Lektüretipp: Herzstücke im Ruhrgebiet – Besonderes abseits der bekannten Wege entdecken

Das Ruhrgebiet hat (noch) viel mehr zu bieten als man denkt
Von Petra Grünendahl

Herzstücke im Ruhrgebiet: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Auch wer meint, im Ruhrgebiet schon alles zu kennen (aus eigener Anschauung oder auch nur dem Namen nach), wird hier eines besseren belehrt: Wer in dem Buch „Herzstücke im Ruhrgebiet“ stöbert, findet tatsächlich immer noch das eine oder andere gänzlich unbekannte Ziel! Oder auch viele Anregungen, etwas bislang nur namentlich Bekanntes doch endlich mal zu besuchen. Dass sich Menschen von überall im Ruhrgebiet angesiedelt und Spuren hinterlassen haben, weiß jedes Kind. Dass aber auch Pyramiden im Pott ebenso ihren Platz haben wie die Helden der Sowjetunion, ist vielleicht eher unbekannt. Dass das Ruhrgebiet einmal reich war, ist in der Vielfalt und Vielzahl der Kunstmuseen zu bestaunen, aber natürlich gibt es auch die sehenswerte Kunst im öffentlichen Raum, die allzu häufig eher unbemerkt bleibt. Außerdem locken die kulturhistorische und Industriemuseen ebenso wie allerlei andere Museen und Ausstellungen in der Region, die viel Spannendes zu erzählen haben.

 

Herzstücke im Ruhrgebiet: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Die „Herzstücke im Ruhrgebiet“ von Ulrike Katrin Peters und Karsten-Thilo Raab lassen den Leser „Besonderes abseits der bekannten Wege entdecken“, so der Untertitel. Von den 100 beschriebenen Zielen liegen immerhin zehn (auch) auf Duisburger Stadtgebiet. Ansonsten reichen die Ziele von Kamp-Lintfort, Xanten und Hamminkeln im Westen bis Hamm im Osten und von der Lippe im Norden bis Südufer der Ruhr. Schauen, erleben, genießen: Was will der Mensch mehr? Das Ruhrgebiet wird jedenfalls nie langweilig und die Ziele liegen zumeist nicht weit weg. Und: Das Ruhrgebiet hat viel zu bieten mit seinen 53 Städten und Gemeinden, 80 Häfen, 1.000 Kulturstätten und 5 Mio. Einwohnern. Da mussten die Autoren in erster Linie die Auswahl begrenzen. Und diese Auswahl ist natürlich immer subjektiv – und ganz persönlich! Und man mag immer wieder mal nach Ideen für eigene Unternehmungen stöbern. Zusätzlich gibt es bei einzelnen Zielen Tipps am Rande für weitere Erkundungen in der Nähe, die über dieses Buch hinaus gehen.

 

Herzstücke im Ruhrgebiet: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Aufgeteilt sind die 100 Ziele in vier Kategorien: „Immer eine Sünde wert!“ mit 17 Zielen zum Einkaufen, Essen und Übernachten. „So etwas gibt’s nur hier“ listet 24 Ziele Außergewöhnliches und Kurioses. „Mal wieder“ zeigt 25 Ziele für Leute mit Zeit für Kultur und schließlich gibt es 24 Ziele zum Aktiv sein, bei denen es mal mehr, mal weniger auch sportlich zugehen darf. Das Taschenbuch enthält vorne im Klappumschlag eine Übersichtskarte mit einer Verortung der Ziele. Unter den jeweiligen Beschreibungen gibt es Adressen und Kontaktdaten.

 

 
Die Autoren und das Buch

Herzstücke im Ruhrgebiet: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Ulrike Katrin Peters und Karsten-Thilo Raab haben sich als Autoren, Journalisten und Fotografen auf Großbritannien, Irland und Skandinavien sowie das Ruhrgebiet spezialisiert, berichten in zahlreichen Publikationen, Büchern und Magazinen aber auch in Wort und Bild über andere Destinationen weltweit. Zuhause fühlen sie sich aber im Ruhrgebiet, das sie per Rad, Bus, Bahn, Wanderstiefel, kulinarisch und kulturell lieben gelernt haben.

 
Ulrike Katrin Peters hat sich als Autorin, Journalistin und Fotografin besonders auf »aktive« Themen rund um Bewegung an der frischen Luft und auf Nordeuropa sowie die grünen Inseln spezialisiert. Aber auch andere Destinationen weltweit wecken ihr Interesse und ihre Lust am schreiben.

 

Herzstücke im Ruhrgebiet: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Nach dem Anglistik- und Sportstudium sowie der Ausbildung zum Zeitungsredakteur arbeitete Karsten-Thilo Raab für Tages- und Wochenzeitungen und fungierte als Chefredakteur eines Reisemagazins. Seit zweieinhalb Jahrzehnten ist er als Reisejournalist, -autor und -fotograf für eine Vielzahl von Zeitungen und Magazinen tätig. Zudem hat er als Autor bislang mehr als 120 Bücher verfasst bzw. an diesen mitgewirkt.

 

Herzstücke im Ruhrgebiet: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Die „Herzstücke im Ruhrgebiet“ sind im Münchener Bruckmann Verlag erscheinen und umfassen 100 Ziele auf 192 Seiten mit ca. 120 Abbildungen. Die zumeist einseitigen Beschreibungen ergänzt überwiegend eine zweite Seite mit Foto(s), die überwiegend von Karsten-Thilo Raab, teilweise von Ulrike Katrin Peters, aber auch aus anderen Quellen stammen. Im lokalen Buchhandel ist das Buch für 15,99 Euro zu haben (ISBN 978-3-7343-2561-8).

 

 
Bruckmann Verlag

Herzstücke im Ruhrgebiet: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Unter dem Motto »die Welt entdecken« bietet der Bruckmann Verlag, der 2018 sein 160-jähriges Bestehen feierte, heute mit aktuellen Reisebildbänden und innovativen Reise- und Outdoor-Führern das Rüstzeug für Freizeit- und Urlaubserlebnisse. Neben dem umfangreichen Buchprogramm von Freizeit- und Reiseführern für Wanderer, Radfahrer, Auto- und Motorradfahrer verlegt Bruckmann das Magazin Bergsteiger, das 2020 sein 90-jähriges Bestehen beging und damit als ältestes kommerzielles Bergsteiger-Magazin der Welt gilt. Der Bruckmann Verlag gehört zum Verlagshaus GeraNova Bruckmann in München.
https://verlagshaus24.de/bruckmann/

 
Der Blick ins Buch. Fotos: Petra Grünendahl

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© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Stadtwerke Sommerkino lockt Kinofans wieder in den Landschaftspark Duisburg-Nord

Vorhang auf für ein vielseitiges Kinoprogramm mit Beach-Event vor stimmungsvoller Industriekulisse
Von Petra Grünendahl

Stellten das Programm für das Stadtwerke Sommerkino vor (v. l.): Thomas Kehler (Stadtwerke Duisburg), Markus Kansy (Duisburger Wohnungsgenossenschaften), Lisa Wulf (König-Brauerei), Christoph Späh (Duisburg Kontor) und Michael Beckmann (Filmforum). Foto: Petra Grünendahl.

Mit 40 Kinoabenden lockt das Stadtwerke Sommerkino in diesem Jahr. Nachtvorstellungen wird es nicht geben, aber dafür verspricht das vielseitige Programm etwas für jeden Geschmack. Von Arthouse-Erfolgen und Oscargewinnern über Komödien und deutsche Filmhits bis hin zu Blockbustern wie wie „Top Gun: Marverick“, „Jurassic World“, Batman und Spider-Man oder Familienkino mit den Minions reicht das jetzt veröffentlichte Programm. Zu manchen Terminen sind Regisseure und/oder Schauspieler zur Vorstellung zu Gast (noch sind aber nicht alle in trockenen Tüchern). Dazu gibt es eine Premiere mit „Monsieur Claude und sein großes Fest“ (Donnerstag, 21. Juli) sowie zwei Vorpremieren (Previews) mit „Warten auf Bojangles“ (2. August) und „Das Leben ist ein Fest“ (14. August). An zwei Terminen (Samstag, 23. Juli, und zum Abschluss-Sonntag, 21. August) wird es Überraschungsfilme geben, die kurzfristig auf der Webseite zum Kartenverkauf veröffentlicht werden: „Es lohnt sich also, immer mal wieder in unser Programm zu gucken“, sagte Filmforum-Geschäftsführer Michael Beckmann. „Wir können hier besonders beliebte Filme ein zweites Mal zeigen oder einen ganz neuen Film, der jetzt noch nicht verfügbar ist“, ergänzte er. Und: „Wir hätten 2019 den Queen-Film ‚Bohemian Rhapsody’ mehrfach voll kriegen können, so groß war das Interesse.“ Und voll heißt: Rund 1.100 Besucher pro Vorstellung.

 

Stellten das Programm für das Stadtwerke Sommerkino vor (v. l.): Christoph Späh (Duisburg Kontor), Markus Kansy (Duisburger Wohnungsgenossenschaften), Michael Beckmann (Filmforum), Lisa Wulf (König-Brauerei) und Thomas Kehler (Stadtwerke Duisburg). Foto: Petra Grünendahl.

Vom 13. Juli bis 21. August findet nach zwei Jahren Corona-Pause das Stadtwerke Sommerkino im Landschaftspark Duisburg-Nord statt. Im Pressegespräch stellte Filmforum-Geschäftsführer Michael Beckmann zusammen mit Sponsoren des Events das Programm und weitere Details vor. Das Stadtwerke Sommerkino steht für einen spektakulären Spielort und ein fein verlesenes, aber vielseitiges Kinoprogramm, welches ein breites Publikum anspricht. Ein umfangreiches gastronomisches Angebot in stimmungsvoller Beach-Atmosphäre sowie Live-Musik (von montags bis freitags. Wer wann spielt, steht hinten im Programmheft) machen schon das Warten auf den Sonnenuntergang zum Erlebnis! Die Vorstelllungen starten mit Einbruch der Dämmerung: Das ist zu Beginn eher Viertel vor Zehn, später könnten die Filme schon gegen Halb Neun starten. Das Open-Air-Vergnügen ermöglichen die Sponsoren Stadtwerke Duisburg, König Pilsener und in diesem Jahr erstmals Die Duisburger Wohnungsgenossenschaften. Das Filmforum zeichnet für Programmgestaltung und technische Ausstattung verantwortlich. Werbepartner ist Duisburg Kontor, die den einzigartigen Event auch regional vermarkten.

 

 
Tickets ausschließlich online ab 22. Juni

Ralf Winkels (l.) und Christoph Späh mit der Programmankündigung für den Sommermarkt. Foto: Petra Grünendahl.

Mehr als 44.000 Zuschauer hatte das Stadtwerke Sommerkino in der Saison 2019 und es sind nicht nur eingefleischte Filmfreunde, die die von Jonathan Park magisch illuminierte Industriekulisse anlockt: Die Atmosphäre in der ehemaligen Gieshalle des Hüttenwerks Meiderich ist eben einmalig. Bei Regen schützt bekanntermaßen ein ausfahrbares Dach. Wenn es etwas kälter werde, verteile Namenssponsor Stadtwerke Duisburg nicht nur Sitzpolster, sondern auch Decken, versprach Stadtwerke-Pressesprecher Thomas Kehler. Neu ist die Kinotechnik vom Projektor über die auf Open Air optimierte, 16×8 Meter große Leinwand bis hin zur neuen Tontechnik mit Surround-Sound, die ein noch besseres Kino-Erlebnis im Freien versprechen. Für das zweite Sommerkino-Wochenende kündigte Landschaftspark-Leiter Ralf Winkels einen Sommermarkt (analog zum weihnachtlichen Lichtermarkt) als Begleit-Event von Freitag bis Sonntag an.

 

Stadtwerke Sommerkino. Foto: Thomas Berns.

Tickets fürs Sommerkino gibt es für 12 Euro (für Inhaber der Stadtwerke-Kundenkarte am Stadtwerke-Kundenkarten-Tag 10 Euro) ausschließlich online über www.stadtwerke-sommerkino.de. Das e-Ticketing-System läuft auch für den Kinokartenverkauf im Filmforum: Die so erworbenen Kinokarten berechtigen direkt zum Einlass ins Kino und müssen beim Kinobesuch als Papierausdruck oder in digitaler Form (z. B. auf dem Smartphone) vorgelegt werden. Wer gar nicht online unterwegs ist, bekommt bei der Buchung der Tickets im Filmforum Hilfe. Ein Offline-Vorverkauf ist aber ebenso wenig vorgesehen wie eine Kinokasse vor Ort, wo bislang auch gebuchte Tickets abgeholt werden konnten. Der Ticketvorverkauf startet am Mittwoch, 22. Juni, um 11 Uhr. Das komplette Programm sowie weitere Infos gibt es bereits jetzt unter www.stadtwerke-sommerkino.de.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (3), Thomas Berns (1)

 
 

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27. Ruhrorter Hafenfest wirft erste Schatten voraus: Bernd Wortmeyer neuer Schirmherr

Buntes Programm für Jung und Alt und klimaneutrales Feuerwerk
Von Petra Grünendahl

Pressegespräch zum 27. Ruhrorter Hafenfest vor (v. l.): Mario Adams, Christoph Späh, Walter Pavenstedt, Alexander Klomparend, Dr. Bernhard Weber, Bernd Wortmeyer und Stella Tarala. Foto: Petra Grünendahl.

„Wir versuchen natürlich, unsere traditionellen, auch die historischen Schiffe wieder nach Ruhrort zu locken“, erzählte Mario Adams, der schon jetzt zahlreiche Erfolge vermelden konnte. „Wir haben versucht, an alte Programm-Highlights anzuknüpfen, aber nach der langen Corona-Pause ist es schwierig, das Vertrauen der Aussteller und Schiffer mit ihren historischen Schiffen zurück zu gewinnen“, erklärte Walter Pavenstedt, ein Mann der ersten Stunde, den man auch Mr. Hafenfest nennt. „Manche der Schiffer leben schließlich davon“, ergänzte Mario Adams. Noch ist nicht alles in trockenen Tüchern, aber bis zum Hafenfest sind ja noch gut zwei Monate hin. Zu den Highlights des Ruhroter Hafenfestes zählt wie immer die Schiffsparade im Hafenmund vor dem Feuerwerk. Am Freitag, 19. August, wird das 27. Ruhrorter Hafenfest nach dem ökumenischen Schiffergottesdienst um 17 Uhr offiziell eröffnet. Das große Feuerwerk startet an diesem Abend kurz nach 23 Uhr: Nach den Nachrichten und musiksynchron zum Programm von Radio Duisburg. Das emittierte CO2 wird vollständig durch geeignete Maßnahmen ausgeglichen, so dass das Feuerwerk als klimaneutral gilt.

 
Nach zwei Jahren Corona-Pause findet die 27. Auflage des Ruhrorter Hafenfestes an seinem traditionellen Termin am dritten August-Wochenende – vom 19. bis 22. August 2022 – statt. Im Pressegespräch stellte der Vorstand des Ruhrorter Hafenfest e. V. um seinen Vorsitzenden Walter Pavenstedt das Programm und den neuen Schirmherren vor. Neben Pavenstedt zählen zu den Organisatoren des Veranstalters Stella Tarala, Dr. Bernhard Weber und Mario Adams. Anwesend war zudem neben den Vertretern von Duisburg Kontor, Geschäftsführer Christoph Späh und Pressesprecher Alexander Komparend, auch der neue Schirmherr. „Mit der Ehrung als Schirmherr wollen wir ‚danke’ sagen“, erklärte Walter Pavenstedt, warum es nicht zu jedem Hafenfest einen gebe: Zum 27. Ruhrorter Hafenfest präsentierte er mit Bernd Wortmeyer, Geschäftsführer der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gebag, schließlich erst den 20. Schirmherren der Veranstaltung. Er sei schon vor Corona angesprochen worden, erzählte Wortmeyer, damals habe es terminlich nicht geklappt. In diesem Jahr kam die Ehrung passend zum Jubiläum: Die Gebag habe sich seit ihrer Gründung vor 150 Jahren intensiv um Duisburger Belange auch über die Bereitstellung von preiswertem Wohnraum hinaus gekümmert, begründete Walter Pavenstedt die Ehrung des Geschäftsführers als neuen Schirmherren.

 

 
Wiedersehen mit alten Bekannten auf der Haniel-Bühne

Im Hafenmund liegen am Leinpfad die Museumsschiffe: Vorne ide Oscar Huber, rechts dahinter sieht man die Schifferbörse. Foto: André C. Sommer.

Einige der anwesenden Schiffe laden über das Hafenfest-Wochenende zu Besichtigungen ein: Unter anderem das Feuerlöschboot der Stadt Duisburg, das Laborschiff des Landes NRW Max Prüss, die Dampfboote Jan de Sterge und George Stephenson, der historische Frachtensegler Helena sowie die Museumsschiffe. Dazu gibt es diverse Informations- und Verkaufsstände im Bereich der Hafenpromenade. Attraktionen auf dem Wasser bietet an allen drei Tagen (jeweils eine Stunde lang) das 1. Deutsche Wasserski Show Team. Außerdem stellen sich zwei Duisburger Wassersport-Vereine (Homberger Ruderklub „Germania“ und der Beeckerwerther Kanuverein) Interessierten vor. Geführte Rundfahrten per Schiff (Rheinfels und auf verschiedenen historische Schiffen) und Bus geben Einblicke in den Duisburger Hafen. Einblicke in die Binnenschifffahrt bietet auch das Museum der Deutschen Binnenschifffahrt für Besucher kostenfrei als Teil des Ruhrorter Hafenfestes. Eine Besichtigung der Schifferkirche St. Maximilian und der traditionelle Kunst- und Kulturmarkt sowie der Hinterhoftrödel runden am Sonntag das Programm ab. Die Hafenkirmes auf der Mühlenweide lockt mit zahlreichen Attraktionen von Freitag bis Montag (zum Abschluss am Montag ist Familientag).

 
Auf der Haniel-Bühne am Richard-Hindorf-Platz geben viele bekannte Bands – teilweise mit Kultstatus im Hafenstadtteil – ihre musikalische Visitenkarte ab: Dazu zählen am Sonntag die Ruhrorter Kultband „The Sonny Boys“ um Heinz Robert Martin, „Remember Johnny“ (eine Johnny Cash Tribute Band) sowie Reifrock mit Folk-Rock auf Deutsch. Samstag rocken die Atomics-Revival-Band (gegründet 1962 als Atomics), das Duo „Touch of Sound“ (Gitarrist und Sängerin) und die Deutschrockmafia (der Name ist Programm). Zum Auftakt am Freitag locken das Trio „Groovin’ a Box“ (Coverband) und die Deluxe Radioband (auch hier ist der Name Programm).

 
Auf dem Gustav-Sander-Platz vor der Schifferbörse plant ein lokaler Gastronom ein Programm für Jung und Alt unter anderem mit Kinderprogramm, Musik und DJ sowie natürlich Gastronomie und Lounge zum Chillen. Mehr Details zum Programm werden zeitnah auch auf der Webseite des Vereins für das Ruhrorter Hafenfest veröffentlicht: ruhrorter-hafenfest.de. Duisburg Kontor unterstützt das Ruhrorter Hafenfest mit diversen Werbemaßnahmen.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (1), André C. Sommer (1)

 
 

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Deutsche Oper am Rhein begeisterte mit Giuseppe Verdis „Macbeth“ im Theater Duisburg

Von der dunklen Gier nach Macht und der Gerechtigkeit des Schicksals
Von Petra Grünendahl

Hrólfur Sæmundsson (Macbeth), Bogdan Talos (Banquo). Foto: Sandra Then.

Dass er Than von Cawdor und König von Schottland werde, prophezeien Hexen dem Feldherren Macbeth (Hrólfur Sæmundsson), dem Feldherren Banco (Bogdan Taloș), dass er Vater eines künftigen Königs von Schottland sei. Als Than von Cawdor erfüllt sich der erste Teil der Prophezeiung, so dass Macbeth mit seiner Frau Lady Macbeth (Ewa Płonka) in der gemeinsamen Gier nach Macht die Ermordung des Königs Duncan plant, um auch den zweiten Teil wahr werden zu lassen.

Birte Hopstein (Hexe), Hrólfur Sæmundsson (Macbeth), Ewa Plonka (Lady Macbeth). Foto: Sandra Then.

Der Mord an Banco, den die beiden als Gefahr für ihre Herrschaft sehen, und seinem Sohn gelingt nur zum Teil, denn dem Jungen Fleance gelingt die Flucht. Erneut fragt Macbeth die Hexen nach seinem Schicksal: Er könne als Herrscher so grausam sein, wie er wolle (was er auch in die Tat umsetzt). Die Hexen warnen ihn vor Macduff, aber es könne ihn niemand überwinden, den ein Weib geboren hat. Außerdem sei seine Herrschaft erst in Gefahr, wenn der Wald von Birnan gegen ihn zu Feld ziehe. Macbeth lässt Macduffs Familie töten (er selber kann entfliehen). Die beiden letzten Prophezeiungen wiegen Macbeth jedoch in Sicherheit.

 

Hrólfur Sæmundsson (Macbeth), Marie-Sophie Tétard (Fleance), Damenchor der Deutschen Oper am Rhein (Hexen). Foto: Sandra Then.

Völlig zu Recht mit viel Szenenapplaus und minutenlangem Schlussapplaus bedachten begeisterte Zuschauer die Premiere von Giuseppe Verdis (1813–1901) Oper „Macbeth“, die nun endlich die „große Oper“ zurück ins Theater Duisburg brachte. In seiner Inszenierung brachte Michael Thalheimer das Melodramma in vier Akten in der Pariser Fassung von 1865 (die Uraufführung einer früheren Fassung fand 1847 in Florenz statt) auf die Bühne der Deutschen Oper am Rhein. Verdi komponierte seine wohl düsterste Oper zu einem Text von Francesco Piave mit Ergänzungen von Andrea Maffei nach „The Tragedy of Macbeth“ von William Shakespeare.

Marie-Sophie Tétard (Fleance), Bogdan Talos (Banquo). Foto: Sandra Then.

Die historische Figur Macbeth, die von 1040–1057 Schottland regierte, hat allerdings nicht allzu viel mit der Figur bei Shakespeare oder Verdi gemein. Die neue Opernproduktion von „Macbeth“ entstand in Koproduktion mit der Opera Vlaanderen. Gesungen wird in italienischer Sprache, deutsche Übertitel erleichtern das Verständnis der Handlung. Der gute 2 ¾ Stunden lange Opernabend (inklusive einer Pause) ist empfohlen ab 16 Jahren.

 

 
Grandiose Vorstellung!

Hrólfur Sæmundsson (Macbeth), Valentin Ruckebier (1. Erscheinung), Damenchor der Deutschen Oper am Rhein (Hexen). FOTO: Sandra Then.

Den König Macbeth und seine Frau quält ihr schlechtes Gewissen: Visionen und Erscheinungen derer, die sie haben ermorden lassen, erinnern sie an ihre Taten. Lady Macbeth wird wahnsinnig und stirbt, was Macbeth nicht einmal sonderlich bedauert. Aufständische rücken unter der Führung von Macduff (Ovidiu Purcel) mit Ästen aus dem Wald von Birnan getarnt zur großen Schlacht gegen ihn vor. Macduff enthüllt, dass er „aus dem Mutterleib gerissen wurde“ (mit einem Kaiserschnitt auf die Welt kam), bevor er Macbeth im Kampf tötet, so dass Duncans Sohn Malcolm (David Fischer) den schottischen Thron besteigt.

 

Chor der Deutschen Oper am Rhein. Foto: Sandra Then.

Hrólfur Sæmundsson als Macbeth und Ewa Płonka als Lady Macbeth gaben mit ihrer grandiosen Vorstellung als Gastsänger ihr viel umjubeltes Debüt bei der Deutschen Oper am Rhein. Überhaupt lieferten alle Akteure gesanglich wie schauspielerisch überzeugende Interpretationen ihrer Charaktere ab. In kleineren Rollen glänzten Chorong Kim (Kammerfrau der Lady Macbeth), Valentin Ruckebier (Diener des Macbeth, Arzt, Mörder, Erscheinung), Josefine Nagerski (Erscheinung), Marie-Sophie Tétard (Bancos Sohn Fleance) und Birte Hopstein (Solo-Hexe) sowie Norbert Kaulhausen als der zu diesem Zeitpunkt bereits tote König Duncan (Erscheinung).

Ovidiu Purcel (Macduff), Chor der Deutschen Oper am Rhein. Foto: Sandra Then.

In den mächtigen Chorszenen glänzten Chor der Deutschen Oper am Rhein sowie der Kinderchor der Akademie für Chor und Musiktheater e.V. unter der Gesamtleitung von Gerhard Michalski. Fabelhafte Duisburger Philharmoniker unter der Leitung von Stefan Blunier meisterten Verdis variantenreiche Komposition mit ihren mächtigen und lauten Klängen ebenso mit Bravour wie die leisen Töne. Maßgeschneidert für die Thalheimer-Inszenierung hat Henrik Ahr das flexible Bühnenbild entworfen, das passend zur düsteren Oper im Lichtdesign von Stefan Bolliger wirkungsvoll in Szene gesetzt wurde. Für die Kostüme zeichnet Michaela Barth verantwortlich.

 

 
Ein kleiner Vorgeschmack:

 
Weitere Termine im Theater Duisburg:
Mi | 15. Juni 2022 | 19:30 Uhr,
Sa | 18. Juni 2022 | 19:30 Uhr,
Fr | 24. Juni 2022 | 19:30 Uhr und
So | 26. Juni 2022 | 18:30 Uhr.
In der kommenden Spielzeit steht das Stück in Düsseldorf auf dem Spielplan (Premiere am 4. September).

 
Deutsche Oper am Rhein

19/20
Hrólfur Sæmundsson (Macbeth), Ewa Plonka (Lady Macbeth), Chor der Deutschen Oper am Rhein. Foto: Sandra Then.

Die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg gGmbH ist eine Theatergemeinschaft der Städte Düsseldorf und Duisburg, die auf eine lange Tradition der Zusammenarbeit zwischen den beiden Großstädten zurückblicken kann. Seit ihrer Gründung 1956 zählt sie zu den bedeutendsten Opernhäusern Deutschlands. Durch ihr hochrangiges Solistenensemble, den Chor sowie die national wie international gefeierte Compagnie Ballett am Rhein hat sie sich zu einer der ersten Adressen für Musiktheater und Tanz in Europa entwickelt. Sie ist in der größten und dichtesten Kulturregion Deutschlands beheimatet. Allein die beiden Städte Düsseldorf und Duisburg zählen zusammen fast 1,1 Millionen Einwohner, aber auch die umliegenden Regionen und eine große Zahl auswärtiger Gäste profitieren vom hochkarätigen künstlerischen Angebot der Deutschen Oper am Rhein.
www.operamrhein.de

 

 

Ovidiu Purcel (Macduff), David Fischer (Malcolm), Hrólfur Sæmundsson (Macbeth), Ewa Plonka (Lady Macbeth), Chor der Deutschen Oper am Rhein. Foto: Sandra Then.

Tickets kosten in Duisburg zwischen 19,00 und 76,00 Euro, in Düsseldorf in der kommenden Spielzeit 28,00 bis 109,00 Euro. Eintrittskarten gibt es online ebenso wie in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in das Stück, seine Entstehung und die Aufführung gibt. Zusätzlich gibt es zu vielen Produktionen einen Audio-Opern- oder Ballettführer in einem Kurzformat unter https://www.operamrhein.de/de_DE/opernfuehrer-audio. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

 

 
Die unvermeidlichen Corona-Regeln
Es gelten die üblichen Hygiene- und Abstandsregeln. Aktuelles gibt es hier.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Sandra Then

 

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Deutscher Oper am Rhein zeigte neue Familienoper “Der Kiosk” im Theater Duisburg

Olgas Traum vom Meer und der Weite der Welt
Von Petra Grünendahl

Bühne der Familienoper „Der Kiosk“ im Foyer des Theaters Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Vier- bis achtjährige Kinder liegen eher als dass sie auf dem Schaumstoffwürfeln sitzen. Die Erwachsenen haben es sich im Foyer des Theaters Duisburg eher hinten bequem gemacht, wo die Schaumwürfel größer werden. Gespannt verfolgen die kleinen wie die großen Zuschauer Olgas (Susan Maclean) Geschichte:

Susan Maclean (Olga). Foto: Daniel Senzek.

Als Kioskfrau mit Leib und Seele ist der Kiosk ihr Leben. Während das Saxophon / die Klarinette (Robert Beck) mit seinem „Hund“, Viola (Anna Neubert) und schließlich Schlagwerk (Rie Watanabe) mit „Baby“ und Rassel kommen, kurz verweilen und wieder gehen, ist Olga in ihren Kiosk hineingewachsen – in eine eher farblose, triste Umgebung. Einzig die Kunden bringen etwas Abwechslung in ihre Welt. Sie steckt fest und träumt doch von etwas ganz anderem. Als sie mitsamt ihrem Kiosk „umkippt“, gerät auch Bewegung in ihr Leben. Vor allem die Geräusch- und Klangkulisse verrät selbst den Kindern: Sie sind zusammen mit Olga jetzt am Meer gelandet. Die Kleinen sehen Wasser, ein U-Boot, die sie nur an den Klängen und der Geräuschkulisse ausmachen. Die Szenerie wird bunter. Olgas Traum wird wahr!

 

Susan Maclean (Olga), Robert Beck (Klarinette). Foto: Daniel Senzek.

Die Deutsche Oper am Rhein feierte im Theater Duisburg die Premiere der Familienoper „Der Kiosk“ nach dem bunten und humorvoll bebilderten Kinderbuch der lettischen Illustratorin und Texterin Anete Melece. In Zusammenarbeit mit der Librettistin Andrea Heuser begibt sich die Komponistin Diana Syrse in ihrem Auftragswerk „Der Kiosk“ auf eine fantasievolle Suche: Sprach-, Gesangs- und Instrumentenklang in Verbindung mit Geräuschen, mit Tanz und Spiel schaffen eine ganz neue Sprache, die ein ganz junges Publikum (empfohlen ab 5 Jahren) mitnimmt in eine Fantasiewelt, in der Klänge die Anschauung vom Meer und der weiten Welt vermitteln. In einer Inszenierung von Ilaria Lanzino sorgen Bühne und Kostüme von Emine Güner und die Lichtgestaltung von Thomas Diek für den dramatischen Rahmen der ca. 40-minütigem Handlung (ohne Pause).

 

 
Ein kleiner Vorgeschmack:

 

 
Weitere Termine im Theater Duisburg:
Mo | 13. Juni 2022 | 11:00 Uhr und
Mi | 15. Juni 2022 | 11:00 Uhr.

 
Deutsche Oper am Rhein

Susan Maclean (Olga), Robert Beck (Klarinette). Foto: Daniel Senzek.

Die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg gGmbH ist eine Theatergemeinschaft der Städte Düsseldorf und Duisburg, die auf eine lange Tradition der Zusammenarbeit zwischen den beiden Großstädten zurückblicken kann. Seit ihrer Gründung 1956 zählt sie zu den bedeutendsten Opernhäusern Deutschlands. Durch ihr hochrangiges Solistenensemble, den Chor sowie die national wie international gefeierte Compagnie Ballett am Rhein hat sie sich zu einer der ersten Adressen für Musiktheater und Tanz in Europa entwickelt. Sie ist in der größten und dichtesten Kulturregion Deutschlands beheimatet. Allein die beiden Städte Düsseldorf und Duisburg zählen zusammen fast 1,1 Millionen Einwohner, aber auch die umliegenden Regionen und eine große Zahl auswärtiger Gäste profitieren vom hochkarätigen künstlerischen Angebot der Deutschen Oper am Rhein.
www.operamrhein.de

 

 

Susan Maclean (Olga), Rie Watanabe (Schlagwerk). Foto: Daniel Senzek.

Tickets kosten 12,00 Euro. Eintrittskarten gibt es online ebenso wie in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de.

Susan Maclean (Olga), Anna Neubert (Viola). Foto: Daniel Senzek.

Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in das Stück, seine Entstehung und die Aufführung gibt. Zusätzlich gibt es zu den meisten Produktionen einen Audio-Opern- oder Ballettführer in einem Kurzformat unter https://www.operamrhein.de/de_DE/opernfuehrer-audio. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

 

 

Robert Beck (Klarinette), Susan Maclean (Olga), Rie Watanabe (Schlagwerk). Foto: Daniel Senzek.

Die unvermeidlichen Corona-Regeln
Es gelten die üblichen Hygiene- und Abstandsregeln. Aktuelles gibt es hier.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Daniel Senzek (6), Petra Grünendahl (1)

 

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Bundestagspräsidentin Bärbel Bas MdB trug sich ins Goldene Buch der Stadt Duisburg ein

Ehrung mit Feierstunde im Lehmbruck Museum

 

„Berlin kann jeder, Duisburg muss man wollen.“
Und ich will!
Glück auf!

Bärbel Bas

 

Oberbürgermeister Sören Link (l.) mit Bundestagspräsidentin Bärbel Bas MdB (r.) vor dem Lehmbruck Museum. Foto: Petra Grünendahl.

„Alles, was dich ausmacht, ist noch da“, sagte Oberbürgermeister Sören Link, als er an gemeinsame Zeiten in der Walsumer SPD und bei den Jusos erinnerte. Bundestagspräsidentin Bärbel Bas MdB trug sich in der Feierstunde im Lehmbruck Museum ins Goldene Buch der Stadt ein. Eine große Ehre, betonte sie. „Menschen sagen mir“, so die Geehrte, „sie seien stolz, dass eine von ihnen in dieser wichtigen Position ist. Und ich bin stolz, eine von ihnen zu sein.“

Bundestagspräsidentin Bärbel Bas MdB trug sich ins Goldene Buch der Stadt Duisburg ein. Foto: Petra Grünendahl.

Bärbel Bas ist seit Oktober 2021 Präsidentin des Deutschen Bundestages. Damit bekleidet die 54-jährige Sozialdemokratin protokollarisch das zweithöchste Amt in Deutschland. Zugute kommen der gebürtigen Walsumerin dabei auch der unverwüstliche Humor und die Mentalität des Ruhrgebiets. Ihr Motto: „Nicht nur klagen, sondern selbst anpacken!“

„Mit dem Amt hat sich verändert, wie ich als Person wahrgenommen werde. Manche fragen: Dürfen wir Dich denn jetzt noch duzen?“, erzählte Bärbel Bas Sven Lilienström, Gründer der Initiative Gesichter der Demokratie, der uns dieses Interview zur Verfügung stellte.

 
Sven Lilienström sprach mit Bärbel Bas über Demokratiebildung, zivilgesellschaftliches Engagement und die Frage, ob wir in Deutschland eine neue Diskussions- und Debattenkultur brauchen.

 
Frau Bas, als Bundestagspräsidentin repräsentieren und vertreten Sie seit Oktober 2021 den Deutschen Bundestag: Welchen Stellenwert haben Demokratie und demokratische Werte für Sie ganz persönlich?

Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla begrüßte die Gäste zur Feierstunde. Foto: Petra Grünendahl.

Unsere moderne, freiheitliche Demokratie ist für mich mehr als eine Regierungsform. Sie steht für ein Gesellschaftsmodell, das die Würde und die Freiheit des einzelnen Menschen in den Mittelpunkt stellt. Unsere Demokratie überträgt den Bürgerinnen und Bürgern aber auch Verantwortung für ihr Gemeinwesen und ermöglicht ihnen Teilhabe und Mitsprache. Sie kann deshalb nur bestehen, wenn die Menschen bereit sind, sich einzubringen und mitzuwirken. Eine Demokratie wie unsere ist eine wertvolle Errungenschaft, die wir pflegen und verteidigen müssen. Dafür werbe ich.

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Lektüretipp: Lieblingstouren Ruhrgebiet – Unterwegs auf ungewöhnlichen Radrouten im Klartext Verlag

Spannende Ausflugsziele auf dem Fahrrad entdecken
Von Petra Grünendahl

Lieblingstouren Ruhrgebiet: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Gleich auf der ersten Tour führt Thomas Terbeck den Leser durch Duisburg. Industriekulissen, Strukturwandel, aber auch Natur. Weitere Touren gehen natürlich auch auf Halden, die für den Radfahrer auch schon mal – zum Beispiel beim Halden-Hopping – sportlich eine Herausforderung sind. Neben den Halden kommt der Radfahrer auch an einigen ehemaligen Zechenstandorten vorbei, auf denen heute noch Fördergerüste stehen, von denen das eine oder andere nicht eingezäunt oder zumindest zu Öffnungszeiten zugänglich ist. Manche sind auch mittlerweile Museum. Die Strecken führen auch durch viel Grün: Egal, ob sich die Natur eine Brache zurück geholt hat oder die Grünflächen künstlich geschaffen wurden. Viele Orte am Wegesrand sind spannend und dürften den meisten eher unbekannt sein, liegen die Touren doch nicht gerade an den üblichen Ausflugsrouten. Zumal der Autor auch gezielt nach dem Besonderen am Weg seiner Strecken gesucht und diese in seinen Wegbeschreibungen versteckt hat: Geschichte und Geschichten findet er an jeder Ecke. Man nimmt das Buch zum Stöbern immer gerne wieder in die Hand, um das Ruhrgebiet noch mal ein bisschen anders und besser kennen zu lernen.

 

Lieblingstouren Ruhrgebiet: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Thomas Terbeck, auch bekannt als bikingtom, ist auf seinen „Lieblingstouren Ruhrgebiet“ unterwegs auf ungewöhnlichen Radtouren, wie der Untertitel verspricht. Zwölf Touren, die er auf jeweils 10 bis 16 Seiten beschreibt, führen den Leser so durch Duisburg, Mülheim, Dinslaken, Bottrop, Gelsenkirchen, Bochum, Dinslaken, Hattingen, Witten, Dortmund, Herdecke, Herne und den Kreis Recklinghausen. Detaillierte Wegbeschreibungen (häufig auch abseits der zu Radwegen umgebauten ehemaligen Bahntrassen) führen vorbei an allen möglichen interessanten Zielen, auf die er – unter Am Weg und Abstecher – mit interessanten Details zu ihrer Geschichte und Entwicklung eingeht. Und natürlich dürfen auch die Gastronomie-Tipps für die kleine Rast unterwegs nicht fehlen. Technische Daten zu Tour-Dauer (2 bis 4 Stunden, wer mehr gucken will, sollte mehr Zeit einplanen), Wegstrecke (24 bis 49 Kilometer) und Höhenunterschiede (140 bis 410 Meter) liefert das Buch gleich mit. Start und Ziel sind überwiegend Bahnhöfe, die jedoch auch Parkmöglichkeiten für diejenigen bieten, die mit dem Auto ankommen. Allerdings sind nicht alle Touren als Rundkurse angelegt, so dass man vom Ziel entweder mit dem Zug oder mit dem Fahrrad zum Ausgang der Tour zurück muss. Hilfreich sind für Radfahrer auch die Angaben zur Wegbeschaffenheit der Route (Asphalt, Schotter, Wald-/Feldwege, von gut befahrbar bis ruppig) und Schwierigkeitsgrad (leicht bis schwer). Unter „Besonderheiten“ fasst Terbeck die Reize der der einzelnen Strecken zusammen.

Weitere Tipps:
https://www.route-industriekultur.ruhr/unterwegs-auf-der-route/route-per-rad/

 
 

 
Der Autor und das Buch

Lieblingstouren Ruhrgebiet: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Thomas Terbeck (Jahrgang 1977) ist Medientechnologe, leidenschaftlicher Radfahrer und Fahrrad-Blogger. Er betreibt den Blog bikingtom und berichtet dort über die Faszination des Radfahrens. Das Ruhrgebiet ist seine Heimat: Der gebürtige Essener lebt in Borbeck.
bikingtom.com

 
Das Buch „Lieblingstouren Ruhrgebiet – Unterwegs auf ungewöhnlichen Radrouten“ von Thomas Terbeck ist im Essener Klartext Verlag erschienen. Das 160-seitige Taschenbuch aus der Reihe „Schönes NRW“ mit zahlreichen Fotografien (die meisten vom Autor selber), spannenden Informationen und detaillierten Karten ist für 18,95 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-8375-2458-1).

 

 
Der Verlag

Lieblingstouren Ruhrgebiet: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Der Klartext Verlag wurde 1983 gegründet, seit 2007 ist er Teil der Funke Mediengruppe. Seine Heimat liegt im Ruhrgebiet, wo auch der überwiegende Teil seiner Publikationen angesiedelt ist: Freizeitführer, Sachbücher, Kalender und Bildbände. Mit der „Von oben“-Reihe kann man Städte nicht nur im Ruhrgebiet, sondern in ganz Deutschland aus der Vogelperspektive bewundern. Und mit der Reihe „Irrtümer und Wahrheiten“ (bei ihrem Start im Verlagsprogramm hieß die Serie noch „Klugscheißer“) lernt der Leser Neues zu verschiedenen Orten, Themen und Fußballvereinen – unterhaltsam und fundiert, denn, so der Verlag: „wir machen Bücher mit Qualität und gerne auch mal einem Augenzwinkern.“
www.klartext-verlag.de

 
Der Blick ins Buch. Fotos: Petra Grünendahl

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© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Unterwegs zu sagenhaften Orten im Ruhrgebiet: Märchenhaft wandern im Klartext Verlag

Wanderstrecken in der Region auch mal anders entdecken
Von Petra Grünendahl

Märchenhaft wandern: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Vor den Zeiten der Schwerindustrie und der Ruhrbarone war das heutige Ruhrgebiet ländlich geprägt: Mit Bauern, Rittern, Gutsherren und den Fürstäbtissinnen des Stifts zu Essen, die ab dem 14. Jahrhundert die wirtschaftlichen Geschicke der Region bis in die Industrialisierung maßgeblich beeinflussten. Bis heute sind viele Wälder erhalten, sind auf Halden neue (Industrie-)Wälder gewachsen. Selbst Berge gibt es – und das sogar jenseits der (künstlich angelegten) Halden. Da lässt es sich gut wandern: Durch ländliche Gegenden ebenso wie schon mal mitten durch die Stadt und fast doch nur durchs Grün. Was das Ruhrgebiet von den bekannten Wanderregionen unterscheidet, sind jedoch seine vielen interessanten Marken am Weg: „Häuser“ jeglicher Größenordnung und Nutzung aus früherer Zeit, Besonderheiten der Natur und Denkmäler. Und das alles in einer Dichte, die in anderen Regionen nicht zu finden ist. Um die Gebäude, aber auch um Orte und Menschen ranken sich nicht nur Geschichte(n), sondern mitunter auch Sagen und Legenden – und auch mal ein wahres Märchen.

 

Märchenhaft wandern: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

In ihrem neuen Wanderführer „Märchenhaft wandern“ nehmen Nikola Hollmann und Andrea Slavik den Leser mit zu sagenhaften Orten im Ruhrgebiet. In Hünxe, Essen (2 Touren), Gelsenkirchen, Hattingen, Bochum, Witten, Dortmund, Holzwickede, Haltern am See, Oer-Erkenschwick und Hamm haben die Autorinnen Strecken ausgemacht, die sich nicht nur zum Wandern eignen, sondern mit vielen Besonderheiten und Stätten am Wegesrand mehr zu bieten haben. Der aufmerksame Leser wird viele ihm unbekannte Orte finden, weil die Strecken natürlich nicht an den gängigen Ausflugsrouten liegen. Den zwölf Touren sind jeweils 10 bis 14 Seiten gewidmet: Mit ausführlichen Beschreibungen der Wanderwege, Interessantem am Rande des Weges (Am Weg) mit Beschreibungen und Geschichte der Örtlichkeiten, mit Gastronomie-Tipps sowie doppelseitigen Karten der Strecken, die die Wegeplanung erleichtern. Garniert ist das Ganze mit Sagen, Märchen und Legenden zu den angesteuerten Zielen – fantasievoll und mitunter etwas eigenwillig neu erzählt. Die Autorinnen geben Informationen zu Wanderzeit (zwischen 1:45 und 3:15 Stunden, man sollte aber für das Erkunden von spannender Umgebung weitere Zeit einplanen), Wanderstrecke (5,5 bis 13 Kilometer) und zu überwindenden Höhenmetern an (10 bis 500 Meter). Außerdem wichtig sind die Anreise mit dem ÖPNV (auf der einen oder anderen Karte ist auch ein Parkplatz eingezeichnet) zum Start/Ziel der Wanderung sowie Beschaffenheit der Strecke (u. a. Wald- und Feldwege, Schotter, Asphalt), damit der Wanderer weiß, was ihn (auch körperlich) erwartet. Die Wanderwege haben die Hollmann und Slavik selbst erprobt. Zu den Routen sind auch gpx-Daten verfügbar.

 

 
Die Autorinnen und das Buch

Märchenhaft wandern: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Die Rheinländerin Nikola Hollmann ist Journalistin und Theologin, die Tirolerin Andrea Slavik Filmemacherin und Esoterikerin. Die beiden haben sich bei der Ausbildung zu Wanderführern im Deutschen Wanderverband kennen gelernt. Seitdem sind sie gemeinsam unterwegs und bringen ihre Erfahrungen in Wander- und Reisebüchern zu Papier. Immer wieder zieht es sie in die Kultur- und Industrielandschaft des Ruhrgebiets – auf der Suche nach dem Speziellen und dem Magischen. Die Alpen des Ruhrgebiets haben sie zum Thema von Büchern gemacht: Von dem Autoren-Team stammen auch die Wanderführer „Wanderbare Halden“ und „Halden, Himmel, Horizonte“, die wir bereits in Augenschein nehmen durften.

 
Das Buch „Märchenhaft wandern – Unterwegs zu sagenhaften Orten im Ruhrgebiet“ von Nikola Hollmann und Andrea Slavik ist im Essener Klartext Verlag erschienen. Das 160-seitige Taschenbuch aus der Reihe „Schönes NRW“ mit zahlreichen Fotografien (überwiegend von den Autorinnen selber), spannenden Informationen und detaillierten Karten ist für 18,95 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-8375-2433-8).

 

 
Der Verlag

Märchenhaft wandern: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Der Klartext Verlag wurde 1983 gegründet, seit 2007 ist er Teil der Funke Mediengruppe. Seine Heimat liegt im Ruhrgebiet, wo auch der überwiegende Teil seiner Publikationen angesiedelt ist: Freizeitführer, Sachbücher, Kalender und Bildbände. Mit der „Von oben“-Reihe kann man Städte nicht nur im Ruhrgebiet, sondern in ganz Deutschland aus der Vogelperspektive bewundern. Und mit der Reihe „Irrtümer und Wahrheiten“ (bei ihrem Start im Verlagsprogramm hieß die Serie noch „Klugscheißer“) lernt der Leser Neues zu verschiedenen Orten, Themen und Fußballvereinen – unterhaltsam und fundiert, denn, so der Verlag: „wir machen Bücher mit Qualität und gerne auch mal einem Augenzwinkern.“
www.klartext-verlag.de

 
Der Blick ins Buch. Fotos: Petra Grünendahl

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© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Deutsche Oper am Rhein stellte Programm für die kommende Spielzeit vor

Zurück mit den großen Produktionen
Von Petra Grünendahl

Christoph Meyer. Foto: Susanne Diesner.

„Im Mittelpunkt der kommenden Opernsaison stehen große Stoffe zeitgenössisch interpretiert und in neuen, spannenden Regiehandschriften präsentiert“, versprach Prof. Christoph Meyer, Generalintendant der Deutschen Oper am Rhein bei der Vorstellung des Programms für die kommende Spielzeit. Zu den Neuproduktionen in Duisburg zählt Richard Wagners „Der fliegende Holländer“ sowie „Die tote Stadt“ von Erich Wolfgang Korngold. Nach Duisburg kommen zudem Francesco Cileas Oper „Adriana Lecouvreur“, die in der vergangenen Spielzeit in Düsseldorf gespielt wurde. Verdis „Macbeth“ (Duisburger Premiere am kommenden Sonntag), Tschaikowskys „Die Jungfrau von Orleans“, Vincenzo Bellinis „La sonnambula“, Jules Massenets „Herodiade“ erleben ihre Premieren in Düsseldorf.

 

Das Leitungsteam der Deutschen Oper am Rhein (v. l.): Axel Kober (Generalmusikdirektor), Alexandra Stampler-Brown (Geschäftsführende Direktorin), Prof. Christoph Meyer (Generalintendant), Demis Volpi (Ballettdirektor und Chefchoreograph Ballett am Rhein). Foto: Anne Orthen.

Nach zwei Spielzeiten unter ständig wechselnden Pandemiebedingungen steht die Saison 2022/23 unter neuen Vorzeichen: Die Deutsche Oper am Rhein präsentiert wieder große Opern- und Ballettabende, Kraft und Klang ihrer großen Ensembles und sinnliche Erlebnisse, an deren Intensität man sich gerade erst wieder gewöhnt. Mit einem Theaterfest am Samstag, 20. August 2022, im Opernhaus Düsseldorf und dem HANIEL Klassik Open Air am Freitag, 2. September 2022, auf dem Opernplatz in Duisburg begrüßt die Deutsche Oper am Rhein ihr Publikum zur neuen Spielzeit. Auf dem Programm stehen rund 250 Vorstellungen allein auf den großen Bühnen in Düsseldorf und Duisburg – 25 verschiedene Opern, zehn Ballettprogramme, kleinere und größere Konzertformate sowie Galaveranstaltungen.

 

 
Repertoire, Ballett und Junge Oper

Axel Kober. Foto: Christian Schoppe.

„Das Repertoire hat während Corona gelitten, aber davon lebt die Oper“, sagte Generalmusikdirektor Axel Kober. Denn nicht nur die Premieren seien wichtig: „Mit den Wiederaufführungen zeigen wir die ganze Vielseitigkeit, die dieses Haus ausmacht.“ Das Duisburger Publikum darf sich hier auf Donizettis „Lucia di Lammermoor“, Puccinis „Tosca“, Mozarts „Die Zauberflöte“, Donizettis „La Fille du régiment“ und natürlich „Hänsel und Gretel“ freuen. Weitere Stücke wie Don Giovanni, Die Feldermaus, Falstaff, Siegfried oder Figaro sowie Turandot und Madame Butterfly gibt es in Düsseldorf.

Demis Volpi, Ballettdirektor und Chefchoreograph am Ballett am Rhein. Foto: Andreas Endermann.

Zwei Premieren des Ballett am Rhein gibt es in Duisburg mit „Zwischenwelten“ (Choreographien von Demis Volpi / Gil Harush) und „Shortcuts“ (Hans van Manen / Bridget Breiner / Neshama Nashman / William Forsythe), vier in Düsseldorf: Die Handlungsballette „Giselle“ und „Krabat“ (beide Demis Volpi) sowie Coppélia X Machina (Hélène Blackburn) und der Ballettabend „SACRE“ (Jerome Robbins / Demis Volpi / Marcos Morau). „’Giselle’ hatte eigentlich mein Einstand werden sollen vor zwei Jahren“, sagte Demis Volpi, Ballettdirektor und Chefchoreograph am Ballett am Rhein, – und dann kam Corona. Zur Wiederaufführung kommen in Duisburg „Der Nussknacker“ und „One and Others“, in Düsseldorf „Vier neue Temperamente“ (George Balanchine / Michèle Anne de Mey / Demis Volpi / Hélène Blackburn / John Neumeier).

 
Für ein junges Publikum (ab 8 Jahren) kommen die im Rahmen der Jungen Opern Rhein Ruhr entstandene Familienoper „Iwein Löwenritter“ (in Düsseldorf) sowie „Das fliegende Klassenzimmer“ (in Duisburg), eine Auftragskomposition der Jungen Opern Rhein Ruhr, auf die großen Bühnen. Außerdem gibt es Wiederaufnahmen von „Der Kiosk“ (Duisburger Premiere am kommenden Freitag) und „Nils Karlsson Däumling“. Oper und Ballett am Rhein begegnen jungen Zuschauern aber nicht nur in den beiden großen Häusern: An vier verschiedenen Orten in Duisburg (Ruhrort und Innenhafen) sowie Düsseldorf (Oberbilk und am Rheinufer in Golzheim) wird das „UFO – Junge Oper Urban“ zum Spielort und Treffpunkt für neues Musiktheater.

 
Corona machte auch der Deutschen Oper am Rhein zu schaffen

Alexandra Stampler-Brown. Foto: Andreas Endermann.

„Die letzte Spielzeit war nicht einfach“, erzählte Alexandra Stampler-Brown, Geschäftsführende Direktorin der Deutschen Oper am Rhein. Man hatte die Spielzeit mit kleineren Formaten begonnen – und als die größeren Produktionen auf dem Programm standen, kam Omikron. Einschränkungen habe es Backstage wie auch auf der Bühne gegeben: „Im Großen und Ganzen konnten wir in der auslaufenden Spielzeit am Spielplan festhalten“, so die Direktorin, aber: „Allerdings mussten wir in Duisburg acht und in Düsseldorf 16 Vorstellungen absagen – wegen Corona-Erkrankungen bei der Besetzung.“ Auch die reduzierten Kapazitäten sorgen für finanzielle Ausfälle: In Durchschnitt lag die Auslastung bei rund 50 Prozent, was die Einnahmen durch Eintrittskarten schmälerte. Kurzarbeit und fehlende Kosten für Gastsänger schafften aber auch Entlastung, so dass ein kleines Reservepolster angelegt werden konnte: Für den Fehlbetrag von 2,1 Mio. Euro im 56,4-Mio.-Euro-Etat für die Spielzeit 2022/23. Das Publikum will nach zwei Jahren Corona erst zurück erobert werden. „Manche“, so Stampler-Brown, „haben aber noch Bedenken.“ Vielleicht überzeugt sie ja das Programm für die Spielzeit 2022/23.

Hier gibt es Informationen zu den neuen Produktionen. Den neuen Spielplan als 164-seitige Broschüre im A4-Format gibt es im Opernshop Düsseldorf und an der Theaterkasse Duisburg, aber auch zum Download, zum Bestellen oder zum online blättern. Gestartet ist auch der Vorverkauf für die gesamte Spielzeit 2022/23.

 

 
Deutsche Oper am Rhein

Theater Duisburg. Foto: Jens Wegner.

Die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg gGmbH ist eine Theatergemeinschaft der Städte Düsseldorf und Duisburg, die auf eine lange Tradition der Zusammenarbeit zwischen den beiden Großstädten zurückblicken kann. Seit ihrer Gründung 1956 zählt sie zu den bedeutendsten Opernhäusern Deutschlands. Durch ihr hochrangiges Solistenensemble, den Chor sowie die national wie international gefeierte Compagnie Ballett am Rhein hat sie sich zu einer der ersten Adressen für Musiktheater und Tanz in Europa entwickelt. Sie ist in der größten und dichtesten Kulturregion Deutschlands beheimatet. Allein die beiden Städte Düsseldorf und Duisburg zählen zusammen fast 1,1 Millionen Einwohner, aber auch die umliegenden Regionen und eine große Zahl auswärtiger Gäste profitieren vom hochkarätigen künstlerischen Angebot der Deutschen Oper am Rhein.
www.operamrhein.de

 

 

Opernhaus Düsseldorf. Foto: Jens Wegner.

Eintrittskarten gibt es online ebenso wie in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in das Stück, seine Entstehung und die Aufführung gibt. Zusätzlich gibt es zu den meisten Produktionen einen Audio-Opern- oder Ballettführer in einem Kurzformat unter https://www.operamrhein.de/de_DE/opernfuehrer-audio. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

 

 
Die unvermeidlichen Corona-Regeln
Die Kapazitätsbegrenzungen in den Sälen sind aufgehoben. Es gelten die üblichen Hygiene- und Abstandsregeln. Aktuelles gibt es hier.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Andreas Endermann (2), Jens Wegner (2), Anne Orthen (1), Susanne Diesner (1), Christian Schoppe (1)

 

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Lektüretipp: Das UNESCO Welterbe – Monumente der Menschheit – Wunder der Natur

Einblicke in die immense Vielfalt des menschlichen Kulturerbes
Von Petra Grünendahl

Das UNESCO Welterbe: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Die Pyramiden und Städte der Maya und Inka in Mittel- und Südamerika brauchen sich nicht hinter den Pyramiden des alten Ägypten oder den Festungen oder Tempelbauwerken des antiken Mesopotamiens verstecken. Sie alle führen dem Leser vor Augen, zu was für baulichen Leistungen menschliche Kulturen fähig waren – und dass nicht einmal die hoch entwickelten Kulturen und Erschaffer imposanter Bauwerke dem Untergang entgehen konnten. An manchen Stätten zeugen nur noch Ruinen von vergangener Pracht, an anderen Stellen ist die alte Pracht mehr oder weniger erhalten und beeindruckt den Betrachter schon auf dem Papier. Es ist eine Reise in die entlegensten Winkel der Erde – und um Jahrtausende in die Vergangenheit. Die Reisen auf dem Papier entführen nicht nur zu den baulichen Zeugnissen der Vergangenheit, sondern auch in (relativ unberührte) Landschaften, die sich viel von ihrer Ursprünglichkeit bewahren konnten. Ein spannendes Buch, das immer wieder zum Blättern und Stöbern einlädt.

 

Das UNESCO Welterbe: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Für das Buch „Das UNESCO Welterbe“ hat eine Redaktion von Autoren die Monumente der Menschheit und die Wunder der Natur zusammen getragen, die von der UNESCO als besonders schützenswert anerkannt wurden. Erst 2020/21 hat es 37 neue Ernennungen gegeben, die im Buch vorneweg auf 24 Seiten in knackig-kurzen Texten und aussagekräftigen Fotos beschrieben werden. Hier findet sich zum Beispiel auch der niedergermanische Limes als Grenze des Römischen Reichs, dessen Spuren man auch in unserer Region findet. Im Hauptteil listet das Buch sämtliche (weiteren) Stätten auf der ganzen Welt nach Kontinenten aufgeteilt und darin jeweils von Nord nach Süd und von West nach Ost. Von den aktuell 1154 Welterbestätten gelten 897 als Weltkulturerbe und 218 als Weltnaturerbe, weitere 39 Stätten werden als gemischte Kultur- und Naturerbestätte geführt. Sie spiegeln die Vielfalt von hohen Kulturen aus mehreren Tausend Jahren Menschheitsgeschichte und noch viel weiter zurück reichender Erdgeschichte. Überwiegend sind zwei Stätten pro Seite beschrieben, aber auch die eine oder andere Sehenswürdigkeit auf einer oder gar zwei Seiten.

 

Das UNESCO Welterbe: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Das UNESCO Welterbe umfasst einzigartige Kultur- und Naturgüter, die unter dem Schutz der UNESCO stehen, seit die Vereinten Nationen 1972 ein Abkommen geschlossen haben, Objekte von universellem Wert zu bewahren. Was ihnen aber im Zweifelsfalle wenig nützt, wenn Menschen aus Hass auf alles, was nicht in ihr Weltbild passt, die Zerstörung einzigartiger Kulturzeugnisse anordnen oder gar andere Länder mit Krieg und Bombardierung überziehen. Bereits zerstört wurden Welterbestätten (oder Teile davon) in der Oasenstadt Timbuktu (Mali), der Altstadt von Aleppo, in Palmyra und Mar Elian (alle Syrien), in Al-Hadra im Irak und im Bamian-Tal in Afghanistan. Aktuell gefährdet sind unter anderem die Welterbestätten in der Ukraine wie das historische Zentrum von Lwiw (Lemberg), die Sophienkathedrale in Kiew sowie das nahe gelegene Höhlenkloster am Ufer des Dnjepr. Aber auch die Ausbreitung der Zivilisation zerstört mitunter Stätten – auch in der westlichen Welt: Die UNESCO hat durchaus schon mal Stätten aus ihrer Welterbeliste gestrichen, weil sie überplant ihren ursprünglich schützenswerten Charakter verloren haben. Das wertschätzende Studium dieser Lektüre und der beschriebenen Stätten sollte des Lesers Respekt vor den Kulturen der Erde und der Erdgeschichte fördern – und das Bestreben, diese einzigartigen Güter der Nachwelt zu erhalten.

 

 
 
Das Buch

Das UNESCO Welterbe: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Kompakt und kompetent stellt „Das UNESCO Welterbe“ in prächtigen Abbildungen und informativen Texten alle aktuellen Welterbestätten in 167 Ländern auf allen fünf Kontinenten* vor. Ergänzend sorgen kleine Karten für die grobe geografische Einordnung. Das reich bebilderte 808-seitige Werk „Das UNESCO Welterbe“ im Format 21 x 16 x 5,5 cm mit Paperback-Umschlag ist im Kunth Verlag erschienen und für 29,95 Euro im lokalen Buchhandel zu haben (ISBN 978-3-96965-042-4).

 

 
Kunth Verlag

Das UNESCO Welterbe: Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Der Münchener Kunth Verlag wurde 1997 von Wolfgang und Calina Kunth gegründet. Publikationen des Verlages erhielten über die Jahre zahlreiche Auszeichnungen. Schwerpunkte des Verlagsprogramms liegen bei hoch informativen Bildbänden und reich bebilderten Reisebüchern, die eine Auszeit vom Alltag schon beim Blättern und natürlich reichhaltige Reise-Inspirationen bieten. Reisekarten / Weltatlanten sowie reich illustrierte Sachbücher aus geografischen, kulturellen und touristischen Themenbereichen und Kalender vervollständigen das Verlagsprogramm. Kunth ist ein Partnerverlag der MairDumont Reiseverlagsgruppe .
www.kunth-verlag.de

*) Amerika zählt hier als ein Kontinent

 
Der Blick ins Buch. Fotos: Petra Grünendahl

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© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Historische Orte am Niederrhein: Susanne Wingels zeigt ihre „Heimatschätze“ im Klartext Verlag

Interessante Ziele für Freizeittouren in der Region
Von Petra Grünendahl

Blick in Susanne Wingels‘ Heimatschätze am Niederrhein. Foto: Petra Grünendahl.

Kirchen und Kapellen, Burgen und Schlösser, Herren- oder Bürgerhäuser, Windmühlen, Tortürme und andere Baudenkmäler: Susanne Wingels beschreibt ihre Lieblingsorte am Niederrhein gespickt mit vielen Geschichten über ihre Entstehung und Entwicklung. An manchen Stellen reicht die Geschichte sichtbar bis ins Mittelalter zurück, an anderen Stellen gar bis zu den Römern in die Antike. Wo es sogar Spuren steinzeitlicher Besiedlung gibt, sind diese allerdings bestenfalls in Museum zu sehen. Das Buch „Heimatschätze“ ist eine Einladung, die historischen Innenstädte, Orte und Stätten am Niederrhein zu erkunden, in Geschichte(n) zu stöbern und Ungewöhnliches zu entdecken: So viel davon, schreibt die Autorin, „damit ließen sich auch vier Bücher füllen.“ Aber selbst in diesem einen Buch bringt Susanne Wingels insgesamt doch sehr viel fundiertes Wissen über die Geschichte der Orte am Niederrhein an den geneigten Leser und regt damit zum Stadtbummel und zur Besichtigung an.

 

Blick in Susanne Wingels‘ Heimatschätze am Niederrhein. Foto: Petra Grünendahl.

Mit ihrem Buch „Heimatschätze“ lädt Autorin Susanne Wingels ihre Leser ein, „Historische Orte am Niederrhein [zu] entdecken“. Jedes Dorf am Niederrhein habe etwas zu erzählen, meinst die Autorin: Auf diesen Seiten hat sie ihre persönlichen Heimatschätze zusammen gestellt. Sie erkundet in Texten und (fast ausschließlich eigenen) Bildern auf jeweils vier bis zwölf Seiten 23 Städte zwischen Kleve, Kranenburg und Rees in Norden bis Erkelenz und (Dormagen-)Zons im Süden. Außer Rees sind Wesel, (Hünxe-)Krudenburg, (Voerde-)Götterswickerham und Dinslaken rechtsrheinisch angesiedelt, alle anderen Orte linkrheinisch. Die Autorin gibt zusätzlich Informationen zur Anfahrt mit Pkw (inkl. Parkplatz) oder ÖPNV, eine Einordnung in Kategorien (wie Sehenswürdigkeit, Wanderstrecke, Naturerlebnis, Familienfreundlich, Kulturstätte oder Kunstobjekt), Gastronomie-Angebote sowie nahe gelegene lohnende Ziele (Am Weg oder In der Nähe und spannende Museen überwiegend kulturgeschichtlicher Natur mit Adressen). Ein paar „Extra-Tipps“ beinhalten Stadtführungen, Events, Besichtigungen aller Art und Hinweise auf spannende Unternehmungen. Gut lesbar geschrieben lädt das Buch immer wieder zum Blättern und Stöbern ein. Und natürlich dazu, die Orte selber mal zu besuchen.

 

 

Blick in Susanne Wingels‘ Heimatschätze am Niederrhein. Foto: Petra Grünendahl.

In Wingels Ausführungen zur Befestigung der Stadt Moers vermisst der kundige Leser allerdings trotz Erwähnung der im Luftbild immer noch erkennbaren Spuren der Festungsanlagen Informationen zum hier sichtbaren oranischen Festungsbau (1601–1620), über den man ganze Bücher schreiben kann (mehr dazu hier und hier), sowie die – zugegeben neuere – Entwicklung der Stadt durch den Bergbau, den man ja mittlerweile auch als „historisch“ bezeichnen kann (die Zechensiedlung Lohberg in Dinslaken ist schließlich auch erwähnt).

 
 
Die Autorin und das Buch

Blick in Susanne Wingels‘ Heimatschätze am Niederrhein. Foto: Petra Grünendahl.

Susanne Wingels (Jahrgang 1969) lebt mit ihrer Familie in Bedburg-Hau. Den Niederrhein kennt die gelernte Industriekauffrau und Übersetzerin wie ihre Westentasche.
https://susanne-wingels.de/

 
Das Buch „Heimatschätze – Historische Orte am Niederrhein entdecken“ von Susanne Wingels ist im Essener Klartext Verlag erschienen. Das 160-seitige Taschenbuch aus der Reihe „Schönes NRW“ mit zahlreichen Fotografien ist für 18,95 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-8375-2486-4).

 
Von Susanne Wingels hatten bereits das Buch „Niederrhein – Schlösser Burgen Herrenhäuser Rittergüter“ in einer Buchbesprechung (hier der Bericht).

 

 
Der Verlag

Blick in Susanne Wingels‘ Heimatschätze am Niederrhein. Foto: Petra Grünendahl.

Der Klartext Verlag wurde 1983 gegründet, seit 2007 ist er Teil der Funke Mediengruppe. Seine Heimat liegt im Ruhrgebiet, wo auch der überwiegende Teil seiner Publikationen angesiedelt ist: Freizeitführer, Sachbücher, Kalender und Bildbände. Mit der „Von oben“-Reihe kann man Städte nicht nur im Ruhrgebiet, sondern in ganz Deutschland aus der Vogelperspektive bewundern. Und mit der Reihe „Irrtümer und Wahrheiten“ (bei ihrem Start im Verlagsprogramm hieß die Serie noch „Klugscheißer“) lernt der Leser Neues zu verschiedenen Orten, Themen und Fußballvereinen – unterhaltsam und fundiert, denn, so der Verlag: „wir machen Bücher mit Qualität und gerne auch mal einem Augenzwinkern.“
www.klartext-verlag.de

 
Der Blick ins Buch. Fotos: Petra Grünendahl

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© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Entlang der Ruhr auf dem Weg durchs Ruhrgebiet: Auszeiten am Fluss im Klartext Verlag

Annika Fischer nimmt den Leser mit auf Entdeckungsreise durch ein post-industrielles Freizeitrevier
Von Petra Grünendahl

Blick in Annika Fischers „Auszeiten am Fluss“. Foto: Petra Grünendahl.

Von ihren 219 Kilometern Länge fließt die in der Nähe von Winterberg im Sauerland entspringende Ruhr ab Schwerte gerade mal 102 Kilometer durch das Ruhrgebiet. Annika Fischer beschreibt auf ihren Entdeckungsreisen nicht nur die Landschaften von heute, sondern auch ihre Entwicklung: Von vorindustrieller, ländlich geprägter Zeit über die Industrialisierung, die hier an der Ruhr mit oberflächennaher Kohle begann, bis in die nachindustrielle Zeit. Die Zeit, in der die Ruhr weitestgehend renaturiert wurde, um heute auch der Erholung und Freizeitgestaltung zu dienen. Stauseen überwiegend aus den 1920er- und 1930er-Jahren waren nicht für die Freizeitgestaltung angelegt worden, sondern zur Trinkwassergewinnung, Reinigung der Ruhr und zur Stromerzeugung u. a. durch Wasserkraft. Von Osten nach Westen arbeitet sich die Autorin am Ruhrlauf entlang, vom Stausee Hengsen bei Holzwickede über Hengstey-, Harkort-, Kemnader bis hin zum Baldeney- und zum Kettwiger See im Essener Süden sowie durch verschiedene alte Ortskerne bis nach Duisburg-Ruhrort und hin zur Ruhrmündung in den Rhein am Rheinorange (Rheinkilometer 780).

 

Blick in Annika Fischers „Auszeiten am Fluss“. Foto: Petra Grünendahl.

Das Buch „Auszeiten am Fluss“ von Annika Fischer entführt den Leser zu – so der Untertitel – „Entdeckungen und Erlebnisse[n] an der Ruhr. Das Buch aus der Reihe „Schönes NRW“ gibt faszinierende Einblicke in lohnenswerte Ausflugsziele und Ziele für Freizeitaktivitäten entlang des Flusses, der so abwechslungsreich ist wie die Region, der er seinen Namen gegeben hat. Dabei zeigt die Autorin auf jeweils zehn bis vierzehn Seiten elf Touren mit verschiedenen Arten von Entdeckungen: zu Fuß, mit dem Fahrrad oder auch mit dem Boot. Sogar die eine oder andere (ehrenamtlich betriebene) Privatbahn lädt zu Touren in die jeweilige Umgebung ein. Auch wenn das Buch vielleicht in erster Linie Naturfreunde anspricht, ist es doch auch für jene ein Genuss, der sich für historische Entwicklungen im Ruhrgebiet und die entsprechende Baukunst interessieren – und diese erkunden wollen. Die Region hat sich von der landwirtschaftlichen Prägung früherer Jahrhunderte mit Herrenhäusern, Schlössern und Burgen über den Bergbau und die Industrialisierung in ein post-industrielles Zeitalter gewandelt: Mit einer Vielzahl von Oasen für Freizeitgestaltung, Erholung und Naturschutzgebieten. Und viele Ziele müssen ja nicht unbedingt auf den vorgeschlagenen Touren erwandert werden: Man kann sie auch direkt ansteuern.

 

 

Blick in Annika Fischers „Auszeiten am Fluss“. Foto: Petra Grünendahl.

Von manch einer stolzen Burg auf Erhebungen am Ruhrufer sind nur noch Ruinen übrig. Die Relikte von Bergbau und Industrie sind heute vielfach, sofern noch vorhanden, museal erschlossen und für Besucher zugänglich. Weitere Spuren des Bergbaus finden sich aber auch nicht nur als Ziele beschrieben, sondern an vielen Strecken entlang der Wege. Informationen gibt die Autorin auch zur Anfahrt mit Pkw (inkl. Parkplatz) oder ÖPNV, Besonderheiten und eine Einordnung in Kategorien (wie Sehenswürdigkeit, Wanderstrecke, Naturerlebnis, Familienfreundlich, Kulturstätte oder Kunstobjekt), Gastronomie-Angebote sowie nahe gelegene lohnende Ziele (Am Weg oder In der Nähe). Ein paar Extra-„Tipps“ für Unternehmungen abseits des Bekannten laden zum Beispiel dazu ein, die Ruhrufer vom Wasser aus zu erkunden. Gut lesbar geschrieben lädt das Buch immer wieder zum Blättern und Stöbern ein. Und dazu, die beschriebenen Touren selber zu unternehmen und verlockende Ziele anzusteuern.

 
 
Die Autorin und das Buch

Blick in Annika Fischers „Auszeiten am Fluss“. Foto: Petra Grünendahl.

Annika Fischer (* 1971) ist ein Kind des Ruhrgebiets. Sie hat Publizistik und Kommunikationswissenschaften studiert. Bereits 1991 hat sie als freie Mitarbeiterin bei der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung begonnen. Hier ist sie seit 1998 zunächst als Volontärin, dann als Redakteurin und seit 2001 als Reporterin in der Region tätig. „Geschichtenerzählerin aus Leidenschaft“, sagt sie über sich selbst. Darüber hinaus hat sie einige Bücher veröffentlicht.

 
Das Buch „Auszeiten am Fluss – Entdeckungen und Erlebnis entlang der Ruhr“ von Annika Fischer ist im Essener Klartext Verlag erschienen. Das 144-seitige reich bebilderte Taschenbuch aus der Reihe „Schönes NRW“ mit zahlreichen Fotografien ist für 16,95 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-8375-2442-0).

 

 
Der Verlag

Blick in Annika Fischers „Auszeiten am Fluss“. Foto: Petra Grünendahl.

Der Klartext Verlag wurde 1983 gegründet, seit 2007 ist er Teil der Funke Mediengruppe. Seine Heimat liegt im Ruhrgebiet, wo auch der überwiegende Teil seiner Publikationen angesiedelt ist: Freizeitführer, Sachbücher, Kalender und Bildbände. Mit der „Von oben“-Reihe kann man Städte nicht nur im Ruhrgebiet, sondern in ganz Deutschland aus der Vogelperspektive bewundern. Und mit der Reihe „Irrtümer und Wahrheiten“ (bei ihrem Start im Verlagsprogramm hieß die Serie noch „Klugscheißer“) lernt der Leser Neues zu verschiedenen Orten, Themen und Fußballvereinen – unterhaltsam und fundiert, denn, so der Verlag: „wir machen Bücher mit Qualität und gerne auch mal einem Augenzwinkern.“
www.klartext-verlag.de

 
Der Blick ins Buch. Fotos: Petra Grünendahl

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© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Global Player aus Duisburg: Mit ELG setzt Stahlkonzern Aperam auf mehr Nachhaltigkeit

Recycling von Edelstahl-Schrott und Hochleistungswerkstoffen verringert CO2-Emissionen
Von Petra Grünendahl

Dr. Markus Larres, Betriebsleiter Edelstahl, erklärt den Ablauf des Edelstah-Recyclings. Foto: Petra Grünendahl.

Was auf den ersten Blick aussieht wie ein ganz gewöhnlicher Schrottplatz, ist eine Anlieferung von Edelstahl-Schrott, der als Wertstoff recycelt wird. Hier werde ausschließlich sortenreiner Edelstahl aufbereitet, erklärte Dr. Markus Larres, Betriebsleiter Edelstahl. Beimischungen von Holz oder Kunststoff würden aussortiert: „Die werden woanders recycelt“, so Larres. Auf dem Betriebshof der ELG in Meiderich ist man spezialisiert auf das Recycling von Eisenlegierungen und Hochleistungswerkstoffen. Mit einem Handgerät nimmt Andreas Link, Fachkraft für Abfall- und Kreislaufwirtschaft, per Röntgenstahl eine erste Analyse des Materials vor.

Andreas Link unterzieht den angelieferten Edelstahl-Schrott einer ersten Analyse. Foto: Petra Grünendahl.

Genauere Analysen liefert das betriebseigene Labor, sobald Proben aus dem Schrottberg genommen sind. Die so bestimmte Qualität ist zum einen für die Abrechnung mit dem Lieferanten wichtig, der ja angemessen für seinen Rohstoff bezahlt werden will. Zum zweiten liefert die ELG ihren Kunden das aufgearbeitete Recycling-Material sortenrein nach deren Anforderungen und besonderen Spezifikationen. Hier entsteht also ein Sekundärrohstoff von höchster Qualität, der in der Produktion die nachhaltige Wiederverwertung eines zuvor energieintensiv produzierten Primärrohstoffs ermöglicht. Der über Lkw angelieferte Edelstahl-Schrott wird zu kompakten, aber schwergewichtigen Ballen gepresst und über den betriebseigenen Gleisanschluss per Güterzug an die Kunden ausgeliefert.

 

Nils von Stromberg, Betriebsleiter der ELG in Duisburg, zeigte Abläufe im Bereich Titan. Foto: Petra Grünendahl.

Die ELG GmbH ist Spezialist für das Recycling, die Aufbereitung und den Handel von nachhaltigen Rohstoffen für die Edelstahlindustrie sowie Hochleistungswerkstoffen wie Superlegierungen und Titan. Der Hauptsitz des weltweit agierenden Recycling-Netzwerks befindet sich in Duisburg. Am Standort Kremerskamp sind neben der Aufbereitung von Edelstahlschrott und einem Labor auch die Bereiche Titan und Nickel-Kobalt angesiedelt.

Dieses Stück Titan wurde aussortiert, weil es höchste Reinheitsanforderungen nicht erfüllen kann. Foto: Petra Grünendahl.

Zunächst muss akribisch sortiert werden, denn für manche Abnehmer braucht man zum Beispiel Titan von höchster sortenreiner Qualität: „Was in der Wäsche vor dem Einschmelzen nicht rausgeht, muss man in der Vorsortierung entfernen“, erklärte Nils von Stromberg, Betriebsleiter der ELG in Duisburg. Makelloses Titan geht zum Weiterverarbeiten an die Luft- und Raumfahrtindustrie sowie die Medizin, wo es höchsten Ansprüchen an Reinheit genügen muss. Das verbleibende Titan geht in andere Industriebereiche. „Wir verstehen uns als Teil der Lieferkette von Rohstoffen (Supply Chain), nicht als Schrotthändler“, betonte von Stromberg die Bedeutung des Sekundärrohstoffs, der beim Recycling entsteht.

 

 
 
Vom Start-up 1962 zum Global Player

Der angelieferte Edelstahl-Schrott wird vorsortiert. Foto: Petra Grünendahl.

Günter Kreissel gründete die ELG 1962 als Eisenlegierungen Handelsgesellschaft mbH in Duisburg. Das kleine Unternehmen konnte durch die Beteiligung des Ruhrorter Private-Equity-Investors Franz Haniel & Cie. GmbH ab 1980 eine Marktposition nachhaltig ausbauen und expandieren – auch ins Ausland. 1989 übernahm Haniel die ELG Haniel GmbH zu 100 Prozent. Die ELG verfolgte ihre Strategie zur Expansion durch Firmenübernahmen und Gründungen von Tochterunternehmen weltweit: Heute gibt es Tochtergesellschaften in 20 Ländern auf fünf Kontinenten. Zum 31. Dezember 2021 übernahm der luxemburgische Stahlkonzern Aperam die ELG-Gruppe von Haniel im Rahmen einer Umstrukturierung des Haniel-Portfolios. Im Aperam-Konzern belegt die ELG das neu geschaffene Segment „Recycling“ als Kern einer neuen Wachstumsstrategie: Die Kreislaufwirtschaft dient der Sicherung eines wichtigen Rohstoffs, der als Sekundärrohstoff ein großen Potenzial zur CO2-Einsparung mitbringt.

 

Der angelieferte Edelstahl-Schrott wird vorsortiert. Foto: Petra Grünendahl.

Seit 60 Jahren ist die ELG in Duisburg ansässig, wo sich auch immer noch die Unternehmenszentrale befindet. Der 80.000 Quadratmeter große Standort befindet sich im Hafengebiet in Meiderich. Heute zählt der Standort 250 Mitarbeiter in Recycling-Betrieb und Verwaltung. Dazu kommen in Deutschland weitere 40 Mitarbeiter in den Recycling-Betrieben in Karlsruhe, Dresden und Minden, die von hier aus verwaltet werden. Weltweit beschäftigt das Unternehmen inklusive seiner Tochtergesellschaften 1.270 Mitarbeiter an 51 Standorten – Tendenz weiter steigend.

Im betriebseigenen Labor wird eine Mischung aus verschiedenen Einzelproben final analysiert. Foto: Petra Grünendahl.

Das Unternehmen produziert weltweit rund 1,2 Mio. Tonnen recycelter Rohstoffe von höchster Qualität jährlich, davon 200.000 Tonnen in Deutschland. Das spart über 4 Mio. Tonnen CO2 im Jahr. Für den Standort Duisburg sucht die ELG Mitarbeiter in den verschiedensten Bereichen. „Im Recycling-Betrieb brauchen wir Mitarbeiter mit der nötigen Erfahrung im Recycling“, betonte Markus Larres. Deswegen bilde man für den eigenen Bedarf aus und fördere die Weiterbildung. Andreas Link hat bei der ELG gelernt und ist zurzeit neben seiner Arbeit in der Weiterbildung zum Meister. Für Auszubildende gibt es Lehrstellen im kaufmännischen Bereich ebenso wie im Recycling-Betrieb als Fachkraft für Abfall- und Kreislaufwirtschaft.
http://www.elg.de

 

Volker Pawlitzki (links), Vertriebschef Globales Recycling bei ELG, und Sudhakar Sivaji, Vorstand Finanzen bei Konzernmutter Aperam. Foto: Petra Grünendahl.

„Für uns ist der Kauf von ELG ein weiterer Schritt in unserer Nachhaltigkeitsstrategie“, erklärte Sudhakar Sivaji, seit Mai 2020 Finanzchef von Aperam, einem weltweit agierenden Hersteller von Edelstahl, Elektro- und Spezialstahl. Der Aperam-Finanzchef hatte mit Haniel, zu deren Portfolio die ELG bis dato gehörte, über den Kauf verhandelt. Vor seiner Tätigkeit bei Aperam war Sudhakar Sivaji 12 Jahre bei thyssenkrupp und bei thyssenkrupp Steel in Hamborn tätig. Erneuerbare Rohstoffe ermöglichten hohe CO2-Einsparungen in der Produktion von Edelstahl: „Das passt für wunderbar zusammen, denn ELG hat ein breites Spektrum von Lieferanten, bietet auch für uns als Konzern die Chance, unseren CO2-Fußabruck zu senken, und ist einer der weltweit größten Recycler“, sagte Sivaji. Dabei ist Edelstahlhersteller Aperam nicht der einzige Abnehmer von Sekundärrohstoffen aus Duisburg: „Die ELG bedient nach wie vor ihren bisherigen vielfältigen Kundenstamm“, stellte der Aperam-CFO klar. Aperam ist der zweitgrößte Edelstahlhersteller Europas hinter dem finnischen Werkstoffunternehmen Outokumpu, die 2012 thyssenkrupps Edelstahl-Sparte Inoxum übernommen hatten, und vor den Konzernen Acerinox (Spanien) und Arvedi (Italien).

 

 
 
Aperam
Aperam ist ein Global Player im Bereich Edelstahl, Elektro- und Spezialstahl und Recycling mit Kunden in über 40 Ländern. Aperam produziert Edelstahl in sechs Werken weltweit: An drei Standorten in Frankreich, zwei in Belgien und einem in Brasilien. Mit dem Erwerb der ELG wurde das Unternehmen in vier primäre berichtspflichtige Segmente unterteilt: Edelstahl & Elektrostahl, Dienstleistungen & Lösungen, Legierungen & Spezialitäten sowie Recycling & Erneuerbare Energien.

Aperam verfügt über eine Flachstahlkapazität von 2,5 Millionen Tonnen und ist führend bei hochwertigen Spezialprodukten. Zusätzlich zu seinem Industrienetzwerk, das sich über sechs Produktionsstätten in Brasilien, Belgien und Frankreich erstreckt, verfügt Aperam über ein hoch integriertes Vertriebs-, Verarbeitungs- und Servicenetzwerk sowie über die einzigartige Fähigkeit, rostfreie Stähle und Spezialstähle mit niedrigem Kohlenstoff-Fußabdruck aus Biomasse, Edelstahlschrott und Schrott aus Hochleistungslegierungen herzustellen. Mit Bioenergia und seiner einzigartigen Fähigkeit, Holzkohle aus der eigenen FSC-zertifizierten Forstwirtschaft zu produzieren, und mit ELG, einem weltweit führenden Unternehmen für die Sammlung, den Handel, die Verarbeitung und das Recycling von Edelstahlschrott und Hochleistungslegierungen, stellt Aperam die Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt seines Geschäfts und hilft seinen Kunden weltweit, sich in der Kreislaufwirtschaft zu behaupten. Im Jahr 2021 erzielte Aperam einen Umsatz von 5,102 Milliarden Euro und lieferte 1,82 Millionen Tonnen Stahl.
http://www.aperam.com

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Ballett am Rhein: Ballettabend „One and Others“ begeisterte im Theater Duisburg

Individuell choreographierte Bewegungsspiele von anspruchvoller Technik und Präzision
Von Petra Grünendahl

Demis Volpi „one and others“: Futaba Ishizaki und Tommaso Calcia. © Bettina Stöß.

Bis zu fünf Tanzpaare auf der Bühne tanzen – jedes Paar mit seiner individuellen Choreographie – zu einem Streichquartett des zeitgenössischen griechischen Komponisten Christos Hatzis. Die Musik kommt über Lautsprecher im Surround-Sound auf die Bühne, immer wieder verbunden mit Sound-Effekten, die das emotionale Bewegungsspiel der Tänzer dramatischer wirken lassen.

Demis Volpi „one and others“: Lara Delfino und Ensemble^. © Bettina Stöß.

Demis Volpi, Ballettdirektor und Chefchoreograph des Ballett am Rhein, hatte „One and Others“, das diesem Ballettabend seine Namen gibt, 2015 für das Ballet Nacional del Sodre in Uruguay kreiert. Der britische Choreograph Christopher Wheeldon ist heute eher für seine abendfüllenden narrativen Ballette bekannt. Mit „Polyphonia“ entwickelte er 2001 für das New York City Ballet eine abstrakte neoklassische Arbeit mit einer herausfordernden Choreographie, die – ähnlich wie „One and Others“ auf jeden Tänzer, jedes der vier Paare individuell zugeschnitten ist.

Demis Volpi „one and others“: Nelson López Garlo, Damián Torío, Lara Delfino, Dukin Seo, Pedro Maricato, Tommaso Calcia. © Bettina Stöß.

Die Musik stammt von György Ligeti: Zehn Klavierstücke (gespielt von Susanna Kadzhoyan und Eduardo Boecheat) aus unterschiedlichen Schaffensphasen des österreichisch-ungarischem Komponisten. Das Ballett gilt als ein Meilenstein der Tanzgeschichte. Monoton und wuchtig wie das Wummern von Maschinen beginnt die Musik von Ori Lichtik: Wie Roboter bewegen sich auch zunächst die Tänzer. Je melodischer die Komposition, umso agiler und individueller werden auch die Bewegungen der Tänzer. Die israelische Choreographin Sharon Eyal nimmt den Betrachter mit „Salt Womb“, das sie 2016 für das Nederlands Dans Theater choreographiert hat, mit auf einer Reise ins Innere: Ritual und Rausch sprechen ihre eigene Bewegungssprache.

 

Christopher Wheeldon „Polyphonia“: Rashaen Arts und Lara Delfino. © Bettina Stöß.

Mit “One and Others” zeigte Demis Volpi seinem neuen Ballettabend im Theater Duisburg. Alle drei Stücke – „Polyphonia“ von Christopher Wheeldon, „Salt Womb“ von Sharon Eyal sowie seine eigene Choreographie “One and Others” – bietet modernes abstraktes Tanztheater, dass die Tänzer des Ballett am Rhein mit anspruchvoller Technik und höchster Präzision vor einem begeisterten Publikum auf die Bühne brachten.

Christopher Wheeldon „Polyphonia“: Marié Shimada und Orazio Di Bella. © Bettina Stöß.

Neben der Klavierbegleitung in „Polyphonia“ kam in den beiden anderen Stücken Tonbandmusik zum Einsatz, da die aufwendige musikalische Untermalung so wohl nicht hätte live von einem Orchester präsentiert werden können. Der Ballettabend ist empfohlen ab 12 Jahre und dauert gute zwei Stunden (inkl. zwei Pausen). Die Bühnengestaltung lebte von der Präsenz der Tänzer in ihren Kostümen und ihrer Inszenierung im Licht. Für „Polyphonia“ zeichnete Holly Hynes für Kostüme und Mark Stanley für Licht verantwortlich. Bei „One and Others“ stammen die Kostüme von Thomas Lempertz, das Lichtdesign von Claudia Sánchez. Und „Salt Womb” zeigte Kostüme von Sharon Eyal, Gai Behar, Rebecca Hytting und ein Lichtdesign von Alon Cohen.

 

 
Ein kleiner Vorgeschmack:

 

 
Weitere Termine:
Do | 26. Mai 2022 | 18:30 Uhr im Theater Duisburg sowie
Fr | 27. Mai 2022 | 19:30 Uhr im Opernhaus Düsseldorf.

 
Deutsche Oper am Rhein

Christopher Wheeldon „Polyphonia“: Marié Shimada, Orazio Di Bella, Simone Messmer, Nelson López Garlo, Charlotte Kragh, Gustavo Carvalho, Lara Delfino, Rashaen Arts. © Bettina Stöß.

Die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg gGmbH ist eine Theatergemeinschaft der Städte Düsseldorf und Duisburg, die auf eine lange Tradition der Zusammenarbeit zwischen den beiden Großstädten zurückblicken kann. Seit ihrer Gründung 1956 zählt sie zu den bedeutendsten Opernhäusern Deutschlands. Durch ihr hochrangiges Solistenensemble, den Chor sowie die national wie international gefeierte Compagnie Ballett am Rhein hat sie sich zu einer der ersten Adressen für Musiktheater und Tanz in Europa entwickelt. Sie ist in der größten und dichtesten Kulturregion Deutschlands beheimatet. Allein die beiden Städte Düsseldorf und Duisburg zählen zusammen fast 1,1 Millionen Einwohner, aber auch die umliegenden Regionen und eine große Zahl auswärtiger Gäste profitieren vom hochkarätigen künstlerischen Angebot der Deutschen Oper am Rhein.
www.operamrhein.de

 

 

Sharon Eyal „Salt Womb”: Gustavo Carvalho, Miquel Martínez Pedro und Ensemble. © Bettina Stöß.

Tickets kosten für Duisburg zwischen 17,00 und 67,00 Euro und für Düsseldorf 19,00 bis 90,00 Euro. Eintrittskarten gibt es online ebenso wie in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr).

Sharon Eyal „Salt Womb”: Miquel Martínez Pedro und Ensemble. © Bettina Stöß.

Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in das Stück, seine Entstehung und die Aufführung gibt. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

 

 
Die unvermeidlichen Corona-Regeln

Sharon Eyal „Salt Womb”: Ensemble. © Bettina Stöß.

Die Kapazitätsbegrenzungen in den Sälen sind aufgehoben. Im gesamten Haus gilt nach wie vor, voraussichtlich mindestens bis zum 15. Mai 2022, Maskenpflicht. Es wird gebeten, den Mund-Nasen-Schutz auch im Saal während der gesamten Vorstellung zu tragen. Innerhalb der Räumlichkeiten (z. B. Vorstellungskasse, Garderobenbereiche, Foyers, Sanitäranlagen) ist das Tragen einer OP- oder FFP2-Maske Pflicht. Es gelten die üblichen Hygiene- und Abstandsregeln. Aktuelles gibt es hier.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Bettina Stöß

 

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Deutsche Oper am Rhein begeisterte im Theater Duisburg mit Der Kaiser von Atlantis

Widerstand gegen das Unrecht:
Wenn der Tod seine Arbeit verweigert

Von Petra Grünendahl

Emmett O’Hanlon (Overall). © Hans Jörg Michel.

Seit 15 Jahren ist Overall (Emmett O’Hanlon) Kaiser von Atlantis und seit 15 Jahren herrscht Krieg. Der Harlekin (Martin Koch) verhöhnt sich mit seinem Lachen selber, der Tod (Luke Stoker) verzweifelt: Das Lachen, das nicht mehr lachen, und das Sterben, das nicht mehr weinen kann. Der Kaiser hat sich in seinem Palast eingeschlossen, um besser regieren zu können: Er schert sich nicht um das Leid seines Volkes. Als er, begleitet vom Lautsprecher (Thorsten Grümbel) und dem Trommler (Rosarió Chavez), den Krieg jeder gegen jeden ausruft, streikt der Tod: Die Menschen und Soldaten leiden, aber kein Tod erlöst sie. Es kommt zu Aufständen der lebenden Toten gegen den despotischen Herrscher. Der Soldat (Sergej Khomov) erschießt das Mädchen (Anke Krabbe), aber es stirbt nicht. Das Mädchen (in Uniform) hat nie etwas anderes als Krieg erlebt. Mit dem Soldaten entdeckt sie, dass es noch etwas anderes als Krieg gibt. Der Tod bietet Overall an, seinen Streik zu beenden, wenn er ihm folgt: „Ich lasse die Menschen nicht leiden. Ich erlöse sie vom Leid“, so der Tod, der seine Bestimmung wieder gefunden hat. Harlekin und der Tod, zu Beginn verzweifelt und optisch heruntergekommen, erstrahlen mit dem Abgang des ungeliebten Herrschers, haben sie doch ihre Bedeutung wieder erlangt: Den Menschen die volle Bandbreite des Leben mit Liebe, Freude und Sterben wieder zu geben.

 

David Fischer (Harlekin). © Hans Jörg Michel.

In Duisburg feierte Viktor Ullmanns „Der Kaiser von Atlantis“ eine vom Publikum begeistert aufgenommene Premiere. Viktor Ullmann hatte das Spiel in einem Akt und vier Bildern zu einer Dichtung von Peter Kein 1943/44 komponiert, als sie beide im Konzentrationslager Theresienstadt (auch Ghetto Theresienstadt) einsaßen: Die Erlebnisse von Entbehrungen und Terror beeinflussten die Entstehung der Oper, die zwar in Theresienstadt geprobt worden war, aber erst 1975 in Amsterdam uraufgeführt wurde (deutsche Erstaufführung 1985). Ihre Botschaft jedoch, aufzustehen gegen Unrecht und Unterdrückung, trägt bis in unsere Gegenwart. Musikalisch geprägt war Ullmann von unterschiedlichen Stilrichtungen: die Marschmusik seiner Kindheitstage als Sohn eines hochrangigen k.u.k.-Offiziers, die Lehren seiner Mentoren Arnold Schönberg und Alexander von Zemlinsky, die jazzgeprägte Unterhaltungsmusik seiner Zeit und seine Liebe zur formalen Strenge eines Johann Sebastian Bach flossen in die Komposition ein. Die italienische Opernregisseurin Ilaria Lanzino hatte das Stück für ein Corona-Publikum inszeniert (wegen seiner kleinen Besetzung beim Gesang und Orchester, die auf Abstand agieren, und der überschaubaren Dauer): In Düsseldorf feierte das Stück bereits im Oktober 2020 Premiere, war dann im Lockdown bei Operavision zu sehen und erlebte jetzt auch in Duisburg endlich seine Premiere. Und man muss ganz klar sagen: Das Stück hat auch nach den Einschränkungen der Corona-Pandemie seinen Platz im Repertoire mehr als verdient. Das gut einstündige Stück (keine Pause) wird gesungen in deutscher Sprache, Übertitel erleichtern das Verständnis der Handlung. Empfohlen wird die Kurzoper ab 12 Jahren.

 

 
Über den Kampf um die Menschlichkeit

Luke Stoker (Tod). © Hans Jörg Michel.

Das Stück wurde vom Komponisten und vom Dichter ganz bewusst als Parabel angelegt über die Arbeitsverweigerung des Todes, der sich nicht länger zum Handlanger des despotischen Kaiser Overall instrumentalisieren lassen will. Trotz diverser Zensurversuche während der Proben ist das Stück in Theresienstadt nie zur Aufführung gekommen. Seine Botschaft ist aber aktuell wie nie zuvor: Neben seinen musikalischen Qualitäten ein Grund, es viel häufiger auf die Opernbühne zu bringen!

 

Kimberley Boettger-Soller (Trommler), Emmett O’Hanlon (Overall). © Hans Jörg Michel.

In kleiner Besetzung spielten hervorragende Duisburger Philharmoniker unter der Leitung von Christoph Stöcker auf. Für Bühnenbild und Kostüme zeichnet Emine Güner verantwortlich, das Lichtdesign stammt von Thomas Diek. So empfehlenswert auch die Aufzeichnung bei Operavision war, die anerkanntermaßen ihre Stärken hatte, so sehr zeigte aber auch die Aufführung die Qualitäten des Live-Erlebnisses: Die Akustik im Theatersaal brachte die herausragenden Sänger mit ihren anspruchsvollen und herausfordernden Gesangspartien ebenso wie die fantastischen Duisburger Philharmoniker ganz hervorragend zur Geltung. Das kann eine Filmaufzeichnung nicht leisten.

 

 
Ein kleiner Vorgeschmack:

 

 
Weitere Termine im Theater Duisburg:
Sa | 21. Mai 2022 | 19:30 Uhr,
So | 29. Mai 2022 | 15:00 Uhr,
Sa | 4. Juni 2022 | 19:30 Uhr und
Sa | 11Juni 2022 | 1930 Uhr.

 
Deutsche Oper am Rhein

Sergej Khomov (Soldat), Anke Krabbe (Mädchen). © Hans Jörg Michel.

Die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg gGmbH ist eine Theatergemeinschaft der Städte Düsseldorf und Duisburg, die auf eine lange Tradition der Zusammenarbeit zwischen den beiden Großstädten zurückblicken kann. Seit ihrer Gründung 1956 zählt sie zu den bedeutendsten Opernhäusern Deutschlands. Durch ihr hochrangiges Solistenensemble, den Chor sowie die national wie international gefeierte Compagnie Ballett am Rhein hat sie sich zu einer der ersten Adressen für Musiktheater und Tanz in Europa entwickelt. Sie ist in der größten und dichtesten Kulturregion Deutschlands beheimatet. Allein die beiden Städte Düsseldorf und Duisburg zählen zusammen fast 1,1 Millionen Einwohner, aber auch die umliegenden Regionen und eine große Zahl auswärtiger Gäste profitieren vom hochkarätigen künstlerischen Angebot der Deutschen Oper am Rhein.
www.operamrhein.de

 

 

Emmett O’Hanlon (Overall), David Fischer (Harlekin). © Hans Jörg Michel.

Tickets kosten zwischen 14,00 und 56,00 Euro. Eintrittskarten gibt es online ebenso wie in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in das Stück, seine Entstehung und die Aufführung gibt. Zusätzlich gibt es zu den meisten Produktionen einen Audio-Opern- oder Ballettführer in einem Kurzformat unter https://www.operamrhein.de/de_DE/opernfuehrer-audio. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

 

 
Die unvermeidlichen Corona-Regeln

Emmett O’Hanlon (Overall), Luke Stoker (Tod). © Hans Jörg Michel.

Die Kapazitätsbegrenzungen in den Sälen sind aufgehoben. Im gesamten Haus gilt nach wie vor, voraussichtlich mindestens bis zum 15. Mai 2022, Maskenpflicht. Es wird gebeten, den Mund-Nasen-Schutz auch im Saal während der gesamten Vorstellung zu tragen. Innerhalb der Räumlichkeiten (z. B. Vorstellungskasse, Garderobenbereiche, Foyers, Sanitäranlagen) ist das Tragen einer OP- oder FFP2-Maske Pflicht. Es gelten die üblichen Hygiene- und Abstandsregeln. Aktuelles gibt es hier.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Hans Jörg Michel

 

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Lehmbruck Museum in Duisburg zeigt Sculpture 21st: Rineke Dijkstra

Bilder einer Heranwachsenden in ihrer ungekünstelten Natürlichkeit
Von Petra Grünendahl

Rineke Dijkstra: Ruth Drawing Picasso 2009 Video Still-1. Foto: Rineke Dijkstra.

Bei ihrem Besuch der Tate Liverpool studiert Ruth Picassos Gemälde „Weinende Frau”. Das Werk Picassos sowie Ruths Zeichnung bleiben dabei unsichtbar. Visuell isoliert erscheint das Mädchen in seiner Schuluniform im Moment und in ihrer Arbeit versunken. Mit ausgestreckten Beinen auf dem Boden sitzend, konzentriert es sich vollkommen darauf, das berühmte Kunstwerk zu kopieren. Nur das Kratzen des Stiftes auf dem Papier ist zu hören. „Ruth Drawing Picasso” ist ein berührendes filmisches Porträt eines jungen Mädchens. Unverstellt und ungekünstelt entwickeln die Bilder Dijkstras eine stilbildende Kraft und bleiben dem Betrachter im Gedächtnis. Die niederländische Künstlerin Rineke Dijkstra (*1959) beschäftigt sich mit den großen Themen der Menschheit: Mit Geburt und Tod, mit Krieg und Frieden und mit der dem Menschen eigenen Verletzlichkeit. Dijkstra ist mit ihren eindringlichen fotografischen Porträts junger Heranwachsender berühmt geworden.

 
Mit der Präsentation von Rineke Dijkstras Videoarbeit „Ruth Drawing Picasso“ (2009) in der Reihe „Sculpture 21st“ zeigt das Lehmbruck Museum ein ikonisches Motiv der Versunkenheit und Konzentration. Dijkstra führt dem Zuschauer in ihrer charakteristischen intensiven Bildsprache ein junges Mädchen bei Zeichenübungen im Museum vor. Die große Videoleinwand ist in der großen Glashalle auch vom Kantpark aus zu sehen. Die Ausstellung wird gefördert durch die Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West. Die Ausstellung wurde am Donnerstagabend mit geladenen Gästen in Anwesenheit der Künstlerin eröffnet und ist ab Freitag, 13. Mai, für das Publikum zugänglich.

 

 
Rineke Dijkstra und Sculpture 21st

Rineke Dijkstra. Foto: Dana Lixenberg.

Nach ihrem Studium in Amsterdam war Rineke Dijkstra als freie Fotografin für Magazine (Mode, Wirtschaft) tätig. Das selbstdarstellerische Posieren der Porträtierten war nicht ihr Ding: Sie suchte Alternativen im künstlerischen Bereich. Nachdem sie auch Arbeiten in der Reihe „Menschen am Strand“ verworfen hatte, weil die Erwachsenen sehr selbstbewusst und wenig natürlich posierten, fand sie in einer 13-Jährigen ein Motiv, das ihren Vorstellungen von Individualität in Posen, Gesicht und subtilen Gesten entsprach. Ab Mitte der 1990er-Jahre wurde die niederländische Künstlerin mit ihren eindringlichen fotografischen Porträts junger Heranwachsender berühmt. Seit den 1990er-Jahren arbeitet Rineke Dijkstra auch mit dem bewegten Bild der Videokamera. Ihre Bilder wirken ehrlich und unverstellt. Sie zeigen junge Menschen in Lebensabschnitten, die von Veränderungen geprägt sind. Die Unsicherheit über das eigene „Ich“ ist sichtbar und noch kaum hinter eingeübten Posen verborgen. Ungeschönt zeigt Deijkstra junge Mütter direkt nach der Geburt oder junge Männer, die freiwillig in den Krieg ziehen. Großformatige Foto-Serien wie die Aufnahmen von Almerisa, einem jungen Mädchen, das mit ihren Eltern vor dem Bosnien-Krieg in den Westen geflüchtet ist, sind heute Teil der Sammlung des Museum of Modern Art. Sie haben dazu beigetragen, die Gattung der Fotografie als eine ebenbürtige Form neben den anderen künstlerischen Gattungen zu etablieren. Rineke Dijkstra lebt und arbeitet in Amsterdam.

 
Unter dem Titel „Sculpture 21st” präsentiert das Lehmbruck Museum seit 2014 wechselnde Positionen zur Skulptur des 21. Jahrhunderts. Einige der wichtigsten Bildhauer der Gegenwart, unter ihnen Tino Sehgal (2014), Antony Gormley (2014), Eija-Liisa Ahtila (2015), Xu Bing (2018) und Julian Opie (2019), präsentieren in der ikonischen Glashalle des Museums ihre Werke und unternehmen damit eine Positionsbestimmung zur Skulptur des 21. Jahrhunderts. Sie alle stellen auf sehr unterschiedliche Weise grundlegende Fragen an das Museum, die Kunst und ihr Verhältnis zur Gesellschaft.

 
Einen kleinen Eindruck vermittelt ein Video von 2009/2010. Quelle: 45Kirederf / YouTube.

 

 
Das Lehmbruck Museum

Das Lehmbruck Museum im Kantpark. Foto: Petra Grünendahl.

Das mitten in Duisburg im Kantpark gelegene Lehmbruck Museum ist ein Museum für Skulptur. Seine Sammlung moderner Plastiken von Künstlern wie Alberto Giacometti, Pablo Picasso, Hans Arp und natürlich Wilhelm Lehmbruck ist europaweit einzigartig. Beheimatet ist das Museum in einem eindrucksvollen Museumsbau inmitten eines Skulpturenparks, der zum Schlendern und Entdecken einlädt.

 
Namensgeber des Hauses ist der Bildhauer Wilhelm Lehmbruck, der 1881 in Meiderich, heute ein Stadtteil von Duisburg, geboren wurde. Lehmbruck ist einer der bedeutendsten Bildhauer der Klassischen Moderne. Er hat mit seinem Werk maßgeblichen Einfluss auf nachfolgende Künstlergenerationen und ist auch nach seinem frühen Freitod im Jahr 1919 bis heute einflussreich geblieben.

 

 
Öffnungszeiten und Eintrittspreise
Rineke Dijkstras Videoarbeit zeigt das Lehmbruck Museum im Rahmen von Sculpture 21st bis zum 28. August. Eine Sonderausstellung der Lehmbruck-Preisträger von 2020 ist unter anderem in den Wechselausstellungsräumen im Anbau zu sehen bis zum 14. August 2022. Geöffnet ist das Lehmbruck Museum dienstags bis freitags ab 12 Uhr, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags an Terminen der plastikBAR (erster Donnerstag im Monat ab 17.30 Uhr) bis 20 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro (ermäßigt* 5 Euro), eine Jahreskarte 35 Euro (ermäßigt* 20 Euro). Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Blinden- und Demenzbegleitung haben kostenlos Eintritt. Schulklassen und Kindergärten zahlen pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte (2 Erwachsene plus Kinder bis 14 Jahre) gibt es für 15 Euro. Jeden ersten Freitag im Monat gilt: „Pay what you want“. Ausgenommen davon sind angemeldete Gruppen.

Zu seinen Sonderausstellungen bietet das Lehmbruck Museum verschiedene Veranstaltungen als Rahmenprogramm an. Zu den Highlights zählt hier mit Sicherheit das Künstlergespräch am Sonntag, 27. März, um 14 Uhr, sowie die Kuratorinnenführungen am Sonntag, 1. Mai, mit Ronja Friedrich sowie am Sonntag, 12. Juni, mit Dr. Söke Dinkla. Öffentliche Führungen durch das Museum gibt es jeden Sonntag um 11.30 Uhr. Für Informationen steht die Kunstvermittlung des Lehmbruck Museums unter Telefon 0203 / 283-2195 oder eMail kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de zur Verfügung (Zu Preisen und Buchungen für Führungen geht es hier). Tickets für Führungen und Veranstaltungen können vorab im Ticket-Shop des Museums gebucht werden.

Aktuelle Informationen zu Corona-Schutzmaßnahmen gibt es hier .

 
(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70%), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen mit Sozialhilfebezug.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Rineke Dijkstra (1), Dana Lixenberg (1), Petra Grünendahl (1)

 
 

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Ludwiggalerie Schloss Oberhausen zeigt Fotografien von Linda McCartney

Die Fotografin unter Musikern entführt zu den Jugend-Idolen der späten Sechziger
Von Petra Grünendahl

The Rolling Stones, New York, 1966 © Paul McCartney/Fotografin Linda McCartney/Courtesy Sammlung Reichelt und Brockmann.

Ihre Fotos begeistern insbesondere durch ihre Nähe zu den Stars, die die Idole so manch einer Jugend waren. Als die Amerikanerin Linda Eastman (1941–1998) Mitte der 1960er Jahre zu fotografieren beginnt, gerät sie unmittelbar in die Szene von Rock und Pop. Eine Presseeinladung öffnet ihr die Türen zu der Promotion-Party der Rolling Stones. Hier beginnt ihre ungewöhnliche Karriere: „Es waren die Zeiten, als Jimi Hendrix aus heiterem Himmel in mein Apartment geschneit kam und ich mit Jim Morrison in Chinatown zum Essen ging.

The Beatles, London, 1967 © Paul McCartney/Fotografin Linda McCartney/Courtesy Sammlung Reichelt und Brockmann.

Einmal kaufte ich mit Janis Joplin Erdnussbutter für ein mitternächtliches Festmahl, ein andermal kurvte ich mit Jackson Browne mit der U-Bahn durch die Stadt.“ Bereits etabliert als Fotografin in der Musikszene trifft sie die Beatles und damit ihren späteren Ehemann Paul, mit dem sie von 1969 bis zu ihrem Tod verheiratet war. Sie beobachtet und dokumentiert die Entstehung des berühmten Covers zu Abbey Road aus dem Jahr 1969 und gibt mit ihren Fotos intimen Einblick in das Familienleben der McCartneys.

 

Linda McCartney: Das Plakat zur Ausstellung. Quelle: Ludwiggalerie.

Kaum war zu Beginn des Jahres 2020 die Ausstellung „Fotografin unter Musikern: Linda McCartney – The Sixties and more” eröffnet, musste sie – nach dem Ausbruch von Corona – auch schon wieder schließen. Die bis dahin tolle Resonanz und unzählige Nachfragen nach einer Wiederauflage haben die Ludwiggalerie dazu bewogen, diese internationale und weibliche Position im Bereich der Fotografie, inklusive eines breiten Rahmenprogramms, erneut zu zeigen. Die Ausstellung wurde erarbeitet mit der Stiftung „Reichelt und Brockmann Art Foundation“ Mannheim. Die Schau wird am Samstag, 14. Mai offiziell eröffnet. Einen Einblick gibt der Flyer zur Ausstellung.

 

 
Die Sechziger in Bildern eingefangen

Roadworks: My Love, London, 1978 © Paul McCartney/Fotografin Linda McCartney/Courtesy Sammlung Reichelt und Brockmann.

Vor allem ihre Bilder der großen Musikstars der späten 1960er Jahre prägen bis heute das Bild dieser sich von moralischer Etikette befreienden Zeit. Janis Joplin und Jimi Hendrix, Nico und Brian Jones, The Doors und The Who, Aretha Franklin und Bob Dylan werden von ihr in selbstverständlicher Natürlichkeit und häufig auch mit großer Dynamik ins Bild gesetzt. Die Ausstellung zeigt mit den Fotos aus den Sixties eindringliche Momente dieser intensiven musikalischen Ära. Auch auf all ihren Reisen hat Linda McCartney die Kamera mit dabei gehabt. Ihre Roadworks zeigen ausdrucksvoll die Beobachtungen von Menschen und Räumen. Immer wieder ist es der Blick in den Rückspiegel, der fasziniert hat. Und schließlich ist McCartney auch im experimentellen Bereich kreativ geworden. Ihre Sunprints zeigen durch das Tageslicht, durch die Sonne, belichtete Bilder, die vom Stillleben bis zum Porträt reichen.

 

Aretha Franklin, für Mademoiselle, Los Angeles, 1968 © Paul McCartney/Fotografin Linda McCartney/Courtesy Sammlung Reichelt und Brockmann.

Zusätzlich zu den Fotografien wird dem Thema der Musik und dessen bildkünstlerischer Ausformung intensiv nachgegangen. Die Gestaltung von Plattencovern, die sich ab der Mitte der 1960er Jahre ebenfalls grundlegend verändert, wird in einem eigenen Ausstellungsbereich vorgestellt. Ikonische Designs wie Hipgnosis‘ The Dark Side of the Moon für Pink Floyd, Klaus Voormanns Revolver für die Beatles oder Andy Warhols Sticky Fingers für die Rolling Stones haben heute Kultstatus. Ein eigens für die Ausstellung zusammengestellter Soundwalk ermöglicht den Besuchern auch musikalisch in die Zeit der Sechzigerjahre einzutauchen.

 
Zur Ausstellung „Fotografin unter Musikern: Linda McCartney – The Sixties and More“ ist ein Booklet mit einem Text von Dr. Christine Vogt mit 16 Seiten (2. Auflage) für 5,00 Euro erhältlich (ISBN 978-3-932236-47-1).

 

 
Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen

Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Die Sonderausstellung im Großen Schloss läuft bis zum 11. September 2022. Das Museum ist geöffnet von Dienstag bis Sonntag zwischen 11 und 18 Uhr. Montags ist Ruhetag, feiertags sowie Oster- und Pfingstmontag ist jedoch geöffnet. Geschlossen ist am 24., 25. und 31. Dezember sowie 1. Januar. Der Eintritt kostet 8,00 Euro (ermäßigt 4,00 Euro, Familien mit zwei Erwachsenen plus Kindern 12,00 Euro). Außerdem gibt es ein Kombiticket mit dem Gasometer Oberhausen für 14,00 Euro.

 

Janis Joplin im Fillmore East mit “Ball and Chain”, New York, 1967 © Paul McCartney/Fotografin Linda McCartney/Courtesy Sammlung Reichelt und Brockmann.

Öffentliche Führungen finden im Großen Schloss sonn- und feiertags um 11.30 Uhr statt. Zudem gibt es Kuratorinnenführungen (mit der Direktorin Dr. Christine Vogt):

  • Sonntag, 15.05.2022, 14 Uhr (um 15 Uhr führt sie durch die Manfred-Vollmer-Ausstellung im Kleinen Schloss),
  • Sonntag, 26.06.2022, 15 Uhr,
  • Sonntag,31.07.2022, 15 Uhr,
  • Sonntag, 21.08.2022, 15 Uhr,
  • Sonntag, 11.09.2022, 15 Uhr.

Alle Führungen sind im Museumseintritt inklusive. Details zum Rahmenprogramm zu den Ausstellungen sowie zum museumspädagogischen Angebot gibt es hier. Tagesaktuelle Informationen zu den Corona-Regeln auf gibt es auf der Website.

 

Das Kleine Schloss der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Nur noch bis Sonntag, 15. Mai 2022 zeigt die Ludwiggalerie in im Kleinen Schloss Fotografien von Manfred Vollmer: „ausgelöst – Fotografien von 1968 bis heute“. Hier unser Bericht … Ab dem 22. Mai zeigt die Ludwiggalerie im Kleinen Schloss bis zum 3. Juli 2022 die Ausstellung „Welche Farbe hat …? – 55 Jahre Städtische Malschule Oberhausen“ und anschließend vom 10. Juli bis zum 16. Oktober 2022 „PARALLEL – Der Kunstverein zu Gast in der Ludwiggalerie“ mit den Künstlern Jan Kolata und Paul Schwer.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Linda McCartney / Sammlung Reichelt und Brockmann (6), Petra Grünendahl (2)

 
 

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GMGV in Moers zeigt Gemälde von Axel Kasseböhmer auf Rheinpreußen Schacht IV

Ausstellung bergmännischen Lebens
neu konzipiert und erweitert

Von Petra Grünendahl

Von links: Peter Boschheidgen, André Thissen und Theo Wilbers. Foto: Petra Grünendahl.

„Unsere Lampenmeisterin putzt noch die letzten Lampen, da wir hier auf den letzten Drücker fertig werden“, erklärte André Thissen, Leiter des Arbeitskreises Schacht IV, der sich mit ehrenamtlichen Helfern um das Industriedenkmal und die Bergbausammlung des Vereins kümmert. Aus dem Nachlass des in München lebenden Künstlers Axel Kasseböhmer hat der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein (GMGV) dessen Sammlung von Bergbau-Utensilien als Schenkung bekommen. Während der zwei Jahre Corona-Pause haben ehemalige Moerser Bergleute und Helfer Tausende von Arbeitsstunden investiert, um diese und andere Ausstellungsstücke zu restaurieren und das Museum für eine Neupräsentation umzubauen. Lampenmeisterin Anja Thissen hat die Wetterlampen aufgearbeitet und poliert, die elektrischen Lampen gereinigt und aus den Akkus die Lauge entfernt, damit diese gut gepflegt in den neuen Vitrinenschränken präsentiert werden können. Zumindest teilweise: „Wir haben rund 300 Lampen bekommen, davon gut die Hälfte elektrisch“, so André Thissen. „Knapp 80 Lampen können wir hier zeigen. Das heißt, wir werden die Ausstellung auch mal umbauen.“

 

Von links: Dieter Soyke, Alberto Dominguez, Joachim Bürger, Heinz Bernard, Theo Wilbers, Peter Boschheidgen und André Thissen. Foto: Petra Grünendahl.

Zur Saisoneröffnung am Sonntag, 15. Mai, um 11 Uhr auf Rheinpreußen Schacht IV in Moers startet der GMGV mit einer Doppel-Premiere, die der GMGV-Vorsitzende Peter Boschheiden zusammen mit André Thissen und ehrenamtlichen Helfern vorstellte. Zum einen startet das Bergbaumuseum im Fördermaschinenhaus mit einem völlig neuen Konzept und vielen neuen Ausstellungstücken. Zum Zweiten zeigt der GMGV erstmals in Moers eine Ausstellung mit Gemälden von Axel Kasseböhmer (1952–2017). Die Bilder werden dem GMGV für diese Saison (die Arbeiten sind bis Oktober zu sehen) von dessen Berliner Galerie Sprüth Magers als Leihgaben zur Verfügung gestellt. Seine Gemälde in unterschiedlichen Formaten sind an den Wänden im Maschinenraum ausgestellt, wo sonst die historische Architektur, Fördermaschine und Umformer die Stars sind. Am Vorabend der Ausstellungseröffnung soll es von 21 bis 23 Uhr einen Night-Preview geben, bei dem die Schaustücke und Gemälde in der Maschinenhalle nur im Schein der Lichtinstallationen zu sehen sind, die André Thissen mit seinen Kollegen an den Maschinen angebracht hat und die sonst nie wirklich (auch nicht zur Extraschicht) zur Geltung kommt. Zur Eröffnung am Sonntag ist Schacht IV bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist ebenso wie die Führungen durch das Museum kostenlos. „Wir als ehemalige Bergleute wollen Besuchern das Leben im Bergbau nahe bringen“, so André Thissen.

 

 
Axel Kasseböhmer und seine Bergbau-Leidenschaft

Axel Kasseböhmer im Maschinenraum. Foto: Petra Grünendahl.

Als Sohn eines Bergmanns wurde Axel Kasseböhmer 1952 in Herne geboren. Aufgewachsen ist er in Neukirchen-Vluyn, wo sein Vater auf der Zeche Niederberg (Niederrheinische Bergwerksgesellschaft) beschäftigt war. An der Düsseldorfer Kunstakademie studierte er bei Joseph Beuys und Gerhard Richter. Kassebaum lebte und arbeitete schließlich in München, wo er seit 2001 eine Professur an der Akademie der Bildenden Künste inne hatte und 2017 nach langer Krankheit verstarb. Als Künstler positionierte sich Axel Kasseböhmer zeitlebens abseits von malerischen Moden und Strömungen und hinterlässt ein umfangreiches Werk, das sich durch einen radikalen, konzeptuellen Ansatz zum Malen auszeichnet. Er war zudem ein begeisterter Sammler von Bergbau-Utensilien.

 

Wetterlampen ab 1816 (unten links). Foto: Petra Grünendahl.

Die Schwester und Alleinerbin Anne Frank wollte diese Sammlung einem Bergbaumuseum geben: Weil die Familie ihre Wurzeln im Ruhrgebiet hat, konnten sich die Moerser durch Vermittlung von Dieter Krämer aus Kamp-Lintfort den Schatz sichern. André Thissen, der als Arbeitskreisleiter dem erweiterten Vorstand des GMGV angehört, hatte gleich begeistert zugesagt, musste aber den geschäftsführenden Vorstand von der Idee erst noch überzeugen. Als die Sammlung 2018 nach Moers kam, war sie zunächst Leihgabe gedacht, allerdings konnten die Ehrenamtlichen die Nachlassverwalterin überzeugen, ihnen die Sammlung (die Stücke sind in der Ausstellung mit einem blauen Punkt gekennzeichnet) zu schenken, was dem Museum die nötige Sicherheit gab. Denn: Auch wenn die Sammlung eine Schenkung war, mussten doch – neben sehr viel ehrenamtlicher Arbeit – auch fast 20.000 Euro investiert werden, um diese mit vielen Stücken aus der eigenen Sammlung in einem Bergbaumuseum angemessen präsentieren zu können.

 

 
 
Bergbaumuseum zeigt einen Querschnitt bergmännischen Lebens

Lampenstube in der Kaue. Foto: Petra Grünendahl.

Fördergelder deckten gerade mal 10 Prozent der nötigen Investitionen, z. B. in Vitrinenschränke und Umbauten zur Präsentation von alten und neuen Ausstellungstücken. In einem hinteren Raum auf der Fördermaschinenebene, der heute auch als Büro oder Konferenzraum genutzt wird, haben die Ehrenamtlichen des Arbeitskreises Schacht IV gute neun Meter Vitrinenschränke aufgebaut und so bestückt, dass Besucher die Entwicklung der Wetterlampen ab 1816 (zunächst Öllampen, später Benzin-Sicherheitslampen) und der elektrischen Bergbaulampen nachvollziehen können. Die Vitrinen sind Maßanfertigungen für die Ausstellung, die André Thissen geplant hatte: „Die Entwürfe sind genau so umgesetzt worden, wie er uns seine Planung auf dem PC gezeigt hatte“, erzählte Peter Boschheidgen. Neben den Lampen geben weitere Exponate rund um den Bergbau Einblicke in die Geschichte der Schachtanlagen vor Ort (Zeche Rheinpreußen mit insgesamt neun Schächten in Moers und Duisburg). Weitere Ausstellungsräume befinden sich im Untergeschoss, wo auch bislang schon Schaustücke rund um den Bergbau in der Region aus der umfassenden Sammlung des GMGV präsentiert worden waren.

 

Frühe Sauerstoffgeräte der Grubenwehr. Foto: Petra Grünendahl.

Dazu zählt neben der Neuaufstellung des Grubenwehrraumes mit einer besseren Präsentation und zusätzlichen Informationen auch die neue Kaue (in der Ausstellung kombiniert mit der Lampenstube). Auch haben die Helfer und Vereinsmitglieder durchaus vorhandene Lücken in der umfangreichen Sammlung von Kasseböhmer mit eigenen Schaustücken (als Leihgaben) ergänzt. Das Bergbaumuseum mit viel Lokalkolorit (fast alles war auf der Zeche Rheinpreußen im Einsatz) ist ein Schmuckstück geworden, welches einen Besuch lohnt!

 

 
Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e.V.

Fördermaschinenhaus am Schacht IV der Zeche Rheinpreußen in Moers-Hochstraß. Foto: Petra Grünendahl.

Der Museums- und Geschichtsverein in Moers möchte die Geschichte und Kultur der Grafschaft Moers schützen und erhalten – und das seit 1904. In diesem Jahr gründete Dr. Hermann Boschheidgen den „Verein für Heimatkunde“. Seitdem werden vom Verein, der heute „Grafschafter Museums- und Geschichtsverein“ heißt, Gegenstände aus dem Alltag und dem Leben der Moerser Bevölkerung zusammengetragen und im Moerser Schloss ausgestellt. Dadurch soll gemeinsam mit der Stadt Moers interessierten Bürgern die Geschichte der Grafschaft und des Altkreises Moers nahe gebracht werden. Den kulturellen und historischen Wert des Schlossparks stärker bewusst zu machen und zu erhalten ist ebenfalls ein Ziel der Arbeit des GMGV. Der heutige Vorsitzende, Peter Boschheidgen, ist ein Enkel des Vereinsgründers.

André Thissen in der Kaue. Foto: Petra Grünendahl.

Als weiterer Schwerpunkt der Vereinstätigkeit kam später die Geschichte des Bergbaus mit dem Nutzungsrecht für das „Industriedenkmal Rheinpreußen Schacht IV“ hinzu, mit der Verpflichtung, das Maschinenhaus von 1906 zu erhalten. Der Bergwerks-Standort war 1962 stillgelegt worden. Unter dem langjährigen Vereinsvorsitzenden Andreas Eichholtz übernahm der GMGV Ende der 1990er-Jahre als Bauherr mit finanzieller Unterstützung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, des Landes NRW und der Nordrhein-Westfalen-Stiftung die Renovierung. Das Denkmal und die restaurierte Technik kann im alten Maschinenhaus besichtigt werden. Ehemalige Bergleute erklären die Fördertechnik und führen durch die Sammlung. Geöffnet ist Bergbaumuseum von Mai bis Oktober jeden Sonntag von 13 bis 16 Uhr. Gruppenführungen sind außerhalb der Öffnungszeiten nach Vereinbarung möglich. Kontakt unter Telefon 02841 / 889108 (mittwochs 9 bis 12 Uhr) oder per Mail an schacht4(at)gmgv-moers.de.
www.gmgv-moers.de

Impressionen aus der Ausstellung auf Zeche Rheinpreußen Schacht IV. Fotos: Petra Grünendahl

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© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl