Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers lädt zur fünften Nacht der Geschichte

Historische Figuren lassen Geschichte lebendig werden
Von Petra Grünendahl

Kurfürstin Luise-Henriette blickt auf das Alte Landratsamt (mitte). Foto: Petra Grünendahl.

Lebendige Einblicke in die Moerser Vergangenheit geben die Kurfürstin Luise Henriette (von Brandenburg), der Industrielle Friedrich Wintgens, Moritz von Oranien, der Befreier von der spanischen Herrschaft, und Minchen Runge, deren Mann Hermann einer der Väter des Grundgesetzes ist. Oder auch der „Hausmeister“ vom Peschkenhaus (das älteste Gebäude der Stadt ist heute eine Kunstgalerie). Zwei ehemalige Bergmänner in den Bergmannsuniformen ihres Knappenvereins erzählen vom wirtschaftlichen Aufschwung in Moers, wo Haniel ab 1850/51 auf Rheinpreußen nach Kohle graben ließ, die dann mit dem Zug durch die Moerser Altstadt nach Krefeld oder Düsseldorf transportiert wurde. Und da war noch die jüdische Gemeinde, die bis zum Dritten Reich über 120 Jahre lang eine kleine Synagoge unterhielt, die in der Pogromnacht nicht angezündet wurde. Das Haus steht heute noch und wurde zum Wohnhaus umgebaut. Die Entwicklung am „Königlichen Hof“, wo einst König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen in einem Gasthaus abstieg, schildert der ehemalige Geschichtslehrer Dr. Wilfried Scholten, Autor mehrerer Bücher zur Moerser Geschichte. An manchen Standorten der Führungen erzählen die historischen Protagonisten neue Geschichten, die andere spannende Aspekte beleuchten und zeigen, dass die Moerser Geschichte nie langweilig war.

 

Vorne mit Plakat (v. l.): Diana Finkele und Fanja Burger (beide Grafschafter Museum) sowie Peter Boschheidgen (GMGV), dahinter Ehrenamtliche und Stadtführer. Foto: Petra Grünendahl.

Bereits zum fünften Mal lädt der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e. V. (GMGV) in diesem Jahr zur traditionellen Nacht der Geschichte ans Moerser Schloss. Der Verein stellte das diesjährige Programm mit den Stadtführern und anderen Beteiligten im Pressegespräch vor. Es gibt drei Rundgänge: Einen rund um Schloss und Museum, einen Richtung Altmarkt und Altstadt sowie einen dritten Richtung Neumarkt und zum Königlichen Hof. An jeder Station erzählen berühmte Persönlichkeiten aus der Moerser Vergangenheit ihre Geschichte und darin eingebunden die Historie der Stadt. Jeder Rundgang hat fünf Stationen, an denen die Besucher eine gute Viertelstunde durch Zeit und Raum wandern und auch Fragen stellen können. Ab ca. 20.30 Uhr geht es nach der Rückkehr von den Rundgängen zum Grafschafter Musenhof, wo auf die Besucher ein geselliger kulinarischer Ausklang wartet (Leckereien sind im Ticketpreis enthalten, Getränke kosten extra). Getragen wird die Nacht der Geschichte in Kooperation mit der Wirtschaftsförderung der Stadt ganz wesentlich vom ehrenamtlichen Engagement von Mitgliedern des GMGV, von Mitarbeitern des Grafschafter Museums, den Moerser Stadtführern sowie weiteren Ehrenamtlichen u. a. von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und vom Peschkenhaus.

 

 
 
Tickets für drei Rundgänge

Treffpunkt ist am Moerser Schloss am Henrietten-Denkmal. Foto: Petra Grünendahl.

Die Nacht der Geschichte startet um 19 Uhr am Henrietten-Denkmal vor dem Moerser Schloss. Karten für die Nacht der Geschichte gibt es für 12 Euro im Grafschafter Museum (Moerser Schloss, Kastell 9, 47441 Moers). Einen besonderen Service bietet der der Veranstalter für Menschen, die nicht mehr richtig gut zu Fuß sind: Beim Kartenerwerb kann man auch eine der begrenzt verfügbaren Rikscha-Plätze reservieren. Es gibt 8 Plätze in Doppel-Rikschas sowie einen Rollstuhl-Rikscha (für die Rundgänge 2 und 3 möglich). Der GMGV hat hierfür die Initiative „Radeln ohne Alter Neukirchen-Vluyn“ mit ins Boot geholt.

 

Vorne mit Plakat (v. l.): Diana Finkele und Fanja Burger (beide Grafschafter Museum) sowie Peter Boschheidgen (GMGV), dahinter Ehrenamtliche und Stadtführer. Foto: Petra Grünendahl.

Entscheiden muss man sich beim Kauf der Tickets für einen der Rundgänge, da dieser auf dem Aufkleber vermerkt wird, der als Teilnahme-Ticket gilt und bei der Veranstaltung zu tragen ist. Einen Überblick über das Programm bietet der Flyer (hier). Die Teilnehmerzahl ist auf 300 begrenzt: Drei Rundgänge mit jeweils fünf Gruppen à 20 Leuten. Wer Tickets haben will, sollte sich also sputen: Denn dass an der „Abendkasse“ überhaupt noch welche verfügbar sind, ist nicht garantiert: Das Interesse an den lebendigen Führungen ist erfahrungsgemäß sehr groß und die Tickets schnell vergriffen. Wer es nicht zügig ins Museum schafft, kann auch erst einmal telefonisch unter 02841 / 201-68200 oder per eMail an Grafschafter-Museum@Moers.de reservieren.

 

 
Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e. V.
Der Museums- und Geschichtsverein in Moers (GMGV) möchte die Geschichte und Kultur der Grafschaft Moers schützen und erhalten – und das seit 1904. In diesem Jahr gründete Dr. Hermann Boschheidgen den „Verein für Heimatkunde“. Seitdem werden vom Verein, der heute „Grafschafter Museums- und Geschichtsverein“ heißt, Gegenstände aus dem Alltag und dem Leben der Moerser Bevölkerung zusammengetragen und im Moerser Schloss ausgestellt. Dadurch soll gemeinsam mit der Stadt Moers interessierten Bürgern die Geschichte der Grafschaft und des Altkreises Moers nahe gebracht werden. Den kulturellen und historischen Wert des Schlossparks stärker bewusst zu machen und zu erhalten ist ebenfalls ein Ziel der Arbeit des GMGV. Der heutige Vorsitzende, Peter Boschheidgen, ist ein Enkel des Vereinsgründers.

Industriedenkmal Rheinpreußen Schacht IV. Foto: Petra Grünendahl.

Als weiterer Schwerpunkt der Vereinstätigkeit kam später die Geschichte des Bergbaus mit dem Nutzungsrecht für das „Industriedenkmal Rheinpreußen Schacht IV“ hinzu, mit der Verpflichtung, das Maschinenhaus von 1906 zu erhalten. Der Bergwerks-Standort war 1962 stillgelegt worden. Unter dem langjährigen Vereinsvorsitzenden Andreas Eichholtz übernahm der GMGV Ende der 1990er-Jahre als Bauherr mit finanzieller Unterstützung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, des Landes NRW und der Nordrhein-Westfalen-Stiftung die Renovierung. Das Denkmal und die restaurierte Technik kann im alten Maschinenhaus besichtigt werden. Ehrenamtlich tätige ehemalige Bergleute erklären die Fördertechnik und führen durch die Sammlung. Geöffnet ist Bergbaumuseum an der Zechenstraße 50 in Moers-Hochstraß von Mai bis Ende Oktober jeden Sonntag von 13 bis 16 Uhr. Gruppenführungen sind auch außerhalb der Öffnungszeiten nach Vereinbarung möglich. Kontakt unter Telefon 02841 / 889108 (mittwochs 9 bis 12 Uhr) oder per Mail an schacht4(at)gmgv-moers.de.
www.gmgv-moers.de

 
© 2023 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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