Standortqualitäten ziehen Mieter und Käufer in die Region Von Petra Grünendahl
Daniel Hartmann, Geschäftsführer der Ruhr Real GmbH, im Duisburger Innenhafen. Foto: Petra Grünendahl.
„Die Nachfrage nach Büro- und Gewerbeimmobilien ist im Ruhrgebiet insgesamt, aber vor allem auch in Duisburg sehr hoch“, erklärte Daniel Hartmann, Geschäftsführer der Ruhr Real GmbH. Besonders stark sei in Duisburg die Nachfrage in der Innenstadt inklusive entlang der Mülheimer Straße in Duissern und Neudorf: „Da spüren wir eine enorme Nachfrage, weil das Thema ÖPNV sehr wichtig ist“, so der Fachmann für Gewerbeimmobilien. „Was immer noch stark nachgefragt wird, ist der Innenhafen. Hier ist viel entstanden. Was aber nicht mitgehalten hat, sind Parkflächen. Und auch die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel ist nicht optimal“, sagte Hartmann. „Aber es hat schon was, wenn man hier in den moderneren Gebäuden sitzt und die Aussicht auf die schönen alten Speichergebäude genießen kann. Und auf der anderen Seite wurden in den alten Speichern moderne Büroflächen eingerichtet: Auch das hat was!“
Entwicklungspotenzial gibt es nicht nur im Duisburger Innenhafen. Foto: Ruhr Real GmbH.
Auf das Ruhrgebiet haben sich Hartmann und sein Geschäftspartner Christian Hansmann fokussiert, als sie 2018 die Ruhr Real GmbH gegründet haben. Beide wagten aus erfolgreichen Angestelltenverhältnissen heraus den Weg in die Selbstständigkeit. Hartmann ist gelernter Kaufmann für die Grundstücks- und Immobilienwirtschaft (IHK) und Immobilienfachwirt (IHK). Hansmann hat eine Ausbildung zum Immobilienkaufmann (IHK) absolviert und sich weiter qualifiziert zum Immobilienökonom. Kennen gelernt hatten sie sich 2010, als sie für einige Jahre gemeinsam für Brockhoff & Partner tätig waren. Danach waren sie bei unterschiedlichen Immobilien-Dienstleistern in verantwortlichen und leitenden Positionen tätig und sammelten deutschland- wie weltweit Erfahrungen. Weil sie den Gewerbeimmobilienmarkt Ruhrgebiet als interessantes Betätigungsfeld ausmachen, kamen sie für ein gemeinsames Unternehmen wieder zusammen. Mit der Ruhr Real beraten und vermitteln sie sowohl für Vermietungen als auch für den Verkauf: „Dabei nehmen wir jede Immobilie für Büro oder Gewerbe in unser Angebot auf, die wir für viel versprechend halten und die viel Potenzial bieten“, so Hartmann. Viele interessante Objekte haben sie in Duisburg, Oberhausen, Mülheim, Essen, Bochum oder Dortmund im Angebot, „aber wir vermitteln auch Gewerbeflächen in Gelsenkirchen.“ Oder auch anderswo im Ruhrgebiet und Umgebung, wo immer Interessenten auf der Suche nach guten Gewerbeobjekten sind.
Ein Wachstumsmarkt in Duisburg
Entwicklungspotenzial gibt es nicht nur im Duisburger Innenhafen. Foto: Ruhr Real GmbH.
„Duisburg hat eine ganze Menge zu bieten und sollte sein Licht nicht unter den Scheffel stellen: Wir haben hier eine tolle Lage und eine super Anbindung. Wir haben viel Grün, was die Stadt lebenswert macht, und günstige Mieten“, zählte Hartmann die Vorzüge der Stadt auf. Und selbst da, wo man hochwertiger wohnen kann, liegen die Preise vergleichsweise niedrig. „Es gibt eine Nachfrage, es gibt Investoren: auch ausländische Geldgeber, die hier investieren wollen. Man merkt, dass sich hier was tut“, so der 36-Jährige. Man solle sich mehr auf die Stärken besinnen, denn Duisburg könnte mehr mit dem Standort und seinen Vorteilen werben: Für Büro und Logistik sei hier der ideale Standort, sagte Hartmann. „Es mag Probleme geben in der Stadt, aber: Das ist hier einer der spannendsten Märkte!“
Entwicklungspotenzial gibt es nicht nur im Duisburger Innenhafen. Foto: Ruhr Real GmbH.
Eigentümer oder Investoren, die frei werdende Bestandsimmobilien kauften, finanzierten dann häufig in Revitalisierung und Umbau mit einer modernen Infrastruktur, die gerade für Büros stark nachgefragt sei, erklärte der Immobilien-Fachmann. Ehemals größerflächig genutzte Gebäudestrukturen würden teilweise in kleinere Mieteinheiten aufgeteilt, weil diese mehr Interessenten lockten: Als Beispiele nannte Hartmann das Kontorhaus am Innenhafen oder das ehemalige DVG-Verwaltungsgebäude an der Mülheimer Straße. Auch aus dem Ausland flössen Investment-Gelder nach Duisburg, um hier Gewerbeimmobilien vermarktungsreif zu machen. Im Portfolio der angebotenen Immobilien hat die Ruhr Real GmbH sowohl Neubauten als auch Bestandsimmobilien. Gefragt sind am Markt vor allem moderne sowie revitalisierte und modernisierte Büroflächen, aber auch beispielsweise Lager- und Logistikhallen jeglicher Art und Größe.
Corona bremse das Wachstum im Gewerbeimmobilien-Markt nicht aus: „Firmen können nicht alles nur mit Home Office machen. Wenn ich 100 Leute habe, brauche ich auch mindestens 70 bis 100 Arbeitsplätze, selbst wenn ich die Präsenz in Zukunft flexibler gestalten will“, erklärte Hartmann. Für soziale Kontakte, das Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Mitarbeitern und die Identifizierung mit seinem Unternehmen müssten entsprechende Räumlichkeiten vorgehalten werden. „Außerdem wollen Unternehmen an ihrem Standort ein Aushängeschild für Mitarbeiter, Dienstleister und Kunden.“
Im Innenhafen hat Ruhr Real 1.500 Quadratmeter Büroflächen an ein IT-Unternehmen vermittelt. Foto: Ruhr Real GmbH.
Ein junges IT-Unternehmen ziehe nächstes Jahr auf über 1.500 qm Büroflächen in den Innenhafen, so Hartmann: „Home Office ist für die nichts Neues, aber das persönliche Gespräch ist das Salz in der Suppe. Das Nutzerverhalten schlechthin gibt es nicht. Jedes Unternehmen braucht etwas anderes und hat eigene Vorstellungen.“ Dies müsse man bei der Vermittlung berücksichtigen. Aber, sagte Hartmann: „Natürlich haben wir in diesem Jahr gemerkt, dass sich große Konzerne bei Flächen etwas zurückgehalten haben. Abschlüsse sind aber trotzdem gelaufen.“ Dennoch: „Noch vor ein paar Monaten gingen Unternehmen hin und haben für ihre Mitarbeiter attraktive Aufenthaltsflächen geschaffen: Ist das jetzt heute alles falsch? Wohl eher nicht, aber da muss man sehen, was die Zukunft bringt.“
Ruhr Real GmbH
Die beiden Immobilien-Experten in der „Chefetage“ von Ruhr Real, Daniel Hartmann und Christian Hansmann, verfügen beide über mehr als 15 Jahre Erfahrung im Bereich Büro- und Gewerbeimmobilien. Die nationale und internationale Ausrichtung früherer Arbeitgeber haben sie bewusst aufgegeben: „Ich wollte nicht mehr ständig unterwegs sein und die Woche über in Hotelzimmern leben“, erzählte Daniel Hartmann, der mit seiner Familie in Duisburg wohnt. Der Fokus auf das Ruhrgebiet ist nicht allein der Rückkehr zu den eigenen Wurzeln geschuldet, sondern auch den Möglichkeiten, die die beiden Jungunternehmer in der Region sehen. Gewerbe-, Büro-, Hallen- und Logistikflächen stehen dabei im Vordergrund: „Die Nachfrage nach Lagerhallen ist bombastisch. ‚Das müssen wir machen’ war unser Gedanke“, so Hartmann. „Wir haben drei Mitarbeiter im Lagerhallen-Bereich, die sich fast mit nichts anderem mehr beschäftigen.“
Zunächst hatten Daniel Hartmann und Christian Hansmann mit der Ruhr Real GmbH Anfang 2018 ein kleines Büro in Bochum bezogen, wo sie dann auch Ende des Jahres ihre ersten angestellten Mitarbeiter unterbrachten. „Wir fingen mit einer Assistentin an – zunächst in Teilzeit. Dann haben wir Berater eingestellt, die auf bestimmte Bereiche der Gewerbeimmobilien-Vermittlung spezialisiert waren und unser Know-how ergänzten“, sagte der Geschäftsführer. Mittlerweile wächst die Mitarbeiterzahl stetig, so dass Hartmann und Hansmann ihren Firmensitz Ende 2019 nach Essen verlagert haben. Anfang 2021 kommen zwei weitere Mitarbeiter, so dass die Stammbelegschaft auf zehn wächst.
„Als Mitarbeiter suchen wir gut ausgebildete junge Leute, die an unsere Zukunft glauben“, erzählte der Unternehmer. „wir sind immer ansprechbar und vermitteln interessanten Kandidaten: ‚Wir wollen mit euch etwas aufbauen’.“ Ruhr Real verstehe sich, so der Unternehmer, als professioneller Dienstleister, der als Mittler und Berater Immobilien-Eigentümer mit interessierten Mietern oder Käufern zusammen bringt. „Wir kommunizieren immer offen, wie es sich für das Ruhrgebiet gehört.“ www.ruhr-real.de
Ultimative Reiseziele von Lonely Planet. Foto: Petra Grünendahl.
Es sind nicht die sonnigen Strände am Meer, die den ultimativen Reisegenuss bieten. Das Buch richtet sich vielmehr an die Entdecker unter den Reisenden als an den klassischen Strandurlauber. Nicht der Erholungswert steht im Mittepunkt, sondern das Erlebnis: Das Entdecken von Naturphänomenen, das Erkunden von außergewöhnlichen Gegenden ebenso wie von architektonischen Highlights aus der Geschichte der Menschheit. Die Ziele sind anspruchsvoll und fordern Aktivität und mitunter Ausdauer des Reisenden heraus. Zu den bekanntesten Zielen zählt da wohl die jordanische Felsenstadt Petra, aber auch die pulsierenden Metropolen London, Paris, Rom oder New York. Anderes ist einer Mehrheit von Reisenden bislang wohl eher verborgen geblieben: Tempel und Paläste, Sakralbauten, alte Städte und Stadtviertel sowie verschiedene Landschaften und Nationalparks weltweit. Auf den Plätzen 14 und 15 finden sich die ersten Ziele in Europa, obwohl der Kontinent insgesamt am häufigsten vorkommt. Das Buch wartet aber vor allem mit vielen Reisezielen auf, die weniger bekannt sind: Verteilt über die ganze Welt – inklusive Grönland und Antarktis. Inspirationen und Anregungen für Entdecker-Touren finden sich hier reichlich, auch bislang Unbekanntes zu erkunden.
Ultimative Reiseziele von Lonely Planet. Foto: Petra Grünendahl.
Der DuMont Reiseverlag hat die 2. Ausgabe der „Ultimativen Reiseziele“ mit dem Untertitel „Die 500 schönsten Erlebnisse weltweit“ vorgelegt. Erlebnisse verspricht dieses Werk dem Reisenden, der bereit ist, um spannende Erkundungen zu gehen. Verschiedene Top-Five-Interviews geben persönliche Bestenlisten wieder, die subjektiv, kurz und knackig die Favoriten begründen. Das Buch kann mit 500 Zielen auf 328 Seiten allerdings lediglich Appetithäppchen und Inspirationen bieten, was ihm allerdings auch in dieser komprimierten Form sehr gut gelingt. Wer tiefer in die Materie der einzelnen Reiseziele eindringen will, sollte dann schon zum Reiseführer greifen. Die „2. Edition“ lohnt sich übrigens auch für Käufer der Erstausgabe von 2016.
Neue Highlights spiegeln veränderte Reisegewohnheiten
Titelfoto: DuMont Reiseverlag.
Die jetzt erschiene zweite Ausgabe (2. Edition) enthält ein völlig neues Ranking mit mehr Outdoor-Erlebnissen und über 200 neuen Einträgen. Reisetrends und veränderte Reisegewohnheiten wurden da ebenso belohnt wie Nachhaltigkeit. Mit acht Sehenswürdigkeiten ist auch Deutschland unter den 500 ultimativen Reisezielen vertreten. Aus den Lonely-Planet-Reiseführern der vergangenen Jahre wurden die Highlights in einer Longlist zusammengestellt, über die die Reiseexperten und Autoren des Verlages diskutierten und abstimmten. Alle Mitglieder der Community von Lonely Planet durften dann ihre 20 Top-Sehenswürdigkeiten küren, was dann die Reihenfolge der Top-500-Rangliste ergab.
Das Buch „Ultimative Reiseziele – Die 500 schönsten Erlebnisse weltweit“ ist in der Reihe „Lonely Planet“ im DuMont Reiseverlag in Stuttgart erschienen. Das 328-seitige Hardcover-Buch im Format 23,8 x 27,8 Zentimeter ist reich bebildert und zum Preis von 29,90 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-8297-3663-3).
Impressionen aus dem Buch. Fotos: Petra Grünendahl
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Lonely Planet im DuMont Reiseverlag
Ultimative Reiseziele von Lonely Planet. Foto: Petra Grünendahl.
Der DuMont Reiseverlag aus Ostfildern (bei Stuttgart) ist spezialisiert auf Reise- und Freizeitbücher. Die Reihe „Lonely Planet“ ist eine Adaption der Bücher des australischen Verlages Lonely Planet Publishing, einer der erfolgreichsten unabhängigen Reiseverlage der Welt. Seit seiner Gründung Anfang der 1970er-Jahre ist der Verlag der Philosophie seiner Gründer Tony und Maureen Wheeler treu geblieben, Reiseinfos höchster Qualität zu bieten. Die Wheeler reisen dafür aber schon lange nicht mehr alleine: Mittlerweile arbeiten sie über ihre Verlagsbüros in Melbourne, Oakland und London mit 400 erfahrenen Autoren zusammen, die für Lonely Planet rund um den Erdball reisen. Der australische Verlag wurde mehrfach für seine hochwertige Reise-Literatur ausgezeichnet. Lonely Planet hat über 500 Titel im Programm, davon ca. 270 Reiseführer. https://www.lonelyplanet.de/
Prototyp des stählernen Familienheims wird Museumsstück Von Petra Grünendahl
Das Stahlhaus L141 soll zum Hoesch-Museum überführt werden. Foto: Petra Grünendahl.
Die Stahlhäuser fallen in dieser Siedlung nicht besonders auf. Was man zunächst für eine Fassadenverkleidung halten könnte, sind aber de facto Häuserwände: Mit PVC beschichtete Stahlbleche, die Hoesch damals unter dem Namen „Platal“ vermarktete. Der Bau eigener Fertighäuser sollte den Absatz des damals gerade entwickelten Leichtprofils sichern. In den späten 1950er-Jahren wurde der Stahl-Bungalow geplant, als der Fertighaus-Bau in Mode kam. So entstanden in der 260 Häuser umfassenden Hoesch-Siedlung in Dortmund-Hombruch 1962/63 sechs Stahlhäuser des Typs K109 (mit 109 Quadratmetern Wohnfläche), bevor die Stadt Dortmund 1965 die Baugenehmigung für den Typ L141, einen L-förmigen Bungalow mit 141 Quadratmetern, erteilte.
In zeitgeössichem Ambiente (v. l.): Dr. Karl Lauschke, Isolde Parussel und Wolfgang Weick. Foto: Petra Grünendahl.
„Es ist der einzige Bungalow der dritten Generation“, verriet Dr. Karl Lauschke, Vorsitzender der Freunde des Hoesch-Museums e. V., der zusammen mit seinem Stellvertreter Wolfgang Weick und Museumsdirektorin Isolde Parussel Pläne des Museums zur Übernahme des Gebäudes vorstellte. Das Stahlhaus, ein Hoesch-Bungalow vom Typ „L141“, soll an seinem bisherigen Standort in Dortmund-Hombruch abgebaut und zum Hoesch-Museum überführt werden. Die Idee gibt es schon länger: Jetzt soll sie zum Jubiläum realisiert werden, kann doch das Museum 15 Jahre Bestehen feiern – und das Stahlhaus sein 55-Jähriges. Bevor die Freunde des Hoesch-Museums in die Sponsoren-Suche einstiegen, hatten sie durch ein Gutachten attestieren lassen, dass das Gebäude frei von Schadstoffen ist. Auch die Styropor-Dämmung zwischen den Stahlblechen sei unbedenklich, erklärte Karl Lauschke. Das L-förmige Gebäude soll in zwei Teile geteilt jeweils auf einem Tieflader durch die Stadt transportiert werden sollen, so die Idee. Um dann am Zielort wieder miteinander verbunden zu werden. Die Grundsteinlegung ist für Oktober nächsten Jahres avisiert. Im Anschluss an die ca. sechsmonatigen Arbeiten vom Abbau bis zur Restaurierung hofft der Verein, das neue Museumsstück im Frühjahr 2022 eröffnen zu können.
Das Stahlhaus L141 ist zum Pressetermin zeitgenössisch aufgepeppt. Foto: Petra Grünendahl.
Das damals hochinnovative Eigenheim gilt heute als historisch bedeutsames Exponat, das einen Platz am Hoesch-Museum finden soll. Im Moment arbeitet der Vorstand der Freunde des Hoesch-Museums e. V. als Trägerverein des Museums daran, die Finanzierung über Sponsoren und Fördergelder zusammen zu bekommen. „Wir sind bislang auf großes Wohlwollen gestoßen, können aber erst anfangen, wenn die Finanzierung gesichert ist“, so Wolfgang Weick. Einen höheren sechsstelligen Betrag hat eine schwäbische Fachfirma veranschlagt: Dafür zieht der Bungalow um und wird dann fachgerecht restauriert. Er soll nicht nur selber als Schauobjekt dienen, sondern auch für Ausstellungen und Events im Hoesch-Museum zur Verfügung stehen.
Das Stahlhaus L141: der Hoesch-Bungalow
Museumsdirektorin Isolde Parussel zeigt das Hoesch-Haus auf Mallorca. Foto: Petra Grünendahl.
Rund 200 Stahlfertighäuser hatte die Hoesch AG in den 1960er-Jahren hergestellt. Kapazitäten hatte Hoesch für ca. 5.000 Stück im Jahr, allerdings war das Stahlhaus vergleichsweise teuer und konnte sich am Markt nicht durchsetzen: Die dritte Generation hätte etwa 125.000 DM gekostet – ohne Grundstück. Der Prototyp ist fast im Originalzustand erhalten: ein Museumsstück eben! „Bislang haben wir 30 von diesen Hoesch-Stahlhäusern identifizieren können“, erzählte Isolde Parussel. Am weitesten entfernt steht ein Musterhaus auf Mallorca, der letzte gefertigte Hoesch-Bungalow steht heute im Kanton Turgau in der Schweiz.
Ein überbautes Stahlhaus: Der Bungalow mit neuem Dach. Foto: Petra Grünendahl.
Die Häuser sind teilunterkellert, stehen als Fertighaus auf einem Betonfundament und sind umgeben von – nach heutigen Maßstäben – vergleichsweise großen Grundstücken. Die dritte Generation erhielt eine bessere Wärmedämmung und Fugenausbildung. Fast 50 Jahre hatte ein Hoesch-Ingenieur mit seiner Familie hier gelebt: „Wer in diesen Stahlhäusern gewohnt hat, hat gute Erinnerungen daran“, erzählte Isolde Parussel. „Die Menschen haben gerne hier gewohnt: Das gilt für die Erstbewohner ebenso wie für spätere Nachnutzer.“ Manche Häuser in der Nachbarschaft sind allerdings im Laufe der Jahre auch von außen verändert und überformt worden.
Die Außenwände bestehen aus zwei Platal-Stahlblechen mit Styropor zur Dämmung dazwischen. Foto: Petra Grünendahl.
Die Bungalows gab es in verschiedenen Typen entsprechend der Wohnfläche, wahlweise mit zweiter Terrasse oder kompletter Küche. Die Wände konnten über die Kunststoffbeschichtung farbig ausfallen und waren abwaschbar. Zum Aufhängen eines Bildes reichten Magnete aus. Trotz dieser modernen Versprechungen konnte sich das recht teure Wohnen in Stahl jedoch nicht durchsetzen. Das Haus „L141“ war fast 50 Jahre lang Heimat der siebenköpfigen Familie des Hoesch-Ingenieurs Hoff. Sowohl Haus- wie Familiengeschichte wird das Hoesch-Museum in den kommenden Jahren präsentieren: im besten Falle im Stahlhaus am neuen Standort an der Westfalenhütte.
Das Hoesch-Museum
Das Hoesch-Museum bei Nacht. Foto: Stadt Dortmund.
Die Idee zu einem Hoesch-Museum entstand kurz nach der Jahrtausendwende mit der Stilllegung von Westfalenhütte und Hermannshütte (heute Phoenixsee). Es sollte nicht nur den Namen des ehemals größten Dortmunder Unternehmens lebendig zu halten, sondern die Geschichte von Eisen und Stahl im Stadtgebiet anschaulich vermitteln. So gründeten engagierte ehemalige Hoeschianer 2004 den Verein „Freunde des Hoesch-Museums“, der ein gutes Jahr später das Haus eröffnen konnte. Dies gelang jedoch nur mit Hilfe vieler Ehrenamtlicher und dank großzügiger Unterstützung des Museums für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund (MKK), des Westfälischen Wirtschaftsarchivs und des Unternehmens thyssenkrupp Steel. Das Duisburger Unternehmen ist Rechtsnachfolger der Hoesch AG, die 1992 von der Krupp AG übernommen und damit 1999 in die Fusion mit Thyssen eingebracht wurde.
Diese (auch finanzielle) Unterstützung ermöglichte nicht nur die konservatorische Aufbereitung von Ausstellungsobjekten und den Umbau das denkmalgeschützte Portierhaus von 1914, sondern auch die wissenschaftliche Aufarbeitung von Stahlindustrie und Strukturwandeln in Dortmund. Mit Hilfe zahlreicher Sponsoren wurde dann am 23. Oktober 2005 ein industrie- und sozialgeschichtliches Museum eröffnet, das bis heute Besucher aus Nah und Fern anzieht.
Seine besondere Rechts- und Trägerform hat das Museum beibehalten: Träger ist der gemeinnützige Verein „Freunde des Hoesch-Museums“, Kooperationspartner sind weiterhin die Stadt Dortmund und thyssenkrupp Steel. Das MKK unterstützt das Museum zudem mit einer hauptamtlichen wissenschaftlichen Leitungsstelle. Das Herz des Hoesch-Museums sind jedoch rund 80 ehrenamtlich tätige Menschen, die den Betrieb in allen Facetten sicherstellen. Sie kommen mittlerweile auch aus Berufsgruppen jenseits der Montanindustrie und investieren im Jahr rund 11.000 Stunden ehrenamtlicher Tätigkeit. Das entspricht etwa sieben Vollzeitstellen. Diese Tätigkeiten wurden 2016 mit dem WegWeiser-Preis der NRW-Stiftung Natur, Heimat, Kultur ausgezeichnet.
Bisher haben drei Vereinsvorsitzende das Haus geprägt: Dr. Alfred Heese von 2005 bis 2007, Dr. Karl-Peter Ellerbrock von 2007 bis 2015 und Dr. Karl Lauschke seit 2015. Die wissenschaftliche Leitung lag bis 2018 bei Michael Dückershoff, ihm folgte Isolde Parussel im Sommer 2018. https://www.dortmund.de/de/freizeit_und_kultur/museen/hoesch_museum/start_hoesch/index.html
15 Jahre Hoesch-Museum
Hoesch-Museum (2006), Eberhardtstr.13 in Dortmund. Foto: Kassander der Minoer (Wikipedia, CC BY-SA 3.0)
Wenn die Corona-Beschränkungen wieder gelockert werden, lohnt sich ein Besuch: Das Hoesch-Museum präsentiert am historischen Ort 160 Jahre Unternehmens- und Sozialgeschichte. Die Geschichte der Firma Hoesch und seiner „Hoeschianer“ als Teil der Dortmunder Stadtgeschichte steht dabei im Mittelpunkt der Dauerausstellung. Im denkmalgeschützten Portierhaus der Westfalenhütte, der Keimzelle des Unternehmens Hoesch, veranschaulichen Werkzeuge und Produkte, Modelle und Fotografien den Herstellungsprozess von Stahl sowie die Arbeits- und Alltagswelt. Medieninstallationen wie „Phoenix aus der Asche“ und ein 3D-Stahlwerk ergänzen die Themen und zeigen auch die aktuelle High-Tech-Branche.
Rund 55 Sonderausstellungen haben seit der Eröffnung die Themen der Dauerausstellung ergänzt: Gezeigt wurden Kunst und Fotografie von und auf Stahl, historische Aspekte der Hoesch-Standorte Phoenix, Union und Westfalenhütte, Themen wie Sozialfürsorge, Migration oder Mitbestimmung in der Stahlindustrie und zeitgenössische Positionen aus Forschung und Bildung. Im kommenden Jahr sind u. a. eine Ausstellung mit der Künstlerin Martina Dickhut geplant und eine Schau zum 150-Jubiläum der Westfalenhütte, die 1871 in Dortmund gegründet wurde. Zur Eröffnung im Herbst 2021 soll dann auch der Geburtstag des Museums nachgefeiert werden.
Stephan Balkenhol im Lehmbruck Museum. Foto:: Petra Grünendahl.
Der Mann mit dem weißen Hemd und der schwarzen Hose ist sein Lieblingsmotiv: Zu sehen ist er hier im Lehmbruck Museum in den verschiedensten Varianten. Der Mensch steht bei von Stephan Balkenhol (*1957) im Mittelpunkt: „Die menschliche Figur ist das, was mich interessiert“, so der Künstler. Plastiken von Menschen in unterschiedlichen Posen, Köpfe aus Holz herausgearbeitet, Gipsmodelle, Reliefbilder, aber auch Zeichnungen – über 200 Werke des Bildhauers und Künstlers zeigt das Lehmbruck Museum in Duisburg in seiner neuen Sonderausstellung.
Stephan Balkenhol im Lehmbruck Museum. Foto:: Petra Grünendahl.
Figuren unterschiedlichster Größe stellen die charakteristischen Spuren der Holzbearbeitung offen zur Schau: Sie sind nicht geschliffen und glatt, sondern zeigen Splitterungen, Furchen und Unebenheiten. Sie wirken unfertig, lenken aber gerade deswegen den Blick auf sich. „Seine Figuren strahlen Ruhe aus, wirken in sich gekehrt und lassen Platz für Interpretationen“, sagte Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla, die hier Parallelen zum Namensgeber des Museums und seinen Werken zog.
Stephan Balkenhol im Lehmbruck Museum. Foto:: Petra Grünendahl.
Die Werkschau von Stephan Balkenhol, Retrospektive seiner Werke von 1990 bis heute, stellten Söke Dinkla, Kulturdezernentin Astrid Neese und der Künstler selber im Lehmbruck Museum in einem Pressegespräch vor. Stephan Balkenhol ist einer der wichtigsten deutschen Bildhauer der Gegenwart. Er porträtiert Alltagsmenschen und ist schon vielfach für seine Skulpturen ausgezeichnet worden. Viele seiner Werke stehen im öffentlichen Raum, zum Beispiel in Hamburg, Berlin und anderen deutschen sowie europäischen Städten. Zudem zieren sie zahlreiche private und öffentliche Sammlungen weltweit. „Bereits seit 1990 haben wir ein Werk von ihm in unserer Sammlung“, erzählte die Museumsdirektorin.
Stephan Balkenhol im Lehmbruck Museum. Foto:: Petra Grünendahl.
Die aktuelle Werkschau war seit zwei Jahren in der Vorbereitung. Kuratorin Ronja Friedrichs hatte sie mit dem Künstler erarbeitet, dessen jüngste Ausstellungsstücke, eine Werkgruppe von Kopfskulpturen, extra für Duisburg entstanden sind. Die Retrospektive im Lehmbruck Museum ist die größte Schau seiner Werke seit 2008. Die Ausstellung eröffnet am Donnerstag, 22. Oktober. Die Veranstaltung ist bereits ausgebucht.
Katalog und Audioguide
Stephan Balkenhol mit der Toniebox im Lehmbruck Museum. Foto: Kathrin Balkenhol.
Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Texten von Dr. Söke Dinkla, Heinz-Norbert Jocks und Ronja Friedrichs. Der Band mit 120 Seiten und 70 farbige Abbildungen ist im Schirmer/Mosel Verlag, München, erschienen. Das exzellent illustrierte Werk ist zum Preis von 29,80 Euro an der Museumskasse sowie im lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-8296-0909-8) verfügbar. Als Audioguide für die Ausstellung gibt es eine Tonie-Figur mit einer ca. 37-minütigen Tour, die Ehefrau Kathrin zusammen unter anderem mit den Töchtern (fünf und fast vier Jahr alt) gestaltet hat: Sie bietet noch einmal eine ganz andere Annäherung an die Werkschau. Gegen Abgabe des Lichtbildausweises ist sie kostenlos an der Kasse auszuleihen.
Stephan Balkenhol im Lehmbruck Museum. Foto:: Petra Grünendahl.
Möglich gemacht haben die Ausstellung „Stephan Balkenhol” Sponsoren und Förderer wie die National-Bank AG, das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und die Stadt Duisburg im Rahmen der Duisburger Akzente. Das Lehmbruck Museum ist darüber hinaus Monika und Veit Messing sowie der Überörtlichen Radiologischen Gemeinschaftspraxis Duisburg-Moers, Dres. Dabir, Hirning, Poll, Dabir-Scherfeld und Kollegen zu großem Dank verpflichtet.
Der Künstler
Stephan Balkenhol im Lehmbruck Museum. Foto:: Petra Grünendahl.
Stephan Balkenhol wurde 1957 im nordhessischen Fritzlar geboren. Er lebt und arbeitet in Kassel, Karlsruhe, Berlin und im französischen Meisenthal. Von 1976 bis 1982 studierte er an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg, unter anderem bei Ulrich Rückriem. Seit 1983 zeichnet sich Balkenhols Werk durch das Bestreben des Künstlers aus, die figurative Skulptur neu zu begründen. Nach Lehraufträgen an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg und an der Städelschule in Frankfurt am Main lehrt er seit 1992 als Professor für Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe.
Das Lehmbruck Museum
Stephan Balkenhol im Lehmbruck Museum. Foto:: Petra Grünendahl.
Das mitten in Duisburg im Kantpark gelegene Lehmbruck Museum ist ein Museum für Skulptur. Seine Sammlung moderner Plastiken von Künstlern wie Alberto Giacometti, Pablo Picasso, Hans Arp und natürlich Wilhelm Lehmbruck ist europaweit einzigartig. Beheimatet ist das Museum in einem eindrucksvollen Museumsbau inmitten eines Skulpturenparks, der zum Schlendern und Entdecken einlädt. Namensgeber des Hauses ist der Bildhauer Wilhelm Lehmbruck, der 1881 in Meiderich, heute ein Stadtteil von Duisburg, geboren wurde. Lehmbruck ist einer der bedeutendsten Bildhauer der Klassischen Moderne. Er hat mit seinem Werk maßgeblichen Einfluss auf nachfolgende Künstlergenerationen und ist auch nach seinem frühen Freitod im Jahr 1919 bis heute einflussreich geblieben.
Impressionen. Foto: Petra Grünendahl
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Öffnungszeiten und Eintrittspreise
Stephan Balkenhol im Lehmbruck Museum. Foto:: Petra Grünendahl.
Die Ausstellung von Stephan Balkenhol ist bis zum 28. Februar 2021 im Anbau (Wechselausstellungsbereich) zu sehen. Dienstags bis freitags ist das Lehmbruck Museum ab 12 Uhr geöffnet, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags an Terminen der plastikBAR (erster Donnerstag im Monat ab 17.30 Uhr) bis 20 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro (ermäßigt* 5 Euro), eine Jahreskarte 35 Euro (ermäßigt* 20 Euro). Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Blinden- und Demenzbegleitung haben kostenlos Eintritt. Schulklassen und Kindergärten zahlen pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte (2 Erwachsene plus Kinder bis 14 Jahre) gibt es für 15 Euro. Jeden ersten Freitag im Monat gilt: „Pay what you want“. Ausgenommen davon sind angemeldete Gruppen.
Stephan Balkenhol im Lehmbruck Museum. Foto:: Petra Grünendahl.
Zu seinen Sonderausstallungen bietet das Lehmbruck Museum verschiedene Veranstaltungen als Rahmenprogramm an. Zu den Highlights zählt hier mit Sicherheit das Künstlergespräch – Stephan Balkenhol im Gespräch mit Heinz-Norbert Jocks – am Freitag, 23. Oktober, um 18 Uhr (ca. 1 ½ Stunden). Auch diese Veranstaltung ist bereits ausgebucht. Öffentliche Führungen durch das Museum gibt es jeden Sonntag um 11.30 Uhr. Für Informationen steht die Kunstvermittlung des Lehmbruck Museums unter Telefon 0203 / 283-2195 oder eMail kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de zur Verfügung (Zu Preisen und Buchungen für Führungen geht es hier).
Stephan Balkenhol im Lehmbruck Museum. Foto:: Petra Grünendahl.
Für Führungen und Veranstaltungen aus dem Rahmenprogramm sind aktuell grundsätzlich Anmeldungen erforderlich. Die Veranstaltungen finden vorbehaltlich eventueller Veränderungen aufgrund der Corona-Pandemie statt. Es kann zu kurzfristigen Anpassungen kommen. Außerdem ist die Anzahl der Besucher im Museum begrenzt: Auf aktuell 100 im Wechselausstellungsbereich sowie 300 im gesamten Museum: Es kann zu Wartezeiten kommen, falls diese Anzahl erreicht ist. Siehe auch: https://lehmbruckmuseum.de/update-coronavirus/.
(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70%), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen mit Sozialhilfebezug.
Geschichte(n) und Fakten machen Lust auf mehr Von Petra Grünendahl
Ein paar Einblicke ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.
Entweder man hasst Amerika. Oder man liebt es. Gründe für Letzteres gibt es reichlich in einem Land der Gegensätze: Atemberaubende Landschaften, faszinierende Metropolen und eine vielfältige Kultur, die man im alten Europa nicht unterschätzen sollte. Berühmte Straßen durchziehen das Land, die zu ausgedehnten Roadtrips einladen. Ein neuer „Atlas der Reiselust“ will inspirieren, sich den Vereinigten Staaten anzunähern. Wer sich auf das Land einlässt, kann viel entdecken: Historische Orte von der indianischen Besiedlung über die europäische bis hin zu modernen Meilensteinen der Architektur. Das Buch zeigt die Vereinigten Staaten nicht nur in grandiosen Fotografien von Landschaften und Orten, sondern auch in seinen Filmen, in der Literatur, in Musik oder Sport, mit seinen Museen, Themen- und Freizeitparks oder in seiner Esskultur, die weit über das hinaus geht, was man von den hierzulande bekannten Fast-Food-Läden kennt. Dazu kommen mitunter kuriose Fakten und Details aus der amerikanischen Historie und Gesellschaft und über Menschen, die Geschichte und Kultur prägten.
Ein paar Einblicke ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.
Mit „USA Inspiration für ein ganzes Leben“ hat der DuMont Reiseverlag einen neuen Beitrag für seine Reihe „Atlas der Reiselust“ vorgelegt. Das Werk sammelt umfassend viele Details und Fakten zum Land der unbegrenzten Möglichkeiten (andere nennen es nicht ganz zu Unrecht auch: Land der unmöglichen Begrenzungen). Das Buch erschließt nicht nur touristische Highlights, sondern bringt jede Menge Einblicke in die Geschichte und Legenden sowie viele unbekannte Geschichten, Fakten und Details aus einem Land, welches von Ost nach West bis Alaska und Hawaii sechs Zeitzonen sowie mehrere Klimazonen umfasst. Das ist nicht „ein“ Amerika, das sind viele Varianten, die man nach Corona gerne mal erkunden möchte.
Ein paar Einblicke ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.
Außer vielfältigen Inspirationen bietet das großformatige Werk reichlich praktische Reiseinformationen und Adressen. Links für weiter führende Informationen zu den Orten, Film- und Literaturtipps, Musik- sowie Touren-Tipps (für Auto, Fernbus, Zug oder zum Wandern). Wer eine Reise plant, sollte sich aber unbedingt vorher noch einmal über aktuelle Reise- und Sicherheitsbestimmungen informieren. Dass dies im Moment wegen des weltweit kursierenden Coronavirus nicht ratsam ist: geschenkt. Was einen aber nicht davon abhalten sollte, schon mal in diesem Buch die unzähligen Möglichkeiten zu erkunden.
Faszinierende Orte inspirieren zu mehr
Ein paar Einblicke ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.
Gegliedert ist das Buch thematisch: Into the Wild, On the Road, Kultur der USA, Ab in die Metropolen, Fantastisch sowie Essen & Trinken. Das erleichtert den Zugang zu diesem grandiosen Land inhaltlich, erschwert aber mitunter die Einschätzung, wie weit „nebeneinander“ beschriebene Locations tatsächlich voneinander entfernt liegen. Zusammengestellt wurden die Texte von einem französischen Autoren-Kollektiv, DuMont verlegt die deutsch-sprachige Originalausgabe. Vielfach machen die Texte der Autoren deutlich, wie sehr die amerikanische Kultur auch in unserem Leben präsent ist. Trotz der reichhaltigen Bebilderung ist das Werk sehr text-lastig, mit einer ungeheuren Fülle an Fakten und Informationen. Das Buch liest man nicht unbedingt sukzessive durch, sondern man blättert und liest sich hier und da fest.
Titelbild: DuMont Reiseverlag.
Das Buch „USA Inspiration für ein ganzes Leben“ ist in der Reihe „Atlas der Reiselust“ im DuMont Reiseverlag in Stuttgart erschienen. Das 384-seitige Hardcover-Buch im Format 25,2 x 33,3 Zentimeter mit einem Gewicht von über zweieinhalb Kilogramm ist jetzt nichts fürs Reisegepäck, eher fürs heimische Sofa, wo man vom Reisen träumt, um sie dann zu planen. Das reich bebilderte Buch mit mehr als 850 Fotos. Illustrationen und Zeichnungen ist zum Preis von 39,90 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-7701-8868-0).
DuMont Reiseverlag
Ein paar Einblicke ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.
Der DuMont Reiseverlag aus Ostfildern (bei Stuttgart) ist spezialisiert auf Reise- und Freizeitbücher. Die Reihe „Atlas der Reiselust“ verbindet eine riesige Anzahl von möglichen Reisezielen und Touren-Inspirationen mit einem reichhaltigen Informationsspektrum von aktuellen und historischen Besonderheiten einzelner Orte bis hin zu konkreten Reiseinformationen und Adressen. www.dumontreise.de
Impressionen: Ein paar Einblicke ins Buch. Fotos: Petra Grünendahl
Mit Fotografien des Ruhrgebiets-Chronisten durch das Jahr 2021 Von Petra Grünendahl
Zeche Sterkrade in Oberhausen 1960. Foto: Petra Grünendahl.
„Die Zukunft hat schon begonnen“ war der Titel der erfolgreichen Ausstellung in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen, die den Nachlass des Fotografen Rudolf Holtappel (1923–2013) und verschiedene Leihgaben seiner Werke wissenschaftlich aufbereitet einem interessierten Publikum präsentierte. Das Ruhrgebiet, welches über Jahrzehnte seine Heimat war, lichtete Holtappel in seiner ganzen Vielfalt ab: Industrielandschaften und Städte als Lebensraum, Arbeit und Menschen. Es sind liebenswürdige Szenen aus dem Alltag und aus dem Leben gegriffen. Es sind lebendige Bilder aus einer anderen Zeit. Viele seiner Bilder stammen aus den 1960er- oder 1970er-Jahren. Die Stadt Oberhausen, wo der Fotograf bis zu seinem Tod lebte, konnte den Nachlass 2017 erwerben. Seitdem gehören die Fotografien zum Bestand der Ludwiggalerie.
Der Kalender mit großformatigen Fotografien des Ruhrgebiets-Chronisten Rudolf Holtappel für das Jahr 2021. Foto: Oberhausen Tourismus.
Mit einem hochwertigen DIN-A2-Fotokalender geht die Werkschau des Oberhausener Ruhrgebiets-Chronisten Rudolf Holtappel im Jahr 2021 für 365 Tage in die Verlängerung. Genau wie die Ausstellung trägt der neue Jahreskalender für 2021 den Titel „Die Zukunft hat schon begonnen“. Zwölf ausgesuchte Motive erinnern an das Leben und Arbeiten von gestern und nehmen den Betrachter mit auf eine kleine Zeitreise in das Oberhausen der 1960er und 1970er Jahre. Herausgegeben wird der Kalender von der OWT Oberhausener Wirtschafts- und Tourismusförderung GmbH in Zusammenarbeit mit der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Er ist ab sofort erhältlich in den beiden touristischen Informationsstellen am Hauptbahnhof und im Centro sowie im Museums-Shop im Kleinen Schloss. Der Preis beträgt 19,90 Euro. Infos gibt es bei Tourist Information Oberhausen, Telefon 0208 / 824570, eMail tourist-info@oberhausen.de, auf www.oberhausen-tourismus.de sowie im Museums-Shop der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen, www.ludwiggalerie.de.
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Sonntags in Oberhausen 1961. Foto: Petra Grünendahl.
Fotos von Rudolf Holtappel sind auch Gegenstand der sehr empfehlenswerten aktuellen Ausstellung im Kleinen Schloss: Unter dem Titel „Oberhausen – Aufbruch macht Geschichte“ zeigt das Stadtarchiv Stadtentwicklung und Strukturwandel in Oberhausen zwischen 1847 und 2006. Die Sonderausstellung läuft bis zum 17. Januar 2021. Das Museum ist geöffnet von Dienstag bis Sonntag zwischen 11 und 18 Uhr. Montags ist Ruhetag, feiertags sowie Pfingstmontag ist jedoch geöffnet. Geschlossen ist am 24., 25. und 31. Dezember sowie 1. Januar. Der Eintritt zum Kleinen Schloss ist frei, im Großen Schloss kostet es 8 Euro (ermäßigt 4 Euro, Familien 12 Euro). Corona-bedingt gilt eine Besucherobergrenze: Im Großen Schloss (Otfried Preußler) von 80 Personen, im Kleinen Schloss (Aufbruch macht Geschichte – Strukturwandel 1847–2006) finden insgesamt 35 Leute Platz. Bei einer weiteren Lockerung der Einschränkungen könnte diese Zahl aber wieder steigen. Über die ansonsten geltenden Bestimmungen kann man sich hier informieren. So finden mittlerweile auch wieder die öffentlichen Führungen (sonn- und feiertags um 11.30 Uhr, es gilt eine Personenzahlbegrenzung) sowie das Rahmenprogramm zur Ausstellung im Großen Schloss statt: Sie sind im Museumseintritt inklusive. Details zum Rahmenprogramm zu den Ausstellungen gibt es hier.
Der Kalender mit großformatigen Fotografien des Ruhrgebiets-Chronisten Rudolf Holtappel für das Jahr 2021. Foto: Oberhausen Tourismus.
Im Großen Schloss zeigt die Ludwiggalerie noch bis zum 10. Januar 2021 die sehr sehenswerte Ausstellung „Räuber Hotzenplotz, Krabat und Die kleine Hexe. Otfried Preußler – Figurenschöpfer und Geschichtenerzähler“. Diese Ausstellung haben wir bereits besucht.
Oberhausen am Rhein-Herne-Kanal mit dem Gasometer 1961. Foto: Petra Grünendahl.
Die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen ist eines der 21 RuhrKunstMuseen. Sie befindet sich an der Konrad-Adenauer-Allee 46 in 46049 Oberhausen. Anfahrt am besten über die A42, Abfahrt Oberhausen-Zentrum. Weitere Infos: www.ludwiggalerie.de.
Sehr bemerkenswert ist die ebenfalls im Schloss Oberhausen untergebrachte, aber nicht zur Ludwiggalerie gehörige Gedenkhalle. Als städtische Einrichtung in Erinnerung an die Verfolgten des Nationalsozialismus arbeitet die Gedenkhalle seit 1962 gegen das Vergessen und für das Miteinander aller Menschen in Oberhausen. Mit der 2010 erneuerten Dauerausstellung widmet sie sich der Stadtgeschichte zwischen 1933 und 1945 sowie der Zwangsarbeit im Ruhrgebiet während der NS-Zeit. Da sollte man unbedingt mal vorbei schauen!
Zeichen für Integration in der Gesellschaft Von Petra Grünendahl
Die Stadtteil-Historikerin Silke Mayer beschäftigt sich mit der Geschichte des Waldfriedhofs in Wanheimerort. Foto: Petra Grünendahl.
„Der Friedhof war von Anfang an auch als Erholungsfläche geplant”, erzählte Silke Mayer. Strecken des Waldfriedhofs in Wanheimerort sind parkähnlich angelegt. Die klassische Beerdigungsform im Reihengrab hat bei guter Pflege ohnehin einen gewissen Park-Charakter – und unter den Bäumen lässt es sich gut flanieren. „Er ist als Reformfriedhof angelegt: Klare Linien und Ästhetik ersetzten in den 1920ern die 1900 in Mode gekommene freie Gräbergestaltung, bei der jeder machte was er wollte“, so die Stadtteil-Historikerin. Sie fasziniere die Vielfalt dieses Friedhofs ebenso wie eine parkähnliche Gestaltung, erzählte sie.
Die Stadtteil-Historikerin Silke Mayer auf dem alten Jüdischen Friedhof. Foto: Petra Grünendahl.
Und der Friedhof sei auch ein Ort der Integration: „Neben allen möglichen Formen von Grabstätten gibt es hier schon seit den 1990er-Jahren muslimische Gräberfelder und Grabfelder für Roma. Jüdische Gräber waren von Anfang an mit eingeplant.“ Auch griechisch-orthodoxe Grabstätten seien hier angelegt. Und weiter: „1941 bestimmte die nationalsozialistische Regierung, dass Zwangsarbeiter auf dem jüdischen Friedhof beerdigt werden sollten.“ Letztere liegen (heute) aber vor allem in eigenen Grabfeldern begraben: „Ob sie dahin mal umgebettet wurde, kann man annehmen, aber sicher bin ich mir da noch nicht“, so Mayer. Ihre Recherchen sind schließlich noch längst nicht abgeschlossen.
Das Mahnmal der zwei trauernden Frauen (1961) von Dorothee Ludwig-Mindt am Ehrenfeld des Waldfriedhofs. Foto: Petra Grünendahl.
Der Waldfriedhof an der Düsseldorfer Straße in Wanheimerort, mit dem sich die Stadtteil-Historikerin Silke Mayer seit Jahresanfang beschäftigt, birgt viele alte, aber auch neuere Grabstätten mit Geschichte oder außergewöhnlichem Hintergrund. Er wurde Anfang der 1920-er Jahre angelegt und im Jahr 1923 als Neuer Friedhof seiner Bestimmung übergeben. Zusammen mit Silke Mayer gaben Vorstandsmitglied Klaus Becker und Ariela Cataloluk von der Geschäftsstelle der Bürgerstiftung Auskunft über das Projekt „Stadtteil-Historiker“ und das Thema Waldfriedhof. „Der hier angelegte Ehrenfriedhof sollte eine Fortsetzung des Ehrenfriedhofs am Kaiserberg sein, der zu klein wurde, um Soldaten aufzunehmen, die Jahre nach Ende des 1. Weltkrieges verstarben“, wusste Mayer zu berichten. Die meisten Gräber hier stammen aber aus dem 2. Weltkrieg, in dem die Stadt die Opfer der Bombenangriffe hier beerdigte: „Sie kriegten Grabkreuze wie gefallene Soldaten: sie galten als Gefallene an der Heimatfront“, erklärte sie den Nazi-Jargon.
Stadtteil-Historikerin Silke Mayer
Stadtteil-Historikerin Silke Mayer auf dem Gräberfeld des Ehrenfriedhofs: Hier liegen die zivilen Opfer des Bombenkriegs. Foto: Petra Grünendahl.
„Gut eine Woche, bevor die Ausschreibung für die Stadtteilhistoriker kam, war ich hier mit einer Freundin spazieren“, erzählte Silke Mayer. Der Ort habe sie fasziniert. Sie habe einen Faible für Lost Places: „Und da gehören auch alte Friedhöfe dazu.“ Mit dem Waldfriedhof Wanheimerort hatte sie eine Themenskizze, welche sie Bürgerstiftung Duisburg und der GLS Treuhand für das Stipendien-Programm Stadtteil-Historiker vorstellte. „Ihre Vorstellung war eine der überzeugendsten“, erzählte Klaus Becker, Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung Duisburg. Ohnehin ist Duisburg bei dem Stipendien-Programm gut vertreten: Von den 18 Stipendiaten stammen sechs aus Duisburg. Die Qualifizierten aus dem Ruhrgebiet erhalten eine fachliche Begleitung und jeweils 1.500 Euro Recherchebudget. „Das Recherchebudget ist als Auslagen-Ersatz gedacht“, erklärte Klaus Becker die Intention des Stipendiums, welches von der GLS Treuhand finanziert wird. „Wir haben die Duisburger Projekte nach interessanten Schwerpunkten ausgesucht“, so Becker zum Findungsprozess, der hier über die Bürgerstiftung Duisburg lief. Im Sommer 2021 werden die Ergebnisse der Öffentlichkeit vorgestellt.
Der alte Jüdische Friedhof auf dem Waldfriedhof in Wanheimerort. Foto: Petra Grünendahl.
Sie baue ihr Thema „Waldfriedhof“ epochal auf: In fast 100 Jahren kommt da einiges zusammen. „Ich suche aber auch noch Zeitzeugen, dir mir etwas zur Geschichte und Entwicklung des Waldfriedhofs erzählen können“, erklärte die Stadtteil-Historikerin, die hauptberuflich in der Erwachsenenbildung arbeitet. „Das sind die spannenden Geschichten, die man in die Recherche-Ergebnisse einarbeiten kann.“
Der Waldfriedhof
Sehr aufwändig und pompös wirken die Roma-Gräber. Foto: Petra Grünendahl.
Der Waldfriedhof in Wanheimerort trägt auch den Beinamen „Neuer Friedhof“. Er wurde Anfang der 1920-er Jahre angelegt, als sich eine völlige Belegung des damaligen Hauptfriedhofs Sternbuschweg in Neudorf (auch „Alter Friedhof“) abzeichnete. Im Jahr 1923 begann man mit ersten Reihengrabbeerdigungen. Ab 1925 stand auch eine Einsegnungs- und Leichenhalle zur Verfügung. Der älteste Grabstein, den man heute noch auf dem Waldfriedhof findet, ist ein Findling, bei dem statt einer Eingravierung eine aufgebrachte Plakette die Daten des 1924 Verstorbenen zeigt.
Der Waldfriedhof in Wanheimerort
Die Friedhofsverwaltung im alten Forsthaus Haniel. Foto: Petra Grünendahl.
Auf einer Fläche von rund 67 Hektar ist der Friedhof in einem Waldstück an der heutigen Düsseldorfer Straße angelegt worden. Seine rund 6.000 Bäume unterstreichen den waldähnlichen Charakter. Entlang eines Wegenetzes von etwa 50 Kilometern stehen inmitten der Grabanlagen auch Eichen und Buchen, die im vorletzten Jahrhundert gepflanzt wurden und mittlerweile ein Alter von über 170 Jahren erreicht haben. Das Areal gehörte früher der Familie Haniel. Im alten Forsthaus Haniel ist heute die Friedhofsverwaltung untergebracht. Gegenüber ist der Betriebshof, von dem aus die Wirtschaftsbetriebe die allgemeinen Bereiche des Areals pflegen.
Neben klassischen Grabarten gibt es mittlerweile auch Wahlgräber für Särge und Urnen, was den Wandel der Bestattungskultur dokumentiert. Pflegefreie Gräber oder Rasengräber tragen gesellschaftlichen Änderungen Rechnung, weil Pflege von Angehörigen – soweit überhaupt vorhanden – aus verschiedensten Gründen nicht geleistet werden kann. Die Gestaltung reicht von einfachen Grabsteinen auf der Wiese mit mehr oder weniger üppigem Blumenschmuck bis hin zum anonymen Grab, das nur deswegen erahnt werden kann, weil das Gräberfeld voll belegt ist.
Der Zugang zum neuen Jüdischen Friedhof. Foto: Petra Grünendahl.
Schon 1927 wurde ein Begräbnisfeld für die Jüdische Gemeinde der Stadt angelegt, das zwischen primär 1930 und 1942 genutzt wurde. Erst 1981 fand hier wieder eine Bestattung statt. Vor gut zwei Jahren legte die Jüdische Gemeinde Duisburg Mülheim Oberhausen ein neues Gräberfeld an, das seitdem als letzte Ruhestätte für jüdische Mitbürger genutzt wird. In den 1990er-Jahren schuf man auch ein islamisches Gräberfeld für den südlichen Bestattungsbezirk. Beide Religionen glauben an die Unverletzlichkeit des Körpers: Damit sind nur Reihenbestattungen möglich, keine Feuerbestattung (Urnengräber). Es gibt Reihen von Sinti-Gräbern ebenso wie griechisch-orthodoxe Gräberfelder. Seit den 1990er-Jahren gibt es auch einen Bereich mit Roma-Gräbern. 2011 eröffnete der Memoriam Garden in Zusammenarbeit mit Friedhofsgärtnern: Hier befinden sich hochwertige Grabstätten mit besonderem gestalterischen Anspruch.
Feuerbestattung seit 1932: das Krematorium
Das muslimische Gräberfeld. Foto: Petra Grünendahl.
ab 1912 gab es erste Bestrebungen, eine Feuerbestattungsanlage in Duisburg zu bauen. Erst mit der Einrichtung des neuen Hauptfriedhofs wurde das Projekt wieder aufgegriffen. Vom Rohbau 1929 dauerte es wegen Finanzierungsschwierigkeiten in der Weltwirtschaftskrise bis 1932 mit der Fertigstellung. Ein Luftangriff 1944 beschädigte das Krematorium so stark, dass Einäscherungen in der Folgezeit nicht mehr möglich waren. Dem Wiederaufbau der Verbrennungsanlage bis 1950 folgte die Inbetriebnahme der Krematoriumskapelle 1952/53. Neben Ausbesserungs-, Erweiterungs- und Modernisierungsarbeiten investierte die Stadt auch in Maßnahmen zur Schadstoffreduzierung.
Aufgrund steigender Einäscherungszahlen und wegen der veralteten Krematoriumstechnik begann man 2001 mit dem Bau eines neuen Krematoriums. Der bestehende Zellentrakt wurde bis auf die alte Trauerhalle abgerissen und ein modernes Krematorium im Frühjahr 2002 seiner Bestimmung übergeben. Äußerlich der alten Bausubstanz angepasst enthält er modernste Technik und zeitgemäße Abschieds- und Aufbahrungsräume.
Unsere früheren Spaziergänge über den Waldfriedhof:
Stadtarchiv zeigt „Oberhausen – Aufbruch macht Geschichte“ im Kleinen Schloss Von Petra Grünendahl
Dr. Magnus Dellwig, Leiter des Stadtarchivs Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.
„Mit der Erschließung durch die Eisenbahn 1847 entstanden erste Siedlungen, da die Industrialisierung Menschen ins Ruhrgebiet zu den Arbeitsplätzen lockte“, erzählte Magnus Dellwig, Historiker und Leiter des Stadtarchivs Oberhausen. Mit diesem Ausgangspunkt und gegliedert in fünf Epochen schildert die neue Ausstellung die Entwicklung Oberhausens. Die Industrialisierung als Strukturwandel 1.0, weg von der Landwirtschaft, hin zu Kohle und Stahl (1894–1934):
Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt. Foto: Petra Grünendahl.
„Die ‚Dunstglocke’ als Zeichen dieser Zeit haben viele Oberhausener noch gut in Erinnerung“, so Dellwig. Vermutlich der vielen guten Arbeitsplätze wegen, die dann dem Strukturwandel 2.0 von der Industriestadt zur Dienstleistungsstadt zum Opfer fielen (1988–2006). In Oberhausens „Neuer Mitte“ findet sich das Ergebnis dieses Wandels. Dieser schaffte ein neues wirtschaftliches Fundament und prägte damit auch die Identität der Menschen. Ihren Abschluss findet die Aufarbeitung im Jahr 2006, als die Planungen zum O.VISION-Zukunftspark keine Förderung vom Land NRW erhielten. Das Ende dieses Zentrums für Gesundheitsdienstleistungen stellte die letzte Zäsur in der Stadtentwicklung dar, deren Überwindung mit der Neuentwicklung des Areals noch nicht abgeschlossen ist.
Stellten die Ausstellung vor (v. l.): Dr. Christine Vogt, Michaela Schmitz-Oetjen und Dr. Magnus Dellwig. Foto: Petra Grünendahl.
„Fürs Publikum ist dies ein attraktiver Ort, an dem wir mit Bildern aus Oberhausens Geschichte mehr Menschen erreichen“, erklärte Magnus Dellwig, warum „Oberhausen – Aufbruch macht Geschichte“ als Ausstellung des Stadtarchivs Oberhausen im Kleinen Schloss der Ludwiggalerie zu sehen ist. Im Pressegespräch erzählten Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt, Stadtarchiv-Leiter Magnus Dellwig und Michaela Schmitz-Oetjen, stellvertretende Leiterin des Stadtarchivs, wie der Strukturwandel Oberhausens Stadtentwicklung von 1847 bis 2006 geprägt hat. Die Ausstellung erschließt sich über Fotos und Kartenmaterialien, die über Begleittexte in Kontext gesetzt werden. Die Foto-Auswahl ermöglicht dem Betrachter, Entwicklungen nachzuvollziehen. Abgerundet wird die Präsentation inhaltlich durch Video-Filme im Kabinett, die die Diskussion um den Strukturwandel der letzten 30 Jahre auch kritisch hinterfragen.
Die alte Gutehoffnungshütte am Rhein-Herne-Kanal: Hüttenwerk Oberhausen (HOAG). Foto: Petra Grünendahl.
Eine richtige Ausstellungseröffnung ist angesichts von Corona und den Platzverhältnissen im Kleinen Schloss nicht möglich. Die Ausstellung öffnet einfach am Sonntag, 27. September. Zum Ausstellungsstart sind den ganzen Tag Mitarbeiter des Stadtarchivs vor Ort, um Fragen der Besucher zu beantworten.
Stadtgeschichte in Bildern und Objekten
Planmodell von Oberhauens Neuer Mitte. Foto: Petra Grünendahl.
„Wir haben ein paar Dinge entdeckt, die wichtig sind für die Stadtgeschichte“, erklärte Klaus Martin Schmidt-Waldbauer, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Stadtarchiv. Seit 30 Jahren ist er für die Stadt Oberhausen tätig: In früheren Tätigkeiten in der Stadtentwicklung hat er die Stadtplanung in dieser Zeit mit gestaltet. Heute arbeitet er genau jene Stadtentwicklung historisch auf. Eine Karte vom Gebiet „Oberhausen“ aus dem Jahr 1857 sei extra für diese Ausstellung restauriert und aufgearbeitet worden, erzählte er. Ein silberner Tafelaufsatz von 1904, Deutschlands erster Kontoauszugdrucker (der Sparkasse Oberhausen), ein Abbauhammer und eine Wetterlampe und eine Wetterlampe:
Oberhauens Neue Mitte. Foto: Petra Grünendahl.
Die Ausstellung besteht nicht nur aus Fotos, Kartenmaterial und Begleittexten, sondern auch aus Gegenständen und Objekten mit einem Bezug zu. Zu den Highlights zählt hier mit Sicherheit das Planmodell der Neuen Mitte von 1993, welches in den 1990er-Jahren im Rathaus gestanden hatte. „Die Gebäude waren alle ein bisschen abgegriffen, die Bäume nach und nach verschwunden“, erzählte der Stadtarchivar. Liebevoll restauriert zeigt die Ausstellung dieses Stück nun unter Vitrinenglas. Diverse Fördertöpfe und Sponsoren haben diese Ausstellung erst möglich gemacht: Zum einen der Landschaftsverband Rheinland (LVR), der die wissenschaftliche Aufarbeitung von ca. 3.400 Verzeichnisinhalten im Stadtarchiv förderte, mit dem Ziel, die Erkenntnisse einer Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Zu den weiteren Sponsoren zählen unter anderem die Emschergenossenschaft, die Stadtsparkasse Oberhausen und der Freundeskreis der Ludwiggalerie. Hier gibt es den Flyer zur Ausstellung zum Download.
Oberhausen – Aufbruch macht Geschichte: das Ausstellungsplakat. Foto: Ludwiggalerie
Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der sich mehr als Begleitbuch zur Ausstellung versteht. Das reich bebilderte Werk arbeitet wissenschaftlich Strukturwandel und Stadtentwicklung aus historischer Perspektive auf und geht damit über die Ausstellungsinhalte hinaus: Es ist eher ein Werk zur Stadtgeschichte. Herausgeber Magnus Dellwig, Mitarbeiter des Stadtarchivs sowie externe Historiker beleuchten Historie ebenso Entwicklungen von Thematiken, die sich durch die Stadtgeschichte ziehen. Das reich bebilderte und hochinformative Werk hat 354 Seiten, ist im Verlag Karl Maria Laufen erschienen und kostet 29,90 Euro. Erhältlich ist er im Shop im Kleinen Schloss sowie im lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-87468-399-9).
Oberhausen vom Aufbruch zum Strukturwandel
Begleittexte führen durch die Ausstellung. Foto. Petra Grünendahl.
Die Industrialisierung und Arbeitsplätze lockten Menschen ins Gebiet des heutigen Oberhausen. Die Bevölkerung wuchs. Den Namen Oberhausen erhielt die junge Gemeinde vom 1847 neu angelegten gleichnamigen Bahnhof der Cöln-Mindener Eisenbahn in der Gemeinde Borbeck, die später zwischen Oberhausen und Essen aufgeteilt wurde. 1862 schlossen sich sieben Gemeinden zur Bürgermeisterei Oberhausen zusammen, die zuvor den Landkreisen Recklinghausen, Dinslaken und Essen bzw. Duisburg angehört hatten. Zwölf Jahre später (1874) bekam die Gemeinde Stadtrechte im 1873 gegründeten Landkreises Mülheim, der wiederum aus Teilen des Landkreises Duisburg hervorgegangen war, als Duisburg Stadtkreis wurde. 1901 wurde Oberhausen dann selber Stadtkreis.
Stadtentwicklung in Kartenmontagen. Foto: Petra Grünendahl.
Weitere Eingemeindungen folgten. Im Zuge der Kommunalen Neugliederung im Ruhrgebiet wurden am 29. Juli 1929 die Stadtkreise Oberhausen an der Ruhr, Osterfeld und Sterkrade zum neuen Stadtkreis Oberhausen (Rheinland) mit Korrekturen an den Grenzen zu den Nachbarstädten Duisburg, Mülheim an der Ruhr und Bottrop vereinigt. Die Gebietsreform von 1929 führte dazu, dass die heutige kreisfreie Stadt Oberhausen drei gewachsene Zentren hat: Oberhausen, Osterfeld und Sterkrade. Die erst Anfang der 1990er Jahre geplante „Neue Mitte“ kann heute als viertes Zentrum der Stadt gewertet werden: Auf dem Areal des ab 1969 schrittweise still gelegten Werksgeländes der Gutehoffnungshütte (später Hüttenwerke Oberhausen AG, kurz: HOAG), die zuletzt dem Thyssen-Konzern gehörte, entstanden ein Freizeit- und Einkaufszentrum sowie weitere gewerbliche, sportliche und kulturelle Angebote.
Strukturwandel hieß auch: Kampf um Arbeitsplätze. Foto: Petra Grünendahl.
Die 1758 in Betrieb genommenen Eisenhütte St. Antony, der ersten im Ruhrgebiet, verdankt Oberhausen den Beinamen „Wiege der Ruhrindustrie“. Sie wurde 1808 mit den Hütten Gute Hoffnung und Neu Essen zur Hüttengewerkschaft und Handlung Jacobi, Haniel & Huyssen (JHH) zusammengelegt, aus der dann die Gutehoffnungshütte hervorging. Mit ihrer Schließung gingen Oberhausen nicht nur viele Industrie-Arbeitsplätze verloren: Die Stadt wandelte sich vom Industrie- zum Dienstleistungszentrum.
Impressionen der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl.
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Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen
Silberner Tafelaufsatz von 1904. Foto: Axel Scherer, Stadtarchiv Oberhausen.
Die Sonderausstellung im Kleinen Schloss läuft bis zum 17. Januar 2021. Das Museum ist geöffnet von Dienstag bis Sonntag zwischen 11 und 18 Uhr. Montags ist Ruhetag, feiertags sowie Pfingstmontag ist jedoch geöffnet. Geschlossen ist am 24., 25. und 31. Dezember sowie 1. Januar. Der Eintritt zum Kleinen Schloss ist frei, im Großen Schloss kostet es 8 Euro (ermäßigt 4 Euro, Familien 12 Euro). Corona-bedingt gilt eine Besucherobergrenze: Im Großen Schloss (Otfried Preußler) von 80 Personen, im Kleinen Schloss (Aufbruch macht Geschichte – Strukturwandel 1847–2006) finden insgesamt 35 Leute Platz. Bei einer weiteren Lockerung der Einschränkungen könnte diese Zahl aber wieder steigen. Über die ansonsten geltenden Bestimmungen kann man sich hier informieren. So finden mittlerweile auch wieder die öffentlichen Führungen (sonn- und feiertags um 11.30 Uhr, es gilt eine Personenzahlbegrenzung) sowie das Rahmenprogramm zur Ausstellung im Großen Schloss wieder statt: Sie sind im Museumseintritt inklusive. Details zum Rahmenprogramm zu den Ausstellungen gibt es hier.
Das Große Schloss der Ludwiggalerie Schloss Oberhauen. Foto: Petra Grünendahl.
Im Großen Schloss zeigt die Ludwiggalerie noch bis zum 10. Januar 2021 die sehr sehenswerte Ausstellung „Räuber Hotzenplotz, Krabat und Die kleine Hexe. Otfried Preußler – Figurenschöpfer und Geschichtenerzähler“. Diese Ausstellung haben wir bereits besucht.
Die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen ist eines der 21 RuhrKunstMuseen. Sie befindet sich an der Konrad-Adenauer-Allee 46 in 46049 Oberhausen. Anfahrt am besten über die A42, Abfahrt Oberhausen-Zentrum. Weitere Infos: www.ludwiggalerie.de.
Neue Mitte Oberhausen, 2020. Foto: Hans Blossey.
Sehr bemerkenswert ist die ebenfalls im Schloss Oberhausen untergebrachte, aber nicht zur Ludwiggalerie gehörige Gedenkhalle. Als städtische Einrichtung in Erinnerung an die Verfolgten des Nationalsozialismus arbeitet die Gedenkhalle seit 1962 gegen das Vergessen und für das Miteinander aller Menschen in Oberhausen. Mit der 2010 erneuerten Dauerausstellung widmet sie sich der Stadtgeschichte zwischen 1933 und 1945 sowie der Zwangsarbeit im Ruhrgebiet während der NS-Zeit. Da sollte man unbedingt mal vorbei schauen!
Bauarbeiten ermöglichen Einblicke in anspruchsvolle Konstruktion Von Petra Grünendahl
Das alte Stadtbad Hamborn wird zum Bürostandort umgebaut. Foto: Petra Grünendahl.
Über 20 Jahre gammelte das schmucke Stadtbad in Hamborn vor sich hin. 1998 wurde der Betrieb still gelegt, nachdem die Bauaufsicht eine Decke als einsturzgefährdet erklärt hatte. Auf der anderen Seite der Duisburger Straße baute die Stadt das Rhein-Ruhr-Bad, das 2003 den Betrieb aufnahm. Ungebetene Gäste hinterließen im geschlossenen Bad über Jahre ihre Spuren in Form von Zerstörung und Graffiti. Für ein Factory Outlet sollte die Immobilie reaktiviert werden: Diese Pläne zerschlugen sich jedoch. 2018 hatte die Greyfield Group aus Essen das Objekt gekauft, um es zu sanieren und zum Bürostandort umzubauen. Mit dem Jobcenter Duisburg-Nord fand man einen langfristigen Mieter, der eine Sanierung wirtschaftlich machte. Die Einrichtung der Baustelle an der Ecke Duisburger Straße / Walther-Rathenau-Straße machte auch nach außen sichtbar, dass das Stadtbad zu neuem Leben erweckt wird.
Das alte Stadtbad Hamborn wird zum Bürostandort umgebaut. Foto: Petra Grünendahl.
Greyfield hat sich darauf spezialisiert, notleidende Bestandsimmobilien zu revitalisieren, sie vermarktungsfähig zu entwickeln und für eine künftige Nutzung bedarfsgerecht umzubauen. „Die Sanierung von Bestandsimmobilien ist nachhaltiger als Abriss und Neubau“, erklärte Dennis Hartmann, Projektentwickler für das Stadtbad. Mit der Grundsteinlegung am 27. März 1929 begann der Bau nach den Plänen Regierungsbaumeisters Franz Steinhauer: Ein Flachdachbau in Stil der Neuen Sachlichkeit (auch: das Neue Bauen der 1920er-Jahre) mit Backsteinoptik sowie horizontaler und vertikaler Gliederung mit Fensterbändern in Muschelkalk. Die beiden Seitenflügel haben über dem Flachdach leicht geneigte Giebeldächer über den Schwimmbecken, umgeben von Flachdach. Die Backsteinfassade ist insgesamt in einem guten Zustand, der Muschelkalk bröselt an einigen Stellen: „Schadhaften Stellen bessern wir hier einfach aus“, erzählte Projektentwickler Hartmann auf einer Tour über die Baustelle. Der Erhalt der Substanz liegt den Immobilienentwicklern am Herzen: Auch in den Innenräumen wird, wo immer möglich, die Backstein-Architektur vom Putz befreit und freigelegt sowie alte Bauelemente sichtbar gemacht. Sie setzen später reizvolle Akzente in einem ansonsten modern gestalteten Arbeitsumfeld.
Foyer des Stadtbad Hamborn. Foto: Petra Grünendahl.
Vom Zeichenbrett Franz Steinhauers stammen außer dem Stadtbad zwei weitere Gebäude in Hamborn: Das heutige Robert-Bosch-Berufskolleg und die Polizei-Dienststelle, beide an der August-Thyssen-Straße. Die Gebäude stehen ebenso unter Denkmalschutz wie seit 2005 die Fassade des alten Stadtbades. Dass das Stadtbad nicht als Gesamtes unter Denkmalschutz steht, macht einen solchen Umbau für eine neue Nutzung erst möglich.
Aufwändige Schwimmbad-Kontruktion
Die rechte Schwimmhalle war für Herrenschwimmen vorgesehen. Foto: Petra Grünendahl.
Zwei Schwimmhallen waren im Stadtbad vorgesehen: Mit einem großen Schwimmbecken für Männer im rechten Flügel sowie einem kleineren für Frauen im linken Flügel. Die beiden Schwimmbecken waren aufwändig konstruiert und erfüllten damals sogar olympische Standards. Wegen der Möglichkeit von Bergschäden waren die Schwimmtröge aus Stahlbeton nicht mit dem Gebäudekörper verbunden. Sie ruhen jeweils auf drei Gleitlagern (Drei-Punkt-Lagerung), um leichte Bodensenkungen abfedern zu können. Die Gleitlager unter dem Schwimmtrog verfügen über massive Beton-Fundamente, die nicht mit den Fundamenten des Gebäudes verbunden sind. Das Gebäude mitsamt seinem Fundament ist quasi wie ein Karton über die Schwimmbecken samt Auflager sowie deren Fundamente drüber gestülpt.
Die Schwimmtröge liegen auf Gleitlagern mit eigenem Fundament auf. Foto: Petra Grünendahl.
Schon im ersten Jahr des Baus wurden die Arbeiten unterbrochen, als wegen der Weltwirtschaftskrise das Geld knapp wurde. Mit dem Weiterbau 1936 war das zweite Schwimmbecken überflüssig (im Nationalsozialismus durften Männer und Frauen im gleichen Schwimmbad schwimmen): Bei der Eröffnung 1938 wurde es erst gar nicht in Betrieb genommen. Um 1945 setzte man dort ein Ständerwerk aus Holz ins Becken und zog einen Schwingboden ein, um die Schwimmhalle als Sporthalle zu nutzen. Eine zweireihige Tribüne im oberen Hallenumlauf ermöglichte einen Zuschauerbetrieb. In jedem Seitenflügel des symmetrischen Baus gibt es hinter einer in Innenhöfen liegenden Apsis Wasserausgleichsbehälter (jeweils drei übereinander liegend in Beton gegossen), um bei Bedarf Wasser ins Schwimmbad nachlaufen zu lassen.
Umbau in drei Abschnitten
Rechts im Schwimmtrog ist eine Betonwand eingelassen. Auf der aufgelegten Betonplatte entstehen Büro-Trakte in Holzbau. Foto: Petra Grünendahl.
In drei Bauabschnitten baut Greyfield das mittlerweile entkernte und schadstoffsanierte Gebäude als Bürostandort um. Den Anfang macht der linke Gebäudeflügel mit der ehemaligen Sporthalle an der Walther-Rathenau-Straße. Im Schwimmbecken wurde eine Betonwand eingezogen, die den Trog verkleinert. Eine aufgesetzte Bodenplatte vergrößerte die nutzbare Bodenfläche. So entstehen auf beiden Seiten des verbleibenden Beckens Bürobereiche, die über einen mittigen Flur bzw. entlang der Außenseite Walther-Rathenau-Straße erschlossen werden. Der verbleibende Teil des Schwimmtroges wird zum Lichthof umgebaut: Die Büros auf der Innenseite (zum Schwimmtrog) haben damit Tageslicht. Die Büro-Trakte über dem Schwimmbecken werden über drei Etagen in Holz gebaut. Die beiden unteren Etagen greifen die hohen Decken der Schwimmhallen-Ebenen auf. Die dritte Etage hat normale Raumhöhe und führt über eine weitere Treppe auf ein Flachdach, auf dem weitere Büros entstehen. Die Dachterrasse zum Innenhof bietet auf dieser Ebene einen tollen Ausblick auf das Fördergerüst von Friedrich Thyssen 6. „Hier oben sind die besten Büros“, verriet Hartmann.
Über einem Teil des Schwimmtroges entstehen über drei Etagen Büro-Trakte in Holzbau. Foto: Petra Grünendahl.
Im zweiten Bauabschnitt ist der Mitteltrakt mit einer eher konventionellen Büroarchitektur dran. Dazu kommen auf den Flachdächern weitere Büro-Aufbauten. Der rechte Gebäudeflügel an der Duisburger Straße mit dem großen Schwimmbad wird im dritten Bauabschnitt nach einer Verkleinerung des Schwimmtroges ähnlich aufgebaut wie der linke Flügel. Auch hier entstehen auf drei Etagen Büroflächen in Holzbauweise. Jeweils nach Fertigstellung der einzelnen Bauabschnitte werden die Büros bezugsfertig eingerichtet. Ab Frühjahr nächsten Jahres können erste Teile bezogen werden: Dann findet das Jobcenter Duisburg Nord eine neue Infrastruktur in dem denkmalgeschützten Prachtbau vor, der dann wieder in seinem altem Glanz erstrahlen kann.
Impressionen von der geführten Tour durch die Baustelle. Fotos: Petra Grünendahl.
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Über die Greyfield Group
Friedrich Thyssen Schacht 6. Foto: Petra Grünendahl.
Die Greyfield Group wurde im Jahr 2012 durch Timm Sassen gegründet. Das nachhaltige Projektentwickler-Unternehmen aus Essen setzt sich aus den drei eigenständigen Marken Liwon, Stana sowie Greyfield zusammen, die jeweils in einem Lebenszyklus einer Immobilie aktiv sind und sich auf das Investment und Redevelopment von Bestandsimmobilien in B- und C-Lagen spezialisieren. Dank fachlicher Kompetenz und kreativem sowie architektonischem Gespür begeht die Greyfield Group unkonventionelle Wege, um aus Grundstücken und Immobilien mit Geschichte intelligente Neunutzungskonzepte zu schaffen, die der Region neuen Mehrwert verleihen. Vom Refurbishment über die Revitalisierung bis hin zum Redevelopment werden alle Bereiche der Immobilienbestandsentwicklung abgedeckt. Durch eine nutzerorientierte Projektentwicklung schafft die Greyfield Group neuen Lebensraum, indem ungenutzte Flächen revitalisiert werden und an die Gesellschaft in Form einer neuen inhaltlichen Zweckbestimmung zurückgegeben werden. So kommen wirtschaftliche und soziale Rendite zusammen. Die gemeinnützige Greyfield Stiftung fördert auch darüber hinausgehend Projekte, die diesen Gedanken weitergeben und die Komponenten Ressourcenschonung, Nachhaltigkeit, Urbanität und gesellschaftliche Verantwortung fördern.
Verkaufsoffene Sonntage, digitale Gremienarbeit und Corona-bedingte Mehrausgaben Von Petra Grünendahl
Symbolfoto: Diskussionen vor der Sitzung des Stadtrates. Foto: Petra Grünendahl.
Als Dringlichkeitsbeschluss segnete der Stadtrat mehrheitlich sieben verkaufsoffene Sonntage bis Jahresende ab: Auf Anregung des Einzelhandelsverbandes Niederrhein in Abstimmung mit den Werbegemeinschaften in den Stadtteilen. Diese sollen dem durch Corona-Lockdown stark getroffenen Einzelhandel wieder auf die Beine helfen. Da die verkaufsoffenen Sonntage aber nicht mit öffentlichen Veranstaltungen in den jeweiligen Stadtteilen verbunden sind, besteht allerdings die Gefahr, dass Verdi gerichtlich dagegen vor geht, wie es in mehreren Städten in der Nachbarschaft bereits geschehen ist. Als erster Termin ist der kommende Sonntag, 20. September, in Wanheimerort vorgesehen. Die lange Schließung während des Lockdowns sowie der Wegfall von Stadt(teil)festen mit verkaufsoffenen Sonntagen haben den Einzelhandel hart getroffen. Die jetzige Entscheidung macht einen kleinen Ausgleich für verlorene Umsätze möglich, damit nicht am Ende von Corona der Einzelhandel in den Zentren noch weiter minimiert ist.
Symbolfoto: Vor der Sitzung des Stadtrates. Foto: Petra Grünendahl.
In letzter Sitzung trat der 2014 gewählte Rat der Stadt Duisburg zusammen: Wegen der zurzeit gebotenen Abstandsregeln in der Kraftzentrale in Landschaftspark Nord. Erst in der nächsten Woche tagt der Wahlausschuss, der das Ergebnis der Kommunalwahl absegnet. Viele Dringlichkeitsbeschlüsse standen auf der Tagesordnung, überwiegend für außerplanmäßige Aufwendungen in Folge von Corona. Laut einer Mitteilungsvorlage rechnet die Stadt für das Jahr 2020 mit Corona-bedingten Lasten in Höhe von 101,93 Mio. Euro, die aktuell größtenteils aus Mindereinnahmen bei der Gewerbesteuer bestehen. Noch nicht absehbar sind allerdings finanzielle Auswirkungen eines sinkenden Gewerbesteuer-Aufkommens in den kommenden Jahren. Hier wird uns Corona noch eine Weile begleiten.
Weitere Entscheidungen
In die Satzung der Gremienarbeit (Stadtrat, Ratsausschüsse, Bezirksvertretungen) nahm der Rat offiziell die schon seit längerem praktizierten digitalen Kommunikationsformen offiziell auf. Damit ist nun festgeschrieben, dass die früher üblichen Papierberge weitestgehend der Vergangenheit angehören.
Beschlossen wurde ein Neuausrichtung der Wirtschaftsförderung, nachdem mehrere nicht-städtische Unternehmen den Zusammenschluss der GFW Duisburg verlassen haben. Die Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Duisburg mbH soll künftig nur noch von Gesellschaftern in städtischer Hand getragen werden, aber in enger Kooperation mit Unternehmen der freien Wirtschaft. Dafür sucht die Stadt einen neuen Geschäftsführer für den zum Jahresende ausscheidenden Ralf Meurer.
Darüber hinaus segnete der Rat einen städtischen Eigenanteil in der Höhe von bis zu 200.000 Euro für den Realisierungswettbewerb zur Gestaltung des Zukunftsgartens Rheinparks ab. Dieser wird Duisburgs Beitrag zur Internationalen Garten-Ausstellung Metropole Ruhr 2027 (IGA Metropole Ruhr 2027).
Goldene Zwanziger in musikalischer Perfektion Von Petra Grünendahl
Dmitri Vargin (Roman), Günes Gürle (Robert), Patrick Francis Chestnut (Erwin), Cornel Frey (Ari), Luis Fernando Piedra (Erich), Florian Simson (Harry). Foto: Hans Jörg Michel.
Mit “Wochenend und Sonnenschein” und “Mein kleiner grüner Kaktus” entführte das Vokal-Ensemble, rausgeputzt im klassischen Frack, in die Goldenen Zwanziger. Viele Lieder des Konzertabends kann selbst derjenige mitsingen, der mit den Comedian Harmonists nichts anfangen kann. Ein Sprecher (Dirk Weiler) erzählt in den Sing-Pausen die Geschichte der Comedian Harmonists, die 1927/28 in Berlin gegründet wurde. Inspiriert hatte Harry Frommermann, der Mitstreiter für ein Ensemble suchte, das amerikanische Vokal-Quartett The Revelers.
Dmitri Vargin (Roman), Günes Gürle (Robert), Cornel Frey (Ari), Luis Fernando Piedra (Erich), Florian Simson (Harry). Foto: Hans Jörg Michel.
Der moderierte Konzertabend dreht sich um die Gesangsgruppe und ihre Erfolgsgeschichte in den Jahren 1928 bis 1935, die mit der Aufsplittung der Gruppe in arisch und nicht-arisch (jüdisch) ein trauriges Ende fand. Dass drei der Gruppen-Mitglieder jüdisch waren, führte schon 1933 zu ersten Absagen. Sie waren schließlich die letzten Juden, die in Nazi-Deutschland überhaupt noch auftreten durften. Bis 1935 konnten die Comedian Harmonists zusammen auftreten, was sie nicht nur in Deutschland und Europa taten, sondern auch in Amerika.
Luis Fernando Piedra (Erich), Patrick Francis Chestnut (Erwin), Dmitri Vargin (Roman), Cornel Frey (Ari), Günes Gürle (Robert). Foto: Hans Jörg Michel.
Nach fast einem halben Jahr Corona-Pause präsentierte die Deutsche Oper am Rhein ihre erste Aufführung der neuen Spielzeit im Theater Duisburg. „Zu Gast“ waren die Comedian Harmonists, denen Ensemble-Sänger Stimme und Gestalt verliehen. Die Comedian Harmonists hatten sich in den Zwanziger Jahren mit der perfekten Harmonie ihres Gesangs und dem charmanten Witz ihres Auftretens nicht nur in Deutschland einen herausragenden Namen gemacht. Grandios hatte dies die Deutsche Oper am Rhein mit ihren Ensemble-Sängern hier auf die Bühne gebracht, dass man sich fast in die Goldenen Zwanziger zurück versetzt fühlte. Ein überaus dankbares und sehr begeistertes Publikum sparte – zu Recht! – weder mit euphorischen Szenen- noch mit einem riesigen Schlussapplaus. Der moderierte Konzertabend dauerte gut 75 Minuten, es gab keine Pause.
Perfekte Harmonie
Günes Gürle (Robert), Cornel Frey (Ari), Patrick Francis Chestnut (Erwin), Dirk Weiler (Moderator), Dmitri Vargin (Roman), Luis Fernando Piedra (Erich), Florian Simson (Harry). Foto: Hans Jörg Michel.
Die Rollen gibt die Besetzung der Comedian Harmonists vor, die fünf Sänger der Deutschen Oper am Rhein unter der musikalischen Leitung Patrick Francis Chestnut (in der Rolle des Pianisten Erwin) und der Choreographie von Michal Matys exzellent sangen, lebten und auslebten. Um den Tenor Harry Frommermann (Florian Simson) hatte sich 1927 in Berlin das Quintett gebildet: Ari Leschnikoff (Cornel Frey), Erich Abraham Collin (Luis Fernando Piedra), Roman Cycowski (Dmitri Vargin) und Robert Biberti (Günes Gürle), ergänzt durch Erwin Bootz (Patrick Francis Chestnut) am Piano. Wie die Originale brachten auch die Sänger der Deutschen Oper am Rhein hier eine brillante harmonische und musikalisch ganz exzellente Aufführung auf die Bühne. Für die Kostüme zeichnet Ronja Reinhardt verantwortlich, für das Licht-Design auf dem sparsamen Bühnenbild Volker Weinhart und Thomas Tarnogorski.
Ein kleiner Vorgeschmack:
Weitere Termine im Theater Duisburg:
Dmitri Vargin (Roman), Günes Gürle (Robert), Cornel Frey (Ari), Luis Fernando Piedra (Erich), Florian Simson (Harry). Foto: Hans Jörg Michel.
Di | 15. September 2020 | 19:30 Uhr,
Mi | 16. September 2020 | 19:30 Uhr,
Do | 24. September 2020 | 19:30 Uhr,
Fr | 25. September 2020 | 19:30 Uhr,
Mi | 30. September 2020 | 19:30 Uhr,
Sa | 3. Oktober 2020 | 18:30 Uhr,
Do | 22. Oktober 2020 | 19:30 Uhr und
Di | 29. Dezember 2020 | 19:30 Uhr.
Darüber hinaus gibt es verschiedene Termine im Opernhaus Düsseldorf.
Dmitri Vargin (Roman), Günes Gürle (Robert), Patrick Francis Chestnut (Erwin), Cornel Frey (Ari), Luis Fernando Piedra (Erich), Florian Simson (Harry). Foto: Hans Jörg Michel.
Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Die sonst übliche Einführung im Foyer fand nicht statt. Tickets kosten 12,00 und 20,00 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.
Es gelten folgende Corona-Regeln:
Dmitri Vargin (Roman), Günes Gürle (Robert), Patrick Francis Chestnut (Erwin), Cornel Frey (Ari), Luis Fernando Piedra (Erich), Florian Simson (Harry). Foto: Hans Jörg Michel.
Das Platzangebot rund 280 im Theater Duisburg reduziert. Die Vorstellungen dauern maximal 90 Minuten, es gibt keine Pausen. Es gelten die üblichen Hygiene- und Abstandsregeln. Ein Garderobenservice steht zur Verfügung, die Gastronomie nicht.
Mehr: operamrhein.de/de_DE/wissenswertes
Figurenschöpfer und Geschichtenerzähler:
die Helden der Kindheit Von Petra Grünendahl
Das Plakat zur Otfried-Preußler-Ausstellung.
„An die Geschichten von Otfried Preußler erinnern sich die Menschen ganz stark über die Bilder“, erzählte Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt. Und: „Ich hätte nicht gedacht, dass es eine so vielfältige Ausstellung sein würde“, bedankte sie sich bei Kuratorin Linda Schmitz-Kleinreesink, die das komplette Werk des Autors für die Ausstellung wissenschaftlich aufbereitet hatte. Preußler erzählte alte Geschichten und Sagen, wie er sie aus Kindertagen kannte, neu, verändert und schuf unverwechselbare Figuren, denen Zeichner die optische Persönlichkeit gaben. Preußler wollte Kindern Ängste nehmen und schuf damit zum Beispiel die gute Hexe und den gutmütigen Räuber. Jeder kennt sie: „Mehrere Generationen sind mit diesen Figuren aufgewachsen – bis in die heutige Zeit“, erklärte Verlegerin Bärbel Dorweiler. „Illustrationen finden als angewandte Kunst selten den Weg ins Museum. Umso wichtiger ist mir hier auch die wissenschaftliche Aufarbeitung der Werke“, erzählte Christine Vogt, die betonte, dass die Ludwiggalerie trotz vieler Ausstellungen im grafischen Bereich kein Kindermuseum sei.
Stellten die Ausstellung vor (v. l.): Kuratorin Linda Schmitz-Kleinreesink, Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt und Verlegerin Bärbel Dorweiler. Foto: Petra Grünendahl.
Otfried Preußler (1923–2013) gehört zu den bedeutendsten und einflussreichsten Kinder- und Jugendbuchautoren des deutschsprachigen Raums. Mit Geschichten wie „Der Räuber Hotzenplotz“, „Die kleine Hexe“ und „Das kleine Gespenst“ hat der Autor seit den 1950er-Jahren Figuren erschaffen, die bis heute aus den Kinderzimmern dieser Welt nicht mehr wegzudenken sind. Mit „Otfried Preußler – Figurenschöpfer und Geschichtenerzähler“ präsentiert die Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen nun erstmals eine Aufarbeitung von Otfried Preußlers Gesamtwerk. Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt stellte zusammen mit Kuratorin Linda Schmitz-Kleinreesink, Verlegerin Bärbel Dorweiler (Thienemann-Esslinger Verlag), Dezernent Apostolos Tsalastras und Gestalter Uwe Eichholz die Ausstellung vor. „Ich bin froh, dass wir zumindest in einem gewissen Rahmen wieder Kunst präsentieren können”, sagte Apostolos Tsalastras, Oberhausens Dezernent für Kultur und Finanzen. Immerhin ist das jetzt die dritte Ausstellung in der Ludwiggalerie, die seit dem Ende des Corona-Lockdowns möglich gemacht wurde.
Grafik: Daniel Napp: Das kleine Gespenst.
Mit zahlreichen Zeichnern arbeitete Preußler in seiner langen Schaffenszeit zusammen. Diese illustrieren nicht nur seine Geschichten, sondern erwecken die Figuren zum Leben und schufen ihre eigenen unverwechselbaren Charaktere. Die Zeichner konnten relativ frei arbeiten, ihre Figuren optisch entwickeln, jedoch immer im Dialog mit dem Autor. Viele originale Tuschezeichnungen und Illustrationen stellte der Thienemann-Esslinger Verlag, der die Rechte am Werk Otfried Preußlers besitzt, aus seinem Archiv bereit. Darüber hinaus steuerten auch die Familie (Nachlass), Zeichner und Illustratoren ihr Material für diese einzigartige Schau bereit.
Alte und neue Bildsprache
Grafik: Mathias Weber koloriert Winnie Gebhardts Die kleine Hexe.
Besonders bekannt sind die Illustrationen von F. J. Tripp, die dem Räuber Hotzenplotz sein markantes Äußeres verleihen. Die holzschnitthaften Sepia-Zeichnungen, die Herbert Holzing für Krabat erschafft, bleiben über zahlreiche Auflagen hinweg bestehen. Das unverwechselbare Aussehen der kleinen Hexe, aber auch des kleinen Wassermanns, ist der Künstlerin Winnie Gebhardt zu verdanken. Mehr als 50 ihrer originalen Tuschezeichnungen stellt der Thienemann-Esslinger Verlag eigens für die Ausstellung bereit.
Die Neuillustrationen der Klassiker durch Daniel Napp, Thorsten Saleina und Annette Swoboda sind in der umfangreichen Schau genauso vertreten wie die frühen Zeichnungen. Indem die Präsentation nahezu alle Protagonisten Preußlers vorstellt, unterstreicht sie die immense Bandbreite seines Schaffens. Zum ersten Mal beleuchtet damit eine Ausstellung grundlegend die Illustratoren, die den Büchern durch ihre eindringlichen Bilder zu großem Erfolg verholfen haben. Auch selten gezeigte Originalzeichnungen zu Hörbe, die Otfried Preußler selbst angefertigt hat, sind zu sehen.
Räuber Hotzenplotz, Krabat und Die kleine Hexe
Christiane Hansen: Das Eselchen und der kleine Engel. Foto: Petra Grünendahl.
Die Ausstellung reicht von klassischen Bilderbüchern, Geschichtensammlungen und traditionelle Sagen bis hin zu fantastischen Erzählungen. Dabei können Besucher den gesamten Preußler-Kosmos kennen lernen. Dazu gehören auch Charaktere wie die dumme Augustine, Tella, die Schildbürger und Wanja sowie einige der weniger bekannten Protagonisten. Über drei Etagen hinweg sind Otfried Preußlers Geschichten in unterschiedlichen Formaten wissenschaftlich aufarbeitet präsentiert, damit große und kleine Besucher beim Betrachten der Bilder in phantastische Welten eintauchen können.
Otfried Preußler erfreut sich bis heute großer Beliebtheit bei Groß und Klein: „Wir haben die Bücher mit den einfachen Tuschezeichnungen ebenso im Programm wie die kolorierten Ausgaben, die den heutigen Sehgewohnheiten der Kinder entsprechen“, erzählte die Verlegerin. Viele von Preußlers Geschichten wurden auch in andere Medien übertragen: Hörbücher, Theateradaptionen, Filme und Spiele zeugen von der immensen Beliebtheit der jeweiligen Werke, die bis heute Groß und Klein begeistern. Über 300 originale Zeichnungen sowie Filmrequisiten, Buchausgaben und Fotografien ermöglichen erstmals einen umfangreichen Überblick über das Wirken Otfried Preußlers und seiner Illustratoren. Insgesamt schrieb er 35 Bücher, die in mehr als 50 Sprachen übersetzt mit einer Gesamtauflage von über 50 Mio. Exemplaren weltweit bis heute begeistern.
Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der Otfried Preußler als Figurenschöpfer und Geschichtenerzähler ebenso vorstellt wie die bedeutendsten Zeichner seiner Figuren. Das reich bebilderte 160-seitige Werk wird herausgegeben von Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt und Kuratorin Linda Schmitz-Kleinreesink. Für 29,80 Euro ist es an der Museumskasse ebenso zu erwerben wie im lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-932236-44-0).
Impressionen aus der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl.
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Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen
Handpuppen aus „Räuber Hotzenplotz“ . Foto: Petra Grünendahl.
Die Sonderausstellung läuft bis zum 17. Januar 2021. Das Museum ist geöffnet von Dienstag bis Sonntag zwischen 11 und 18 Uhr. Montags ist Ruhetag, feiertags sowie Pfingstmontag ist jedoch geöffnet. Geschlossen ist am 24., 25. und 31. Dezember sowie 1. Januar. Der Eintritt kostet 8 Euro (ermäßigt 4 Euro, Familien 12 Euro). Corona-bedingt gilt eine Besucherobergrenze: Im Großen Schloss (Otfried Preußler) von 80 Personen, in der Panoramagalerie im Kleinen Schloss (Dieter Nuhr und Bahar Batvand) finden 35 Leute Platz. Bei einer weiteren Lockerung der Einschränkungen könnte diese Zahl aber wieder steigen.
Führungen können aufgrund des Coronavirus zurzeit nur mit maximal 10 Personen stattfinden. Öffentliche Führungen finden im Großen Schloss onst sonn- und feiertags um 11.30 Uhr statt. Zudem gibt es Kuratorenführungen (mit Linda Schmitz-Kleinreesink, am 25. Oktober, 15. November, 13. Dezember und 10. Januar, jeweils um 15 Uhr) und Direktorenführungen mit Dr. Christine Vogt (23. September und 11. November, jeweils um 16 Uhr). Alle Führungen sind im Museumseintritt inklusive. Details zum Rahmenprogramm zu den Ausstellungen sowie zum Museumspädagogischen Angebot gibt es https://ludwiggalerie.de/de/ausstellungen/programm/. Die Ausstellung eröffnet am Samstag, 12. September 2020, um 19 Uhr.
In der Panoramagalerie im Kleinen Schloss zeigt die Ludwiggalerie noch bis zum 13. September das Projekt „Parallel“ des Kunstvereins Oberhausen mit Werken von Bahar Batvand und Dieter Nuhr. Diese Ausstellung haben wir bereits besucht. Im Kleinen Schloss ist der Eintritt frei.
Die LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen ist eines der 21 RuhrKunstMuseen. Sie befindet sich an der Konrad-Adenauer-Allee 46 in 46049 Oberhausen. Anfahrt am besten über die A42, Abfahrt Oberhausen-Zentrum. Weitere Infos: www.ludwiggalerie.de.
Alte Pläne hochwertig aufbereitet und neu interpretiert Von Petra Grünendahl
Überlagerung des Sariac-Plans von 1762 mit dem aktuellen Katasterplan der Stadt Moers. Quelle: Stadt Moers, Fachbereich 6.
„Zu den Highlights des Buches zählt mit Sicherheit der Befestigungsplan, den ein französischer Offizier 1762 angefertigt hatte“, erzählte Prof. Dr. Margret Wensky, Herausgeberin und Mit-Autorin an einem neuen Buch zur Moerser Geschichte als Festungsstadt. Dass Friedrich II. die Festungsanlagen des seit 1702 preußischen Moers nach dem Siebenjährigen Krieg (1756–1763) und der französischen Besatzung schleifen ließ, veränderte das Stadtbild ebenso nachhaltig wie zuvor der Bau der Befestigungsanlagen zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Moritz von Oranien (1567–1625) hatte die spanischen Besatzer vertrieben, trat nach dem niederländischen Befreiungskampf das Erbe von Walburgis (Anna Walburga von Neuenahr, 1522–1600), Gräfin von Moers, an und ließ ab 1601 Schloss und Stadt befestigen. Die Festungspläne entwickelte der flämische Baumeister Simon Stevin (1548/49–1620), der als Vater des modernen Bauingenieurswesens gilt: Moers ist die einzige von ihm geplante Festung in Deutschland. Der Bau dauerte bis ins Jahr 1620. Die Spuren dieser oranischen Befestigungsanlagen, die aus hoch aufgeschütteten Erdwällen bestanden – Kanonen konnten ihnen im Gegensatz zu Mauerwerken nichts anhaben – finden sich bis heute im Stadtbild wieder. Beim Schleifen der Wälle kämpfte der Moerser Magistrat mit dem preußischen Ortskommandanten um jeden Zentimeter Wall, nutzte dieser doch der Stadt auch als Hochwasserschutz und Abwasserführung.
Prof. Dr. Margret Wensky (l.) und Peter Boschheidgen (r.) stellten das Buch vor. Foto: Petra Grünendahl.
Zum Jubiläum konnte der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e. V. (GMGV) die Bonner Geschichtswissenschaftlerin für seine neue Publikation gewinnen: „400 Jahre oranische Befestigung von Schloss und Stadt Moers 1620–2020“. Zusammen mit der Herausgeberin stellte Peter Boschheidgen, Vorsitzender des GMGV, das Werk im Rittersaal des Schloss Moers vor. Bereits im Jahr 2000 hatte Wensky ein zweibändiges Werk über die Moerser Geschichte aufgelegt, auf dessen Basis sie neue Erkenntnisse einordnet und weiter entwickelt. Einen weiteren Vorläufer hat die neue Publikation in einem Werk von Hermann Boschheidgen, Gründer des GMGV und Großvater des heutigen Vorsitzenden: „Die oranische und vororanische Befestigung von Moers nebst ihren Beziehungen zum heutigen Stadtbilde“ von 1917. Das neue Buch zu den Befestigungslagen kann viele neue Details zur Forschung beitragen, die ein komplexeres Bild der Stadtgeschichte ermöglichen: „Die Stadt gewinnt damit an Konturen, die das Stadtbild konkretisieren“, so die Historikerin. Auch habe man für das neue Buch für die bekannten und bislang unbekannten Pläne, Grundrisse und Abbildungen die heutigen technischen Möglichkeiten nutzen können, um sie mit hoher Qualität zu reproduzieren.
Neue Erkenntnisse vervollständigen das Bild der Stadt Moers
Grundriss der Festungsanlagen von Schloss und Stadt Moers um 1601/02. Quelle: Geheimes Staatsarchiv Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Berlin.
Moers gehörte zu einer ganzen Reihe von neuzeitlichen Festungsstädten. Die Überbleibsel der Festungsanlagen sind damit nicht einzigartig, aber immerhin in bemerkenswerter Weise erhalten und im Stadtbild nachzuvollziehen. Einer Belagerung musste die Festungsstadt nie Stand halten. Die Schleifung der Anlagen ermöglichte allerdings, die Moerser Innenstadt über diese Grenzen hinaus zu erweitern und zu entwickeln. Diese Entwicklung zeigt Thorsten Kamp, Beigeordneter der Stadt Moers, dem unter anderem auch die Stadtplanung obliegt, in einem Beitrag, der sich mit der Entwicklung der Stadt vom 17. bis ins 20. Jahrhundert befasst: Wie ist man in der Stadtentwicklung mit dem kulturellen Erbe umgegangen? Das Buch zieht den Bogen von der Vergangenheit in die Gegenwart, um vielleicht Anregungen für eine Stadtentwicklung der Zukunft zu geben, die das kulturelle Erbe der Stadt bewahrt.
Joan Blaeu d. Ä. (1596-1673), Grundriss der Festung Moers, 1649. Quelle: Grafschafter Museum im Moerser Schloss.
„Der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein ist froh, ein derartiges Großprojekt zum 400. Jubiläumsjahr der das Stadtbild prägenden oranischen Befestigungsanlage gestemmt zu haben“, sagt Peter Boschheidgen, Vorsitzender des GMGV. „Das Werk wird wegen seiner lebendigen und abwechslungsreichen Darstellung nicht nur die Fachleute begeistern, sondern jeden Leser, der sich mit der Stadt Moers und ihrer Geschichte verbunden fühlt.“ 91 Abbildungen, zum Teil bislang unveröffentlichte Pläne, Dokumente und Ansichten aus in- und ausländischen Archiven, Bibliotheken, Museen und Sammlungen, ergänzen und illustrieren die Beiträge. Das Buch „400 Jahre oranische Befestigung von Schloss und Stadt Moers 1620–2020“ (Herausgeber Prof. Dr. Margret Wensky, Veröffentlichung des Grafschafter Museums- und Geschichtsvereins in Moers e.V.) mit festen Einband und 156 Seiten kostet 29,50 Euro. Zu erwerben ist es bei der Moers Marketing GmbH oder im Moerser Schloss (Grafschafter Museum) ebenso wie im lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-948252-01-4).
Den Flyer zum Buch gibt es hier zum Download.
Mit Aufklärung gegen Faschismus Von Petra Grünendahl
Angelika Wagner. Foto: Petra Grünendahl.
„Unsere Geschichte prädestiniert uns zum Widerstand gegen Rechts“, erklärte die DGB-Vorsitzende Angelika Wagner. Die Bilder des letzten Wochenendes von Demonstranten auf den Stufen des Reichtages erinnerten fatal an eine Zeit, wo Menschen wegen einer menschenverachtenden Ideologie zu Tode kamen. „Feinde der Demokratie mischen sich unter Demonstranten, die sich missbrauchen lassen! Oder die vielleicht gar sympathisieren?“, warnte Wagner.
Christian von den Driesch. Foto: Petra Grünendahl.
Und: „Wer sich nicht abgrenzt, macht sich gemein mit diesem Gedankengut!“ – „Rechtes Gedankengut ist hier wieder ganz offen tätig“, stellte Christan von den Driesch von der Partnerschaft für Demokratie Duisburg in seinem Grußwort fest. Dagegen müssen man mit Bildungsangeboten angehen, aufklären: „Wir von der Partnerschaft für Demokratie sind da für Projektideen offen“, erklärte er das Projekt „Demokratie leben!“, für das in Duisburg Fördermittel zur Verfügung stehen, damit Lehren aus der Geschichte in der Gesellschaft ankommen.
Bürgermeister Manfred Osenger. Foto: Petra Grünendahl.
„Der Schoß ist fruchtbar noch aus dem das kroch“, zitierte Bürgermeister Manfred Osenger passend Berthold Brecht. „Seit 75 Jahren leben wir im Frieden. Das gilt es zu bewahren“, so Osenger. „Die Geschehnisse in der Welt zeigen, wie wenig wir vom rechten Radikalismus entfernt sind“, betonte Bürgermeister Osenger. Dabei brauche, so der Tenor aller Redner, es ein vielfältiges, respektvolles und gewaltfreies Miteinander, um Frieden zu gestalten.
Kranzniederlegung an der Stele (v. l.): Angelika Wagner, Christian von den Driesch und Manfred Osenger. Foto: Petra Grünendahl.
Die traditionelle Antikriegstags-Veranstaltung des DGB Duisburg-Niederrhein zum 1. September unter dem Titel „Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!“ fand Corona-bedingt unter freiem Himmel vor dem DGB-Haus am Stapeltor statt. Der Vorplatz des Duisburger Gewerkschaftshauses bot nicht nur ausreichend Platz, sondern auch eine passende Gedenkstätte für die anschließende Kranzniederlegung:
Gedenken vor dem DGB-Haus. Foto: Petra Grünendahl.
Die Installation des israelischen Künstlers Dani Karavan* mit einer Stele und vier Särge symbolisierenden Brammenstapeln erinnert an die vier Gewerkschafter, die am 2. Mai 1933 von den Nazis im damaligen Gewerkschaftshaus an der Ruhrorter Straße gefoltert und ermordet worden waren. Der Antikriegstag wird als Gedenktag vom Deutschen Gewerkschaftsbund seit dem 1. September 1957 begangen: Hier versammeln sich Antifaschisten und Pazifisten unterschiedlichster politischer Couleur, um gemeinsam für Demokratie, Abrüstung und Frieden zu demonstrieren. Musikalisch begleitete die Sängerin Melissa Metzner die Veranstaltung.
Die Brammenstapel vor dem DGB-Haus symbolisieren Särge. Foto: Petra Grünendahl.
Mit Stadtspaziergang im kleinen Kreis
Robin Richterich an der evanglischen Kapelle, die an die Synagoge in der Duisburger Innenstadt erinnert. Foto: Petra Grünendahl.
Abschließend nahm Robin Richterich vom Zentrum für Erinnerungskultur zusammen mit Abdul Kader Chahin, der in Essen Lehramt u. a. für Geschichte studiert, eine (Corona-bedingt) kleine Gruppe mit auf einen Stadtspaziergang zu Gedenkorten:
Abdul Kader Chahin erzählte von der Demütigung jüdischer Duisburger vor dem Stadttheater. Foto: Petra Grünendahl.
Vom DGB-Haus über den ehemaligen Standort der Duisburger Synagoge bis hin zum Stadttheater zeichneten die beiden Geschehnisse aus der Zeit des Nationalsozialismus und spannende Geschichten von Menschen nach, die Opfer der menschenverachtenden Ideologie ihrer Zeit wurden. „Mit Geschichten von Menschen der damaligen Zeit erreicht man das Bewusstsein der Menschen heute besser als mit nackten Fakten“, erklärte Robin Richterich seinen Vermittlungsansatz, der bei der Gruppe gut ankam und einen Dialog in Gang setzte, der die Tour etwas mehr in die Länge zog als ursprünglich geplant.
*) Von Dani Karavan stammt auch der Garten der Erinnerungen, der hinter dem DGB-Haus beginnt.
Projektplan Direktreduktion als Schritt zur klimaneutralen Stahlproduktion Von Petra Grünendahl
Martina Merz. Vorstandsvorsitzende der thyssenkrupp AG (mitte), mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (links) und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (rechts). Foto: Petra Grünendahl.
„Mit der Umstellung der Roheisengewinnung von konventionellen Hochöfen auf den Hochofen 2.0, der Direktreduktion mit Hilfe von Wasserstoff (H2), können wir in der Stahlproduktion massiv CO2 einsparen“, erklärte Bernhard Osburg, Sprecher des Vorstandes der thyssenkrupp Steel Europe AG, den Weg zum klimafreundlichen Stahl. Damit falle schlussendlich die bekannte Infrastruktur vom Import der Kohle bis zur Verbrennung im Hochofen ebenso weg wie die Entstehung von CO2.
Bernhard Osburg, Sprecher des Vorstandes der thyssenkrupp Steel Europe AG. Foto: Petra Grünendahl.
Am Ende der Investitionen in Höhe von mehreren Milliarden Euro entstünden durch „tkH2Steel“, einer einzigartigen Entwicklung aus dem Hause thyssenkrupp Steel, auch Effizienzvorteile in der Produktionskette. Der Projektplan steht: Auf einem Areal in der Nähe des Hafenbeckens Walsum-Süd will thyssenkrupp Steel ein Direktreduktionsanlage bauen. Bernhard Osburg übergab zusammen mit Martina Merz, Vorstandsvorsitzende der thyssenkrupp AG, den Projektplan an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, den der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet begleitete.
Von links: NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, Martina Merz, Vorstandsvorsitzende der thyssenkrupp AG, und Bernhard Osburg, Sprecher des Vorstandes der thyssenkrupp Steel Europe AG. Foto: Petra Grünendahl.
Peter Altmaier und Armin Laschet informierten sich bei thyssenkrupp Steel Europe in Duisburg über die grüne Transformation in der Stahlproduktion. Für Deutschlands größten Stahlhersteller empfingen die thyssenkrupp-Vorstandschefin Martina Merz und Stahl-Chef Bernhard Osburg die Gäste auf dem Werksgelände, wo die Direktreduktionsanlage („Hochofen 2.0“) gebaut werden soll. Sie übergaben den Produktionsplan für die innovative Anlage, die bis 2025 im thyssenkrupp Stahlwerk in Duisburg entstehen soll.
Martina Merz. Vorstandsvorsitzende der thyssenkrupp AG. Foto: Petra Grünendahl.
Die neue Roheisengewinnung soll die Stahlproduktion klimafreundlicher machen und die Arbeitsplätze am Stahl-Standort Duisburg langfristig sichern. Schon jetzt kommt der sauberste Stahl weltweit aus Europas größtem Stahlstandort am Rhein. Thyssenkrupps Konzern-Chefin ebenso wie der Stahl-Chef betonten, dass ein einzelnes Unternehmen die immensen Kosten für Entwicklung und Realisierung der grünen Transformation nicht alleine stemmen könne.
Bekenntnis zum Stahl
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. Foto: Petra Grünendahl.
Wirtschaftsminister Altmaier sagte thyssenkrupp Unterstützung für die anstehenden Herausforderungen und eine Förderung der klimaneutralen Stahlproduktion zu: „Wir wollen, dass hier Stahl produziert wird, der wettbewerbsfähig ist.“ Und: „Die Transformation ist nötig, um Klimaziele zu erreichen. Schon jetzt ist jede Tonne Stahl in Deutschland umweltfreundlicher hergestellt als überall sonst in Europa und der Welt.“ NRW-Ministerpräsident Laschet ergänzte: „Diese Region hat die Grundlage für unseren Wohlstand und mit der Montanunion (Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl 1952) auch für Europa gelegt.
NRW-Ministerpräsident Armin Laschet. Foto: Petra Grünendahl.
Wenn wir klimafreundlichen Stahl wollen, brauchen wir Unternehmen wie thyssenkrupp, die das anpacken!“ – „Wir wollen eine Führungsposition in der Transformation haben“, so thyssenkrupp-Chefin Martina Merz. „Der Stahl kann ein Vorreiter in der Industrie werden. Im Stahl liegen Potenziale auch über Deutschland hinaus.“ Über die Jahre habe thyssenkrupp mit der Modernisierung von Anlagen schon viel zur CO2-Einsparung bei der Stahlproduktion unternommen.
Von links: NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, Martina Merz, Vorstandsvorsitzende der thyssenkrupp AG, und Bernhard Osburg, Sprecher des Vorstandes der thyssenkrupp Steel Europe AG. Foto: Petra Grünendahl.
Duisburg und das Ruhrgebiet könnten hier zum Innovationstreiber werden, so Merz. Die Wasserstoff-Strategie der thyssenkrupp Steel schaffe gute Voraussetzungen dafür: „Wir müssen die grüne Transformation in Deutschland, Europa und der Welt durchsetzen, weil sie maßgebliche Impulse für Europa und die Klimaneutralität geben.“
Hochofen 2.0 und tkH2Steel
Von links: NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, Martina Merz, Vorstandsvorsitzende der thyssenkrupp AG, und Bernhard Osburg, Sprecher des Vorstandes der thyssenkrupp Steel Europe AG. Foto: Petra Grünendahl.
Mit einer neuen Direktreduktionsanlage („Hochofen 2.0“) will thyssenkrupp Steel die Roheisengewinnung revolutionieren: Hier wird kein Koks mehr verfeuert, um die Sauerstoffanteile im Eisenerz zu reduzieren. Der im Koks enthaltene Kohlenstoff verbindet sich mit Sauerstoff zu CO2, den man aber vermeiden will. Stattdessen soll in einem Kaltprozess Wasserstoff aus Eisenerz sauerstoffreduzierten Eisenschwamm machen. So entstehen im Reduktionsprozess keine CO2-Emissionien mehr. Flüssig wird das Eisenerz erst danach, wenn es eingeschmolzen wird. Das Schmelzaggregat, das thyssenkrupp Steel in einem zweiten Entwicklungsschritt ab 2026 entwickelt, soll elektrisch (mit grünem Storm) klimaneutral arbeiten. Der Reduktionszylinder bildet dann mit dem innovativen Schmelzaggregat den Hochofen 2.0, der in die Prozessketten eingebunden wird. Das sichert den Erhalt des bestehenden integrierten Produktionsstandortes mit dem Beibehalt des kompletten Produktportfolios. Bis 2030 sollen damit CO2-Emissionen um 30 Prozent gesenkt werden. 2050 will thyssenkrupp Steel klimaneutral sein.
Hochofen 8 von thyssenkrupp Steel. Foto: Petra Grünendahl
Schon jetzt erprobt thyssenkrupp Steel, Wasserstoff in der Roheisengewinnung im konventionellen Hochofen, um die Zufuhr von Kohlenstaub und damit die CO2-Emissionen zu reduzieren. Was den Stahl aus Duisburg zum klimafreundlichsten weltweit macht!
thyssenkrupp Steel Europe AG
Abstich am Hochofen 8 von thyssenkrupp Steel. Foto: Petra Grünendahl
Die thyssenkrupp Steel Europe AG mit Unternehmenssitz in Duisburg ist eine Tochtergesellschaft der thyssenkrupp AG, Essen, und gehört zu den weltweit führenden Anbietern von Qualitätsflachstahl. Der Geschäftsbereich Steel Europe mit rund 27.000 Mitarbeitern und hoch effizienten Anlagen produziert jährlich ungefähr 12 Millionen Tonnen Rohstahl – und ist damit der größte Flachstahlhersteller in Deutschland. Dabei erwirtschaftet die Stahl-Sparte des Konzerns mit rund 1.800 verschiedenen Stahlsorten im Portfolio einen Jahresumsatz von knapp 9 Mrd. Euro.
Hauptverwaltung von thyssenkrupp Steel in Bruckhausen. Foto: Petra Grünendahl.
Das Duisburger Werk ist das Herz des Unternehmens. Die Lage am Rhein ist dabei seit Gründung des Standortes im Jahr 1891 ein unschätzbarer Standortvorteil: Mit einer Fläche von rund 10 Quadratkilometern (1.000 Hektar) verfügt das Stahlwerk nicht nur über 400 Gleiskilometer im Werk und Anschlüsse an das Bahnnetz, sondern auch über zwei Häfen (Schwelgern und Walsum-Süd) am Rhein. Weiterverarbeitungsstufen finden sich in den Werken Bochum, Dortmund und im Siegerland mit modernen Walz- und Beschichtungsanlagen. Electrical Steel in Gelsenkirchen steht für hochwertiges kornorientiertes Elektroband; eine zweite Tochtergesellschaft in Andernach zählt wiederum zu den Weltmarktführern für Verpackungsstahl. Steel ist nicht nur in Deutschland aktiv, sondern ist über ein Joint Venture zudem auf dem chinesischen Markt für hochwertige, feuerbeschichtete Bleche für die Automobilindustrie vertreten.
Symbolischer Spatenstich leitet Erschließung ein Von Petra Grünendahl
Oberbürgermeister Sören Link. Im Hintergrund laufen die Arbeiten am Fundament des Lärmschutzwalls. Foto: Petra Grünendahl.
Die Bauarbeiten sind längst im Gange, auch das Fundament für den Lärmschutzwall ist schon weitgehend gesetzt. Corona-bedingt verspätet ließen sich GEBAG-Geschäftsführer Bernd Wortmeyer und Oberbürgermeister Sören Link den (symbolischen) ersten Spatenstich nicht nehmen. Die Anwesenheit der NRW-Bauministerin* Ina Scharrenbach zeigt die Bedeutung der Flächenentwicklung an dieser Stelle: „Es ist zur Zeit das größte Wohnungsbauprojekt in NRW“, so die Ministerin. Rund 3.000 bis 3.500 Wohnungen sollen auf dem ehemaligen Rangierbahnhofsgelände der Deutschen Bahn in Wedau entstehen – mit einem eigenen Nahversorger.
Bernd Wortmeyer, Geschäftsführer der GEBAG. Foto: Petra Grünendahl.
In unmittelbarer Nachbarschaft zur Sechs-Seen-Platte entsteht ein neues Stadtquartier mit immenser Bedeutung für die Stadtentwicklung Duisburgs „mit hoher Wohnqualität und viel Grün“, so OB Link. Es ist neben dem Quartier am Alten Angerbach, dem Alten Güterbahnhof und Wedau-Nord (ehemaliges DB-Ausbesserungswerk) die vierte große Flächenentwicklung, die die städtische Immobilien-Tochter GEBAG Hand in Hand mit der Stadt Duisburg voran treibt.
Am arbeiten (v. l.): Bernd Wortmeyer, Ina Scharrenbach und Sören Link. Foto: Petra Grünendahl.
Zum Spatenstich hatten sich neben OB Link, GEBAG-Chef Wortmeyer und Ministerin Scharrenbach zahlreiche Lokalpolitiker, Planer und Projektbeteiligte eingefunden, den „Startschuss“ zu feiern. Der Lärmschutzwall entsteht an der östlichen Grundstücksgrenze zur Bahntrasse: Mit einer Gesamtlänge von ca. 2,5 Kilometern und einer Höhe von bis zu 15 Metern schützt er das neu entstehende Wohnquartier vor Lärmbelastung durch den Zugverkehr. Die GEBAG errichtet den Wall mit seinen begrünten Wandflächen, die das neue Wohngebiet vor Lärm schützen, aber diesen auch nicht in die Wohngebiete auf der anderen Seite der Bahntrasse reflektieren sollen. Der Lärmschutzwall inklusive Wand auf Erdbauwerk und Begrünung soll bis Herbst 2021, die Bodensanierung der Flächen bis Ende 2021 fertig sein.
Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes NRW. Foto: Petra Grünendahl.
Die Verlegung der Kleingartenanlage ist bereits im Bau: Bis Ende Februar 2021 stehen Erholungsgartenanlage inkl. Vereinsheim. Die Vermarktung der Baufelder für den Wohnungsbau will die GEBAG im zweiten Quartal 2021 beginnen. Etwa 7.000 Menschen sollen in dem Quartier eine neue Heimat finden. Infrastrukturelle Angebote vor Ort, Bildungs- und Betreuungseinrichtungen sowie vielfältige Freizeitmöglichkeiten in direkter Wasserlage prägen das neue Quartier. Der Bebauungsplan, erzählte Bernd Wortmeyer, mache keinen strengen Vorgaben, was entstehen soll. Das ermögliche der GEBAG, vieles im Gespräch mit den Investoren direkt festmachen zu können.
Impressionen. Fotos: André C. Sommer
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Vier Wohnquartiere
Der denkmalgeschütze Wasserburm bleibt erhalten. Foto: Petra Grünendahl.
Auf den rund 60 Hektar Fläche im südlichen Teil von Sechs-Seen-Wedau (dem ehemaligen Rangierbahnhof) sieht ein Rahmenplan vier Wohnquartiere mit unterschiedlichen gestalterischen Schwerpunkten vor, die sich an eine breit gefächerte Zielgruppe richten. Das Quartier am Wasserturm sichert die infrastrukturelle Versorgung des neuen Stadtteils: Neben Einzelhandel im Nahversorgungszentrum werden hier eine Schule und eine Kindertagesstätte angesiedelt. Durch Erhaltung der denkmalgeschützten Elemente des ehemaligen Rangierbahnhofs wie Stellwerk und Ziegelwasserturm verbindet das als Sonder- und Mischgebiet ausgewiesene Baugebiet auf eine attraktive Weise die Geschichte des Standorts mit der zukunftsweisenden Funktion, die Sechs-Seen-Wedau in der Stadtentwicklung Duisburgs übernehmen soll.
Das denkmalgeschütze Stellwerk links bleibt erhalten. Foto: Petra Grünendahl.
Die Neue Gartenstadt nimmt die bereits bestehende Bebauung in Wedau in ihrer Architektursprache auf und wird größtenteils Geschosswohnungsbau im Gartenstadtcharakter vorweisen. Durch seine direkte Lage am See weiß das Seequartier als urbaner Stadtraum mit hoher Lebensqualität zu überzeugen. Der Anschluss an den Masurensee auf der Westseite des Quartiers erfolgt über die neue Ufer-Promenade. Weiterhin ist die Einrichtung einer weiteren Kindertagesstätte geplant. Das sich südlich an den Uferpark anschließende Quartier am Uferpark bildet den südlichen Abschlusspunkt der Wohnbebauung von Sechs-Seen-Wedau. Hier sind Ein- und Mehrfamilienhäuser in aufgelockerter Struktur geplant.
Lokalpolitiker, Planer und Projektbeteiligte feierten den Start am neuen Stadtquartier. Foto: André C. Sommer.
Die für Sechs-Seen-Wedau vorgesehen Außenraumplanung legt viel Wert auf den Erhalt und die zeitgleiche Neuschaffung von öffentlichen Grünräumen sowie großzügigen Zonen mit hoher Aufenthaltsqualität – sowohl für die Bewohner des neuen Stadtteils, als auch für alle Duisburger. Auch Aufenthaltszonen direkt am Wasser sind vorgesehen: Die Sorge, dass die Uferzonen komplett zugebaut werden könnten, ist also unbegründet!
Lokalpolitiker, Planer und Projektbeteiligte feierten den Start am neuen Stadtquartier. Foto: Petra Grünendahl.
Ziel der Planung ist es, eine attraktive Wegeführung für Fußgänger und Radfahrer zu schaffen, um so den Autoverkehr ganz automatisch im Sinne der „grünen Stadt von morgen“ zu reduzieren. Plätze und Querungsmöglichkeiten schaffen Begegnungsräume, eine hohe Aufenthaltsqualität belebt zugleich das gesamte Quartier. https://www.gebag.de/flaechenentwicklung/6-seen-wedau/ https://www.6-seen-wedau.de/home/
Geschichte des Areals
Ansicht des alten Rangierbahnhofsgeländes von der Wedauer Brücke aus im Mai 2018. Foto: Petra Grünendahl.
Den Rangierbahnhof Wedau errichtete die Reichsbahn Ende des 19. Jahrhunderts in der „Huckinger Mark“. Der entlang der Rheinschiene und im Ruhrgebiet rapide zunehmende Güter- und Bahnverkehr führte zu einer vermehrten Überlastung der Hauptbahnhöfe. Als Reaktion hierauf wurde in den 1920er-Jahren der Rangierbahnhof Wedau zu einem der größten Verschiebebahnhöfe ausgebaut. Um die Baumaßnahmen schnell und kostengünstig umsetzen zu können, baggerte man große Kies- und Sandmengen aus der direkten Umgebung ab: So entstanden im Laufe der Zeit die für den Stadtteil Namens gebenden „Sechs Seen“, die zum Teil ineinander greifen, zum Teil nur durch schmale Landzungen voneinander getrennt sind (Masuren-, Warnbach-, Böllert-, Wildförster-, Wolfs- und Haubachsee). Im Jahr 2004 legte die Deutsche Bahn Rangierbahnhof und das angeschlossene Ausbesserungswerk schließlich still. Seither liegt das Areal südöstlich der Duisburger Innenstadt zwischen den Ortsteilen Wedau und Bissingheim brach.
Oberbürgermeister Sören Link. Im Hintergrund laufen die Arbeiten am Fundament des Lärmschutzwalls. Foto: André C. Sommer.
Das Areal liegt verkehrsgünstig zwischen der Autobahn A3, dem Sportpark Wedau und der Sechs-Seen-Platte. Die Fläche unterteilt sich in eine circa 30 Hektar große Nord- und eine circa 60 Hektar große Südfläche. Auf der Südfläche entsteht das Wohnquartier „Sechs-Seen-Wedau“, im nördlichen Teil der Fläche entsteht ein Universitäts- und Technologiezentrum mit zahlreichen Arbeitsplätzen. Im Dezember 2019 hat die GEBAG Flächenentwicklungsgesellschaft mbH (GEBAG FE) das Gelände von der Bahn gekauft: Sie ist nicht nur Erschließungsträgerin, sondern wird die Fläche im Duisburger Süden auch vermarkten. Darüber hinaus errichtet sie den Lärmschutzwall und übernimmt den Bau der rund 300 auf der Fläche geplanten öffentlich geförderten Wohnungen. Die Stadt Duisburg hat die Planungshoheit über die Fläche. Die GEBAG FE und die Stadt Duisburg bilden gemeinsam das „Team Wedau“, das hier in der Stadtentwicklung Akzente setzen will.
GEBAG
Sechs-Seen-Wedau, Foto: Michael Oberländer / Gebag.
Die Duisburger Gemeinnützige Baugesellschaft AG (GEBAG) wurde 1872 gegründet und zählt zu den ältesten Baugesellschaften Deutschlands. Seit 2012 ist die heutige GEBAG Duisburger Baugesellschaft mbH mit aktuell über 12.300 Wohnungen das größte Immobilienunternehmen der Stadt. Sie bietet rund 35.000 Duisburgern ein Zuhause: Bezahlbar und in einer guten, zeitgemäßen Qualität. Die GEBAG ist das kommunale Immobilienunternehmen der Stadt Duisburg und beschäftigt rund 190 Mitarbeiter. Seit mehr als 140 Jahren prägt sie die Gestaltung und Entwicklung der Stadt Duisburg maßgeblich mit. www.gebag.de
*) der vollständige Titel lautet: Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes NRW
Perspektive für die Stadtentwicklung: Nutzerorientierte Entwicklung einer „notleidenden“ Bestandsimmobilie Von Petra Grünendahl
Baustelle am Stadtbad Hamborn. Foto: Petra Grünendahl.
„Es war schlimm, in den letzten Jahrzehnten den Verfall des Gebäudes mitzuerleben, das mit seiner herausragenden Architektur das Eingangstor nach Marxloh und Hamborn ist“, erklärte Oberbürgermeister Sören Link. „Wir haben seit Jahren versucht, hier im Stadtbad Hamborn etwas Besonderes hin zu kriegen“, so Link. Auf der grünen Wiese bauen könne schließlich jeder. „Ich freue mich, dass Greyfield Interesse hatte und die Herausforderung angenommen hat.“ Dieser herausragende Standort sei wichtig für Hamborn und Marxloh, meinte auch Wirtschaftsdezernent Andree Haack. „Als Investoren sind wir Ruhrgebietskinder“, sagte Guido Schürken, Geschäftsführer der Greyfield Group. Mit solchen Bestandsimmobilien könne man ein Erbe antreten, sie unter Wahrung des Denkmalschutzes einer neuen Nutzung zuzuführen. Auch für ihn ist ein Abriss solcher Gebäude keine Lösung: „Wir müssen uns mit dem Bestand beschäftigen.“
Auf der Treppe zum Foyer (v. l.): Rainer Enzweiler (CDU), Guido Schürken (Geschäftsführer Greyfield Group), Andree Haack (Wirtschaftsdezernent), Frank Böttcher (Geschäftsführer Jobcenter Duisburg), OB Sören Link, Ellen Pflug (SPD) und Marcus Jungbauer (Bezirksbürgermeister). Foto: Petra Grünendahl.
Oberbürgermeister Sören Link übergab symbolisch die schon im Mai erteilte Baugenehmigung für den Umbau des Stadtbads Hamborn. Der Investor Greyfield baut das ehemalige Stadtbad im Duisburger Norden zum Bürostandort um, in den das Jobcenter Nord einziehen wird. Guido Schürken, Geschäftsführer der Greyfield Group, gab OB Link, Andree Haack, Jobcenter-Geschäftsführer Frank Böttcher, Lokalpolitikern und der Presse Einblicke in die Baustelle an der Walther-Rathenau-Straße. Eine gute Bausubstanz attestierte Guido Schürken der Immobilie, deren prächtige Architektur wie die anderer Immobilien dieser Zeit ein Markenzeichen der damaligen selbstständigen Stadt Hamborn (1911 bis 1929) war.
Enge Kooperation für nötige Baugenehmigung
Die Treppe zum Foyer. Foto: Petra Grünendahl.
In einem ersten Schritt wurde das Gebäude entkernt und aufwändig schadstoff- und asbestsaniert. Der alte Charme und die prachtvolle Architektur sind jetzt schon wieder sichtbar. Darauf folgen nun jeweils in den Beckenbereichen die Bürotrakte als Holzbau. Die beiden Becken sollen neue Innenhöfe (Lichthöfe) bilden.
Um das Schwimmbecken herum entstehen Büros, das Becken selber wird zum Lichthof. Foto: André C. Sommer.
Die Ertüchtigung des ehemaligen Stadtbades stellte sich an anderen Stellen als nicht ganz unproblematisch dar. Bei der Ertüchtigung und Planung von Klimatisierung und Luftzufuhr gab es Vorgaben zu beachten, die sich aus der Nähe zu einem Störfallbetrieb (Grillo) ergaben. Zudem gab es Anforderungen des Brandschutzes und des Denkmalschutzes zu beachten. „Die rechtlichen Probleme haben sich alle lösen lassen“, gab sich Wirtschaftsdezernent Haack pragmatisch, denn auch die Stadt hatte großes Interesse, diesen Stadtbild prägenden Bau zu erhalten und einer neuen Nutzung zuzuführen.
Der rechte Seitenflügel an der Duisburger Straße. Foto: Petra Grünendahl.
Greyfield-Prokurist Thomas Nadolny lobte ausdrücklich die Zusammenarbeit mit dem Bauamt, dem Amt für Baurecht und betrieblichen Umweltschutz sowie dem Denkmalamt der Stadt Duisburg. „Es handelt sich beim Stadtbad um eine besondere Bestandsimmobilie. Da müssen naturgemäß viele Umwelt- und Baurechtsfragen geklärt werden. Und das klappt in Duisburg sehr gut“, so Nadolny. Die Bauarbeiten liegen bislang gut im Zeitplan: Im Frühjahr 2021 soll das Jobcenter mit einem langfristigen Mietvertrag hier einziehen können.
Stadtbad Hamborn
Blick von der Walther-Rathenau-Straße. Foto: Petra Grünendahl.
Nach der Grundsteinlegung am 27. März 1929 begann der Bau des neuen Stadtbades nach Plänen des Regierungsbaumeisters Franz Steinhauer, nach dessen Plänen die Hamborner auch das Polizeirevier und das Robert-Bosch-Berufskolleg erbauten. Die Weltwirtschaftskrise erzwang eine Unterbrechung der Bauarbeiten, die erst im Dritten Reich wieder aufgenommen wurden. Das im Stil der neuen Sachlichkeit erbaute Haus eröffnete 1938. Stillgelegt wurde das Stadtbad 1998. 2005 stellte die Stadt Duisburg das Gebäude unter Denkmalschutz. Seit der Stilllegung verfiel es dennoch zusehends. Zwei größere Brände 2013 und 2016 richteten nicht unerhebliche Schäden an.
Der Dino bleibt. Foto: Petra Grünendahl.
Im vergangenen Jahr kaufte Greyfield die Immobilie, um sie zu ertüchtigen und als Bürostandort umzubauen. Der Investor ist spezialisiert auf das Redevelopment von Bestandsimmobilien, wobei hier der Fokus auf den Möglichkeiten von „notleidenden“ Objekten wie dem ehemaligen Stadtbad liegt. Das Essener Unternehmen findet gerade im Ruhrgebiet mit dieser Firmenphilosophie Potenziale zu einer nutzerorientierten Projektentwicklung. Dafür habe er in Duisburg auch andere interessante Objekte gesehen, sagte Schürken.
Das Stadtbad von der Duisburger Straße aus. Foto: Petra Grünendahl.
Auf dem 9.200 Quadratmeter großen Grundstück an der Ecke Duisburger Straße / Walther-Rathenau-Straße entstehen in den kommenden Monaten ca. 7.500 Quadratmeter Büroflächen. Auch 127 Stellplätze werden Bestandteil der neuen Büroadresse sein. Frank Böttcher, Geschäftsführer des Jobcenters Duisburg, kann den Umzug kaum erwarten. Die derzeitige Fläche am Standort Duisburger Straße reiche von der Größe nicht mehr aus, so der Jobcenter-Chef. „In der neuen Liegenschaft haben wir endlich ausreichend Platz und geeignete technische Voraussetzungen, um unseren Kunden neue Serviceangebote, wie zum Beispiel digitale Selbstinformationstools, bieten zu können. Und selbstverständlich freuen sich auch die Kollegen auf ein modernes Büro.“ Er würde sich hier gerne selber ein Zweitbüro einrichten, erzählte er.
Impressionen von der Baustelle. Fotos: Petra Grünendahl und André C. Sommer
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Über die Greyfield Group
Die Greyfield Group wurde im Jahr 2012 durch Timm Sassen gegründet. Das nachhaltige Projektentwickler-
Unternehmen aus Essen setzt sich aus den drei eigenständigen Marken Liwon, Stana sowie Greyfield zusammen, die jeweils in einem Lebenszyklus einer Immobilie aktiv sind und sich auf das Investment und Redevelopment von Bestandsimmobilien in B- und C-Lagen spezialisieren. Dank fachlicher Kompetenz und kreativem sowie architektonischem Gespür begeht die Greyfield Group unkonventionelle Wege, um aus Grundstücken und Immobilien mit Geschichte intelligente Neunutzungskonzepte zu schaffen, die der Region neuen Mehrwert verleihen. Vom Refurbishment über die Revitalisierung bis hin zum Redevelopment werden alle Bereiche der Immobilienbestandsentwicklung abgedeckt. Durch eine nutzerorientierte Projektentwicklung schafft die Greyfield Group neuen Lebensraum, indem ungenutzte Flächen revitalisiert werden und an die Gesellschaft in Form einer neuen inhaltlichen Zweckbestimmung zurückgegeben werden. So kommen wirtschaftliche und soziale Rendite zusammen. Die gemeinnützige Greyfield Stiftung fördert auch darüber hinausgehend Projekte, die diesen Gedanken weitergeben und die Komponenten Ressourcenschonung, Nachhaltigkeit, Urbanität und gesellschaftliche Verantwortung fördern.
Bewerbungsfrist für private Bauherren läuft bis 23. August Von Petra Grünendahl
Führung auf der Baustelle am Alten Angerbach (v. l.): Oberbürgermeister Sören Link, Bernd Wortmeyer, Bruno Sagurna, Thomas Susen und Beate Lieske. Foto: Petra Grünendahl.
„Wir freuen uns, dass es jetzt endlich los geht: Hier entstehen auf einer einzigartigen Fläche rund 300 Wohneinheiten“, erklärte Oberbürgermeister Sören Link. Auf rund 170.000 Quadratmetern (17 Hektar) Fläche entsteht im Duisburger Süden am Alten Angerbach ein neues Stadtquartier, das Wohnwünsche von Singles, Paaren und Familien erfüllt. Eine städtische Kindertagesstätte baut die GEBAG zusammen mit einem Blockheizkraftwerk zur Wärmeversorgung, welches ebenso wie Versorgungsleitungen und Glasfasernetz von der DVV (Duisburger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH) betrieben wird.
Archäologen untersuchen eine Abwasseraufbereitung von Ende des 19. / Anfang des 20. Jahrhunderts. Foto: André C. Sommer.
„Das ist eine besondere Fläche und eine tolle Lage“, schwärmte Bernd Wortmeyer, Geschäftsführer der GEBAG. „Hier wollen wir nicht verdichten, sondern auf großzügigen Grundstücken hochwertigen Wohnraum schaffen, für den Eigentümer gern ein bisschen mehr ausgeben“, so Wortmeyer. Das Entscheidungskriterium im Bieterverfahren für Projektentwickler sei ausschließlich die Qualität der Angebote. Hier darf es etwas teurer werden, sollen sich doch primär Gutverdiener angesprochen fühlen, die man gerne in Duisburg halten möchte. Oder auch Interessenten von auswärts: „Bei uns ist jeder willkommen!“, betonte der GEBAG-Chef. Von den Bewerbern für Einzelgrundstücke stammen je ein Drittel aus Duisburg, aus Düsseldorf und von ganz woanders.
Führung auf der Baustelle am Alten Angerbach. Foto: Andre Sommer.
Zum Beginn der Erschließungsarbeiten führten GEBAG-Geschäftsführer Bernd Wortmeyer und Sören Link über die Baustelle am Alten Angerbach. Hier hat die Firma Maasbau aus Moers auf einer sehr vorbildlichen Baustelle mit den Erschließungsarbeiten begonnen. „Ohne eine deutliche Mehrheit im Rat der Stadt wäre dieser Bebauungsplan nicht möglich gewesen“, so OB Link, mit einem Dank an Bezirksbürgermeisterin Beate Lieske
Die Baustelle am Alten Angerbach. Foto: Petra Grünendahl.
und die Ratsherren Bruno Sagurna (Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion) und Thomas Susen (Stv. Vorsitzender der CDU-Ratsfraktion), die die Baustellenbesichtigung begleiteten. Die Flächen „Am Alten Angerbach“ gehören der Stadt Duisburg. Die städtische Wohnungsbau-Tochter GEBAG ist hier für die Erschließung und Vermarktung der Bauflächen verantwortlich. Projektentwickler ebenso wie privaten Bauherren, die sich um die Flächen bewerben, müssen sich an im B-Plan festgelegte Kriterien halten: Städtebauliche Kriterien und Baugröße zählen ebenso dazu wie Ökologie und Innovationen. Ziel sei, so Ralf Lützenrath, Abteilungsleiter Neubau bei der GEBAG.
Die Baustelle am Alten Angerbach. Foto: Petra Grünendahl.
Die Baustelle am Alten Angerbach. Foto: Petra Grünendahl.
Die Baustelle am Alten Angerbach. Foto: Petra Grünendahl.
Private Bauherren können sich noch bewerben
Ralf Lützenrath, Abteilungsleiter Neubau bei der GEBAG, mit der Bauplanung. Foto: Petra Grünendahl.
Zwei Brunnenanlagen sollen die Staubbelastung für die Umgebung reduzieren: Sie sind bereits gebohrt. Erste Kanalisationsarbeiten für Regen- und Schmutzwasser sind ebenfalls bereits abgeschlossen. Die Verlegung für Versorgungsleitungen (Nahwärme etc.) erfolgt im ersten Bauabschnitt voraussichtlich im September. Der Baustart für die fünfgruppige Kindertagesstätte und das Blockheizkraftwerk der DVV erfolgen Anfang 2021. In gut zwei Jahren sollen die ersten Häuser bezugsfertig sein.
Das Areal auf dem B-Plan. Foto: Petra Grünendahl.
mPrivate Bauherren, die sich um eines der 32 Baugrundstücke im ersten und zweiten Bauabschnitt bewerben möchten, haben noch bis zum Stichtag 23. August die Gelegenheit. Die Auslosung der Grundstücke erfolgt über ein notariell begleitetes Losverfahren Anfang September. Alle Informationen finden sich auf der Projekt-Webseite www.am-alten-angerbach.de.
GEBAG
Luftbild vom künftigen neuen Stadtquartier auf Google Maps.
Die Duisburger Gemeinnützige Baugesellschaft AG (GEBAG) wurde 1872 gegründet und zählt zu den ältesten Baugesellschaften Deutschlands. Seit 2012 ist die GEBAG Duisburger Baugesellschaft mbH mit heute über 12.300 Wohnungen das größte Immobilienunternehmen der Stadt Duisburg. www.gebag.de
Neues Konzept mit kleinteiligem Einzelhandel, Gastronomie und Büros Von Petra Grünendahl
Die ehemalige C&A-Immobilie auf der Münzstraße, links geht es auf der Kühlingsgasse Richtung Rathaus. Foto: Petra Grünendahl.
„C&A hat an dieser Stelle immer wieder neu gebaut: Die Immobilie von 1984 ist von einer guten Substanz“, erklärte Bernd-Claas Gesterkamp, Architekt und Inhaber der Gesterkamp Immobilien Marketing. Der Standort sei sowohl Herausforderung als auch seine Stärke. Mit seinem Unternehmen hat Gesterkamp die Produktentwicklung und den Vertrieb des Standortes für den neuen Eigentümer übernommen. Natürlich wird sich hier kein Warenhaus ansiedeln: „Nachdem sich die 1A-Lagen in Duisburg, die für großflächigen Einzelhandel interessant sind, woanders hin verlagert haben, ist es uns jetzt gelungen, hier einen Investor für neue Konzepte zu gewinnen“, erklärte Ralf Meurer, Geschäftsführer der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Duisburg mbH, die diesen Ansieldungserfolg mit dem Quartiersmanagement Altstadt feiern konnte. „Hier muss ein anderer Typus von Quartier entstehen“, ergänzte Duisburgs Wirtschaftsdezernent Andree Haack. Geplant sind auf den sieben Etagen (von zwei Untergeschossen bis zum vierten Obergeschoss) höherwertige Gastronomie, kleinteiliger Einzelhandel, Büros und Dienstleistungsbetriebe sowie ein Fitness-Studio. Die Gespräche seien weit genug, so Projektentwickler Gesterkamp, dass man die Pläne einer Öffentlichkeit vorstellen könnte. Namen wolle er noch nicht nennen, da Verträge noch nicht unterschrieben seien.
Stellten KUBIKK vor (v. l.): Francesco Mannarino, Ralf Meurer, Andree Haack und Bernd-Claas Gesterkamp. Foto: Petra Grünendahl.
Bernd-Claas Gesterkamp als Projektentwickler, Vermarkter und Sprecher des Eigentümer stellte mit GFW-Geschäftsführer Ralf Meurer, Quartiersmanager Francesco Mannarino und Wirtschaftsdezernent Andree Haack seine Pläne für die ehemalige C&A-Immobilie vor: KUBIKK. Mit einem Konzept unterschiedlicher Nutzungen will der Eigentümer und Investor dem massiven Baukörper in der Altstadt neues Leben einhauchen. Es wird kleinteiliger werden in der 15.000 Quadratmeter großen Immobilie (Bruttogeschossflächen), um zeitgemäßen Anforderungen von Gastronomie oder Einzelhandel, aber auch von Büro- und Gewerbeflächen Rechnung zu tragen.
Lebendige Fassaden für das ehemalige Warenhaus: KUBIKK in der Vision. Visualisierung: Gesterkamp Immobilien Marketing / Foto: Petra Grünendahl.
Dafür soll das Gebäude von seiner klassischen Warenhaus-Typologie weg umgebaut werden. Wo heute noch die Rolltreppen stehen, soll zum Beispiel ein lichter Innenhof entstehen. Wenn alles im Zeitplan bleibt, rechnet Gesterkamp mit einer Eröffnung Ende 2021 / Anfang 2022. „Damit wollen wir diesen Bereich der Altstadt voran bringen“, erklärte GFW-Chef Meurer. „KUBIKK hat das Zeug, hier einiges in Bewegung zu setzen“, fand Francesco Mannarino, der mit Yvonne Bleidorn seit 2015 als Quartiersmanager für die GFW tätig ist. Eine solche Aufwertung würde auch andere Immobilien in der Altstadt rund um Münz- und Beekstraße für Investoren, Eigentümer und Mieter interessant machen.
Neues Leben an einem Standort mit Geschichte
Die ehemalige C&A-Immobilie von der Schwanenstraße, rechts geht es in die Kühlingsgasse. Foto: Petra Grünendahl.
Der Name „KUBIKK“ leitet sich ab von der kubistischen Architektur des Anfang der 1980er-Jahre von C&A erbauten Kaufhaus-Gebäudes. Seit den 1950er-Jahren war der Bekleidungsriese an diesem Standort aktiv, hat immer wieder an gleicher Stelle neu gebaut. Seit der Aufgabe des Standortes mit dem Umzug ins Forum wurde das Gebäude verkauft, um dann mehrfach im Rahmen eines Pakets von einem Immobilien-Fonds an den nächsten weitergereicht zu werden. Den Investmentgesellschaften war eines gemein: Sie hatten keinerlei Interesse an dem Duisburger Standort! Es gab hier einen dauerhaften Leerstand, der dem Altstadt-Quartier immens schadete.
Anschub: Investment als langfristige Planung
Ein Relikt aus Warenhauszeiten, die Rolltreppen, verschwinden. Foto: Petra Grünendahl.
Das soll sich mit dem neuen Eigentümer – einen Namen wollte Gesterkamp hier noch nicht nennen – ändern: Sie haben ein Interesse, diesen Standort zu entwickeln, und sind bereit, dafür 12 bis 15 Mio. Euro insgesamt – Kauf plus Modernisierung und Umbau – in die Hand zu nehmen. Eigentümer ist jetzt ein Familienunternehmen, das bundesweit tätig ist – mit Anlageschwerpunkten in Berlin und im Ruhrgebiet. Zum Jahreswechsel war die Immobilie in der Duisburger Altstadt in die Hände des neuen Eigentümers gelangt. Natürlich sei sich das Unternehmen klar, dass ein Neubeginn hier nicht von heute auf morgen gehe, so Gesterkamp: „Wir brauchen Marathon-Qualitäten.“
Die ehemalige C&A-Immobilie auf der Münzstraße. Foto: Petra Grünendahl.
Klare Vorstellungen äußerte der Projektmanager schon beim Pressegespräch: „KUBIKK soll zum neuen Herzen der Altstadt avancieren, in dem kreatives urbanes Leben und Arbeiten auf Schritt und Tritt mit allen Sinnen erlebbar wird.“ Vielfältige Nutzungskonzepte könne er sich hier vorstellen, sagte er: Im Erdgeschoss einen Mix aus Cafés, Bistros und anderer einladender, qualitativ überzeugender Gastronomie sowie kleinteiligem (Bio-)Lebensmittel-Einzelhandel. Die erste bis dritte Etage biete Platz für zeitgemäßes Arbeiten, Co-Working oder Aktivitäten von Dienstleistern wie „Full-Service-Centern“ oder Telefon-Laboren. Die vierte Etage punkte mit ähnlichen Qualitäten sowie einen tollen Blick auf die Duisburger Skyline. Und die Dachterrasse sei ein Must-Have für Event-Betreiber. „In Zeiten der Pandemie mag es in manchen Ohren befremdlich klingen, solche Ideen zu äußern, aber wir denken langfristig, so dass wir jetzt die Weichen stellen wollen und müssen für alles das, was nach Corona kommen wird“, erklärt der Eigentümer-Vertreter. Und auch für die beiden Untergeschosse schweben dem Immobilienprofi bereits neue Nutzungen vor: „Ein attraktives Fitnessstudio im ersten Untergeschoss würde eine ‚bella figura‘ machen, während dem zweiten Untergeschoss Fun-Aktivitäten wie Lasertag, Bubble-Ball, Escape Rooms oder ein loungiger Club gut zu Gesicht stünden.“
„KUBIKK hat das Potenzial, den Puls der Altstadt zu beschleunigen und eine positive Dynamik im gesamten Umfeld zu entfachen. Wenn hier investiert wird, dann ziehen im Idealfall auch einige andere Hauseigentümer nach, die von diesem Esprit angesteckt werden“, hoffte Andree Haack auf weiter reichende Impulse. „KUBIKK ist ein positives Signal für Geschäftstreibende, Passanten, Viertelbewohner und Hauseigentümer gleichermaßen.“
Vom Sanierungsfall zum wichtigen
Partner für die Standortentwicklung Von Petra Grünendahl
Oberbürgermeister Sören Link. Foto: Petra Grünendahl.
Am Alten Güterbahnhof, Wedau-Nord, 6-Seen-Wedau, am Alten Angerbach oder das Mercatorviertel sind nicht nur Filetstücke der Stadtentwicklung, sondern auch Leuchtturmprojekte, die über die Grenzen der Stadt hinaus strahlen. Überall ist die städtische Immobilientochter GEBAG als Flächenentwickler an Bord: Ein neues Geschäftsfeld, was über das klassische Tätigkeitsfeld Wohnungsbau und Bestandsbewirtschaftung (Vermietung) hinaus an Bedeutung gewinnt. Hierfür hat die GEBAG als 100-prozentige Tochter die GEBAG Flächenentwicklungsgesellschaft mbH gegründet, die hier primär Aspekte der Stadt- und Quartiersentwicklung verfolgt. Rund 150 Hektar Flächen, die im Besitz der GEBAG (ca. 120 Hektar) oder der Stadt Duisburg sind, werden hier entwickelt. „Die GEBAG ist heute für uns der Geschäftspartner, den wir uns mit der Rettung des Unternehmens vorgestellt hatten“, so Oberbürgermeister Sören Link. Die GEBAG schaffe darüber attraktiven bezahlbaren Wohnraum durch Neubau und Modernisierungen. Duisburg sei im Verbauen von Fördergeldern in NRW die Nummer Zwei (hinter Köln): Größtenteils wegen der Investitionen der GEBAG. „Das gelingt, weil die GEBAG wieder handlungsfähig ist“, so der OB.
Stellten Bilanz und Geschäftsbericht vor (v. l.): Oberbürgermeister Sören Link und GEBAG-Geschäftsführer Bernd Wortmeyer. Foto: Petra Grünendahl.
GEBAG-Geschäftsführer Bernd Wortmeyer stellte zusammen mit Oberbürgermeister Link die Bilanz der städtischen Immobilientochter GEBAG und den Geschäftsbericht 2019 („Wir machen weiter!“) vor. Wortmeyer war vor sechs Jahren angetreten, um die arg in finanzielle Schwierigkeiten geratene GEBAG wieder auf Vordermann zu bringen. Das Desaster beim Erweiterungsbau der Küppersmühle – Stichwort: Schuhkarton – hatte riesige Verluste eingefahren. „Wir haben den Verlustvortrag von 30 Mio. Euro im Jahr 2019 vollständig abgebaut“, erzählte der GEBAG-Geschäftsführer. Die Bilanzsumme stieg von 523,8 Mio. Euro 2018 auf 684 Mio. Euro (GEBAG und GEBAG FE) 2019. Dass der Jahresabschluss für 2019 mit 3,5 Mio. Euro rund 2,4 Mio. Euro unter dem des Vorjahres lag, lag an einer unerwarteten Rückstellung aus einer Betriebsprüfung. Ansonsten hätte der Überschuss bei 6,6 Mio. Euro gelegen. Insgesamt stehen die Zeichen bei der GEBAG auf Wachstum: Für das Mehr an Aufgaben ist auch der Mitarbeiterstamm gewachsen: 191 aktive Mitarbeiter sind es jetzt inklusive derer der Flächenentwicklungsgesellschaft (2018: 163 Mitarbeiter), davon arbeiten 42 in Teilzeit und 9 sind Auszubildende. 25 Mitarbeiter kümmern sich um die Flächenentwicklung. 12 Mitarbeiter wurden aus einem Projekt für Langzeitarbeitslose übernommen.
Zeitgemäß wohnen zu bezahlbaren Preisen
GEBAG-Geschäftsführer Bernd Wortmeyer. Foto: Petra Grünendahl.
Im Kerngeschäft Wohnung und Vermietung investiert die GEBAG sowohl in die Modernisierung des Bestandes als auch in den Neubau von Wohnungen. Über 55 Mio. Euro hat die GEBAG im vergangenen Jahr in den Wohnungsbestand investiert (nach 42,5 Mio. Euro 2018): Der Großteil (22,8 Mio. Euro) flossen in die Modernisierung, um Häuser und Wohnungen sowohl energetisch als auch im Hinblick auf Komfort und Optik auf dem neuesten Stand zu bringen. Der Rest ging in Erwerb von Objekten und den Neubau. Dazu kamen 4,1 Mio. Euro Invest in Flächenentwicklungsprojekte. Als wichtigste Modernisierungs-Projekte nannte Wortmeyer die denkmalgeschützte Straußsiedlung (Straußstraße in Neudorf) und den City-Wohnpark in Hochfeld (südlich des TaM zwischen Plessingstraße und Heerstraße). „Das rechnet sich nicht nur hinsichtlich der positiven Auswirkungen auf die Quartiere“, so Wortmeyer, „sondern lockt Mieter mit attraktivem Wohnraum und senkt den Leerstand.“ Als marktbedingten Leerstand nennt die GEBAG aktuell 1,8 Prozent ihres Wohnungsbestandes. Weitere Wohnungen stehen natürlich während Modernisierungsarbeiten leer (Gesamtleerstand heute: 5 Prozent.
In den Neubau hat die GEBAG 2019 15,7 Mio. Euro investiert. „Wir wollen in den nächsten Jahren 1.000 neue Wohnungen auf den Markt bringen“, erklärte Wortmeyer das Ziel. Teils öffentlich gefördert, teils frei finanziert bedienen die Projekte unterschiedlichste Zielgruppen. So entsteht in Walsum (Goerdelerstraße / Vierlinden) in zwei Bauabschnitten bis 2022 die Klimaschutz-Siedlung „Vierlinden-Höfe“ mit sechs Mehrfamilienhäusern und 98 Wohnungen, 54 davon öffentlich gefördert. Öffentlich geförderter Wohnraum entstand zudem im Wohnpark Neuenhof (30 Wohnungen) sowie an der Werthstraße in Laar (43 Wohnungen): Für diese Wohnungen braucht man einen Wohnberechtigungsschein (WBS). Frei finanziert sind Neubau-Projekte an der Grabenstraße in Neudorf oder am Reiserweg in Großenbaum. Außerdem baut die GEBAG Kindertagesstätten in den Quartieren, die speziell Familien anlocken sollen.
Corona und die Folgen: Mobiles Arbeiten
Die GEBAG-Verwaltung an der Tiergartenstraße. Foto: Petra Grünendahl.
„Der Corona-Virus hat weniger unsere Baustellen getroffen als unser Verwaltung: Er zwang uns, Mitarbeitern mobiles Arbeiten zu ermöglichen“, erklärte Bernd Wortmeyer. Viele wollten dies, so der GEBAG-Geschäftsführer, auch weiterhin tun. „Das hat natürlich Konsequenzen: Zum einen für uns als GEBAG, zum anderen für unsere Projektentwicklung.“ Vom Tisch ist der Bau einer neuen Unternehmenszentrale an der Steinschen Gasse, da die bisherige Verwaltung ausreicht, wenn verstärkt Mitarbeiter mobil arbeiten. Außerdem sei die GEBAG bestrebt, so Wortmeyer, Flächenentwicklungen stärker auf die „Smart City“ auszurichten und Ansieldungswilligen dort die entsprechende Breitband-Versorgung zur Verfügung zu stellen. Das steigert die Attraktivität der neuen Quartiere.
GEBAG
Die Duisburger Gemeinnützige Baugesellschaft AG (GEBAG) wurde 1872 gegründet und zählt zu den ältesten Baugesellschaften Deutschlands. Seit 2012 ist die GEBAG Duisburger Baugesellschaft mbH mit heute über 12.300 Wohnungen das größte Immobilienunternehmen der Stadt Duisburg.
Obst- und Hochzeitswiese, der alte Klostergarten und der barocke Terrassengarten Von Petra Grünendahl
Streuobswiesen mit Hochzeitsbäumen. Foto: Petra Grünendahl.
Zur Landesgartenschau in Kamp-Lintfort gehört auch das „Kamper Gartenreich“, die Gärten ehemaligen Zisterzienserabtei Kamp (Kloster Kamp). Das 5 Hektar große Areal ist über einen Wandelweg mit dem Laga-Hauptgelände am Zechenpark (25 Hektar) verbunden: Dieser Wandelweg bietet weitere 10 Hektar mit Rad- und Fußweg, die für die Landesgartenschau gestaltet, aber im Gegensatz Kamper Gartenreich oder dem Zechenpark öffentlich zugänglich sind.
Kloster Kamp mit dem barocken Terrassengarten. Foto: Petra Grünendahl.
Auch am Kamper Gartenreich gibt es eine Kasse (neben der am Haupteingang zum Zechenpark), so dass man seine Laga-Tour, so man noch keine Eintrittskarte hat (Tickets gibt es auch online), sogar hier starten kann. Von den Streuobstwiesen mit der Hochzeitswiese und dem Haus der Imker erstreckt sich das Areal über den rekonstruierten Alten Klostergarten und die neu angelegten Paradiesgärten (hier kann man auch einen Blick auf den Weinberg werfen) bis hin zum barocken Terrassengarten. Dort gibt es im Café Orangerie neben einem gastronomischen auch immer wieder ein kulturelles Angebot.
Die Alten Gärten wurden rekonstruiert. Foto: Petra Grünendahl.
Die Landesgartenschau Kamp-Lintfort 2020 findet größtenteils auf dem Gelände des ehemaligen RAG Bergwerks West (ehemals Zeche Friedrich Heinrich) statt. Neben der landschaftsarchitektonischen Gestaltung des zurück gebauten Zechengeländes zum Zechenpark sind weitere Garten- und Parkflächen als Teil der Laga teils neu gestaltet worden: Die Gärten des Klosters Kamp sowie der Wandelweg, der den Zechenpark mit den Kloster-Anlagen fußläufig verbindet. Kamper Gartenreich, Zechenpark (25 Hektar mit einer großen offenen Parklandschaft, zentralen Ausstellerbereichen und Mustergärten vor der denkmalgeschützten Industriekulisse) sowie der Wandelweg als frei zugängliche Fuß- und Radwegeverbindung entlang der Großen Goorley addieren sich auf 40 Hektar gestaltete Laga-Flächen, die es sich zu erkunden lohnt. Das Angebot ist reichhaltig und vielfältig: Allerdings schafft man das alles nicht an einem Tag.
Der barocke Terrassengarten am Kloster Kamp. Foto: Petra Grünendahl.
Parkflächen für Besucher (Pkw und Busse) stehen nur am Zechenpark (Navi: Friedrich-Heinrich-Allee 90 in 47475 Kamp-Lintfort) beidseitig der Zufahrtsstraße zur Verfügung. Im Bereich der Kamper Gärten gibt es keine ausgewiesenen Parkplätze für Laga-Besucher. Wer den Wandelweg von etwa 2,7 Kilometern scheut, kann ab dem Zechenpark den extra eingerichteten Shuttle-Bus-Service der Niag nutzen. Der Bus fährt zwischen 8.45 und 21.30 Uhr alle 15 Minuten. Für die Anreise gibt es hier weitere Informationen: https://kamp-lintfort2020.de/besuch/gruppen-und-ausflugsprogramme-2/.
Wiesen mit Paradiesgärten. Foto: Petra Grünendahl.
Führungen
Die offenen Gästeführungen (im Zechenpark sowie im Kamper Gartenreich) sind wegen der guten Resonanz bis Ende August verlängert worden. Die einstündigen Rundgänge kosten fünf Euro pro Person. Eine schriftliche Anmeldung (eMail) ist im Vorfeld nötig. Mehr Informationen gibt es hier: https://kamp-lintfort2020.de/aktuelles-2/aktuelles/details/223.
Die Laga 2020 in Zahlen
Geländeplan vom Kamper Gartenreich und Übersichtskarte.
Bis zum 11. Oktober ist die Landesgartenschau 2020 geöffnet. Die Kassen sind täglich vom 9 bis 19 Uhr besetzt, verweilen kann man auf dem Gelände bis zum Einbruch der Dunkelheit (maximal 21 Uhr). Im Kassen-/Eingangsbereich ist ein Mund-Nasen-Schutz erwünscht, weil sich hier Leute schon mal etwas näher kommen können. Tageskarten gibt es für 18,50 Euro für Erwachsene (ermäßigt 14 Euro, Kinder 2 Euro, Gruppen ab 15 Personen 16,50 Euro pro Person). Weitere Infos gibt es hier: https://kamp-lintfort2020.de/tickets-and-shop/tickets/. Die Turmfahrt kostet extra (5 Euro). Die Pendelbahn zur Haltestelle am Zechenpark verkehrt am Wochenende mit Fahrten von und nach Duisburg-Hauptbahnhof, außerdem gibt es Shuttlebusse (hier gelten jeweils die Bedingungen des ÖPNV, will heißen:
Erinnerungen an 100 Jahre Steinkohlenbergbau (1912 – 2012) in der Kamp-Lintforter Innenstadt. Foto: Petra Grünendahl.
Mund-Nase-Schutz ist Pflicht). Parkplätze stehen auf einem großen Areal neben dem Laga-Gelände an der Friedrich-Heinrich-Allee kostenlos zur Verfügung. Über dem gestalteten Wandelweg vom Norden des Laga-Geländes geht es gute zweieinhalb Kilometer weit zum Kamper Gartenreich am Kloster Kamp, welches ebenfalls zu Laga gehört. Es fahren aber auch Shuttle-Busse.
Impressionen aus dem Kamper Gartenreich. Fotos: Petra Grünendahl
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Verwaltungsgebäude der ehemaligen Zeche Friedrich Heinrich. Foto: Petra Grünendahl.
Die aktuellen Corona-Regeln:
Besucher müssen sich an die folgenden Regeln halten, damit die Landesgartenschau Kamp-Lintfort 2020 geöffnet bleiben kann und es nicht zu weiteren Einschränkungen oder gar zur Schließung der Landesgartenschau kommt. Gäste werden freundlich und bestimmt durch Service- und Ordnerkräfte auf diese Regeln hingewiesen:
Überall im Park gilt ein Abstandsgebot von mindestens 1,5 Metern (Besucher können alleine, zu zweit oder als Besuchergruppe von maximal 20 Personen spazieren gehen oder Sport treiben).
Bei Erholungspausen auf Wiesen und Freiflächen gilt ein Mindestabstand von 5 Metern zu anderen Besuchern/Besuchergruppen, as Picknicken ist mit Corona-Abstand auf den Wiesenflächen erlaubt.
Der Blaumännchen-Pütt im Zechenpark auf der Landesgartenschau Kamp-Lintfort 2020. Foto: Petra Grünendahl.
Die Gastronomie-Standorte sind alle geöffnet. Auch hier gelten die jeweiligen Coronaschutzverordnungen mit Abstandsregelnn, Maskenpflicht und Aufnahme der Kontaktdaten.
In geschlossenen Räumen / Pavillons gibt es Besucherobergrenzen laut der jeweiligen Beschilderung. In der Blumenhalle dürften sich gleichzeitig bis zu 75 Gäste aufhalten. Für das Infozentrum Stadt und Bergbau (Lehrstollen) gilt eine Obergrenze von 7 Personen.
In allen geschlossenen Räumen / Pavillons, in der Blumenhalle, an den Pagoden des Gärtnermarkts und im Shuttlebus ist das Tragen eines Mund-/Nasen-Schutzes Pflicht.
Abgesperrte Bereiche dürfen nicht betreten werden, Wegemarkierungen und Einbahnstraßenregelungen (z. B. im Streichelzoo KALISTO (Kamp-Lintforter Spiel- und Tieroase), der Blumenhalle oder dem Aussichtsturm) müssen befolgt werden.
Geländeplan der Landesgartenschau Kamp-Lintfort 2020. Grafik: Laga GmbH.
Von der Bergmannstradition zur Gartengestaltung Von Petra Grünendahl
Impressionen von der LaGa. Fotos: Petra Grünendahl
Da es nicht der erste Besuch auf der Landesgartenschau ist, zieht es uns zunächst zum Aussichtsturm, ist doch der ehemalige Förderturm von Schacht 1 des RAG Bergwerks West (ehemals Zeche Friedrich Heinrich) endlich für Besucher zugänglich. Der Förderturm ist ebenso wie das benachbarte Fördergerüst von Schacht 2 (er diente der Personen-Seilfahrt) 2019 saniert worden. Beide werden als Teil des Zechenparks dauerhaft erhalten bleiben. Die Warteschlange ist an einem Wochentag recht kurz, obwohl es natürlich auch hier Corona-bedingt Zugangsbeschränkungen gibt. Knappe 30 Sekunden dauert die Fahrt mit dem Aufzug auf 66 Meter Höhe: In der Maschinenhalle des 79 Meter hohen Turms stehen zwei Fördermaschinen, die die Kohle aus 600 Metern Tiefe zu Tage holten. Rund um das Gebäude befindet sich an dieser Stelle die Aussichtsplattform. Der Ausblick über den heutigen Zechenpark, das Landesgartenschau-Gelände, aber auch die Umgebung rund um Kamp-Lintfort ist die 5 Euro extra pro Person auf jeden Fall wert. Man guckt von da oben sogar bis nach Duisburg. Panoramabilder an jeder der vier Seiten weisen auf die erkennbaren Highlights der Umgebung hin.
Die umlaufende Aussichtsplattform am Aussichtsturm. Fotos: Petra Grünendahl
Fast zwei Monate nach ihrem (verspäteten) Start kann die Landesgartenschau Kamp-Lintfort 2020 nun bis auf Großveranstaltungen fast ihr komplettes Programm anbieten, auch wenn es Corona-bedingt nach wie vor gewisse Einschränkungen gibt. Dennoch locken Zechenpark und Ausstellungsbereiche viele Zuschauer an: Schon vorletzte Woche konnte man den 200.000sten Besucher begrüßen. Wer alles mitnehmen will, was die Landesgartenschau zu bieten hat, muss schon mehrfach vorbei kommen. Zu den Einschränkungen zählt allerdings auch, dass Programme im Vorfeld geplant werden sollten: Die anderthalb-stündigen Führungen im Kamper Gartenreich oder im Zechenpark finden unter Voranmeldung mit bis zu 20 Personen statt. Dafür gibt es ein Formular auf der Website: https://kamp-lintfort2020.de/besuch/gruppen-und-ausflugsprogramme/.
Die Fördermaschinenhalle auf dem Aussichtsturm. Fotos: Petra Grünendahl.
Führungen im Lehrstollen finden zur Zeit mit maximal 5 Personen statt, täglich außer dienstags und donnerstags. Für die Buchung wendet man sich an die Fördergemeinschaft für Bergbautradition (https://www.bergmannstradition.de/): Diese Führungen sind zwar im Preis inklusive, aber nicht über die Landesgartenschau direkt buchbar. Die Führungen machen ehemalige Bergleute, Ehrenamtliche der Fördergemeinschaft. Das Infozentrum Stadt und Bergbau (am Lehrstollen) hat täglich bis 18 Uhr geöffnet.
Die LaGa 2020 in Zahlen
Impressionen von der LaGa. Fotos: Petra Grünendahl
Bis zum 11. Oktober wird die Landesgartenschau 2020 geöffnet sein. Die Kassen sind täglich vom 9 bis 19 Uhr besetzt, verweilen kann man auf dem Gelände bis zum Einbruch der Dunkelheit (maximal 21 Uhr). Im Kassen-/Eingangsbereich ist ein Mund-Nasen-Schutz erwünscht, weil sich hier Leute schon mal etwas näher kommen können. Tageskarten gibt es für 18,50 Euro für Erwachsene (ermäßigt 14 Euro, Kinder 2 Euro, Gruppen ab 15 Personen 16,50 Euro pro Person). Weitere Infos gibt es hier: https://kamp-lintfort2020.de/tickets-and-shop/tickets/. Die Turmfahrt kostet extra (5 Euro). Die Pendelbahn zur Haltestelle am Zechenpark verkehrt am Wochenende mit Fahrten von und nach Duisburg-Hauptbahnhof, außerdem gibt es Shuttlebusse (hier gelten jeweils die Bedingungen des ÖPNV, will heißen: Mund-Nase-Schutz ist Pflicht). Parkplätze stehen auf einem großen Areal neben dem LaGa-Gelände an der Friedrich-Heinrich-Allee kostenlos zur Verfügung. Über dem gestalteten Wandelweg vom Norden des LaGa-Geländes geht es gute zwei Kilometer weit zum Kamper Gartenreich am Kloster Kamp, welches ebenfalls zu LaGa gehört.
Impressionen von der LaGa. Fotos: Petra Grünendahl
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Die aktuellen Corona-Regeln:
Impressionen von der LaGa. Fotos: Petra Grünendahl
Besucher müssen sich an die folgenden Regeln halten, damit die Landesgartenschau Kamp-Lintfort 2020 geöffnet bleiben kann und es nicht zu weiteren Einschränkungen oder gar zur Schließung der Landesgartenschau kommt. Gäste werden freundlich und bestimmt durch Service- und Ordnerkräfte auf diese Regeln hingewiesen:
Überall im Park gilt ein Abstandsgebot von mindestens 1,5 Metern (Besucher können alleine, zu zweit oder als Besuchergruppe von maximal 20 Personen spazieren gehen oder Sport treiben).
Bei Erholungspausen auf Wiesen und Freiflächen gilt ein Mindestabstand von 5 Metern zu anderen Besuchern/Besuchergruppen, as Picknicken ist mit Corona-Abstand auf den Wiesenflächen erlaubt.
Impressionen von der LaGa. Fotos: Petra Grünendahl
Die Gastronomie-Standorte sind alle geöffnet. Auch hier gelten die jeweiligen Coronaschutzverordnungen mit Abstandsregelnn, Maskenpflicht und Aufnahme der Kontaktdaten.
In geschlossenen Räumen / Pavillons gibt es Besucherobergrenzen laut der jeweiligen Beschilderung. In der Blumenhalle dürften sich gleichzeitig bis zu 75 Gäste aufhalten. Für das Infozentrum Stadt und Bergbau (Lehrstollen) gilt eine Obergrenze von 7 Personen.
In allen geschlossenen Räumen / Pavillons, in der Blumenhalle, an den Pagoden des Gärtnermarkts und im Shuttlebus ist das Tragen eines Mund-/Nasen-Schutzes Pflicht.
Abgesperrte Bereiche dürfen nicht betreten werden, Wegemarkierungen und Einbahnstraßenregelungen (z. B. im Streichelzoo KALISTO (Kamp-Lintforter Spiel- und Tieroase), der Blumenhalle oder dem Aussichtsturm) müssen befolgt werden.
Serienmorde in einem Stahlwerk im Zweiten Weltkrieg Von Petra Grünendahl
Hüttenwerk Rheinhausen. Gemälde von Heinrich Schützig 1938. Foto: Meinhard Weiss.
1942. In Warschau war Jarek Kruppa noch Kriminalkommissar, einer der besten seines Berufsstandes. Nachdem ihm die SS ein Verbrechen untergeschoben hatte, wird er verurteilt und landet als Zwangsarbeiter in einem Duisburger Stahlwerk. Innerhalb weniger Monate werden dort zehn Mitarbeiter ermordet. Werkschutz und Polizei sind überfordert. Die Arbeiter haben Angst. Der Werksleiter Doktor Hermann von Kessel beauftragt Kruppa mit der Klärung des Falles: Mit einem eigenen Büro, einem Werkschutz-Ausweis und entsprechenden Befugnissen. Schließlich hat auch von Kessel einiges zu verlieren, wenn die Mordserie nicht abreißt. Die Morde beunruhigen die Belegschaft und gefährden die Produktionsziele: Das kommt im Rüstungsministerium nicht gut an. Unterstützt vom Werkschutz-Leiter Paul Schöppke nimmt Jarek Kruppa die Ermittlungen auf. Die Jagd nach dem Serienmörder geht durch dunkle Hallen, finstere Keller, Tunnel und Katakomben, die sich unter dem Stahlwerk befinden.
Stahlwerk. Foto: Petra Grünendahl.
Mit seinem Thriller „Das Stahlwerk“ hat Christian Piskulla sein Roman-Debüt vorgelegt. Er nimmt den Leser mit auf die Jagd nach einem Serienmörder. Kulisse ist das größte Stahlwerk Deutschlands, die fiktive „Germania Metall Union“, welches im Zweiten Weltkrieg für die Kriegsführung von besonderer Bedeutung ist. Das Buch orientiert sich eher am klassischen Kriminalroman als an einem modernen Thriller, auch wenn Piskulla hier gekonnt Elemente beider Kategorien vereint.
Foto: Wilfried Maehler, Bochumer Studienkreis für Bunker, Stollen, Deckungsgräben und unterirdische Fabrikationsanlagen e. V.
Piskullas Schilderungen sowohl des Malocher-Milieus in der Schwerindustrie, der Örtlichkeiten in einem Stahlwerk als auch im historischen Kontext des Nationalsozialismus überzeugen. Anspielungen lassen das dunkle Kapitel deutscher Geschichte lebendig und die Kulisse real werden. Man fühlt das dreckige Werksareal ebenso wie die bedrückende Realität der Kriegswirtschaft für die Menschen.
Stahlwerk. Foto: Petra Grünendahl.
Gut lesbar und mitunter witzig geschrieben merkt man, dass Piskulla an seiner Erzählung Spaß hat. Begierig folgt der Leser den Folgerungen des polnischen Kommissars, deren Erfolg ihm ein erträglicheres Leben bis zum Kriegsende sichern soll. Für die Lösung des Falles bleibt ihm nicht viel Zeit. Geschickt gesponnen entwickelt sich die Geschichte rund um glaubwürdige Charaktere, die mit ihren Perspektiven – zusätzlich zu der des polnischen Kommissars – die Handlung bereichern. Das ist nicht nur für Fans von Krimi und Triller ein Lesevergnügen!
Fiktion an realistischen Orten
Stahlwerk. Foto: Petra Grünendahl.
Vor über 30 Jahren hat Christian Piskulla (Jahrgang 1966) selber als Brenner und dann als Kranfahrer bei den Stahlwerken Peine-Salzgitter AG* gearbeitet. Dieses im Dritten Reich größte, „Hermann Göring Werke“ benannte Stahlwerk wollte er aber nicht als Kulisse verwenden, so dass er sein fiktives Werk am heute größten deutschen Stahlstandort verortete. Es liegt an einem Nord-Süd-Kanal, wie das Werk in Salzgitter**, wo der Autor aufgewachsen ist. Das Ambiente des Stahlwerks ist echt, lokale Bezüge nach Duisburg hingegen gibt es nicht.
Foto: Wilfried Maehler, Bochumer Studienkreis für Bunker, Stollen, Deckungsgräben und unterirdische Fabrikationsanlagen e. V.
„Die Idee zu dem Buch kam mir, als ich vor über dreißig Jahren im Stahlwerk arbeitete“, erzählte Christian Piskulla. Seine Erfahrungen im Stahlwerk mit seinen gigantischen Dimensionen und unterirdischen Keller- und Tunnelsystemen ließ er in die Geschichte ebenso einfließen wie Details aus seiner Familiengeschichte: Sein Großvater mütterlicherseits war Pole (*1905 in Baranowicze), der später in Wilna*** lebte und 1941 nach Stettin (Pommern)**** verschleppt wurde, wo er als Zwangsarbeiter in einem Hüttenwerk arbeitete. „Seine Geschichte inspirierte mich, einem Zwangsarbeiter die Hauptrolle in meinem Roman zu geben“, so der Autor.
Titelbild: Uli Staiger / Die Licht gestalten, Berlin (nach einer Idee von Christian Piskulla).
Das Buch und der Autor
Der 420-seitige Roman ist als Taschenbuch im Verlag Cleverprinting erschienen. Es ist für 14,90 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-944755-22-9). Das eBook gibt es in unterschiedlichen Formaten bei Amazon, auf Apple Books, im Google Play Store oder für Tolino zum Preis von 9,99 Euro.
Stahlwerk. Foto: Petra Grünendahl.
Aufwändig produziert hat Christian Piskulla zusammen mit hoerbuchproduktion.com das Hörbuch zum Krimi. Sprecher Stefan Barth liest die Erzählung mit ihren wechselnden Perspektiven. Dramatische Musik und Geräuschuntermalung ebenso wie der wandlungsfähige Sprecher, der den Charakteren sprachlich „ein Gesicht“ gibt, lassen das Ganze fast als Hörspiel wirken. Unter https://das-stahlwerk.de/hoerbuch/ gibt es das erste Kapitel (Der Vorabend) als Hörprobe (45 Minuten). Die Hörbuch-Doppel-CD mit einer Spielzeit von ca. 15 Stunden ist für 19,95 Euro zu haben (ISBN 978-3-944755-26-7).
Der Autor Christian Piskulla. Foto: Anja Nothdurft.
Christian Piskulla ist Experte für Grafik, Bildbearbeitung, PrePress- und Publishing-Software. Mit seiner Firma Cleverprinting PreMedia-Solutions bietet er Schulungen, verlegt aber darüber hinaus im Verlag Cleverprinting auch seine Schulungs- und Fachbücher zum Thema, viele davon Standardwerke und Bestseller. Bislang hat Piskulla ausschließlich Fachliteratur geschrieben und veröffentlicht. „Das Stahlwerk“ ist sein Roman-Debüt: Und ein sehr empfehlenswertes!
*) heute: Salzgitter AG
**) der Stichkanal Salzgitter zweigt bei Braunschweig vom Mittellandkanal ab
***) heute: Vilnius in Litauen
****) heute: Szczecin im polnischen Woiwodschaft (Westpommern)
„Draußen“-Touren für Ziele in der Region< Von Petra Grünendahl
Ann Baer mit Hund im Landschaftspark Duisburg-Nord unterwegs. Foto: Britta Knappmann, Essen.
Wo Bergbau und Industrie sich zurückgezogen haben, machten sie Flächen frei, die in der Metropole Ruhr gerne auch für Anlagen zur Entspannung und Freizeitgestaltung umgebaut wurden. Das gilt für Produktionsstätten und Zechen ebenso wie für die mittlerweile begrünten und mit Landmarken versehenen Halden, die Alpen des Ruhrgebiets. Wasserläufe wie Ruhr und Emscher – früher Transport- und Abwasserwege – sind renaturiert, die Ufer haben gute Aufenthaltsqualitäten.
Das Geleucht auf der Halde Rheinpreußen in Moers. Foto: Britta Knappmann, Essen.
Erlebnis- und Freizeitangebote finden sich nicht nur auf, sondern auch rund um die früher industriell genutzten Areale: Der Strukturwandel schaffte Wohlfühlorte inmitten des urbanen Raumes – teilweise sogar in Bio-Qualität. Und die Urbanität garantiert zumeist auch die gute Erreichbarkeit der Ziele. Und wem noch nicht klar ist, wie Grün das Ruhrgebiet ist, der sollte wanderfeste Stiefel anziehen und mit dem Eskapaden-Führer auf Tour gehen!
Im Blick auf der Route um den Baldeneysee: die Krupp’sche Villa Hügel. Foto: Ann Baer, Essen.
Ann Baer stellt in ihrem Buch „Eskapaden im Ruhrgebiet“ 52 kleine und große Touren vor, die den Leser ganz Corona-konform „Ab nach draußen!“ schicken. Aufgeteilt ist das Buch in Abstecher (21 Touren für ein paar Stunden), Ausflüge (21 Touren für einen ganzen Tag) und den Miniurlaub (10 Touren fürs Wochenende), die sich aber ganz nach persönlichen Vorlieben länger oder kürzer gestalten lassen. Die Ziele liegen im Ruhrgebiet und ein wenig auch darüber hinaus. Die Orte sind frei zugänglich und unter freiem Himmel. In Zeiten von Corona ist der Outdoor-Guide mit Sicherheit eine gute Empfehlung, denn draußen (und mit Abstand) ist die Ansteckungsgefahr noch am geringsten. Und die beschriebenen Orte sind alle so kostenlos zu besichtigen. Teilweise sind zusätzliche Hinweise auf benachbarte Museen angeführt: Die kosten dann jedoch Eintritt.
Schleusenpark Waltrop: Die Schleusenkammer der alten Schleuse Henrichenburg. Foto: Ann Baer, Essen.
Neben gut recherchierten informativen Texten zu den Locations gibt es wertvolle Tipps zur Anreise (Auto, ÖPNV und ggf. Fahrrad), zur besten Besuchszeit, Dauer & Strecke sowie Ausrüstung. Manche Touren sind nur zu erwandern, andere können auch mit dem Fahrrad absolviert werden. Einladende Fotos und Detailkarten erleichtern die Orientierung. Webadressen ermöglichen weitere Recherchen, bevor man sich selbst auf den Weg macht. Für unterwegs gibt es alle Touren auch zum Download: Für Android- und Apple-Smartphones mit installierter Outdoor-App.
Das Buch und die Autorin
Ann Baer am Baldeneysee in Essen. Foto: Britta Knappmann,
Die „Eskapaden im Ruhrgebiet“ sind gerade erschienen im DuMont Reiseverlag. Auf 232 Seiten – mit vier Seiten für jedes Ziel – findet der Leser neben vielen Informationen auch 200 Abbildungen sowie Karten mit der Verortung der Ausflugstipps. Das Taschenbuch im Format 15×21 cm ist für 16,95 Euro im lokalen Buchhandel zu bekommen (ISBN 978-3-7701-8087-5).
Nachdem es Ann Baer vor knapp 30 Jahren beruflich ins Ruhrgebiet verschlagen hat, ist die freie Journalistin und Autorin im Essener Süden heimisch geworden. Am Ruhrgebiet liebt sie den spannenden Mix aus Natur und Industriekultur. Als „Draußen-Mensch“ begibt sie sich gerne – auch mit Familie und Hund – auf skurrile Pfade: Selten wird sie dabei enttäuscht vom Erlebnisfaktor unbekannter Flecken. Ihre eigenen Erfahrungen und Einblicke hat sie in diesem Buch verarbeitet.
DuMont Reiseverlag
Titelbild: DuMont Reiseverlag.
Der DuMont Reiseverlag aus Ostfildern (bei Stuttgart) ist spezialisiert auf Reise- und Freizeitbücher. Die „DuMont Eskapaden“ sind die neuen „Aktivguides“ des Verlages, eine Buchreihe mit Ausflugstipps für Regionen und Städte in ganz Deutschland (und ein wenig darüber hinaus). Ob für wenige Stunden, einen Tag oder ein Wochenende, ob allein, mit Freunden oder der Familie – unwiderstehliche Ausflüge ins Grüne warten: „Also ab nach draußen!“, wirbt der Verlag. www.dumontreise.de
„Ich wollte verstehen, was passiert ist!“:
Die Katastrophe aus drei Perspektiven Von Petra Grünendahl
Buchvorstellung im Steinhof (v. l.): Britta Schmitz (Emons Verlag), Vasco Engelhardt, Jessika Westen, Gabi Müller und Jessica Ploenes. Foto: Petra Grünendahl.
Mit Vorfreude machen sich Katty und ihre Freunde auf den Weg nach Duisburg zur großen Techno-Party am alten Güterbahnhof. Sie wollen feiern, tanzen, Spaß haben. Noch ahnen sie nicht, was ihnen bevor steht: Die Party endet für die Clique an der Rampe, im dichten Gedränge, in dem erste Menschen ihr Leben verlieren. Katty ist als Ich-Erzählerin Protagonistin, aber nicht die einzige Erzählerin des dokumentarischen Roman. Zwei weitere Perspektiven, der Sanitäter René und die Journalistin Emma, geben Einblicke in andere Aspekte des Geschehens. Mit diesen Handlungssträngen ermöglicht die Autorin dem Leser eine vielschichtige Rekonstruktion der Tragödie abseits der rechtlichen Aufarbeitung. Das Strafverfahren hatte im Mai dieses Jahres mit der Einstellung des Verfahrens ein Ende gefunden, was viele – vor allem Opfer und Betroffene – unbefriedigt gelassen hatte.
Jessika Westen mit ihrem Roman-Debüt „Dance or Die“. Foto: Petra Grünendahl.
Die Reporterin, Moderatorin und Autorin Jessika Westen stellte ihr Roman-Debüt „DANCE OR DIE: Die Loveparade-Katastrophe“ einen guten Monat vor dem zehnten Jahrestag des Ereignisses vor. Bei der Buchvorstellung mit dabei waren Gabi Müller, Mutter des damals 25-jährig verstorbenen Christian, Jessica Ploenes, die als Besucherin vor Ort war, Sanitäter Vasco Engelhardt sowie Vertreter der Betroffenen Initiative LoPa 2010 e. V., die das Buchprojekt unterstützt haben. Der Titel „Dance or Die“ stammt von den Flyern und Stickern, die an Rampe und Tunnel auf dem Boden pappten – und verhängnisvoll zu dem passten, was dort geschah. „Ich wollte verstehen, was da passiert ist“, schilderte die Autorin Jessika Westen ihre Intention zur Aufarbeitung. Entstanden ist eine Art dokumentarischer Roman, der Einzelschicksale im Ablauf der tatsächlichen Ereignisse schildert. Eine Kartendarstellung im Vorspann hilft Ortsunkundigen bei der geographischen Einordnung des Geschehens.
Mitten im Geschehen
Gabi Müller verlor bei der Loveparade 2010 ihren damals 25-jährigen Sohn Christian. Foto: Petra Grünendahl.
„Gut, dass du arbeiten musstest, sonst wärest du vielleicht selber dort dabei gewesen“, hatte die Mutter von Jessika Westen gesagt nach der Loveparade 2010. Zuvor war die WDR-Reporterin schließlich mehrfach in Berlin zur großen Techno-Party gewesen. Bei der Loveparade 2010 war Westen als Reporterin für die WDR Lokalzeit im Einsatz: Am Hauptbahnhof berichtete sie über das Geschehen, bis sie gegen Abend dann von dort aus ihrem Publikum eine erste Katastrophen-Berichterstattung liefern musste. Nach der Loveparade führte sie viele Gespräche mit Angehörigen und Betroffenen, mit Augenzeugen und Ersthelfern, die schließlich auch mit in dieses Buch einflossen. Lange schon hatte Westen mit dem Gedanken gespielt, ein solches Buch zu schreiben. Ab 2014 wurde es ihr ernst. Ihr Mann Thomas bestärkte und unterstützte sie darin.
Vasco Engelhardt war bei der Loveparade 2010 als Sanitäter im Einsatz. Foto: Petra Grünendahl.
„Es ist kein Buch, was man so einfach runter schreibt“, erklärte die Autorin die lange Zeit, die sie für das Buch brauchte. „Ich dachte manchmal, ich schaffe das nicht. Es belastet.“ Auch Recherchen über die Gespräche mit Betroffenen hinaus nahmen viel Zeit in Anspruch: So konnte Westen ausgiebige Einblicke in staatsanwaltschaftliche Ermittlungsakten nehmen. Das Buch führt aus drei Perspektiven mitten hinein in das Geschehen an der Rampe, in die Katastrophe, die für 21 Menschen tödlich endete. Funksprüche der Polizei stellen Bezüge zu den Abläufen der Ereignisse dar. Westens Darstellung ist präzise, mitunter recht graphisch, auch da wo es weh tut: Das ist nicht unbedingt was für schwache Nerven!
Jessica Ploenes wurde bei der Loveparade 2010 in Duisburg verletzt. Foto: Petra Grünendahl.
Insbesondere der Charakter der Katty und ihre Erlebnisse vereint in sich eine Vielzahl von Berichten und Schicksalen, die Westen nach der Loveparade von Betroffenen aller Art gehört hatte. Hier finden sich Eltern von Verstorbenen ebenso wieder wie Menschen, die bei der Katastrophe verletzt und traumatisiert wurden. Dies bestätigte auch Jessica Ploenes, selber ein Opfer, die das Buch schon gelesen hatte. „Das Buch ist wichtig: Ein Buch für die Ewigkeit und für die Würde unserer Kinder“, so Gabi Müller, die ihrem Sohn Christian verlor. Die Darstellung der Loveparade-Besucher war Jessika Westen wichtig, da hier viele Vorurteile kursierten: „Das waren junge Menschen, die das Leben liebten, mit einem tollen Gefühl zur Loveparade kamen und feiern wollten“, so die Autorin, die hier eigene Erfahrungen von früheren Loveparades in Berlin einfließen ließ. Auch Vasco Engelhardt, als Sanitäter vor Ort im Einsatz, findet sich in dem Buch wieder: Eine Whatsapp an Jessika hatte er mit „René“, dem Buch-Charakter, unterschrieben.
Das Buch und die Autorin
Titelbild: Emons Verlag.
Der Roman „DANCE OR DIE: Die Loveparade-Katastrophe“ ist im Emons Verlag, Köln, erschienen. Das 320-seitige Buch mit Broschur-Umschlag ist für 16,00 Euro im lokalen Buchhandel zu bekommen (ISBN 978-3-740-80887-7). Zehn Prozent ihrer Einnahmen aus dem Buch werde sie dem Bündnis Katastrophenhilfe spenden, so die Autorin.
Der Trailer zum Buch
Jessika Westen stellte ihren Roman-Debüt „Dance or Die“ vor. Foto: Petra Grünendahl.
Jessika Westen ist Nachrichtenmoderatorin bei ntv und Reporterin für den WDR. Die Diplom-Journalistin wurde für ihre „herausragende Leistung“ als Live-Reporterin von der Loveparade-Katastrophe in Duisburg mit dem Axel-Springer-Preis für junge Journalisten geehrt. Im Nachgang zum Unglück berichtete Jessika Westen regelmäßig für den WDR über die Zusammenhänge und Ursachen, die zu dem tödlichen Gedränge geführt haben. Zwischen 1998 und 2007 war Jessika Westen selbst insgesamt acht Mal auf der Loveparade, sowohl privat als auch beruflich. https://jessika-westen.de/ https://www.emons-verlag.com/programm/dance-or-die
Emons Verlag
Überreichten Jessika Westen (l.) Blumen für ein gelungenes Buch: Nicole Ballhausen (m., Betroffenen Initiative LoPa 2010 e. V.) und Gabi Müller (r.). Foto: Petra Grünendahl.
Der Emons Verlag wurde 1984 von Hermann-Josef Emons in Köln gegründet. Mit dem Start der „Köln Krimis“ wurde der Emons Verlag zum Wegbereiter des „Regionalkrimis“. Mittlerweile gibt es im Emons Verlag über 80 regionale Krimireihen, von Nord nach Süd, von Ost nach West sowie im Ausland. Bestsellerautoren wie Frank Schätzing, Friedrich Ani, Nicola Förg und Volker Kutscher haben im Kölner Verlag veröffentlicht. 2008 kreierte der Verlag mit „111 Orte, die man gesehen haben muss“ – eine neue Art von Reiseführer. Bildbände, Kultur & Geschichte, Atlanten und Freizeitführer verfolgständigen das Buchprogramm.
Im Glanz vielfältiger herrschaftlicher Bauformen Von Petra Grünendahl
Schloss Moers. Foto: Manfred Fahrig.
Beim Niederrhein denkt man nicht unbedingt zuerst an Schlössern und Burgen. Dass es aber doch in dieser Region nicht nur eine ganze Reihe solcher Gemäuer, sondern auch vielfältige Bauformen und Architekturen aus unterschiedlichsten Zeiten gibt, überrascht dafür umso mehr. Oftmals entstanden sie auf früheren Grundrissen, wurden im Laufe der Jahrhunderte in unterschiedlichen Epochen teils erneuert, teils erweitert. Bewohnt waren sie ursprünglich Fürsten und Edelleute, dienten der Befestigung oder der Repräsentation. Heute sind viele museal und/oder für Events genutzt, manche für Tagungen, als Hotels oder Gastronomie. An manchen Orten kann man auch heiraten: standesamtlich und an einem Ort sogar kirchlich (evangelisch).
Burg Linn in Krefeld. Foto: Susanne Wingels.
Für „Niederrhein – Schlösser, Burgen, Herrenhäuser und Rittergünter“ hat die Niederrheinerin Susanne Wingels 32 historische Gemäuer der Region bereist und in Bildern und Geschichte(n) festgehalten. Auch wenn das Buch optisch wie ein Bildband daher kommt, ist es eher eine Art Reise- und Architekturführer: Es ist sehr textlastig und erzählt umfassend, aber gut lesbar, die Historie und baugeschichtliche Entwicklung der Bauten. Es sind allesamt keine verlassenen Orte (mehr), sondern behutsam restaurierte und sanierte Gebäude, die ihren Besuchern Einblicke in Baukunst und Leben vergangener Zeit geben können. Es ist kein Buch, was man in einem durchliest. Eher blättert man und liest sich irgendwo fest.
Reiseführer zu spannenden Orten mit Geschichte
Schloss Hertefeld in Weeze. Foto: Katharina Jäger.
Susanne Wingels zeigt 32 Orte von mittelalterlichen Anlagen über Renaissance bis hin zu Barock und Neugotik, von Festungsbauwerken bis zu Märchenschlössern. Sie beschreibt Um- und Anbauten, die über mehrere Epochen gingen, sowie Schlossgärten und Parkanlagen. Sie dokumentiert den kontinuierlichen Wandel, der in Bildern nicht (mehr) nachvollziehbar ist. Jedem Ort ist eine Doppelseite gewidmet mit Foto (zumeist von der Autorin) und touristischen Informationen, aber auch gut recherchierte ausführliche Beschreibungen des jeweiligen Hauses und seiner Geschichte. Neben der Adresse, Anfahrtsbeschreibungen für Auto und ÖPNV sowie Angaben zur aktuellen Nutzung gibt es auch zu jedem Ort eine Webseite für mehr Informationen. Das macht dann schon mal neugierig und Lust auf mehr.
Kasteel Huis Bergh in ’s-Heerenberg (Provinz Gelderland). Foto: Robin Sommers.
Wingels widmete sich in ihrer Zusammenstellung ausschließlich Gebäuden und Orten, die verschiedenster Form für Interessierte zugänglich sind. Eine Karte gegenüber dem Vorwort verortet die im Buch abgebildeten Schlösser und Burgen. 29 Orte am Niederrhein (von den Kreisen Kleve und Wesel in Norden, Duisburg und Düsseldorf im Osten bis hin zu den Kreisen Heinsberg und Rhein-Kreis Neuss im Süden) mit einem Abstecher ins benachbarte Münsterland (Wasserschloss Anholt, Isselburg) und zwei in die angrenzenden Niederlande zu Häusern, die immer noch als „niederrheinsch“ zählen dürfen (Kasteel Arcen / Provinz Limburg und Kasteel Huis Bergh / Provinz Gelderland, beides direkt hinter der Grenze).
Das Buch und die Autorin
Schloss Anholt, Isselburg, auf dem Titelbild von Susanne Wingels’ „Niederrhein – Schlösser Burgen Herrenhäuser Rittergüter“. Foto: Susanne Wingels / Titelbild: Wartberg Verlag.
Das Buch „Niederrhein – Schlösser, Burgen, Herrenhäuser und Rittergüter“ von Susanne Wingels ist erschienen im Wartberg Verlag. Auf 72 Seiten findet der Leser zahlreiche Farbfotografien. Das Buch mit Hardcover-Einband (Format: 24 cm x 23 cm) kostet 16,90 Euro. Zu beziehen ist es über den lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-8313-3252-6).
Die Schwanenburg in Kleve. Foto: Dirk Verweyen Lichtbilder.
Der Wartberg Verlag aus Gudensberg (in der Nähe von Kassel) hat sich auf Bücher für Deutschlands Städte und Regionen spezialisiert: Historische und regionale Bildbände, Freizeitführer und verschiedenste weitere Bücher zur regionalen oder historischen Themen. www.wartberg-verlag.de
Abstrakte Detail-Fotografie vs.
die Möglichkeiten des Stoffes Von Petra Grünendahl
Dieter Nuhr in der Panoramagalerie des Kleinen Schlosses in der Ludwig im Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.
Dieter Nuhr ist als Satiriker und Kabarettist sowie als Autor bekannt, weniger als bildender Künstler. Die bildende Kunst hat er sogar studiert mit dem Schwerpunkt Malerei. Dieter Nuhr fotografiert, insbesondere auf Reisen, die ihn in alle Welt kommen lassen. Dieter Nuhr bezeichnet sich als Jäger und Sammler, der Details mit der Kamera einfängt:
Bahar Batvand im Kabinett des Kleinen Schlosses in der Ludwig im Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.
Seine vergrößerten Abzüge in unterschiedlichen Formaten wirken wie Malereien des abstrakten Abgebildeten und sind nur beim näheren hinsehen als Fotografien auszumachen. Bahar Batvand stellt nicht dar, sondern spielt mit ihren Materialen, erkundet die Möglichkeiten der Stoffe, bis das Werk ihren Vorstellungen entspricht. Ihre abstrakten Exponate sind Bild und Plastik zugleich.
Von links: Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt, Bahar Batvand, Dieter Nuhr und Ortwin Goertz vor einer großformatigen Fotografie von Dieter Nuhr in der Panoramagalerie des Kleinen Schlosses in der Ludwig im Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.
Der Kunstverein Oberhausen e.V. zeigt in seiner Projektreihe „Parallel“ in der Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen: Dieter Nuhr (*1960) mit der Ausstellung „Dauer und Ferne“ in der Panoramagalerie sowie im Kabinett die Künstlerin Bahar Batvand (*1974) mit „Akzidenz“. Ortwin Goertz, Vorsitzender des Kunstverein Oberhausen e. V. und Museumsdirektorin Dr. Christiane Vogt stellten die Ausstellung im Kleinen Schloss zusammen mit den Künstlern vor. Dieter Nuhr und die aus dem Iran stammende Bahar Batvand kennen sich seit Jahren: beide haben ihr Atelier in Düsseldorf. Während Batvand in Düsseldorf lebt und arbeitet, ist Dieter Nuhr in der Welt zu Hause: Er wohne in Ratingen, Düsseldorf, Berlin und Spanien. Aktuell ist er damit sehr eingeschränkt: „Ich habe weder Auftritte noch kann ich reisen. Meine Ausstellung in Spanien findet jetzt ohne mich statt“, erklärte er.
Kunstverein Oberhausen e. V.
Von links: Ortwin Goertz, Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt und Apostolos Tsalastras, Oberhausens Beigeordneter für Kultur und Finanzen, vor Fotografien von Dieter Nuhr in der Panoramagalerie des Kleinen Schlosses in der Ludwig im Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.
Das Projekt „Parallel“ des Kunstvereins Oberhausen zeigt seit 2011 jährlich im Sommer im Kleinen Schloss der Ludwiggalerie namhafte Künstler der zeitgenössischen Kunst, die akzentuiert und reduziert auf eine Auswahl von Schlüsselwerken ist. Es ist die zehnte Ausstellung des Kunstvereins und die dritte, die in der Projektreihe „Parallel“ künstlerische Positionen quasi gegenüber stellt: „Dauer und Ferne“ der „Akzidenz“, dem Zufälligen. Den 23 Bildern von Dieter Nuhr in unterschiedlichen Größenformaten (in der Panoramagalerie) stehen zwölf Exponate von Bahar Batvand (im Kabinett) gegenüber. Alles sind neuere Arbeiten der beiden Künstler. www.kunstverein-oberhausen.de
Impressionen aus den Ausstelllungen von Dieter Nuhr und Bahar Batvand. Fotos: Petra Grünendahl
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Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen
Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen: Das Große Schloss. Foto: Petra Grünendahl.
Die Sonderausstellung im Kleinen Schloss läuft bis zum 13. September 2020. Das Museum ist geöffnet von Dienstag bis Sonntag zwischen 11 und 18 Uhr. Montags ist Ruhetag, feiertags sowie Pfingstmontag ist jedoch geöffnet. Der Eintritt zum Kleinen Schloss ist frei, im Großen Schloss kostet es 8 Euro (ermäßigt 4 Euro, Familien 12 Euro). Corona-bedingt gilt eine Besucherobergrenze: Im Großen Schloss (Rudolf Holtappel) von 70 Personen, im Kleinen Schloss (Dieter Nuhr und Bahar Batvand) finden insgesamt 35 Leute Platz. Bei einer weiteren Lockerung der Einschränkungen könnte diese Zahl aber wieder steigen. Aktuell entfallen alle sonst üblichen Führungen (öffentliche Führungen finden im Großen Schloss sonst sonn- und feiertags um 11.30 Uhr statt, zudem gibt es Kuratorenführungen), die im Museumseintritt inklusive sind. Das geplante Rahmenprogramm muss zu allen Ausstellungen wegen Corona allerdings komplett ausfallen. Gleiches gilt aktuell für museumspädagogischen Angebote. Corona-bedingt entfällt auch die übliche Eröffnungsfeier: Die Ausstellung ist einfach nur ab Sonntag, 21. Juni, geöffnet.
Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.
Im Großen Schloss zeigt die Ludwiggalerie noch bis zum 6. September die sehr sehenswerte Ausstellung vom Ruhrgebietsfotografen Rudolf Holtappel: „Die Zukunft hat schon begonnen“. Diese Ausstellung haben wir bereits besucht. Außerdem zu sehen ist die „Sammlung O. Alte Schätze – neue Wünsche“, die Kunstbesitz der Stadt Oberhausen, die Paten für den Erwerb wichtiger Werke für den eigenen Bestand sucht, die in der Ludwiggalerie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen: Das Kleine Schloss. Foto: Petra Grünendahl.
Die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen ist eines der 21 RuhrKunstMuseen. Sie befindet sich an der Konrad-Adenauer-Allee 46 in 46049 Oberhausen. Anfahrt am besten über die A42, Abfahrt Oberhausen-Zentrum. Weitere Infos: www.ludwiggalerie.de.
Gedenkhalle im Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.
Sehr bemerkenswert ist die ebenfalls im Schloss Oberhausen untergebrachte, aber nicht zur Ludwiggalerie gehörige Gedenkhalle. Als städtische Einrichtung in Erinnerung an die Verfolgten des Nationalsozialismus arbeitet die Gedenkhalle seit 1962 gegen das Vergessen und für das Miteinander aller Menschen in Oberhausen. Mit der 2010 erneuerten Dauerausstellung widmet sie sich der Stadtgeschichte zwischen 1933 und 1945 sowie der Zwangsarbeit im Ruhrgebiet während der NS-Zeit. Aktuell läuft hier in die Dauerausstellung integriert die Sonderschau „Einige waren Nachbarn: Täterschaft, Mitläufertum und Widerstand“ noch bis zum 30. Juni 2020. Der Eintritt ist frei. Da sollte man unbedingt mal vorbei schauen! www.gedenkhalle-oberhausen.de/
Dem Verfall preisgegebene Zeugen der Vergangenheit Von Petra Grünendahl
Am alten Güterbahnhof in Duisburg haben die Abrissarbeiten begonnen. Foto: Daniel Boberg.
Wenn man in Duisburg an verlassene Orte denkt, ist der alte Güterbahnhof in der Innenstadt wohl einer der ersten Orte, an die man denkt. Unzählige Bilder gibt es hiervon – und jedes ist anders: Jeder Fotograf bringt seine eigene Sicht und seinen Blickwinkel in die Fotos mit ein. Bilder, die unwiederbringlich sind. Der Startschuss für den Abriss ist gegeben: Die beauftragte Firma hat das Gelände vollständig eingezäumt. Die Hallen sind nicht mehr zugänglich. Fotos und Eindrücke, die
Am alten Güterbahnhof in Duisburg haben die Abrissarbeiten begonnen. Foto: Daniel Boberg.
Daniel Boberg aus dem Gebäude mitgenommen hat, gehören schon bald endgültig der Vergangenheit an. Auch andere Stellen in unserer Stadt zogen ihn an. Einen Zugang suchte er auch zum ehemaligen St. Barbara Hospital, nahm aber wegen der Videoüberwachung auf der Baustelle Abstand davon. In der Nähe fand er jedoch mit der ehemaligen Adolph-Kolping-Hauptschule ein weiteres interessantes Objekt, welches sich zu erkunden lohnte. Im vergangenen Jahr machte man den Bau dem Erdboden gleich: die Bilder sind eingefangene Vergangenheit. So manch ein verlassener Ort hat sich seit Bobergs Besuch verändert: abgerissen oder vollständig abgeriegelt sind manche von ihnen mittlerweile. Einen Zugang bekommt man nur noch durch die Fotos.
Die Adolf-Kolping-Schule in Neumühl wurde im letzten Jahr abgerissen. Foto: Daniel Boberg.
Mit „Verlassene Orte Nordrhein-Westfalen“ hat Daniel Boberg seinen neuen Bildband über Lost Places veröffentlicht. Die Fotos stammen von Touren in den Jahren 2018 bis Frühjahr 2020. Fündig geworden sei er teilweise über Internet-Recherchen. Manch einen Ort in Ostwestfalen kannte er von früher, an Duisburger Locations sei er über angeheiratete Verwandtschaft gekommen, erzählte der 31-Jährige. Dabei informiert er sich gerne vorher, was ihn am Ort erwartet.
Fabrikgelände an der Lenne. Foto: Daniel Boberg.
Viele Lost Places sind im Laufe der Jahre Opfer von Diebstahl und Vandalismus geworden, die der Attraktivität dieser Orte nicht gut tun, wie auch der Autor einräumt: „Wer ihre Faszination erhalten will, nimmt von dort nichts mit, außer seinen Bildern, und hinterlässt nichts, außer seinen Fußspuren.“ Zum sicheren Umgang mit Lost Places hat er für den Leser auch gute Tipps für die Erkundung von verlassenen Orten parat: Festes Schuhwerk, Atemschutzmasken für stark verschimmelte Räume und „wenn ich ein schlechtes Gefühl habe, lass ich es lieber!“
Der Faszination des Verfalls auf der Spur
Gießerei an der Lenne. Foto: Daniel Boberg.
Seine ersten Lost Places erkundete Daniel Boberg in seiner Jugend in Ostwestfalen, lange bevor der „Lost Place“ für ihn zum Begriff wurde. Berlin, wo er zeitweise lebte, oder Brandenburg erkundete er erst später und veröffentlichte sie als seine ersten Bildbände im Sutton Verlag. Mit Nordrhein-Westfalen legt er nun seinen dritten Bildband der Reihe „Verlassene Orte“ vor. Die Erkundung von so genannten Lost Places, die der gebürtige Ostwestfale der Sicherheit wegen grundsätzlich in Begleitung vornimmt, hat er datiert und mit einigen Fakten versehen.
Armaturenfabrik. Foto: Daniel Boberg.
Darüber hinaus dokumentiert er gut recherchiert nicht nur ihre Gegenwart, sondern in den umfassenden und informativen Texten auch ihre Vergangenheit, die er dem interessierten Leser zugänglich macht. Ehemalige Fabrik- oder Gewerbegebäude, Wohnhäuser und Villen, eine Schule und eine ehemaliger Nachtclub sowie eine Werft und – auf einer geführten Fototour – die Kokerei der Zeche Zollverein hat Daniel Boberg besucht: Von Rhein und Ruhr ging seine Reise über das Bergische Land bis nach Ostwestfalen. Von den zehn Orten, die Boberg in NRW besucht hat, liegen drei in Duisburg. Eingesammelt hat er auf seinen Streifzügen faszinierende Eindrücke, Stimmungen und Details eines Verfalls, die bleiben, auch wenn manche dieser Orte bald endgültig Vergangenheit sind. Zum Einsatz kamen neben seinen Kameras auch eine Drohne, die weitere spannende Perspektiven erschloss.
Daniel Bobergs großformatiges Buch „Verlassene Orte Nordrhein-Westfalen“ ist erschienen im Erfurter Sutton Verlag, Deutschlands führendem Verlag für Lokal- und Regionalgeschichte. Auf 168 Seiten findet der Leser rund 120 Fotografien. Das reich bebilderte Buch mit Hardcover-Einband kostet 29,99 Euro. Zu beziehen ist es über den lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-96303-192-2).
Der Autor
Gelbe Villa. Foto: Daniel Boberg.
Fotograf und Autor Daniel Boberg (Jahrgang 1988) ist freiberuflicher Software-Entwickler und lebt heute in Hamm. Aufgewachsen ist er in Bad Oeynhausen und Minden (Ostwestfalen), bevor er sich zum Studium erstmals nach Berlin aufmachte. Weitere Stationen waren Braunschweig, Bielefeld und wieder Berlin, von wo es ihn zurück nach NRW zog. Die Fotografie ist seine Leidenschaft, die er ständig weiter entwickelt. Faszinierend findet er seit langem auch Lost Places, wie er sie immer wieder gerne aufsucht: Im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten und mit dem gebotenen Respekt gegenüber den Zeugen der Vergangenheit! https://pixelgranaten.de/wir-sind-die-pixelgranaten/daniel/
Sutton ist der führende Verlag für Regionalgeschichte und -literatur im deutschsprachigen Raum, vom historischen Bildband bis zum Freizeitführer. Den zweiten Schwerpunkt des 1997 gegründeten Verlages bildet die Verkehrs- und Technikgeschichte. Außerdem bietet Sutton Krimi unter dem Motto „mordsmäßig spannend“ seit 2011 Regionalkrimis der unterschiedliches Genres. Seit Anfang 2014 gehört Sutton zum Verlagshaus GeraNova Bruckmann in München. https://verlagshaus24.de/sutton/
Grünes Licht für Stadtteil-Entwicklung und -Sanierung Von Petra Grünendahl
Auf Abstand: Wegen der Corona-Pandemie fand die Ratssitzung in der Mercatorhalle statt. Foto: Petra Grünendahl.
Mit der Bereitstellung von finanziellen Mitteln und einem (jetzt erst einmal aufgeschobenen) Erprobungsbetrieb gab der Rat der Stadt Duisburg grünes Licht für ein soziokulturelles Zentrum am Stapeltor. Nach dem Startschuss für den Abriss in der vergangenen Woche brachte der Rat nun auch die Entwicklung der Fläche „Am Alten Güterbahnhof“ auf den Weg. Er bewilligte darüber hinaus Gelder für die Internationale Gartenausstellung (IGA) Metropole Ruhr 2027 und für die vorbereitende Planung zur Reaktivierung der Westbahn (zur Anbindung der neu entstehenden Stadtquartiere im Süden). Beschließen musste der Rat auch die Fortführung des Projektes Soziale Stadt in Homberg-Hochheide: Besonders höhere Kosten für den Erwerb von drei der sechs Weißen Riesen sowie deutliche Kostensteigerungen bei der notwendigen Sanierung vor einer Sprengung (unter anderen Asbestfunde in Wand- und Deckenspachtel sowie im Estrichkleber) ließen die ursprünglich angesetzten Kosten für das Gesamtprojekt massiv steigen. Im April 2021 soll der Weiße Riese Ottostraße 24–30 fallen, im Frühjahr 2023 die Ottostraße 54/56. Auf den Flächen zwischen Ottostraße und dem Areal der 2019 gesprengten Friedrich-Ebert-Straße 10–16 sollen bis 2025 Grün- und Parkanlagen entstehen.
Auf Abstand: Wegen der Corona-Pandemie fand die Ratssitzung in der Mercatorhalle statt. Foto: Petra Grünendahl.
Straff und zügig zog Oberbürgermeister Sören Link die letzte Ratssitzung vor der Kommunalwahl im September durch. Wegen der Corona-Pandemie und den erforderlichen Abständen war die Ratssitzung vom Ratssaal in den großen Saal der Mercatorhalle verlegt worden, wo immerhin genug Platz für alle geschaffen werden konnte. Die individuelle Redezeit beschränkte der OB im Einvernehmen mit den Ratsleuten auf drei Minuten. Eine Pause war nicht vorgesehen. So winkte der Rat zunächst alle Eilbeschlüsse der Haupt- und Finanzausschuss-Sitzung vom 30. März (anstelle der ursprünglich angesetzten Ratssitzung) sowie reihenweise Dringlichkeitsbeschlüsse mit großer Mehrheit oder sogar einstimmig durch. Dazu zählten unter anderem auch Entlastungen für Eltern bei den Kindergartenbeiträgen für April bis Juli sowie der Verzicht auf Abgaben von Handel und Gastronomie für die Nutzung von Freiluft-Flächen. Auch über andere Beschlussvorlagen wurde im Rat nicht mehr groß diskutiert, waren Diskussionen doch eher in den vorbereitenden Ausschuss-Sitzungen sowie Fraktionssitzungen (zum abschließenden Abstimmungsverhalten der Fraktionen) gelaufen. Das Bäderkonzept im Duisburger Süden (nach dem Scheitern des XXL-Bades in Huckingen) ist als erste Lesung behandelt worden. Die Diskussion wird nach der Kommunalwahl im neuen Rat fortgesetzt. Breite Unterstützung fand im Rat die Resolution zum Kommunalen Rettungsschirm und einer Altschuldenhilfe angesichts der entstandenen Finanzlöcher durch die Corona-Pandemie. Hier ist nun die Landesregierung NRW gefordert.
Alt-Hamborn / Marxloh und die Rhein-Ruhr-Halle
Die Rhein-Ruhr-Halle in Hamborn 2018. Foto: Petra Grünendahl.
Mit zusätzlichen Fördermitteln des Landes will der Rat das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) „Stark im Norden – Alt-Hamborn & Marxloh“ fortschreiben. Rund 25 Mio. Euro (als 50-Prozent-Förderung) kommen vom Bund dazu. Marxloh befindet sich seit den 1980er-Jahren in unterschiedlichen Förderprogrammen der integrierten Stadterneuerung, Alt-Hamborn profitiert hier erstmalig. Zahlreiche Projekte zu Integration und Bildung, sozialer und ökonomischer Stabilisierung, Umwelt und Klimaschutz sowie Teilhabe und Öffentlichkeitsarbeit sollen unterstützt werden. Als ein Teilprojekt steht der Abriss der Rhein-Ruhr-Halle zur Flächenentwicklung im Raum, allerdings fordern hier mehrere Parteien im Rat eine Reaktivierung der Halle. Im Falle eines Abrisses ist ein Neubau an gleicher Stelle wegen der Nähe eines „Störfallbetriebes“ (Grillo) aufgrund rechtlicher Beschränkungen nicht möglich. Eine „Ertüchtigung“ werde von der Verwaltung geprüft, so der CDU-Fraktionsvorsitzende Rainer Enzweile, was uns auch Thomas Krützberg, Geschäftsführer des Immobilien-Management Duisburg (IMD), als Eigentümer der Halle so bestätigte. Dass diese Halle aber nicht so einfach (und mit wenig finanziellem Aufwand) ertüchtigt und reaktiviert werden kann, sollte aber allen Beteiligten klar werden. Seit vielen Jahren verfällt die Mehrzweckhalle zusehends, mittlerweile ist alles von Wert geklaut, was nicht niet- und nagelfest ist. Siehe auch unseren Kommentar vom 8. Juni: https://duisburgamrhein-betrachtungen.de/2020/06/08/reaktivierung-der-rhein-ruhr-halle-in-duisburg-hamborn-ein-kommentar/.
„Die Lage ist dramatisch. Vielen Unternehmen sind wegen der Corona-Pandemie von jetzt auf gleich Lieferketten ebenso wie Märkte zusammen gebrochen“, erklärte Burkhard Landers, Präsident der Niederrheinischen IHK. „Die Unternehmen am Niederrhein beurteilen die wirtschaftliche Lage und ihre Zukunftserwartungen so negativ wie zuletzt im Frühjahr 2009.“ Er rechne nicht mit einer V-förmigen wirtschaftlichen Erholung, wie sie früher nach Krisen eingetreten war, sondern eher mit einer U-Form: „Man weiß aber nicht, wie lang sich der Bogen des U zieht“, so Landers. Die Rettungsschirme und Soforthilfen seien richtig und gut gewesen, aber in manchen Branchen nicht ausreichend, was insbesondere Laufzeiten angehe: „Während sich manche Unternehmen mit der langsamen Öffnung wieder stabilisieren, bleiben ganze Branchen noch über Monate in der Krise: Messe, Event oder Catering erholen sich noch lange nicht“, sagte Landers. „Dienstleister hat es besonders getroffen, wenn sie in direktem Kundenkontakt arbeiten“, erklärte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Stefan Dietzfelbinger. Lediglich die Digital-Branche habe sogar von der Krise profitiert, weil sie durch Home Office und Verschiebung wirtschaftlicher Aktivitäten ins „Digitale“ Geschäftszuwächse erzielt hatte.
Burkhard Landers und Stefan Dietzfelbinger stellten die Konjunkturumfrage Frühsommer 2020 vor. Foto: Petra Grünendahl.
Den aktuellen Konjunkturbericht stellten Burkhard Landers und Dr. Stefan Dietzfelbinger im Großen Sitzungssaal der Niederrheinischen IHK an der Mercatorstraße im Pressegespräch vor. Auf Abstand, aber immerhin analog: „Es geht nichts über den persönlichen Kontakt“, bemerkte Landers. Solange dies aber manchen Unternehmen und Branchen fehle, seien Geschäfts- und Stimmungslage entsprechend negativ: „Zwar ist im Mai die Insolvenzerwartung auf 9 % der befragten Unternehmen gesunken, aber das sind in unserem Kammerbezirk immer noch fast 6.000 Betriebe.“ An der aktuellen Umfrage im Kammerbezirk Niederrhein (Duisburg sowie die Kreise Wesel und Kleve) hatten sich 318 Unternehmen mit insgesamt 44.000 Beschäftigten beteiligt.
Die Wirtschaftskrise habe einmal mehr gezeigt, wie wichtig die Industrie- und Handelskammern (IHK) für die Wirtschaft seien, so Stefan Dietzfelbinger: „Wir haben fast 5.000 Beratungsgespräche geführt mit Unternehmen, die staatliche Hilfen oder Kurzarbeitergeld beantragen wollten. Dabei haben wir viele traurige und verzweifelte Geschichten von den Betroffenen gehört.“ Mittlerweile kehre die IHK, die während des Lockdown ihre Mitglieder überwiegend vom Home Office per Telefon bzw. digital betreut hatte, zum Normalbetrieb zurück: „Die Prüfungsgespräche für die Ausbildungsabschlüsse laufen gerade wieder an.“
Ausbildungsmarkt rückläufig
„Wir hatte zu diesem Zeitpunkt noch nie so wenig Ausbildungsverträge abgeschlossen wie in diesem Jahr“, erzählte Landers. In Zahlen: rund 25 Prozent weniger sind es bislang. Die sonst üblichen Schulbesuche von Ausbildungsberatern entfallen im Moment, der Tag der Ausbildung fand digital statt. Zum einen ist da die Verunsicherung der Unternehmen, die sich überlegen, ob sie es in der aktuellen wirtschaftlichen Lage überhaupt schaffen auszubilden. Dem stünden aber, so Landers, mehr Bewerber gegenüber: „Ein Auslandsjahr oder ähnliches nach dem Schulabschluss macht in diesem Jahr keiner!“ Die Wirtschaft sei hier nicht nur angesichts des Fachkräftemangels in der Pflicht: „Wir haben eine soziale Verantwortung, diesen jungen Menschen zukunftssichere Perspektive zu geben.“ Der ehrenamtliche IHK-Präsident ist im Hauptberuf Unternehmer in Wesel, weiß also, worum es geht. Bei der IHK denkt man darüber nach, noch bis Jahresende neu abgeschlossene Berufsausbildungsverträge in das im September beginnende Ausbildungsjahr hinein zu nehmen, damit Schulabgängern keine Zeitverluste entstehen.
Hilfen von Bund und Land, aber auch von den Kommunen
„Neben den Hilfen von Bund und Land haben uns auch die Kommunen geholfen: durch Stundung von Abgaben und Steuerzahlungen“, erklärte der IHK-Präsident. „Das Konjunkturprogramm des Bundes verschafft den Kommunen Spielräume, die diese jetzt nutzen wollten. Die beste Wirtschaftförderung ist unbürokratische Hilfe vor Ort.“ Und diese müssten gar nicht immer Geld kosten: Entscheidungsspielräume bei Genehmigungsverfahren oder Erlaubnistatbeständen hat Landers hier ebenso im Sinn wie die Bereitstellung von neuen Ansiedlungsflächen für Gewerbe, um Unternehmen die Möglichkeit zu geben, vor Ort zu expandieren oder sich umzustrukturieren. Ein guter Schritt sei auch die Deckelung der EEG-Umlage, die gerade energieintensive Unternehmen in der Region massiv Geld kosten (z. B. Stahlproduktion, Metallindustrie, Chemie). Zugleich forderte Landers, den Wasserstoffausbau stärker zu fördern: „Ohne Wasserstoff wird es in Zukunft keine Stahlproduktion mehr in Duisburg geben.“ Neben der Stärkung der Verkehrsinfrastruktur forderte Landers auch eine verstärkte Förderung für die Digitalisierung: Breitbandausbau sowie eine Digitalisierung von Verwaltungsprozessen und Bildungseinrichtungen, von denen Bürger wie Unternehmen profitieren würden.
Platz für die Zukunft machen:
Für ein neues Quartier mit Strahlkraft Von Petra Grünendahl
Von links: Bruno Sagurna (SPD, stellv. Vorsitzender im Gebag-Aufsichtsrat), Rainer Enzweiler (CDU, Vorsitzender Ausschuss für Wirtschaft, Stadtentwicklung und Verkehr), Andree Haack (Wirtschaftsdezernent), Oberbürgermeister Sören Link, Bernd Wortmeyer (Geschäftsführer Gebag), Martin Linne (Stadtplanungsdezernent). Foto: Petra Grünendahl.
Erste Arbeiten sind schon in den verfallenen Abfertigungshallen hinter den Baustellenzäunen zu beobachten. „Hier entsteht Zukunft“, erklärte Oberbürgermeister Sören Link zum Beginn der Abrissarbeiten am alten Güterbahnhof. Und: „Mit dem Abbruch wollen wir den Aufbruch einleiten.“ – „Die Hallen werden dem Sommer nicht überstehen. Wegen der Schadstoffbelastung muss man sie Stück für Stück abtragen. Dann werden Hunderte von Tonnen Betonfundament zurückgebaut“, erklärte Bernd Wortmeyer, Geschäftsführer der Gebag, die das Areal 2018 erworben hat und für die Stadt entwickeln wird: „nicht nur zu einem Quartier, sondern zu einem neuen Stück Duisburg.“ Die notwendige Digitalisierung des Ablaufs mache viel mehr Bürgerbeteiligung möglich, als im Vorfeld (vor Corona) geahnt. Für die Erstellung des städtebaulichen Rahmenplans startet Ende Juli ein zweistufiger Planungswettbewerb mit Teams (Architektur und Städtebau sowie Landschaftsarchitekten) aus ganz Europa: „Das Projekt ist sogar für Planer aus Amsterdam oder Wien attraktiv“, so Wortmann. „Dieser Ort ist einzigartig: so etwas finden Sie nirgends mehr.“
Von links: Bruno Sagurna (SPD, stellv. Vorsitzender im Gebag-Aufsichtsrat), Rainer Enzweiler (CDU, Vorsitzender Ausschuss für Wirtschaft, Stadtentwicklung und Verkehr), Andree Haack (Wirtschaftsdezernent), Oberbürgermeister Sören Link, Bernd Wortmeyer (Geschäftsführer Gebag), Martin Linne (Stadtplanungsdezernent). Foto: Petra Grünendahl.
Oberbürgermeister Sören Link, Planungsdezernent Martin Linne und Gebag-Geschäftsführer Bernd Wortmann stellten neben dem abgezäunten und videoüberwachten Abrissbereich im Pressegespräch dar, mit welcher Entwicklung Duisburgs Bürger auf der Brachfläche von insgesamt gut 35 Hektar rechnen können. Der Rückbau der Hallen gibt den Startschuss für einen Neuanfang: „Die Duisburger Freiheit gibt es nicht mehr“, erklärte der Gebag-Geschäftsführer. Hier müsse ein neuer Name her für einen städtebaulichen Aufbruch. Die Fläche sei einzigartig in ihrer Qualität: „Hier ist nicht Schnelligkeit unser Thema, sondern Nachhaltigkeit und Strahlkraft.“ Eine Entscheidung über den städtebaulichen Rahmenplan erwarte er im Frühjahr 2022, sagte Planungsdezernent Martin Linne, und einen Bebauungsplan im Sommer 2022. Mit der Erschließung rechne er ab Ende 2023 nach Rechtskraft des B-Plans, mit dem Beginn des Hochbaus 2024. Nach vielen Jahren Brache und Stillstand erwarte er einen Schub für die Stadt: „Als wir vor 25 Jahren im Innenhafen angefangen haben, konnte man noch absehen, welchen Erfolg das Ganze haben würde“, sagte Linne. Und: „Eine solch erfolgreiche Entwicklung kann hier auch passieren!“
Die Geschichte des Areals
Oberbürgermeister Sören Link. Foto: Petra Grünendahl.
Das Gelände ist mit Grün zugewuchert, durchzogen von einem Schotterweg, der die kleine Rampe hinauf ungefähr dorthin führt, wo vor einigen Jahren noch eine Firma für Baumaschinen angesiedelt war. Die große Rampe, auf der sich bei der Loveparade 2010 die Katastrophe mit 21 Toten und Hunderten Verletzten ereignete, ist nicht mehr auszumachen. Die war zugeschüttet worden, als 2013 man die Gedenkstätte anlegte.
Stillgelegt wurde der alte Güterbahnhof im Dellviertel 1996. Viele Pläne und Initiativen hatte es seitdem gegeben, dieses Filet-Stück zu entwickeln: Die Verkehrsanbindungen sind hervorragend, das Areal liegt nah an der Innenstadt und vom Verkehr ist hier beim Pressetermin – ca. 70 Meter entfernt von den Gleisanlagen und gut 100 Meter von der Autobahn wenig zu hören, was zumindest teilweise den üppig wuchernden Bewuchs zuzuschreiben sein dürfte.
Gebag-Geschäftsführer Bernd Wortmann. Foto: Petra Grünendahl.
Von ersten Ideen einer neuen Fußball-Arena Ende der 1990er-Jahre hatte man an dieser Stelle schnell Abstand genommen: Gebaut wurde die neue MSV-Arena am alten Standort Wedau-Stadion. Dann kam das Multi Casa, das über viele Jahre die Gemüter erhitzte, bevor es nach der Wahl von Adolf Sauerland (CDU) zum Oberbürgermeister Geschichte wurde. Sir Norman Foster brachte dann Ideen für die „Duisburger Freiheit“ zu Papier, die Wohnen, Grün und Gewerbe (Arbeitsplätze) vorsahen. Die Bahn-Immobilientochter Aurelis verkaufte jedoch an Kurt Krieger, der nach der Loveparade 2010 Möbelhäuser errichten wollten. Lediglich die Gedenkstätte für die Opfer der Loveparade erinnern noch daran. Als Krieger das Interesse an dem Standort für seine Möbelhaus-Kette verloren hatte, wollte er auf seinem Grundstück Handel ansiedeln: Ein Designer Outlet Center (DOC) scheiterte aber an der Volksabstimmung 2018. Krieger verkaufte das Areal schließlich.
Entwicklung nun in Duisburger Hand
Alter Güterbahnhof in Duisburg. Quelle: Google Maps Luftbild.
Die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gebag erwarb das Gelände, so dass nun endlich die Planungshoheit auch als Eigentümer in Duisburg liegt. Damit kann die Stadt unter Beteiligung der Bürger hier planend tätig werden: Ein Stück Duisburg solle hier entwickelt werden, mit dem sich die Bürger identifizierten, wünschen sich die Verantwortlichen. Mit Wohnen, Grün und Smartem Business, so ihre Vorstellung. Die Entscheidung zum Gewinner-Team des städtebaulichen Wettbewerbs soll im März 2021 durch eine Jury fallen.
Arbeitstitel: Am alten Güterbahnhof
Alter Güterbahnhof in Duisburg. Quelle: Google Maps Luftbild.
Unter www.am-alten-gueterbahnhof.de wird die Projektentwicklung veröffentlicht und Bürgerbeteiligung ermöglicht. Versammlungen kann es ja aktuell aufgrund der Corona-Krise nicht geben. Einzig gangbarer Weg ist der digitale, der aber mehr Bürgerbeteiligung möglich macht als analoge Ideen-Werkstätten. „Die Bürger sollen sich mit dem neuen Quartier identifizieren und es als neues Stück Duisburg annehmen“, so der Gebag-Geschäftsführer. Wenn klar ist, was hier entstehen soll, wird sich die Gebag auf die Suche nach einem geeigneten Namen für das Gelände machen. Bis dahin läuft die Fläche immer noch unter dem Arbeitstitel „Am alten Güterbahnhof“.
Impressionen vom alten Güterbahnhof. Fotos: Petra Grünendahl
Erkundung der LaGa unter Corona-Bedingungen Von Petra Grünendahl
Landesgartenschau Kamp-Lintfort 2020 im Schatten der Fördertürme der Zeche Friedrich Heinrich. Foto: Petra Grünendahl.
Lange Schlangen an der Kasse hat man nicht an einem Wochentag – vermutlich im Gegensatz zu Wochenenden, wo viele Menschen angesichts von Corona-Beschränkungen gerade Ziele unter freiem Himmel besonders gerne ansteuern. Zügig geht es auf das Gelände. Überall sind Menschen, aber auf Abstand. Auf Freiflächen geht es auch ohne Maske, die braucht man nur in geschlossenen Räumen (und ggf. bei dichteren Kontakten). Dem wenigen Regen dieser Saison trotzen die Veranstalter mit reger Bewässerung: Alles unter freiem Himmel steht in prächtiger Blüte – von den gestalteten Beeten und Mustergärten bis zu den Wildblumenwiesen im Parkgelände. Spannende Vielfalt findet der Besucher in den Mustergärten, dazwischen Informationen zur Gartengestaltung, aber auch über die touristischen Highlights der Region. Blühend zeigt sich der Quartiersplatz. Den Rundweg durch den Park über den großen Fritz und den kleinen Fritz entlang am Spielplatz und dem Streichelzoo (Kalisto) ist gesäumt von Bäumen unterschiedlichster Art, von gestalteten Beeten und Wildblumenwiesen, die außer den Besuchern auch Bienen locken sollen.
Landesgartenschau Kamp-Lintfort 2020 im Schatten der Fördertürme der Zeche Friedrich Heinrich. Foto: Petra Grünendahl.
Einen guten Monat hat die Landesgartenschau Kamp-Lintfort 2020 (LaGa) nun ihre Tore geöffnet. „Wir sind sehr froh, dass sich die Corona-Regeln auf unserem großen Gelände gut einhalten lassen und sich die Besucher gerne auf der LaGa aufhalten“, sagte Heinrich Sperling, Geschäftsführer der Landesgartenschau Kamp-Lintfort 2020 GmbH. Mit der Resonanz sind die Veranstalter bislang zufrieden: „Unsere Landesgartenschau kommt bei den Gästen an“, so Sperling. In dieser Woche laufen die Pflanzungen für die Sommerblumen, damit das Blütenmeer bis in den Herbst reicht. „Wir haben ein Drittel mehr an Blumenfläche als bei der vorherigen Landesgartenschau in Bad Lippspringe und das bei etwa gleicher Parkgröße“, erzählte der LaGa-Geschäftsführer.
Die Angebote auf der LaGa 2020
Landesgartenschau Kamp-Lintfort 2020 im Schatten der Fördertürme der Zeche Friedrich Heinrich. Foto: Petra Grünendahl.
Natürlich lockten die Kernbestandteilen einer jeden Gartenschau – Pflanzen, unterschiedliche Themengärten, Gärtnermarkt und Blumenhalle, die in den vergangenen Wochen mit ihren regelmäßig wechselnden Ausstellungsthemen einer der Besuchermagnete im Zechenpark war. Darüber hinaus konnten auch bereits kleinere Veranstaltungen sowie erste Kurse im Grünen Klassenzimmer stattfinden. „Ich freue mich jetzt auf die kommenden fünf Monate und die vielen Highlights, die unsere Besucher noch erwarten. Alle Attraktionen sind mittlerweile zugänglich, auch auf die Aussichtsplattform des Förderturms können Besucher nun unter Einhaltung der Regeln, zwischen 14 und 17 Uhr, hoch. Wir haben sehr viel zu bieten.“ Dazu zählen auch die halbstündigen Führungen im Lehrstollen neben dem LaGa-Gelände (täglich außer dienstags und donnerstags, jeweils zwischen 10 und 13 Uhr sowie 15 und 18 Uhr), wo max. fünf Personen mit Mund-Nasen-Schutz Einblicke in die Arbeit der Bergleute bekommen: Von 1912 bis 2012 förderten sie hier auf der Zeche Friedrich Heinrich (zuletzt RAG Bergwerk West), dem heutigen LaGa-Gelände, Steinkohle, im Lehrstollen lief der Ausbildungsbetrieb. Der Besuch des Lehrstollens ist mit einer Eintrittskarte zur LaGa kostenlos. Die ehrenamtlichen Führer stammen aus dem Bergbau oder sind dem Bergbau verbunden – und können kundig berichten.
Die LaGa 2020 in Zahlen
Landesgartenschau Kamp-Lintfort 2020 im Schatten der Fördertürme der Zeche Friedrich Heinrich. Foto: Petra Grünendahl.
Bis zum 11. Oktober wird die Landesgartenschau 2020 geöffnet sein. Die Kassen sind täglich vom 9 bis 19 Uhr besetzt, verweilen kann man auf dem Gelände bis zum Einbruch der Dunkelheit (maximal 21 Uhr). Im Kassen-/Eingangsbereich ist ein Mund-Nasen-Schutz erwünscht, weil sich hier Leute schon mal etwas näher kommen können. Tageskarten gibt es für 18,50 Euro für Erwachsene (ermäßigt 14 Euro, Kinder 2 Euro, Gruppen ab 15 Personen 16,50 Euro pro Person). Die Turmfahrt kostet extra (5 Euro). Die Pendelbahn zur Haltestelle am Zechenpark verkehrt am Wochenende mit Fahrten von und nach Duisburg-Hauptbahnhof, außerdem gibt es Shuttlebusse (hier gelten jeweils die Bedingungen des ÖPNV, will heißen: Mund-Nase-Schutz ist Pflicht). Parkplätze stehen auf einem großen Areal neben dem LaGa-Gelände an der Friedrich-Heinrich-Allee kostenlos zur Verfügung. Über dem gestalteten Wandelweg vom Norden des LaGa-Geländes geht es gute zwei Kilometer weit zum Kamper Gartenreich am Kloster Kamp, welches ebenfalls zu LaGa gehört.
Impressionen von der LaGa. Fotos: Petra Grünendahl
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Die aktuellen Corona-Regeln:
Landesgartenschau Kamp-Lintfort 2020 im Schatten der Fördertürme der Zeche Friedrich Heinrich. Foto: Petra Grünendahl.
Besucher müssen sich an die folgenden Regeln halten, damit die Landesgartenschau Kamp-Lintfort 2020 geöffnet bleiben kann und es nicht zu weiteren Einschränkungen oder gar zur Schließung der Landesgartenschau kommt. Gäste werden freundlich und bestimmt durch Service- und Ordnerkräfte auf diese Regeln hingewiesen:
Überall im Park gilt ein Abstandsgebot von mindestens 1,5 Metern (Besucher können alleine, zu zweit oder mit Mitgliedern des eigenen Haushalts spazieren gehen oder Sport treiben).
In geschlossenen Räumen / Pavillons darf sich pro 10 Quadratmeter max. ein Gast aufhalten; in der Blumenhalle sind es max. 50 Gäste.
In allen geschlossenen Räumen / Pavillons, in der Blumenhalle, an den Pagoden des Gärtnermarkts und im Shuttlebus ist das Tragen eines Mund-/Nasen-Schutzes Pflicht.
Abgesperrte Bereiche dürfen nicht betreten werden, Wegemarkierungen und Einbahnstraßenregelungen (z. B. im Streichelzoo KALISTO, der Blumenhalle oder dem Areal der Hausgartenbeispiele) müssen befolgt werden.
So nicht realisierbar! Von Petra Grünendahl & André C. Sommer
Haupteingang der Rhein-Ruhr-Halle im Januar 2011. Foto: BlackIceNRW (CC BY-SA 3.0).
Sowohl in der Stadtverwaltung als auch in den Parteien gibt es Ideen, die Rhein-Ruhr-Halle in Duisburg Hamborn zu sanieren und zu reaktivieren. Diese Ideen entpuppen sich als nicht realisierbar, wenn man weiß, in welchem Zustand sich die Halle wirklich befindet. So gut die Idee einer Mehrzweckhalle an dieser Stelle sein mag: Realistisch und deutlich günstiger wäre ein Neubau an gleicher Stelle.
Warum? Ein Rückblick
Restaurant an der Rhein-Ruhr-Halle. Foto: Petra Grünendahl.
Die 1975 eröffnete Rhein-Ruhr-Halle verfällt seit ihrer Stilllegung im Frühjahr 2011 zusehends. Im Frühjahr 2012 gab das Immobilien-Management Duisburg (IMD) als Betreiber der Örtlichkeiten eine Orientierende Schadstoffuntersuchungen in Auftrag: In der Rhein-Ruhr-Halle und im Stadtbad Hamborn sollte es belastbare Zahlen für den geplanten Abriss der Mehrweckhalle sowie für die Ertüchtigung des alten Stadtbades liefern. Geplant war ein Designer Outlet auf dem Areal im Duisburger Norden (Factory Outlet Center FOC), für das die Rhein-Ruhr-Halle abgerissen werden sollte. Der Rat der Stadt Duisburg stoppte die Realisierung schließlich 2016 mit der Aufhebung der Bauleitplanung.
Die Rhein-Ruhr-Halle in Hamborn 2018. Foto: Petra Grünendahl.
Die im Frühjahr 2012 durchgeführten aufwändigen Untersuchungen waren aussagekräftig. Die Rhein-Ruhr-Halle war in einem guten Zustand. Medien wie Elektrik, Wasser und Abwasser waren funktional vorhanden und intakt. Einer Inbetriebnahme hätte nichts entgegen gestanden, jedoch war diese nicht geplant. Die Halle wurde sich selbst überlassen, während die Diskussion um das FOC andauerte. Zum Abriss kam es nicht.
Ein Blick von außen ins Foyer der Rhein-Ruhr-Halle 2018. Foto: Petra Grünendahl.
Spätestens bis 2015 war die Rhein-Ruhr-Halle dann vollständig „gerockt“: Metalle, Kabel und die komplette Klimatechnik im Deckenzwischenraum waren ausgebaut und entwendet. Asbesthaltige Brandschutzeinrichtungen im Hallenrundlauf wurden dafür bewusst zerschlagen, nur um Flurfördergeräte einzusetzen. Ab diesen Einsatz liegen diese schwachgebunden asbesthaltigen Bauteile als Bruchstücke auf dem Boden und haben Fasern und Stäube freigesetzt, die krebserregend sind.
Hier sind die Metallverkleidungen an der Fassade der Rhein-Ruhr-Halle abmontiert. Foto: Petra Grünendahl.
Wer sich mit der Thematik von Gebäudeschadstoffen auseinander gesetzt hat, wird diese Halle nur noch in Persönlicher Schutzausrüstung (PSA) für Schadstoffe (im Volksmund „Ganzkörperkondom“) betreten. So gesehen ist die Rhein-Ruhr-Halle ab Eingangsbereich ausschließlich als „Schwarzbereich“ anzusehen.
Eine kleine Anmerkung am Rande: Die fehlenden Metallverkleidungen an der Fassade dürften nicht unbedingt die Folge von Sturmschäden sein. Eher haben sie Metalldiebe vollständig sorgfältig abmontiert.
Lostplace Project: Rhein-Ruhr-Halle in zwei Videos
Ein Stadtbild prägendes Bauwerk geschichtlich betrachtet Von Petra Grünendahl
Das Denkmal von Kurfürstin Luise Henriette vor dem Moerser Schloss. Foto: Petra Grünendahl.
Aus dem 12. Jahrhundert datieren die ältesten Teile des Moerser Schlosses, auf dem sich damals das Adelsgeschlecht der Grafen von Moers ansiedelte. Die Stadtrechte bekam Moers 1300 verliehen, erste Befestigungen, Wassergräben und Stadttore entstanden im frühen 15. Jahrhundert. Die Grafschaft fiel durch Erbschaft an das Haus Wied-Runkel (1493) und an die Grafen von Neuenahr (1519). In Folge des Truchsessischen Krieges (1583–1588) besetzten ab 1586 spanische Truppen die Stadt.
Im Luftbild der Moerser Innenstadt erkennt man die Linien der alten Befestigung. Luftbild: Google.
Die zu dieser Zeit im Exil lebende Anna Walburga, die letzte Gräfin von Neuenahr und Moers, vermachte die Ländereien ihrem Verwandten Moritz von Oranien. Dieser belagerte die Stadt und konnte sie 1597 gewaltlos einnehmen. Anna Walburga lebte bis zu ihrem Tod 1600 wieder in Moers. Mit seinem Regierungsantritt als Herr der Grafschaft begann Moritz 1601 mit der Befestigung von Schloss, Alt- und Neustadt Moers, die 1620 vollendet wurde. Die oranische Befestigungsanlage veränderte das äußere Erscheinungsbild der Stadt. Die Festungswerke mit ihrem Wallsystem boten Schutz vor feindlichen Angriffen, aber auch vor dem jährlich auftretenden Hochwasser. Der mäandrierende Rhein hatte hier große Sumpfflächen geschaffen: Der Stadtname Moers leitet sich wohl von Moor oder Morast ab. Einer Belagerung musste die Festungsstadt jedoch nie standhalten. Die Oranier beherrschten Moers bis 1700. 1702 fiel die Stadt im Wege der Erbfolge an Preußen.
Grundriss der Festungsanlagen von Schloss und Stadt Moers um 1601/02. Quelle: Geheimes Staatsarchiv Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Berlin.
Zum 400-jährigen Jubiläum der oranischen Befestigung von Schloss und Stadt legt der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e. V. (GMGV) ein neues Standardwerk zu Bau und Schicksal der Moerser Festungsanlage vor. Herausgegeben von der Stadthistorikerin Prof. Dr. Margret Wensky dokumentieren fünf Experten unterschiedlicher Fachrichtungen anschaulich die Geschichte dieses kulturellen Erbes. Margret Wensky skizziert die politische Situation der Grafschaft im 16. Jahrhundert, die dazu führte, dass Moritz von Oranien in ihren Besitz kam. Zusammen mit Christine Knupp-Uhlenhaut, der ehemaligen Leiterin des Grafschafter Museums, hat sie zudem Moerser Festungspläne des 16. bis 18. Jahrhunderts zusammengestellt und analysiert: Festungspläne sind weitaus zahlreicher als Darstellungen von Moers erhalten als solche der Stadt. Ein spektakulärer Fund im Geheimen Staatsarchiv Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin bringt dabei neue wichtige Erkenntnisse zum Planungsbeginn um 1601 und dürfte ein Vorläufer des großen Bauplans der Festung sein, der diese als „work in progress“ zeigt. Während der Besetzung der Stadt im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) ließ der französische Stadt- und Festungskommandant de Sariac einen präzisen Plan anfertigen, kurz bevor Preußenkönig Friedrich II. die Festungswerke 1763/64 schleifen ließ, was das Stadtbild wiederum gravierend veränderte.
Von den Bauakten des Festungsbaus bis Stadtplanung im 20. Jahrhundert
Stadt, Kastell und ehemalige Festungsanlage Moers, 1831, Umzeichnung des Urkatasters durch Michael Buyx (1795-1882). Quelle: Stadt Moers, Fachdienst Vermessung.
Anhand von erhaltenen Bauakten rekonstruiert Heike Preuß den Bau der Befestigung in den Jahren 1601 bis 1620. Dabei legt sie ein besonderes Augenmerk auf die daran beteiligten Unternehmer und Arbeiter. Als Berater für den Bau der Festung beauftragte Moritz von Oranien den flämischen Mathematiker, Physiker und Bauingenieur Simon Stevin, der seit 1593 in seinem Diensten stand und diesem mehrere Festungen entwarf. Der große Bauplan der Festungsanlage, der sich heute im NRW-Landesarchiv in Duisburg befindet, stammt möglicherweise aus seiner Feder. Seinem Leben und Werk geht Hajo Hülsdunker nach. Mit der Schleifung der Wehranlagen erreichte die Stadtbefestigung bis 1800 ein Erscheinungsbild, welches bis zur Wende zum 20. Jahrhundert Bestand hatte.
Überlagerung des Sariac-Plans von 1762 mit dem aktuellen Katasterplan der Stadt Moers. Quelle: Stadt Moers, Fachbereich 6.
Thorsten Kamp geht dem wechselvollen Schicksal der ehemaligen Festungsanlage seit dem frühen 20. Jahrhundert nach. Er stellt die zum Teil massiven Veränderungen des Stadtbildes und die stadtplanerischen Vorhaben vor, wie sie im Laufe des Jahrhunderts vollzogen wurden – oder Planung blieben, aber immer auch die ehemaligen Festungsanlagen betrafen. Sein Beitrag ist zugleich ein Appell zum sorgsamen Umgang mit diesem bedeutenden flächigen Baudenkmal der Stadt.
Ein Standardwerk für Moers-Interessierte
Joan Blaeu d. Ä. (1596-1673), Grundriss der Festung Moers, 1649. Quelle: Grafschafter Museum im Moerser Schloss.
„Der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein ist froh, ein derartiges Großprojekt zum 400. Jubiläumsjahr der das Stadtbild prägenden oranischen Befestigungsanlage gestemmt zu haben“, sagt Peter Boschheidgen, Vorsitzender des GMGV. „Das Werk wird wegen seiner lebendigen und abwechslungsreichen Darstellung nicht nur die Fachleute begeistern, sondern jeden Leser, der sich mit der Stadt Moers und ihrer Geschichte verbunden fühlt.“ 91 Abbildungen, zum Teil bislang unveröffentlichte Pläne, Dokumente und Ansichten aus in- und ausländischen Archiven, Bibliotheken, Museen und Sammlungen, ergänzen und illustrieren die Beiträge. Das Buch „400 Jahre oranische Befestigung von Schloss und Stadt Moers 1620–2020“ (Herausgeber Prof. Dr. Margret Wensky, Veröffentlichung des Grafschafter Museums- und Geschichtsvereins in Moers e.V.) mit festen Einband und 156 Seiten kostet 29,50 Euro. Zu erwerben ist es bei der Moers Marketing GmbH oder im Moerser Schloss (Grafschafter Museum) ebenso wie im lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-948252-01-4).
Aufarbeitung der Loveparade 2010 auf
„Duisburg am Rhein – Betrachtungen“
Von Petra Grünendahl
Aus der Unterführung auf der Karl-Lehr-Straße. geht es über die Rampe zum Güterbahnhofsgelände Foto: Petra Grünendahl.
Fast zehn Jahre sind vergangen seit der tragischen Katastrophe bei der Loveparade 2010 in Duisburg. Die Strafverfolgung ist am 4. Mai 2020 mit der Einstellung des Verfahrens gegen die letzten drei Angeklagten zu Ende gegangen.
Seit dem Geschehen am 24. Juli 2010 beschäftige ich mich mit diesem Unglück. Am Abend der Katastrophe im Büro mit einem Kollegen aus Hamburg am Telefon, der auf Konzerten fotografierte: Wir beide an unserem Rechnern sitzend mit Hilfe von Google Maps und dem Versuch, das Grauen zu fassen. Der Kollege ungläubig: „So was geht ja gar nicht!“, als ich ihm von dem Zugang durch den Tunnel auf eine Rampe erzählte und dass der Eingang gleichzeitig als Ausgang genutzt werden sollte. Und dort jetzt Geschehnisse mit Toten und Verletzten gemeldet wurden …
Mit einem Artikel von Lothar Evers – „Tod im Niemandsland“ – hatte ich mich kurz nach dem ersten Jahrestag auseinander gesetzt und damit meinem Blog – „Duisburg am Rhein – Betrachtungen“ – gestartet. Die Thematisierung von Aufarbeitung der Loveparade und Abwahl des Oberbürgermeisters hatte dann auch zur Gründung der Rundschau Duisburg im Januar 2012 geführt. Leider ging diese als Web-Publikation erst Anfang 2016 an den Start, so dass ich meine Berichte über Jahre ausschließlich in meinem Blog publizieren konnte.
Meine Veröffentlichungen sind in gewisser Weise auch ein Spiegel der Aufarbeitung, die in diesen fast zehn Jahren gelaufen sind. Die Zusammenstellung der Links zu meiner Berichterstattung und der Veröffentlichung von Presseinformationen war für mich eine interessante Zeitreise, die so manche Erinnerungen weckte, aber auch ihre Aha-Momente hatte. Ich denke, die Lektüre lohnt sich, weshalb ich die Link-Sammlung hier öffentlich mache.
Ich habe mich also in dieser Zusammenstellung auf die Links auf „Duisburg am Rhein – Betrachtungen“ konzentriert. Lediglich am Ende gibt es Verweise auf die Rundschau Duisburg (für Pressemeldungen), da mein Blog mittlerweile nur noch als Autoren-Portal geführt wird.
Die Chronologie erhebt weder einen Anspruch auf Vollständigkeit (das kann ich alleine nicht leisten) noch auf Objektivität an jeder Stelle! Und meine Kommentare sind durchaus nicht immer Mainstream …
Stimmungsvolle ruhige Momente machen Lust auf eigenes Entdecken Von Petra Grünendahl
Die Ruhrmündung in Duisburg. Foto: Markus Schmidt.
Ruhige Momente am Niederrhein: An Seen, am Rhein, in Feldern oder Lichtungen, auf dörflichen Straßen, aber auch mal in urbanen Räumen. Mit Schlössern und Burgen, Kirchen und Stadttoren, einer Windmühle und vielen Landschaftsaufnahmen hat der Fotograf dabei unterschiedlichste Motive abgelichtet: Ab dem Norden der Kreise Wesel und Kleve über den Kreis Viersen bis in den Rhein-Kreis Neuss im Süden. Nicht nur schön in Szene gesetzt, sondern stimmungsvoll und mit einem schönen Blick für Details hat Markus Schmidt eine bunte Vielfalt von Szenen am Niederrhein eingefangen. Die Perspektiven des Fotografen reichen dabei von Fußgängerhöhe bis zu Drohnenflügen und Turmausblicken, die vielleicht Bekanntes noch einmal anders und neu erscheinen lassen.
Das Geleucht auf der Halde Rheinpreußen in Moers ist auch von Duisburg aus zu sehen. Foto: Markus Schmidt.
Für sein Buch „Verborgene Schönheit Niederrhein“ hat Fotograf und Autor Markus Schmidt die Region vom mittleren bis zum unteren Niederrhein bereist. Auch in und um Duisburg, wo Ruhrgebiet und Rheinland auf den Niederrhein treffen, hat sich der 30-jährige Jenaer nach stimmungsvollen Motiven umgeschaut. Für zwei Bücher war er am Niederrhein unterwegs und hat sich nach vorbereitenden Recherchen umgeschaut: „Verlassene Orte Niederrhein“ und eben dieses Werk. Dabei hat er eine reichhaltige Anzahl von Fotografien mitgebracht, von denen eine gute und vielfältige Auswahl ihren Weg ins Buch fand.
Anregungen zum Erkunden und Entdecken
Die Wasserburg Linn in Krefeld. Foto: Markus Schmidt.
Nicht alle Bilder sind explizit vertextet, aber im Großen und Ganzen weiß man schon, wo man für welche Motive auf die Suche gehen sollte. Denn die Fotografien laden nicht nur ein zum Schwelgen und Träumen, sondern geben viele Anregungen, selber auf Tour zu gehen, um Landschaften und Stimmungen am Niederrhein einzufangen. Die ungewöhnlichen und manchmal unbekannten Einblicke machen auf jeden Fall Lust auf mehr.
Cover: Sutton Verlag.
Markus Schmidts Buch „Verborgene Schönheit Niederrhein“ ist erschienen im Erfurter Sutton Verlag, Deutschlands führendem Verlag für Lokal- und Regionalgeschichte. Auf 96 Seiten im quadratischen Format (22,5 x 22,5 cm) findet der Leser rund 60 Fotografien. Das reich bebilderte Buch mit Hardcover-Einband kostet 19,99 Euro. Zu beziehen ist es über den lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-96303-056-7).
Der Autor
Der Rhein in Düsseldorf. Foto: Markus Schmidt.
Fotograf und Autor Markus Schmidt, Jahrgang 1990, wohnt in Jena und betreibt dort seit 2013 sein Unternehmen SIO MOTION. Neben der Fotografie ist er auf Videografie und Design spezialisiert. Zum stetig wachsenden Kundenstamm zählen neben Privatpersonen, Bands und lokalen Firmen auch Pro7, Antenne Thüringen, Vodafone und andere. Für Fotos und Aufträge ist er mittlerweile bundesweit unterwegs.
Der Naturpark Schwalm-Nette liegt überwiegend in den Kreisen Viersen und Heinsberg. Foto: Markus Schmidt.
Der Naturpark Schwalm-Nette liegt überwiegend in den Kreisen Viersen und Heinsberg. Foto: Markus Schmidt.
Sutton ist der führende Verlag für Regionalgeschichte und -literatur im deutschsprachigen Raum, vom historischen Bildband bis zum Freizeitführer. Den zweiten Schwerpunkt des 1997 gegründeten Verlages bildet die Verkehrs- und Technikgeschichte. Außerdem bietet Sutton Krimi unter dem Motto „mordsmäßig spannend“ seit 2011 Regionalkrimis der unterschiedliches Genres. Seit Anfang 2014 gehört Sutton zum Verlagshaus GeraNova Bruckmann in München. https://verlagshaus24.de/sutton/
Der Nachlass des Ruhrgebietschronisten
in einer großen fotografischen Werkschau Von Petra Grünendahl
Zeche Sterkrade in Oberhausen 1960. Foto: Petra Grünendahl.
Vom Ruhrgebiet, welches über Jahrzehnte seine Heimat war, bis in die ganze Welt reicht die Vielfalt seiner Motive. Immer wieder Industrielandschaften und Städte als Lebensraum, Arbeit und Menschen: Szenen aus dem Alltag und aus dem Leben gegriffen. Es sind lebendige Bilder aus einer anderen Zeit. Vieles stammt aus den 1960er- oder 1970er-Jahren. Es finden sich viele Ansichten auch von Duisburg oder Oberhausen, die man wieder erkennt. Bekannte Motive, aber auch viele Unbekannte: Theater-Inszenierungen, Warenhäuser und Einkaufsstraßen, Produktfotos und Produktionshallen, Reisefotografien, aber eben auch die Städte des Ruhrgebiets aus Zeiten, in denen es mehr Arbeit, aber auch mehr Umweltverschmutzung gab. Manche Ansichten lassen den Betrachter schmunzeln: Eingefangenes Leben mit seiner Ironie, die auch im Titel der Ausstellung mit dem dazugehörigen Foto deutlich wird. Vieles ist in Schwarz-Weiß fotografiert, manches auch in Farbe. Rudolf Holtappel sah sich selber nie als Museumsfotograf: Abgezogen sind die Fotografien überwiegend vergleichsweise kleinformatig (mit 20 cm Breite), manche sind größer. Der Fotograf entwickelte selber, experimentierte dabei mit alten Edeldruck-Verfahren (Salzprints, Cyanotypien oder Bromöldrucken). Auch diesen Arbeiten ist ein Teil der Ausstellung gewidmet.
Dr. Christine Vogt, Museumsdirektorin der Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.
„Wir können die Ausstellung nur deshalb wie geplant starten, weil wir sie aus eigenen Beständen bestücken konnten“, erklärte Dr. Christine Vogt, Museumsdirektorin der Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen. Trotz Corona kann damit völlig termingereicht die Ausstellung mit Fotografien des Oberhausener Fotografen Rudolf Holtappel (1923–2013) am Sonntag, 10. Mai, eröffnen. Christine Vogt stellte in einem Pressegespräch die Ausstellung mit dem Titel „Die Zukunft hat schon begonnen“ zusammen mit der Kuratorin Miriam Hüning und Oberhausens Beigeordnetem für Kultur und Finanzen Apostolos Tsalastras vor. Den Nachlass des Fotografen hat die Stadt Oberhausen 2017 übernommen: Etwa 360.000 Negative in Schwarz-Weiß und Farbe sowie über Tausend Fotoabzüge und Diapositive konnten mit Unterstützung des LVR (Landschaftsverband Rheinland) wissenschaftlich und konservatorisch aufbereitet werden. Zwei Jahre lang beschäftigte sich Miriam Hüning als wissenschaftliche Mitarbeiterin mit den Arbeiten Holtappels und bereitete die Fotos aus den Jahren 1950 bis 2013 für die fotografische Werkschau auf.
Kuratorin Miriam Hüning hat das Werk Rudolf Holtappels wissenschaftlich erschlossen und aufbereitet. Foto: Petra Grünendahl.
Rudolf Holtappel (*1923 in Münster, †2013 in Duisburg) war gelernter Fotograf, 1950 machte er seinen Meister in Fotografie. Er arbeitete als Bildjournalist und Auftragsfotograf. Er fotografierte Städteportraits (Industrie, Stadt und Mensch) u. a. für den Band „Duisburg“ aus dem Jahr 1960 für den Carl Lange Verlag (heute: Mercator-Verlag) oder über Jahrzehnte Produkte, Werkshallen, Produktion und Kaufhäuser für Unternehmen wie Henkel oder Karstadt, deren Unternehmensdarstellungen er mit seinen Fotos entscheidend mitprägte. Zwei Mal – von 1961 bis 1970 und von 1992 bis 2003 – war er als Bühnenfotograf für das Theater Oberhausen tätig. Verschiedene Preise und Auszeichnungen bekam er für seine Arbeiten. Über 60 Jahre lebte er – bis zu seinem Tod in einem Duisburger Krankenhaus – in Oberhausen.
Apostolos Tsalastras, Beigeordneter für Kultur und Finanzen der Stadt Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.
Zur Ausstellung ist im Verlag Kettler, Dortmund, ein Katalog erschienen, in dem unterschiedliche Autoren Leben und Schaffen des Künstlers vorstellen. Das reich bebilderte 272-seitige Werk wird herausgegeben von Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt und Kuratorin Miriam Hüning. Für 29,80 Euro ist es an der Museumskasse ebenso zu erwerben wie im lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-86206-815-9).
Impressionen aus der Ausstellung des Ruhrgebietschronisten Rudolf Holtappel. Fotos: Petra Grünendahl.
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Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen
Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.
Die Sonderausstellung läuft bis zum 6. September 2020. Das Museum ist geöffnet von Dienstag bis Sonntag zwischen 11 und 18 Uhr. Montags ist Ruhetag, feiertags sowie Pfingstmontag ist jedoch geöffnet. Der Eintritt kostet 8 Euro (ermäßigt 4 Euro, Familien 12 Euro). Corona-bedingt gilt eine Besucherobergrenze: Im Großen Schloss (Rudolf Holtappel) von 70 Personen, in der Panoramagalerie im Kleinen Schloss (Jacques Tilly) finden 25 Leute Platz. Aktuell entfallen alle Führungen (öffentliche Führungen finden im Großen Schloss sonst sonn- und feiertags um 11.30 Uhr statt, zudem gibt es Kuratorenführungen), die normal im Museumseintritt inklusive sind. Das geplante Rahmenprogramm muss zu allen Ausstellungen wegen Corona ebenfalls komplett ausfallen. Gleiches gilt aktuell für museumspädagogischen Angebote. Corona-bedingt entfällt auch die übliche Eröffnungsfeier, die nur über Videoaufzeichnungen der Ansprachen im Netz zu sehen ist: Ansonsten ist die Ausstellung einfach nur ab Sonntag, 10. Mai, geöffnet.
Jacques Tilly im Kleinen Schloss der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.
In der Panoramagalerie im Kleinen Schloss zeigt die Ludwiggalerie noch bis zum 14. Juni eine ebenfalls sehr sehenswerte Ausstellung von Jacques Tilly „Politik und Provokation – Karikaturen XXL“. Diese Ausstellung haben wir bereits besucht. Im Kleinen Schloss ist der Eintritt frei.
Die LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen ist eines der 21 RuhrKunstMuseen. Sie befindet sich an der Konrad-Adenauer-Allee 46 in 46049 Oberhausen. Anfahrt am besten über die A42, Abfahrt Oberhausen-Zentrum. Weitere Infos: www.ludwiggalerie.de.
„Keine Lex-Laga, aber wir hoffen auf weitere Lockerungen“ Von Petra Grünendahl
Freuten sich über die Laga-Eröffnung in Kamp-Lintfort (v. l.): Christoph Müllmann (erster Beigeordneter), Laga-Geschäftsführer Martin Notthoff, Bürgermeister Christoph Landscheidt und Andreas Ihland (Laga-Prokurist) beim Pressetermin im Rathaus auf Corona-Abstand. Foto: Petra Grünendahl.
„Durch die weitläufige Architektur des Geländes lassen sich Abstandsregelungen problemlos einhalten“, freute sich Martin Notthoff, Geschäftsführer der Landesgartenschau Kamp-Lintfort 2020 GmbH und Kämmerer der Stadt Kamp-Lintfort. Damit falle die Landesgartenschau (Laga) wie Parks, Zoos oder botanische Gärten in eine Kategorie, für die die nordrhein-westfälische Landesregierung die Öffnung unter Auflagen wieder gestattet. „Die Landesgartenschau ist eine Leistungsschau der Garten- und Landschaftsbaubetriebe und wird als solche in den nächsten Tagen vollständig zur Verfügung stehen“, erklärte Bürgermeister Christoph Landscheidt, Aufsichtsratsvorsitzender der Laga GmbH. Als die Eröffnung verschoben wurde, hatten manche Aussteller wegen der Ungewissheit ihre Arbeiten ans Muster- und Themengärten unterbrochen. Fertig war jedoch schon längst der Zechenpark auf dem ehemaligen Betriebsgelände der Zeche Friedrich Heinrich (1912–2012, zuletzt Bergwerk West) und die Klostergärten des Kloster Kamp (Kamper Gartenreich). Die Parkflächen hatten die Berliner Landschaftsarchitekten bbz entworfen. Das Zechengelände hatte nach Stilllegung des Bergwerks West Ende 2012 brach gelegen. Zahlreiche Nutzbauten waren für die Herrichtung des Areals abgerissen worden, um hier Platz für einen Stadtpark und Wohnbebauung zu schaffen. Der Förderturm und das Stahlgerüst wurden saniert und bleiben als Zeugen der früheren Nutzung erhalten.
Bergwerk West (ehemals Zeche Friedrich Heinrich) im Betrieb: Hier findet 2020 die Landesgartenschau statt. Foto: Petra Grünendahl.
Gestern konnte die Landesgartenschau Kamp-Lintfort 2020 endlich für die Besucher öffnen: Unter strikter Berücksichtigung der Erlasslage. Ob die auf den 15. Mai verschobene Eröffnungsfeier noch stattfinden darf, ist eher fraglich: Das hängt davon ab, dass das Land NRW weitere Lockerungen der Restriktionen beschließt, die die Corona-Pandemie eindämmen sollen. Großveranstaltungen sind aktuell auf dem Gelände nicht möglich, kleinere Events schon. Der Streichelzoo jedoch ist jetzt schon, der Spielplatz ab morgen freigegeben. Die Gastronomie bleibt den Besuchern noch verschlossen, allerdings gibt es ein gastronomisches „To-Go“-Angebot, Sitzgelegenheiten zum Verzehr sind in ausreichendem Abstand im Park vorhanden. Auch der Aussichtsturm ist noch nicht geöffnet: „Obwohl der Aufzug sehr schnell ist, passen mit Abstandsregeln nur zwei Leute hinein“, so Landscheidt. Hier müsse man noch abwarten. Die Mustergärten und Ausstellungspavillons sind offen. Pavillons und Blumenhalle unterliegen aber Besucherbeschränkungen. Auch für die Gesamtveranstaltung gibt Obergrenzen, wie viele Menschen sich gleichzeitig auf dem Gelände aufhalten dürfen: 5.000 Besucher sind es im Zechenpark, weitere 2.500 im Kamper Gartenreich am Kloster Kamp, das über einen öffentlichen Wandelweg vom Zechenpark aus zu Fuß zu erreichen ist.
Landesgartenschau erst mal ohne Großveranstaltungen
Quartiersplatz im Zechenpark: Gelände der Landesgartenschau Kamp-Lintfort 2020. Foto: Petra Grünendahl.
„Eine Verlegung der Landesgartenschau ins kommende Jahr hätte einen zweistelligen Millionenbetrag gekostet“, erklärte Bürgermeister Landscheidt. Diese Option sei sorgfältig geprüft worden: Die Laga findet in NRW nur alle drei Jahre statt, die nächste 2023. Verluste durch die Corona-Einschränkungen in diesem Jahr kann er noch nicht beziffern. Ursprünglich hatte man mal mit ca. 560.000 Besuchern gerechnet, aber diese Rechnung ist jetzt hinfällig: „Busreisen sind aktuell nicht möglich, so dass uns hier die Besucher von weiter weg fehlen“, so Landscheidt. Allerdings, so gab er zu bedenken, könnten mehr Besucher aus der weiteren Region kommen: „Urlaubsreisen sind ja nicht möglich, aber Tagstouren in die Umgebung schon.“ Das nötige bevölkerungsreiche Umland ist ja gegeben (und Informationen gibt es sogar in niederländischer Sprache). Und wer bis zum 11. Oktober mehrfach vorbeischauen will, für den lohnt sich sicher auch noch eine Dauerkarte (Erwachsene 100 Euro, es gibt Ermäßigungen und Familienkarten).
Ausstellerflächen im Zechenpark: Gelände der Landesgartenschau Kamp-Lintfort 2020. Foto: Petra Grünendahl.
Bis zum 11. Oktober wird die Landesgartenschau 2020 geöffnet sein. Die Kassen sind täglich vom 9 bis 19 Uhr besetzt, verweilen kann man auf dem Gelände bis zum Einbruch der Dunkelheit (maximal 21 Uhr). Im Kassen-/Eingangsbereich ist ein Mund-Nasen-Schutz erwünscht, weil sich hier Leute schon mal etwas näher kommen können. Tageskarten gibt es für 18,50 Euro für Erwachsene (ermäßigt 14 Euro, Kinder 2 Euro, Gruppen ab 15 Personen 16,50 Euro pro Person). Die Turmfahrt kostet extra (5 Euro). Die Pendelbahn zur Haltestelle am Zechenpark nimmt ab dem übernächsten Wochenende ihren Betrieb auf, außerdem gibt es Shuttlebusse (hier gelten jeweils die Bedingungen des ÖPNV, will heißen: Mund-Nase-Schutz ist Pflicht). Parkplätze stehen auf einem großen Areal neben dem Laga-Gelände an der Friedrich-Heinrich-Allee kostenlos zur Verfügung. Dort wird nach der Landesgartenschau ebenso wie auf den Ausstellerflächen Wohnbebauung direkt am Park entstehen. Der Zechenpark wird als Stadtpark dauerhaft der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Der Laga-Flyer als pdf zum Download.
Mehr Informationen gibt es hier: https://www.kamp-lintfort2020.de/
Die aktuellen Regeln:
Geländeplan der Landesgartenschau Kamp-Lintfort 2020. Grafik: Laga GmbH.
„Wir hoffen auf weitere Lockerungen, es gibt aber keine Lex-Laga“, so Christoph Landscheidt. „Die Kernbestandteile einer jeden Gartenschau, wie die Gärten, Blumen und die Pflanzungen, sind auch in Zeiten von Corona erlebbar“, so Heinrich Sperling, zweiter Geschäftsführer der Laga GmbH. Die wesentlichen Beweggründe für einen Besuch seien Anregungen und Ideen für den eigenen Garten oder Balkon zu bekommen und einen schönen Tag mit der Familie oder dem Partner zu verbringen.
Impressionen von einer Exklusiv-Tour über das Landesgartenschau-Gelände. Fotos: Petra Grünendahl.
Diese Diashow benötigt JavaScript.
Besucher müssen sich an die folgenden Regeln halten, damit die Landesgartenschau Kamp-Lintfort 2020 geöffnet bleiben kann und es nicht zu weiteren Einschränkungen oder gar zur Schließung der Landesgartenschau kommt. Gäste werden freundlich und bestimmt durch Service- und Ordnerkräfte auf diese Regeln hingewiesen:
Überall im Park gilt ein Abstandsgebot von mindestens 1,5 Metern (Besucher können alleine, zu zweit oder mit Mitgliedern des eigenen Haushalts spazieren gehen oder Sport treiben).
In geschlossenen Räumen / Pavillons darf sich pro 10 Quadratmeter max. ein Gast aufhalten; in der Blumenhalle sind es max. 50 Gäste.
Bei Erholungspausen auf Wiesen und Freiflächen gilt ein Mindestabstand von 5 Metern zu anderen Laga-Besuchern.
In allen geschlossenen Räumen / Pavillons, in der Blumenhalle, an den Pagoden des Gärtnermarkts und im Shuttlebus ist das Tragen eines Mund-/Nasen-Schutzes Pflicht.
Die Gastronomie bleibt geschlossen. Es gibt ein gastronomisches „To-Go“-Angebot. Die Speisen und Getränke dürfen außerhalb des 50-Meter-Umkreises zur Ausgabestelle auf dem Laga-Gelände verzehrt werden.
Abgesperrte Bereiche dürfen nicht betreten werden, Wegemarkierungen und Einbahnstraßenregelungen (z. B. im KALISTO, der Blumenhalle oder dem Areal der Hausgartenbeispiele) müssen befolgt werden.
Gutachter Gerlach: Multikausale Zusammenhänge als Ursache der Katastrophe Von Petra Grünendahl
Der Vorsitzende Richter Mario Plein (mitte) vor der Verkündung der Einstellung des Verfahrens: Zehn Jahre nach der Loveparade-Katastrophe mit 21 Toten stellt das Landgericht Duisburg das Verfahren ohne Urteil ein. Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Services.
„Es gab zwei neuralgische Punkte, die in der Planung durch die Angeklagten nicht ausreichend bedacht wurden: Der Übergang von der Rampe auf den Event-Bereich der Veranstaltung und die Vereinzelungsanlagen“, erklärte der Vorsitzende Richter Mario Plein. Die seien aber nicht alleine ursächlich für die Katastrophe gewesen. Der Vorsitzende Richter war bemüht, den Verletzten und Hinterbliebenen sowie den Besuchern im Gerichtssaal, die Gründe und Ursachen zu erläutern, die zum Unglück mit 21 Toten und über 650 Verletzten und Traumatisierten geführt hatten. Der Beschluss des Gerichts sei auf die Zeugenaussagen sowie das Gutachten von Prof. Dr. Jürgen Gerlach gestützt, so Plein. Diese 3.800 Seiten starke Schrift habe das Gericht seiner Entscheidung vollumfänglich berücksichtigt. Es mache multikausale Zusammenhänge für die Katastrophe verantwortlich, nicht allein die Planungsfehler der Angeklagten. Die Liste der Ursachen beginne, so der Richter in seiner Beschluss-Begründung, mit der Wahl eines Geländes, das für eine solche Veranstaltung völlig ungeeignet war.
Letzter Prozesstag in der Aussenstelle des Landgericht Duisburg auf dem Gelände der Messe in Düsseldorf: Die Stühle im Zuschauerbereich des Gerichtssaales stehen wegen der orona-Pandemie nur mit Abstand. Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Services.
Die 6. Große Strafkammer des Landgerichts Duisburg hat das Verfahren gegen die drei verbliebenen Angeklagten im Loveparade-Strafverfahren mit Zustimmung der Angeklagten und der Staatsanwaltschaft eingestellt. Mit diesem Beschluss endet das Strafverfahren wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung. Gegen sieben weitere Angeklagte war das Verfahren schon vor über seinem Jahr eingestellt worden. An insgesamt 183 Hauptverhandlungstagen hatte das Gericht 116 Zeugen vernommen. Der Gutachter Prof. Dr. Jürgen Gerlach hatte nach einem vorläufigen Gutachten vor Prozessbeginn die über dreijährige Verhandlung begleitet. Als Richter Plein ihm für den Abschluss-Prozesstermin absagte, habe Gerlach geäußert, dass nach allen bisherigen Zeugenaussagen seinem Gutachten nichts mehr hinzuzufügen hätte. „Wir haben hier keinen Fall, bei dem wir den großen Bösewicht festmachen können. Das Wichtigste ist, dass wir erklären können, wie es zur Katastrophe gekommen ist“, so Plein.
Die Ursachen der Katastrophe bezeichnete der Vorsitzende Richter auf die Erkenntnisse des Gutachters gestützt als „multikausal“: Nicht eine alleine sei ausschlaggebend gewesen. Lediglich die Geländeauswahl, die Enge am Rampenkopf und unzureichende Vereinzelungsanlagen gehörten in den Bereich der Planung. Am Rampenkopf, wo der Zugang in den Event-Bereich überging, war nicht ausreichend Platz neben dem Weg der Floats und der mitziehenden Besucher. Neuankömmlinge kamen dort kaum durch. Ordner, so genannte Pusher, waren nicht in angemessener Anzahl vor Ort, um Neuankömmlinge aufs Event-Gelände zu ziehen. Gemessen wurde an dieser Stelle eine Breite von 28,4 Metern (wo 30 Meter für Floats und Mitziehende in der Parade nötig gewesen wären). In einem frühen Plan für die Aufbereitung des Geländes war noch ein Breite von insgesamt 45 Metern angedacht (also 15 Meter für den Besucher-Durchgang), was aber wohl nie realisiert worden ist. Die Zugangsanlagen (Vereinzelungsanlagen Ost und West) hatten für den nötigen Durchfluss (also die Anzahl der Besucher, die gleichzeitig durch den Tunnel gegangen wären) keine ausreichenden Kapazitäten. Es bildeten sich früh Rückstaus am Trichter Grabenstraße / Kommandantenstraße und – noch viel mehr – an der Düsseldorfer Straße / Ecke Karl-Lehr-Straße.
Weitere Ursachen sind am Veranstaltungstag selber zu finden: Massive Störungen in der Kommunikation, die notwendige Absprachen teilweise unmöglich machten, damit verbunden die unkoordinierte Steuerung von Personenströmen und die fehlende Abstimmung von Maßnahmen wegen der Rückstaus vor den Zugangsbereichen sowie zwischen dem Zugang auf das Gelände und der Fläche mit den Musikwagen. Des Weiteren fielen organisatorische Entscheidungen am Veranstaltungstag entgegen vorheriger Absprachen, wurden Zugangsanlagen ohne Abstimmung geöffnet, obwohl ihre Schließung angeordnet war. „Die Polizeiketten dürften mit beigetragen haben“, sagte Plein: Die dritte Polizeikette auf der Rampe habe die Drucksituation auf der Rampe verstärkt. Allerdings sei man beim Einziehen aller drei Polizeiketten davon ausgegangen, dass die Vereinzelungsanlagen an den Zugängen West und Ost vollständig geschlossen wären. Was aber, erklärte Richter Plein, nicht der Fall gewesen sei. Und als schließlich um 16.26 bzw. 16.31 Uhr ein Polizist an der Vereinzelungsanlage West die Ordner anwies* [siehe Anmerkung unten], Zäune zu öffnen – für Richter Plein der „Point of no Return“ –, hatte dies einen ungehinderten Ansturm von Besuchermassen auf den Tunnel (und dann die Rampe) zur Folge. Und auf der Rampe trafen sie dann auf die, die die Veranstaltung verlassen wollten.
Mit dem Auflösen der dritten Polizeikette auf der Rampe verdichteten sich Massen am unteren Ende zu den Magnetpunkten Treppe (unterhalb des Stellwerkhäuschens), Lichtmast und Container des Crowd-Managers, weil Menschen sich dort ein entweichen aus der wogenden Massen erhofften. Im dichtesten Gedränge seien dann Menschen in Schräglage gekommen und gestürzt, schilderte es Mario Plein, und dann erdrückt oder zertrampelt worden. Dort habe man hinterher die Toten gefunden. Das letzte Todesopfer sei vier Tage später (am 28. Juli 2010) im Krankenhaus verstorben. Die nahende Verjährung am 27. Juli sei aber nicht der Grund für die Einstellung des Prozesses gewesen. Eine weitere Aufklärung habe auch Gutachter Gerlach nicht für möglich gehalten. Die Vernehmung weiterer Zeugen hätte das Verfahren jedoch erheblich weiter in die Länge gezogen. Und ob damit einem Einzelnen der Angeklagten noch eine individuelle strafrechtlich relevante Schuld nachzuweisen gewesen wäre, ist fraglich.
Lehren aus der Katastrophe
Aus der Unterführung auf der Karl-Lehr-Straße. geht es über die Rampe zum Güterbahnhofsgelände Foto: Petra Grünendahl.
In der Abschussbesprechung mit Veranstalter Lopavent und allen an der Vorbereitung beteiligten Behörden und Institutionen am 15. Juli seien keinerlei Sicherheitsbedenken oder Einwände mehr geäußert worden, führte der Richter an. Ein hochrangiger, in die Vorbereitung eingebundener Polizeibeamter hatte in seiner Zeugenvernehmung abschließend zur Kenntnis gegeben, seine Kinder seien auf der Loveparade gewesen: Weil alle der Meinung waren, die Veranstaltung wäre sicher!
„Dem öffentlichen Interesse ist auch mit der hier geleisteten Aufklärung Genüge getan“, erklärte der Vorsitzende Richter, „da sich Erkenntnisse auf zukünftige Planungen auswirken. An Veranstaltungsplanungen Beteiligte sind heute sensibilisierter für Sicherheitsprobleme!“ Nach Aufarbeitung der Ereignisse sehe man heute vieles anders und hätten sich auch rechtliche Rahmenbedingungen für ein solches Genehmigungsverfahren entsprechend geändert. Auch Gutachter Gerlach sei der Meinung: Mit einer weiteren Aufklärung wäre nicht zu rechen. So mahnte Mario Plein: „Strafverfolgung kein Selbstzweck, sondern muss auf den Schuldspruch ausgerichtet sein.“ Den könne er aber nicht absehen. Zugunsten der Angeklagten spreche, so Plein, dass sie strafrechtlich nicht vorbelastet seien. Schuld mindernd sei zudem zu werten, dass 2010 gesetzliche organisatorische Regelungen lückenhaft und Rechtsgrundlagen heterogen gewesen seien. Nach der Loveparade 2010 habe sich hier viel getan. „Die Angeklagten haben sich an das damals Übliche gehalten“, so der Vorsitzende Richter, der schloss: „Dies ist keine Verlegenheitsentscheidung: Wir halten sie rechtlich für richtig!“
Für die Angehörigen der Toten, die Verletzten und Traumatisierten wäre es mit Sicherheit einfacher gewesen, wenn man einen schuldig Gesprochenen bestraft hätte. Für die Bewältigung ihres Traumas haben sie jetzt „lediglich“ eine Erklärung der Ursachen, wie es zur Katastrophe kommen konnte. Das ist mit Sicherheit nicht der Abschluss, den sich viele von ihnen gewünscht hätten. Aber der einzige, der in unserem Rechtsstaat möglich war!
*) Der Polizist ist auf einem Überwachungsvideo an der Kreuzung Düsseldorfer / Karl-Lehr-Straße auszumachen, aber nicht zu erkennen. Er ist bis heute unbekannt. Siehe auch hier …
Nach guten Zahlen 2019 in schwierigem Fahrwasser Von Petra Grünendahl
Hafenchef Erich Staake bei der Bilanzpressekonferenz 2016 der Duisburger Hafen AG. Foto: Petra Grünendahl.
„Wir haben gerade wieder eine Lieferung an FFP2- bzw. KN95-Masken bekommen: Begriffe, die vor kurzem noch völlig unbekannt waren“, erzählte Erich Staake, Vorstandsvorsitzender der duisport-Gruppe. Die Duisburger Hafen AG mit ihren weltweit agierenden Tochtergesellschaften ist gut vernetzt, so dass sie aus China direkt das geliefert bekommt, was angesichts der Corona-Krise gefragt ist wie nie: Schutzausrüstung. Der zwischenzeitlich arg beeinträchtigte Zugverkehr aus China nimmt mittlerweile wieder Fahrt auf, so dass Lieferungen zuverlässig auf den Weg gebracht werden können. „Die Masken sind geprüfte Artikel, die in China und hier überprüft werden“, erklärte Staake. „Von den Masken werden wir Hunderte von Mio. brauchen. Wir tun alle zusammen unser Bestes und wollen die Lieferkette per Schiene weiter ausbauen.“ Die medizinische Schutzausrüstung geht an Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen, wo sie dringend gebraucht werden.
Der Vorstand der Duisburger Hafen AG (v. l.): Prof. Thomas Schlipköther, Erich Staake (Vorsitzender), Markus Bangen. Foto: Petra Grünendahl.
Die Bilanzpressekonferenz der Duisburger Hafen AG (duisport) für das Unternehmensergebnis des vergangenen Jahres blieb von der aktuellen Krise nicht verschont: Der Vorstand berichtete in einer Videokonferenz von den Entwicklungen und Aussichten des Unternehmens. Zufrieden blickte Hafenchef Erich Staake auf das Jahr 2019 zurück: In einem schwierigen Umfeld konnten bescheidene Gewinne erzielt werden. Trotz der strukturbedingten Tonnage-Verluste bei Kohle und Stahl erzielte die stark diversifizierte duisport-Gruppe 2019 einen Umsatz in Höhe von 292,6 Mio. Euro (plus 5,1 Prozent oder 14,1 Mio. Euro mehr als im Vorjahr). Das operative Ergebnis vor Steuern verbesserte sich um 2,1 Prozent von 42,5 auf 43,4 Mio. Euro. Der Jahresüberschuss erhöhte sich von 12,2 Mio. Euro in 2018 auf 13,0 Mio. Euro (plus 6,8 Prozent).
Drei der vier Geschäftsbereiche – Verpackungslogistik, Kontraktlogistik sowie Infra- und Suprastruktur – trugen positiv zum gestiegenen Jahresergebnis bei, lediglich die Logistischen Dienstleistungen verbuchten einen Rückgang der Umsätze gegenüber dem Vorjahr. Der Gesamtgüterumschlag der duisport-Gruppe ist 2019 von 65,3 Mio. Tonnen auf ca. 61,1 Mio. Tonnen gesunken. Das ist ein Rückgang um 4,2 Mio. Tonnen. Unter anderem haben die abschwächende Industrienachfrage und der Ausstieg aus der Kohleverstromung zu einem weiteren deutlichen Rückgang der Schüttladungen geführt. „Nach 21 Jahren ununterbrochenen Wachstums steht der Duisburger Hafen vor großen Herausforderungen. Die mit der Pandemie einsetzende Rezession und der zweite Strukturwandel an Rhein und Ruhr werden negative Auswirkungen in diesem und in den folgenden Geschäftsjahren haben“, prophezeite Erich Staake. Im günstigen Fall rechne er für 2020 mit einem Rückgang von 10 oder 15 Prozent, es könnten aber auch deutlich mehr werden. „Wir hoffen ab dem 3. Quartal auf Nachhol-Effekte, die das Jahr halbwegs retten“, so Staake.
Große Herausforderungen: duisport forciert strategische Projekte!
logport I: Hafen Rheinhausen mit Containerterminal. Foto: Petra Grünendahl
Der Containerumschlag der Duisburger Hafen AG ist 2019 mit rund 4,0 Mio. TEU (Twenty Foot Equivalent Unit = Standardcontainer) auf dem Niveau von 2018 (4,1 Mio. TEU) geblieben. Mit einem Anteil von knappen 60 Prozent ist der Containerumschlag inzwischen das wichtigste duisport-Geschäftsfeld. Hierzu trägt neben der Binnenschifffahrt auf dem Wasserweg auch der Schienentransport bei, der weiter forciert werden soll. Den Schienengüterverkehr von und nach China will Erich Staake weiter ausbauen: Mit zusätzlichen Zügen und weiteren Zielen (bislang sind es ein gutes Dutzend Destinationen im Reich der Mitte). Der Schienenverkehr auf der Neuen Seidenstraße war wegen der Corona-Pandemie zwischenzeitlich auf 15 bis 20 Züge pro Woche gesunken, soll aber bald mehr als die bislang üblichen bis zu 40 Zugverbindungen erreichen. Rund 30 Prozent des gesamten Handels per Güterzug zwischen China und Europa wird bereits über den Duisburger Hafen abgewickelt. Die Rhein-Ruhr-Region wird damit immer wichtiger für den Handel zwischen der EU und China: Seine Rolle als zentrale Güterdrehscheibe für Mitteleuropa will duisport hier weiter ausbauen.
Kombinierter Verkehr: Lkw-Verkehre im Modalmix
logport VI in Duisburg Walsum. Foto: Hans Blossey / duisport.
Gute Fortschritte macht das 40 Hektar große Areal logport VI in Walsum: Hier baut duisport ein trimodal angebundenes Containerterminal direkt am Rhein, das die Verkehrsträger Binnenschiff, Bahn und Lkw bedienen soll. Mit dem Logistik-Dienstleister DSV siedelt sich einer der weltweit führenden Logistikkonzerne mit einem Mega-Distributionscenter hier an. Für eine zügige und bedarfsgerechte Bewältigung von Infrastrukturprojekten rund um den Hafen hat die Duisburger Hafen AG zusammen mit der Stadt Duisburg die Duisburger Infrastrukturgesellschaft (DIG) gegründet, die städtische Projektverantwortlichkeit mit den Know-how der Hafengesellschaft bündelt. Infrastrukturprojekte wie die Umgehungsstraße Walsum sollen dadurch schneller realisiert werden, um Lkw-Verkehre direkt an die überregionale Verkehrswege anzubinden.
Erneuerungsbedürftig: Dieser Teil des Oberbürgermeister-Lehr-Brückenzuges stammt von der im 2. Weltkrieg zerstörten Hohenzollernbrücke in Köln. Foto: Petra Grünendahl.
Fortschritte sieht Erich Staake auch bei anderen Infrastrukturprojekten in der Stadt, die für ein möglichst zügiges Abfließen der Lkw-Verkehre aus den Hafengebieten sorgen. Hier sind die Erneuerung des Oberbürgermeister-Lehr-Brückenzuges und die Umgehungsstraße in Meiderich von Bedeutung. Staake begrüßte aber auch das Vorgehen der Stadt gegen die am Wochenende in Wohngebieten geparkten Lkw: Hier sieht der Hafenchef jedoch auch die Unternehmen in der Pflicht, bei denen die Lkw wochentags anliefern. Die Duisburger Hafen AG habe am logport III (Hohenbudberg) Lkw-Stellplätze mit Sanitäranlagen und Aufenthaltsräumen geschaffen, so der Hafenchef. Gleiches sei für logport VI in Walsum geplant. Angesichts steigender Lkw-Verkehre reicht das allerdings noch nicht. Die Lkw-Fahrer seien das schwächste Glied in der Kette. Hier mahnte Erich Staake aber auch die verladende Wirtschaft: „Zu Dumping-Preisen können Lkw nicht fahren: Da werden viele Speditionen pleite gehen. Man sollte die Preise nicht weiter drücken. Diese Politik wird ein Bumerang werden!“, so Staake. [Kleine Anmerkung: Über diesen Preisdruck beklagen sich im Übrigen auch die selbstständigen Binnenschiffer (Partikuliere) – zu Recht!]
Duisport-Zentrale in Ruhrort. Foto: Petra Grünendahl.
Die Duisburger Hafen AG ist die Eigentums- und Managementgesellschaft des Duisburger Hafens, des größten Binnenhafens der Welt. Die duisport-Gruppe bietet für den Hafen- und Logistikstandort Full Service-Pakete in den Bereichen Infra- und Suprastruktur inkl. Ansiedlungsmanagement. Darüber hinaus erbringen die Tochtergesellschaften logistische Dienstleistungen wie beispielsweise den Aufbau und die Optimierung von Transport- und Logistikketten, Schienengüterverkehrsleistungen, Gebäudemanagement und Verpackungslogistik. www.duisport.de