Figurenschöpfer und Geschichtenerzähler:
die Helden der KindheitVon Petra Grünendahl
„An die Geschichten von Otfried Preußler erinnern sich die Menschen ganz stark über die Bilder“, erzählte Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt. Und: „Ich hätte nicht gedacht, dass es eine so vielfältige Ausstellung sein würde“, bedankte sie sich bei Kuratorin Linda Schmitz-Kleinreesink, die das komplette Werk des Autors für die Ausstellung wissenschaftlich aufbereitet hatte. Preußler erzählte alte Geschichten und Sagen, wie er sie aus Kindertagen kannte, neu, verändert und schuf unverwechselbare Figuren, denen Zeichner die optische Persönlichkeit gaben. Preußler wollte Kindern Ängste nehmen und schuf damit zum Beispiel die gute Hexe und den gutmütigen Räuber. Jeder kennt sie: „Mehrere Generationen sind mit diesen Figuren aufgewachsen – bis in die heutige Zeit“, erklärte Verlegerin Bärbel Dorweiler. „Illustrationen finden als angewandte Kunst selten den Weg ins Museum. Umso wichtiger ist mir hier auch die wissenschaftliche Aufarbeitung der Werke“, erzählte Christine Vogt, die betonte, dass die Ludwiggalerie trotz vieler Ausstellungen im grafischen Bereich kein Kindermuseum sei.

Stellten die Ausstellung vor (v. l.): Kuratorin Linda Schmitz-Kleinreesink, Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt und Verlegerin Bärbel Dorweiler. Foto: Petra Grünendahl.
Alte und neue Bildsprache
Die Neuillustrationen der Klassiker durch Daniel Napp, Thorsten Saleina und Annette Swoboda sind in der umfangreichen Schau genauso vertreten wie die frühen Zeichnungen. Indem die Präsentation nahezu alle Protagonisten Preußlers vorstellt, unterstreicht sie die immense Bandbreite seines Schaffens. Zum ersten Mal beleuchtet damit eine Ausstellung grundlegend die Illustratoren, die den Büchern durch ihre eindringlichen Bilder zu großem Erfolg verholfen haben. Auch selten gezeigte Originalzeichnungen zu Hörbe, die Otfried Preußler selbst angefertigt hat, sind zu sehen.
Räuber Hotzenplotz, Krabat und Die kleine Hexe
Otfried Preußler erfreut sich bis heute großer Beliebtheit bei Groß und Klein: „Wir haben die Bücher mit den einfachen Tuschezeichnungen ebenso im Programm wie die kolorierten Ausgaben, die den heutigen Sehgewohnheiten der Kinder entsprechen“, erzählte die Verlegerin. Viele von Preußlers Geschichten wurden auch in andere Medien übertragen: Hörbücher, Theateradaptionen, Filme und Spiele zeugen von der immensen Beliebtheit der jeweiligen Werke, die bis heute Groß und Klein begeistern. Über 300 originale Zeichnungen sowie Filmrequisiten, Buchausgaben und Fotografien ermöglichen erstmals einen umfangreichen Überblick über das Wirken Otfried Preußlers und seiner Illustratoren. Insgesamt schrieb er 35 Bücher, die in mehr als 50 Sprachen übersetzt mit einer Gesamtauflage von über 50 Mio. Exemplaren weltweit bis heute begeistern.
Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der Otfried Preußler als Figurenschöpfer und Geschichtenerzähler ebenso vorstellt wie die bedeutendsten Zeichner seiner Figuren. Das reich bebilderte 160-seitige Werk wird herausgegeben von Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt und Kuratorin Linda Schmitz-Kleinreesink. Für 29,80 Euro ist es an der Museumskasse ebenso zu erwerben wie im lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-932236-44-0).
Den Flyer zur Ausstellung gibt es hier zum Download.
Impressionen aus der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl.
Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen
Führungen können aufgrund des Coronavirus zurzeit nur mit maximal 10 Personen stattfinden. Öffentliche Führungen finden im Großen Schloss onst sonn- und feiertags um 11.30 Uhr statt. Zudem gibt es Kuratorenführungen (mit Linda Schmitz-Kleinreesink, am 25. Oktober, 15. November, 13. Dezember und 10. Januar, jeweils um 15 Uhr) und Direktorenführungen mit Dr. Christine Vogt (23. September und 11. November, jeweils um 16 Uhr). Alle Führungen sind im Museumseintritt inklusive. Details zum Rahmenprogramm zu den Ausstellungen sowie zum Museumspädagogischen Angebot gibt es https://ludwiggalerie.de/de/ausstellungen/programm/. Die Ausstellung eröffnet am Samstag, 12. September 2020, um 19 Uhr.
In der Panoramagalerie im Kleinen Schloss zeigt die Ludwiggalerie noch bis zum 13. September das Projekt „Parallel“ des Kunstvereins Oberhausen mit Werken von Bahar Batvand und Dieter Nuhr. Diese Ausstellung haben wir bereits besucht. Im Kleinen Schloss ist der Eintritt frei.
Die LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen ist eines der 21 RuhrKunstMuseen. Sie befindet sich an der Konrad-Adenauer-Allee 46 in 46049 Oberhausen. Anfahrt am besten über die A42, Abfahrt Oberhausen-Zentrum. Weitere Infos: www.ludwiggalerie.de.
© 2020 Petra Grünendahl (Text und Fotos)
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