Lektüretipp: Wanderführer „Urbane Steige in Essen“ im Klartext Verlag

Nicht nur zum Wandern: Zwischen
Baldeneysee, Ruhr und Kettwiger Stausee

Von Petra Grünendahl

Zeche Carl Funke in Urbane Steige in Essen im Klartext Verlag. Foto: Petra Grünendahl.

Vor 50 Jahren endete der Steinkohlenabbau an Essens letzter Zeche: Carl Funke am Baldeneysee. Der Baldeneysee ist der größte Stausee an der Ruhr und diente nach seinem Bau 1931 bis 1933 der Trinkwasserversorgung im Ruhrgebiet. Längst haben sich Zechen und Industrie hier zurückgezogen: Der See, seine unmittelbare Umgebung und die ihn umgebenden Anhöhen dienen heute der Freizeitgestaltung. Im Jahr der Grünen Hauptstadt Europas in Essen 2017 wurde hier der Wanderweg BaldeneySteig eröffnet. Den Kettwiger Panoramasteig haben die Autoren mit Freunden selbst erkundet und sich als Wanderweg erarbeitet. Mit Start und Ziel in Kettwig bzw. Werden geht die Nordstrecke überwiegend durch Kulturlandschaften und auf Asphaltstraßen, obwohl die Autoren versucht haben, so viel wie möglich Waldstrecken einzubauen. Viele Waldwege und großartige Panoramen bietet dagegen die Südroute. Man kann hier sowohl in Kettwig als auch in Werden in die Tour einsteigen: Beide Stadtteile sind darüber hinaus über S-Bahnhöfe (S6) miteinander und an den ÖPNV (Richtung Essen-Hbf. sowie Richtung Düsseldorf-Hbf.) angebunden. Beide Rundwege versprechen anspruchsvolle Wandertouren im Süden des Ruhrgebiets.

 

Urbane Steige in Essen im Klartext Verlag. Foto: Petra Grünendahl.

In ihrem Heimat-Führer „Urbane Steige in Essen“ stellen Autor Ralph Kindel und Fotograf Jochen Tack ihren Lesern den BaldeneySteig und den Kettwiger Panoramasteig nicht nur als Wanderwege vor. Nach einem Überblick über die beiden Rundstrecken im Essener Süden geht es konkret in die Routen selber: Vier Touren führen rund um den Baldeneysee (zwischen 5,1 und 9,4 Kilometer) sowie für etwas ambitioniertere Wanderer – zwei Touren zwischen Kettwig und Werden (mit 15,4 bzw. 20,2 Kilometern). Für die beiden „Urbanen Steige“ haben Kindel und Tack Texte, reizvollen Fotografien und detaillierten Informationen zusammen gestellt. Zusätzlich zur detaillierten Beschreibung der Wegstrecke gibt es Abstecher „Am Weg“, „Tipps“ für weitere Unternehmungen und „Infos“ zu Besonderheiten an der Strecke. Daten zu Start- und Zieladressen, Strecke und Höhenunterschiede sowie Zeitaufwand (bei normalen Wandertempo), Streckeninfos und empfohlene Ausrüstung runden das Bild ab. Außerdem gibt es gpx-Daten für unterwegs. Die Wanderstrecken sind ganzjährig begehbar. Der BaldeneySteig mit insgesamt 25,6 Kilometern ist auf vier Touren aufgeteilt gilt überwiegend als mittel (lediglich die längste Tour als schwer), der Kettwiger Panoramasteig mit 35 Kilometern auf zwei Touren ist als schwer eingestuft. Und wer nicht ganz so ambitioniert auf Schusters Rappen (oder auch mit dem Fahrrad) unterwegs ist: Manches Sehenswerte lässt sich anhand der Infos auch auf kürzeren Spaziergängen erkunden ;-).

 

 
 
Der Autor, der Fotograf und das Buch

Urbane Steige in Essen im Klartext Verlag. Foto: Petra Grünendahl.

Ralph Kindel, Jahrgang 1969, ist ein Kind des Essener Südens. Das Suchen und Finden von Wanderrouten vor der eigenen Haustür bedeutet für ihn schon lange einen Ausgleich zu seiner anderen großen Leidenschaft: der Kulinarik.

 
Jochen Tack, Jahrgang 1962, fotografiert seit seiner Jugend. Er arbeitete für die WAZ u. a. in Essen und machte sich später als Fotoredakteur selbstständig. Zu seinem Lieblingsmotiv im Ruhrgebiet gehört der Wandel des Reviers vom Industrie-Grau zum lebendigen Grün.

 
Der Wanderführer „Urbane Steige in Essen“ von Ralph Kindel und Jochen Tack ist im Essener Klartext Verlag in der Reihe „Schönes NRW“ (Heimat entdecken) erschienen. Das 144-seitige Taschenbuch mit Klappbroschurumschlag ist für 16,95 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-8375-2564-9).

 

 
Der Verlag

Urbane Steige in Essen im Klartext Verlag. Foto: Petra Grünendahl.

Der Klartext Verlag wurde 1983 gegründet, seit 2007 ist er Teil der Funke Mediengruppe. Seine Heimat liegt im Ruhrgebiet, wo auch der überwiegende Teil seiner Publikationen angesiedelt ist: Freizeitführer mit Inspirationen für Jung und Alt, Sachbücher, Kalender und Bildbände. Mit der „Von oben“-Reihe kann man Städte nicht nur im Ruhrgebiet, sondern in ganz Deutschland aus der Vogelperspektive bewundern. Und mit der Reihe „Irrtümer und Wahrheiten“ (bei ihrem Start im Verlagsprogramm hieß die Serie noch „Klugscheißer“) lernt der Leser Neues zu verschiedenen Orten, Themen und Fußballvereinen – unterhaltsam, fundiert und auch mit dem einem oder anderen Augenzwinkern.
www.klartext-verlag.de

 
Der Blick ins Buch. Fotos: Petra Grünendahl

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© 2023 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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15. Netzwerkforum SchifffahrtHafenLogistik in Duisburg

Konzepte einer zukunftsfesten maritimen Logistik
Von Petra Grünendahl

Uwe Arndt, Logistikleiter der Covestro Deutschland AG (ehemalige Kunststoffsparte von Bayer). Foto: Petra Grünendahl.

„Wir stellen und selbst ein Bein“, mahnte Uwe Arndt, Logistikleiter der Covestro Deutschland AG (ehemalige Kunststoffsparte von Bayer), in der Podiumsdiskussion. Vor einer fortschreitenden Deindustrialisierung warnte auch Jan Sönke Eckel, Geschäftsführer der Köln-Düsseldorfer Hafengesellschaft RheinCargo GmbH & Co. KG: „Das muss man den Leuten sagen: Wir würden tausende Arbeitsplätze verlieren, wenn wir nicht gegensteuern.“ Inflation und Zinsen bremsen Konsum und Investitionen. Zähe Genehmigungsverfahren für Bauvorhaben, sanierungsbedürftige Infrastruktur oder auch die hohen Energiepreise ließen so manche Unternehmen darüber nachdenken, zumindest Teile ihrer Produktion ins Ausland zu verlagern. „Die Verkehrsinfrastruktur in den Niederlanden ist eine andere Welt“, machte auch Jürgen Albersmann, Geschäftsführer der Logistik-Holding Contargo GmbH & Co. KG, klar. Dabei stellen die Wirtschaftsvertreter weder die Nachhaltigkeitsstrategien noch eine Verkehrswende in Frage, aber: Das alles kostet Geld! Und hier sind insbesondere auch Bund und Länder gefordert.

 

Gruppenbild (v. l.): Sebastian Reimann, Jürgen Albersmann, Marcus Voelker, Uwe Arndt, Thorsten Peters, Jan Sönke Eckel, Dr. Christoph Kösters (VVWL), Frank Wittig und Okke Hamann (beide IHK). Foto: Petra Grünendahl.

Bereits zum 15. Mal hatte das Kompetenznetz Logistik.NRW zum NetzwerkForum SchifffahrtHafenLogistik zur Niederrheinischen IHK in Duisburg eingeladen, wo sich mehr als 70 Fachleute und Entscheider aus Schifffahrt, Häfen, Logistik und der Industrie austauschten. Die Veranstaltung wird getragen vom LOG-IT Club e. V. und dem Verband Verkehrswirtschaft und Logistik NRW (VVWL) und befasste sich als Leitgedanken mit den Konzepten einer zukunftsfesten maritimen Logistik. Covestro-Logistikleiter Uwe Arndt stellte zum Thema „Standortfaktoren der Industrie für NRW und Erwartungen an die maritime Logistik“ die Positionen der Industrie vor. Und Contargo-Geschäftführer Jürgen Albersmann stellte zum Thema „Angebote und Forderungen der maritimen Logistik für eine erfolgreiche Zukunft“ die Seite der Logistikwirtschaft dar. Nach den Impulsvorträgen als Eingangsstatements folgte eine Podiumsdiskussion mit weiteren Diskussionspartnern und dem Publikum.

 

 
 
Investitionen in Wasserstraßen nötig

Jürgen Albersmann, Geschäftsführer der Logistik-Holding Contargo GmbH & Co. KG. Foto: Petra Grünendahl.

Über Konzepte einer zukunftsfesten maritimen Logistik diskutierten die beiden Referenten der Eingangsstatements zusammen mit Jan Sönke Eckel, Geschäftsführer RheinCargo GmbH & Co. KG, Thorsten Peters, stv. Seefrachtleiter EMO-Trans GmbH und Marcus Voelker, Referatsleiter VII D6, Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes NRW, unter der Moderation von Sebastian Reinmann (Chefredakteur der Deutschen Verkehrszeitung DVZ).

 

Podium (v. l.): Jan Sönke Eckel, Marcus Voelker, Jürgen Albersmann, Uwe Arndt, Thorsten Peters, Sebastian Reimann und Dr. Christoph Kösters (VVWL). Foto: Petra Grünendahl.

Die Diskutanten waren sich einig, dass Deutschland als Industrie- und Logistikstandort in den letzten Jahren ins Mittelmaß abgerutscht sei und bestätigten das derzeit moderate bis schlechte Niveau auf den Logistik- und Güterverkehrsmärkten, welches mit Rückgängen der Nachfrage für Industrie und Handel einhergehe. Als Gründe wurden insbesondere die Unsicherheiten in den Lieferketten, die marode Infrastruktur, der fehlende oder schleppende Ausbau der Verkehrswege, Überregulierung und eine wenig verlässliche Politik in Transformationsfragen (Verkehrswende) genannt.

 
Dabei plädierten die Diskutanten selber für eine nachhaltige Güterverkehrentwicklung. Aber: Zur Verlagerung auf umweltfreundliche Verkehrsträger wie Schiene und Binnenschiff seien Investitionen insbesondere in die Wasserwegen nötig. Dazu zählt zum Beispiel eine Stabilisierung der Fahrrinne auf dem Rhein zum Beispiel, die bei Niedrigwasser größere Gütermengen erlaubt. Oder eine Anhebung von Brücken im Kanalnetz, die eine dritte Lage Container auf den Güterschiffen erlauben würde. Oder die Sanierung der Schleusen. Und da müssen auch Bund und Länder investieren: Deutschlandweit sind hier Milliarden-Invests nötig, die dieses Forum schon seit 2009 (damals als „Duisburger Erklärung“, später „Düsseldorfer Liste“) einfordert.

 
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Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Krupp in Rheinhausen: Foto-Ausstellung von Arbeitskampf und Demontage

Ikonische Dokumentation der Zeitgeschichte
in der Erlöserkirche

Von Petra Grünendahl

Arbeitskampf 1987/88: Fotos von Manfred Vollmer in der Erlöserkirche. Foto: Petra Grünendahl.

Die Brücke der Solidarität voll mit streikenden Stahlarbeitern oder die demonstrierende Frau mit ihrem Kind auf dem Arm: Diese Fotografien sind Ikonen des Arbeitskampfes, der am 26. November 1987 in Rheinhausen begann und mit 160 Tagen zum längsten in der deutschen Geschichte wurde. Die Fotografien sind Dokumentation der Zeitgeschichte. Im Buch der Geschichte sollten hier neue Seiten geschrieben werden: Vom Kampf der Stahlarbeiter um ihr Werk.

Arbeitskampf 1987/88: Fotos von Manfred Vollmer in der Erlöserkirche. Foto: Petra Grünendahl.

Dazu hatte Betriebsleiter Helmut Laakmann damals in einer fulminanten Rede seine Kollegen aufgerufen, die um ihre Existenz bangten. Manfred Vollmer und Michael Kerstgens hatten damals als Fotografen den Arbeitskampf in Rheinhausen begleitet und mit ihren Bildern die Berichterstattung geprägt. Der Arbeitskampf brachte jedoch nur einen Aufschub, konnte die Schließung letztendlich nicht verhindern: Am 15. August 1993 wurde der letzte Stahl in Rheinhausen gekocht, am 16. August die Hütte dicht gemacht. In der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre wurden die alten Anlagen abgerissen, Stahlwerke und Hochöfen gesprengt (der letzte am 23. September 2000). Auch diesem traurigen Kapitel sind Aufnahmen in der Ausstellung gewidmet. Heute liegt auf dem ehemaligen Krupp-Areal der Logistikpark logport I, der mehr Menschen beschäftigt als es zuletzt die Hütte tat, bei der in den 1960er-Jahren über 16.000 Menschen beschäftigt waren.

 

Foto-Ausstellung Krupp Rheinhausen in der Erlöserkirche an der Beethovenstraße. Foto: Petra Grünendahl.

Anlässlich des 30. Jahrestages der Schließung der Kruppschen Hüttenwerke in Rheinhausen stellt der Verein Freies Archiv der Hütten- und Bergwerke Rheinhausen in der Erlöserkirche Rheinhausen sechzig Fotos aus: Vom Arbeitskampf und von der Demontage der Anlagen sowie den Anfängen des logport. Im ersten Teil der Ausstellung werden Bilder des Oberhausener Fotografen Michael Kerstgens und des Essener Fotografen Manfred Vollmer zum Arbeitskampf 1987/88 gezeigt.

Der Abriss: Werksfotografien von Volker, Brigitte und Hubert Wendt. Foto: Petra Grünendahl.

Beide Fotografen haben sich dem Thema auf sehr unterschiedliche Weise genähert, was die Gegenüberstellung der Bilder reizvoll macht. Arbeiten des Industrie- und Werksfotografen Frank Plück, von Werner Schleser sowie Brigitte, Hubert und Volker Wendt sind im zweiten Teil der Ausstellung zu sehen. Sie zeigen die letzten Tage des Hüttenwerks während seiner Demontage und den Übergang des Werksgeländes zur Nutzung als Logistikstandort. Unterstützt wird die Ausstellung durch die „Sparkasse Duisburg-Stiftung“ und die Emmauskirchengemeinde, Bereich Christus-Erlöserkirche in Duisburg-Rheinhausen. Zu sehen sind die Fotos noch bis zum 1. uOktober zu den Öffnungszeiten donnerstags und freitags von 15 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr. Ein Mitglied des Freien Archivs führt vor Ort durch die Ausstellung.

 

 
Impressionen aus der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl

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Krupp in Rheinhausen

Arbeitskampf 1987/88: Fotos von Michael Kerstgens in der Erlöserkirche. Foto: Petra Grünendahl.

Auf Initiative von Friedrich Alfred Krupp wurden im Jahre 1893 die Planungen für ein neues Hüttenwerk aufgenommen. Es trug ab 1904 den Namen Friedrich-Alfred-Hütte und ab 1947 bis Mitte der sechziger Jahre als selbständiges Unternehmen den Namen „Hütten- und Bergwerke Rheinhausen AG (HWR)“.

Arbeitskampf 1987/88: Fotos von Michael Kerstgens in der Erlöserkirche. Foto: Petra Grünendahl.

Zur AG gehörte auch das Bergwerk Rossenray in Kamp-Lintfort und die Zeche Amalie in Essen. Der Stolz und das Selbstbewusstsein aus dieser Zeit wurden als Erfahrungsschatz weitergegeben und waren noch im Arbeitskampf um den Erhalt des Werkes 1987/88 spürbar. Ein solcher Arbeitskampf, auf den die Rheinhauser immer noch und zu Recht stolz sind, wäre heute nicht mehr möglich, waren sich Besucher der Foto-Ausstellung einig.

 

 
Freies Archiv der Hütten- und Bergwerke Rheinhausen e. V.

Freies Archiv der Hütten- und Bergwerke Rheinhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Der Verein Freies Archiv der Hütten- und Bergwerke Rheinhausen ist institutionell nicht gebunden und kann so seine Schwerpunkte frei wählen. Ziel ist es, möglichst umfassend die Arbeits- und Lebensbedingungen der Beschäftigten und ihrer Familien zu dokumentieren und wissenschaftlich zu erforschen – und zwar von der Gründung des Werkes 1896 bis zu seiner Stilllegung 1993. Dazu gehört auch die Geschichte der 1934 zur Stadt erklärten Gemeinde Rheinhausen, ohne die sich die Geschichte des Werkes nicht verstehen lässt.

Die Sprengung des Oxygenstahlwerks LD II 1999 im Foto von Werner Schleser. Foto: Petra Grünendahl.

Das Archiv des Vereins umfasst zahlreiche Dokumente aus der Geschichte des Hüttenwerks Rheinhausen, insbesondere auch aus den Zeiten des Arbeitskampfes, sowie Videomaterial (u. a. rund 1.600 Stunden Archivmaterial von Erich Speh), Dokumentarfilme und Reportagen (zur Werksgeschichte und zum Arbeitskampf).

Das Archiv befindet sich in der Bezirksbibliothek Rheinhausen, Händelstr. 6, 47226 Duisburg (Rheinhausen). Das Archiv wird von ehrenamtlich tätigen Vereinsmitgliedern betreut und ist jeden Dienstag von 14:00 bis 17:00 Uhr (außer an Feiertagen) sowie nach Vereinbarung geöffnet.
www.fahr-du.de

 
© 2023 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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MKM Museum Küppersmühle zeigt Christoph M. Gais: Bilderwelten von 1990 bis heute

Perspektivwechsel erschließen neue Dimension
Von Petra Grünendahl

Christoph M. Gais Bilderwelten von 1990 bis heute im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl.

Den Zugang zur Ausstellung bilden neue Werke von Christoph M. Gais (*1951). Hier stechen besondere die „Hinterglasmalereien“ hervor, deren mehrschichtiger Aufbau den Betrachter ins Bild mit seinen verschiedenen Ebenen eintauchen lässt. Inspiriert von römischen Kirchen sind die fast deckenhohen Installationen von Masken-Bildern in unterschiedlichen Formaten, die in der großen Halle ihre besondere Wirkung entfalten:

Christoph M. Gais Bilderwelten von 1990 bis heute im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl.

Die beiden Bilderserien mit dem Titel „The Chapel“ sind in den Jahren 2019/20 sowie 2021/22 entstanden. Je weiter der Besucher in die Ausstellung hinein geht, verfolgt er das Schaffen des Künstlers bis hinein in seine früheren Jahre. Manche seiner Bilder wirken fast plastisch. Andere ändern ihre Plastizität mit einem Wechsel des Blickwinkels und bieten spannende Perspektiven der Betrachtung, die mit der Fotokamera kaum einzufangen sind. Mit „Bilderwelten von 1990 bis heute” ist Christoph M. Gais erstmals seit gut dreißig Jahren wieder in einer eigenen Ausstellung in Deutschland zu sehen.

 

Stellten die Ausstelllung vor (v. l.): Thomas Huber, Kay Heymer und Christoph M. Gais. Foto: Petra Grünendahl.

Christoph M. Gais’ „Bilderwelten von 1990 bis heute“ stellten Museumsdirektor Walter Smerling, Kay Heymer (Kurator des MKM) und Thomas Huber (Kurator der Ausstellung und selber Künstler) zusammen mit dem Matler im Pressegespräch vor. Das MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst zeigt eine Werkübersicht mit etwa 80 Arbeiten aus den Jahren seit 1990 von einem Maler, der auch mehrfach in der Sammlung Ströher vertreten ist. Seine Bilder bewegen sich zwischen Abstraktion und einer Art Plastizität. „Eine Fortführung des Informel“, erklärte Kurator Thomas Huber. Informelle (oder auch formlose) Kunst fasste als Stilrichtung und künstlerische Haltung im Nachkriegs-Deutschland in den 1950er-Jahren Fuß. Die Ausstellung wurde gestern Abend eröffnet.

 

 
 
Der Künstler

Christoph M. Gais mit seinen Bilderwelten von 1990 bis heute im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl.

Christoph M. Gais wurde 1951 in Stuttgart geboren. Nach dem Abitur studierte er zunächst Kunstgeschichte und Empirische Kulturwissenschaften an der Universität Tübingen. Dem schloss sich ein Studium der Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart und dann an der Hochschule der Künste in Berlin an. 1991 ging er nach Italien, wo er dann sesshaft wurde. Er lebt und arbeitet seit 1994 in Orvieto, Italien, und in Berlin, wo er bis heute eine Wohnung mit Atelier hat.
https://www.christophmgais.com

Christoph M. Gais Bilderwelten von 1990 bis heute im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl.

Zur Ausstellung wird ein Katalog erscheinen mit Texten von Kurator Thomas Huber und einem Interview von Walter Smerling mit Christoph M. Gais. Da dieser Katalog auch Installationsaufnahmen aus dem MKM enthält, wird er erst im Laufe der Ausstellung verfügbar sein. Aktuell werden zwei frühere Veröffentlichungen des Künstlers angeboten: Christoph M. Gais, Galerie Nothelfer, Berlin 2012, und Christoph M. Gais, Drawing, Sculpture, Fattoria Cappellone, Orvieto 2019.

 

Impressionen aus der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl

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Museum Küppersmühle:

Das Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.

Duisburger haben donnerstags freien Eintritt
Die Bilderwelten von Christoph M Gais sind in den Wechselausstellungsräumen im Erdgeschoss des Altbaus bis zum 26. November 2023 zu sehen. Das Museum Küppersmühle findet man im Innenhafen am Philosophenweg 55 (Haupteingang, der Parkplatz befindet sich auf der anderen Straßenseite). Mittwochs ist das Museum von 14 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis sonntags sowie feiertags von 11 bis 18 Uhr. Montags und dienstags ist Ruhetag. Der Eintritt kostet nur für die Wechselausstellungen 6 Euro (ermäßigt 3 Euro), für das gesamte Haus (inkl. Wechselausstellung) 12 Euro (ermäßigt 6 Euro). Familien (2 Erwachsene plus Kinder) zahlen 18 Euro für das ganze Haus, 10 Euro für Wechselausstellungen. Kinder bis 16 Jahren haben freien Eintritt. Kindergruppen (Schule, Kita, Kinderfreizeit) zahlen 2 Euro pro Kind und Betreuer. Donnerstags haben alle Duisburger (gegen Vorlage des Personalausweises) freien Eintritt. Das MKM ist Partner der Ruhrkultur.Card. Alle Ausstellungsräume des Museums sind auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich.

 

Das MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst mit dem Erweiterungsbau. Foto: Petra Grünendahl.

Offene Führungen durch die Sammlung sowie durch laufende Ausstellungen gibt es jeden Sonntag um 15 Uhr, aber auch nach Vereinbarung. Durch die Wechselausstellung gibt es mittwochs zwischen 15 und 16 Uhr die Führung „KunstMittwoch“. Beide Führungen sind im Eintritt enthalten. Zu den Ausstellungen bietet das MKM zudem immer wieder Themenführungen, Künstlergespräche oder Sonderformate an. Informationen zu Führungen und dem Begleitprogramm zu Ausstellungen gibt es unter www.museum-kueppersmuehle.de). Hier findet man zu Corona-Maßnahmen.

 

 
Das Museum Küppersmühle als Kunstwerk um die Moderne Kunst

Museum Küppermühle in der Bauphase des Erweiterungsbaus. Foto: Petra Grünendahl.

Das Museum Küppersmühle für Moderne Kunst wurde im Jahre 1999 in einem ehemaligen Getreidespeicher im Innenhafen eröffnet. Er wurde nach Plänen der Basler Architekten Herzog & de Meuron zum Museum umgebaut. Initiator des Museumsprojekts war der Duisburger Kunstsammler Hans Grothe (1930–2019). Grothes Sammlung umfasste über 800 Werke von mehr als 40 deutschen Künstlern. Seit der Übernahme seiner Sammlung durch das Darmstädter Sammlerpaar Sylvia und Ulrich Ströher 2004/2005 stieg die Anzahl der Ausstellungsstücke und der vertretenen Künstler noch erheblich an. Insgesamt handelt es sich um eine der wichtigsten und umfangreichsten Sammlungen deutscher Kunst seit 1945. Zur Präsentation der ständigen Sammlung kommen immer wieder Wechselausstellungen hinzu. Seit 2008 war ein Erweiterungsbau geplant: Zunächst als ein „Schuhkarton“ auf den Silotürmen, der 2011 wegen Baumängeln scheiterte. Bei einem neuen Anlauf beauftragten die Ströhers 2014 das Architektenbüro Herzog & de Meuron erneut mit der Planung (Baubeginn war 2016): Der Erweiterungsbau wurde im September 2021 eröffnet. Seitdem sind im MKM in 42 Räumen auf gut 5.000 Quadratmetern etwas 320 Werke als Highlights aus der Sammlung Ströher in der Dauerausstellung zu sehen. Die Sammlung ist um ein mehrfaches größer: Schließlich sammelt das Darmstädter Ehepaar ja schon seit Mitte der 1980er-Jahre – und immer noch weiter. Der Fokus liegt auf Malerei, aber auch Skulptur, Installation und Fotografie sind vertreten. Die Sammlung umfasst zentrale Positionen der Kunstentwicklung in Deutschland, von der unmittelbaren Nachkriegszeit bis in die Gegenwart.

 
Das MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst als Standort der Sammlung Grothe wird seit seiner Gründung von der Stiftung für Kunst und Kultur e. V. Bonn betrieben. Die Stiftung konzipiert und organisiert die Ausstellungen und betreut die umfangreiche Sammlung, die heute dem Kunstsammler-Ehepaar Ströher aus Darmstadt gehört, im MKM. Direktor ist seit 1999 Walter Smerling.

 
© 2023 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Heinz Josef Klaßen in der cubus kunsthalle in Duisburg: Ein Blick in die Ausstellung

Als das Farbfoto Kunst wurde:
Das Ruhrgebiet der 1970er- und 80er-Jahre

Von Petra Grünendahl

Aral-Tankstelle in Essen: Gemälde von Heinz Josef Klaßen 1971. Foto: Petra Grünendahl.

Viele Ansichten wirken fremd, wie aus einer anderen Welt: Sie stammen aus den 1970er- und 1980er-Jahren. Tankstellen waren deutlich filigraner als die kolossalen Bauten, die heute die Zapfsäulen säumen. Die Autos ebenso wie die wenigen Menschen spiegeln ebenfalls diese Zeit. Knallbunte Werbeplakate vor öden Hinterhöfen: Der Fotograf spielt mit Farben, kontrastiert knallig bunte Objekte und Eye-Catcher im Vordergrund mit verblassen oder mal mehr, mal weniger gedeckten Farben im Hintergrund. Heinz Josef Klaßen (*1936 in Meppen) hat das Ruhrgebiet gemalt und im Bild festgehalten: Seit Anfang der 1970er-Jahre in Farbfotografien und mit Öl auf Leinwand in fotorealistischen Gemälden. Die vielfältige Bandbreite seiner Motive reicht von Tankstellen, Baustellen oder Fabriken über Straßenszenen, Parkplätze und Bahnübergänge bis hin zu Wohnquartieren, Hinterhöfen oder innerstädtischen Einöden. Manche Motive sehen fast immer noch so aus wie damals, andere sind im Zuge der Stadtentwicklung verschwunden.

 

Heinz Josef Klaßen zwei Gemälden der Hütte von DK Recycling und Roheisen, der ehemaligen Kupferhütte. Foto: Petra Grünendahl.

Die cubus kunsthalle im Kant-Park zeigt mit 57 Gemälden und über 100 Fotografien einen vielfältigen Querschnitt durch das Werk von Heinz Josef Klaßen, der auf ein langes künstlerisches Schaffen zurückblicken darf. Ausgehend von der fotorealistischen Malerei, mit Einflüssen der amerikanischen Pop Art der 1970er-Jahre, und der frühen Farbfotografie, die längst zu einer eigenständigen Kunstform geworden ist, zeigt die Ausstellung auch einige Holzskulpturen, die dabei aber eine eher flankierende Rolle spielen. Schon früh setzte sich Klaßen künstlerisch mit dem Leben im Ruhrgebiet auseinander, malte in seiner ganz eigenen Art und Weise Portraits von Tankstellen, Industrie und Häusern, Plätzen und Hinterhöfen sowie Straßenszenen und Unterführungen. Seine realistischen Darstellungen erinnern ein wenig an den amerikanischen Maler Edward Hopper (1882 – 1967), Motivwahl und Bildsprache seiner Fotografien an den amerikanischen Fotografen Stephen Shore. Die Ausstellung ist noch bis zum 8. Oktober zu sehen (Öffnungszeiten siehe unten). An den Sonntagen wird Heinz Josef Klaßen in der cubus kunsthalle anwesend und für Besucher ansprechbar sein.

Impressionen aus der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl

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Der Künstler

Die ehemalige Kupferhütte (heute DK Recycling und Roheisen) 1988 von Heinz Josef Klaßen. Foto: Petra Grünendahl.

Heinz Josef Klaßen wurde 1936 im Meppen (Ems) geboren. Er Klaßen studierte Kunsterziehung und Philosophie an der Kunstakademie Mainz und war 1966 bis 2000 neben seiner künstlerischen Tätigkeit Lehrer für Kunst und Philosophie am Alfred-Krupp-Gymnasium in Essen. Heinz Josef Klaßen fotografierte mit Farbpositiv (also Diafilm) – damals für die Kunst völlig verpönt: in Farbe statt der klassischen (künstlerischen) Schwarzweiß-Fotografie. Erste Farbfotografien sind bereits für 1959 belegt. Seine fotorealistischen Malerei basierte auf eigenen Farbdias im Kleinbildformat. Ab 1970 fotografierte in Essen, Duisburg und Umgebung. Seine Holzskulpturen entstehen ab 2001, seit 2014 widmet er sich der digitalen Fotobearbeitung seiner eigenen Fotografien (Farbdias).

 

Limbecker Platz im Gemälde von Heinz Josef Klaßen 1974/75. Foto: Petra Grünendahl.

Seine in den 1970er- und 1980er-Jahren aufgenommenen rund 500 Dias im Kleinbild und Mittelformat hat Klaßen 2015 wiederentdeckt, digital restauriert und in unterschiedlichen Formaten, zumeist in A4, A3 und A2 auf dem eigenen Drucker ausgedruckt. Dabei halfen ihm seine Malereien, die auf den längst verblassten Diapositiven basierten, die einstigen Farben der Dias konservieren. Anhand der Malereien gelingt es ihm heute, die Farben der eingescannten Dias im Fotoausdruck computergestützt zu rekonstruieren. Dies dürfte ein einmaliger Vorgang sein: Die Farbwiederherstellung des Original-Dias anhand der Malerei, für die das Dia einst Pate stand!

 
2019 übernimmt das Fotoarchiv des Ruhrmuseums rund 300 Kleinbild- und Mittelformat-Dias, um damit das Essen der 1970-er und 1980er-Jahre zu dokumentieren.

Ehemalige Kupferhütte (heute: DK Recycling und Roheisen) in Fotos und gemalten Interpretationen. Fotos: Petra Grünendahl

 

 
cubus kunsthalle

cubus kunsthalle im Kant-Park. Foto: Petra Grünendahl.

Die cubus kunsthalle liegt im Kant-Park in der Duisburger Innenstadt in der Nachbarschaft des Lehmbruck Museums, wo sie mit Ausstellungen zeitgenössischer Künstler und Konzerten, aber auch mit partizipativen Angeboten das Umfeld und die Duisburger Kunstlandschaft belebt. Gegründet hat die cubus kunsthalle die Duisburger Kunstwissenschaftlerin Dr. Claudia Schäfer 1987/88 als cubus galerie in Duissern, bevor sie 1994/95 mit Hilfe eines gemeinnützigen Fördervereins in das Gebäude des ehemaligen Niederrheinischen Museums der Stadt Duisburg in den Kant-Park zog. Die cubus kunsthalle finanziert sich durch Spenden zur Förderung von Kunst & Kultur, über Sponsorenleistungen und durch die Untervermietung des Café Museums. Neben Duisburger Künstlern zeigt die Kunsthalle internationale Künstler und stellt einmal jährlich eine Sammlung vor – und dies weitestgehend bei freiem Eintritt. Geöffnet hat die privat geführte Kunst- und Ausstellungshalle mittwochs bis sonntags zwischen 14 und 18 Uhr.
www.cubus-kunsthalle.de

 
© 2023 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Projekt „LOG4NRW“ sichert Transportwege und leistet Beitrag zur Verkehrswende in NRW

Entlastung der Straßen durch Verlagerung von
Lkw-Transporten auf Schiene und Wasserstraße

Von Petra Grünendahl

Projekt LOG4NRW leistet Beitrag zur Verkehrswende. Quelle: duisport.

Die Sperrung der Rahmedetalbrücke (A45) bei Lüdenscheid schnitt die Wirtschaft im Siegerland und Südwestfalen massiv von den großen Logistikzentren im Ruhrgebiet und damit von Lieferketten ab. Bis die Autobahn wieder durchgehend befahrbar sein wird, werden noch Jahre vergehen. Und die Straßeninfrastruktur wurde überall in NRW auf Verschleiß gefahren: 668 Brücken sind sanierungsbedürftig. Da macht es Sinn, Güterströme weg vom Lkw auf andere (umweltfreundlichere) Verkehrsträger zu verlagern. Eine Allianz aus Häfen und Eisenbahn-Betreibern will für eine spürbare Entlastung der Verkehrswege im Ruhrgebiet und Südwestfalen sorgen. Güter sollen über die Häfen DeltaPort (Contargo Container-Terminal in Voerde-Emmelsum), duisport (Multimodal Terminal logport IV in Walsum) und Dortmund (CTD Container-Terminal Dortmund) gebündelt per Schiene zum Südwestfalen-Container-Terminal in Kreuztal transportiert werden, um von dort nur noch auf der „letzten Meile“ auf den Lkw umgeladen zu werden. Allzu häufig war die „letzte Meile“ nämlich bislang durchaus 40, 80 oder mehr Kilometer lang, da es keine Schienen-Güterverbindung zu den trimodalen Drehscheiben in Voerde, Duisburg oder Dortmund gab. Zum vierten Quartal, bevor die Lkw-Maut ab 1. Dezember um gute zwei Drittel ansteigt, startet die Initiative mit zunächst zwei Umläufen pro Woche als Ganzzugverbindungen. „Wir können die Kapazitäten bei entsprechendem Bedarf aber kurzfristig hochfahren“, versicherte duisport-Chef Markus Bangen. Damit sollen jährlich 27.000 Lkw weniger auf den Autobahnen im Ruhrgebiet und Südwestfalen unterwegs sein.

 

Die Kooperationspartner (v. l.): Markus Bangen (CEO duisport), Andreas Müller (LR Kreis Siegen-Wittgenstein), Bettina Brennenstuhl (Vorständin Hafen Dortmund), Oliver Krischer (Minister MUNV NRW), Andreas Stolte (GF DeltaPort), Ingo Brohl (LR Kreis Wesel), Christian Betchen (GF Kreisbahn Siegen-Wittgenstein). Foto: KSW.

In einer Pressekonferenz erläuterten die Projektpartner Hintergründe und Ziele der Kooperation „LOG4NRW“: Andreas Stolte (Geschäftsführer von DeltaPort), Markus Bangen (Vorstandsvorsitzender Duisburger Hafen), Bettina Brennenstuhl (Vorstand Dortmunder Hafen) und Christian Betchen (Geschäftsführer der Kreisbahn Siegen-Wittgenstein), die Landräte Ingo Brohl (Kreis Wesel) und Andreas Müller (Kreis Siegen-Wittgenstein) sowie Oliver Krischer, Minister für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes NRW, als Schirmherr. DeltaPort als Impulsgeber der LOG4NRW-Projektidee hatte sich bereits frühzeitig dem Thema der Verkehrsverlagerung gewidmet und in Zusammenarbeit mit der Universität Duisburg-Essen Lösungsansätze erarbeitet. Die regionale Vernetzung über den Einsatz von Binnenschiff und Bahn zur Hebung von Verkehrsverlagerungspotenzialen stand hierbei im Fokus. Aus diesem Impuls heraus wurde gedanklich das Projekt „LOG4NRW“ (steht für „Logistik für Nordrhein-Westfalen“) geboren. Ziel des Projektes „LOG4NRW“ ist es, Quell- und Zielverkehre des bevölkerungsreichsten deutschen Bundeslandes auf alternative Verkehrsträger (Binnenschiff und Bahn) zu verlagern. Im Rahmen der Kooperation mit dem größten Binnenhafen der Welt streben die Projektpartner nunmehr die kurzfristige Realisierung der Konzeptidee an. Das Projekt sei, betonte DeltaPort-Chef Andreas Stolte, jederzeit erweiterbar.

 

 
 
Anbindungen von Südwestfalen sowohl an die Nord- als auch an die Westhäfen

Projekt LOG4NRW leistet Beitrag zur Verkehrswende. Quelle: duisport.

In dieser Konstellation sind die Häfen Duisburg und Voerde-Emmelsum an die ZARA-Häfen (Zeebrügge, Amsterdam, Rotterdam, Antwerpen) angebunden. Der Hafen Dortmund bringt eine regelmäßige Bahnverbindung an die deutschen Nordseehäfen ein. Die Schienenverkehre übernehmen duisport rail, die Dortmunder Eisenbahn sowie ab dem Südwestfalen-Container-Terminal die Kreisbahn Siegen-Wittgenstein. „Als mittelständisch geprägte Industrieregion brauchen wir gute und schnelle Transportwege“, hob Landrat Andreas Müller (Kreis Siegen-Wittgenstein) hervor. „Wir machen hier Angebote für die Verlagerung des Verkehrs und die Betriebe sollten das annehmen: Nur so geht die Verkehrswende!“ – „Wir schaffen hier die Voraussetzung, dass Unternehmen in der Region verstärkt über die Verlagerung von Transporten von der Straße auf die Schiene nachdenken können, weil es praktikabel und wirtschaftlich ist sowie auch ökologisch Sinn macht“, so Kreisbahn-Geschäftsführer Christian Betchen.

 

 
Die Projektpartner

Projekt LOG4NRW leistet Beitrag zur Verkehrswende. Quelle: duisport.

DeltaPort
DeltaPort ist der Zusammenschluss des Rhein-Lippe-Hafens und des Stadthafens auf dem Gebiet der Stadt Wesel sowie des Hafens Emmelsum auf Voerder Stadtgebiet. Durch die Vereinigung der Hafenareale ist am Niederrhein in dieser Form einzigartiges Logistiknetzwerk für wasser-, schienen- und straßengebundene Transporte entstanden. Moderne Suprastrukturen ermöglichen den Umschlag aller Arten von Schütt-, Stück-, Flüssig- und Schwergütern sowie containerisierter und temperaturgeführter Ware. DeltaPort entwickelt stetig neue Grundstücke für hafenaffine Industrie-, Handels- sowie Logistikbetriebe unter Berücksichtigung individueller Nutzungskonzepte.

 
Duisburger Hafen AG (duisport)
More than a port: Die Duisburger Hafen AG ist die Eigentums- und Managementgesellschaft des Duisburger Hafens, des größten Binnenhafens der Welt. Die duisport-Gruppe bietet für den Hafen- und Logistikstandort Full-Service-Pakete in den Bereichen Infra- und Suprastruktur inkl. Ansiedlungsmanagement. Darüber hinaus erbringen die Tochtergesellschaften logistische Dienstleistungen wie beispielsweise den Aufbau und die Optimierung von Transport- und Logistikketten, Schienengüterverkehrsleistungen, Gebäudemanagement, Kontrakt- und Verpackungslogistik.

Hafen Dortmund
Der Dortmunder Hafen – verkehrstechnisch attraktiv im Osten des Ruhrgebiets mit seinen über fünf Millionen Einwohnern gelegen – ist ein Industrie- und Logistikstandort von großer Bedeutung. Der Hafen ist Warendrehscheibe für das gesamte Ruhrgebiet, die angrenzenden Regionen sowie für die ARA-Seehäfen Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam und die deutschen Seehäfen. Zur Unternehmensgruppe Dortmund Hafen 21 gehören die Dortmunder Hafen AG, Dortmunder Eisenbahn GmbH, DE Infrastruktur GmbH und Container Terminal Dortmund GmbH (CTD). Gemeinsam bilden sie ein Industrie- und Logistikzentrum von großer Bedeutung.

Kreisbahn Siegen-Wittgenstein (KSW)
Die KSW Kreisbahn Siegen-Wittgenstein GmbH ist ein moderner Dienstleister im Schienengüterverkehr. Seit über 130 Jahren bietet sie Kunden maßgeschneiderte, verlässliche und umweltfreundliche Transportlösungen im Wirtschaftsraum des Drei-Länder-Ecks Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz sowie weit darüber hinaus. Mit 47 Mitarbeitern, davon vier Auszubildenden, bewegt die KSW rund zwei Millionen Tonnen Güter im Jahr. Eine wichtige Voraussetzung hierfür ist, dass das Unternehmen gleichzeitig auch eine Eisenbahninfrastruktur des öffentlichen Verkehrs vorhält.

 
© 2023 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: KSW (1), duisport (Präsentation)

 
 

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Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers stellte Bergbau-Kalender 2024 vor

Erinnerungen an längst verschwundene
Ansichten vom Bergbau am Niederrhein

Von Petra Grünendahl

Der Kalender: Glückauf 2024 – Bergbau am Niederrhein. Foto: Petra Grünendahl.

Zwölf Motive von Bergwerks-Standorten der Zechen Rheinpreußen, Friedrich Heinrich (Bergwerk West), Diergardt-Mevissen (Rheinhausen), Niederberg und Rossenray zeigen Ansichten, die in ihrer Gesamtheit verschwunden sind. Lediglich einzelne Bauwerke auf der einen oder anderen Fotografie sind noch heute zu finden, wenn man die ehemaligen Bergbau-Standorte besucht. Die Bilder zeigen Ansichten zwischen 1914 und 1979.

Zeche Rheinpreußen mit den Schächten I und II in Homberg: Bis auf den Malakowturm rechts im Bild steht heute von diesen Anlagen nichts mehr. Quelle: GMGV.

Als letzte Zeche schloss am Niederrhein das Bergwerk West in Kamp-Lintfort 2012 und beendete damit 155 Jahre Bergbaugeschichte in der Region (Teufbeginn auf Rheinpreußen I in Homberg 1857). Die Fotos stammen aus der Sammlung von André Thissen, Leiter des Arbeitskreises Schacht IV. Er hat 1981 seine Ausbildung auf der Zeche Rheinpreußen Schacht IX in Moers-Utfort begonnen und wechselte von dort nach der Stilllegung 1990 nach Friedrich Heinrich, welches er 2012/13 mit stilllegen durfte. Ein nicht unerheblicher Teil seiner Sammlung stammt von Dieter Thiel aus Moers, der ihm 2018 seine Bergbau- und Industriefotografien sowie alte Stadtansichten vermacht hatte. Diese ergänzten die eigene Sammlung, die Thissen seitdem erweitert hat: Die unwiederbringlichen Ansichten machen zusammen mit seinem fundierten Wissen über die Bergbau-Geschichte am Niederrhein den Reiz des Kalenders aus.

 

Stellten den Bergbau-Kalender im Fördermaschinenhaus von Schacht IV vor (v. l.): Wilfried Scholten, André Thissen, Yurdakul Cantimür und Frank Heinrich. Foto: Petra Grünendahl.

Mit dem Bergbau-Kalender „Glückauf 2024 Bergbau am Niederrhein“ stellte der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e. V. (GMGV) nach einer Erstauflage für 2022 seinen zweiten Bergbau-Kalender vor. Bereits im Mai habe er mit der Auswahl und Vertextung der Bilder begonnen, erzählte Thissen, der mit dem stv. Vorsitzenden Dr. Wilfried Scholten, Schatzmeister Frank Heinrich und Yurdakul Cantimür, einem der beiden Übersetzer, den in dieser Form einzigartigen Kalender vorstellte.

Bergwerk Diergardt Schacht I in Rheinhausen: Dort sind heute das Gewerbegebiet und das EKZ Asterlagen. Vom Schacht selber ist nur noch ein Schachtdeckel übrig, der für Unkundige nicht unbedingt zu erkennen ist. Quelle: GMGV.

Die Auswahl der Fotos, die deutschen Texte und die Gestaltung übernimmt André Thissen ehrenamtlich. Die türkischen Übersetzungen haben für diesen Kalender Yurdakul Cantimür und der zertifizierte Dolmetscher Yilmaz Tirpan, die beide selber mal im Bergbau tätig waren, ebenfalls ehrenamtlich erstellt. Cantimür fing 1965 seine Lehre auf Diergardt in Rheinhausen an und ging 1998 vom Bergwerk Walsum in die Anpassung. Das garantiert die korrekte Übersetzung der Fachbegriffe: „Türkisch-sprachige Käufer des Kalenders merken, wenn dort etwas nicht stimmt“, so Cantimür. Denn natürlich hat die ehemalige Bergbau-Stadt bis heute eine größere türkisch-sprachige Gemeinschaft, die dieses Extra zu schätzen weiß.

 

 
 
Ehrenamtliches Engagement ermöglicht einzigartigen Kalender

Bergwerk Wilhelmine Mevissen Schacht I in Rheinhausen im heutigen Gewerbegebiet Oestrum: Hier findet sich nur noch ein Schild, aber man muss schon kundig sein, um es zu erkennen. Quelle: GMGV.

Erschienen ist der Kalender im Format 30 x 42 Zentimeter bereits zur Extraschicht: „Die Buchhandlungen fragen bei uns schon immer im Juni nach unseren Kalendern“, erzählte Frank Heinrich, Schatzmeister des GMGV. Die Druckkosten übernimmt der Verein. Die bescheidenen Erlöse finanzieren Arbeiten am Industriedenkmal und den Ausbau des Bergbaumuseums, welche ehemalige Bergleute hier ehrenamtlich leisten.

 

Das Titelbild des Bergbau-Kalenders 2024 zeigt Schacht IV der Zeche Rheinpreußen in Moers. Quelle: GMGV.

Den Kalender „Bergbau am Niederrhein 2024“ gibt es für 9,95 Euro bei der Touristeninformation und verschiedenen Buchhandlungen in Moers, außerdem bei Annes Buch + Papiershop (Moerser Str. 236 / Hochheider Markt, Telefon 02066 / 417962) und Meister Druck Reinhild Johnen (Augustastr. 32, Telefon 02066 / 8076) in Homberg sowie bis Ende Oktober (Saisonende, Öffnungszeiten siehe unten) am Industriedenkmal Rheinpreußen Schacht IV, das immer einen Besuch wert ist.

 

 
Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e. V.

Fördergerüst und Fördermaschinenhaus von Schacht IV. Foto: Petra Grünendahl.

Der Museums- und Geschichtsverein in Moers (GMGV) möchte die Geschichte und Kultur der Grafschaft Moers schützen und erhalten – und das seit 1904. In diesem Jahr gründete Dr. Hermann Boschheidgen den „Verein für Heimatkunde“. Seitdem werden vom Verein, der heute „Grafschafter Museums- und Geschichtsverein“ heißt, Gegenstände aus dem Alltag und dem Leben der Moerser Bevölkerung zusammengetragen und im Moerser Schloss ausgestellt. Dadurch soll gemeinsam mit der Stadt Moers interessierten Bürgern die Geschichte der Grafschaft und des Altkreises Moers nahe gebracht werden. Den kulturellen und historischen Wert des Schlossparks stärker bewusst zu machen und zu erhalten ist ebenfalls ein Ziel der Arbeit des GMGV. Der heutige Vorsitzende, Peter Boschheidgen, ist ein Enkel des Vereinsgründers.

 
Als weiterer Schwerpunkt der Vereinstätigkeit kam später die Geschichte des Bergbaus mit dem Nutzungsrecht für das „Industriedenkmal Rheinpreußen Schacht IV“ hinzu, mit der Verpflichtung, das Maschinenhaus von 1906 zu erhalten. Der Bergwerks-Standort war 1962 stillgelegt worden. Unter dem langjährigen Vereinsvorsitzenden Andreas Eichholtz übernahm der GMGV Ende der 1990er-Jahre als Bauherr mit finanzieller Unterstützung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, des Landes NRW und der Nordrhein-Westfalen-Stiftung die Renovierung. Das Denkmal und die restaurierte Technik kann im alten Maschinenhaus besichtigt werden. Ehrenamtlich tätige ehemalige Bergleute erklären die Fördertechnik und führen durch die Sammlung. Geöffnet ist Bergbaumuseum an der Zechenstraße 50 in Moers-Hochstraß von Mai bis Ende Oktober jeden Sonntag von 13 bis 16 Uhr. Gruppenführungen sind auch außerhalb der Öffnungszeiten nach Vereinbarung möglich. Kontakt unter Telefon 02841 / 889108 (mittwochs 9 bis 12 Uhr) oder per Mail an schacht4(at)gmgv-moers.de.
www.gmgv-moers.de

 
© 2023 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (3), André Thissen / GMGV (Kalenderfotos)

 
 

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cubus kunsthalle in Duisburg zeigt fotorealistische Malerei und Fotografien von Heinz Josef Klaßen

„Vom Tanken und Leben im Ruhrgebiet“:
Eine farbige Zeitreise in die 1970er-Jahre

Von Petra Grünendahl

AREG-Imbiss in Essen. Foto: Heinz Josef Klaßen.

Heinz Josef Klassen (*1936 in Meppen) inszenierte den Alltag des Ruhrgebiets der 1970er Jahre, ohne die industrielle Arbeit zu thematisieren. Ihn interessieren vielmehr Sonntagsspaziergänge, Straßenszenen, Reklame, bunte Schaufenster und Nachtszenen, Bahnübergänge, Baustellen, Abbruch und Umbruch, freie Flächen, Brachen, Tankstellen und innerstädtische Einöden. Vieles erinnert an Filme mit US-amerikanischen Großstädten. In seinem Werk leben die 1970 Jahre wieder auf: Als das Benzin kaum mehr als 50 Pfennige pro Liter gekostet hat und Straßenbahnen als bewegte Werbeflächen die Straßen querten. Viele seiner ausgewählten Orte gibt es nicht mehr: Sie sind im Zuge der urbanen Entwicklung der Stadtplanung zum Opfer gefallen. Vor diesem Hintergrund haben seine Fotografien heute auch einen außergewöhnlichen dokumentarischen Wert. Andere Motive von Häuserkulissen, Parkplätzen, Unterführungen und Bahnübergängen existieren noch und haben sich kaum verändert. Lediglich die wenigen auf den Bildern vorkommenden Menschen verraten durch Kleidung und Aussehen das Alter der Aufnahmen.

 

Heinz Josef Klaßen: Vom Tanken und Leben im Ruhrgebiet. Foto: Plakat zur Ausstellung.

Die cubus kunsthalle im Kant-Park zeigt unterschiedliche Themen des 87-jährigen, der auf ein langes künstlerisches Schaffen zurückblicken darf. Ausgehend von der fotorealistischen Malerei, die auf der amerikanischen Pop Art der 1970er Jahre basiert, und der frühen Farbfotografie, die längst zu einer eigenständigen Kunstform geworden ist, zeigt die Ausstellung auch einige Holzskulpturen, die dabei aber eine eher flankierende Rolle spielen. Schon früh setzte sich Klassen künstlerisch mit dem Leben im Ruhrgebiet auseinander, malt in seiner ganz eigenen Art und Weise Portraits von Tankstellen und Häusern, Plätzen und Hinterhöfen sowie Unterführungen. Seine realistischen Darstellungen erinnern ein wenig an den amerikanischen Maler Edward Hopper (1882 – 1967). Heute begegnen wir in Klaßens Bildern auch dieser eigenartigen Atmosphäre wieder: Der Dunstglocke über dem Ruhrgebiet in den 1970ern. Die Ausstellung in der cubus kunsthalle wird am Sonntag, 13. August, um 16 Uhr offiziell eröffnet. Sie ist bis zum 8. Oktober zu sehen (Öffnungszeiten siehe unten).

 

 
 
Der Künstler

Hochofenanlage der heutigen DK Recycling und Roheisen in Hochfeld. Foto: Heinz Josef Klaßen.

Heinz Josef Klassen wurde 1936 im Meppen (Ems) geboren. Er Klaßen studierte Kunsterziehung und Philosophie an der Kunstakademie Mainz und war 1966 bis 2000 neben seiner künstlerischen Tätigkeit Lehrer für Kunst und Philosophie am Alfred-Krupp-Gymnasium in Essen. Heinz Josef Klassen fotografierte mit Farbpositiv (also Diafilm) – damals für die Kunst völlig verpönt: in Farbe statt der klassischen (künstlerischen) Schwarzweiß-Fotografie. Erste Farbfotografien sind bereits für 1959 belegt. Seine fotorealistischen Malerei basierte auf eigenen Farbdias im Kleinbildformat. Ab 1970 fotografierte in Essen, Duisburg und Umgebung. Seine Holzskulpturen entstehen ab 2001, seit 2014 widmet er sich der digitalen Fotobearbeitung seiner eigenen Fotografien (Farbdias).

 

Bahnübergang in Essen-Carnap. Foto: Heinz Josef Klaßen.

Seine in den 1970er- und 1980er-Jahren aufgenommenen rund 500 Dias im Kleinbild und Mittelformat hat Klaßen 2015 wiederentdeckt, digital restauriert und in unterschiedlichen Formaten, zumeist in A4, A3 und A2 auf dem eigenen Drucker ausgedruckt. Dabei halfen ihm seine Malereien, die auf den längst verblassten Diapositiven basierten, die einstigen Farben der Dias konservieren. Anhand der Malereien gelingt es ihm heute, die Farben der eingescannten Dias im Fotoausdruck computergestützt zu rekonstruieren. Dies dürfte ein einmaliger Vorgang sein: Die Farbwiederherstellung des Original-Dias anhand der Malerei, für die das Dia einst Pate stand!

 
2019 übernimmt das Fotoarchiv des Ruhrmuseums rund 300 Kleinbild- und Mittelformat-Dias, um damit das Essen der 1970-er und 1980er-Jahre zu dokumentieren.

 

 
cubus kunsthalle

Wahlplakat aus den 1970er-Jahren. Foto: Heinz Josef Klaßen.

Die cubus kunsthalle liegt im Kant-Park in der Duisburger Innenstadt in der Nachbarschaft des Lehmbruck Museums, wo sie mit Ausstellungen zeitgenössischer Künstler und Konzerten, aber auch mit partizipativen Angeboten das Umfeld und die Duisburger Kunstlandschaft belebt. Gegründet hat die cubus kunsthalle die Duisburger Kunstwissenschaftlerin Dr. Claudia Schäfer 1987/88 als cubus galerie in Duissern, bevor sie 1994/95 mit Hilfe eines gemeinnützigen Fördervereins in das Gebäude des ehemaligen Niederrheinischen Museums der Stadt Duisburg in den Kant-Park zog. Die cubus kunsthalle finanziert sich durch Spenden zur Förderung von Kunst & Kultur, über Sponsorenleistungen und durch die Untervermietung des Café Museums. Neben Duisburger Künstlern zeigt die Kunsthalle internationale Künstler und stellt einmal jährlich eine Sammlung vor – und dies weitestgehend bei freiem Eintritt. Geöffnet hat die privat geführte Kunst- und Ausstellungshalle mittwochs bis sonntags zwischen 14 und 18 Uhr.
www.cubus-kunsthalle.de

 
© 2023 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Heinz Josef Klassen, cubus kunsthalle (Ausstellungsplakat)

 
 

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IHK-Initiative Rheinland stellt Verkehrsleitbild vor: Vielfältige Verkehrswege nachhaltig sichern

Wettbewerbsfähigkeit der Region braucht leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur
Von Petra Grünendahl

Verkehrsleitbild Rheinland 2023. Foto: Titelbild.

Das Rheinland ist eine zentrale Logistikdrehscheibe und benötigt eine für den zukünftigen Bedarf ausgebaute Verkehrsinfrastruktur: 1.130 km Autobahnen, 683 km Hochgeschwindigkeitsstrecke Schiene, 77,5 Millionen Tonnen Güterumschlag der Häfen von Wesel bis Bonn und fast 40 Millionen Passagiere an den Flughäfen Düsseldorf, Köln und Weeze pro Jahr. Das Rheinland ist als Hinterland der Zara-Häfen* ein Hotspot der Verkehrströme. Es besteht erheblicher Instandhaltungsbedarf, um den bundesweit so wichtigen Wirtschaftsstandort zu stärken. Dafür sind ausreichende Finanzmittel und Planungskapazitäten nötig. Im Kontext einer nachhaltigen Finanzierung von (allen) Verkehrswegen gilt es zudem, auch die steigenden Baukosten zu berücksichtigen. „Um den Verfall der Infrastruktur zu stoppen, müssen wir schneller planen, genehmigen und bauen“, erklärte Michael F. Bayer (Hauptgeschäftsführer der IHK Aachen). Die großen Projekte (u. a. Leverkusener und Neuenkamper Rheinbrücken) waren vor Jahrzehnten geplant und gebaut worden: Viele dieser Bauten erreichten jetzt fast gleichzeitig das Ende ihrer Nutzungsdauer, so Bayer. „Dort, wo bestehende Infrastruktur in gleichem Rahmen ersetzt wird, sollten keine neuen Planfeststellungsverfahren nötig sein, sondern die alten Baugenehmigungen erneut genutzt werden können“, forderte Heinz-Johannes Hintzen von Hintzen Logistik GmbH, Eschweiler (IHK Aachen Verkehrsausschuss). Allerdings müssten vielerorts die Kapazitäten auf allen Verkehrsträgern – von der Straße über die Schiene und die Wasserwege bis hin zum ÖPNV – ausgeweitet und besser vernetzt werden, um heutigen wie künftigen Ansprüchen zu genügen.

 

Das Pressegespräch bei der IHK in Aachen fand hybrid statt. Foto: Screenshot.

Für den Initiativkreis der Industrie- und Handelskammern im Rheinland stellten Michael F. Bayer (Hauptgeschäftsführer der IHK Aachen) und Gregor Berghausen (Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf) das Verkehrsleitbild 2023 vor. Damit positionieren sich die IHKs der Region zu Fragen, wie die Entwicklung der Infrastruktur aussehen muss, um die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft zu sichern, aber auch den wirtschaftlichen Anforderungen der Industrie- und Transitregion Rheinland Rechnung zu tragen. Das gemeinsam erarbeitete Verkehrsleitbild behandelt zehn Themengebiete, in denen die Industrievertreter Handlungsbedarf sehen, die Leistungsfähigkeit der Infrastruktur angesichts der Herausforderungen – bis 2050 rechnet man mit einer Steigerung des Güterverkehrs um 54 Prozent – nachhaltig zu sichern. Das alles kostet natürlich viel Geld: „Wir hätten genug Geld dafür, wenn wir alle Einnahmen aus dem Verkehrssektor – Kfz-Steuer, Lkw-Maut und Mineralölssteuer – zweckgebunden für alle Verkehrsträger nutzen würden“, waren sich Unternehmer Hintzen und IHK-Mann Bayer einig.

 

 
 
Infraastruktur auskömmlich finanzieren und Planungskapazitäten wieder aufbauen

Das Pressegespräch bei der IHK in Aachen fand hybrid statt. Foto: Screenshot.

Die Baustellen sehen die IHK-Vertreter auf allen Verkehrsträgern vom Lkw-Verkehr auf den Straßen über die Verkehren auf der Schiene und den Wasserwegen bis hin zum ÖPNV und der Wasserstoff-Infrastruktur: Es hakt beim Planungsrecht – zu langsam – und es fehlen Planungskapazitäten bei den Behörden: Die wurden vor Jahren schon abgebaut, um Geld zu sparen. Jetzt fehlen sie und sind nur schwer wieder aufzubauen: „Diese Arbeitsplätze müssen wir attraktiver gestalten, um gegen die Wirtschaft als Arbeitgeber bestehen zu können“, so Bayer. Eine bessere Vernetzung der unterschiedlichen Verantwortlichkeiten für die Verkehrswege (Kommunen, Land und Bund) wäre nötig, um Baumaßnahmen besser zu koordinieren. Wichtig sei den Industrievertretern auch eine erweiterte Möglichkeit zur Ausweisung von Gewerbeflächen, die bisher eher siedlungsnah ausgewiesen würden, sagte Bayer: „Flächen an den Hauptverkehrsachsen sind hervorragend für die Ausweisung von Gewerbe- und Industriestandorten geeignet, denn insbesondere für den Güterverkehr mit seinen komplexen Logistikketten sind diese Flächen ein ausschlaggebendes Wettbewerbs- und Ansiedlungskriterium.“ Genau aus diesem Grund befinden sich auch viele Industriestandorte an Flüssen und Kanälen.

 
Nordrhein-Westfalen ist Binnenschiffsland Nr. 1 in Deutschland. 80 Prozent der Binnenschiffe fahren über den Rhein und mehr als die Hälfte des Güterumschlags auf der Wasserstraße findet in NRW statt. Das sind rund 110 Millionen Tonnen im Jahr, was der Ladekapazität von ca. 4,5 Millionen Lkw entspricht. „Neben der Tatsache, dass die Binnenschifffahrt wesentlich dazu beiträgt, den Transport von Gütern auf den Straßen zu reduzieren, ist das System Wasserstraße für die regionale Industrie ein wesentlicher Standortfaktor“, sagte Gregor Berghausen. Die Chemie-Industrie würde gerne mehr auf die Wasserwege setzen, erklärte Gerd Deimel von C2I Consulting to Infrastructure (IHK Aachen Verkehrsausschuss): „Schifffahrt muss planbar bleiben, denn die Betriebe liegen an Flüssen und Kanälen. Wir wollen mehr über Wasserstraßen transportieren, weil es dort noch freie Kapazitäten gibt.“ Das Rekordniedrigwasser im Sommer 2022 habe aber beispielsweise gezeigt, wie stark die Branche auf eine funktionierende Wasserstraßeninfrastruktur, leistungsfähige Häfen und trimodale Hinterlandanbindungen angewiesen sei. Um die Wettbewerbsfähigkeit der Metropolregion Rheinland langfristig sicherstellen zu können, muss das System Wasserstraße gestärkt und sich gezielt für die Klima-Resilienz des Rheins fit gemacht werden. Ähnliches gelte für den Verkehrsträger Schiene. „Auch hier müssen die Kapazitäten gezielt erweitert werden, um Waren effizient in unserer Region transportieren zu können“, erklärte der Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf.

 

Das Pressegespräch bei der IHK in Aachen fand hybrid statt. Foto: Screenshot.

„Unsere Innenstädte müssen langfristig gut erreichbar sein, denn eine starke Wirtschaft in urbanen Räumen floriert, wo der Verkehr stadtverträglich und umweltfreundlich gedacht wird“, so Berghausen weiter. Ebenso wichtig sei es, neue (nachhaltige) Mobilitätsformen mit bewährten Verkehrsträgern in Einklang zu bringen und zu vernetzen. Das „Verkehrsleitbild Rheinland 2023“ adressiert auch das Zukunftsthema Wasserstoff. Der klimaneutrale Umbau der Wirtschaft ist eine enorme technische, finanzielle und zeitliche Herausforderung – und emissionsfreier Wasserstoff wird dabei insbesondere für die Industrie eine Schlüsselrolle einnehmen. „Die enormen Mengen an Wasserstoff, die für die Transformation unserer Wirtschaft benötigt werden, können nicht nur im Rheinland produziert werden. Wichtige Partner werden Belgien und die Niederlande mit ihren Häfen Antwerpen und Rotterdam als Wasserstoffdrehscheiben für die Metropolregion Rheinland sein. Deshalb ist es notwendig, unser Wasserstoffnetz mit Anschluss an die beiden Nachbarländer schnell und unbürokratisch aufzubauen“, so Michael F. Bayer abschließend.

*) Nordseehäfen in Belgien und den Niederlanden: Zeebrügge, Antwerpen, Rotterdam, Amsterdam

 

 
Die Niederrheinische IHK und die IHKs im Rheinland
Die Niederrheinische IHK vertritt das Gesamtinteresse von rund 70.000 Mitgliedsunternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen in Duisburg und den Kreisen Wesel und Kleve. Sie versteht sich als zukunftsorientierter Dienstleister und engagiert sich als Wirtschaftsförderer und Motor im Strukturwandel. Zur Gruppe der IHK-Initiative Rheinland zählen neben Duisburg, Wesel und Kleve die Kammerbezirke Krefeld / Mittlerer Niederrhein, Düsseldorf, Wuppertal / Bergisches Land, Aachen, Köln und Bonn / Rhein-Sieg. Seit 18 Jahren arbeiten sie unter anderem auch gemeinsam am Konjunkturbarometer Rheinland, für die die Unternehmen in den IHK-Bezirken jeweils zum Jahresbeginn und im Spätsommer befragt werden.

 
Hier gibt es eine Stellungnahme der Niederrheinischen IHK mit weiterführenden Links zum Verkehrsleitbild der IHK-Initiative Rheinland (mit drei Dokumenten zum Download): https://www.ihk.de/niederrhein/topnavigation/presse/pressemitteilungen/pressemitteilungen20233/verkehrswege-fit-fuer-die-zukunft-machen-5876146. Hier ist die Broschüre zum https://www.ihk.de/niederrhein/grafiken/verkehr/verkehrsleitbild-rheinland-2023-5876348.

 
© 2023 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Screenshots, Titelbild der Broschüre

 
 

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Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers lädt zur fünften Nacht der Geschichte

Historische Figuren lassen Geschichte lebendig werden
Von Petra Grünendahl

Kurfürstin Luise-Henriette blickt auf das Alte Landratsamt (mitte). Foto: Petra Grünendahl.

Lebendige Einblicke in die Moerser Vergangenheit geben die Kurfürstin Luise Henriette (von Brandenburg), der Industrielle Friedrich Wintgens, Moritz von Oranien, der Befreier von der spanischen Herrschaft, und Minchen Runge, deren Mann Hermann einer der Väter des Grundgesetzes ist. Oder auch der „Hausmeister“ vom Peschkenhaus (das älteste Gebäude der Stadt ist heute eine Kunstgalerie). Zwei ehemalige Bergmänner in den Bergmannsuniformen ihres Knappenvereins erzählen vom wirtschaftlichen Aufschwung in Moers, wo Haniel ab 1850/51 auf Rheinpreußen nach Kohle graben ließ, die dann mit dem Zug durch die Moerser Altstadt nach Krefeld oder Düsseldorf transportiert wurde. Und da war noch die jüdische Gemeinde, die bis zum Dritten Reich über 120 Jahre lang eine kleine Synagoge unterhielt, die in der Pogromnacht nicht angezündet wurde. Das Haus steht heute noch und wurde zum Wohnhaus umgebaut. Die Entwicklung am „Königlichen Hof“, wo einst König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen in einem Gasthaus abstieg, schildert der ehemalige Geschichtslehrer Dr. Wilfried Scholten, Autor mehrerer Bücher zur Moerser Geschichte. An manchen Standorten der Führungen erzählen die historischen Protagonisten neue Geschichten, die andere spannende Aspekte beleuchten und zeigen, dass die Moerser Geschichte nie langweilig war.

 

Vorne mit Plakat (v. l.): Diana Finkele und Fanja Burger (beide Grafschafter Museum) sowie Peter Boschheidgen (GMGV), dahinter Ehrenamtliche und Stadtführer. Foto: Petra Grünendahl.

Bereits zum fünften Mal lädt der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e. V. (GMGV) in diesem Jahr zur traditionellen Nacht der Geschichte ans Moerser Schloss. Der Verein stellte das diesjährige Programm mit den Stadtführern und anderen Beteiligten im Pressegespräch vor. Es gibt drei Rundgänge: Einen rund um Schloss und Museum, einen Richtung Altmarkt und Altstadt sowie einen dritten Richtung Neumarkt und zum Königlichen Hof. An jeder Station erzählen berühmte Persönlichkeiten aus der Moerser Vergangenheit ihre Geschichte und darin eingebunden die Historie der Stadt. Jeder Rundgang hat fünf Stationen, an denen die Besucher eine gute Viertelstunde durch Zeit und Raum wandern und auch Fragen stellen können. Ab ca. 20.30 Uhr geht es nach der Rückkehr von den Rundgängen zum Grafschafter Musenhof, wo auf die Besucher ein geselliger kulinarischer Ausklang wartet (Leckereien sind im Ticketpreis enthalten, Getränke kosten extra). Getragen wird die Nacht der Geschichte in Kooperation mit der Wirtschaftsförderung der Stadt ganz wesentlich vom ehrenamtlichen Engagement von Mitgliedern des GMGV, von Mitarbeitern des Grafschafter Museums, den Moerser Stadtführern sowie weiteren Ehrenamtlichen u. a. von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und vom Peschkenhaus.

 

 
 
Tickets für drei Rundgänge

Treffpunkt ist am Moerser Schloss am Henrietten-Denkmal. Foto: Petra Grünendahl.

Die Nacht der Geschichte startet um 19 Uhr am Henrietten-Denkmal vor dem Moerser Schloss. Karten für die Nacht der Geschichte gibt es für 12 Euro im Grafschafter Museum (Moerser Schloss, Kastell 9, 47441 Moers). Einen besonderen Service bietet der der Veranstalter für Menschen, die nicht mehr richtig gut zu Fuß sind: Beim Kartenerwerb kann man auch eine der begrenzt verfügbaren Rikscha-Plätze reservieren. Es gibt 8 Plätze in Doppel-Rikschas sowie einen Rollstuhl-Rikscha (für die Rundgänge 2 und 3 möglich). Der GMGV hat hierfür die Initiative „Radeln ohne Alter Neukirchen-Vluyn“ mit ins Boot geholt.

 

Vorne mit Plakat (v. l.): Diana Finkele und Fanja Burger (beide Grafschafter Museum) sowie Peter Boschheidgen (GMGV), dahinter Ehrenamtliche und Stadtführer. Foto: Petra Grünendahl.

Entscheiden muss man sich beim Kauf der Tickets für einen der Rundgänge, da dieser auf dem Aufkleber vermerkt wird, der als Teilnahme-Ticket gilt und bei der Veranstaltung zu tragen ist. Einen Überblick über das Programm bietet der Flyer (hier). Die Teilnehmerzahl ist auf 300 begrenzt: Drei Rundgänge mit jeweils fünf Gruppen à 20 Leuten. Wer Tickets haben will, sollte sich also sputen: Denn dass an der „Abendkasse“ überhaupt noch welche verfügbar sind, ist nicht garantiert: Das Interesse an den lebendigen Führungen ist erfahrungsgemäß sehr groß und die Tickets schnell vergriffen. Wer es nicht zügig ins Museum schafft, kann auch erst einmal telefonisch unter 02841 / 201-68200 oder per eMail an Grafschafter-Museum@Moers.de reservieren.

 

 
Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e. V.
Der Museums- und Geschichtsverein in Moers (GMGV) möchte die Geschichte und Kultur der Grafschaft Moers schützen und erhalten – und das seit 1904. In diesem Jahr gründete Dr. Hermann Boschheidgen den „Verein für Heimatkunde“. Seitdem werden vom Verein, der heute „Grafschafter Museums- und Geschichtsverein“ heißt, Gegenstände aus dem Alltag und dem Leben der Moerser Bevölkerung zusammengetragen und im Moerser Schloss ausgestellt. Dadurch soll gemeinsam mit der Stadt Moers interessierten Bürgern die Geschichte der Grafschaft und des Altkreises Moers nahe gebracht werden. Den kulturellen und historischen Wert des Schlossparks stärker bewusst zu machen und zu erhalten ist ebenfalls ein Ziel der Arbeit des GMGV. Der heutige Vorsitzende, Peter Boschheidgen, ist ein Enkel des Vereinsgründers.

Industriedenkmal Rheinpreußen Schacht IV. Foto: Petra Grünendahl.

Als weiterer Schwerpunkt der Vereinstätigkeit kam später die Geschichte des Bergbaus mit dem Nutzungsrecht für das „Industriedenkmal Rheinpreußen Schacht IV“ hinzu, mit der Verpflichtung, das Maschinenhaus von 1906 zu erhalten. Der Bergwerks-Standort war 1962 stillgelegt worden. Unter dem langjährigen Vereinsvorsitzenden Andreas Eichholtz übernahm der GMGV Ende der 1990er-Jahre als Bauherr mit finanzieller Unterstützung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, des Landes NRW und der Nordrhein-Westfalen-Stiftung die Renovierung. Das Denkmal und die restaurierte Technik kann im alten Maschinenhaus besichtigt werden. Ehrenamtlich tätige ehemalige Bergleute erklären die Fördertechnik und führen durch die Sammlung. Geöffnet ist Bergbaumuseum an der Zechenstraße 50 in Moers-Hochstraß von Mai bis Ende Oktober jeden Sonntag von 13 bis 16 Uhr. Gruppenführungen sind auch außerhalb der Öffnungszeiten nach Vereinbarung möglich. Kontakt unter Telefon 02841 / 889108 (mittwochs 9 bis 12 Uhr) oder per Mail an schacht4(at)gmgv-moers.de.
www.gmgv-moers.de

 
© 2023 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Duisburgs OB im Wirtschaftsdialog: Brabender in Wanheimerort

Das Maß für Qualität – seit 100 Jahren
Von Petra Grünendahl

Erklärt den Farinographen (v. l.): Dr. Matthias Mayser, Leitung Anwendungslabor Lebens- und Futtermittel, mit Sören Link, Stefan Dietzfelbinger, Michael Rüscher und Dr. David Szczesny. Foto: Petra Grünendahl.

„Die Firma Brabender gehört zu den in Duisburg ansässigen ‚Hidden Champions’ mit langer Tradition. Das 1923 gegründete Unternehmen hat sich durch ständige Innovationen als Weltmarktführer behauptet und seinen hohen Standard konstant gehalten: Solche Top-Adressen bilden das mittelständische Rückgrat unser Wirtschaft“, zeigte sich Oberbürgermeister Sören Link beeindruckt.

Oberbürgermeister Sören Link. Foto: Petra Grünendahl.

Viel investiert hatte das Wanheimerorter Unternehmen in den letzten Jahren, als es neben dem alten Firmensitz an der Kulturstraße ein neues Kunden- und Technologiezentrum mit modernen Laboren für Forschung und Entwicklung baute, das 2017 bezogen wurde. Seit Jahrzehnten unterstützt der Duisburger Maschinenhersteller Unternehmen bei der Erschließung zukunftsweisender Lösungen in unterschiedlichsten Bereichen: Vom Fleischersatz und der damit einhergehenden Nutzung alternativer und nachhaltiger Protein-Quellen über Batterie-Anwendungen für die Elektromobilität bis hin zu Biopolymer-Anwendungen wie wasserlöslichen Folien aus Markoalgen. Für diese Technologien beschäftigt das Unternehmen neben Maschinenbau- und Software-Ingenieuren auch Chemiker, Biologen und Lebensmitteltechniker.

 

Oberbürgermeister Sören Link und IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Stefan Dietzfelbinger gratulierten Brabender-Geschäftsführer Dr. David Szczesny (r.). Foto: Petra Grünendahl.

Sein 29. Wirtschaftsdialog führte Oberbürgermeister Sören Link zur Firma Brabender: Das familiengeführte Traditionsunternehmen in Wanheimerort feiert in diesem Jahr ein 100-jähriges Firmenjubiläum. Die Unternehmensbesuche des OB organisiert die Wirtschaftsentwicklung Duisburg Business & Innovation (DBI). OB Link und Dr. Stefan Dietzfelbinger, Hauptgeschäftsführer der Niederrheinischen IHK in Duisburg, sowie Wirtschaftsdezernent Michael Rüscher überbrachten Brabender-Geschäftsführer Dr. David Szczesny die Glückwünsche von Stadt und IHK.

Brabender Farinograph von 1929. Foto: Petra Grünendahl.

Seinen ersten Farinographen zur Messung von Mehlqualität hatte Firmengründer Carl Wilhelm Brabender 1928 auf den Markt gebracht: Das hier entwickelte Verfahren zur Qualitätsprüfung von Mehl und Teigmassen wird bis heute eingesetzt und daraus entwickelte Fachbegriffe sind heute Standard.

 
 

 
 

Braunalgen und ihre Anwendungsmöglichkeiten. Foto: Petra Grünendahl.

Mess- und verfahrenstechnische Lösungen für die Prüfung der Qualität von Rohstoffen und Endprodukten (u. a. auch für Mehl und Teigmischungen) zählen noch heute zu den Produkten, die Brabender in Duisburg entwickelt und weltweit vertreibt: Allerdings natürlich mittlerweile auf Hightech-Niveau nach dem (internationalen) Motto „where quality is measured“ (wo Qualität gemessen wird).

Brabender-Geschäftsführer Dr. David Szczesny. Foto: Petra Grünendahl.

Auch beschäftigen sich die Entwickler heute nicht nur mit der Prüfung von Lebensmitteln oder Futtermitteln, sondern von Kunststoffen wie Thermoplasten (u. a. PVC) oder aus natürlichen Stoffen wie beispielsweise Algen gewonnenen Verpackungsmaterialien. Mit seinem Wissenstransfer auf neue Marktbereiche hat sich Brabender international als führender Hersteller von Messtechnik sowie für die Entwicklung von innovativen Rezepturen und nachhaltigen Methoden und Prozessen als Marktführer etabliert. Dem Rekordjahr 2022 werden da sicherlich weitere folgen. „Viele Ideen für neue Produkte werden von Kunden an uns herangetragen“, erzählte Dieter Szczesny. Daraus entstehen innovative Lösungen für die Probleme der Zukunft.

 
 
Brabender

Brabender Kunden- und Technologiezentrum an der Kulturstraße. Foto: Petra Grünendahl.

Die Brabender GmbH & Co. KG wurde 1923 als Brabender & Co. Elektrotechnische Fabrik GmbH von Carl Wilhelm Brabender gegründet und beschäftigt heute in Duisburg rund 160 Mitarbeiter. Brabender entwickelt, produziert und vertreibt als führender Lieferant Geräte und Ausrüstungen zur Prüfung von Materialqualität und physikalischen Eigenschaften in allen Bereichen von Forschung, Entwicklung und Produktion – und das weltweit für die beiden Anwendungs-Schwerpunkte Lebensmittel und Futtermittel (Food & Feed) sowie Kunststoffe und Gummi (Plastics & Rubber). Durch die enge Verzahnung von Entwicklung und Produktion kann die familiengeführte Unternehmensgruppe Qualität „Made in Germany“ garantieren. Die Unternehmensgruppe ist mit rund 100 Vertretungen in über 130 Ländern präsent, der Exportanteil liegt bei ca. 85 Prozent. Hauptexportregionen sind neben Europa vor allem der amerikanische und der asiatische Markt.
www.brabender.com

 

 
Duisburg Business & Innovation GmbH
Die Duisburg Business & Innovation GmbH (DBI) ist die neue Wirtschaftsförderung für Duisburg (ehemals Gesellschaft für Wirtschaftsförderung). Gemeinsam mit der Stadt soll sie mehr Arbeitsplätze schaffen, ein besseres Image und eine größere internationale Wahrnehmbarkeit produzieren. Das Team von Duisburg Business & Innovation versteht sich als Dienstleister für die Wirtschaft und bietet sowohl großen Playern als auch kleinen und mittleren Unternehmen eine Fülle unentgeltlicher Dienstleistungen. Diese richten sich an Firmen, die bereits in Duisburg ansässig sind, ebenso wie an Betriebe, die ihren Standort hierher verlagern oder sich mit einer Unternehmensgründung in Duisburg hier eine Existenz aufbauen wollen. Die Aufgabe der Duisburg Business & Innovation besteht darin, Industrie, Gewerbe, Handel und Dienstleistung auf allen Gebieten zu fördern und den Arbeitsmarkt diversifiziert zu entwickeln.
www.duisburg-business.de

 
© 2023 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Gemeindefinanzierung: Altschuldenlösung für hoch verschuldete Kommunen

Warum die Altschuldenlösung alleine nicht ausreicht
Von Petra Grünendahl

Foto: Petra Grünendahl.

Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen hat angekündigt, die Altschulden hoch verschuldeter Städte in ihren Haushalt übernehmen zu wollen. Dies scheint auf den ersten Blick ein erster Schritt in Richtung einer Altschulden-Lösung zu sein. Leider, so bemängelt Duisburgs Stadtkämmerer Martin Murrack, sei dies nicht der Fall: „Es werden keine zusätzlichen Gelder bereit gestellt – mit der Folge: Das Geld wird an anderer Stelle fehlen.“ Ein genauerer Blick auf das neue Gemeindefinanzierungsgesetz 2024 zeigt also: Eine Mogelpackung! Über den Stärkungspakt Stadtfinanzen des Landes NRW und enorme eigene Anstrengungen – Ausgabensenkungen sowie eine Erhöhung von Gebühren und Einnahmen – hatten überschuldete Kommunen innerhalb eines Jahrzehnts zumindest ihren laufenden Haushalt ausgeglichen und in einem begrenzten Rahmen finanzielle Gestaltungsmöglichkeiten zurück bekommen. Es drücken aber immer noch die Lasten der Vergangenheit: Die Altschulden, deren Abbau aus eigener Kraft nicht zu schaffen ist.

 
Auch die Stadt Duisburg ist – wie viele Städte des Ruhrgebiets – hoch verschuldet. Als verschuldet gilt eine Kommune ab mehr als 100 Euro Verschuldung pro Einwohner. In Duisburg und im Revier ist es ein Mehrfaches davon. Allein in NRW ist das in 199 von 429 Kommunen der Fall. Eine Altschuldenlösung würde alleine für die Städte und Gemeinden in NRW eine Übernahme von 19,7 Mrd. Euro durch Land und Bund umfassen. Diese Schulden sind nicht aufgrund von Misswirtschaft oder überzogenen Ausgaben entstanden, sondern primär durch die Tatsache, dass für die originären Aufgaben und Pflichten einer Kommune seit längerem die nötigen Einnahmen fehlen. Erschwerend kam hinzu, dass Bund und Länder seit Jahrzehnten immer wieder Verpflichtungen und Aufgaben an die Städte und Gemeinden runtergereicht haben, ohne die hierfür anfallenden Kosten auskömmlich gegenzufinanzieren. Nicht jede Kommune konnte dies bewältigen: Am allerwenigsten die Städte und Gemeinden im Ruhrgebiet, denen die Einnahmen weg gebrochen waren.

 

 
Industrie im Ruhrgebiet war einmal der Wirtschaftsmotor Deutschlands
Das Ruhrgebiet war früher reich – und auch die arbeitende Bevölkerung hatte etwas davon. Im Wirtschaftswunderland der Nachkriegszeit sorgten Bergbau und Industrie für Arbeit, die schwer, aber über viele Jahrzehnte – auch dank starker Gewerkschaften – gut bezahlt war. Steuereinnahmen sprudelten: Das Land NRW war größtes Geberland im Länderfinanzausgleich. Aber das war einmal! Als Folge des andauernden Strukturwandels mit Kohle- und Stahlkrisen fielen viele dieser gut bezahlten Arbeitsplätze weg. Die Arbeitslosigkeit stieg ebenso wie in den letzten fast 20 Jahren der Niedriglohnsektor: Stadtteile und Städte verarmten. Der Strukturwandel und die Aushöhlung des Sozialstaats, von der insbesondere der Niedriglohnsektor profitierte, führten zu sinkenden Steuereinnahmen der Kommunen, die deren finanzielle Möglichkeiten einschränkten. Die Pflichtaufgaben jedoch blieben.

 
Einwohner, die es sich leisten konnten, zogen weg: In den Speckgürtel und ins Umland der immer weniger attraktiven Industriestädte, die gegen immer größere Problemen mit immer weniger Geld ankämpften. Mit dem Wegzug von Besserverdienern schwand auch Kaufkraft, was wiederum den Handel und Dienstleister vor Probleme stellte: Zumindest bei inhabergeführten Geschäften machte sich dies auch bei der Gewerbesteuer und damit in der Stadtkasse bemerkbar. Sinkenden Einnahmen standen steigende Ausgaben gegenüber: Nicht nur steigende Sozialausgaben schlugen hier zu Buche, sondern auch eine Aufgabenverschiebung von Bund und Land auf die Kommunen (und damit einhergehende Kosten), die über Jahrzehnte nicht gegenfinanziert waren. Damit konnten die Städte aber nicht wirtschaften und mussten sich verschulden, was schließlich ihre Handlungsfähigkeit in Zeiten der Haushaltssicherung massiv einschränkte. Großzügige Förderprogramme der letzten Jahre von Land, Bund und EU konnten gerade die „armen“ Städte nicht nutzen, obwohl sie es am nötigsten gehabt hätten: Ihnen fehlte das Geld für den unvermeidlichen Eigenanteil, der zumeist nur einen Bruchteil der Fördergelder ausgemacht hätte.

 

 
Gemeindefinanzierung als Wurzel des Problems
Ihre Einnahmen können Städte und Gemeinden nicht mal eben nach Bedarf steigern. Zuweisungen von Land und Bund sind gesetzlich festgelegt. Eigene Stellschrauben zur Steigerung ihrer Einnahmen haben die Kommunen neben einer Erhöhung von Gebühren im Wesentlichen nur zwei, die wirklich Geld einbringen: Die Grundsteuer und vor allem die Gewerbesteuer. Die Grundsteuer zahlen alle, die in der Stadt eine Immobilie besitzen oder mieten (über die Nebenkostenabrechnung). Hier stellen sich Städte mit hoher Grundsteuerbelastung schlechter als Nachbarstädte mit vergleichbarem Preisniveau für Miete und Kauf. Besonders nachteilig kann aber die Gewerbesteuer werden, erschwert sie doch die Neuansiedlung von Unternehmen, die zusätzliche Arbeitsplätze in die Stadt bringen können, oder gibt manch einem Unternehmer einen Grund, seinen Betrieb in eine andere Gemeinde zu verlagern. Ein Anstieg der Hebesätze tut zwar erst einmal den Einnahmen gut, ist aber längerfristig eher nachteilig für die wirtschaftliche Entwicklung der Kommunen.

 
Wo die Stadt Gelder und Leistungen sparen muss, kann sie Bürgern weniger bieten. Und wo sich Unternehmen zurückziehen, gehen nicht nur Arbeitsplätze, sondern häufig auch Handel und Dienstleistungsangebote verloren. Die Attraktivität der Städte sinkt: Eine Spirale nach unten. Wer es sich leisten kann, zieht in den Speckgürtel und ins Umland, wo auch die Grundsteuer niedriger ist. Andererseits nutzen die Abgewanderten aber gerne die Angebote „in der Stadt“, die allerdings hier weniger werden. Und dann geht man halt woandershin in die Stadt.

 
Der Sparzwang macht die verschuldeten Städte unattraktiver. Leute von außerhalb kommen seltener, geben in der Stadt weniger Geld aus. Noch mehr der Besserverdienenden wollen zumindest zum Wohnen raus aus der Stadt. Mit 6-Seen-Wedau und Am Alten Angerbogen versucht die Stadt Duisburg hier mittlerweile gegenzusteuern: Höherwertiger Wohnraum hält Duisburger und lockt sogar Auswärtige in die Stadt. Das zwar ein Anfang, auch nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein.

 
Neben der Gewerbesteuer kommt nämlich ein sehr erheblicher Teil der Stadtfinanzen aus der Lohn- und Einkommensteuer sowie der Kapitalertragsteuer der eigenen Bürger. Und das ist die Stellschraube, an der keine Stadt oder Gemeinde drehen kann. Und sie ist einer der Hauptgründe, warum Städte mit einkommensschwacher Bevölkerung wie Duisburg und viele andere Städten im Ruhrgebiet finanziell so schlecht da stehen, denn „arme“ Städte erhalten „pro Kopf“ weniger Geld als Kommunen mit einkommensstarker Bevölkerung. Das ermöglichte zum Beispiel Städten wie Monheim im Speckgürtel von Düsseldorf mit etwas über 40.000 Einwohnern, 2012 die Gewerbesteuer auf den niedrigsten Satz in NRW zu senken: Mit der Folge, dass sich in der Folge zahlreiche Unternehmen mit ihrem Firmensitz dort ansiedelten und der Gewerbesteuer-Ertrag zunächst stark anstieg. Das ging und geht woanders nicht: Die niedrigen Einnahmen der Kämmerer aus der Einkommensteuer ist eine Spirale nach unten, denn je mehr „arme“ Städte an Attraktivität verlieren, umso schwieriger ist dieser Trend wieder umzukehren und einkommensstärkere Einwohner zu halten oder gar zurückzugewinnen.

 

 
Fazit: Altschuldenregelung alleine reicht nicht als Lösung
Die Altschuldenregelung ist nötig und sie ist überfällig, da gerade Bund und Länder die Kommunen lange Zeit ins offene Messer der Verschuldung haben laufen lassen. Sie reicht aber lange nicht aus. Der Stärkungspakt Stadtfinanzen der damaligen SPD-/Grünen-Landesregierung war ein guter Anfang, der zumindest Städten half, in einem gewissen Rahmen ihre finanzielle Selbstbestimmung zurück zu bekommen. Was blieb, waren allerdings die alten Verbindlichkeiten, die auch mit der damaligen Unterstützung aus Düsseldorf nicht abgebaut werden konnten. Verbunden wird die Altschuldenregelung immer gerne mit der Forderung, die Städte dürften sich dann aber nicht neu verschulden. Das setzt aber eine zukunftsfähige Lösung voraus, für die ein Erlass der Altschulden bestenfalls ein erster Schritt sein kann.

 
Hier ist eine nachhaltige Lösung gefordert, um die Finanzierung der Kommunen, die der wichtigste Baustein für unsere Gesellschaft und ihre Bürger sind, endlich auf solide Beine zu stellen. Das heißt: Für eine auskömmliche Finanzierung zu sorgen! Die können Bund und Länder unter anderem auch damit sicherstellen, dass Finanzmittel „pro Einwohner“ zur Verfügung gestellt werden: Damit gleichen sich die Möglichkeiten von Kommunen mit Gutverdienern und Einkommensschwachen an. Außerdem sollten Bund und Länder dafür sorgen, dass Maßnahmen und damit Kosten, die sie auf die Kommunen abwälzen, auch entsprechend finanziert werden. Denn wer die Musik bestellt, sollte sie auch bezahlen!

 
© 2023 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

 

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Gebag zieht positive Bilanz für 2022, warnt aber vor Knappheit von bezahlbarem Wohnraum

Trotz Mieterhöhungen: Gebag bleibt
einer der günstigsten Anbieter am Markt

Von Petra Grünendahl

Jahresüberschüsse. Infografik: Gebag.

„Im Gegensatz zu privaten Wohnungsunternehmen müssen wir keine Gewinne an Aktionäre oder Eigentümer ausschütten. Damit können wir mit unseren Überschüssen die Eigenkapitalbasis der Gebag stärken“, bilanzierte Geschäftsführer Bernd Wortmeyer. Seit er im Jahr 2014 das Ruder bei der damals arg in Schieflage geratenden Wohnungsbaugesellschaft übernommen hatte, hat die Gebag jährlich stabile Jahresüberschüsse erwirtschaftet, die im Unternehmen verblieben ein starkes Fundament bilden. Damit sieht Wortmeyer das Unternehmen gut gerüstet für die Herausforderungen der kommenden Jahre, die nicht nur die Gebag und Duisburg, sondern ganz Deutschland und Europa betreffen. Dazu zählen Energiewende und Klimawandel ebenso wie sich ändernde Lebens- und Arbeitswelten: „Darauf müssen wir uns einstellen“, so Wortmeyer.

 

Bilanzpressekonferenz bei der Gebag (v. l.): Sören Link, Bernd Wortmeyer und Bruno Sagurna. Foto: Petra Grünendahl.

In der Bilanzpressekonferenz gaben Gebag-Chef Bernd Wortmeyer, Oberbürgermeister Sören Link und Bruno Sagurna als Aufsichtsratsvorsitzender Auskunft zum Geschäftsjahr 2022 und laufende Projekte. Von den 8,4 Mio. Euro Plus im Jahresabschluss entfiel 4,9 Mio. Euro auf das Tagesgeschäft. Der Rest stammte aus einer Umsatzsteuer-Sonderprüfung (2 Mio. Euro) sowie aus dem Verkauf von Anlagevermögen (1,5 Mio. Euro). Bei einer Bilanzsumme von 726,79 Mio. Euro 2022 betrug die Eigenkapitalquote 12,6 Prozent (nach 11,9 Prozent von 664,86 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2021). Sowohl Sören Link als auch Bruno Sagurna bekräftigten die gute Entscheidung des Stadtrates, der städtischen Tochtergesellschaft nach dem Küppersmühlen-Desaster 2014 finanziell einen Neuanfang zu ermöglichen: „Mit der Gebag haben wir einen Partner an unserer Seite, der unsere Wohnungs- und Sozialpolitik ebenso unterstützt wie eine Stadtentwicklung in unserem Sinne“, freute sich Duisburgs OB. Neben der Schaffung und Instandhaltung von bezahlbarem Wohnraum hob er hier die Entwicklungsprojekte am Alten Angerbogen und 6-Seen-Wedau hervor, die Duisburgern ebenso wie Auswärtige locken.

 

Entwicklung der Baukosten. Infografik: Gebag.

Steigende Baukosten (15 Prozent im Vergleich zum vergangenen Jahr, 40 Prozent im Vergleich zu 2019) und steigende Zinsen machen die notwendigen Modernisierungen im Bestand ebenso wie Neubauten teuer. Im Gegensatz zu privaten Wettbewerbern zieht sich die Gebag jedoch aus diesen Maßnahmen nicht zurück, sind sie doch nötig, um den Bestand attraktiv zu halten. Und obwohl auch die Gebag mitunter die Mieten moderat erhöhen muss: „Die Mieterfluktuation geht zurück“, so der Gebag-Chef. Schließlich sind die Mieten im Vergleich zu anderen Wohnungsunternehmen günstig. Allerdings werde man um weitere Mieterhöhung nicht rum kommen: Gestiegene Zins- und Personalkosten schlagen hier ebenso zu Buche wie höhere Baukosten und die allgemeine Inflation. Allerdings, so Wortmeyer, hätten Mieterhöhungen in Duisburg ihre Grenzen: „Wohnraum muss bezahlbar bleiben.“

 

 
 
Gebag ist „vollvermietet“

Wohnungsbestand. Infografik: Gebag.

Der Wohnungsbestand ist zu fast einem Viertel öffentlich gefördert, unterliegt also der Sozialbindung. Gute drei Viertel der Wohnungen sind frei finanziert, brauchen also keinen Wohnberechtigungsschein. Bei einer Leerstandsquote von 2,8 Prozent sind lediglich 0,5 Prozent (65 Wohneinheiten) marktbedingt. Weitere 288 Wohnungen (2,3 Prozent) werden gerade modernisiert. Das gilt als Vollvermietung. Insgesamt sind die Neuvermietungen seit Jahren rückläufig (2022: 7,4 Prozent). Von den 1.071 Neuvermietungen im vergangenen Jahr gingen 222 Wohnungen an Geflüchtete aus der Ukraine. Rund 26 Mio. Euro investierte die Gebag 2022 in Neubauten: Von den 119 Wohneinheiten sind 59 öffentlich gefördert. In diesem Jahr sind es 35 Mio. Euro für 135 Wohneinheiten (davon 127 Sozialwohnungen). Allerdings stößt auch die Gebag hier an Grenzen: Die Mieterträge müssen einerseits für das städtische Wohnungsbau-Unternehmen ökonomisch vertretbar sein (also auch die gestiegenen Kosten abbilden), andererseits aber auch für die Menschen in Duisburg bezahlbar bleiben. Gebag-Chef Wortmeyer befürchtet, dass es auch in Duisburg zu einer Wohnungsknappheit kommen könnte. Der Mietwohnungsbau sei angesichts gestiegener Zinsen und steigender Baukosten fast vollständig eingestellt. Anstelle von Neubau-Nettomieten von 10,62 Euro pro Quadratmeter müsste die Gebag jetzt 16,87 Euro nehmen: „Die bekommen Sie in Duisburg nicht!“

 

Mietpreisentwicklung. Infografik: Gebag.

In Modernisierungen und Instandhaltungen investierte die Gebag im vergangenen Jahr über 42,56 Mio. Euro (2021: 41,34 Mio. Euro). Der City-Wohnpark kann dank erhöhter Fördergelder vom Land weiter modernisiert werden. Problematischer ist die Sanierung der denkmalgeschützten Straußsiedlung in Neudorf: Hier legt die Gebag aus wirtschaftlichen Gründen eine Pause ein. Positive Effekte der Modernisierungen im Bestand: Von 2015 bis 2022 sank der CO2-Ausstoß der modernisierten Gebäude von 39 kg CO2 auf 22,4 kg CO2 je Quadratmeter Wohnfläche. Bis zur Klimaneutralität muss die Gebag noch viel Geld in die Hand nehmen, welches sie aber – gerade in Duisburg – nicht auf die Mieten umlegen kann: „Hier brauchen wir sehr viel mehr Fördergelder.“ Mit der Urban Zero Projektgesellschaft und der Projektgesellschaft Urbane Zukunft Ruhr ist die Gebag an Gesellschaften beteiligt, die in Ruhrort und Hochfeld die Lebensqualität der Menschen verbessern soll. „Wir wollen dazu beitragen, Duisburg zu einer der lebenswertesten Städte in der Metropole Ruhr zu machen: Mit einer besonders beispielhaften Wohn- und Lebensqualität und zur Blaupause für eine neue nachhaltige Urbanität“, sagte der Gebag-Chef.

 

 
 
Neue Geschäftsfelder mit ersten Erfolgen

Bilanzpressekonferenz bei der Gebag (v. l.): Bernd Wortmeyer, Sören Link und Bruno Sagurna. Foto: Petra Grünendahl.

Erst wenige Jahre alt ist die Gebag-Tochter Gebag Flächenentwicklung GmbH (Gebag FE). Hier bündelt die Gebag seit 2020 die Flächenentwicklung für Areale wie Am Alten Angerbogen, 6-Seen-Wedau, Wedau-Nord und die Duisburger Dünen. Gab es in früheren Jahren wegen der notwendigen Erschließungskosten und Investitionen erst einmal negative Ergebnisse, konnte die FE 2022 nun durch die Erlöse von Flächenverkäufen an Investoren einen positiven Jahresabschluss erzielen. „Wir haben zum Beispiel mittlerweile ein gute Drittel der Flächen auf 6-Seen-Wedau verkauft“, so Wortmeyer. Auch um den Rest macht er sich keine Sorgen: „Wir sind nicht unter Zeitdruck.“

 

Strategie. Infografik: Gebag.

Engagiert ist die Gebag mittlerweile im Bereich Geschäftsbesorgungen für die Stadt Duisburg: „Wir bringen hier die notwendigen Kompetenzen und das Know-how mit, die man andernorts erst einmal aufbauen müsste“, begründete Bernd Wortmeyer. Zu diesem Bereich zählt zum Beispiel das Sondervermögen Kinder- und Jugendbereich Duisburg (SVK), die Schulbaugesellschaft Duisburg GmbH oder auch die Duisburger Stadionmanagement GmbH (DSM), die die MSV-Arena bewirtschaftet und damit auch für die anstehende Dach-Sanierung verantwortlich ist. Mit der Auflösung des Immobilienmanagement Duisburg (IMD) werden wohl weitere Immobilien in Form eines Sondervermögens dazu kommen, um die sich die Gebag künftig kümmern wird.

 

 
GEBAG

Verwaltung der Gebag an der Tiergartenstraße im Dellviertel. Foto: Petra Grünendahl.

Die Duisburger Gemeinnützige Baugesellschaft AG (GEBAG) wurde 1872 gegründet und zählt zu den ältesten Baugesellschaften Deutschlands. Seit 2012 ist die heutige GEBAG Duisburger Baugesellschaft mbH mit aktuell 12.609 Wohnungen mit insgesamt über 822.000 Quadratmetern Wohnfläche und mit 145 Gewerbeeinheiten das größte Immobilienunternehmen der Stadt. Sie bietet rund 35.000 Duisburgern ein Zuhause: Bezahlbar und in einer guten, zeitgemäßen Qualität. Die GEBAG ist das kommunale Immobilienunternehmen der Stadt Duisburg und beschäftigt über 200 Mitarbeiter. Seit über 150 Jahren prägt sie die Gestaltung und Entwicklung der Stadt Duisburg maßgeblich mit. Soziales Engagement in und für Duisburg wird hier großgeschrieben. www.gebag.de

 
© 2023 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl, Infografiken: Gebag

 
 

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Die Nacht ist bunt am Hafenmund: Neue Ansichten in der Outdoor-Galerie in Ruhrort

Aufnachtschicht-Fotografen Daniela Szczepanski und Frank Hohmann zeigen neue Motive
Von Petra Grünendahl

Neue Motive in der Outdoor-Galerie am Leinpfad in Ruhrort. Foto: Petra Grünendahl.

Neue Aussichten genießen Spaziergänger seit einigen Tagen am Leinpfad in Ruhrort: Zehn 3 x 2 Meter großen Fotoleinwände mit neuen Motiven haben die Fotografen Daniela Szczepanski und Frank Hohmann für ihre Open-Air-Galerie aufgehängt. Sie werden in den kommenden zwei Jahren ein gut 100 Meter langes Stück des Leinpfades am Hafenmund zieren. Weitestgehend stammen die Aufnahmen aus Duisburg, allerdings war auch der Hafen Rheinberg-Orsoy auf einem Foto zu erkennen.

 

Outdoor-Galerie Aufnachtschicht 2018: Die Fotografen Daniela Szczepanski und Frank Hohmann hängen am Leinpfad ihre neuen großformatigen Nachtfotografien auf. Foto: Petra Grünendahl.

Mit den neuen großformatigen Fotografien ging die Outdoor-Galerie AUFNACHTSCHICHT am Leinpfad in Duisburg-Ruhrort ins dreizehnte Jahr. Die Ausstellung trägt traditionell den Namen „Die Nacht ist bunt am Hafenmund“. Und bunt sind die Bilder allemal, auch wenn Sie bei Nacht entstanden sind. Mit Hilfe von Langzeit- und Mehrfachbelichtungen holen die Fotografen die farbenprächtigen Details aus ihren Motiven. Finanziell unterstützt werden die Fotografen bei ihrem ambitionierten Projekt von Kooperationspartnern wie der Duisburger Hafen AG, dem Museum der Deutschen Binnenschifffahrt, der Frank Schwarz Gastro Group und Haniel sowie Bildpaten, deren Logos auf den jeweiligen Aufnahmen aufgebracht sind.

 

 
Impressionen von der Outdoor-Galerie. Fotos: Petra Grünendahl

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Outdoor-Galerie

Neue Motive in der Outdoor-Galerie am Leinpfad in Ruhrort. Foto: Petra Grünendahl.

Die Fotografen Frank Hohmann und Daniela Szczepanski suchen für ihre gut 100 Meter lange Open-Air-Galerie am Leinpfad nach Motiven zum Thema Wasserwege und Binnenschifffahrt. Die Fotografien entstehen nachts, was ihren besonderen Reiz ausmacht. Mit finanzieller Unterstützung von Sponsoren aus der Wirtschaft und Bildpaten werden die großformatigen Fotoleinwände erstellt und aufgehängt. Viele sind schon seit Jahren dabei. Die Outdoor-Galerie gibt es seit dem Kulturhauptstadtjahr 2010. Alle zwei Jahre (in Zeiten von Corona mit etwas größerem Abstand) werden die Bilder ausgetauscht. Es ist damit das wohl nachhaltigste Kulturprojekt der „Ruhr.2010“. Seit 2013 unterstützt die Künstlerin Iris Weissschuh die Fotografen mit der Organisation.
www.outdoor-galerie.com
aufnachtschicht.com

 
© 2023 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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cubus Kunsthalle in Duisburg zeigt Reiner Langer: 50 Jahre „Against War“

Ein Leben mit der Kunst gegen den Krieg
Von Petra Grünendahl

50 Jahre „Against War“: Reiner Langer in der cubus kunsthalle. Foto: Petra Grünendahl.

„Auch wenn die Bilder aus der Ukraine erschüttern: Es nicht der grausamste Krieg, der zurzeit auf der Welt geführt wird“, erklärte der Künstler Reiner Langer (*1955 in Duisburg). Seit 50 Jahren wendet er sich mit seiner Kunst in Bildern, Installationen und Performances gegen den Krieg. Seine handwerklich einzigartigen Collagen, auf die sich die Ausstellung konzentriert, fertigt er in Altmeistertechnik – „sie hat Gefühl und Seele“, so der Künstler –, bei der er eigene Bilder und Bildausschnitte zusammen setzt zu neuen Bildkompositionen. Für die in Duisburg gezeigten Miniaturmalereien hat er Kupferstiche und Unterzeichnungen mit Malereien und Collagen zu beeindruckenden Kunstwerken ausgearbeitet. Die Werke sind alles Originale und – als vergrößerte Drucke – Unikate. Keines seiner Bilder wird in größeren Auflagen als Serie hergestellt – mit einer einzigen Ausnahme: Der „weinende Soldat“, das Plakatmotiv zur hiesigen Ausstellung, ist im Postkartenformat (mit Autogramm des Künstlers) zum Kauf auch in der cubus kunsthalle erhältlich. Vom dem Antikriegsmotiv im Kleinformat gibt es mittlerweile 700.000 Exemplare: Ein Statement gegen den Krieg und für das Leben und die Freiheit, welches sich in vielfältiger Symbolik durch Langers gesamtes Schaffen zieht.

 

Reiner Langer (m.) und Dr. Claudia Schäfer (r.) stellten die Ausstellung in der cubus kunsthalle vor. Foto: Petra Grünendahl.

Museumsleiterin Dr. Claudia Schäfer stellte zusammen mit Reiner Langer die neue Ausstellung „Against War“ in der cubus kunsthalle im Kant-Park vor. Seit 50 Jahren inszeniert Langer mit dem Mail Art Projekt „Against War“ ein weltweites Projekt für den Frieden, das im vergangenen Jahr auch im Dinslakener Rathaus zu sehen war. Während seiner Duisburger Ausstellung wird Reiner Langer an den Sonntagen zu Gesprächen anwesend sein. Die Ausstellung wird heute Abend eröffnet und ist bis Sonntag, 6. August, zu sehen. Das Datum der Finissage (feierlicher Abschluss der Ausstellung), bei der Langer eine „Friedenskerze“ im Außenbereich der cubus kunsthalle im Garten der Vergänglichkeit installiert, ist bewusst gewählt: Der Jahrestag des Atombombenabwurfs auf Hiroshima.

 

 
Der Künstler

Medusa: Reiner Langer in der cubus kunsthalle. Foto: Petra Grünendahl.

Geboren wurde Reiner Langer am 5. Oktober 1955 in Duisburg. Bevor er Kunst studieren durfte, bestand sein Vater auf eine abgeschlossene Berufsausbildung: Er sollte schließlich mal eine Familie ernähren können. So habe er dann Krankenpfleger in der Psychatrie gelernt, sagte der Künstler, bevor er bei dem ungarischen Künstler Prof. Lajos Sebök studierte. Als Künstler ist er um die ganze Welt gereist, hat an verschiedenen Hochschulen gelehrt und diverse Auszeichnungen erhalten. Einen großen Teil seines Lebens hat er in Indien gelebt. Heute lebt und arbeitet er in Dinslaken. „Ob Museum oder Café: da mache ich keinen Unterschied“, so Langer über seine Ausstellungen. „Kunst soll möglichst jedem zugänglich gemacht werden.“ Die Malereien spielen zwar eine herausragende Rolle in seinem Gesamtwerk: Feuer- und Lichtinstallationen sowie Performances gehören ebenso zum breiten Repertoire des Multitalents. Seine Werke sind in verschiedenen Sammlungen in Deutschland und weltweit vertreten.
www.reinerlanger.org/

 
Impressionen aus der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl

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cubus kunsthalle

Herrin der Gedanken: Reiner Langer in der cubus kunsthalle. Foto: Petra Grünendahl.

Die cubus kunsthalle liegt im Kant-Park in der Duisburger Innenstadt in der Nachbarschaft des Lehmbruck Museums, wo sie mit Ausstellungen zeitgenössischer Künstler und Konzerten, aber auch mit partizipativen Angeboten das Umfeld und die Duisburger Kunstlandschaft belebt. Gegründet hat die cubus kunsthalle die Duisburger Kunstwissenschaftlerin Dr. Claudia Schäfer 1987/88 als cubus galerie in Duissern, bevor sie 1994/95 mit Hilfe eines gemeinnützigen Fördervereins in das Gebäude des ehemaligen Niederrheinischen Museums der Stadt Duisburg in den Kant-Park zog. Die cubus kunsthalle finanziert sich durch Spenden zur Förderung von Kunst & Kultur, über Sponsorenleistungen und durch die Untervermietung des Café Museums. Neben Duisburger Künstlern zeigt die Kunsthalle internationale Künstler und stellt einmal jährlich eine Sammlung vor – und dies weitestgehend bei freiem Eintritt. Geöffnet hat die privat geführte Kunst- und Ausstellungshalle mittwochs bis sonntags zwischen 14 und 18 Uhr.
www.cubus-kunsthalle.de

 
© 2023 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Lehmbruck Museum blickt zurück: 100 Jahre Duisburger KünstlerBund

Einblicke und Rückblicke auf vielfältige Kunstlandschaft in Duisburg
Von Petra Grünendahl

Duisburger KünstlerBund im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.

Das Lehmbruck Museum verfügt in seiner Sammlung über eine vielfältige Auswahl an Werken Duisburger Künstler. Etwa die Hälfte der ehemaligen oder aktuellen Mitglieder des Dusiburger KünstlerBundes sind mit mindestens einem Werk in der Sammlung vertreten, manche sogar mit mehreren. Das Lehmbruck Museum hat nun das 100-jährige Jubiläum des Duisburger KünstlerBundes zum Anlass genommen, eine spannende und vielfältige Auswahl von 42 Skulpturen, Gemälden, Zeichnungen und Fotografien von 35 Künstlern aus einem Zeitraum von 1930 bis 2008 der Öffentlichkeit zu zeigen. Die erste Ausstellung des Duisburger Künstlerbundes fand 1925 in den Räumen des Duisburger Museumsvereins an der Tonhallenstraße statt. Dieser Verein ging später im Freundeskreis des Wilhelm Lehmbruck Museum auf und brachte seine Sammlung und damit auch Werke aus den Gründungsjahren des Duisburger KünstlerBundes in den Grundstock des 1964 gegründeten Skulpturenmuseums ein.

 

Museumsdirektorin Söke Dinkla und Alexander Voß vom Duisburger KünstlerBund im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.

Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla stellte zusammen mit Alexander Voß vom Duisburger KünstlerBund die Studioausstellung im Untergeschoss des Lehmbruck Museums vor. „Uns ist es wichtig, die Arbeit Duisburger Künstler durch regelmäßige Ausstellungen einer großen Öffentlichkeit zu präsentieren. Diese Ausstellung ermöglicht uns eine beeindruckende Zeitreise, gibt einen Einblick in die Entwicklung der bildenden Kunst in Duisburg und würdigt so das Wirken der Künstler in unserer Stadt“, sagte Söke Dinkla. „Diese Studioausstellung bietet einen guten Blick zurück auf die letzten 100 Jahre“, sagte Alexander Voß, der auch verriet, dass die früher informelle Künstlervereinigung sich erst vor wenigen Jahren als eingetragener Verein konstituiert hatte und zur Zeit 21 Mitglieder hat. Bis zum Jahresende wird es noch weitere Ausstellungen des KünsterBundes und Veranstaltungen zum Jubiläum in Duisburg geben. Offiziell eröffnet wird die Ausstellung im Lehmbruck Museum mit geladenen Gästen morgen Abend. Ab Samstag ist sie dann fürs Publikum zugänglich.

 

 
Duisburger KünstlerBund

Duisburger KünstlerBund im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.

Der Duisburger KünstlerBund ist die älteste Künstlervereinigung unserer Stadt. Im Gründungsjahr 1923 haben sich zehn Maler, Bildhauer und Fotografen zusammengeschlossen, um den sozialen und wirtschaftlichen Krisen zu trotzen. Als ,,Notgemeinschaft” gegründet, hat es der KünstlerBund stets verstanden, sich durch jüngere Kräfte zu erneuern und in die Stadtbevölkerung hinein zu wirken. Nur während der nationalsozialistischen Jahre unterbrochen, haben Mitglieder der Künstlervereinigung in zeitlichen Abständen neue Werke in gemeinsamen Ausstellungen der Öffentlichkeit präsentiert. Seit der Gründung haben die Duisburger Künstler nicht nur mit ihren Werken, sondern auch mit ihren Aktivitäten das kulturelle Leben in Duisburg enorm bereichert. Hier sind vor allem die Ausstellungen im Wilhelm Lehmbruck Museum, der cubus kunsthalle und der Galerie Rheinhausen zu nennen. Solidarität und Kooperation wird in dieser Gemeinschaft praktiziert und damit in der postindustriellen Stadt Duisburg ein überaus kreativer Beitrag zum kulturellen Leben der Metropole geleistet.

Kataloge des Duisburger KünstlerBundes im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.

Das Lehmbruck Museum hat dieses Engagement von Beginn an durch regelmäßige Ausstellungen und durch Erwerbungen gefördert. Diese werden u. a. auch an die städtischen Ämter ausgeliehen und sind dort zu sehen. Die Jubiläumsausstellung zeigt nun erstmals ausgewählte Werke von Künstlern des KünstlerBundes aus der Sammlung des Lehmbruck Museums. Der Katalog „So ist das jetzt“ zum 100-Jährigen des Duisburger Künstlerbundes (22 Euro, als pdf hier zusammen mit anderen Publikatione) ist ebenso an der Museumskasse zu haben wie ein Buch zur Ausstellung von Werken der Gründungsmitglieder im Museum St. Laurentius in Rheinhausen (25 Euro).
www.duisburger-kuenstlerbund.de

 

 
Das Lehmbruck Museum

Lehmbruck Museum im Kant-Park. Foto: Petra Grünendahl.

Das mitten in Duisburg im Kant-Park gelegene Lehmbruck Museum ist ein Museum für Skulptur. Seine Sammlung moderner Plastiken von Künstlern wie Alberto Giacometti, Pablo Picasso, Hans Arp und natürlich Wilhelm Lehmbruck ist europaweit einzigartig. Beheimatet ist das Museum in einem eindrucksvollen Museumsbau inmitten eines Skulpturenparks, der zum Schlendern und Entdecken einlädt.

 

Duisburger KünstlerBund im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.

Namensgeber des Hauses ist der Bildhauer Wilhelm Lehmbruck, der 1881 in Meiderich, heute ein Stadtteil von Duisburg, geboren wurde. Lehmbruck ist einer der bedeutendsten Bildhauer der Klassischen Moderne. Er hat mit seinem Werk maßgeblichen Einfluss auf nachfolgende Künstlergenerationen und ist auch nach seinem frühen Freitod im Jahr 1919 bis heute einflussreich geblieben. Das Lehmbruck Museum entstand 1964 nach den Entwürfen von Lehmbrucks Sohn Manfred (1913–1992). Der ab 1983 errichtete Erweiterungsbau wurde 1987 eröffnet.
www.lehmbruckmuseum.de

 
Impressionen aus der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl

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Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Duisburger KünstlerBund im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.

Die Studioausstellung des Duisburger KünstlerBundes ist im Untergeschoss des Lehmbruck Museums bis zum 1. Oktober zu sehen. Geöffnet ist das Lehmbruck Museum dienstags bis freitags ab 12 Uhr, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags an Terminen der plastikBAR (erster Donnerstag im Monat ab 17.30 Uhr) bis 20 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro (ermäßigt* 5 Euro), eine Jahreskarte 35 Euro (ermäßigt* 20 Euro). Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Blinden- und Demenzbegleitung haben kostenlos Eintritt. Schulklassen und Kindergärten zahlen pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte (2 Erwachsene plus Kinder bis 14 Jahre) gibt es für 15 Euro. Jeden ersten Freitag im Monat gilt: „Pay what you want“. Ausgenommen davon sind angemeldete Gruppen.

Duisburger KünstlerBund im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.

Zu seinen Sonderausstellungen bietet das Lehmbruck Museum verschiedene Veranstaltungen als Rahmenprogramm an. Öffentliche Führungen durch das Museum gibt es jeden Sonntag um 11.30 Uhr. Für Informationen steht die Kunstvermittlung des Lehmbruck Museums unter Telefon 0203 / 283-2195 oder eMail kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de zur Verfügung (Zu Preisen und Buchungen für Führungen geht es hier). Tickets für Führungen und Veranstaltungen können vorab im Ticket-Shop des Museums gebucht werden.

 
(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70 Prozent), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen mit Sozialhilfebezug.

 
© 2023 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Stadtwerke Sommerkino lockt an 40 Filmabenden in den Landschaftspark Duisburg-Nord

Vielfältiges Kinoprogramm für alle Altersklassen
Von Petra Grünendahl

Stadtwerke Sommerkino im Landschaftspark Duisburg-Nord. Foto: Thomas Berns.

Mit Harrison Ford in „Indiana Jones und das Rad des Schicksals“ oder Tom Cruise mit „Mission: Impossible 7 – Dead Reckoning Teil 1“, Brad Pitt mit „Bullet Train“ oder Julia Roberts und George Clooney mit „Ticket ins Paradies“ locken auch in diesem Jahr die großen Stars. Deutsche Filmhits wie „Der Pfau“, „Manta Manta – Zwoter Teil“ oder „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ mit Devid Striesow sind ebenso vertreten wie die Erfolgskomödie „Einfach mal was Schönes“ von und mit Karoline Herfurth. Spannung, Action und Nervenkitzel erwarten die Besucher bei „Guardians of the Galaxy Volume 3“ und „The Flash“, bei „John Wick: Kapitel 4“ oder „Operation Fortune“ von Guy Ritchie. Fantastische Welten locken mit „Dungeons & Dragons: Ehre unter Dieben“ und „Avatar: The Way of Water“. Andere spricht vielleicht der mehrfache Oscargewinner „Everything Everywhere All At Once“ oder der Christopher Nolan-Film „Oppenheimer“ an, „Whitney Houston: I Wanna Dance with Somebody“, „Der Super Mario Bros. Film“ oder „Arielle, die Meerjungfrau“.

 

Biergarten mit Strandfeeling: Stadtwerke Sommerkino im Landschaftspark Duisburg-Nord. Foto: Thomas Berns.

Das Sommerkino in der Gießhalle vom Hochofen 1 im Landschaftspark Duisburg-Nord geht in diesem Sommer in seine 25. Auflage. Veranstalter Duisburg Kontor Hallenmanagement arbeitet hierfür mit der filmforum GmbH zusammen, die für die Programmgestaltung verantwortlich ist. Als Sponsoren sind neben dem Namensgeber Stadtwerke Duisburg auch wieder die König Brauerei und die Duisburger Wohnungsgenossenschaften dabei. Das Programm bietet eine bewährte bunte Mischung von Blockbustern, Actionfilmen und Comic-Verfilmungen, Comedy und deutschen Filmhits, Arthouse-Filmen und Familienunterhaltung. Die Tickets kosten 13 Euro, bei den Filmkonzerten mit den Duisburger Philharmonikern 22 Euro. Tickets gibt es ab Mittwoch, 21. Juni, um 11 Uhr ausschließlich online: Hier – zusammen mit Details zum Programm. Mit knapp 39.000 Besuchern und einer Auslastung von 85 Prozent im letzten Jahr ist es eines der erfolgreichsten Open-Air-Kinos in Deutschland. Mit seinem ausfahrbaren Dach bietet es auch bei Regen ein trockenes Kino-Erlebnis. Von der Eröffnung am 12. Juli bis zum Finale am 20. August stehen 40 Kinoabende auf dem Programm – inmitten einer beeindruckenden Hochofen-Kulisse, die dieses Kino zu etwas besonderem macht.

 

 
 
Programm folgt bewährtem Erfolgsrezept

Biergarten mit Strandfeeling: Stadtwerke Sommerkino im Landschaftspark Duisburg-Nord. Foto: Thomas Berns.

Gleich zur Eröffnung am 12. Juli kommt Regisseur Sönke Wortmann, der seinen neuesten Film „Der Nachname“ vorstellen wird. Weiterer prominenter Besuch hat sich am 15. August angesagt – für eine Premiere vor dem bundesweiten Kinostart des Films „Enkel für Fortgeschrittene“: Heiner Lauterbach, Maren Kroymann und Regisseur Wolfgang Goos haben ihr Erscheinen bereits angekündigt. Als besonderes Highlight schließen die Filmkonzerte der Duisburger Philharmoniker, die Charlie Chaplins Meisterwerk „The Circus“ am 18., 19. und 20. August begleiten, in diesem Jahr die Jubiläums-Open-Air-Kino-Saison ab. Filmstart ist mit Anbruch der Dunkelheit. Das heißt: ab 22 Uhr bis etwa 20.45 Uhr, wenn im Verlauf der Wochen die Tage wieder kürzer werden. Der traditionelle Biergarten mit Strandfeeling und einem umfangreichen gastronomischen Angebot an zehn Ständen ist für Parkbesucher ab 18 Uhr geöffnet. Täglich stimmt dort Livemusik auf das Filmfest ein, um schon das Warten auf den Sonnenuntergang zum Erlebnis zu machen.

 

 
filmforum

Stadtwerke Sommerkino im Landschaftspark Duisburg-Nord. Foto: Thomas Berns.

Das filmforum in Duisburg ist das älteste kommunale Kino in Deutschland. Es wurde am 27. September 1970 eröffnet und wird heute von der filmforum GmbH betrieben. Es ist hervorgegangen aus dem „filmforum“ der Volkshochschule Duisburg, die unter diesem Programmtitel regelmäßig anspruchsvolle Filme zeigte. Die Filmaufführungen fanden zunächst im großen Saal der Volkshochschule Duisburg statt. Später zog man in das Studio M der Mercatorhalle. 1980 bezog man schließlich das eigene Haus im Duisburger Dellviertel. In dem nach dem Krieg zerstörten und wieder aufgebauten Haus am Dellplatz befand sich schon seit den 1940er Jahren ein Kino.

Anfang der 1970er Jahre führte das Kino gemeinsam mit dem Land Nordrhein-Westfalen die „Filminformationstage“ durch, wo man sich auf ausgewählte westdeutsche Filme konzentrierte. Hieraus entstand 1977 die Duisburger Filmwoche. Von besonderer Bedeutung ist das filmhistorische Archiv des filmforums. Es gehört zu den größten in Nordrhein-Westfalen. Seit 1996 veranstaltet das filmforum in Kooperation mit Duisburg Kontor Hallenmanagement jährlich im Juli und August ein Open-Air-Kino in der Gießhalle des ehemaligen Hüttenwerkes im Landschaftspark Duisburg-Nord. Haupt- und Namenssponsor dieser Veranstaltung war zunächst Diebels (Diebels Open Air Kino), seit 2007 die Stadtwerke Duisburg (Stadtwerke Sommerkino).
www.filmforum.de

 
© 2023 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Thomas Berns

 
 

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Rat der Stadt Duisburg wählte Linda Wagner als Beigeordnete

Rat der Stadt Duisburg wählte Linda Wagner als Beigeordnete
Neuordnung der städtischen Immobilienwirtschaft und Strategie für Verkehrsinfrastruktur
Von Petra Grünendahl

Vor der Sitzung im Rat der Stadt Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Vom Tagesordnungspunkt 102 zog Oberbürgermeister Sören Link die Beschlussfassung über die Neuordnung der städtischen Immobilienwirtschaft an die zweite der Beratungen, da er die vielen als Besucher erschienenen Mitarbeiter des Immobilien-Management Duisburg (IMD) zügig über ihre Zukunft aufklären wollte. Mehrheitlich beschloss der Rat der Stadt Duisburg, die Immobilienwirtschaft vom städtischen Eigenbetrieb zurück in die Kernverwaltung zu holen bzw. die Immobilien nach dem Vorbild des Sondervermögens „Kindertageseinrichtungen“ von städtischen Tochterunternehmen betreiben zu lassen. Ein externes Beratungsunternehmen soll die Neuordnung begleiten. Positiv nahmen die Ratsleute die Berichte zum Sachstand des Projekts „Neues Verwaltungsgebäude an der Steinschen Gasse“ und die Erweiterung der Ausbildungskapazitäten im Konzern Stadt auf: So will man unter anderem Werkstudenten an die Verwaltung binden und jenen Ausbildungsbewerbern, die im Bewerbungsverfahren mit Defiziten aufgefallen waren, mit Qualifizierung eine zweite Chance geben. „Wir wollen uns damit auch als attraktiver Arbeitgeber positionieren“, begründete Oberbürgermeister Sören Link.

 

Vor der Sitzung im Rat der Stadt Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Zur letzten Sitzung vor der Sommerpause traf sich der Rat der Stadt Duisburg in der Mercatorhalle. Die umfangreiche Tagesordnung mit 118 Punkten alleine im öffentlichen Teil arbeitete er zügig ab. Diskussionsbedarf gab es nur bei wenigen Punkten, die allermeisten Entscheidungen fielen einstimmig. Die Genehmigungen der Jahresabschlüsse städtischer Tochterunternehmen sowie die Gewährung von Zuschüssen zum Beispiel für Träger von Kitas oder Sozialdiensten oder die Erweiterungen von Schulen oder Bildungsgängen (an Berufskollegs) gehören dabei zum Tagesgeschäft des Rates. Es fielen aber auch zahlreiche grundlegende Entscheidungen wie zum Beispiel für die Gründung einer neuen Gesamtschule in Röttgersbach, den Neubau von Schulen (Schulentwicklungsplan Grundschulen) und die Erweiterung des Offenen Ganztags wegen steigender Schülerzahlen. Einstimmig segnete der Rat auch Richtlinien ab, nach denen die Stadt für private Haushalte für einen klimagerechten Umbau ihrer Häuser finanziell unterstützt. Schulraumerweiterungen, verschiedene Umbaumaßnahmen an Straßen im Stadtgebiet sowie der Abriss der Rhein-Ruhr-Halle wurden ebenso beschlossen wie die Erhöhung von Gebühren (z. B. für die Musikschule oder Abwasserbeseitigung) oder verschiedene Bebauungspläne.

 

 
 
Infrastrukturentwicklung und Mobilität

Straßeninfrastrukturenticklung in Duisburg für die nächste Dekade. Foto: Ausschnitt aus der Drucksache der Stadt Duisburg.

Für die zukünftige Entwicklung der Verkehrsinfrastruktur gab der Rat grünes Licht für eine Strategie für die nächste Dekade: Die umstrittene Osttangente wird nicht weiter verfolgt, der Anschluss der Rheinhauser Hafenverkehr an die A40 (Logistik-Diagonale) soll über Hochfeld und jenseits von Wohngebieten erfolgen. Straßenbahnanbindungen an Rheinhausen und Homberg werden priorisiert (eine Realisierung wird aber erst mit einem Neubau der Rheinbrücken möglich), die Anbindungen der Uni (von der Mülheimer Straße aus) oder des Innenhafens nicht weiter verfolgt. Wie den Neubau des Karl-Lehr-Brückenzuges sollen die Wirtschaftsbetriebe Duisburg auch künftige Brückenneubauten und -sanierungen umsetzen.

 
Behördenübergreifend will die Stadt Duisburg gegen organisierte (Clan-)Kriminalität vorgehen und dafür die kommunale Ordnungspartnerschaft mit Polizei und Staatsanwaltschaft ausbauen: Eine Vereinbarung für eine Zusammenarbeit für Sicherheit und Ordnung in Duisburg fand mehrheitlich die Zustimmung der Ratsleute. Im Rahmen einer Pilotphase sollen Ratssitzungen künftig live im Internet übertragen werden, beschloss der Rat einstimmig.

 

 
Neue Beigeordnete für Umwelt, Verbraucherschutz und Kultur

Oberbürgermeister Sören Link (r.) gratuliert Linda Wagner (l.) nach ihrer Wahl zur Beigeordneten für Umwelt, Verbraucherschutz und Kultur. Foto: Petra Grünendahl.

Gleich zu Beginn der Ratssitzung stimmte der Rat über die Besetzung der Beigeordnetenstelle für das Dezernat für Umwelt und Klimaschutz, Gesundheit, Verbraucherschutz und Kultur ab. Bei Gegenstimmen der Grünen-Fraktion, die in der Findungskommission einen anderen Kandidaten bevorzugt hatten, stimmten alle anderen Ratsleute für Linda Wagner (51). Sie wurde in Essen geboren und wuchs in Herten auf. Die parteilose Juristin ist derzeit Beigeordnete für Kultur, Recht, Sicherheit und Ordnung, Feuerwehr sowie Umwelt- und Kreislaufwirtschaft in Gladbeck.

 
 

 
© 2023 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl, Infografik: Drucksache Stadt Duisburg

 
 

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ExtraSchicht auf Rheinpreußen Schacht IV in Moers: Kohle, Kolonie & König Fußball

Drei Führungen zur Auswahl, Musik, Tanz und Comedy
Von Petra Grünendahl

Der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein stellte auf Schacht IV das Programm zur Extraschicht vor. Foto: Karsten Wendt.

Mit „Kumpel auf Kohle“ geht es unter anderem bei der Führung durch die Fördermaschinenhalle: Entlang des Industriedenkmals, in den unterirdischen Katakomben und an der im Original erhaltenen, zwei mal 700 PS starken Fördermaschine erfährt der Besucher Moerser Bergbaugeschichte. Bei ehemaligen Nachtschwärmern der Diskothek PM werden Erinnerungen bei der Führung „Kumpel im Tagesbetrieb“ durch Kaue, Verbindungsbrücke und Schachthalle geweckt. Erstmalig gibt es in Kooperation mit dem Stadtteilbüro Neu_Meerbeck ein neues Führungsformat durch die Kolonie Meerbeck: Eine rund 45-minütige Fahrt zeigt Bergbaugeschichte und die Integration ausländischer Bergleute, was auch Thema der aktuellen Ausstellung in der Fördermaschinenhalle ist. Das große Angebot an Führungen bei der diesjährigen ExtraSchicht verdanken die Organisatoren vom Grafschafter Museums- und Geschichtsverein Jürgen Kohl, dem ehemaligen Vorsitzenden des Gesamtbetriebsrats, sowie den zahlreichen ehemaligen & ehrenamtlich tätigen Bergleuten aus Moers und Kamp- Lintfort von der Fördergemeinschaft für Bergmannstradition linker Niederrhein e. V.

 

Zeche Rheinpreußen Schacht IV. Foto: Petra Grünendahl.

Bereits zum siebten Mal nimmt der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e.V. (GMGV) an der ExtraSchicht, der Nacht der Industriekultur, teil. Moers ist damit in diesem Jahr der einzige teilnehmende Standort im Kreis Wesel. Dank vieler ehrenamtlicher Helfer erwartet den Besucher des Industriedenkmals Rheinpreußen Schacht IV am 24. Juni von 18:00 bis 2:00 Uhr eine ExtraSchicht der Extraklasse unter dem Motto „Kohle, Kolonie & König Fußball“. Finanziell unterstützen den GMGV die Volksbank Niederrhein eG, das Moerser Kulturbüro und die Wirtschaftsförderung sowie das Stadtteilbüro Neu_Meerbeck. Der GMGV organisiert die ExtraSchicht in Moers in Zusammenarbeit mit der RuhrTourismus als Träger der ruhrgebietsweiten Veranstaltung.

 

 
Musik & Tanz sowie König Fußball

ExtraSchicht-Feuerwerk auf Schacht IV. Foto: Petra Grünendahl.

Eröffnet wird die ExtraSchicht mit traditionellen Tönen vom Bergknappenverein & Jugendspielmannszug Glückauf Geldern um 18:00 Uhr (Programmübersicht: siehe unten). Im Laufe des Abends folgen Auftritte von Voice of Germany Teilnehmer Peter Hoebertz aus Krefeld-Hüls im Duo „Morgentau“ sowie Joe Kiki, einem Musiker aus Togo, und Deutschlands erfolgreichstem Fußball-Komiker Ben Redelings, der gemeinsam mit S04-Legende Didi Schacht auf 60 Jahre Bundesliga zurückblickt und zum gemeinsamen Fußballquiz einlädt. Ihre fußballerischen Fähigkeiten können Besucher unterstützt von „Trainer Jupp“ Patrick Dollas beim Fußballdart, der Schuss¬geschwindig¬keits¬messung und beim Tischkickern zeigen. Schließlich lädt die Frauen-a-capella „Witches of Pitches“ zum Kerzenkonzert vor illuminierter Fördermaschinenhalle und Fördergerüst. Als Magie aus Licht, Feuer und Stahl startet um 23:30 Uhr das musikalische Höhenfeuerwerk vor dem 48 Meter hohen illuminierten Fördergerüst. Bei nationalen und internationalen Fußballhymnen (Grönemeyers „Bochum“, „You’ll never walk alone“, dem „Steigerlied“ und Queens „We are the champions“) darf gerne mitgesungen werden.

 

 
Programmübersicht
18:00 Mit Kumpel auf Kohle (Tagesbetrieb bis 22 Uhr)
18:00 Mit Kumpel auf Kohle (Maschinenhalle bis 2 Uhr)
18:00 Mit Kumpel durch Kolonie Meerbeck (bis 21 Uhr)
18:00 Jugendspielmannszug Glück auf Geldern
18:00 Fußballdart, Schusstest & Kicker (bis 24 Uhr)
18:00 Patrick Dollas alias „Trainer Jupp“
18:45 Jugendspielmannszug Glück auf Geldern
19:00 Livemusik: „Morgentau“
19:45 Livemusik: „Joe Kiki“
20:00 Ben Redelings – 60 Jahre Bundesliga mit Didi Schacht
20:45 Livemusik: Joe Kiki
21:00 Livemusik: „Morgentau“
21:45 Livemusik: „Joe Kiki“
22:00 Ben Redelings – Fußballquiz mit Didi Schacht
23:00 Illumination Fördergerüst
23:00 Kerzenkonzert Frauen a Capella – Witches of Pitches
23:30 Musikalisches Höhenfeuerwerk
2:00 Ende

 

 
Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e. V.

Schacht IV der Zeche Rheinpreußen in Moers-Hochstraß. Foto: Petra Grünendahl.

Der Museums- und Geschichtsverein in Moers möchte die Geschichte und Kultur der Grafschaft Moers schützen und erhalten – und das seit 1904. In diesem Jahr gründete Dr. Hermann Boschheidgen den „Verein für Heimatkunde“. Seitdem werden vom Verein, der heute „Grafschafter Museums- und Geschichtsverein“ heißt, Gegenstände aus dem Alltag und dem Leben der Moerser Bevölkerung zusammengetragen und im Moerser Schloss ausgestellt. Dadurch soll gemeinsam mit der Stadt Moers interessierten Bürgern die Geschichte der Grafschaft und des Altkreises Moers nahe gebracht werden. Den kulturellen und historischen Wert des Schlossparks stärker bewusst zu machen und zu erhalten ist ebenfalls ein Ziel der Arbeit des GMGV. Der heutige Vorsitzende, Peter Boschheidgen, ist ein Enkel des Vereinsgründers.

Schacht IV der Zeche Rheinpreußen in Moers-Hochstraß. Foto: Petra Grünendahl.

Als weiterer Schwerpunkt der Vereinstätigkeit kam später die Geschichte des Bergbaus mit dem Nutzungsrecht für das „Industriedenkmal Rheinpreußen Schacht IV“ hinzu, mit der Verpflichtung, das Maschinenhaus von 1906 zu erhalten. Der Bergwerks-Standort war 1962 stillgelegt worden. Unter dem langjährigen Vereinsvorsitzenden Andreas Eichholtz übernahm der GMGV Ende der 1990er-Jahre als Bauherr mit finanzieller Unterstützung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, des Landes NRW und der Nordrhein-Westfalen-Stiftung die Renovierung. Das Denkmal und die restaurierte Technik kann im alten Maschinenhaus besichtigt werden. Ehrenamtlich tätige ehemalige Bergleute erklären die Fördertechnik und führen durch die Sammlung. Geöffnet ist Bergbaumuseum an der Zechenstraße 50 in Moers-Hochstraß von Mai bis Ende Oktober jeden Sonntag von 13 bis 16 Uhr. Gruppenführungen sind auch außerhalb der Öffnungszeiten nach Vereinbarung möglich. Kontakt unter Telefon 02841 / 889108 (mittwochs 9 bis 12 Uhr) oder per Mail an schacht4(at)gmgv-moers.de.
www.gmgv-moers.de

 
© 2023 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Karsten Wendt (1), Petra Grünendahl (4)

 
 

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Lektüretipp: Preußen – Populäre Irrtümer und andere Wahrheiten im Klartext Verlag

Preußens Spuren in Deutschland, Europa – und natürlich im Ruhrgebiet
Von Petra Grünendahl

Preußen im Klartext Verlag: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Preußen ist aus dem Kurfürstentum Brandenburg hervorgegangen. Wer Preußen jetzt allerdings auf den Osten Deutschlands beschränkt sieht, irrt: Bis nach Westfalen und ins Rheinland erstreckte sich Preußen im 19. und bis ins frühe 20. Jahrhundert. Auch Duisburg und das Ruhrgebiet zählten zu Preußen – und das hat hier vielfältige Spuren hinterlassen, wie der Autor nicht nur im Kapitel „Früher Aufstieg des Ruhrgebiets“ darlegt. In vielen Vereinsnamen im Rheinland und im Ruhrgebiet finden sich heute noch „Preußen“ und „Borussia“ (lat. für Preußen). Preußen galt als Staat der Pflichterfüllung und Unterwerfung, auch Militarismus wurde Preußen nachgesagt („Soldatenkaiser“). Preußen stand aber auch für Toleranz und Ethik, Aufklärung und (religiöse) Unparteilichkeit sowie eine Bildungsoffensive, die von der höheren Bildung runter bis in den Elementarbereich ging. Der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm gründete die Alte Universität Duisburg (1655), seiner Frau Luise Henriette ist vor dem Schloss Moers ein Denkmal gewidmet. Beider Sohn Kurfürst Friedrich III. wird als Friedrich I. 1701 in Königsberg als erster König Preußens gekrönt.

 

Preußen im Klartext Verlag: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

In seinem Buch „Preußen“ mit dem Untertitel „Macht und Musen“ hat der Historiker und Autor Veit Veltzke in 40 kurzen Kapiteln rund 700 Jahre Preußen aufgearbeitet: Kompakt, anschaulich, fundiert, lehrreich und gut lesbar sucht Veltzke nach den Spuren der Preußen in der Geschichte Deutschlands, Europas – und nicht zuletzt auch im Ruhrgebiet: Mit vielen – manchmal auch unerwarteten – Details und Anekdoten, die der Autor mitunter auch sehr amüsant schildert (Stichwort: die Langlebigkeit von Provisorien). Preußen stand in erster Linie, so der Historiker, für Dynastie und Staat: Ein Überbau, der unterschiedlichste Herrschaftsgebiete mit eigenen Traditionen, Kulturen und Ethnien vereinte. Preußen reichte vom Rheinland und Westfalen im Westen bis nach Königsberg in Ostpreußen, wo es eine Brücke nach Osteuropa schlägt: Das ehemalige Ostpreußen verteilt sich heute auf Polen und eine russische Enklave (Oblast Kaliningrad) zwischen Polen und Litauen. Mit seinen Ausführungen zu preußischen Tugenden, preußischen Eigenarten und ihren Hintergründen zeigt der Autor, wo uns auch heute ein bisschen mehr „Preußen“ nicht schaden würde. Spannende Exkurse bieten neben Zahlen & Fakten (Könige und territoriale Entwicklung 1608 – 1920) sowie einer Zeitreise (1415 – 1932) auch verschiedene „Aha“-Kapitel und der eine oder andere „populäre Irrtum“. Zum Abschluss dieser lesenswerten Lektüre darf natürlich das in dieser Buch-Reihe traditionelle Quiz für echte (Preußen-)Experten nicht fehlen.

 

Der Autor und das Buch

Preußen im Klartext Verlag: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Veit Veltzke ist promovierter Historiker und Germanist, war Leiter des Preußenmuseums in Minden und Wesel sowie des LVR-Niederrheinmuseums Wesel. Er ist Autor und Herausgeber zahlreicher Bücher zur preußischen und deutschen Geschichte.

 
Veit Veltzkes Buch „Preußen – Macht und Musen“ ist im Essener Klartext Verlag in der Reihe „Populäre Irrtümer und andere Wahrheiten“ erschienen. Das 120-seitige Taschenbuch mit Klappbroschurumschlag und zahlreichen farbigen Abbildungen ist für 16,95 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-8375-2320-1).

 

 
Der Verlag

Preußen im Klartext Verlag: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Der Klartext Verlag wurde 1983 gegründet, seit 2007 ist er Teil der Funke Mediengruppe. Seine Heimat liegt im Ruhrgebiet, wo auch der überwiegende Teil seiner Publikationen angesiedelt ist: Freizeitführer mit Inspirationen für Jung und Alt, Sachbücher, Kalender und Bildbände. Mit der „Von oben“-Reihe kann man Städte nicht nur im Ruhrgebiet, sondern in ganz Deutschland aus der Vogelperspektive bewundern. Und mit der Reihe „Irrtümer und Wahrheiten“ (bei ihrem Start im Verlagsprogramm hieß die Serie noch „Klugscheißer“) lernt der Leser Neues zu verschiedenen Orten, Themen und Fußballvereinen – unterhaltsam, fundiert und auch mit dem einem oder anderen Augenzwinkern.
www.klartext-verlag.de

 
Der Blick ins Buch. Fotos: Petra Grünendahl

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© 2023 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Sculpture 21st in Duisburg: Lehmbruck Museum zeigt Mona Hatoum

Raumfüllende Arbeit zeigt die Fragilität der Welt
Von Petra Grünendahl

Sculpture 21st: Mona Hatoum im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.

Von der großen Glashalle des Lehmbruck Museums zum Kantpark war die Künstlerin Mona Hatoum (*1952) sehr inspiriert, betonte sie im Pressegespräch: „I feel space telling me what to do.“ Die Fläche lud sie geradezu ein, ihre „Karte“ dort auszubreiten: Aus rund 112.000 Glaskugeln hat dort sie eine Weltkarte installiert. Ihre Karte nutzt im Übrigen die Gall-Peters-Projektion von 1855, die im Gegensatz zu Mercators Projektion alle Länder in flächentreuem Größenverhältnis darstellt – und Kontinente der Nordhalbkugel wie Europa in realistischem Größenmaßstab weniger dominiert. Das Werk wirkt fragil, könnten sich doch die Murmeln jederzeit in Bewegung setzen und die bestehende Welt in eine andere verwandeln oder zerstören. Die Fragilität der Welt ist immer wieder ein Thema für die palästinensisch-britische Künstlerin, deren Werke – speziell ihre Karten in vielfältigster Art und Form – auch die Instabilität und Unsicherheit der heutigen politischen Landschaft reflektieren. Bereits 2014 war sie mit einem ihrer Werke – „Hot Spots“ (Spots of Conflict) – im Lehmbruck Museum in der Ausstellung „Zeichen gegen den Krieg“ zu sehen.

 

Europa: Mona Hatoums Map (clear) im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.

In der Reihe „Sculpture 21st“ zeigt Mona Hatoum erstmals in Deutschland die Rauminstallation „Map (clear)“. Tausende von Glasmurmeln bilden eine trügerische, instabile und unbeständige Weltkarte. Der Museumsboden verwandelt sich in eine schimmernde und doch fragile Oberfläche. Ein winziger Anstoß genügt und das vertraute Bild der Welt gerät in Aufruhr. „Wie keiner anderen Künstlerin gelingt es Mona Hatoum, Alltagsobjekte in ihrer ganzen Schönheit so einzusetzen, dass die Verwundbarkeit unseres Lebensraums spürbar wird“, sagte Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla. Die Präsentation von Mona Hatoum im Rahmen von „Sculpture 21st” wird gefördert durch die Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West. Die Ausstellung eröffnet morgen Abend mit geladenen Gästen.

 

 
Die Künstlerin

Mona Hatoums Hot Spots in „Zeichen gegen den Krieg“ im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.

Hatoum wurde am 11. Februar 1952 als Tochter einer palästinensischen Familie in Beirut, Libanon, geboren. Während eines kurzen Besuchs in London 1975 verhinderte der Ausbruch des libanesischen Bürgerkriegs ihre Rückkehr. Seitdem lebt sie in London. Dort studierte sie Kunst, von 1975 bis 1979 an der Byam Shaw School of Art und von 1979 bis 1981 an der Slade School of Art. Lehraufträge nahm sie in London (1986–1994) und Maastricht (1992–1997) wahr. Als Gastprofessorin lehrte sie in Paris (1994/95) und London (1998). Sie lebt in London und Berlin. Sie hat an prestige-trächtigen Ausstellungen wie der Biennale in Venedig (1995 und 2005) oder die documenta (2002 und 2017) ebenso teilgenommen wie 2014 an der Ausstellung „Zeichen gegen den Krieg“ im Lehmbruck Museum. Dazu kommen Einzelausstellungen in aller Welt und Auszeichnungen mit diversen internationalen Preisen, darunter der Käthe-Kollwitz-Preis (2010), der Joan Miró-Preis (2011) und der Praemium Imperiale-Preis für Bildhauerei (2019).

 

Sculpture 21st: Mona Hatoum im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.

Hatoums Werke befassen sich mit Motiven existenzieller Unsicherheit und bringen uns dazu, unsere Beziehung zu einer Welt voller Konflikte und Widersprüche zu hinterfragen. Themen wie Vertreibung, eingeschränkte Bewegungsfreiheit und staatliche Kontrolle untersucht sie vor dem Hintergrund ihrer eigenen biografischen Reise, die durch ein „Gefühl der Zerrissenheit“ geprägt ist. In den 1990-ern wandte sich Hatoum großformatigen Installationen und Skulpturen zu, die darauf abzielen, in den Betrachter widersprüchliche Gefühle zwischen Begehren und Abscheu, Furcht und Faszination zu wecken. Hatoum hat eine Sprache entwickelt, in der sich vertraute häusliche Alltagsgegenstände oft in fremdartige, bedrohliche und gefährliche Objekte verwandeln. „Ich versuche, in etwas, das normalerweise harmlos aussieht, den Unterton von Feindseligkeit zu enthüllen. Es ist ein Weg, die Menschen dazu zu bringen, alles um sich herum infrage zu stellen.“

 

Sculpture 21st: Mona Hatoums Map (clear) im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.

Für ihre Arbeiten nutzt Mona Hatoum eine Vielzahl von Medien, darunter Installationen, Skulpturen, Video, Fotografie und Arbeiten auf Papier. Sie reflektiert Themen, die sich aus aktuellen globalen Bedingungen ergeben, wie Systeme des Eingesperrtseins, Überwachungsarchitekturen oder Konflikte und Vertreibung. Sie nutzt die poetische Aufladung und metaphorische Kraft einer Reihe von Materialien, von Stahl, Ziegeln und Beton bis hin zu Schutt, Glas und menschlichem Haar, um die elementaren Formen des Rasters und, in neuerer Zeit, der Kugel zu erkunden. Dabei beruft sie sich sowohl auf die strenge Geometrie der minimalistischen Skulptur als auch auf die Möglichkeiten ihres formalen Zusammenbruchs.

 

 
Sculpture 21st

Sculpture 21st: Mona Hatoums Map (clear) im Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.

Unter dem Titel „Sculpture 21st” präsentiert das Lehmbruck Museum seit 2014, dem 50. Geburtstag des Museums, wechselnde Positionen zur Skulptur des 21. Jahrhunderts. Einige der wichtigsten Bildhauer der Gegenwart, unter ihnen Tino Sehgal, Jeppe Hein, Eija-Liisa Ahtila, Xu Bing, Julian Opie und zuletzt Rineke Dijkstra, präsentierten in der ikonischen Glashalle des Museums ihre Werke. Sie alle stellen auf sehr unterschiedliche Weise grundlegende Fragen an das Museum, die Kunst und ihr Verhältnis zur Gesellschaft. Die imposante Nordhalle des Lehmbruck Museums mit ihren an drei Seiten großflächig verglasten Scheibenfronten aus über sieben Meter hohen Glasscheiben bildet die architektonische Schnittstelle zwischen Museum und Öffentlichkeit: Wechselnde monografische Inszenierungen mit Werken international bedeutender Künstler laden den musealen Raum der außergewöhnlichen Museumsarchitektur Manfred Lehmbrucks neu auf und kreieren ein Erfahrungsfeld, das sich in der Wahrnehmung der Betracher realisiert und diese physisch einbezieht.

 

 
Das Lehmbruck Museum

Das Lehmbruck Museum im Kantpark. Foto: Petra Grünendahl.

Das mitten in Duisburg im Kantpark gelegene Lehmbruck Museum ist ein Museum für Skulptur. Seine Sammlung moderner Plastiken von Künstlern wie Alberto Giacometti, Pablo Picasso, Hans Arp und natürlich Wilhelm Lehmbruck ist europaweit einzigartig. Beheimatet ist das Museum in einem eindrucksvollen Museumsbau inmitten eines Skulpturenparks, der zum Schlendern und Entdecken einlädt.

 
Namensgeber des Hauses ist der Bildhauer Wilhelm Lehmbruck, der 1881 in Meiderich, heute ein Stadtteil von Duisburg, geboren wurde. Lehmbruck ist einer der bedeutendsten Bildhauer der Klassischen Moderne. Er hat mit seinem Werk maßgeblichen Einfluss auf nachfolgende Künstlergenerationen und ist auch nach seinem frühen Freitod im Jahr 1919 bis heute einflussreich geblieben.

 
Impressionen aus der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl

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Öffnungszeiten und Eintrittspreise
Mona Hatoums „Map (clear)“ ist im Rahmen von Scupture 21st noch bis zum 20. August in der großen Glashalle zu sehen. Geöffnet ist das Lehmbruck Museum dienstags bis freitags ab 12 Uhr, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags an Terminen der plastikBAR (erster Donnerstag im Monat ab 17.30 Uhr) bis 20 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro (ermäßigt* 5 Euro), eine Jahreskarte 35 Euro (ermäßigt* 20 Euro). Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Blinden- und Demenzbegleitung haben kostenlos Eintritt. Schulklassen und Kindergärten zahlen pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte (2 Erwachsene plus Kinder bis 14 Jahre) gibt es für 15 Euro. Jeden ersten Freitag im Monat gilt: „Pay what you want“. Ausgenommen davon sind angemeldete Gruppen.

Zu seinen Sonderausstellungen bietet das Lehmbruck Museum verschiedene Veranstaltungen als Rahmenprogramm an. Öffentliche Führungen durch das Museum gibt es jeden Sonntag um 11.30 Uhr. Für Informationen steht die Kunstvermittlung des Lehmbruck Museums unter Telefon 0203 / 283-2195 oder eMail kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de zur Verfügung (Zu Preisen und Buchungen für Führungen geht es hier). Tickets für Führungen und Veranstaltungen können vorab im Ticket-Shop des Museums gebucht werden.

 
(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70 Prozent), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen mit Sozialhilfebezug.

 
© 2023 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Deutsche Oper am Rhein: „Das fliegende Klassenzimmer“ begeisterte ein junges Publikum im Theater Duisburg

Schülerabenteuer der zeitlosen Art
Von Petra Grünendahl

Valerie Eickhoff (Uli), Sander de Jong (Martin), David Fischer (Johnny), Hagar Sharvit (Matilda), Chorong Kim (Franka). Foto: Jochen Quast.

Natürlich ist Erich Kästners “Das fliegende Klassenzimmer” (von 1933) nicht eingestaubt: Seine fünf Freunde unterschiedlichster charakterlicher Prägung finden sich auch noch heute noch in vielen Klassenzimmern wieder. Mit Johnny (David Fischer), dem „Regisseur“ und Anführer der Truppe, der klugen Franka (Chorong Kim), dem ängstlichen Uli (Valerie Eickhoff), der starken und etwas verfressenen Mathilda, genannt Matz (Hagar Sharvitt), und dem kreativen Martin (Sander de Jong), der einmal Maler werden möchte, könnten sie unterschiedlicher nicht sein. Kästners Theaterstück wird zum Filmdreh in der Oper, aber mit den „Kindern“, die in ihrem Rollen über sich hinaus wachsen, ist das Stück ohnehin nicht „von gestern“. Mitten in die „Dreharbeiten“ platzt die Nachricht, dass die Schüler der verfeindeten Realschule einen ihrer Mitschüler überfallen haben und gefangen halten. Ohne ihren Lehrer Dr. Johann Bökh (Roman Hoza) zu fragen, den sie „Justus“ (der Gerechte) nennen, machen sich die fünf Freunde auf dem Weg zum Nichtraucher (Torben Jürgens), ihn um Rat zu fragen und dann den Mitschüler zu befreien. Das gelingt, allerdings entkommen sie nicht einer Strafpredigt von Justus, weil sie sich unerlaubt aus dem Internat entfernt haben. Als die Kinder ahnen, dass es eine Verbindung zwischen Justus und dem Nichtraucher gibt, führen sie die beiden zusammen, die sich als beste Freunde aus Schulzeiten wiedererkennen. Nach der Filmvorführung zu Weihnachten gibt es natürlich ein Happy End für alle, was die begeisterten Kinder im voll besetzten Theater mit minutenlangem und sehr lautem Applaus feierten.

 

David Fischer (Johnny), Valerie Eickhoff (Uli), Hagar Sharvit (Matilda), Sander de Jong (Martin), Chorong Kim (Franka), Roman Hoza (Justus), Torben Jürgens (Nichtraucher). Foto: Jochen Quast.

Mit ihrer 11-Uhr-Vorstellung von Lucia Ronchettis Familienoper „Das fliegende Klassenzimmer“ nach Erich Kästner spricht die Deutsche Oper am Rhein in erster Linie Schulklassen an. Die waren auch in großer Anzahl von Grund- und weiterführenden Schulen (primär vierte und fünfte Klassen) in Begleitung ihrer Lehrer gekommen. Das Stück ist eine Auftragskomposition der Jungen Opern Rhein-Ruhr, einer Kooperation der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg mit dem Theater Dortmund, dem Theater Bonn und dem Aalto-Musiktheater Essen: Die renommierte Komponistin und Leiterin der Musik-Biennale Venedig, Lucia Ronchetti, vertonte im Auftrag der Junge Opern Rhein-Ruhr „Das fliegende Klassenzimmer“ erstmals als großes Musiktheater für Familien. Das Stück in einer Inszenierung von Ilaria Lanzino dauert rund 75 Minuten. Die Handlung begleiten sowohl Dialoge als auch Gesang, zu letzterem bieten Übertitel Hilfe beim Verständnis. Empfohlen ist das Stück ab 8 Jahren.

 

 
Kinderbuch-Klassiker mit zeitlosem Thema spricht auch heute noch an

Roman Hoza (Justus), Projektchor „Das fliegende Klassenzimmer“. Foto: Jochen Quast.

Die meisten der Kinder, denen Michaela Dicu, Leiterin der Jungen Oper, im Opernfoyer vor der Aufführung noch ein paar einleitende Worte mit in die Vorstellung gab, hatten Erich Kästners Buch noch nicht gelesen. Allerdings waren sie in ihren Schulen im Unterricht durchaus inhaltlich auf die Oper vorbereitet worden. Die Namen der Protagonisten hatten die Kinder auf Nachfrage parat: Sie wussten also, worum es mit welchen Charakteren im Stück ging. „Hier brauchen die jüngeren Kinder etwas mehr Vorbereitung als die Älteren“, verriet Dicu, die an der Deutschen Oper am Rhein als Produktionsleiterin das UFO-Projekt verantwortet hatte. Die Feinheiten der Charakterbeziehungen wollen schließlich verstanden werden – und die Kinder waren auch schlichtweg begeistert: Der eine oder andere fand sich oder Freunde und Klassenkameraden wohl auch in den Charakteren wieder.

 

Hagar Sharvit (Matilda), Valerie Eickhoff (Uli). Foto: Jochen Quast.

Lucia Ronchettis Komposition ist kein konventionelles, harmonisch durchkomponiertes Musikstück, sondern geht unkonventionell mit der Instrumentierung um, so dass passend zur jeweiligen Situation im Stück durchaus schon mal etwas vermeintlich schrägere Töne aus dem Orchestergraben kommen. Für ihr Libretto hat Friedericke Karig den Kinderbuch-Klassiker von Erich Kästner auf eine Spiellänge von ca. 75 Minuten gekürzt, so dass das Stück ohne Pause auch vor einem jungen Publikum durchzuspielen geht.

 
 

Chorong Kim (Franka), Valerie Eickhoff (Uli), Hagar Sharvit (Matilda), Roman Hoza (Justus), David Fischer (Johnny), Sander de Jong (Martin). Foto: Jochen Quast.

Die Solisten unterstützen die Duisburger Philharmoniker in einer kleinen Besetzung und ein Projektchor unter der musikalischen Gesamtleitung von Patrick Francis Chestnut sowie die Statisterie der Deutschen Oper am Rhein. Für Bühne und Kostüme zeichnet Emine Güner verantwortlich, fürs Lichtdesign Stephan Krimpert. Die Video-Sequenzen stammen von Andreas Etter und Fabio Stoll.

 
Ein kleiner Vorgeschmack:

 

 
Weitere Termine im Theater Duisburg:
Do | 18. Mai 2023 | 16:00 Uhr,
Fr | 26. Mai 2023 | 11:00 Uhr,
Sa | 27. Mai 2023 | 16:00 Uhr,
So | 4. Juni 2023 | 17:00 Uhr und
Mo | 5. Juni 2023 | 11:00 Uhr.
In der kommenden Spielzeit kommt die Familienoper ins Opernhaus Düsseldorf.

 
Deutsche Oper am Rhein

Valerie Eickhoff (Uli), David Fischer (Johnny), Sander de Jong (Martin), Chorong Kim (Franka), Hagar Sharvit (Matilda), Roman Hoza (Justus), Projektchor „Das fliegende Klassenzimmer“. Foto: Jochen Quast.

Die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg gGmbH ist eine Theatergemeinschaft der Städte Düsseldorf und Duisburg, die auf eine lange Tradition der Zusammenarbeit zwischen den beiden Großstädten zurückblicken kann. Seit ihrer Gründung 1956 zählt sie zu den bedeutendsten Opernhäusern Deutschlands. Durch ihr hochrangiges Solistenensemble, den Chor sowie die national wie international gefeierte Compagnie Ballett am Rhein hat sie sich zu einer der ersten Adressen für Musiktheater und Tanz in Europa entwickelt. Sie ist in der größten und dichtesten Kulturregion Deutschlands beheimatet. Allein die beiden Städte Düsseldorf und Duisburg zählen zusammen fast 1,1 Millionen Einwohner, aber auch die umliegenden Regionen und eine große Zahl auswärtiger Gäste profitieren vom hochkarätigen künstlerischen Angebot der Deutschen Oper am Rhein.
www.operamrhein.de

 

 

Chorong Kim (Franka), Sander de Jong (Martin), Hagar Sharvit (Matilda), Valerie Eickhoff (Uli). Foto: Jochen Quast.

Tickets kosten zwischen 8,00 und 18,00 Euro. Darüber hinaus gibt es für die Nachmittagsvorstellungen (für Familien) eine Familienkarte zum Preis von 10 Euro für jedes eingetragene Familienmitglied. Eintrittskarten gibt es online ebenso wie in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in das Stück, seine Entstehung und die Aufführung gibt.

 
© 2023 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Jochen Quast

 

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Ludwiggalerie Schloss Oberhausen zeigt Porzellane der Sammlung Ludwig: IT’S A PASSION!

Mit den Highlights aus 25 Jahren Ludwiggalerie Schloss Oberhausen
Von Petra Grünendahl

Links: Die Malerei, Zürich, um 1700. Rechts: Johann Peter Melchior, Höchst, Der Stichverkäufer, um 1770–75. Porzellan aus der Sammlung Ludwig / Museen der Stadt Bamberg, Historisches Museum Bamberg. Fotos: Thomas Wolf.

Den Bauern und den Quacksalber, die Hirtin und den Schneider, die Hutverkäuferin und den Tanzmeister, die Columbine und den Soldaten in feinstem Meißener Porzellan zu zeigen, war vor allem im 18. Jahrhundert sehr beliebt. Als große Tischdekorationen werden diese niederen Berufsstände bei adeligen Festen zum Amüsement zusammengestellt. Die höfische Gesellschaft liebt Maskenbälle und ländliche Feste, die sogenannten fêtes champêtres, und schlüpft bei diesen gern selbst in das Kostüm der Hirtin und des Schäfers. Für die Zerstreuung bei Banketten übernehmen die kostbaren Porzellane die Rolle der Anregung. Über Jahrzehnte hat das Aachener Mäzenenpaar Peter und Irene Ludwig dieses Porzellan gesammelt und besondere Freude an dieser Darstellung menschlicher Tätigkeiten gehabt. Über die eigentliche Darstellung hinaus können Szenerien und Figurengruppen ist zum Beispiel die Schnitterin der personifizierte Sommer und kann als Dank für eine reiche Ernte stehen. In Verbindung mit weiteren Figuren wird sie zum Symbol der Erde bei den vier Elementen. Im Jahreszeitenzyklus symbolisiert sie den Sommer. Solche Mehrdeutigkeiten lassen die Figuren vielfach zum Einsatz kommen.

 

Plakat zur Ausstellung mit Johann Friedrich Lück, Frankenthal, Der Quacksalber, um 1763. Porzellan aus der Sammlung Ludwig / Museen der Stadt Bamberg, Historisches Museum Bamberg. Foto: Thomas Wolf.

Die LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen feiert silbernes Jubiläum und lädt dazu einen Sammlungsschwerpunkt ihrer Namensgeber ins Ruhrgebiet ein: Erstmals wird die erlesene und originelle Porzellansammlung von Peter und Irene Ludwig umfangreich in Oberhausen vorgestellt – mit einem Thema, das bestens hierher passt: mit der Darstellung von Berufen. Dieses „weiße Gold“, wie das Porzellan auch genannt wurde, der Sammlung Ludwig wird sonst in den Städtischen Museen Bamberg aufbewahrt. Neben dieser Würdigung von Peter und Irene Ludwig, den Namensgebern der Ludwiggalerie, gibt es auch einen Rückblick auf die letzten 25 Jahre: Zahlreiche Ausstellungen mit Beständen aus der umfangreichen Sammlung Ludwig konnten ebenso realisiert werden wie Präsentationen zu Comic und Karikatur, zur Fotografie und den für das Ruhrgebiet so bedeutenden Landmarken. Ein „Best-of“ wird während der Laufzeit prämiert. Die Ausstellung wurde gestern eröffnet und läuft bis zum 17. September. Sie wird gefördert von der Peter und Irene Ludwig Stiftung und dem Freundeskreis der LUDWIGGALERIE. Kulturpartner ist WDR 3.

 

 
 
Peter und Irene Ludwig Stiftung

Links: Galanteriewarenkrämerin, Kloster Veilsdorf, um 1760. Rechts: Die Hutverkäuferin, Niderviller, um 1775. Porzellan o. Frittenporzellan aus der Sammlung Ludwig / Museen der Stadt Bamberg, Historisches Museum Bamberg; Fotos: Thomas Wolf.

Das Ehepaar Peter und Irene Ludwig, geborene Monheim, gründete 1982 die Ludwig Stiftung für Kunst und internationale Verständigung GmbH. Nach dem Tod von Peter Ludwig (1925–1996) wurde die Stiftung ein Jahr später von seiner Witwe Irene Ludwig (1927–2010) in Peter und Irene Ludwig Stiftung umgewandelt. Die gemeinnützige Stiftung hat ihren Sitz im früheren Wohnhaus des Ehepaares in Aachen. Peter Ludwig war Kunst-Mäzen und Schokoladenfabrikant. Irene Ludwig war Kunsthistorikerin, Kunst-Mäzenin und Kunstsammlerin. Die Beiden hatten sich Ende der 1940er Jahre beim Studium der Kunstgeschichte an der Universität Mainz kennen gelernt. Ihre Sammlung von mehr als 14.000 Objekten haben die Ludwigs seit den 1950er Jahren aufgebaut und sie zählt zu den wichtigsten Sammlungen internationaler Kunst im 20. Jahrhundert. Sie ist heute auf 26 öffentliche Museen in drei Kontinenten verteilt. Zwölf Institutionen tragen den Namen Ludwig und wurden mit großzügigen Schenkungen bedacht. Darunter auch die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen.
https://ludwigstiftung.de/

 
 
Zur Ausstellung „IT’S A PASSION!“ mit Porzellanen aus der Sammlung Ludwig erscheint ein 128-seitiger Katalog im Kerber Verlag (hrsg. von Christine Vogt), der zum Preis von 29,80 Euro an der Museumskasse und im lokalen Buchhandel zu haben ist (ISBN 978-3-7356-0928-1). Den Flyer zur Ausstellung gibt es hier.

 

 
Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen

Johann Joachim Kaendler, Meißen, Dame mit Mohr bei der Schokolade, um 1737/40. Porzellan aus der Sammlung Ludwig / Museen der Stadt Bamberg, Historisches Museum Bamberg; Foto: Jürgen Musolf.

Die Sonderausstellung im Großen Schloss läuft bis zum 17. September. Das Museum ist geöffnet von Dienstag bis Sonntag zwischen 11 und 18 Uhr. Montags ist Ruhetag, feiertags sowie Oster- und Pfingstmontag ist jedoch geöffnet. Geschlossen ist am 24., 25. und 31. Dezember sowie 1. Januar. Der Eintritt kostet 8,00 Euro (ermäßigt 4,00 Euro, Familien mit zwei Erwachsenen plus Kindern 12,00 Euro). Außerdem gibt es ein Kombiticket mit dem Gasometer Oberhausen für 15,00 Euro.

 

Johann Heinrich Usinger, Höchst, Tableau mit Hirtenszene, um 1775. Porzellan aus der Sammlung Ludwig / Museen der Stadt Bamberg, Historisches Museum Bamberg; Foto: Jürgen Musolf.

Öffentliche Führungen finden im Großen Schloss sonn- und feiertags um 11.30 Uhr statt. Zudem gibt es zur Ausstellung Kuratorinnenführungen (mit Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt) am:

  • Sonntag, 21. Mai 2023, 15 Uhr,
  • Sonntag, 18. Juni 2023, 15 Uhr,
  • Sonntag, 6. August 2023, 15 Uhr, und
  • Sonntag, 17. September 2023, 15 Uhr.

Alle Führungen sind im Museumseintritt inklusive. Details zum Rahmenprogramm zu den Ausstellungen sowie zum museumspädagogischen Angebot gibt es hier.

 

Paul Hannong, Straßburg, Affenkapelle, um 1745/54. Porzellan aus der Sammlung Ludwig / Museen der Stadt Bamberg, Historisches Museum Bamberg; Foto: Thomas Wolf.

Vom 5. Februar bis zum 11. Juni ist im Kleinen Schloss der Ludwiggalerie die Ausstellung „AUSGEZEICHNET!“ zu sehen mit den deutschsprachigen „Max und Moritz“-Preisträgern 2022. Anschließend ist dort vom 25. Juni bis zum 8. Oktober 2023 der Kunstverein zu Gast und präsentiert Werke von SVEN DRÜHL mit dem Ausstellungstitel Öl, Lack und Bronze – Neue Landschaften.

 
© 2023 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Thomas Wolf, Gotha / Museen der Stadt Bamberg, Historisches Museum Bamberg (6), Jürgen Musolf, Nürnberg / Museen der Stadt Bamberg, Historisches Museum Bamberg (2)

 
 

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Lektüretipp: Umsonst & draußen – Freizeitspaß im Ruhrgebiet für alle – im Klartext Verlag

Genießen statt konsumieren: Vielseitiges Ruhrgebiet – auf sparsame Weise
Von Petra Grünendahl

Freizeitspaß im Ruhrgebiet: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Im Rheinpark in Hochfeld findet sich eine von vielen Oasen, in denen sich Besucher mit verschiedensten Aktivitäten unterschiedlichster Intensität und für jedes Alter vergnügen können, ohne dafür einen Cent zu bezahlen: Das reicht vom Skaten, Klettern und Spazieren über Beachvolley- oder Basketball bis hin zum Drachenfliegen oder einfach in lockerer Strandatmosphäre entspannen. Auch der Landschaftspark Nord oder das weitläufige Areal der Zeche Zollverein locken mit vielseitigen Möglichkeiten. Man kann aber auch zur Kneipp-Kur nach Xanten oder zu Outdoor-Gyms nach Mülheim. Öffentliche Parks oder Gärten, Halden mit Kunst und Aussicht bieten sich als Freizeitziele ebenso an wie ehemalige Zechen- oder Industriestandorte mit ihrer unterschiedlichsten Nachnutzung. Selbst am Phoenix-See in Dortmund kommt man an der Industrievergangenheit nicht ganz vorbei. Eintauchen in die Natur, erleben, entspannen und genießen, aber auch (gesundheitsfördernde) Bewegung versprechen die vielfältigen Ziele, die die Autorin für ihren Führer zum Freizeitspaß im Ruhrgebiet zusammen getragen hat. Viele dieser Touren verbinden Natur, Kultur, Geschichte und die allgegenwärtigen Zeugen der Industriekultur mit Aussichtspunkten und Fotospots.
Und das alles gibt es für lau – ganz nach dem Motto “weniger konsumieren – und mehr genießen”. Garniert ist der Freizeitführer mit vielen schönen Fotos, Lust auf die Erkundung machen.

 

Freizeitspaß im Ruhrgebiet: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Für ihren neuen Freizeitführer „Umsonst & draußen“ hat die Autorin Ulrike Katrin Peters 14 Ziele ausgewählt, die an jeweils mehreren Stationen „Freizeitspaß im Ruhrgebiet für alle“ versprechen. Die abwechslungsreiche Region bietet nahezu endlose Freizeitangebote, die man draußen und völlig kostenlos wahrnehmen kann. Darüber hinaus listet Peters Ideen für kostengünstige Abstecher ganz in der Nähe – für unter 5 Euro. Dabei hat sie Unternehmungen für alle Wetterlagen zusammen getragen und gibt Tipps, wie sich verschiedene Aktivitäten zu einem rundum gelungenen Ausflug kombinieren lassen. Die Ziele reichen von Xanten im Westen bis Hamm im Osten, von Wesel im Norden bis zur Ruhr im Süden. Aufgebaut sind die 14 Kapitel mit jeweils 8 bis 12 Seiten und vielen anschaulichen Fotos nach bewährtem Muster: Neben einer ausführlichen Beschreibung des Ziels und seiner Freizeitmöglichkeiten gibt es Informationen zur Anreise (Auto und ÖPNV) mit Webadresse für weitergehende Recherchen. Zusätzlich hat die Autorin Info-Kästchen und „Tipps“ ebenso parat wie lohnende Locations „In der Nähe“ und „Für kleines Geld“. Eingeordnet sind die Ziele in fünf oder sechs von zehn möglichen Kategorien. Eine grobe Übersichtskarte (Seite 8/9) und eine „Bunte Tüte“ mit weiteren Tipps für gelungene Ausflüge runden das Buch ab. Auch wer sich im Ruhrgebiet gut auskennt, wird hier noch die eine oder andere bislang unbekannte Anregung finden.

 

 
 
Die Autorin und das Buch

Freizeitspaß im Ruhrgebiet: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Ulrike Katrin Peters hat sich als Autorin, Journalistin und Fotografin auf grüne Destinationen wie Skandinavien und die britischen Inseln sowie auf grüne Themen wie Wandern und Radfahren spezialisiert. Das Ruhrgebiet ist inzwischen die lieb gewordene zweite Heimat der gebürtigen Oldenburgerin, die inzwischen rund 50 Reiseführer verfasst hat. Im Klartext Verlag erschien zuletzt ihr Radwanderführer „Radgenuss im Ruhrgebiet – Auf Traumtouren durch das Revier“ sowie (zusammen mit Karsten-Thilo Raab) „Herzstücke im Ruhrgebiet – Besonderes abseits der bekannten Wege entdecken“.

 
Ulrike Katrin Peters’ Buch „Umsonst & draußen“ ist im Essener Klartext Verlag in der Reihe „Schönes NRW“ erschienen. Das 144-seitige Taschenbuch mit Klappbroschurumschlag ist für 16,95 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-8375-2562-5).

 

 
Der Verlag

Freizeitspaß im Ruhrgebiet: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Der Klartext Verlag wurde 1983 gegründet, seit 2007 ist er Teil der Funke Mediengruppe. Seine Heimat liegt im Ruhrgebiet, wo auch der überwiegende Teil seiner Publikationen angesiedelt ist: Freizeitführer mit Inspirationen für Jung und Alt, Sachbücher, Kalender und Bildbände. Mit der „Von oben“-Reihe kann man Städte nicht nur im Ruhrgebiet, sondern in ganz Deutschland aus der Vogelperspektive bewundern. Und mit der Reihe „Irrtümer und Wahrheiten“ (bei ihrem Start im Verlagsprogramm hieß die Serie noch „Klugscheißer“) lernt der Leser Neues zu verschiedenen Orten, Themen und Fußballvereinen – unterhaltsam, fundiert und auch mit dem einem oder anderen Augenzwinkern.
www.klartext-verlag.de

 
Der Blick ins Buch. Fotos: Petra Grünendahl

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© 2023 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Oper und Ballett am Rhein stellten das Programm für die Spielzeit 2023/24 vor

Wieder mehr Opern- und Ballett-Aufführungen im Theater Duisburg
Von Petra Grünendahl

Theater Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Ihre Premieren feiern in der kommenden Spielzeit im Theater Duisburg Opern wie Orpheus in der Unterwelt (Jacques Offenbach), Il barbiere di Siviglia (Gioachino Rossini), Iwein Löwenritter (Moritz Eggert), I Capuleti e i Montecchi (Romeo und Julia konzertant von Vincenzo Bellini), Jenůfa (Leoš Janáček) oder Märchen im Grand-Hotel (Paul Abraham). Dazu kommen Ballett-Premieren wie Giselle (Demis Volpi), I am a problem (Roland Petit / Aszure Barton), True Crime (Hege Haagenrud / Andrey Kaydanovskiy / Demis Volpi) und schließlich Krabat (Demis Volpi). Oper und Ballett am Rhein feiern 21 Premieren, davon elf Neuproduktionen; hinzu kommen 14 verschiedene Opern aus dem großen Repertoire der Deutschen Oper am Rhein und zahlreiche neue Formate – vom fast intimen „Rendezvous um halb 8“ über swingende bis zu festlichen Benefizveranstaltungen und der Ballettgala „Favourite Things“, mit der sich Demis Volpi zum Ende der Spielzeit nach 4 Jahren als Direktor und Chefchoreograph vom Ballett am Rhein verabschiedet.

 

Das Leitungsteam stellte das Programm für die kommende Spielzeit vor (v. l.): Demis Volpi, Direktor und Chefchoreograph des Ballett am Rhein, Prof. Christoph Meyer, Generalintendant der Deutschen Oper am Rhein, Generalmusikdirektor Axel Kober (vorne) und Alexandra Stampler-Brown, Geschäftsführende Direktorin. Foto: Andreas Endermann.

Ihr neues Programm für die Opern- und Ballettspielzeit 2023/24 stellte das Leitungsteam der Deutschen Oper am Rhein im Pressegespräch vor. Nach den Corona-Beschränkungen sind nicht nur die großen Opern wieder zurück auf der Bühne. Auch das Publikum zieht es wieder in die Spielhäuser: Für den Zeitraum November 2022 bis April 2023 lag die Auslastung mit rund 72 Prozent (ca. 72 Prozent in Düsseldorf und 73 Prozent in Duisburg) fast wieder auf Vor-Corona-Niveau und sollte bis Spielzeitende die 75 Prozent erreichen, so Alexandra Stampler-Brown, Geschäftsführende Direktorin der Oper. Im Theater Duisburg steigt die Anzahl der Aufführungen für die kommende Spielzeit. Neue künstlerische Formate und Maßnahmen zur Neu- und Wiedergewinnung des Publikums hatten Erfolg: Mit der Aktion „Zahl so viel du willst!“ begegnete die Deutsche Oper am Rhein der durch Inflation und hohe Energiepreise ausgelösten finanziellen Unsicherheit, konnte ein neues Publikum hinzugewinnen und klarmachen, dass ihr die kulturelle Teilhabe von Menschen aus allen Einkommensschichten wichtig ist. In Duisburg startet die neue Spielzeit mit dem großen Theaterfest am 26. August 2023 im Theater Duisburg: Hier zeigt die Deutsche Oper am Rhein, dass „Oper am Rhein für alle!“ ist.

 

 
 
Neue Formate und frisches Spielzeitheft

UFO der Deutschen Oper am Rhein auf dem Portsmouthplatz vor dem Hauptbahnhof. Foto: Petra Grünendahl.

Durch das Probeabo „Oper plus“ mit rund 500 verkauften Abos hat das Abonnement einen kräftigen Schub bekommen; auch spezielle Angebote für junge Menschen und Familien ermöglichen den Besuch von Oper und Ballett. „Das digitale Foyer“ und weitere Innovationen im digitalen Bereich stoßen Begegnung und Kommunikation in analogen und digitalen Räumen an. „Die Deutsche Oper am Rhein ist nahbarer als je zuvor“, so das Fazit des Generalintendanten der Deutschen Oper am Rhein, Christoph Meyer. Auch mit Formaten jenseits der großen Spielhäuser will die Deutsche Oper am Rhein neues Publikum locken und Menschen für Oper und Ballett begeistern, die bislang noch keine Berührungspunkte hatten: in Kitas, Klassenzimmern und auf Schulhöfen, im integrativen Projekt „StadtOper“ und im UFO. Mit dem Programm „Tanz mit!“ erweitert das Ballett am Rhein sein Programm durch Angebote für jede Altersgruppe.

 

Der neue Spielplan der Saison 2023/24 ist dünner und hat mehr digitale Verweise (QR-Codes). Foto: Deutsche Oper am Rhein.
Das Opern- und Ballettprogramm der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg für die Saison 2023/24 ist veröffentlicht.

Das neue Spielzeitheft für die Saison 2023/24 gibt es zwar immer noch auf Papier, aber es wird dünner – und digitaler mit QR-Codes, die auf die Webseiten mit zusätzlichen Informationen verweisen. Digital durchblättern lässt sich das Heft hier. Das Spielzeitheft als Download sowie einen Link zur Bestellung gibt es auf https://www.operamrhein.de/newsletter-infos/ unter der Newsletter-Anmeldung. Eine Produktionsübersicht gibt es unter https://www.operamrhein.de/spielplan/produktionen/#spielzeit-202324.

 

 
Deutsche Oper am Rhein

Opernhaus Düsseldorf. Foto: Jens Wegner.

Die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg gGmbH ist eine Theatergemeinschaft der Städte Düsseldorf und Duisburg, die auf eine lange Tradition der Zusammenarbeit zwischen den beiden Großstädten zurückblicken kann. Seit ihrer Gründung 1956 zählt sie zu den bedeutendsten Opernhäusern Deutschlands. Durch ihr hochrangiges Solistenensemble, den Chor sowie die national wie international gefeierte Compagnie Ballett am Rhein hat sie sich zu einer der ersten Adressen für Musiktheater und Tanz in Europa entwickelt. Sie ist in der größten und dichtesten Kulturregion Deutschlands beheimatet. Allein die beiden Städte Düsseldorf und Duisburg zählen zusammen fast 1,1 Millionen Einwohner, aber auch die umliegenden Regionen und eine große Zahl auswärtiger Gäste profitieren vom hochkarätigen künstlerischen Angebot der Deutschen Oper am Rhein.
www.operamrhein.de

 

 
Eintrittskarten gibt es online ebenso wie in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in das Stück, seine Entstehung und die Aufführung gibt.

 
© 2023 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (2), Andreas Endermann, Deutsche Oper am Rhein (1), Jens Wegner (1)

 

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Moers: GMGV eröffnet Saison auf Rheinpreußen Schacht IV am 7. Mai

Neu gestaltete Ausstellungsflächen und Fotoausstellung „Unter Tage waren wir alle gleich”
Von Petra Grünendahl

GMGV eröffnet die Saison auf Schacht IV mit der Fotoausstellung „Unter Tage waren wir alle gleich”. Foto: GMGV.

Mit dem Beginn des Steinkohlebergbaus starte ab dem 19. Jahrhundert die erste Zuwanderung ins damals noch ländliche Ruhrgebiet und an den Niederrhein. In den Nachkriegsjahren litt auch der Moerser Bergbau unter Arbeitskräftemangel: Zunächst kamen Menschen aus ganz Deutschland an den Niederrhein. Als in den anschließenden Wirtschaftswunderjahren Bergbau und Industrie verzweifelt weitere Arbeiter suchten, schloss die Bundesregierung ein Anwerbeabkommen mit Italien ab: Die ersten „Gastarbeiter” kamen ins Ruhrgebiet und auch nach Moers. In den 60er Jahren folgten dann Spanier, Jugoslawen, Griechen und Türken. In den 1970er Jahren kamen dann Spätaussiedler an den Niederrhein. Schon ab 1948 half die REVAG (Revierarbeitsgemeinschaft für kulturelle Bergmannsbetreuung), später auch im Verbund mit den Gewerkschaften und den Zechenunternehmen, um die Integration von Menschen zu unterstützen, die sich hier eine neue Existenz aufbauten. Der Bergbau und die Zuwanderung von Arbeitskräften – „Wir riefen Arbeitskräfte und es kamen Menschen.” (Max Frisch) – haben auch die Entwicklung der Stadt Moers geprägt.

 

Sevket Aslan, Frank Maas, Theo Wilbers (vorne), Dr. Wilfried Scholten, Nurulla Cikoglu, Yurdakal Cantimür, André Thissen, Frank Heinrich, Jürgen Kohl, Alberto Dominguez und Dieter Krämer. Foto: Nina Stahlschmidt / GMGV.

Unter dem Titel „Unter Tage waren wir alle gleich“ eröffnet der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e.V. seine Besuchersaison am Sonntag, 7. Mai, ab 11.00 Uhr mit einer Fotoausstellung in der Fördermaschinenhalle des Industriedenkmals Rheinpreußen Schacht IV. Die Schau entstand in Kooperation mit dem Stadtteilbüro Neu-Meerbeck und wird bis Ende Oktober zu sehen sein. Auf insgesamt 21 großformatigen Bildern wird die gemeinsame Arbeit von Bergleuten unterschiedlichster Nationalität und Herkunft dargestellt und erläutert. André Thissen, Leiter des Arbeitskreises Schacht IV, ist mit Unterstützung seines Teams und der ehemaligen Bergleute Dieter Krämer, Sevket Aslan, Yurdakul Cantimür, Jürgen Kohl sowie Atilla Cikoglu eine eindrucksvolle Ausstellung lokaler Geschichte gelungen.

 

 
 
Saison startet mit neuen Aussstellungsbereichen

Nachbildung des Anschlags der 450-Meter-Sohle von Schacht IV mit Originalexponaten und funktionsfähiger Signalanlage zur Fördermaschine. Foto: André Thissen.

Zudem haben die Ehrenamtlichen des Arbeitskreises während der Winterpause die Ausstellungsbereiche im Kellergeschoss an einigen Stellen neu gestaltet. So gibt es jetzt eine Nachbildung des Anschlags der 450-Meter-Sohle von Schacht IV mit Originalexponaten und funktionsfähiger Signalanlage zur Fördermaschine. Außerdem bauten sie einen konventionellen Streckenvortrieb im Holztürstock nach: Mit den Originalplänen von Rheinpreußen aus dem Jahre 1928. Viele der Exponate belegen anschaulich den Integrationsbeitrag durch gemeinsame Arbeit unter Tage, die Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammen geschweißt hat. In nur vier Monaten mit zahlreichen Stunden ehrenamtlicher Arbeit bauten die ehemaligen Bergleute des Arbeitskreises Schacht IV um Alberto Dominguez, Heinz Bernard, Theo Wilbers und André Thissen mit Unterstützung durch die neuen Kollegen Frank Maas und Ingo Tombrink diese neuen Ausstellungsbereiche, die dem Besucher in dieser Saison erstmals zugänglich sind.

 
Fotos: Andre Thissen

 

 
Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e. V.

Schacht IV der Zeche Rheinpreußen in Moers-Hochstraß. Foto: Petra Grünendahl.

Der Museums- und Geschichtsverein in Moers möchte die Geschichte und Kultur der Grafschaft Moers schützen und erhalten – und das seit 1904. In diesem Jahr gründete Dr. Hermann Boschheidgen den „Verein für Heimatkunde“. Seitdem werden vom Verein, der heute „Grafschafter Museums- und Geschichtsverein“ heißt, Gegenstände aus dem Alltag und dem Leben der Moerser Bevölkerung zusammengetragen und im Moerser Schloss ausgestellt. Dadurch soll gemeinsam mit der Stadt Moers interessierten Bürgern die Geschichte der Grafschaft und des Altkreises Moers nahe gebracht werden. Den kulturellen und historischen Wert des Schlossparks stärker bewusst zu machen und zu erhalten ist ebenfalls ein Ziel der Arbeit des GMGV. Der heutige Vorsitzende, Peter Boschheidgen, ist ein Enkel des Vereinsgründers.

Schacht IV der Zeche Rheinpreußen in Moers-Hochstraß. Foto: Petra Grünendahl.

Als weiterer Schwerpunkt der Vereinstätigkeit kam später die Geschichte des Bergbaus mit dem Nutzungsrecht für das „Industriedenkmal Rheinpreußen Schacht IV“ hinzu, mit der Verpflichtung, das Maschinenhaus von 1906 zu erhalten. Der Bergwerks-Standort war 1962 stillgelegt worden. Unter dem langjährigen Vereinsvorsitzenden Andreas Eichholtz übernahm der GMGV Ende der 1990er-Jahre als Bauherr mit finanzieller Unterstützung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, des Landes NRW und der Nordrhein-Westfalen-Stiftung die Renovierung. Das Denkmal und die restaurierte Technik kann im alten Maschinenhaus besichtigt werden. Ehrenamtlich tätige ehemalige Bergleute erklären die Fördertechnik und führen durch die Sammlung. Geöffnet ist Bergbaumuseum an der Zechenstraße 50 in Moers-Hochstraß von Mai bis Ende Oktober jeden Sonntag von 13 bis 16 Uhr. Gruppenführungen sind auch außerhalb der Öffnungszeiten nach Vereinbarung möglich. Kontakt unter Telefon 02841 / 889108 (mittwochs 9 bis 12 Uhr) oder per Mail an schacht4(at)gmgv-moers.de.
www.gmgv-moers.de

 
© 2023 Petra Grünendahl (Text) mit Material vom Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e. V.
Fotos: André Thissen (4), Nina Stahlschmidt / GMGV (1), GMGV (1), Petra Grünendahl (2)

 
 

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Lektüretipp: „Das Porsche 911 Buch“ im GeraMond Verlag

Entwicklungen und Anekdoten aus den 60 Jahren einer Legende
Von Petra Grünendahl

„Das Porsche 911 Buch“ von Wolfgang Hörner: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Als sich Porsche Ende der 1950er-Jahre um einen Nachfolger für seinen Kult gewordenen 356 (1948–1965) kümmert, nimmt man Abschied von bewährten Volkswagen-Komponenten: Die Technik aus dem VW Käfer hatte dem Sportwagen zwar einen rasanten Aufstieg ermöglicht, stieß aber mit ihrer Konzeption aus den 1930er-Jahren vielfach an Grenzen. Das Design, das die Kundschaft – auch jenseits des Atlantiks – so liebte, sollte auch im neuen Porsche erkennbar sein.

„Das Porsche 911 Buch“ von Wolfgang Hörner: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Der Wagen sollte, so Firmenchef Ferry Porsche, nicht viel längerer sein als der Alte: ein 2+2-Sitzer, mit mehr Laderaum (eine Golftasche sollte reinpassen). Auch an Heckantrieb und luftgekühltem Boxermotor hielt man fest. Schließlich ist es Ferrys ältester Sohn, Ferdinand Alexander (F. A.) Porsche, der nach seinem Design-Studium ins väterliche Unternehmen eintritt und dem „amerikanischen“ Entwurf des BMW-507-Designers Graf Albrecht Goertz die entscheidende Porsche-Handschrift gibt, die dem 911er zum Erfolg verhelfen sollte. Vom Vierzylinder des 356 wechselt man zum Sechszylinder, der neben mehr Leistung auch mehr Laufruhe und damit Komfort bot. Dazu kam ein neu entwickeltes Fahrwerk mit McPherson-Konstruktion vorne und Längslenker-Hinterachse. Das Publikum betrachtete das auf der IAA in Frankfurt im September 1963 erstmals gezeigte Fahrzeug eher skeptisch. Journalisten, die das Auto bereits fahren durften, waren begeistert. Im Oktober 1964 lieferte Porsche die ersten Serienfahrzeuge aus.

 

„Das Porsche 911 Buch“ von Wolfgang Hörner: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Von den ersten Entwürfen zum Typ 901 bis hin zur aktuellen Generation (Typ 992) erzählt Wolfang Hörner in seinen Werk „Das Porsche 911 Buch“ spannende Geschichten aus sieben Generationen von Porsches erfolgreichster Modellreihe. Die überarbeitete und erweiterte 4. Auflage des Buches mit dem Untertitel „60 Jahre Porsche 911: Legende seit 1963“

„Das Porsche 911 Buch“ von Wolfgang Hörner: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

ist gespickt mit Hintergrundinformationen zur Entwicklung und Weiterentwicklung der 911er-Baureihen, gescheiterten Baureihen, nie in Serie gegangenen Entwürfen und Einzelstücken. Dazu kommen Exkurse in die Erfolge im Motorsport und in innovative Technologien aus diesen Jahrzehnten. Und natürlich dürfen auch wichtige Ereignisse aus der Unternehmensgeschichte nicht fehlen, garniert mit Anekdoten rund um die Marke und ihre Modelle. Die informativen Texte illustrieren viele schöne Fotos (auch von der Pressestelle des Herstellers) sowie technische Zeichnungen. Technische Daten für alle Modelle und Motorisierungen sowie eine 911er-Chronik runden das informative Werk ab.

 

 
Der Autor und das Buch

„Das Porsche 911 Buch“ von Wolfgang Hörner: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Wolfgang Hörner (Jahrgang 1968) ist Motorjournalist und ausgewiesener Spezialist für Sportwagen. Unzählige Veröffentlichungen in Fachmagazinen sowie mehrere Bücher zeugen davon. Regelmäßig besucht er die Edelschmieden in Deutschland, Italien, England und anderswo auf der Welt, um selbst die neuesten Modelle und Versionen auf der Straße oder auf der Rennstrecke zu testen. Dabei werden ihm auch Einblicke in die Produktion sowie in die Entwicklungs- und Rennabteilung gewährt. Entsprechend gleicht Hörners Archiv einer peniblen Dokumentation der schnellsten, schönsten und exklusivsten Sportwagen der Welt.

 

„Das Porsche 911 Buch“ von Wolfgang Hörner: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Das 192-seitige „Porsche 911 Buch“ mit rund 200 Abbildungen ist als Hardcover (Format 19,3 x 26,1 cm) erschienen im Münchener Verlag GeraMond. Das reich bebilderte Buch bietet neben dem Fließtext zahlreiche ergänzende Exkurse, tabellarische Übersichten der Modelle sowie schlussendlich eine Chronik des 911ers von 1957 bis 2023. Es ist im lokalen Buchhande für 29,99 Euro erhältlich (ISBN 978-3-95613-039-7).

 
 
 
Blick ins Buch: Impressionen. Fotos: Petra Grünendahl

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GeraMond

„Das Porsche 911 Buch“ von Wolfgang Hörner: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Der GeraMond Verlag wurde 1989 als Fachverlag für Publikationen rund um Schienenfahrzeuge gegründet. Später erweiterte der Verlag sein Programm auf Filme (VHS, dann DVD) und schließlich Bücher und Sammler-Editionen. Thematisch kam ab 2000 die Luftfahrt hinzu, danach auch Auto-, Motorrad- und Nutzfahrzeugtechnik sowie Schifffahrtsgeschichte – sowohl als Zeitschriften wie auch als Bücher. GeraMond ist seit 1999 Teil des Münchener Verlagshauses GeraNova-Bruckmann, in der die Verlage GeraMond, GeraNova und Bruckmann zusammen geführt wurden.

 
© 2023 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Duisburger Hafen: Vorstand zieht trotz Umschlagsrückgang positive Bilanz für 2022

Investitionen in Infrastruktur und internationale Vernetzung sichern Wettbewerbsfähigkeit
Von Petra Grünendahl
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Vorstand der duisport-Gruppe (von links): Dr. Carsten Hinne, Markus Bangen (CEO), Lars Nennhaus. Foto: krischerfotografie.

„Wir haben weniger Nachteile durch den Ukraine-Krieg gehabt als noch vor einem Jahr befürchtet, aber wir konnten uns natürlich von der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung nicht abkoppeln“, erklärte Markus Bangen, Vorstandsvorsitzender der Duisburger Hafen AG (duisport). So hinterließen das Niedrigwasser auf dem Rhein, gestörten Lieferketten, die steigenden Energiepreise und die Inflation natürlich ihre Spuren: Der Umschlagsrückgang lag allerdings in dem Rahmen, wie er überall verzeichnet wurde. Und auch wenn heute mehr Kohlefrachter auf dem Rhein zu sehen sind: „Die 700.000 Tonnen Kohle, die 2022 hier umgeschlagen wurden, sind gar nichts im Vergleich zu früher, als hier auf der Kohleninsel jährlich noch 7 bis 10 Mio. Tonnen umgeschlagen wurden“, so Bangen. Auf der Kohleninsel entsteht nun das Duisburg Gateway Terminal mit dem Ziel des klimaneutralen Güterumschlags. Die Bauarbeiten liegen im Zeitplan. Kohle, aber auch Stahl fallen heute nicht mehr in den Geschäftsbereich von duisport: „Hochgewichtige Massengüter werden weniger. Wir verlieren dadurch zwangsläufig an Tonnage“, sagte Bangen. Negative Auswirkungen verzeichnete der Duisburger Hafen auch durch die – aufgrund der hohen Energiekosten – gesunkene Chemie-Produktion, die von Marl aus über Duisburg abgewickelt wird. „Trotz der massiven Beeinträchtigungen und Herausforderungen hat sich unser Kerngeschäft aber als äußerst stabil und widerstandsfähig erwiesen“, fasste der Hafen-Chef zusammen.

 

Vorstand der duisport-Gruppe bei der Bilanzpressekonferenz (von links): Dr. Carsten Hinne, Markus Bangen (CEO), Lars Nennhaus. Foto: Screenshot.

In der jährlichen Bilanzpressekonferenz stellte Hafen-Chef Markus Bangen zusammen mit seinen Vorstandskollegen Lars Nennhaus und Dr. Carsten Hinne die Geschäftsentwicklung des Duisburger Hafens und die Bilanzzahlen für 2022 vor. Obwohl der Güterumschlag leicht rückläufig war, konnte das operative Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr sogar gesteigert werden: Die Gesamtleistung der duisport-Gruppe lag 2022 trotz des angespannten Marktumfeldes bei 332,7 Mio. Euro. Bereinigt um den Effekt eines Einmalerlöses im Vorjahr konnte das operative Ergebnis damit sogar gesteigert werden. 2021 war die Gesamtleistung in Höhe von 346,8 Mio. Euro maßgeblich durch den Verkauf einer Logistikhalle für rund 18 Mio. Euro geprägt worden. „Wir haben aber nun nichts mehr, was wir verkaufen sollten. Wir brauchen alle Assets“, erklärte Markus Bangen.

 

 
Infrastruktur und Warenströme

Infografik: duisport (Screenshot).

Dafür investiert die Duisburger Hafen AG massiv in ihre Infrastruktur: Straßen, Brücken, Schienenwege und Hafenanlagen. Allein in diesem Jahr werden es rund 100 Mio. Euro. „Wir hatten Nachholbedarf, haben aber auch für viele Dinge Vorsorge für unsere Leistungsfähigkeit getroffen und schaffen damit die Voraussetzungen, künftig wieder Trendsetter zu sein“, sagte der Hafen-Chef. Und: „Wir haben im Duisburger Hafen keine freien Flächen mehr: Das heißt, wir können nur im Bestand wachsen – durch mehr Effizienz und die gemeinsame Nutzung von Kapazitäten.“ – „Wir modernisieren unsere Anlagen, bauen sie aus und bereiten uns vor auf künftiges Wachstum“, erklärte auch duisport-Vorstand Lars Nennhaus.

 

Infografik: duisport (Screenshot).

Wichtig ist für die Entwicklung des Duisburger Hafens sein internationales Netzwerk, das duisport-Kunden die Anbindung in alle Welt ermöglicht. Das schließt auch Beteiligungen an Logistikparks im Ausland ein: Triest, Türkei, aber auch in China. Diversifizieren will man die internationalen Netzwerke u. a. nach Indien oder Singapur: „Das ist kein Selbstzweck, sondern stärkt unseren Standort hier“, erklärte Carsten Hinne die Strategie. „Mit unserem Know-how, das wir uns über Jahrzehnte erarbeitet haben, bringen wir uns international ein, um unseren Standard dort anzuwenden, wo wir uns engagieren. Wir wollen dort auch Player sein.“ Die traditionelle Anbindung des Wirtschaftsstandortes an die Seehäfen an der Nordsee reicht längst nicht mehr aus: „Die aufstrebenden Mittelmehrhäfen sind in den letzten 10 Jahren wettbewerbsfähig geworden und wir binden sie über die Schiene an“, erklärte Bangen. Der Standort Duisburg verfüge über das größte und stärkste Eisenbahnnetzwerk in Europa. Und an allen relevanten Absatzmärkten und Produktionsstandorten sei Duisburg präsent.

 

Infografik: duisport (Screenshot).

Stark zurück gegangen sind jedoch Verkehre auf der Neuen Seidenstraße: Statt 2.800 (im Rekordjahr 2021) verkehrten 2022 mit 2.100 China-Zügen ein knappes Drittel weniger. „Das ist ein geringerer Rückgang als wir befürchtet hatten“, so Bangen. Der Umschlagrückgang sei eher ein „back-to-normal“, denn die Rekordzahlen 2021 waren der Tatsache geschuldet, dass der Schiffstransport während der Pandemie gesunken war und die Waren ja trotzdem nach Europa kommen mussten.

 
Zentrales Ziel: Wettbewerb und Wirtschaftsstandort stärken

Infografik: duisport (Screenshot).

Die strategischen Beteiligungen und Kooperationen mit Partnern im In- und Ausland zahlen ebenso wie die Investitionen in die Infrastruktur auf die langfristigen Ziele von duisport ein: „Eine zukunftssichere Infrastruktur, stabile Logistikketten und die Verknüpfung logistischer Dienstleistungen schaffen innerhalb der Energie- und Logistikdrehscheibe Duisburger Hafen die idealen Voraussetzungen für die unerlässliche Wettbewerbsvielfalt. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag, um die Wirtschaftsstandorte Duisburg, Nordrhein-Westfalen und Deutschland nachhaltig zu stärken“, so Markus Bangen. Mit einer Eigenkapitalquote von 42 Prozent sieht er den Duisburger Hafen gut für die zukünftige Entwicklung aufgestellt: „Wir strotzen vor Kraft!“

 

 
Duisburger Hafen AG

Infografik: duisport, Foto: Hans Blossey (Screenshot).

Die Duisburger Hafen AG (duisport) ist die Eigentums- und Managementgesellschaft des Duisburger Hafens, des größten Binnenhafens der Welt. Die duisport-Gruppe bietet für den Hafen- und Logistikstandort Full Service-Pakete in den Bereichen Infra- und Suprastruktur inkl. Ansiedlungsmanagement. Darüber hinaus erbringen die Tochtergesellschaften logistische Dienstleistungen wie beispielsweise den Aufbau und die Optimierung von Transport- und Logistikketten, Schienengüterverkehrsleistungen, Gebäudemanagement und Verpackungslogistik.
www.duisport.de

 
© 2023 Petra Grünendahl (Text)
Foto: krischerfotografie (1), Screenshot (1), Infografiken: duisport (Foto: Hany Blossey, Screenshots)

 
 

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Jungfernfahrt der neuen Generation: DVG nimmt neue Straßenbahn auf der Linie 903 in Betrieb

Komfortable Bahnen mit Klimaanlage und WLAN sollen Mobilitätswende voran bringen
Von Petra Grünendahl

Alstom-Vizepräsident Dirk Wunderlich (ganz rechts) erklärte die Besonderheiten der neuen Bahn (v. l.): DVG-Vorstandsvorsitzender Marcus Wittig, DVG-Aufsichtsratsvorsitzender Dieter Lieske, DVG-Vorstand Andreas Gutschek und Oberbürgermeister Sören Link. Foto: Petra Grünendahl.

Schick sehen sie aus: Die neuen Straßenbahnen der Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG) vom Hersteller Alstom, von denen die Erste ab Morgen im Linienbetrieb der 903 durch Duisburg fährt. Insgesamt 49 sind bestellt: Sie werden bis 2025 geliefert und in Betrieb genommen. Die Lieferung weiterer 11 Fahrzeuge ist bereits zugesagt: „Unser Ziel ist ein 5-Minuten-Takt auf den Linien 901 und 903“, sagte Oberbürgermeister Sören Link zur Jungfernfahrt. Es wird allerdings noch ein paar Jahre dauern, bis die Flotte ausreichend aufgestockt ist, dauert doch die Produktion einer Bahn in laufender Fertigung ein gutes Jahr.

Jungfernfahrt der neuen Niederflurbahn der DVG. Foto: Petra Grünendahl.

Komfortabler sind die neuen Bahnen: Auf 33,50 Meter Länge und 2,30 Meter Breite ist Platz für rund 200 Fahrgäste. Klimaanlage und WLAN sollen die Attraktivität des Verkehrsmittels stärken. An barrierefreien Haltestellen, die man allerdings längst nicht überall an der Strecke findet, ist der Einstieg für Menschen mit Kinderwagen, Rollstuhl oder Rollator einfacher. Breite Außenschwenk-Schiebetüren führen in einen großen offenen Eingangsbereich, der einen schnelleren Fahrgastwechsel ermöglichen soll. Halt findet man aber nur unmittelbar links und rechts neben den Türen. Das kann für Menschen, die diesen Halt brauchen, allerdings zur Barriere werden!

 

Präsentierten das Fahrzeug der Öffentlichkeit (v. l.): Andreas Gutschek, DVG-Vorstand Digitalisierung und Infrastruktur, Dieter Lieske, Aufsichtsratsvorsitzender der DVG, Marcus Wittig, Vorstandsvorsitzender der DVG, Dirk Wunderlich, Vizepräsident Urban Transport Alstom Region DACH, und Oberbürgermeister Sören Link. Foto: Petra Grünendahl.

Zur Jungfernfahrt mit dem neuen Niederflurfahrzeug hatte die Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG) eingeladen: Marcus Wittig, Vorstandsvorsitzender der DVG, Oberbürgermeister Sören Link, DVG-Aufsichtsratsvorsitzender Dieter Lieske, Andreas Gutscheck, DVG-Vorstand Digitalisierung und Infrastruktur, sowie Dirk Wunderlich, Alstoms Vizepräsident Urban Transport für die Region DACH, standen der Presse Rede und Antwort. Sie alle waren voll Lobes für die neuen Straßenbahnen. „Zu einem zukunftsfähigen Nahverkehr in der Stadt gehören vor allem moderne und komfortable Fahrzeuge“, sagte OB Link.

Oberbürgermeister Sören Link auf der Jungfernfahrt der neuen Niederflurbahn der DVG. Foto: Petra Grünendahl.

„Mit den neuen Bahnen wollen wir noch mehr Menschen dazu bewegen, den öffentlichen Personennahverkehr zu nutzen.“ – „Der ÖPNV spielt eine zentrale Rolle für eine umweltfreundliche Mobilität in unserer Stadt, deshalb muss er verbessert und weiter ausgebaut werden“, schloss sich Dieter Lieske an. „Wir freuen uns, die neuen Bahnen nun auch im Linienbetrieb einsetzen zu können. Mit den modernen Bahnen sind wir für die kommenden Jahrzehnte gut gerüstet“, erklärte Marcus Wittig.

 

 
Barrierefreiheit und mehr Komfort

Jungfernfahrt der neuen Niederflurbahn der DVG. Foto: Petra Grünendahl.

„Die Fahrzeuge sind barrierefrei, bieten mehr Platz, haben eine moderne Innenausstattung und vor allem die langersehnte Klimaanlage für Fahrgäste und das Fahrpersonal. Außerdem verfügen sie über WLAN“, berichtete Andreas Gutschek, Vorstand Digitalisierung und Infrastruktur bei der DVG. „Die neuen Fahrzeuge punkten mit Nachhaltigkeit, Komfort und Sicherheit. Modernste Technik hilft dabei, Hindernisse zu erkennen und Kollisionen zu vermeiden“, erklärte Dirk Wunderlich vom Hersteller Alstom.

Die nächsten neuen Niederflurbahnen der DVG stehen schon in den Startlöchern. Foto: Petra Grünendahl.

Sieben weitere Bahnen sollen in den kommenden Wochen ebenfalls in den Linieneinsatz gehen. Dafür müssen sie am Betriebshof Grunewald noch in Betrieb genommen werden. Die DVG rechnet mit einer Prüfdauer von zwei Wochen pro Bahn, die Inbetriebnahme der sieben Fahrzeuge läuft parallel. Die neuen Niederflurfahrzeuge von Alstom gehen auf den Linien 901 und 903 in Betrieb. Auf der U79 kommen andere Fahrzeuge zum Einsatz.

 

Die nächsten neuen Niederflurbahnen der DVG stehen schon in den Startlöchern. Foto: Petra Grünendahl.

Weitere Fahrzeuge werden nach Fertigung und Anlieferung des Herstellers kontinuierlich die Straßenbahnflotte ergänzen. Die DVG investiert rund 135 Millionen Euro in ihre neue Niederflur-Flotte. Zwei Doppelmonitore bieten den Fahrgästen aktuelle Informationen wie die nächsten Haltestellen, Anschlussverbindungen oder auch beispielsweise Verkehrsstörungen. Die Fahrzeuge haben, wie heute auch, eine Videoüberwachung, ermöglichen aber nun über Monitore in der Fahrerkabine Fahrern einen Blick in den Fahrgastraum. Wie die alten Bahnen, werden auch die neuen Fahrzeuge mit Naturstrom aus Wasserkraft betrieben. Die neuen Bahnen seien nicht wartungsintesiver als die alten, versicherte Dirk Wunderlich, obwohl mehr Technik verbaut sei. Wenn die bisherigen Bahnen außer Betrieb gehen, sollten sie verkauft oder verschrottet werden, erzählte Andreas Gutscheck.

 

 
Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG)

Jungfernfahrt der neuen Niederflurbahn der DVG. Foto: Petra Grünendahl.

Auf einem Streckennetz von 500,9 Kilometern betreibt die DVG zwei Straßenbahnlinien (901 und 903), eine Stadtbahnlinie (U79) und 44 Buslinien mit insgesamt 785 Haltestellen sowie das on-demand-Angebot myBus. Das Unternehmen hat 754 Mitarbeiter und transportiert mit 100 Bussen und 57 Bahnen rund 42,5 Mio. Fahrgäste im Jahr. Die DVG betreibt seit über 140 Jahren den öffentlichen Personennahverkehr in Duisburg und ist ein Tochterunternehmen der Duisburger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft (DVV).

 
© 2023 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Lehmbruck Museum in Duisburg zeigt Barbara Hepworth

Reduzierte Formensprache und Verzicht auf Details als Stilmittel
Von Petra Grünendahl

Barbara Hepworth im Palais de Danse, St. Ives, 1961 © Courtesy Bowness. Foto: Rosemary Mathews.

Die Arbeiten von Barbara Hepworth (1903–1975) zeichnen sich aus durch ihre reduzierte Formensprache. Die Skulpturen mit ihrem Verzicht auf Details, zeitlosen Materialien und der Konzentration auf das Wesentliche wirken in ihrer Zeit stilbildend. „Formvollendung, Präzision und eine neue Schönheit sind die Kennzeichen ihrer Skulpturen, die uns zum freien Denken inspirieren. Sie streben danach, die Beschränkungen von Zeit und Raum zu überwinden und lassen neue Dimensionen des ästhetischen Erlebens entstehen“, so Dr. Söke Dinkla, Direktorin des Lehmbruck Museums.

Dudley Shaw Ashton, Figures in a Landscape, 1953, Film Still, C BFI, Courtesy of the BFI National Archive.

Heute stehen sie für die Aufbruchstimmung nach dem Zweiten Weltkrieg – die Befreiung der Form hat die Kraft, an der Befreiung der Gesellschaft mitzuwirken. Hepworth war Teil eines großen Netzwerks an fortschrittlich denkenden Künstlern ihrer Zeit, die der modernen Kunst wichtige Impulse gegeben haben. Zu ihnen gehörten Jean Arp, Constantin Brâncuși, Naum Gabo, Alberto Giacometti, Henry Moore und Antoine Pevsner, deren Skulpturen in der Zusammenschau mit den Werken Hepworths zu sehen sind. Die Ausstellung gibt so Einblicke in einen der entscheidenden Momente in der Entwicklung der modernen Bildhauerei.

 

Barbara Hepworth, Large and Small Form, 1934, The Pier Arts Centre Collection, Orkney, Barbara Hepworth © Bowness.

Die Sonderausstellung „Die Befreiung der Form. Barbara Hepworth“ umfasst rund 50 Exponate, darunter mehr als zwanzig Skulpturen von Barbara Hepworth sowie zeitgenössische Positionen von Künstlern wie Nevin Aladağ, Claudia Comte, Tacita Dean und Julian Charrière. Die Ausstellung entstand in enger Kooperation mit The Hepworth Wakefield, das der Künstlerin an ihrem Geburtsort gewidmet ist,

Barbara Hepworth, Marble with Colour (Crete), 1964. Sammlung Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam. Foto: Jannes Linders, Rotterdam.

mit Leihgaben aus prominenten Sammlungen wie The Royal Collection, London, dem Kröller-Müller Museum, Otterlo (Niederlande), dem Sprengel Museum, Hannover, dem Pier Arts Centre, Stromness (UK), dem Kunstmuseum Den Haag und dem Museum Morsbroich in Leverkusen. Gefördert wird die Sonderausstellung durch die Kunststiftung NRW, durch die Kulturstiftung des Bundes sowie durch den Landschaftsverband Rheinland (LVR), das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, die Kulturstiftung der Länder, die Ernst von Siemens Kunststiftung und die Duisburger Akzente. Die Ausstellung wird heute Nachmittag mit geladenen Gästen eröffnet und ist ab Sonntag, 2. April, fürs Publikum zugänglich.

 

 
Die Künstlerin

Dudley Shaw Ashton, Figures in a Landscape, 1953, Film Still, C BFI, Courtesy of the BFI National Archive.

Barbara Hepworth wurde 1903 in Wakefield, Yorkshire, als Tochter eines Bauingenieurs geboren. Sie erhielt Stipendien für die Leeds School of Arts (1919–21) und das Royal College of Art (1921–24). Mit einem Reisestipendium und verbrachte sie die Jahre 1924/25 in Italien. Obwohl Hepworths frühe Skulpturen noch figurativ waren, begann sie damit, Formen zu vereinfachen, indem sie Details reduzierte oder eliminierte. Ab Mitte der 1930er-Jahre arbeitete sie vollständig abstrakt. Sie gilt als Schlüsselfigur der europäischen Avantgarde und Meisterin der Abstraktion. Ihr Werk steht beispielhaft für die Befreiung der Form: Mit ihrer Ruhe und inneren Balance setzen Hepworths Skulpturen die befriedende Kraft der Kunst frei. Als Vorkämpferin der modernen Bildhauerei revolutionierte Hepworth mit den „piercings“, dem Durchstechen der Form, in ihren Skulpturen die Kunst fundamental. Mit ihrer einzigartigen Kombination aus reduzierten Formen, zeitlosen Materialien und einer humanistischen, naturverbundenen Haltung wurde sie zu einer der führenden britischen Künstlerinnen ihrer Zeit, die internationale Anerkennung fand.

 

 
Das Lehmbruck Museum

Das Lehmbruck Museum im Kantpark. Foto: Petra Grünendahl.

Das mitten in Duisburg im Kantpark gelegene Lehmbruck Museum ist ein Museum für Skulptur. Seine Sammlung moderner Plastiken von Künstlern wie Alberto Giacometti, Pablo Picasso, Hans Arp und natürlich Wilhelm Lehmbruck ist europaweit einzigartig. Beheimatet ist das Museum in einem eindrucksvollen Museumsbau inmitten eines Skulpturenparks, der zum Schlendern und Entdecken einlädt.

 

Barbara Hepworth, Group III (Evocation), 1952, The Pier Arts Centre Collection, Orkney.

Namensgeber des Hauses ist der Bildhauer Wilhelm Lehmbruck, der 1881 in Meiderich, heute ein Stadtteil von Duisburg, geboren wurde. Lehmbruck ist einer der bedeutendsten Bildhauer der Klassischen Moderne. Er hat mit seinem Werk maßgeblichen Einfluss auf nachfolgende Künstlergenerationen und ist auch nach seinem frühen Freitod im Jahr 1919 bis heute einflussreich geblieben.

 

 
Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Barbara Hepworth, Corymb, 1959. Foto: Museum Morsbroich, Leverkusen.

Die Sonderausstellung „Die Befreiung der Form. Barbara Hepworth“ ist zu sehen bis zum 20. August. Geöffnet ist das Lehmbruck Museum dienstags bis freitags ab 12 Uhr, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags an Terminen der plastikBAR (erster Donnerstag im Monat ab 17.30 Uhr) bis 20 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro (ermäßigt* 5 Euro), eine Jahreskarte 35 Euro (ermäßigt* 20 Euro). Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Blinden- und Demenzbegleitung haben kostenlos Eintritt. Schulklassen und Kindergärten zahlen pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte (2 Erwachsene plus Kinder bis 14 Jahre) gibt es für 15 Euro. Jeden ersten Freitag im Monat gilt: „Pay what you want“. Ausgenommen davon sind angemeldete Gruppen.

Barbara Hepworth, Caryatid (Single Form), Lehmbruck Museum, Duisburg. Foto: Jürgen Diemer.

Zu seinen Sonderausstellungen bietet das Lehmbruck Museum verschiedene Veranstaltungen als Rahmenprogramm an. Öffentliche Führungen durch das Museum gibt es jeden Sonntag um 11.30 Uhr. Für Informationen steht die Kunstvermittlung des Lehmbruck Museums unter Telefon 0203 / 283-2195 oder eMail kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de zur Verfügung (Zu Preisen und Buchungen für Führungen geht es hier). Tickets für Führungen und Veranstaltungen können vorab im Ticket-Shop des Museums gebucht werden.

 
(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70 Prozent), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen mit Sozialhilfebezug.

 
© 2023 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: siehe individuelle Bildunterschriften

 
 

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Krisen und neue Regionalstruktur: Commerzbank in Duisburg zog Bilanz

Gefragt: Sichere Geldanlagen und Bausparverträge
Von Petra Grünendahl

Infografik: Commerzbank.

Die Herausforderungen des vergangen Jahres haben auch die Kundenberatung der Commerzbank in Duisburg geprägt: Nach Corona waren es der Ukraine-Krieg, Inflation und die Energiekrise. Dazu kamen zuletzt auch steigende Zinsen, die zwar Kredite verteuern, aber noch nicht so wirklich bei den Sparern ankommen. „Bei der Geldanlage steht der Sicherheitsaspaket im Fokus“, sagte Claudia Prell, Regionsleiterin Private Banking & Wealth Management in Duisburg. Das Einlagenvolumen stieg im Vergleich zum Vorjahr um 10 Prozent. „Andererseits haben einige Anleger die niedrigen Kurse auch für einen Einstieg genutzt“, erklärte Prell. „Eine Anlage in Wertpapiere bleibt gerade in diesen Zeiten sinnvoll, denn sie bietet auf lange Sicht den besten Inflationsschutz.“

Infografik: Commerzbank.

Auch nachhaltige Geldanlagen waren weiterhin gefragt. So stieg das Volumen des Fonds Klimavest der Commerz Real, der in Solar- und Windparks investiert, in Duisburg im vergangenen Jahr um über 57 Prozent auf 16,3 Mio. Euro. Zwar stiegen die Baufinanzierungen im gesamten Jahr 2022 um rund 27 Prozent auf 456 Mio. Euro, jedoch sank das Neugeschäft zum Jahresende als Folge von Zinswende, gestiegenen Baukosten und wirtschaftlicher Unsicherheit. „Zugenommen hat jedoch der Trend zu Bausparvertägen, mit denen sich Kunden auf längere Sicht einen Zinsvorteil gesichert haben“, so Claudia Prell. Das Abschlussvolumen betrug allein in Duisburg rund 12 Mio. Euro, eine Steigerung um 325 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

 

Jahrespressegespräch (v. l.): Dr. Matthias Kretschmer, Claudia Prell und Nikolai Baecker. Foto: Petra Grünendahl.

Über die Auswirkungen der Krisen und der regionalen Neustrukturierung der Commerzbank auf das Bankgeschäft in Duisburg berichteten im Jahrespressegespräch Claudia Prell, Nikolai Baecker, Regionsleiter Unternehmerkunden, und Pressesprecher Dr. Matthias Kretschmer. Mit der regionalen Neuaufstelllung ist die Commerzbank an der Königstraße zentraler Standort der neu geschaffenen Gebietsregion Duisburg mit einem Einzugsgebiet bis nach Moers, Dinslaken und Voerde sowie Bocholt / Kreis Borken im Westmünsterland. Im Filialnetz der Region Duisburg arbeiten insgesamt 64 Mitarbeiter. Dazu kommen weitere Mitarbeiter an Duisburger Standorten der Commerz Direktservice (CDS) und der Commerzbank-Servicegesellschaft ComTS. Damit zählt die Commerzbank zu den größeren Arbeitgebern der Stadt. In der Geschäftsstelle an der Königstraße setzt man auf die eigene Ausbildung: „Wir wollen jungen Menschen Perspektiven eröffnen“, sagte Claudia Prell. „Und bei entsprechender Leistung ist auch die Übernahme garantiert“, so Nikolai Baecker.

 

 
Kundenbetreuung rund um die Uhr

Infografik: Commerzbank.

Als neuen Kanal der Kundenbetreuung hat die Commerbank Beratungscenter aufgebaut: „Sie schließen die Lücke zwischen Filiale und reinem Online- und Mobile-Angebot“, erläuterte Nikolai Baecker. Ausgebildete Bankkaufleute stehen den Kunden hier als qualifizierte Berater telefonisch, per Mail oder Video auch abends und am Wochenende zur Verfügung: Zu allen Finanzthemen wie Konten, Wertpapiere und Immobilienfinanzierungen. „Unser Ziel ist es, dass es für Kunden keinen Unterschied mehr macht, Bankgeschäfte zu Hause oder in einer Filiale zu erledigen.“ In der Region nutzen 71 Prozent der Kunden Digital-Banking, überwiegend über die Commerzbank-App.

 

Commerzbank an der Königstraße. Foto: Petra Grünendahl.

Die Unternehmenskunden der Commerzbank reichen von Einzelunternehmern wie kleinen Handwerksbetrieben oder Freiberuflern bis hin zu kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). „Die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft haben sich grundlegend geändert. Lieferengpässe und gestiegene Preise haben das Geschäft der Unternehmen beeinflusst“, erzählte Nikolai Baecker. „Für viele unserer Kunden standen daher Beschaffungssicherheit und Liquiditätssicherung im Fokus.“ Die Kreditvergabe an Unternehmen ist im vergangen Jahr gestiegen. Häufig auch mit der Kalkulation: Der Kredit jetzt ist mit festgeschriebenen Zinsen wahrscheinlich günstiger als ein aufgeschobener in ein paar Monaten. Mit Corona und Lieferengpässen hätten viele Unternehmer ihre Lieferketten und Lagerhaltung wieder regionaler aufgestellt. Auch damit seien sie gut durch die Krise gekommen: „Wir haben bislang – trotz des steigendem Kreditvolumens – wenig Ausfälle oder Unternehmensinsolvenzen“, sagte Matthias Kretschmer.

 

 
Commerzbank

Commerzbank an der Königstraße. Foto: Petra Grünendahl.

Die Commerzbank ist die führende Bank für den Mittelstand und starker Partner von rund 26.000 Firmenkundenverbünden sowie knapp 11 Millionen Privat- und Unternehmerkunden in Deutschland. In zwei Geschäftsbereichen – Privat- und Unternehmerkunden sowie Firmenkunden – bietet die Bank ein umfassendes Portfolio an Finanzdienstleistungen. Von den 400 Filialen in Deutschland finden Kunden in 220 Filialen Beratung zum Private Banking (höherer Beratungsbedarf für vermögendere Kunden) sowie 85 Filialen mit Wealth Management und Unternehmenskunden. Die gesamte Bandbreite des Angebots findet der Kunde in der Filiale an der Köngstraße, ein Grundangebot für Privatkunden gibt es in einer Filiale im Hamborn.
Die Commerzbank wickelt rund 30 Prozent des deutschen Außenhandels ab und ist im Firmenkundengeschäft international in knapp 40 Ländern vertreten. Die Bank konzentriert sich auf den deutschen Mittelstand, Großunternehmen sowie institutionelle Kunden. Im internationalen Geschäft begleitet die Commerzbank Kunden mit einem Geschäftsbezug zu Deutschland und Unternehmen aus ausgewählten Zukunftsbranchen. Im Segment Privat- und Unternehmerkunden steht die Bank mit den Marken Commerzbank und comdirect an der Seite ihrer Kunden: online und mobil, im Beratungscenter und persönlich vor Ort.

 
© 2023 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl, Infografiken: Commerzbank

 
 

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Ballett am Rhein: Premiere von „Shortcuts“ begeisterte im Theater Duisburg

Tänzerische Facetten vom Spiel des Lebens
Von Petra Grünendahl

Neshama Nashman „Eine kleine Frau“: Wun Sze Chan, Daniele Bonelli, Ensemble Ballett am Rhein. Foto: Bernhard Weis.

„Tanz hat so viele Möglichkeiten: Eine keine Auswahl davon wollten wir hier zeigen“, erzählte Ballett-Dramaturgin Julia Schinke bei der Einführung im Foyer. Mit einer vielfältigen Auswahl an Stücken und hervorragenden einstudierten Choreographien konnten Ballettdirektor und Chefchoreograph Demis Volpi und das Ballett am Rhein ihr Publikum begeistern. Zwei Choreographien erlebten hier ihre Uraufführung: Neben der versierten choreographischen Handschrift von Bridget Breiner, Ballettdirektorin und Chefchoreographin am Staatstheater Karlsruhe, mit „North Country“ (zu Country-Musik) wird auch eine Arbeit der jungen Choreographin Neshama Nashman zu sehen sein. Die 22-Jährige ist seit 2020/21 Compagnie-Mitglied des Ballett am Rhein und hatte ihr choreographisches Talent bereits u. a. im Rahmen des Projektes „Step by Step“ unter Beweis gestellt. Mit Franz Kafkas „Die kleine Frau“ schuf sie zur Musik von Bohuslav Martinů und Alexander MacSween mit vorgetragenen Textpassagen ihre erste Ensemble-Choreographie: Den inneren Konfikt eines Mannes, der sich mit der „kleinen Frau“ und der Gesellschaft konfrontiert sieht. Die aus dem Leben gegriffenen Episoden mit ganz herausragenden Tänzern fokussierten den Blick der Betrachter überwiegend auf Tänzer-Paare, auf ihre Interaktionen und den Ausdruck ihrer verschiedenartigen Beziehungen.

 

Hans van Manen „Short Cut“: Rose Nougué-Cazenave, Gustavo Carvalho. Foto: Bernhard Weis.

Rundum begeisterte Zuschauer erlebten im Theater Duisburg die Premiere eines „Experimentes“, wie Demis Volpi bei der Premierenfeier sagte: Statt eines abendfüllenden Handlungsballetts oder der sonst üblichen drei Stücke hatte Volpi sechs kurze Choreographien für „Shortcuts“ ausgewählt, von denen keine mehr als 15 Minuten dauerte. Namensgebend für die Ballettabend ist ein Klassiker aus dem 20. Jahrhundert: Hans van Manens Stück „Short Cut“ (1999), eine atmosphärisch dichte Arbeit des niederländischen Großmeisters, die den Tanz auf das Wesentliche reduziert, zur Musik von Jacob ter Veldhuis. Die sechs Stücke des Ballettabends stellen jedes für sich geschlossene Arbeiten da: Kurz und bündig, pointiert und mutig. Angesetzt ist der Abend mit ca. 1 ¾ Stunden (inklusive einer Pause), wobei die Premierenvorstellung diesen Zeitrahmen angesichts der Pausen-Performance gut überzog. Das sollte man einplanen. Empfohlen ist der Ballettabend ab 14 Jahren.

 

 
Musikalisch und stilistische Vielfalt

William Forsythe „Artifact II”: Gustavo Carvalho, Elisabeth Vincenti, Ensemble Ballett am Rhein. Foto: Bernhard Weis.

Das zweite Stück mit einem größeren Tänzer-Ensemble war zum Abschluss des Abends William Forsythes „Artifact II“ (1984), das zur Musik von Johann Sebastian Bach als ein Meilenstein der Tanzgeschichte gilt: Der Fokus liegt auf zwei Tänzerpaaren und einer Solo-Tänzerin, die umrahmt vom Tänzer-Corps, die Spiel des Lebens in seinen Gegensätzen und Kontrasten auf die Bühne zaubern.

Von der Jazzmusik in New York inspiriert und beschwingt schuf Igor Strawinskys „Ebony Concerto“ für Klarinette und Big Band. Seine tänzerische Interpretation des Stoffs hatte Demis Volpi bereits 2015 für das Dortmunder Ballett als Pas de deux erarbeitet.

Virginia Segarra Vidal „Parallel Bodies”: Camilla Agraso, Philip Handschin, Svetlana Bednenko. Foto: Bernhard Weis.

In der Pause zeigten überwiegend einzeln agierende Tänzer Virginia Segarra Vidals installative Choreographie „Parallel Bodies“: Mehr Performance als Tanz (ohne Musik) setzt sich die Choreographie mit der Beziehung zwischen Raum, Körper und Skulptur auseinander. Das Stück hatte erst im vergangenen Monat seine Uraufführung im Lehmbruck Museum gefeiert und war nun für die Architektur und das Publikum im Theater Duisburg umgearbeitet und umgedeutet worden. Wie Neshama Nashman ist auch Virginia Segarra Vidals Mitlied der Ballett-Compagnie (seit 2011/12).

 

 
Ein kleiner Vorgeschmack:

 
Weitere Termine im Theater Duisburg:
Do | 30. März 2023 | 19:30 Uhr,
Di | 4. April 2023 | 19:30 Uhr,
Sa | 8. April 2023 | 19:30 Uhr,
Mo | 10. April 2023 | 18:30 Uhr,
So | 16. April 2023 | 15:00 Uhr und
Fr | 12. Mai 2023 | 19:30 Uhr.

 
Deutsche Oper am Rhein

Bridget Breiner „North Country“: Nelson López Garlo, Svetlana Bednenko, Vinícius Vieira, Virginia Segarra Vidal. Foto: Bernhard Weis.

Die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg gGmbH ist eine Theatergemeinschaft der Städte Düsseldorf und Duisburg, die auf eine lange Tradition der Zusammenarbeit zwischen den beiden Großstädten zurückblicken kann. Seit ihrer Gründung 1956 zählt sie zu den bedeutendsten Opernhäusern Deutschlands. Durch ihr hochrangiges Solistenensemble, den Chor sowie die national wie international gefeierte Compagnie Ballett am Rhein hat sie sich zu einer der ersten Adressen für Musiktheater und Tanz in Europa entwickelt. Sie ist in der größten und dichtesten Kulturregion Deutschlands beheimatet. Allein die beiden Städte Düsseldorf und Duisburg zählen zusammen fast 1,1 Millionen Einwohner, aber auch die umliegenden Regionen und eine große Zahl auswärtiger Gäste profitieren vom hochkarätigen künstlerischen Angebot der Deutschen Oper am Rhein.
www.operamrhein.de

 

 

Demis Volpi „Ebony Concerto“: Miquel Martínez Pedro, Futaba Ishizaki. Foto: Bernhard Weis.

Tickets kosten zwischen 19,00 und 78,00 Euro. Eintrittskarten gibt es online ebenso wie in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in das Stück, seine Entstehung und die Aufführung gibt.

 

 
© 2023 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Bernhard Weis

 

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MKM Museum Küppersmühle in Duisburg zeigt große Retrospektive von E. W. Nay

Dynamische Schwünge der Landschaft und ihre elementare Kraft
Von Petra Grünendahl

E. W. Nay: Afrikanisch (1954). Foto: Bernd Fickert.

E. W. Nay (1902–1968) ist bis heute ein berühmter Protagonist der deutschen Nachkriegs-Moderne. Seine formale Abstraktion behauptete sich parallel zum Informel. Seine durch den späten Expressionismus beeinflussten, frühen gegenständlichen Bilder bilden die Grundlage für Nays späteres abstraktes Werk, das sich durch eine kraftvoll-dynamische Autonomie freier Farbformen auszeichnet. „Die Spannungen, die Energien der Fläche, der Farbe, von Farbe zu Fläche, führten zu ganz anderen neuen Bildvorstellungen, Gesang, Tanz der Fläche, wenn man will“, hatte Nay, der als einer der bedeutendsten Farbmaler des 20. Jahrhunderts gilt, 1958 über seine Malerei geschrieben. Und: „Die großen dynamischen Schwünge der Landschaft, ihre elementare Kraft brachten zum ersten Mal das Thema meiner Kunst hervor, die Dynamik und das Elementare.“ Je nach Entstehungszeit faszinieren Nays Arbeiten durch ihre intensive Farb-Form-Interaktion, ihre Fläche-Raum-Komposition oder Figur-Grund-Korrelation. Ausgehend von einer figurativen Malerei entwickelte der Künstler eine zunehmend abstrakte Formensprache, die auf das Frühwerk zurückverweist.

 

E. W. Nay: Elysée (1952). Foto: Mick Vincenz.

Im vergangenen Jahr wäre der Maler Ernst Wilhelm Nay 120 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass zeigt das MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst eine umfassende, retrospektiv angelegte Ausstellung mit Werken aus allen fünf Jahrzehnten seines künstlerischen Schaffens. Die Ausstellung im MKM präsentiert rund 70 Gemälde, die alle Schaffensphasen von Nays Werk vorstellen. Beginnend mit seinen späten Bildern führt die Retrospektive chronologisch zurück durch die stilistisch und thematisch unterschiedlichen Stationen seines Werkes. Die Ausstellung der Hamburger Kunsthalle in Zusammenarbeit mit der Ernst Wilhelm Nay Stiftung, dem Museum Wiesbaden und dem Museum Küppersmühle für Moderne Kunst ist ab Freitag, 24. März in den Wechselausstellungsräumen im Erdgeschoss für das Publikum geöffnet. Gefördert wird die Retrospektive durch die National-Bank Essen.

 

 
Der Künstler

E. W. Nay: Rot Schwarz Gelb (1967). Foto: Gunter Lepkowski.

Ernst Wilhelm Nay (1902–1968) ist einer der bedeutendsten Maler des 20. Jahrhunderts. Nach ersten autodidaktischen Versuchen ab 1922 gelang ihm 1924 die Aufnahme an die Hochschule der Bildenden Künste in Berlin, wo er als Meisterschüler seinen Abschluss 1928 beim Hochschul-Direktor Karl Hofer (1878–1955) machte. An der Hochschule lernte Nay seine spätere Frau Helene (Elly) Kirchner (1901–1986) kennen, die dort als Modell tätig war und die er 1932 heiratete. Studienreisen und Stipendien führten den Maler zunächst nach Paris, Bornholm (Dänemark) oder Rom, wo die frühen Phasen seines Schaffens geprägt wurden. Schon als junger Künstler hatte er um 1930 Anerkennung in der Kunstwelt gefunden, war in den wichtigen Ausstellungen vertreten und erhielt erste Preise.

E. W. Nay: Menschen in den Lofoten (1938). Foto: Bernd Fickert.

Mit seiner Beteiligung an der documenta in Kassel 1955, 1959 und 1964 sowie den Biennalen in São Paulo und Venedig etablierte er sich als feste Größe in der Kunst der Moderne. Erstmals seit 20 Jahren wird Ernst Wilhelm Nay nun in diesem Haus mit einer umfassenden Retrospektive gewürdigt. Im MKM kann sein Werk auch im Kontext des Schaffens seiner Zeitgenossen betrachtet werden.

 
Zur Ausstellung ist im Kölner Wienand Verlag der Katalog „E. W. Nay Retrospektive“ mit Hardcover-Einband erschienen. Das 256-seitige Werk mit 224 Abbildungen ist für 29,90 Euro an der Museumskasse sowie im lokalen Buchhandel zu haben (ISBN 978-3-86832-646-8).

 

 
Museum Küppersmühle:
Duisburger haben donnerstags freien Eintritt

E. W. Nay: Instrumentation (1952). Foto: Olaf Bergmann.

Die große Retrospektive mit Werken von Ernst Wilhelm Nay ist in den Wechselausstellungsräumen im Erdgeschoss des Altbaus bis zum 6. August 2023 zu sehen. Das Museum Küppersmühle findet man im Innenhafen am Philosophenweg 55 (Haupteingang, der Parkplatz befindet sich auf der anderen Straßenseite). Mittwochs ist das Museum von 14 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis sonntags sowie feiertags von 11 bis 18 Uhr. Montags und dienstags ist Ruhetag. Der Eintritt kostet nur für die Wechselausstellungen 6 Euro (ermäßigt 3 Euro), für das gesamte Haus (inkl. Wechselausstellung) 12 Euro (ermäßigt 6 Euro). Familien (2 Erwachsene plus Kinder) zahlen 18 Euro für das ganze Haus, 10 Euro für Wechselausstellungen. Kinder bis 16 Jahren haben freien Eintritt. Kindergruppen (Schule, Kita, Kinderfreizeit) zahlen 2 Euro pro Kind und Betreuer. Donnerstags haben alle Duisburger (gegen Vorlage des Personalausweises) freien Eintritt. Das MKM ist Partner der Ruhrkultur.Card. Alle Ausstellungsräume des Museums sind auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich.

 

MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.

Offene Führungen durch die Sammlung sowie durch laufende Ausstellungen gibt es jeden Sonntag um 15 Uhr, aber auch nach Vereinbarung. Durch die Wechselausstellung gibt es mittwochs zwischen 15 und 16 Uhr die Führung „KunstMittwoch“. Beide Führungen sind im Eintritt enthalten. Zu den Ausstellungen bietet das MKM zudem immer wieder Themenführungen, Künstlergespräche oder Sonderformate an. Weitere Informationen zu Führungen und dem Begleitprogramm zu Ausstellungen gibt es unter www.museum-kueppersmuehle.de). Hier findet man zu Corona-Maßnahmen.

 

 
Das Museum Küppersmühle als Kunstwerk um die Moderne Kunst

MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.

Das Museum Küppersmühle für Moderne Kunst wurde im Jahre 1999 in einem ehemaligen Getreidespeicher im Innenhafen eröffnet. Er wurde nach Plänen der Basler Architekten Herzog & de Meuron zum Museum umgebaut. Initiator des Museumsprojekts war der Duisburger Kunstsammler Hans Grothe (1930–2019). Grothes Sammlung umfasste über 800 Werke von mehr als 40 deutschen Künstlern. Seit der Übernahme seiner Sammlung durch das Darmstädter Sammlerpaar Sylvia und Ulrich Ströher 2004/2005 stieg die Anzahl der Ausstellungsstücke und der vertretenen Künstler noch erheblich an. Insgesamt handelt es sich um eine der wichtigsten und umfangreichsten Sammlungen deutscher Kunst seit 1945. Zur Präsentation der ständigen Sammlung kommen immer wieder Wechselausstellungen hinzu. Seit 2008 war ein Erweiterungsbau geplant: Zunächst als ein „Schuhkarton“ auf den Silotürmen, der 2011 wegen Baumängeln scheiterte. Bei einem neuen Anlauf beauftragten die Ströhers 2014 das Architektenbüro Herzog & de Meuron erneut mit der Planung (Baubeginn war 2016): Der Erweiterungsbau wurde im September 2021 eröffnet. Seitdem sind im MKM in 42 Räumen auf gut 5.000 Quadratmetern etwas 320 Werke als Highlights aus der Sammlung Ströher in der Dauerausstellung zu sehen. Die Sammlung ist um ein mehrfaches größer: Schließlich sammelt das Darmstädter Ehepaar ja schon seit Mitte der 1980er-Jahre – und immer noch weiter. Der Fokus liegt auf Malerei, aber auch Skulptur, Installation und Fotografie sind vertreten. Die Sammlung umfasst zentrale Positionen der Kunstentwicklung in Deutschland, von der unmittelbaren Nachkriegszeit bis in die Gegenwart.

 
Das MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst als Standort der Sammlung Grothe wird seit seiner Gründung von der Stiftung für Kunst und Kultur e. V. Bonn betrieben. Die Stiftung konzipiert und organisiert die Ausstellungen und betreut die umfangreiche Sammlung, die heute dem Kunstsammler-Ehepaar Ströher aus Darmstadt gehört, im MKM. Direktor ist seit 1999 Walter Smerling.

 
© 2023 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Bernd Fickert (2), Gunter Lepkowski (1), Mick Vincenz (1), Olaf Bergmann (1), Petra Grünendahl (2)

 
 

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Neubau der A40-Rheinbrücke Neuenkamp: Brückenschlag über den Rhein

Noch in diesem Jahr soll der Verkehr über den Neubau fließen
Von Petra Grünendahl

Neubau der A40-Rheinbrücke Neuenkamp: Anfang Februar wurde das letzten Bauteil eingehoben. Foto: DEGES.

Das letzte 420 Tonnen schwere Bauteil für das erste Teilbauwerk der neuen A40-Rheinbrücke Neuenkamp wurde bereits am 6. Februar 2023 eingesetzt. Vor knapp zwei Wochen folgte die finale Zusammenführung mit einem letzten Längsverschub der linksrheinischen Brückenhälfte an die Südbrücke. Mit den abschließenden Schweißarbeiten ist nun die sogenannte Brückenhochzeit des ersten Überbaus der Rheinbrücke Neuenkamp vollzogen. Seitlich müssen noch fehlende Stahlbauteile für Rad- und Gehweg angebracht werden, damit auch hier die Wegführung komplett ist. In den kommenden Monaten wird nun das stählerne Brückenbauwerk ausgestattet, mit Asphalt versehen und als Autobahnteilstück fertig gestellt. Noch in diesem Jahr soll der Verkehr auf den südlichen Überbau geleitet in beide Richtungen fließen, damit die alte Brücke abgerissen werden kann.

 

Freuten sich, dass miit der letzten Schweißnaht der Lückenschluss vollzogen wurde (v. l.): Ocke Hamann(IHK), Dr. Udo Pasderski (DEGES), Markus Bangen (Duisburger Hafen AG). Foto: DEGES.

Den Brückenbau realisiert die DEGES Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH. Gemeinsam mit den Bündnispartnern von #GemeinsamMobil für Duisburg und den Niederrhein setzte Dr. Udo Pasderski, DEGES-Bereichsleiter für Nordrhein-Westfalen, symbolisch die letzte Schweißnaht und besiegelte den Brückenschlag. Vom Mobilitätsbündnis waren Ocke Hamann, Geschäftsführer der Niederrheinischen IHK und Fachpolitischer Sprecher Verkehr und Mobilität der IHK NRW, sowie Markus Bangen, Vorstandsvorsitzender der Duisburger Hafen AG (duisport), dabei. Beide betonten die Bedeutung des Brückenneubaus für den Logistikstandort Duisburg mit dem Duisburger Hafen als Drehscheibe und dem Niederrhein als Hinterland.

 

 
Die neue Rheinbrücke Neuenkamp: Daten und Fakten

Neubau der A40-Rheinbrücke Neuenkamp: Im Dezember klaffte noch eine gut 30 Meter breite Lücke zwischen den Bauten auf der Essenberger und der Neuenkamper Rheinseite. Foto: DEGES.

Die DEGES plant und realisiert den achtstreifigen Ausbau der Autobahn A 40 zwischen den Anschlussstellen Duisburg-Homberg und Duisburg-Häfen einschließlich des Neubaus der Rheinbrücke Neuenkamp. Bereits 2023 werden den Verkehrsteilnehmern auf dem neuen, südlichen Überbau pro Fahrtrichtung drei Fahrstreifen zur Verfügung stehen, um Pendler und die ansässige Wirtschaft nachhaltig zu entlasten. Die Fertigstellung des gesamten Brückenbauwerks ist für 2026 geplant.

Vom Ufer erkennt man nur noch die fehlenden Bahnen für Rad- und Gehweg. Foto: Petra Grünendahl.

Das zweite, nördliche Brückenbauwerk wird nach seiner Fertigstellung abschließend an die Südbrücke heran geschoben, so dass die Brücke wie aus einem Guss wirkt. Entsprechend wird die neue, aus zwei Bauwerken bestehende Rheinbrücke höher, länger und breiter sein als die bisherige: 75 Meter hoch, 802 Meter lang und 68,25 Meter breit. Die alte Brücke war ab 1966 gebaut und 1970 dem Verkehr übergeben worden: Mit einer Höhe von 50 Metern, 777 Metern Länge und 36 Metern Breite entspricht sie aber schon länger nicht mehr den Anforderungen des steigenden Verkehrs. Konzipiert war sie für maximal 30.000 Kraftfahrzeuge pro Tag, mittlerweile sind es rund 100.000 Fahrzeuge täglich, darunter 11.000 Lastkraftwagen.

A40-Rheinbrücke Neuenkamp: Bau-Zeitraffer März bis November 2022

A40-Rheinbrücke Neuenkamp: Und noch ein neues Video

 
© 2023 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: DEGES (3), Petra Grünendahl (1), Videos: DEGES auf Youtube

 

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Ausstellungskatalog im Klartext Verlag: „Ruhrbesetzung 1923 – 1925“ im Ruhr Museum

Als Boycott und Widerstand gegen die Besatzer das Ruhrgebiet einte
Von Petra Grünendahl

Hände weg vom Ruhrgebiet: Die Ruhrbesetzung 1923-25 – Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Am 11. Januar 1923 marschierten belgische und französische Besatzungstruppen im Ruhrgebiet ein. Nach Düsseldorf, Duisburg und dem Ruhrorter Hafen 2021 bekamen diese nun das ganze Ruhrgebiet unter ihre Kontrolle, nachdem Deutschland seine Reparationspflichten aus dem Versailler Vertrag nicht erfüllte. Da sich die Ruhrindustrie geweigert hatte, die im Versailler Vertrag vereinbarte Kohle zu lieferern, wollten die Besatzer Druck ausüben: Ein Krieg um Ressourcen. Natürlich stießen sie auch auf Widerstand in der Bevölkerung. Die Eisenbahn boykottierte den Abtransport der konfiszierten Kohle, Anschläge auf die Verkehrswege behinderten und verzögerten die Transporte weiter. Der Alltag der Menschen war geprägt von Verarmung, Hunger und Inflation und Arbeitslosigkeit, aber auch von sozialen und politischen Unruhen. Die Abschottung zum Deutschen Reich, Zollschranken und Lieferengpässe verursachten eine Wirtschaftskrise der Ruhrwirtschaft, die Arbeitslosenzahlen stiegen an. Man verweigerte die Zusammenarbeit mit den Besatzern und führte einen Propagandakrieg. Neben Befehlsverweigerung und passivem Widerstand kam es aber auch immer wieder zu gewalttätigen Zusammenstößen. Erst nachdem die Reparationsforderungen auf eine für Deutschland tragbare Grundlage gestellt worden waren, verließen die Besatzungstruppen im Sommer 1925 das Ruhrgebiet.

 

Hände weg vom Ruhrgebiet: Die Ruhrbesetzung 1923-25 – Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Mit dem Buch „Hände weg vom Ruhrgebiet“ legt der Klartext Verlag ein Katalogbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Ruhr Museum auf. Thema von Ausstelung und Buch ist – so der Untertitel – die Ruhrbesetzung 1923 – 1925. In elf Aufsätzen haben ebenso viele Autoren einzelne Aspekte der Ruhrbesetzung wissenschaftlich, aber dennoch gut lesbar näher beleuchtet und in wichtige historische Zusammenhänge eingeordnet. Über die Ausstellung hinaus vermittelt das Buch umfassend historische Begebenheiten und Hintergründe, die der Leser in interessanten, gut aufbereiteten Texten mit vielen zeitgenössischen Bilddokumenten an die Hand bekommt. Das Buch macht deutlich, wie die Ruhrbesetzung als Teil der Entwicklung und des Scheiterns der Weimarer Republik zu verstehen ist, da sie Revanchismus und Revisionsimus förderte und insbesondere von der rechten Propaganda im Vorfeld der Machtergreifung missbraucht wurde. Der erst 1920 gegründete Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk (heute: Regionalverband Ruhr) jedoch erfuhr durch die Besetzung ein stärkeres Zusammenrücken und Identifikation der Menschen mit der Region. Außerdem rückte sie das Ruhrgebiet, wie das rheinisch-westfälische Industrierevier nun genannt wurde, auch national stärker in den Fokus.

 

 
 
Von Besatzern, Widerstand und auch Versöhnung

Hände weg vom Ruhrgebiet: Die Ruhrbesetzung 1923-25 – Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Das Buch „Hände weg vom Ruhrgebiet“ ist das Katalogbuch zur sehenswerten gleichnamigen Ausstellung im Ruhr Museum auf der Zeche Zollverein (bis 27. August 2023). Herausgeber sind mit Heinrich Theodor Grütter, Ingo Wuttke und Andreas Zolper drei der Autoren. Inhaltlich vertieft es die Ausstellungspräsentation und vermittelt sehr lesenswert fundiertes Hintergrundwissen. Das reich bebilderte 208-seitige Werk (im Format 22 x 29 cm) ist für 24,95 Euro im Museumsshop ebenso wie im lokalen Buchhandel zu haben (ISBN 978-3-8375-2555-7).

 

 
Der Blick ins Buch. Fotos: Petra Grünendahl

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Der Verlag

Hände weg vom Ruhrgebiet: Die Ruhrbesetzung 1923-25 – Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Der Klartext Verlag wurde 1983 gegründet, seit 2007 ist er Teil der Funke Mediengruppe. Seine Heimat liegt im Ruhrgebiet, wo auch der überwiegende Teil seiner Publikationen angesiedelt ist: Freizeitführer, Sachbücher, Kalender und Bildbände. Mit der „Von oben“-Reihe kann man Städte nicht nur im Ruhrgebiet, sondern in ganz Deutschland aus der Vogelperspektive bewundern. Und mit der Reihe „Irrtümer und Wahrheiten“ (bei ihrem Start im Verlagsprogramm hieß die Serie noch „Klugscheißer“) lernt der Leser Neues zu verschiedenen Orten, Themen und Fußballvereinen – unterhaltsam, fundiert und auch mit dem einem oder anderen Augenzwinkern.
www.klartext-verlag.de

 
© 2023 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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IHK-Studie „Ruhrwirtschaft International“: Mehr ausländische Unternehmen im Ruhrgebiet

Positive Standortfaktoren locken Unternehmen und Investoren
Von Petra Grünendahl

Stellten heute die neue Studie vor (v.l.): Wulf-Christian Ehrich, stellv. Hauptgeschäftsführer der IHK zu Dortmund, Dr. Georg Hüthwohl, Geschäftsführer der Albonair GmbH aus Dortmund, und IHK-Referatsleiter Dominik Stute. Foto: Oliver Schaper / IHK zu Dortmund.

„Das Ruhrgebiet als Europas viertgrößte Metropolregion ist im Herzen des Kontinents beheimatet und kann mit einer Einwohnerzahl von gut fünf Millionen Menschen und der hohen Wirtschaftskraft von 172 Milliarden Euro aufwarten. Dazu bietet das Ruhrgebiet zahlreiche Hochschulen sowie Forschungseinrichtungen und hervorragende Verkehrsanbindungen. Diese Faktoren sind starke Pluspunkte im internationalen Wettbewerb“, erklärte Wulf-Christian Ehrich, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK zu Dortmund und fachpolitischer Sprecher Außenwirtschaft von IHK NRW. Die Zahl der ausländischen Unternehmen im Handelregister stieg im Vergleich zur letzten Publikation 2016 um rund 20 Prozent auf 3.630 – mit über 200.000 Beschäftigten. Spitzenreiter sind die Niederlande mit fast 15 Prozent. Das Vereinigte Königreich rückte mit einer steigenden Zahl von Unternehmensansiedlungen mit 8,6 Prozent im Ruhrgebiet auf Platz 2 vor. An dritter Stelle liegen die USA mit 8 Prozent. Auch in Duisburg sind die Niederländer Spitzenreiter, gefolgt von China (plus 12 Plätze) und den USA. Das Vereinigte Königreich liegt hier (minus 1 Platz) auf Rang 5. Darüber hinaus stieg die Zahl der ausländischen Kleingewerbetreibenden (mit Gewerbeschein) um gute 23 Prozent: Hinter türkischen und polnischen Gewerbetreibenden haben seit der Fluchtwelle von 2015 mit einem stark gestiegenen Anteil Syrer als Selbstständige eine Existenz im Ruhrgebiet gegründet.

 
Stellvertretend für alle Ruhr-IHKs stellte die IHK zu Dortmund die aktuelle Studie „Ruhrwirtschaft International“ im Pressegespräch vor. Diese nach 2008 und 2016 dritte Untersuchung dieser Art ist im Wesentlichen im Rahmen des Ruhrlageberichts im vergangenen Jahr entstanden, als die IHK Dortmund federführend war. Gesprächspartner waren neben Wulf-Christian Ehrich Dr. Georg Hüthwohl, Geschäftsführer der Albonair GmbH aus Dortmund, und IHK-Referatsleiter Dominik Stute. Trotz Corona-Pandemie, gestörter Lieferketten und trotz (oder vielleicht gerade wegen) Brexit hat sich die Wirtschaft im Ruhrgebiet weiter internationalisiert. Im Ruhrgebiet sind nun mehr als 31.000 ausländische Firmen, Gewerbetreibende und Investoren aus 154 Ländern beheimatet: Gegenüber 2016 ist das ein deutliches Plus von 23 Prozent. Das macht deutlich, dass das Ruhrgebiet im internationalen Wettbewerb mit attraktiven Standortfaktoren punkten kann, aus denen sich Chancen für die Zukunft ergeben. Die insgesamt im Ruhrgebiet doch recht hohen Gewerbesteuersätze jedenfalls waren für kein Abschreckungsgrund. Die Entwicklung spricht eher dafür, dass hier andere Faktoren viel entscheidender waren.

 

 
Absatzmarkt, qualifizierte Fachkräfte und gute Erreichbarkeit sprechen für den Standort

Verteilung ausländischer Unternehmen auf die Kammerbezirke. Infografik: IHK zu Dortmund.

„Als die Inder Abgasnormen für Lkw nach europäischem Beispiel einführten, sahen sie sich nach dem nötigen Know-how um. Wir hatten hier im Ruhrgebiet die Ingenieure und das Wissen, Systeme zur Abgasreinigung von Dieselmotoren zu bauen, aber nicht das Kapital zur Unternehmensgründung“, erzählte Dr. Georg Hüthwohl. 2007 gründete er die Albonair GmbH, die seitdem zur indischen Hinduja-Gruppe gehört. Seinen Sitz hat das Unternehmen im Technologiepark Phoenix-West in Dortmund-Hörde. Neben dem Hauptsitz in Dortmund (mit der Produktion für Europa) gibt es weitere Standorte in China und Indien, die für die Märkte vor Ort produzieren. „Das Ruhrgebiet bietet nicht nur durch die vielen Universitäten und Fachhochschulen sehr gute Fachkräfte“, erzählte Hüthwohl, und: „Die Lebenshaltungskosten sind in Dortmund niedriger als in Automotive-Metropolen wie Stuttgart oder München.“

Neben etablierten Firmen und Schwergewichten aus Industrie, Handel und Logistik haben sich auch zahlreiche Unternehmen mit internationalen Beteiligungen hier etabliert: Vom Ruhrgebiet aus lenken sie ihr Europa- und Deutschlandgeschäft. Zu den Standortfaktoren zählen nach Ansicht der Wirtschaftsvertreter die verkehrsgünstige Lage der Metropolregion mit ihrem Absatzmarkt (Industrie wie Endverbraucher) und guter Erreichbarkeit, qualifizierte Arbeitskräfte, die Hochschulen und Forschungsinstitute sowie die weltweite Vernetzung. Vom Brexit hat neben den Niederlanden, Belgien und Frankreich mit ihrer direkten Verbindung auf die Insel auch das Ruhrgebiet profitiert, wenn britische Unternehmen Standorte ins EU-Gebiet verlagert haben.

Das Ruhrgebiet, das seit Beginn der Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts von einer starken Zuwanderung profitierte, hat sich im Strukturwandel der vergangenen Jahrzehnte stark verändert und zahlreiche innovative Unternehmen angelockt. Neu entwickelt haben sich zukunftsträchtige Cluster und Leitmärkte in den Bereichen GreenTech, Ressourceneffizienz, Cybersecurity sowie Logistik und Gesundheitswesen. Im engen Austausch mit Wissenschaft und Wirtschaft ist überdies ein großes Startup-Ökosystem gewachsen.

 

 
 
Internationale Unternehmen in den IHKs im Ruhrgebiet

Die Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet. Grafik: Ruhr-IHKs.

Auf knapp 30 Seiten bietet die Publikation „Ruhrwirtschaft International – Ausländische Unternehmen im Ruhrgebiet 2022/23“ der Ruhr-IHKs eine detaillierte Übersicht über die Zahl der ausländischen Firmen und Gewerbetreibenden im ganzen Ruhrgebiet. Spezifische Informationen zu den Besonderheiten der einzelnen IHK-Regionen sowie Interviews mit Unternehmern runden die Gesamtdarstellung ab. Die Publikation „Ruhrwirtschaft International – Ausländische Unternehmen im Ruhrgebiet 2022/23“ mit vielen weitergehenden Informationen findet man hier.

Die Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet haben hier nach 2008 und 2016 zum dritten Mal Ergebnisse für im Handelsregister (HR) eingetragenen Unternehmen und Kleingewerbetreibenden (KGT) publiziert. Als Basis für die HR-eingetragenen ausländischen Firmen dienten Datensätze der Firmen mit direkter Beteiligung und Firmen mit indirekter Beteiligung in der Markus-Datenbank der Creditreform, Neuss, sowie IHK-interne Datenbanken. Folgende Definition für ein ausländisches HR-Unternehmen wurde angewandt: Ein Unternehmen ist ausländisch, wenn die Muttergesellschaft / Konzernmutter nicht in Deutschland ansässig bzw. der (Haupt-)Gesellschafter kein deutscher Staatsangehöriger ist und dieser 50 Prozent oder mehr der Anteile am Unternehmen hält. Das maßgebliche Kriterium bei den Kleingewerbetreibenden war eine eingetragene nicht-deutsche Staatsangehörigkeit. Auch die Unternehmen im hiesigen IHK-Bezirk (Duisburg und Kreis Wesel, der Kreis Kleve gehört nicht zum Ruhrgebiet) sind in der Studie „Ruhrwirtschaft International“ enthalten. Zu den Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet zählen neben der Niederrheinischen IHK Duisburg, Wesel, Kleve zu Duisburg die IHK Mittleres Ruhrgebiet Bochum, die IHK zu Dortmund, die IHK für Essen, Mülheim an der Ruhr, Oberhausen zu Essen, die Südwestfälische IHK zu Hagen und die IHK Nord Westfalen (mit dem Standort Gelsenkirchen für die Emscher-Lippe-Region).

 
© 2023 Petra Grünendahl (Text)
Foto: Oliver Schaper / IHK zu Dortmund, Infografik: IHK zu Dortmund

 
 

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Rat der Stadt Duisburg gab grünes Licht für Steuersenkung

Forderungskatalog zum A59-Ausbau bekräftigt: Neubau der Berliner Brücke vorziehen
Von Petra Grünendahl

Ratssitzung in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

„Dass wir jetzt die Hebesätze für Grund- und Gewerbesteuer senken können, ist das Ergebnis unseres bisherigen Sanierungskurses“, sagte Oberbürgermeister Sören Link. Die Erhöhung 2011 sei nötig gewesen, um zusammen mit Kürzungen von Ausgaben die Vorgaben des Stärkungspaketes Stadtfinanzen zu erfüllen. Dank auch der aus dieser Maßnahme geflossenen Finanzhilfen des Landes stünde Duisburg heute wieder gut da, so dass man mit der Steuersenkung etwas an die Duisburger zurück geben könne. Zwar ist die Senkung der Gewerbesteuer um 10 Prozentpunkte auf 845 Prozent und der Grundsteuer von 520 auf 515 Prozent ein kleiner Schritt, aber: „es ist ein erster Schritt.“ Wichtig sei ihm, so Link, dass der städtische Haushalt mit einer schwarzen Null abschließe. Der Steuersenkung stimmte der Rat ebenso einstimmig zu wie dem Forderungskatalog zum Ausbau der A59, das Planfeststellungsverfahren in zwei Teile aufzuteilen, um die Berliner Brücke schnellstmöglich und damit rechtzeitig erneuern zu können. Eine Sperrung der Brücke mit Ablauf der Nutzungsdauer sei eine Katastrophe für Duisburg und seine Bewohner und müsse unbedingt vermieden werden, sagte der Oberbürgermeister. Deswegen sei dieser Abschnitt vorzuziehen, um den fälligen Brückenneubau schnellstmöglich umzusetzen.

 
Mit 74 Tagesordnungspunkten im öffentlichen Teil war die Sitzung des Rates der Stadt Duisburg übersichtlich. Es folgte – wie üblich – ein nichtöffentlicher Teil. Zügig konnten die Ratsleute die Tagesordnung abarbeiten: Wenig bot Raum für Diskussionen, fast alle Entscheidungen wurden einstimmig gefällt. Themen wie Ausschussbesetzungen, Wirtschaftspläne der städtischen Tochterunternehmen, Zuschüsse für Träger von Kindertageseinrichtungen, Bebauungspläne und deren Aufhebung, Maßnahmen für Schulraumerweiterung sowie das Vorkaufsrecht für zum Verkauf stehende Gebäude standen ebensfalls auf der Tagesordnung. Nach der Zustimmung der vorberatenden Gremien wie Bezirksvertretungen und Fachausschüssen wurden sie ganz überwiegend auch im Stadtrat einstimmig abgesegnet. Einstimmig beschlossen wurde auch die Solidaritätspartnerschaft mit der Stadt Kryvyi Rih, einer 600.000-Einwohner-Metropole in der Eisenerzabbau- und Industrieregion Kryvbas im Südosten der Ukraine.

 

 
Konzern Stadt soll klimaneutral werden

Der Rat der Stadt tagt in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

Neben der Gründung einer weiteren Gebag-Tochter für Projektentwicklung und dem Beitritt zur regionalen Bildungsinitiative RuhrFutur beschloss der Rat unter anderem auch Gelder für das Teilprojekt Grüner Ring Mitte (im Rahmen der IGA2027), den Neubau der Cölvebrücke und Ausbau der Straße An der Cölve, die Sanierung der Gaterwegbrücke sowie die Sanierung der Regattabahn. Diskussionsbedarf gab es beim Klimaschutzkonzept, das hier nach 2. Lesung auf den Weg gebracht wurde, und beim Klimawandel-Anpassungskonzept (KLIAS). Duisburg wird bis zum Jahr 2035 klimaneutral, allerdings soll die Verwaltung erst einmal darlegen, wie viel Geld und Stellen für die Umsetzung benötigt werden. Das wird die Aufgabe des neuen Beigeordneten sein, der die Anfang März frei werdende Stelle des Beigeordneten Matthias Börger im Dezernat für Umwelt und Klimaschutz, Gesundheit, Verbraucherschutz und Kultur übernimmt. Die Ausschreibung wurde hier auf den Weg gebracht, allerdings wird es Monate dauern, bis die Stelle neu besetzt ist.

 
© 2023 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 

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Ludwiggalerie Schloss Oberhausen zueigt die Max-und-Moritz-Preisträger 2022 im kleinen Schloss

Ausgezeichnete Zeichner der aktuellen deutschen Comic-Szene
Von Petra Grünendahl

Max-und-Moritz-Preisträger im Kleinen Schloss der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Von schlichten Tusche-Zeichnungen in Schwarz-Weiß bis hin zu ausgearbeiteten Farbbildern, von klassischen Comics bis hin zu neuen Bildformen reicht die Bandbreite der gezeigten Comics. Sie zeigen eine Vielfalt an Stilrichtungen ebenso wie an Themen: Manches ist gesellschaftskritisch und ernst, anderes heiter, lustig und mitunter auch ironisch. Zu sehen sind die Zeichnungen nicht nur wie üblich an den Wänden und in Vitrinen, sondern zum Durchblättern auch in zwei Kisten auf dem Boden. Allesamt ausgezeichnet wurden die hier gezeigten Zeichner für ihre Arbeiten mit dem renomierten „Max und Moritz“-Preis 2022: Birgit Weyhe (bester Comic-Künstler), Aisha Franz (bester Comic), Josephine Mark (bester Comic für Kinder), Lina Ehrentraut, Daniela Heller und Jeff Chi (alle drei für bestes Comic-Debüt) sowie Daniela Schreiter (Publikumspreis) und Alexander Braun (Spezialpreis der Jury).

 

Max-und-Moritz-Preisträger im Kleinen Schloss der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Ergänzend zum „Max und Moritz“-Preis der Stadt Erlangen gibt es seit 2014 eine alle zwei Jahre neu kuratierte Wanderausstellung, die nun im Kleinen Schloss der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen unter dem Titel „AUSGEZEICHNET!“ zu sehen ist. Die Ausstellung präsentiert die aktuellen deutschsprachigen „Max und Moritz“-Preisträger. Artefakte aus den Ateliers der Comic-Künstler und Fotos der Arbeitsplätze geben einen Einblick in die individuellen Arbeitsweisen und Inspirationswelten; Originalzeichnungen und Skizzen dokumentieren die große Bandbreite der deutschsprachigen Comic-Szene und die Vielfalt der Themen. Geradlinige Schwarz-Weiß-Zeichnungen treffen auf knallbunte Malereien und klassische Comic-Panels begegnen neuen Bildformen. Einmal mehr präsentiert sich die deutsche Comic-Kunst scharfsinnig, am Puls der Zeit und äußerst unterhaltsam.

 

 
„Max und Moritz“-Preis

Max-und-Moritz-Preisträger im Kleinen Schloss der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Alle zwei Jahre verleiht die Stadt Erlangen den „Max und Moritz“-Preis. Diese bedeutendste Auszeichnung für Comic-Künstler im deutschsprachigen Raum im Rahmen des 20. Internationalen Comic-Salon Erlangen vergeben worden. Eine fachkundige Jury, zu der auch die Direktorin der Ludwiggalerie, Dr. Christine Vogt, gehört, hat Preise in insgesamt elf Kategorien ausgelobt – von „Bester Internationaler Comic“ bis zum „Sonderpreis für ein herausragendes Lebenswerk“. Ein besonderes Augenmerk gilt bei der Preisverleihung der Kategorie „Bester deutschsprachiger Comic-Künstler“. Die Comic-Autorin und Illustratorin Birgit Weyhe trägt seit der Gala 2022 offiziell diesen Titel. Der „Spezialpreis der Jury“ ging in diesem Jahr an den Kurator des Dortmunder schauraum: comic + cartoon, Alexander Braun, für seine Ausstellungen und herausragenden Publikationen zur 9. Kunst. Kooperationspartner der Wanderausstellung sind das Kulturamt der Stadt Erlangen, die Dr.-Erika-Fuchs-Stiftung und die Schmitz-Lippert-Stiftung im Cöln Comic Haus. Kurator ist Darjush Davar. Die Ausstellung wird gefördert vom Freundeskreis der Ludwiggalerie. Kulturpartner ist WDR 3.

 

 
Impressionen aus der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl

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Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen

Max-und-Moritz-Preisträger im Kleinen Schloss der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Die Sonderausstellung „AUSGEZEICHNET!“ im Kleinen Schloss läuft bis zum 11. Juni. Das Museum ist geöffnet von Dienstag bis Sonntag zwischen 11 und 18 Uhr. Montags ist Ruhetag, feiertags sowie Oster- und Pfingstmontag und am 1. Mai ist jedoch geöffnet. Geschlossen ist am 24., 25. und 31. Dezember sowie 1. Januar. Im Kleinen Schloss ist der Eintritt kostenlos. Der Eintritt im Großen Schloss kostet 8,00 Euro (ermäßigt 4,00 Euro, Familien mit zwei Erwachsenen plus Kindern 12,00 Euro). Außerdem gibt es ein Kombiticket mit dem Gasometer Oberhausen für 15,00 Euro.

 

Max-und-Moritz-Preisträger im Kleinen Schloss der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Noch bis zum 7. Mai ist im Großen Schloss der Ludwiggalerie die Ausstellung „BARBARA KLEMM – Schwarz-Weiß ist Farbe genug. Fotografien 1967 bis 2019“ zu sehen. Öffentliche Führungen finden im Großen Schloss sonn- und feiertags um 11.30 Uhr statt. Alle Führungen sind im Museumseintritt inklusive. Details zum Rahmenprogramm zu den Ausstellungen sowie zum museumspädagogischen Angebot gibt es hier. Zusätzlich zu zwei Kuratorenführungen mit Darjush Davar am 5. Februar und 12. März gibt es am 7. Mai eine Direktorinnenführung mit Dr. Christine Vogt (alle jeweils um 16 Uhr).

 
© 2023 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Deutsche Oper am Rhein: „Adriana Lecouvreur“ begeisterte im Theater Duisburg

Wenn Liebe den Tod bringt
Von Petra Grünendahl

Von links: Shengwu Ou (Poisson), Romana Noack (Jouvenot), Anooshah Golesorkhi (Michonnet), Liana Aleksanyan (Adriana Lecouvreur), Katarzyna Kuncio (Dangeville), Mattéo Guerzé (Quinault). © Hans Jörg Michel.

Adriana Lecouvreur (Liana Aleksanyan) ist eine gefeierte Schauspielerin. Maurizio (Vincenzo Costanzo) überschüttet sie mit Liebesschwüren und auch sie verliebt sich in ihn, ohne zu ahnen, dass sie in der Fürstin von Bouillon (Ramona Zaharia) eine Rivalin hat, der Maurizio ebenfalls leidenschaftlich den Hof gemacht hat. Der Regisseur Michonnet (Anooshah Golesorkhi) ist schon lange in Adriana verliebt, schafft es aber nie, ihr seine Liebe zu gestehen.

Vorne: Liana Aleksanyan (Adriana Lecouvreur), hinten: Anooshah Golesorkhi (Michonnet). © Hans Jörg Michel.

Der Fürst von Bouillon (Beniamin Pop) glaubt sich von seiner Geliebten, der Schauspielerin Duclos, betrogen, obwohl er selber schon nach der nächsten Liebschaft sucht. Er will der Duclos mit Hilfe des Abbé von Chazeuil / Maggiordomo (Tae-Hwan Yun) eine Falle stellen, in die aber prompt Maurizio mit der Fürstin tritt. Um Maurizios Willen verhilft Adriana der Fürstin unerkannt zur Flucht, obwohl die Frauen einander als Rivalinnen um Maurizios Liebe ausmachen. Francesco Cileas berühmteste Oper ist geprägt vom Belcanto (schöner Gesang), den Zuschauer hier von allen Akteuren fantastisch dargeboten genießen dürfen: Bis zum bitteren Ende der Titelheldin, die schließlich von ihrer Rivalin vergiftet in den Armen ihres Geliebten stirbt.

 

15/19
Eduardo Aladrén (Maurizio), Ramona Zaharia (Die Fürstin von Bouillon), Liana Aleksanyan (Adriana Lecouvreur), Anooshah Golesorkhi (Michonnet). © Hans Jörg Michel.

Begeistert aufgenommen hat das Publikum die Oper „Adriana Lecouvreur“: Von wiederholtem Szenenapplaus bis zum lang anhaltenden Schlussapplaus belohnten die Zuschauer eine fantastische und rundum gelungene Aufführung im Theater Duisburg. Komponiert hat Italiener Francesco Cilea (1866–1950) seine 1902 in Mailand uraufgeführte Oper zu einem Libretto von Arturo Colautti.

Ramona Zaharia (Die Fürstin von Bouillon), Liana Aleksanyan (Adriana Lecouvreur). © Hans Jörg Michel.

Der Operntext basiert auf dem Schauspiel „Adrienne Lecouvreur“ von Eugène Scribe und Ernest Legouvé. Adrienne Lecouvreur (1692–1730) ist eine historische Person, die zu ihrer Zeit eine der gefeiertsten Schauspielerinnen Frankreichs war. Die Deutsche Oper am Rhein spielt die Produktion des Staatstheaters Mainz in einer Inszenierung von Gianluca Falaschi. Falaschi hat die Oper in die Goldenen Zwanziger nach Hollywood verlegt, was der Regisseur selber stimmig in Bühnenbild und Kostüme umgesetzt hat. Auch musikalisch passt dieser Transfer ungemein, sind doch die klassischen amerikanischen Filmmusiken der Goldenen Ära Hollywoods deutlich an Cileas Stil angelehnt. Gesungen wird in italienischer Sprache, deutsche Übertitel erleichtern das Verständnis der Handlung. Die Oper in vier Akten dauert ca. 2 ¾ Stunden (inklusive eine Pause) und ist empfohlen ab 12 Jahren.

 

 
Ode an die Lebenslust

Ramona Zaharia (Die Fürstin von Bouillon), Liana Aleksanyan (Adriana Lecouvreur). © Hans Jörg Michel.

Die harmonische bis beschwingtere Komposition greift die Leichtigkeit und Leichtlebigkeit der Stücks auf, in dem nahezu jeder mehr als ein Verhältnis pflegt oder schon die nächste Liebschaft sucht. In Nebenrollen glänzen Romana Noack und Katarzyna Kuncio sowie Shengwu Ou und Matteo Guerzé, unterstützt vom Chor der Deutschen Oper am Rhein unter der Leitung von Patrick Francis Chestnut. Glänzend aufgelegt präsentieren die Duisburger Philharmoniker die elegante Komposition mit einem Hauch französischer Leichtigkeit unter der musikalischen Leitung von Péter Halász.

 

 
Ein kleiner Vorgeschmack:

 
Weitere Termine im Theater Duisburg:
Mi | 8. Februar 2023 | 19:30 Uhr,
Di | 7. März 2023 | 19:30 Uhr und
Mi | 29. März 2023 | 19:30 Uhr.

 

 
Deutsche Oper am Rhein

Ramona Zaharia (Die Fürstin von Bouillon), Eduardo Aladrén (Maurizio). © Hans Jörg Michel.

Die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg gGmbH ist eine Theatergemeinschaft der Städte Düsseldorf und Duisburg, die auf eine lange Tradition der Zusammenarbeit zwischen den beiden Großstädten zurückblicken kann. Seit ihrer Gründung 1956 zählt sie zu den bedeutendsten Opernhäusern Deutschlands. Durch ihr hochrangiges Solistenensemble, den Chor sowie die national wie international gefeierte Compagnie Ballett am Rhein hat sie sich zu einer der ersten Adressen für Musiktheater und Tanz in Europa entwickelt. Sie ist in der größten und dichtesten Kulturregion Deutschlands beheimatet. Allein die beiden Städte Düsseldorf und Duisburg zählen zusammen fast 1,1 Millionen Einwohner, aber auch die umliegenden Regionen und eine große Zahl auswärtiger Gäste profitieren vom hochkarätigen künstlerischen Angebot der Deutschen Oper am Rhein.
www.operamrhein.de

 

 

Eduardo Aladrén (Maurizio), Liana Aleksanyan (Adriana Lecouvreur) hinten : Anooshah Golesorkhi (Michonnet). © Hans Jörg Michel.

Tickets kosten zwischen 19,00 und 78,00 Euro. Eintrittskarten gibt es online ebenso wie in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in das Stück, seine Entstehung und die Aufführung gibt.

 
© 2023 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Hans Jörg Michel

 

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IHK Mittleres Ruhrgebiet in Bochum stellte 110. Ruhrlagebericht vor

Unternehmen im Ruhrgebiet blicken vorsichtig optimistisch in die Zukunft
Von Petra Grünendahl

Stellten den Ruhrlagebericht vor (v. l.): Philipp Böhme, Präsident der IHK Mittleres Ruhrgebiet, Michael Bergmann, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittleres Ruhrgebiet, und Matthias Wulfert, stellv. Hauptgeschäftsführer der Niederrheinischen IHK. Foto: IHK Mittleres Ruhrgebiet.

„Im Vergleich zum Herbst haben sich die Erwartungen der Unternehmen im Ruhrgebiet deutlich verbessert“, sagte Philipp Böhme, Präsident der IHK Mittleres Ruhrgebiet. Das gelte selbst für den Handel, der schlechtere Zahlen erwartet als Beispielsweise der Dienstleistungssektor oder die Industrie.

Geschäftserwartungen. Infografik: IHK Mittleres Ruhrgebiet.

Über alle Branchen verteilt haben sich die pessimistischen Erwartungen von 52 Prozent auf 28 Prozent fast halbiert. Der historische Tiefstand scheine damit überwunden, meinte der IHK-Präsdent. Laut der Umfrage bewerten 85 Prozent der Unternehmen ihre derzeitige Geschäftslage branchenübergreifend mit gut bzw. befriedigend. In der letzten Umfrage zum Herbst 2022 waren es noch ca. 82 Prozent und im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 84 Prozent der Unternehmen. Die Unternehmen im Ruhrgebiet haben weiterhin mit den teils dramatischen Auswirkungen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine zu kämpfen: Gestörte Lieferketten, gestiegene Energiekosten, hohe Verbraucherpreise. Trotzdem zeige sich die Ruhrwirtschaft zu Jahresbeginn vorsichtig optimistisch, sagte Böhme. Die Phase größter Unsicherheit scheint vorerst überwunden, darauf deutet das Ergebnis des 110. Ruhrlageberichtes hin.

 

110. Ruhrlagebericht. Infografik: IHK Mittleres Ruhrgebiet.

Den Konjunkturbericht der Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet für den Jahresbeginn stellte die in diesem Jahr federführende IHK Mittleres Ruhrgebiet in Bochum vor, die rund 30.000 Unternehmen in Bochum, Herne, Witten und Hattingen vertritt. Im Pressegespräch standen neben Philipp Böhme Michael Bergmann, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittleres Ruhrgebiet, und Matthias Wulfert, stellv. Hauptgeschäftsführer der im kommenden Jahr federführenden Niederrheinischen IHK, Rede und Antwort. Vor allem die Geschäftserwartungen der Unternehmen haben sich im Vergleich zur letzten Befragung verbessert.

Aktuelle Geschäftslage. Infografik: IHK Mittleres Ruhrgebiet.

Selbst das Schlusslicht der Herbstbefragung, der Handel, erwartet deutlich bessere Geschäfte. 41 Prozent der Handelsunternehmen rechnen in Zukunft mit schlechteren Zahlen. Im Herbst 2022 waren es noch 61 Prozent der Unternehmen. Als Grund für den Optimismus nannte Böhme: „Staatliche Maßnahmen und volle Gasspeicher.“ Die Wirtschaft habe volle Auftragsbücher und sei bis Jahresende aussgelastet. Viele Unternehmen seien mit einem blauen Auge davon gekommen. „Es ist aber noch nicht klar, wie sich steigende Energiepreise in der künftigen Entwicklung niederschlagen.“

 

 
Energieversorgung zu bezahlbaren Preisen und Fachkräfte sichern

Steigende Energiepreise belasten die Wirtschaft. Infografik: IHK Mittleres Ruhrgebiet.

Die Entwicklung der Energiepreise bereite weiterhin Sorgen, sagte auch Matthias Wulfert, und: „Die Unternehmen überlegen, wie nachhaltiger werden und Energie sparen können.“ Neben einer höheren Energie-Effizienz steht auch der Umstieg auf andere Energieträger – zum Beispiel Wasserstoff in besonders energie-intensiven Branchen – im Vordergrund. „Wenn es einen positiven Effekt der Krise gibt, dann der, dass immer mehr Unternehmen darüber nachdenken, wie sie nachhaltiger wirtschaften und Energie einsparen können“, sagte Michael Bergmann.

 

Reaktionen auf hohe Energiepreise. Infografik: IHK Mittleres Ruhrgebiet.

Eine sichere Energieversorgung sei allerdings nicht die einzige Voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands – und damit auch des Ruhrgebiets. Die Politik in Bund und Land sei jetzt gefordert, die richtigen Weichen zu stellen, damit der Bürokratieabbau Fahrt aufnehmen könne, um beispielsweise Genehmigungsverfahren zu erleichtern, so Michael Bergmann. Auch müsse mehr getan werden, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. „Dazu zählen vor allem vereinfachte Verfahren bei der Einwanderung von Fachkräften aus dem Ausland und die Anerkennung von Berufsqualifikationen“, sagte Bergmann. „Ansonsten bekommen unsere Unternehmen die volle Härte des demografischen Wandels zu spüren.“ Der IHK-Hauptgeschäftsführer mahnte darüber hinaus einen Schulterschluss von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft bei der Digitalisierung an: „Unternehmen müssen einfacher und digitaler mit Behörden in Kontakt treten können – und gleichzeitig muss der Austausch von Daten zwischen den Behörden deutlich vereinfacht werden.“

 

 
Konjunkturumfrage der IHKs im Ruhrgebiet

Konjunkturklimaindex. Infografik: IHK Mittleres Ruhrgebiet.

Die Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet fragen zwei Mal im Jahr (zum Jahresanfang und im Herbst) bei ihren Mitgliedsunternehmen unter anderem danach, wie sie ihre gegenwärtige wirtschaftliche Lage beurteilen, ob sie von Insolvenz bedroht sind und mit welcher Geschäftsentwicklung sie in den kommenden Monaten rechnen. Bei der Umfrage zum Jahresbeginn hatten sich rund 877 Unternehmen mit fast 124.000 Beschäftigten beteiligt. Auch die Unternehmen im hiesigen IHK-Bezirk haben zum Ruhrlagebericht beigetragen. Zu den Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet zählen neben der Niederrheinischen IHK Duisburg, Wesel, Kleve zu Duisburg die IHK Mittleres Ruhrgebiet Bochum, die IHK zu Dortmund, die IHK für Essen, Mülheim an der Ruhr, Oberhausen zu Essen, die Südwestfälische IHK zu Hagen und die IHK Nord Westfalen (mit dem Standort Gelsenkirchen für die Emscher-Lippe-Region).

Mehr zum 109. Konjunkturbericht der IHKs im Ruhrgebiet findet man hier: www.ihks-im-ruhrgebiet.de. Und hier ist die pdf zum Download.

 
© 2023 Petra Grünendahl (Text)
Foto und Infografiken: IHK Mittleres Ruhrgebiet

 
 

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