Brexitannia: Neuer Band der Edition DISS über die Briten und den BrexitVon Petra Grünendahl
„Wir haben mit unserer Arbeit Impulse gesetzt zum Beispiel für die Rassismus-Forschung“, erklärte Dr. Margarete Jäger. „Bei unserer Gründung verbuchten die rechtsextreme Parteien erste Wahlerfolge, Rechte zogen dann in Parlamente ein. Nach der Wiedervereinigung brannten erste Asylbewerberheime, das Asylrecht wurde verschärft – und es wurde nötig, sich mit dem rechten Gedankengut kritisch auseinander zu setzen“, erklärte sie. Zusammen mit ihrem Mann Siegfried (1937-2020), der als ordentlicher Professor von 1972 bis 2002 an der Gerhard-Mercatur-Universität (davor Universität-Gesamthochschule Duisburg, seit 2003 Universität Duisburg-Essen) mit dem Schwerpunkt Sprachwissenschaft / Diskursanalyse lehrte, sowie weiteren Wissenschaftlern gründeten sie das Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung e. V. (DISS), dessen stellvertretende Vorsitzende sie damals wurde. Bis heute erforschen hier Wissenschaftler im internationalen Kontext gesellschaftliche Entwicklungen, die einer Grundhaltung zur freiheitlichen Demokratie zuwider laufen. Die Arbeitsschwerpunkte der aktuellen Forschung im In- und Ausland liegen unter anderem auf Rassismus und Migrationspolitik, Entwicklungen der Extremen Rechten, Antisemitismus, Antiziganismus und soziale Ausgrenzung. Die Erforschung von sozialen und kulturellen Ordnungen soll emanzipative Ansätze für eine demokratische Praxis in Politik, Pädagogik und Journalismus tragen.

Mitglieder des DISS-Vorstandes (v. l.): Iris Tonks, Dr. Jobst Paul und Dr. Margarete Jäger. Foto: Petra Grünendahl.

Mit der Kritischen Diskursanalyse hat sich das DISS überregional einen Namen gemacht. Foto: Petra Grünendahl.
Neue Edition DISS erschienen: „Brexitannia“

Dr. Margarete Jäger und Robert Tonks mit dem neuen Buch aus der Edition DISS: Brexitannia. Foto: Petra Grünendahl.
Der deutsch-britische ehemalige Europareferent der Stadt Duisburg, Robert Tonks, bekannt für Bücher wie „It Isn’t All English What Shines“, hat sich früh über den Brexit seine Gedanken gemacht. Der Waliser wollte verstehen, wie es zum EU-Austritt kommen konnte. Besonders die ehemaligen Bergarbeiter-Regionen – aus einer solchen stammt auch Tonks – waren Brexit-Hotspots. Tonks hatte sich dann 2020 mit seiner Frau Iris und dem DISS-Mitarbeiter Medien- und Filmproduzent Zakaria Rahmani, der die Kontakte zum WDR knüpfte, durch Großbritannien auf die Suche nach der Meinung der Briten über den Brexit gemacht. In vier Podcasts haben sie die Ergebnisse ihrer Reise in deutscher und englischer Sprache (letztere für die originalen Ton-Mitschnitte von der Insel) einem deutschen Publikum auf WDR5 nahe gebracht. Diesen Podcast aus vier gut halbstündigen Folgen haben Tonks und Rahmani in „Brexitannia – Großbritanniens Weg aus der EU“ nun als Band 49 der Edition DISS veröffentlicht. Dieses Buch ist gerade erschienen: Wir werden es in Kürze in einem eigenen Bericht vorstellen.
www.robert-tonks.de
Das DISS wird 35 Jahre!
Mit seinem Analyseansatz der Kritischen Diskursanalyse (KDA) hat sich das Institut über Duisburg hinaus einen Namen gemacht. Seine Ausarbeitungen zum völkischen Nationalismus bieten eine umfassende Grundlage für die Rechtsextremismus-Forschung. Auch in den nächsten Jahren werden die Arbeitsschwerpunkte des DISS in der Weiterentwicklung dieses methodischen und inhaltlichen Instrumentariums liegen, mit dem Ausgrenzungsdiskurse erfasst und kritisiert werden können.
www.diss-duisburg.de/ und www.disskursiv.de
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl
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