Theater am Marientor (TaM) in Duisburg: Wolfgang DeMarco will mit neuem Konzept durchstarten

Nach der Modernisierung startet Vorstellungsbetrieb Anfang 2022
Von Petra Grünendahl

Wolfgang DeMarco ist Theaterdirektor und künstlerischer Leiter im Theater am Marientor (TaM). Foto: Petra Grünendahl.

„Das Publikum schreit nach Theater“, erklärte Wolfgang DeMarco, Theaterdirektor und Produzent am „neuen“ Theater am Marientor (TaM). Und das will ihnen der Duisburger mit österreichischen Wurzeln ab dem kommenden Jahr wieder bieten. Musicaltheater auf der großen Bühne und in einem der schönsten Theatersäle, den Deutschland zu bieten habe, schwärmt er. Hier habe 1996 die Erfolgsgeschichte von „Les Miserables“ auf dem europäischen Markt seinen Anfang genommen – und daran wolle man anknüpfen: „Wir wollen diesem Haus das Vertrauen der Zuschauer und den Glanz der großen Tage zurückgeben.“ Im TaM solle aber nicht nur die Theaterbühne bespielt werden: „Wir wollen das Foyer künftig multifunktional nutzen“, so DeMarco. Es biete sich mit seiner architektonischen Auslegung einfach dafür an: „Kleinkunst, Kabarett, Dinnertheater und vieles mehr, im kleineren Rahmen für bis zu ca. 350 Zuschauer mit einer flexiblen Bühne.“ Karnevalssitzungen, Vernissagen, Partys und kleinere Messen würden das gesamte Foyer nutzen können, Hochzeiten und Kongresse eventuell in Kombination mit Saal und Bühne.

 

Das Theater am Marientor (TaM). Foto: Petra Grünendahl.

Die Pläne des neuen TaM-Eigentümers stellte Wolfgang DeMarco im Pressegespräch auf der Theaterbühne vor. Während im Hintergrund aufwändige Modernisierungsarbeiten laufen, schildert DeMarco, mit welchem Ziel die TaM Theater GmbH mit ihrem Geschäftsführer Marc Schäfer hier am Standort investiert. Gegenüber des TaM ist an der Steinschen Gasse mit dem Twins Hotel ein weiteres Projekt des Duisburger Immobilien-Unternehmers entstanden. Mit den neuen Eigentümern stehe das TaM auf einer soliden wirtschaftlichen Basis, betonte DeMarco. Mit Investitionen von mehreren Hunderttausend Euro wird das in die Jahre gekommene Musicaltheater revitalisiert: Klimatechnik, Elektrik, Bühne und Theatersaal, aber vor allem auch das Foyer. Hier will man zusätzlich Raum und Ambiente für Veranstaltungen schaffen. „Alle Beteiligten arbeiten mit Herzblut an einer tollen Zukunft für das Haus“, lobte DeMarco seine Mitstreiter.

 

 
Neubeginn 2022 mit ersten Buchungen

Der Theatersaal im Theater am Marientor (TaM). Foto: Petra Grünendahl.

Die Vermarktung des Musicaltheaters soll nach intensiven Beratungen nun doch als „Theater am Marientor“ laufen (statt des zwischenzeitlich avisierten „TaM Theater Duisburg“). Zwei Buchungen konnte DeMarco für Anfang 2022 schon vermelden: das Musical „Das Phantom der Oper“ in der Version von Arndt Gerber & Paul Wilhelm (19. Januar) und die spektakuläre Tanzshow „Night of the Dance“ (19. Februar). Zudem findet im TaM das Finale der Duisburger TANZtage am 2. und 3. April 2022 statt. Zu einem avisierten Event Ende April wollte DeMarco noch keine Dettails nennen. Neben der Vermietung und Kooperationen setzt DeMarco längerfristig auch auf eigene Produktionen: „Wallace“ ist bühnenfertig choreografiert und könnte, sobald die wirtschaftliche Betriebsgrundlage da ist, für eine Uraufführung mit einem neuen Cast einstudiert werden. Ein Projekt, welches der Theaterdirektor aber frühestens 2023 in Angriff nehmen will, wenn Schritt für Schritt andere Projekte laufen. Die Eigentümer investieren aktuell viel Geld: Mittel- bis langfristig soll der Theaterbetrieb natürlich auch Geld einspielen. Der Weg ist steinig, will doch mit der Herstellung des alten Glanzes und dem neuen Konzept auch das Publikum zurück erobert werden. Wolfgang DeMarco ist zuversichtlich, mahnt aber zu Geduld. In einem Einzugsbereich von rund 8 Mio. Menschen sieht er für das Duisburger Musicaltheater realistische Chancen.

 
© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Büchertipp „Abenteuer & Oasen“ im Klartext Verlag: Einmalige Erlebnisse und magische Orte in Duisburg

Anregungen für spannende Touren in unserer Stadt
Von Petra Grünendahl

Blick ins Buch „Abenteuer & Oasen“ im Klartext Verlag: Einmalige Erlebnisse und magische Orte in Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Viele Menschen sind in Corona-Zeiten lieber draußen unterwegs. Mit Ausnahme von Museen, die Teil verschiedener Streifzüge sind, ist man dies in „Abenteuer & Oasen“ auch. Auf den beschriebenen Touren in Duisburg wandeln Erlebnishungrige auf Schimanskis Spuren, von Rheinufer zu Rheinufer im Duisburger Norden oder durch den größten Binnenhafen Europas, durch den Stadtwald oder die Rheinauen, durchs Dorf Friemersheim oder beim Aufstieg auf den Magic Mountain (auch Heinrich-Hildebrand-Höhe) zu Tiger & Turtle. Natürlich dürfen auch absolute Publikumsmagnete wie der Zoo Duisburg oder der Landschaftspark Nord mit ihrer Vielfalt an Erlebnispunkten nicht fehlen. Interessante Orte hat Stefanie Bisping geografisch und thematisch zu Touren verbunden, die als Freizeitaktivitäten überschaubar sind.

 

Blick ins Buch „Abenteuer & Oasen“ im Klartext Verlag: Einmalige Erlebnisse und magische Orte in Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

„Abenteuer & Oasen“ findet die Autorin Stefanie Bisping, ohne in die Ferne zu schweifen: Zu „einmaligen Erlebnissen und magischen Orten in Duisburg“ – so der Untertitel – nimmt sie ihre Leser mit. Auf zwölf Streifzügen, die sie auf jeweils 8 bis 14 Seiten sehr detail- und faktenreich beschreibt, führt sie durch unsere Stadt und zu Menschen, die etwas über die einzelnen Orte erzählen können. Jeder Streifzug kommt mit Anfahrtsbeschreibung und Parkmöglichkeit, ggf. auch der ÖPNV-Anbindung und stichwortartig den Besonderheiten der Tour. Ausführlicher geht sie auf einzelne Ziele des Streifzugs ein, die sie in überschaubaren Häppchen mit stimmungsvollen Anregungen serviert. Gastronomietipps runden die Beschreibungen ab.

 

Blick ins Buch „Abenteuer & Oasen“ im Klartext Verlag: Einmalige Erlebnisse und magische Orte in Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Begleitet sind die Texte von schönen und sehr stimmungsvollen Fotografien, die überwiegend vom Essener Fotografen Jochen Tack stammen. Für Duisburger sind das eher selten „Geheimtipps“, wenn man sich ein wenig im Stadtgebiet auskennt, aber gute Anregungen für Unternehmungen an freien Tagen. Und für Nicht-Duisburger, egal, ob sie erste Schritte in unserer Stadt unternehmen wollen oder schon mal hier waren und lohnenswerte Ziele suchen, ein guter Leitfaden für den Anfang. Bisping kann zudem mit vielem überraschen, was Fremde nicht unbedingt mit Duisburg verbinden würden.

 

 

Blick ins Buch „Abenteuer & Oasen“ im Klartext Verlag: Einmalige Erlebnisse und magische Orte in Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Trotz aller guten Recherchen unterlaufen der Autorin allerdings einige Fehler: Homburg und die Zinnhütte fassen wir da mal unter Tippfehler. Aber wie so viele andere tappt auch Bisling in die Falle, wenn sie den Landschaftspark Nord als „Stahlstandort“ bezeichnet. Dort war ein Hüttenwerk, in dem Roheisen gewonnen wurde, welches zur Weiterverarbeitung in die Thyssen-Stahlwerke in Bruckhausen und Mülheim geliefert wurde (siehe: Zugänge zum Eisen). Faktisch nicht korrekt ist auch, dass die Firma Krupp an ihren Kiesbaggerseen im damaligen Wedau Schlacke verfüllt habe: Die hätte man mit viel Aufwand aus dem Stahlwerk Rheinhausen von der anderen Rheinseite herschaffen müssen.

Blick ins Buch „Abenteuer & Oasen“ im Klartext Verlag: Einmalige Erlebnisse und magische Orte in Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Und überhaupt: Schlacke ist ein wertvoller Rohstoff, der wird nicht einfach weggekippt! Als Friedrich Alfred Krupp das Gelände für die Auskiesung kaufte, wollte er sein Stahlwerk am rechten Rheinufer bauen, aber die Wanheimerorter Bauern verkauften ihr Land nicht. Erfolgreicher war der Industrielle vis-à-vis in Friemersheim, wo er dann das Hüttenwerk Rheinhausen errichtete. So gab Krupp 1919 erste Areale seiner Besitzung im heutigen Neudorf-Süd an die Stadt Duisburg, die dort einen Sportpark baute. 2015 übertrug thyssenkrupp Steel der Stadt die letzten Geländeflächen am Barbarasee.

 
Die Autorin und das Buch

Blick ins Buch „Abenteuer & Oasen“ im Klartext Verlag: Einmalige Erlebnisse und magische Orte in Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Stefanie Bisping schreibt als Reisejournalistin für Tageszeitungen und Magazine und hat zahlreiche Reiseführer und Reise-Bücher über viele unterschiedliche Ecken der Welt veröffentlicht. Sie war 2018 und 2019 unter den Top Ten der „Reisejournalisten des Jahres“ und hat es 2020 auf Platz eins des Rankings geschafft. Geboren und aufgewachsen in Münster lebt sie heute am mittleren Niederrhein.

 

Blick ins Buch „Abenteuer & Oasen“ im Klartext Verlag: Einmalige Erlebnisse und magische Orte in Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Das Buch „Abenteuer & Oasen. Einmalige Erlebnisse und magische Orte in Duisburg“ von Stefanie Bisping ist in der Reihe „Schönes NRW“ im Essener Klartext Verlag erschienen. Das 144-seitige Taschenbuch aus der Reihe „Schönes NRW“ mit zahlreichen Fotografien ist für 16,95 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-8375-2404-8).

 

 
Der Verlag

Blick ins Buch „Abenteuer & Oasen“ im Klartext Verlag: Einmalige Erlebnisse und magische Orte in Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Der Klartext Verlag wurde 1983 gegründet, seit 2007 ist er Teil der Funke Mediengruppe. Seine Heimat liegt im Ruhrgebiet, wo auch der überwiegende Teil seiner Publikationen angesiedelt ist: Freizeitführer, Sachbücher, Kalender und Bildbände. Mit der „Von oben“-Reihe kann man Städte nicht nur im Ruhrgebiet, sondern in ganz Deutschland aus der Vogelperspektive bewundern. Und mit der Reihe „Irrtümer und Wahrheiten“ (bei ihrem Start im Verlagsprogramm hieß die Serie noch „Klugscheißer“) lernt der Leser Neues zu verschiedenen Orten, Themen und Fußballvereinen – unterhaltsam und fundiert, denn, so der Verlag: „wir machen Bücher mit Qualität und gerne auch mal einem Augenzwinkern.“
www.klartext-verlag.de

Der Blick ins Buch. Fotos: Petra Grünendahl

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© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl, Layout: Klartext Verlag

 
 

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Deutsche Oper am Rhein: Mieczysław Weinbergs „Masel Tov! Wir gratulieren!“ begeisterte im Theater Duisburg

Auch arme Schlucker haben ein Recht auf Glück
Von Petra Grünendahl

Norbert Ernst. Foto: Sandra Then.

Im Haus einer jüdischen Dame in Odessa 1899 soll die Verlobung der Tochter groß gefeiert werden. In der Küche ist die Köchin Bejlja (Kimberley Boettger-Soller) eifrig dabei, für das Festmal für die erwarteten Gäste vorzubereiten. Da schaut – wie so oft – der fliegende Buchhändler Reb Alter (Norbert Ernst) in ihrer Küche vorbei. Während die jung verwitwete Bejlja ihr Licht eher untern den Scheffel stellt und gar nicht merkt, die der Buchhändler sie umgarnt, schwebt Dienstmädchen Fradl (Lavinia Dames) eher in höheren Sphären und will unbedingt eine Arzt heiraten.

Norbert Ernst, Kimberley Boettger-Soller. Foto: Sandra Then.

Zunächst ist ihr Chaim (Roman Hoza), Diener in der Nachbarschaft, nicht gut genug. Mit derben Wortgefechten, Charme und viel Zuspruch zum Wein (und Wodka) umwerben die Männer ihre Angebeteten. Dass sie nicht jünger und nicht schöner werde, stichelt Chaim, der Fradl mit seiner aufrichtigen Zuneigung schließlich ebenso für sich gewinnt wie der Buchhändler die Köchin. Madame (Sylvia Hamvasi) ist das ganze Stück über nur mit Beschimpfungen ihrer Dienstboten aus dem Hintergrund zu hören. Erst in der Schlussszene hat sie am festlich gedeckten Tisch ihren Auftritt, den sie allerdings nicht überlebt, als sich die Dienerschaft gegen sie und ihre Herablassung auflehnt. Das Glück ist schließlich nicht nur den Reichen vorbehalten!

 

Kimberley Boettger-Soller, Lavinia Dames. Foto: Sandra Then.

In seiner Oper „Masel Tov! Wir gratulieren!“ vereinigt der jüdisch-polnische Komponist Mieczysław Weinberg (1918/19–1996) heitere mit tragikomischen Elementen. Musikalisch bedient sich Weinberg, der als Sohn eines Geigers schon früh geprägt wurde, aus der jüdischen Tradition der Klezmermelodien ebenso wie aus der jiddischen Intonation von Walzer oder Polka mit wilden Rhythmen und Tempowechseln. Das Libretto stammt vom Komponisten nach dem gleichnamigen Theaterstück von Scholem Alejchem, dessen Geschichte tiefsinnigen jüdischen Humor von Feinsten liefert. Die Oper in zwei Akten stammt von 1975, wurde aber erst 1983 in Moskau uraufgeführt. Die Uraufführung einer deutschen Adaption von Ulrike Patow fand in einer Orchesterfassung von Henry Koch erst 2012 statt. Die knapp anderthalbstündige Oper (ohne Pause) ist empfohlen für Zuschauer ab 12 Jahre. Gesungen wird in deutscher Sprache. Übertitel erleichtern das Verständnis der Handlung.

 

 
Anspruchsvolle Komposition auch für Opern-Anfänger geeignet

Kimberley Boettger-Soller, Jorge Espino, Lavinia Dames, Norbert Ernst. Foto: Sandra Then.

„Die Corona-Einschränkungen der vergangenen Spielzeit haben uns die Chance gegeben, so manches Kleinod für die Bühne wieder zu entdecken“, sagte Anna Grundmeier, Dramaturgin an der Deutschen Oper am Rhein. Unter 90 Minuten lang, mit sehr kleiner Besetzung werden Stücke wie „Masel Tov!“ auf den großen Bühnen selten gespielt. Ende Oktober letzten Jahres war die Premiere im Theater Duisburg nur wenige Stunden vor der Aufführung wegen des zweiten Lockdowns abgesagt worden. Es spricht sehr für das Stück, dass die Verantwortlichen es für diese Saison noch einmal auf den Spielplan geholt haben. Ein sehr begeistertes Publikum, das die Akteure erst nach minutenlangem Schlussapplaus verabschiedete, gab ihnen Recht.

 

Lavinia Dames, Norbert Ernst. Foto: Sandra Then.

Die Geschichte ist einfach gestrickt, die gesungenen Texte auch ohne die Übertitel gut zu verstehen. Dennoch bestechen die Charaktere – Menschen wie du und ich – durch ihre Tiefe und ihre Entwicklung, die die Akteure auf der Bühne gesanglich wie schauspielerisch sehr gut vermitteln. Das macht den Stoff ideal für Menschen, die einen ersten Zugang zur Oper suchen. Musikalisch glänzten die Duisburger Philharmoniker und der Leitung von Kapellmeister Ralf Lange mit der vielseitigen und anspruchsvollen Komposition. Inszeniert hat die großartige und stimmungsvolle Aufführung Philipp Westerbarkei, der an der Deutschen Oper am Rhein schon häufiger Regie geführt hat. Die Bühnengestaltung und Kostüme von Heike Scheele setzt das Lichtdesign von Volker Weinhart sehr wirksam in Szene.

 

 
Ein kleiner Vorgeschmack:

 
Weitere Termine im Theater Duisburg:
Mo | 1. November 2021 | 18:30 Uhr,
Do | 4. November 2021 | 19:30 Uhr und
Do | 25. November 2021 | 19:30 Uhr.

 

 
Deutsche Oper am Rhein

Kimberley Boettger-Soller, Sylvia Hamvasi, Norbert Ernst. Foto: Sandra Then.

Die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg gGmbH ist eine Theatergemeinschaft der Städte Düsseldorf und Duisburg, die auf eine lange Tradition der Zusammenarbeit zwischen den beiden Großstädten zurückblicken kann. Seit ihrer Gründung 1956 zählt sie zu den bedeutendsten Opernhäusern Deutschlands. Durch ihr hochrangiges Solistenensemble, den Chor sowie die national wie international gefeierte Compagnie Ballett am Rhein hat sie sich zu einer der ersten Adressen für Musiktheater und Tanz in Europa entwickelt. Sie ist in der größten und dichtesten Kulturregion Deutschlands beheimatet. Allein die beiden Städte Düsseldorf und Duisburg zählen zusammen fast 1,1 Millionen Einwohner, aber auch die umliegenden Regionen und eine große Zahl auswärtiger Gäste profitieren vom hochkarätigen künstlerischen Angebot der Deutschen Oper am Rhein.
www.operamrhein.de

 

 

Sylvia Hamvasi, Kimberley Boettger-Soller. Foto: Sandra Then.

Eintrittskarten gibt es online ebenso wie in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in das Stück, seine Entstehung und die Aufführung gibt. Zusätzlich gibt es zu den meisten Produktionen einen Audio-Opern- oder Ballettführer unter https://www.operamrhein.de/de_DE/opernfuehrer-audio. Tickets kosten zwischen 14,00 und 56,00 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

 

 
Die unvermeidlichen Corona-Regeln
Im Oktober ist die Kapazität im Theater Duisburg begrenzt („Schachbrettmuster“). Die Vorstellungen, die ab 1. November auf dem Spielplan stehen, werden voraussichtlich ohne Kapazitätsbegrenzungen durchgeführt (bis dahin: Schachbrettmuster). Im Oktober gilt noch die 3G-Regel, ab 1. November ist der Zutritt nur noch mit 2G möglich. Innerhalb der Räumlichkeiten muss eine medizinische Maske getragen werden. Sie darf nach Vorstellungsbeginn am Platz abgenommen werden. Es gelten die üblichen Hygiene- und Abstandsregeln. Ein Garderobenservice steht zur Verfügung, ein gastronomisches Angebot im Opernfoyer gibt es mit Einschränkungen.
Mehr: operamrhein.de/de_DE/wissenswertes

 
© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Sandra Then

 

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Büchertipp „Halden, Himmel, Horizonte“: Die Gipfel des Reviers im Klartext Verlag

Die Alpen des Ruhrgebiets locken für Entspannung und Freizeitgestaltung
Von Petra Grünendahl

„Halden, Himmel, Horizonte“ im Klartext Verlag: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Sie sind ursprünglich mal in Form von Spitzkegeln aufgeschüttet worden, später dann als Tafelberge, bevor sie als Landschaftsbauwerke schon mit ihrer Entstehung modelliert wurden: Die Halden, die gerne auch als die Alpen des Ruhrgebiets bezeichnet werden. Sie sind heute Erholungsorte oder Freizeitstätten für Spaziergänger, Wanderer, Jogger oder Walker, für Radfahrer oder Mountainbiker (MTB) oder sogar für Gleitschirm- oder Drachenflieger sowie andere sportliche Aktivitäten. Kunst oder Landmarken säumen Wege hinauf und die Plateaus oder Spitzen der Berge. Von Aussichtsplattformen sieht man weit in die Umgebung, ins Ruhrgebiet bis in die umgrenzenden Regionen am Niederrhein oder ins Sauerland hinein. Und: Keine ist wie die andere, da kann man leicht mal den Überblick verliefen. Jede hat ihren ganz eigenen Reiz!

 

„Halden, Himmel, Horizonte“ im Klartext Verlag: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Mit „Halden, Himmel Horizonte“ legen Nikola Hollmann und Andrea Slavik ein „Who’s Who“ der Haldenlandschaft im Ruhr-Revier vor. Das Buch richtet sich an aktive Menschen auf der Suche nach Erlebnissen und ist nicht als reiner Wanderführer zu verstehen, auch wenn die Autorinnen eher aus dieser Kategorie kommen. Der ultimative Haldenführer listet 50 große und kleine Halden im Ruhrgebiet von den Halden Norddeutschland und Pattberg am Niederrhein im Westen bis hin zur Halde Sachsen in Hamm im Osten.

„Halden, Himmel, Horizonte“ im Klartext Verlag: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Dazwischen erstreckt sich ein Gebirgszug von über 100 Kilometern Länge mit Erhebungen bis zu 140 Meter aus einer ansonsten eher flachen Landschaft. Die meisten sind Bergehalden, überwiegend entstanden aus dem Abraum des Bergbaus: Aus dem Gestein, was für das Auffahren der untertägigen Strecken und anschließend mit der Kohle zu Tage gefördert wurde. Sie seien Zeugen einer Zeit, in der im Ruhrgebiet das Innerste nach außen gekehrt wurde, so die Autorinnen. Zeugen und Überbleibsel einer Zeit, die mit der Schließung der letzten Zechen 2018 ein Ende fand. Nach dem Ende der jeweiligen Zechen hat man schon seit Jahrzehnten Halden begrünt und renaturiert, so dass sich auf ihnen eine bemerkenswerte Artenvielfalt entwickeln konnte. Die meisten dieser Halden sind frei zugänglich: Heute dienen sie überwiegend der Erholung, für Sport und zur Freizeitgestaltung.

 

 
Anregungen für Spaziergänge und Erlebnis-Touren

„Halden, Himmel, Horizonte“ im Klartext Verlag: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Nach einigen grundlegenden Ausführungen über die Geschichte der Halden, die Industrienatur, das Phänomen der brennenden Halden sowie zu den Halden im Wandel widmen sich die Autorinnen den einzelnen Gipfeln des Reviers mit vielen interessanten Details: Mit bebilderten Beschreibungen auf zwei bis sechs Seiten sprechen sie aktive Menschen an, die im Ruhrgebiet interessante Orte erkunden wollen.

„Halden, Himmel, Horizonte“ im Klartext Verlag: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Der Leser erfährt die Geschichte der Aufschüttungen und ihrer Zechen ebenso wie die Hintergründe ihrer heutigen Gestaltung. Genannt sind die Adressen der Halden, Anfahrt mit dem ÖPNV, Karten für eine Verortung zur Anfahrt mit dem Auto sowie Fakten wie Höhe und Fläche der Halde, Art der Aufschüttung und die Gestaltung auch mit Aussichtsplattformen, Installationen oder Kunstwerken. Leider nicht vorhanden ist eine Angabe zur Strecke, die man vom Fuß der Halde bis zu ihrer Spitze zurücklegt. Dies wäre gerade für weniger „mobile“ Menschen mit einem eingeschränkten Bewegungsradius hilfreich.

 

 
Die Autorinnen

„Halden, Himmel, Horizonte“ im Klartext Verlag: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Die Rheinländerin Nikola Hollmann ist Journalistin und Theologin, die Tirolerin Andrea Slavik Filmemacherin und Esoterikerin. Die beiden haben sich bei der Ausbildung zu Wanderführern im Deutschen Wanderverband kennen gelernt. Seitdem sind sie gemeinsam unterwegs und bringen ihre Erfahrungen in Wander- und Reisebüchern zu Papier. Immer wieder zieht es sie in die Kultur- und Industrielandschaft des Ruhrgebiets – auf der Suche nach dem Speziellen und dem Magischen. Die Alpen des Ruhrgebiets haben sie hier bereits ein zweites Mal zum Thema eines Buches gemacht: Von dem Autoren-Team stammt auch „Wanderbare Halden“, ein Wanderführer, den wir bereits in Augenschein nehmen durften.

 

 
Das Buch und der Verlag

„Halden, Himmel, Horizonte“ im Klartext Verlag: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Das Buch „Halden, Himmel, Horizonte“ von Nikola Hollmann und Andrea Slavik ist im Essener Klartext Verlag erschienen. Das 192-seitige Taschenbuch aus der Reihe „Schönes NRW“ mit zahlreichen Fotografien und kleinen Karten der Halden ist für 18,95 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-8375-2402-4).

 

„Halden, Himmel, Horizonte“ im Klartext Verlag: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Der Klartext Verlag wurde 1983 gegründet, seit 2007 ist er Teil der Funke Mediengruppe. Seine Heimat liegt im Ruhrgebiet, wo auch der überwiegende Teil seiner Publikationen angesiedelt ist: Freizeitführer, Sachbücher, Kalender und Bildbände. Mit der „Von oben“-Reihe kann man Städte nicht nur im Ruhrgebiet, sondern in ganz Deutschland aus der Vogelperspektive bewundern. Und mit der Reihe „Irrtümer und Wahrheiten“ (bei ihrem Start im Verlagsprogramm hieß die Serie noch „Klugscheißer“) lernt der Leser Neues zu verschiedenen Orten, Themen und Fußballvereinen – unterhaltsam und fundiert, denn, so der Verlag: „wir machen Bücher mit Qualität und gerne auch mal einem Augenzwinkern.“
www.klartext-verlag.de

 
© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl, Layout: Klartext Verlag

 
 

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Deutsche Oper am Rhein: Das UFO startet durch mit „Die unbedingten Dinge“ vor dem Duisburger Hauptbahnhof

Als das Leben noch Spaß machte: Musikalische Reise zurück in die Kindheit
Von Petra Grünendahl

Zaghafte Annäherung: UFO der Deutschen Oper am Rhein auf dem Portsmouthplatz vor dem Hauptbahnhof. Foto: Petra Grünendahl.

In der „Bubble“ spielte Musik. Ganz zaghaft näherten sich die Kinder, hielten zunächst Distanz zu den merkwürdigen Figuren in der Blase. Schnell hatten sie aber die Scheu verloren und kamen ganz dicht bis an die Plastik-Außenhaut heran, bevor sie schließlich hinein gebeten wurden in das UFO der Jungen Oper Urban. Admira (Romana Noack) und Lenz (Florian Simson) hat es aus dem Jahr 2071 als Zeitreisende hierher verschlagen:

Von links: Rocco Rescigno (Rocco), Romana Noack (Admira), Florian Simson (Lenz). Foto: Rainer Schlautmann.

Sie sind auf der Suche nach den wesentlichen, den „unbedingten“ Dingen für Glück und Spaß am Leben, die sie in der Zukunft verloren haben. Es gibt Klänge, aber keine Lieder. Es gibt Worte, aber keine Ideen oder Geschichten. Admira und Lenz, musikalisch unterstützt von Posaunist Rocco (Rocco Rescigno) und Fuchs (Christoph Lamberty) mit den Schlaginstrumenten, entlocken den Kindern die wesentlichen Dinge, die dem Leben Spaß geben. Die Kinder sind sehr aktiv in die Handlung eingebunden und beteiligten sich stürmisch daran, die Zeitreisenden mit ihren Erkenntnissen zurück in die Zukunft zu bringen.

 

Von links: Romana Noack (Admira), Rocco Rescigno (Rocco), Florian Simson (Lenz). Foto: Rainer Schlautmann.

Kinder ab 6 Jahren lädt das UFO der Deutschen Oper am Rhein am Portsmouthplatz zum Musiktheater „Die unbedingten Dinge“ ein. Das Stück ist das erste von acht Uraufführungen, die das Projekt in den nächsten zwei Jahren an wechselnden Orten in Duisburg und Düsseldorf vorsieht. Zusammen mit Duisburger Grundschulkindern haben das Klangkunstduo „Merzouga“ (Eva Pöpplein & Janko Hanushevsky) und die Librettistin Nikola Huppertz das Stück entwickelt.

Von links: Romana Noack (Admira), Rocco Rescigno (Rocco), Florian Simson (Lenz). Foto: Rainer Schlautmann.

In der Inszenierung von Kerstin Steeb macht sich das junge Publikum mit zwei Zeitreisenden auf die Suche nach den großen Schätzen unserer Gegenwart. Die 4. Klasse der Gerhard-Hauptmann-Grundschule in Rumeln hatte sich im Vorfeld über Fragebögen selber an den Inhalten beteiligt, ihr Leben und Erleben in die Entwicklung des Stücks mit eingebracht. Sie genossen die Nähe zu den Akteuren, die auf die rege Beteiligung der jungen Zuschauer zählen konnten.

 

 
UFO soll Kinder ans Musiktheater heranführen

Schüler rückten neugierig näher: UFO der Deutschen Oper am Rhein auf dem Portsmouthplatz vor dem Hauptbahnhof. Foto: Petra Grünendahl.

Das trübe Wetter tat der Laune der Viertklässler keinen Abbruch. Immerhin regnete es (noch) nicht. „Wir haben auch eine Regen-Variante des Stücks“, beruhigte Michaela Dicu, Projektleiterin des UFO bei der Deutschen Oper am Rhein, vor der Vorstellung. Mit dem mobilen Theaterbau will die Oper nicht nur – je nach Stück – ein jüngeres bis sehr junges Publikum ansprechen, sondern durch wechselnde Standorte für die Produktionen die Kinder auch „abholen“: Gerade solche möchte man mit dieser Art und als ergänzenden Baustein der „Nachwuchsförderung“ ansprechen, die man sonst eher weniger erreicht. Weitere Landepunkte des UFO in Duisburg liegen in Bruckhausen (am Kulturbunker), in Ruhrort/Laar (am Eisenbahnhafen) und am Innenhafen. Dazu kommen vier Standorte in Düsseldorf. Den Klangkörper des UFO hat das raumlabor berlin entwickelt. Für Ausstattung und Kostüme zeichnen Jan Hendrik Neidert und Lorena Díaz Stephens verantwortlich.

Weitere Informationen zum Projekt „UFO – Junge Oper Urban“ der Deutschen Oper am Rhein und seiner ersten Landung in Duisburg gibt es auch hier.

 
Studio 47 hatte zur Premiere berichtet

 
Ein kleiner Vorgeschmack

 

 
Weitere Termine in Duisburg:

UFO der Deutschen Oper am Rhein auf dem Portsmouthplatz vor dem Hauptbahnhof. Foto: Petra Grünendahl.

Do | 7. Oktober 2021 | 11:00 Uhr,
Sa | 9. Oktober 2021 | 15:00 Uhr,
So | 10. Oktober 2021 | 15:00 Uhr,
Di | 12. Oktober 2021 | 11:00 Uhr (ausverkauft),
Mi | 13. Oktober 2021 | 11:00 Uhr (ausverkauft),
Do | 14. Oktober 2021 | 11:00 Uhr (ausverkauft),
So | 17. Oktober 2021 | 15:00 Uhr,
Do | 21. Oktober 2021 | 11:00 Uhr und
Sa | 23. Oktober 2021 | 15:00 Uhr.

 
Deutsche Oper am Rhein

Theater Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg gGmbH ist eine Theatergemeinschaft der Städte Düsseldorf und Duisburg, die auf eine lange Tradition der Zusammenarbeit zwischen den beiden Großstädten zurückblicken kann. Seit ihrer Gründung 1956 zählt sie zu den bedeutendsten Opernhäusern Deutschlands. Durch ihr hochrangiges Solistenensemble, den Chor sowie die national wie international gefeierte Compagnie Ballett am Rhein hat sie sich zu einer der ersten Adressen für Musiktheater und Tanz in Europa entwickelt. Sie ist in der größten und dichtesten Kulturregion Deutschlands beheimatet. Allein die beiden Städte Düsseldorf und Duisburg zählen zusammen fast 1,1 Millionen Einwohner, aber auch die umliegenden Regionen und eine große Zahl auswärtiger Gäste profitieren vom hochkarätigen künstlerischen Angebot der Deutschen Oper am Rhein.
www.operamrhein.de und Junge Oper am Rhein

 

 

Blick ins Innere: UFO der Deutschen Oper am Rhein auf dem Portsmouthplatz vor dem Hauptbahnhof. Foto: Petra Grünendahl.

Tickets für das UFO gibt es für 10 Euro online ebenso wie in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de.

 

 
Corona-Regeln
Das UFO bietet Platz für ca. 30 Personen. Im Innenraum besteht Maskenpflicht. Außerdem gilt die G3-Regel.
Mehr zu den aktuellen Corona-Regeln: operamrhein.de/de_DE/wissenswertes

 
© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (5), Rainer Schlautmann (3)

 

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Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen zeigt „Unveröffentlicht – Die Comicszene packt aus!“

Strips and Stories – von Wilhelm Busch bis Flix: Fast 500 Zeichnungen erstmals zu sehen
Von Petra Grünendahl

Im Pressegespräch (v.l.): Uwe Eichholz, Christine Vogt, Linda Schmitz-Kleinreesink und Thomas Gäng in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

„Comics werden nur in Deutschland belächelt“, erklärte Thomas Gäng, Vorstandsmitglied der Stadtsparkasse Oberhausen, die regelmäßig Ausstellungen in der Ludwiggalerie finanziell unterstützen. Woanders sei sie längst als Kunst anerkannt: „Wir engagieren uns hier finanziell, weil wir den Zugang zu Kunst und Kultur für wichtig halten.“ – „Comic ist nicht nur Kinderkram“, erklärte Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt, liegt doch der Schwerpunkt der Ludwiggalerie speziell auf dieser Kunstgattung. Nach einfachen Cartoons, Karikaturen und ersten Bilderstrecken als Comicstrips hat sich in Deutschland die Gattung Comic erst nach dem zweiten Weltkrieg wirklich einwickeln und entfalten können. „Viele Werke stammen direkt aus den Schubladen der Künstler“, erzählte Kuratorin Linda Schmitz-Kleinreesink. Das trifft auf manchen aktuellen Künstler ebenso zu wie Zeichnungen von bereits historischen „gemalten Geschichten“ wie zum Beispiel von Wilhelm Busch oder von Erich Ohser. Bleistift- und Tuschezeichnungen, manches ist coloriert, vieles Schwarz-Weiß, zeigen einen Reichtum an Stilen und Bildsprachen, die das Leben mit einem Augenzwinkern sehr auf dem Punkt bringen.

 

Kuratorin Linda Schmitz-Kleinreesink führte durch Unveröffentlicht! in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Die neue Ausstellung „Unveröffentlicht – Die Comicszene packt aus!“ in der Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen stellten Christine Vogt und Linda Schmitz-Kleinreesink im Pressegespräch vor: Zusammen mit den Künstlern Stephan Probst, Brösel und Tobias Dahmen sowie Carsten Meißner (Produzent vom COMICtalk, siehe Programm) und Gestalter Uwe Eichholz. Fast 500 Zeichnungen hat Linka Schmitz-Kleinreesink in enger Zusammenarbeit mit vielen der knapp 60 Künstler zusammen getragen, die hier in 300 gerahmten Bildern und Serien gezeigt werden. „Sie zeigen die extreme Bandbreite der deutschen Comicszene“, erklärte die Kuratorin. Und: „Eigentlich könnten wir die Ausstellung mehrfach machen – und immer wieder Neues zeigen.“ Die Ausstellung öffnet fürs Publikum am Sonntag, 3. Oktober.

 

 
Viele Schätze erstmals zu sehen

Rötger „Brösel“ Feldmann in Unveröffentlicht! in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Ein Großteil dieser bisher ungesehenen Projekte sind frei entstandene Zeichnungen und Geschichten, die aufgrund ihrer Ungebundenheit von Auftraggebern die Handschrift der jeweiligen Künstler in hohem Maße veranschaulichen. Zugleich ergibt sich ein Zusammenstellung unterschiedlicher Comicgenres, Zeichenstilen und Strömungen, die einen aufschlussreichen Überblick über die deutschsprachige Comicgeschichte und insbesondere die aktuellen Szene bieten. Die Ausstellung präsentiert Schätze, die zum Teil seit Jahrzehnten unter der Oberfläche der deutschsprachigen Comicszene liegen. Unveröffentlichte Einzelblätter und Geschichten finden sich von Wilhelm Busch bis Flix und eröffnen in ihrer Bandbreite gleichermaßen eine kleine Geschichte des Comics wie eine kleine Geschichte der Welt. Ungesehene Schätze und bisher verborgene Meisterwerke warten darauf entdeckt zu werden.

Tobias Dahmen in Unveröffentlicht! in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, herausgegeben von Linda Schmitz-Kleinreesink und Christine Vogt, mit 256 Seiten, der an der Museumskasse für 29,80 Euro zu haben ist (ISBN 978-3-946266-30-3). Die Ausstellung wird gefördert von der Stadtsparkasse Oberhausen und dem Freundeskreis der Ludwiggalerie; Kulturpartner ist WDR 3.

 

 

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Impressionen. Fotos: Petra Grünendahl

 
Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen

Kuratorin Linda Schmitz-Kleinreesink (l.) mit Stephan Probst in Unveröffentlicht! in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Die Sonderausstellung läuft bis zum 16. Januar 2022. Das Museum ist geöffnet von Dienstag bis Sonntag zwischen 11 und 18 Uhr. Montags ist Ruhetag, feiertags sowie Pfingstmontag ist jedoch geöffnet. Geschlossen ist am 24., 25. und 31. Dezember sowie 1. Januar. Der Eintritt kostet 8,00 Euro (ermäßigt 4,00 Euro, Familien mit zwei Erwachsenen plus Kindern 12,00 Euro). Außerdem gibt es ein Kombiticket mit dem Gasometer Oberhausen für 14,00 Euro.

Wilhelm Busch in Unveröffentlicht! in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Öffentliche Führungen finden im Großen Schloss sonn- und feiertags um 11.30 Uhr statt. Zudem gibt es Kuratorenführungen (mit Linda Schmitz-Kleinreesink, am 24. Oktober, 14. November, 12. Dezember und 16. Januar, jeweils um 15 Uhr) und Direktorenführungen mit Dr. Christine Vogt (10. November und 8. Dezember, jeweils um 16 Uhr). Alle Führungen sind im Museumseintritt inklusive. Details zum Rahmenprogramm zu den Ausstellungen sowie zum museumspädagogischen Angebot gibt es hier. Tagesaktuelle Informationen zu den Corona-Regeln auf gibt es auf der Website.

Trinitatische Pietà in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Bis zum 9. Januar 2022 zeigt die Ludwiggalerie in einer Ein-Raum-Ausstellung „Der Schmerz des Vaters? Die Trinitarische Pietà zwischen Gotik und Barock“ mit einer Skulptur aus der Sammlung Peter und Irene Ludwig. Hier mehr …

Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Die LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen ist eines der 21 RuhrKunstMuseen. Sie befindet sich an der Konrad-Adenauer-Allee 46 in 46049 Oberhausen. Anfahrt am besten über die A42, Abfahrt Oberhausen-Zentrum. Weitere Infos: ludwiggalerie.de.

 
© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Sitzung im Rat der Stadt Duisburg: Entwurf für Doppelhaushalt auf dem Weg gebracht

Ende der Überschuldung in Sicht
Von Petra Grünendahl

Der Rat der Stadt tagt in der Mercatorhalle. Foto: Uwe Köppen.

„Die meisten kennen Duisburg nur arm. Seit 2010 galt die Stadt sogar als überschuldet. Ende 2022 können wir nun erstmals wieder Eigenkapital aufbauen“, sagte Oberbürgermeister Sören Link. Es sei hart erarbeitet, so der OB weiter, dass dieser Haushalt wohl der letzte sei, den man der Bezirksregierung zur Genehmigung vorlegen müsse. Er bezeichnete den Entwurf der Haushaltssatzung für die Jahre 2022/2023, den Kämmerer Martin Murrack dem Rat vorlegte, als einen riesigen Schritt für die Stadt, mehr Gestaltungsmöglichkeiten zurück zu gewinnen. Dank des Stärkungspakts Stadtfinanzen der damaligen Landesregierung (ab 2012) hatte Duisburg zwischen 2014 und 2020 fast 700 Mio. Euro Kassenkredite abbauen können. Das Volumen der Aufwendungen für die kommenden beiden Jahre liegt bei fast 2,2 Mrd. Euro (eine Steigerung um 172 Mio. Euro gegenüber dem letzten Doppelhaushalt 2020/2021). Hilfen für Mindereinnahmen (Gewerbesteuer) und Mehrausgaben wegen Corona, die nicht von Bund und Land ausgeglichen werden, können aktuell isoliert werden und müssen erst ab 2025 aus eigenen Mitteln abgeschrieben werden. Eine weitere Übernahme von Kosten durch das Land für eine globale Krise, an der die Kommunen keine Schuld tragen, mahnte der Kämmerer an.

 

Der Rat der Stadt tagt in der Mercatorhalle. Foto: Uwe Köppen.

Der Rat der Stadt Duisburg arbeitete in der Mercatorhalleeine Tagesordnung von 109 Punkten allein im öffentlichen Teil ab. Eine nichtöffentliche Sitzung folgte. Allerdings arbeiteten die Ratsleute die Tagesordnung recht zügig ab, da vieles schon in vorbereitenden Gremien ausdiskutiert und beschlossen worden war, so dass jetzt nur noch die Zustimmung des höchsten Gremiums der Stadt fehlte. Der vorgelegte Doppelhaushalt wird nach eingehenden Beratungen (und wohl entsprechenden Änderungen) in der Sitzung am 25. November beschlossen. Dass man nach Ablauf des Stärkungspakts Stadtfinanzen zum Jahresende so gut dastehe, habe er sich bei seinem Amtsantritt als Kämmerer 2019 so nicht erhoffen können, so Martin Murrack. Es sei allerdings an der Zeit, die Altschuldenregelung aus dem Koalitionsvertrag von CDU und FDP für diese Legislaturperiode im Land endlich umzusetzen, mahnte er. Denn das Duisburg nicht mehr überschuldet ist, heißt schließlich noch lange nicht, dass die Stadt schuldenfrei wäre.

 

 
Rhein-Ruhr-Halle vertagt

Der Rat der Stadt tagt in der Mercatorhalle. Foto: Uwe Köppen.

Auch die Entscheidung über Abriss oder Reaktivierung der Rhein-Ruhr-Halle in Hamborn als Multifunktionshalle hatte auf der Tagesordnung gestanden. Viele Fraktionen befürworten eine Reaktivierung der Halle, die zusammen mit dem gerade reaktivierten Stadtbad Hamborn einen markanten Stadteingang im Duisburger Norden darstellt. Allerdings wurde auf Antrag der CDU eine Entscheidung verschoben: Einstimmig votierte der Rat für einen Prüfauftrag an die Verwaltung, der neben den Aufwand für die Sanierung Möglichkeiten einer künftigen Nutzung als Mehrzweckhalle für einen wirtschaftlichen Betrieb gegenüber stellt. Dass der Betrieb der Halle ein Zuschussgeschäft wird, ist allen klar, aber natürlich sollte der Hallenbetrieb auch realistische Einnahmen durch Veranstaltungen erwirtschaften können. Erst wenn diese Fragen entscheidungsrelevant dargestellt und diskutiert werden können, soll eine endgültige Entscheidung fallen. Die Alternative – der Abriss – würde für diese wichtige Stelle eine Grünfläche unter der Autobahn mit wenig Aufenthaltsqualität bedeuten, da eine neue Bebauung wegen des nahen Störfallbetriebs (Grillo) ausgeschlossen ist. Eine wenig attraktive Lösung, da sind sich die Ratsleute einig. Aber auch die Reaktivierung der Halle bräuchte eine Perspektive, wenn man viel Geld investieren will.

 
Auf der Tagesordnung stand – wieder einmal – der Ausbau der A59 nördlich der Berliner Brücke: So ganz hat die Stadtverwaltung die Tunnellösung für den Ausbau noch nicht aufgegeben, gibt es doch gute (neue) Argumente für diese Variante. So ließ sich Oberbürgermeister Sören Link vom Stadtrat die Beauftragung einer Anwaltskanzlei freigeben, die schon der Stadt Gladbeck erfolgreich bei einer Tunnelvariante für die A52 weitergeholfen hatte. Der Rat wählte außerdem Mitglieder für eine Begleitkommission, die beim weiteren Planungsprozess die Interessen der Stadt Duisburg wahren soll. Zahlreiche Finanzierungspläne musste der Rat bewilligen u. a. für Schulraumerweiterungen, zur Kinder- und Jugendförderung oder Infrastrukturmaßnahmen. Darüber hinaus galt es, zahlreiche Bebauungspläne – u. a. Duisburger Dünen oder Wedau – abzusegnen, bevor es in den nicht-öffentlichen Teil der Sitzung überging.

 
© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Uwe Köppen

 
 

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DeltaPort Niederheinhäfen wollen mit Wasserstoff in die klimafreundliche Zukunft

Vielfältige Aktivitäten im Kreis Wesel in Kooperation gebündelt
Von Petra Grünendahl

Andreas Stolte, Geschäftsführer der Niederrhein Häfen. Foto: Petra Grünendahl.

„Die Auswirkungen des Klimawandels spüren wir mittlerweile überall“, sagte Andreas Stolte, Geschäftsführer der DeltaPort Niederrheinhäfen. „Da sind gewaltige gesellschaftliche und wirtschaftliche Anstrengungen nötig“, so Stolte, der betonte: „Gemeinsam mit unseren Partnern möchten wir am Niederrhein die Rolle als Wasserstoff-Drehscheibe annehmen und so die Energiewende aktiv mitgestalten.“

Von links: Andreas Stolte, Geschäftsführer der Niederrhein Häfen, NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart und Klaus-Peter Ehrlich-Schnelting, Geschäftsführer der H2 PEG. Foto: Petra Grünendahl.

Er erhoffe sich „eine Impulswirkung weit über die Region hinaus“, sagte Schirmherr Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes NRW. Nachhaltig gewonnener Wasserstoff (durch Strom aus Offshore-Windparks im Nordseeraum und Solarenergie aus sonnenreichen Mittelmeeranrainerstaaten) braucht in Industrie- und Ballungsräumen eine Drehscheibe, um dort anzukommen, wo er gebraucht wird: Hier will sich die Hafenkooperation an Niederrhein positionieren, um die Nutzung nachhaltiger Energieträger weiter in die Flächen zu tragen: Sowohl als Energiequelle und Kraftstoff für Gütertransporte (Binnenschiffe, Lkw und ÖPNV) als auch als Drehscheibe für den Wasserstofftransport über Pipelines und die Binnenschifffahrt.

 

Arbeiten gemeinsam an einer CO2-neutralen Zukunft (v. l.): Kevin Bär (Teamleiter B2B-Vertrieb Energielösungen, E.ON Business Solutions GmbH), Matthijs van Doorn (Director Logistics, Port of Rotterdam), Klaus-Peter Ehrlich-Schnelting (Geschäftsführer, H2PEG mbH), Dr. Carsten Leder (Bereichsleiter Vertrieb, Thyssengas GmbH), Vera Thonemann (Projektmanagement, Argo-Anleg GmbH), Hendrik Vonnegut (Vorstandsmitglied NIAG Niederrheinische Verkehrsbetriebe AG), Andreas Stolte (Geschäftsführer DeltaPort GmbH & Co. KG), Prof. Dr. Andreas Pinkwart (Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen), Joachim Jungsbluth (Abteilungsleiter ZBT GmbH), Ingo Brohl (Landrat Kreis Wesel), Dr. Andreas Lützerath (Vorstandsmitglied, TRIMET Aluminium SE), Jan Eisenberg (Markt und Prozesse, Thyssengas GmbH), Christian Krupp (Werksleiter TRIMET Voerde, TRIMET Aluminium SE), Britta Bartels (Geschäftsführerin, NORDFROST GmbH & Co. KG) und Guido Schmidt (Geschäftsführer, GS-Recycling GmbH & Co. KG). Foto: DeltaPort Niederrheinhäfen GmbH.

Auf einer Schiffstour durch seine Hafenstandorte präsentierte die DeltaPort Niederrheinhäfen in Wesel einen Überblick über seine Wasserstoff-Aktivitäten und deren Schwerpunkte in den Häfen. Geladen waren zu dieser gut dreieinhalbstündigen Tour, einer Art „DeltaPort vor Ort“, Politik und Verwaltung, Geschäftspartner und Kunden. An Bord unterzeichneten zwölf Kooperationspartner die Projektvereinbarung (Letter of Intent) zum „EcoPort 813 – H2UB DeltaPort“.

Von links: Andreas Stolte, Geschäftsführer der Niederrhein Häfen, und Ingo Brohl, Landrat des Kreises Wesel. Foto: Petra Grünendahl.

Hinter dem etwas sperrigen Namen verbirgt sich der Rheinkilometer 813 als Lage des Hafens Voerde-Emmelsum (mit dem direkt dahinter liegenden Weseler Rhein-Lippe-Hafen) sowie die Zusammensetzung von H2 (Wasserstoff) und dem englischen „hub“ (Netzknotenpunkt): Die Häfen am Niederrhein sollen Drehscheibe für die Wasserstoff-Verteilung werden. Der Kooperation gehören Gesellschafter der DeltaPort Niederrheinhäfen – Rheinberg-Orsoy, Voerde, Wesel und Emmerich – sowie der Hafen Rotterdam an. Weitere Partner aus der Region sind die EntwicklungsAgentur Wirtschaft Kreis Wesel, Institutionen und Projektentwickler sowie Unternehmen an den Hafenstandorten wie GS Recycling, Nordfrost, Thyssengas oder Trimet. Die Unterzeichnung des „Letter of Intent“ ist für die DeltaPort Niederrheinhäfen ein weiterer wichtiger Schritt in ihrem Engagement für den klimaneutralen Umbau der Logistik.

 

 
Grüner Wasserstoff im Energiemix der Zukunft

Tankschiff am Rheinkilometer 813. Foto: Petra Grünendahl.

Um gesteckte Klimaziele zu erreichen, wird die energieintensive deutsche Wirtschaft mehr nachhaltig produzierten Wasserstoff brauchen als hierzulande produziert werden kann. Das macht neben den Import und eben auch den Transport sowie eine praktikable Verteilung nötig. Mit einem sinkenden Anteil von fossilen Energieträgern bietet die Binnenschifffahrt frei werdende Kapazitäten. Technisch umgerüstet wären Tanker in der Lage, verflüssigten Wasserstoff zu transportieren. Zudem liegen Pipelines bis in die Hafenstandorte. In Druckgascontainer umgefüllter Wasserstoff kann von hier aus leichter in die Region verteilt werden.

 

Von links: Andreas Stolte, Geschäftsführer der Niederrhein Häfen, Klaus-Peter Ehrlich-Schnelting, Geschäftsführer der H2 PEG, Dirk Haarmann, Bürgermeister der Stadt Voerde, NN. Foto: Petra Grünendahl.

„Wir haben die Bedarfe in der Region abgefragt und waren erstaunt, wie viele Unternehmen planen, künftig auf grünen Wasserstoff als Energieträger zu setzen. Die Nachfrage ist also definitiv da“, erzählte Klaus-Peter Ehrlich-Schnelting von der Wasserstoff-Projektentwicklungsgesellschaft (H2 PEG). Die Zielsetzung: Die DeltaPort Niederrheinhäfen bedienen künftig diesen Bedarf und werden damit zur Drehscheibe für die weitere H2-Verteilung ins Hinterland. „Die geografische Lage unserer Häfen und ihre trimodale Anbindung machen sie zu idealen Standorten, um den Wasserstoff von hier aus in Europas größten Ballungsraum weiter zu transportieren“, erklärte DeltaPort-Chef Stolte. Er verwies darauf, wie wichtig der Anschluss ans Kanalnetz (über den Wesel-Datteln-Kanal) für die klimaschonende Verteilung des Wasserstoffs sei und betonte: „Gemeinsam mit unseren Partnern möchten wir die Rolle als Wasserstoff-Drehscheibe gerne annehmen und so die Energiewende aktiv mitgestalten.“

 

Rhein-Lippe-Hafen: Links das Schwerlastterminal von Hegmann, rechts bis zum Bau des Kühllagers eine mobile Verladung von Nordfrost, bis dort der Neubau steht. Foto: Petra Grünendahl.

Mit der Wasserstoff-Kooperation gehen DeltaPort und die beteiligten Unternehmen und Institutionen noch einen Schritt weiter: Sie schaffen ein Netzwerk und verzahnen die Maßnahmen der einzelnen beteiligten Akteure und schaffen Synergien für einen schlussendlich CO2-neutralen Hafen. So wird zum Beispiel überschüssige Abwärme aus der Aluminiumproduktion der Firma Trimet als ressourcenschonende Energiequelle im Hafen Emmelsum genutzt. Die dort produzierten bis 136 GWh im Jahr sparen mehr als 27.000 Tonnen CO2 ein. Diese Energie nutzt Deutschlands größter Tiefkühllogistiker Nordfrost für seinen neuen Standort mit Kühllager im Rhein-Lippe-Hafen: Per Binnenschiff werden Kühlcontainer aus den Seehäfen ins Hinterland-Terminal gebracht, von wo sie erst für die Verteilung auf der letzten Meile mit dem Lkw über die Straßen geschickt werden.

 

 
DeltaPort Niederrheinhäfen

Der Voerder Standort von Trimet Aluminium am Hafen Emmelsum. Foto: Petra Grünendahl.

Die DeltaPort Niederrheinhäfen sind ein Anfang 2018 gegründeter Zusammenschluss der DeltaPort Häfen Wesel/Voerde (Rhein-Lippe-Hafen Wesel, Stadthafen Wesel, Hafen Voerde-Emmelsum), des Hafens Emmerich und des NIAG-Hafens in Rheinberg-Orsoy. Ziel der DeltaPort Niederrheinhäfen ist es, die Binnenhäfen am Niederrhein zu stärken. Gemeinsam bilden die Partner das gesamte Portfolio ab: von Schüttgütern über Stück- und Schwergut bis zu Flüssiggütern und containerisierter Ware. Die DeltaPort Niederrheinhäfen zeichnen sich aus durch ihre trimodale Infrastruktur, die geografisch sehr günstige Lage in der Nähe zu den Überseehäfen in Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen, aber am Rande des Stauclusters Ruhrgebiet/Großraum Köln, durch verfügbare Freiflächen, viel Entwicklungspotenzial, einen flexiblen Verwaltungsapparat und enge partnerschaftliche Verbindungen zu ihren Kunden. Mit Leuchtturmprojekten wie dem EcoPort 813 und dem Förderprogramm „Innovative Hafentechnologien“ setzen sie Maßstäbe in Sachen Nachhaltigkeit und Digitalisierung.

 
© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (),DeltaPort Niederrheinhäfen GmbH (1)

 
 

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MKM Museum Küppersmühle eröffnet Erweiterungsbau im Duisburger Innenhafen

Wie aus einem Guss: Erweiterung als Kontinuität
Von Petra Grünendahl

Museumsdirektor Prof. Dr. h. c. Walter Smerling. Foto: Petra Grünendahl.

„Das neue Museum Küppersmühle hat eine Strahlkraft über Nordrhein-Westfalen hinaus“, lobte Museumsdirektor Prof. Dr. h. c. Walter Smerling die Eröffnung als großen Tag für Deutschland und die Kunst. „Schon bislang war die Küppersmühle eines der schönsten Museen in Deutschland“, ergänzte Oberbürgermeister Sören Link. Und: „So eine Sammlung gibt es kein zweites Mal. Wer bislang meinte, das ginge nicht mehr zu toppen, sollte sich den Erweiterungsbau ansehen!“ Wer ihn gesehen hat mit seinem Ambiente und den neu gestalteten Ausstellungsflächen, kann dem OB nur Recht geben!

Oberbürgermeister Sören Link. Foto: Petra Grünendahl.

„Deutsche Kunst der Nachkriegs-Moderne finden Sie nirgends sonst in dieser Dichte“, stellte Museumsdirektor Prof. Dr. h. c. Walter Smerling klar. Es lassen sich Schaffensphasen der jeweiligen Künstler nachvollziehen. Schüler hängen unweit ihrer Lehrer, so dass auch hier kunstgeschichtlich Entwicklungen deutlich werden. Die private Kunstsammlung des Darmstädter Ehepaars Ströher ist mit dem Erweiterungsbau umfassender als bisher in der Dauerausstellung zugänglich. Insgesamt hat das Museum 36 Räume völlig neu eingerichtet und strukturiert. Das Präsentationskonzept sieht auch eine wiederkehrende Neuhängung von Räumen und Vorstellung weiterer Werke der Sammlung vor. Mehr als früher zeigt das Museum neben der Malerei in vielen Räumlichkeiten der Dauerausstellung auch plastische Werke.

 

Architekt Jacques Herzog. Foto: Petra Grünendahl.

Im Pressegespräch stellte Walter Smerling zusammen mit dem Architekten Jacques Herzog und OB Link den Erweiterungsbau vor, bevor sie einen ersten Blick in die neuen Räumlichkeiten ermöglichten. Von der Getreidekammer des Ruhrgebiets, an der die Küppersmühle seit ihrer Errichtung im 19. Jahrhundert bis zu ihrer Stilllegung 1972 ihren Anteil hatte, bis zum heutigen „Tempel“ für deutsche Nachkriegskunst war es ein weiter Weg, den die Basler Architekten Herzog & de Meuron schon einmal begleitet hatten: Sie zeichneten bereits für den Umbau des Mühlenbetrieb zum Museum Ende der 1990er-Jahre verantwortlich.

Die Silotürme dienen als Durchgang in den Erweiterungsbau des MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.

Das Konzept der hohen Räume mit einer Mischung aus Tages- und Kunstlicht haben sie ebenso in den Neubau übernommen wie die Formensprache des Treppenhauses aus terrakotta-farbenem Beton, welches schon im Altbau ein Kunstwerk für sich ist. Passend zum Altbau in rotem Backstein, aber neu und modern interpretiert, präsentiert sich der Neubau von außen. Man bräuchte gar nicht die Silos zwischen den Gebäudeteilen, um die Nahtstelle zu erkennen, haben die Architekten doch für den Neubau den Backstein von innen nach außen gedreht für eine fast schon textile Oberflächenstruktur. Schon das Gebäude des Museums Küppersmühle lädt ein, sich ihm und seinen Inhalten anzunähern. Die offizielle Eröffnung findet am Samstag, 25. September, statt.

 

 
Das Museum Küppersmühle als Kunstwerk um die Moderne Kunst

MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.

Im Jahr 2008 sollte auf den Silotürmen der Küppersmühle ein Erweiterungsbau in Form eines Kubus („Schuhkarton“) erfolgen. Nachdem das Projekt wegen mangelhafter Bauausführung gescheitert war, verfolgte das Sammlerehepaar Sylvia und Ulrich Ströher die Erweiterung ihrer Ausstellungsräume in Duisburg weiter. Für einen Neubeginn beauftragten sie das Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron 2013, den Erweiterungsbau als Gesamtwerk zu planen, während der mittlerweile vor sich hin rostende Kubus demontiert und verschrottet wurde. Seit dem eigentlichen Baubeginn vor fünf Jahren haben rund 1.000 Menschen an dem Erweiterungsbau gearbeitet. Zu den 3.600 Quadratmetern Ausstellungsflächen auf drei Etagen im Altbau kommen jetzt weitere 2.500 Quadratmeter auf vier Geschossebenen. Die Anbauverbotszone zwischen Baukörper und dem Berliner Brückenzug der A59 wurde begrünt: 35 neu angepflanzte Platanen und ein Kunstwerk – „Ohne Titel. Drei Polyeder“ (2006) von Ansgar Nierhoff – verleihen dem Park Aufenthaltsqualität. Pandemie-bedingt verschob sich die Eröffnung der Museumserweiterung um ein Jahr. Als oberen Abschluss wird das Silo noch einen Aufbau erhalten, der extern von der Innenhafenpromenade zugänglich als Aussichtsplattform für Besucher hergerichtet werden soll.

 

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Impressionen vom Erweiterungsbau des MKM Museum Küppermühle. Fotos: Petra Grünendahl

 

 
Museum Küppersmühle:
Duisburger haben donnerstags freien Eintritt

Das MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst mit dem Erweiterungsbau. Foto: Petra Grünendahl.

Das Museum Küppersmühle findet man im Innenhafen am Philosophenweg 55 (Haupteingang, der Parkplatz befindet sich auf der anderen Straßenseite). Mittwochs ist das Museum von 14 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis sonntags sowie feiertags von 11 bis 18 Uhr. Montags und dienstags ist Ruhetag. Der Eintritt kostet nur für die Wechselausstellungen 6 Euro (ermäßigt 3 Euro), für das gesamte Haus (inkl. Wechselausstellung) 12 Euro (ermäßigt 6 Euro). Familien (2 Erwachsene plus Kinder) zahlen 18 Euro für das ganze Haus, 10 Euro für Wechselausstellungen. Kinder bis 16 Jahren haben freien Eintritt. Kindergruppen (Schule, Kita, Kinderfreizeit) zahlen 2 Euro pro Kind und Betreuer. Donnerstags haben alle Duisburger (gegen Vorlage des Personalausweises) freien Eintritt. Das MKM ist Partner der Ruhrkultur.Card. Alle Ausstellungsräume des Museums sind auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich. Informationen gibt es unter http://www.museum-kueppersmuehle.de).

 
© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 

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Ehemalige Duisburger Enklave im Braunkohlenrevier: Vom Bagger bedroht

Historischer Gutshof soll dem Braunkohlentagebau weichen
Von Petra Grünendahl

Duisserner Hof: Das verputzte Wohnhaus und der Anbau stammen von 1763. Auf dem Standort des Fotografen standen Anfang 2021 noch Gebäude. Foto: Petra Grünendahl.

Auf den fruchtbaren Lössböden der Jülicher Börde, im Erkelenzer Weiler Lützerath, besaß das Zisterzienserinnen-Kloster aus Duissern schon bald nach seiner Gründung 1234 einen großen Gutshof mit den entsprechenden Ländereien: Den „Duisserner Hof“, den man auch Mönchshof oder Wachtmeisterhof nannte. Den Hof an sich gibt es an dieser Stelle mindestens seit dem 13. Jahrhundert. Als „Halfenhof“ im Besitz des Klosters Duissern wurde er von einem Mönch bewirtschaftet, der die Hälfte seiner Erträge an das Kloster abzugeben hatte. Daher kam wohl auch die Bezeichnung „Mönchshof“. Später wurde daraus ein Pachtverhältnis. Von 1265 bis 1802 war der Hof im Besitz des Klosters, bis Anfang des 19. Jahrhunderts kirchliche Güter enteignet wurden. Die Zisterzienser-Nonnen aus Duissern zogen übrigens 1608 in die Stadt Duisburg: Ins Dreigiebelhaus an der Nonnengasse, bis sie diesen Besitz 1806 ebenfalls aufgeben mussten.

 

Duisserner Hof: Das verputzte Wohnhaus und der Anbau stammen von 1763, die Scheune rechts aus dem späten 19. Jahrhundert. Auf dem Standort des Fotografen standen Anfang 2021 noch Gebäude. Foto: Petra Grünendahl.

Zum Tag des offenen Denkmals öffnete auch der Duisserner Hof sein Tor. Seit 1993 ist der Hof wegen seiner geschichtlichen und kulturhistorischen Bedeutung in die Denkmalliste der Stadt Erkelenz eingetragen. Das Wohnhaus mit Traufanbau stammt von 1763, nachdem der Pächter zu einigem Wohlstand gekommen war. Eine große Scheune ist vermutlich aus dem (späten) 19. Jahrhundert. Zwischen diesen beiden Gebäuden ist im Laufe der Jahrhunderte mehrfach um- und neu gebaut worden, wie man an der Fassade erkennen kann.

 

Kein Bus hält mehr in Lützerath. Foto: Petra Grünendahl.

Lützerath gehörte Jahrhunderte lang zur Gemeinde und Pfarre Immerath, deren Kirche St. Lambertus mit Doppelturmfassade im Volksmund auch Immerather Dom genannt wurde. Auch wenn der Ortsname (als Lutzelenrode) erst 1168 erstmals erwähnt wurde, so war doch bereits seit 1135 ein Gutshof, der Paulshof, im Besitz einer Benediktinerinnen-Abtei in Neuwerk (heute Mönchengladbach).

 

 
Der Duisserner Hof in Lützerath

Das gelbe Kreuz des Widerstandes am Duisserner Hof in Lützerath. Foto: Petra Grünendahl.

Im Zuge der Säkularisierung unter Napoleon ging der Duisserner Hof an den Halfen, durch Einheiratung dann an die Familien Helpenstein und später Heukamp. Heute bewirtschaftet Eckehard Heukamp das Gut, welches als letztes Grundstück in Lützerath noch nicht im Besitz der RWE Power ist. RWE will hierhin und in weitere umliegende Dörfer den Tagebau Garzweiler II ausdehnen. Umsiedlungsstandort für Lützerath ist Immerath (neu), wo auch die Bewohner von Pesch hin siedeln durften, nicht jedoch die Landwirte, von denen es in Lützerath deutlich mehr gab als in allen anderen Orten, die im Gebiet von Erkelenz betroffen waren.

Der Hof ist seit vielen Generationen im Familienbesitz: Den Familiengrabstein vom Immerather Friedhof. hat Eckehard Heukamp gerettet Foto: Petra Grünendahl.

Der alte Ort Immerath, immerhin 1144 erstmals urkundlich erwähnt, ist vollständig abgerissen. Vom Friedhof in Immerath hat Eckehard Heukamp immerhin den Familiengrabstein retten können. Abgerissen wurden Anfang des Jahres auch große Areale von Lützerath, wo sich einst um vier große, aus dem Mittelalter stammende Gutshöfe weitere Wohnbebauung befand. Der verlassene Neuwerker- oder Paulshof ist heute von Security-Mitarbeitern bewacht, um eine Besetzung durch Aktivisten zu unterbinden, die ihrerseits den Abriss des Ortes verhindern wollen. Ein Gebäudekomplex neben dem Duisserner Hof ist eingezäunt und nicht zugänglich.

 

Abgesperrt und mit Sicherheitsdienst zur Bewachung: Leer stehender Gutshof in Lützerath. Foto: Petra Grünendahl.

Derweil kämpft Eckehard Heukamp weiter um den Erhalt seines elterlichen Hofes: „Er hat Widerspruch gegen einen ‚Grundabtretungsbeschluss’ eingelegt“, erzählte Christian Wiltsch, der in dieser Gegend groß geworden ist und bis vor kurzem zwischen Garzweiler und Hambach wohnte. Nun engagiert er sich selber in der bürgerlichen Initiative „Denk mal an der Kante“, die weitere Zerstörungen für den Tagebau verhindern will und zum Tag des offenen Denkmal hier eine Denkmal-Rallye und das Hoffest organisiert hat.

 

Vertreibt die Menschen aus ihrer Heimat: der Tagebau Garzweiler II. Foto: André C. Sommer.

Heukamps Anwalt sehe die Enteignung als rechtswidrig an, so Wiltsch, denn: „Die Braunkohle-Pläne der 1990er-Jahre entsprechen weder neueren Maßgaben zum Klimaschutz noch Gesetzen zum Kohleausstieg.“ Die RWE Power als Betreiberin des Tagebaus wollte den Ausgang einer Klage (gegen besagten Widerspruch) allerdings nicht abwarten und habe eine „vorzeitige Besitzeinweisung“ beantragt, erzählte der Bauingenieur. Eine Entscheidung stehe allerdings noch aus. Die Abgrabungen der umgesiedelten oder sich in Umsiedlung befindlichen Ortschaften und Weiler stehen erst zum Ende der 2020er-Jahre an.

 

 
 
 
Das benachbarte Keyenberg, die Kirche im Dorf und die Umsiedlung

Gelbe Kreuze markieren den Widerstand an der Kirche Heilig Kreuz in Keyenberg. Foto: Petra Grünendahl.

Zumindest der Vorraum der Kirche Heilig Kreuz in Keyenberg war ebenfalls zum Tag des offenen Denkmals geöffnet. Er gab immerhin Einblicke in die 1866 (Chorraum) begonnene und 1912 bis 1913 (das dreischiffige Langhaus) fertig gestellte, im neugotischen Stil errichtete Kirche, die ihre Gründung auf das Jahr 714 tradiert. Durch die Glastüren konnte man auch das ewige Licht auf dem Altar erkennen. Die ursprünglichen Baupläne aus den 1860er-Jahren sahen eine Doppelturmfassade vor, realisiert wurde aber nur ein Glockenturm. Die Kirche ist seit 2019 im Besitz der RWE Power, allerdings noch nicht entweiht. Dennoch ließ das Bistum Aachen kürzlich in einer Nacht- und Nebelaktion aus dem denkmalgeschützten Bau (!) die Glocken entfernen, um sie in einer neuen Kapelle in Neu-Keyenberg aufzuhängen. Obwohl in der Kirche keine Gottesdienste mehr stattfinden, hat dies bei den verbliebenen Keyenbergern – zu 30 Prozent ist der Ort noch bewohnt – massives Missfallen ausgelöst. Es soll deswegen auch schon Kirchenaustritte gegeben haben.

 

Keine Perspektive: Wenn seine Bäckerei in Keyenberg geschlossen wird, hängt Wolfgang Laumanns seinen Beruf an den Nagel. Foto: Petra Grünendahl.

Obwohl die Ortschaften des künftigen Tagebaus schon seit Jahren umgesiedelt werden, leben immer noch Menschen dort, für die die neuen Wohngebiete keine Option sind. Bäckermeister Wolfgang Laumanns hat Backstube und Bäckereigeschäft direkt gegenüber von Heilig Kreuz. Mit einer Verkaufsstelle dürfte er auch nach Neu-Keyenberg ziehen, aber da die Ansiedlung (wie alle Neusiedlungen) als „Wohngebiet“ gilt, kann er seine Backstube nicht mitnehmen.

Prachtvolle Neugotik hinter Glas: Das Innere der Kirche Heilig Kreuz in Keyenberg. Foto: Petra Grünendahl.

Er müsste sie in einem Gewerbegebiet errichten, wo schon die Grundstückspreise weit über den Entschädigungen liegen, die RWE Power gezahlt hat. Einen Kredit für einen Neubau in mittlerer sechsstelliger Höhe bekommt er nicht. Da er ohnehin keinen Nachfolger hat, hängt er seinen Beruf an den Nagel, wenn die RWE Power Keyenberg abreißen lässt. Damit werden dann auch seine Verkäuferinnen arbeitslos. Ähnlich geht es nicht wenigen anderen Angestellten (und Auszubildenden) von kleinen Unternehmen und Gewerbetreibenden in den Umsiedlungsgebieten, die ja als Dörfer durchaus Gewerbeflächen haben durften. Manch einer macht den Laden ganz dicht, andere ziehen unter Umständen weiter weg. Dem Arbeitsmarkt vor Ort gehen sie damit verloren!

 

Prachtvolle Neugotik hinter Glas: Das Innere der Kirche Heilig Kreuz in Keyenberg. Foto: Petra Grünendahl.

Ohnehin ist das mit der Umsiedlung für die Menschen in den alten Ortschaften nicht leicht: Lediglich etwa die Hälfte bis 60 Prozent ziehen in die neuen Wohngebiete. Für Mieter – egal, ob Haus oder Wohnung – sind die Mieten in den Neubauten viel zu hoch: Das Doppelte bis mitunter Dreifache müssten sie an Quadratmeterpreisen zahlen. Das kann sich nicht jeder leisten. Auch kriegen die Eigentümer in den Umsiedlungsorten nur „Altbauten“ erstattet, sollen sich davon in den Neubaugebieten aber „Neubauten“ kaufen können. Und: Alte Leute bauen nicht mehr neu. Jüngere Leute und (erwachsene) Kinder ziehen mit der Entschädigung ganz weg aus der Region. Und wer als Landwirt keinen Hof außerhalb des Tagebau-Gebietes findet, den er als Nachfolger übernehmen kann, bekommt nur eine Entschädigung und kann seinen Beruf aufgeben.

 
Widerstand gegen Tagebau und Umsiedlung

Widerstand gegen die Umsiedlung: Die Rheinbraun ist 2003 in der RWE Power AG aufgegangen. Foto: Petra Grünendahl.

Der Widerstand in einigen Dörfern gegen Umsiedlung und Abriss vereint Klimaaktivisten, die hier gegen Tagebau und Zerstörung protestieren, in einer eher ungewöhnlichen Allianz mit dem bürgerlichen Bündnis „Alle Dörfer bleiben“ und der Initiative „Denk mal an der Kante“, die sich früher eine solche Zusammenarbeit gar nicht hätten vorstellen können: Bodenständige Menschen, die einfach nur ihre Heimat behalten bzw. die Kulturgüter der Region erhalten wollen.

Tagebau Garzweiler. Karte: Arne Müseler / CC BY-SA 3.0.

Wie bei früherem Tagebau im Rheinischen Braunkohlenrevier werden die Bergbauflächen nach Beendigung der Förderung zugeschüttet und renaturiert. Allerdings stößt die Renaturierung an Grenzen: Die künstlichen Seen, die in den rekultivierten Bereichen angelegt werden, haben einen gewissen Freizeitwert, können aber die fruchtbaren Ackerböden der Region, die vor ihrer Abgrabung wahre Kornkammern darstellten, nicht ersetzen. Eine auf renaturierten Flächen angesiedelte Landwirtschaft kann auf den neuen Flächen gleicher Größe langfristig nicht die Ackerland-Erträge erwirtschaften, die sie auf den alten fruchtbaren Lössböden der Börde-Landschaft hatte.

Mehr Infos und viel Bildmaterial zum Thema gibt es zum Beispiel beim Fotografen Arne Müseler auf www.garzweiler.com.

 

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Der Tagebau Garzweiler II. Fotos: Petra Grünendahl & André C. Sommer

 

Rheinisches Braunkohlenrevier. Karte: Thoroe / CC BY-SA 2.0.

 
© 2021 Petra Grünendahl (Text)

Fotos: Petra Grünendahl (18), André C. Sommer (1),
Karten: Thoroe / CC-BY-SA-2.0-Lizenz, Arne Müseler / CC BY-SA 3.0

 

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Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers präsentiert Bergbaukalender 2022

Schachtanlagen der Region in ihrem historischen Kontext
Von Petra Grünendahl

Titelbild (Fotomontage): „Glückauf 2022 – Bergbau am Niederrhein“, der Kalender des Grafschafter Museums- und Geschichtsvereins.

Die Fotografien im Bergbaukalender reichen von 1920 bis hin zu den letzten Monaten auf Bergwerk West 2012. Sie zeigen Ansichten von Schachtanlagen zu ihren Betriebszeiten. Heute ist davon nicht mehr viel, an manchen Standorten sogar lediglich eine Protegohaube oder gar einem Schachtdeckel übrig geblieben. Auf anderen Fotografien erkennt man jedoch noch einzelne Gebäude, die das Ende der Kohlenförderung am Niederrhein überdauert haben und die heute noch genutzt werden. Der Bergbau hat die Region geprägt und Städte wie Moers oder Duisburg zu dem gemacht, was sie sind. Der Kalender macht sich auf Spurensuche einer 155-jährigen Geschichte des Bergbaus am Niederrhein. Die Auswahl der Fotos reicht vom Bergwerk Friedrich Heinrich (zuletzt Bergwerk West) in Kamp-Lintfort, der Zeche Niederberg in Neukirchen-Vluyn und dem Bergwerk Borth* in Rheinberg über die verschiedenen Standorte von Rheinpreußen in Moers und Homberg bis hin zu den Bergwerken Diergardt und Mevissen in Rheinhausen.

 

Stellten den Kalender vor (v. l.): Alberto Dominguez (vorne), Heinz Bernard, Hans Gerd Lamers, Hatice Kardas, Peter Boschheidgen, Gudrun Krispin und Dieter Soyke. Foto: Petra Grünendahl.

Mit „Glückauf 2022 – Bergbau am Niederrhein“ präsentierte der Vorstand des Grafschafter Museums- und Geschichtsvereins (GMGV) in Moers seinen zweiten Kalender für das kommende Jahr. Seit Jahren schon spricht der Verein mit dem Nutzungsrecht auf Rheinpreußen Schacht IV in Hochstraß, dem ehrenamtlichen Erhalt des Fördermaschinenhauses und den Führungen durch ehemalige Bergleute neue Kreise in der Bevölkerung und vor allem Bergbauinteressierte an. Das Fördermaschinenhaus von Rheinpreußen Schacht IV diente mehrfach als Spielstätte der Extraschicht.

Industriedenkmal Rheinpreußen Schacht IV. Foto: Petra Grünendahl.

Ein erstes Kerzenkonzert im Maschinenhaus zum Ende der Steinkohlenförderung im Deutschland im Dezember 2018 erlebte 2019 eine zweite Auflage, bevor Corona weitere Veranstaltungen dieser Art verhinderte. Mit dem Bergbau erreicht der GMGV nicht nur ein interessiertes Publikum, sondern gewinnt auch neue Vereinsmitglieder. Da lag ein solcher Kalender neben dem Klassiker „Moerser Ansichten“ (seit 2015) nahe.

 

 
André Thissen

André Thissen, Leiter Arbeitskreis Schacht IV. Foto: privat.

Geschaffen hat diesen Kalender André Thissen, der leider bei der Vorstellung des Kalenders verhindert war. Er hat als Bergmann auf Zechen am Niederrhein gearbeitet und kennt sich im Bergbau und bei Schachtanlage in der Region aus: „Nachdem André in den vergangenen Monaten in den sozialen Medien mit Postings zur Geschichte der Zeche Rheinpreußen eine riesige Resonanz hatte, hab ich ihn gefragt, ob er sich einen Kalender mit Bergbau-Motiven vorstellen könne“, erzählte Frank Heinrich, Schatzmeister des GMGV. Er konnte. André Thissen war auf den Schachtanlagen Rheinpreußen 9 (1981-1990) in Moers-Utfort und Bergwerk West (1990-2013) in Kamp-Lintfort bis zum Ende des Bergbaus am Niederrhein dabei.

 

Bergwerk West, Foto von André Thissen: „Glückauf 2022 – Bergbau am Niederrhein“, der Kalender des Grafschafter Museums- und Geschichtsvereins.

Seit 2004 hat er mit dem Fokus auf Nachtaufnahmen mit Industrieanlagen und Bergwerken im Ruhrgebiet fotografische Erfahrungen gesammelt. Ab 2010 gab es Kalender „Ruhrgebiet bei Nacht“, denen Fotoausstellungen folgten. Seit einer Fotoausstellung auf Schacht IV wurde der Kontakt zu den dort ehrenamtlichen Bergleuten enger, da er sich auf seinen fotografischen Streifzügen neben den Motiven immer auch für die Geschichte der Standorte interessierte. Beim GMGV ist er heute Arbeitskreisleiter Schacht IV. Aus einem Nachlass eines Vereinskollegen bekam er etliche Terrabyte an montanhistorischen Fotos, Zeichnungen und Dokumenten. „Daraus können wir ohne Probleme 25 Jahre Kalender machen“, kommentierte Hans Gerd Lamers, der in Moers die Buchhandlung Spaethe betrieben hatte und als (ehemaliger) Verlagsvertreter für Kalender seine Kenntnisse für die Produktion des Kalenders beisteuerte.

 

 
Glückauf 2022 – Bergbau am Niederrhein

Rheinpreußen 1 und 2 in Homberg: „Glückauf 2022 – Bergbau am Niederrhein“, der Kalender des Grafschafter Museums- und Geschichtsvereins.

Neben den zwölf (datierten) Motiven von Zechen und Schachtanlage führen kurze Texte in die Historie des jeweiligen Standorts ein. Neben deutschsprachigen Texten gibt es eine türkische Übersetzung, verfügt doch Moers als ehemalige Bergbaustadt auch über eine große und aktive türkische Community. Die Übersetzung übernahm Halil Sentürk, der als ehemaliger Bergmann auch die benötigten Fachbegriffe beherrscht, mit Hilfe von Hatice Kardas, die das Ganze inklusive türkischer Sonderzeichen aufs virtuelle Papier brachte.

Zeche Diergardt Schacht 1: „Glückauf 2022 – Bergbau am Niederrhein“, der Kalender des Grafschafter Museums- und Geschichtsvereins.

Der Kalender im A3-Querformat ist für 9,95 Euro in lokalen Buchhandlungen in Moers, Kamp-Lintfort und Neukirchen-Vluyn sowie teilweise auch in Schreibwarenläden in der Region zu haben. Der GMGV selber hat erste Exemplare am vergangenen Wochenende beim Schlossfest in Moers verkauft und ist damit auf große Resonanz gestoßen. Von einer Auflage von 750 Stück sind über 500 Stück schon an die Verkaufstellen ausgeliefert. Mit dem Erlös werden Projekte des GMGV finanziert – auch am Schacht IV.

 

 
Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e.V.

Rheinpreußen Schacht IV in Moers-Hochstraß: „Glückauf 2022 – Bergbau am Niederrhein“, der Kalender des Grafschafter Museums- und Geschichtsvereins.

Der Museums- und Geschichtsverein in Moers möchte die Geschichte und Kultur der Grafschaft Moers schützen und erhalten – und das seit 1904. In diesem Jahr gründete Dr. Hermann Boschheidgen den „Verein für Heimatkunde“. Seitdem werden vom Verein, der heute „Grafschafter Museums- und Geschichtsverein“ heißt, Gegenstände aus dem Alltag und dem Leben der Moerser Bevölkerung zusammengetragen und im Moerser Schloss ausgestellt. Dadurch soll gemeinsam mit der Stadt Moers interessierten Bürgern die Geschichte der Grafschaft und des Altkreises Moers nahe gebracht werden. Den kulturellen und historischen Wert des Schlossparks stärker bewusst zu machen und zu erhalten ist ebenfalls ein Ziel der Arbeit des GMGV. Der heutige Vorsitzende, Peter Boschheidgen, ist ein Enkel des Vereinsgründers.

Industriedenkmal Rheinpreußen Schacht IV. Foto: Petra Grünendahl.

Als weiterer Schwerpunkt der Vereinstätigkeit kam später die Geschichte des Bergbaus mit dem Nutzungsrecht für das „Industriedenkmal Rheinpreußen Schacht IV“ hinzu, mit der Verpflichtung, das Maschinenhaus von 1906 zu erhalten. Der Bergwerks-Standort war 1962 stillgelegt worden. Unter dem langjährigen Vereinsvorsitzenden Andreas Eichholtz übernahm der GMGV Ende der 1990er-Jahre als Bauherr mit finanzieller Unterstützung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, des Landes NRW und der Nordrhein-Westfalen-Stiftung die Renovierung. Das Denkmal und die restaurierte Technik kann im alten Maschinenhaus besichtigt werden. Ehemalige Bergleute erklären die Fördertechnik und führen durch die Sammlung. Allerdings ist das Fördermaschinenhaus aktuell wegen Corona geschlossen.
www.gmgv-moers.de

 
*) auch dort war zunächst Kohle gefördert worden, bevor man zur Förderung von Steinsalz wechselte

 
© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (3), privat (1), Kalender: GMGV

 
 

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Lektüretipp: Friedhelm Wessels „Zechen im Ruhrgebiet” im Sutton Verlag

Als Bergleute im Revier das schwarze Gold zu Tage förderten
Von Petra Grünendahl

Friedhelm Wessels „30 Zechen im Ruhrgebiet“: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Friedhelm Wessel hat hier unterschiedlichste Geschichten von (ehemaligen) Bergleuten zusammen getragen: Teils sind sie seit Generationen dem Bergbau verbunden, andere sind eher durch Zufall in die Welt untertage gelangt. Manche Geschichten sind deutlich in der Vergangenheit angesiedelt: Wessels hat sie vermutlich während seiner langen journalistischen Tätigkeit aufgetan. Andere sind neueren Datums, blicken aber nicht weniger in eine Vergangenheit zurück, die schon seit den späten 1950er-Jahren von Schließungen der Bergwerke und Konzentration zu Verbundzechen geprägt war. Viele Stimmen stammen von Gewerkschaftern, von Leuten der Grubenwehr, von Menschen, die sich engagiert haben. Es sind spannende Geschichten aus Zeiten, die nie wieder kommen, aber Generationen im Ruhrgebiet geprägt haben.

 

Friedhelm Wessels „30 Zechen im Ruhrgebiet“: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Für sein Buch „Zechen im Ruhrgebiet“ hat Friedhelm Wessel 30 Standorte ausgewählt, die zu den „Highlights aus der Geschichte“ (so der Untertitel) der Förderung des schwarzen Goldes im Revier zählen. Die Bergwerke reichen von der Zeche Friedrich Heinrich (Bergwerk West) im Westen bis Zeche Sachsen in Hamm im Osten. Der kurzen Geschichte der jeweiligen Zeche folgen Erzählungen von Männern, die dort eingefahren sind. Teils erzählt Wessels ihre Geschichten, teils erzählen sie aber auch selber: Von ihrem Werdegang, ihrer Arbeit, ihrem Leben und nicht selten auch von Grubenunglücken. Viele Bergmannsgeschichten sind auch geprägt von den Schließungen der Bergwerke, vom Wechsel auf die nächste Zeche. Bis dann im Dezember 2018 auch auf der Letzten Schicht im Schacht war. Unter den Erzählungen sind Erinnerungen von den 1950er-Jahren bis heute versammelt. Jede Zeche ist mit einer solchen Erzählung verbunden, die dem Bergbau eine Stimme und häufig auch ein Gesicht geben.

 

 
Sehr persönliche Einblicke in die Zeiten des Bergbaus

Friedhelm Wessels „30 Zechen im Ruhrgebiet“: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Natürlich sind die 30 Zechen eine willkürliche Auswahl – und sie lässt natürlich Raum für ein zweites Buch, weil jeder Bergbauinteressierte weitere Zechen in die Highlights aufnehmen würde. Mit Zeche Walsum ist auch ein Duisburger Bergwerk dabei. Und auch die Zeche Lohberg in Dinslaken dürfte hier so manchem ein Begriff sein.

 

Friedhelm Wessels „30 Zechen im Ruhrgebiet“: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Die Fotografien sind sowohl aktuell, aber viele auch mehr oder weniger historisch. Faszinierend sind einerseits die Fotos jener Zechen, die schon vor Jahrzehnten dem Erdboden gleich gemacht wurden: Viele seltene Aufnahmen sind dabei, die Orte zeigen, denen man heute ihre frühere Bedeutung gar nicht mehr ansieht. Sentimental stimmen hingegen jene „neueren“ Fotos von in den letzten Jahren stillgelegten Zechen, deren Betriebsgebäude auch mittlerweile weitgehend abgerissen worden sind. Die Bebilderung der Kapitel stammt überwiegen vom Fotografen Wessel selber bzw. aus seinem Sammlungsarchiv. Weitere Bilder stammen aus privaten Sammlungen.

Friedhelm Wessels „30 Zechen im Ruhrgebiet“: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Friedhelm Wessels Buch „Zechen im Ruhrgebiet. 30 Highlights aus der Geschichte“ ist erschienen im Erfurter Sutton Verlag, Deutschlands führendem Verlag für Lokal- und Regionalgeschichte. Auf 128 Seiten findet der Leser rund 150 Fotografien und Abbildungen. Das Buch im Format 17 x 24 cm mit Hardcover-Einband ist für 19,99 Euro im lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-96303-307-0) erhältlich.

 
Der Autor

Friedhelm Wessels „30 Zechen im Ruhrgebiet“: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Friedhelm Wessel wurde 1944 kriegsbedingt in der Nähe von Detmold geboren. Aufgewachsen ist er zwischen der Jacobi-Kolonie in Oberhausen-Osterfeld und dem Herner Dichterviertel. Nach Jahren in verschiedenen Berufen wie Reiseleiter, Monteur im In- und Ausland, Produktions- und Regieassistent bei einer Filmfirma arbeitete er ab 1973 über 30 Jahre als Redakteur und Fotograf für die „Ruhr Nachrichten“ und andere Lokalmedien, wo er sich als Autor lokalgeschichtlicher Publikationen einen Namen machte. Selbst in einer Zechenkolonie aufgewachsen, schildert er authentisch und mit viel Liebe zum Detail den Alltag rund um die Zeche Piepenfritz (Zeche Friedrich der Große in Herne-Horsthausen) zu Beginn der 1960er-Jahre. Das Ergebnis ist ein atmosphärisches Zeugnis einer Kulturregion, die auf Grund der beginnenden Kohlekrise zu dieser Zeit bereits im Untergang begriffen war. Nach der vorzeitigen Pensionierung ist Friedhelm Wessel seit 2006 als publizistischer Spurensucher im Revier unterwegs und hat seitdem weitere Bücher publiziert.
https://verlagshaus24.de/autor/34134/wessel-friedhelm
https://wiki.hv-her-wan.de/index.php?title=Friedhelm_Wessel

Bücher von Friedhelm Wessel im Sutton Verlag:

  • Zechen im Ruhrgebiet. 30 Highlights aus der Geschichte
  • Wo das Ruhrgebiet Geschichte schrieb (erscheint im November 2021)
  • Schalke 04 in den 70er-Jahren (erscheint im Oktober 2021)
  • Alt-Bottrop in historischen Fotografien
  • Kirchhellen 1970 bis 2010
  • Osterfeld – Alte Bilder erzählen
  • Essen 1950 bis 2000 – Alte Bilder erzählen
  • Herne in historischen Fotografien
  • Gelsenkirchen in den 1970er-Jahren

 

 
Sutton Verlag, Erfurt

Friedhelm Wessels „30 Zechen im Ruhrgebiet“: Der Blick ins Buch. Foto: Petra Grünendahl.

Sutton ist der führende Verlag für Regionalgeschichte und -literatur im deutschsprachigen Raum: Vom historischen Bildband reicht das Programm bis zum Freizeitführer. Den zweiten Schwerpunkt des 1997 gegründeten Verlages bildet die Verkehrs- und Technikgeschichte. Außerdem bietet Sutton Krimi unter dem Motto „mordsmäßig spannend“ seit 2011 Regionalkrimis der unterschiedliches Genres. Seit Anfang 2014 gehört Sutton zum Verlagshaus GeraNova Bruckmann in München.
https://verlagshaus24.de/sutton/

 

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Der Blick ins Buch. Fotos: Petra Grünendahl

 
© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl, Cover und Layout: Sutton Verlag

 

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MKM Museum Küppersmühle zeigt Fotografien von Andreas Gursky

Spannende Perspektiven aus der Region und darüber hinaus
Von Petra Grünendahl

Kreuzfahrt (l.), NN (r.): Andreas Gursky im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl.

„Andreas Gursky hält uns den Spiegel vor von einer Welt, die wir kennen, aber so nicht erwarten”, führte Museumsdirektor Prof. Dr. h. c. Walter Smerling in das Werk des Fotografen ein. Der Betrachter findet skupturales Denken in Fotografien umgesetzt. Manche Fotografien sind als Schnappschüsse entstanden, weil Gursky ein Motiv interessant fand. „Entscheidend ist aber: Taugt es zum ‚Bild’“, erklärte Gursky. Schon früh – in den 1990er-Jahren – hatte Gursky die digitalen Möglichkeiten der Fotografie für sich entdeckt. Wo der nötige Abstand zum Motiv fehlt, arbeitet Gursky mit mehreren Aufnahmen für eine „Montage“, die er digital zusammen setzt. Andere Fotos wie auch Schnappschüsse mit dem Smartphone sind eher nur minimal nachbearbeitet. Viele Bilder wirken leicht, alltäglich. Erst auf den zweiten Blick erkennt man seine Konzeption und die Inszenierung. Speziell die großformatigen Werke haben in den hohen Räumen des Museums ihren Reiz. Sie leben aber auch davon, dass der Betrachter aus der Nähe wie bei Wimmelbildern ihre Einzelheiten ausmachen kann.

 

Andreas Gursky (im Vordergrund) und Walter Smerling (l.) im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl.

Die neue Ausstellung im Erdgeschoss des Museums Küppermühle (MKM) stellte Walter Smerling zusammen mit den Fotografen Andreas Gursky im Pressegespräch vor. Smerling hat die Werkschau – ein Querschnitt seines Schaffens – in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler kuratiert: Die Retrospektive ist explizit für den Ort und mit Bezug zur Region gestaltet. „Wir haben hier fantastische Räume mit einem tollen Licht“, schwärmte der Fotograf vom Museum. Während seines Studiums an der Düsseldorfer Akademie bei Bernd und Hilla Becher diente ihm die Region oftmals als Schauplatz. Über 60 Arbeiten aus vier Jahrzehnten zeigt das MKM: Von frühen Arbeiten aus dem Ruhrgebiet über bekannte ikonische Werke bis hin zu neuen Arbeiten. Während die großen hohen Hallen des Museums primär die Großformate präsentieren, gibt es unter anderem in Eingangsbereich die kleinformatigen Werke zu sehen. Die Ausstellung ist ab 9. September fürs Publikum geöffnet.

 

 
Der Künstler

Andreas Gursky im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl.

Andreas Gursky wurde 1955 in Leipzig geboren. Vater und Großvater waren Werbefotografen. Ab 1956 wuchs er in Düsseldorf auf. Zunächst studierte er an der Folkwang Universität in Essen. 1980 begann er an der Düsseldorfer Kunstakademie sein Studium. Bei Bernd Becher schloss er 1985 als Meisterschüler sein Studium ab. Von 2010 bis 2018 hatte er eine Professur für Freie Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf inne. Gurskys Werke finden sich weltweit auf Ausstellungen, in Sammlungen und Museen. Der Künstler lebt und arbeitet in Düsseldorf.

Rhein: Andreas Gursky im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl.

Die Ausstellung „Andreas Gursky“ verdankt das MKM dem Einsatz des Künstlers und seinem Team sowie der Kooperation mit der Galerie Sprüth Magers und dem Museum der bildenden Künste Leipzig. Finanziell unterstützt die National-Bank Essen die Schau, die ansonsten in dieser Dimension nicht möglich gewesen wäre. Aus Anlass der Ausstellung im MdbK in Leipzig ist das Künstlerbuch „–2020. Andreas Gursky“ erschienen, das auch in der Ausstellung im Museum Küppersmühle erhältlich ist. Das 188-seitige Werk mit 57 Bildtafeln, Hardcover mit Leineneinband im Format 30 x 26,3 cm und Schuber, ist für 89 Euro an der Museumskasse zu haben (ISBN 978-3-00-066711-4).

 

Museum Küppersmühle:
Duisburger haben donnerstags freien Eintritt

Bauhaus: Andreas Gursky im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl.

Die Ausstellung „Andreas Gursky“ ist bis zum 30. Januar 2022 in den Erdgeschossräumen des Museums zu sehen. Das Museum Küppersmühle findet man im Innenhafen am Philosophenweg 55 (Haupteingang, der Parkplatz befindet sich auf der anderen Straßenseite). Mittwochs ist das Museum von 14 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis sonntags sowie feiertags von 11 bis 18 Uhr. Montags und dienstags ist Ruhetag. Der Eintritt kostet nur für die Wechselausstellungen 6 Euro (ermäßigt 3 Euro), für das gesamte Haus (inkl. Wechselausstellung) 12 Euro (ermäßigt 6 Euro). Familien (2 Erwachsene plus Kinder) zahlen 18 Euro für das ganze Haus, 10 Euro für Wechselausstellungen. Kinder bis 16 Jahren haben freien Eintritt. Kindergruppen (Schule, Kita, Kinderfreizeit) zahlen 2 Euro pro Kind und Betreuer. Donnerstags haben alle Duisburger (gegen Vorlage des Personalausweises) freien Eintritt. Das MKM ist Partner der Ruhrkultur.Card. Alle Ausstellungsräume des Museums sind auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich. Informationen gibt es unter http://www.museum-kueppersmuehle.de). Es gelten die jeweils gültigen Corona-Regeln.

 

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Impressionen. Fotos: Petra Grünendahl

 
© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Duisburg-Homberg: Zweite Sprengung eines Weißen Riesen in Hochheide

Nach der Sprengung ist vor der Sprengung
Von Petra Grünendahl & André C. Sommer

Feuerwehrchef Oliver Tittmann (l.) und Generalplaner Marc Sommer (r.) beim letzten Presserundgang vor der Sprengung. Foto: Petra Grünendahl.

Rund 4,5 Kilometer Schläuche hatte die Feuerwehr Duisburg für eine Wasserwand verlegt, die die Staubentwicklung unterdrücken sollte als fast 50.000 Tonnen Stahlbeton in sich zusammen fielen. Das Wasserbecken von 600 Kubikmetern (600.000 Liter) Fassungsvermögen würden für knappe 20 Minuten Wasserwand reichen, hatte Feuerwehrchef Oliver Tittmann im Vorfeld gesagt. Auch wenn die Sprengung dieses Mal (im Vergleich zur ersten Sprengung am 24. März 2019) länger dauerte – fünf Einzelsprengungen über 6 Sekunden waren für das komplexere Sprengbild nötig – war schon nach wenigen Sekunden alles vorbei. Die große Staubwolke, die nach Südosten abdriftete, war da von der Wasserwand schon längst nicht mehr einzufangen.

 

Sprengung des Weißen Riesen in Homberg-Hochheide. Foto: Petra Grünendahl.

Mit knapp 10 Minuten Verspätung wurde der zweite Weiße Riese in Homberg-Hochheide gesprengt. Kurz vor 12 Uhr waren der Polizeihubschrauber- und Drohnenüberwachung noch Menschen in der Evakuierungszone auf Dächern aufgefallen, die aus dem Radius entfernt werden mussten. Danach lief alles nach Plan: nach zwei Verbrämungssprengungen zündeten dann wie geplant die Ladungen zunächst in den mittleren beiden Blöcken, bevor sich dann die äußeren Blöcken darauf legten. Rund 50.000 Tonnen Stahlbeton gilt es jetzt noch in den nächsten Monaten abzufahren.

 
Unser Video von der Sprengung. Video: André C. Sommer.

 
Bilderstrecke Sprengung. Fotos: Petra Grünendahl.

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Ein dritter Weißer Riese soll 2023 gesprengt werden

Der Weiße Riese nach der Sprengung. Foto: Petra Grünendahl.

Die Ausschreibungen starten in Kürze, wer den Abbruch übernimmt und entsprechend die notwendigen Sanierungen (Asbest, Mineralwolle) beauftragt. Der Weiße Riese Ottostraße 54 / 56 ist allerdings nur halb so breit (zwei Hochhausblöcke statt der bisherigen vier) und wird damit nicht so viel Zeit für Sanierung und Sprengvorbereitung in Anspruch nehmen wie die ersten beiden Weißen Riesen an der Friedrich-Ebert-Straße 10–16 und Ottostraße 24–30. Wenn die Ausschreibung jetzt zügig abgeschlossen werden kann, rechnet die Stadt Duisburg mit einer Sprengung 2023.

 
Bilderstrecke von der Presse-Tour vor der Sprengung. Fotos: Petra Grünendahl (6), André C. Sommer (1).

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© 2021 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (18), André C. Sommer (1), Video: André C. Sommer

 
 

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Duisburg-Homberg: Letzte Vorbereitungen vor der Sprengung des Weißen Riesen in Hochheide

Neben letzten Arbeiten auf der Baustelle rund um den Weißen Riesen war auch die Feuerwehr für Vorbereitungen zur Sprengung vor Ort und legte Schläuche für die Wasserwand, die bei der Sprengung den Staub unterdrücken soll. Gegenüber an der Ottostraße montierten Bauarbeiter ein Gerüst an die Fassade, um diese vor Schäden zu schützen.

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Letzte Vorbereitungen für die Sprengung des Weißen Riesen Ottostraße 24-30. Fotos: Petra Grünendahl.

© 2021 Petra Grünendahl

 

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Weißer Riese in Homberg-Hochheide: Eine letzte Baustellen-Tour vor der Sprengung

500 Kilogramm Sprengstoff legen fast 50.000 Tonnen Betonrohbau in Schutt und Asche
Von Petra Grünendahl

Sprengmeister Michael Neubert von der Thüringer Sprenggesellschaft. Foto: Petra Grünendahl.

„Wir haben hier mehrere Probesprengungen gemacht, um die optimale Sprengstoffmenge zu bestimmen“, erklärte Michael Neubert, Sprengingenieur bei der Thüringer Sprenggesellschaft (TSG), die am kommenden Sonntag den zweiten Weißen Riesen in Homberg-Hochheide in sich zusammen fallen lassen will. Im Moment, so erzählte Neubert weiter, sei er noch ganz ruhig, aber spätestens Samstagabend steige die Spannung auch bei ihm. Bislang ist das gesamte Team sehr entspannt, haben doch die meisten von ihnen auch die erste Sprengung am 24. März 2019 mitgemacht.

 

Die letzten Tage des Weißen Riesen an der Ottostraße. Foto: Petra Grünendahl.

Zu einem letzten Rundgang über die Baustelle hatte die Pressestelle der Stadt Duisburg eingeladen. Neben Abbruchunternehmer P&Z Prangenberg & Zaum und Generalplaner rebuild.ing waren Vertreter von Bürger- und Ordnungsamt, der Stabstelle Krisenmanagement und Bevölkerungsschutz sowie die Feuerwehr Duisburg dabei, um letzte Fragen zur Sprengung, abgesperrten Bereichen und Evakuierung der umliegenden Häuser (Radius ca. 500 Meter) zu klären. <