Marco Polo führt zu Insider-Tipps in “Deutschland Cities“

Auch die weniger bekannten Seiten deutscher Metropolen locken
Von Petra Grünendahl

Leipzig im Buch „Deutschland Cities“ von Marco Polo. Foto: Petra Grünendahl.

Leipzig kann man nicht nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad, sondern auch ganz wunderbar mit dem Boot erkunden: Bei Motorbootrundfahrten oder auf eigenen Faust mit dem Kanu. „Wendegeschichte“ erlebt man im Museum in der „Runden Ecke“ während die Nikolaikirche nicht nur im Wendeherbst eine wichtige Rolle im politischen Leben gespielt hat. Das „Klassik Airleben“, für das das Gewandhausorchester zum Spielzeit-Abschluss gratis für alle im Park aufspielt, findet leider erst im kommenden Jahr wieder statt. Im Juli 2020 hatte es zuletzt Jung und Alt in Leipzigs schönsten Freiluft-Konzertsaal gelockt: Rund 60.000 Besucher mit Picknickkörben, Outdoordecken und Campingstühlen genossen die Arien im Park. Zwölf Städte – für jeden Monat eine – bieten Ziele, die noch nicht unbedingt jeder kennt. Wer in Corona-Zeiten den Trip in die unbekannte Nähe sucht, ist hier richtig. Zu der Handvoll Tipps für spezielle Unternehmungen zur jeweiligen Jahreszeit bzw. dem Monat, dem die Stadt zugeordnet wurde, kommen reichlich weitere Empfehlungen und Ziele, die man zu jeder Zeit ansteuern kann. Und sollte, wenn man diese Städte besucht.

 

Städtetrips für jede Jahreszeit im Buch „Deutschland Cities“ von Marco Polo. Foto: Petra Grünendahl.

Mit seinem neuen Reiseführer „Deutschland Cities“ will die Reihe „Marco Polo“ auf Städtetrips in Deutschland Lust machen.
Jung und unbekümmert kommt der neue Marco-Polo-Führer daher mit “Städtetrips für jede Jahreszeit” – so der Untertitel. „Reisen mit Insider-Tipps“ versprechen die Autoren und tatsächlich findet man hier in erster Linie die Empfehlungen jenseits des Mainstream. Jeder Städte-Beitrag stammt von ortskundigen Autoren oder Autoren-Teams, die sich auf das fokussieren, was man nicht überall woanders präsentiert bekommt: Dinge, die man (zusätzlich zu den allzu häufig eher überlaufenen Touristen-Highlights) gesehen haben sollte. Mit vielen Erkundungs-Tipps, Adressen, Zahlen und Fakten. Zu den besonderen Empfehlungen für die jeweiligen Monate, denen eine Stadt zugeordnet ist, gibt es natürlich auch Tipps für Orte und Erkundungen, die das ganze Jahr über Spaß machen: Museen, Freizeit, Shopping oder Gastronomie sind ausgewählt mit einem besonderen Augenmerk das Besondere und für solche Ziele, die eher nicht im Stadtführer zu finden sind.

 

 
Städtetrips für das ganze Jahr

Das Buch „Deutschland Cities“ von Marco Polo. Foto: Petra Grünendahl.

Das Buch „Deutschland Cities“ ist in der Reihe „Marco Polo“ bei MairDumont erschienen. Das bebilderte 160-seitige Werk stellt in zwölf Kapiteln Städtetrips für jede Jahreszeit vor. Die Empfehlungen der Autoren zeigen überwiegend Ziele und Unternehmungen, die man eher als lokale Geheimtipps ausmachen kann. Natürlich ist die Zusammenstellung subjektiv und erhebt auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, denn es gibt an jedem der zwölf Orte bestimmt noch die eine oder andere Location zu ergänzen. Unterwegs in einigen sehr faszinierenden Städten Deutschlands ist man im größeren Taschenbuchformat (19 x 25 cm) für 12,00 Euro. Zu haben ist das Buch im lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-8297-4754-7).

 

 
„Marco Polo“ bei MairDumont
MairDumont ist eine Reiseverlagsgruppe aus Ostfildern (bei Stuttgart) und mit ihren verschiedenen Marken und Buchreihen spezialisiert auf Reise- und Freizeitbücher. Die Reihe „Marco Polo“ zielt mit seinen Insider-Tipps auf ein jüngeres erlebnisorientiertes Publikum. Kompakte Informationen und fokussierte Tipps für Unternehmungen kennzeichnen die Reiseführer. In sieben Sprachen übersetzt haben sie sich zum Inbegriff des Reisens entwickelt.
www.marcopolo.de https://www.mairdumont.com

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© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (8), Buchcover / Layout: Marco Polo / MairDumont

 

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Duisburger Gebag stellte erfolgreiche Bilanz für 2020 vor

Bezahlbarer Wohnungsbestand mit niedrigem Leerstand: Modernisierung und Neubau zahlen sich aus
Von Petra Grünendahl

Gebag Bilanz-Pressekonferenz. Foto: Gebag.

Die großen Flächenentwicklungsprojekte der Gebag laufen: Am Alten Angerbach ist die Vermarktung nahezu abgeschlossen. Im Sommer sollen die ersten Bagger für Hochbauprojekte rollen. Beim Projekt 6-Seen-Wedau laufen die Erschließungsarbeiten auf vollen Touren und im Zeitplan. Und am Alten Güterbahnhof will man bis Jahresende Planungsrecht haben, um den Siegerentwurf, der gleichermaßen Bürger und Jury begeisterte, umsetzen zu können. Vor allem kümmert sich die Gebag aber um bezahlbaren Wohnraum in Duisburg und investiert entsprechend in den Bestand: Neubau, Kauf und Modernisierung. Um die Häuser und Wohnungen sowohl energetisch als auch im Hinblick auf auch im Hinblick auf Komfort und Optik auf den neuesten Stand zu bringen , hat die Gebag im vergangenen Jahr rund 27,7 Millionen Euro investiert, in den Neubau weitere 26,2 Mio. Euro. Das zahlt sich nicht nur für die Mieter aus, sondern auch für die Gebag: Die Quote der rein marktbedingten Leerstände liegt bei 0,7 Prozent. Die Gebag erwirtschaftete mit ihren knapp 12.500 Wohnungen (plus 177) und 204 Mitarbeitern (plus 13) 2020 ein Ergebnis von knapp 7,4 Millionen Euro.

 

Die Bilanz-Pressekonferenz der Gebag fand online statt. Foto: Screenshot.

Gebag-Geschäftsführer Bernd Wortmeyer stellte zusammen mit Oberbürgermeister Sören Link die Bilanz der städtischen Wohnungsbaugesellschaft für das Jahr 2020 im Online-Pressegespräch vor. Für Wortmeyer, der vor sieben Jahren als Geschäftsführer angetreten war, die damals in finanzielle Schieflage geratene Gebag wieder in ruhiges Fahrwasser zu bringen, war es die mittlerweile sechste Bilanz-Pk: „Damals hätte sich keiner träumen lassen, zu was wir heute wieder inhaltlich und technisch leisten können“, sagte Gebag-Chef Wortmeyer. Der Jahresüberschuss lag 2020 bei rund 5 Millionen Euro und damit rund 1,5 Mio. Euro über dem Ergebnis des Vorjahres. Dies war allerdings darauf zurückzuführen, dass 2019 eine Steuerrückzahlung das Ergebnis belastet hatte, während für 2020 Corona-bedingte Mehraufwendungen von der Stadt ausgeglichen worden waren. Für 2021 erwartet Wortmeyer einen Überschuss von rund 4 Mio. Euro. Die Eigenkapitalquote stieg von 10 Prozent (2019) auf 11 Prozent.

 

 
Stadtentwicklung und Quartiersmanagement

Gebag-Neubau: So sollen die Häuser an der Hubertusstraße in Homberg mal aussehen. Visualisierung: Gebag.

Die Flächenentwicklung, neben der Bestandsbewirtschaftung das zweite Kerngeschäft der Gebag, wurde auch im Jahr 2020 weiter ausgebaut. Erst 2019 hatte man hierfür die Tochtergesellschaft Gebag Flächenentwicklung GmbH (Gebag FE) gegründet. Die FE investierte 2020 28,6 Mio. Euro in die Entwicklungsprojekte im eigenen Bestand sowie weitere 12,6 Mio. Euro als „Geschäftsbesorger“ für die Stadt Duisburg. Mittlerweile ist im Quartier 6-Seen-Wedau die Kleingartenanlage fertig gestellt und bezogen, die Vermarktung geht bald an den Start. Planungsrecht für das Nahversorgungszentrum ist geschaffen. Für Wedau Nord ist die Ansiedlung eines Universitäts-Campuses geplant. Das nötige Planungsrecht soll noch hierfür ebenso wie für den Alten Güterbahnhof in diesem Jahr geschaffen werden. Auch auf der Brache an der Steinschen Gasse soll es weitergehen: „Dafür brauchen wir aber noch Planungsrecht“, so der Gebag-Chef. Büros, Dienstleistung, Wohnen und Gastronomie: „Das wertet dann auch die Altstadt an dieser Stelle auf“, hofft Wortmeyer.

 
Neben Bestandsbewirtschaftungen und Flächenentwicklung legt die Gebag auch einen Fokus auf das Quartiersmanagement. In Neubaugebieten ebenso wie in bestehenden Wohnquartieren entstehen Kindertagesstätten, teils auch in Verbindung mit Familien- und Jugendzentren als Neu- oder Ersatzbauten. Dank modularer Bauweise kann die Gebag diese Einrichtungen bedarfsgerecht in kurzer Bauzeit fertig stellen. Bislang gibt es 16 Kindertagesstätten, deren Betreiber teils das Jugendamt der Stadt Duisburg, teils aber auch soziale Träger wie zum Beispiel die Lebenshilfe sind.

 

 
GEBAG

Verwaltung der Gebag an der Tiergartenstraße im Dellviertel. Foto: Petra Grünendahl.

Die Duisburger Gemeinnützige Baugesellschaft AG (GEBAG) wurde 1872 gegründet und zählt zu den ältesten Baugesellschaften Deutschlands. Seit 2012 ist die heutige GEBAG Duisburger Baugesellschaft mbH mit aktuell fast 12.500 Wohnungen das größte Immobilienunternehmen der Stadt. Sie bietet rund 35.000 Duisburgern ein Zuhause: Bezahlbar und in einer guten, zeitgemäßen Qualität. Die GEBAG ist das kommunale Immobilienunternehmen der Stadt Duisburg und beschäftigt über 200 Mitarbeiter. Seit fast 150 Jahren prägt sie die Gestaltung und Entwicklung der Stadt Duisburg maßgeblich mit. www.gebag.de
Duisburger Gemeinnützige Baugesellschaft AG (GEBAG)

 
© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (1), Screenshot (1), Gebag (2)

 

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Büchertipp: Walter Buschmann (Hrsg.) zeigt „Industriekultur“ in Krefeld und am Niederrhein

Von Samt, Seide und Tuch bis Bergbau und Edelstahl
Von Petra Grünendahl

Der Blick ins Buch: „Industriekultur – Krefeld und der Niederrhein“. Foto: Petra Grünendahl.

Ausgehend von Schafzucht und Flachsanbau sowie handwerklicher Seidenweberei, Leinen- und Tuchproduktion entstanden in Krefeld, Mönchengladbach und Viersen vielfältige Unternehmen in der Textilindustrie. Als Folge kam der Maschinenbau, der zunächst englische Importmaschinen für die Textilproduktion wartete und reparierte. Die Maschinenbauer entwickelten dann selber schließlich welche, die sie sogar weltweit vertreiben konnten. Mit dem Steinkohlenbergbau, der Rheinschifffahrt und der Eisenbahn kam die Montanindustrie als Folge von August Thyssens Expansion 1900 nach Krefeld: Zur Krefelder Stahlwerke AG (später: Deutsche Edelstahlwerke AG) kam 1908 die Stahlwerk Becker AG, das sich ebenfalls auf Edelstahl konzentrierte. Aus Farbenwerken, Färbereien und der Produktion von Hilfsmitteln für die Textilindustrie (Seife, Fleckentferner, Fettlöser) entstanden Chemische Fabriken und Chemiewerke, die später zum Beispiel auch textile Kunstfasern produzierten. Der agrarisch geprägte untere Niederrhein mit seinen Mühlen für Öl und Getreide sowie Raffinerien profitierte von Absatzmöglichkeiten in der nahen Industrieregion.

 

Buchcover „Industriekultur – Krefeld und der Niederrhein“. Foto: Petra Grünendahl.

Das Buch „Industriekultur – Krefeld und der Niederrhein“, das 2017 von Walter Buschmann herausgegeben wurde, thematisiert in 22 Aufsätzen Denkmalpflege und historische Bauforschung, Industriegeschichte und Industriekultur in ihrer örtlichen und regionalen Verankerung. Das Werk will das industriekulturelle Erbe des Niederrheins hervorheben, um dessen Erhaltungswürdigkeit herauszustellen, die bislang im Vergleich zu anderen Regionen (z. B. dem Ruhrgebiet) noch etwas vernachlässigt wird. Zweiundzwanzig Autoren (Kurzbiografien gibt es im Anhang) schlagen in den Bereichen Textil, Chemie, Lebensmittel, Verkehr und Montanindustrie Brücken von der historischen und industriellen Entwicklung hin zur heutigen Situation, einer eventuellen Nachnutzung und Revitalisierung der Areale. Dabei konnten sie auf historischen Fotos, Zeichnungen, Karten und Illustrationen, Fotos aus neuerer Zeit, die teilweise ebenfalls schon wieder historischen Wert haben, sowie aktuelle Planzeichnungen zurückgreifen, die ihre Schilderungen visuell unterstützen. Sprachlich sind die Texte überwiegend eher wissenschaftlich gehalten, hochinformativ und für den Leser ein Gewinn: Das Buch ist kein Schmöker, den man in einem Rutsch durchliest, sondern eher ein Werk zum Lesen einzelner Kapitel sowie zum Blättern und sich dann irgendwo festlesen. Dabei finden sich auch sehr lesenswerte Kapitel über die Geschichte des linksrheinischen Bergbaus sowie der Stahlwerkwerke in Krefeld und Willich, die Bezüge zur Kern-Ruhrgebietswirtschaft aufzeigen.

 

Das Buch „Industriekultur – Krefeld und der Niederrhein“ behandelt die Gebiete der Niederrheinischen IHK und der IHK Mittlerer Niederrhein. Foto: Symbolbild.

Auch wenn der Schwerpunkt der Ausführungen auf Krefeld und Uerdingen (bis 1929 selbstständige Stadt) liegt, so fließen doch auch in zahlreichen Aufsätzen Betrachtungen vom mittleren und unteren Niederrhein bis hin zur holländischen Grenze mit ein. In Duisburg steht besonders Homberg und Rheinhausen im Fokus. Der Niederrhein von Duisburg über den Kreis Wesel bis in den Kreis Kleve sowie der Mittleren Niederrhein zwischen Krefeld, Neuss, dem Kreis Viersen und Mönchengladbach gehören heute zu den IHK-Bezirken Niederrhein (Duisburg) und Mittlerer Niederrhein (Krefeld-Mönchengladbach-Neuss). Viele Pioniere der Industrialisierung am Niederrhein wie Franz Haniel, August Thyssen, Friedrich Harkort, Friedrich Diergardt und Gustav Mevissen haben auch in Duisburg Spuren hinterlassen.

 

 
Der Herausgeber
Walter Buschmann (*1949) ist Kunsthistoriker und war als Landesdenkmalpfleger mehr als 35 Jahre im Ruhrgebiet beruflich tätig. Er vermittelte sein Wissen und die Methodik der Industriedenkmalpflege über Jahrzehnte als Hochschullehrer in Essen, Dortmund, Köln und seit 1995 auch an der RWTH Aachen. Insbesondere auch im Zusammenwirken mit dem „Förderverein Rheinische Industriekultur e.V.“ weckte er mit seinen Forschungen das Interesse des Publikums. Er verantwortete zahlreiche Publikationen zu Industriedenkmälern als Autor und Herausgeber.
https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Buschmann

 

 
Das Buch und der Verlag

Der Blick ins Buch: „Industriekultur – Krefeld und der Niederrhein“. Foto: Petra Grünendahl.

Das 438-seitige Buch „Industriekultur“ von Walter Buschmann (Herausgeber) ist im Essener Klartext Verlag erschienen. Das reich bebilderte Buch im Softcover-Einband ist für 39,95 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-8375-1806-1).

 
Der Klartext Verlag wurde 1983 gegründet, seit 2007 ist er Teil der Funke Mediengruppe. Seine Heimat liegt im Ruhrgebiet, wo auch der überwiegende Teil seiner Publikationen angesiedelt ist: Freizeitführer, Sachbücher, Kalender und Bildbände. Mit der „Von oben“-Reihe kann man Städte nicht nur im Ruhrgebiet, sondern in ganz Deutschland aus der Vogelperspektive bewundern. Und mit der Reihe „Irrtümer und Wahrheiten“ (bei ihrem Start im Verlagsprogramm hieß die Serie noch „Klugscheißer“) lernt der Leser Neues zu verschiedenen Orten, Themen und Fußballvereinen – unterhaltsam und fundiert, denn, so der Verlag: „wir machen Bücher mit Qualität und gerne auch mal einem Augenzwinkern.“
www.klartext-verlag.de

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© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl, Cover: Klartext Verlag

 

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Deutsche Oper am Rhein stellte Programm für die neue Spielzeit vor

Optimistischer Ausblick auf Spielzeit 2021/22: Oper und Ballett am Rhein präsentieren das Saisonprogramm für Düsseldorf und Duisburg
Von Petra Grünendahl

Das Spielzeitheft 2021/22 und das Rückschau-Magazin „Alles bleibt anders“ (März 2020 – Mai 2021). Foto: Andreas Endermann.

„Wir freuen uns wahnsinnig, dass wir seit dem 10. Juni wieder spielen dürfen“, erklärte Prof. Christoph Meyer, Generalintendant der Deutschen Oper am Rhein, bei der Vorstellung des Programms für die kommende Spielzeit. Das gilt für die Mitarbeiter ebenso wie für das Publikum, welches begeistert die wenigen Aufführungen bis zum Spielzeit-Ende verfolgt. Zunächst stehen auch ab September die Premieren und Aufführungen mit kleiner Besetzung auf dem Programm, die zwar eingeübt, aber seit dem Lockdown im November nicht mehr aufgeführt werden konnten. Auch das Publikum wird zunächst im Corona-Modus runter gefahren bleiben. Man hofft, ab November, spätestens zum Jahreswechsel wieder größer und vor großem Publikum spielen zu können. Karten für die Aufführungen im September und Oktober kann man jetzt schon reservieren. Der Vorverkauf dafür startet am 19. August.

 

Stellten das Programm für die neue Spielzeit vor (v. l.): Anna Melcher (Chefdramaturgin), Axel Kober (Generalmusikdirektor), Prof. Christoph Meyer (Generalintendant), Alexandra Stampler-Brown (Geschäftsführende Direktorin), Demis Volpi (Ballettdirektor und Chefchoreograph Ballett am Rhein). Foto: Andreas Endermann.

Mit Vorfreude und Optimismus blickt die Deutsche Oper am Rhein auf die Spielzeit 2021/22. Verbunden mit der Zuversicht, die kommende Saison ohne pandemiebedingte Unterbrechungen und mit zunehmend weniger Einschränkungen gestalten zu können, plant sie ab 3. September rund 260 Opern- und Ballett-Vorstellungen auf den beiden großen Bühnen im Opernhaus Düsseldorf und im Theater Duisburg. Durch eine Fülle spannender Neuproduktionen, die bisher noch nicht gezeigt werden konnten, ist die Premierenvielfalt diesmal besonders groß: Mit Premieren von elf Opern- und sieben Ballettproduktionen, zwölf Werken aus dem Opernrepertoire, Gala- und Sonderveranstaltungen beider Sparten will sich die Deutsche Oper am Rhein ihre beiden großen Bühnen Stück für Stück zurückerobern. Erneut gewachsen ist das Angebot für Kinder und Jugendliche: Sie können Musiktheater und Tanz auf den großen und kleinen Bühnen beider Häuser, in Kitas und auf Schulhöfen erleben. Das neue Projekt „UFO – Junge Oper Urban“ macht mit seiner eigenen mobilen Spielstätte an vier verschiedenen Orten in Düsseldorf und Duisburg Station und feiert vier Uraufführungen (siehe auch hier und hier).

 

 

Theater Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Eröffnet wird die neue Saison mit einer spartenübergreifenden Produktion von Oper und Ballett: Béla Bartóks Meisterwerk „Herzog Blaubarts Burg“ kommt in einer Inszenierung von Ballettdirektor Demis Volpi am 10. September 2021 in Düsseldorf zur Premiere. Nach Duisburg kommt das Stück leider nicht. In Duisburg startete die neue Saison mit der Wiederaufnahme von Mozarts „Le Nozze di Figaro“ am 3. September. Erst am 25. September steht mit Mieczyslaw Weinbergs „Masel tov! Wir gratulieren!“ die erste Premiere auf dem Programm, die Ende vergangenen Jahres Corona zum Opfer gefallen war. Am 31. Oktober kann auch endlich Richard Wagners „Tristan und Isolde“ mit allen drei Akten an einem Abend seine Premiere feiern. Insgesamt wird es in Duisburg zwölf Premieren von Opern- und Ballettproduktionen sowie mehrere Wiederaufnahmen von Stücken aus dem Opernrepertoire geben. Weitere Premieren sind Leoš Janáčeks „Katja Kabanova“, Giuseppe Verdis „Macbeth“ und Viktor Ullmanns „Der Kaiser von Atlantis“, die Ballettabende „Ad Absurdum“, „Der Nussknacker“, „Come In“ und „One and Others“ sowie die Kinderopern „Die unbedingten Dinge“, „Meister Pedros Puppenspiel“ und „Songs with Roots“. An Repertoire-Stücken kann sich das Publikum auf „Hänsel und Gretel“, „Ronja Räubertochter“, Donizettis „L’Elisir d’A “ sowie das Ballett „Favorite Things“ freuen. Mehr Informationen zum Spielplan: https://operamrhein.de/de_DE/kalender?sd=2022-06-27.

 

 
Junge Oper am Rhein
Das vielfältige Musiktheater-Angebot für Kinder ab 4 Jahren, Jugendliche und junge Erwachsene ist erneut gewachsen. Zusätzlich zur Premiere von „Meister Pedros Puppenspiel“ kehren zwei Familienopern auf die großen Bühnen zurück: Xavier Montsalvatges Märchenoper „Der gestiefelte Kater“ und Jörn Arneckes „Ronja Räubertochter“ nach der berühmten Erzählung von Astrid Lindgren. Als mobile Produktion kommt „T.R.A.S.H“ zur Aufführung, eine Oper, die Jugendliche im Rahmen des Projekts „Opernmacher 2.0“ unter professioneller Anleitung selbst entwickelt, getextet, komponiert und ausgestattet haben. Neu ist auch „Der Kiosk“ für Kinder ab 5 Jahren: Das farbenreich klingende Werk, das die junge mexikanische Komponistin Diana Syrse im Auftrag der Deutschen Oper am Rhein geschaffen hat, feiert in der Regie von Ilaria Lanzino im März 2022 im Foyer des Düsseldorfer Opernhauses Premiere. Schon zu Beginn der Spielzeit setzt das Projekt „UFO – Junge Oper Urban“ zur Landung an (siehe auch hier und hier). Im September macht das UFO Station vor dem Duisburger Hauptbahnhof, später setzt es auch an weniger zentralen Orten wie Garath und Bruckhausen mit einem vielfältigen Programm aller Sparten soziokulturelle Akzente. Zusätzlich zu den Aufführungen für junges Publikum bietet die Junge Oper am Rhein zahlreiche Mitmach-Projekte, Werkstätten und ein umfangreiches Vermittlungsprogramm an.

 

 
Ballett am Rhein
Trotz aller Einschränkungen konnte Demis Volpi in der vergangenen Spielzeit eine Ikone des Tanzes für eine Uraufführung mit dem Ballett am Rhein gewinnen: In einem wochenlangen konzentrierten und von ihrem Energiefluss unaufhörlich befeuerten Schaffensprozess hat die große New Yorker Künstlerin Twyla Tharp mit der Compagnie ein Stück über die unvorhersehbaren Wechsel unserer Zeit entwickelt, das sie „Commentaries on the Floating World“ genannt hat. Gemeinsam mit Aszure Bartons „Come In“, das bislang nur online zur Premiere kommen konnte, feiert ihre Neukreation am am 12. Februar Premiere im Theater Duisburg.

 
Das Programm „Ad absurdum“, das am 17. November im Theater Duisburg Premiere hat, ist eine doppelte Hommage an Eugene Ionesco als Meister dieses Fachs. Am Théâtre de la Huchette seit 1951 in dieser Kombination erfolgreich als Schauspiel aufgeführt, wagt sich Demis Volpi als Erster an das Doppel in getanzter Form. Mit „The Lesson“ von Flemming Flindt aus dem Jahr 1963 und der Uraufführung von Andrey Kaydanovskiys „Die kahle Sängerin“ setzt er auch hier auf dialogische Synergien von Tradition und Innovation.
Winterzeit ist Märchenzeit, und das Ballett am Rhein bringt passend dazu am 17. Dezember in Duisburg mit „Der Nussknacker“ das Ballett-Wintermärchen par excellence auf die Bühne. Demis Volpi interpretierte den Stoff 2016 in Antwerpen als vielschichtiges Coming of Age-Ballett, in dem ein Nussknacker zum Mensch wird und ein Mädchen zur jungen Frau. Neu an der Fassung für das Ballett am Rhein ist die Öffnung des Stücks als Plattform für den Nachwuchs: Die Gestaltung der Divertissements übernehmen Tänzer aus dem Ballett am Rhein und das Kollektiv nutrospektif, Factory Artists am tanzhaus nrw. Mit ihren unterschiedlichen Handschriften sorgen sie für höchst abwechslungsreiche Reisen um die Welt und durch Gefühlszustände.

 
Der Dreifachabend „One and others“ vereint verschiedene Sichtweisen auf das Spannungsfeld zwischen Individuum und Gruppe: Mit „Polyphonia“ von Christopher Wheeldon trifft ein Stück der Neoklassik auf zwei zeitgenössische Werke. „one and others“ von Demis Volpi und „Salt Womb“ von Sharon Eyal. Premiere feiert das Programm am 30. April im Theater Duisburg. Zum Saisonfinale kommt noch einmal eine Auswahl dessen auf die Bühne, was während der Spielzeit besonders glänzen durfte und unbedingt noch einmal erlebt werden muss, bevor die Compagnie sich in die Sommerpause 2022 verabschiedet. „Favourite Things“ heißt die bunte Ballettgala und geht am 26. Juni im Theater Duisburg über die Bühne.

 

 
Ein kleiner Vorgeschmack auf die neue Spielzeit

 
Das neue Spielzeitheft ist im Opernshop Düsseldorf und an der Theaterkasse Duisburg erhältlich und online auf www.operamrhein.de zu finden (Download). Ebenfalls erhältlich ist das Magazin „Alles bleibt anders“ – ein Rückblick auf Oper und Ballett in der Corona-Zeit (Infos und Download).

 
Der Vorverkauf für die kommende Spielzeit erfolgt schrittweise – am 19. August für die September und Oktober. Schriftliche Reservierungen, zu späteren Zeitpunkten in Buchungen umgewandelt werden, sind schon jetzt schon möglich. Der Opernshop Düsseldorf und die Theaterkasse Duisburg sind auch während der Theaterferien montags bis samstags von 10.00 bis 15.00 Uhr geöffnet. Weitere Informationen: Opernshop Düsseldorf (Tel. 0211-89 25 211), Theaterkasse Duisburg (Tel. 0203-283 62-100), www.operamrhein.de.

 
Deutsche Oper am Rhein
Die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg gGmbH ist eine Theatergemeinschaft der Städte Düsseldorf und Duisburg, die auf eine lange Tradition der Zusammenarbeit zwischen den beiden Großstädten zurückblicken kann. Seit ihrer Gründung 1956 zählt sie zu den bedeutendsten Opernhäusern Deutschlands. Durch ihr hochrangiges Solistenensemble, den Chor sowie die national wie international gefeierte Compagnie Ballett am Rhein hat sie sich zu einer der ersten Adressen für Musiktheater und Tanz in Europa entwickelt. Sie ist in der größten und dichtesten Kulturregion Deutschlands beheimatet. Allein die beiden Städte Düsseldorf und Duisburg zählen zusammen fast 1,1 Millionen Einwohner, aber auch die umliegenden Regionen und eine große Zahl auswärtiger Gäste profitieren vom hochkarätigen künstlerischen Angebot der Deutschen Oper am Rhein.
www.operamrhein.de

 

 
Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet zum Abholen von bestellten / reservierten Tickets 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

 
Corona-Regeln:
Das Platzangebot rund 280 im Theater Duisburg reduziert. Die Vorstellungen dauern maximal 90 Minuten, es gibt keine Pausen. Es gelten die üblichen Hygiene- und Abstandsregeln. Ein Garderobenservice steht zur Verfügung, die Gastronomie nicht. Aktuell ist weder für den Besuch einer Vorstellung im Opernhaus Düsseldorf noch im Theater Duisburg ein Nachweis der „Drei G“ (Geimpft – Genesen – Getestet) notwendig. Mehr: operamrhein.de/de_DE/wissenswertes

 
© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Andreas Endermann (2), Petra Grünendahl (1)

 

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Ludwiggalerie Schloss Oberhausen: Museum Under Construction mit der PriseSalz Crew

Kunst umsonst und draußen – zum Anschauen und Mitmachen
Von Petra Grünendahl

Blickfang von der Konrad-Adenauer-Allee: High Heels und Fassadenmalerei von Ursula Meyer: „Museum under Construction“ in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Optisch locken schon von der Konrad-Adenauer-Allee und dann an der Schlossfassade zum Innenhof die großen Wandbilder der Künstlerin Ursula Meyer (*1987 in Argentinien). Neugierige zieht die Installation der Wunschmaschine von Aaron Stratmann (*1981 im Ruhrgebiet) dann in den Innenhof zwischen dem Großen und den Kleinen Schloss Oberhausen. „Wir können hier ein niederschwelliges Angebot machen, Kunst zu erleben“, so Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt,

Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt und Kulturdezernent Apostolos Tsalastras: „Museum under Construction“ in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

die hofft, dass auch Besucher des Kaisergartens nach dem Spaziergang ihren Weg in den Innenhof des Schlosses finden werden. Vielleicht einfach nur, um zu gucken. Der Innenhof ist bespielt mit besagter, zum Pressetermin noch im Aufbau befindlicher Wunschmaschine, Sitzgelegenheiten, einer Bücherecke, Aktionsbuden und einem DJ-Pult: Ein Ort, der einlädt zu Kunst und Künstlern, zu Begegnungen und Kommunikation. Eine Gelegenheit für jeden, sich Kunst zu nähern: Kunst aus dem Ruhrgebiet von Künstlern aus dem Ruhrgebiet, wie die Akteure aus Überzeugung beteuern.

 

Aaron.St mit seiner Baustelle der Wunschmaschine: „Museum under Construction“ in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

„Wegen Umbau geschlossen“ kam für das Museum Ludwiggalerie Schloss Oberhausen nicht in Frage. „Museum under Construction“ war geboren: Christine Vogt und Kulturdezernent Apostolos Tsalastras stellten das Projekt zusammen mit den Kuratorinnen Nina Dunkmann, Jennifer Liß und Linda Schmitz-Kleinreesink sowie den Künstlern Ursula Meyer und Aaron.St (Aaron Stratmann) von der Künstlergruppe PriseSalz Crew vor.

Von links: Kuratorinnen Jennifer Liß, Nina Dunkmann, und Linda Schmitz-Kleinreesink mit den Künstlern Ursula Meyer und Aaron.St: „Museum under Construction“ in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Die Planungen von umfassenden Umbau- und Sanierungsarbeiten im Schloss Oberhausen hatten schon vor Corona begonnen. Seit Mai wird nun endlich im Großen Schloss gewerkelt, um unter anderem Klimatechnik, Brandschutz, Gebäudesicherung und Kanalisation auf den neuesten Stand zu bringen. Da in dieser Zeit die Räume nicht nutzbar sind, suchte die Ludwiggalerie nach Alternativen, Kunst einem Publikum zu präsentieren. Statt Leute ins Museum zu locken, holte man die Kunst ins Freie: In den Innenhof zwischen dem Großen und dem Kleinen Schloss. Mit der PriseSalz Crew, die hier in unterschiedlichsten Facetten Kunst aus dem Ruhrgebiet für das Ruhrgebiet macht. Die Ausstellung wird am Samstag, 26. Juni, um 19 Uhr eröffnet.

 

 
PriseSalz Crew

Logo: PriseSalz Crew.

Zur PriseSalz Crew gehören in einer lockeren Verbindung verschiedene weitere Künstler, die projektbezogen zusammenarbeiten und die unterschiedlichste Gattungen und Herangehensweisen miteinander in Bezug setzen. Durch diesen ständigen Wechsel ergeben sich stets neue ästhetische Ausdrucksformen, die sowohl gesellschaftskritisch als auch Blick verändernd sein können. Über Ateliers verfügt die Gruppe zum Beispiel in Essen und Duisburg.

 

Fassadenbild von Ursula Meyer: „Museum under Construction“ in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Zum „Museum under Construction“ rückt die PriseSalzCrew den Schlossinnenhof der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen in den Fokus, der so nicht nur zu einer Kunstbaustelle, sondern auch zu einem neuen Zentrum der kulturellen Begegnung wird. Außergewöhnliche Sitzgelegenheiten erschaffen einen Ort zum Verweilen; Themenhütten wollen entdeckt werden. Ein umfangreiches Programm begleitet immer dienstags, mittwochs und freitags die Besucher durch die „Museum under Construction“-Wochen. Frei nach Lieblingsthemen der Ludwiggalerie – Comic, Pop Art, Fotografie und Landmarkenkunst – sind jedem dieser vier Bereiche zwei Wochen Spielzeit auf dem Innenhof gewidmet. Ein wiederholter Besuch lohnt sich also!

 

 
Innenhof als Kunstwerk: Ludwiggalerie Schloss Oberhausen

Plakat: „Museum under Construction“ in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Ludwiggalerie.

Die Sonderausstellung im Innenhof des Schlosses Oberhausen läuft bis zum 29. August 2021. Die Ausstellung erstreckt sich von der 5 x 6 Meter großen Wandmalerei an der Konrad-Adeneuer-Allee hin über diverse Aufbauten im Innenhof bis zur Fassade und Vitrine des Großen Schlosses mit während der Laufzeit wechselnden Bildern. Den Ausstellungs-Flyer gibt es hier.

 
Zur Ausstellung unter freiem Himmel gibt es auch wieder ein Rahmenprogramm. Jeden Dienstag ermöglicht der Artist_Tuesday mit Interaktion, Künstler-Talks und Vorträgen direkten Kontakt zu den Kunstschaffenden. Der Workshop_Wednesday bietet jeden Mittwoch ein museumspädagogisches Programm mit Workshops für Jedermann von 0 bis 99 (natürlich dürfen auch über Hundertjährige kommen!).

Kunstbaustelle: „Museum under Construction“ in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Am Lounge_Friday lockt jeden Freitag entspannter Kunstgenuss mit Longdrink, Liegestuhl und DJ_Beats. Details zum Rahmenprogramm und dem museumspädagogischen Angebot zu den Ausstellungen gibt es hier. Für die Teilnahme ist wegen Corona eine Anmeldung erforderlich: Info-Line und Buchungen unter 0208 / 41249-28 und ludwiggalerie@oberhausen.de. Die Angebote stehen leider unter Vorbehalt: Alle Veranstaltungen finden nur statt, sofern es die aktuellen Corona-Richtlinien erlauben. Ebenso entfallen Veranstaltungen bei sehr schlechtem Wetter. Tagesaktuelle Informationen auf gibt es auf der Website, in den sozialen Medien und unter Telefon 0208 / 41249-28.

 

Noch nicht fertig war zum Pressetermin die Wunschmaschine: „Museum under Construction“ in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Im Kleinen Schloss zeigt der Kunstverein, der vom 8. August bis zum 26. September 2021 zu Gast in der Ludwiggalerie ist, in seiner Reihe „Parallel“ die Künstler Benjamin Nachtweyund Klaus Sievers mit der Ausstellung „Ins Grüne, ins Blaue ins Schwarze – Malerei, Zeichnung, Wortarbeiten“.

 
Die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen ist eines der 21 RuhrKunstMuseen. Sie befindet sich an der Konrad-Adenauer-Allee 46 in 46049 Oberhausen. Anfahrt am besten über die A42, Abfahrt Oberhausen-Zentrum. Weitere Infos: www.ludwiggalerie.de.

 
Sehr bemerkenswert ist die ebenfalls im Schloss Oberhausen untergebrachte, aber nicht zur Ludwiggalerie gehörige Gedenkhalle. Als städtische Einrichtung in Erinnerung an die Verfolgten des Nationalsozialismus arbeitet die Gedenkhalle seit 1962 gegen das Vergessen und für das Miteinander aller Menschen in Oberhausen. Mit der 2010 erneuerten Dauerausstellung widmet sie sich der Stadtgeschichte zwischen 1933 und 1945 sowie der Zwangsarbeit im Ruhrgebiet während der NS-Zeit. Da sollte man unbedingt mal vorbei schauen!

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© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (12), Aaron.St (1), PriseSalz Crew (Logo), Ludwiggalerie (Plakat)

 

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Buchtipp: „Dein Insider-Trip Ruhrgebiet“ von Marco Polo

Lokale Geheimtipps, die das Ruhrgebiet ausmachen
Von Petra Grünendahl

Dein Insider-Trip Ruhrgebiet: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

„Dein Insider-Trip Ruhrgebiet” fängt schon mal sehr typisch „Pott” an: Mit Currywurst. Das Ruhrgebiet hat aber noch sehr viel mehr zu bieten – auch jenseits seiner Fördergerüste und der Industriekultur. Auch wenn die Klassiker natürlich niemals langweilig werden, gibt es darüber hinaus viele Erlebnisse, die man woanders vergeblich sucht: Bergbauerlebnisse im Stollen hautnah erleben, verschiedenen Halden (dem Ruhri seine Alpen) oder Schimanski seine Kultkneipe „Zum Anker“.

Dein Insider-Trip Ruhrgebiet: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

In Dortmund kann man selber Bier brauen und die Geschichte der Stadt auf „etwas anderen Stadtführungen“ erleben. Die klassischen Kunstmuseen, von denen es gerade im Pott nur so wimmelt (!), sind ja bekannt: Zu den Geheimtipps zählen dagegen Kunst und Museen jenseits des Mainstream. Auch kulinarisch hat das Ruhrgebiet mehr zu bieten als Currywurst und Pommes: Das reicht vom Picknick in luftiger Höhe bis zu den verschiedensten Delikatessen für Feinschmecker. Es sind gerade diese Erlebnisse jenseits klassisch-konventioneller Touristen-Highlights, die das Ruhrgebiet so einzigartig machen!

 

Dein Insider-Trip Ruhrgebiet. Cover: MairDumont.

„Dein Insider-Trip Ruhrgebiet“ aus der Reihe „Marco Polo“ lädt den Leser ein, eine Region auch mal anders zu besuchen und zu erkunden. Mit dem Untertitel „Das Beste in deiner Region – für jede Lust & Laune“ sind es vor allem Unternehmungen jenseits des Alltäglichen, die die Autorin Kirsten Sulimma hier zusammen getragen und gut recherchiert hat. Man sollte sich aber vor einer Tour informieren, ob die jeweiligen Locations nach dem Lockdown schon wieder auf haben – und unter welchen Bedingungen.

 

 
Dein Insider-Trip: Ruhrgebiet

Dein Insider-Trip Ruhrgebiet: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Das Buch „Dein Insider-Trip Ruhrgebiet“ ist in der Reihe „Marco Polo“ bei MairDumont erschienen. Das reich bebilderte 192-seitige Werk stellt in sechs Kapiteln 140 Ziele für Freizeitvergnügen vor. Die Palette reicht vom relaxen übers austoben oder kreativ sein bis hin zum lecker essen. Es sind überwiegend lokale Geheimtipps, denn einem größeren Publikum in der Region dürften sie eher nicht bekannt sein. Allerdings erhebt die Zusammenstellung auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, denn jeder Ruhri hätte bestimmt noch die eine oder andere Location zu ergänzen. Das Buch lädt ein, Neues zu erleben oder auch Altes neu zu entdecken: Und das fast direkt vor der Haustür. Unterwegs mit den Insider-Tipps im Taschenbuchformat ist man für 16,95 Euro. Das Buch gibt es im lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-8297-4767-7).

 

Dein Insider-Trip Ruhrgebiet: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Zu fast jedem Ziel sind neben der Straßenadresse auch Webseiten angegeben. Das ist auch gut so: Man sollte nämlich, nach dem Ende des langen Lockdowns und vor einem Trip die aktuellen Informationen der empfohlenen Ziele überprüfen. So hat zum Beispiel DU-Tours im November 2020 sein Hafenlager am Leinpfad aufgeben müssen und sucht nun nach einem neuen Standort in Duisburg-Ruhrort für den Shop und den Start künftiger Schimmi-Touren. Ab dem 4. Juli 2021 soll es neue Touren geben und wir wünschen Dagmar Dahmen viel Glück und Erfolg für den Neustart. Aktuelle Informationen hierzu gibt es auf der Webseite www.du-tours.de.

 

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„Marco Polo“ bei MairDumont

Dein Insider-Trip Ruhrgebiet: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

MairDumont ist eine Reiseverlagsgruppe aus Ostfildern (bei Stuttgart) und mit ihren verschiedenen Marken und Buchreihen spezialisiert auf Reise- und Freizeitbücher. Die Reihe „Marco Polo“ zielt mit seinen Insider-Tipps auf ein jüngeres erlebnisorientiertes Publikum. Kompakte Informationen und fokussierte Tipps für Unternehmungen kennzeichnen die Reiseführer. In sieben Sprachen übersetzt haben sie sich zum Inbegriff des Reisens entwickelt.
www.marcopolo.de
https://www.mairdumont.com

 
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Fotos: Petra Grünendahl, Cover: Marco Polo / MairDumont

 

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Buchtipp: „Der Pott“ zeigt prachtvolle Seiten der Industriekultur im Ruhrgebiet

Denkmäler der industriellen Vergangenheit: Fotografien von Achim Bednorz mit Texten von Walter Buschmann
Von Petra Grünendahl

Blick ins Buch „Der Pott – Industriekultur im Ruhrgebiet“ von Achim Bednorz und Walter Buschmann. Foto: Petra Grünendahl.

Bergbau, Eisen und Stahl haben das Ruhrgebiet nicht nur geprägt, sondern als Region erst erschaffen. Zugegeben: Man muss sie mögen, die Architektur der Industrialisierung. In Duisburg und im Ruhrgebiet finden sich erhaltene Anlagen, die schon länger nicht mehr in Betrieb sind, teils aber heute museal genutzt werden, ebenso wie lebendige Werks- und Produktionsstätten für Eisen und Stahl. Oder Ruinen, die verwunschenen Schlössern gleichen, als Zeugen jener Zeit, als in der Region der Wirtschaftsmotor in Deutschland war. Die

Blick ins Buch „Der Pott – Industriekultur im Ruhrgebiet“ von Achim Bednorz und Walter Buschmann. Foto: Petra Grünendahl.

Fotografien von Achim Bednorz geben auch dort Einblicke, wo man als Normalbürger eher nicht mal eben hinkommt: zum Beispiel in die Produktion von thyssenkrupp Steel oder HKM. Historische Fotos erzählen von der Industriegeschichte des Ruhrgebiets und ihren technischen Möglichkeiten. Autor Walter Buschmann erzählt aber auch von der Technik von Kohlegewinnung, Eisen- und Stahlproduktion. Schon wer nur in Duisburg unterwegs ist, findet eine Vielzahl an bekannten Orten in unserer Stadt in herrlichen Fotos und hochinformativen Texten dargestellt. Wer sich darüber hinaus auch jenseits unserer Stadt umsehen mag, kann hier ebenfalls für Anregungen aus dem Vollen schöpfen und bekommt fachliche Hintergründe zu den Örtlichkeiten gleich mitgeliefert.

 

Blick ins Buch „Der Pott – Industriekultur im Ruhrgebiet“ von Achim Bednorz und Walter Buschmann. Foto: Petra Grünendahl.

Mit „Der Pott – Industriekultur im Ruhrgebiet“ von Achim Bednorz (Foto) und Walter Buschmann (Text) hat der Verlag Könemann ein Druckwerk vorgelegt, welches eindruckvoll Seiten der industriellen Vergangenheit und Gegenwart in Szene setzt. Mit gut einem Fünftel ist Duisburg inhaltlich wohl am ausgiebigsten behandelt. Gefolgt von Essen, Dortmund, Oberhausen und Mülheim sowie 20 weiteren Städten, die Zeugnisse der industriellen Vergangenheit in die Gegenwart gerettet haben: Teils noch in Betrieb, teils museal aufgearbeitet oder als Ruinen sich selbst überlassen. Wo Areale umgestaltet und neuer Nutzung zugeführt wurden, legen Bednorz und Buschmann die Spuren der Industrievergangenheit offen.

Blick ins Buch „Der Pott – Industriekultur im Ruhrgebiet“ von Achim Bednorz und Walter Buschmann. Foto: Petra Grünendahl.

Wobei auch das eine oder andere Foto von Bednorz schon wieder historischen Wert hat, ist doch nichts so beständig wie der Wandel. Wer im ganzen Ruhrgebiet unterwegs ist, wird Vieles wieder erkennen: Unvergleichliche Perspektiven bieten ein ganz besonderes Erinnerungsalbum: Ein Buch, in dem man allein wegen der herrlichen Fotos immer wieder gerne blättert, aber sich hier und da auch mal wieder in spannenden Texte fest liest.

 

 
Streifzüge in Gegenwart und Vergangenheit

Blick ins Buch „Der Pott – Industriekultur im Ruhrgebiet“ von Achim Bednorz und Walter Buschmann. Foto: Petra Grünendahl.

Das Buch ist gegliedert in die Abschnitte Westliches, Mittleres und Östliches Ruhrgebiet sowie entlang der Ruhr. Bedeutende Standorte aus dem Inhaltsverzeichnis sind auf einer Karte verortet. Technische Beschreibungen an verschiedenen Stellen der Lektüre sind im Inhaltsverzeichnis in einer eigenen Kategorie gelistet. Texte in drei Sprachen erlauben auch Lesern, die nicht der deutschen Sprache mächtig sein, ein Eintauchen in das fundierte Wissen, welches hier vermittelt wird. Aber leider geht es so natürlich an manchen Stellen ein wenig zulasten der Tiefe, mit der ein Thema angegangen werden kann.

 

Blick ins Buch „Der Pott – Industriekultur im Ruhrgebiet“ von Achim Bednorz und Walter Buschmann. Foto: Petra Grünendahl.

Prachtvolle Farbfotografien von Achim Bednorz und historisches Bildmaterial von Walter Buschmann kundig verortet und eingeordnet: Er beschreibt ihre frühere und heutige Nutzung und ihren Wandel. Bednorz und Buschmann betrachten mit dem Ruhrgebiet von Kamp-Lintfort und Neukirchen-Vluyn im Westen bis Hamm und Ahlen im Osten zwar eine Region, die durch Bergbau, Eisen- und Stahlindustrie und ihre Relikte geprägt ist. Aber darauf sind ihre Streifzüge nicht beschränkt: Wichtig für die Entstehung des Wirtschaftsraumes war der Transport auf dem Wasser und der Schiene, die hier ebenfalls breiten Raum einnehmen: Von Häfen, Wasserwegen und Wasserkraftwerken bis Güterbahnstrecken, Brücken, Bahnhöfen und Ausbesserungswerken. Auch die Industrie war früher vielfältiger als mancher es vermuten mag: Textil- und Lederfabrikation, Ziegelei, Brauerei oder eine Zinkfabrik sind hier erwähnt. Der Fokus des Buches liegt aber eindeutig auf Steinkohlenbergbau, Eisen und Stahl, die nicht nur in der Vielzahl der fotografierten und beschriebenen Orte überwiegen, sondern auch die technischen Beschreibungen dominieren.

 

 
Fotograf, Autor und das Buch

Blick ins Buch „Der Pott – Industriekultur im Ruhrgebiet“ von Achim Bednorz und Walter Buschmann. Foto: Petra Grünendahl.

Achim Bednorz (*1947) ist Fotograf mit den Schwerpunkten Architektur und Kunstgeschichte. Als Fotograf war er weltweit unterwegs und hat das Bildmaterial für zahlreiche internationale Publikationen mit kunsthistorischen Themen aufgenommen. Bednorz lebt und arbeitet in Köln.
https://www.achimbednorz.com
https://de.wikipedia.org/wiki/Achim_Bednorz
https://www.bednorz-images.com/

Blick ins Buch „Der Pott – Industriekultur im Ruhrgebiet“ von Achim Bednorz und Walter Buschmann. Foto: Petra Grünendahl.

Walter Buschmann (*1949) ist Kunsthistoriker und war als Landesdenkmalpfleger mehr als 35 Jahre im Ruhrgebiet beruflich tätig. Er vermittelte sein Wissen und die Methodik der Industriedenkmalpflege über Jahrzehnte als Hochschullehrer in Essen, Dortmund, Köln und seit 1995 auch an der RWTH Aachen. Insbesondere auch im Zusammenwirken mit dem „Förderverein Rheinische Industriekultur e.V.“ weckte er mit seinen Forschungen das Interesse des Publikums. Er verantwortete zahlreiche Publikationen zu Industriedenkmälern als Autor und Herausgeber.
https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Buschmann

Blick ins Buch „Der Pott – Industriekultur im Ruhrgebiet“ von Achim Bednorz und Walter Buschmann. Foto: Petra Grünendahl.

Das 640-seitige Buch „Der Pott – Industriekultur im Ruhrgebiet“ im Format 28 x 34 Zentimeter ist auch mit seinem Gewicht von 4 Kilogramm ein Schwergewicht. Und ein Raum füllendes: Zum Lesen braucht man da schon einen großen (freien) Tisch mit guter Beleuchtung. Aus den 463 Abbildungen im Buch stechen die teils großformatigen Fotografien von Achim Bednorz besonders prägnant hervor. Dazu gibt es historische Fotografien, technische Skizzen, Funktionszeichnungen und Illustrationen sowie Karten, die dreisprachig (Deutsch, Englisch, Französisch) mit Texten von Walter Buschmann versehen sind. Das massive gebundenen Buch im Hardcover-Einband (mit Schutzumschlag) ist erschienen im Kölner Verlag Könemann. Zu haben ist das Werk für 39,95 Euro im lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-7419-2488-0).

 
Auf https://koenemann.com gibt ein schönes Trailer-Video zum Buch, das Lust macht auf mehr … Der Film ist als Bericht bei WDR Westart gelaufen und auch in der WDR-Mediathek verfügbar (hier, bis 31. Oktober 2021).

 
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Fotos: Petra Grünendahl (Blick ins Buch), koenemann.com (Cover)

 

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Letzte Ratssitzung vor den Sommerferien in der Mercatorhalle Duisburg

Gegen Gewalt im Sport, für die Ausbildung bei der Stadt
Von Petra Grünendahl

Ratssitzung in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

Viel diskutiert, aber letztendlich einstimmig beschlossen hat der Stadtrat das „Duisburger Konzept gegen Gewalt im Sport“, welches Duisburg Sport in Zusammenarbeit mit dem Stadtsportbund Duisburg (SSB) und dem Fußballverband Niederrhein (FVN) erstellt hat. Es besteht aus den Bausteinen „Prävention“ und „Sanktionen“ und fordert eine Selbstverpflichtungserklärung von den Sportvereinen. Dabei steht die Präventionsarbeit im Vordergrund. Das mehrstufige Sanktionsverfahren solle erst der allerletzte Schritt sein, so Oberbürgermeister Sören Link. Vielmehr sollten die Vereinsvorsitzenden Mittel an die Hand bekommen, ihre Spieler entsprechend zu schulen. Kontrovers diskutiert hat der Rat den Welterbe-Antrag „Industrielle Kulturlandschaft Ruhrgebiet“, den die Stadt Duisburg in einer mehrheitlich beschlossenen Stellungnahme ablehnt: „Wir sind kein Museum, sondern eine zukunftsgerichtete Stadt“, so die Position der Stadt. Zu sehr fühle man sich eingeengt in möglichen Entwicklungen, für die durch die Anerkennung als Welterbe ja nicht mehr Geld zur Verfügung stehe, sondern dieses nur anders verteilt werden müsse, so Ratsherr Frank Heidenreich von der CDU-Fraktion.

 

Ratssitzung in der Mercatorhalle. Foto: Uwe Köppen.

Der Rat der Stadt Duisburg hatte bei seiner Sitzung in der Mercatorhalle eine gut gefüllte Tagesordnung mit 109 Punkte im öffentlichen Teil abzuarbeiten. Die individuelle Redezeit begrenzte Oberbürgermeister Sören Link auf zwei Minuten. Wieder einmal sollte eine größere Anzahl an Beschlüssen Corona-bedingte Mehrkosten absegnen. Aber auch Flächennutzungs- und Bebauungspläne waren dabei. Das Gros der Beschlüsse auf der Tagesordnung wurde zügig und fast immer einstimmig angenommen: Zumeist waren diese bereits im Vorfeld in Fachausschüssen beraten und beschlossen worden und bedurften nur noch abschließend der Zustimmung des Rates. Anfragen von Fraktionen und Ratsleuten werden im Nachgang zur Ratssitzung schriftlich beantwortet, um in Corona-Zeiten ein zügiges Abarbeiten der Tagesordnung zu gewährleisten.

 

 
Überwiegend einstimmige Entscheidungen

Ratssitzung in der Mercatorhalle. Foto: Uwe Köppen.

Der Verlängerung der Opern-Ehe mit Düsseldorf (Deutsche Oper am Rhein) stimmte der Rat einstimmig zu und segnete die verschiedensten Jahresabschlüsse von Tochtergesellschaften im Konzern „Stadt“ ab. Zu den Mitteilungsvorlagen, von denen der Stadtrat lediglich öffentlich Kenntnis nimmt, zählten unter anderem die Bilanz überschuldeter Kommunen nach Auslaufen des Stärkungspakts Stadtfinanzen. Duisburg ist immer noch überschuldet, hat während Corona massive Zusatzkosten bei sinkenden Einnahmen (Prognose der finanziellen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie im Umfang von -91,78 Mio. Euro). Zuden sind zusätzliche Kosten wegen der Verlagerung von Aufgaben und damit Kosten an die Kommunen zu stemmen, die von Land und Bund nicht auskömmlich finanziert werden (Wer die Musik bestellt, sollte sie bezahlen!).

 

Ratssitzung in der Mercatorhalle. Foto: Uwe Köppen.

Beschlossen hat der Stadtrat die Einstellung von Auszubildenden und Praktikanten für 2022, die zahlenmäßig immer noch auf einem Rekordniveau liege, wie OB Link betonte. Besonders im Vergleich zu früheren Jahren, wo sich die Stadt Duisburg die Ausbildung kaum leisten konnte: 247 Ausbildungsplätze sollen 2022 besetzt werden – nach 245 (2021), 248 (2020), 176 (2019) und 131 (2018). Einen „Anfang vom Neubeginn“ bestätigte der Rat dem Wettbewerbsergebnis zur Entwicklung des „Stadtquartiers Am Alten Güterbahnhof“ ebenso wie im Baubeschluss für den Grünen Ring Nord in Hochfeld im Rahmen der IGA Metropole Ruhr 2027. Des Weiteren wurden diverse Stadtteilerneuerungsprojekte in Hochfeld, Hochheide und Marxloh auf den Weg gebracht.

 
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Fotos: Petra Grünendahl (1), Uwe Köppen (3)

 

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Playmobil-Austellung lockt ins Museum der Deutschen Binnenschifffahrt in Duisburg

Liebevoll gestaltete Bilderwelten von der Steinzeit bis ins 21. Jahrhundert
Von Petra Grünendahl

Playmobil-Ausstellung im Museum der Deutschen Binnenschifffahrt. Foto: Petra Grünendahl.

Der Hamburger Diorama-Künstler und Playmobil-Sammler Oliver Schaffer hat im Museum der Deutschen Binnenschifffahrt unter dem Titel „Hafengeschichte(n) Duisburg“ mit viel Liebe für die kleinen Details eine Bilderwelt aus dem beliebten Spielfiguren geschaffen, die seit 47 Jahren aus den Kinderzimmern nicht mehr wegzudenken sind. Manch einer hat sich seine Begeisterung bis ins Erwachsenenalter bewahrt, andere haben sie dann irgendwann wieder entdeckt. Wir haben uns die neue Sonderausstellung angeschaut, die Groß und Klein zum Eröffnungstermin ins Museum lockte.

 
 
Hier sind unsere Eindrücke:

 

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Impressionen aus der Sonderausstellung von Oliver Schaffer. Fotos: Petra Grünendahl und André C. Sommer

 
Da in den Raum der Sonderausstellung nur sieben Personen hinein dürfen, kann es zu Wartezeiten kommen. Und auch die Verweildauer muss Corona-bedingt limitiert werden, damit alle Besucher in ihrem Zeitfenster in den Genuss der Ausstellung kommen.

 
Museum der Deutschen Binnenschifffahrt

Museum der Deutschen Binnenschifffahrt. Foto: Petra Grünendahl.

Das Binnenschifffahrtsmuseum findet man an der Apostelstraße 84 in Duisburg-Laar. Die Playmobil-Sonderausstellung läuft bis zum 17. August. Aber auch die Dauerausstellung in der denkmalgeschützten ehemaligen Städtischen Badeanstalt Ruhrort ist sehr sehenswert. Geöffnet ist das Museum Dienstag bis Sonntag zwischen 10 und 17 Uhr. Am Leinpfad liegen die Museumsschiffe vor Anker. Für das Museum (inkl. Museumsschiffe) zahlen Erwachene 4,50 Euro Eintritt, Kinder (bzw. ermäßigt) 2,00 Euro. Zudem gibt es Familienkarten und Gruppentarife. Tickets (inklusive Zeitfenster-Tickets) gibt es nur online.
Mehr Informationen: https://www.binnenschifffahrtsmuseum.de/?page_id=63

 
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Fotos: Petra Grünendahl (13) und André C. Sommer (7)

 

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Lesetipp auch für Kenner: Ruhrgebiet – nicht nur für Klugscheißer!

Wissenswertes aus einer geschichtsträchtigen Region
Von Petra Grünendahl

Der Blick ins Buch: Ruhrgebiet von Tina Halberschmidt und Martin Wedau. Foto: Petra Grünendahl.

Was haben Aletta Haniel, Maria Kunigunde von Sachsen (Fürstabtissin von Essen) und Helene Amalie Krupp gemeinsam? Dass sich in diese Riege von Pionierinnen der Frühindustrialisierung weitere Frauen aus dem Ruhrgebiet einreihen, sei nur als Vorschlag zur weiteren Recherche erwähnt. Das „Ruhrgebiet“ wurde als Raum erstmals 1871 erwähnt, als die Städte der Region zwischen dem Kreis Wesel im Westen, Hamm im Osten, dem Ennepe-Ruhr-Kreis im Süden und dem Kreis Recklinghausen im Norden industriell und bevölkerungsmäßig langsam zusammen wuchsen. Bis zur „Metropole Ruhr“ ging viel Zeit ins Land: Grenzen zwischen den Städten sind selten wirklich zu erkennen. Allerdings: Obwohl im Regionalverband Ruhr eine Einheit, verteilen sich die 53 Städte immer noch auf drei Regierungsbezirke (Düsseldorf, Münster und Arnsberg) von insgesamt fünf in NRW (mit Köln und Detmold). Schon vor der Industrialisierung brachte die alte Handelsstraße des Westfälischen Hellweges, der sich im Ruhrgebiet von Unna und Dortmund über Bochum und Mülheim bis Duisburg und an den Rhein zieht, Reichtum in die Region. Die Zeitleiste, die die Autoren verorten, reicht von der Römerzeit bis zum Strukturwandel, der nicht der erste im Ruhrgebiet ist. Eine Region im Wandel erfindet sich immer wieder und manchmal auch überraschend neu. Dabei schöpft sie auch aus ihrer vielfältigen Vergangenheit: aus Wirtschaft und Wissenschaft, aus Kunst und Kultur, aus einer schon immer von Zuwanderung geprägten Gesellschaft ebenso wie aus den Jahrhundertprojekten von Luftreinhaltung und der Renaturierung von Landschaften.

 

Cover: Klartext Verlag.

In über 50 kleinen Häppchen präsentieren die Autoren Tina Halberschmidt und Martin Wedau Fakten und Geschichten aus dem „Ruhrgebiet“. In der Reihe „Populäre Irrtümer und andere Wahrheiten“ hat das Team, aus deren Feder bereits „Duisburg für Klugscheißer“ stammte, Wissenswertes aus der Region zusammen getragen. Lebendig geschrieben und mit einem Augenzwinkern – „nicht nur für Klugscheißer!“ – haben sie in kleinen Häppchen Tatsachen zusammen getragen, die auch bei jenen, die sich schon länger mit dem Ruhrgebiet beschäftigen, für manches „aha“-Erlebnis sorgen und mit Vorurteilen aufräumen. Das Buch kann aber auch für den geneigten Ruhri interessante Anregungen geben, selber mal (wieder) auf Entdeckungsreise zu gehen und sein eigenes Wissen zu erweitern. Das Werk ist bei weitem nicht nur für einen „One-Night-Stand“ geeignet: Man kann das Buch gut in einem Rutsch durchlesen, greift aber dennoch immer wieder gerne mal zum Stöbern danach.

 

 
Die Autoren und das Buch

Karte der Regierungsbezirke in NRW mit dem Gebiet des RVR (Ruhrgebiet) in der Mitte. Quelle: Land NRW.

Die Autoren Tina Halberschmidt und Martin Wedau stammen aus Duisburg: Die Stadt ist für beide mehr als nur ein Wohnort – nämlich eine Herzenssache. Das Ruhrgebiet, der „Pott“, ist Heimat. Beide sind natürlich, wie es sich für Duisburger gehört, MSV-Fans. Martin Wedau beschäftigt sich mit Sachbüchern und als „Kees Jaratz“ im Zebrastreifenblog mit seiner Heimatstadt und dem Ruhrgebiet. Tina Halberschmidt ist als Redakteurin bei einer Verlagsgruppe in Düsseldorf tätig.

Städte am Hellweg, einer antiken Handelsstraße, die auch durch das heutige Ruhrgebiet führt. Quelle: Wikipedia.

Das 104-seitige Buch „Ruhrgebiet“ von Tina Halberschmidt und Martin Wedau ist im Essener Klartext Verlag in der Reihe „Populäre Irrtümer und andere Wahrheiten“ erschienen. Das faktenreiche bebilderte Taschenbuch ist für 14,95 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-8375-2383-6).

Der Klartext Verlag wurde 1983 gegründet, seit 2007 ist er Teil der Funke Mediengruppe. Seine Heimat liegt im Ruhrgebiet, wo auch der überwiegende Teil seiner Publikationen angesiedelt ist: Freizeitführer, Sachbücher, Kalender und Bildbände. Mit der „Von oben“-Reihe kann man Städte nicht nur im Ruhrgebiet, sondern in ganz Deutschland aus der Vogelperspektive bewundern. Und mit der Reihe lernt der Leser Neues zu verschiedenen Orten, Themen und Fußballvereinen – unterhaltsam und fundiert, denn, so der Verlag: „wir machen Bücher mit Qualität und gerne auch mal einem Augenzwinkern.“
www.klartext-verlag.de

Ein Blick ins Buch. Fotos: Petra Grünendahl

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© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Bildmaterial: Petra Grünendahl (Fotos / Blick ins Buch), Klartext Verlag (Cover), Land NRW (Karte der Regierungsbezirke), Wikipedia (Karte der Städte am Hellweg)

 

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Lesetipp auch für Kenner: „Bergbau” im Klartext Verlag

Auf Kohle geboren: Die Wurzeln einer Identität im Ruhrgebiet
Von Petra Grünendahl

Der Blick ins Buch: Dietmar Bleidick: Bergbau. Foto: Petra Grünendahl.

Aus dem Bergbau entstand das Ruhrgebiet, wie wir es heute kennen. Die Steinkohlenzechen prägten das entstehende Konglomerat von Städten, die sich in der Industrialisierung gebildet hatten. „Der Kohlenpott gilt als Mythos, der Kumpel als Prototyp seiner Einwohner, Bergarbeit als Beispiel für Zusammenhalt und Kameradschaft“, schreibt Dietmar Bleidick in seiner Einleitung. Der Bergbau war immer noch Identifikation, auch wenn Zechen schon seit Ende der 1950er-Jahre schlossen. Seit Ende 2018 ist die Steinkohlenförderung ganz Geschichte. Von der ehemals goldenen Zeit im Ruhrgebiet, die vielen Menschen Arbeit gab, ist immer weniger übrig, je mehr ehemalige Zechenbauten und Fördergerüste abgerissen werden. Damit verschwindet auch das Wissen um den Bergbau und seine Bedeutung aus dem Wissen der Menschen. Der Autor führt den Leser zurück in die Anfänge des Bergbaus (seit dem 13. Jahrhundert wurde entlang der Ruhr nach Kohle gegraben), von der Fördertechnik in früheren Zeiten über die Entwicklung bis in den hoch-technisierten Bergbau der letzten Jahrzehnte, der nicht nur vergleichsweise teuer, sondern auch der Sicherste der Welt war. Die Geschichten aus dem Bergbau sind in den historischen Kontext ihrer jeweiligen Zeiten eingeordnet und ermöglichen, Zusammenhänge in der Entwicklung des Ruhrgebiets zu erkennen, die bis heute ihre Auswirkungen haben.

 

Cover: Klartext Verlag.

Den „Bergbau“ hat Autor Dietmar Bleidick in 60 kurzen Kapiteln knackig auf dem Punkt gebracht. Treffender müsste der Titel eigentlich „Bergbau im Ruhrgebiet“ heißen, denn das ist der inhaltliche Schwerpunkt. In der Reihe „Populäre Irrtümer und andere Wahrheiten“ macht der Autor dem Leser die Geschichte und Technik des Bergbaus im Ruhrgebiet und seine Bedeutung für die wirtschafte und soziale Entwicklung deutlich. Dass heute in Deutschland keine Steinkohle mehr gefördert wird, heißt nicht, dass das ehemals „schwarze Gold“ nicht mehr gebraucht wird. Die Steinkohle wird heute importiert, denn zum Beispiel in der Stahlindustrie oder bei der Stromproduktion wird sie ja immer noch benötigt. Allerdings stellt der Autor auch die Frage: Wie lange noch? Und was kommt dann? Dietmar Bleidick schildert in greifbaren Leseumfang interessante Fakten und Geschichten aus dem Bergbau, die vielen Menschen auch im Ruhrgebiet heute nicht mehr bekannt sind. Das Buch lässt sich gut in einem durchlesen, aber lädt auch immer wieder zum Blättern ein, um das Gelesene zu verfestigen, was man sich nicht nur als Einsteiger in die Materie nicht alles beim ersten Lesen merken kann. Die ein bis zwei Seiten kurzen Kapitel machen dem Leser eine Vielzahl von Informationen rund um das weite Feld des Bergbaus im Ruhrgebiet zugänglich. Eine Zeitleiste und ein kurzes „Wörterbuch“ bergmannssprachlicher Begriffe runden den Fundus an Wissen gelungen ab.

 

 
Der Autor und das Buch

Der Blick ins Buch: Dietmar Bleidick: Bergbau. Foto: Petra Grünendahl.

Das Buch „Bergbau“ etwas anspruchsvoller geschrieben als die locker-flockigen „Duisburg für Klugscheißer“ und „Ruhrgebiet“ des Autoren-Duos Tina Halberschmidt und Martin Wedau. Wissenschaftlicher und faktischer schreibt Dietmar Bleidick: den Historiker (Wirtschafts- und Technikgeschichte) kann der gebürtige Bochumer nicht verleugnen. Das Buch bietet viele Informationen und Kontext – insbesondere historischer Art –, ist aber dennoch gut und flüssig lesbar. Seinen Job als Bergbauhistoriker im Deutschen Bergbau-Museum Bochum bezeichnet Bleidick als Berufung. Zahlreiche Publikationen zum Ruhrbergbau und zur Geschichte des Ruhrgebiets stammen aus seiner Feder. Seit 2015 ist er Schriftleiter der Zeitschrift „Der Anschnitt“, der vom Deutschen Bergbau-Museum Bochum herausgegebenen, weltweit führenden Zeitschrift für Montangeschichte.

Der Blick ins Buch: Dietmar Bleidick: Bergbau. Foto: Petra Grünendahl.

Das 104-seitige Buch „Bergbau“ von Diemtar Bleidick ist im Essener Klartext Verlag in der Reihe „Irrtümer und Wahrheiten“ erschienen. Das bebilderte Taschenbuch ist für 14,95 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-8375-2313-3).

Der Klartext Verlag wurde 1983 gegründet, seit 2007 ist er Teil der Funke Mediengruppe. Seine Heimat liegt im Ruhrgebiet, wo auch der überwiegende Teil seiner Publikationen angesiedelt ist: Freizeitführer, Sachbücher, Kalender und Bildbände. Mit der „Von oben“-Reihe kann man Städte nicht nur im Ruhrgebiet, sondern in ganz Deutschland aus der Vogelperspektive bewundern. Und mit der Reihe „Irrtümer und Wahrheiten“ (bei ihrem Start im Verlagsprogramm hieß die Serie noch „Klugscheißer“) lernt der Leser Neues zu verschiedenen Orten, Themen und Fußballvereinen – unterhaltsam und fundiert, denn, so der Verlag: „wir machen Bücher mit Qualität und gerne auch mal einem Augenzwinkern.“
www.klartext-verlag.de

Ein Blick ins Buch. Fotos: Petra Grünendahl

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© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (Blick ins Buch), Klartext Verlag (Cover)

 

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Lehmbruck Museum zeigt Nevin Aladağ im Rahmen von Sculpture 21st

Kulturelle Vielfalt mit allen Sinnen erleben
Von Petra Grünendahl

Sculpture 21st: Nevin Aladağ. Blick in die Ausstellung. Foto: Frank Vinken.

Im Lehmbruck Museum erleben in der großen Glashalle zum Kantpark die neuen Installationen von Nevin Aladağ ihre Deutschland-Premiere. „Zunächst nur digital, aber wir hoffen, sich auch bald aus der Nähe einem Publikum zeigen zu können“, sagte Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla.

Sculpture 21st: Nevin Aladağ. Blick in die Ausstellung. Foto: Frank Vinken.

Wobei „sehen“ hier vielleicht etwas kurz gegriffen ist: Zu erleben sind sie nicht nur optisch, sondern auch klanglich. Immerhin: der Ton wird über Lautsprecher nach draußen übertragen, so dass Betrachter hier schon einen umfassenderen Eindruck bekommen können. Und eigentlich möchte man die Skulpturen auch anfassen: Sowohl die Klanginstallationen „Resonator Wind“ und „Resonator Percussion“ als auch die Stellwände mit Teppichfragmenten aus aller Welt („Social Fabric“), die ihrerseits die Thematik der Klanginstallationen aufnehmen. Hier wird aber auch dann, wenn das Museum wieder öffnen darf, der Blick aus der Nähe reichen müssen. Ihre Idee sei: „dass mehrer Musiker die Werke zum erklingen bringen“, so die Künstlerin.

 

Nevin Aladag. Foto: privat.

Im Rahmen von Sculpture 21st ist im Lehmbruck Museum die deutsche Klang- und Installationskünstlerin Nevin Aladağ (*1972). Sie kam 1973 nach Deutschland, ist in Stuttgart aufgewachsen, hat in München studiert (1993 bis 2000) und seit 2002 lebt und arbeitet sie in Berlin. Im Rahmen eines digitalen Pressegesprächs stellte sie die Ausstellung zusammen mit Söke Dinkla sowie Ursula Wißborn (Vorstand der Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West) und Bettina Böhm (Executive Director von Outset Germany Switzerland) von der Sponsorenseite vor. Einen Blick in die Glashalle ermöglichte Ronja Friedrich, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Lehmbruck Museum. Am Donnerstag, 6. Mai 2021, eröffnet die Ausstellung „Sculpture 21st: Nevin Aladağ” ab 19 Uhr unter https://lehmbruckmuseum.de/update-coronavirus/ digital.

Sculpture 21st: Nevin Aladağ. Blick in die Ausstellung. Foto: Frank Vinken.

 
Für die programmatische Reihe „Sculpture 21st“ ist eine Präsentation entstanden, die zeigt, welche soziale Aufgabe Skulptur heute haben kann. Die Ausstellungsreihe präsentiert seit 2014, dem 50. Geburtstag des Museums, bedeutende Positionen zur Skulptur des 21. Jahrhunderts. Fragen nach Herkunft und Identität sind zentrale Aspekte von Nevin Aladağs künstlerischem Schaffen. Ihre Werkstoffe sind Fragmente aus unterschiedlichen Kulturen, die sie zu einzigartigen ästhetischen Objekten verbindet. Die glänzende Messingkugel „Resonator Wind“ vereint die Mundstücke von Blasinstrumenten wie einer Trompete, Tuba, Querflöte oder einer Panflöte, während bei „Resonator Percussion“ Schlaginstrumente wie Trommeln, Cabasa, Glocken und eine Agogo miteinander kombiniert sind. Jedes Element entstammt aus einem anderen kulturellen oder geografischen Zusammenhang. Arrangiert aus geometrischen Formen, wie Kubus, Kegel, Kugel oder Zylinder verbinden sie westliche und orientalische Elemente miteinander. So übertragen sie visuell und akustisch die Idee einer kulturellen Pluralität.

 

Veranstaltungen

Nevin Aladağ, Resonator Wind (2019) Foto: Nevin Aladağ.

Digitales Begleitprogramm: Jede Woche eine Frage an Nevin Aladağ
Wonach sehnt sich Nevin Aladağ, was braucht sie für ein Arbeitsumfeld oder an welche gesellschaftliche Utopie glaubt sie? In kurzen Videos stellt sich Nevin Aladağ jeder Woche aufs Neue einer Frage von Wegbegleiter*innen und Mitarbeiter*innen des Lehmbruck Museums. Veröffentlichung: ab 11. Mai Dienstags auf Instagram und Facebook und gesammelt auf der Museums-Website http://www.lehmbruckmuseum.de/jede-woche-eine-frage-an-nevin-aladag/

 

Nevin Aladağ, Resonator Percussion (2019) Foto: Trevor Good.

21. August 2021: Performance im Rahmen von Museum Tinguely AHOY!
Zum 25. Jubiläum geht das Museum Tinguely auf Schiffsreise von Paris über Amsterdam und das Rheinland bis nach Basel. Vom 19. bis 21. August 2021 legt Museum Tinguely AHOY! in Duisburg an und bietet in enger Kooperation mit dem Lehmbruck Museum drei Tage lang außergewöhnliche Kunsterlebnisse. Neben der Ausstellung und einer spektakulären Brunnenplastik an Bord erwarten die Besucher Performances von Nevin Aladağ, Keren Cytter und Marie-Caroline Hominal sowie vielfältige Vermittlungsaktivitäten und Workshops.

 

 
Das Lehmbruck Museum

Das Lehmbruck Museum im Kantpark. Foto: Petra Grünendahl.

Das mitten in Duisburg im Kantpark gelegene Lehmbruck Museum ist ein Museum für Skulptur. Seine Sammlung moderner Plastiken von Künstlern wie Alberto Giacometti, Pablo Picasso, Hans Arp und natürlich Wilhelm Lehmbruck ist europaweit einzigartig. Beheimatet ist das Museum in einem eindrucksvollen Museumsbau inmitten eines Skulpturenparks, der zum Schlendern und Entdecken einlädt. Namensgeber des Hauses ist der Bildhauer Wilhelm Lehmbruck, der 1881 in Meiderich, heute ein Stadtteil von Duisburg, geboren wurde. Lehmbruck ist einer der bedeutendsten Bildhauer der Klassischen Moderne. Er hat mit seinem Werk maßgeblichen Einfluss auf nachfolgende Künstlergenerationen und ist auch nach seinem frühen Freitod im Jahr 1919 bis heute einflussreich geblieben.

 

 
Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Öffnet das Museum wie eine Vitrine in die Stadt: die große Glashalle. Foto: Dejan Saric.

Die Ausstellung von Nevin Aladağ wird in der Glashalle bis zum 5. September zu sehen sein. Zurzeit ist das Lehmbruck Museum allerdings corona-bedingt geschlossen, so dass Klang- und Videoinstallationen nur aus dem Kantpark erlebbar sind. Geöffnet ist das Lehmbruck Museum üblicherweise dienstags bis freitags ab 12 Uhr, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags an Terminen der plastikBAR (erster Donnerstag im Monat ab 17.30 Uhr) bis 20 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro (ermäßigt* 5 Euro), eine Jahreskarte 35 Euro (ermäßigt* 20 Euro). Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Blinden- und Demenzbegleitung haben kostenlos Eintritt. Schulklassen und Kindergärten zahlen pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte (2 Erwachsene plus Kinder bis 14 Jahre) gibt es für 15 Euro. Jeden ersten Freitag im Monat gilt: „Pay what you want“. Ausgenommen davon sind angemeldete Gruppen.

 

Der Eingang zum Lehmbruck Museum neben der Glashalle. Foto: Jürgen Diemer.

Sobald die Corona-Lage es wieder erlaubt, gelten folgende Regelungen: Für Führungen und Veranstaltungen aus dem Rahmenprogramm sind aktuell grundsätzlich Anmeldungen erforderlich. Die Veranstaltungen finden vorbehaltlich eventueller Veränderungen aufgrund der Corona-Pandemie statt. Es kann zu kurzfristigen Anpassungen kommen. Außerdem ist die Anzahl der Besucher im Museum begrenzt: Auf aktuell 100 im Wechselausstellungsbereich sowie 300 im gesamten Museum: Es kann zu Wartezeiten kommen, falls diese Anzahl erreicht ist. Siehe auch: https://lehmbruckmuseum.de/update-coronavirus/.

(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70%), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen mit Sozialhilfebezug.

 
© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (1), Nevin Aladağ (1), Trevor Good (1), Frank Vinken (3), Dejan Saric (1), Jürgen Diemer (1), privat (1)

 

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Emscherkunstweg: Die „Neustadt“ im Landschaftspark Duisburg-Nord öffnet morgen

Das Ruhrgebiet rückt zusammen

Impressionen aus der Neustadt
War durften am letzten Sonntag mal einen Blick auf die Kunstwerke am Rande der A42 werfen und haben uns dann gleich auch ein bisschen selber mit eingebracht … 😉

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Fotos: Petra Grünendahl

Groß berichtet hatten wir schon letzte Woche …
© pet 2021

 

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Wirtschaftsbetriebe: Start der neuen Sauberkeits-Kampagne in Duisburg

„Behandle deinen Müll nicht wie den letzten Dreck.
Gib ihm lieber ein Zuhause!“

Von Petra Grünendahl

Wirtschaftsbetriebe starten die neue Sauberkeits-Kampagne in Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Wem in Corona-Zeiten die Decke auf den Kopf fällt, den drängt es zumindest bei schönem oder trockenem Wetter nach draußen. Den Proviant nimmt man sich entweder mit oder konsumiert Kaffee oder Currywurst & Pommes „to go“. Aber: Nicht jeder entsorgt die Verpackung im Mülleimer oder nimmt sie wieder mit. Die Hinterlassenschaften verschandeln Orte, an denen sich Menschen eigentlich wohl fühlen sollten. Was von Einzelnen unachtsam fallen gelassen wird, muss dann auf Kosten der Allgemeinheit von den Wirtschaftsbetrieben entsorgt werden. Rund 4,2 Mio. Euro habe es im vergangenen Jahr gekostet, nur den „Kleinkram“ zu entsorgen, erzählte Thomas Patermann, Sprecher des Vorstandes der Wirtschaftsbetriebe Duisburg. Wilde Müllkippen seien da noch gar nicht eingerechnet. „Aber dass wir aufräumen, kann immer nur das letzte Mittel sein. Viel besser und am Ende auch günstiger für alle wäre es, wenn jede Person verantwortungsvoll mit den eigenen Abfällen umgeht“, so Patermann. Das bedeute in erster Linie, die aufgestellten Müllbehälter zu benutzen. Oder seinen Müll bis zum nächstgelegenen Behälter mitzunehmen. „So können wir alle mit ganz kleinem Aufwand ganz Großes leisten“, sagte der Vorstandssprecher.

 

Präsentierten die neue Sauberkeits-Kampagne in Duisburg (v. l.): Oliver Vornholt (Kaiserberg Agentur für Markenkommunikation), Thomas Patermann (Wirtschaftsbetriebe Duisburg). Foto: Petra Grünendahl.

Die Idee zu „Behandle deinen Müll nicht wie den letzten Dreck. Gib ihm lieber ein Zuhause!“ ist nicht neu, aber wird jetzt neu gedacht. Die Wirtschaftsbetriebe Duisburg haben die Kampagne von 2008 wieder aufgegriffen und mit der Kaiserberg Agentur für Markenkommunikation mit neuen Medien frisch aufgelegt. An einem Graffiti im Rheinpark (Künstler: Marten Dalimot) stellten Thomas Patermann und Oliver Vornholt die neue Kampagne vor. Ziel ist es, mit dem Paket an Maßnahmen möglichst viele Menschen zu erreichen und „positiv“ anzusprechen.

 

Präsentierten die neue Sauberkeits-Kampagne in Duisburg (v. l.): Oliver Vornholt (Kaiserberg Agentur für Markenkommunikation), Thomas Patermann (Wirtschaftsbetriebe Duisburg). Unten links das Straßen-Tattoo. Foto: Petra Grünendahl.

Fünf „Müllies“ personifizieren das Gros solcher kleinen Hinterlassenschaften, die achtlos weggeworfen, nicht nur Kosten verursachen. Sei es die gebrauchte Maske, die gespickt mit Bakterien und Viren vom nächsten Kind aufgehoben wird, die kleine Zigarettenkippe, die das Grundwasser verunreinigt, der Kaugummi, der Pizzakarton, die Getränkedose, die Plastiktüte, der Kaffeebecher, der Hundehaufen und und und … Scheinbar endlos ist die Liste von unliebsamen Dingen auf den Straßen und in den Grünanlagen unserer Stadt. Jede Art von Abfall ist eine Belastung für andere. Und ärgerlich anzusehen für jeden, der seinen Müll dort entsorgt, wo er hingehört: im Müllbehälter, der zumeist nur wenige Schritte entfernt steht.

 

 
Graffiti wird über die Artivive App lebendig

Die „Mülllies“ der Wirtschaftsbetriebe Duisburg. Foto: Screenshot.

Extra für diese Kampagne kreiert hat die Agentur so genannte „Müllies“, eine Gruppe aus verschiedenen Abfällen, die traurig dreinblickend überall im Stadtgebiet zu finden sind: Auf großen Werbeplakaten, an einzelnen Treppenaufgängen im Hauptbahnhof, auf Gum-Walls auf den Bahnsteigen oder als Straßen-Tattoo auf den Einkaufsstraßen sind Bernd Becher, Martha Maske, Kai Kippe, Karla Kaugummi sowie Carola & Pommfred Schranke im Einsatz. Traurig sind sie, weil sie von manchem „wie der letzte Dreck behandelt“ und achtlos weggeschmissen werden. Viel mehr, so der Tenor der Kampagne, würden sie sich freuen, dort entsorgt zu werden, wo sie hingehören: in den Müllbehälter.

 

Wirtschaftsbetriebe starten die neue Sauberkeits-Kampagne in Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Sie machen optisch schon was her und haben echte Hingucker-Qualitäten, mit denen sie Menschen von ihrer Botschaft überzeugen wollen. Außer dem Graffiti im Rheinpark gibt es ein Zweites an der Fußgängerbrücke Landfermannstraße in der Innenstadt. Beide können jeweils vor Ort über die kostenlose App Artivive auf dem Smartphone zum Leben erweckt werden. Als weiteren Hingucker haben die Wirtschaftsbetriebe zum Pressetermin im Rheinpark die Zigarettenkippe als Sitzbank vor dem Graffiti platziert. „Kai Kippe“ wird allerdings nicht auf Dauer im Rheinpark bleiben: Zwei Sitzmöbel in dieser Gestaltung wechseln ihren Standort im Stadtgebiet bis Ende der Kampagne im Herbst 2022 mehrfach.

 

Einfach fallengelassen. Foto: Petra Grünendahl.

Auch online kann man den „Müllies“ nicht entkommen: Neben der Webseite machsrein.de sind Aktionen über Facebook und Instagram geplant. Ab dem 17. Mai steht die erste digitale Mitmachaktion in den Startlöchern. „Wir wollen die Menschen spielerisch erreichen“, erklärte Sarah Lampe von der Unternehmenskommunikation der Wirtschaftsbetriebe. Die Kampagne arbeitet mehrsprachig: Neben Deutsch auch in den Sprachen Türkisch, Arabisch, Rumänisch und Bulgarisch.

 
© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 

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Deutsche Oper am Rhein zeigt „Romeo und Julia“ bei Operavision

Frei nach William Shakespeare: ein
„Sommernachtsalbtraum“ von Boris Blacher

Von Petra Grünendahl

Jussi Myllys (Romeo), Lavinia Dames (Julia), Günes Gürle (Capulet), Katarzyna Kuncio (Lady Capulet), Chor. Foto: Hans Jörg Michel.

Lady Capulet (Katarzyna Kuncio) und ihr Mann (Günes Gürle) wollen ihre junge Tochter Julia (Lavinia Dames) verheiraten. Auf dem abendlichen Fest soll sie den ihr unbekannten Graf Paris kennen lernen. Es erscheint Romeo (Jussi Myllys), in den sich Julia unsterblich verliebt, während ihre Familie ihn als Spross der verfeindeten Montagues ausmacht. Hin und her gerissen sind die bis dato Ahnungslosen zwischen ihrer Liebe zueinander und dem Hass ihrer Familien. In einer Auseinandersetzung tötet Romeo Julias Cousin Tybalt (Andrés Sulbarán).

Jussi Myllys (Romeo), Chansonnier (Florian Simson), Lavinia Dames (Julia), Chor. Foto: Hans Jörg Michel

Dafür wird er aus Verona verbannt, will aber mit Julia gemeinsam fliehen. Nachdem ihre Eltern sie immer noch mit Paris verheiraten wollen, nimmt sie einen Trank zu sich, der sie in todesähnlichen Schlaf versetzt. „Statt Hochzeitsglocken Grabgeläut“, heißt es dazu bei Shakespeare. An ihrem Grab in der Familiengruft nimmt das Schicksal seinen Lauf: Der verzweifelte Romeo trinkt Gift, weil er von ihrem vermeintlichen Tod erfährt, ihn ein Brief mit der List aber nicht erreicht hat. Er stirbt, als seine Liebste aufwacht. Mit einem Kuss holt sie sich letzte Tropfen des Giftes von seinen Lippen und stirbt ebenfalls. Ein Chansonnier (Florian Simson), der mit seiner „Erzählung“ die komprimierten Stränge der Handlung verknüpft, beklagt den Tod der beiden Liebenden – als Opfer des Hasses ihrer Familien.

 
 

Lavinia Dames (Julia). Foto: Hans Jörg Michel.

Die Deutsche Oper am Rhein zeigt Boris Blachers Oper „Romeo und Julia“ auf Operavision. Entstanden ist die Kammeroper in drei Teilen im Jahr 1943 frei nach Wilhelm Shakespeare. Der deutsch-baltischen Komponisten Boris Blacher hat Shakespeares berühmte Tragödie als Libretto auf ihre Essenz verdichtet: das Schicksal von Romeo und Julia. Dank der so recht kleinen Besetzung ist eine solche Oper auch in Corona-Zeiten möglich, auch wenn hier wegen des andauernden Lockdowns das Publikum aus dem Theatersaal und vor den Bildschirm verbannt wurde. Die 70-minütige Inszenierung von Manuel Schmitt wurde aufgezeichnet am 19. März 2021 im Theater Duisburg. Gesungen wird in deutscher Sprache. Untertitel gibt es in Deutsch, Englisch oder Französisch. Automatische Übersetzungen sind in weitere Sprachen möglich. Verfügbar ist das Werk auf Operavision bis zum 17. Oktober 2021, 12 Uhr.

 

 
 
Großartige Oper aus einer anderen Perspektive

Trauer am Grab: Chor, Gunes Gürle (Capulet), Katarzyna Kuncio (Lady Capulet) und Lavinia Dames (Julia). Foto: Hans Jörg Michel.

Recht dunkel wirkt das sparsame Bühnenbild, das ebenso wie die Kostüme von Heike Scheele entworfen wurde. Meist ist lediglich der Vordergrund ist in stimmungsvolles Licht gehaucht: das Lichtdesign von Thomas Tarnogorski ist sparsam, aber wirkungsvoll. Dunkel gekleidet die Capulet, die Montagues und weitere Akteure, in unschuldigem Weiß bis Hellgrau kontrastieren dazu die jungen Liebenden. Die Duisburger Philharmoniker spielen in einer sehr kleinen Kammerbesetzung unter der musikalischen Leitung von Christoph Stöcker. Der Chor unter der Leitung von Gerhard Michalski setzt sich in kleiner Besetzung zusammen aus Sängern den Opernchores und des Opernstudios.

 

Lavinia Dames (Julia), Jussi Myllys (Romeo), Chor. Foto: Hans Jörg Michel.

Zwar kann der „Film“ aufgrund der in den meisten Haushalten unzureichenden Akustik nicht den Genuss einer tatsächlichen Aufführung bieten, allerdings hat auch die Aufzeichnung der Aufführung dank der ausgefeilten Kameraführung ihren Reiz. Es gibt nicht die eine statische Kamera, die einfach nur aufzeichnet. Dafür gibt es Kameraschwenks und Nahaufnahmen, die neben dem Gesang auch das Schauspiel der Akteure mehr betonen, als man es als Zuschauer von seinem festen Platz im Theater kennt. Das Ganze verbindet einen gut geschnittenen Kinofilm mit einem großartigen Opern-Cast aus Sängern und Musikern, die in jeder Beziehung überzeugen. Die auf die beiden Hauptakteure Romeo und Julia komprimierte Handlung braucht sich auch nicht hinter der Opulenz traditionellerer Varianten und Inszenierungen des Stoffs verstecken. Selbst mit den aktuellen Einschränkungen im Spielbetrieb: Die Deutsche Oper am Rhein begeistert auch „digital“!

 

 
 
Das digitale Angebot der Deutschen Oper am Rhein:

 
 
Deutsche Oper am Rhein

Florian Simson (Chansonnier), Lavinia Dames (Julia), Jussi Myllys (Romeo), Chor. Foto: Hans Jörg Michel.

Die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg gGmbH ist eine Theatergemeinschaft der Städte Düsseldorf und Duisburg, die auf eine lange Tradition der Zusammenarbeit zwischen den beiden Großstädten zurückblicken kann. Seit ihrer Gründung 1956 zählt sie zu den bedeutendsten Opernhäusern Deutschlands. Durch ihr hochrangiges Solistenensemble, den Chor sowie die national wie international gefeierte Compagnie Ballett am Rhein hat sie sich zu einer der ersten Adressen für Musiktheater und Tanz in Europa entwickelt. Sie ist in der größten und dichtesten Kulturregion Deutschlands beheimatet. Allein die beiden Städte Düsseldorf und Duisburg zählen zusammen fast 1,1 Millionen Einwohner, aber auch die umliegenden Regionen und eine große Zahl auswärtiger Gäste profitieren vom hochkarätigen künstlerischen Angebot der Deutschen Oper am Rhein.
www.operamrhein.de

 

 
© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Hans Jörg Michel

 

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Wettbewerb „IGA 2027 Zukunftsgärten“: Duisburg stellte Sieger-Entwürfe vor

Die Rückeroberung ehemals industriell genutzter Areale
Von Petra Grünendahl

Duisburgs Stadtentwicklungsdezernent Martin Linne. Foto: Screenshot.

„Für die Stadt ist dies ein Meilenstein: Duisburg rückt näher an den Rhein“, erklärte Stadtentwicklungsdezernent Martin Linne. Ziel sei es, ehemals industriell genutzte Flächen zukunftsorientiert neu zu entwickeln und zu nutzen. Da werde sich der Rheinpark neben dem Landschaftspark Nord und dem Innenhafen als Duisburger Erfolgsprojekt einreihen, ist Linne überzeugt. Der Rheinpark öffnet den Rhein für die Bürger der Stadt als Freizeitraum, wo früher die Schwerindustrie das Ufer beherrschte.

Plangebiet für die IGA 2027 in Duisburg. Quelle: RVR.

Auch der Grüne Ring von der Innenstadt bis zum Rheinpark soll attraktiver gestaltet werden und dann als Aktivitäts- und Freizeitraum einladen. Die IGA 2027 ermöglicht die Verwirklichung dieser Konzepte unter dem Thema „Wie wollen wir künftig leben, wohnen und arbeiten?“ mit dem Ziel, Zukunftsthemen greif-, erleb- und präsentierbar darzustellen. Die Antwort sucht die IGA in der Gestaltung von Grünflächen: Das reicht von Parks für Erholung und Freizeit bis zum Mitgestalten (Urban Gardening, Schul- und Gemeinschaftsgärten). Der Grüngürtel soll so zum intensiv genutzten Nachbarschaftspark werden. Auf dem eigentlichen (kostenpflichtig) IGA-Ausstellungsgelände präsentieren zudem Garten- und Landschaftsbaubetriebe Themen- und Mustergärten.

 

Eingangsbereich zum Rheinpark. Entwurf: wbp Landschaftsarchitekten.

Für die freiraumplanerischen Aspekte der Internationalen Gartenausstellung (IGA) gab es einen Wettbewerb, zu dem in Duisburg eine Jury nach 14-stündiger Sitzung die Sieger kürte. Die Ergebnisse stellte der Regionalverband Rheinland (RVR) zusammen mit der Stadt Duisburg und der IGA gGmbH vor. Neben Regionaldirektorin Karola Geiß-Netthöfel, Stadtentwicklungsdezernent Martin Linne und IGA-Geschäftsführer Dipl.-Ing. Horst Fischer, Projektleiter der IGA Metropole Ruhr 2027, gaben auch die Preisträger im Online-Pressegespräch Auskunft über Konzepte und Intentionen. Aus landschaftsplanerischer Sicht sei der Wettbewerb ein Highlight gewesen, hob der Projektleiter hervor. „Vierzehn Planungsbüros aus Deutschland und Europa haben uns hochwertige Ideen im Umgang mit den künftigen gesellschaftlichen Herausforderungen wie Klimawandel, Biodiversität und kulturelles Miteinander präsentiert“, erzählte RVR-Direktorin Geiß-Netthöfel. „Aufgabe war die Gestaltung des Rheinparks und die Anbindung an Randgebiete bis hin zur Innenstadt. Dazu galt es, eine Parkanlage zu entwickeln, die Besucher von nah und fern anlockt“, so Martin Linne.

 

Der Grüne Ring. Entwurf: wbp Landschaftsarchitekten.

Der Grüne Ring ist als Grünanlage schon vorhanden, wird allerdings entsprechend des umzusetzenden Konzepts weiter entwickelt und umgestaltet. Beim Rheinpark sind die beiden ersten Bauabschnitte 2009 und 2020 fertig gestellt worden. Der dritte Bauabschnitt wird nun in Angriff genommen und soll bis 2025 fertig sein, der Grüne Ring in seiner neuen Ausprägung 2026. Dazu kommt die Umgestaltung des (bislang gewerblich genutzten) Kultushafens als Raum zur Freizeitgestaltung. „Jetzt müssen die Konzepte konkretisiert und durchgeplant werden“, erklärte Horst Fischer das Prozedere. Planung sei das eine, Realisierung ganz was anderes. „Nichts wird so gebaut, wie es auf dem Papier steht. Duisburger können sich immer noch einbringen“, versicherte der Stadtentwicklungsdezernent. Und: „Das werden intensive fünf Jahre.“ Am 15. April 2027 soll die Eröffnung sein. Frühere Ideen, auch das Rheinvorland in Hochemmerich und Friemersheim mit einzubeziehen, fanden sich in den Entwürfen nicht wieder und scheinen somit vom Tisch zu sein.

 

 
IGA Metropole Ruhr 2027 präsentiert eine ganze Region

Neugestaltung des Kultushafens. Entwurf: wbp Landschaftsarchitekten.

Das Bochumer Büro wbp Landschaftsarchitekten GmbH landete bei der Jury auf dem ersten Platz. Zum zweiten und dritten Preisträger kürten sie den Landschaftsarchitekten Rehwaldt aus Dresden und das Büro A24 Landschaft aus Berlin. Anerkennungspreise erhielten die Büros bbzl böhm benfer zahiri landschaften städtebau (sie haben den Zechenpark zur Landesgartenschau 2020 in Kamp-Lintfort gestaltet) sowie hutterreimann Landschaftsarchitektur GmbH (beide aus Berlin), scape Landschaftsarchitekten GmbH (Düsseldorf) sowie Treibhaus Landschaftsarchitektur (Hamburg). Der nächste Schritt ist nun das Vergabeverfahren, in das die drei Preisträger einbezogen werden. Erst im Sommer wird feststehen, welcher der drei Entwürfe letztendlich umgesetzt wird. Ab Anfang Mai sind alle Arbeiten im virtuellen Raum ausgestellt unter www.duisburg.de/iga2027.

 

Ideen. Entwurf: wbp Landschaftsarchitekten.

Den Rahmen der IGA Metropole Ruhr 2027 bilden drei eintrittspflichtigen Zukunftsgärten Duisburg, Gelsenkirchen und Dortmund sowie die Zukunftsgärten in Bergkamen / Lünen und „Emscherland“ im Kreis Recklinghausen. Die IGA Metropole Ruhr 2027 wird die erste dezentrale Internationale Gartenausstellung. Organisiert wird die Gartenausstellung von der IGA Metropole Ruhr 2027 gGmbH als Durchführungsgesellschaft, dem Regionalverband Ruhr als Regionalinstitution für die Metropole Ruhr sowie den Kommunen als Projektträger. Eine enge Kooperation besteht mit dem Land Nordrhein-Westfalen, Emschergenossenschaft/Lippeverband und vielen weiteren Partnern. Namensgeber ist die Deutsche Bundesgartenschaugesellschaft mbH.

 

 
IGA 2027 und die IGA Metropole Ruhr 2027 gGmbH

Die Ausstellungsfläche Rheinpark. Entwurf: wbp Landschaftsarchitekten.

Die IGA Metropole Ruhr 2027 ist ein regionales Dekadenprojekt und Laborraum für die nachhaltige Städte-Landschaft der Zukunft mit überregionaler Ausstrahlung, an der sich viele Kommunen, Vereine und Initiativen beteiligen. Fünf Zukunftsgärten bilden die internationalen Schauräume der IGA 2027. Duisburg, Gelsenkirchen und Dortmund zeigen zudem umfangreiche Blumenschauen.
Siehe auch www.iga2027.ruhr.

Getragen wird die Internationale Gartenausstellung Metropole Ruhr vom RVR, von den Kommunen und Kreisen der Metropole Ruhr, der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft mbH, der Ruhr Tourismus GmbH sowie zahlreichen weiteren beteiligten und interessierten Institutionen wie Emschergenossenschaft, LWL und LVR, Gartenbauverbänden, Landwirtschaftskammer oder Kleingartenverbänden.

Gesellschafter der IGA Metropole Ruhr 2027 gGmbH als Durchführungsgesellschaft sind neben dem Regionalverband Ruhr (50,2 Prozent) die Deutsche Bundesgartenschau-Gesellschaft (13 Prozent), die Städte der Zukunftsstandorte Dortmund (13,1 Prozent), Duisburg (10,7 Prozent), Gelsenkirchen (5,9 Prozent), Bergkamen (1,4 Prozent), Lünen (1,4 Prozent) und der Kreis Recklinghausen (4,3 Prozent).

Informationen zu den Standorten der IGA2027

 
© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: wbp Landschaftsarchitekten (Visualisierung)

 

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Emscherkunstweg reicht jetzt bis in den Landschaftspark Duisburg-Nord

Die „Neustadt“ als Blickfang am Grünen Pfad weckt Erinnerungen
Von Petra Grünendahl

Von links: Kuratorin Britta Peters mit den Künstlern Marta Dyachenko und Julius von Bismarck vor dem Goliath, vorne das Freizeit- und
Allwetterbad Schwerte. Foto: Daniel Sadrowski.

„Miniaturstädte werden üblicherweise als ‚best of’ einer Region oder Stadt gebaut. Wir sind mit einem anderen Anspruch an unser Werk gegangen“, erklärte der in Berlin lebende Künstler Julius von Bismarck (*1983). Aus Stahl, Beton, Edelstahl und Aluminium, mit Fensterverzierungen, Wandreliefs, unzähligen kleinen Fensterscheiben aus Acrylglas äußerst ausgefeilt umgesetzt, bringen die Bauten Gewichte von 350 Kilogramm bis 6,6 Tonnen auf die Waage.

Julius von Bismarck und Marta Dyachenko vor den City Wohnturm Bergkamen, vorne das Gammel-Wohnhaus Hamm. Foto: Daniel Sadrowski.

Von Bismarck hat in Zusammenarbeit mit der Architektin und Künstlerin Marta Dyachenko (*1990 in Kiew/Ukraine) jeden Bau in der „Neustadt“ eigenständig und eine Skulptur für sich konzipiert. Auf einer Grünfläche am Fahrradweg „Grüner Pfad“ zwischen Alter Emscher und A42 sind zwei Straßenzüge entstanden, an denen Nachbauten von abgerissenen Gebäuden aus dem Ruhrgebiet eine fiktive Stadt, die „Neustadt“, bilden. Wichtig war den Künstlern nicht der originalgetreue Nachbau, sondern dass die Bauten ihrem gealterten Zustand beim Abriss entsprechen: Vom Leben gezeichnet stehen sie für ihre Zeit im Ruhrgebiet.

Von links: Volkshochschule Essen, Citywohnturm Bergkamen, Gammel-Wohnhaus Hamm und Kirche St. Joseph Essen. Foto: Julius von Bismarck.

Von 1904 bis in die Mitte der 1970er-Jahre entstammen die Originale, die Stück für Stück seit 2006 abgerissen worden waren. „Hier wurde Geschichte wird aus dem Stadtbild getilgt“, erklärte Kuratorin Britta Peters, künstlerische Leiterin der Urbane Künste Ruhr. „Das waren politische Entscheidungen.“

 
 
 

Gruppenbild (von links): Prof. Dr. Uli Paetzel, Marta Dyachenko, Britta Peters, Dr. Vera Battis-Reese, Julius von Bismarck und Karola Geiß-Netthöfel. Foto: Daniel Sadrowski.

Die „Neustadt“ ist das mittlerweile 19. Kunstwerk entlang des Emscherkunstwegs, der von der Emscherquelle in Holzwickede bis zur Mündung in den Rhein führt. Das erste Kunstwerk auf Duisburger Boden stellten Karola Geiß-Netthöfel (Regionaldirektorin Regionalverband Ruhr RVR), Prof. Dr. Uli Paetzel (Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft) und Dr. Vera Battis-Reese (Geschäftsführerin Kultur Ruhr GmbH) zusammen mit den Künstlern Julius von Bismarck und Marta Dyachenko sowie Kuratorin Britta Peters online vor.

Vorne die Volkshochschule Essen, hinten Citywohnturm Bergkamen, rechts die Kirche St. Joseph Essen. Foto: Julius von Bismarck.

Die Auswahl der Gebäudetypen und Bauaufgaben folgte keinem strengen System, sondern ästhetischen, skulpturalen Kritierien und dem Wunsch der Künstler, einen Querschnitt des lokalen Städtebaus aufzuzeigen. So steht neben einem Essener Mietshaus aus der Gründerzeit der Wohnkomplex einer einstigen Modellsiedlung von 1965 oder die Wohnanlage „Goliath“ (beide aus Marl). In der Nachbarschaft der „Neustadt“ erzählen weitere Wohneinheiten im Plattenbaustil von der Sozialgeschichte der 1960er- und 1970er Jahre. Schulen, Kirchen und Schwimmbäder komplettieren das Bild. Aus Duisburg stammen der Hochbunker vom Hochfelder Markt (Abriss 2016) und die Pauluskirche in Marxloh (Abriss 2014). Die Auswahl lässt natürlich auch Fragen zum Denkmalschutz aufkommen, gehörten manche Gebäude doch einst zu den Ikonen der modernen Architektur der Nachkriegszeit. Vielen Bauten ist gemein, dass sie auf eine lange „Leidensgeschichte“ zurückblicken können: Oftmals verfielen die Architekturen, weil von den Verantwortlichen eine Nutzung, Umnutzung oder Sanierung nicht errungen werden konnte. Die „Neustadt“ eröffnet eine Erinnerungsmaschine, die über das privat Erlebte hinausgeht.

 

Von links: Volkshochschule Essen, Citywohnturm Bergkamen, Gammel-Wohnhaus Hamm und Kirche St. Joseph Essen. Foto: Daniel Sadrowski.

Die Arbeit provoziert Fragen zur Entwicklung des urbanen Raums: Warum wurde dieses Gebäude abgerissen? Wer entscheidet, ob eine Architektur erhaltenswert ist? Aus ökologischer Sicht würde man manches vielleicht heute anders sehen, denn im Beton steckt viel Energie: „Wenn man abreißt, muss man überlegen, ob es verantwortungsvoll ist“, meinte Julius von Bismarck. Offensichtlich spielen ökonomische Aspekte eine große Rolle: Wer kennt nicht das Argument, neu zu bauen sei billiger als eine Sanierung? Weniger bekannt ist, dass die Bau- und Gebäudewirtschaft mittlerweile 38 Prozent der globalen CO2-Emission verursacht. Besonders nachhaltig ist ein Abriss jedenfalls nicht. Ökologische Fragen sind von Bismarck und Dyachenko wichtig: Wie gelingt nachhaltiges Bauen oder eine sinnvolle Stadtplanung, die dauerhaft oder flexibel funktioniert?

[Diese Thematik haben wir kürzlich aus einem anderen Blickwinkel aufgegriffen: siehe auch hier …]

 

 
Die „Neustadt“ in der Metropole Ruhr

Vorne links die Weißen Riesen Kamp-Lintfort, hinten der schwarze Goliath Marl, rechts davor der ein weiterer Wohnkomplex aus Marl. Foto: Daniel Sadrowski.

Entstanden ist die „Neustadt“ im Playmobil-Format von 1:25 in Berlin. Per Binnenschiff kamen die bislang 22 Gebäudekomplexe über den Mittellandkanal, den Dortmund-Ems-Kanal und den Rhein-Herne-Kanal nach Duisburg. Das Kraftwerk Gustav Knepper aus Dortmund (Sprengung im Februar 2019) soll noch folgen und seinen Platz in Duisburg finden. Finanziert wird die die großflächige Installation, die den Emscherkunstweg nun dauerhaft bereichert, vom Land NRW. Die 54. Stadt der Metropole Ruhr, wie die RVR-Direktorin das Werk bezeichnete, ist ab dem 1. Mai auf einem ca. 1.850 Quadratmeter großen Gelände am Rande des Landschaftsparks Duisburg-Nord für Besucher öffentlich zugänglich. Das Areal liegt direkt am Grünen Pfad in etwa dort, wo dieser auf die Emscherpromenade trifft (Karte siehe unten).

Stadt-Miniatur „lebt“ am Emscherkunstweg

Per Binnenschiff gelangten die Bauten der Neustadt zum Landschaftspark Duisburg-Nord. Foto: Studio Bismarck.

Für Julius von Bismarck und Marta Dyachenko sind die ehemaligen realen Gebäude „Beton gewordene Visionen“, die jetzt in der „Stadt einer nicht eingetroffenen Zukunft“ wiederauferstehen. Mit der Zeit wird die vorhandene Vegetation die fiktive Stadt einbetten und ihre Maßstäblichkeit verschieben: Sträucher und Pflanzen können wie Bäume wirken. Andere Häuser bleiben selbst in der vielfachen Verkleinerung noch übermenschlich groß. Nicht zuletzt besitzt die neue Stadt aus „alten Häusern“ eine große Aufenthaltsqualität und verführt dazu, über die Entwicklung der eigenen unmittelbaren Umgebung nachzudenken.

Per Binnenschiff gelangten die Bauten der Neustadt zum Landschaftspark Duisburg-Nord. Foto: Heinrich Holtgreve.

Der Emscherkunstweg wird getragen von den Kooperationspartnern Urbane Künste Ruhr, Emschergenossenschaft und Regionalverband Ruhr. Er steht unter der Schirmherrschaft von Isabel Pfeiffer-Poensgen, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen. Der Skulpturenweg ist aus dem temporären Ausstellungsformat Emscherkunst hervorgegangen, das seit 2010 den Umbau des Emscher-Systems durch die Emschergenossenschaft begleitet hat. Ziel ist es, eine permanente Sammlung herausragender künstlerischer Arbeiten im öffentlichen Raum aufzubauen.

Hier geht es zu unserer Fotostrecke …

Hier ist der Link zum Standort bei Google Maps (Karteausschnitt unten) fürs Navi:
https://www.google.com/maps/place/51%C2%B029’04.1%22N+6%C2%B047’29.0%22E/@51.48447,6.7892113,17z/data=!3m1!4b1!4m5!3m4!1s0x0:0x0!8m2!3d51.48447!4d6.7914

Lage der Neustadt am Rande des Landschaftsparks Duisburg-Nord. Karte: Google Maps.

 
© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Daniel Sadrowski (5), Julius von Bismarck (2), Studio Bismarck (1), Heinrich Holtgreve (1), Karte: Google Maps

 

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Deutsche Oper am Rhein stellte Projekt „UFO – Junge Oper Urban“ vor

Die Oper sucht den Weg zu Kindern und ihren Themen
Von Petra Grünendahl

Der Klangkörper des UFO. Skizze: raumlabor berlin.

„Wir wollen jetzt auch auf jüngere Kinder zugehen: Sie abholen und ihr Verständnis fürs Musiktheater wecken“, erklärte Anna-Mareike Vohn, Leiterin der Jungen Oper am Rhein, die Zielsetzung von UFO. „UFO – Junge Oper Urban“ ist ein neues Projekt der Deutschen Oper am Rhein für die Spielzeiten 2021/22 und 2022/23. „Kinder sollen die Oper als unmittelbaren Teil ihrer Lebenswirklichkeit kennen lernen“, so Rheinopern- Chefdramaturgin Anna Melcher. UFO solle Themen der Kinder in den Blick nehmen und die Oper als experimentelles Musiktheater zu einem jungen Publikum bringen. Zielgruppen sind die Altersklassen 4+, 8+ und 12+, was vom Kindergarten bis in die Schule reicht. Das UFO ist mobil und wird in den nächsten drei Jahren an acht Standorten in Duisburg und Düsseldorf Station machen, wo Kinder sich in die Entwicklung von Bühnenstücken einbringen können. Das UFO möchte als mobiles Klanglabor und Spielstätte mit Impulsen aus dem Leben und Erleben der Kinder ein Musiktheater-Repertoire entwickeln. Umgesetzt und auf eine Bühne im Klassenzimmerformat gebracht wird das Ganze dann professionell durch Sänger und Tänzer der Deutschen Oper am Rhein sowie Musiker der beiden Musikensemble Duisburger Philharmoniker und Düsseldorfer Symphoniker. Im UFO begegnen den Kindern Komponisten, Librettisten, Regieteams und Bühnenkünstler, die mobile Spielformate entwickeln und aufführen. Ausgelegt sind die mobilen Klangstätten auf ca. 30 Besucher pro Aufführung.

 

Christoph Meyer, Generalintendant der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg. Foto: Screenshot.

Die Deutsche Oper am Rhein stellte das Projekt in einem Online-Pressegespräch vor. Neben dem Generalintendanten Prof. Christoph Meyer, Anne Melcher und Anna-Mareike Vohn standen Michaela Dicu und Immanuel de Gilde (beide Projektteam „UFO – Junge Oper Urban“), Jan Liesegang (raumlabor berlin als Entwickler der mobilen Klangstätte) sowie Dr. Christian Esch, Direktor NRW KULTURsekretariat Wuppertal, Rede und Antwort. Die Aufführungen von UFO begleitet die Junge Oper am Rhein mit einem umfangreichen Vermittlungsprogramm, das den Ideen der Kinder Raum geben möchte. Bei seinen Erkundungen im Stadtteil wird das UFO zudem von lokalen Institutionen wie Jugendzentren, Schulen und Universitäten unterstützt. Die Junge Oper am Rhein ist quasi die „Nachwuchsförderung“ der Deutsche Oper am Rhein, die sich speziell an eine junges bis jüngeres Publikum wendet. „Wir wollen hier nicht die Jugend- oder Kinderoper auf der großen Bühnen ersetzen, sondern ergänzen“, so Christoph Meyer, den sein besonderes Engagement in diesem Bereich seit seinem Amtsantritt auszeichnet. Gefördert wird das Projekt in Rahmen des Neue-Wege-Programms vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen in Zusammenarbeit mit dem NRW KULTURsekretariat Wuppertal.

 

 
Urbanes Klangtheater dicht am Publikum

Der Klangkörper des UFO. Skizze: raumlabor berlin.

Seine erste Station schlägt das UFO am Kuhtor in der Duisburger Innenstadt auf: Ab September 2021 erarbeitet hier das Klangkunst-Duo Merzouga (Eva Pöpplein und Janko Hanushevsky) gemeinsam mit der Kinderbuchautorin Nikola Huppertz und der Regisseurin Kerstin Steeb ein Musiktheaterstück für Kinder ab 6 Jahren, das den Arbeitstitel „Die unbedingten Dinge“ trägt und am 1. Oktober 2021 Premiere (Uraufführung) haben soll. Es wird die Geschichte zweier Freunde erzählen, die in dringender Mission durch die Zeit reisen. Im Januar 2022 landet das UFO am Anne-Frank-Haus, einem Jugendzentrum im Düsseldorfer Stadtteil Garath. Dort wird der für seine Kindertheaterstücke mehrfach ausgezeichnete Belgier Jan Sobrie (Libretto und Inszenierung) zusammen mit der Komponistin Misha Cvijovic ein neues Stück für Kinder ab 8 Jahren entwickeln – Arbeitstitel: „Als wir nicht mehr wussten, wer wir waren“. Es erzählt von einer großen Freundschaft und den gemeinsamen Traumwelten einer ehemaligen, mittlerweile an Demenz erkrankten Opernsängerin und einem Kind. Die Uraufführung ist für den 17. Februar 2022 geplant.

Junge Oper Urban: Die Stationen von UFO. Kartenmaterial: Google Maps.

Alle zwei bis drei Monate schlägt die Junge Oper Urban an einem anderen Ort auf – im April 2022 in Duisburg-Bruckhausen (am Kulturbunker), im Juni 2022 im Glasmacherviertel in Düsseldorf-Gerresheim, im Oktober 2022 in Ruhrort/Laar (am Eisenbahnhafen), im Dezember 2022 im WGZ-Bank-Park in Düsseldorf-Oberbilk, im März 2023 in der Duisburger Altstadt (Innenhafen) und schließlich im Juni 2023 in Düsseldorf-Golzheim, direkt am Rhein. Die erarbeiteten Stücke sollen dann jeweils an der nächsten Station des UFOs zu sehen sein, damit sie in beiden Städten auf die Bühne kommen.

 

 
Ein Trailer zum Projekt
… wird nachgereicht, sobald er veröffentlicht ist.

 
UFO – Junge Oper Urban

Der Klangkörper des UFO. Skizze: raumlabor berlin.

In enger Zusammenarbeit mit der Jungen Oper am Rhein wird „UFO – Junge Oper Urban“ über insgesamt drei Jahre neue Wege beschreiten, bestehende Kooperationen in den beiden Städten vertiefen und neue Bande mit Schulen und Kindergärten, aber auch sozialen Einrichtungen knüpfen. Organisiert wird das Projekt von Michaela Dicu, die zusammen mit Immanuel de Gildeund der Dramaturgie der Deutschen Oper am Rhein die Ideen für das Mobile Klanglabor entwickelt und umsetzt. Aktuelle Informationen zum UFO – Junge Oper Urban sind auf der Website www.operamrhein.de hinterlegt.

 
© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: raumlabor berlin (Skizzen), Google Maps (Karten), Screenshot

 

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Drees & Sommer: Nachhaltiges und innovatives Bauen

Wenn Gebäude zu Rohstsoff-Depots und recycling-fähig werden
Von Petra Grünendahl

Mehrfach ausgezeichnet: Das neue Verwaltungsgebäude der RAG im Welterbe Zeche Zollverein wurde nach den neuesten Nachhaltigkeitsstandards geplant und gebaut. Foto: Petra Grünendahl.

Das neue Verwaltungsgebäude der RAG Aktiengesellschaft in Essen orientiert sich an modernsten Nachhaltigkeits-Standards. Das zweigeschossige Gebäude in L-Form entstand auf einer sanierten Teilfläche des ehemaligen Kokereigeländes der Zeche Zollverein. Zu den Besonderheiten zählt neben den begrünten Innenhöfen die begrünte Dachlandschaft: eine Grün-Oase mit Aufenthaltsqualität, deren Photovoltaik-Anlagen nicht nur Strom produzieren, sondern teilweise als Pergola auch Schatten spenden. Technik-Aggregate sind größtenteils in der Peripherie untergebracht statt konventionell auf dem Dach. Ein Wohlfühlraum für Mitarbeiter: „Das ist das wichtigste Merkmal der Immobilie – und das teuerste“, erklärte Diplom-Ingenieur Frank Kamping, Geschäftsführer der Kölner Niederlassung von Drees & Sommer. Man kommt von der Gebäudefront wie über eine Gartentreppe auf das Dach: Dieser Aufgang ist allerdings Mitarbeitern von RAG und RAG-Stiftung vorbehalten.

 

Diplom-Ingenieur Frank Kamping, Geschäftsführer der Kölner Niederlassung von Drees & Sommer. Foto: Petra Grünendahl.

„Prof. Dr. Hans-Peter Noll, damals Geschäftsführer der RAG Montan Immobilien, wollte 2015 für die RAG das nachhaltigste Gebäude auf dem ehemaligen Zechengelände bauen“, erzählte Frank Kamping. „Von der ersten Idee an waren wir mit an Bord. Für den Projektentwickler Kölbl Kruse haben wir dann als Generalfachplaner mit dem Aachener Architekturbüro kadawittfeld den Neubau auf dem Areal der Zeche Zollverein in Essen realisiert.“ Eingezogen sind 2018 die RAG-Stiftung und die RAG Aktiengesellschaft mit rund 200 Mitarbeitern, Bauherr war die RAG Montan Immobilien GmbH, die seit 2012 auf dem Nachbargrundstück ihren Sitz hat. Eingebunden hat Frank Kamping schon früh das Umweltinstitut EPEA (Environmental Protection Encouragement Agency), eine Tochter-Gesellschaft von Drees & Sommer, die sich mit rezirkulierbarem* Bauen und dem „Cradle to Cradle“-Designprinzip (C2C)** beschäftigt. „Wir haben die RAG-Leute dafür begeistern können, das Gebäude so zu bauen, dass es demontiert und rezirkuliert werden kann.“ Im vergangenen Jahr zeichneten Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt das nachhaltige und innovative Projekt mit einem Sonderpreis des Bundespreises für Umwelt & Bauen aus. Außerdem wurde das Gebäude mit dem Essener Architekturpreis 2020 geehrt.

 

Mehrfach ausgezeichnet: Das neue Verwaltungsgebäude der RAG im Welterbe Zeche Zollverein wurde nach den neuesten Nachhaltigkeitsstandards geplant und gebaut. Foto: Petra Grünendahl.

Das eigenständig gestaltete Gebäude fügt sich in Bauform und Fassade gut in das denkmalgeschützte Ensemble des Welterbes ein. „Das Design haben die Architekten gemacht, wir haben uns um alle Ingenieursdienstleistungen gekümmert“, so Frank Kamping. Das umfasste die ganze Generalfachplanung von der Tragfähigkeitsplanung über Haustechnikplanung und Geothermie (die mit CO2-Bepreisung auch wirtschaftlich immer interessanter wird) bis hin zur „Cradle to Cradle“-Zertifizierung (C2C)**. Das C2C-Designprinzip beschreibt eine besondere Qualität der eingesetzten Materialien: Alle Baustoffen können nach ihrer Nutzung entweder wiederverwertet oder recycelt werden. „Wenn man Nachhaltigkeit und Bewertung von Baustoffen, Lebenszykluskosten, Betriebskosten und Alternativ-/Variantenbewertungen berücksichtigen will, muss man großen Einfluss auf das Planungsgeschehen haben“, erklärte der Planer die umfassende Beteiligung seiner Gesellschaft am Bau. Das Gebäude erhielt von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) das Prädikat „Platin“ für die höchste Stufe der Nachhaltigkeit.

 

 
„the blue way“ vereint Ökologie und Ökonomie

Auf die begrünte Dachlandschaft des neuen RAG-Verwaltungsgebäude kommen nur Mitarbeiter. Foto: Petra Grünendahl.

Drees & Sommer verbindet mit seiner ganzheitlichen Entwicklungs-Philosophie „the blue way“ Ökologie und Nachhaltigkeit mit Wirtschaftlichkeit. Investitions- und Betriebskosten, Funktionalität und Prozessqualität sind in der Projektplanung ebenso berücksichtigt wie Gestaltung, Gesundheit, Behaglichkeit und Nutzerzufriedenheit. Nur damit lasse sich die Wertschöpfung für einen Auftraggeber über den gesamten Immobilien-Lebenszyklus sichern, so die Devise.

 

Die Alu-Fassade ist rezirklierbar: Das neue Verwaltungsgebäude der RAG im Welterbe Zeche Zollverein wurde nach den neuesten Nachhaltigkeitsstandards geplant und gebaut. Foto: Petra Grünendahl.

Auf eine elektrische Klima-/Lüftungsanlage beim RAG-Neubau konnte weitgehend verzichtet werden: „Man braucht sie nicht, weil wir gesunde Baustoffe haben, die für ein gutes Klima sorgen.“ Holz (Eichenparkett) und Teppichböden, die Feinstaub absorbieren, thermoaktive Betondecken und eine geothermische Heizwärmeversorgung erhöhen Behaglichkeit und Nutzerzufriedenheit. Die Bürogestaltung reicht von Einzel- bis hin zu Großraumbüros mit Glastrennwänden. „Heute würden wir mit Recycling-Beton bauen, der mit seiner Beimischung großes Potenzial hat“, erklärte Frank Kamping. „Der war damals in der benötigten Menge noch nicht lieferbar, aber die Entwicklung geht da sehr stark voran.“ Beispielhaft ist auch die Fassade aus lackierten Aluminium-Profilen von der Firma Schüco, die demontiert und rezirkuliert werden können.

 

 
„Cradle to Cradle“ sichert Materialkreislauf und Recycling-Fähigkeit

Mehrfach ausgezeichnet: Das neue Verwaltungsgebäude der RAG im Welterbe Zeche Zollverein wurde nach den neuesten Nachhaltigkeitsstandards geplant und gebaut. Foto: Petra Grünendahl.

Das Gebäude hat als eines der ersten einen so genannten „Material Passport“, einen Materialpass, der darüber Auskunft gibt, welche Stoffe in welcher Qualität und Menge dort verbaut wurden. Bei einem Rückbau haben diese Materialen dann auch einen Marktpreis. Und man kann sie nicht nur recyceln, sondern vollwertig für neue Dinge verwenden. „Das ist ein kartografiertes System von Rohstoffen, die einem Materialkreislauf zugeführt werden können“, erklärte der Diplom-Ingenieur. „Das ist quasi ein Gebäude als Rohstoff-Depot, als Energie-Depot und letztendlich als gesundes Gebäude für Menschen“, so Kamping zu den maßgeblichen Eigenschaften.

 

Das überdachte Parkdeck der RAG-Verwaltung ist begrünt und begehbar. Foto: Petra Grünendahl.

Mittlerweile würde man auch sehr viel mehr mit Holz bauen, erzählte er: Mit einem Betonkern für den Aufzug und die Statik. „Die Geschossdecken und auch die Fassaden kann man dann sehr schön mit Holz bauen als Holz-Hybridgebäude. Holz ist ein sehr angenehmer Baustoff, den braucht man nicht verkleiden: Der ist fertig.“ Wenn Holz abgelagert sei, biete es eine tolle Haptik, gutes Aussehen und einen angenehmen Geruch. Ein weiterer Vorteile von Holz als Baustoff: Er trägt, bleibt aber dabei elastisch. Wie zum Beispiel auch Stahl, aber im Gegensatz zu Beton, der porös ist. „Das ist etwas, was wir in der Beratung und in der Planung sehr stark kommen sehen“, argumentierte der Planer: Holzelemente könne man modular anwenden, sehr gut zuschneiden, vorfertigen – und sie später wieder auseinander bauen. „Holz ist ein sehr flexibler Baustoff, den man auch nachträglich einbauen oder Einbauten verändern kann.“ Mittlerweile wird Holz auch aus Aspekten des Brandschutzes ganz anders gesehen: Mit wenig Sauerstoffanteilen brennt Holz nicht gut. Das heißt auch: Holz stellt kein höheres Risiko dar, was sich so langsam auch in den Landesbauordnungen nieder schlägt. „Holz ist ein zäher, aber elastischer Baustoff, der dem Bauen entgegen kommt.“

 

Auf die begrünte Dachlandschaft des neuen RAG-Verwaltungsgebäude kommen nur Mitarbeiter. Foto: Petra Grünendahl.

Eine weitere Tendenz im Neubau von Immobilien sieht Frank Kamping im modularen Bauen mit BIM (Building Information Modeling), einer Arbeitsmethode der vernetzten Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Bauwerken mithilfe von Software. „Modellbasiert das Gebäude digital vorzudenken, zu entwickeln und zu optimieren – und es dann später real zu bauen: Das sind Elemente, die uns auch qualitativ weiter bringen“, sagte der Experte. Höhere Berater- und Planerkosten fielen hier zwar an, beeinflussten aber letztendlich Millionenbeträge, die man im Bau und über den Lebenszyklus des Gebäudes einsparen könne. Eigennutzer könnten dieser Rechnung oft schneller folgen als Projektentwickler, die dabei nicht direkt profitierten. Seit immer mehr institutionelle Anleger Immobilien mit Nachhaltigkeitszertifizierung kauften, ändere sich das: „Wir denken auch, dass sich die Immobilienbewertung dahin wendet und wenden muss, ‚Cradle to Cradle’-Immobilien, die einen Rohstoffanteil im Gebäude haben, den man später wieder heben kann, höher zu bewerten.“

 

 
Nachhaltiges Bauen wird auch im Wohnungsbau interessant

Auf die begrünte Dachlandschaft des neuen RAG-Verwaltungsgebäude kommen nur Mitarbeiter. Foto: Petra Grünendahl.

Der Energieverbrauch in Gebäuden ist immer weiter runter gegangen über die Jahre: „Da sind wir Weltmeister!“ so Kamping. „Wir machen die Dinge immer effizienter, müssen jetzt aber sehen, dass wir Immobilien – auch Wohngebäude – rezirkulierbar* machen. Und mit den niedrigen Zinsen steige besonders das Interesse von Investoren an Wohnimmobilien. Hier könne man die Ansätze des nachhaltigen Bauens mit modernsten Anforderungen anbringen und transferieren: In neuer Gestaltung mit regenerativen Energien und rezirkulierbaren Materialien. Und immer mehr auch namhafte Architekturbüros hätten mittlerweile Interesse an der Gestaltung von Wohnimmobilien. „All das hält langsam massiv Einzug und das lässt die Qualität der Wohnungen, egal ob Sozialwohnung oder Eigentum, massiv ansteigen: Wohnungen werden lebenswerter.“

 

Mehrfach ausgezeichnet: Das neue Verwaltungsgebäude der RAG im Welterbe Zeche Zollverein wurde nach den neuesten Nachhaltigkeitsstandards geplant und gebaut. Foto: Petra Grünendahl.

„Nachhaltig zu bauen steht nicht im Widerspruch dazu, das Bauen schneller zu machen“, erklärte Frank Kamping. Mit Modularbauweise und vorfertigten Teilen zum Beispiel aus Holz oder Aluminium, die ausgelegt sind auf Flexibilität und Wiederverwendbarkeit. Entworfen für die Demontage bieten sie den Vorteil kontinuierlicher Materialkreisläufe durch Leasing- und Rücknahmeprogramme der Hersteller: „Wie wäre es, wenn der, der die Aluminiumprofile anbringt, sie in 30 Jahren wieder abbaut, recycelt und neu – nach neuesten Erkenntnissen gefertigt – wieder anbringt?“, fragte Kamping. Das gehe woanders noch viel weiter: Die Fassade werde nur geleast, also genutzt statt besessen. „Das ist nicht nur nachhaltig, sondern wird langfristig auch günstiger.“ Ziel müsse dabei auch eine Reduzierung der CO2-Emissionen im Bau sein. Der Einsatz natürlicher Baumaterialien trage bei zu einer Verbesserung der Raumluftqualität und des Wohlbefindens der Nutzer. Entscheidend für den Immobilieneigentümer seien aber auch Aspekte wie Lebenszykluskosten: Wie lange können die Bauteile halten? „Mit Pflege und Instandhaltung kann man Gebäude länger in Betrieb halten“, brachte Kamping den Zusammenhang von zielgenauen Investitionen und ihrer Wirtschaftlichkeit auf den Punkt.In den letzten Jahren wurde aber immer klarer, dass nur mit dem Neubau alleine die Optimierung des Energieverbrauchs im Gebäudebestand an Grenzen stößt: „Viele Immobilien in unseren Städten sind in die Jahre gekommen und brauchen dringend eine Sanierung. Nicht immer bietet sich schließlich ein Neubau an“, so der Immobilien-Fachmann, denn: „die alte Architektur kann reizvoll sein oder an dem Standort würde heute solch eine Immobilie nicht mehr genehmigt.“ Mehr zu diesem Thema gibt es hier …

 

 
Nachhaltiges Bauen: eine inderdisziplinäre Aufgabe

Auf die begrünte Dachlandschaft des neuen RAG-Verwaltungsgebäude kommen nur Mitarbeiter. Foto: Petra Grünendahl.

Drees & Sommer hat nachhaltiges Bauen seit den 1980er-Jahren auf dem Programm. Zunächst nur als Beratung, später wurde der Unternehmensleitung klar, dass man hier auch die Planung mit anbieten musste. „Wir sind sehr interdisziplinär aufgestellt: Architekten, Bauingenieure, Haustechniker, Elektroingenieure und spezialisierte Nachhaltigkeitsmanager arbeiten gemeinsam an zukunftsweisenden Lösungen für erfolgreiche Gebäude und lebenswerte Städte“, berichtete Frank Kamping. Für die Nachhaltigkeit von Gebäuden gibt es Zertifizierungen für Baumaterialien wie „Cradle to Cradle Certified™“ und für Gebäudesysteme nach DGNB (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen). „Cradle to Cradle“ kommt aus Amerika, von wo Mitbegründer Prof. Dr. Michael Braungart das Designprinzip nach Deutschland gebracht hat: Nicht „weniger schädlich“, sondern „aktiv gesund bauen“ heißt die Devise. Das heißt also: Materialien beim Bau zu verwenden, die aktiv zur Gesundheit beitragen und solche, die man später wieder zurückbauen und recyceln kann.

 

Diplom-Ingenieur Frank Kamping, Geschäftsführer der Kölner Niederlassung von Drees & Sommer. Foto: Petra Grünendahl.

Frank Kamping ist Diplom-Ingenieur für Versorgungstechnik (FH Münster) und hat berufsbegleitend ein Wirtschaftsingenieur-Studium absolviert. Weiter qualifiziert hat er sich noch zum Immobilienökonom (ebs) und Chartered Surveyor (MRICS). 2008 kam er zu Drees & Sommer, wo er als Experte für Generalfachplanung in Köln einstieg: TGA-Planung (Technischen Gebäudeausstattung) mit dem Fokus Gebäudetechnik, Modularität, Digitalisierung, Energiekonzepte, Bauphysik und Fassadentechnik einschließlich aller Randgebiete. Seit 2013 ist er Mitglied der Geschäftsleitung und seit 2015 Geschäftsführer für die Generalfachplanung Köln / Düsseldorf.

 
„Wir betreuen vielschichtige Projekte. Unsere Kunden wollen viele von unseren unterschiedlichen Leistungen aus Beratung, Planung und Entwicklung aus einer Hand haben.“ Das erleichtere natürlich Durchführung von Projekten. „Für große Projekte braucht man als Planer die entsprechende Maschinerie und Man-Power: Kompetente Leute, die die Pläne liefern, die Themen betreuen und das termingerecht.“ Die kann Drees & Sommer mit seinem breiten Spektrum an Standorten und entsprechend qualifizierten Mitarbeitern mit dem nötigen Know-how bieten.

 
Erfahrungen aus Großprojekten flössen natürlich auch in die Projekte ein, die man nicht öffentlichkeitswirksam in den Medien finde, bekräftigte Kamping. „Kleinere Auftraggeber bekommen dasselbe Know-how zur Verfügung gestellt wie die Großen, nur eben in einem herunter gebrochenen Maßstab.“ Auch der Wohnungsbau partizipiert heute von den Erkenntnissen und Erfahrungen aus gewerblichen Projekten.

 

 
RAG Aktiengesellschaft

Mehrfach ausgezeichnet: Das neue Verwaltungsgebäude der RAG im Welterbe Zeche Zollverein wurde nach den neuesten Nachhaltigkeitsstandards geplant und gebaut. Foto: Petra Grünendahl.

Die RAG Aktiengesellschaft wurde 1968 zur Konsolidierung der Steinkohleförderung als Ruhrkohle AG gegründet – mit Sitz in Herne. Sie verlegte 2018 ihren Sitz nach Essen auf das Gelände des UNESCO-Welterbes Zeche Zollverein. Nach dem Ende der Steinkohleförderung in Deutschland 2018 ist sie nun operativ in der Pflicht für die Ewigkeitsaufgaben wie Wasserhaltung und Grundwasserreinigung in den ehemaligen Abbaugebieten, die von der RAG-Stiftung finanziert werden. Die RAG steht damit heute für eine nachhaltige Flächenentwicklung und die Abwicklung von Bergbau-Altlasten.
www.rag.de
Die RAG Montan Immobilien GmbH kümmert sich als RAG-Tochter um Vermarktung, Nachnutzung und Revitalisierung ehemaliger Bergbau-Flächen.
www.rag-montan-immobilien.de

Hier geht es zu unserem Artikel „Drees & Sommer: Nachhaltigkeit und Optimierung im Gebäudebestand – Gebäude von heute sind die Kunden von Morgen“.

 

 
Drees & Sommer
Drees & Sommer mit Hauptsitz in Stuttgart ist ein international tätiges Unternehmen für Beratung, Planung und Projektmanagement im Bau- und Immobiliensektor. Das Unternehmen mit rund 4.000 Mitarbeitern an 46 Standorten weltweit wurde 1970 gegründet. Seit Anfang der 1980er-Jahre organisiert sich Drees & Sommer im Partnermodell mit eigenen Gesellschaften an den Standorten und für Schwerpunktbereiche bzw. Expertenteams. Die Partnergesellschaften agieren als Tochtergesellschaften unter der Holding Drees & Sommer SE (Societas Europaea), einer partnergeführten Europäischen Aktiengesellschaft. Anteilseigner der SE sind aktive und ehemalige Führungskräfte. Das macht die Drees & Sommer-Gruppe unabhängig von Dritten wie (externen) Investoren. Im Jahr 2019 generierte das Unternehmen einen Konzernumsatz von über 500 Mio. Euro mit unterschiedlichsten Dienstleistungen für 4.250 Bauprojekte weltweit. Kunden sind private und öffentliche Bauherren sowie Investoren.

 
Fünf der Standorte mit rund 300 Mitarbeitern befinden sich in Nordrhein-Westfalen: Köln, Aachen, Düsseldorf, Dortmund und Münster. „Düsseldorf hat sich aus Köln heraus entwickelt“, so Kamping, seit 2015 Geschäftsführer der Generalfachplanung in Köln / Düsseldorf, „aber wir haben festgestellt: Das sind ganz unterschiedliche Märkte: Das Büro-Segment ist in Düsseldorf viel größer, auch der Anteil der Developer ist höher als in Köln.“ Aachen lebe von der Nähe zur RWTH, erklärte Kamping. Dortmund entstand aus dem Verbund zum Ruhrgebiet und Münster ist Universitätsstadt. Der Schwerpunkt für Planung liege aber immer noch in Köln, von wo aus er mit seinem Team das RAG-Gebäude betreut habe, erzählte der Geschäftsführer. Beraten und managen sei von allen Standorten möglich. „Wir haben mittlerweile in Düsseldorf eine eigene Planungsabteilung, denn für das integrierte Planen – wir nennen es „integrated Design“ – brauchen wir spezielle Teams.“ Das bedeute dann eine Planungsmannschaft ab 25, 30 Leuten an dem jeweiligen Standort.

 
„NRW ist ein großer Standort mit Tradition. Wir sind homogen von den Gesamtstrukturen, verfügen über eine breite Kundenlandschaft von universitärer Lehre und Bildung über Immobilienbesitzer und -gesellschaften (Property Companies), Investoren oder die öffentliche Hand bis hin zum Wohnungsbau.“ Und er hob hervor: Hier – in NRW und im Ruhrgebiet – gebe es Transformationsprozesse in der Energiebranche (RWE, Eon, Inogy), die „wir begleiten möchten.“ Dazu zähle auch im Ruhrgebiet der Strukturwandel wie bei der Zeche Zollverein in Essen oder beim Phoenixsee in Dortmund: „Auch das Projekt Phoenixsee haben wir mit Entwicklungsmanagement und Infrastrukturplanung begleitet. Das ist schon ein Aushängeschild in der Größenordnung.“
www.dreso.com

*) rezirkulierbar = recycling-fähig, Kreislaufwirtschaft.
**) Cradle to Cradle (C2C) = engl. „von Wiege zu Wiege“, sinngemäß „vom Ursprung zum Ursprung“, ein Ansatz zur konsequenten Kreislaufwirtschaft.

Hier geht es zu unserem Artikel „Drees & Sommer: Nachhaltigkeit und Optimierung im Gebäudebestand – Gebäude von heute sind die Kunden von Morgen“.

 
© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 

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Drees & Sommer: Nachhaltigkeit und Optimierung im Gebäudebestand

Gebäude von heute sind die Kunden von Morgen
Von Petra Grünendahl

Bausubstanz aus den 1950er-, 1960er- oder 1970er-Jahren. Foto: Petra Grünendahl.

„Wenn Sie hier aus dem Fenster schauen: Das sind alles Sanierungsobjekte. Die Frage ist nicht ob, sondern wann“, erklärte Diplom-Ingenieur Frank Kamping, Associate Partner am Kölner Standort von Drees & Sommer. „Hier“ ist in der Kölner Innenstadt. Solche Gebäude aus den 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahren finden sich aber in jeder größeren Stadt: in Deutschland, im Ruhrgebiet und auch in Duisburg. Viele Immobilien in unseren Städten sind in die Jahre gekommen und bräuchten dringend eine Sanierung und Modernisierung.

Bausubstanz aus den 1950er-, 1960er- oder 1970er-Jahren. Foto: Petra Grünendahl.

„Es gibt zwar die eine oder andere Fassade mit einen Wärmedämmverbundsystem, aber das haben Firmen gemacht, die einfach nur Dämmstoffe verkaufen wollten“, berichtete Kamping. Diese Dämmstoffe aus den frühen Jahren der „energetischen Sanierung“ sind heute Sondermüll. Spätschäden auch an der Gebäudesubstanz seien mitunter ganz erheblich: Schimmelpilzbildung oder die Versottung* von Mauerwerken könnten auch gesundheitliche Auswirkungen haben. Für eine nachhaltige Sanierung, die letztendlich sogar Kosten spart, brauche es, so der Experte, einen konzeptionellen Ansatz, der sämtliche Prämissen von der Bausubstanz bis zum Energiebedarf berücksichtige. „Beim Bauen im Bestand erlebt man immer wieder Überraschungen, aber es macht natürlich Spaß, insbesondere historische Bauaufgaben zu begleiten“, so Kamping. Als Beispiel führte er die Generalsanierung des Polizeipräsidiums in Düsseldorf an, welches wie das Polizeipräsidium in Duisburg aus den frühen 1930er-Jahren stammt, allerdings sogar unter Denkmalschutz steht.

 

Diplom-Ingenieur Frank Kamping, Geschäftsführer der Kölner Niederlassung von Drees & Sommer. Foto: Petra Grünendahl.

Drees & Sommer berät Immobilieneigentümer und Bauherren im Gebäudemanagement sowie bei der Planung von Neubauten und Sanierung. Ziel ist der nachhaltige Neubau oder die kosteneffiziente Sanierung, die modernsten technischen und ökologischen Standards entspricht und sich durch einen wirtschaftlichen Umgang mit Ressourcen und Energie auszeichnet. Das international tätige Beratungs- und Planungsunternehmen hat nachhaltiges Bauen seit den 1980er-Jahren auf dem Programm. Zunächst nur als Beratung, aber: „Uns wurde klar, dass nur das Projekt zu managen nicht Ziel führend ist“, so der Diplom-Ingenieur. „Man muss sich mit den Gebäuden auseinander setzen und mit Simulationswerkzeugen ihren Energiebedarf zu ermitteln. Damit wir in die Inhalte von Gebäuden eingreifen konnten, übernahmen wir schließlich mehr und mehr auch die Planungsaufgaben“, beschrieb der Diplom-Ingenieur Versorgungstechnik den Aufbau von erweiterten Kompetenzen bei Drees & Sommer und die Expansionsstrategie, in diese Aufgabenbereiche hinein zu wachsen.

 

 
Die Projekte von Morgen stehen schon: Neues Leben für alten Baubestand

Das Polizeipräsidium Düsseldorf stammt aus den frühen 1930er-Jahren und steht unter Denkmalschutz. Foto: Petra Grünendahl.

Schließlich wurde vor allem die „Optimierung im Bestand“ ein ganz großes Thema, denn Fortschritte in Energie-Effizienz und Nachhaltigkeit von Immobilien lassen sich nur erzielen, wenn auch im Gebäudebestand saniert wird: „Das haben wir schon vor zehn Jahren als etwas Eigenes erkannt: Wir kriegen die Nachhaltigkeitsziele nur hin, wenn Gebäude nach und nach saniert werden.“ – „Die Neubauquote bei gewerblichen Gebäuden liegt zurzeit bei einem Prozent im Jahr: Das ist viel zu niedrig!“, so der Experte. „Wir bräuchten mindestens das Doppelte, um die Energiefresser – und das sind diese alten Gebäude bis in die 1970er-Jahre hinein – zu eliminieren: Klimaanlagen, unhygienische Luftbefeuchter, ungedämmte Fassaden und einfach verglasten Fenster kosten viel Energie.“

 

Das Polizeipräsidium Düsseldorf stammt aus den frühen 1930er-Jahren und steht unter Denkmalschutz. Foto: Petra Grünendahl.

Man könne natürlich immer überlegen: Baut man so etwas neu? Oder will man diese mitunter historische Substanz in den Städten erhalten? In der engen Bebauung der Innenstädte bieten sich Abriss und Neubau nicht immer an. An mancher Stelle würde man heute keine Baugenehmigung mehr bekommen für das, was dort schon steht (Bestandsschutz). Zumal Abriss und Neubau mehr Ressourcen und Energie benötigen als eine Revitalisierung, die auch unter diesem Gesichtspunkt deutlich nachhaltiger sein kann. Neben einer energetischen Sanierung und dem Einbau modernster Technik kann man die Gebäude auch optisch durch eine Neugestaltung der Fassaden modernisieren. „Mit diesen Maßnahmen kann man im Bestand ein neues Gebäude schaffen.“

 

Das Dreischeibenhaus neben dem Schauspielhaus in Düsseldorf wurde 1957 bis 1960 erbaut und in den Jahren 2012/2013 grundlegend saniert und revitalisiert. Foto: Petra Grünendahl.

Zu seinen Highlights an Revitalisierungen zählt Frank Kamping neben dem Polizeipräsidium auch das Dreischeibenhaus in Düsseldorf. Erbaut wurde das markante Hochhaus nach Entwürfen der Architekten HPP zwischen 1957 und 1960 für die Phoenix Rheinrohr (ab 1964 Thyssen). Als thyssenkrupp 2010 seine Hauptverwaltung im thyssenkrupp-Quartier in Essen konsolidierte, wurde das Gebäude an einen Investor verkauft. Völlig veraltet waren Klimatechnik und technische Ausstattung, so dass das denkmalgeschützte Gebäude vor einer Neuvermietung umfassend saniert und modernisiert werden musste. Zusammen mit den Architekten HPP hat Drees & Sommer die Revitalisierung geplant: „Über Machbarkeitsstudien haben wir uns überlegt: Wie kann man die Immobilienuhr in diesem Gebäuden zurück drehen? Für welche Nutzung soll es am Markt positioniert werden?“ Ziel der umfassenden und tief greifenden Revitalsierung 2012/2013 war die Nutzung durch viele unterschiedliche Mieter, die entsprechend kleinteiligere Zuschnitte von Büroflächen brauchten als der Thyssen-/thyssenkrupp-Konzern als Gesamtnutzer des Gebäudes. Heute entspricht es modernsten Standards technischer und energetischer Gebäudeausstattung, was rasch zu einer vollständigen Vermietung aller Flächen führte. Unter anderem zog Alltours 2014 vom Innenhafen weg ins Dreischeibenhaus.

 

 
Revitalisierung bietet Chance auf Neupositionierung am Markt

Das Dreischeibenhaus in Düsseldorf wurde 1957 bis 1960 erbaut und in den Jahren 2012/2013 grundlegend saniert und revitalisiert. Foto: Petra Grünendahl.

„Selbst wenn man Gebäude nur mit einer Fassaden-Dämmung energetisch sanieren will, braucht man einen gründlichen Fahrplan für Bauphysik und Energieansatz“, erklärte Frank Kamping. Das biete großes Potenzial für die angestrebte CO2-Reduzierung, werde aber meist nur auf Handwerker-Ebene gemacht statt auf einem Energiemanagement-Level mit einem ganzheitlichen Ansatz. Überwiegend den Neubauten ist es zu verdanken, dass der Energieverbrauch in Gebäuden immer weiter runter gegangen ist über die Jahre: „Da sind wir Weltmeister! Wir machen die Dinge immer effizienter, wir müssen jetzt aber auch sehen, dass wir auch Bestandsimmobilien rezirkulierbar** machen“, so der Immobilien-Experte. Es tut sich allerdings noch ein weiteres Problem auf, wenn man an Immobilien im Bestand geht: Es wurden früher massiv Schadstoffe verbaut wie Asbest, Mineralfaser oder PCB, um hier nur ein paar Beispiele zu nennen. Die gilt es zu identifizieren, auszubauen und fachgerecht zu entsorgen: Vollständig, wenn das Gebäude abgerissen soll, oder – bei einer Sanierung – alles, was nicht verkapselt ist (und damit keine Gefahr für Gebäude-Nutzer darstellt).

 

Das Dreischeibenhaus in Düsseldorf wurde 1957 bis 1960 erbaut und in den Jahren 2012/2013 grundlegend saniert und revitalisiert. Foto: Petra Grünendahl.

Viel Energie ist in bestehenden Gebäuden gebunden: In Form von Material und dem Aufwand des Baus. Dieses Gebäude weiter zu nutzen, ist nachhaltiger als Abriss und Neubau. „Dazu muss man sich aber auch anschauen: Ist die Marktpositionierung noch richtig? Ist die Immobilie unter Marktgesichtspunkten überhaupt sanierungsfähig?“, brachte der Revitalisierungs-Fachmann weitere Aspekte ins Spiel. Was damals mit niedrigen Geschosshöhen gebaut wurde, entspreche heute nicht mehr dem Standard, wo lichte Höhen gefragt sind. „Da beraten wir: Wie sind die Sanierungspotenziale? Mit welchen Budgets können wir arbeiten? Lohnt sich das überhaupt?“ Denn außer Gebäudeschadstoffen wird auch Brandschutz bei einer Sanierung zum Thema. Da müsse man überlegen: Was kann man da überhaupt noch verwerten. Oft würden solche Gebäude bis auf dem Kern zurück gebaut und wieder neu aufgebaut, erzählte Kamping. Wichtig sei auch, Architekten für die Gebäude-Gestaltung mit einzubinden: „Da werden aus der alten Grundsubstanz dann ganz neue Bauten.“

 

Bausubstanz aus den 1950er-, 1960er- oder 1970er-Jahren. Foto: Petra Grünendahl.

In vielen Fällen seien Gebäude-Nutzer die treibende Kraft für eine Sanierung: „Es zieht, die Fassade ist klapprig, die Klimaanlage funktioniert nicht mehr richtig, es fehlen Digitalisierungsmöglichkeiten“, zählte der Immobilien-Planer auf. Das mindere die Attraktivität einer Immobilie und mache Investitionen für den Eigentümer interessant.

Günstig und langlebig, aber nicht nachhaltig: Fassadenplatten aus Asbestzement. Foto: Petra Grünendahl.

„Bei Machbarkeitsstudien stellen wir dann auch fest, welche Instandhaltungsstaus dort ohnehin bestehen. Wir beraten da nicht nur Einzeleigentümer, sondern auch institutionelle Anleger, die ganze Portfolios haben, wie man am besten sanieren kann.“ Und: „Manchmal bezieht man auch die Mieter in die Revitalisierungsstrategie ein: Wir vereinbaren neuen Mietpreis, setzen aber dafür auch Sonderwünsche um.“ Vor allem eines sollten Immobilieneigentümer beachten, so Kamping: „Der Anspruch an revitalisierte Immobilien ist nicht geringer als an Neubauten. Wer da zu kurz springt, nur eine ‚Revitalisierung light’ macht, hat hinterher kein wettbewerbsfähiges Produkt gegenüber einem Neubau.“

 
Cradle to Cradle (C2C)*** macht Investition nachhaltig

Bausubstanz aus den 1950er-, 1960er- oder 1970er-Jahren. Foto: Petra Grünendahl.

Großes Thema beim „Cradle to Cradle“-Designprinzip ist die Nachhaltigkeit der bereits investierten Energie beim Bau: Beton ist in der Herstellung unheimlich energieintensiv, so dass es ein großer Gewinn ist, wenn der entkernte Rohbau eines Objektes stehen bleibt. „Und auf die Gestaltung solcher Revitalisierungsobjekte haben sich mittlerweile auch gute Architekten spezialisiert“, betonte Frank Kamping. „Uns als Drees & Sommer treibt der Gedanke einer ‚blue City’, die sich ökologisch und ökonomisch rechnet: Innovation mit bestmöglicher Rendite.“ Eine Revitalisierung könne ganze Stadtquartiere nachhaltig aufwerten.

Hier geht es zu unserem Artikel „Drees & Sommer: Nachhaltiges und innovatives Bauen – Wenn Gebäude Rohstsoff-Depots und recycling-fähig werden“.

 

 
Drees & Sommer
Drees & Sommer mit Hauptsitz in Stuttgart ist ein international tätiges Unternehmen für Beratung, Planung und Projektmanagement im Bau- und Immobiliensektor. Das Unternehmen mit rund 4.000 Mitarbeitern an 46 Standorten weltweit wurde 1970 gegründet. Seit Anfang der 1980er-Jahre organisiert sich Drees & Sommer im Partnermodell mit eigenen Gesellschaften an den Standorten und für Schwerpunktbereiche bzw. Expertenteams. Die Partnergesellschaften agieren als Tochtergesellschaften unter der Holding Drees & Sommer SE (Societas Europaea), einer partnergeführten Europäischen Aktiengesellschaft. Anteilseigner der SE sind aktive und ehemalige Führungskräfte. Das macht die Drees & Sommer-Gruppe unabhängig von Dritten wie (externen) Investoren. Im Jahr 2019 generierte das Unternehmen einen Konzernumsatz von über 500 Mio. Euro mit unterschiedlichsten Dienstleistungen für 4.250 Bauprojekte weltweit. Kunden sind private und öffentliche Bauherren sowie Investoren.

 
Fünf der Standorte mit rund 300 Mitarbeitern befinden sich in Nordrhein-Westfalen: Köln, Aachen, Düsseldorf, Dortmund und Münster. „Düsseldorf hat sich aus Köln heraus entwickelt“, so Kamping, seit 2015 Geschäftsführer der Generalfachplanung in Köln / Düsseldorf, „aber wir haben festgestellt: Das sind ganz unterschiedliche Märkte: Das Büro-Segment ist in Düsseldorf viel größer, auch der Anteil der Developer ist höher als in Köln.“ Aachen lebe von der Nähe zur RWTH, erklärte Kamping. Dortmund entstand aus dem Verbund zum Ruhrgebiet und Münster ist Universitätsstadt. Der Schwerpunkt für Planung liege aber immer noch in Köln, von wo aus er mit seinem Team das RAG-Gebäude betreut habe, erzählte der Geschäftsführer. Beraten und managen sei von allen Standorten möglich. „Wir haben mittlerweile in Düsseldorf eine eigene Planungsabteilung, denn für das integrierte Planen – wir nennen es „integrated Design“ – brauchen wir spezielle Teams.“ Das bedeute dann eine Planungsmannschaft ab 25, 30 Leuten an dem jeweiligen Standort.

 
„NRW ist ein großer Standort mit Tradition. Wir sind homogen von den Gesamtstrukturen, verfügen über eine breite Kundenlandschaft von universitärer Lehre und Bildung über Immobilienbesitzer und -gesellschaften (Property Companies), Investoren oder die öffentliche Hand bis hin zum Wohnungsbau.“ Und er hob hervor: Hier – in NRW und im Ruhrgebiet – gebe es Transformationsprozesse in der Energiebranche (RWE, Eon, Inogy), die „wir begleiten möchten.“ Dazu zähle auch im Ruhrgebiet der Strukturwandel wie bei der Zeche Zollverein in Essen oder beim Phoenixsee in Dortmund: „Auch das Projekt Phoenixsee haben wir mit Entwicklungsmanagement und Infrastrukturplanung begleitet. Das ist schon ein Aushängeschild in der Größenordnung.“
www.dreso.com

*) Versottung von Mauerwerk = Durchdringung mit Wasser, Teer und Säuren.
**) rezirkulierbar = recycling-fähig, Kreislaufwirtschaft.
***) Cradle to Cradle (C2C) = engl. „von Wiege zu Wiege“, sinngemäß „vom Ursprung zum Ursprung“, ein Ansatz zur konsequenten Kreislaufwirtschaft.

Hier geht es zu unserem Artikel „Drees & Sommer: Nachhaltiges und innovatives Bauen – Wenn Gebäude Rohstsoff-Depots und recycling-fähig werden“.

 
© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 

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Ratssitzung in Duisburg: Matthias Börger zum neuen Beigeordneter gewählt

Duisburg wird “sicherer Hafen”
Von Petra Grünendahl

Der Stadtrat wählte einstimmig: Oberbürgermeister Sören Link gratulierte dem neuen Beigeordneten Matthias Börger. Foto: Petra Grünendahl.

Zwar stand die Wahl eines neuen Beigeordneten für das Dezernat VI erst auf TOP 91 im Nachtrag zur Ratssitzung, aber traditionell werden solche Punkte natürlich vorgezogen. Nach dem einstimmigen Votum des Stadtrates konnte sich dann Matthias Börger auf seinen Amtsantritt am 1. Mai freuen. Für acht Jahre gewählt übernimmt er das Dezernat VI mit den Bereichen Umwelt und Klimaschutz, Gesundheit, Verbraucherschutz und Kultur. Der bisherige Beigeordnete Dr. Ralf Krumpholz wurde hier in seiner letzten Sitzung von Oberbürgermeister Sören Link verabschiedet.

 

Sitzung es Rates der Stadt Duisburg in der Mercatorhalle. Foto: Uwe Köppen / Stadt Duisburg.

Zur zweiten Sitzung in diesem Jahr traf sich der Rat der Stadt Duisburg in der Mercatorhalle. Die Tagesordnung war zwar über 100 Punkten lang, wurde aber ohne große Diskussionen abgearbeitet. Beschlüsse zu Vorlagen der Verwaltung waren zumeist einstimmig, teils auch mit überwältigender Mehrheit. Anträge bekamen klare Mehrheiten oder eben auch klare Ablehnung. Anfragen werden aktuell erst im Nachgang fürs Protokoll beantwortet, um die Ratssitzung in Corona-Zeiten nicht unnötig in die Länge zu ziehen. Abgesegnet wurde unter anderem die Bewerbung für das Modellprojekt Smart Cities, die Planfeststellung für die Deponie Lohmannsheide, die die Umgehung Hamborn/Walsum sowie der Flächennutzungsplan Süd mit dem Bebauungsplan Rahmerbuschfeld. Ebenso beschloss der Rat auf gemeinsamen Antrag von SPD, CDU, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke, die Duisburg zum „Sicheren Hafen“ für Geflüchtete zu machen.

 

 
Und dann war da noch: ein dotierter Sitz im Aufsichtsrat

Sitzung es Rates der Stadt Duisburg in der Mercatorhalle. Foto: Uwe Köppen / Stadt Duisburg.

Verzögerungen gab es zur Tagesordnung an sich und bei der Wahl des Aufsichtsrates für die Netze Duisburg GmbH. Diese Aufsichtsratsposten sind wohl gut dotiert im Gegensatz zu anderen politischen Gremien, denn die AfD beantragte hier eine (sehr aufwändige) geheime Abstimmung, die den Sitzungsverlauf massiv verzögerte. Ziel war, Stimmen für ihre Kandidaten von nicht öffentlich bekannten Unterstützern zu bekommen. Diese Strategie hatte die Fraktion ja bereits in der vorletzten Sitzung im Dezember erfolgreich angewandt.

 
© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (1), Uwe Köppen (2)

 

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Lesetipp: Zugänge zum Eisen – Die Geschichte des Landschaftsparks Duisburg-Nord

Heute ein Besuchermagnet: Das ehemalige Meidericher Hüttenwerk zum Anfassen
Von Petra Grünendahl

Hochofenkulisse im Landschaftspark Duisburg-Nord. Foto: Petra Grünendahl.

Schon 1758 wurde in der St.-Antony-Hütte in Oberhausen-Osterfeld (heute LVR Industriemuseum) Roheisen gewonnen. Aber erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, nachdem Koks die Holzkohle bei Roheisengewinnung ersetzte, konnte sich das Ruhrgebiet als Standort für die Eisenhüttenindustrie etablieren: In der Nähe von Steinkohlebergwerken entstanden Hütten- und Stahlwerke. Nach Errichtung eines integrierten Hüttenwerks in Bruckhausen in den 1890er-Jahren plante August Thyssen ein zweites Hochofenwerk, welches er ab 1901 in Meiderich bauen ließ. Es sollte seine Stahlwerke in Bruckhausen und Mülheim beliefern. 1912 ging der letzte der fünf in Reihe stehenden Hochöfen in Betrieb.

Hochofenkulisse im Landschaftspark Duisburg-Nord. Foto: Petra Grünendahl.

Der Fokus auf spezielle Eisensorten gab der Hütte den Beinamen „Apotheke des Ruhrgebiets“. 1985 schloss Thyssen das Hüttenwerk, um Überkapazitäten vom Markt zu nehmen. Und mit der Schließung der Hütte stellte sich die Frage: Was tun mit rostenden Stahlgiganten, Betonbunkern und einer 200 Hektar großen belasteten Industriebrache? Interessierte Bürger kämpften gegen eine Demontage und für eine Nachnutzung. Sie wollten die Identität stiftende Wirkung dieser Wahrzeichen der Industrialisierung in der Region erhalten – und kämpfen gegen den Willen vieler Lokalpolitiker schließlich erfolgreich für den Erhalt. Ihnen kam dabei zugute, dass auch die nordrhein-westfälische Landesregierung einen Ansatz zum Strukturwandel suchte, der ab 1988 geplant und umgesetzt wurde. Der Umbau zum Landschaftspark um das Industriedenkmal konnte beginnen. Seit 2000 stehen die meisten Anlagen des Hüttenwerks unter Denkmalschutz. Es ist heute Teil der Route der Industriekultur sowie der Europäischen Route der Industriekultur (ERIH).

 

Zugänge zum Eisen. Titelbild: Klartext Verlag.

Mit der Geschichte des Meidericher Hüttenwerkes bis zum Landschaftspark Duisburg-Nord, so der Untertitel, beschäftigt sich das Buch „Zugänge zum Eisen“. Das Werk vermittelt in Texten, Fotos und Grafik die geschichtlichen und fachlichen Hintergründe des Hüttenwerks und des heutigen Landschaftsparks Duisburg-Nord, der nach dem Kölner Dom die meistbesuchte Touristen-Attraktion in NRW ist. Im nahezu komplett erhaltenen Hüttenwerk mit drei Hochöfen und technischen wie baulichen Nebenanlagen lässt sich auch heute noch der Weg vom Erz zum Roheisen und die Produktionsabläufe der montanindustriellen Großanlage nachvollziehen. Die Publikation baut eine „Brücke der Orientierung“ von der industriellen Vergangenheit des Werkes zur Neunutzung der Werksanlagen. Dabei konnte das Redaktionsteam rund um Autor Michael Clarke auf historische Fotos vom thyssenkrupp Konzernarchiv sowie Funktionsskizzen zurückgreifen, die Produktionsprozesse veranschaulichen.

 

 
Vom Industrieraum zum Freizeitareal

Zugänge zum Eisen: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl

Das Buch „Zugänge zum Eisen“ ist thematisch in zwei große Abschnitte gegliedert. Sehr detailliert ist die Aufarbeitung der Geschichte des Hüttenwerks auch im historischen Kontext seiner Zeit und der gesellschaftlichen und sozialen Entwicklungen. Das reicht von der Entstehung des Ruhrgebiets im 19. Jahrhundert, der Industrialisierung Duisburgs und dem Unternehmen von August Thyssen über die Weltkriege bis zur ersten großen Stahlkrise, die das Ende des Werks bedeutete. Autor Michael Clarke zeichnet die Entwicklung des Hüttenwerks nach bis zur Stilllegung und zur Diskussion einer Nachnutzung der Flächen.

 

Zugänge zum Eisen: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl

Im zweiten Teil beschreibt er die technischen und baulichen Anlagen des Hüttenwerks und ihre Funktionen, die Prozesse der Roheisengewinnung sowie Zeche und Kokerei Friedrich Thyssen 4/8, die das Hüttenwerk mit Koks versorgten. Viele dieser Anlagen des Hüttenwerks sind im Landschaftspark Duisburg-Nord noch erhalten, benachbarte Zeche und Kokerei (Friedrich Thyssen 4/8) sind jedoch längst abgerissen. Detailliert beschreibt Clarke auch die Um- und Nachnutzung der Anlage heute.

 

Masselgießanlage des Hüttenwerks im Landschaftspark Duisburg-Nord. Foto: Petra Grünendahl.

Mit der Internationalen Bauausstellung Emscher Park (IBA) wurde das Meidericher Hüttenwerk 1990 bis 1999 zum Zentrum dieses industriekulturellen Großprojektes und hauchte der Industriebrache neues Leben ein. 1994 wurde erste Bereiche des heutigen Landschaftsparks der Öffentlichkeit übergeben. Projektträger war in den ersten Jahren im Rahmen der IBA Emscher Park die Landesentwicklungsgesellschaft Nordrhein-Westfalen (LEG) im Auftrag der Stadt Duisburg. 1997 wurde dann mit der Landschaftspark Duisburg-Nord GmbH eine stadteigene Gesellschaft gegründet, die fortan die Geschicke des Parks lenkte.

Masselgießanlage des Hüttenwerks im Landschaftspark Duisburg-Nord. Foto: Petra Grünendahl.

Noch heute wird der Landschaftspark von einer städtischen Betriebsgesellschaft (Duisburg Kontor Hallenmanagement GmbH) gemanagt. Neben Raum für Erholung und verschiedene Freizeitaktivitäten gibt es hier auch immer wieder unterschiedlichste Kulturveranstaltungen und Events. Das Parkgelände ist täglich und rund um die Uhr geöffnet und zu jeder Jahreszeit wirklich sehenswert. Der Eintritt zum Areal ist kostenfrei, der Zugang zu Veranstaltungen nicht unbedingt. Wegen Corona sollten Besucher des Landschaftsparks aber zurzeit die AHA-Regel beachten: Abstand halten, Hygiene beachten, Alltagsmaske tragen.

 

 
 
Buch und Verlag

Zugänge zum Eisen: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl

Das 144-seitige Buch „Zugänge zum Eisen“ der Duisburg Kontor Hallenmanagement GmbH (Herausgeber) ist im Essener Klartext Verlag erschienen. Das bebilderte Taschenbuch im Format 14 x 21 cm ist für 14,95 Euro im Besucherzentrum des Landschaftsparks Nord, der Tourist Information Duisburg auf der Königstraße sowie im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-8375-2136-8). Verständliche Texte und Grafiken erleichtern auch Einsteigern in die Materie das Verständnis für Prozesse und Zusammenhänge. Gerade bei der Beschreibung der einzelnen Standorte und Anlagen würde man sich vielleicht als Ortsunkundiger mehr Fotos wünschen, um die beschriebenen Gebäude besser einordnen zu können. Eine Karte im Anhang gibt einen geografischen Überblick über Park und Anlagen. Den Plan gibt es online zum Download, man bekommt ihn aber auch als Flyer im Besucherzentrum im ehemaligen Hauptschalthaus. Weitere Informationen rund um den Landschaftspark – auch zu Führungen – gibt es unter www.landschaftspark.de.

 

Zugänge zum Eisen: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl

Der Klartext Verlag wurde 1983 gegründet, seit 2007 ist er Teil der Funke Mediengruppe. Seine Heimat liegt im Ruhrgebiet, wo auch der überwiegende Teil seiner Publikationen angesiedelt ist: Freizeitführer, Sachbücher, Kalender und Bildbände. Mit der „Von oben“-Reihe kann man Städte nicht nur im Ruhrgebiet, sondern in ganz Deutschland aus der Vogelperspektive bewundern. Und mit der Klugscheißer-Reihe (siehe hier: Duisburg für Klugscheißer) lernt der Leser Neues zu verschiedenen Orten, Themen und Fußballvereinen – unterhaltsam und fundiert, denn, so der Verlag: „wir machen Bücher mit Qualität und gerne auch mal einem Augenzwinkern.“
www.klartext-verlag.de

 

Karte mit Infografik: Landschaftspark Duisburg-Nord.

 
© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (8), thyssenkrupp Konzernarchiv, Duisburg (historische Fotos), Karte mit Infografik: Landschaftspark Duisburg-Nord, Titelbild und Infografiken: Klartext Verlag

 

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GEBAG präsentiert Siegerentwurf „Am Alten Güterbahnhof“ in Duisburg

Die Stadt von Morgen:
Duisburgs neue Visitenkarte

Von Petra Grünendahl

Am Alten Güterbahnhof. Visualisierung: CKSA.

„Wohnen, Arbeiten und Leben werden sich verändern. Die Stadt von Morgen wird ganz anders aussehen als heute“, brachte GEBAG-Geschäftsführer Bernd Wortmeyer das Ergebnis des Wettbewerbs auf den Punkt. Der Entwurf von den „Duisburger Dünen“ war in der Bürgerbeteiligung bei den Duisburgern am besten angekommen. Der Entwurf für das schmale, lang gezogene Gelände des alten Güterbahnhofs in der Duisburger Innenstadt stellte die Planer mit seinem Zuschnitt vor Herausforderungen. Mit einer Gewerbebebauung entlang der Bahngleise, daneben ebenfalls in Nord-Süd-Ausrichtung ein Zug von Wohnbebauung, dem sich schließlich eine breit angelegte Parkanlage als Lärmdämmung zur Autobahn hin anschließt, deren strukturierte Oberfläche mit dünen-ähnlichen Erhebungen dem Projekt seinen Arbeitstitel gab. Ein See in der Parkanlage vermittelt Aufenthaltsqualität. Der Entwurf des Teams von CKSA Christoph Kohl Stadtplaner Architekten und fugmann-janotta und Partner mbH (beide Berlin) kam nicht nur bei Duisburgern gut an, sondern gewann auch mit Abstand das einstimmige Votum einer neunköpfigen Fach-Jury.

 

Am Alten Güterbahnhof. Foto: Screenshot.

Insgesamt sieben Teams aus Architektur und Landschaftsplanung hatten im Rahmen der zweiten Wettbewerbsphase ihre Konzepte überarbeitet. Den Siegerentwurf und das weitere Verfahren stellten in einem digitalen Pressegespräch Bernd Wortmeyer, Oberbürgermeister Sören Link und Planungsdezernent Martin Linne vor: Zusammen mit Jörg Faltin (Faltin + Sattler, Düsseldorf, zuständig für die Durchführung und Moderation des Wettbewerbsverfahrens)

Verkehrsanbindung Am Alten Güterbahnhof. Skizze: CKSA.

und dem Juryvorsitzenden Prof. Johannes Ringel sowie Prof. Christoph Kohl (CKSA) und Harald Fugmann (fugmann-janotta) als Vertreter des siegreichen Teams. „Das wird eine neue Visitenkarten für die Stadt“, freute sich Sören Link. An der Zufahrt zur Innenstadt soll sie ein positives Bild vermitteln und das Image der Stadt fördern. Prof. Johannes Ringel erläuterte die Entscheidung der Jury: „Der Entwurf überzeugt durch seine charismatische Idee, einen großzügigen Park bis zur Innenstadt zu führen. Der Entwurfsidee gelingt es, die notwendigen Vernetzungen im Stadtgefüge zu leisten und bietet im Vergleich zu anderen Entwicklungsgebieten ein Alleinstellungsmerkmal für die Stadt Duisburg.“ Er freute sich, dass die Meinung der Bürger mit denen der Jury übereinstimmte, was bei solchen Wettbewerben nicht unbedingt die Regel ist.

 

 
Wohnen, Arbeiten und Leben: Neues Quartier soll Raum für alle Generationen bieten

Lageplan Am Alten Güterbahnhof. Skizze: CKSA.

„Hier entsteht eine neues Stück Duisburg, maßgeschneidert und ideal für die Zukunft aufgestellt“, lobte Bernd Wortmeyer den Entwurf. Die GEBAG als Eigentümer hat hier die Zügel in der Hand. Sie will das Areal möglichst kleinteilig vermarkten. Investoren können sich hier mit ihren Entwürfen um einzelne Projekte bewerben. „Wir hoffen auf viele Architekten, die hier mitbauen“, sagte Christoph Kohl, dessen stadtplanerischer Entwurf erst dadurch zum Leben erweckt wird.

Die Loveparade-Gedenkstätte am Alten Güterbahnhof. Skizze: CKSA.

„Was wir heute bauen, muss beständig sein und darf keiner Wirtschaftlichkeit geopfert werden“, wünschte er sich. Ein besonderes Anliegen war ihm die Loveparade-Gedenkstätte: Sie soll seitlich wieder geöffnet werden – möglicherweise sogar auf die ursprüngliche Breite –, um sich zum Gelände hin zu öffnen, damit man sie in die Gestaltung mit einbeziehen kann. Auch die Unterführung Karl-Lehr-Straße wird – soweit möglich – frei gelegt und an das Quartier angebunden und integriert.

 

Am Alten Güterbahnhof. Modellfoto: photoprop.

„Der ausgewählte Siegerentwurf bildet nun die Grundlage für die weiteren Planungen für den städtebaulichen Rahmenplan. Das Bauleitplanverfahren soll im Herbst nach dem entsprechenden Aufstellungsbeschluss starten“, erklärte Martin Linne das weitere Vorgehen. „Bis dahin ist noch alles veränderbar. Aber die Kernelemente dieses Siegerentwurfs sollen nicht in Frage gestellt werden.“ Die GEBAG rechnet aktuell damit, dass der Bebauungsplan im Jahr 2023 Rechtskraft erlangen wird und ab 2024 gebaut werden kann. Martin Linne avisiert rund 1.000 Wohneinheiten sowie Gewerbeeinheiten für 8.000 bis 10.000 Arbeitsplätze. Das sei aber flexibel, so der Planungsdezernent. Das Projekt wird voraussichtlich im Jahr 2032 abgeschlossen sein.

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GEBAG
Die Duisburger Gemeinnützige Baugesellschaft AG (GEBAG) wurde 1872 gegründet und zählt zu den ältesten Baugesellschaften Deutschlands. Seit 2012 ist die heutige GEBAG Duisburger Baugesellschaft mbH mit aktuell über 12.300 Wohnungen das größte Immobilienunternehmen der Stadt. Sie bietet rund 35.000 Duisburgern ein Zuhause: Bezahlbar und in einer guten, zeitgemäßen Qualität. Die GEBAG ist das kommunale Immobilienunternehmen der Stadt Duisburg und beschäftigt rund 190 Mitarbeiter. Seit mehr als 140 Jahren prägt sie die Gestaltung und Entwicklung der Stadt Duisburg maßgeblich mit. www.gebag.de

 
© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Screenshots (3), Skizzen: CKSA (4), Modellfotos: photoprop (2)

 

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IHK-Handelsforum Ruhr: Innenstädte unter Druck

Ein Jahr nach dem ersten Lockdown sind neue Konzepte gefragt
Von Petra Grünendahl

Boris Hedde (l.) und Dr. Fritz Jaeckel begrüßten zum IHK-Handelsforum Ruhr. Foto: Screenshot.

Nicht erst seit Corona stehen die Innenstädte im Ruhrgebiet unter Druck. Corona und der Lockdown beschleunigen jedoch die Abwärtspirale, die mehr Käufer in den Online-Handel abwandern lässt, der nicht nur corona-konform, sondern auch 24/7 zur Verfügung steht. Händler und Dienstleister sehen sich seit dem ersten Lockdown vor einem Jahr vor großen Problemen: Vor allem inhabergeführte Geschäfte und kleine Selbstständige leiden und können fehlende Einnahmen nicht auffangen. „Die Menschen sind verzweifelt, weil sie ihre Rücklagen angreifen müssen, um zu überleben“, berichtete Dr. Fritz Jaeckel, Hauptgeschäftsführer der IHK Nord Westfalen mit Sitz in Münster / Gelsenkirchen. Wenn die Wirtschaft wieder öffnen darf, wird sich zeigen, welche Geschäfte wieder öffnen: Nicht jeder wird einen Neubeginn schaffen, was unvermeidlich zu einer Insolvenzwelle führen dürfte. Das erhöht die ohnehin vorhandene Zahl der Leerstände, für die Konzepte gefunden werden müssen, um Innenstädte als Verweil- und Erlebnisräume für Menschen wieder attraktiv zu machen. Denn dass sich die Leute nach einem Ende des Lockdowns und eine Rückkehr zu so etwas wie Normalität sehnen, steht außer Frage.

 

Diplom-Kaufmann Jörg Lehnerdt (r.) präsentierte die Ergebnisse des Handelsreports 2021. Foto: Screenshot.

Was nicht auf den ersten Blick im Stadtbild zu sehen ist, zeigt der neue IHK-Handelsreport Ruhr. Der Report, den die sechs Industrie- und Handelskammern des Ruhrgebiets alle zwei Jahre erstellen, lieferte reichlich Stoff für eine Diskussion über die Zukunft der Innenstädte, die über 120 Handelsexperten und Stadtplaner beim IHK-Handelsforum Ruhr online führten. „Die Corona-Pandemie hat den Handlungsdruck extrem erhöht“, unterstrich Fritz Jaeckel. Der bereits seit einigen Jahren laufende Prozess von Strukturveränderungen im Handel, der sich an leerstehenden oder anderweitig genutzten Ladenlokalen ablesen lasse, sei durch die Pandemie enorm beschleunigt worden. „Auf die Innenstädte im Ruhrgebiet kommen tiefgreifende Veränderungen zu, die wir nicht einfach laufen lassen können, sondern gemeinsam positiv gestalten müssen“, forderte Jaeckel. Dipl.-Kaufmann Jörg Lehnerdt von der BBE Handelsberatung GmbH (Köln), der die Ergebnisse des IHK-Handelsreports Ruhr präsentierte, unterstützte Jaeckel: „Noch prägen die großen Fashion-Anbieter die Innenstädte und Shoppingcenter des Ruhrgebiets, allerdings hat der Rückzug aus der Fläche als Folge des boomenden Onlinehandels bereits begonnen. Corona wird diesen Trend beschleunigen.“ Als Frequenzbringer für Innenstädte und Ortszentren sind demnach dringend neue Konzepte gefragt.

 

 
Trends und strategische Entwicklungsperspektiven

Podiumsdiskussion online (v. o. l.): Moderator Boris Hedde, Dr. Jan Heinisch, Ariane Breuer und David Schraven. Foto: Screenshot.

Traditionsgemäß stand eine „Podiumsdiskussion“ im Mittelpunkt der Veranstaltung, bei der Experten Ideen und Perspektiven aus unterschiedlicher Sichtweise darstellten. Die nötige Vielfalt der Perspektiven brachten Dr. Jan Heinisch, Staatssekretär im Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes NRW, Ariane Breuer, Initiatorin „Die Stadtretter“ und Geschäftsführerin von „Clever expandieren“, sowie David Schraven, Mitbegründer der Marktviertel-Initiative in Bottrop, auf das Podium.

 
„Der Lockdown bedroht zunächst Handel und Dienstleistungen im Stadtzentrum, dann die Vitalität der Innenstädte insgesamt“, warnte Jan Heinisch vor den weitergehenden Konsequenzen der Entwicklung. Die Experten waren sich deshalb einig, dass die Innenstädte und Ortszentren der Zukunft multifunktional aufgestellt sein müssten. „Stadt ist nicht nur Handel: Stadt ist Leben, also auch Wohnen, Gastronomie, Kultur und Mobilität. Eine Stadt müsse als Erlebnisort konzipiert werden, als Begegnungsstätte und Raum der Kommunikation. Da, wo sich der Einzelhandel aus den Innenstädten zurückziehe, müssten andere Nutzungen rein, betonte Jörg Lehnerdt. Dafür müssten aber auch Immobilienbesitzer mitziehen, die bislang wegen höherer Mieterträge lieber an den Handel vermieteten.

 
„Die Menschen müssen wieder gerne in die Stadt kommen und dort verweilen“, sagte Ariane Breuer, Sprecherin der „Stadtretter“-Initiative. Und das auch an Sonntagen, wenn der Handel nicht offen habe, ergänzte Jan Heinisch. David Schraven, Mitbegründer der Marktviertel-Initiative aus Bottrop, ist überzeugt davon, dass die Zukunft der Zentren von Kunden und ihrem Engagement vor Ort abhängt. „Wir brauchen mehr davon in den Innenstädten.“ Er appelliert, den Fokus verstärkt auf die Unterstützung für lokale Marketingmaßnahmen zu richten, die Publikum anlocken. Aktuelle Förderprogramme der Landesregierung wie das Sofortprogramm zur Stärkung unserer Innenstädte und Zentren in Nordrhein-Westfalen gingen dabei schon in die richtige Richtung.

 

 
Initiativen und Konzepte müssen Kunden mitnehmen

Abschließende Umfrage unter den Teilnehmern des IHK-Handelsforums Ruhr. Foto: Screenshot.

„Ad hoc-Hilfen sollen besonders betroffene Kommunen entlasten, während neue Investitionsspielräume ebenso wie gemeinsam mit Kommunen, Händlern und Stadtplanern entwickelte Zukunftskonzepte vitale, digitale und kreative Perspektiven schaffen“, so Dr. Jan Heinisch über geplante Unterstützungsmaßnahmen. Er wies darauf hin, dass noch Fördergelder in Höhe von 30 Millionen Euro aus dem Sofortprogramm Innenstadt zur Verfügung stehen. Kommunen könnten noch bis Ende April Anträge stellen. Zukünftig wird es nach Ansicht der Experten unerlässlich sein, Förderprogramme zu verstetigen und alle Beteiligten mit in den Stadtentwicklungsprozess einzubeziehen. „Niemand schafft es allein, unsere Innenstädte und den Einzelhandel wiederzubeleben“, betonte Ariane Breuer.

 
IHK-Hauptgeschäftsführer Jaeckel resümierte: „Nur durch eine enge Zusammenarbeit von Politik, Verwaltung, Standortgemeinschaften und Unternehmen sowie von Eigentümern und lokaler Immobilienwirtschaft wird es gelingen, attraktive und zukunftsfähige Innenstädte und Ortszentren zu erhalten oder wiederherzustellen.“ All diese Akteure gelte es nun jeweils vor Ort an einen Tisch zu bringen, um gemeinsam neue Ideen für die Innenstadt von morgen zu entwickeln und umzusetzen. Dabei dürften auch die Verbraucher nicht vergessen werden: „Den Menschen vor Ort muss noch stärker bewusst gemacht werden, dass sie mit ihrem Einkaufsverhalten direkten Einfluss darauf haben, wie ihre Innenstadt oder ihr Ortszentrum in Zukunft aussieht“, betonte der Hauptgeschäftsführer der derzeit federführenden Ruhr-IHK Nord Westfalen. Jede Stadt müsse Konzepte für ihre eigenen Stärken entwickeln und umsetzen, so Ariane Breuer. „Die Initiative Stadtretter hat großen Zuspruch, bislang sind 650 Kommunen dabei, die voneinander lernen und sich miteinander austauschen.“ Die Maßnahme für alle Städte gebe es nicht. Was macht uns aus und wo wollen wir hin? Die Frage nach ihrer eigenen Identität und Alleinstellung müsse letztendlich jede Kommune für sich beantworten.

 
Den Handlungsdruck verdeutlichte auch das Ergebnis der abschließenden Umfrage unter den Teilnehmern der Veranstaltung. 77 Prozent der Teilnehmer „machen sich Sorgen“, wenn sie an die Zukunft ihrer Innenstadt denken, nur 15 Prozent sagen, dass sie „gut aufgestellt“ ist.

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IHK-Handelsreport Ruhr
Der IHK-Handelsreport Ruhr und eine Aufzeichnung des IHK-Handelsforums Ruhr wird im Internet veröffentlicht unter www.ihkhandelsreport.ruhr.

Vor zwei Jahren war die Niederrheinische IHK in Duisburg Gastgeber im Lehmbruck Museum: In der Rückschau von heute durchaus mit beachtenswerten Inhalten.

 
© 2021 Petra Grünendahl (Text)

 

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„Internationale Wochen gegen Rassismus“ in Duisburg vom 15. bis 28. März

Zeichen gegen Rassismus und Diskriminierung setzen
Von Petra Grünendahl

Lesung von Alice Hasters im Programm der „Internationalen Wochen gegen Rassismus“. Foto: Screenshot.

„Eigentlich wollten wir ja schon im vergangenen Jahr dabei sein, aber dann kam uns Corona dazwischen“, erzählte Marijo Terzic, Leiter des Kommunalen Integrationszentrums der Stadt Duisburg. „Dieses Mal wollten wir es uns nicht nehmen lassen, obwohl lange nicht klar war, ob wir die Veranstaltungen real oder nur digital machen können“, erklärte Benjamin Wilde. Jetzt wird die hybrid: Ein paar Veranstaltungen mit Präsenz soll es corona-konform geben, alle Veranstaltungen alle werden auf der Webseite http://www.iwgrdu.de abgebildet und können dort – teilweise auch interaktiv – begleitet werden. Ein großer Aktionstag in der Innenstadt, der eigentlich hätte Bestandteil sein sollen, muss aber zum Bedauern der Organisatoren vom Kommunalen Integrationszentrum entfallen. Dafür ist es aber gelungen, viele Organisationen und Institutionen als Anbieter eines vielfältigen Programms zu gewinnen, welches, so Britta Söntgerath, „bundesweit einzigartig umfassend ist.“ Und noch immer melden sich Akteure, die mitmachen wollen. Mit dabei sind unter dem Motto „DU gegen Rassismus und Diskriminierung“ zum Beispiel der Stadtsportbund Duisburg, der Jugendring Duisburg, der DGB Niederrhein, Aufstehen gegen Rassismus, der Flüchtlingsrat Duisburg, aric NRW, Amnesty International, die Seebrücke Duisburg, das Deutsche Rote Kreuz, Heroes Duisburg (Jungs e. V.), die Polizei Duisburg und viele mehr.

 

Die Pressekonferenz zu den „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ fand online statt. Von links: oben Marijo Terzic und Julia Rombeck, unten Britta Söntgerath und Benjamin WIlde. Foto: Screenshot.

Duisburg beteiligt sich in diesem Jahr erstmals an den „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ (IWgR), die schon seit 26 Jahren – getragen von der Stiftung für die Internationalen Wochen gegen Rassismus und dem Arbeitskreis ECCAR (European Coalition of cities against racism), dem Duisburg seit Ende 2016 angehört, – immer im März stattfinden. Das Format und die geplanten Veranstaltungen stellte Marijo Terzic zusammen mit Julia Rombeck und Benjamin Wilde vom Kommunalen Integrationszentrum sowie Britta Söntgerath vom Flüchtlingsrat vor. Die „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ (IWgR) finden in diesem Jahr in der Zeit vom 15. bis 28. März unter dem Motto „Solidarität.Grenzenlos“ statt. Dem Aufruf zur Beteiligung gegen Rassismus und Diskriminierung sind bereits über 35 Duisburger Organisationen und Akteure gefolgt, hinter denen viele weitere Mitwirkende stehen. Als Highlight wird ein Aktionstag am Samstag, 27. März, von 13 bis 18 Uhr als digitale Messe gestaltet.

 

 
Vielfältige Akteure bieten einmaliges Programm

Flyer zu den „Internationalen Wochen gegen Rassismus“.

„Wir wären natürlich viel lieber am großen Aktionstag in der Innenstadt auch auf Passanten zugegangen und mit ihnen ins Gespräch gekommen“, erzählte Julia Rombeck. Denn: „Mit dem reinen Veranstaltungsprogramm erreicht man ja eher die Leute, die sich ohnehin schon mit der Thematik Rassismus und Diskriminierung auseinander setzen.“ Allerdings hofft man durchaus, mit einer groß angelegten Öffentlichkeitskampagne auch in den sozialen Medien doch mehr Leute über diesen Kreis hinaus zu erreichen.

 
Mit Veranstaltungen, Lesungen und Berichten aus der Arbeit der unterschiedlichsten Organisationen, Diskussionen in (angemeldeten) Gruppen (u. a. mit der Polizei Duisburg), Videos, Konzerten und künstlerischen Veranstaltungen zum Teil auch mit Diskussionsmöglichkeiten will man mit Menschen ins Gespräch kommen, auch wenn es weitestgehend nur digital geht: Über Rassismus, Ausgrenzung und Diskriminierung auf individueller, institutioneller, struktureller und diskursiver Ebene. Am 27. März soll ein Aktionstag als digitale Konferenz zwischen 13 und 18 Uhr ein Forum zum Mitmachen und Mitdiskutieren bieten.

 
Der Programmflyer listet schon eine ganze Reihe an Veranstaltungen, das Programm wird aber auf der Webseite der Veranstaltung laufend aktualisiert und erweitert. Ab dem 15. März kann man dort auch an den Aktionen – teils auch interaktiv – teilnehmen. Das Kommunale Integrationszentrum Duisburg findet man unter www.wir-sind-du.de.

 
© 2021 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Rat der Stadt Duisburg beschloss Neuzuschnitt der Dezernate

Ersatz für Cölve-Brücke einen Schritt weiter
Von Petra Grünendahl

Ausschreibungstext für das neue Dezernat. Quelle: Ratsvorlagen.

Im Raum stand das Modell einer neuen Dezernatsverteilung, die im Entwurf der Verwaltung mit großer Mehrheit so beschlossen wurde. Damit wurde der Weg frei, die Stelle eines „Beigeordneten für das Dezernat für Umwelt und Klimaschutz, Gesundheit, Verbraucherschutz und Kultur“ zum 1. Mai 2021 ausschreiben zu können (siehe nebenstehende Anzeige). Die Grünen haben aus den eingehenden Bewerbungen das Vorschlagsrecht für die Besetzung der Stelle, deswegen auch der Focus auf Umwelt. Das bisherige „Super“-Dezernat von Astrid Neese gibt nicht nur die Kultur ab, sondern auch den Bereich Familie mit Jugendamt und Jugendhilfe. Es verbleiben bei ihr Bildung, Arbeit und Soziales. Auch an anderer Stelle wurden Zuständigkeiten verschoben und neu aufgeteilt. Mitunter etwas willkürlich. Ob der neue Plan immer so sinnvoll ist, muss die Zukunft entscheiden.

 

Ratssitzung in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

Der Rat der Stadt Duisburg trat zu seiner ersten Sitzung in diesem Jahr in der Mercatorhalle zusammen, um wichtige Entscheidungen zu treffen. Gleich in der Eröffnung sagte Oberbürgermeister Sören Link zu, die Anfragen auf der Tagesordnung im Nachgang schriftlich beantworten zu lassen, um die Tagesordnung gestrafft und zügig abarbeiten zu können. Auch der eine oder andere Antrag wurde entweder zurückgezogen oder auf die nächste Ratssitzung geschoben. Das war im Sinne aller, denn der Rat tagt unter Corona-Bedingungen in der Mercatorhalle nicht nur hinter Plexiglas-Scheiben, sondern auch mit medizinischer Maske über Mund und Nase. Und es straffte die 58-Punkte-Tagesordnung (im öffentlichen Teil) merklich. Die Beschlussvorlagen der Verwaltung gingen überwiegend einstimmig durch, im Gegensatz zu manch einem Antrag aus den Ratsfraktionen.

 

 
Cölve-Brücke, verkaufsoffene Sonntage, Wettbüros und Elternbeiträge

Gebietsübertragungen zwischen Moers und Duisburg. Quelle: Ratsvorlagen.

Einen Schritt weiter ist ein Ersatz für die gesperrte Cölve-Brücke: Der Stadtrat beschloss einstimmig die Gebietsübertragung des Gebiets, mit dem die Cölve-Brücke bislang auf Moerser Stadtgebiet liegt. Zusammen mit dem Beschluss des Moerser Stadtrats kann die Übertragung in die Wege geleitet werden, die „uns handlungsfähig macht“, so der zuständige Stadtentwicklungs-Dezernent Martin Linne. Damit ist der Weg für einen Neubau ebenso frei wie für einen zweiten Versuch, bis zu dessen Fertigstellung eine Behelfsbrücke zu installieren, um Anwohnern ihre Verkehrsituation zu erleichtern. Knackpunkt der Ablehnung durch die Bezirksregierung war ja, dass die Stadt Duisburg für eine Brücke Geld ausgeben wollte, die gar nicht auf ihrem Gebiet lag.

 

Ratssitzung in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

Mit deutlicher Mehrheit stimmte der Rat für Verkaufsoffene Sonntage zu besonderen Anlässen (Kunsthandwerkermarkt, Lack und Chrom, Weihnachtsmarkt, Traditionsveranstaltungen und Stadtteilfeste), so denn eine Lockerung der Corona-Beschränkungen diese Feste in der City und in den Stadtteil-Zentren überhaupt zulässt. Als Dringlichkeitsbeschluss ging einstimmig ein Bebauungsplan für die Heerstraße in Hochfeld durch, der die Ansiedlung weitere Wettbüros / Vergnügungsstätten unterbindet.

Neue Dezernatsverteilung. Quelle: Ratsvorlagen.

Einstimmig übernahm der Rat auch die Beschlussvorlage der Verwaltung, Elternbeiträge und Verpflegungsentgelte für Kitas, Tagespflege und Betreuungsangebote in der Schule für Januar 2021 zu erstatten. Sollte sich das Land hier weiterhin mit 50 Prozent beteiligen, wird es zeitnah auch für Februar eine Erstattung geben. Immerhin mit Mehrheit beschloss der Rat eine Resolution auf Antrag der Fraktion Die Linke, die „das Land Nordrhein-Westfalen und den Bundestag [aufruft], die Kommunen wegen der corona-bedingten Mindereinnahmen und Mehrausgaben deutlicher und nachhaltiger als bislang zu unterstützen.“ Eine dringend nötige Maßnahme, die man nicht deutlich genug immer wieder betonen kann und muss.

 
© 2021 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Stadt informierte zu Corona: Duisburger haben den Ernst der Lage verstanden

Viele Impfungen ermöglichen größere Freiheiten
Von Petra Grünendahl

Oberbürgermeister Sören Link. Foto: Petra Grünendahl.

„Wir impfen seit dem 27. Dezember in Alten- und Pflegeheimen, seit dem 8. Februar auch im Impfzentrum im TaM“, erklärte Sören Link. Leider stehe bislang zu wenig Impfstoff zur Verfügung, um der Bevölkerung schnellstmöglich eine Impfung anbieten zu können. Mit der Zertifizierung des zweiten Impfstoffs und der Lieferung größerer Mengen sehe man aber der Zeit entgegen, die Impfzeiten im zentralen Impfzentrum im Theater am Marientor (TaM) in größerem Maße ausschöpfen zu können. „Wir haben mit Beginn der Pandemie sehr viel getestet, gezielt Kontakte verfolgt und restriktive Maßnahmen ergriffen, die eine Verbreitung reduzierten“, so der OB, der die Stadt auch weiterhin sehr gut aufgestellt sieht. Strikte Kontrollen machten Bürgern den Ernst der Lage deutlich: „Die Duisburger verstehen die Lage und handeln verantwortungsvoll: Damit kriegen wir die Pandemie in den Griff“, lobte er. Die Zahlen seien mittlerweile massiv gesunken: Sie schwanken aktuell rund um einen Inzidenzwert von etwas über 50.

 

Wirtschaftsdezernent Andree Haack, aktueller Leiter des Krisenstabes. Foto: Petra Grünendahl.

Oberbürgermeister Sören Link informierte bei einem Pressetermin im Ratssaal über den bisherigen Verlauf und den aktuellen Stand der Corona-Pandemie in Duisburg. Neben OB Link gaben Krisenstabsleiter Andree Haack, Gesundheitsamtsleiter Ludwig Hoeren und Christian Umbach, stellv. Leiter der Feuerwehr Duisburg, Auskunft. Das Impfzentrum im TaM hat am 8. Februar seine Arbeit aufgenommen, sei aber bislang noch nicht ansatzweise ausgelastet. Erst 6 von 14 Impfstraßen sind in Betrieb und das auch nur halbe Tage. „Mit mehr Impfstoff wollen wir erst die sechs Impfstraßen ganztägig auslasten, bevor die anderen dazu kommen“, erklärte Hoeren. Die bislang dort Geimpften lobten das Prozedere und die professionelle Arbeit im Impfzentrum: Auch Fragen zur Impfung würden zur Zufriedenheit der Patienten beantwortet.

 

 
Seit dem 10. Februar zweiter Impfstoff

Christian Umbach, stellv. Leiter der Feuerwehr Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

„Wir haben die Alten- und Pflegeheime fast durch: Alle, die geimpft werden wollten“, erklärte Christian Umbach: Bewohner seien zu 90 Prozent durchgeimpft, Pflegekräfte zu 80 Prozent. Dass auch der zweite Impfstoff sicher und zur Eindämmung der Pandemie erfolgreich eingesetzt werden kann, bestätigten die Vertreter der Stadt einhellig. „Beim AstraZeneca-Impfstoff könnten sich in bestimmten Gruppen etwas 6 Prozent der Geimpften infizieren, beim Biontech-Impfstoff (Pfizer) sind es 4 Prozent“, rückte Gesundheitsamtsleiter Hoeren die Zahlen in Relation. Beide Impfstoffe würde aber schwere Infektionsverläufe verhindern. In Punkto Nebenwirkungen, die bei der Corona-Impfung wie bei auch allen anderen Impfungen auftreten könnten, beruhigte Hoeren: „Sogar rund 30 Prozent der Placebo-Empfänger (Anmerkung: die also gar keinen Impfstoff bekommen hatten!) klagten über Nebenwirkungen.“

 

Ludwig Hoeren, Leiter des Gesundheitsamtes. Foto: Petra Grünendahl.

Nach den Impfungen in den Heimen sowie dem Start im Impfzentrum (Ü80) werden als nächstes mobile Pflegekräfte geimpft, die alte und pflegebedürftige Menschen zu Hause versorgen, sowie Krankenhauspersonal, die Kontakt zu möglichen Infizierten haben können. Bislang wurden in Duisburg etwa 29.500 Impfungen verabreicht, davon 18.500 Erstimpfungen und 11.000 Zweitimpfungen. Die Zahlen sollen massiv steigen, sobald der benötige Impfstoff da ist. „Jeder wird geimpft, auch wenn er keine Krankenversicherung hat“, machte Ludwig Hoeren deutlich. Auch für Obdachlose werde man Lösungen finden: „Die in Einrichtungen untergebracht sind, sind leichter zu erreichen. Mit den Draußenschläfern ist das schon schwieriger.“ Für die Impfgruppe Ü70 bleiben die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) für die Terminvergabe zuständig. „Danach übernehmen wir das mit unseren eigenen Systemen“, erklärte der stellvertretende Feuerwehr-Chef Umbach. Ab Mitte März sollen größere Mengen des Impfstoffs zur Verfügung stehen, so Andree Haack. Das wäre dann auch die Zeit, ab der man die Hausärzte zum Impfen mit ins Boot holen könne. Auch über Impfungen in Betrieben sei er im Gespräch, erzählte Haack.

 
Die zuletzt wieder etwas steigenden Werte bei Neuinfektionen seien ausschließlich auf die Mutationen des Virus zurückzuführen: Überwiegend die britische Variante, aber jetzt habe sich auch aus einer Quelle die Südafrikanische verbreitet, so der Gesundheitsamtsleiter. Aktuell gemeldet sind 364 Infizierte bei einem Inzidenzwert von 55,5. „Wir wollen möglichst viele möglichst schnell impfen“, erklärte Sören Link, der aber auch betonte: „Wir sollten nicht zu früh zu einer Normalität zurückkehren. Erst wenn ein großer Teil unserer Bevölkerung geimpft ist, kann der Schritt zu mehr Freiheiten erfolgen!“

 

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Finanzielle Hilfen müssen ankommen
Zunächst sollen Schulen und Kitas wieder öffnen. Dort, so die bisherige Erkenntnis, ist das Infektionsrisiko nicht so hoch, wenn die Einrichtungen ihre Hygienekonzepte umsetzen. „Allerdings können wir erst mit zwei, drei Wochen Verzögerung den Einfluss auf das Infektionsgeschehen beurteilen“, erklärte Krisenstabsleiter Haack. Er hofft auf Schnelltests, um hier zeitnah Klarheit zu schaffen. Die Öffnung der Wirtschaft entscheiden Bund und Land, aber: „das muss mit Maß passieren“, so OB Link. „Wir dürfen nicht zu früh zurück in eine Normalität und müssen in Duisburg alles tun, dass die Infektionszahlen nicht wieder hoch gehen.“ Es sei aber richtig, Maßnahmen an Inzidenzwerte zu knüpfen, erklärte Andree Haack. „Die Bevölkerung fühlt sich sicherer damit!“ Sören Link betonte, wie wichtig Fortschritte beim Impfen für ein Öffnen und Lockerungen im Sommer seien: „Viele Impfungen machen mehr Lockerungen möglich.“

 
Allerdings mahnte der Oberbürgermeister auch beim Land NRW an: „Die versprochnen Hilfen für Unternehmen müssen schnell fließen, sonst bricht uns was weg. Es kann nicht sein, dass man hier noch auf die November- und Dezember-Hilfen wartet: Wir haben Mitte Februar.“ Für Öffnungsszenarien warte man jetzt auch auf die Schnelltests, so Andree Haack: „Wenn die zertifiziert sind und wir sie in ausreichender Menge haben, können wir Infizierte schneller identifizieren.“ Tests und die Eindämmung von Infektionsketten bleibt also Priorität.

 
© 2021 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Lehmbruck Museum in Duisburg präsentiert Programm 2021

Alles ist Skulptur: Lehmbruck und Beuys, Nevin Aladağ und die heimische Kunstszene
Von Petra Grünendahl

Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla. Foto: Screenshot.

„Wir hoffen, im März hier wieder Besucher begrüßen zu dürfen“, erklärte Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla. Die vor dem Corona-Lockdown gerade eröffnete Ausstellung von Stephan Balkenhol, die Besucher von Nah und Fern lockte, geht bis Pfingsten in die Verlängerung. Vom 7. Mai bis 5. September soll sich im Rahmen von Sculpture 21st die deutsche Künstlerin Nevin Aladağ in der Glashalle zum Kantpark präsentieren:

Kulturdezernentin Astrid Neese. Foto: Screenshot.

Die Bildhauerin verknüpft in ihren Arbeiten Materialien mit Metaphern und Geschichten, die es zu erkunden gilt. Und als Highlight stellt das Lehmbruck Museum vom 26. Juni bis 1. November mit „Lehmbruck – Beuys. Alles ist Skulptur“ Parallelen zwischen den beiden Bildhauern dar, die – trotz unterschiedlichen Generationen (Lehmbruck 1881–1919, Beuys 1921–1986) entstammend – künstlerisch in einer künstlerischen Beziehung zueinander standen: „Skulptur ist das Wesen der Dinge, das Wesen der Natur, das, was ewig menschlich ist”, diese Einsicht Wilhelm Lehmbrucks nahm Joseph Beuys zum Ausgangspunkt seiner Sozialen Plastik. Er bezeichnete Lehmbruck auch als seinen „Lehrer“. Parallel zur Ausstellung „Lehmbruck – Beuys“ in Duisburg findet in der Bundeskunsthalle Bonn „Beuys – Lehmbruck. Denken ist Plastik“ (25. Juni bis 17. Oktober 2021) statt. Einen Katalog für beide Ausstellungen haben die Verantwortlichen gemeinsam gestaltet. Die als Kooperation angelegte Ausstellung ist Teil des Programms zum Jubiläumsjahr „beuys 2021. 100 jahre joseph beuys“.

 

Plakat zur Ausstellung „Lehmbruck – Beuys. Alles ist Skulptur“. Quelle: Lehmbruck Museum.

Einen Ausblick auf die Planungen für 2021 gaben Söke Dinkla und Kulturdezernentin Astrid Neese, die zugleich auch Bilanz zogen für das vergangene Jahr, welches vom Corona-Lockdown geprägt war. Die corona-bedingten Restriktionen des Museums hinterließen natürlich Lücken bei den Besucherzahlen: Nur gut halb so viele Besucher kamen ins Museum hinein, dafür lockten aber die digitalen Angebote auch viele virtuelle Besucher an, die man auf Grund der Entfernung nicht so leicht erreicht. Zum Programm des Lehmbruck Museums zählen mittlerweile auch (kostenpflichtige) Online-Führungen, die stark nachgefragt werden. Das bringt Geld in die Museumskasse, bis Eintrittsgelder wieder fließen können. „Wir haben damit auf jeden Fall unser Publikum erweitert“, bilanzierte die Museumsdirektorin. Finanziell sei man gut durch das Corona-Jahr gekommen, auch weil sich Förderer und Sponsoren finanziell mehr engagiert hätten, so Dinkla.

 
Vom 27. November 2021 bis 30. Januar 2022 stellt dann die Duisburger Kunstszene aus: „Vor Ort 2021“ zeigt die Interessengemeinschaft Duisburger Künstler eine Auswahl an Skulpturen, Gemälden, Zeichnungen, Fotografien und Videoarbeiten. Aus 118 Bewerbungen hat eine Jury 38 Werke mit höchst unterschiedlichen künstlerischen Positionen höchster Qualität ausgewählt. Mit „RuhrKunstUrban – Museum findet Stadt“ startet in diesem Jahr ein Kunstvermittlungsprojekt für Schüler als museale Bildungsarbeit der RuhrKunstMuseen, zu denen auch das Lehmbruck Museum gehört. Das Projekt reicht bis ins kommende Jahr.

 

 
Das Lehmbruck Museum

Lehmbruck Museum. Foto: Dr. Thomas Köster.

Das mitten in Duisburg im Kantpark gelegene Lehmbruck Museum ist ein Museum für Skulptur. Seine Sammlung moderner Plastiken von Künstlern wie Alberto Giacometti, Pablo Picasso, Hans Arp und natürlich Wilhelm Lehmbruck ist europaweit einzigartig. Beheimatet ist das Museum in einem eindrucksvollen Museumsbau inmitten eines Skulpturenparks, der zum Schlendern und Entdecken einlädt.

Namensgeber des Hauses ist der Bildhauer Wilhelm Lehmbruck, der 1881 in Meiderich, heute ein Stadtteil von Duisburg, geboren wurde. Lehmbruck ist einer der bedeutendsten Bildhauer der Klassischen Moderne. Er hat mit seinem Werk maßgeblichen Einfluss auf nachfolgende Künstlergenerationen und ist auch nach seinem frühen Freitod im Jahr 1919 bis heute einflussreich geblieben.

 

 
Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Stephan Balkenhol im Lehmbruck Museum. Foto:: Petra Grünendahl.

Zur Zeit ist das Lehmbruck Museum corona-bedingt geschlossen. Wenn das Haus hoffentlich im März wieder öffnen darf, wird die Ausstellung von Stephan Balkenhol noch bis Pfingstmontag, 24. Mai, im Anbau (Wechselausstellungsbereich) zu sehen sein. Geöffnet ist das Lehmbruck Museum üblicherweise dienstags bis freitags ab 12 Uhr, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags an Terminen der plastikBAR (erster Donnerstag im Monat ab 17.30 Uhr) bis 20 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro (ermäßigt* 5 Euro), eine Jahreskarte 35 Euro (ermäßigt* 20 Euro). Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Blinden- und Demenzbegleitung haben kostenlos Eintritt. Schulklassen und Kindergärten zahlen pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte (2 Erwachsene plus Kinder bis 14 Jahre) gibt es für 15 Euro. Jeden ersten Freitag im Monat gilt: „Pay what you want“. Ausgenommen davon sind angemeldete Gruppen.

Wilhelm Lehmbruck: „Der Gestürzte“ (vorne) und „Der Jüngling“ (hinten). Foto: Petra Grünendahl.

Zu seinen Sonderausstallungen bietet das Lehmbruck Museum verschiedene Veranstaltungen als Rahmenprogramm an. Öffentliche Führungen durch das Museum gibt es jeden Sonntag um 11.30 Uhr. Für Informationen steht die Kunstvermittlung des Lehmbruck Museums unter Telefon 0203 / 283-2195 oder eMail kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de zur Verfügung (Zu Preisen und Buchungen für Führungen geht es hier).

 
Für Führungen und Veranstaltungen aus dem Rahmenprogramm sind aktuell grundsätzlich Anmeldungen erforderlich. Die Veranstaltungen finden vorbehaltlich eventueller Veränderungen aufgrund der Corona-Pandemie statt. Es kann zu kurzfristigen Anpassungen kommen. Außerdem ist die Anzahl der Besucher im Museum begrenzt: Auf aktuell 100 im Wechselausstellungsbereich sowie 300 im gesamten Museum: Es kann zu Wartezeiten kommen, falls diese Anzahl erreicht ist. Siehe auch: https://lehmbruckmuseum.de/update-coronavirus/.

(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70%), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen mit Sozialhilfebezug.

 
© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (2), Screenshots (2), Dr. Thomas Koester (1), Plakat

 

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Ruhrgebiets-IHKs: Konjunkturbericht zeigt, was Wirtschaft sorgt

Wirtschaft im Ruhrgebiet sucht Perspektive
Von Petra Grünendahl

Konjunkturumfrage der Ruhr IHKs im Online-Pressegespräch. Foto: Screenshot.

„Die Politik sollte Unternehmen keine Tag länger geschlossen halten, als es für Gesundheit der Bevölkerung notwendig ist“, erklärte Lars Baumgürtel, Vizepräsident der IHK Nord Westfalen, Geschäftsführer der ZINQ GmbH & Co. KG, Gelsenkirchen. „Die Ruhrwirtschaft tritt auf der Stelle und droht in eine gefährliche Schieflage zu kippen“, resümierte er. Das Eigenkapital sei gerade in besonders betroffenen Branchen und bei Solo-Selbstständigen vielfach aufgebraucht, Liquiditätsengpässe drohten ebenso wie schlussendlich die Insolvenz. Dabei zeichnete der Unternehmer aus Gelsenkirchen ein differenziertes Bild von der Lage der Wirtschaft. Denn, so sein zweiter Befund: „Die Spaltung der Wirtschaft durch Corona verfestigt sich mit jedem weiteren Tag im Lockdown.“ Die geringen Hoffnungen auf Besserung ruhen dabei vor allem auf der Industrie. Handel und Dienstleistungen, so sie vom Lockdown direkt oder indirekt betroffen sind, leiden massiv. „Unsere Hotline zur Corona-Hilfe hat sich zum Sorgentelefon entwickelt“, berichtete Stefan Schreiber, Hauptgeschäftsführer der IHK Dortmund. Eine Perspektive zur Öffnung aus dem Lockdown sei zwingend nötig, so die Interessenvertreter der Wirtschaft.

 

Konjunkturumfrage der Ruhr IHKs. Quelle: IHKs im Ruhrgebiet.

Den 106. Konjunkturbericht Ruhrgebiet stellte die federführende IHK Nord Westfalen (mit Standorten in Münster und Gelsenkirchen / Emscher-Lippe) im Online-Pressegespräch vor. Rede und Antwort standen IHK-Vizepräsident Lars Baumgarten und Hauptgeschäftsführer Dr. Fritz Jaeckel (beide IHK Nord Westfalen), Dr. Gerald Püchel (IHK Essen, Mülheim an der Ruhr, Oberhausen) und Stefan Schreiber (IHK Dortmund). Von der Krise würden zunehmend auch Unternehmen erfasst, die von den vom Lockdown direkt betroffenen Branchen abhängig sind, ergaben die Umfragen. Der IHK-Konjunkturklimaindikator, der die aktuelle wirtschaftliche Lage und die Erwartungen der Unternehmen in einem Wert zusammenfasst, ist zum Jahresbeginn gegenüber der Herbstumfrage 2020 zwar um knapp zwei Punkte gestiegen, bleibt mit 98 Punkten aber deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von 115.

 

 
Strukturwandel ist live zu beobachten

Konjunkturumfrage der Ruhr IHKs. Quelle: IHKs im Ruhrgebiet.

„Die Ökonomen streiten sich: Ist der Lockdown so weiter tragbar? Industrie ist noch gut ausgelastet, gerade in Europa. Die Lieferketten funktionieren. Auch am Bau sind die Tätigkeiten lebhaft. Unter dem Lockdown leiden vor allem Handel und Dienstleistungen“, erklärte Dr. Fritz Jaeckel, Hauptgeschäftsführer der IHK Nord Westfalen. „Was uns Sorgen macht, ist die fehlende Öffnungsperspektive für eine realistischen Planung: Reise, Gastronomie, personenbezogene Dienstleistungen und der Handel brauchen einen Anlauf. Da gibt es Konzepte, die haben gezeigt: Das funktioniert. Das verschafft Unternehmen ein Geschäft, um Miete und Löhne zu bezahlen. Das gibt zwar kein Einkommen, aber es hält den Laden am Laufen. Wir könnten uns angesichts sinkender Inzidenzwerte aber mehr zutrauen.“ Sonst, so warnte er, wird ein großer Teil der Unternehmen diese Phase nicht überleben: „Sie geben ihr Geschäft auf, weil sie nicht mehr die Kraft haben, an den Markt zurück zu kommen.“ Und: „Wir werden uns auf immer wiederkehrende Infektionsherde einrichten müssen, aber man ist überall in der Wirtschaft verantwortlich mit Maßnahen umgegangen.“ Lars Baumgürtel betonte: „Auch für uns Unternehmen sind gesunde Mitarbeiter wichtig!“

 

Konjunkturumfrage der Ruhr IHKs. Quelle: IHKs im Ruhrgebiet.

„Unternehmen brauchen Perspektiven. Der industrielle Kern ist ja keine Insel: Wir sitzen da als Wirtschaft mit Industrie und Dienstleistern mittel- bis langfristig alle in einem Boot. Das Wegbrachen von Handwerk und Dienstleistern hätte auch für uns Konsequenzen“, so der Gelsenkirchener Unternehmer. „Aktuell kämpfen viele Unternehmen im Ruhrgebiet unverschuldet ums Überleben“, verdeutlichte Baumgürtel, was hinter den Zahlen steckt. Eine Gruppe von Unternehmen habe Einschränkungen hinnehmen oder ganz schließen müssen, um die Bevölkerung zu schützen. „Das Lebenswerk vieler Unternehmer und ihre Altersvorsorge sind akut und sehr konkret von Vernichtung bedroht“, so Baumgürtel. Er appellierte an die Politik, die Unternehmen keinen Tag länger geschlossen zu halten, als dies für den Gesundheitsschutz der Bevölkerung zwingend erforderlich ist.

 

 
Betroffen seien das Gastgewerbe und der innerstädtische Einzelhandel beispielsweise mit Textilien, Bekleidung und Schuhen. „Der Strukturwandel ist hier live zu beobachten, genau wie der Wandel der Strukturen in den Innenstädten“, kommentierte Baumgürtel insbesondere die Verlagerung zum Online-Handel. Zum Teil noch stärker betroffen seien die so genannten persönlichen Dienstleistungen wie die Reisewirtschaft, die Veranstaltungsbranche sowie Kulturschaffende und beispielsweise Fitness-Studios. Ebenso die vielen Solo-Selbstständigen, betonte Baumgürtel und forderte Respekt ihnen gegenüber: „Sie haben immer für sich selbst gesorgt und sich ihren Arbeitsplatz selbst geschaffen.“

 

 
Potenziale voran treiben

Konjunkturumfrage der Ruhr IHKs. Quelle: IHKs im Ruhrgebiet.

Vergleichsweise gut sieht es aktuell in einigen Bereichen der Industrie aus: Lieferketten stehen, mitunter lässt allerdings die Nachfrage (noch) etwas zu wünschen übrig. Fast ein Viertel der Unternehmen insgesamt berichtet von Eigenkapital-Rückgängen, knapp 17 Prozent von Liquiditätsengpässen. Die höchsten Anteile haben hier das Gastgewerbe (60 bzw. 55 Prozent) und die personenbezogenen Dienstleister (57 bzw. 41 Prozent). Auch hier liefert die Industrie die besten Zahlen: Nur etwas über neun Prozent haben Liquiditätsengpässe. Die finanziellen Verhältnisse spiegeln sich auch in der Personalplanung wider. „Flankiert durch die massive Inanspruchnahme der Kurzarbeiterregelung stehen in vielen Branchen die Zeichen mehrheitlich noch auf Halten des Fachpersonals“, fasste Baumgürtel die Antworten der Unternehmen zusammen. Zwei Drittel planen mit einem gleichbleibenden Beschäftigtenstand. Allerdings nicht im Gastgewerbe und bei den personenbezogenen Dienstleistern im Ruhrgebiet, wo nach den Ergebnissen der Umfrage der IHKs im Ruhrgebiet in den nächsten Monaten mit größerem Personalabbau zu rechnen sein wird.

 

 

Konjunkturumfrage der Ruhr IHKs. Quelle: IHKs im Ruhrgebiet.

Wachstumspotenziale sieht Baumgarten im Ruhrgebiet vor allem für die IT-Branche und in der Digitalisierung: „Wir haben eine gute Infrastruktur, hoffnungsvolle Start-ups und eine aktive Gründerszene. Wir können mit IT-Sicherheit ebenso punkten wie mit Forschung und Lehre an unseren Universitäten. Wir haben entsprechend ausgebildete Fachkräfte, brauchen aber auch – gerade auch in Coronazeiten – Konzepte und Ideen für die Ausbildung (mit und ohne Studium!), um die Fachkräfte auszubilden, die hoch spezialisierte Aufgaben übernehmen können. Natürlich setzen wir dabei auch auf die Duale Berufsausbildung, brauchen aber zusätzlich entsprechende Weiterbildung, die wir von den IHKs entwickeln und anbieten müssen.“

 

Konjunkturumfrage der Ruhr IHKs. Quelle: IHKs im Ruhrgebiet.

Auch beim Thema Wasserstoff sieht der IHK-Vizepräsident das Ruhrgebiet gut und zukunftsfähig aufgestellt: „Wir waren immer Energie-Region und Wasserstoff ist ein Zukunftsmodell. Das Ruhrgebiet ist im Wasserstoff die führende Region mit besten Ausgangsbedingungen für Wasserstoff und Wasserstoff-Technologie. Wir haben die nötige Infrastruktur, auch in der Anwendung. Wasserstoff ist nicht nur für die Großindustrie ein Thema, z. B. in der Stahlproduktion, sondern auch Mittelstand bei den Maschinen- und Anlagenbauern. Und: Wasserstoff als Beitrag zum Klimaschutz“, so Baumgürtel. „Wir sind ein attraktiver Standort für Unternehmen mit unserem Wasserstoff-Cluster, aber: wir brauchen mehr Gewerbeflächen, um solche Unternehmen ansiedeln zu können.“

 

 
Konjunkturumfrage der IHKs im Ruhrgebiet

Die Niederrheinische IHK an der Mercatorstaße. Foto: Petra Grünendahl.

Die IHKs im Ruhrgebiet haben fast 1.000 Unternehmen mit insgesamt 140.000 Beschäftigten unter anderem gefragt, wie sie ihre gegenwärtige wirtschaftliche Lage beurteilen, ob sie von Insolvenz bedroht sind und mit welcher Geschäftsentwicklung sie in den kommenden Monaten rechnen. Die Ergebnisse ähneln denen des Rheinischen Wirtschaftsberichts, den die diesmal hier federführende Niederrheinische IHK Duisburg gerade (hier …) vorgestellt hatte. Die Unternehmen im hiesigen IHK-Bezirk haben auch zum Ruhrlagebericht beigetragen.

Mehr zum 106. Konjunkturbericht der IHKs im Ruhrgebiet findet man hier: https://www.ihks-im-ruhrgebiet.de/presse/konjunkturbericht-jahresanfang-2021-5033346.

 
© 2021 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Duisburger SPD über Rats-Kooperation, Parteitag und Mitgliederbefragung

Positve Stadtentwicklung und neue Führungsverantwortung im Fokus
Von Petra Grünendahl

Sarah Philipp. Foto: Screenshot.

„Unsere Gespräche mit den Grünen gehen jetzt in die Arbeitsgruppen, um Details einer möglichen Kooperation zu auszuarbeiten“, erklärte Sarah Philipp, stellvertretende Vorsitzende der SPD Duisburg. „Ein einfaches ‚weiter so’ konnte es nach den Verlusten bei den Kommunalwahlen nicht geben, auch wenn wir weiterhin die stärkste Fraktion sind“, so die Landtagsabgeordnete weiter. Man sehe Gemeinsamkeiten, auf denen man eine Kooperation mit den Grünen aufbauen könne, aber es gebe auch Differenzen. „Wir brauchen verlässliche Mehrheiten, um wichtige Projekte voran zu bringen“, betonte Bruno Sagurna, Fraktionsvorsitzender der SPD im Rat der Stadt Duisburg. „Wir können uns nicht Punkt für Punkt neue Mehrheiten suchen und uns von Thema zu Thema hangeln.“ Auf der Agenda stünden für die SPD, so Sarah Philipp, Sicherheit – hierzu zählen soziale Sicherheit und Arbeitsplätze ebenso wie die Sicherheit auf den Straßen – und Fortschritt mit dem Fokus auf bezahlbarem Wohnen und lebenswerten Stadtteilen. Dazu nannte Bruno Sagurna als weitere große Themen die Stadtentwicklung, Haushalt und neue Gewerbe-Ansiedlungen.

 

Bruno Sagurna. Foto: Screenshot.

Im Online-Pressegespräch gaben Vertreter der SPD und ihrer Ratsfraktion in Duisburg Einblicke und Auskunft zu aktuellen Themen. Neben Sarah Philipp und Bruno Sagurna war Gisela Walsken, ebenfalls stellvertretende Vorsitzende der SPD Duisburg, für Fragen bereit. Neben den Kooperationsverhandlungen für eine Zusammenarbeit im Rat der Stadt thematisierten sie den geplanten digitalen Parteitag am 11. März und die Mitgliederbefragung zur künftigen Führung des SPD-Unterbezirks Duisburg. Ein Präsenz-Parteitag, der zur Abstimmung notwendig ist, kann, so hoffen die Verantwortlichen, eventuell im Mai mit einem entsprechenden Hygienekonzept stattfinden.

 

 
Parteitag und Wahl eines neuen Vorsitzenden

Gisela Walsken. Foto: Screenshot.

Der Parteitag am 11. März solle digital und hybrid stattfinden, erläuterte Sarah Philipp. Irgendwo – eventuell im Steinhof – müssen dann Leute zusammen kommen, die Mitglieder könnten sich dann online zuschalten. „Wir haben schon viele Anträge für die Tagesordnung vorliegen und müssen darüber in die Diskussion kommen.“ Zu den Themen zählen unter anderem die Zukunft Duisburgs als Stahl-Standort, aber auch Themen, die Corona erst in den Fokus gerückt hatte, wie zum Beispiel die Digitalisierung von Schulen.

 
Ein Einzelkandidat sowie ein Führungsduo haben bislang ihren Hut ins Rennen um den Vorsitz des SPD-Unterbezirks geworfen. „Weitere Kandidaten aus den Reihen der SPD Duisburg – egal, ob Einzelbewerber oder Team aus Frau und Mann – können sich bis zum 19. Februar bewerben“, sagte Gisela Walsken. Die Kandidaten sind der aus Homberg stammende Bundestagsabgeordnete Mahmut Özdemir und als Gespann Sarah Philipp und OB Sören Link. Eine Mitgliederbefragung läuft vom 8. bis 25. März schriftlich ab. Die Kandidaten müssen sich im Vorfeld verpflichten, das Ergebnis anzuerkennen. Der oder die Sieger der Befragung soll den Delegierten des Unterbezirksparteitages (voraussichtlich im Mai 2021) vorgeschlagen und offiziell gewählt werden. „Sollte ein Führungs-Duo aus der Befragung als Sieger hervorgehen, muss die Satzung des Unterbezirks vor der Wahl entsprechend angepasst werden“, erklärte Walsken.

 
© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Screenshots aus dem Pressegespräch

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Niederrheinische IHK: Rheinische Wirtschaft fordert Öffnungsperspektive

Nachhol-Effekte wird es eher nicht geben
Von Petra Grünendahl

Dr. Stefan Dietzfelbinger, Hauptgeschäftsführer der Niederrheinischen IHK. Foto: Michael Neuhaus / Niederrheinische IHK.

„Viele Unternehmer sind verzweifelt, weil ihnen die Lebensgrundlage entzogen wurde“, berichtete Dr. Stefan Dietzfelbinger, Hauptgeschäftsführer der Niederrheinischen IHK. Besonders getroffen hat es Gastronomie, Veranstaltungsbranche, Einzelhandel und personenbezogene Dienstleistungen: „Viele Unternehmer stehen vor den Trümmern ihrer Existenz. Da fließen bei Beratungsgesprächen mit unseren Mitarbeitern auch schon mal Tränen“, so Dietzfelbinger weiter. Die niederrheinische IHK ist sehr bemüht, den Unternehmern zumindest beim Erschließen von Fördermitteln unter die Arme zu greifen. Fördermittel seien sehr wichtig, sagte Dietzfelbinger, aber darüber hinaus bräuchten die Unternehmer Perspektiven für die Zukunft. Allerdings, so räumte er ein: „Nicht alle sind gleich betroffen. Für einige Unternehmer hat sich wenig geändert, andere profitieren sogar.“ Gut behaupten können sich die IT-Branche, Banken und Versicherungen, das Gesundheitswesen und die Baubranche.

 

Die Niederrheinische IHK an der Mercatorstaße. Foto: Petra Grünendahl.

Im Online-Pressegespräch stellte die Niederrheinische IHK den gemeinsamen Konjunkturbericht der Industrie- und Handelskammern im Rheinland vor. Zwischen Aachen und Wuppertal, Kleve und Bonn haben die sieben IHKs zum Jahresbeginn 2021 Unternehmen zur Wirtschaftslage und ihren Erwartungen befragt. Rund 3.200 Betriebe aus Industrie, Handel und Dienstleistungen hatten sich beteiligt. Der so entstandene Konjunkturklimaindex, der Lage und Erwartungen zusammenfasst, liegt bei 97 Punkten, er hält damit trotz Lockdown das niedrige Niveau aus dem Herbst (98 Punkte). Im Frühjahrs-Lockdown 2020 war er von 108 Punkten zum Jahresbeginn 2020 auf 68 Punkte abgestürzt. Der Bericht ist online abrufbar unter https://www.ihk-niederrhein.de/rheinland-barometer.

 

 
Krise hat Verlierer und Gewinner

Lockdownbremst die Erholung der Wirtschaft. Quelle: IHKs im Rheinland.

Die Schere öffnet sich zwischen Verlierern der Pandemie und Unternehmen, die sich behaupten können. Zu den Verlierern zählen neben den vom Lockdown betroffenen Unternehmen auch solche, die von Aufträgen aus diesem Branchen abhängen. Alle Branchen drückt die Sorge vor der rückläufigen Nachfrage. Dietzfelbinger: „Die Nachfrage aus dem Inland, aber auch von den Auslandsmärkten, hat deutlich nachgelassen. Die Unternehmen sind verunsichert und sie planen sehr vorsichtig bei Investitionen und Personal. Diese Zurückhaltung ist eines der größten langfristigen Risiken der Krise.“

 

Auswirkungen auf die Branchen sehr unterschiedlich. Quelle: IHKs im Rheinland.

„Wir verstehen, dass die Politik auf ein dynamisches Pandemiegeschehen auch situativ reagieren muss und auf Sicht fährt. Vielen Unternehmen fehlt aber jede Perspektive. Nach einem Jahr Corona-Pandemie und über 25 neuen Regelungen brauchen die Unternehmen mehr Klarheit“, so Dietzfelbinger. Konkret fordern die IHKs im Rheinland einen Stufenplan, der Kriterien festlegt, wann welche Geschäfte wieder öffnen dürfen. Es sei an der Zeit, einen Weg aus der Krise aufzuzeigen, so die IHKs. Zumal: Zum Öffnen bräuchten die Unternehmen einen Vorlauf. Indikatoren wie Inzidenz, Krankenhaus-Patienten oder die Zahl der Geimpften könnten da Leitschnur für eine vorsichtige Öffnung sein. „Wir werden wohl lernen müssen, mit dieser Pandemie zu leben. Dafür brauchen wir einen Plan, denn das Rheinland ist eine Grenzregion mit vielen Pendlern.“ Dazu brauche es neben Hygienekonzept und Masken auch technische Sicherheitsmaßnahmen wie Luftfilterung.

 

 
Angebot braucht wieder Nachfrage

Lockdownbremst die Erholung der Wirtschaft. Quelle: IHKs im Rheinland.

„Noch sehen wir keine Auffälligkeiten, aber wir stellen uns natürlich die Frage: Wann kommt die Insolvenz-Welle?“, bemerkte der IHK-Hauptgeschäftsführer. „Wir hoffen, dass es dazu nicht kommt. Aber was ist, wenn Fördermittel auslaufen?“ Den Unternehmern fehle die Liquidität. Fördermittel flössen zu langsam. Anträge müssten unbürokratischer werden. Nachhol-Effekte erwarte kaum ein Unternehmen – schon gar nicht in diesem Jahr. Erst 2022 erwarte man, dass die Wirtschaft wieder anlaufe, wenn man die Pandemie rechtzeitig in den Griff kriege. „Wirtschaft ist auch Psychologie“, betonte Dietzfelbinger. Mehr denn je bräuchten Unternehmer Perspektiven zur Planung: Wann kann ich mein Geschäft wieder ans Laufen kriegen? Und wann dürfen Kunden wieder zu mir kommen?

 

 
Niederrheinische IHK
Die Niederrheinische IHK vertritt das Gesamtinteresse von rund 69.000 Mitgliedsunternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen in Duisburg und den Kreisen Wesel und Kleve. Sie versteht sich als zukunftsorientierter Dienstleister und engagiert sich als Wirtschaftsförderer und Motor im Strukturwandel. Zur Gruppe der IHKs im Rheinland zählen neben Duisburg, Wesel und Kleve die Kammerbezirke Krefeld / Mittlerer Niederrhein, Düsseldorf, Wuppertal / Bergisches Land, Aachen, Köln und Bonn / Rhein-Sieg.

 
© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Foto: Petra Grünendahl (1), Michael Neuhaus (1)

 

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Lesetipp: „Ende offen” von Peter Strauß

Weiter denken: Über den eigenen Tellerrand hinaus in die Zukunft
Von Petra Grünendahl

Lesetipp: „Ende offen“ von Peter Strauß. Foto: Petra Grünendahl.

Für die Zukunft sehen wir uns durch unser politisches System, Demokratie und soziale Marktwirtschaft, sowie den technischen Fortschritt gut gerüstet. Wir leben in einem System von Sicherheiten, verlassen uns auf die Steuerung durch Politik und Wirtschaft. Dabei, so Autor Peter Strauß, lassen wir Potenziale ungenutzt, uns und unser Zusammenleben in Gesellschaft und Wirtschaft wirklich weiter zu bringen. Stattdessen müssten wir mehr in unser aller Bildung, Reifung und Verantwortungsbewusstsein investieren. Auf fast 500 Seiten liefert Strauß eine Bestandsaufnahme von Problemen unserer heutigen Welt: Ungleichheit, Gewalt, Umweltverschmutzung und Ressourcenverbrauch, Egoismus und Gedankenlosigkeit. Deren Ursache sei, so der Autor, die Entwicklung des Menschen, die einerseits dem evolutionären Erbe, andererseits kultureller Prägung verhaftet ist. Peter Strauß legt die Widersprüche unserer Existenz schonungslos offen, um ein Nachdenken über unser Sein und unsere Zukunft zu provozieren. Zu sehr auf technologischen und wirtschaftlichen Fortschritt ausgerichtet, vernachlässigen wir geistigen und soziologischen Fortschritt, meint Strauß: Wir denken zu kurzfristig. Und er warnt: Veränderungen kommen nicht von alleine – wir müssen jetzt die Weichen stellen.

 
In seinem Buch „Ende offen“ hat Autor Peter Strauß seine Gedanken zum „Weg des Menschen aus der Steinzeit in die Zukunft“, so der Untertitel, zusammen getragen. Er stellt damit das evolutionäre Erbe des Menschen von seiner Entstehung bis in die heutige Gesellschaft auf den Prüfstand. Woher kommt der Mensch und was wurde und wird ihm an kultureller Prägung mitgeben? Strauß hat dazu seine Gedanken zusammengetragen und ausgearbeitet: Ganzheitlich, themen- und systemübergreifend und nicht zuletzt global mit einem Blick auf die Welt, in der wir schließlich alle leben. Er identifiziert „Fehler im System“ wie Macht, Gier und die massive Ungleichheit und erklärt, woher sie kommen und warum wir sie zum Besten unserer Gesellschaft – nicht nur regional, sondern weltweit – besser ausmerzen sollten.

 
Man muss nicht in allen Schlussforderungen mit dem Autor übereinstimmen, kann sogar durchaus anderer Meinung sein. Es ist aber durchaus herausfordernd und befriedigend, Strauß’ Gedankengänge nachzuvollziehen, um sich und seine Gedankenwelt auf den Prüfstand zu stellen. Mehr Refektion(sfähigkeit) ist gefordert für einen Weg in eine gemeinsame Zukunft, der nicht von politischen und wirtschaftlichen Interessen motiviert ist und nur Einzelnen nutzt.
Die Welt ist weder alternativlos noch die beste aller möglichen Welten, so Strauß. Die nötigen Rahmenbedingungen einer Veränderung seien leicht zu formulieren, führt der Autor aus. Allerdings seien die, die sie initiieren könnten, daran nicht unbedingt interessiert.

 

 
 
Gesellschaftliche Strukturen auf den Prüfstand stellen

Lesetipp: „Ende offen“ von Peter Strauß. Foto: Petra Grünendahl.

„Warum sollten wir uns daran stören, dass ein anderer seltsame Dinge tut, solange uns das nicht schadet?“, fragt Peter Strauß. Warum führt „anders sein“ zu Ablehnung und Ausgrenzung? – „Wir müssen uns von der Sicherheit eng gefasster Regeln entfernen.“ Toleranz fördert auch die persönliche Freiheit des Einzelnen. Unsere Stärke ist Vielfalt: Wir sind alle verschieden. Die einzige Grenze der Freiheit werde erreicht, wenn andere beeinträchtigt werden. Die Zukunft liege, so Strauß, im „Miteinander aller in Individualität und Vielfalt“, wobei sich der Individualismus „nicht mehr in der extremen Macht Einzelner (Egoismus), sondern in umfassender Freiheit aller“ ausdrücken werde. Wenn es gelänge, Gewalt und Orientierungslosigkeit weltweit zu reduzieren, Gewalt und Aggression nicht mehr von einer Generation auf die nächste weiterzugeben, könnten bewaffnete Konflikte und Kriege der Vergangenheit angehören.

 
Zu eng seien manchmal die Grenzen des eigenen Denkens, fordert der Autor den Leser heraus. Zu sehr in ihren individuellen Systemen verhaftet sei immer noch die Suche nach Lösungen. Ein optimales System müsse, so Strauß, mit der Unvollkommenheit von Menschen umgehen können. Trotz Individualisierung, Identitätsfindung und persönlicher Freiheit gehe es nicht um „Ich oder die Gemeinschaft“, sondern um das Ziel des „Ich in der Gemeinschaft“: Für einen Weg in die Zukunft, der allen nutzt. Gute Anregungen und Stoff zur Diskussion, zum Nachdenken und zur (Selbst-)Reflektion findet der Leser jedenfalls in Peter Strauß’ Ausführungen mehr als reichlich.

 

 
Das Buch und der Autor

Autor Peter Strauß. Foto: privat.

Peter Strauß, geboren 1968 in Wiesbaden, arbeitet seit zwanzig Jahren als Ingenieur in der Autoindustrie und hat dabei Einblicke in Strukturen verschiedener Unternehmen gewonnen. Als Projektleiter erlebt er täglich die Herausforderungen zwischenmenschlicher Kommunikation und Zusammenarbeit. Seine Wahlheimat Berlin fasziniert ihn mit ihrer Vielfalt an Menschen, Kulturen und alternativen Lebensmodellen. Neben seiner Arbeit beschäftigt er sich mit Psychologie und Soziologie, insbesondere mit der Kindererziehung und ihren Auswirkungen auf das gesamte Leben.
https://www.peterstrauss.berlin
https://tredition.de/autoren/peter-strauss-30583/

 
Das 488-seitige Buch ist erschienen beim Self-Publisher tredtion als gebundene Ausgabe, Taschenbuch und e-Book. Zu Preisen von 30 Euro (gebunden, ISBN 978-3-347-02028-3), 25 Euro (Taschenbuch, ISBN 978-3-347-02027-6) und 10 Euro (e-Book, ISBN 978-3-347-02029-0) ist es auch im lokalen Buchhandel zu haben.
https://tredition.de/publish-books/?books/ID128726/Ende-offen

Peter Strauß im Kurz-Interview:

Kurz-Interview zum Buch "Ende offen" von Peter Strauß from Peter Strauß on Vimeo.

 
© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (1), privat (1)

 

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Lesetipp: „Die Ruhr und ihr Gebiet“ von der Brost-Stiftung

Jahrhunderte spannender Entwicklungen in Geschichten und Bildern
Von Petra Grünendahl

Die inszenierte Ruhrquelle bei Winterberg im Sauerland 2020. Aufnahme von Martin Schlauch. Foto: Petra Grünendahl.

Die Ruhr steht Namen gebend für das Ruhrgebiet, welches sie im Süden durchzieht: Sie verbindet auf 219 km Länge das Sauerland / Westfalen mit Duisburg und dem Rheinland. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts bildete sich in dem ehemals ländlichen Raum ausgehend von den Steinkohlefunden an der Ruhr ein Ballungsgebiet bis zur Lippe, das von Bergbau und Hüttenindustrie geprägt wurde. Diese Region zwischen Ruhr und Lippe, Moers und Hamm meint man heute mit der Bezeichnung Ruhrgebiet (und klammert den sauerländischen Flusslauf aus): Genau genommen müsste man sie aber eher als Emschergebiet bezeichnen, denn hier im Norden hatte sich die Wandlung zur Industrieregion, die man mit dem Ruhrgebiet assoziiert, tatsächlich vollzogen. Die Region wurde zum Herzstück der Industrie im Deutschen Reich, der Bundesrepublik Deutschland und Europas. Die Schiffbarmachung der Ruhr 1776-1780 ermöglichte, den Fluss als Transportweg insbesondere für den im 19. Jahrhundert entlang der Ruhr entstehenden Bergbau zu nutzen. Die Wirtschaftsinteressen der Region standen dabei im Vordergrund.

 

Im Schuber: „Die Ruhr und ihr Gebiet“ gibt es nur im Doppelpack. Foto: Petra Grünendahl.

Viele Bücher sind schon über das Ruhrgebiet entstanden. Dass nun ein neues erschienen ist, zeigt zum einen, wie vielfältig, und zum anderen, wie sehr die Region im Wandel ist. Mit dem Werk „Die Ruhr und ihr Gebiet“ (zwei Bände im Schuber) zeigt die Brost-Stiftung (Herausgeber) in Kooperation mit der Stiftung Geschichte des Ruhrgebiets einmal mehr, dass Region immer noch nicht (und das wird sie vielleicht niemals) erschöpfend und final dargestellt wurde. Zu den vielen Facetten der Region kommt der stetige Wandel, dessen andauernde Dynamik seine einzige Konstante ist. „Das Ruhrgebiet war nie eine Insel. Das industrielle Herz Europas war vielfach verzahnt mit dem ganzen Kontinent“, so Bodo Hombach, Vorstandsvorsitzender der Brost-Stiftung Essen, als Herausgeber im Vorwort. „’Wir im Revier’“, so schreibt Hombach, der in seiner Geburtsstadt Mülheim an der Ruhr lebt, „erdet Eskapaden und Höhenflüge.“ Die Bodenständigkeit des Ruhris steht nicht im Widerspruch zur Globalisierung, ist doch die Region Erdung und Identität. Unter dem Motto „Leben am und mit dem Fluss“ bieten 24 Autoren auf über 800 Seiten vielfältigen Lesestoff, der viele Facetten der Region beleuchtet: Von wissenschaftlichen Beiträgen und Dokumentationen über Interviews bis hin zu Reportagen und Erzählungen. Zeitlich erkunden die Beiträge eine Spanne zwischen dem frühen 19. Jahrhundert und der Gegenwart. Schwerpunkt ist der untere Lauf der Ruhr (ab der Lenne-Mündung bei Hagen), der durchs Ruhrgebiet läuft. Einige Beiträge im ersten Band thematisieren jedoch auch Entwicklungen an Mittel- und Oberruhr.

 

 
Das Ruhrgebiet: die Industrieregion

Der Verlauf der Ruhr. Foto: Petra Grünendahl.

Bis zur Industrialisierung, die massiv in ihrer Hochphase ab der Mitte des 19. Jahrhunderts voran getrieben wurde, war das Ruhrgebiet und das Land entlang der Ruhr eine intensiv landwirtschaftlich genutzte Fläche. Und zumindest zu Beginn des industriellen Wandels konnten Ertragssteigerungen in der Landwirtschaft auch den Nahrungsmittelverbrauch der stetig wachsenden Bevölkerung im Ruhrrevier decken. Die Anfänge der Industrialisierung wären ohne die landwirtschaftlichen Strukturen gar nicht möglich gewesen. Der Existenzkampf um Flächennutzungen wurde (und ist bis heute) existenziell. Die Nähe von Erzeugern und Verbrauchern hat aber auch Vorteile – für beide Seiten. Interessen von Wirtschaft und Umweltschutz standen und stehen dabei nicht immer in einem Gegensatz. Und mittlerweile ist Umweltschutz zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor entlang der Ruhr avanciert. Aufstieg und Niedergang der Schwerindustrie prägten und prägen Stadtentwicklung und Konzepte neuer Flächen- und Bevölkerungs-/Wohnraumentwicklung.

 

 

Rauchende Schlote im Ruhrgebiet. Aufnahme von Werner Cramer, 1930er-Jahre in Fotoarchiv des Ruhrmuseums. Foto: Petra Grünendahl.

Als der Bergbau nach Norden in Richtung Emscher und Lippe wanderte und sich die Eisenbahn als Konkurrenz etablierte, stellte man auf der Ruhr 1890 die Transportschifffahrt ein. Aus dem früheren reinen Transportweg einer Industrieregion, der über 100 Jahre einer der am stärksten befahrenen Wasserstraßen Deutschlands war, konnte schließlich ab 2000 ein naturnahes Fluss- und Auengebiet werden, nachdem die EU eine „Wasserrahmenrichtlinie“ beschlossen hatte. Im Norden, an der Emscher, erlebte dann die Schwerindustrie ihre Blüte, als man an der Ruhr schon anfing, die unhaltbaren hygienischen Zustände aus früher Industrialisierung und Bevölkerungswachstum zu beseitigen. Der Kohlebergbau an der Ruhr endete jedoch erst 1973 mit der Stilllegung der Zeche Carl Funke am Baldeneysee. Heute erinnert dort wenig an die frühere bergbauliche und industrielle Nutzung. Der Strukturwandel und die Renaturierung des Wasserlaufs eröffnete Möglichkeiten als Natur- und Wirtschaftsraum, Wohn- und Kulturraum, für Industrie und Verkehr, Wasserwirtschaft, Sport und Freizeit. Er stellte die Region aber auch vor wirtschaftliche und soziale Herausforderungen. Der Rückbesinnung auf den Fluss als Ort der Identitäts- und Bewusstseinsbildung will sich das Buchprojekt in einen regionalen Kontext einfügen, die post-industrielle Identität zu schärfen und zu stärken. Die multiperspektivische Annäherung des Buches an die Region im Wandel macht ihre vielfältigen Facetten gleichwertig erlebbar.

 

 
Das Buchprojekt

Im Schuber: „Die Ruhr und ihr Gebiet“ gibt es nur im Doppelpack. Foto: Petra Grünendahl.

Im ersten Band liegen die inhaltlichen Schwerpunkte auf den Gebieten Natur, Naturwirtschaft, Wohnraum und Kultur mehr auf dem gesamten Lauf der Ruhr zwischen Quelle bei Winterberg im Sauerland und Mündung in den Rhein in Duisburg. Der zweite Band beschäftigt sich mit Industrie, Verkehr, Wasserwirtschaft, Sport und Freizeit mehr mit der Beziehung des Flusses zum Ruhrgebiet. Facettenreich tauchen sie ein in Geschichten und Geschichte und fördern überraschende neue und mitunter auch kritische Aspekte zu Tage, die man auch dann nicht unbedingt kennt, wenn man sich viel mit dem Ruhrgebiet beschäftigt.

Das vielfältig gestaltete und spannend gemachte Buchprojekt hat sowohl für Einsteiger als auch für profunde Kenner des Ruhrgebiets viel zu bieten. Es ist sehr textlastig angelegt, mit vielen Informationen, Erzählungen und Geschichten, aber auch ganz hervorragend ergänzt mit Fotografien und historischen Ansichten, aussagekräftigen Karten, Illustrationen und Tabellen.

Das Werk „Die Ruhr und ihr Gebiet“ (Untertitel: Leben am und mit dem Fluss) ist nur komplett mit zwei Bänden im Schuber erhältlich. Die Bände im Format 21 x 27 cm sind gebunden mit 420 bzw. 408 Seiten. Erhältlich ist das im Aschendorff Verlag, Münster, erschienene Werk im lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-402-24640-5) für 39,90 Euro.

 
Blicke ins Buch. Fotos von Petra Grünendahl

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© 2021 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Wir wünschen unseren Lesern einen guten Start in das Jahr 2021!

Foto: Petra Grünendahl.

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Wir wünschen unseren Lesern frohe, gesegnete Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Foto: Petra Grünendahl.

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Deutsche Oper am Rhein: „Der Kaiser von Atlantis“ auch online ein besonderes Erlebnis

Gegen Willkür und Terror dem Schicksal ins Gesicht gelacht
Von Petra Grünendahl

Von links: Anke Krabbe (Mädchen), Kimberley Boettger-Soller (Trommler), David Fischer (Harlekin), Thorsten Grümbel (Lautsprecher), Luke Stoker (Tod), Sergej Khomov (Soldat). Foto: Hans Jörg Michel.

Overall der Einzige, Kaiser von Atlantis (Emmett O’Hanlon), erklärt Krieg von Allen gegen Alle. Sein alter Verbündeter, der Tod (Luke Stoker), sieht sich seiner Würde beraubt und verweigert den Dienst. Eng verbunden war der Tod mit dem Harlekin (David Fischer), den niemand mehr haben will. Niemand lacht mehr über ihn, weil er die Lust am Leben verloren hat. Seitdem der Tod aber niemanden mehr sterben lässt, ist die Verbindung getrennt.

David Fischer (Harlekin). Foto: Hans Jörg Michel.

Und auch Harlekin ist nur noch mehr ein Schatten seiner selbst. Zunächst versucht Overall noch, die „Unsterblichkeit“ seiner Kämpfer zu seinem Vorteil zu nutzen. Allerdings wünschen sich diese, der Soldat (Sergej Khomov) und das Mädchen (Anke Krabbe), den Tod bald als Erlösung herbei. Während der Lautsprecher (Thorsten Grümbel) die nicht sterben wollenden Kämpfer preist, versucht der Trommler (Kimberley Boettger-Soller), diese Elenden bei der Stange zu halten. Jedoch fordern die Leidenden angeführt vom Harlekin, der das Lachen wieder gefunden hat, vom Kaiser, dass man sie sterben lasse. Schließlich schreitet der Tod ein, der sich wünscht, nicht nur Zweck an sich und Mittel des Terrors zu sein, sondern die Menschen erlösen zu können.

 

Luke Stoker (Tod), hinten Thorsten Grümbel (Lautsprecher). Foto: Hans Jörg Michel.

Natürlich ist „Der Kaiser von Atlantis“ als Stream ebenso wenig ein Ersatz für den realen Opernbesuch wie eine Fernsehsendung, aber angesichts des andauernden Corona-Lockdowns für Kultur- und Freizeiteinrichtungen eine Möglichkeit, die Deutsche Oper am Rhein zumindest aus der Konserve zu genießen. Allerdings hat es schon seinen Reiz, dass die Kameraführung Teil der Handlung wird und gezielt Akteure in den Bildmittelpunkt setzt.

Vorne Anke Krabbe (Mädchen), hinten Kimberley Boettger-Soller (Trommler). Foto: Hans Jörg Michel.

Zumal die fantastischen Akteure in ihren Rollen gesanglich wie schauspielerisch glänzen. Die Komposition von Vektor Ullmann zu einem Libretto von Peter Kein kommt mit kleiner Besetzung aus. Die Aufzeichnung der Inszenierung von Ilaria Lanzino stammt vom 10. Oktober vor Corona-Publikum aus dem Opernhaus Düsseldorf, so dass hier für die musikalische Begleitung die Düsseldorfer Symphoniker unter der Leitung von Axel Kober zum Einsatz kamen. Für Bühnenbild und Kostüme zeichnet Emine Güner verantwortlich, das Lichtdesign stammt von Thomas Diek. Gesungen wird in deutscher Sprache, Untertitel erleichtern das Verständnis der Handlung.

 

Links Emmett O’Hanlon (Overall), rechts David Fischer (Harlekin). Foto: Hans Jörg Michel.

In knapp einer Stunde erzählt eine Art Oper in vier Bildern die Geschichte vom „Leben, das nicht mehr lachen, und vom Sterben, das nicht mehr weinen kann, in einer Welt, die verlernt hat, am Leben sich zu freuen und des Todes zu sterben“, so der Lautsprecher. Es kommt zu Aufständen lebender Toter gegen die erzwungene Unsterblichkeit. Das Sterben verliert seinen Schrecken, wird von den Leidenden ersehnt. Der Tod bietet an, seinen Streik zu beenden, wenn der Kaiser das Opfer bringt, zuerst zu sterben. Das endet Willkür und Terror des totalitären Herrschers. Ein zutiefst menschliches Stück, was zum Nachdenken anregt. Die Figuren sind stark überzeichnet und wirken in ihrem erzwungenen Schicksal fast komisch. Die Sänger bringen ihre Charaktere ausdruckstark zum Leben. Und weil schlussendlich der Tod seinen Schrecken verliert, kann auch das Leben (und der Harlekin) wieder lachen.

 

 
Oper aus dem KZ

Der Tod fordert ein Opfer: vorne Emmett O’Hanlon (Overall), hinten Luke Stoker (Tod). Foto: Hans Jörg Michel.

Viktor Ullmann komponierte seine Opernparabel „Der Kaiser von Atlantis“ in den Entbehrungen und Schrecken des Konzentrationslagers Theresienstadt zu einem Libretto von Peter Kien. Das Werk, das von den Lagerbedingungen vom Sujet bis zur Instrumentierung bestimmt wurde, stellt allegorisch Leben (Harlekin) und Tod gegenüber. Es war der Versuch und Wille seiner Schöpfer, im KZ in Kunst umzusetzen, was ihnen im Leben verwehrt war: Der Ausdruck des Widerstandes gegen ein menschenfeindliches Regime. Obwohl die Proben in vollem Gange waren, wurde das Projekt aus unbekannten Gründen vor der geplanten Premiere abgebrochen. Am 16. Oktober 1944 wurden Viktor Ullmann und Peter Kien im Rahmen der so genannten „Künstlertransporte‟ nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Auch die meisten ihrer Mitstreiter überlebten nicht.

 

 
Die Aufführung ist verfügbar bis 30. April 2021
Der Stream startet über den Pfeil im Header-Bild.
https://operavision.eu/de/bibliothek/auffuehrungen/opern/der-kaiser-von-atlantis-deutsche-opera-am-rhein

 
Der Stream der Oper ist kostenfrei zugänglich. Eine Einführung gibt es als Audio-Opernführer unter https://www.operamrhein.de/de_DE/opernfuehrer-audio der auf Operavision im Slider rechts.

Weitere Informationen zur Oper gibt es hier:
https://operamrhein.de/de_DE/repertoire/der-kaiser-von-atlantis.1225803

 

 
Das digitale Angebot der Deutschen Oper am Rhein
Auf ihrer Webseite operamrhein.de und ihren Social Media Kanälen (u. a. YouTube) bietet die Deutsche Oper am Rhein ein umfangreiches digitales Angebot an, das nahezu täglich aktualisiert und erweitert wird. Mit unterschiedlichen Formaten und einem kostenlosen „Stream on demand“ der Oper „Der Kaiser von Atlantis“ ermöglicht es viel­fältige Einblicke in die Probenarbeit während des Lockdowns. Unter anderem besteht das digitale Angebot aus:

  • „Making of: Tristan & Isolde“: Eine vierteile Filmreihe mit Impressionen der musikalischen und szenischen Probenarbeit und zahlreichen Interviews zu der Produktion, die ab 3. Dezember 2020 Premiere an der Deutschen Oper am Rhein feiern sollte.
  • „A First Date“: Die amerikanischen Filmemacherin Daisy Long stellt die Tänzerinnen und Tänzer des Ballett am Rhein in einer dreiteiligen Dokumentation vor.
  • „Opernführer Audio“: Werkeinführungen mit Hintergrundinformationen zu Musik und Inhalt ausgewählter Stücke des Spielplans sind, gesprochen von der Dramaturgie, als Audio-Files abrufbar.
  • „Romeo & Julia“: Die Premiere zu Boris Blachers Oper war für November geplant. Auf ihrer Webseite gibt die Deutsche Oper am Rhein digitale Einblicke in die Proben, zusätzlich stehen Auszüge aus dem (noch unveröffentlichten) Programmheft bereit.
  • Auch ans junge Publikum ist gedacht: Der digitale Adventskalender der Jungen Oper am Rhein bietet täglich neue kreative Überraschungen für alle Altersgruppen.

Mehr Informationen gibt es hier.

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Hans Jörg Michel

 

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Büchertipp: Mit „Management beyond Ego“ zum Erfolg

Eine bessere Version von uns selbst werden
Von Petra Grünendahl

Matthias Kolbusa. Foto: M. Kuhn.

Ein Ego hat jeder. Aber in welcher Ausprägung dieses ins positive oder negative neigt, macht den Charakter des Menschen aus. Der Narzisst ist das Extrem-Beispiel des negativen Egos: Macht, Geltung und sein eigenes Wohlbefinden stehen bei ihm an erster, zweiter und dritter Stelle – und danach kommt lange gar nicht. Er ist der Beste und will andere beherrschen. Die Ideen anderer taugen sowieso nichts, so die Devise. Dominanzgebaren, Misstrauen und Kontrollzwang sind Ego-Fallen, die eine erfolgreiche Entwicklung verhindern. Ein Ego hat jeder, aber nicht unbedingt in dieser negativen Ausprägung: Ein reifes Ego ist in der Lage, über das Ich hinaus zu denken, Werte zu leben, andere Menschen und ihre Ideen wahrzunehmen, ihre Kritik zur Weiterentwicklung eigener Ideen zu nutzen. Es ist souverän und begreift Wandel nicht als Angriff auf die eigene Person. Es reflektiert und ist weniger anfällig für die negativen By-Ego-Facetten, die Motivation, Kreativität, Leistungsbereitschaft und Erfolg eher behindern als fördern. Das „stille Ich“, so der Autor Matthias Kolbusa, lebe dabei gesünder und gelassener.

 

Matthias Kolbusa: „Management beyond Ego“ ist beim Ariston Verlag erschienen. Foto: Petra Grünendahl.

Auch wenn sich Matthias Kolbusa mit seinem Buch explizit an Führungspersönlichkeiten in der Arbeitwelt richtet, die – so der Untertitel – Teams zu außergewöhnlichen Erfolgen führen wollen: Die Grundlagen des „Management beyond Ego“ helfen in allen Bereichen zwischenmenschlicher Kommunikation und Zusammenarbeit, bessere Ergebnisse zu erzielen. Das gilt bei Familie und Hobby ebenso wie in Mannschaft oder Verein. Denn die Leistung des Einzelnen ist umso wertvoller, je mehr sie andere Menschen weiter bringt. Dazu zählt für Menschen in führenden Positionen auch, Leistungen und Ideen anderer zuzulassen. Die eigenen Ideen hinterfragen zu lassen. Wichtig ist die (Selbst-)Reflektion, die zur eigenen Weiterentwicklung führt, auch wenn – wie der Autor von sich selber hin und wieder einräumt – dies nur über die Erkenntnis der eigenen Unzulänglichkeit und das Überwinden alt hergebrachter Handlungsmuster funktioniert. In drei Abschnitten führt Kolbusa von der (Problem-)Analyse des Egos als Kraft über die Darlegung der Philosophie des „Management beyond Ego“ zur Praxis, das neue Denken „gewinnbringend“ einzusetzen. Ein Fazit nach jedem Kapitel bringt noch einmal die wichtigsten angesprochenen Umstände auf den Punkt.

 

 
Gestalten oder Dominieren?
Das Verständnis von Führung

Der Weg zu einem reifen, positiven Ego führt über Reflektion und Selbsterkenntnis, die nicht immer bequem ist. Wir müssen vielleicht etwas abgeben, um schlussendlich „mehr“ zu bekommen und als Persönlichkeit zu wachsen. Dass er sich mit der Selbsterkenntnis schon mal schwer tue, räumt auch der Autor an Beispielen ein, die dem Leser ein klares Bild vermitteln. Denn es gilt, hin und wieder auch die unvermeidlichen Ego-Fallen zu überwinden: „Wer nicht zur Arbeit an sich selbst bereit ist, taugt nicht zur Führungskraft!“, bilanziert der Autor.

Wie Ego und Selbstliebe sind Gier und vielleicht auch ein bisschen Größenwahn in Maßen genossen eher positiv zu bewerten, weil sie Ansporn sind, etwas zu erreichen. An Beispielen führt Kolbusa aber auch an, wo ein „zu viel“ immensen Schaden anrichtet, unter dem viele zu leiden haben. Immer wieder mahnt der Autor, wo die Grenzen vom Positiven ins Negative Folgen für den Einzelnen, sein Unternehmen oder die Gesellschaft haben. Das rechte Maß ist wichtig, um weniger verführbar zu sein durch Status, Einkommen oder Position und Einfluss. Ehrliche Selbsterkenntnis ist der Weg, dieses rechte Maß zu finden, an dessen Ende das „Management beyond Ego“ großartige Leistungen und den Erfolg verheißt.

„Wir sind alle verführbar und fallen von Zeit zu Zeit wieder auf die alten Fallen herein“, erklärt Kolbusa. „Alles, was nur dem Eigennutz dient und nicht dem großen Ganzen, ist zum Schaden für das Team und damit automatisch für das Unternehmen.“ Er rät, Fachkompetenz und Nutzerorientierung zu fördern statt Durchsetzungsstärke. Vielfach heißt das: Sind Ehrgeiz, Durchsetzungswille, Mut zur Kritik und Wettbewerbsorientierung in einem bescheidenen Maß vorhanden, sind sie konstruktiv. „Wenn wir die negativen Ausprägungen dieser Phänomene überwinden wollen, geht das nur mit den Menschen und nicht gegen sie.“ Nicht jeder für sich, sondern im Dienst des Teams alle nach vorne bringen, müsse das Credo sein: Veränderung beginne bei jedem selbst. „Management beyond Ego ist nichts für Weicheier“, so der Autor. Es ist ein lebenslanges Ringen mit dem eigenen Ego-Trieb, der zum Erfolg eines Unternehmens oder einer Gemeinschaft überwunden werden muss.

 

 
Der Autor und das Buch

Matthias Kolbusa. Foto: M. Kuhn.

Matthias Kolbusa ist Strategie- und Veränderungsexperte, Redner, Denker und Unternehmer. Sein erstes Unternehmen hat er im Alter von 14 Jahren begründet. Karriere machte er in internationalen Beratungsfirmen. Weitere Unternehmensgründungen folgten: Manche florierten, manche scheiterten. Aus seinem Scheitern lernte Kolbusa, um daraus wieder Erfolge zu machen. Er ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft des Club of Rome und berät u. a. das Top-Management zahlreicher DAX-30-Unternehmen.

Das Buch „Management beyond Ego“ ist im Ariston Verlag, München, erschienen. Das 352-seitige Werk im Hardcover-Format ist für 22 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-424-20228-1).
https://kolbusa.de/management-beyond-ego/

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (1), M. Kuhn (2)

 

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Letzte Duisburger Ratssitzung des Jahres: Pläne zur Belebung der Innenstadt

Weitere Fördermittel für Innenstadt und die Bezirke
Von Petra Grünendahl

Wegen Corona tagt der Rat der Stadt in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

Mehrheitlich beschloss der Rat der Stadt Duisburg die Aussetzung der Parkgebühren in der Innenstadt bis zum Jahresende. Die Grünen enthielten sich: „Viel Wunschdenken!“ Anträge kleinerer Fraktionen, diese bis zum 31. Januar oder gar 31. März auszusetzen, lehnte Oberbürgermeister Sören Link ab: „Diese Vorlage ist mit der Bezirksregierung abgesprochen und gegenfinanziert.“ Als Haushaltssicherungskommune dürfe Duisburg nach wie vor keine großen Sprünge machen. Lediglich als Mitteilungsvorlage erhielt der Rat die Verlängerung des Verzichts auf Sondernutzungsgebühren für Außengastronomie bis zum 30. Juni 2021, der der Corona-geschädigten Gastronomie nach Ende des aktuellen Lockdowns weiterhelfen soll. Einen bis Ende 2020 gültigen Ratsbeschluss hatte es dazu im Juni gegeben. Eine große Diskussion entbrannte um einen Antrag der Fraktion Junges Duisburg zu Maßnahmen der Innenstadtbelebung. Schon im Vorfeld der Sitzung war jedoch abgeklärt worden, den Antrag zurückzuziehen und in den neuen Ausschuss für Wirtschaft, Innovation und Tourismus zur Beratung weiter zu reichen. Grundsätzlich besteht nämlich große Einigkeit und der Wille, für die Innenstadt positive Impulse zu setzen.

 

Wegen Corona tagt der Rat der Stadt in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

In der letzten Sitzung des Jahres hatte der Rat der Stadt Duisburg eine überschaubare Anzahl von Entscheidungen zu treffen: 51 Tagesordnungspunkte waren es im öffentlichen Teil. Und auch der nicht-öffentliche Teil direkt im Anschluss hielt sich zeitlich in Grenzen. Wenig gab Anlass zu großen Diskussionen, so dass die Ratsleute nach nicht einmal drei Stunden den Großen Saal (Philharmonie) der Mercatorhalle verlassen konnten. Der vierstreifige Ausbau der Rheinquerung im Zuge B288 sowie die Neuordnung der Dezernate mit anschließender Stellenausschreibung für einen neuen Beigeordneten wurde als 1. Lesung wegen weiteren Beratungsbedarfs zur Entscheidung ins neue Jahr verschoben. Schnell abgearbeitet waren Änderungen u. a. von Entgeltordnung und Gebührensatzungen der Wirtschaftsbetriebe Duisburg (u. a. Müllabfuhr, Abwasser und Straßenreinigung). Weitere Beschlussvorlagen umfassten überwiegend Gremien(um)besetzungen. Dazu kamen eine Reihe von Anträgen aus den Fraktionen sowie Anfragen an die Verwaltung, die überwiegend im Nachgang schriftlich beantwortet werden.

 

 
Machtspiele?

Wegen Corona tagt der Rat der Stadt in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

Bemerkenswert waren die Abstimmungen für die sachkundigen Bürger in den verschiedenen Ratsausschüssen: Die AfD hatte keine Kandidaten ins Rennen geschickt, obwohl sie mit der Stärke ihrer Fraktion durchaus Sitze hätte gewinnen können. Stattdessen verteilte man die anwesenden neun Stimmen auf CDU und Tierwohl/DAL auf, mit der Folge, dass die Kandidaten letzterer Fraktion gewählte wurden, während die drittstärkste Kraft im Rat, die Grünen, nur jeweils einen ihrer Kandidaten durchkriegten. Ähnliche Unterstützungsabsprachen soll es, hatte man aus Insider-Kreisen im Rat vernommen, mutmaßlich auch für die (geheimen) Wahlen zu den Ausschuss- und Gremienbesetzungen der letzten Ratssitzung gegeben haben. Die AfD hatte dort mehrfach mehr Stimmen bekommen, als ihre Fraktionsstärke zuließ.

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Mafia-Morde von Duisburg: „Sie packen aus – Frauen im Kampf gegen die Mafia“

Von der „Pflicht, gegen diesen Wahnsinn zu kämpfen“
Von Petra Grünendahl

Ein Artikel in der WAZ erinnerte im vergangenen Jahr an die Mafia-Morde. Screenshot: WAZ.

August 2007 in der Nähe des Duisburger Hauptbahnhofs: Die Leichen der unbewaffneten Männer sind von Dutzenden Kugeln durchsiebt. Eine regelrechte Hinrichtung: Von den Tätern fehlt jede Spur. „Ein sechsfacher Mord vor einem italienischen Restaurant? Das ist mehr als nur ein normales Gewaltverbrechen“, war sich eine in Deutschland lebende Italienerin sofort sicher. Ein solches Massaker – verübt im Ausland – hatte es zuvor noch nie gegeben: „Wir mussten uns mit der schrecklichen Erkenntnis auseinander setzen, dass hier im Herzen Europas das organisierte Verbrechen fest verankert ist“, so die Frau, die den Kampf gegen die Mafia bis in den italienischen Senat in Rom trug. „Nicht nur die legale Wirtschaft profitiert von der Globalisierung, auch die Mafien nutzen die internationalen Märkte für sich“, stellt eine Staatsanwältin fest. Eine Bürgermeisterin ist in ihrem Ort zur unerwünschten Person geworden, weil sie die Mafia bekämpft. Beliebt in ihrem Umfeld macht sich keine der Frauen in ihrem Kampf gegen die Mafia. Weil sie versuchen den Teufelskreis aus Gewalt und Omertà, dem Gesetz des Wegschauens und Schweigens, zu durchbrechen. „Die Mafia ist präsenter denn je. Sie hat in alle Gesellschaftsschichten Einzug gehalten“, bilanziert eine Fotografin.

 

Titelbild: Molden Verlag.

Die Autorin Mathilde Schwabeneder hat sie für ihr Buch „Sie packen aus“ interviewt: Zehn Frauen unterschiedlichster Herkunft schildern ihren Kampf gegen die Mafia. Vielfältig sind ihre Lebensgeschichten. Auch für Außenstehenden spannend sind ihre mitunter tiefen Einblicke in das organisierte Verbrechen und die Strukturen der Mafia, die schon lange nicht mehr nur auf Italien beschränkt ist. Vor einigen Jahren trugen Familien der `Ndrangheta ihre Fehde in Duisburg aus: Vor dem Da Bruno im Silberpalais in Neudorf richteten Killer eines Clans Mitglieder einer verfeindeten Familie hin. Mafia, Cosa Nostra (Sizilien), `Ndrangheta (Kalabrien) oder Camorra (Neapel) sind alles Namen für das Phänomen krimineller italienischer Familienclans, die heute in vielfältigen „geschäftlichen“ Verbindungen zu ähnlichen Gruppierungen in aller Welt stehen. Schutzgeldzahlungen, Drogen- und Waffenhandel, Geldwäsche und Glücksspiel, Wirtschaftskriminalität sowie Menschenhandel und Prostitution: Überall haben mafiöse Strukturen ihre Finger drin.

 

 
Ein gefährliches Pflaster

Fahndungsplakat der Polizei NRW.

Der Kampf gegen diese organisierte Kriminalität wird aber nirgends so intensiv geführt wie in Italien. Waren früher die beherrschenden Figuren des Anti-Mafia-Kampfes Männer wie die 1992 ermordeten Richter Giovanni Falcone und Paolo Borsellino, so haben seit einigen Jahren auch Frauen an vorderster Front den Kampf aufgenommen: Juristinnen, Politikerinnen, Journalistinnen und andere, die teilweise zunächst eingebunden in die Mafia-Familien irgendwann ausbrechen und die Fronten wechseln. Sie alle tun dies unter großer Gefahr für ihr Leben, zählen die Mafia-Organisationen doch zu den gefährlichsten der Welt.

Die Zeitzeuginnen, deren Geschichten die Autorin Schwabeneder aufgezeichnet hat, sind alle Italienerinnen, was aber ihre Geschichten auch für Deutsche (und Duisburger) nicht weniger spannend macht: Sie beleuchten das Geschehen weltweit und auch, was in Duisburg vorgefallen ist. Die Frauen selber sehen sich nicht als Heldinnen. Mathilde Schwabeneder schreibt zurückhaltend, ohne Effekthascherei, was den Lebenswegen der Frauen und ihren Persönlichkeiten sehr angemessen ist. Denn für sie alle steht ihr Kampf gegen die Mafia im Vordergrund, nicht ihre Person!

 

 
Die Mafia als Teufelskreis

Schwerpunkte der organisierten Kriminalität in Italien. Grafik: Daygum / Wikipedia.

Ihren Ursprung hat die Mafia in Süditalien, einem Landstrich, der vom Wohlstand einer Industrienation bis heute abgeschnitten ist. Gründe für die Rückständigkeit des Südens sind neben der Randlage in Europa die verbreitete Armut, unzureichende Bildungsmöglichkeiten, eine agrarisch geprägte Wirtschaft und die organisierte Kriminalität. Wer nicht flieht aus dieser Aussichtslosigkeit, sucht sein Heil in den Verheißungen der Mafia-Clans auf schnelles Geld. Man müsse den Kindern vermitteln, dass es eine andere Welt sowie Auswege aus dem Elend gibt, so eine Polizei-Juristin. Der Mafia kommen die unzureichenden Angebote von Bildung und Ausbildung sehr zu gute. „Da habe ich verstanden“, so eine Anwältin, „warum der Mafia die Schule nicht gefällt: Weil man mit der Schule eine andere Kultur schaffen kann.“

Ein Teufelskreis: Denn damit, sich der Mafia anzudienen, geraten Menschen in Abhängigkeiten für sich und ihre Familien, denen nur schwer zu entkommen ist. Das schildern auch die Zeitzeuginnen ganz eindringlich. Dieses Buch legt Zeugnisse ab, die zuweilen erschüttern: Von Frauen, die mit ihrem Handeln einen Unterschied machen!

 

 
Die Autorin und das Buch

Die Autorin Mathilde Schwabeneder-Hain. Foto: Harald Eisenberger.

Mathilde Schwabeneder-Hain ist eine österreichische Journalistin. Das fällt im Buch besonders auf, wo sie Begriffe aus dem österreichischen Deutschen verwendet: Matura (Abitur) oder Jus (für das Studienfach Jura), was aber den Leser nicht stören sollte. Mit ihrem Bestseller „Patinnen“ (2014) beschäftigte sie sich erstmals mit Frauen in der Mafia. Von dort war es dann nur noch ein kleiner Schritt, auch die Frauen im Kampf gegen die Mafia packenden Reportagen darzustellen. Das 190-seitige Hardcover-Buch ist erscheinen im österreichischen Molden Verlag, der zur Verlagsgruppe Styria gehört. Für 23,00 Euro ist es im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-222-15056-2). E-Book-Versionen gibt es für 18,99 Euro (für Kindle und als Epub).

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Harald Eisenberger (Autorin), WAZ (Artikel-Screenshot), Polizei NRW (Fahndungsplakat), Karte (Daygum / Wikipedia), Molden Verlag (Titelbild)

 

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Lehrreiche Lektüre auch für Kenner: „Duisburg für Klugscheißer“

Fundiertes Wissen in kurzweiligen Häppchen
Von Petra Grünendahl

Theater Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Duisburg ist … alt (älter als man denkt!): Eine Stadt mit Geschichte, die man an vielen Stellen findet, aber auch eine Stadt des Wandels. Wahrzeichen sind verloren gegangen, Landmarken als Identifikationsmerkmale neu entstanden. Immer noch eine Montan-Stadt, deren erste Industrie nicht der Stahl war: Aber Duisburg ist auch grün und zuweilen sogar ländlich. Die Malocherstadt mit Zechen- und Arbeitersiedlungen zieren darüber hinaus auch zahlreiche Villen. Die religiöse Vielfalt spiegelt sich in unterschiedlichsten Sakralbauten aller Art. Duisburg ist eine Stadt des Sports ebenso wie der Kunst oder des Karnevals – und natürlich eine Universitätsstadt (und das nicht erst sei Gründung der „Gesamthochschule“ 1972). Alle diese Details sind gut verpackt in Geschichte und Geschichten der Stadt und ihrer Bürger. Das Buch bietet viele Aha-Erlebnisse und korrigiert einige weit verbreitete Irrtümer, die Duisburg manchmal in wenig positivem Licht dastehen lassen. Klugscheißer dürfen schließlich – und sollten (!) – stolz sein auf ihre Stadt. Und ganz stilecht muss der Leser am Schluss im Klugscheißer-Quiz beweisen, dass er gut aufgepasst hat. Alles andere wäre ja noch schöner 😉

 

Hochofenkulisse im Landschaftspark Duisburg-Nord. Foto: Petra Grünendahl.

Mit ihrem Buch „Duisburg für Klugscheißer“ haben sich die Autoren Tina Halberschmidt und Martin Wedau mit – so der Untertitel – populären Irrtümern und anderen Wahrheiten beschäftigt. Herausgekommen ist eine amüsante Lektüre für Duisburger und alle, die die Stadt kennen und lieben. In kleinen Episoden erzählt das Buch über Duisburg. Die Autoren haben viele spannende Geschichten und Fakten zusammen getragen, die auch ein kundiger Duisburger kaum alle kennen kann: Schließlich hat auch das Autoren-Team selber bei seinen Recherchen viel Neues entdecken können. Dafür wird dann aber auch der Kundige fündig, was die Autoren schlichtweg nicht auf dem Schirm hatten: Es fehlen Dinge, die in einige der aufgeführten Beschreibungen locker reingehört hätten. Aber man kann ja schließlich nicht alles wissen: Dazu ist die Stadt viel zu vielfältig und hat für Entdecker immer wieder Überraschungen parat. Und das darf der geneigte Leser gerne als Aufforderung verstehen, sich der Herausforderung zu stellen und mit dem Buch sein eigenes Wissen über Duisburg auf den Prüfstand zu stellen.

 
Die Autoren und das Buch

Titelbild: Klartext Verlag.

Die Autoren Tina Halberschmidt und Martin Wedau stammen aus Duisburg: Die Stadt ist für beide mehr als nur ein Wohnort – nämlich eine Herzenssache. Beide sind natürlich, wie es sich für Duisburger gehört, MSV-Fans. Martin Wedau beschäftigt sich mit Sachbüchern und als „Kees Jaratz“ im Zebrastreifenblog mit seiner Heimatstadt und dem Ruhrgebiet. Tina Halberschmidt ist als Redakteurin bei einer Verlagsgruppe in Düsseldorf tätig.

Das 104-seitige Buch „Duisburg für Klugscheißer“ von Tina Halberschmidt und Martin Wedau ist im Essener Klartext Verlag erschienen. Das reich bebilderte Taschenbuch ist für 14,95 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-8375-2237-2).

Der Klartext Verlag wurde 1983 gegründet, seit 2007 ist er Teil der Funke Mediengruppe. Seine Heimat liegt im Ruhrgebiet, wo auch der überwiegende Teil seiner Publikationen angesiedelt ist: Freizeitführer, Sachbücher, Kalender und Bildbände. Mit der „Von oben“-Reihe kann man Städte nicht nur im Ruhrgebiet, sondern in ganz Deutschland aus der Vogelperspektive bewundern. Und mit der Klugscheißer-Reihe lernt der Leser Neues zu verschiedenen Orten, Themen und Fußballvereinen – unterhaltsam und fundiert, denn, so der Verlag: „wir machen Bücher mit Qualität und gerne auch mal einem Augenzwinkern.“
www.klartext-verlag.de

 
© 2020 Petra Grünendahl (Text)
Titelbild: Klartext Verlag, Fotos: Petra Grünendahl

 

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