Aufnachtschicht-Fotografen Daniela Szczepanski und Frank Hohmann zeigen neue Motive Von Petra Grünendahl
Neue Motive in der Outdoor-Galerie am Leinpfad in Ruhrort. Foto: Petra Grünendahl.
Neue Aussichten genießen Spaziergänger seit einigen Tagen am Leinpfad in Ruhrort: Zehn 3 x 2 Meter großen Fotoleinwände mit neuen Motiven haben die Fotografen Daniela Szczepanski und Frank Hohmann für ihre Open-Air-Galerie aufgehängt. Sie werden in den kommenden zwei Jahren ein gut 100 Meter langes Stück des Leinpfades am Hafenmund zieren. Weitestgehend stammen die Aufnahmen aus Duisburg, allerdings war auch der Hafen Rheinberg-Orsoy auf einem Foto zu erkennen.
Outdoor-Galerie Aufnachtschicht 2018: Die Fotografen Daniela Szczepanski und Frank Hohmann hängen am Leinpfad ihre neuen großformatigen Nachtfotografien auf. Foto: Petra Grünendahl.
Mit den neuen großformatigen Fotografien ging die Outdoor-Galerie AUFNACHTSCHICHT am Leinpfad in Duisburg-Ruhrort ins dreizehnte Jahr. Die Ausstellung trägt traditionell den Namen „Die Nacht ist bunt am Hafenmund“. Und bunt sind die Bilder allemal, auch wenn Sie bei Nacht entstanden sind. Mit Hilfe von Langzeit- und Mehrfachbelichtungen holen die Fotografen die farbenprächtigen Details aus ihren Motiven. Finanziell unterstützt werden die Fotografen bei ihrem ambitionierten Projekt von Kooperationspartnern wie der Duisburger Hafen AG, dem Museum der Deutschen Binnenschifffahrt, der Frank Schwarz Gastro Group und Haniel sowie Bildpaten, deren Logos auf den jeweiligen Aufnahmen aufgebracht sind.
Impressionen von der Outdoor-Galerie. Fotos: Petra Grünendahl
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Outdoor-Galerie
Neue Motive in der Outdoor-Galerie am Leinpfad in Ruhrort. Foto: Petra Grünendahl.
Die Fotografen Frank Hohmann und Daniela Szczepanski suchen für ihre gut 100 Meter lange Open-Air-Galerie am Leinpfad nach Motiven zum Thema Wasserwege und Binnenschifffahrt. Die Fotografien entstehen nachts, was ihren besonderen Reiz ausmacht. Mit finanzieller Unterstützung von Sponsoren aus der Wirtschaft und Bildpaten werden die großformatigen Fotoleinwände erstellt und aufgehängt. Viele sind schon seit Jahren dabei. Die Outdoor-Galerie gibt es seit dem Kulturhauptstadtjahr 2010. Alle zwei Jahre (in Zeiten von Corona mit etwas größerem Abstand) werden die Bilder ausgetauscht. Es ist damit das wohl nachhaltigste Kulturprojekt der „Ruhr.2010“. Seit 2013 unterstützt die Künstlerin Iris Weissschuh die Fotografen mit der Organisation. www.outdoor-galerie.com aufnachtschicht.com
Ein Leben mit der Kunst gegen den Krieg Von Petra Grünendahl
50 Jahre „Against War“: Reiner Langer in der cubus kunsthalle. Foto: Petra Grünendahl.
„Auch wenn die Bilder aus der Ukraine erschüttern: Es nicht der grausamste Krieg, der zurzeit auf der Welt geführt wird“, erklärte der Künstler Reiner Langer (*1955 in Duisburg). Seit 50 Jahren wendet er sich mit seiner Kunst in Bildern, Installationen und Performances gegen den Krieg. Seine handwerklich einzigartigen Collagen, auf die sich die Ausstellung konzentriert, fertigt er in Altmeistertechnik – „sie hat Gefühl und Seele“, so der Künstler –, bei der er eigene Bilder und Bildausschnitte zusammen setzt zu neuen Bildkompositionen. Für die in Duisburg gezeigten Miniaturmalereien hat er Kupferstiche und Unterzeichnungen mit Malereien und Collagen zu beeindruckenden Kunstwerken ausgearbeitet. Die Werke sind alles Originale und – als vergrößerte Drucke – Unikate. Keines seiner Bilder wird in größeren Auflagen als Serie hergestellt – mit einer einzigen Ausnahme: Der „weinende Soldat“, das Plakatmotiv zur hiesigen Ausstellung, ist im Postkartenformat (mit Autogramm des Künstlers) zum Kauf auch in der cubus kunsthalle erhältlich. Vom dem Antikriegsmotiv im Kleinformat gibt es mittlerweile 700.000 Exemplare: Ein Statement gegen den Krieg und für das Leben und die Freiheit, welches sich in vielfältiger Symbolik durch Langers gesamtes Schaffen zieht.
Reiner Langer (m.) und Dr. Claudia Schäfer (r.) stellten die Ausstellung in der cubus kunsthalle vor. Foto: Petra Grünendahl.
Museumsleiterin Dr. Claudia Schäfer stellte zusammen mit Reiner Langer die neue Ausstellung „Against War“ in der cubus kunsthalle im Kant-Park vor. Seit 50 Jahren inszeniert Langer mit dem Mail Art Projekt „Against War“ ein weltweites Projekt für den Frieden, das im vergangenen Jahr auch im Dinslakener Rathaus zu sehen war. Während seiner Duisburger Ausstellung wird Reiner Langer an den Sonntagen zu Gesprächen anwesend sein. Die Ausstellung wird heute Abend eröffnet und ist bis Sonntag, 6. August, zu sehen. Das Datum der Finissage (feierlicher Abschluss der Ausstellung), bei der Langer eine „Friedenskerze“ im Außenbereich der cubus kunsthalle im Garten der Vergänglichkeit installiert, ist bewusst gewählt: Der Jahrestag des Atombombenabwurfs auf Hiroshima.
Der Künstler
Medusa: Reiner Langer in der cubus kunsthalle. Foto: Petra Grünendahl.
Geboren wurde Reiner Langer am 5. Oktober 1955 in Duisburg. Bevor er Kunst studieren durfte, bestand sein Vater auf eine abgeschlossene Berufsausbildung: Er sollte schließlich mal eine Familie ernähren können. So habe er dann Krankenpfleger in der Psychatrie gelernt, sagte der Künstler, bevor er bei dem ungarischen Künstler Prof. Lajos Sebök studierte. Als Künstler ist er um die ganze Welt gereist, hat an verschiedenen Hochschulen gelehrt und diverse Auszeichnungen erhalten. Einen großen Teil seines Lebens hat er in Indien gelebt. Heute lebt und arbeitet er in Dinslaken. „Ob Museum oder Café: da mache ich keinen Unterschied“, so Langer über seine Ausstellungen. „Kunst soll möglichst jedem zugänglich gemacht werden.“ Die Malereien spielen zwar eine herausragende Rolle in seinem Gesamtwerk: Feuer- und Lichtinstallationen sowie Performances gehören ebenso zum breiten Repertoire des Multitalents. Seine Werke sind in verschiedenen Sammlungen in Deutschland und weltweit vertreten. www.reinerlanger.org/
Impressionen aus der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl
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cubus kunsthalle
Herrin der Gedanken: Reiner Langer in der cubus kunsthalle. Foto: Petra Grünendahl.
Die cubus kunsthalle liegt im Kant-Park in der Duisburger Innenstadt in der Nachbarschaft des Lehmbruck Museums, wo sie mit Ausstellungen zeitgenössischer Künstler und Konzerten, aber auch mit partizipativen Angeboten das Umfeld und die Duisburger Kunstlandschaft belebt. Gegründet hat die cubus kunsthalle die Duisburger Kunstwissenschaftlerin Dr. Claudia Schäfer 1987/88 als cubus galerie in Duissern, bevor sie 1994/95 mit Hilfe eines gemeinnützigen Fördervereins in das Gebäude des ehemaligen Niederrheinischen Museums der Stadt Duisburg in den Kant-Park zog. Die cubus kunsthalle finanziert sich durch Spenden zur Förderung von Kunst & Kultur, über Sponsorenleistungen und durch die Untervermietung des Café Museums. Neben Duisburger Künstlern zeigt die Kunsthalle internationale Künstler und stellt einmal jährlich eine Sammlung vor – und dies weitestgehend bei freiem Eintritt. Geöffnet hat die privat geführte Kunst- und Ausstellungshalle mittwochs bis sonntags zwischen 14 und 18 Uhr. www.cubus-kunsthalle.de
Einblicke und Rückblicke auf vielfältige Kunstlandschaft in Duisburg Von Petra Grünendahl
Duisburger KünstlerBund im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.
Das Lehmbruck Museum verfügt in seiner Sammlung über eine vielfältige Auswahl an Werken Duisburger Künstler. Etwa die Hälfte der ehemaligen oder aktuellen Mitglieder des Dusiburger KünstlerBundes sind mit mindestens einem Werk in der Sammlung vertreten, manche sogar mit mehreren. Das Lehmbruck Museum hat nun das 100-jährige Jubiläum des Duisburger KünstlerBundes zum Anlass genommen, eine spannende und vielfältige Auswahl von 42 Skulpturen, Gemälden, Zeichnungen und Fotografien von 35 Künstlern aus einem Zeitraum von 1930 bis 2008 der Öffentlichkeit zu zeigen. Die erste Ausstellung des Duisburger Künstlerbundes fand 1925 in den Räumen des Duisburger Museumsvereins an der Tonhallenstraße statt. Dieser Verein ging später im Freundeskreis des Wilhelm Lehmbruck Museum auf und brachte seine Sammlung und damit auch Werke aus den Gründungsjahren des Duisburger KünstlerBundes in den Grundstock des 1964 gegründeten Skulpturenmuseums ein.
Museumsdirektorin Söke Dinkla und Alexander Voß vom Duisburger KünstlerBund im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.
Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla stellte zusammen mit Alexander Voß vom Duisburger KünstlerBund die Studioausstellung im Untergeschoss des Lehmbruck Museums vor. „Uns ist es wichtig, die Arbeit Duisburger Künstler durch regelmäßige Ausstellungen einer großen Öffentlichkeit zu präsentieren. Diese Ausstellung ermöglicht uns eine beeindruckende Zeitreise, gibt einen Einblick in die Entwicklung der bildenden Kunst in Duisburg und würdigt so das Wirken der Künstler in unserer Stadt“, sagte Söke Dinkla. „Diese Studioausstellung bietet einen guten Blick zurück auf die letzten 100 Jahre“, sagte Alexander Voß, der auch verriet, dass die früher informelle Künstlervereinigung sich erst vor wenigen Jahren als eingetragener Verein konstituiert hatte und zur Zeit 21 Mitglieder hat. Bis zum Jahresende wird es noch weitere Ausstellungen des KünsterBundes und Veranstaltungen zum Jubiläum in Duisburg geben. Offiziell eröffnet wird die Ausstellung im Lehmbruck Museum mit geladenen Gästen morgen Abend. Ab Samstag ist sie dann fürs Publikum zugänglich.
Duisburger KünstlerBund
Duisburger KünstlerBund im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.
Der Duisburger KünstlerBund ist die älteste Künstlervereinigung unserer Stadt. Im Gründungsjahr 1923 haben sich zehn Maler, Bildhauer und Fotografen zusammengeschlossen, um den sozialen und wirtschaftlichen Krisen zu trotzen. Als ,,Notgemeinschaft” gegründet, hat es der KünstlerBund stets verstanden, sich durch jüngere Kräfte zu erneuern und in die Stadtbevölkerung hinein zu wirken. Nur während der nationalsozialistischen Jahre unterbrochen, haben Mitglieder der Künstlervereinigung in zeitlichen Abständen neue Werke in gemeinsamen Ausstellungen der Öffentlichkeit präsentiert. Seit der Gründung haben die Duisburger Künstler nicht nur mit ihren Werken, sondern auch mit ihren Aktivitäten das kulturelle Leben in Duisburg enorm bereichert. Hier sind vor allem die Ausstellungen im Wilhelm Lehmbruck Museum, der cubus kunsthalle und der Galerie Rheinhausen zu nennen. Solidarität und Kooperation wird in dieser Gemeinschaft praktiziert und damit in der postindustriellen Stadt Duisburg ein überaus kreativer Beitrag zum kulturellen Leben der Metropole geleistet.
Kataloge des Duisburger KünstlerBundes im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.
Das Lehmbruck Museum hat dieses Engagement von Beginn an durch regelmäßige Ausstellungen und durch Erwerbungen gefördert. Diese werden u. a. auch an die städtischen Ämter ausgeliehen und sind dort zu sehen. Die Jubiläumsausstellung zeigt nun erstmals ausgewählte Werke von Künstlern des KünstlerBundes aus der Sammlung des Lehmbruck Museums. Der Katalog „So ist das jetzt“ zum 100-Jährigen des Duisburger Künstlerbundes (22 Euro, als pdf hier zusammen mit anderen Publikatione) ist ebenso an der Museumskasse zu haben wie ein Buch zur Ausstellung von Werken der Gründungsmitglieder im Museum St. Laurentius in Rheinhausen (25 Euro). www.duisburger-kuenstlerbund.de
Das Lehmbruck Museum
Lehmbruck Museum im Kant-Park. Foto: Petra Grünendahl.
Das mitten in Duisburg im Kant-Park gelegene Lehmbruck Museum ist ein Museum für Skulptur. Seine Sammlung moderner Plastiken von Künstlern wie Alberto Giacometti, Pablo Picasso, Hans Arp und natürlich Wilhelm Lehmbruck ist europaweit einzigartig. Beheimatet ist das Museum in einem eindrucksvollen Museumsbau inmitten eines Skulpturenparks, der zum Schlendern und Entdecken einlädt.
Duisburger KünstlerBund im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.
Namensgeber des Hauses ist der Bildhauer Wilhelm Lehmbruck, der 1881 in Meiderich, heute ein Stadtteil von Duisburg, geboren wurde. Lehmbruck ist einer der bedeutendsten Bildhauer der Klassischen Moderne. Er hat mit seinem Werk maßgeblichen Einfluss auf nachfolgende Künstlergenerationen und ist auch nach seinem frühen Freitod im Jahr 1919 bis heute einflussreich geblieben. Das Lehmbruck Museum entstand 1964 nach den Entwürfen von Lehmbrucks Sohn Manfred (1913–1992). Der ab 1983 errichtete Erweiterungsbau wurde 1987 eröffnet. www.lehmbruckmuseum.de
Impressionen aus der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl
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Öffnungszeiten und Eintrittspreise
Duisburger KünstlerBund im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.
Die Studioausstellung des Duisburger KünstlerBundes ist im Untergeschoss des Lehmbruck Museums bis zum 1. Oktober zu sehen. Geöffnet ist das Lehmbruck Museum dienstags bis freitags ab 12 Uhr, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags an Terminen der plastikBAR (erster Donnerstag im Monat ab 17.30 Uhr) bis 20 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro (ermäßigt* 5 Euro), eine Jahreskarte 35 Euro (ermäßigt* 20 Euro). Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Blinden- und Demenzbegleitung haben kostenlos Eintritt. Schulklassen und Kindergärten zahlen pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte (2 Erwachsene plus Kinder bis 14 Jahre) gibt es für 15 Euro. Jeden ersten Freitag im Monat gilt: „Pay what you want“. Ausgenommen davon sind angemeldete Gruppen.
Duisburger KünstlerBund im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.
Zu seinen Sonderausstellungen bietet das Lehmbruck Museum verschiedene Veranstaltungen als Rahmenprogramm an. Öffentliche Führungen durch das Museum gibt es jeden Sonntag um 11.30 Uhr. Für Informationen steht die Kunstvermittlung des Lehmbruck Museums unter Telefon 0203 / 283-2195 oder eMail kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de zur Verfügung (Zu Preisen und Buchungen für Führungen geht es hier). Tickets für Führungen und Veranstaltungen können vorab im Ticket-Shop des Museums gebucht werden.
(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70 Prozent), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen mit Sozialhilfebezug.
Vielfältiges Kinoprogramm für alle Altersklassen Von Petra Grünendahl
Stadtwerke Sommerkino im Landschaftspark Duisburg-Nord. Foto: Thomas Berns.
Mit Harrison Ford in „Indiana Jones und das Rad des Schicksals“ oder Tom Cruise mit „Mission: Impossible 7 – Dead Reckoning Teil 1“, Brad Pitt mit „Bullet Train“ oder Julia Roberts und George Clooney mit „Ticket ins Paradies“ locken auch in diesem Jahr die großen Stars. Deutsche Filmhits wie „Der Pfau“, „Manta Manta – Zwoter Teil“ oder „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ mit Devid Striesow sind ebenso vertreten wie die Erfolgskomödie „Einfach mal was Schönes“ von und mit Karoline Herfurth. Spannung, Action und Nervenkitzel erwarten die Besucher bei „Guardians of the Galaxy Volume 3“ und „The Flash“, bei „John Wick: Kapitel 4“ oder „Operation Fortune“ von Guy Ritchie. Fantastische Welten locken mit „Dungeons & Dragons: Ehre unter Dieben“ und „Avatar: The Way of Water“. Andere spricht vielleicht der mehrfache Oscargewinner „Everything Everywhere All At Once“ oder der Christopher Nolan-Film „Oppenheimer“ an, „Whitney Houston: I Wanna Dance with Somebody“, „Der Super Mario Bros. Film“ oder „Arielle, die Meerjungfrau“.
Biergarten mit Strandfeeling: Stadtwerke Sommerkino im Landschaftspark Duisburg-Nord. Foto: Thomas Berns.
Das Sommerkino in der Gießhalle vom Hochofen 1 im Landschaftspark Duisburg-Nord geht in diesem Sommer in seine 25. Auflage. Veranstalter Duisburg Kontor Hallenmanagement arbeitet hierfür mit der filmforum GmbH zusammen, die für die Programmgestaltung verantwortlich ist. Als Sponsoren sind neben dem Namensgeber Stadtwerke Duisburg auch wieder die König Brauerei und die Duisburger Wohnungsgenossenschaften dabei. Das Programm bietet eine bewährte bunte Mischung von Blockbustern, Actionfilmen und Comic-Verfilmungen, Comedy und deutschen Filmhits, Arthouse-Filmen und Familienunterhaltung. Die Tickets kosten 13 Euro, bei den Filmkonzerten mit den Duisburger Philharmonikern 22 Euro. Tickets gibt es ab Mittwoch, 21. Juni, um 11 Uhr ausschließlich online: Hier – zusammen mit Details zum Programm. Mit knapp 39.000 Besuchern und einer Auslastung von 85 Prozent im letzten Jahr ist es eines der erfolgreichsten Open-Air-Kinos in Deutschland. Mit seinem ausfahrbaren Dach bietet es auch bei Regen ein trockenes Kino-Erlebnis. Von der Eröffnung am 12. Juli bis zum Finale am 20. August stehen 40 Kinoabende auf dem Programm – inmitten einer beeindruckenden Hochofen-Kulisse, die dieses Kino zu etwas besonderem macht.
Programm folgt bewährtem Erfolgsrezept
Biergarten mit Strandfeeling: Stadtwerke Sommerkino im Landschaftspark Duisburg-Nord. Foto: Thomas Berns.
Gleich zur Eröffnung am 12. Juli kommt Regisseur Sönke Wortmann, der seinen neuesten Film „Der Nachname“ vorstellen wird. Weiterer prominenter Besuch hat sich am 15. August angesagt – für eine Premiere vor dem bundesweiten Kinostart des Films „Enkel für Fortgeschrittene“: Heiner Lauterbach, Maren Kroymann und Regisseur Wolfgang Goos haben ihr Erscheinen bereits angekündigt. Als besonderes Highlight schließen die Filmkonzerte der Duisburger Philharmoniker, die Charlie Chaplins Meisterwerk „The Circus“ am 18., 19. und 20. August begleiten, in diesem Jahr die Jubiläums-Open-Air-Kino-Saison ab. Filmstart ist mit Anbruch der Dunkelheit. Das heißt: ab 22 Uhr bis etwa 20.45 Uhr, wenn im Verlauf der Wochen die Tage wieder kürzer werden. Der traditionelle Biergarten mit Strandfeeling und einem umfangreichen gastronomischen Angebot an zehn Ständen ist für Parkbesucher ab 18 Uhr geöffnet. Täglich stimmt dort Livemusik auf das Filmfest ein, um schon das Warten auf den Sonnenuntergang zum Erlebnis zu machen.
filmforum
Stadtwerke Sommerkino im Landschaftspark Duisburg-Nord. Foto: Thomas Berns.
Das filmforum in Duisburg ist das älteste kommunale Kino in Deutschland. Es wurde am 27. September 1970 eröffnet und wird heute von der filmforum GmbH betrieben. Es ist hervorgegangen aus dem „filmforum“ der Volkshochschule Duisburg, die unter diesem Programmtitel regelmäßig anspruchsvolle Filme zeigte. Die Filmaufführungen fanden zunächst im großen Saal der Volkshochschule Duisburg statt. Später zog man in das Studio M der Mercatorhalle. 1980 bezog man schließlich das eigene Haus im Duisburger Dellviertel. In dem nach dem Krieg zerstörten und wieder aufgebauten Haus am Dellplatz befand sich schon seit den 1940er Jahren ein Kino.
Anfang der 1970er Jahre führte das Kino gemeinsam mit dem Land Nordrhein-Westfalen die „Filminformationstage“ durch, wo man sich auf ausgewählte westdeutsche Filme konzentrierte. Hieraus entstand 1977 die Duisburger Filmwoche. Von besonderer Bedeutung ist das filmhistorische Archiv des filmforums. Es gehört zu den größten in Nordrhein-Westfalen. Seit 1996 veranstaltet das filmforum in Kooperation mit Duisburg Kontor Hallenmanagement jährlich im Juli und August ein Open-Air-Kino in der Gießhalle des ehemaligen Hüttenwerkes im Landschaftspark Duisburg-Nord. Haupt- und Namenssponsor dieser Veranstaltung war zunächst Diebels (Diebels Open Air Kino), seit 2007 die Stadtwerke Duisburg (Stadtwerke Sommerkino). www.filmforum.de
Rat der Stadt Duisburg wählte Linda Wagner als Beigeordnete Neuordnung der städtischen Immobilienwirtschaft und Strategie für Verkehrsinfrastruktur Von Petra Grünendahl
Vor der Sitzung im Rat der Stadt Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.
Vom Tagesordnungspunkt 102 zog Oberbürgermeister Sören Link die Beschlussfassung über die Neuordnung der städtischen Immobilienwirtschaft an die zweite der Beratungen, da er die vielen als Besucher erschienenen Mitarbeiter des Immobilien-Management Duisburg (IMD) zügig über ihre Zukunft aufklären wollte. Mehrheitlich beschloss der Rat der Stadt Duisburg, die Immobilienwirtschaft vom städtischen Eigenbetrieb zurück in die Kernverwaltung zu holen bzw. die Immobilien nach dem Vorbild des Sondervermögens „Kindertageseinrichtungen“ von städtischen Tochterunternehmen betreiben zu lassen. Ein externes Beratungsunternehmen soll die Neuordnung begleiten. Positiv nahmen die Ratsleute die Berichte zum Sachstand des Projekts „Neues Verwaltungsgebäude an der Steinschen Gasse“ und die Erweiterung der Ausbildungskapazitäten im Konzern Stadt auf: So will man unter anderem Werkstudenten an die Verwaltung binden und jenen Ausbildungsbewerbern, die im Bewerbungsverfahren mit Defiziten aufgefallen waren, mit Qualifizierung eine zweite Chance geben. „Wir wollen uns damit auch als attraktiver Arbeitgeber positionieren“, begründete Oberbürgermeister Sören Link.
Vor der Sitzung im Rat der Stadt Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.
Zur letzten Sitzung vor der Sommerpause traf sich der Rat der Stadt Duisburg in der Mercatorhalle. Die umfangreiche Tagesordnung mit 118 Punkten alleine im öffentlichen Teil arbeitete er zügig ab. Diskussionsbedarf gab es nur bei wenigen Punkten, die allermeisten Entscheidungen fielen einstimmig. Die Genehmigungen der Jahresabschlüsse städtischer Tochterunternehmen sowie die Gewährung von Zuschüssen zum Beispiel für Träger von Kitas oder Sozialdiensten oder die Erweiterungen von Schulen oder Bildungsgängen (an Berufskollegs) gehören dabei zum Tagesgeschäft des Rates. Es fielen aber auch zahlreiche grundlegende Entscheidungen wie zum Beispiel für die Gründung einer neuen Gesamtschule in Röttgersbach, den Neubau von Schulen (Schulentwicklungsplan Grundschulen) und die Erweiterung des Offenen Ganztags wegen steigender Schülerzahlen. Einstimmig segnete der Rat auch Richtlinien ab, nach denen die Stadt für private Haushalte für einen klimagerechten Umbau ihrer Häuser finanziell unterstützt. Schulraumerweiterungen, verschiedene Umbaumaßnahmen an Straßen im Stadtgebiet sowie der Abriss der Rhein-Ruhr-Halle wurden ebenso beschlossen wie die Erhöhung von Gebühren (z. B. für die Musikschule oder Abwasserbeseitigung) oder verschiedene Bebauungspläne.
Infrastrukturentwicklung und Mobilität
Straßeninfrastrukturenticklung in Duisburg für die nächste Dekade. Foto: Ausschnitt aus der Drucksache der Stadt Duisburg.
Für die zukünftige Entwicklung der Verkehrsinfrastruktur gab der Rat grünes Licht für eine Strategie für die nächste Dekade: Die umstrittene Osttangente wird nicht weiter verfolgt, der Anschluss der Rheinhauser Hafenverkehr an die A40 (Logistik-Diagonale) soll über Hochfeld und jenseits von Wohngebieten erfolgen. Straßenbahnanbindungen an Rheinhausen und Homberg werden priorisiert (eine Realisierung wird aber erst mit einem Neubau der Rheinbrücken möglich), die Anbindungen der Uni (von der Mülheimer Straße aus) oder des Innenhafens nicht weiter verfolgt. Wie den Neubau des Karl-Lehr-Brückenzuges sollen die Wirtschaftsbetriebe Duisburg auch künftige Brückenneubauten und -sanierungen umsetzen.
Behördenübergreifend will die Stadt Duisburg gegen organisierte (Clan-)Kriminalität vorgehen und dafür die kommunale Ordnungspartnerschaft mit Polizei und Staatsanwaltschaft ausbauen: Eine Vereinbarung für eine Zusammenarbeit für Sicherheit und Ordnung in Duisburg fand mehrheitlich die Zustimmung der Ratsleute. Im Rahmen einer Pilotphase sollen Ratssitzungen künftig live im Internet übertragen werden, beschloss der Rat einstimmig.
Neue Beigeordnete für Umwelt, Verbraucherschutz und Kultur
Oberbürgermeister Sören Link (r.) gratuliert Linda Wagner (l.) nach ihrer Wahl zur Beigeordneten für Umwelt, Verbraucherschutz und Kultur. Foto: Petra Grünendahl.
Gleich zu Beginn der Ratssitzung stimmte der Rat über die Besetzung der Beigeordnetenstelle für das Dezernat für Umwelt und Klimaschutz, Gesundheit, Verbraucherschutz und Kultur ab. Bei Gegenstimmen der Grünen-Fraktion, die in der Findungskommission einen anderen Kandidaten bevorzugt hatten, stimmten alle anderen Ratsleute für Linda Wagner (51). Sie wurde in Essen geboren und wuchs in Herten auf. Die parteilose Juristin ist derzeit Beigeordnete für Kultur, Recht, Sicherheit und Ordnung, Feuerwehr sowie Umwelt- und Kreislaufwirtschaft in Gladbeck.
Drei Führungen zur Auswahl, Musik, Tanz und Comedy Von Petra Grünendahl
Der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein stellte auf Schacht IV das Programm zur Extraschicht vor. Foto: Karsten Wendt.
Mit „Kumpel auf Kohle“ geht es unter anderem bei der Führung durch die Fördermaschinenhalle: Entlang des Industriedenkmals, in den unterirdischen Katakomben und an der im Original erhaltenen, zwei mal 700 PS starken Fördermaschine erfährt der Besucher Moerser Bergbaugeschichte. Bei ehemaligen Nachtschwärmern der Diskothek PM werden Erinnerungen bei der Führung „Kumpel im Tagesbetrieb“ durch Kaue, Verbindungsbrücke und Schachthalle geweckt. Erstmalig gibt es in Kooperation mit dem Stadtteilbüro Neu_Meerbeck ein neues Führungsformat durch die Kolonie Meerbeck: Eine rund 45-minütige Fahrt zeigt Bergbaugeschichte und die Integration ausländischer Bergleute, was auch Thema der aktuellen Ausstellung in der Fördermaschinenhalle ist. Das große Angebot an Führungen bei der diesjährigen ExtraSchicht verdanken die Organisatoren vom Grafschafter Museums- und Geschichtsverein Jürgen Kohl, dem ehemaligen Vorsitzenden des Gesamtbetriebsrats, sowie den zahlreichen ehemaligen & ehrenamtlich tätigen Bergleuten aus Moers und Kamp- Lintfort von der Fördergemeinschaft für Bergmannstradition linker Niederrhein e. V.
Zeche Rheinpreußen Schacht IV. Foto: Petra Grünendahl.
Bereits zum siebten Mal nimmt der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e.V. (GMGV) an der ExtraSchicht, der Nacht der Industriekultur, teil. Moers ist damit in diesem Jahr der einzige teilnehmende Standort im Kreis Wesel. Dank vieler ehrenamtlicher Helfer erwartet den Besucher des Industriedenkmals Rheinpreußen Schacht IV am 24. Juni von 18:00 bis 2:00 Uhr eine ExtraSchicht der Extraklasse unter dem Motto „Kohle, Kolonie & König Fußball“. Finanziell unterstützen den GMGV die Volksbank Niederrhein eG, das Moerser Kulturbüro und die Wirtschaftsförderung sowie das Stadtteilbüro Neu_Meerbeck. Der GMGV organisiert die ExtraSchicht in Moers in Zusammenarbeit mit der RuhrTourismus als Träger der ruhrgebietsweiten Veranstaltung.
Musik & Tanz sowie König Fußball
ExtraSchicht-Feuerwerk auf Schacht IV. Foto: Petra Grünendahl.
Eröffnet wird die ExtraSchicht mit traditionellen Tönen vom Bergknappenverein & Jugendspielmannszug Glückauf Geldern um 18:00 Uhr (Programmübersicht: siehe unten). Im Laufe des Abends folgen Auftritte von Voice of Germany Teilnehmer Peter Hoebertz aus Krefeld-Hüls im Duo „Morgentau“ sowie Joe Kiki, einem Musiker aus Togo, und Deutschlands erfolgreichstem Fußball-Komiker Ben Redelings, der gemeinsam mit S04-Legende Didi Schacht auf 60 Jahre Bundesliga zurückblickt und zum gemeinsamen Fußballquiz einlädt. Ihre fußballerischen Fähigkeiten können Besucher unterstützt von „Trainer Jupp“ Patrick Dollas beim Fußballdart, der Schuss¬geschwindig¬keits¬messung und beim Tischkickern zeigen. Schließlich lädt die Frauen-a-capella „Witches of Pitches“ zum Kerzenkonzert vor illuminierter Fördermaschinenhalle und Fördergerüst. Als Magie aus Licht, Feuer und Stahl startet um 23:30 Uhr das musikalische Höhenfeuerwerk vor dem 48 Meter hohen illuminierten Fördergerüst. Bei nationalen und internationalen Fußballhymnen (Grönemeyers „Bochum“, „You’ll never walk alone“, dem „Steigerlied“ und Queens „We are the champions“) darf gerne mitgesungen werden.
Programmübersicht
18:00 Mit Kumpel auf Kohle (Tagesbetrieb bis 22 Uhr)
18:00 Mit Kumpel auf Kohle (Maschinenhalle bis 2 Uhr)
18:00 Mit Kumpel durch Kolonie Meerbeck (bis 21 Uhr)
18:00 Jugendspielmannszug Glück auf Geldern
18:00 Fußballdart, Schusstest & Kicker (bis 24 Uhr)
18:00 Patrick Dollas alias „Trainer Jupp“
18:45 Jugendspielmannszug Glück auf Geldern
19:00 Livemusik: „Morgentau“
19:45 Livemusik: „Joe Kiki“
20:00 Ben Redelings – 60 Jahre Bundesliga mit Didi Schacht
20:45 Livemusik: Joe Kiki
21:00 Livemusik: „Morgentau“
21:45 Livemusik: „Joe Kiki“
22:00 Ben Redelings – Fußballquiz mit Didi Schacht
23:00 Illumination Fördergerüst
23:00 Kerzenkonzert Frauen a Capella – Witches of Pitches
23:30 Musikalisches Höhenfeuerwerk
2:00 Ende
Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e. V.
Schacht IV der Zeche Rheinpreußen in Moers-Hochstraß. Foto: Petra Grünendahl.
Der Museums- und Geschichtsverein in Moers möchte die Geschichte und Kultur der Grafschaft Moers schützen und erhalten – und das seit 1904. In diesem Jahr gründete Dr. Hermann Boschheidgen den „Verein für Heimatkunde“. Seitdem werden vom Verein, der heute „Grafschafter Museums- und Geschichtsverein“ heißt, Gegenstände aus dem Alltag und dem Leben der Moerser Bevölkerung zusammengetragen und im Moerser Schloss ausgestellt. Dadurch soll gemeinsam mit der Stadt Moers interessierten Bürgern die Geschichte der Grafschaft und des Altkreises Moers nahe gebracht werden. Den kulturellen und historischen Wert des Schlossparks stärker bewusst zu machen und zu erhalten ist ebenfalls ein Ziel der Arbeit des GMGV. Der heutige Vorsitzende, Peter Boschheidgen, ist ein Enkel des Vereinsgründers.
Schacht IV der Zeche Rheinpreußen in Moers-Hochstraß. Foto: Petra Grünendahl.
Als weiterer Schwerpunkt der Vereinstätigkeit kam später die Geschichte des Bergbaus mit dem Nutzungsrecht für das „Industriedenkmal Rheinpreußen Schacht IV“ hinzu, mit der Verpflichtung, das Maschinenhaus von 1906 zu erhalten. Der Bergwerks-Standort war 1962 stillgelegt worden. Unter dem langjährigen Vereinsvorsitzenden Andreas Eichholtz übernahm der GMGV Ende der 1990er-Jahre als Bauherr mit finanzieller Unterstützung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, des Landes NRW und der Nordrhein-Westfalen-Stiftung die Renovierung. Das Denkmal und die restaurierte Technik kann im alten Maschinenhaus besichtigt werden. Ehrenamtlich tätige ehemalige Bergleute erklären die Fördertechnik und führen durch die Sammlung. Geöffnet ist Bergbaumuseum an der Zechenstraße 50 in Moers-Hochstraß von Mai bis Ende Oktober jeden Sonntag von 13 bis 16 Uhr. Gruppenführungen sind auch außerhalb der Öffnungszeiten nach Vereinbarung möglich. Kontakt unter Telefon 02841 / 889108 (mittwochs 9 bis 12 Uhr) oder per Mail an schacht4(at)gmgv-moers.de. www.gmgv-moers.de
Preußens Spuren in Deutschland, Europa – und natürlich im Ruhrgebiet Von Petra Grünendahl
Preußen im Klartext Verlag: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.
Preußen ist aus dem Kurfürstentum Brandenburg hervorgegangen. Wer Preußen jetzt allerdings auf den Osten Deutschlands beschränkt sieht, irrt: Bis nach Westfalen und ins Rheinland erstreckte sich Preußen im 19. und bis ins frühe 20. Jahrhundert. Auch Duisburg und das Ruhrgebiet zählten zu Preußen – und das hat hier vielfältige Spuren hinterlassen, wie der Autor nicht nur im Kapitel „Früher Aufstieg des Ruhrgebiets“ darlegt. In vielen Vereinsnamen im Rheinland und im Ruhrgebiet finden sich heute noch „Preußen“ und „Borussia“ (lat. für Preußen). Preußen galt als Staat der Pflichterfüllung und Unterwerfung, auch Militarismus wurde Preußen nachgesagt („Soldatenkaiser“). Preußen stand aber auch für Toleranz und Ethik, Aufklärung und (religiöse) Unparteilichkeit sowie eine Bildungsoffensive, die von der höheren Bildung runter bis in den Elementarbereich ging. Der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm gründete die Alte Universität Duisburg (1655), seiner Frau Luise Henriette ist vor dem Schloss Moers ein Denkmal gewidmet. Beider Sohn Kurfürst Friedrich III. wird als Friedrich I. 1701 in Königsberg als erster König Preußens gekrönt.
Preußen im Klartext Verlag: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.
In seinem Buch „Preußen“ mit dem Untertitel „Macht und Musen“ hat der Historiker und Autor Veit Veltzke in 40 kurzen Kapiteln rund 700 Jahre Preußen aufgearbeitet: Kompakt, anschaulich, fundiert, lehrreich und gut lesbar sucht Veltzke nach den Spuren der Preußen in der Geschichte Deutschlands, Europas – und nicht zuletzt auch im Ruhrgebiet: Mit vielen – manchmal auch unerwarteten – Details und Anekdoten, die der Autor mitunter auch sehr amüsant schildert (Stichwort: die Langlebigkeit von Provisorien). Preußen stand in erster Linie, so der Historiker, für Dynastie und Staat: Ein Überbau, der unterschiedlichste Herrschaftsgebiete mit eigenen Traditionen, Kulturen und Ethnien vereinte. Preußen reichte vom Rheinland und Westfalen im Westen bis nach Königsberg in Ostpreußen, wo es eine Brücke nach Osteuropa schlägt: Das ehemalige Ostpreußen verteilt sich heute auf Polen und eine russische Enklave (Oblast Kaliningrad) zwischen Polen und Litauen. Mit seinen Ausführungen zu preußischen Tugenden, preußischen Eigenarten und ihren Hintergründen zeigt der Autor, wo uns auch heute ein bisschen mehr „Preußen“ nicht schaden würde. Spannende Exkurse bieten neben Zahlen & Fakten (Könige und territoriale Entwicklung 1608 – 1920) sowie einer Zeitreise (1415 – 1932) auch verschiedene „Aha“-Kapitel und der eine oder andere „populäre Irrtum“. Zum Abschluss dieser lesenswerten Lektüre darf natürlich das in dieser Buch-Reihe traditionelle Quiz für echte (Preußen-)Experten nicht fehlen.
Der Autor und das Buch
Preußen im Klartext Verlag: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.
Veit Veltzke ist promovierter Historiker und Germanist, war Leiter des Preußenmuseums in Minden und Wesel sowie des LVR-Niederrheinmuseums Wesel. Er ist Autor und Herausgeber zahlreicher Bücher zur preußischen und deutschen Geschichte.
Veit Veltzkes Buch „Preußen – Macht und Musen“ ist im Essener Klartext Verlag in der Reihe „Populäre Irrtümer und andere Wahrheiten“ erschienen. Das 120-seitige Taschenbuch mit Klappbroschurumschlag und zahlreichen farbigen Abbildungen ist für 16,95 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-8375-2320-1).
Der Verlag
Preußen im Klartext Verlag: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.
Der Klartext Verlag wurde 1983 gegründet, seit 2007 ist er Teil der Funke Mediengruppe. Seine Heimat liegt im Ruhrgebiet, wo auch der überwiegende Teil seiner Publikationen angesiedelt ist: Freizeitführer mit Inspirationen für Jung und Alt, Sachbücher, Kalender und Bildbände. Mit der „Von oben“-Reihe kann man Städte nicht nur im Ruhrgebiet, sondern in ganz Deutschland aus der Vogelperspektive bewundern. Und mit der Reihe „Irrtümer und Wahrheiten“ (bei ihrem Start im Verlagsprogramm hieß die Serie noch „Klugscheißer“) lernt der Leser Neues zu verschiedenen Orten, Themen und Fußballvereinen – unterhaltsam, fundiert und auch mit dem einem oder anderen Augenzwinkern. www.klartext-verlag.de
Raumfüllende Arbeit zeigt die Fragilität der Welt Von Petra Grünendahl
Sculpture 21st: Mona Hatoum im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.
Von der großen Glashalle des Lehmbruck Museums zum Kantpark war die Künstlerin Mona Hatoum (*1952) sehr inspiriert, betonte sie im Pressegespräch: „I feel space telling me what to do.“ Die Fläche lud sie geradezu ein, ihre „Karte“ dort auszubreiten: Aus rund 112.000 Glaskugeln hat dort sie eine Weltkarte installiert. Ihre Karte nutzt im Übrigen die Gall-Peters-Projektion von 1855, die im Gegensatz zu Mercators Projektion alle Länder in flächentreuem Größenverhältnis darstellt – und Kontinente der Nordhalbkugel wie Europa in realistischem Größenmaßstab weniger dominiert. Das Werk wirkt fragil, könnten sich doch die Murmeln jederzeit in Bewegung setzen und die bestehende Welt in eine andere verwandeln oder zerstören. Die Fragilität der Welt ist immer wieder ein Thema für die palästinensisch-britische Künstlerin, deren Werke – speziell ihre Karten in vielfältigster Art und Form – auch die Instabilität und Unsicherheit der heutigen politischen Landschaft reflektieren. Bereits 2014 war sie mit einem ihrer Werke – „Hot Spots“ (Spots of Conflict) – im Lehmbruck Museum in der Ausstellung „Zeichen gegen den Krieg“ zu sehen.
Europa: Mona Hatoums Map (clear) im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.
In der Reihe „Sculpture 21st“ zeigt Mona Hatoum erstmals in Deutschland die Rauminstallation „Map (clear)“. Tausende von Glasmurmeln bilden eine trügerische, instabile und unbeständige Weltkarte. Der Museumsboden verwandelt sich in eine schimmernde und doch fragile Oberfläche. Ein winziger Anstoß genügt und das vertraute Bild der Welt gerät in Aufruhr. „Wie keiner anderen Künstlerin gelingt es Mona Hatoum, Alltagsobjekte in ihrer ganzen Schönheit so einzusetzen, dass die Verwundbarkeit unseres Lebensraums spürbar wird“, sagte Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla. Die Präsentation von Mona Hatoum im Rahmen von „Sculpture 21st” wird gefördert durch die Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West. Die Ausstellung eröffnet morgen Abend mit geladenen Gästen.
Die Künstlerin
Mona Hatoums Hot Spots in „Zeichen gegen den Krieg“ im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.
Hatoum wurde am 11. Februar 1952 als Tochter einer palästinensischen Familie in Beirut, Libanon, geboren. Während eines kurzen Besuchs in London 1975 verhinderte der Ausbruch des libanesischen Bürgerkriegs ihre Rückkehr. Seitdem lebt sie in London. Dort studierte sie Kunst, von 1975 bis 1979 an der Byam Shaw School of Art und von 1979 bis 1981 an der Slade School of Art. Lehraufträge nahm sie in London (1986–1994) und Maastricht (1992–1997) wahr. Als Gastprofessorin lehrte sie in Paris (1994/95) und London (1998). Sie lebt in London und Berlin. Sie hat an prestige-trächtigen Ausstellungen wie der Biennale in Venedig (1995 und 2005) oder die documenta (2002 und 2017) ebenso teilgenommen wie 2014 an der Ausstellung „Zeichen gegen den Krieg“ im Lehmbruck Museum. Dazu kommen Einzelausstellungen in aller Welt und Auszeichnungen mit diversen internationalen Preisen, darunter der Käthe-Kollwitz-Preis (2010), der Joan Miró-Preis (2011) und der Praemium Imperiale-Preis für Bildhauerei (2019).
Sculpture 21st: Mona Hatoum im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.
Hatoums Werke befassen sich mit Motiven existenzieller Unsicherheit und bringen uns dazu, unsere Beziehung zu einer Welt voller Konflikte und Widersprüche zu hinterfragen. Themen wie Vertreibung, eingeschränkte Bewegungsfreiheit und staatliche Kontrolle untersucht sie vor dem Hintergrund ihrer eigenen biografischen Reise, die durch ein „Gefühl der Zerrissenheit“ geprägt ist. In den 1990-ern wandte sich Hatoum großformatigen Installationen und Skulpturen zu, die darauf abzielen, in den Betrachter widersprüchliche Gefühle zwischen Begehren und Abscheu, Furcht und Faszination zu wecken. Hatoum hat eine Sprache entwickelt, in der sich vertraute häusliche Alltagsgegenstände oft in fremdartige, bedrohliche und gefährliche Objekte verwandeln. „Ich versuche, in etwas, das normalerweise harmlos aussieht, den Unterton von Feindseligkeit zu enthüllen. Es ist ein Weg, die Menschen dazu zu bringen, alles um sich herum infrage zu stellen.“
Sculpture 21st: Mona Hatoums Map (clear) im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.
Für ihre Arbeiten nutzt Mona Hatoum eine Vielzahl von Medien, darunter Installationen, Skulpturen, Video, Fotografie und Arbeiten auf Papier. Sie reflektiert Themen, die sich aus aktuellen globalen Bedingungen ergeben, wie Systeme des Eingesperrtseins, Überwachungsarchitekturen oder Konflikte und Vertreibung. Sie nutzt die poetische Aufladung und metaphorische Kraft einer Reihe von Materialien, von Stahl, Ziegeln und Beton bis hin zu Schutt, Glas und menschlichem Haar, um die elementaren Formen des Rasters und, in neuerer Zeit, der Kugel zu erkunden. Dabei beruft sie sich sowohl auf die strenge Geometrie der minimalistischen Skulptur als auch auf die Möglichkeiten ihres formalen Zusammenbruchs.
Sculpture 21st
Sculpture 21st: Mona Hatoums Map (clear) im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.
Unter dem Titel „Sculpture 21st” präsentiert das Lehmbruck Museum seit 2014, dem 50. Geburtstag des Museums, wechselnde Positionen zur Skulptur des 21. Jahrhunderts. Einige der wichtigsten Bildhauer der Gegenwart, unter ihnen Tino Sehgal, Jeppe Hein, Eija-Liisa Ahtila, Xu Bing, Julian Opie und zuletzt Rineke Dijkstra, präsentierten in der ikonischen Glashalle des Museums ihre Werke. Sie alle stellen auf sehr unterschiedliche Weise grundlegende Fragen an das Museum, die Kunst und ihr Verhältnis zur Gesellschaft. Die imposante Nordhalle des Lehmbruck Museums mit ihren an drei Seiten großflächig verglasten Scheibenfronten aus über sieben Meter hohen Glasscheiben bildet die architektonische Schnittstelle zwischen Museum und Öffentlichkeit: Wechselnde monografische Inszenierungen mit Werken international bedeutender Künstler laden den musealen Raum der außergewöhnlichen Museumsarchitektur Manfred Lehmbrucks neu auf und kreieren ein Erfahrungsfeld, das sich in der Wahrnehmung der Betracher realisiert und diese physisch einbezieht.
Das Lehmbruck Museum
Das Lehmbruck Museum im Kantpark. Foto: Petra Grünendahl.
Das mitten in Duisburg im Kantpark gelegene Lehmbruck Museum ist ein Museum für Skulptur. Seine Sammlung moderner Plastiken von Künstlern wie Alberto Giacometti, Pablo Picasso, Hans Arp und natürlich Wilhelm Lehmbruck ist europaweit einzigartig. Beheimatet ist das Museum in einem eindrucksvollen Museumsbau inmitten eines Skulpturenparks, der zum Schlendern und Entdecken einlädt.
Namensgeber des Hauses ist der Bildhauer Wilhelm Lehmbruck, der 1881 in Meiderich, heute ein Stadtteil von Duisburg, geboren wurde. Lehmbruck ist einer der bedeutendsten Bildhauer der Klassischen Moderne. Er hat mit seinem Werk maßgeblichen Einfluss auf nachfolgende Künstlergenerationen und ist auch nach seinem frühen Freitod im Jahr 1919 bis heute einflussreich geblieben.
Impressionen aus der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl
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Öffnungszeiten und Eintrittspreise
Mona Hatoums „Map (clear)“ ist im Rahmen von Scupture 21st noch bis zum 20. August in der großen Glashalle zu sehen. Geöffnet ist das Lehmbruck Museum dienstags bis freitags ab 12 Uhr, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags an Terminen der plastikBAR (erster Donnerstag im Monat ab 17.30 Uhr) bis 20 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro (ermäßigt* 5 Euro), eine Jahreskarte 35 Euro (ermäßigt* 20 Euro). Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Blinden- und Demenzbegleitung haben kostenlos Eintritt. Schulklassen und Kindergärten zahlen pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte (2 Erwachsene plus Kinder bis 14 Jahre) gibt es für 15 Euro. Jeden ersten Freitag im Monat gilt: „Pay what you want“. Ausgenommen davon sind angemeldete Gruppen.
Zu seinen Sonderausstellungen bietet das Lehmbruck Museum verschiedene Veranstaltungen als Rahmenprogramm an. Öffentliche Führungen durch das Museum gibt es jeden Sonntag um 11.30 Uhr. Für Informationen steht die Kunstvermittlung des Lehmbruck Museums unter Telefon 0203 / 283-2195 oder eMail kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de zur Verfügung (Zu Preisen und Buchungen für Führungen geht es hier). Tickets für Führungen und Veranstaltungen können vorab im Ticket-Shop des Museums gebucht werden.
(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70 Prozent), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen mit Sozialhilfebezug.
Schülerabenteuer der zeitlosen Art Von Petra Grünendahl
Valerie Eickhoff (Uli), Sander de Jong (Martin), David Fischer (Johnny), Hagar Sharvit (Matilda), Chorong Kim (Franka). Foto: Jochen Quast.
Natürlich ist Erich Kästners “Das fliegende Klassenzimmer” (von 1933) nicht eingestaubt: Seine fünf Freunde unterschiedlichster charakterlicher Prägung finden sich auch noch heute noch in vielen Klassenzimmern wieder. Mit Johnny (David Fischer), dem „Regisseur“ und Anführer der Truppe, der klugen Franka (Chorong Kim), dem ängstlichen Uli (Valerie Eickhoff), der starken und etwas verfressenen Mathilda, genannt Matz (Hagar Sharvitt), und dem kreativen Martin (Sander de Jong), der einmal Maler werden möchte, könnten sie unterschiedlicher nicht sein. Kästners Theaterstück wird zum Filmdreh in der Oper, aber mit den „Kindern“, die in ihrem Rollen über sich hinaus wachsen, ist das Stück ohnehin nicht „von gestern“. Mitten in die „Dreharbeiten“ platzt die Nachricht, dass die Schüler der verfeindeten Realschule einen ihrer Mitschüler überfallen haben und gefangen halten. Ohne ihren Lehrer Dr. Johann Bökh (Roman Hoza) zu fragen, den sie „Justus“ (der Gerechte) nennen, machen sich die fünf Freunde auf dem Weg zum Nichtraucher (Torben Jürgens), ihn um Rat zu fragen und dann den Mitschüler zu befreien. Das gelingt, allerdings entkommen sie nicht einer Strafpredigt von Justus, weil sie sich unerlaubt aus dem Internat entfernt haben. Als die Kinder ahnen, dass es eine Verbindung zwischen Justus und dem Nichtraucher gibt, führen sie die beiden zusammen, die sich als beste Freunde aus Schulzeiten wiedererkennen. Nach der Filmvorführung zu Weihnachten gibt es natürlich ein Happy End für alle, was die begeisterten Kinder im voll besetzten Theater mit minutenlangem und sehr lautem Applaus feierten.
David Fischer (Johnny), Valerie Eickhoff (Uli), Hagar Sharvit (Matilda), Sander de Jong (Martin), Chorong Kim (Franka), Roman Hoza (Justus), Torben Jürgens (Nichtraucher). Foto: Jochen Quast.
Mit ihrer 11-Uhr-Vorstellung von Lucia Ronchettis Familienoper „Das fliegende Klassenzimmer“ nach Erich Kästner spricht die Deutsche Oper am Rhein in erster Linie Schulklassen an. Die waren auch in großer Anzahl von Grund- und weiterführenden Schulen (primär vierte und fünfte Klassen) in Begleitung ihrer Lehrer gekommen. Das Stück ist eine Auftragskomposition der Jungen Opern Rhein-Ruhr, einer Kooperation der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg mit dem Theater Dortmund, dem Theater Bonn und dem Aalto-Musiktheater Essen: Die renommierte Komponistin und Leiterin der Musik-Biennale Venedig, Lucia Ronchetti, vertonte im Auftrag der Junge Opern Rhein-Ruhr „Das fliegende Klassenzimmer“ erstmals als großes Musiktheater für Familien. Das Stück in einer Inszenierung von Ilaria Lanzino dauert rund 75 Minuten. Die Handlung begleiten sowohl Dialoge als auch Gesang, zu letzterem bieten Übertitel Hilfe beim Verständnis. Empfohlen ist das Stück ab 8 Jahren.
Kinderbuch-Klassiker mit zeitlosem Thema spricht auch heute noch an
Roman Hoza (Justus), Projektchor Das fliegende Klassenzimmer. Foto: Jochen Quast.
Die meisten der Kinder, denen Michaela Dicu, Leiterin der Jungen Oper, im Opernfoyer vor der Aufführung noch ein paar einleitende Worte mit in die Vorstellung gab, hatten Erich Kästners Buch noch nicht gelesen. Allerdings waren sie in ihren Schulen im Unterricht durchaus inhaltlich auf die Oper vorbereitet worden. Die Namen der Protagonisten hatten die Kinder auf Nachfrage parat: Sie wussten also, worum es mit welchen Charakteren im Stück ging. „Hier brauchen die jüngeren Kinder etwas mehr Vorbereitung als die Älteren“, verriet Dicu, die an der Deutschen Oper am Rhein als Produktionsleiterin das UFO-Projekt verantwortet hatte. Die Feinheiten der Charakterbeziehungen wollen schließlich verstanden werden – und die Kinder waren auch schlichtweg begeistert: Der eine oder andere fand sich oder Freunde und Klassenkameraden wohl auch in den Charakteren wieder.
Lucia Ronchettis Komposition ist kein konventionelles, harmonisch durchkomponiertes Musikstück, sondern geht unkonventionell mit der Instrumentierung um, so dass passend zur jeweiligen Situation im Stück durchaus schon mal etwas vermeintlich schrägere Töne aus dem Orchestergraben kommen. Für ihr Libretto hat Friedericke Karig den Kinderbuch-Klassiker von Erich Kästner auf eine Spiellänge von ca. 75 Minuten gekürzt, so dass das Stück ohne Pause auch vor einem jungen Publikum durchzuspielen geht.
Chorong Kim (Franka), Valerie Eickhoff (Uli), Hagar Sharvit (Matilda), Roman Hoza (Justus), David Fischer (Johnny), Sander de Jong (Martin). Foto: Jochen Quast.
Die Solisten unterstützen die Duisburger Philharmoniker in einer kleinen Besetzung und ein Projektchor unter der musikalischen Gesamtleitung von Patrick Francis Chestnut sowie die Statisterie der Deutschen Oper am Rhein. Für Bühne und Kostüme zeichnet Emine Güner verantwortlich, fürs Lichtdesign Stephan Krimpert. Die Video-Sequenzen stammen von Andreas Etter und Fabio Stoll.
Ein kleiner Vorgeschmack:
Weitere Termine im Theater Duisburg:
Do | 18. Mai 2023 | 16:00 Uhr,
Fr | 26. Mai 2023 | 11:00 Uhr,
Sa | 27. Mai 2023 | 16:00 Uhr,
So | 4. Juni 2023 | 17:00 Uhr und
Mo | 5. Juni 2023 | 11:00 Uhr.
In der kommenden Spielzeit kommt die Familienoper ins Opernhaus Düsseldorf.
Deutsche Oper am Rhein
Valerie Eickhoff (Uli), David Fischer (Johnny), Sander de Jong (Martin), Chorong Kim (Franka), Hagar Sharvit (Matilda), Roman Hoza (Justus), Projektchor Das fliegende Klassenzimmer. Foto: Jochen Quast.
Die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg gGmbH ist eine Theatergemeinschaft der Städte Düsseldorf und Duisburg, die auf eine lange Tradition der Zusammenarbeit zwischen den beiden Großstädten zurückblicken kann. Seit ihrer Gründung 1956 zählt sie zu den bedeutendsten Opernhäusern Deutschlands. Durch ihr hochrangiges Solistenensemble, den Chor sowie die national wie international gefeierte Compagnie Ballett am Rhein hat sie sich zu einer der ersten Adressen für Musiktheater und Tanz in Europa entwickelt. Sie ist in der größten und dichtesten Kulturregion Deutschlands beheimatet. Allein die beiden Städte Düsseldorf und Duisburg zählen zusammen fast 1,1 Millionen Einwohner, aber auch die umliegenden Regionen und eine große Zahl auswärtiger Gäste profitieren vom hochkarätigen künstlerischen Angebot der Deutschen Oper am Rhein. www.operamrhein.de
Chorong Kim (Franka), Sander de Jong (Martin), Hagar Sharvit (Matilda), Valerie Eickhoff (Uli). Foto: Jochen Quast.
Tickets kosten zwischen 8,00 und 18,00 Euro. Darüber hinaus gibt es für die Nachmittagsvorstellungen (für Familien) eine Familienkarte zum Preis von 10 Euro für jedes eingetragene Familienmitglied. Eintrittskarten gibt es online ebenso wie in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in das Stück, seine Entstehung und die Aufführung gibt.
Mit den Highlights aus 25 Jahren Ludwiggalerie Schloss Oberhausen Von Petra Grünendahl
Links: Die Malerei, Zürich, um 1700. Rechts: Johann Peter Melchior, Höchst, Der Stichverkäufer, um 177075. Porzellan aus der Sammlung Ludwig / Museen der Stadt Bamberg, Historisches Museum Bamberg. Fotos: Thomas Wolf.
Den Bauern und den Quacksalber, die Hirtin und den Schneider, die Hutverkäuferin und den Tanzmeister, die Columbine und den Soldaten in feinstem Meißener Porzellan zu zeigen, war vor allem im 18. Jahrhundert sehr beliebt. Als große Tischdekorationen werden diese niederen Berufsstände bei adeligen Festen zum Amüsement zusammengestellt. Die höfische Gesellschaft liebt Maskenbälle und ländliche Feste, die sogenannten fêtes champêtres, und schlüpft bei diesen gern selbst in das Kostüm der Hirtin und des Schäfers. Für die Zerstreuung bei Banketten übernehmen die kostbaren Porzellane die Rolle der Anregung. Über Jahrzehnte hat das Aachener Mäzenenpaar Peter und Irene Ludwig dieses Porzellan gesammelt und besondere Freude an dieser Darstellung menschlicher Tätigkeiten gehabt. Über die eigentliche Darstellung hinaus können Szenerien und Figurengruppen ist zum Beispiel die Schnitterin der personifizierte Sommer und kann als Dank für eine reiche Ernte stehen. In Verbindung mit weiteren Figuren wird sie zum Symbol der Erde bei den vier Elementen. Im Jahreszeitenzyklus symbolisiert sie den Sommer. Solche Mehrdeutigkeiten lassen die Figuren vielfach zum Einsatz kommen.
Plakat zur Ausstellung mit Johann Friedrich Lück, Frankenthal, Der Quacksalber, um 1763. Porzellan aus der Sammlung Ludwig / Museen der Stadt Bamberg, Historisches Museum Bamberg. Foto: Thomas Wolf.
Die LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen feiert silbernes Jubiläum und lädt dazu einen Sammlungsschwerpunkt ihrer Namensgeber ins Ruhrgebiet ein: Erstmals wird die erlesene und originelle Porzellansammlung von Peter und Irene Ludwig umfangreich in Oberhausen vorgestellt – mit einem Thema, das bestens hierher passt: mit der Darstellung von Berufen. Dieses „weiße Gold“, wie das Porzellan auch genannt wurde, der Sammlung Ludwig wird sonst in den Städtischen Museen Bamberg aufbewahrt. Neben dieser Würdigung von Peter und Irene Ludwig, den Namensgebern der Ludwiggalerie, gibt es auch einen Rückblick auf die letzten 25 Jahre: Zahlreiche Ausstellungen mit Beständen aus der umfangreichen Sammlung Ludwig konnten ebenso realisiert werden wie Präsentationen zu Comic und Karikatur, zur Fotografie und den für das Ruhrgebiet so bedeutenden Landmarken. Ein „Best-of“ wird während der Laufzeit prämiert. Die Ausstellung wurde gestern eröffnet und läuft bis zum 17. September. Sie wird gefördert von der Peter und Irene Ludwig Stiftung und dem Freundeskreis der LUDWIGGALERIE. Kulturpartner ist WDR 3.
Peter und Irene Ludwig Stiftung
Links: Galanteriewarenkrämerin, Kloster Veilsdorf, um 1760. Rechts: Die Hutverkäuferin, Niderviller, um 1775. Porzellan o. Frittenporzellan aus der Sammlung Ludwig / Museen der Stadt Bamberg, Historisches Museum Bamberg; Fotos: Thomas Wolf.
Das Ehepaar Peter und Irene Ludwig, geborene Monheim, gründete 1982 die Ludwig Stiftung für Kunst und internationale Verständigung GmbH. Nach dem Tod von Peter Ludwig (1925–1996) wurde die Stiftung ein Jahr später von seiner Witwe Irene Ludwig (1927–2010) in Peter und Irene Ludwig Stiftung umgewandelt. Die gemeinnützige Stiftung hat ihren Sitz im früheren Wohnhaus des Ehepaares in Aachen. Peter Ludwig war Kunst-Mäzen und Schokoladenfabrikant. Irene Ludwig war Kunsthistorikerin, Kunst-Mäzenin und Kunstsammlerin. Die Beiden hatten sich Ende der 1940er Jahre beim Studium der Kunstgeschichte an der Universität Mainz kennen gelernt. Ihre Sammlung von mehr als 14.000 Objekten haben die Ludwigs seit den 1950er Jahren aufgebaut und sie zählt zu den wichtigsten Sammlungen internationaler Kunst im 20. Jahrhundert. Sie ist heute auf 26 öffentliche Museen in drei Kontinenten verteilt. Zwölf Institutionen tragen den Namen Ludwig und wurden mit großzügigen Schenkungen bedacht. Darunter auch die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. https://ludwigstiftung.de/
Zur Ausstellung „IT’S A PASSION!“ mit Porzellanen aus der Sammlung Ludwig erscheint ein 128-seitiger Katalog im Kerber Verlag (hrsg. von Christine Vogt), der zum Preis von 29,80 Euro an der Museumskasse und im lokalen Buchhandel zu haben ist (ISBN 978-3-7356-0928-1). Den Flyer zur Ausstellung gibt es hier.
Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen
Johann Joachim Kaendler, Meißen, Dame mit Mohr bei der Schokolade, um 1737/40. Porzellan aus der Sammlung Ludwig / Museen der Stadt Bamberg, Historisches Museum Bamberg; Foto: Jürgen Musolf.
Die Sonderausstellung im Großen Schloss läuft bis zum 17. September. Das Museum ist geöffnet von Dienstag bis Sonntag zwischen 11 und 18 Uhr. Montags ist Ruhetag, feiertags sowie Oster- und Pfingstmontag ist jedoch geöffnet. Geschlossen ist am 24., 25. und 31. Dezember sowie 1. Januar. Der Eintritt kostet 8,00 Euro (ermäßigt 4,00 Euro, Familien mit zwei Erwachsenen plus Kindern 12,00 Euro). Außerdem gibt es ein Kombiticket mit dem Gasometer Oberhausen für 15,00 Euro.
Johann Heinrich Usinger, Höchst, Tableau mit Hirtenszene, um 1775. Porzellan aus der Sammlung Ludwig / Museen der Stadt Bamberg, Historisches Museum Bamberg; Foto: Jürgen Musolf.
Öffentliche Führungen finden im Großen Schloss sonn- und feiertags um 11.30 Uhr statt. Zudem gibt es zur Ausstellung Kuratorinnenführungen (mit Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt) am:
Sonntag, 21. Mai 2023, 15 Uhr,
Sonntag, 18. Juni 2023, 15 Uhr,
Sonntag, 6. August 2023, 15 Uhr, und
Sonntag, 17. September 2023, 15 Uhr.
Alle Führungen sind im Museumseintritt inklusive. Details zum Rahmenprogramm zu den Ausstellungen sowie zum museumspädagogischen Angebot gibt es hier.
Paul Hannong, Straßburg, Affenkapelle, um 1745/54. Porzellan aus der Sammlung Ludwig / Museen der Stadt Bamberg, Historisches Museum Bamberg; Foto: Thomas Wolf.
Vom 5. Februar bis zum 11. Juni ist im Kleinen Schloss der Ludwiggalerie die Ausstellung „AUSGEZEICHNET!“ zu sehen mit den deutschsprachigen „Max und Moritz“-Preisträgern 2022. Anschließend ist dort vom 25. Juni bis zum 8. Oktober 2023 der Kunstverein zu Gast und präsentiert Werke von SVEN DRÜHL mit dem Ausstellungstitel Öl, Lack und Bronze – Neue Landschaften.
Genießen statt konsumieren: Vielseitiges Ruhrgebiet – auf sparsame Weise Von Petra Grünendahl
Freizeitspaß im Ruhrgebiet: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.
Im Rheinpark in Hochfeld findet sich eine von vielen Oasen, in denen sich Besucher mit verschiedensten Aktivitäten unterschiedlichster Intensität und für jedes Alter vergnügen können, ohne dafür einen Cent zu bezahlen: Das reicht vom Skaten, Klettern und Spazieren über Beachvolley- oder Basketball bis hin zum Drachenfliegen oder einfach in lockerer Strandatmosphäre entspannen. Auch der Landschaftspark Nord oder das weitläufige Areal der Zeche Zollverein locken mit vielseitigen Möglichkeiten. Man kann aber auch zur Kneipp-Kur nach Xanten oder zu Outdoor-Gyms nach Mülheim. Öffentliche Parks oder Gärten, Halden mit Kunst und Aussicht bieten sich als Freizeitziele ebenso an wie ehemalige Zechen- oder Industriestandorte mit ihrer unterschiedlichsten Nachnutzung. Selbst am Phoenix-See in Dortmund kommt man an der Industrievergangenheit nicht ganz vorbei. Eintauchen in die Natur, erleben, entspannen und genießen, aber auch (gesundheitsfördernde) Bewegung versprechen die vielfältigen Ziele, die die Autorin für ihren Führer zum Freizeitspaß im Ruhrgebiet zusammen getragen hat. Viele dieser Touren verbinden Natur, Kultur, Geschichte und die allgegenwärtigen Zeugen der Industriekultur mit Aussichtspunkten und Fotospots.
Und das alles gibt es für lau – ganz nach dem Motto “weniger konsumieren – und mehr genießen”. Garniert ist der Freizeitführer mit vielen schönen Fotos, Lust auf die Erkundung machen.
Freizeitspaß im Ruhrgebiet: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.
Für ihren neuen Freizeitführer „Umsonst & draußen“ hat die Autorin Ulrike Katrin Peters 14 Ziele ausgewählt, die an jeweils mehreren Stationen „Freizeitspaß im Ruhrgebiet für alle“ versprechen. Die abwechslungsreiche Region bietet nahezu endlose Freizeitangebote, die man draußen und völlig kostenlos wahrnehmen kann. Darüber hinaus listet Peters Ideen für kostengünstige Abstecher ganz in der Nähe – für unter 5 Euro. Dabei hat sie Unternehmungen für alle Wetterlagen zusammen getragen und gibt Tipps, wie sich verschiedene Aktivitäten zu einem rundum gelungenen Ausflug kombinieren lassen. Die Ziele reichen von Xanten im Westen bis Hamm im Osten, von Wesel im Norden bis zur Ruhr im Süden. Aufgebaut sind die 14 Kapitel mit jeweils 8 bis 12 Seiten und vielen anschaulichen Fotos nach bewährtem Muster: Neben einer ausführlichen Beschreibung des Ziels und seiner Freizeitmöglichkeiten gibt es Informationen zur Anreise (Auto und ÖPNV) mit Webadresse für weitergehende Recherchen. Zusätzlich hat die Autorin Info-Kästchen und „Tipps“ ebenso parat wie lohnende Locations „In der Nähe“ und „Für kleines Geld“. Eingeordnet sind die Ziele in fünf oder sechs von zehn möglichen Kategorien. Eine grobe Übersichtskarte (Seite 8/9) und eine „Bunte Tüte“ mit weiteren Tipps für gelungene Ausflüge runden das Buch ab. Auch wer sich im Ruhrgebiet gut auskennt, wird hier noch die eine oder andere bislang unbekannte Anregung finden.
Die Autorin und das Buch
Freizeitspaß im Ruhrgebiet: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.
Ulrike Katrin Peters hat sich als Autorin, Journalistin und Fotografin auf grüne Destinationen wie Skandinavien und die britischen Inseln sowie auf grüne Themen wie Wandern und Radfahren spezialisiert. Das Ruhrgebiet ist inzwischen die lieb gewordene zweite Heimat der gebürtigen Oldenburgerin, die inzwischen rund 50 Reiseführer verfasst hat. Im Klartext Verlag erschien zuletzt ihr Radwanderführer „Radgenuss im Ruhrgebiet – Auf Traumtouren durch das Revier“ sowie (zusammen mit Karsten-Thilo Raab) „Herzstücke im Ruhrgebiet – Besonderes abseits der bekannten Wege entdecken“.
Ulrike Katrin Peters’ Buch „Umsonst & draußen“ ist im Essener Klartext Verlag in der Reihe „Schönes NRW“ erschienen. Das 144-seitige Taschenbuch mit Klappbroschurumschlag ist für 16,95 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-8375-2562-5).
Der Verlag
Freizeitspaß im Ruhrgebiet: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.
Der Klartext Verlag wurde 1983 gegründet, seit 2007 ist er Teil der Funke Mediengruppe. Seine Heimat liegt im Ruhrgebiet, wo auch der überwiegende Teil seiner Publikationen angesiedelt ist: Freizeitführer mit Inspirationen für Jung und Alt, Sachbücher, Kalender und Bildbände. Mit der „Von oben“-Reihe kann man Städte nicht nur im Ruhrgebiet, sondern in ganz Deutschland aus der Vogelperspektive bewundern. Und mit der Reihe „Irrtümer und Wahrheiten“ (bei ihrem Start im Verlagsprogramm hieß die Serie noch „Klugscheißer“) lernt der Leser Neues zu verschiedenen Orten, Themen und Fußballvereinen – unterhaltsam, fundiert und auch mit dem einem oder anderen Augenzwinkern. www.klartext-verlag.de
Wieder mehr Opern- und Ballett-Aufführungen im Theater Duisburg Von Petra Grünendahl
Theater Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.
Ihre Premieren feiern in der kommenden Spielzeit im Theater Duisburg Opern wie Orpheus in der Unterwelt (Jacques Offenbach), Il barbiere di Siviglia (Gioachino Rossini), Iwein Löwenritter (Moritz Eggert), I Capuleti e i Montecchi (Romeo und Julia konzertant von Vincenzo Bellini), Jenůfa (Leoš Janáček) oder Märchen im Grand-Hotel (Paul Abraham). Dazu kommen Ballett-Premieren wie Giselle (Demis Volpi), I am a problem (Roland Petit / Aszure Barton), True Crime (Hege Haagenrud / Andrey Kaydanovskiy / Demis Volpi) und schließlich Krabat (Demis Volpi). Oper und Ballett am Rhein feiern 21 Premieren, davon elf Neuproduktionen; hinzu kommen 14 verschiedene Opern aus dem großen Repertoire der Deutschen Oper am Rhein und zahlreiche neue Formate – vom fast intimen „Rendezvous um halb 8“ über swingende bis zu festlichen Benefizveranstaltungen und der Ballettgala „Favourite Things“, mit der sich Demis Volpi zum Ende der Spielzeit nach 4 Jahren als Direktor und Chefchoreograph vom Ballett am Rhein verabschiedet.
Das Leitungsteam stellte das Programm für die kommende Spielzeit vor (v. l.): Demis Volpi, Direktor und Chefchoreograph des Ballett am Rhein, Prof. Christoph Meyer, Generalintendant der Deutschen Oper am Rhein, Generalmusikdirektor Axel Kober (vorne) und Alexandra Stampler-Brown, Geschäftsführende Direktorin. Foto: Andreas Endermann.
Ihr neues Programm für die Opern- und Ballettspielzeit 2023/24 stellte das Leitungsteam der Deutschen Oper am Rhein im Pressegespräch vor. Nach den Corona-Beschränkungen sind nicht nur die großen Opern wieder zurück auf der Bühne. Auch das Publikum zieht es wieder in die Spielhäuser: Für den Zeitraum November 2022 bis April 2023 lag die Auslastung mit rund 72 Prozent (ca. 72 Prozent in Düsseldorf und 73 Prozent in Duisburg) fast wieder auf Vor-Corona-Niveau und sollte bis Spielzeitende die 75 Prozent erreichen, so Alexandra Stampler-Brown, Geschäftsführende Direktorin der Oper. Im Theater Duisburg steigt die Anzahl der Aufführungen für die kommende Spielzeit. Neue künstlerische Formate und Maßnahmen zur Neu- und Wiedergewinnung des Publikums hatten Erfolg: Mit der Aktion „Zahl so viel du willst!“ begegnete die Deutsche Oper am Rhein der durch Inflation und hohe Energiepreise ausgelösten finanziellen Unsicherheit, konnte ein neues Publikum hinzugewinnen und klarmachen, dass ihr die kulturelle Teilhabe von Menschen aus allen Einkommensschichten wichtig ist. In Duisburg startet die neue Spielzeit mit dem großen Theaterfest am 26. August 2023 im Theater Duisburg: Hier zeigt die Deutsche Oper am Rhein, dass „Oper am Rhein für alle!“ ist.
Neue Formate und frisches Spielzeitheft
UFO der Deutschen Oper am Rhein auf dem Portsmouthplatz vor dem Hauptbahnhof. Foto: Petra Grünendahl.
Durch das Probeabo „Oper plus“ mit rund 500 verkauften Abos hat das Abonnement einen kräftigen Schub bekommen; auch spezielle Angebote für junge Menschen und Familien ermöglichen den Besuch von Oper und Ballett. „Das digitale Foyer“ und weitere Innovationen im digitalen Bereich stoßen Begegnung und Kommunikation in analogen und digitalen Räumen an. „Die Deutsche Oper am Rhein ist nahbarer als je zuvor“, so das Fazit des Generalintendanten der Deutschen Oper am Rhein, Christoph Meyer. Auch mit Formaten jenseits der großen Spielhäuser will die Deutsche Oper am Rhein neues Publikum locken und Menschen für Oper und Ballett begeistern, die bislang noch keine Berührungspunkte hatten: in Kitas, Klassenzimmern und auf Schulhöfen, im integrativen Projekt „StadtOper“ und im UFO. Mit dem Programm „Tanz mit!“ erweitert das Ballett am Rhein sein Programm durch Angebote für jede Altersgruppe.
Der neue Spielplan der Saison 2023/24 ist dünner und hat mehr digitale Verweise (QR-Codes). Foto: Deutsche Oper am Rhein. Das Opern- und Ballettprogramm der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg für die Saison 2023/24 ist veröffentlicht.
Die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg gGmbH ist eine Theatergemeinschaft der Städte Düsseldorf und Duisburg, die auf eine lange Tradition der Zusammenarbeit zwischen den beiden Großstädten zurückblicken kann. Seit ihrer Gründung 1956 zählt sie zu den bedeutendsten Opernhäusern Deutschlands. Durch ihr hochrangiges Solistenensemble, den Chor sowie die national wie international gefeierte Compagnie Ballett am Rhein hat sie sich zu einer der ersten Adressen für Musiktheater und Tanz in Europa entwickelt. Sie ist in der größten und dichtesten Kulturregion Deutschlands beheimatet. Allein die beiden Städte Düsseldorf und Duisburg zählen zusammen fast 1,1 Millionen Einwohner, aber auch die umliegenden Regionen und eine große Zahl auswärtiger Gäste profitieren vom hochkarätigen künstlerischen Angebot der Deutschen Oper am Rhein. www.operamrhein.de
Eintrittskarten gibt es online ebenso wie in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in das Stück, seine Entstehung und die Aufführung gibt.
Neu gestaltete Ausstellungsflächen und Fotoausstellung „Unter Tage waren wir alle gleich” Von Petra Grünendahl
GMGV eröffnet die Saison auf Schacht IV mit der Fotoausstellung Unter Tage waren wir alle gleich. Foto: GMGV.
Mit dem Beginn des Steinkohlebergbaus starte ab dem 19. Jahrhundert die erste Zuwanderung ins damals noch ländliche Ruhrgebiet und an den Niederrhein. In den Nachkriegsjahren litt auch der Moerser Bergbau unter Arbeitskräftemangel: Zunächst kamen Menschen aus ganz Deutschland an den Niederrhein. Als in den anschließenden Wirtschaftswunderjahren Bergbau und Industrie verzweifelt weitere Arbeiter suchten, schloss die Bundesregierung ein Anwerbeabkommen mit Italien ab: Die ersten „Gastarbeiter” kamen ins Ruhrgebiet und auch nach Moers. In den 60er Jahren folgten dann Spanier, Jugoslawen, Griechen und Türken. In den 1970er Jahren kamen dann Spätaussiedler an den Niederrhein. Schon ab 1948 half die REVAG (Revierarbeitsgemeinschaft für kulturelle Bergmannsbetreuung), später auch im Verbund mit den Gewerkschaften und den Zechenunternehmen, um die Integration von Menschen zu unterstützen, die sich hier eine neue Existenz aufbauten. Der Bergbau und die Zuwanderung von Arbeitskräften – „Wir riefen Arbeitskräfte und es kamen Menschen.” (Max Frisch) – haben auch die Entwicklung der Stadt Moers geprägt.
Sevket Aslan, Frank Maas, Theo Wilbers (vorne), Dr. Wilfried Scholten, Nurulla Cikoglu, Yurdakal Cantimür, André Thissen, Frank Heinrich, Jürgen Kohl, Alberto Dominguez und Dieter Krämer. Foto: Nina Stahlschmidt / GMGV.
Unter dem Titel „Unter Tage waren wir alle gleich“ eröffnet der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e.V. seine Besuchersaison am Sonntag, 7. Mai, ab 11.00 Uhr mit einer Fotoausstellung in der Fördermaschinenhalle des Industriedenkmals Rheinpreußen Schacht IV. Die Schau entstand in Kooperation mit dem Stadtteilbüro Neu-Meerbeck und wird bis Ende Oktober zu sehen sein. Auf insgesamt 21 großformatigen Bildern wird die gemeinsame Arbeit von Bergleuten unterschiedlichster Nationalität und Herkunft dargestellt und erläutert. André Thissen, Leiter des Arbeitskreises Schacht IV, ist mit Unterstützung seines Teams und der ehemaligen Bergleute Dieter Krämer, Sevket Aslan, Yurdakul Cantimür, Jürgen Kohl sowie Atilla Cikoglu eine eindrucksvolle Ausstellung lokaler Geschichte gelungen.
Saison startet mit neuen Aussstellungsbereichen
Nachbildung des Anschlags der 450-Meter-Sohle von Schacht IV mit Originalexponaten und funktionsfähiger Signalanlage zur Fördermaschine. Foto: André Thissen.
Zudem haben die Ehrenamtlichen des Arbeitskreises während der Winterpause die Ausstellungsbereiche im Kellergeschoss an einigen Stellen neu gestaltet. So gibt es jetzt eine Nachbildung des Anschlags der 450-Meter-Sohle von Schacht IV mit Originalexponaten und funktionsfähiger Signalanlage zur Fördermaschine. Außerdem bauten sie einen konventionellen Streckenvortrieb im Holztürstock nach: Mit den Originalplänen von Rheinpreußen aus dem Jahre 1928. Viele der Exponate belegen anschaulich den Integrationsbeitrag durch gemeinsame Arbeit unter Tage, die Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammen geschweißt hat. In nur vier Monaten mit zahlreichen Stunden ehrenamtlicher Arbeit bauten die ehemaligen Bergleute des Arbeitskreises Schacht IV um Alberto Dominguez, Heinz Bernard, Theo Wilbers und André Thissen mit Unterstützung durch die neuen Kollegen Frank Maas und Ingo Tombrink diese neuen Ausstellungsbereiche, die dem Besucher in dieser Saison erstmals zugänglich sind.
Fotos: Andre Thissen
Nachbildung des Anschlags der 450-Meter-Sohle von Schacht IV mit Originalexponaten und funktionsfähiger Signalanlage zur Fördermaschine. Foto: André Thissen.
Heinz Bernard (l.) und Theo Wilbers (r.) vor dem Nachbildung des Anschlags der 450-Meter-Sohle von Schacht IV. Foto: André Thissen.
Streckenvortrieb im Holztürstock nach den Originalplänen von Rheinpreußen aus dem Jahre 1928. Foto: André Thissen.
Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e. V.
Schacht IV der Zeche Rheinpreußen in Moers-Hochstraß. Foto: Petra Grünendahl.
Der Museums- und Geschichtsverein in Moers möchte die Geschichte und Kultur der Grafschaft Moers schützen und erhalten – und das seit 1904. In diesem Jahr gründete Dr. Hermann Boschheidgen den „Verein für Heimatkunde“. Seitdem werden vom Verein, der heute „Grafschafter Museums- und Geschichtsverein“ heißt, Gegenstände aus dem Alltag und dem Leben der Moerser Bevölkerung zusammengetragen und im Moerser Schloss ausgestellt. Dadurch soll gemeinsam mit der Stadt Moers interessierten Bürgern die Geschichte der Grafschaft und des Altkreises Moers nahe gebracht werden. Den kulturellen und historischen Wert des Schlossparks stärker bewusst zu machen und zu erhalten ist ebenfalls ein Ziel der Arbeit des GMGV. Der heutige Vorsitzende, Peter Boschheidgen, ist ein Enkel des Vereinsgründers.
Schacht IV der Zeche Rheinpreußen in Moers-Hochstraß. Foto: Petra Grünendahl.
Als weiterer Schwerpunkt der Vereinstätigkeit kam später die Geschichte des Bergbaus mit dem Nutzungsrecht für das „Industriedenkmal Rheinpreußen Schacht IV“ hinzu, mit der Verpflichtung, das Maschinenhaus von 1906 zu erhalten. Der Bergwerks-Standort war 1962 stillgelegt worden. Unter dem langjährigen Vereinsvorsitzenden Andreas Eichholtz übernahm der GMGV Ende der 1990er-Jahre als Bauherr mit finanzieller Unterstützung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, des Landes NRW und der Nordrhein-Westfalen-Stiftung die Renovierung. Das Denkmal und die restaurierte Technik kann im alten Maschinenhaus besichtigt werden. Ehrenamtlich tätige ehemalige Bergleute erklären die Fördertechnik und führen durch die Sammlung. Geöffnet ist Bergbaumuseum an der Zechenstraße 50 in Moers-Hochstraß von Mai bis Ende Oktober jeden Sonntag von 13 bis 16 Uhr. Gruppenführungen sind auch außerhalb der Öffnungszeiten nach Vereinbarung möglich. Kontakt unter Telefon 02841 / 889108 (mittwochs 9 bis 12 Uhr) oder per Mail an schacht4(at)gmgv-moers.de. www.gmgv-moers.de
Entwicklungen und Anekdoten aus den 60 Jahren einer Legende Von Petra Grünendahl
„Das Porsche 911 Buch“ von Wolfgang Hörner: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl. _______________________________________
Als sich Porsche Ende der 1950er-Jahre um einen Nachfolger für seinen Kult gewordenen 356 (1948–1965) kümmert, nimmt man Abschied von bewährten Volkswagen-Komponenten: Die Technik aus dem VW Käfer hatte dem Sportwagen zwar einen rasanten Aufstieg ermöglicht, stieß aber mit ihrer Konzeption aus den 1930er-Jahren vielfach an Grenzen. Das Design, das die Kundschaft – auch jenseits des Atlantiks – so liebte, sollte auch im neuen Porsche erkennbar sein.
„Das Porsche 911 Buch“ von Wolfgang Hörner: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.
Der Wagen sollte, so Firmenchef Ferry Porsche, nicht viel längerer sein als der Alte: ein 2+2-Sitzer, mit mehr Laderaum (eine Golftasche sollte reinpassen). Auch an Heckantrieb und luftgekühltem Boxermotor hielt man fest. Schließlich ist es Ferrys ältester Sohn, Ferdinand Alexander (F. A.) Porsche, der nach seinem Design-Studium ins väterliche Unternehmen eintritt und dem „amerikanischen“ Entwurf des BMW-507-Designers Graf Albrecht Goertz die entscheidende Porsche-Handschrift gibt, die dem 911er zum Erfolg verhelfen sollte. Vom Vierzylinder des 356 wechselt man zum Sechszylinder, der neben mehr Leistung auch mehr Laufruhe und damit Komfort bot. Dazu kam ein neu entwickeltes Fahrwerk mit McPherson-Konstruktion vorne und Längslenker-Hinterachse. Das Publikum betrachtete das auf der IAA in Frankfurt im September 1963 erstmals gezeigte Fahrzeug eher skeptisch. Journalisten, die das Auto bereits fahren durften, waren begeistert. Im Oktober 1964 lieferte Porsche die ersten Serienfahrzeuge aus.
„Das Porsche 911 Buch“ von Wolfgang Hörner: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.
Von den ersten Entwürfen zum Typ 901 bis hin zur aktuellen Generation (Typ 992) erzählt Wolfang Hörner in seinen Werk „Das Porsche 911 Buch“ spannende Geschichten aus sieben Generationen von Porsches erfolgreichster Modellreihe. Die überarbeitete und erweiterte 4. Auflage des Buches mit dem Untertitel „60 Jahre Porsche 911: Legende seit 1963“
„Das Porsche 911 Buch“ von Wolfgang Hörner: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.
ist gespickt mit Hintergrundinformationen zur Entwicklung und Weiterentwicklung der 911er-Baureihen, gescheiterten Baureihen, nie in Serie gegangenen Entwürfen und Einzelstücken. Dazu kommen Exkurse in die Erfolge im Motorsport und in innovative Technologien aus diesen Jahrzehnten. Und natürlich dürfen auch wichtige Ereignisse aus der Unternehmensgeschichte nicht fehlen, garniert mit Anekdoten rund um die Marke und ihre Modelle. Die informativen Texte illustrieren viele schöne Fotos (auch von der Pressestelle des Herstellers) sowie technische Zeichnungen. Technische Daten für alle Modelle und Motorisierungen sowie eine 911er-Chronik runden das informative Werk ab.
Der Autor und das Buch
„Das Porsche 911 Buch“ von Wolfgang Hörner: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.
Wolfgang Hörner (Jahrgang 1968) ist Motorjournalist und ausgewiesener Spezialist für Sportwagen. Unzählige Veröffentlichungen in Fachmagazinen sowie mehrere Bücher zeugen davon. Regelmäßig besucht er die Edelschmieden in Deutschland, Italien, England und anderswo auf der Welt, um selbst die neuesten Modelle und Versionen auf der Straße oder auf der Rennstrecke zu testen. Dabei werden ihm auch Einblicke in die Produktion sowie in die Entwicklungs- und Rennabteilung gewährt. Entsprechend gleicht Hörners Archiv einer peniblen Dokumentation der schnellsten, schönsten und exklusivsten Sportwagen der Welt.
„Das Porsche 911 Buch“ von Wolfgang Hörner: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.
Das 192-seitige „Porsche 911 Buch“ mit rund 200 Abbildungen ist als Hardcover (Format 19,3 x 26,1 cm) erschienen im Münchener Verlag GeraMond. Das reich bebilderte Buch bietet neben dem Fließtext zahlreiche ergänzende Exkurse, tabellarische Übersichten der Modelle sowie schlussendlich eine Chronik des 911ers von 1957 bis 2023. Es ist im lokalen Buchhande für 29,99 Euro erhältlich (ISBN 978-3-95613-039-7).
Blick ins Buch: Impressionen. Fotos: Petra Grünendahl
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GeraMond
„Das Porsche 911 Buch“ von Wolfgang Hörner: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.
Der GeraMond Verlag wurde 1989 als Fachverlag für Publikationen rund um Schienenfahrzeuge gegründet. Später erweiterte der Verlag sein Programm auf Filme (VHS, dann DVD) und schließlich Bücher und Sammler-Editionen. Thematisch kam ab 2000 die Luftfahrt hinzu, danach auch Auto-, Motorrad- und Nutzfahrzeugtechnik sowie Schifffahrtsgeschichte – sowohl als Zeitschriften wie auch als Bücher. GeraMond ist seit 1999 Teil des Münchener Verlagshauses GeraNova-Bruckmann, in der die Verlage GeraMond, GeraNova und Bruckmann zusammen geführt wurden.
Investitionen in Infrastruktur und internationale Vernetzung sichern Wettbewerbsfähigkeit Von Petra Grünendahl +
Vorstand der duisport-Gruppe (von links): Dr. Carsten Hinne, Markus Bangen (CEO), Lars Nennhaus. Foto: krischerfotografie.
„Wir haben weniger Nachteile durch den Ukraine-Krieg gehabt als noch vor einem Jahr befürchtet, aber wir konnten uns natürlich von der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung nicht abkoppeln“, erklärte Markus Bangen, Vorstandsvorsitzender der Duisburger Hafen AG (duisport). So hinterließen das Niedrigwasser auf dem Rhein, gestörten Lieferketten, die steigenden Energiepreise und die Inflation natürlich ihre Spuren: Der Umschlagsrückgang lag allerdings in dem Rahmen, wie er überall verzeichnet wurde. Und auch wenn heute mehr Kohlefrachter auf dem Rhein zu sehen sind: „Die 700.000 Tonnen Kohle, die 2022 hier umgeschlagen wurden, sind gar nichts im Vergleich zu früher, als hier auf der Kohleninsel jährlich noch 7 bis 10 Mio. Tonnen umgeschlagen wurden“, so Bangen. Auf der Kohleninsel entsteht nun das Duisburg Gateway Terminal mit dem Ziel des klimaneutralen Güterumschlags. Die Bauarbeiten liegen im Zeitplan. Kohle, aber auch Stahl fallen heute nicht mehr in den Geschäftsbereich von duisport: „Hochgewichtige Massengüter werden weniger. Wir verlieren dadurch zwangsläufig an Tonnage“, sagte Bangen. Negative Auswirkungen verzeichnete der Duisburger Hafen auch durch die – aufgrund der hohen Energiekosten – gesunkene Chemie-Produktion, die von Marl aus über Duisburg abgewickelt wird. „Trotz der massiven Beeinträchtigungen und Herausforderungen hat sich unser Kerngeschäft aber als äußerst stabil und widerstandsfähig erwiesen“, fasste der Hafen-Chef zusammen.
Vorstand der duisport-Gruppe bei der Bilanzpressekonferenz (von links): Dr. Carsten Hinne, Markus Bangen (CEO), Lars Nennhaus. Foto: Screenshot.
In der jährlichen Bilanzpressekonferenz stellte Hafen-Chef Markus Bangen zusammen mit seinen Vorstandskollegen Lars Nennhaus und Dr. Carsten Hinne die Geschäftsentwicklung des Duisburger Hafens und die Bilanzzahlen für 2022 vor. Obwohl der Güterumschlag leicht rückläufig war, konnte das operative Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr sogar gesteigert werden: Die Gesamtleistung der duisport-Gruppe lag 2022 trotz des angespannten Marktumfeldes bei 332,7 Mio. Euro. Bereinigt um den Effekt eines Einmalerlöses im Vorjahr konnte das operative Ergebnis damit sogar gesteigert werden. 2021 war die Gesamtleistung in Höhe von 346,8 Mio. Euro maßgeblich durch den Verkauf einer Logistikhalle für rund 18 Mio. Euro geprägt worden. „Wir haben aber nun nichts mehr, was wir verkaufen sollten. Wir brauchen alle Assets“, erklärte Markus Bangen.
Infrastruktur und Warenströme
Infografik: duisport (Screenshot).
Dafür investiert die Duisburger Hafen AG massiv in ihre Infrastruktur: Straßen, Brücken, Schienenwege und Hafenanlagen. Allein in diesem Jahr werden es rund 100 Mio. Euro. „Wir hatten Nachholbedarf, haben aber auch für viele Dinge Vorsorge für unsere Leistungsfähigkeit getroffen und schaffen damit die Voraussetzungen, künftig wieder Trendsetter zu sein“, sagte der Hafen-Chef. Und: „Wir haben im Duisburger Hafen keine freien Flächen mehr: Das heißt, wir können nur im Bestand wachsen – durch mehr Effizienz und die gemeinsame Nutzung von Kapazitäten.“ – „Wir modernisieren unsere Anlagen, bauen sie aus und bereiten uns vor auf künftiges Wachstum“, erklärte auch duisport-Vorstand Lars Nennhaus.
Infografik: duisport (Screenshot).
Wichtig ist für die Entwicklung des Duisburger Hafens sein internationales Netzwerk, das duisport-Kunden die Anbindung in alle Welt ermöglicht. Das schließt auch Beteiligungen an Logistikparks im Ausland ein: Triest, Türkei, aber auch in China. Diversifizieren will man die internationalen Netzwerke u. a. nach Indien oder Singapur: „Das ist kein Selbstzweck, sondern stärkt unseren Standort hier“, erklärte Carsten Hinne die Strategie. „Mit unserem Know-how, das wir uns über Jahrzehnte erarbeitet haben, bringen wir uns international ein, um unseren Standard dort anzuwenden, wo wir uns engagieren. Wir wollen dort auch Player sein.“ Die traditionelle Anbindung des Wirtschaftsstandortes an die Seehäfen an der Nordsee reicht längst nicht mehr aus: „Die aufstrebenden Mittelmehrhäfen sind in den letzten 10 Jahren wettbewerbsfähig geworden und wir binden sie über die Schiene an“, erklärte Bangen. Der Standort Duisburg verfüge über das größte und stärkste Eisenbahnnetzwerk in Europa. Und an allen relevanten Absatzmärkten und Produktionsstandorten sei Duisburg präsent.
Infografik: duisport (Screenshot).
Stark zurück gegangen sind jedoch Verkehre auf der Neuen Seidenstraße: Statt 2.800 (im Rekordjahr 2021) verkehrten 2022 mit 2.100 China-Zügen ein knappes Drittel weniger. „Das ist ein geringerer Rückgang als wir befürchtet hatten“, so Bangen. Der Umschlagrückgang sei eher ein „back-to-normal“, denn die Rekordzahlen 2021 waren der Tatsache geschuldet, dass der Schiffstransport während der Pandemie gesunken war und die Waren ja trotzdem nach Europa kommen mussten.
Zentrales Ziel: Wettbewerb und Wirtschaftsstandort stärken
Infografik: duisport (Screenshot).
Die strategischen Beteiligungen und Kooperationen mit Partnern im In- und Ausland zahlen ebenso wie die Investitionen in die Infrastruktur auf die langfristigen Ziele von duisport ein: „Eine zukunftssichere Infrastruktur, stabile Logistikketten und die Verknüpfung logistischer Dienstleistungen schaffen innerhalb der Energie- und Logistikdrehscheibe Duisburger Hafen die idealen Voraussetzungen für die unerlässliche Wettbewerbsvielfalt. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag, um die Wirtschaftsstandorte Duisburg, Nordrhein-Westfalen und Deutschland nachhaltig zu stärken“, so Markus Bangen. Mit einer Eigenkapitalquote von 42 Prozent sieht er den Duisburger Hafen gut für die zukünftige Entwicklung aufgestellt: „Wir strotzen vor Kraft!“
Duisburger Hafen AG
Infografik: duisport, Foto: Hans Blossey (Screenshot).
Die Duisburger Hafen AG (duisport) ist die Eigentums- und Managementgesellschaft des Duisburger Hafens, des größten Binnenhafens der Welt. Die duisport-Gruppe bietet für den Hafen- und Logistikstandort Full Service-Pakete in den Bereichen Infra- und Suprastruktur inkl. Ansiedlungsmanagement. Darüber hinaus erbringen die Tochtergesellschaften logistische Dienstleistungen wie beispielsweise den Aufbau und die Optimierung von Transport- und Logistikketten, Schienengüterverkehrsleistungen, Gebäudemanagement und Verpackungslogistik. www.duisport.de
Komfortable Bahnen mit Klimaanlage und WLAN sollen Mobilitätswende voran bringen Von Petra Grünendahl
Alstom-Vizepräsident Dirk Wunderlich (ganz rechts) erklärte die Besonderheiten der neuen Bahn (v. l.): DVG-Vorstandsvorsitzender Marcus Wittig, DVG-Aufsichtsratsvorsitzender Dieter Lieske, DVG-Vorstand Andreas Gutschek und Oberbürgermeister Sören Link. Foto: Petra Grünendahl.
Schick sehen sie aus: Die neuen Straßenbahnen der Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG) vom Hersteller Alstom, von denen die Erste ab Morgen im Linienbetrieb der 903 durch Duisburg fährt. Insgesamt 49 sind bestellt: Sie werden bis 2025 geliefert und in Betrieb genommen. Die Lieferung weiterer 11 Fahrzeuge ist bereits zugesagt: „Unser Ziel ist ein 5-Minuten-Takt auf den Linien 901 und 903“, sagte Oberbürgermeister Sören Link zur Jungfernfahrt. Es wird allerdings noch ein paar Jahre dauern, bis die Flotte ausreichend aufgestockt ist, dauert doch die Produktion einer Bahn in laufender Fertigung ein gutes Jahr.
Jungfernfahrt der neuen Niederflurbahn der DVG. Foto: Petra Grünendahl.
Komfortabler sind die neuen Bahnen: Auf 33,50 Meter Länge und 2,30 Meter Breite ist Platz für rund 200 Fahrgäste. Klimaanlage und WLAN sollen die Attraktivität des Verkehrsmittels stärken. An barrierefreien Haltestellen, die man allerdings längst nicht überall an der Strecke findet, ist der Einstieg für Menschen mit Kinderwagen, Rollstuhl oder Rollator einfacher. Breite Außenschwenk-Schiebetüren führen in einen großen offenen Eingangsbereich, der einen schnelleren Fahrgastwechsel ermöglichen soll. Halt findet man aber nur unmittelbar links und rechts neben den Türen. Das kann für Menschen, die diesen Halt brauchen, allerdings zur Barriere werden!
Präsentierten das Fahrzeug der Öffentlichkeit (v. l.): Andreas Gutschek, DVG-Vorstand Digitalisierung und Infrastruktur, Dieter Lieske, Aufsichtsratsvorsitzender der DVG, Marcus Wittig, Vorstandsvorsitzender der DVG, Dirk Wunderlich, Vizepräsident Urban Transport Alstom Region DACH, und Oberbürgermeister Sören Link. Foto: Petra Grünendahl.
Zur Jungfernfahrt mit dem neuen Niederflurfahrzeug hatte die Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG) eingeladen: Marcus Wittig, Vorstandsvorsitzender der DVG, Oberbürgermeister Sören Link, DVG-Aufsichtsratsvorsitzender Dieter Lieske, Andreas Gutscheck, DVG-Vorstand Digitalisierung und Infrastruktur, sowie Dirk Wunderlich, Alstoms Vizepräsident Urban Transport für die Region DACH, standen der Presse Rede und Antwort. Sie alle waren voll Lobes für die neuen Straßenbahnen. „Zu einem zukunftsfähigen Nahverkehr in der Stadt gehören vor allem moderne und komfortable Fahrzeuge“, sagte OB Link.
Oberbürgermeister Sören Link auf der Jungfernfahrt der neuen Niederflurbahn der DVG. Foto: Petra Grünendahl.
„Mit den neuen Bahnen wollen wir noch mehr Menschen dazu bewegen, den öffentlichen Personennahverkehr zu nutzen.“ – „Der ÖPNV spielt eine zentrale Rolle für eine umweltfreundliche Mobilität in unserer Stadt, deshalb muss er verbessert und weiter ausgebaut werden“, schloss sich Dieter Lieske an. „Wir freuen uns, die neuen Bahnen nun auch im Linienbetrieb einsetzen zu können. Mit den modernen Bahnen sind wir für die kommenden Jahrzehnte gut gerüstet“, erklärte Marcus Wittig.
Barrierefreiheit und mehr Komfort
Jungfernfahrt der neuen Niederflurbahn der DVG. Foto: Petra Grünendahl.
„Die Fahrzeuge sind barrierefrei, bieten mehr Platz, haben eine moderne Innenausstattung und vor allem die langersehnte Klimaanlage für Fahrgäste und das Fahrpersonal. Außerdem verfügen sie über WLAN“, berichtete Andreas Gutschek, Vorstand Digitalisierung und Infrastruktur bei der DVG. „Die neuen Fahrzeuge punkten mit Nachhaltigkeit, Komfort und Sicherheit. Modernste Technik hilft dabei, Hindernisse zu erkennen und Kollisionen zu vermeiden“, erklärte Dirk Wunderlich vom Hersteller Alstom.
Die nächsten neuen Niederflurbahnen der DVG stehen schon in den Startlöchern. Foto: Petra Grünendahl.
Sieben weitere Bahnen sollen in den kommenden Wochen ebenfalls in den Linieneinsatz gehen. Dafür müssen sie am Betriebshof Grunewald noch in Betrieb genommen werden. Die DVG rechnet mit einer Prüfdauer von zwei Wochen pro Bahn, die Inbetriebnahme der sieben Fahrzeuge läuft parallel. Die neuen Niederflurfahrzeuge von Alstom gehen auf den Linien 901 und 903 in Betrieb. Auf der U79 kommen andere Fahrzeuge zum Einsatz.
Die nächsten neuen Niederflurbahnen der DVG stehen schon in den Startlöchern. Foto: Petra Grünendahl.
Weitere Fahrzeuge werden nach Fertigung und Anlieferung des Herstellers kontinuierlich die Straßenbahnflotte ergänzen. Die DVG investiert rund 135 Millionen Euro in ihre neue Niederflur-Flotte. Zwei Doppelmonitore bieten den Fahrgästen aktuelle Informationen wie die nächsten Haltestellen, Anschlussverbindungen oder auch beispielsweise Verkehrsstörungen. Die Fahrzeuge haben, wie heute auch, eine Videoüberwachung, ermöglichen aber nun über Monitore in der Fahrerkabine Fahrern einen Blick in den Fahrgastraum. Wie die alten Bahnen, werden auch die neuen Fahrzeuge mit Naturstrom aus Wasserkraft betrieben. Die neuen Bahnen seien nicht wartungsintesiver als die alten, versicherte Dirk Wunderlich, obwohl mehr Technik verbaut sei. Wenn die bisherigen Bahnen außer Betrieb gehen, sollten sie verkauft oder verschrottet werden, erzählte Andreas Gutscheck.
Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG)
Jungfernfahrt der neuen Niederflurbahn der DVG. Foto: Petra Grünendahl.
Auf einem Streckennetz von 500,9 Kilometern betreibt die DVG zwei Straßenbahnlinien (901 und 903), eine Stadtbahnlinie (U79) und 44 Buslinien mit insgesamt 785 Haltestellen sowie das on-demand-Angebot myBus. Das Unternehmen hat 754 Mitarbeiter und transportiert mit 100 Bussen und 57 Bahnen rund 42,5 Mio. Fahrgäste im Jahr. Die DVG betreibt seit über 140 Jahren den öffentlichen Personennahverkehr in Duisburg und ist ein Tochterunternehmen der Duisburger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft (DVV).
Die Arbeiten von Barbara Hepworth (1903–1975) zeichnen sich aus durch ihre reduzierte Formensprache. Die Skulpturen mit ihrem Verzicht auf Details, zeitlosen Materialien und der Konzentration auf das Wesentliche wirken in ihrer Zeit stilbildend. „Formvollendung, Präzision und eine neue Schönheit sind die Kennzeichen ihrer Skulpturen, die uns zum freien Denken inspirieren. Sie streben danach, die Beschränkungen von Zeit und Raum zu überwinden und lassen neue Dimensionen des ästhetischen Erlebens entstehen“, so Dr. Söke Dinkla, Direktorin des Lehmbruck Museums.
Dudley Shaw Ashton, Figures in a Landscape, 1953, Film Still, C BFI, Courtesy of the BFI National Archive.
Heute stehen sie für die Aufbruchstimmung nach dem Zweiten Weltkrieg – die Befreiung der Form hat die Kraft, an der Befreiung der Gesellschaft mitzuwirken. Hepworth war Teil eines großen Netzwerks an fortschrittlich denkenden Künstlern ihrer Zeit, die der modernen Kunst wichtige Impulse gegeben haben. Zu ihnen gehörten Jean Arp, Constantin Brâncuși, Naum Gabo, Alberto Giacometti, Henry Moore und Antoine Pevsner, deren Skulpturen in der Zusammenschau mit den Werken Hepworths zu sehen sind. Die Ausstellung gibt so Einblicke in einen der entscheidenden Momente in der Entwicklung der modernen Bildhauerei.
Die Sonderausstellung „Die Befreiung der Form. Barbara Hepworth“ umfasst rund 50 Exponate, darunter mehr als zwanzig Skulpturen von Barbara Hepworth sowie zeitgenössische Positionen von Künstlern wie Nevin Aladağ, Claudia Comte, Tacita Dean und Julian Charrière. Die Ausstellung entstand in enger Kooperation mit The Hepworth Wakefield, das der Künstlerin an ihrem Geburtsort gewidmet ist,
Barbara Hepworth, Marble with Colour (Crete), 1964. Sammlung Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam. Foto: Jannes Linders, Rotterdam.
mit Leihgaben aus prominenten Sammlungen wie The Royal Collection, London, dem Kröller-Müller Museum, Otterlo (Niederlande), dem Sprengel Museum, Hannover, dem Pier Arts Centre, Stromness (UK), dem Kunstmuseum Den Haag und dem Museum Morsbroich in Leverkusen. Gefördert wird die Sonderausstellung durch die Kunststiftung NRW, durch die Kulturstiftung des Bundes sowie durch den Landschaftsverband Rheinland (LVR), das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, die Kulturstiftung der Länder, die Ernst von Siemens Kunststiftung und die Duisburger Akzente. Die Ausstellung wird heute Nachmittag mit geladenen Gästen eröffnet und ist ab Sonntag, 2. April, fürs Publikum zugänglich.
Die Künstlerin
Dudley Shaw Ashton, Figures in a Landscape, 1953, Film Still, C BFI, Courtesy of the BFI National Archive.
Barbara Hepworth wurde 1903 in Wakefield, Yorkshire, als Tochter eines Bauingenieurs geboren. Sie erhielt Stipendien für die Leeds School of Arts (1919–21) und das Royal College of Art (1921–24). Mit einem Reisestipendium und verbrachte sie die Jahre 1924/25 in Italien. Obwohl Hepworths frühe Skulpturen noch figurativ waren, begann sie damit, Formen zu vereinfachen, indem sie Details reduzierte oder eliminierte. Ab Mitte der 1930er-Jahre arbeitete sie vollständig abstrakt. Sie gilt als Schlüsselfigur der europäischen Avantgarde und Meisterin der Abstraktion. Ihr Werk steht beispielhaft für die Befreiung der Form: Mit ihrer Ruhe und inneren Balance setzen Hepworths Skulpturen die befriedende Kraft der Kunst frei. Als Vorkämpferin der modernen Bildhauerei revolutionierte Hepworth mit den „piercings“, dem Durchstechen der Form, in ihren Skulpturen die Kunst fundamental. Mit ihrer einzigartigen Kombination aus reduzierten Formen, zeitlosen Materialien und einer humanistischen, naturverbundenen Haltung wurde sie zu einer der führenden britischen Künstlerinnen ihrer Zeit, die internationale Anerkennung fand.
Das Lehmbruck Museum
Das Lehmbruck Museum im Kantpark. Foto: Petra Grünendahl.
Das mitten in Duisburg im Kantpark gelegene Lehmbruck Museum ist ein Museum für Skulptur. Seine Sammlung moderner Plastiken von Künstlern wie Alberto Giacometti, Pablo Picasso, Hans Arp und natürlich Wilhelm Lehmbruck ist europaweit einzigartig. Beheimatet ist das Museum in einem eindrucksvollen Museumsbau inmitten eines Skulpturenparks, der zum Schlendern und Entdecken einlädt.
Barbara Hepworth, Group III (Evocation), 1952, The Pier Arts Centre Collection, Orkney.
Namensgeber des Hauses ist der Bildhauer Wilhelm Lehmbruck, der 1881 in Meiderich, heute ein Stadtteil von Duisburg, geboren wurde. Lehmbruck ist einer der bedeutendsten Bildhauer der Klassischen Moderne. Er hat mit seinem Werk maßgeblichen Einfluss auf nachfolgende Künstlergenerationen und ist auch nach seinem frühen Freitod im Jahr 1919 bis heute einflussreich geblieben.
Öffnungszeiten und Eintrittspreise
Barbara Hepworth, Corymb, 1959. Foto: Museum Morsbroich, Leverkusen.
Die Sonderausstellung „Die Befreiung der Form. Barbara Hepworth“ ist zu sehen bis zum 20. August. Geöffnet ist das Lehmbruck Museum dienstags bis freitags ab 12 Uhr, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags an Terminen der plastikBAR (erster Donnerstag im Monat ab 17.30 Uhr) bis 20 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro (ermäßigt* 5 Euro), eine Jahreskarte 35 Euro (ermäßigt* 20 Euro). Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Blinden- und Demenzbegleitung haben kostenlos Eintritt. Schulklassen und Kindergärten zahlen pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte (2 Erwachsene plus Kinder bis 14 Jahre) gibt es für 15 Euro. Jeden ersten Freitag im Monat gilt: „Pay what you want“. Ausgenommen davon sind angemeldete Gruppen.
Barbara Hepworth, Caryatid (Single Form), Lehmbruck Museum, Duisburg. Foto: Jürgen Diemer.
Zu seinen Sonderausstellungen bietet das Lehmbruck Museum verschiedene Veranstaltungen als Rahmenprogramm an. Öffentliche Führungen durch das Museum gibt es jeden Sonntag um 11.30 Uhr. Für Informationen steht die Kunstvermittlung des Lehmbruck Museums unter Telefon 0203 / 283-2195 oder eMail kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de zur Verfügung (Zu Preisen und Buchungen für Führungen geht es hier). Tickets für Führungen und Veranstaltungen können vorab im Ticket-Shop des Museums gebucht werden.
(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70 Prozent), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen mit Sozialhilfebezug.
Gefragt: Sichere Geldanlagen und Bausparverträge Von Petra Grünendahl
Infografik: Commerzbank.
Die Herausforderungen des vergangen Jahres haben auch die Kundenberatung der Commerzbank in Duisburg geprägt: Nach Corona waren es der Ukraine-Krieg, Inflation und die Energiekrise. Dazu kamen zuletzt auch steigende Zinsen, die zwar Kredite verteuern, aber noch nicht so wirklich bei den Sparern ankommen. „Bei der Geldanlage steht der Sicherheitsaspaket im Fokus“, sagte Claudia Prell, Regionsleiterin Private Banking & Wealth Management in Duisburg. Das Einlagenvolumen stieg im Vergleich zum Vorjahr um 10 Prozent. „Andererseits haben einige Anleger die niedrigen Kurse auch für einen Einstieg genutzt“, erklärte Prell. „Eine Anlage in Wertpapiere bleibt gerade in diesen Zeiten sinnvoll, denn sie bietet auf lange Sicht den besten Inflationsschutz.“
Infografik: Commerzbank.
Auch nachhaltige Geldanlagen waren weiterhin gefragt. So stieg das Volumen des Fonds Klimavest der Commerz Real, der in Solar- und Windparks investiert, in Duisburg im vergangenen Jahr um über 57 Prozent auf 16,3 Mio. Euro. Zwar stiegen die Baufinanzierungen im gesamten Jahr 2022 um rund 27 Prozent auf 456 Mio. Euro, jedoch sank das Neugeschäft zum Jahresende als Folge von Zinswende, gestiegenen Baukosten und wirtschaftlicher Unsicherheit. „Zugenommen hat jedoch der Trend zu Bausparvertägen, mit denen sich Kunden auf längere Sicht einen Zinsvorteil gesichert haben“, so Claudia Prell. Das Abschlussvolumen betrug allein in Duisburg rund 12 Mio. Euro, eine Steigerung um 325 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Jahrespressegespräch (v. l.): Dr. Matthias Kretschmer, Claudia Prell und Nikolai Baecker. Foto: Petra Grünendahl.
Über die Auswirkungen der Krisen und der regionalen Neustrukturierung der Commerzbank auf das Bankgeschäft in Duisburg berichteten im Jahrespressegespräch Claudia Prell, Nikolai Baecker, Regionsleiter Unternehmerkunden, und Pressesprecher Dr. Matthias Kretschmer. Mit der regionalen Neuaufstelllung ist die Commerzbank an der Königstraße zentraler Standort der neu geschaffenen Gebietsregion Duisburg mit einem Einzugsgebiet bis nach Moers, Dinslaken und Voerde sowie Bocholt / Kreis Borken im Westmünsterland. Im Filialnetz der Region Duisburg arbeiten insgesamt 64 Mitarbeiter. Dazu kommen weitere Mitarbeiter an Duisburger Standorten der Commerz Direktservice (CDS) und der Commerzbank-Servicegesellschaft ComTS. Damit zählt die Commerzbank zu den größeren Arbeitgebern der Stadt. In der Geschäftsstelle an der Königstraße setzt man auf die eigene Ausbildung: „Wir wollen jungen Menschen Perspektiven eröffnen“, sagte Claudia Prell. „Und bei entsprechender Leistung ist auch die Übernahme garantiert“, so Nikolai Baecker.
Kundenbetreuung rund um die Uhr
Infografik: Commerzbank.
Als neuen Kanal der Kundenbetreuung hat die Commerbank Beratungscenter aufgebaut: „Sie schließen die Lücke zwischen Filiale und reinem Online- und Mobile-Angebot“, erläuterte Nikolai Baecker. Ausgebildete Bankkaufleute stehen den Kunden hier als qualifizierte Berater telefonisch, per Mail oder Video auch abends und am Wochenende zur Verfügung: Zu allen Finanzthemen wie Konten, Wertpapiere und Immobilienfinanzierungen. „Unser Ziel ist es, dass es für Kunden keinen Unterschied mehr macht, Bankgeschäfte zu Hause oder in einer Filiale zu erledigen.“ In der Region nutzen 71 Prozent der Kunden Digital-Banking, überwiegend über die Commerzbank-App.
Commerzbank an der Königstraße. Foto: Petra Grünendahl.
Die Unternehmenskunden der Commerzbank reichen von Einzelunternehmern wie kleinen Handwerksbetrieben oder Freiberuflern bis hin zu kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). „Die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft haben sich grundlegend geändert. Lieferengpässe und gestiegene Preise haben das Geschäft der Unternehmen beeinflusst“, erzählte Nikolai Baecker. „Für viele unserer Kunden standen daher Beschaffungssicherheit und Liquiditätssicherung im Fokus.“ Die Kreditvergabe an Unternehmen ist im vergangen Jahr gestiegen. Häufig auch mit der Kalkulation: Der Kredit jetzt ist mit festgeschriebenen Zinsen wahrscheinlich günstiger als ein aufgeschobener in ein paar Monaten. Mit Corona und Lieferengpässen hätten viele Unternehmer ihre Lieferketten und Lagerhaltung wieder regionaler aufgestellt. Auch damit seien sie gut durch die Krise gekommen: „Wir haben bislang – trotz des steigendem Kreditvolumens – wenig Ausfälle oder Unternehmensinsolvenzen“, sagte Matthias Kretschmer.
Commerzbank
Commerzbank an der Königstraße. Foto: Petra Grünendahl.
Die Commerzbank ist die führende Bank für den Mittelstand und starker Partner von rund 26.000 Firmenkundenverbünden sowie knapp 11 Millionen Privat- und Unternehmerkunden in Deutschland. In zwei Geschäftsbereichen – Privat- und Unternehmerkunden sowie Firmenkunden – bietet die Bank ein umfassendes Portfolio an Finanzdienstleistungen. Von den 400 Filialen in Deutschland finden Kunden in 220 Filialen Beratung zum Private Banking (höherer Beratungsbedarf für vermögendere Kunden) sowie 85 Filialen mit Wealth Management und Unternehmenskunden. Die gesamte Bandbreite des Angebots findet der Kunde in der Filiale an der Köngstraße, ein Grundangebot für Privatkunden gibt es in einer Filiale im Hamborn.
Die Commerzbank wickelt rund 30 Prozent des deutschen Außenhandels ab und ist im Firmenkundengeschäft international in knapp 40 Ländern vertreten. Die Bank konzentriert sich auf den deutschen Mittelstand, Großunternehmen sowie institutionelle Kunden. Im internationalen Geschäft begleitet die Commerzbank Kunden mit einem Geschäftsbezug zu Deutschland und Unternehmen aus ausgewählten Zukunftsbranchen. Im Segment Privat- und Unternehmerkunden steht die Bank mit den Marken Commerzbank und comdirect an der Seite ihrer Kunden: online und mobil, im Beratungscenter und persönlich vor Ort.
Tänzerische Facetten vom Spiel des Lebens Von Petra Grünendahl
Neshama Nashman Eine kleine Frau: Wun Sze Chan, Daniele Bonelli, Ensemble Ballett am Rhein. Foto: Bernhard Weis.
„Tanz hat so viele Möglichkeiten: Eine keine Auswahl davon wollten wir hier zeigen“, erzählte Ballett-Dramaturgin Julia Schinke bei der Einführung im Foyer. Mit einer vielfältigen Auswahl an Stücken und hervorragenden einstudierten Choreographien konnten Ballettdirektor und Chefchoreograph Demis Volpi und das Ballett am Rhein ihr Publikum begeistern. Zwei Choreographien erlebten hier ihre Uraufführung: Neben der versierten choreographischen Handschrift von Bridget Breiner, Ballettdirektorin und Chefchoreographin am Staatstheater Karlsruhe, mit „North Country“ (zu Country-Musik) wird auch eine Arbeit der jungen Choreographin Neshama Nashman zu sehen sein. Die 22-Jährige ist seit 2020/21 Compagnie-Mitglied des Ballett am Rhein und hatte ihr choreographisches Talent bereits u. a. im Rahmen des Projektes „Step by Step“ unter Beweis gestellt. Mit Franz Kafkas „Die kleine Frau“ schuf sie zur Musik von Bohuslav Martinů und Alexander MacSween mit vorgetragenen Textpassagen ihre erste Ensemble-Choreographie: Den inneren Konfikt eines Mannes, der sich mit der „kleinen Frau“ und der Gesellschaft konfrontiert sieht. Die aus dem Leben gegriffenen Episoden mit ganz herausragenden Tänzern fokussierten den Blick der Betrachter überwiegend auf Tänzer-Paare, auf ihre Interaktionen und den Ausdruck ihrer verschiedenartigen Beziehungen.
Hans van Manen Short Cut: Rose Nougué-Cazenave, Gustavo Carvalho. Foto: Bernhard Weis.
Rundum begeisterte Zuschauer erlebten im Theater Duisburg die Premiere eines „Experimentes“, wie Demis Volpi bei der Premierenfeier sagte: Statt eines abendfüllenden Handlungsballetts oder der sonst üblichen drei Stücke hatte Volpi sechs kurze Choreographien für „Shortcuts“ ausgewählt, von denen keine mehr als 15 Minuten dauerte. Namensgebend für die Ballettabend ist ein Klassiker aus dem 20. Jahrhundert: Hans van Manens Stück „Short Cut“ (1999), eine atmosphärisch dichte Arbeit des niederländischen Großmeisters, die den Tanz auf das Wesentliche reduziert, zur Musik von Jacob ter Veldhuis. Die sechs Stücke des Ballettabends stellen jedes für sich geschlossene Arbeiten da: Kurz und bündig, pointiert und mutig. Angesetzt ist der Abend mit ca. 1 ¾ Stunden (inklusive einer Pause), wobei die Premierenvorstellung diesen Zeitrahmen angesichts der Pausen-Performance gut überzog. Das sollte man einplanen. Empfohlen ist der Ballettabend ab 14 Jahren.
Musikalisch und stilistische Vielfalt
William Forsythe Artifact II: Gustavo Carvalho, Elisabeth Vincenti, Ensemble Ballett am Rhein. Foto: Bernhard Weis.
Das zweite Stück mit einem größeren Tänzer-Ensemble war zum Abschluss des Abends William Forsythes „Artifact II“ (1984), das zur Musik von Johann Sebastian Bach als ein Meilenstein der Tanzgeschichte gilt: Der Fokus liegt auf zwei Tänzerpaaren und einer Solo-Tänzerin, die umrahmt vom Tänzer-Corps, die Spiel des Lebens in seinen Gegensätzen und Kontrasten auf die Bühne zaubern.
Von der Jazzmusik in New York inspiriert und beschwingt schuf Igor Strawinskys „Ebony Concerto“ für Klarinette und Big Band. Seine tänzerische Interpretation des Stoffs hatte Demis Volpi bereits 2015 für das Dortmunder Ballett als Pas de deux erarbeitet.
Virginia Segarra Vidal Parallel Bodies: Camilla Agraso, Philip Handschin, Svetlana Bednenko. Foto: Bernhard Weis.
In der Pause zeigten überwiegend einzeln agierende Tänzer Virginia Segarra Vidals installative Choreographie „Parallel Bodies“: Mehr Performance als Tanz (ohne Musik) setzt sich die Choreographie mit der Beziehung zwischen Raum, Körper und Skulptur auseinander. Das Stück hatte erst im vergangenen Monat seine Uraufführung im Lehmbruck Museum gefeiert und war nun für die Architektur und das Publikum im Theater Duisburg umgearbeitet und umgedeutet worden. Wie Neshama Nashman ist auch Virginia Segarra Vidals Mitlied der Ballett-Compagnie (seit 2011/12).
Ein kleiner Vorgeschmack:
Weitere Termine im Theater Duisburg:
Do | 30. März 2023 | 19:30 Uhr,
Di | 4. April 2023 | 19:30 Uhr,
Sa | 8. April 2023 | 19:30 Uhr,
Mo | 10. April 2023 | 18:30 Uhr,
So | 16. April 2023 | 15:00 Uhr und
Fr | 12. Mai 2023 | 19:30 Uhr.
Deutsche Oper am Rhein
Bridget Breiner North Country: Nelson López Garlo, Svetlana Bednenko, Vinícius Vieira, Virginia Segarra Vidal. Foto: Bernhard Weis.
Die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg gGmbH ist eine Theatergemeinschaft der Städte Düsseldorf und Duisburg, die auf eine lange Tradition der Zusammenarbeit zwischen den beiden Großstädten zurückblicken kann. Seit ihrer Gründung 1956 zählt sie zu den bedeutendsten Opernhäusern Deutschlands. Durch ihr hochrangiges Solistenensemble, den Chor sowie die national wie international gefeierte Compagnie Ballett am Rhein hat sie sich zu einer der ersten Adressen für Musiktheater und Tanz in Europa entwickelt. Sie ist in der größten und dichtesten Kulturregion Deutschlands beheimatet. Allein die beiden Städte Düsseldorf und Duisburg zählen zusammen fast 1,1 Millionen Einwohner, aber auch die umliegenden Regionen und eine große Zahl auswärtiger Gäste profitieren vom hochkarätigen künstlerischen Angebot der Deutschen Oper am Rhein. www.operamrhein.de
Tickets kosten zwischen 19,00 und 78,00 Euro. Eintrittskarten gibt es online ebenso wie in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in das Stück, seine Entstehung und die Aufführung gibt.
Dynamische Schwünge der Landschaft und ihre elementare Kraft Von Petra Grünendahl
E. W. Nay: Afrikanisch (1954). Foto: Bernd Fickert.
E. W. Nay (1902–1968) ist bis heute ein berühmter Protagonist der deutschen Nachkriegs-Moderne. Seine formale Abstraktion behauptete sich parallel zum Informel. Seine durch den späten Expressionismus beeinflussten, frühen gegenständlichen Bilder bilden die Grundlage für Nays späteres abstraktes Werk, das sich durch eine kraftvoll-dynamische Autonomie freier Farbformen auszeichnet. „Die Spannungen, die Energien der Fläche, der Farbe, von Farbe zu Fläche, führten zu ganz anderen neuen Bildvorstellungen, Gesang, Tanz der Fläche, wenn man will“, hatte Nay, der als einer der bedeutendsten Farbmaler des 20. Jahrhunderts gilt, 1958 über seine Malerei geschrieben. Und: „Die großen dynamischen Schwünge der Landschaft, ihre elementare Kraft brachten zum ersten Mal das Thema meiner Kunst hervor, die Dynamik und das Elementare.“ Je nach Entstehungszeit faszinieren Nays Arbeiten durch ihre intensive Farb-Form-Interaktion, ihre Fläche-Raum-Komposition oder Figur-Grund-Korrelation. Ausgehend von einer figurativen Malerei entwickelte der Künstler eine zunehmend abstrakte Formensprache, die auf das Frühwerk zurückverweist.
E. W. Nay: Elysée (1952). Foto: Mick Vincenz.
Im vergangenen Jahr wäre der Maler Ernst Wilhelm Nay 120 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass zeigt das MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst eine umfassende, retrospektiv angelegte Ausstellung mit Werken aus allen fünf Jahrzehnten seines künstlerischen Schaffens. Die Ausstellung im MKM präsentiert rund 70 Gemälde, die alle Schaffensphasen von Nays Werk vorstellen. Beginnend mit seinen späten Bildern führt die Retrospektive chronologisch zurück durch die stilistisch und thematisch unterschiedlichen Stationen seines Werkes. Die Ausstellung der Hamburger Kunsthalle in Zusammenarbeit mit der Ernst Wilhelm Nay Stiftung, dem Museum Wiesbaden und dem Museum Küppersmühle für Moderne Kunst ist ab Freitag, 24. März in den Wechselausstellungsräumen im Erdgeschoss für das Publikum geöffnet. Gefördert wird die Retrospektive durch die National-Bank Essen.
Der Künstler
E. W. Nay: Rot Schwarz Gelb (1967). Foto: Gunter Lepkowski.
Ernst Wilhelm Nay (1902–1968) ist einer der bedeutendsten Maler des 20. Jahrhunderts. Nach ersten autodidaktischen Versuchen ab 1922 gelang ihm 1924 die Aufnahme an die Hochschule der Bildenden Künste in Berlin, wo er als Meisterschüler seinen Abschluss 1928 beim Hochschul-Direktor Karl Hofer (1878–1955) machte. An der Hochschule lernte Nay seine spätere Frau Helene (Elly) Kirchner (1901–1986) kennen, die dort als Modell tätig war und die er 1932 heiratete. Studienreisen und Stipendien führten den Maler zunächst nach Paris, Bornholm (Dänemark) oder Rom, wo die frühen Phasen seines Schaffens geprägt wurden. Schon als junger Künstler hatte er um 1930 Anerkennung in der Kunstwelt gefunden, war in den wichtigen Ausstellungen vertreten und erhielt erste Preise.
E. W. Nay: Menschen in den Lofoten (1938). Foto: Bernd Fickert.
Mit seiner Beteiligung an der documenta in Kassel 1955, 1959 und 1964 sowie den Biennalen in São Paulo und Venedig etablierte er sich als feste Größe in der Kunst der Moderne. Erstmals seit 20 Jahren wird Ernst Wilhelm Nay nun in diesem Haus mit einer umfassenden Retrospektive gewürdigt. Im MKM kann sein Werk auch im Kontext des Schaffens seiner Zeitgenossen betrachtet werden.
Zur Ausstellung ist im Kölner Wienand Verlag der Katalog „E. W. Nay Retrospektive“ mit Hardcover-Einband erschienen. Das 256-seitige Werk mit 224 Abbildungen ist für 29,90 Euro an der Museumskasse sowie im lokalen Buchhandel zu haben (ISBN 978-3-86832-646-8).
Museum Küppersmühle:
Duisburger haben donnerstags freien Eintritt
E. W. Nay: Instrumentation (1952). Foto: Olaf Bergmann.
Die große Retrospektive mit Werken von Ernst Wilhelm Nay ist in den Wechselausstellungsräumen im Erdgeschoss des Altbaus bis zum 6. August 2023 zu sehen. Das Museum Küppersmühle findet man im Innenhafen am Philosophenweg 55 (Haupteingang, der Parkplatz befindet sich auf der anderen Straßenseite). Mittwochs ist das Museum von 14 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis sonntags sowie feiertags von 11 bis 18 Uhr. Montags und dienstags ist Ruhetag. Der Eintritt kostet nur für die Wechselausstellungen 6 Euro (ermäßigt 3 Euro), für das gesamte Haus (inkl. Wechselausstellung) 12 Euro (ermäßigt 6 Euro). Familien (2 Erwachsene plus Kinder) zahlen 18 Euro für das ganze Haus, 10 Euro für Wechselausstellungen. Kinder bis 16 Jahren haben freien Eintritt. Kindergruppen (Schule, Kita, Kinderfreizeit) zahlen 2 Euro pro Kind und Betreuer. Donnerstags haben alle Duisburger (gegen Vorlage des Personalausweises) freien Eintritt. Das MKM ist Partner der Ruhrkultur.Card. Alle Ausstellungsräume des Museums sind auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich.
MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.
Offene Führungen durch die Sammlung sowie durch laufende Ausstellungen gibt es jeden Sonntag um 15 Uhr, aber auch nach Vereinbarung. Durch die Wechselausstellung gibt es mittwochs zwischen 15 und 16 Uhr die Führung „KunstMittwoch“. Beide Führungen sind im Eintritt enthalten. Zu den Ausstellungen bietet das MKM zudem immer wieder Themenführungen, Künstlergespräche oder Sonderformate an. Weitere Informationen zu Führungen und dem Begleitprogramm zu Ausstellungen gibt es unter www.museum-kueppersmuehle.de). Hier findet man zu Corona-Maßnahmen.
Das Museum Küppersmühle als Kunstwerk um die Moderne Kunst
MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.
Das Museum Küppersmühle für Moderne Kunst wurde im Jahre 1999 in einem ehemaligen Getreidespeicher im Innenhafen eröffnet. Er wurde nach Plänen der Basler Architekten Herzog & de Meuron zum Museum umgebaut. Initiator des Museumsprojekts war der Duisburger Kunstsammler Hans Grothe (1930–2019). Grothes Sammlung umfasste über 800 Werke von mehr als 40 deutschen Künstlern. Seit der Übernahme seiner Sammlung durch das Darmstädter Sammlerpaar Sylvia und Ulrich Ströher 2004/2005 stieg die Anzahl der Ausstellungsstücke und der vertretenen Künstler noch erheblich an. Insgesamt handelt es sich um eine der wichtigsten und umfangreichsten Sammlungen deutscher Kunst seit 1945. Zur Präsentation der ständigen Sammlung kommen immer wieder Wechselausstellungen hinzu. Seit 2008 war ein Erweiterungsbau geplant: Zunächst als ein „Schuhkarton“ auf den Silotürmen, der 2011 wegen Baumängeln scheiterte. Bei einem neuen Anlauf beauftragten die Ströhers 2014 das Architektenbüro Herzog & de Meuron erneut mit der Planung (Baubeginn war 2016): Der Erweiterungsbau wurde im September 2021 eröffnet. Seitdem sind im MKM in 42 Räumen auf gut 5.000 Quadratmetern etwas 320 Werke als Highlights aus der Sammlung Ströher in der Dauerausstellung zu sehen. Die Sammlung ist um ein mehrfaches größer: Schließlich sammelt das Darmstädter Ehepaar ja schon seit Mitte der 1980er-Jahre – und immer noch weiter. Der Fokus liegt auf Malerei, aber auch Skulptur, Installation und Fotografie sind vertreten. Die Sammlung umfasst zentrale Positionen der Kunstentwicklung in Deutschland, von der unmittelbaren Nachkriegszeit bis in die Gegenwart.
Das MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst als Standort der Sammlung Grothe wird seit seiner Gründung von der Stiftung für Kunst und Kultur e. V. Bonn betrieben. Die Stiftung konzipiert und organisiert die Ausstellungen und betreut die umfangreiche Sammlung, die heute dem Kunstsammler-Ehepaar Ströher aus Darmstadt gehört, im MKM. Direktor ist seit 1999 Walter Smerling.
Noch in diesem Jahr soll der Verkehr über den Neubau fließen Von Petra Grünendahl
Neubau der A40-Rheinbrücke Neuenkamp: Anfang Februar wurde das letzten Bauteil eingehoben. Foto: DEGES.
Das letzte 420 Tonnen schwere Bauteil für das erste Teilbauwerk der neuen A40-Rheinbrücke Neuenkamp wurde bereits am 6. Februar 2023 eingesetzt. Vor knapp zwei Wochen folgte die finale Zusammenführung mit einem letzten Längsverschub der linksrheinischen Brückenhälfte an die Südbrücke. Mit den abschließenden Schweißarbeiten ist nun die sogenannte Brückenhochzeit des ersten Überbaus der Rheinbrücke Neuenkamp vollzogen. Seitlich müssen noch fehlende Stahlbauteile für Rad- und Gehweg angebracht werden, damit auch hier die Wegführung komplett ist. In den kommenden Monaten wird nun das stählerne Brückenbauwerk ausgestattet, mit Asphalt versehen und als Autobahnteilstück fertig gestellt. Noch in diesem Jahr soll der Verkehr auf den südlichen Überbau geleitet in beide Richtungen fließen, damit die alte Brücke abgerissen werden kann.
Freuten sich, dass miit der letzten Schweißnaht der Lückenschluss vollzogen wurde (v. l.): Ocke Hamann(IHK), Dr. Udo Pasderski (DEGES), Markus Bangen (Duisburger Hafen AG). Foto: DEGES.
Den Brückenbau realisiert die DEGES Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH. Gemeinsam mit den Bündnispartnern von #GemeinsamMobil für Duisburg und den Niederrhein setzte Dr. Udo Pasderski, DEGES-Bereichsleiter für Nordrhein-Westfalen, symbolisch die letzte Schweißnaht und besiegelte den Brückenschlag. Vom Mobilitätsbündnis waren Ocke Hamann, Geschäftsführer der Niederrheinischen IHK und Fachpolitischer Sprecher Verkehr und Mobilität der IHK NRW, sowie Markus Bangen, Vorstandsvorsitzender der Duisburger Hafen AG (duisport), dabei. Beide betonten die Bedeutung des Brückenneubaus für den Logistikstandort Duisburg mit dem Duisburger Hafen als Drehscheibe und dem Niederrhein als Hinterland.
Die neue Rheinbrücke Neuenkamp: Daten und Fakten
Neubau der A40-Rheinbrücke Neuenkamp: Im Dezember klaffte noch eine gut 30 Meter breite Lücke zwischen den Bauten auf der Essenberger und der Neuenkamper Rheinseite. Foto: DEGES.
Die DEGES plant und realisiert den achtstreifigen Ausbau der Autobahn A 40 zwischen den Anschlussstellen Duisburg-Homberg und Duisburg-Häfen einschließlich des Neubaus der Rheinbrücke Neuenkamp. Bereits 2023 werden den Verkehrsteilnehmern auf dem neuen, südlichen Überbau pro Fahrtrichtung drei Fahrstreifen zur Verfügung stehen, um Pendler und die ansässige Wirtschaft nachhaltig zu entlasten. Die Fertigstellung des gesamten Brückenbauwerks ist für 2026 geplant.
Vom Ufer erkennt man nur noch die fehlenden Bahnen für Rad- und Gehweg. Foto: Petra Grünendahl.
Das zweite, nördliche Brückenbauwerk wird nach seiner Fertigstellung abschließend an die Südbrücke heran geschoben, so dass die Brücke wie aus einem Guss wirkt. Entsprechend wird die neue, aus zwei Bauwerken bestehende Rheinbrücke höher, länger und breiter sein als die bisherige: 75 Meter hoch, 802 Meter lang und 68,25 Meter breit. Die alte Brücke war ab 1966 gebaut und 1970 dem Verkehr übergeben worden: Mit einer Höhe von 50 Metern, 777 Metern Länge und 36 Metern Breite entspricht sie aber schon länger nicht mehr den Anforderungen des steigenden Verkehrs. Konzipiert war sie für maximal 30.000 Kraftfahrzeuge pro Tag, mittlerweile sind es rund 100.000 Fahrzeuge täglich, darunter 11.000 Lastkraftwagen.
A40-Rheinbrücke Neuenkamp: Bau-Zeitraffer März bis November 2022
A40-Rheinbrücke Neuenkamp: Und noch ein neues Video
Als Boycott und Widerstand gegen die Besatzer das Ruhrgebiet einte Von Petra Grünendahl
Hände weg vom Ruhrgebiet: Die Ruhrbesetzung 1923-25 – Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.
Am 11. Januar 1923 marschierten belgische und französische Besatzungstruppen im Ruhrgebiet ein. Nach Düsseldorf, Duisburg und dem Ruhrorter Hafen 2021 bekamen diese nun das ganze Ruhrgebiet unter ihre Kontrolle, nachdem Deutschland seine Reparationspflichten aus dem Versailler Vertrag nicht erfüllte. Da sich die Ruhrindustrie geweigert hatte, die im Versailler Vertrag vereinbarte Kohle zu lieferern, wollten die Besatzer Druck ausüben: Ein Krieg um Ressourcen. Natürlich stießen sie auch auf Widerstand in der Bevölkerung. Die Eisenbahn boykottierte den Abtransport der konfiszierten Kohle, Anschläge auf die Verkehrswege behinderten und verzögerten die Transporte weiter. Der Alltag der Menschen war geprägt von Verarmung, Hunger und Inflation und Arbeitslosigkeit, aber auch von sozialen und politischen Unruhen. Die Abschottung zum Deutschen Reich, Zollschranken und Lieferengpässe verursachten eine Wirtschaftskrise der Ruhrwirtschaft, die Arbeitslosenzahlen stiegen an. Man verweigerte die Zusammenarbeit mit den Besatzern und führte einen Propagandakrieg. Neben Befehlsverweigerung und passivem Widerstand kam es aber auch immer wieder zu gewalttätigen Zusammenstößen. Erst nachdem die Reparationsforderungen auf eine für Deutschland tragbare Grundlage gestellt worden waren, verließen die Besatzungstruppen im Sommer 1925 das Ruhrgebiet.
Hände weg vom Ruhrgebiet: Die Ruhrbesetzung 1923-25 – Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.
Mit dem Buch „Hände weg vom Ruhrgebiet“ legt der Klartext Verlag ein Katalogbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Ruhr Museum auf. Thema von Ausstelung und Buch ist – so der Untertitel – die Ruhrbesetzung 1923 – 1925. In elf Aufsätzen haben ebenso viele Autoren einzelne Aspekte der Ruhrbesetzung wissenschaftlich, aber dennoch gut lesbar näher beleuchtet und in wichtige historische Zusammenhänge eingeordnet. Über die Ausstellung hinaus vermittelt das Buch umfassend historische Begebenheiten und Hintergründe, die der Leser in interessanten, gut aufbereiteten Texten mit vielen zeitgenössischen Bilddokumenten an die Hand bekommt. Das Buch macht deutlich, wie die Ruhrbesetzung als Teil der Entwicklung und des Scheiterns der Weimarer Republik zu verstehen ist, da sie Revanchismus und Revisionsimus förderte und insbesondere von der rechten Propaganda im Vorfeld der Machtergreifung missbraucht wurde. Der erst 1920 gegründete Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk (heute: Regionalverband Ruhr) jedoch erfuhr durch die Besetzung ein stärkeres Zusammenrücken und Identifikation der Menschen mit der Region. Außerdem rückte sie das Ruhrgebiet, wie das rheinisch-westfälische Industrierevier nun genannt wurde, auch national stärker in den Fokus.
Von Besatzern, Widerstand und auch Versöhnung
Hände weg vom Ruhrgebiet: Die Ruhrbesetzung 1923-25 – Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.
Das Buch „Hände weg vom Ruhrgebiet“ ist das Katalogbuch zur sehenswerten gleichnamigen Ausstellung im Ruhr Museum auf der Zeche Zollverein (bis 27. August 2023). Herausgeber sind mit Heinrich Theodor Grütter, Ingo Wuttke und Andreas Zolper drei der Autoren. Inhaltlich vertieft es die Ausstellungspräsentation und vermittelt sehr lesenswert fundiertes Hintergrundwissen. Das reich bebilderte 208-seitige Werk (im Format 22 x 29 cm) ist für 24,95 Euro im Museumsshop ebenso wie im lokalen Buchhandel zu haben (ISBN 978-3-8375-2555-7).
Der Blick ins Buch. Fotos: Petra Grünendahl
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Der Verlag
Hände weg vom Ruhrgebiet: Die Ruhrbesetzung 1923-25 – Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.
Der Klartext Verlag wurde 1983 gegründet, seit 2007 ist er Teil der Funke Mediengruppe. Seine Heimat liegt im Ruhrgebiet, wo auch der überwiegende Teil seiner Publikationen angesiedelt ist: Freizeitführer, Sachbücher, Kalender und Bildbände. Mit der „Von oben“-Reihe kann man Städte nicht nur im Ruhrgebiet, sondern in ganz Deutschland aus der Vogelperspektive bewundern. Und mit der Reihe „Irrtümer und Wahrheiten“ (bei ihrem Start im Verlagsprogramm hieß die Serie noch „Klugscheißer“) lernt der Leser Neues zu verschiedenen Orten, Themen und Fußballvereinen – unterhaltsam, fundiert und auch mit dem einem oder anderen Augenzwinkern. www.klartext-verlag.de
Positive Standortfaktoren locken Unternehmen und Investoren Von Petra Grünendahl
Stellten heute die neue Studie vor (v.l.): Wulf-Christian Ehrich, stellv. Hauptgeschäftsführer der IHK zu Dortmund, Dr. Georg Hüthwohl, Geschäftsführer der Albonair GmbH aus Dortmund, und IHK-Referatsleiter Dominik Stute. Foto: Oliver Schaper / IHK zu Dortmund.
„Das Ruhrgebiet als Europas viertgrößte Metropolregion ist im Herzen des Kontinents beheimatet und kann mit einer Einwohnerzahl von gut fünf Millionen Menschen und der hohen Wirtschaftskraft von 172 Milliarden Euro aufwarten. Dazu bietet das Ruhrgebiet zahlreiche Hochschulen sowie Forschungseinrichtungen und hervorragende Verkehrsanbindungen. Diese Faktoren sind starke Pluspunkte im internationalen Wettbewerb“, erklärte Wulf-Christian Ehrich, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK zu Dortmund und fachpolitischer Sprecher Außenwirtschaft von IHK NRW. Die Zahl der ausländischen Unternehmen im Handelregister stieg im Vergleich zur letzten Publikation 2016 um rund 20 Prozent auf 3.630 – mit über 200.000 Beschäftigten. Spitzenreiter sind die Niederlande mit fast 15 Prozent. Das Vereinigte Königreich rückte mit einer steigenden Zahl von Unternehmensansiedlungen mit 8,6 Prozent im Ruhrgebiet auf Platz 2 vor. An dritter Stelle liegen die USA mit 8 Prozent. Auch in Duisburg sind die Niederländer Spitzenreiter, gefolgt von China (plus 12 Plätze) und den USA. Das Vereinigte Königreich liegt hier (minus 1 Platz) auf Rang 5. Darüber hinaus stieg die Zahl der ausländischen Kleingewerbetreibenden (mit Gewerbeschein) um gute 23 Prozent: Hinter türkischen und polnischen Gewerbetreibenden haben seit der Fluchtwelle von 2015 mit einem stark gestiegenen Anteil Syrer als Selbstständige eine Existenz im Ruhrgebiet gegründet.
Stellvertretend für alle Ruhr-IHKs stellte die IHK zu Dortmund die aktuelle Studie „Ruhrwirtschaft International“ im Pressegespräch vor. Diese nach 2008 und 2016 dritte Untersuchung dieser Art ist im Wesentlichen im Rahmen des Ruhrlageberichts im vergangenen Jahr entstanden, als die IHK Dortmund federführend war. Gesprächspartner waren neben Wulf-Christian Ehrich Dr. Georg Hüthwohl, Geschäftsführer der Albonair GmbH aus Dortmund, und IHK-Referatsleiter Dominik Stute. Trotz Corona-Pandemie, gestörter Lieferketten und trotz (oder vielleicht gerade wegen) Brexit hat sich die Wirtschaft im Ruhrgebiet weiter internationalisiert. Im Ruhrgebiet sind nun mehr als 31.000 ausländische Firmen, Gewerbetreibende und Investoren aus 154 Ländern beheimatet: Gegenüber 2016 ist das ein deutliches Plus von 23 Prozent. Das macht deutlich, dass das Ruhrgebiet im internationalen Wettbewerb mit attraktiven Standortfaktoren punkten kann, aus denen sich Chancen für die Zukunft ergeben. Die insgesamt im Ruhrgebiet doch recht hohen Gewerbesteuersätze jedenfalls waren für kein Abschreckungsgrund. Die Entwicklung spricht eher dafür, dass hier andere Faktoren viel entscheidender waren.
Absatzmarkt, qualifizierte Fachkräfte und gute Erreichbarkeit sprechen für den Standort
Verteilung ausländischer Unternehmen auf die Kammerbezirke. Infografik: IHK zu Dortmund.
„Als die Inder Abgasnormen für Lkw nach europäischem Beispiel einführten, sahen sie sich nach dem nötigen Know-how um. Wir hatten hier im Ruhrgebiet die Ingenieure und das Wissen, Systeme zur Abgasreinigung von Dieselmotoren zu bauen, aber nicht das Kapital zur Unternehmensgründung“, erzählte Dr. Georg Hüthwohl. 2007 gründete er die Albonair GmbH, die seitdem zur indischen Hinduja-Gruppe gehört. Seinen Sitz hat das Unternehmen im Technologiepark Phoenix-West in Dortmund-Hörde. Neben dem Hauptsitz in Dortmund (mit der Produktion für Europa) gibt es weitere Standorte in China und Indien, die für die Märkte vor Ort produzieren. „Das Ruhrgebiet bietet nicht nur durch die vielen Universitäten und Fachhochschulen sehr gute Fachkräfte“, erzählte Hüthwohl, und: „Die Lebenshaltungskosten sind in Dortmund niedriger als in Automotive-Metropolen wie Stuttgart oder München.“
Neben etablierten Firmen und Schwergewichten aus Industrie, Handel und Logistik haben sich auch zahlreiche Unternehmen mit internationalen Beteiligungen hier etabliert: Vom Ruhrgebiet aus lenken sie ihr Europa- und Deutschlandgeschäft. Zu den Standortfaktoren zählen nach Ansicht der Wirtschaftsvertreter die verkehrsgünstige Lage der Metropolregion mit ihrem Absatzmarkt (Industrie wie Endverbraucher) und guter Erreichbarkeit, qualifizierte Arbeitskräfte, die Hochschulen und Forschungsinstitute sowie die weltweite Vernetzung. Vom Brexit hat neben den Niederlanden, Belgien und Frankreich mit ihrer direkten Verbindung auf die Insel auch das Ruhrgebiet profitiert, wenn britische Unternehmen Standorte ins EU-Gebiet verlagert haben.
Das Ruhrgebiet, das seit Beginn der Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts von einer starken Zuwanderung profitierte, hat sich im Strukturwandel der vergangenen Jahrzehnte stark verändert und zahlreiche innovative Unternehmen angelockt. Neu entwickelt haben sich zukunftsträchtige Cluster und Leitmärkte in den Bereichen GreenTech, Ressourceneffizienz, Cybersecurity sowie Logistik und Gesundheitswesen. Im engen Austausch mit Wissenschaft und Wirtschaft ist überdies ein großes Startup-Ökosystem gewachsen.
Internationale Unternehmen in den IHKs im Ruhrgebiet
Die Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet. Grafik: Ruhr-IHKs.
Auf knapp 30 Seiten bietet die Publikation „Ruhrwirtschaft International – Ausländische Unternehmen im Ruhrgebiet 2022/23“ der Ruhr-IHKs eine detaillierte Übersicht über die Zahl der ausländischen Firmen und Gewerbetreibenden im ganzen Ruhrgebiet. Spezifische Informationen zu den Besonderheiten der einzelnen IHK-Regionen sowie Interviews mit Unternehmern runden die Gesamtdarstellung ab. Die Publikation „Ruhrwirtschaft International – Ausländische Unternehmen im Ruhrgebiet 2022/23“ mit vielen weitergehenden Informationen findet man hier.
Die Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet haben hier nach 2008 und 2016 zum dritten Mal Ergebnisse für im Handelsregister (HR) eingetragenen Unternehmen und Kleingewerbetreibenden (KGT) publiziert. Als Basis für die HR-eingetragenen ausländischen Firmen dienten Datensätze der Firmen mit direkter Beteiligung und Firmen mit indirekter Beteiligung in der Markus-Datenbank der Creditreform, Neuss, sowie IHK-interne Datenbanken. Folgende Definition für ein ausländisches HR-Unternehmen wurde angewandt: Ein Unternehmen ist ausländisch, wenn die Muttergesellschaft / Konzernmutter nicht in Deutschland ansässig bzw. der (Haupt-)Gesellschafter kein deutscher Staatsangehöriger ist und dieser 50 Prozent oder mehr der Anteile am Unternehmen hält. Das maßgebliche Kriterium bei den Kleingewerbetreibenden war eine eingetragene nicht-deutsche Staatsangehörigkeit. Auch die Unternehmen im hiesigen IHK-Bezirk (Duisburg und Kreis Wesel, der Kreis Kleve gehört nicht zum Ruhrgebiet) sind in der Studie „Ruhrwirtschaft International“ enthalten. Zu den Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet zählen neben der Niederrheinischen IHK Duisburg, Wesel, Kleve zu Duisburg die IHK Mittleres Ruhrgebiet Bochum, die IHK zu Dortmund, die IHK für Essen, Mülheim an der Ruhr, Oberhausen zu Essen, die Südwestfälische IHK zu Hagen und die IHK Nord Westfalen (mit dem Standort Gelsenkirchen für die Emscher-Lippe-Region).
Forderungskatalog zum A59-Ausbau bekräftigt: Neubau der Berliner Brücke vorziehen Von Petra Grünendahl
Ratssitzung in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.
„Dass wir jetzt die Hebesätze für Grund- und Gewerbesteuer senken können, ist das Ergebnis unseres bisherigen Sanierungskurses“, sagte Oberbürgermeister Sören Link. Die Erhöhung 2011 sei nötig gewesen, um zusammen mit Kürzungen von Ausgaben die Vorgaben des Stärkungspaketes Stadtfinanzen zu erfüllen. Dank auch der aus dieser Maßnahme geflossenen Finanzhilfen des Landes stünde Duisburg heute wieder gut da, so dass man mit der Steuersenkung etwas an die Duisburger zurück geben könne. Zwar ist die Senkung der Gewerbesteuer um 10 Prozentpunkte auf 845 Prozent und der Grundsteuer von 520 auf 515 Prozent ein kleiner Schritt, aber: „es ist ein erster Schritt.“ Wichtig sei ihm, so Link, dass der städtische Haushalt mit einer schwarzen Null abschließe. Der Steuersenkung stimmte der Rat ebenso einstimmig zu wie dem Forderungskatalog zum Ausbau der A59, das Planfeststellungsverfahren in zwei Teile aufzuteilen, um die Berliner Brücke schnellstmöglich und damit rechtzeitig erneuern zu können. Eine Sperrung der Brücke mit Ablauf der Nutzungsdauer sei eine Katastrophe für Duisburg und seine Bewohner und müsse unbedingt vermieden werden, sagte der Oberbürgermeister. Deswegen sei dieser Abschnitt vorzuziehen, um den fälligen Brückenneubau schnellstmöglich umzusetzen.
Mit 74 Tagesordnungspunkten im öffentlichen Teil war die Sitzung des Rates der Stadt Duisburg übersichtlich. Es folgte – wie üblich – ein nichtöffentlicher Teil. Zügig konnten die Ratsleute die Tagesordnung abarbeiten: Wenig bot Raum für Diskussionen, fast alle Entscheidungen wurden einstimmig gefällt. Themen wie Ausschussbesetzungen, Wirtschaftspläne der städtischen Tochterunternehmen, Zuschüsse für Träger von Kindertageseinrichtungen, Bebauungspläne und deren Aufhebung, Maßnahmen für Schulraumerweiterung sowie das Vorkaufsrecht für zum Verkauf stehende Gebäude standen ebensfalls auf der Tagesordnung. Nach der Zustimmung der vorberatenden Gremien wie Bezirksvertretungen und Fachausschüssen wurden sie ganz überwiegend auch im Stadtrat einstimmig abgesegnet. Einstimmig beschlossen wurde auch die Solidaritätspartnerschaft mit der Stadt Kryvyi Rih, einer 600.000-Einwohner-Metropole in der Eisenerzabbau- und Industrieregion Kryvbas im Südosten der Ukraine.
Konzern Stadt soll klimaneutral werden
Der Rat der Stadt tagt in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.
Neben der Gründung einer weiteren Gebag-Tochter für Projektentwicklung und dem Beitritt zur regionalen Bildungsinitiative RuhrFutur beschloss der Rat unter anderem auch Gelder für das Teilprojekt Grüner Ring Mitte (im Rahmen der IGA2027), den Neubau der Cölvebrücke und Ausbau der Straße An der Cölve, die Sanierung der Gaterwegbrücke sowie die Sanierung der Regattabahn. Diskussionsbedarf gab es beim Klimaschutzkonzept, das hier nach 2. Lesung auf den Weg gebracht wurde, und beim Klimawandel-Anpassungskonzept (KLIAS). Duisburg wird bis zum Jahr 2035 klimaneutral, allerdings soll die Verwaltung erst einmal darlegen, wie viel Geld und Stellen für die Umsetzung benötigt werden. Das wird die Aufgabe des neuen Beigeordneten sein, der die Anfang März frei werdende Stelle des Beigeordneten Matthias Börger im Dezernat für Umwelt und Klimaschutz, Gesundheit, Verbraucherschutz und Kultur übernimmt. Die Ausschreibung wurde hier auf den Weg gebracht, allerdings wird es Monate dauern, bis die Stelle neu besetzt ist.
Ausgezeichnete Zeichner der aktuellen deutschen Comic-Szene Von Petra Grünendahl
Max-und-Moritz-Preisträger im Kleinen Schloss der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.
Von schlichten Tusche-Zeichnungen in Schwarz-Weiß bis hin zu ausgearbeiteten Farbbildern, von klassischen Comics bis hin zu neuen Bildformen reicht die Bandbreite der gezeigten Comics. Sie zeigen eine Vielfalt an Stilrichtungen ebenso wie an Themen: Manches ist gesellschaftskritisch und ernst, anderes heiter, lustig und mitunter auch ironisch. Zu sehen sind die Zeichnungen nicht nur wie üblich an den Wänden und in Vitrinen, sondern zum Durchblättern auch in zwei Kisten auf dem Boden. Allesamt ausgezeichnet wurden die hier gezeigten Zeichner für ihre Arbeiten mit dem renomierten „Max und Moritz“-Preis 2022: Birgit Weyhe (bester Comic-Künstler), Aisha Franz (bester Comic), Josephine Mark (bester Comic für Kinder), Lina Ehrentraut, Daniela Heller und Jeff Chi (alle drei für bestes Comic-Debüt) sowie Daniela Schreiter (Publikumspreis) und Alexander Braun (Spezialpreis der Jury).
Max-und-Moritz-Preisträger im Kleinen Schloss der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.
Ergänzend zum „Max und Moritz“-Preis der Stadt Erlangen gibt es seit 2014 eine alle zwei Jahre neu kuratierte Wanderausstellung, die nun im Kleinen Schloss der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen unter dem Titel „AUSGEZEICHNET!“ zu sehen ist. Die Ausstellung präsentiert die aktuellen deutschsprachigen „Max und Moritz“-Preisträger. Artefakte aus den Ateliers der Comic-Künstler und Fotos der Arbeitsplätze geben einen Einblick in die individuellen Arbeitsweisen und Inspirationswelten; Originalzeichnungen und Skizzen dokumentieren die große Bandbreite der deutschsprachigen Comic-Szene und die Vielfalt der Themen. Geradlinige Schwarz-Weiß-Zeichnungen treffen auf knallbunte Malereien und klassische Comic-Panels begegnen neuen Bildformen. Einmal mehr präsentiert sich die deutsche Comic-Kunst scharfsinnig, am Puls der Zeit und äußerst unterhaltsam.
„Max und Moritz“-Preis
Max-und-Moritz-Preisträger im Kleinen Schloss der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.
Alle zwei Jahre verleiht die Stadt Erlangen den „Max und Moritz“-Preis. Diese bedeutendste Auszeichnung für Comic-Künstler im deutschsprachigen Raum im Rahmen des 20. Internationalen Comic-Salon Erlangen vergeben worden. Eine fachkundige Jury, zu der auch die Direktorin der Ludwiggalerie, Dr. Christine Vogt, gehört, hat Preise in insgesamt elf Kategorien ausgelobt – von „Bester Internationaler Comic“ bis zum „Sonderpreis für ein herausragendes Lebenswerk“. Ein besonderes Augenmerk gilt bei der Preisverleihung der Kategorie „Bester deutschsprachiger Comic-Künstler“. Die Comic-Autorin und Illustratorin Birgit Weyhe trägt seit der Gala 2022 offiziell diesen Titel. Der „Spezialpreis der Jury“ ging in diesem Jahr an den Kurator des Dortmunder schauraum: comic + cartoon, Alexander Braun, für seine Ausstellungen und herausragenden Publikationen zur 9. Kunst. Kooperationspartner der Wanderausstellung sind das Kulturamt der Stadt Erlangen, die Dr.-Erika-Fuchs-Stiftung und die Schmitz-Lippert-Stiftung im Cöln Comic Haus. Kurator ist Darjush Davar. Die Ausstellung wird gefördert vom Freundeskreis der Ludwiggalerie. Kulturpartner ist WDR 3.
Impressionen aus der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl
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Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen
Max-und-Moritz-Preisträger im Kleinen Schloss der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.
Die Sonderausstellung „AUSGEZEICHNET!“ im Kleinen Schloss läuft bis zum 11. Juni. Das Museum ist geöffnet von Dienstag bis Sonntag zwischen 11 und 18 Uhr. Montags ist Ruhetag, feiertags sowie Oster- und Pfingstmontag und am 1. Mai ist jedoch geöffnet. Geschlossen ist am 24., 25. und 31. Dezember sowie 1. Januar. Im Kleinen Schloss ist der Eintritt kostenlos. Der Eintritt im Großen Schloss kostet 8,00 Euro (ermäßigt 4,00 Euro, Familien mit zwei Erwachsenen plus Kindern 12,00 Euro). Außerdem gibt es ein Kombiticket mit dem Gasometer Oberhausen für 15,00 Euro.
Max-und-Moritz-Preisträger im Kleinen Schloss der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.
Noch bis zum 7. Mai ist im Großen Schloss der Ludwiggalerie die Ausstellung „BARBARA KLEMM – Schwarz-Weiß ist Farbe genug. Fotografien 1967 bis 2019“ zu sehen. Öffentliche Führungen finden im Großen Schloss sonn- und feiertags um 11.30 Uhr statt. Alle Führungen sind im Museumseintritt inklusive. Details zum Rahmenprogramm zu den Ausstellungen sowie zum museumspädagogischen Angebot gibt es hier. Zusätzlich zu zwei Kuratorenführungen mit Darjush Davar am 5. Februar und 12. März gibt es am 7. Mai eine Direktorinnenführung mit Dr. Christine Vogt (alle jeweils um 16 Uhr).
Adriana Lecouvreur (Liana Aleksanyan) ist eine gefeierte Schauspielerin. Maurizio (Vincenzo Costanzo) überschüttet sie mit Liebesschwüren und auch sie verliebt sich in ihn, ohne zu ahnen, dass sie in der Fürstin von Bouillon (Ramona Zaharia) eine Rivalin hat, der Maurizio ebenfalls leidenschaftlich den Hof gemacht hat. Der Regisseur Michonnet (Anooshah Golesorkhi) ist schon lange in Adriana verliebt, schafft es aber nie, ihr seine Liebe zu gestehen.
Der Fürst von Bouillon (Beniamin Pop) glaubt sich von seiner Geliebten, der Schauspielerin Duclos, betrogen, obwohl er selber schon nach der nächsten Liebschaft sucht. Er will der Duclos mit Hilfe des Abbé von Chazeuil / Maggiordomo (Tae-Hwan Yun) eine Falle stellen, in die aber prompt Maurizio mit der Fürstin tritt. Um Maurizios Willen verhilft Adriana der Fürstin unerkannt zur Flucht, obwohl die Frauen einander als Rivalinnen um Maurizios Liebe ausmachen. Francesco Cileas berühmteste Oper ist geprägt vom Belcanto (schöner Gesang), den Zuschauer hier von allen Akteuren fantastisch dargeboten genießen dürfen: Bis zum bitteren Ende der Titelheldin, die schließlich von ihrer Rivalin vergiftet in den Armen ihres Geliebten stirbt.
Begeistert aufgenommen hat das Publikum die Oper „Adriana Lecouvreur“: Von wiederholtem Szenenapplaus bis zum lang anhaltenden Schlussapplaus belohnten die Zuschauer eine fantastische und rundum gelungene Aufführung im Theater Duisburg. Komponiert hat Italiener Francesco Cilea (1866–1950) seine 1902 in Mailand uraufgeführte Oper zu einem Libretto von Arturo Colautti.
Der Operntext basiert auf dem Schauspiel „Adrienne Lecouvreur“ von Eugène Scribe und Ernest Legouvé. Adrienne Lecouvreur (1692–1730) ist eine historische Person, die zu ihrer Zeit eine der gefeiertsten Schauspielerinnen Frankreichs war. Die Deutsche Oper am Rhein spielt die Produktion des Staatstheaters Mainz in einer Inszenierung von Gianluca Falaschi. Falaschi hat die Oper in die Goldenen Zwanziger nach Hollywood verlegt, was der Regisseur selber stimmig in Bühnenbild und Kostüme umgesetzt hat. Auch musikalisch passt dieser Transfer ungemein, sind doch die klassischen amerikanischen Filmmusiken der Goldenen Ära Hollywoods deutlich an Cileas Stil angelehnt. Gesungen wird in italienischer Sprache, deutsche Übertitel erleichtern das Verständnis der Handlung. Die Oper in vier Akten dauert ca. 2 ¾ Stunden (inklusive eine Pause) und ist empfohlen ab 12 Jahren.
Die harmonische bis beschwingtere Komposition greift die Leichtigkeit und Leichtlebigkeit der Stücks auf, in dem nahezu jeder mehr als ein Verhältnis pflegt oder schon die nächste Liebschaft sucht. In Nebenrollen glänzen Romana Noack und Katarzyna Kuncio sowie Shengwu Ou und Matteo Guerzé, unterstützt vom Chor der Deutschen Oper am Rhein unter der Leitung von Patrick Francis Chestnut. Glänzend aufgelegt präsentieren die Duisburger Philharmoniker die elegante Komposition mit einem Hauch französischer Leichtigkeit unter der musikalischen Leitung von Péter Halász.
Ein kleiner Vorgeschmack:
Weitere Termine im Theater Duisburg:
Mi | 8. Februar 2023 | 19:30 Uhr,
Di | 7. März 2023 | 19:30 Uhr und
Mi | 29. März 2023 | 19:30 Uhr.
Die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg gGmbH ist eine Theatergemeinschaft der Städte Düsseldorf und Duisburg, die auf eine lange Tradition der Zusammenarbeit zwischen den beiden Großstädten zurückblicken kann. Seit ihrer Gründung 1956 zählt sie zu den bedeutendsten Opernhäusern Deutschlands. Durch ihr hochrangiges Solistenensemble, den Chor sowie die national wie international gefeierte Compagnie Ballett am Rhein hat sie sich zu einer der ersten Adressen für Musiktheater und Tanz in Europa entwickelt. Sie ist in der größten und dichtesten Kulturregion Deutschlands beheimatet. Allein die beiden Städte Düsseldorf und Duisburg zählen zusammen fast 1,1 Millionen Einwohner, aber auch die umliegenden Regionen und eine große Zahl auswärtiger Gäste profitieren vom hochkarätigen künstlerischen Angebot der Deutschen Oper am Rhein. www.operamrhein.de
Tickets kosten zwischen 19,00 und 78,00 Euro. Eintrittskarten gibt es online ebenso wie in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in das Stück, seine Entstehung und die Aufführung gibt.
Unternehmen im Ruhrgebiet blicken vorsichtig optimistisch in die Zukunft Von Petra Grünendahl
Stellten den Ruhrlagebericht vor (v. l.): Philipp Böhme, Präsident der IHK Mittleres Ruhrgebiet, Michael Bergmann, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittleres Ruhrgebiet, und Matthias Wulfert, stellv. Hauptgeschäftsführer der Niederrheinischen IHK. Foto: IHK Mittleres Ruhrgebiet.
„Im Vergleich zum Herbst haben sich die Erwartungen der Unternehmen im Ruhrgebiet deutlich verbessert“, sagte Philipp Böhme, Präsident der IHK Mittleres Ruhrgebiet. Das gelte selbst für den Handel, der schlechtere Zahlen erwartet als Beispielsweise der Dienstleistungssektor oder die Industrie.
Über alle Branchen verteilt haben sich die pessimistischen Erwartungen von 52 Prozent auf 28 Prozent fast halbiert. Der historische Tiefstand scheine damit überwunden, meinte der IHK-Präsdent. Laut der Umfrage bewerten 85 Prozent der Unternehmen ihre derzeitige Geschäftslage branchenübergreifend mit gut bzw. befriedigend. In der letzten Umfrage zum Herbst 2022 waren es noch ca. 82 Prozent und im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 84 Prozent der Unternehmen. Die Unternehmen im Ruhrgebiet haben weiterhin mit den teils dramatischen Auswirkungen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine zu kämpfen: Gestörte Lieferketten, gestiegene Energiekosten, hohe Verbraucherpreise. Trotzdem zeige sich die Ruhrwirtschaft zu Jahresbeginn vorsichtig optimistisch, sagte Böhme. Die Phase größter Unsicherheit scheint vorerst überwunden, darauf deutet das Ergebnis des 110. Ruhrlageberichtes hin.
Den Konjunkturbericht der Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet für den Jahresbeginn stellte die in diesem Jahr federführende IHK Mittleres Ruhrgebiet in Bochum vor, die rund 30.000 Unternehmen in Bochum, Herne, Witten und Hattingen vertritt. Im Pressegespräch standen neben Philipp Böhme Michael Bergmann, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittleres Ruhrgebiet, und Matthias Wulfert, stellv. Hauptgeschäftsführer der im kommenden Jahr federführenden Niederrheinischen IHK, Rede und Antwort. Vor allem die Geschäftserwartungen der Unternehmen haben sich im Vergleich zur letzten Befragung verbessert.
Selbst das Schlusslicht der Herbstbefragung, der Handel, erwartet deutlich bessere Geschäfte. 41 Prozent der Handelsunternehmen rechnen in Zukunft mit schlechteren Zahlen. Im Herbst 2022 waren es noch 61 Prozent der Unternehmen. Als Grund für den Optimismus nannte Böhme: „Staatliche Maßnahmen und volle Gasspeicher.“ Die Wirtschaft habe volle Auftragsbücher und sei bis Jahresende aussgelastet. Viele Unternehmen seien mit einem blauen Auge davon gekommen. „Es ist aber noch nicht klar, wie sich steigende Energiepreise in der künftigen Entwicklung niederschlagen.“
Energieversorgung zu bezahlbaren Preisen und Fachkräfte sichern
Steigende Energiepreise belasten die Wirtschaft. Infografik: IHK Mittleres Ruhrgebiet.
Die Entwicklung der Energiepreise bereite weiterhin Sorgen, sagte auch Matthias Wulfert, und: „Die Unternehmen überlegen, wie nachhaltiger werden und Energie sparen können.“ Neben einer höheren Energie-Effizienz steht auch der Umstieg auf andere Energieträger – zum Beispiel Wasserstoff in besonders energie-intensiven Branchen – im Vordergrund. „Wenn es einen positiven Effekt der Krise gibt, dann der, dass immer mehr Unternehmen darüber nachdenken, wie sie nachhaltiger wirtschaften und Energie einsparen können“, sagte Michael Bergmann.
Reaktionen auf hohe Energiepreise. Infografik: IHK Mittleres Ruhrgebiet.
Eine sichere Energieversorgung sei allerdings nicht die einzige Voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands – und damit auch des Ruhrgebiets. Die Politik in Bund und Land sei jetzt gefordert, die richtigen Weichen zu stellen, damit der Bürokratieabbau Fahrt aufnehmen könne, um beispielsweise Genehmigungsverfahren zu erleichtern, so Michael Bergmann. Auch müsse mehr getan werden, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. „Dazu zählen vor allem vereinfachte Verfahren bei der Einwanderung von Fachkräften aus dem Ausland und die Anerkennung von Berufsqualifikationen“, sagte Bergmann. „Ansonsten bekommen unsere Unternehmen die volle Härte des demografischen Wandels zu spüren.“ Der IHK-Hauptgeschäftsführer mahnte darüber hinaus einen Schulterschluss von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft bei der Digitalisierung an: „Unternehmen müssen einfacher und digitaler mit Behörden in Kontakt treten können – und gleichzeitig muss der Austausch von Daten zwischen den Behörden deutlich vereinfacht werden.“
Die Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet fragen zwei Mal im Jahr (zum Jahresanfang und im Herbst) bei ihren Mitgliedsunternehmen unter anderem danach, wie sie ihre gegenwärtige wirtschaftliche Lage beurteilen, ob sie von Insolvenz bedroht sind und mit welcher Geschäftsentwicklung sie in den kommenden Monaten rechnen. Bei der Umfrage zum Jahresbeginn hatten sich rund 877 Unternehmen mit fast 124.000 Beschäftigten beteiligt. Auch die Unternehmen im hiesigen IHK-Bezirk haben zum Ruhrlagebericht beigetragen. Zu den Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet zählen neben der Niederrheinischen IHK Duisburg, Wesel, Kleve zu Duisburg die IHK Mittleres Ruhrgebiet Bochum, die IHK zu Dortmund, die IHK für Essen, Mülheim an der Ruhr, Oberhausen zu Essen, die Südwestfälische IHK zu Hagen und die IHK Nord Westfalen (mit dem Standort Gelsenkirchen für die Emscher-Lippe-Region).
Mehr zum 109. Konjunkturbericht der IHKs im Ruhrgebiet findet man hier: www.ihks-im-ruhrgebiet.de. Und hier ist die pdf zum Download.
Fast ein halbes Jahrhundert nach ihrem Tod widmet das Lehmbruck Museum der britischen Künstlerin Barbara Hepworth (1903–1975) eine große Ausstellung. Ihr Werk steht beispielhaft für die Befreiung der Form durch die Abstraktion. Mit Erfindungsgeist und handwerklicher Meisterschaft arbeitet sie die „freie“ Form aus dem Stein oder Holz heraus. Als Vorkämpferin der modernen Bildhauerei veränderte Hepworth mit den „Löchern“, den „piercings“, in ihren Skulpturen die abstrakte Kunst fundamental und wurde zu einer der führenden britischen Künstlerinnen ihrer Generation und zur ersten Bildhauerin, die internationale Anerkennung fand. Für ein Publikum startet die Ausstellung am 2. April mit dem Familientag im Lehmbruck Museum.
Mona Hatoum Valencia Institute of Modern Art 16 April – 19 September 2021. Foto: Juan García Rosell / IVAM.
Im Lehmbruck Museum stellten Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla und Kulturdezernent Matthias Börger das Jahresprogramm vor. Neben verschiedenen Projekten und Veranstaltungen des Museums und seiner Kunstvermittlung standen natürlich vor allem die großen Ausstellungen im Fokus. Ab dem 26. Mai wird die Glashalle zum Kantpark wieder von Sculpture 21st bespielt: Tausende von Glasmurmeln verwandeln den Boden der nördlichen Glashalle des Lehmbruck Museums in ein ebenso schillerndes wie fragiles Relief. Wie zufällig nehmen die Kugeln eine vertraute Konstellation ein: die einer Weltkarte. Das raumgreifende Werk „Map (clear)” von Mona Hatoum (*1952) spiegelt die extreme Verletzlichkeit unseres Lebensraumes wider. Die ambivalente Symbolik der Murmeln, die sowohl als Spielzeug wie auch als minderwertiges Tauschobjekt gesehen werden können, unterstreicht den politischen Charakter der Installation. Die Tochter palästinensischer Eltern wurde im Libanon geboren und lebt seit Ausbruch des libanesischen Bürgerkriegs 1975 in Europa.
Die Bildhauerin Alicja Kwade auf dem Balkon ihres Berliner Studios. Foto: Catherine Peters.
Ab dem 17. Juni präsentiert sich der Duisburger Künstlerbund anlässlich seines 100-jährigen Jubiläums unter dem Titel „Ein Blick zurück“. Von rund der Hälfte aller ehemaligen und aktuellen Mitglieder des Duisburger Künstlerbundes besitzt das Lehmbruck Museum mindestens ein Werk. In der Studioausstellung sind ausgewählte Skulpturen, Gemälde, Zeichnungen und Fotos von 1930 bis in die Gegenwart zu sehen. Und ab dem 24. September schließlich zeigt das Lehmbruck Museum die Bildhauerin Alicja Kwade (*1979 in Kattowitz, Polen), die derzeit wie kaum ein anderer die Entwicklung der zeitgenössischen Skulptur prägt. Kwades Werkkonstellationen stellen existenzielle Fragen und führen uns spielerisch zum Nachdenken über unser Sein in der Welt. Kann die Welt auch anders sein? Können wir neue Erklärungen, Modelle und Konstrukte für unsere Welt finden? Unser Verständnis von Realität stellt Kwade immer wieder gekonnt auf die Probe und überschreitet die Grenzen unserer Vorstellung von Wirklichkeit. Kohle wird zu Gold, Kiesel zu Edelsteinen und das Vergehen der Zeit wird körperlich spürbar.
Das Lehmbruck Museum
Das Lehmbruck Museum im Kantpark. Foto: Petra Grünendahl.
Das mitten in Duisburg im Kantpark gelegene Lehmbruck Museum ist ein Museum für Skulptur. Seine Sammlung moderner Plastiken von Künstlern wie Alberto Giacometti, Pablo Picasso, Hans Arp und natürlich Wilhelm Lehmbruck ist europaweit einzigartig. Beheimatet ist das Museum in einem eindrucksvollen Museumsbau inmitten eines Skulpturenparks, der zum Schlendern und Entdecken einlädt.
Namensgeber des Hauses ist der Bildhauer Wilhelm Lehmbruck, der 1881 in Meiderich, heute ein Stadtteil von Duisburg, geboren wurde. Lehmbruck ist einer der bedeutendsten Bildhauer der Klassischen Moderne. Er hat mit seinem Werk maßgeblichen Einfluss auf nachfolgende Künstlergenerationen und ist auch nach seinem frühen Freitod im Jahr 1919 bis heute einflussreich geblieben.
Öffnungszeiten und Eintrittspreise
Reflection II (2008):Antony Gromley im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.
Aktuell ist noch bis zum 26. Februar die Ausstellung „Gormley / Lehmbruck – Calling on the Body“ zu sehen: Auf über 3.000 Quadratmetern im ganzen Haus verteilt. Geöffnet ist das Lehmbruck Museum dienstags bis freitags ab 12 Uhr, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags an Terminen der plastikBAR (erster Donnerstag im Monat ab 17.30 Uhr) bis 20 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro (ermäßigt* 5 Euro), eine Jahreskarte 35 Euro (ermäßigt* 20 Euro). Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Blinden- und Demenzbegleitung haben kostenlos Eintritt. Schulklassen und Kindergärten zahlen pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte (2 Erwachsene plus Kinder bis 14 Jahre) gibt es für 15 Euro. Jeden ersten Freitag im Monat gilt: „Pay what you want“. Ausgenommen davon sind angemeldete Gruppen.
Ein Lieblingsmotiv von Wilhelm Lehmbruck: Mutter und Kind. Foto: Petra Grünendahl.
Zu seinen Sonderausstellungen bietet das Lehmbruck Museum verschiedene Veranstaltungen als Rahmenprogramm an. Öffentliche Führungen durch das Museum gibt es jeden Sonntag um 11.30 Uhr. Für Informationen steht die Kunstvermittlung des Lehmbruck Museums unter Telefon 0203 / 283-2195 oder eMail kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de zur Verfügung (Zu Preisen und Buchungen für Führungen geht es hier). Tickets für Führungen und Veranstaltungen können vorab im Ticket-Shop des Museums gebucht werden.
(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70 Prozent), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen mit Sozialhilfebezug.
Neues Konzept mit mehr Kunstvermittlung Von Petra Grünendahl
Dauerausstellung im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.
Die Ausstellungen im Museum DKM erschließen sich dem Besucher nicht von alleine: Schilder an den Kunstwerken, die Auskunft geben über Titel und Künstler oder Material und Entstehen findet man hier nicht. Die Kunst solle für sich wirken, war die Intention der Museumsstifter. Allerdings besteht beim Besucher das Bedürfnis, nicht nur die Kunst zu betrachten und auf sich wirken zu lassen, sondern auch Informationen zu Bildern und Skulpturen zu bekommen. Natürlich gibt es zu Werken und Künstlern weit mehr zu erzählen – und das soll künftig im Rahmen von geführten Rundgängen geschehen. Auf etwa anderthalbstündigen geführten Rundgängen vermitteln die Mitarbeiter des Museums DKM oder die Stifter selber Inhalte zu dem ausgestellten Arbeiten, der Geschichte der Sammlung und der Ausstellungsarchitektur. Ein Durchstreifen der Räume auf eigene Faust wird damit – wie übrigens in vielen anderen privaten Museen auch – nicht mehr möglich sein.
Dauerausstellung im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.
Seine bislang festen Öffnungszeiten gibt das Museum DKM im Duisburger Dellviertel mit dem Beginn des kommenden Monats auf. Stattdessen setzen die Museumsstifter Dirk Krämer und Klaus Maas auf ein neues Konzept mit kleinen, exklusiv geführten Gruppen (oder auch Einzelpersonen), die nach Veranmeldung jeden Mittwoch im Zeitraum zwischen 10 und 18 Uhr angeboten werden. Die etwa anderthalbstündigen Rundgänge leiten entweder kunsthistorisch ausgebildete Mitarbeiter des Museums oder die Stifter selber. Weiterhin besteht natürlich die Möglichkeit – wie auch bislang – zu individuellen Sonderöffnungszeiten mit einer Führung für angemeldete Gruppen (zu einem Sonderöffnungspreis). Voranmeldungen und Terminanfragen richten Interessierte an das Museum DKM unter Telefon 0203 / 93555470 oder mail(at)museum-dkm.de.
Vorschau: Japanische Kunst als Schenkung und als Sonderausstellung
Norbert Kricke im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.
Eine Schenkung von Ruth Hetkamp mit Kunstwerken des japanischen Künstlers Sadao Watanabe sollen ab Frühjahr im Museum DKM präsentiert werden. Ab Mai gibt zudem eine neue Sonderausstellung mit Werken des japanischen Künstlers Katsuhito Nishikawa im Wechselausstellungsbereich im Erdgeschoss. Die anlässlich seines 100.Geburtstages am 30. November 2022 umgestalteten Dauerausstellungsräume mit Werken von Norbert Kricke sind in dieser Form noch bis zum 7. Mai zu sehen (ebenso die Sonderausstellung im Lehmbruck Museum sowie bis zum 31. März im MKM Museum Küppersmühle). Über den monatlichen Newsletter (Anmeldung für den Newsletter per eMail an mail(at)museum-dkm.de) erfahren Interessierte regelmäßig von den aktuellen Wechselausstellungen und neu gestalteten Ausstellungsräumen.
Museum DKM
Das Museum DKM in der Nähe des Hauptbahnhofs. Foto: Petra Grünendahl.
Das private Museum DKM hat 1999 etwas kleiner als Galerie im Duisburger Innenhafen begonnen. Mit ihrer wachsenden Kunstsammlung zogen die Museumsstifter im Januar 2009 ins Zentrum der Innenstadt zwischen Hauptbahnhof und Kantpark mit dem Lehmbruck Museum. Die Architektur des Museums, die umgebaute ehemalige Gewerbeimmobilie eines Elektrogroßhändlers, dient in ihrer Zurückhaltung der Ausstellung der Kunst. Hier zeigen die Museumsstifter Klaus Maas und Dirk Krämer unter dem Motto „Linien stiller Schönheit“ aus ihrer eigenen Sammlung Kunst und Kultur aus 5.000 Jahren sowie wechselnde Sonderausstellungen auch mit Leihgaben. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf zeitgenössischer Kunst, Kunst aus Südostasien, Alt-Ägypten und zeitgenössischer Fotografie. Die drei Baukörper des Museums erstrecken sich über fünf Ebenen und umfassen 2.700 Quadratmeter in 51 Räumen. Das Museum DKM gehört zu den 21 RuhrKunstMuseen.
Das private Museum DKM der Stifter Klaus Maas und Dirk Krämer an der Güntherstraße 13-15 im Dellviertel ermöglicht mittwochs zwischen 10 und 18 Uhr für exklusive Führungen (nach Voranmeldung). Ansonsten wird an anderen Tagen der Woche nur nach Vereinbarung für Gruppen geöffnet. Der Eintritt kostet 12 Euro, Kinder, Jugendliche und Studenten bis 28 Jahre haben freien Eintritt. Für Gruppenführungen jenseits der normalen Öffnungszeiten gibt es einen Sonderöffnungspreis, für Schulen und Universitäten sind diese kostenlos. Führungen können auf Deutsch, Englisch, Spanisch und Italienisch gebucht werden. Außerdem gibt es spezielle Vermittlungskonzepte für Schulen. Eine Jahreskarte kostet 100 Euro. Die RuhrKultur.Card ermöglicht einen einmalig freien Eintritt. Weitere Infos gibt es hier.
Projektgruppe des Abtei-Gymnasiums vermittelt Facetten deutscher Vergangenheit Von Petra Grünendahl
Die Schülergruppe vom Abtei-Gymnasium mit ihrer Lehrerin Christina van Laack (3. v. r.). Foto: Petra Grünendahl.
Die Schülergruppe vom Abtei-Gymnasium in Hamborn, Jugendliche der Jahrgangsstufen 8 bis 12, hatte in verschieden Projekten zur nationalsozialistischen Herrschaft und dem Holocaust nicht nur Gedenkstätten besucht, sondern auch Biografien und Lebenswebe der Opfer recherchiert: „Dadurch sind die Opfer für uns lebendig geworden“, sagte einer der Schüler. Sie seien auch von dem Nachfahren eines Holocaust-Opfers aus Israel kontaktiert worden und hätten dessen Lebensweg für die Stolperstein-Verlegung recherchiert, erzählte ein anderer. „Mit der zeitlichen Entfernung ändert sich der Zugang zur Geschichte“, erklärte Bürgermeister Volker Mosblech in seinem Grußwort. Zeitzeugen sterben langsam aus. „Wir sind in der Verantwortung, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu bekämpfen“, so Mosblech. Die Aufarbeitung des Holocaust in der Schule sei unverzichtbar. Das Schülerprojekt, das die Lehrerinnen Christina van Laack und Katharina Middendorf betreuen, macht dagegen den Terror und die Unmenschlichkeit des Nazi-Regimes für die Jugendlichen greifbar. Und das nicht nur an ihrer Schule: Die Schüler arbeiten gemeinsam an einer Graphic Novel, einem Comic-Roman, der diesen Teil der deutschen Geschichte Grundschülern näher bringen soll.
Laudatorin Astrid Neese (l.) und Angelika Wagner vom Bündnis für Toleranz und Zivilcourage. Foto: Petra Grünendahl.
Die Arbeit und das Engagement der Hamborner Schülergruppe im Projekt „Das Abtei vergisst nicht“ würdigte das Duisburger Bündnis für Toleranz und Zivilcourage mit seiner Preisverleihung im Gemeindesaal der Jüdischen Gemeinde. „Erinnerungstage alleine können die Ereignisse nicht deutlich machen. Wir müssen das Geschehene mit Inhalten füllen und Lehren daraus ziehen“, unterstrich Laudatorin Astrid Neese, Dezernentin für Bildung, Arbeit und Soziales, den Wert des Schulprojekts.
Die Schülergruppe vom Abtei-Gymnasium mit Bündnis-Sprecher Rainer Bischoff (2. v. r.) und Bürgermeister Volker Mosblech (r.). Foto: Petra Grünendahl.
Geschichte sei nicht nur Vergangenheit, sondern auch auf die Zukunft bezogen. „Im Leben mitmischen fängt nicht erst nach der Schule an“, sagte Christina van Laack. Ihre Schüler hätten Bereitschaft zur Aufarbeitung der Vergangenheit und dazu, Verantwortung in der Gesellschaft zu übernehmen. Ein Schweigen sei Beihilfe: „Habt den Mut, eure Stimme zu erheben.“ Zu den Opfern der Nazi-Diktatur zählen neben Juden auch Sinti, Roma, Behinderte und Homosexuelle sowie politisch anders Denkende. Die Erinnerung helfe vorbeugen, mahnte auch Angelika Wagner vom Bündnis für Toleranz und Zivilcourage. Es geht nicht um Schuld, sondern um die Verantwortung, dass so etwas nie wieder passiert! „Never again“ beginnt mit „Never forget“.
Dmitrij Yegudin, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde. Foto: Petra Grünendahl.
Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Dmitrij Yegudin, erzählte in seinem Grußwort, dass er aus Charkiv im Nordosten der Ukraine stamme und dort immer noch Freunde und Bekannte habe, die vom russischen Angriffskrieg betroffen seien. Über 75 Prozent seiner Gemeindemitglieder stammten aus der ehemaligen Sowjetunion und sie hätten mit Beginn der Flüchtlingsströme aus der Ukraine die Stadt Duisburg als Dolmetscher und mit weiteren Hilfsangeboten unterstützt, so Yegudin weiter. Er habe damals der Stadt prophezeit, dass sie mit 5.000 Flüchtlingen rechnen könnte: Es sind längst mehr und es kommen weitere. Und: „Die Kämpfer an der Front wissen, dass ihre Familien hier in Duisburg in Sicherheit und guten Händen sind.“
Preis für Toleranz und Zivilcourage
Duisburger Preis für Toleranz und Zivilcourage. Foto: Petra Grünendahl.
Das Duisburger Bündnis für Toleranz und Zivilcourage verleiht seinen Preis an Menschen, die im alltäglichen Bereich das Zusammenleben, die Zusammenarbeit und die interkulturelle Nachbarschaft pflegen oder die durch Aktionen zur Aufklärung über Unrecht und Intoleranz ein besonderes Zeichen gesetzt haben. Dieses herausragende Engagement soll mit der Preisverleihung gewürdigt werden. Über die Verleihung des Preises aus den alljährlich eingereichten Vorschlägen entscheidet eine Jury aus Vertretern verschiedener Bereiche des öffentlichen Lebens in Duisburg. „Wir haben hier immer eine sehr große Auswahl an Menschen und Gruppen, die den Preis verdient hätten“, erzählte Angelika Wagner vom Duisburger Bündnis. Gastgeber der Preisverleihung ist traditionell die Jüdische Gemeinde Duisburg Mülheim Oberhausen in ihrem Gemeindezentrum am Duisburger Innenhafen.
Die Gelsenkirchener Swingfoniker. Foto: Petra Grünnedahl.
Musikalisch begleitet haben die Veranstaltung die Gelsenkirchener Swingfoniker unter der Leitung von Lutz Peller: Auch das ist bereits seit vielen Jahren Tradition. Im Anschluss an die Preisverleihung gab es für die geladenen Gäste aus Politik, Verwaltung und Stadtgesellschaft noch Gelegenheit zu Gesprächen bei einem kleinen Imbiss.
Duisburger Bündnis für Toleranz und Zivilcourage
Duisburger Bündnis für Toleranz und Zivilcourage. Foto: Petra Grünendahl.
Das Bündnis für Toleranz & Zivilcourage ist ein Zusammenschluss zivilgesellschaftlicher Organisationen und Einrichtungen aus Duisburg. Es setzt sich ein für eine lebendige Kultur der Erinnerung und engagiert sich für ein gutes, von Toleranz und Respekt geprägtes Zusammenleben in unserer multikulturellen und multireligiösen Stadtgesellschaft.
Das Bündnis wurde im Jahr 2000 nach dem Anschlag auf die Düsseldorfer Synagoge gegründet. Getragen von dem Gefühl „Wir müssen etwas tun“, rief man damals für den 27. Januar* — dem Auschwitz-Gedenktag — zu einer Menschenkette rund um die Duisburger Synagoge auf, an der sich spontan viele Duisburger Bürger beteiligten. Mit diesem symbolischen „menschlichen Schutzwall“ wurde ein eindrucksvolles Zeichen dafür gesetzt, dass in Duisburg für Antisemitismus kein Platz ist.
Seither verleiht das Bündnis jährlich zum Holocaust-Gedenktag (am Tag davor, wenn der 27. Januar auf den Schabbat fällt, der mit Sonnenuntergang am Freitag beginnt) seinen „Preis für Toleranz und Zivilcourage“ an Duisburger Gruppen und Einzelpersonen für deren engagiertes Eintreten gegen Hass, Fremdenfeindlichkeit und religiösen Fanatismus. Außerdem hat sich das Bündnis auch immer wieder an Aktionen gegen rechte Kräfte beteiligt, die in unserer Stadt Fuß fassen wollen. www.toleranz-zivilcourage-duisburg.de
*) Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau (im heutigen Polen) durch die Rote Armee am 27. Januar 1945
Schwarz-Weiß ist Farbe genug: Ikonische Fotografien aus fünf Jahrzehnten Von Petra Grünendahl
Stellten die Ausstellung vor (v. l.): Christine Vogt, Barbara Klemm und Apostolos Tsalastras. Foto: Petra Grünendahl.
„Manchmal hat es Stunden gedauert, bis ich auf einer Veranstaltung das richtige Bild machen konnte“, erzählte Barbara Klemm. Erst wenn ein Foto genau ihren Vorstellungen entsprach, war es für sie gut genug, um es in der Redaktion für einen Artikel einzureichen. „Die FAZ hat immer hohe Ansprüche an ihre Fotografen gestellt“, erzählte sie. Barbara Klemms ikonischen Fotografien zeigen die große Geschichte, aber auch viele kleine Geschichten: Im Mittelpunkt ihrer Bilder stehen die Menschen. Der legendäre sozialistische Bruderkuss beim Treffen von Leonid Breschnew und Erich Honecker in Ost-Berlin 1979, das Treffen von Breschnew und Brandt 1973 oder auch das Foto des prominent im Vordergrund sitzenden Heinrich Böll, flankiert von Petra Kelly und Oskar Lafontaine, die 1983 in Mutlangen anlässlich der Stationierung von Mittelstreckenraketen demonstrieren. Mit den Studentenrevolten in den späten 1960er Jahren begann Klemms journalistische Karriere. Sie hielt das Leben in der DDR, die politische Annäherung zwischen Ost und West, den Mauerfall und die Wiedervereinigung in eindringlichen Bildern fest. Ihre Fotografien sind bis heute im kollektiven Gedächtnis verankert.
Stellten die Ausstellung vor (v. l.): Apostolos Tsalastras, Barbara Klemm und Christine Vogt. Foto: Petra Grünendahl.
Mit der neuen Ausstellung „BARBARA KLEMM – Schwarz-Weiß ist Farbe genug. Fotografien 1967 bis 2019“ eröffnet die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen ihr Jubiläumsjahr zum 25-Jährigen. Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt stellte die Sonderschau zusammen mit der Fotografin Barbara Klemm und dem Kulturdezernenten der Stadt Oberhausen, Apostolos Tsalastras, im Pressegespräch vor. Jahrzehntelang bereiste Barbara Klemm von 1970 bis 2005 als Redaktionsfotografin für die FAZ Deutschland und die Welt: Sie fing mit ihrer Kamera die Größen der Welt und historische Momente ein. Und das aus einer Nähe, die faszinierende Einblicke erlaubt und heute wohl so nicht mehr möglich wäre. Barbara Klemm lichtete aber auch mit großer Empathie den Alltag unbekannter „kleiner Leute“ ab und ihre Porträtfotografien von Künstlern, Musikern und Autoren bieten weit mehr als nur Momentaufnahmen. Mit einem Gespür für die jeweilige Situation verraten die Fotografien eine eigene „Handschrift“. Die Ausstellung wird gefördert vom Freundeskreis der Ludwiggalerie ist ab Sonntag, 22. Januar 2023, für das Publikum geöffnet.
Die Fotografin Barbara Klemm
Barbara Klemm mit ihren Fotos vom Mauerfall. Foto: Petra Grünendahl.
Barbara Klemm wurde 1939 in Münster geboren, ist in Karlsruhe aufgewachsen und früh nach Frankfurt gezogen. Ihre Ausbildung hat sie in einem fotografischen Portraitstudio in Karlsruhe gemacht, bevor sie als Klischografin im Fotolabor bei der FAZ begann. Schnell übernahm sie kleine Reportageaufträge, verkaufte bei freien Berichterstattungen auch an den Spiegel und an Die Zeit. Den Verantwortlichen bei der FAZ fiel ihre eigene Bildsprache auf: Man stellt sie als Redaktionsfotografin fest ein, wo sie schwerpunktmäßig für die Ressorts Politik und Feuilleton fotografierte. Ihren Arbeiten merkt man das Heranwachsen in einem Künstlerhaushalt an: Ihr Vater war der Maler Fritz Klemm. Der Blick für Komposition und Struktur, für Details und Eigenheiten macht das Besondere ihrer Fotografien aus. Eine gute Kenntnis der Kunstgeschichte wird bei vielen Aufnahmen erkennbar. Vielleicht kommt durch diese frühe Prägung auch ihr intensives Interesse an Porträts von künstlerisch und kreativ arbeitenden Menschen. In ihren zahlreichen Bildnissen, so eines Andy Warhol vor Tischbeins Gemälde „Goethe in der römischen Campagna“ im Frankfurter Städel, arbeitet sie stets eine typische Facette heraus. Ihre Fotografien waren bereits in zahlreichen Museumsausstellungen zu sehen, wurden in etlichen Bildbänden veröffentlicht – und mit wichtigen Preisen gewürdigt.
Heinrich Böll: Barbara Klemm erklärt die Entstehung des Fotos. Foto: Petra Grünendahl.
Ihre Fotos sind – der Titel der Ausstellung deutet es an – ausschließlich Schwarz-Weiß. Mit Farbe könne sie nichts anfangen, sagte Klemm. Die Schwarz-Weiß-Fotografie ermöglichte ihr ausdrucksstarke Bilder, die ihre persönliche Bildsprache zur Geltung bringt: „Ich hatte immer eine Vorstellung von der Komposition des Bildes, das ich machen wollte. Das kostete häufig viel Zeit.“ Eine Zeit, die die FAZ ihr immer gegeben hatte, weil man dort Wert auf sehr gute Fotos legte. Ein Blitzlicht habe sie nie benutzt, erzählte sie. Nur manchmal habe man in der Dunkelkammer die Tonwerte ein wenig korrigieren müssen, damit ein Foto den perfekten Eindruck machte, verriet sie. Die „Dunkelkammer“ verrät: Barbara Klemm fotografiert analog: „Bis zu meinem Ruhestand 2005 kommte ich bei der FAZ analog fotografieren.“ Das tut sie auch heute noch mit Begeisterung – und immer noch in Schwarz-Weiß. Die knapp 150 ausgestellten Arbeiten geben einen Überblick über ihr Schaffen und die beeindruckende Ausdrucksstärke von Fotografien aus über fünf Jahrzehnten. Zur Ausstellung erscheint ein Booklet (16 Seiten) mit einem Text von Christine Vogt, das für 5 Euro erhältlich ist (ISBN 978-3-932236-48-8).
Impressionen aus der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl
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Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen
Andy Warhol in einem Barbara Klemm: Ihre Fotos in Bildbänden. Foto: Petra Grünendahl.
Die Sonderausstellung im Großen Schloss läuft bis zum 7. Mai. Das Museum ist geöffnet von Dienstag bis Sonntag zwischen 11 und 18 Uhr. Montags ist Ruhetag, feiertags sowie Oster- und Pfingstmontag ist jedoch geöffnet. Geschlossen ist am 24., 25. und 31. Dezember sowie 1. Januar. Der Eintritt kostet 8,00 Euro (ermäßigt 4,00 Euro, Familien mit zwei Erwachsenen plus Kindern 12,00 Euro). Außerdem gibt es ein Kombiticket mit dem Gasometer Oberhausen für 15,00 Euro.
Öffentliche Führungen finden im Großen Schloss sonn- und feiertags um 11.30 Uhr statt. Zudem gibt es zur Ausstellung Kuratorinnenführungen (mit Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt) am:
Sonntag, 5. Februar 2023, 15 Uhr,
Sonntag, 26. Februar 2023, 14 Uhr,
Sonntag, 16. April 2023, 15 Uhr, und
Sonntag, 7. Mai 2023, 15 Uhr.
Alle Führungen sind im Museumseintritt inklusive. Details zum Rahmenprogramm zu den Ausstellungen sowie zum museumspädagogischen Angebot gibt es hier. Tagesaktuelle Informationen zu den Corona-Regeln auf gibt es auf der Website.
Vom 5. Februar bis zum 11. Juni ist im Kleinen Schloss der Ludwiggalerie die Ausstellung „AUSGEZEICHNET!“ zu sehen mit den deutschsprachigen „Max und Moritz“-Preisträgern 2022.
Mit viel Swing und stehenden Ovationen Von Petra Grünendahl
Hermann Kewitz, Vorsitzender von proDuisburg. Foto: Petra Grünendahl.
„Dank des Engagements der knapp 70 Ehrenamtlichen erleben mehr als 30.000 Menschen an 60 bis 70 Abenden pro Jahr im Steinhof ein kulturelles Feuerwerk“, hob Hermann Kewitz den Stellenwert des neuen Preisträgers hervor. „Duisburg braucht bürgerschaftliches Engagement. Unsere Stadt braucht Menschen, die anpacken“, so der proDuisburg-Vorsitzende weiter. Kewitz verwies auch auf das vielfältige soziale Engagement:
proDuisburg verleiht den Kaisermünzenpreis 2022 (v. l.): Frank Albrecht (Co-Vorsitzender proDuisburg), Arno Eich, Hermann Kewitz (Vorsitzender proDuisburg) und Oberbürgermeister Sören Link. Foto: Petra Grünendahl.
Beispielhaft stünden dafür Benefizkonzerte im Steinhof für die Geflüchteten aus der Ukraine und aus Syrien sowie für die von der Pandemie „brotlos“ gemachten Künstler. Duisburgs „erster Fanclub“, so Hermann Kewitz, habe den Steinhof eigentlich schon früher ehren wollen, aber: „nicht mit Corona-Maske.“ Nun sei dies wieder in gewohntem Rahmen möglich. „Wir stehen Pate für alle, die sich ehrenamtlich engagieren“, sagte Arno Eich, der Vorsitzende des Steinhof-Trägervereins, in seiner Dankesrede. Diese Ehrung gehe an das gesamte Team, vom dem Eich sowohl den Vorstand als auch die Geschäftsführerin der Steinhof Event Location, Stefanie Link, mit auf die „Bühne“ gebracht hatte. Auch unter den 140 geladenen Gästen waren viele Ehrenamtliche des Steinhofs. „Ehrenamt“, sagte Schriftführerin Dagmar Kessel, „ ist keine Arbeit, die nicht bezahlt wird, sondern die unbezahlbar ist!“
Oberbürgermeister Sören Link. Foto: Petra Grünendahl.
Im Rahmen eines Festakts im Ratssaal des Duisburger Rathauses verlieh die bürgerschaftliche Vereinigung proDuisburg e. V. den Duisburger Kaisermünzenpreis 2022 an den Steinhof in Huckingen. Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link nannte in seinem Grußwort das Kultur- und Bürgerzentrum unverzichtbar für den Stadtteil und die Stadt.
The Voice: „Frank Sinatra“ Tom Russell Fox. Foto: Petra Grünendahl.
Sören Link dankte proDuisburg dafür, dass der Verein „Duisburgs Beste“ mit seiner Preisverleihung die notwendige Wertschätzung erweise. Musikalisch überzeugte eine Frank-Sinatra-Tribute-Band mit den Musikern Sebastian Raether (Bass), Michael Schüren (Piano), Kenny Stewart (Schlagzeug) und Tom Russell Fox (Gesang), die der Veranstaltung eine ungewohnt beschwingte Note gab. Das begeisterte Publikum wollte die Combo nicht ohne Zugabe und – verdiente! – stehende Ovationen ziehen lassen.
Kultur- und Bürgerzentrum Steinhof
proDuisburg verleiht den Kaisermünzenpreis 2022 (v. l.): Arno Eich mit den beiden Vorsitzenden von proDuisburg, Hermann Kewitz und Frank Albrecht. Foto: Petra Grünendahl.
Der Steinhof mit seinem Steinturm ist das älteste erhaltene Bauwerk Duisburgs und befindet sich im Stadtteil Huckingen. Der mittelalterliche Hof, ursprünglich ein freies Rittergut, wurde urkundlich erstmals im Jahr 1454 erwähnt. Der untere Teil des markanten nahezu quadratischen Wohnturms stammt aus dem späten 12. Jahrhundert.
proDuisburg verleiht den Kaisermünzenpreis 2022 an den Steinhof (v. l.): Andreas Koose (2. Vorsitzender), Kassiererin Alexandra Jockel, Schriftführerin Dagmar Kessel, Stefanie Link (Geschäftsführerin der der Steinhof Event Location) und Arno Eich (1. Vorsitzender). Foto: Petra Grünendahl.
Nach Aufgabe des landwirtschaftlichen Betriebes 1971 sollte der Hof abgerissen werden, was Huckinger Bürger seinerzeit verhindern konnten. Ein erster Trägerverein begann 2001 mit dem Umbau des Hofs. Der heutige Trägerverein Kultur- und Bürgerzentrum Duisburg Süd Steinhof Huckingen e. V. wurde 2006 gegründet und betreibt das Kultur- und Bürgerzentrum Steinhof seitdem als Pächter. Seit seiner Eröffnung 2007 hat sich der Steinhof über Duisburg hinaus einen Namen für Veranstaltungen unterschiedlichster Art gemacht: Neben kulturellen Veranstaltungen wie Konzerten oder Kabarett bietet der Steinhof auch Räumlichkeiten für Sitzungen, Hochzeiten oder Firmenevents. Der Trägerverein kann auf rund 70 ehrenamtliche Helfer zurückgreifen, die Veranstaltungen am Laufen halten. Dem Trägerverein gehören unter anderem die örtlichen Vereine an, die im Steinhof auch ihre Veranstaltungen durchführen. https://steinhof-duisburg.de/
Über den Duisburger Kaisermünzenpreis
proDuisburg verleiht den Kaisermünzenpreis 2022. Foto: Petra Grünendahl.
proDuisburg ehrt mit dieser bürgerschaftlichen Auszeichnung seit 1981 Menschen, Unternehmen oder Institutionen, die sich in besonderer Weise Verdienste um die Stadt Duisburg erworben haben. Preisträger in den vergangenen Jahren waren unter anderem das Unternehmen Krankikom, die Krohne Messtechnik GmbH, das filmforum Duisburg und die Universität Duisburg-Essen. Zuletzt erhielt Dr. Doris König diese Ehrung im Januar 2020.
Der Name der Auszeichnung erinnert an das Münzrecht, das die Stadt Duisburg im Mittelalter hatte. Der Preis selbst zeigt drei in Silber geschlagene Faksimiles dieser Denare-Münzen. Er wird – nach Vorgaben des Duisburger Goldschmieds Claus Pohl – im Auftrag von proDuisburg eigens gefertigt.
Über proDuisburg e. V.
proDuisburg verleiht den Kaisermünzenpreis 2022 (v. l.): Alexandra Jockel, Stefanie Link, Andreas Koose, Arno Eich, Hermann Kewitz, Dagmar Kessel und Frank Albrecht. Foto: Petra Grünendahl.
proDuisburg e. V. wurde 1910 als Verkehrsverein für die Stadt Duisburg von Oberbürgermeister Karl Lehr zusammen mit Duisburger Unternehmern gegründet. Die bürgerschaftliche Vereinigung hat derzeit mehr als 360 Mitglieder, darunter große Unternehmen wie die König-Brauerei, als einem der Gründungsmitglieder, die Sparkasse, die Volksbank oder Haniel sowie Einzelpersonen, die mit ihrem Engagement die Stadt unterstützen. proDuisburg e. V. gibt unter anderem in Zusammenarbeit mit dem DuisburgKontor den Kalender „Duisburg 2023“ heraus. produisburg.de
Hoffnung bewahren: In unsicheren Zeiten mit Zuversicht ins neue Jahr Von Petra Grünendahl
Werner Schaurte-Kpppers beim IHK-Neujahrsempfang. Foto: Petra Grünendahl.
„Keiner kann sagen, wie es weitergeht, aber wir sollten mutig Veränderungen ins Auge sehen”, erklärte Werner Schaurte-Küppers bei seinem ersten Neujahrsempfang an der Spitze der Niederrheinischen IHK. Als geschäftsführender Gesellschafter der Hülskens Holding mit rund 1.000 Mitarbeitern in Duisburg und Wesel weiß er, was die Wirtschaft am Niederrhein ausmacht und was sie braucht. Die Folgen des Ukraine-Krieges mit gestiegenen Energie- und Rohstoffpreisen belasteten auch die Unternehmen der Region, aber: „Wir müssen standhaft bleiben und den Ukrainern helfen: Sie kämpfen auch für unsere Werte!“ Gegen die schleichende Deindustrialisierung in Deutschland und am Niederrhein müsse man gegensteuern: „An der Wirtschaft hängen unsere Zukunft und unser Wohlstand.“ Die hohen Energiekosten böten Antrieb und Chance, die Energiewende umzusetzen. Neben der Transformation nannte er Investitionen in Infrastruktur, Fachkräfte und Bildung, die Förderung von Frauenerwerbstätigkeit und Zuwanderung als wichtige Faktoren für die wirtschaftliche Entwicklung. Mit der Niederrheinsichen IHK wolle er als Motor der Wirtschaft beim Wettbewerb der Regionen vorne mit dabei sein.
IHK-Neujahrsempfang in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.
Zum traditionellen Neujahrsempfang der Niederrheinschen IHK begrüßte erstmals Werner Schaurte-Küppers als neuer IHK-Präsident in Duisburgs guter Stube über 750 geladene Gäste aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und von geseschaftlichen Organisationen. Als Festredner hatte die IHK Hendrik Wüst gewinnen können, der seit Oktober 2021 Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen ist. Zuvor hatte Wüst als NRW-Verkehrsminister seit 2017 die Sanierung der Infrastruktur voran gebracht: Auch in regelmäßigen Gesprächen mit der hiesigen IHK.
NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst beim IHK-Neujahrsempfang. Foto: Petra Grünendahl.
„Wir sind immer noch eine der stärksten Industrieregionen der Welt – und nur mit einer starken Industrie haben wir eine Zukunft“, sagte Wüst. Die Entlastungen bei den massiv gestiegenen Energiepreisen, von denen auch das Land NRW einen großen finanziellen Anteil trage, gebe Unternehmen wie Haushalten Planungssicherheit, so der Ministerpräsident. Die staatliche Förderung von erneuerbaren Energien in der Industrieproduktion (z. B. Wasserstoff in der Stahlherstellung) nannte er eine „Investition der Gesellschaft in den Wandel“. Diese sei nötig, um Industrie nachhaltig und zukunftsfest zu machen: „Klimaschutz ist wichtig, damit wir Industrieland bleiben.“ Darüber hinaus kündigte er weitere Investitionen in die Infrastruktur und die Bildung sowie Maßnahmen zur Fachkräftesicherung: „Für Innovationen brauchen wir gut ausgebildete Fachkräfte, die wir über betriebliche Ausbildung, aber auch gezielte Zuwanderung gewinnen“, so Wüst, und: „Auch der Fachkräftemangel ist ein Risiko für unsere wirtschaftliche Entwicklung.“
Verabschiedung von Burhkard Landers:
Dank an den scheidenden IHK-Präsidenten
Werner Schaurte-Küppers (l.) mit Burkhard Landers und dessen Ehefrau Elke beim IHK-Neujahrsempfang. Foto: Petra Grünendahl.
Im vergangenen Dezember hatte Werner Schaurte-Küppers das Zepter von Burkhard Landers übernommen. Im Rahmen des Neujahrsempfangs würdigte er den neuen Ehrenpräsidenten, der seit 2009 als Präsident die Niederrheinische IHK erfolgreich durch schwierige Zeiten gesteuert habe: „Damals hatten wir die Finanz- und Eurokrise noch in den Knochen. 2011 folgten Fukushima und der deutsche Ausstieg aus der Kernkraft. 2015 hatten wir die Aufgabe vor der Brust, die vielen Flüchtlinge zu integrieren. Dann kam Corona, und nun erleben wir seit Februar den russischen Angriffskrieg mit den Folgen auch für uns hier.“ Er lobte ihn als Stimme der Wirtschaft gegenüber Politik und Verwaltung, die Betrieben geholfen habe, über die Runden zu kommen und wettbewerbsfähig zu bleiben: „Lieber Burkhard, herzlichen Dank für 13 Jahre Einsatz für Duisburg und den Niederrhein!“
Burkhard Landers beim IHK-Neujahrsempfang. Foto: Petra Grünendahl.
Zu Landers Verabschiedung sprachen auch Oberbürgermeister Sören Link als Vertreter der größten Kommune des Kammerbezirks, der neben Duisburg die Kreise Wesel und Kleve umfasst, sowie IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Stefan Dietzfelbinger für die hauptamtlichen Mitarbeiter der IHK Burkhard Landers ihren Dank für sein langjähriges Engagement für die Wirtschaft am Niederrhein aus. Insbesondere hoben sie sein Engagement für den Masterplan Wirtschaft (in Duisburg und in Moers) sowie für die Berufsausbildung junger Menschen und das Duisburger Schulmodell hervor. Die Industrie- und Handelskammern, so Dietzfelbinger, könnten ihre Arbeit und ihre Funktion als Berater nur mit Hilfe des ehrenamtlichen Engagements von Unternehmern wie Burkhard Landers leisten, die aus ihrer unternehmerischen Erfahrung Stellung beziehen, was die Wirtschaft braucht. „Ich konnte mich immer verlassen auf meine Unternehmer und auf die hauptamtlichen Mitarbeiter der IHK“, erklärte Landers sichtlich gerührt zu seiner Verabschiedung. Nach dem offiziellen Teil hatten die Gäste bei einem Imbiss reichlich Gelegenheit zum netzwerken.
Niederrheinische IHK
Die Niederrheinische Industrie- und Handelskammer Duisburg – Wesel – Kleve zu Duisburg vertritt das Gesamtinteresse von rund 70.000 Mitgliedsunternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen in Duisburg und den Kreisen Wesel und Kleve. Sie versteht sich als zukunftsorientierter Dienstleister und engagiert sich als Wirtschaftsförderer und Motor im Strukturwandel. www.niederrheinische-ihk.de
Wennze sprichs weiß jedda von woße wechkomms Von Petra Grünendahl
Blick ins Buch: Hömma! Die Sprache des Ruhrgebiets. Foto: Petra Grünendahl.
„Komma“ ist woanders ein Satzzeichen, bei uns ist das ein ganzer Satz. Anne Bude oder vonne Ruhr zeigt in aller Kürze, was Sache ist. Kurz und knapp, aber immer direkt ist die Sprache des Ruhrgebiets: Zwischen Ruhr und Lippe sagt man, was Sache ist! Mal knallhart, mal liebenswert: Mitten „ausm Lehm“ halt. Die Sprache des Ruhrgebiets ist Umgangssprache und Dialekt zugleich. Wobei sich manche Begriffe mittlerweile auch über die Region hinaus in der Umgangssprache etabliert haben. Entgegen dem, was mancher erwartet, haben wenige Begriffe aus dem Polnischen ihren Niederschlag in der Sprache des Ruhrgebiets gefunden (vier Begriffe, darunter natürlich der „Mottek“), dazu kommen zwei aus dem Russischen und sieben aus dem Jiddischen. Eine eigene Grammatik zeigt, dass die Sprache des „Ruhrpott“ weder ein „verkommenes“ Deutsch ist noch eine Sprache der Ungebildeten. Die Sprache des Ruhrgebiets ist „bequem“, wie es sich für eine Umgangssprache gehört. Dass sie sich beschreiben lässt, macht sie zum Dialekt. Die Einsparung von unbetonten oder kaum betonten Silben oder gar Wörtern, die im ganzen deutschen Sprachraum zu beobachten ist, sei im Ruhrgebiet, so der Autor, längst zur Vollendung entwickelt: Wieso dattän? Hömma isso!
Blick ins Buch: Hömma! Die Sprache des Ruhrgebiets. Foto: Petra Grünendahl.
Gerade in seiner 19. Auflage erschienen ist „Hömma!“, das Buch zur Sprache im Ruhrgebiet von Claus Sprick, das seitdem viele Nachahmer bekommen hat, die aber alle an die Gründlichkeit des Originals nicht herankommen. Seit der ersten Auflage 1984 hat sich das Werk weiter entwickelt wie die Sprache, die das Buch beschreibt. Die Sprache des Ruhrgebiets gilt als Deutschlands jüngster und lebendigster Dialekt, der nie „rein“ erhalten oder „gepflegt“ wurde. Schließlich entwickelt er sich auch heute noch unter neuen Einflüssen kontinuierlich weiter. Mit rund 1600 Stichworten enthält das Buch einen lexikalischen Teil, der jene Begriffe erklärt, die Menschen außerhalb des Ruhrgebiets kaum oder ganz anders verstehen. Im Vorwort (zur ersten Ausgabe) erklären die Autoren Claus Sprick und Klaus Birkenhauer (1934-2001), die sich hier als Übersetzer der Ruhrgebietssprache sehen, auch die Verwendung der „Begrifflichen Wörterliste“, die weitere sinnverwandte Wörter ergänzt. Ein grammatischer Anhang – Ruhrgebietsdeutsch in 30 Regeln – stammt von Klaus Birkenhauer. Gerne verweisen die Autoren auf den Beitrag des Bergbaus zum Deutsch unserer Region, der trotz „Schicht im Schacht“ (noch) nicht in Vergessenheit gerät. Und dafür, dass dies so bleibt, sorgen Bücher wie „Hömma!“. Der erste Streich aus Max und Moritz, wie ihn Wilhelm Busch im Ruhrgebiet gedichtet hätte, rundet ein lesenswertes Buch ab, das man immer mal wieder zum Stöbern gerne in die Hand nimmt.
Der Autor und das Buch
Blick ins Buch: Hömma! Die Sprache des Ruhrgebiets. Foto: Petra Grünendahl.
Claus Sprick (Jahrgang 1946) stammt aus Essen und schaut gern über den Brillenrand und anderen aufs Maul. In einem früheren Leben war er Jurist und schließlich Richter am Bundesgerichtshof (1994 bis 2009) und hat zusammen mit Reinhard Stratenwerth zwei Asterix-Bände ins Ruhrdeutsche übersetzt (1999). Er ist Mitbegründer des Europäischen Übersetzerkollegiums in Straelen, dessen Präsident er von 1990 bis 2021 war. Jetzt lebt er in Bochum und übersetzt alles Mögliche und Unmögliche aus dem Englischen und Französischen, wenn nicht gerade der VfL spielt.
Claus Spricks Buch „Hömma! Sprache im Ruhrgebiet“ ist im Essener Klartext Verlag erschienen. Das 204-seitige Taschenbuch ist für 14,95 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-8375-2557-1).
Der Verlag
Der Klartext Verlag wurde 1983 gegründet, seit 2007 ist er Teil der Funke Mediengruppe. Seine Heimat liegt im Ruhrgebiet, wo auch der überwiegende Teil seiner Publikationen angesiedelt ist: Freizeitführer, Sachbücher, Kalender und Bildbände. Mit der „Von oben“-Reihe kann man Städte nicht nur im Ruhrgebiet, sondern in ganz Deutschland aus der Vogelperspektive bewundern. Und mit der Reihe „Irrtümer und Wahrheiten“ (bei ihrem Start im Verlagsprogramm hieß die Serie noch „Klugscheißer“) lernt der Leser Neues zu verschiedenen Orten, Themen und Fußballvereinen – unterhaltsam, fundiert und auch mit dem einem oder anderen Augenzwinkern. www.klartext-verlag.de
Neben Freitagsführungen sind auch private Sonderführungen für Gruppen möglich Von Petra Grünendahl
Norbert Kricke im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.
Mit einer Freitagsführung durch die aktuelle Sammlungspräsentationen startet das Museum DKM im Dellviertel am 6. Januar um 15 Uhr ins neue Jahr (geöffnet ist von 12 bis 16 Uhr). Im Fokus der Führung steht die aktuelle Sammlungspräsentation (Norbert Kricke, Blinky Palermo, Ernst Hermanns und Klaus Kinold). Vorgestellt werden zudem die Besonderheiten der Sammlung DKM anhand raumgreifender Installationen im In- und Außenraum. Letztmalig kostet die Freitagsführung (jeden ersten Freitag im Monat) im Januar noch 6 Euro extra, ab Februar ist sie im Museumseintritt (12 Euro bzw. ermäßigt 6 Euro) enthalten. Eine Anmeldung – per e-Mail an mail@museum-dkm.de oder telefonisch unter 0203 / 93555470 – ist für die Teilnahme an der Führung erforderlich.
Impressionen aus der Ausstellung „Eros in Erwartung der Ewigkeit“ im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.
Aktuell zeigt das Museum DKM neben der Sammlung der Museumsstifter Dirk Krämer und Klaus Maas mehrere Sonderausstellungen: Verlängert bis zum 18. Januar wurden „Schönheit und Urkräfte der Natur. Claudia Terstappen“ sowie „EROS in Erwartung der Ewigkeit“. Außerdem ist Norbert Kricke anlässlich seines 100.Geburtstages am 30. November 2022 hier bis zum 7. Mai zu sehen (ebenso wie im Lehmbruck Museum und bis zum 31. März im MKM Museum Küppermühle). Auf Neuerungen können sich Besucher ab Februar freuen: Grundsätzlich ändern sich die Öffnungszeiten. Außerdem wollen die Museumssstifter Besuchern in kleinen, exklusiv geführten Gruppen die Sammlung unter dem Motto „Linien stiller Schönheit“ mit Kunst und Kultur aus 5.000 Jahren nahebringen. Kunsthistorisch ausgebildeten Mitarbeiter bzw. die Stifter selber werden in etwa 1,5-stündigen geführten Rundgängen Inhalte zu den in 51 Räumen ausgestellten Arbeiten, der Geschichte der Sammlung und der Ausstellungsarchitektur persönlich vermitteln. Alternativ können Interessierte weiterhin private Sonderführungen für Gruppen buchen, die auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten angeboten werden. Über den monatlichen Newsletter (Anmeldung für den Newsletter per eMail an mail@museum-dkm.de) erfahren Interessierte regelmäßig von den aktuellen Wechselausstellungen und neu gestalteten Ausstellungsräumen.
Museum DKM
Das Museum DKM in der Nähe des Hauptbahnhofs. Foto: Petra Grünendahl.
Das private Museum DKM hat 1999 etwas kleiner als Galerie im Duisburger Innenhafen begonnen. Mit wachsender Sammlung zogen die Museumsstifter im Januar 2009 ins Zentrum der Innenstadt zwischen Kantpark mit dem Lehmbruck Museum und Hauptbahnhof. Die Architektur des Museums, eine umgebaute ehemalige Gewerbeimmobilie, dient in ihrer Zurückhaltung der Ausstellung der Kunst. Hier zeigen die Museumsstifter Klaus Maas und Dirk Krämer unter dem Motto „Linien stiller Schönheit“ ihre eigene Kunstsammlung sowie wechselnde Sonderausstellungen auch mit Leihgaben. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf zeitgenössischer Kunst, Kunst aus Südostasien, Alt-Ägypten und zeitgenössischer Fotografie. Die drei Baukörper des Museums erstrecken sich über fünf Ebenen und umfassen 2.700 Quadratmeter oder 51 Räume. Das Museum DKM gehört zu den 21 RuhrKunstMuseen.
Linien stiller Schönheit: Sammlungskatalog des Museums der Stiftung DKM.
Regulär geöffnet hat das private Museum DKM der Stifter Klaus Maas und Dirk Krämer an der Güntherstraße 13-15 im Dellviertel samstags, sonntags und an Feiertagen zwischen 12 und 16 Uhr sowie jeden ersten Freitag im Monat ebenfalls zwischen 12 und 16 Uhr. Montags bis freitags wird ansonsten nur nach Vereinbarung für Gruppen geöffnet. Der Eintritt kostet 12 Euro (ermäßigt 6 Euro, für Schüler und Studenten bis 28 Jahre), Kinder bis 7 Jahre haben freien Eintritt. Für Gruppen (zw. 10 und 15 Personen) gibt es einen Gruppentarif (10 Euro pro Person) zzgl. einer (kostenpflichtigen) Führung. Eine Jahreskarte kostet 100 Euro. Die RuhrKultur.Card ermöglicht einen einmalig freien Eintritt. Die Teilnahme an der Freitagsführung kostet 6 Euro zusätzlich zum Eintritt. Weitere Infos gibt es hier.
Von Bausünden, eigenwilliger Gestaltung und dem Geschmack des Betrachters Von Petra Grünendahl
Bausünden 2023: der Abrisskalender. Foto: Petra Grünendahl.
Stilistischer Misch-Masch in der Architektur gefällt Turit Fröbe ebenso wenig wie in der Gestaltung der angrenzenden Grün- oder Gartenflächen mit ihrer Einzäunung. Gefressen hat sie ganz offentlich auch die ungeheure Vielfalt an scheußlichen Steingärten, deren Gestaltung nur selten Platz gelassen hat für Pflanzen. Wenig Begeisterung bringt sie allzu eingewilligen Individualisierungen in Einfamilienhaus-Siedlungen, „falschen“ Einfriedungen und Zäunen, Gartenzwergen, übertrieben Kitschigem oder Fassadenmalereien entgegen. Auch wenn die Architektur fremde Einflüsse aufweist, die nicht so recht in eine deutsche Stadt passen wollen, empfindet sie es als Bausünde. Auch Brüche in der Gestaltung durch unterschiedliche Stilelemente, An- und Umbauten, hat sie hier eingebracht.
Bausünden 2023: der Abrisskalender. Foto: Petra Grünendahl.
In ihrem „Abrisskalender 2023“ zeigt „Autorin“ Turit Fröbe 365 Bausünden zum Abreisen, so der Untertitel. Mit elf Bildern hat es auch Duisburg in die Auswahl der Autorin geschafft, überwiegend allerdings mit Steingärten vor schmucken Einfamilienhäusern. Ob es sich bei den 365 gezeigten Motiven wirklich um „Bausünden“ bzw. unpassende Gestaltung handelt, muss jeder Betrachter für sich entscheiden, weist Fröbe doch ausdrücklich darauf hin, dass ihre Auswahl rein subjektiv ist. Und Meinungen und Geschmäcker sind ja bekanntlich sehr verschieden. Viele ihrer Ansichten sind auf jeden Fall einen zweiten Blick und ein Nachdenken wert. Spannend sind die vielen Kalenderblätter allemal. Und manches ist fast zu schade zum Abreißen!
Die „Autorin“ und ihre Bausünden
Architekturhistorikerin Dr. Turit Fröbe. Foto: Philip Birau.
Dr. Turit Fröbe ist Architekturhistorikerin und Urbanistin. Sie hat Kunstgeschichte und Klassische Archäologie an der Philipps-Universität Marburg studiert (1990/96), war Stipendiatin am Graduiertenkolleg des kunsthistorischen Seminars der Universität Hamburg „Politische Ikonographie – Stadt, Land, Raum“ (1997–2000), hat dann ein Masterstudium Europäische Urbanistik an der Bauhaus-Universität Weimar absolviert (2003–2006) und im November 2015 an der Universität Hamburg bei Wolfgang Kemp promoviert. Von Oktober 2005 bis September 2017 war sie an der Universität der Künste Berlin zunächst als Wissenschaftliche Mitarbeiterin für Architekturgeschichte und Architekturtheorie im Studiengang Architektur tätig und später als Gastprofessorin (Oktober 2015 bis März 2017), dann als Wissenschaftliche Mitarbeiterin (November 2018 bis September 2019) im Bereich Ästhetische Bildung an der Grundschule der Künste.
Bausünden 2023: der Abrisskalender. Foto: Petra Grünendahl.
2014 hat Fröbe das Büro „Die Stadtdenkerei“ gegründet, mit dem sie unkonventionelle Strategien zur Baukulturvermittlung anbietet und Forschungsprojekte durchführt [siehe Wikipedia]. Zuletzt erschien von Turit Fröbe bei DuMont „Eigenwillige Eigenheime. Die Bausünden der anderen“ (2021) und „Alles nur Fassade?“ (2020). Gesammelte Bausünden hat sie hier (und in diesem Jahr) nicht zum ersten Mal ineinem Kalender„zum Abriss“ freigegeben. www.dumont-buchverlag.de/autor/turit-froebe/
„Der Abrisskalender 2023“ mit 368 Seiten und 365 Farbfotografien (im Format 13 x 18,5 cm zum Aufstellen) ist im DuMont Buchverlag erschienen und zu haben für 18 Euro im lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-8321-6903-9).
Bausünden 2023: Impressionen. Fotos: Petra Grünendahl
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DuMont Buchverlag
Bausünden 2023: der Abrisskalender. Foto: Petra Grünendahl.
Der DuMont Buchverlag ist ein in Köln beheimateter deutscher Publikumsverlag und gehört zur Mediengruppe M. DuMont Schauberg. Der 1956 gegründete DuMont Buchverlag war in den Anfangsjahren ausschließlich Kunstbuchverlag und wegweisend mit wichtigen Standardwerken zur klassischen Moderne. In den 1970er Jahren entwickelte sich der Bereich Reiseführer zum wichtigsten Programmsegment. Seit 1998 werden auch literarische Titel verlegt. Im Jahr 2001 wurde der Verlag entsprechend seiner Programmsäulen in die Labels DuMont Literatur- und Kunstverlag, DuMont Reiseverlag und DuMont monte (Kalender) aufgeteilt. Ende 2004 übernahm der Mair Verlag den DuMont Reiseverlag, der fortan als MairDumont firmierte; DuMont monte wurde als eigenständiger Schwesterverlag unter dem Namen DuMont Kalenderverlag ausgegliedert. Die Firmierung des verbleibenden Publikumsverlags wurde Mitte 2008 wieder in DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG geändert.
Bausünden 2023: der Abrisskalender. Foto: Petra Grünendahl.
Heute verbindet der DuMont Buchverlag die Programmbereiche Literatur, Sachbuch und illustriertes Sachbuch. Das Literaturprogramm schließt deutschsprachige und internationale Gegenwartsliteratur sowie gehobene Spannungs- und Unterhaltungsliteratur ein. Im Sachbuch finden sich Biografien, Kulturgeschichte und Populärwissenschaftliches sowie zahlreiche Text- und Bildbände aus dem Bereich Kunst, Design und Lebensart. Seit 2010 gibt es ein eigenes DuMont Taschenbuchprogramm. Ein Großteil der Bücher erscheint parallel auch in digitaler Form. www.dumont-buchverlag.de
Sprache ist eine Brücke, die manchmal rutschig sein kann Von Petra Grünendahl
Das Haus am Ende der Sackgasse mit einem großen Garten, einem Luftschutzbunker und einem Urwald am Wall zum Bahndamm in Duisburg-Meiderich: Dort ist Iris aufgewachsen. Vordergründig drehen sich ihre Geschichten um das Heranwachsen und ihr Leben, aber es geht immer auch um Sprache. Ist es in ihrer Kindheit die deutsche Sprache, deren Tücken für Verständnis und Missverständnis sorgen, kommt später mit ihrem Auszug in die Welt auch die englische Sprache hinzu, ist sie doch mit einem Waliser verheiratet. Witzig und gut lesbar aufbereitet ist das Ganze. Und immer wieder dort besonders spannend, wo sie viele kleine „Dönekes“ aus ihrer Jugend ins politische und gesellschaftliche Jetzt überträgt, um unter anderem Fake News und „Querdenker“ zu erklären, deren Wirklichkeit eine ganz andere ist. Vom Urwald vor ihrer Haustür über den Sprachwald ihres Lebens hin zum Wildwuchs von Sprache: Die Sprache als Brücke, die, wie die Autorin immer wieder aufzeigt, auch schon mal ganz schön rutschig sein kann. Verständnis und Missverständnis liegen da schon mal ganz nah beieinander.
Iris Tonks: Mein Sprach-Urwald -Out of Meiderich-. Foto: Petra Grünendahl.
Das Buch „Mein Sprach-Urwald“ von Iris Tonks trägt den Unterteil –Out of Meiderich–, wo die Autorin ihre Wurzeln hat, von denen sie ausgeht, raus geht – raus in die weite Welt. Biografisch ist denn auch die „Storyline“, die immer wieder ihre eigene Geschichte thematisiert. Darin eingewoben hat sie ihre Gedanken und Reflektionen, die ihre Vergangenheit aus ihrer heutigen Sicht einordnet. Ihre Schlussfolgerungen gehen weit über ihre Biographie hinaus in die Sprache und mitunter auch in die Gesellschaft. „Mein Sprach-Urwald“ ist eine kurzweilige Lektüre für Menschen, die „Sprache“ lieben. Allerdings sollte man vielleicht auch ein bisschen Englisch können, um jedes sprachliche Detail und auch die beabsichtigten phonetischen und andere sprachliche Missverständnisse (auf Deutsch wie auf Englisch) genießen zu können. Die Kenntnis manch deutscher Mundart ist im übrigen auch nicht verkehrt.
Eingeflochten in die Episoden aus ihrem Leben ist in 17 Exkursen die Geschichte des „rary“ auf Reisen in Wales, der Heimat ihres Mannes Robert, und von „Dorothy“, die eigentlich Dörte heißt und nach dem „rary“ sucht. Dank vieler gut lesbarer kurzer Kapitel kann man das Buch immer mal wieder in die Hand nehmen, um weiterzulesen. Aber um des „rary“ willen sollte man die Lektüre nicht über einen längeren Zeitraum unterbrechen, denn sonst verliert das „Tierchen“ den Faden.
Die Autorin und das Buch
Iris Tonks: Mein Sprach-Urwald -Out of Meiderich-. Foto: Petra Grünendahl.
Iris Tonks stammt aus Meiderich. Sie ist Sprachwissenschaftlerin und arbeitet für das Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS). Verheiratet ist sie mit dem britisch-deutschen Autor Robert Tonks, der bereits mehrere Bücher über das Thema „Denglish“ (z. B. „It Isn’t All English What Shines“) geschrieben hat. Zu seinem Buch „Brexitannia“, welches wir hier in Kürze vorstellen, gibt Iris Tonks zum Abschluss ihres Buches noch ein paar interessante Hintergründe preis.
Das Buch „Mein Sprach-Urwald“ ist erschienen im Verlag Ruhrgepixel Media. Der 84-seitige Band für für 9,80 Euro im lokalen Buchhandel zu haben (ISBN 978-3-00-072665-1).
Brexitannia: Neuer Band der Edition DISS über die Briten und den Brexit Von Petra Grünendahl
Dr. Margarete Jäger hat mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann Siegfried das DISS gebründet.
„Wir haben mit unserer Arbeit Impulse gesetzt zum Beispiel für die Rassismus-Forschung“, erklärte Dr. Margarete Jäger. „Bei unserer Gründung verbuchten die rechtsextreme Parteien erste Wahlerfolge, Rechte zogen dann in Parlamente ein. Nach der Wiedervereinigung brannten erste Asylbewerberheime, das Asylrecht wurde verschärft – und es wurde nötig, sich mit dem rechten Gedankengut kritisch auseinander zu setzen“, erklärte sie. Zusammen mit ihrem Mann Siegfried (1937-2020), der als ordentlicher Professor von 1972 bis 2002 an der Gerhard-Mercatur-Universität (davor Universität-Gesamthochschule Duisburg, seit 2003 Universität Duisburg-Essen) mit dem Schwerpunkt Sprachwissenschaft / Diskursanalyse lehrte, sowie weiteren Wissenschaftlern gründeten sie das Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung e. V. (DISS), dessen stellvertretende Vorsitzende sie damals wurde. Bis heute erforschen hier Wissenschaftler im internationalen Kontext gesellschaftliche Entwicklungen, die einer Grundhaltung zur freiheitlichen Demokratie zuwider laufen. Die Arbeitsschwerpunkte der aktuellen Forschung im In- und Ausland liegen unter anderem auf Rassismus und Migrationspolitik, Entwicklungen der Extremen Rechten, Antisemitismus, Antiziganismus und soziale Ausgrenzung. Die Erforschung von sozialen und kulturellen Ordnungen soll emanzipative Ansätze für eine demokratische Praxis in Politik, Pädagogik und Journalismus tragen.
Mitglieder des DISS-Vorstandes (v. l.): Iris Tonks, Dr. Jobst Paul und Dr. Margarete Jäger. Foto: Petra Grünendahl.
Das Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung e. V. (DISS) hatte anlässlich seines 35-jähriges Bestehen zum Pressegespräch geladen: Die Vereinsvorsitzende Dr. Margarete Jäger berichtete zusammen mit ihren Vorstandskollegen Iris Tonks und Dr. Jobst Paul über die Entstehung und Entwicklung des DISS zu seiner heutigen Bedeutung und gab einen Ausblick auf aktuelle Projekte. Bei seiner Gründung hatte das Institut seinen Sitz in einem Hinterhaus auf der Realschulstraße, seit 2000 befindet es sich afu der Siegstraße. Die finanzielle Basis für den Vereinssitz und die Arbeit kommt von einem Förderkreis. Darüber hinaus wirbt das Institut mit seinen Forschungsprojekten um Drittmittel: „Als freies Forschungsinstitut in Konkurenz mit Unversitäten wird dies mit deren Unterfinazierung immer schwieriger“, so Margarete Jäger. Kolloquien und Workshops, Vorträge und regelmäßige Publikationen sind weitere Quellen für die Finanzierung und tragen die wissenschaftliche Arbeit nach außen.
Mit der Kritischen Diskursanalyse hat sich das DISS überregional einen Namen gemacht. Foto: Petra Grünendahl.
Auch dank teilweise ehrenamtlich tätiger Mitarbeiter und Praktikanten, die sich nicht nur aus Deutschland bewerben, steht die Forschungsarbeit des DISS auf soliden Beinen und trifft im Netzwerk von Wissenschaft und Forschung auf große Anerkennung. „Wir müssen uns austauschen und verschiedene Perspektiven zulassen“, schilderte Jäger die wissenschaftliche Vernetzung auch im internationalen Kontext. Das DISS verfolgt zivilgesellschaftliche Entwicklungen mit Hilfe der von Siegfried Jäger entwickelten Kritischen Diskursanalyse (KDA), mit der sich die Duisburger Wissenschafter überregional einen Namen gemacht haben. „Wir sind dabei, diese Analyse-Verfahren zu erweitern, denn auch die Verbreitung von Botschaften über Video, Internet und soziale Medien spielt heute eine Rolle“, so Jäger. Zwar scheint der Antisemitismus aus der öffentlichen Diskussion verschwunden, aber latent empfänden Betroffene diesen immer noch in der Gesellschaft verankert: „Aktuell erforschen wir im Rahmen eines europäischen Verbundprojekts Auswirkungen des Antisemitismus auf jüdisches Leben und jüdische Identität“, erzählte Jobst Paul. Ergebnisse will das DISS im kommenden Frühjahr veröffentlichen.
Neue Edition DISS erschienen: „Brexitannia“
Dr. Margarete Jäger und Robert Tonks mit dem neuen Buch aus der Edition DISS: Brexitannia. Foto: Petra Grünendahl.
Neben dem DISS-Journal zählt die Edition DISS zu den namhaften regelmäßigen Publikationen des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung. Das DISS-Journal erscheint drei bis vier Mal jährlich im Selbstverlag mit Fokus auf einem Schwerpunktthema. Das Journal erscheint gedruckt, ist aber auch als pdf auf der Webseite des Instituts verfügbar. Die Edition DISS, die in den Anfangsjahren im Selbstverlag veröffentlicht wurde, publiziert seit 2003 der Unrast-Verlag aus Münster. Bislang sind 49 Bände im Unrast-Verlag erschienen, der 50. Band – (Post-)Pandemische Normalitäten – kommt im Januar 2023.
Der deutsch-britische ehemalige Europareferent der Stadt Duisburg, Robert Tonks, bekannt für Bücher wie „It Isn’t All English What Shines“, hat sich früh über den Brexit seine Gedanken gemacht. Der Waliser wollte verstehen, wie es zum EU-Austritt kommen konnte. Besonders die ehemaligen Bergarbeiter-Regionen – aus einer solchen stammt auch Tonks – waren Brexit-Hotspots. Tonks hatte sich dann 2020 mit seiner Frau Iris und dem DISS-Mitarbeiter Medien- und Filmproduzent Zakaria Rahmani, der die Kontakte zum WDR knüpfte, durch Großbritannien auf die Suche nach der Meinung der Briten über den Brexit gemacht. In vier Podcasts haben sie die Ergebnisse ihrer Reise in deutscher und englischer Sprache (letztere für die originalen Ton-Mitschnitte von der Insel) einem deutschen Publikum auf WDR5 nahe gebracht. Diesen Podcast aus vier gut halbstündigen Folgen haben Tonks und Rahmani in „Brexitannia – Großbritanniens Weg aus der EU“ nun als Band 49 der Edition DISS veröffentlicht. Dieses Buch ist gerade erschienen: Wir werden es in Kürze in einem eigenen Bericht vorstellen. www.robert-tonks.de
Das DISS wird 35 Jahre!
Der Sitz des DISS an der SIegstraße. Foto: Petra Grünendahl.
Das Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung feiert in diesem Jahr seinen 35. Geburtstag. Im Zentrum seiner Arbeit stehen und standen vor allem Studien zu Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemitismus und Antiziganismus. Aber auch Fragen um Krieg und Frieden finden Eingang in die Forschungen des DISS. Das DISS hat in den vergangenen 35 Jahren zahlreiche Forschungsprojekte durchgeführt und viele Bücher veröffentlicht. Es hat ein umfangreiches Archiv extrem-rechter Publikationen aufgebaut (das Zweitgrößte in Deutschland), das auch für externe Wissenschaftler und Forscher nach Terminvereinbarung zugänglich gemacht wird. Das DISS ist Mitglied im Wissenschaftsforum Ruhr.
Mit seinem Analyseansatz der Kritischen Diskursanalyse (KDA) hat sich das Institut über Duisburg hinaus einen Namen gemacht. Seine Ausarbeitungen zum völkischen Nationalismus bieten eine umfassende Grundlage für die Rechtsextremismus-Forschung. Auch in den nächsten Jahren werden die Arbeitsschwerpunkte des DISS in der Weiterentwicklung dieses methodischen und inhaltlichen Instrumentariums liegen, mit dem Ausgrenzungsdiskurse erfasst und kritisiert werden können. www.diss-duisburg.de/ und www.disskursiv.de