Farbe bekennen! Künstlerische Positionen im Nachkriegsdeutschland Von Petra Grünendahl
Farbe bekennen! Die Sammlung Haniel im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.. __________________________
„Farbe bekennen!“ (eng. Taking a Stand!) ist der im Deutschen zweideutige Titel der Ausstellung mit Werken aus der Sammlung Haniel, der für das “Stellung beziehen” steht. Aber natürlich sind es überwiegend kräftige Farben, in denen die Kunst im Nachkriegsdeutschland die neue Freiheit postuliert. Aus dieser Haltung entwickelten Künstler ihre Positionen in Abstraktion und Informel, einer abstrakten Strömung der europäischen Nachkriegskunst aus den 1940er und 1950er Jahren. Die Werke der Sammlung Haniel ergänzen die Präsentation der deutlich größeren Sammlung Ströher, der Dauerausstellung im Museum Küppersmühle, und treten mit ihr in Dialog: „Viele Künstler in der Sammlung Haniel sind auch in der Sammlung Ströher vertreten“, erklärte Museumsdirektor Walter Smerling, wobei die Sammlung Haniel eigene Akzente setze. Die Parallelen zur Sammlung Ströher betonte auch Jutta Stolle vom kuratorischen Team der Sammlung Haniel: „Wir zeigen die Bilder sonst auf den Fluren, in Büros oder Besprechungsräumen auf dem Campus Haniel einem eingeschränkten Besucherkreis. Mit dem MKM können wir sie nun einem größeren Publikum präsentieren“, so Stolle. „Haniel ist anders etabliert. Wir hoffen, mit dieser Ausstellung nicht nur Kunstliebhaber anzulocken, sondern auch Menschen, die sonst nicht ins Museum gehen“, erklärte Smerling. „Wir wollen einen Zugang zur Kunst für alle schaffen“, waren sich Stolle und Smerling einig, denn: „Kunst bereichert!“
Farbe bekennen! Die Sammlung Haniel im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.. __________________________
Das Museum Küppersmühle für Moderne Kunst zeigt unter dem Titel „Farbe bekennen!“ Nachkriegskunst aus der Sammlung Haniel. Museumsdirektor Walter Smerling stellte die Sonderschau zusammen mit Jutta Stolle und Ivonne Bochert aus dem kuratorischen Team der Sammlung Haniel vor. Vierzig Arbeiten der 110 Werke umfassenden Sammlung sind hier zu sehen. Mit der (nach 2023/2024 erneuten) Präsentation im Museum Küppersmühle treten die Werke aus dem stärker geschützten Unternehmenskontext heraus und werden in einem öffentlichen Dialog gestellt. Die einjährige Präsentation bildet damit einen wichtigen Schritt, um die Sammlung dauerhaft als kulturellen Impuls in die Gesellschaft hinein wirken zu lassen.
Farbe bekennen! Die Sammlung Haniel im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.. __________________________
Zwar ist die Sammlung Ströher wesentlich umfangreicher, doch gerade die gezielten Ergänzungen durch Haniel ermöglichen neue Sichtweisen. Herausragende Positionen der Nachkriegsmoderne werden in einer Dichte erlebbar, die selten ist. Die Ausstellung zeigt, wie eine private Sammelleidenschaft beispielsweise der Haniels und der Ströhers öffentliches Kulturgut werden kann und damit künstlerische Freiheit immer wieder neu erfahrbar macht. Mit bedeutenden Positionen der abstrakten und informellen Nachkriegskunst ergänzt die Sammlung Haniel die Dauerausstellung des Hauses und eröffnet neue Perspektiven auf eine zentrale Epoche der Moderne. Die versammelten Werke stehen für den künstlerischen Aufbruch nach 1945: Für eine Kunst, die sich von äußeren Vorgaben löste und neue Ausdrucksformen individueller Freiheit fand. Im Dialog mit der Sammlung Ströher entstehen spannende Bezüge. Die Ausstellung im Oberlichtsaal des Erweiterungsbaus im MKM läuft bis Oktober 2027.
Die Sammlung Haniel: Der eigene Weg
Farbe bekennen! Die Sammlung Haniel im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.. __________________________
Die heutige Franz Haniel & Cie. GmbH in Ruhrort wurde 1756 gegründet, als der preußische König Friedrich II. für Franz Haniels Großvater Jan Willem Noot (1708-1770) einen Erbpachtvertrag zum Bau eines Packhauses (das heutige Haniel-Museum) unterzeichnete. Nach dessen Tod übernahm Schwiegersohn Jacob Haniel die Geschäfte, ab 1782 dessen Witwe Aletta Haniel (1742-1815). Im Jahr 1802 wurden deren Söhne Franz (1779-1868) und Gerhard zu Teilhabern des Unternehmens. Insbesondere Franz forcierte neben dem Speditionsgeschäft und der Reederei die Bereiche Kohle, Eisen und Stahl. Das Unternehmen ist heute ein Mischkonzern mit Beteiligungen aller Art und befindet sich vollständig im Besitz von Mitgliedern der Familie Haniel (Nachfahren von Aletta und ihrem Sohn Franz).
Farbe bekennen! Die Sammlung Haniel im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.. __________________________
Die Unternehmerfamilie des noch heute in Ruhrort ansässigen Familienunternehmens baute bereits seit 1983 mit großem Engagement eine Sammlung von Kunstwerken auf, die hier im MKM bereits 2023/2024 erstmals einer Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden. Das Profil der Sammlung Haniel prägte insbesondere Christian Graf Dürckheim mit seinem Konzept „Informel und sein Umfeld“. Die Präsentation von Gemälden, Grafiken und Skulpturen in der Unternehmenszentrale in Ruhrort folge dem Konzept der Kunst am Arbeitsplatz, so Smerling: Sie schaffe damit eine gelungene Verbindung von Kunst und Wirtschaft, als Inspiration für Mitarbeiter und dienen der Identitätsstiftung für Belegschaft und Kunden. In der Qualität und der konsequenten Weiterentwicklung der Sammlung spiegeln sich der Anspruch der Familie an Nachhaltigkeit und Exzellenz sowie ihr langfristiges Verantwortungsbewusstsein.
Die Ausstellung im MKM zeigt Arbeiten unter anderem von: Georg Baselitz | Jean Fautrier | Lucio Fontana | Rupprecht Geiger | K.O. Götz | Katharina Grosse | Hans Hartung | Damien Hirst | Hans Hofmann | Yves Klein | Piero Manzoni | Otto Piene | Gerhard Richter | Pierre Soulages | Fritz Winter | Wols.
Farbe bekennen! Die Sammlung Haniel im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.. __________________________
Zur Ausstellung erscheint eine Neuauflage des umfassenden zweisprachigen Katalogs der Ausstellung „Die Sammlung Haniel – Der eigene Weg“. Das reich bebilderte 216-seitige Werk ist 2024 im Wienand Verlag erschienen: Mit einem Essay von Anne-Marie Bonnet, einem Interview mit Christian Graf Dürckheim, dem geistigen Vater der Sammlung Haniel, sowie mit einleitenden Beiträgen von Walter Smerling und Maximilian Schwaiger, dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Franz Haniel & Cie. GmbH. Das Buch ist für 35 Euro im Museumsshop oder im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-86832-770-0).
Impressionen aus der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl
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Museum Küppersmühle:
Duisburger haben donnerstags freien Eintritt
Invislible Anna: Jaume Plensa im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl. ___________________________
Die sehr sehenswerte Ausstellung „Jaume Plensa – Invisilble“ in den Wechselausstellungsräumen im Erdgeschoss zu sehen wurde gerade wegen der nachvollziehbar großen Besuchernachfrage bis zum 17. Januar 2027 verlängert. Im Oberlichtsaal des Erweiterungsbaus zeigt das MKM nun bis Oktober 2027 die Sonderschau mit Nachkriegskunst aus der Sammlung Haniel. Das Museum Küppersmühle findet man im Innenhafen am Philosophenweg 55 (Haupteingang, der Parkplatz befindet sich auf der anderen Straßenseite). Mittwochs ist das Museum von 14 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis sonntags sowie feiertags von 11 bis 18 Uhr. Montags und dienstags ist Ruhetag. Der Eintritt kostet nur für die Wechselausstellungen 8 Euro (ermäßigt 4 Euro), für das gesamte Haus (inkl. Wechselausstellung) 14 Euro (ermäßigt 7 Euro). Familien (2 Erwachsene plus Kinder) zahlen 22 Euro für das ganze Haus. Kinder bis 16 Jahren haben freien Eintritt. Kindergruppen (Schule, Kita, Kinderfreizeit) zahlen 2 Euro pro Kind und Betreuer. Der Besuch der Aussichtsplattform ist gegen Aufpreis von 4 Euro beim Besuch des gesamten Hauses zubuchbar. Donnerstags haben alle Duisburger (gegen Vorlage des Personalausweises) freien Eintritt. Das MKM ist Partner der Ruhrkultur.Card. Alle Ausstellungsräume des Museums sind auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich.
MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst am Innenhafen. Foto: Petra Grünendahl. ______________________________________________
Offene Führungen durch die Sammlung sowie durch laufende Ausstellungen gibt es jeden Sonntag um 15 Uhr, aber auch nach Vereinbarung. Durch die Wechselausstellung gibt es mittwochs zwischen 15 und 16 Uhr die Führung „KunstMittwoch“. Beide Führungen sind im Eintritt enthalten. Zu den Ausstellungen bietet das MKM zudem immer wieder Themenführungen, Künstlergespräche oder Sonderformate an. Informationen zu Führungen und dem Begleitprogramm zu Ausstellungen gibt es unter www.museum-kueppersmuehle.de).
Das Museum Küppersmühle als Kunstwerk um die Moderne Kunst
MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst am Innenhafen. Foto: Petra Grünendahl. ______________________________________________
Das Museum Küppersmühle für Moderne Kunst wurde im April 1999 in einem ehemaligen Getreidespeicher im Innenhafen eröffnet. Er wurde nach Plänen der Basler Architekten Herzog & de Meuron zum Museum umgebaut. Initiator des Museumsprojekts war der Duisburger Kunstsammler Hans Grothe (1930–2019). Grothes Sammlung umfasste über 800 Werke von mehr als 40 deutschen Künstlern. Seit der Übernahme seiner Sammlung durch das Darmstädter Sammlerpaar Sylvia und Ulrich Ströher 2004/2005 stieg die Anzahl der Ausstellungsstücke und der vertretenen Künstler noch erheblich an. Insgesamt handelt es sich um eine der wichtigsten und umfangreichsten Sammlungen deutscher Kunst seit 1945. Zur Präsentation der ständigen Sammlung kommen immer wieder Wechselausstellungen hinzu. Seit 2008 war ein Erweiterungsbau geplant: Zunächst als ein „Schuhkarton“ auf den Silotürmen, der 2011 wegen Baumängeln scheiterte. Bei einem neuen Anlauf beauftragten die Ströhers 2014 das Architektenbüro Herzog & de Meuron erneut mit der Planung (Baubeginn war 2016): Der Erweiterungsbau wurde im September 2021 eröffnet. Seitdem sind im MKM in 42 Räumen auf gut 5.000 Quadratmetern etwa 320 Werke als Highlights aus der Sammlung Ströher in der Dauerausstellung zu sehen. Die Sammlung ist um ein mehrfaches größer: Schließlich sammelt das Darmstädter Ehepaar ja schon seit Mitte der 1980er-Jahre – und immer noch weiter. Der Fokus liegt auf Malerei, aber auch Skulptur, Installation und Fotografie sind vertreten. Die Sammlung umfasst zentrale Positionen der Kunstentwicklung in Deutschland, von der unmittelbaren Nachkriegszeit bis in die Gegenwart. Mit dem Tod von Ulrich Ströher im November 2025 ist die Kunstsammlung im Besitz von Sylvia Ströher und ihrer Tochter Ina.
Farbe bekennen! Die Sammlung Haniel im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.. __________________________
Das MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst als Standort der Sammlung Grothe wird seit seiner Gründung 1999 von der Stiftung für Kunst und Kultur e. V. Bonn betrieben. Die Stiftung konzipiert und organisiert die Ausstellungen und betreut die umfangreiche Kunstsammlung Ströher im MKM. Stiftungsvorsitzender und Direktor des MKM ist seit Museumsgründung Prof. Dr. h. c. Walter Smerling.