheit, Verbraucherschutz und Kultur bei der Stadt Duisburg freuen. Eine Mitbewerberin hatte beim ersten Mal wegen des Vorauswahl-Verfahrens geklagt und Recht bekommen: Das Bewerbungsverfahren musste wiederholt werden und Matthias Börger wurde dem Rat ein zweites Mal zur Wahl vorgeschlagen. Ebenfalls nicht ganz unumstritten war die Wahl eines neuen ersten ehrenamtlichen Stellvertreters für Oberbürgermeister Sören Link: Die Fraktion hatte sich für Ratsfrau Edeltraut Klabuhn ausgesprochen, der Parteitag der Duisburger SPD für Ratsherr Udo Vohl, der aber bei der Abstimmung im Rat nicht antrat. Klabuhn bekam in geheimer Wahl 71 Stimmen bei 19 Gegenstimmen, ein paar Enthaltungen und einer ungültigen Stimme. Sie tritt damit die Nachfolge des im letzten Herbst verstorbenen Bürgermeisters Manfred Osenger an.

 

Edeltraud Klabuhn (SPD) wurde vom Rat der Stadt zur ersten Bügermeisterin gewählt. Oberbürgermeister gratulierte ihr. Foto: Uwe Köppen / Stadt Duisburg.

Nach dem zwei Wahlgängen zu Beginn der ersten Sitzung im Rat der Stadt Duisburg und einer längeren Diskussion um die Beantwortung von Fraktions-Anfragen in der Niederschrift der letzten Sitzung arbeiteten die Ratsleute die Tagesordnung inklusive Nachtrag zügig ab. Zu ein paar Tagesordnungspunkten gab es noch Beratungsbedarf: Sie wurden in erster Lesung behandelt bzw. in die Fachausschüsse verwiesen. Beschlussvorlagen der Verwaltung wurden weitestgehend einstimmig abgesegnet. Dazu zählten unter anderem Senkungen von Elternbeiträgen für Kindertageseinrichtungen sowie in Offenen Ganztagsschulen, aber auch die Erhöhung und Umschichtung von Zuschussmitteln für verschiedene Städtische Einrichtungen, da die Finanzhoheit beim Rat der Stadt liegt und dieser sämtliche Ausgaben (und Einnahmen) absegnen muss.

 

 
Stadtentwicklung und Infrastruktur

Sitzung des Rat der Stadt Duisburg. Foto: Uwe Köppen / Stadt Duisburg.

Beschlossen wurde des Weiteren eine Reihe von Maßnahmen von Schulbauten und Erweiterungen bis hin zu Stadtentwicklung und Stadtteilförderung im Rahmen von Integrierten Handlungskonzepten zum Beispiel in Hochfeld oder Marxloh. Außerdem erforderte die Übertragung von städtischen Grundstücken im neuen Mercatorviertel an die Gebag die Zustimmung des Rates, der damit die Federführung sowohl für die Eigenentwicklung als auch für die Vermarktung an private Investoren an das städtische Wohnungsbauunternehmen abgab. Die Machbarkeitsstudie zur Verlängerung der Osttangente in Rheinhausen wurde nach erster Lesung in die Fachausschüsse überwiesen. Zugestimmt hat de4r Rat auch der Ausschreibung für eine Beigeordnetenstelle für das Dezernat für Wirtschaft, Sicherheit und Ordnung, die der bisherige Dezernent Andree Haack nach seinem Wechsel nach Köln im Juni frei macht.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Uwe Köppen / Stadt Duisburg

 
 

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Lehmbruck Museum in Duisburg stellte Jahresprogramm für 2022 vor

Dimensionen der Kunst: Vom Geistigen zum Materiellen bis in den virtuellen Raum
Von Petra Grünendahl

Janet Cardiff and George Bures Miller: Escape Room 2021. Foto: (c) the artists and Luhring Augustine, New York.

Ein altes und immer noch sehr aktuelles Thema ist der Widerstreit zwischen dem Geistigen und dem Materiellen: Es gehe nicht um die Gestaltung des Physischen, sondern des Seelischen, hatte Wilhelm Lehmbruck einst postuliert. Die Präsenz, aber auch die Ideen und Gedanken manifestieren sich in der Skulptur, in gestalteter Materie. In Zeiten von Corona hat eine dritte Dimension immer mehr Zugang zum Leben der Menschen gefunden: Der virtuelle Raum. Diesen bespielen die Wilhelm-Lehmbruck-Preisträger des Jahres 2020, Janet Cardiff & George Bures Miller, mit ihren spannenden Installationen, die ab Ende März im Lehmbruck Museum zu sehen sind.

Visualisierung der Ausstellung von Rineke Dijkstra im Lehmbruck Museum. Visualisierung: Lehmbruck Museum.

Seit 2014 zeigt Sculpture 21st Positionen zur Skulptur des 21. Jahrhunderts: Die niederländische Künstlerin Rineke Dijkstra, die mit ihren eindringlichen fotografischen Porträts junger Heranwachsender berühmt geworden ist, ist ab Mai in der Glashalle zum Kantpark zu sehen. Im zweiten Halbjahr steht Antony Gormley im Lehmbruck-Trakt dem Duisburger Meister der Bildhauerei gegenüber. Und zum Jahresende feiert das Museum den 100. Geburtstag des deutschen Bildhauers Norbert Kricke, Lehmbruck-Preisträger des Jahres 1971, mit einem neuen Blick auf sein prägendes Werk.

 

Antony Gormley vor seiner Arbeit Sublimate XIII, 2007 (c) Künstler. Foto: Britta Lauer.

Das Programm des Lehmbruck Museums für das Jahr 2022 stellte Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla im Online-Pressegespräch vor. Nachdem die Pandemie-Entwicklung 2021 wieder mehr Ausstellungen und Publikumsverkehr im Museum möglich machten als während der Lockdowns 2020, hofft Dinkla auf eine Normalisierung ab März. Auch wenn die digitalen Angebote des Museums kaum mehr wegzudenken sind: „Die Menschen wollen Kultur live erleben“, so die Museumsdirektorin. Neben den publikumswirksamen Ausstellungen arbeitet das Lehmbruck Museum an Formaten, die weitere Kreise der Bevölkerung für Kunst erschließen sollen. Unter anderem mit Fördergeldern aus dem Programm „Neustart Kultur“ entwickelt die Kunstvermittlung ein digitales Text-Adventure-Game über das bewegte Leben Wilhelm Lehmbrucks. Und in Kooperation mit den Museen Krefeld fördert das städtische Museum über „Mach Dein Ding“ freie Kreativität und kulturelle Teilhabe für Kinder.

 

 
Das Lehmbruck Museum

Das Lehmbruck Museum im Kantpark. Foto: Petra Grünendahl.

Das mitten in Duisburg im Kantpark gelegene Lehmbruck Museum ist ein Museum für Skulptur. Seine Sammlung moderner Plastiken von Künstlern wie Alberto Giacometti, Pablo Picasso, Hans Arp und natürlich Wilhelm Lehmbruck ist europaweit einzigartig. Beheimatet ist das Museum in einem eindrucksvollen Museumsbau inmitten eines Skulpturenparks, der zum Schlendern und Entdecken einlädt.

 
Namensgeber des Hauses ist der Bildhauer Wilhelm Lehmbruck, der 1881 in Meiderich, heute ein Stadtteil von Duisburg, geboren wurde. Lehmbruck ist einer der bedeutendsten Bildhauer der Klassischen Moderne. Er hat mit seinem Werk maßgeblichen Einfluss auf nachfolgende Künstlergenerationen und ist auch nach seinem frühen Freitod im Jahr 1919 bis heute einflussreich geblieben.

 

 
Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Mach Dein Ding. Foto: Marta Colombo.

Aktuell ist noch eine Sonderausstellungen von Tony Cragg in der Glashalle zum Kantpark zu sehen: Bis zum 18. April 2022. Geöffnet ist das Lehmbruck Museum üblicherweise – solange es die Corona-Lage zulässt – dienstags bis freitags ab 12 Uhr, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags an Terminen der plastikBAR (erster Donnerstag im Monat ab 17.30 Uhr) bis 20 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro (ermäßigt* 5 Euro), eine Jahreskarte 35 Euro (ermäßigt* 20 Euro). Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Blinden- und Demenzbegleitung haben kostenlos Eintritt. Schulklassen und Kindergärten zahlen pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte (2 Erwachsene plus Kinder bis 14 Jahre) gibt es für 15 Euro. Jeden ersten Freitag im Monat gilt: „Pay what you want“. Ausgenommen davon sind angemeldete Gruppen.

Zu seinen Sonderausstellungen bietet das Lehmbruck Museum verschiedene Veranstaltungen als Rahmenprogramm an. Zu den Highlights zählt hier mit Sicherheit das Künstlergespräch – Stephan Balkenhol im Gespräch mit Heinz-Norbert Jocks – am Freitag, 23. Oktober, um 18 Uhr (ca. 1 ½ Stunden). Auch diese Veranstaltung ist bereits ausgebucht. Öffentliche Führungen durch das Museum gibt es jeden Sonntag um 11.30 Uhr. Für Informationen steht die Kunstvermittlung des Lehmbruck Museums unter Telefon 0203 / 283-2195 oder eMail kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de zur Verfügung (Zu Preisen und Buchungen für Führungen geht es hier).

 
Nach der aktuellen Corona-Lage gelten folgende Regelungen: Die 2G-Regel erlaubt Zutritt nur für Geimpfte und Genesene (es gibt Ausnahmen für 3G). Das Tragen einer FFP2-Maske ist weiterhin obligatorisch. Für Führungen und Veranstaltungen aus dem Rahmenprogramm sind Anmeldungen erforderlich. Die Veranstaltungen finden vorbehaltlich eventueller Veränderungen aufgrund der Corona-Pandemie statt. Aktuelle Informationen gibt es hier .

(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70%), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen mit Sozialhilfebezug.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (1), Janet Cardiff and George Bures Miller (1), Lehmbruck Museum (1), Britta Lauer (1), Marta Colombo (1)

 
 

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Umfrage: Konjunkturlagebericht der Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet

Energie- und Rohstoffpreise bremsen die Wirtschaft ebenso wie G2-Regeln in Einzelhandel und Gastronomie
Von Petra Grünendahl

Grafik aus dem des 108. Ruhrlagebericht. Quelle: Ruhr-IHKs.

Knapp zwei Drittel der befragten Unternehmen im Ruhrgebiet nannten die stark gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise das größte Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung (Herbst 2021: knapp 60 Prozent). Im Verkehrs- und Logistikbereich liegt dieser Anteil bei 72 Prozent und in der Industrie sogar bei 85 Prozent. Unterm Strich bilanzieren 58 Prozent der Unternehmen, dass sie in erheblichem Umfang von Preisanstiegen betroffen sind. „Diese starken Preisanstiege sind eine Folge des Mangels. Angebot und Nachfrage klaffen weit auseinander. Die Wirtschaft im Ruhrgebiet leidet unter anhaltenden Problemen bei der Beschaffung von Vorprodukten sowie Rohstoffen und steht vor enormen logistischen Herausforderungen“, machte Heinz-Herbert Dustmann, Präsident der für die Ruhr-IHKs aktuell federführenden IHK zu Dortmund, deutlich. Der Gesamtausblick der Ruhrwirtschaft fällt weniger pessimistisch aus: 16 Prozent der befragten Unternehmen bewerten die nahe Zukunft negativ, 22 Prozent erwarten bessere und das Gros von 62 Prozent gleich bleibende Geschäfte. Sorgen bereiten den Ruhr-IHKs jedoch verschiedene Unsicherheitsfaktoren, die eine weitere Erholung der Unternehmen gefährden können.

 

Pressekonferenz zur Vorlage des 108. Ruhrlageberichts (v. l.): Michael Bergmann (Hauptgeschäftsführer IHK Mittleres Ruhrgebiet in Bochum), Heinz-Herbert Dustmann (Präsident IHK zu Dortmund) und Stefan Schreiber (Hauptgeschäftsführer IHK zu Dortmund). Foto: Stephan Schütze / IHK zu Dortmund.

Zum Jahresbeginn hat die Ruhrwirtschaft insgesamt die schlimmsten Auswirkungen der Corona-Pandemie überwunden, wie die aktuelle Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammern (IHKs) im Ruhrgebiet zeigt. Im Pressegespräch stellten Michael Bergmann, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittleres Ruhrgebiet (Bochum), sowie IHK-Präsident Heinz-Herbert Dustmann und Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber (beide IHK zu Dortmund) die Ergebnisse der Umfrage im Detail vor. Im Vorjahresvergleich präsentieren sich viele Unternehmen gegenwärtig in einer robusteren Verfassung. Gegenüber der Herbstumfrage hat sich die Stimmung jedoch wieder leicht eingetrübt. Heinz-Herbert Dustmann betonte: „Die flächendeckenden 2G- oder 2G+-Regelungen haben seit dem Spätherbst vor allem im Handel- und Dienstleistungsbereich ihre Spuren hinterlassen. Die nachhaltige Erholung unserer Wirtschaft ist alles andere als ein Selbstläufer und die Liste der Konjunkturrisiken ist lang.“

 

 
Gastgewerbe und Einzelhandel beklagen Zugangsbarrieren

Foto: Jacqueline Wardeski / Niederrheinische IHK.

Zu kämpfen haben mit den Corona-Auswirkungen nach wie vor der Einzelhandel und das Gastgewerbe, die beide eher nie Infektionstreiber waren. „Ich habe deshalb kein Verständnis dafür, dass die 2G-Zugangsbeschränkung für den Nicht-Lebensmitteleinzelhandel in Nordrhein-Westfalen aufrechterhalten wird. Der Einzelhandel war nie ein Infektionstreiber. Je länger diese Zugangsbarriere beibehalten wird, umso gravierender sind die negativen wirtschaftlichen Folgen für die Betriebe in den Innenstädten und Stadtteilzentren“, betonte Dustmann. Immerhin muss der Einzelhandel ab heute nur noch stichprobenweise überprüfen und nicht mehr direkt beim Zugang zum Geschäft. Denn die Kontrollen sind nicht nur zeitaufwändig, sondern schrecken auch Kunden ab. Deswegen fordern die IHKs, man solle die 2G-Regel im gesamten Einzelhandel aufheben.

 
Dramatisch stellt sich die Situation gegenwärtig im Gastgewerbe dar: Sieben von zehn Unternehmen geht es eigenen Angaben zufolge schlecht, bei der Herbstumfrage 2021 war nur ein Drittel so pessimistisch. Fast zwei Drittel der Gastronomen melden verringerte Umsätze, was in erster Linie auf das stark eingeschränkte Weihnachts- und Silvestergeschäft zurückzuführen sein dürfte. Fast folgerichtig ist die aktuelle Finanzlage auch nur bei gut einem Fünftel der Betriebe im Gastgewerbe unproblematisch. Gut sechs von zehn Unternehmen melden hingegen einen Rückgang des Eigenkapitals und rund zwölf Prozent sind sogar von einer Insolvenz bedroht. Für die kommenden Monate geht fast jeder dritte Gastronomiebetrieb sogar von einer noch schlechteren Geschäftslage aus.

 
 
Konjunktur-Risiken: Lieferengpässe, Fachkräftemangel und marode Verkehrsinfrastruktur

Grafik aus dem des 108. Ruhrlagebericht. Quelle: Ruhr-IHKs.

Insgesamt bewerten 84 Prozent aller befragten Unternehmen im Ruhrgebiet ihre Geschäftslage mit gut oder befriedigend. Im vergangenen Herbst waren es 87 Prozent und vor einem Jahr 74 Prozent. Von schlechten Geschäften berichten aktuell 16 Prozent. Der Konjunkturklimaindex liegt bei 115 Punkten (Herbst 2021: 122 Punkte, Jahresbeginn 2021: 100 Punkte). Als Stabilisator der wirtschaftlichen Situation erweist sich einmal mehr die Industrie: Neun von zehn Betrieben zeigen sich in einer guten Verfassung.

 

Grafik aus dem des 108. Ruhrlagebericht. Quelle: Ruhr-IHKs.

Der Mangel an Vorleistungen, insbesondere Halbleiter, elektronische Bauteile, Baumaterialien, Metalle, Chemikalien und Papier, hat sich jedoch in einigen Industriebereichen zu einer wesentlichen Bremse für den Aufschwung entwickelt. 83 Prozent der Unternehmen sind von Lieferengpässen betroffen, drei Viertel berichten über Ertragseinbußen, 53 Prozent von gestiegenem Planungsaufwand. Fast 30 Prozent dieser Unternehmen rechnen erst im zweiten Halbjahr 2022 mit einer besseren Versorgung bei relevanten Rohstoffen. 35 Prozent erwarten sogar keinerlei Verbesserung.

 
Ein fast schon chronisches Wachstumsrisiko stellt für sechs von zehn Unternehmen der Fachkräftemangel dar. Im Herbst sah es ähnlich aus. Erneut ist es das Gastgewerbe, das besonders zu leiden hat. Sieben von zehn Betrieben sind vom Fachkräftemangel besonders betroffen. Denn die Corona-Einschränkungen der vergangenen knapp zwei Jahre haben dazu geführt, dass sich viele Mitarbeiter umorientiert haben und nun dauerhaft fehlen.

 
Die marode Verkehrsinfrastruktur im Ruhrgebiet ist ein altbekanntes Problem, das durch die Ereignisse der vergangenen Wochen aktueller denn je geworden ist. „Die Vollsperrung und der notwendige Abriss der A45-Talbrücke bei Rahmede sind eine Katastrophe für die Wirtschaft. Der starke Industrieraum Südwestfalen wird förmlich vom Ruhrgebiet abgeschnitten“, erklärte Dustmann. Ein moderner Wirtschaftsstandort wie das Ruhrgebiet könne ohne intakte Verkehrsinfrastruktur auf Dauer nicht funktionieren. „Bei der Instandsetzung und dem Neubau von Autobahnen, Schienenwegen und Wasserstraßen ist viel zu lange gespart worden. Und jetzt zahlen wir die Zeche“, so der IHK-Präsident, der ein deutlich schnelleres Planungs- und Genehmigungsverfahren für Neubauten und ein intelligentes Verkehrsmanagement forderte.

 

 
Konjunkturumfrage der IHKs im Ruhrgebiet

Grafik aus dem des 108. Ruhrlagebericht. Quelle: Ruhr-IHKs.

Die IHKs im Ruhrgebiet fragen zwei Mal im Jahr (zum Jahresanfang und im Herbst) bei ihren Mitgliedsunternehmen unter anderem danach, wie sie ihre gegenwärtige wirtschaftliche Lage beurteilen, ob sie von Insolvenz bedroht sind und mit welcher Geschäftsentwicklung sie in den kommenden Monaten rechnen. Bei der Umfrage zum Jahresbeginn 2022 hatten sich fast 900 Unternehmen mit insgesamt 120.000 Beschäftigten beteiligt. Auch die Unternehmen im hiesigen IHK-Bezirk haben zum Ruhrlagebericht beigetragen. Zu den Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet zählen neben der Niederrheinischen IHK Duisburg, Wesel, Kleve zu Duisburg die IHK Mittleres Ruhrgebiet Bochum, die IHK zu Dortmund, die IHK für Essen, Mülheim an der Ruhr, Oberhausen zu Essen, die Südwestfälische IHK zu Hagen und die IHK Nord Westfalen (mit dem Standort Gelsenkirchen für die Emscher-Lippe-Region).

Mehr zum 108. Konjunkturbericht der IHKs im Ruhrgebiet findet man hier: www.ihks-im-ruhrgebiet.de.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Stephan Schütze / IHK zu Dortmund (1), Jacqueline Wardeski / Niederrheinische IHK (1)

 
 

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Ludwiggalerie Schloss Oberhausen: Manfred Vollmer im Kleinen Schloss

Mit einem Blick für das Menschliche
Von Petra Grünendahl

Manfred Vollmer ist mit 80 großformatigen Fotografien im Kleinen Schloss der Ludwiggalerie zu sehen. Foto: Petra Grünendahl.

Fast ikonisch sind die Fotografien von Manfred Vollmer (*1944 in Torgau/Elbe) beispielsweise aus dem Arbeitskampf 1987 in Rheinhausen. Die Arbeitswelten im Ruhrgebiet, die Arbeitskämpfe und das Leben der Menschen hat er jahrzehntelang dokumentiert und auf Film gebannt. Sehr beeindruckende Fotos geben dem Betrachter Einblicke in vergangene Welten und zeugen von dem Respekt des Fotografen gegenüber den Menschen, die er fotografiert hat. Neben dem Ruhrgebiet zeigt die Retrospektive auch Reihen von Fotos beispielsweise aus der DDR und von der Wiedervereinigung 1990, von den Folgen der Havarie eines amerikanischen Öltankers in der Bretagne 1978, vom Besuch des Konzentrationslagers Auschwitz oder von Kirchenfesten in Italien. Mit der Digitalfotografie ab 2002 und besonders mit seinen Fotos vom Kulturhauptstadtjahr Ruhr 2010 wurden seine Bilder künstlerischer, ohne jedoch ihren dokumentarischen Wert zu verlieren.

 

Stellten die Ausstellung vor (v. l.): Apostolos Tsalastras, Manfred Vollmer und Dr. Christine Vogt. Foto: Petra Grünendahl.

Die neue Ausstellung „ausgelöst“ mit Fotografien von Manfred Vollmer stellte Dr. Christine Vogt, Direktorin der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen, im Pressegespräch zusammen mit Kulturdezernent Apostolos Tsalsastras und dem Fotografen selber in der Panorama-Galerie vor. Manfred Vollmers „Fotografien von 1968 bis heute“ finden Besucher im Kleinen Schloss in der Panorama-Galerie sowie im Kabinett. Die Ausstellung von Vollmers Fotografien sei ihr ein besonderes Bedürfnis gewesen, sagte Christine Vogt, die die Ausstellung in enger Zusammenarbeit mit Vollmer kuratiert hatte. Sie lobte sein gut geordnetes Archiv: „Das erlebt man nicht überall.“ Die großformatigen gerahmten Fotografien hat Manfred Vollmer für diese Retrospektive neu produziert. Die Werkschau und der Katalog zur Ausstellung werden vom Freundeskreis der Ludwiggalerie gefördert. Eine Ausstellungseröffnung (Vernissage) darf es wegen Corona nicht geben, dafür ist die Schau aber schon ab Samstag, 5. Februar, für das Publikum geöffnet. Den Flyer zur Ausstellung gibt es hier.

 

 
Manfred Vollmer

Arbeitskämpfe: Fotografien von Manfred Vollmer in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

„Mein Revier ist das Revier“ lautete für Jahrzehnte das Motto des in Essen lebenden Fotografen Manfred Vollmer. Und doch gingü sein Interesse und seine fotografische Arbeit sehr viel weiter. Geboren wurde er 1944 in Sachsen. 1946 bekam sein Vater Arbeit in der Nähe von Freiburg, wo Vollmer dann aufwuchs. Ins Ruhrgebiet kam er 1965 zum Studium an der Folkwang Hochschule bei Otto Steinert, den der Fotograf als kompromisslosen Lehrer bezeichnete: „Das hat mir mit meinen Ansprüchen an die eigene fotografische Qualität gut getan.“

Kirchenfeste in Italien: Fotografien von Manfred Vollmer in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Bereits das erste große Projekt, seine Abschlussarbeit an der Folkwangschule in Essen zum Thema „Kirchenfeste in Italien“, führte ihn Ende der 1960er Jahre immer wieder vor allem nach Süditalien. Seit 1970, nach dem Examen an der Folkwangschule mit Folkwangpreis, arbeitete er als freier Fotograf vor allem für Wochen- und Tageszeitungen, für Verlage und Gewerkschaften, besonders für die IG Metall. Er baute sich systematisch ein Archiv mit einem großen Themenspektrum auf. In den 1970er Jahren reiste Vollmer wiederholt in die DDR, wo er als Besucher, ohne Akkreditierung, Alltagsszenen, Städtebilder etc. fotografierte. Die Fotoserie über die Wiedervereinigungsfeier in Berlin Anfang Oktober 1990 ist ihm ein großes Anliegen. Seine Arbeit ist – und dies sieht man bis heute – so überzeugend, dass er mehrfach dafür ausgezeichnet wird. 1978 reiste er in die Bretagne, um als Bildreporter über die Ölpest zu berichten, die die Havarie des amerikanischen Tankers Amoco Cadiz verursacht hat. Dafür erhielt er den ersten Preis beim World Press Photowettbewerb in der Kategorie „News Picture Stories“. In den 1990er Jahren arbeitete er für die IBA Emscher Park und begleitete zahlreiche der Strukturwandelprojekte.

Arbeiter: Fotografien von Manfred Vollmer in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Seinen persönlichen Strukturwandel erlebte Manfred Vollmer im Jahr 2002, als er konsequent auf Digitalfotografie umstellte: „Seitdem verstehe ich die Arbeiter, die um ihre Arbeitsplätze bangten“, erklärte Vollmer. Hieß es in analogen Zeiten „heute noch“ liefern, sei dies in Zeiten der Digitalfotografie zu „wann heute?“ geworden. Die Belastung der Fotografen sei dadurch höher als im goldenen Zeitalter der Fotografie, welches er selber in den 1970er-Jahren noch erleben durfte, bekundete der Fotograf, der seine fotografische Heimat immer noch in der schwarz-weißen Analogfotografie sieht. Sein analoges Archiv ist seit 2006 im Besitz des Ruhr Museums auf der Zeche Zollverein in Essen.

Katalog zur Ausstellung „Manfred Vollmer ausgelöst“. Foto: Petra Grünendahl.

Die Ludwiggalerie widmet diesem wichtigen Bildfinder unter dem Titel „ausgelöst“ nun mit knapp 80 programmatischen Aufnahmen eine überblickende Werkschau. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der erstmals in einer monografischen Publikation Vollmers fotografisches Werk ausführlich vorstellt. Das 128-seitige Werk „MANFRED VOLLMER – ausgelöst“ enthält Fotografien von 1968 bis heute und wurde herausgegeben von Christine Vogt. Erschienen im Kerber Verlag, Bielefeld, ist er für 29,80 Euro an der Museumskasse, im Shop im Kleinen Schloss sowie im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-7356-0842-0).

 

 
Ludwiggalerie Schloss Oberhausen

Bücher: Fotografien von Manfred Vollmer in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Die Sonderausstellung im Kleinen Schloss läuft bis zum 15. Mai 2022. Im Großen Schloss laufen bis zum 8. Mai die Ein-Raum-Ausstellung „VINYL! Die Comic-Cover“ (hier unser Bericht) sowie die Sonderausstellung „Ruhrgebietschronist trifft Kulturlegende: Rudolf Holtappel und Walter Kurowski – Eine foto_grafische Begegnung“ (hier ist unser Bericht)

Auschwitz: Fotografien von Manfred Vollmer in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Das Ausstellungshaus ist geöffnet von Dienstag bis Sonntag zwischen 11 und 18 Uhr. Montags ist Ruhetag, feiertags sowie Oster- und Pfingstmontag ist jedoch geöffnet. Geschlossen ist am 24., 25. und 31. Dezember sowie 1. Januar. Der Eintritt kostet 8,00 Euro (ermäßigt 4,00 Euro, Familien mit zwei Erwachsenen plus Kindern 12,00 Euro). Außerdem gibt es ein Kombiticket mit dem Gasometer Oberhausen für 14,00 Euro. Im Kleinen Schloss ist der Eintritt frei.

 

DDR und Wiedervereinigung: Fotografien von Manfred Vollmer in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Öffentliche Führungen finden im Großen Schloss sonn- und feiertags um 11.30 Uhr statt. Zur Kuratorinnenführung lädt Dr. Christine Vogt an zwei Sonntagen, am 6. März und am 15. Mai, um 15 Uhr ins Kleine Schloss. Den Vortrag „Manfred Vollmer – Fotografien aus dem Ruhrgebiet“ hält Dr. Susanne Sommer, Direktorin des Kultur- und Stadthistorisches Museums Duisburg (KSM), am Sonntag, 20. März, um 15 Uhr. Alle Führungen sind im Museumseintritt inklusive. Details zum Rahmenprogramm zu den Ausstellungen sowie zum museumspädagogischen Angebot gibt es hier. Tagesaktuelle Informationen zu den Corona-Regeln auf gibt es auf der Website.

 
Die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen ist eines der 21 RuhrKunstMuseen. Sie befindet sich an der Konrad-Adenauer-Allee 46 in 46049 Oberhausen. Anfahrt am besten über die A42, Abfahrt Oberhausen-Zentrum. Weitere Infos: ludwiggalerie.de.

 
Impressionen aus der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl

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© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Bündnis verleiht Duisburger Preis für Toleranz und Zivilcourage 2022

Friedensaktivistin Inge Holzinger erhält Preis 2022 für ihr Lebenswerk
Von Petra Grünendahl

Laudator Dr. Klaus Hänsch. Foto: Petra Grünendahl.

Er selbst habe in frühester Jugend noch den zweiten Weltkrieg und seine Folgen erlebt und dies nie vergessen können, sagte Laudator Dr. Klaus Hänsch (*1938 in Schlesien). Das habe sein politisches Handeln geprägt, so der Europa-Parlamentarier (1979-2009) und Parlamentspräsident a. D., bei der Preisverleihung des Bündnisses für Toleranz und Zivilcourage.

Preisträgerin 2022 Inge Holzinger am Podium. Foto: Petra Grünendahl.

Preisträgerin 2022 ist die ehemalige Lehrerin Inge Holzinger (89), die für ihr Lebenswerk geehrt wird: Auch sie engagiert sich aus ihrer eigenen Erfahrung von Krieg, Vertreibung und Flucht seit vielen Jahrzehnten als Friedensaktivistin unter anderem beim Friedensforum Duisburg. Wichtig waren ihr – auch als Lehrerin – die Aufklärung über Kriege, ihre Ursachen und Folgen – und das Engagement für deren Verhinderung. Menschen zusammenbringen, um ihnen Lebensperspektiven zu eröffnen, treibt sie bis heute an. Selbst in ihrem hohen Alter ist sie eine aktive Antifaschistin und Stimme für Toleranz und Zivilcourage, die das politische Geschehen immer noch aufmerksam und kritisch beobachtet.

 

Zwei Jahrgänge von Preisträgern des Bündnisses für Toleranz und Zivilcourage (v. l.): Angelika Wagner (DGB), Jannik Neuhaus (Jusos), Rabbiner David Geballe, Jülide Celenk (Jusos), Frank Börner MdL, Preisträgerin Inge Holzinger vor ihrem Laudator Dr. Klaus Hänsch, Bündnis-Sprecher Rainer Bischoff, BDKJ-Geschäftsführer Henning Gerlach, Simon Lenz und Florence Mankenda (beide BDKJ). Foto: Petra Grünendahl.

Traditionell fand die Verleihung des Preises für Toleranz und Zivilcourage am Holocaust-Gedenktag (27. Januar) im Gemeindesaal der Jüdischen Gemeinde Duisburg Mülheim Oberhausen im Innenhafen statt. „An einem Tag, an dem überall der Opfer gedacht wird, schauen wir hier mit der Auszeichnung für Engagement auch optimistisch in die Zukunft“, hob Bündnis-Sprecher Rainer Bischoff den besonderen Charakter dieser Preisverleihung hervor. Er bedauerte, dass man nicht jeden mit diesem Preis ehren könne, der es verdient habe. „Wir freuen uns immer über sehr viele sehr gute Vorschläge“, erklärte Angelika Wagner, und: „Es ist gut zu wissen, dass es hier viele Menschen gibt, die nicht wegschauen und abwarten, sondern selber etwas tun!“ Die Ausschreibung des Preises im Herbst eines jeden Jahres ist immer mit einem Schwerpunkt-Thema verbunden, aus dem die vorgeschlagenen Personen mit ihren Tätigkeiten stammen sollten. Musikalisch begleitet hat diese Veranstaltung das Duo Charme mit Mariia Kostina (Querflöte) und Oksana Shnit (Klavier), die eine gelungene Auswahl an Werken von Haydn, Beethoven und Schubert zum Besten gaben.

 

 
Preisträger für 2021

Das Bündnis für Toleranz und ZIvilcourage übergibt die Preise. Foto: Petra Grünendahl.

Im vergangenen Jahr, als der öffentliche Preisverleihung zum Bedauern aller Beteiligten wegen Corona ausfallen musste, hatte das Bündnis nach Menschen gesucht, die sich in Zeiten der Pandemie für hilfsbedürftige Menschen eingesetzt hatten. Stellvertretend für so viele (auch unbekannte) Duisburger „Alltagshelden“ hatte das Bündnis hier zwei Jugendorganisationen geehrt: Preisträger waren der Duisburger Stadtverband des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) sowie der Duisburger Stadtverband der Jungsozialisten (Jusos). „Diese Generationen übergreifenden und Nachbarschaften verbindenden Hilfsangebote sind für den Zusammenhalt unserer Stadtgesellschaft von großer Bedeutung“, lobte der damalige Bündnis-Sprecher und ehemalige Superintendent des Kirchenkreises Duisburg Armin Schneider diese gelebte Solidarität. Hier zeige sich einmal mehr, dass „wir in Duisburg ganz unabhängig von Alter, Gesundheit, Nationalität und religiöser Herkunft zusammen stehen“, hatte auch Oberbürgermeister Sören Link, als OB Schirmherr des Bündnisses, die Preisträger gewürdigt.

 

 
Duisburger Bündnis für Toleranz und Zivilcourage

Bündnis für Toleranz und Zivilcourage: Logo.

Das Bündnis für Toleranz & Zivilcourage ist ein Zusammenschluss zivilgesellschaftlicher Organisationen und Einrichtungen aus Duisburg. Es setzt sich ein für eine lebendige Kultur der Erinnerung und engagiert sich für ein gutes, von Toleranz und Respekt geprägtes Zusammenleben in unserer multikulturellen und multireligiösen Stadtgesellschaft.

Das Bündnis wurde im Jahr 2000 nach dem Anschlag auf die Düsseldorfer Synagoge gegründet. Getragen von dem Gefühl „Wir müssen etwas tun“, rief man damals für den 27. Januar — dem Auschwitz-Gedenktag — zu einer Menschenkette rund um die Duisburger Synagoge auf, an der sich spontan viele Duisburger Bürger beteiligten. Mit diesem symbolischen „menschlichen Schutzwall“ wurde ein eindrucksvolles Zeichen dafür gesetzt, dass in Duisburg für Antisemitismus kein Platz ist.

Seither verleiht das Bündnis jährlich zum Holocaust-Gedenktag seinen „Preis für Toleranz und Zivilcourage“ an Duisburger Gruppen und Einzelpersonen für deren engagiertes Eintreten gegen Hass, Fremdenfeindlichkeit und religiösen Fanatismus. Außerdem hat sich das Bündnis auch immer wieder an Aktionen gegen rechte Kräfte beteiligt, die in unserer Stadt Fuß fassen wollen.
www.toleranz-zivilcourage-duisburg.de

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Ludwiggalerie Schloss Oberhausen zeigt Rudolf Holtappel und Walter Kurowski

Ruhrgebietschronist trifft Kulturlegende: Eine foto_grafische Begegnung
Von Petra Grünendahl

Stellten die neue Ausstellung vor (v. l.): kuratorinnen Kerrin Postert und Miriam Hüning mit Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt. Foto: Petra Grünendahl.

„Wir freuen uns, unsere beiden Künstler hier zusammen präsentieren zu können“, erklärte Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt. Die beiden Oberhausener Künstler haben viele Berührungspunkte:

Krupp-Arbeitskampf Rheinhausen: Walter Kurowski in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Rauchende Schlote und Industriewüsten, streikende Arbeiter – zahlreiche Themen des Ruhrgebiets finden und begegnen sich in der Fotografie von Rudolf Holtappel (1923–2013) und in der Malerei und Grafik von Walter Kurowski (1939–2017). Diese werden hier in der Ausstellung teilweise gegenübergestellt in ihren unterschiedlichen Stilen: Die Fotografien scheinbar objektiv, die Illustrationen und speziell die Karikaturen sehr politisch. „Ich finde, sie ergänzen sich“, so Vogt. Was besonders dort deutlich wird, wo ein Werk des einen in der Monografie des anderen hängt. Obwohl beide in Oberhausen lebten, blickten sie auch immer wieder künstlerisch zum südwestlichen Nachbarn nach Duisburg.

 

Ruhrgebietschronist trifft Kulturlegende in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen präsentiert Fotografien des Oberhausener „Ruhrgebietschronisten“ Rudolf Holtappel zusammen mit Malerei, Plakaten, Illustrationen und Karikaturen des Oberhausener Zeichners Walter Kurowski. Die Direktorin der Ludwiggalerie stellte die Sonderausstellung gemeinsam mit den Kuratorinnen Miriam Hüning (Holtappel) und Kerrin Postert (Kurowski) im Pressegespräch vor. Die Kuratorinnen haben als wissenschaftliche Mitarbeiterinnen die beiden künstlerischen Nachlässe, die seit 2017 die Sammlung der Ludwiggalerie bereichern, aufgearbeitet und erschlossen.

Arbeiter: Ruhrgebietschronist Rudolf Holtappel in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Sie wurden retrospektiv bereits einzeln präsentiert und stehen sich nun erstmalig in einer gemeinsamen Ausstellung direkt gegenüber. In eigenen monografischen Räumen werden zusätzlich die zentralen Themenschwerpunkte der beiden Künstler gezeigt. Die gesamte künstlerische Breite Rudolf Holtappels wird durch die Motive der Warenhausfotografie, Theateraufnahmen und Industriekulissen präsentiert. Malerei, Plakate, Karikaturen und Zeichnungen demonstrieren die Vielfalt im Schaffen von Walter Kurowski. Die Ausstellung ist ab Sonntag, 23. Januar, für das Publikum geöffnet.

 

 
Echte Oberhausener Kulturschätze

Innenhafen: Ruhrgebietschronist Rudolf Holtappel in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Rudolf Holtappels Nachlass mit etwa 360.000 Negativen in Schwarz-Weiß und Farbe, mehr als 6.000 Fotoabzügen und über 600 Diapositivbögen wurde 2017 von der Stadt Oberhausen angekauft. Im gleichen Jahr wird der Nachlass Walter Kurowskis mit über 3.000 Werken erworben. Dank der Unterstützung des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) konnten die Nachlässe wissenschaftlich und konservatorisch aufgearbeitet werden. Die Ausstellung in der Ludwiggalerie würdigt mit über 250 fotografischen Arbeiten von Rudolf Holtappel und über 150 Exponaten von Walter Kurowski diese wichtigen Oberhausener Protagonisten. Kulturpartner ist WDR 3. Den Flyer zur Ausstellung gibt es hier zum Download.

 
Biografien und Kataloge zur Ausstellung

Ruhrgebietschronist Rudolf Holtappel in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Der Ruhrgebietschronist RUDOLF HOLTAPPEL (1923–2013), arbeitet nach seiner Meisterprüfung in der Fotografie 1950 als freier Bildjournalist und Fotograf. Der Wahl-Oberhausener prägt mit seiner Bildsprache jahrzehntelang das visuelle Erscheinungsbild des Warenhauskonzerns Karstadt (1964–1995) sowie zahlreicher Industrieunternehmen an Rhein und Ruhr, darunter Henkel (1974–2002). Seine Aufnahmen beeinflussen das Bild des Theater Oberhausens in der Ära Büch (1961–1970) und Ära Weise (1992–2003) sowie der Stadtbildbände namhafter Verlage (Carl Lange Verlag/Mercator-Verlag).

 

Die Kataloge zu Ruhrgebietschronist trifft Kulturlegende in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

RUDOLF HOLTAPPEL – Die Zukunft hat schon begonnen. Ruhrgebietschronist Theaterdokumentarist Warenhausfotograf. Eine fotografische Werkschau von 1950–2013; herausgegeben von Miriam Hüning und Christine Vogt, 2. Auflage, 272 Seiten, Verlag Kettler, 29,80 Euro (ISBN 978-3-86206-815-9). Diese Ausstellung hatten wir 2020 besucht: Unser Bericht.

 

Selbstportrait: Walter Kurowski in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

WALTER KUROWSKI (1939–2017) bewegt als Kulturlegende und einziger Oberhausener Stadtkünstler über 50 Jahre lang die künstlerische und musikalische Szene der Stadt und malt und zeichnet sich so in ihr Gedächtnis. Der prämierte Absolvent der Folkwangschule kämpft mit seiner Kunst als einer der deutschlandweit wichtigsten Karikaturisten in den 1970er und 1980er Jahren an der Seite der Arbeiter für Frieden und Gerechtigkeit und gegen Unterdrückung und Ausbeutung. Als Plakatgestalter erhält er jahrzehntelang Aufträge für Kulturveranstaltungen, politische Organisationen und Gewerkschaften.

 

Selbstportrait: Walter Kurowski in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

WALTER KUROWSKI – Künstler Karikaturist Kulturlegende. Eine Werkschau von 1956–2015; herausgegeben von Kerrin Postert und Christine Vogt, 160 Seiten, 29,80 Euro (ISBN 978-3-932236-45-7).

 

 
 
 
Impressionen aus der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl

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Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen

Plaket der BI gegen den Abriss der Rheinpreußensiedlung: Walter Kurowski in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Die Sonderausstellung im Großen Schloss läuft bis zum 8. Mai 2022. Das Museum ist geöffnet von Dienstag bis Sonntag zwischen 11 und 18 Uhr. Montags ist Ruhetag, feiertags sowie Oster- und Pfingstmontag ist jedoch geöffnet. Geschlossen ist am 24., 25. und 31. Dezember sowie 1. Januar. Der Eintritt kostet 8,00 Euro (ermäßigt 4,00 Euro, Familien mit zwei Erwachsenen plus Kindern 12,00 Euro). Außerdem gibt es ein Kombiticket mit dem Gasometer Oberhausen für 14,00 Euro.

 

Kulturhauptstadt Ruhr 2010: Walter Kurowski in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Öffentliche Führungen finden im Großen Schloss sonn- und feiertags um 11.30 Uhr statt. Zudem gibt es Kuratorinnenführungen (mit Miriam Hüning und Kerrin Postert, jeweils sonntags: am 6. Februar, 6. März und 4. März, jeweils um 15 Uhr) und Direktorinnenführungen mit Dr. Christine Vogt (jeweils mittwochs: am 9. Februar und 27. April, jeweils um 16 Uhr). Alle Führungen sind im Museumseintritt inklusive. Details zum Rahmenprogramm zu den Ausstellungen – hier sind es mehrere Lesungen, eine Podiumsdiskussion sowie das Jazz-Karusssell als Gast – sowie zum museumspädagogischen Angebot gibt es hier. Tagesaktuelle Informationen zu den Corona-Regeln auf gibt es auf der Website.

 

VINYL! Die Comic-Cover in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Ebenfalls bis zum 8. Mai 2022 zeigt die Ludwiggalerie in einer Ein-Raum-Ausstellung „VINYL! Die Comic-Cover“ ausgewählte Exemplare von Comic-Plattencovern aus der Sammlung von Eckart Sackmann als Präsentation in Verbindung mit einer Videoinstallation und der entsprechenden musikalischen Untermalung. Hier mehr …

 

Hot Pants auf der Marktstraße: Ruhrgebietschronist Rudolf Holtappel in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Ab 6. Februar 2022 zeigt die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen im Kleinen Schloss „ausgelöst“, Fotografien von 1968 bis heute von Manfred Vollmer (bis 15. Mai 2022).

 
Die LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen ist eines der 21 RuhrKunstMuseen. Sie befindet sich an der Konrad-Adenauer-Allee 46 in 46049 Oberhausen. Anfahrt am besten über die A42, Abfahrt Oberhausen-Zentrum. Weitere Infos: ludwiggalerie.de.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Ludwiggalerie Schloss Oberhausen zeigt „VINYL! Die Comic-Cover“

Comic-Kunst für den Plattenschrank
Von Petra Grünendahl

VINYL! Die Comic-Cover in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

„Progressive“ Musik mit ihren Klangwelten und Gitarrenorgien, aber auch der Comic veränderten die letzten Jahrzehnte des analogen Zeitalters. Letzterer entwickelte sich in den 70ern und 80ern zu einer vielfältigen, alle Themen und Altersgruppen erreichenden Bildersprache.

VINYL! Die Comic-Cover in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Die Schöpfer der neuen Erwachsenencomics lebten mit der Musik ihrer Zeit. Moebius und Bisley waren die Frontmen, die Stars dieser lauten Literatur. So blieb es nicht aus, dass ihre Kunst auch in der Musik ihren Niederschlag fand: In der Gestaltung von LP-Plattencovern, die – vor dem Siegeszug der kleinformatigen CD – ihren Schwanengesang anstimmten. „VINYL! Die Comic-Cover“ erzählt in vielen Beispielen diese wundersame Symbiose der Popkultur. Für die Ausstellung an Wänden in einem Raum präsentiert wirkt jedes einzelne Plattencover für sich – noch einmal viel eindringlicher und einprägsamer als im heimischen Plattenschrank.

 

VINYL! Die Comic-Cover in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Für die neue Ein-Raum-Ausstellung „VINYL! Die Comic-Cover“ in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen hat der Kurator Dr. Eckart Sackmann die schönsten Exemplare dieser Comic-Plattencover aus seiner Sammlung zusammengetragen. Durch ihre besondere Präsentation wird der Ausstellungsbesuch zum Erlebnis: Eine Videoinstallation und die entsprechende musikalische Untermalung lassen den Besucher in das Universum der Popkultur eintauchen. Die Einraumschau läuft bereits seit dem vergangenen Sonntag und wird gefördert vom Freundeskreis der Ludwiggalerie. Kulturpartner ist WDR 3.

 

 
Die Welt ist eine schwarze Scheibe

VINYL! Videoinstallation mit musikalischer Untermalung. Foto: Petra Grünendahl.

Als Anfang der 90er Jahre die Langspielplatten (LPs) dann aus den ehemaligen „Schallplattenläden“ verschwanden, hatten die Comics gerade ihren ersten Höhenflug erreicht. Seit den späten 60er Jahren – mit der Pop Art, dem Underground, aber auch im Zuge der Nostalgiebewegung – setzte sich die Erkenntnis durch, dass Comics nicht nur eine primitive Lektüre für die Kinder ungebildeter Eltern waren. Comiczeichner und -autoren entdeckten neue Welten abseits von „Micky Maus“ und „Tim und Struppi“. Die 80er-Jahre waren das Experimentierfeld der neuen „Erwachsenencomics“. Aus den USA, insbesondere aber aus Frankreich, fanden diese Comics ihren Weg schließlich auch nach Deutschland.

 

VINYL! Die Comic-Cover in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Für die Kreativszene lag beides, (Rock-)Musik und Comics, nah beieinander. Comiczeichner, die bei der Arbeit Musik hörten, hatten den Ehrgeiz, wenigstens einmal das Cover einer LP zu gestalten. In Deutschland waren es die Satirezeitschrift pardon und ihr Mitarbeiter Lutz Reinecke, die ab Anfang der 70er-Jahre die neue Kultur in die WGs und an die Öffentlichkeit brachten – hierzulande der erste Ansatz, die beiden Ausdrucksformen Musik und Comic gemeinsam zu vermarkten.

VINYL! Die Comic-Cover in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Mit dem Siegeszug der CD schien diese kulturelle Umarmung zunächst ausgebremst zu sein. Heute erleben wir eine Renaissance der Schallplatte, für Comiczeichner ist dieses Medium allerdings uninteressant geworden. Was bleibt, ist die Erinnerung an die „goldene Zeit“, an viele wunderbare Kunstwerke, mit denen sich die Stars von damals ihren Ruhm bewahrt haben. Comic-Cover von Robert Crumb, von Richard Corben und Joe Sacco, von Moebius, Enki Bilal, Hugo Pratt, Milo Manara, von Alfred von Meysenbug, Chris Scheuer und Gerhard Seyfried überraschen und erfreuen auch heute noch. Sie illustrieren die Schallplatten von Interpreten wie Janis Joplin, Jimi Hendrix, Jethro Tull, den Byrds und Guns n’ Roses.

 
Katalog zur Ausstellung

Der Katalog zu VINYL! Die Comic-Cover in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Zur Ausstellung ist im Verlag comicplus+ ein Katalog von Eckart Sackmann erschienen: Mit 112 Seiten, über 350 farbigen Abbildungen zum Preis von 20,00 Euro (Museumspreis, ISBN 978-3-89474-321-5).

 

 
Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen

VINYL! Die Comic-Cover in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Die Ein-Raum-Ausstellung im Großen Schloss läuft ebenso wie die Sonderausstellung „nebenan“ (Rudolf Holtappel und Walter Kurowski) bis zum 8. Mai 2022. Das Museum ist geöffnet von Dienstag bis Sonntag zwischen 11 und 18 Uhr. Montags ist Ruhetag, feiertags sowie Oster- und Pfingstmontag ist jedoch geöffnet. Geschlossen ist am 24., 25. und 31. Dezember sowie 1. Januar. Der Eintritt kostet 8,00 Euro (ermäßigt 4,00 Euro, Familien mit zwei Erwachsenen plus Kindern 12,00 Euro). Außerdem gibt es ein Kombiticket mit dem Gasometer Oberhausen für 14,00 Euro.

VINYL! Die Comic-Cover in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Öffentliche Führungen finden im Großen Schloss sonn- und feiertags um 11.30 Uhr statt. Am Samstag, 7. Mai 2022 um 16:00 Uhr, gibt es unter dem Titel „VINYL! Die Welt ist eine schwarze Scheibe“ einen Bildvortrag von Kurator Dr. Eckart Sackannn. Der Eintritt ist frei in Verbindung mit dem Museumseintritt. Alle Führungen sind im Museumseintritt inklusive. Details zum Rahmenprogramm zu den Ausstellungen sowie zum museumspädagogischen Angebot gibt es hier. Tagesaktuelle Informationen zu den Corona-Regeln auf gibt es auf der Website.

 

Ruhrgebietschronist trifft Kulturlegende in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Ebenfalls bis zum 8. Mai 2022 zeigt die Ludwiggalerie in einer Sonderausstellung „Ruhrgebietschronist trifft Kulturlegende: Eine foto_grafische Begegnung“ mit Fotografien von Rudolf Holtappel und Zeichnungen von Walter Kurowski. Hier mehr …

 

VINYL! Die Comic-Cover in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Ab 6. Februar 2022 zeigt die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen im Kleinen Schloss „ausgelöst“, Fotografien von 1968 bis heute von Manfred Vollmer (bis 15. Mai 2022).

 
Die LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen ist eines der 21 RuhrKunstMuseen. Sie befindet sich an der Konrad-Adenauer-Allee 46 in 46049 Oberhausen. Anfahrt am besten über die A42, Abfahrt Oberhausen-Zentrum. Weitere Infos: ludwiggalerie.de.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Wir wünschen unseren Lesern einen guten Start in das Jahr 2022!

Foto: Petra Grünendahl.


2022 pet

 

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Wir wünschen unseren Lesern frohe, gesegnete Weihnachten!

Foto: Petra Grünendahl.


2021 pet

 

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