Ballett am Rhein: Ballettabend „One and Others“ begeisterte im Theater Duisburg

Individuell choreographierte Bewegungsspiele von anspruchvoller Technik und Präzision
Von Petra Grünendahl

Demis Volpi „one and others“: Futaba Ishizaki und Tommaso Calcia. © Bettina Stöß.

Bis zu fünf Tanzpaare auf der Bühne tanzen – jedes Paar mit seiner individuellen Choreographie – zu einem Streichquartett des zeitgenössischen griechischen Komponisten Christos Hatzis. Die Musik kommt über Lautsprecher im Surround-Sound auf die Bühne, immer wieder verbunden mit Sound-Effekten, die das emotionale Bewegungsspiel der Tänzer dramatischer wirken lassen.

Demis Volpi „one and others“: Lara Delfino und Ensemble^. © Bettina Stöß.

Demis Volpi, Ballettdirektor und Chefchoreograph des Ballett am Rhein, hatte „One and Others“, das diesem Ballettabend seine Namen gibt, 2015 für das Ballet Nacional del Sodre in Uruguay kreiert. Der britische Choreograph Christopher Wheeldon ist heute eher für seine abendfüllenden narrativen Ballette bekannt. Mit „Polyphonia“ entwickelte er 2001 für das New York City Ballet eine abstrakte neoklassische Arbeit mit einer herausfordernden Choreographie, die – ähnlich wie „One and Others“ auf jeden Tänzer, jedes der vier Paare individuell zugeschnitten ist.

Demis Volpi „one and others“: Nelson López Garlo, Damián Torío, Lara Delfino, Dukin Seo, Pedro Maricato, Tommaso Calcia. © Bettina Stöß.

Die Musik stammt von György Ligeti: Zehn Klavierstücke (gespielt von Susanna Kadzhoyan und Eduardo Boecheat) aus unterschiedlichen Schaffensphasen des österreichisch-ungarischem Komponisten. Das Ballett gilt als ein Meilenstein der Tanzgeschichte. Monoton und wuchtig wie das Wummern von Maschinen beginnt die Musik von Ori Lichtik: Wie Roboter bewegen sich auch zunächst die Tänzer. Je melodischer die Komposition, umso agiler und individueller werden auch die Bewegungen der Tänzer. Die israelische Choreographin Sharon Eyal nimmt den Betrachter mit „Salt Womb“, das sie 2016 für das Nederlands Dans Theater choreographiert hat, mit auf einer Reise ins Innere: Ritual und Rausch sprechen ihre eigene Bewegungssprache.

 

Christopher Wheeldon „Polyphonia“: Rashaen Arts und Lara Delfino. © Bettina Stöß.

Mit “One and Others” zeigte Demis Volpi seinem neuen Ballettabend im Theater Duisburg. Alle drei Stücke – „Polyphonia“ von Christopher Wheeldon, „Salt Womb“ von Sharon Eyal sowie seine eigene Choreographie “One and Others” – bietet modernes abstraktes Tanztheater, dass die Tänzer des Ballett am Rhein mit anspruchvoller Technik und höchster Präzision vor einem begeisterten Publikum auf die Bühne brachten.

Christopher Wheeldon „Polyphonia“: Marié Shimada und Orazio Di Bella. © Bettina Stöß.

Neben der Klavierbegleitung in „Polyphonia“ kam in den beiden anderen Stücken Tonbandmusik zum Einsatz, da die aufwendige musikalische Untermalung so wohl nicht hätte live von einem Orchester präsentiert werden können. Der Ballettabend ist empfohlen ab 12 Jahre und dauert gute zwei Stunden (inkl. zwei Pausen). Die Bühnengestaltung lebte von der Präsenz der Tänzer in ihren Kostümen und ihrer Inszenierung im Licht. Für „Polyphonia“ zeichnete Holly Hynes für Kostüme und Mark Stanley für Licht verantwortlich. Bei „One and Others“ stammen die Kostüme von Thomas Lempertz, das Lichtdesign von Claudia Sánchez. Und „Salt Womb” zeigte Kostüme von Sharon Eyal, Gai Behar, Rebecca Hytting und ein Lichtdesign von Alon Cohen.

 

 
Ein kleiner Vorgeschmack:

 

 
Weitere Termine:
Do | 26. Mai 2022 | 18:30 Uhr im Theater Duisburg sowie
Fr | 27. Mai 2022 | 19:30 Uhr im Opernhaus Düsseldorf.

 
Deutsche Oper am Rhein

Christopher Wheeldon „Polyphonia“: Marié Shimada, Orazio Di Bella, Simone Messmer, Nelson López Garlo, Charlotte Kragh, Gustavo Carvalho, Lara Delfino, Rashaen Arts. © Bettina Stöß.

Die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg gGmbH ist eine Theatergemeinschaft der Städte Düsseldorf und Duisburg, die auf eine lange Tradition der Zusammenarbeit zwischen den beiden Großstädten zurückblicken kann. Seit ihrer Gründung 1956 zählt sie zu den bedeutendsten Opernhäusern Deutschlands. Durch ihr hochrangiges Solistenensemble, den Chor sowie die national wie international gefeierte Compagnie Ballett am Rhein hat sie sich zu einer der ersten Adressen für Musiktheater und Tanz in Europa entwickelt. Sie ist in der größten und dichtesten Kulturregion Deutschlands beheimatet. Allein die beiden Städte Düsseldorf und Duisburg zählen zusammen fast 1,1 Millionen Einwohner, aber auch die umliegenden Regionen und eine große Zahl auswärtiger Gäste profitieren vom hochkarätigen künstlerischen Angebot der Deutschen Oper am Rhein.
www.operamrhein.de

 

 

Sharon Eyal „Salt Womb”: Gustavo Carvalho, Miquel Martínez Pedro und Ensemble. © Bettina Stöß.

Tickets kosten für Duisburg zwischen 17,00 und 67,00 Euro und für Düsseldorf 19,00 bis 90,00 Euro. Eintrittskarten gibt es online ebenso wie in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr).

Sharon Eyal „Salt Womb”: Miquel Martínez Pedro und Ensemble. © Bettina Stöß.

Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in das Stück, seine Entstehung und die Aufführung gibt. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

 

 
Die unvermeidlichen Corona-Regeln

Sharon Eyal „Salt Womb”: Ensemble. © Bettina Stöß.

Die Kapazitätsbegrenzungen in den Sälen sind aufgehoben. Im gesamten Haus gilt nach wie vor, voraussichtlich mindestens bis zum 15. Mai 2022, Maskenpflicht. Es wird gebeten, den Mund-Nasen-Schutz auch im Saal während der gesamten Vorstellung zu tragen. Innerhalb der Räumlichkeiten (z. B. Vorstellungskasse, Garderobenbereiche, Foyers, Sanitäranlagen) ist das Tragen einer OP- oder FFP2-Maske Pflicht. Es gelten die üblichen Hygiene- und Abstandsregeln. Aktuelles gibt es hier.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Bettina Stöß

 

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Deutsche Oper am Rhein begeisterte im Theater Duisburg mit Der Kaiser von Atlantis

Widerstand gegen das Unrecht:
Wenn der Tod seine Arbeit verweigert

Von Petra Grünendahl

Emmett O’Hanlon (Overall). © Hans Jörg Michel.

Seit 15 Jahren ist Overall (Emmett O’Hanlon) Kaiser von Atlantis und seit 15 Jahren herrscht Krieg. Der Harlekin (Martin Koch) verhöhnt sich mit seinem Lachen selber, der Tod (Luke Stoker) verzweifelt: Das Lachen, das nicht mehr lachen, und das Sterben, das nicht mehr weinen kann. Der Kaiser hat sich in seinem Palast eingeschlossen, um besser regieren zu können: Er schert sich nicht um das Leid seines Volkes. Als er, begleitet vom Lautsprecher (Thorsten Grümbel) und dem Trommler (Rosarió Chavez), den Krieg jeder gegen jeden ausruft, streikt der Tod: Die Menschen und Soldaten leiden, aber kein Tod erlöst sie. Es kommt zu Aufständen der lebenden Toten gegen den despotischen Herrscher. Der Soldat (Sergej Khomov) erschießt das Mädchen (Anke Krabbe), aber es stirbt nicht. Das Mädchen (in Uniform) hat nie etwas anderes als Krieg erlebt. Mit dem Soldaten entdeckt sie, dass es noch etwas anderes als Krieg gibt. Der Tod bietet Overall an, seinen Streik zu beenden, wenn er ihm folgt: „Ich lasse die Menschen nicht leiden. Ich erlöse sie vom Leid“, so der Tod, der seine Bestimmung wieder gefunden hat. Harlekin und der Tod, zu Beginn verzweifelt und optisch heruntergekommen, erstrahlen mit dem Abgang des ungeliebten Herrschers, haben sie doch ihre Bedeutung wieder erlangt: Den Menschen die volle Bandbreite des Leben mit Liebe, Freude und Sterben wieder zu geben.

 

David Fischer (Harlekin). © Hans Jörg Michel.

In Duisburg feierte Viktor Ullmanns „Der Kaiser von Atlantis“ eine vom Publikum begeistert aufgenommene Premiere. Viktor Ullmann hatte das Spiel in einem Akt und vier Bildern zu einer Dichtung von Peter Kein 1943/44 komponiert, als sie beide im Konzentrationslager Theresienstadt (auch Ghetto Theresienstadt) einsaßen: Die Erlebnisse von Entbehrungen und Terror beeinflussten die Entstehung der Oper, die zwar in Theresienstadt geprobt worden war, aber erst 1975 in Amsterdam uraufgeführt wurde (deutsche Erstaufführung 1985). Ihre Botschaft jedoch, aufzustehen gegen Unrecht und Unterdrückung, trägt bis in unsere Gegenwart. Musikalisch geprägt war Ullmann von unterschiedlichen Stilrichtungen: die Marschmusik seiner Kindheitstage als Sohn eines hochrangigen k.u.k.-Offiziers, die Lehren seiner Mentoren Arnold Schönberg und Alexander von Zemlinsky, die jazzgeprägte Unterhaltungsmusik seiner Zeit und seine Liebe zur formalen Strenge eines Johann Sebastian Bach flossen in die Komposition ein. Die italienische Opernregisseurin Ilaria Lanzino hatte das Stück für ein Corona-Publikum inszeniert (wegen seiner kleinen Besetzung beim Gesang und Orchester, die auf Abstand agieren, und der überschaubaren Dauer): In Düsseldorf feierte das Stück bereits im Oktober 2020 Premiere, war dann im Lockdown bei Operavision zu sehen und erlebte jetzt auch in Duisburg endlich seine Premiere. Und man muss ganz klar sagen: Das Stück hat auch nach den Einschränkungen der Corona-Pandemie seinen Platz im Repertoire mehr als verdient. Das gut einstündige Stück (keine Pause) wird gesungen in deutscher Sprache, Übertitel erleichtern das Verständnis der Handlung. Empfohlen wird die Kurzoper ab 12 Jahren.

 

 
Über den Kampf um die Menschlichkeit

Luke Stoker (Tod). © Hans Jörg Michel.

Das Stück wurde vom Komponisten und vom Dichter ganz bewusst als Parabel angelegt über die Arbeitsverweigerung des Todes, der sich nicht länger zum Handlanger des despotischen Kaiser Overall instrumentalisieren lassen will. Trotz diverser Zensurversuche während der Proben ist das Stück in Theresienstadt nie zur Aufführung gekommen. Seine Botschaft ist aber aktuell wie nie zuvor: Neben seinen musikalischen Qualitäten ein Grund, es viel häufiger auf die Opernbühne zu bringen!

 

Kimberley Boettger-Soller (Trommler), Emmett O’Hanlon (Overall). © Hans Jörg Michel.

In kleiner Besetzung spielten hervorragende Duisburger Philharmoniker unter der Leitung von Christoph Stöcker auf. Für Bühnenbild und Kostüme zeichnet Emine Güner verantwortlich, das Lichtdesign stammt von Thomas Diek. So empfehlenswert auch die Aufzeichnung bei Operavision war, die anerkanntermaßen ihre Stärken hatte, so sehr zeigte aber auch die Aufführung die Qualitäten des Live-Erlebnisses: Die Akustik im Theatersaal brachte die herausragenden Sänger mit ihren anspruchsvollen und herausfordernden Gesangspartien ebenso wie die fantastischen Duisburger Philharmoniker ganz hervorragend zur Geltung. Das kann eine Filmaufzeichnung nicht leisten.

 

 
Ein kleiner Vorgeschmack:

 

 
Weitere Termine im Theater Duisburg:
Sa | 21. Mai 2022 | 19:30 Uhr,
So | 29. Mai 2022 | 15:00 Uhr,
Sa | 4. Juni 2022 | 19:30 Uhr und
Sa | 11Juni 2022 | 1930 Uhr.

 
Deutsche Oper am Rhein

Sergej Khomov (Soldat), Anke Krabbe (Mädchen). © Hans Jörg Michel.

Die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg gGmbH ist eine Theatergemeinschaft der Städte Düsseldorf und Duisburg, die auf eine lange Tradition der Zusammenarbeit zwischen den beiden Großstädten zurückblicken kann. Seit ihrer Gründung 1956 zählt sie zu den bedeutendsten Opernhäusern Deutschlands. Durch ihr hochrangiges Solistenensemble, den Chor sowie die national wie international gefeierte Compagnie Ballett am Rhein hat sie sich zu einer der ersten Adressen für Musiktheater und Tanz in Europa entwickelt. Sie ist in der größten und dichtesten Kulturregion Deutschlands beheimatet. Allein die beiden Städte Düsseldorf und Duisburg zählen zusammen fast 1,1 Millionen Einwohner, aber auch die umliegenden Regionen und eine große Zahl auswärtiger Gäste profitieren vom hochkarätigen künstlerischen Angebot der Deutschen Oper am Rhein.
www.operamrhein.de

 

 

Emmett O’Hanlon (Overall), David Fischer (Harlekin). © Hans Jörg Michel.

Tickets kosten zwischen 14,00 und 56,00 Euro. Eintrittskarten gibt es online ebenso wie in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in das Stück, seine Entstehung und die Aufführung gibt. Zusätzlich gibt es zu den meisten Produktionen einen Audio-Opern- oder Ballettführer in einem Kurzformat unter https://www.operamrhein.de/de_DE/opernfuehrer-audio. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

 

 
Die unvermeidlichen Corona-Regeln

Emmett O’Hanlon (Overall), Luke Stoker (Tod). © Hans Jörg Michel.

Die Kapazitätsbegrenzungen in den Sälen sind aufgehoben. Im gesamten Haus gilt nach wie vor, voraussichtlich mindestens bis zum 15. Mai 2022, Maskenpflicht. Es wird gebeten, den Mund-Nasen-Schutz auch im Saal während der gesamten Vorstellung zu tragen. Innerhalb der Räumlichkeiten (z. B. Vorstellungskasse, Garderobenbereiche, Foyers, Sanitäranlagen) ist das Tragen einer OP- oder FFP2-Maske Pflicht. Es gelten die üblichen Hygiene- und Abstandsregeln. Aktuelles gibt es hier.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Hans Jörg Michel

 

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Lehmbruck Museum in Duisburg zeigt Sculpture 21st: Rineke Dijkstra

Bilder einer Heranwachsenden in ihrer ungekünstelten Natürlichkeit
Von Petra Grünendahl

Rineke Dijkstra: Ruth Drawing Picasso 2009 Video Still-1. Foto: Rineke Dijkstra.

Bei ihrem Besuch der Tate Liverpool studiert Ruth Picassos Gemälde „Weinende Frau”. Das Werk Picassos sowie Ruths Zeichnung bleiben dabei unsichtbar. Visuell isoliert erscheint das Mädchen in seiner Schuluniform im Moment und in ihrer Arbeit versunken. Mit ausgestreckten Beinen auf dem Boden sitzend, konzentriert es sich vollkommen darauf, das berühmte Kunstwerk zu kopieren. Nur das Kratzen des Stiftes auf dem Papier ist zu hören. „Ruth Drawing Picasso” ist ein berührendes filmisches Porträt eines jungen Mädchens. Unverstellt und ungekünstelt entwickeln die Bilder Dijkstras eine stilbildende Kraft und bleiben dem Betrachter im Gedächtnis. Die niederländische Künstlerin Rineke Dijkstra (*1959) beschäftigt sich mit den großen Themen der Menschheit: Mit Geburt und Tod, mit Krieg und Frieden und mit der dem Menschen eigenen Verletzlichkeit. Dijkstra ist mit ihren eindringlichen fotografischen Porträts junger Heranwachsender berühmt geworden.

 
Mit der Präsentation von Rineke Dijkstras Videoarbeit „Ruth Drawing Picasso“ (2009) in der Reihe „Sculpture 21st“ zeigt das Lehmbruck Museum ein ikonisches Motiv der Versunkenheit und Konzentration. Dijkstra führt dem Zuschauer in ihrer charakteristischen intensiven Bildsprache ein junges Mädchen bei Zeichenübungen im Museum vor. Die große Videoleinwand ist in der großen Glashalle auch vom Kantpark aus zu sehen. Die Ausstellung wird gefördert durch die Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West. Die Ausstellung wurde am Donnerstagabend mit geladenen Gästen in Anwesenheit der Künstlerin eröffnet und ist ab Freitag, 13. Mai, für das Publikum zugänglich.

 

 
Rineke Dijkstra und Sculpture 21st

Rineke Dijkstra. Foto: Dana Lixenberg.

Nach ihrem Studium in Amsterdam war Rineke Dijkstra als freie Fotografin für Magazine (Mode, Wirtschaft) tätig. Das selbstdarstellerische Posieren der Porträtierten war nicht ihr Ding: Sie suchte Alternativen im künstlerischen Bereich. Nachdem sie auch Arbeiten in der Reihe „Menschen am Strand“ verworfen hatte, weil die Erwachsenen sehr selbstbewusst und wenig natürlich posierten, fand sie in einer 13-Jährigen ein Motiv, das ihren Vorstellungen von Individualität in Posen, Gesicht und subtilen Gesten entsprach. Ab Mitte der 1990er-Jahre wurde die niederländische Künstlerin mit ihren eindringlichen fotografischen Porträts junger Heranwachsender berühmt. Seit den 1990er-Jahren arbeitet Rineke Dijkstra auch mit dem bewegten Bild der Videokamera. Ihre Bilder wirken ehrlich und unverstellt. Sie zeigen junge Menschen in Lebensabschnitten, die von Veränderungen geprägt sind. Die Unsicherheit über das eigene „Ich“ ist sichtbar und noch kaum hinter eingeübten Posen verborgen. Ungeschönt zeigt Deijkstra junge Mütter direkt nach der Geburt oder junge Männer, die freiwillig in den Krieg ziehen. Großformatige Foto-Serien wie die Aufnahmen von Almerisa, einem jungen Mädchen, das mit ihren Eltern vor dem Bosnien-Krieg in den Westen geflüchtet ist, sind heute Teil der Sammlung des Museum of Modern Art. Sie haben dazu beigetragen, die Gattung der Fotografie als eine ebenbürtige Form neben den anderen künstlerischen Gattungen zu etablieren. Rineke Dijkstra lebt und arbeitet in Amsterdam.

 
Unter dem Titel „Sculpture 21st” präsentiert das Lehmbruck Museum seit 2014 wechselnde Positionen zur Skulptur des 21. Jahrhunderts. Einige der wichtigsten Bildhauer der Gegenwart, unter ihnen Tino Sehgal (2014), Antony Gormley (2014), Eija-Liisa Ahtila (2015), Xu Bing (2018) und Julian Opie (2019), präsentieren in der ikonischen Glashalle des Museums ihre Werke und unternehmen damit eine Positionsbestimmung zur Skulptur des 21. Jahrhunderts. Sie alle stellen auf sehr unterschiedliche Weise grundlegende Fragen an das Museum, die Kunst und ihr Verhältnis zur Gesellschaft.

 
Einen kleinen Eindruck vermittelt ein Video von 2009/2010. Quelle: 45Kirederf / YouTube.

 

 
Das Lehmbruck Museum

Das Lehmbruck Museum im Kantpark. Foto: Petra Grünendahl.

Das mitten in Duisburg im Kantpark gelegene Lehmbruck Museum ist ein Museum für Skulptur. Seine Sammlung moderner Plastiken von Künstlern wie Alberto Giacometti, Pablo Picasso, Hans Arp und natürlich Wilhelm Lehmbruck ist europaweit einzigartig. Beheimatet ist das Museum in einem eindrucksvollen Museumsbau inmitten eines Skulpturenparks, der zum Schlendern und Entdecken einlädt.

 
Namensgeber des Hauses ist der Bildhauer Wilhelm Lehmbruck, der 1881 in Meiderich, heute ein Stadtteil von Duisburg, geboren wurde. Lehmbruck ist einer der bedeutendsten Bildhauer der Klassischen Moderne. Er hat mit seinem Werk maßgeblichen Einfluss auf nachfolgende Künstlergenerationen und ist auch nach seinem frühen Freitod im Jahr 1919 bis heute einflussreich geblieben.

 

 
Öffnungszeiten und Eintrittspreise
Rineke Dijkstras Videoarbeit zeigt das Lehmbruck Museum im Rahmen von Sculpture 21st bis zum 28. August. Eine Sonderausstellung der Lehmbruck-Preisträger von 2020 ist unter anderem in den Wechselausstellungsräumen im Anbau zu sehen bis zum 14. August 2022. Geöffnet ist das Lehmbruck Museum dienstags bis freitags ab 12 Uhr, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags an Terminen der plastikBAR (erster Donnerstag im Monat ab 17.30 Uhr) bis 20 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro (ermäßigt* 5 Euro), eine Jahreskarte 35 Euro (ermäßigt* 20 Euro). Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Blinden- und Demenzbegleitung haben kostenlos Eintritt. Schulklassen und Kindergärten zahlen pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte (2 Erwachsene plus Kinder bis 14 Jahre) gibt es für 15 Euro. Jeden ersten Freitag im Monat gilt: „Pay what you want“. Ausgenommen davon sind angemeldete Gruppen.

Zu seinen Sonderausstellungen bietet das Lehmbruck Museum verschiedene Veranstaltungen als Rahmenprogramm an. Zu den Highlights zählt hier mit Sicherheit das Künstlergespräch am Sonntag, 27. März, um 14 Uhr, sowie die Kuratorinnenführungen am Sonntag, 1. Mai, mit Ronja Friedrich sowie am Sonntag, 12. Juni, mit Dr. Söke Dinkla. Öffentliche Führungen durch das Museum gibt es jeden Sonntag um 11.30 Uhr. Für Informationen steht die Kunstvermittlung des Lehmbruck Museums unter Telefon 0203 / 283-2195 oder eMail kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de zur Verfügung (Zu Preisen und Buchungen für Führungen geht es hier). Tickets für Führungen und Veranstaltungen können vorab im Ticket-Shop des Museums gebucht werden.

Aktuelle Informationen zu Corona-Schutzmaßnahmen gibt es hier .

 
(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70%), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen mit Sozialhilfebezug.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Rineke Dijkstra (1), Dana Lixenberg (1), Petra Grünendahl (1)

 
 

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Ludwiggalerie Schloss Oberhausen zeigt Fotografien von Linda McCartney

Die Fotografin unter Musikern entführt zu den Jugend-Idolen der späten Sechziger
Von Petra Grünendahl

The Rolling Stones, New York, 1966 © Paul McCartney/Fotografin Linda McCartney/Courtesy Sammlung Reichelt und Brockmann.

Ihre Fotos begeistern insbesondere durch ihre Nähe zu den Stars, die die Idole so manch einer Jugend waren. Als die Amerikanerin Linda Eastman (1941–1998) Mitte der 1960er Jahre zu fotografieren beginnt, gerät sie unmittelbar in die Szene von Rock und Pop. Eine Presseeinladung öffnet ihr die Türen zu der Promotion-Party der Rolling Stones. Hier beginnt ihre ungewöhnliche Karriere: „Es waren die Zeiten, als Jimi Hendrix aus heiterem Himmel in mein Apartment geschneit kam und ich mit Jim Morrison in Chinatown zum Essen ging.

The Beatles, London, 1967 © Paul McCartney/Fotografin Linda McCartney/Courtesy Sammlung Reichelt und Brockmann.

Einmal kaufte ich mit Janis Joplin Erdnussbutter für ein mitternächtliches Festmahl, ein andermal kurvte ich mit Jackson Browne mit der U-Bahn durch die Stadt.“ Bereits etabliert als Fotografin in der Musikszene trifft sie die Beatles und damit ihren späteren Ehemann Paul, mit dem sie von 1969 bis zu ihrem Tod verheiratet war. Sie beobachtet und dokumentiert die Entstehung des berühmten Covers zu Abbey Road aus dem Jahr 1969 und gibt mit ihren Fotos intimen Einblick in das Familienleben der McCartneys.

 

Linda McCartney: Das Plakat zur Ausstellung. Quelle: Ludwiggalerie.

Kaum war zu Beginn des Jahres 2020 die Ausstellung „Fotografin unter Musikern: Linda McCartney – The Sixties and more” eröffnet, musste sie – nach dem Ausbruch von Corona – auch schon wieder schließen. Die bis dahin tolle Resonanz und unzählige Nachfragen nach einer Wiederauflage haben die Ludwiggalerie dazu bewogen, diese internationale und weibliche Position im Bereich der Fotografie, inklusive eines breiten Rahmenprogramms, erneut zu zeigen. Die Ausstellung wurde erarbeitet mit der Stiftung „Reichelt und Brockmann Art Foundation“ Mannheim. Die Schau wird am Samstag, 14. Mai offiziell eröffnet. Einen Einblick gibt der Flyer zur Ausstellung.

 

 
Die Sechziger in Bildern eingefangen

Roadworks: My Love, London, 1978 © Paul McCartney/Fotografin Linda McCartney/Courtesy Sammlung Reichelt und Brockmann.

Vor allem ihre Bilder der großen Musikstars der späten 1960er Jahre prägen bis heute das Bild dieser sich von moralischer Etikette befreienden Zeit. Janis Joplin und Jimi Hendrix, Nico und Brian Jones, The Doors und The Who, Aretha Franklin und Bob Dylan werden von ihr in selbstverständlicher Natürlichkeit und häufig auch mit großer Dynamik ins Bild gesetzt. Die Ausstellung zeigt mit den Fotos aus den Sixties eindringliche Momente dieser intensiven musikalischen Ära. Auch auf all ihren Reisen hat Linda McCartney die Kamera mit dabei gehabt. Ihre Roadworks zeigen ausdrucksvoll die Beobachtungen von Menschen und Räumen. Immer wieder ist es der Blick in den Rückspiegel, der fasziniert hat. Und schließlich ist McCartney auch im experimentellen Bereich kreativ geworden. Ihre Sunprints zeigen durch das Tageslicht, durch die Sonne, belichtete Bilder, die vom Stillleben bis zum Porträt reichen.

 

Aretha Franklin, für Mademoiselle, Los Angeles, 1968 © Paul McCartney/Fotografin Linda McCartney/Courtesy Sammlung Reichelt und Brockmann.

Zusätzlich zu den Fotografien wird dem Thema der Musik und dessen bildkünstlerischer Ausformung intensiv nachgegangen. Die Gestaltung von Plattencovern, die sich ab der Mitte der 1960er Jahre ebenfalls grundlegend verändert, wird in einem eigenen Ausstellungsbereich vorgestellt. Ikonische Designs wie Hipgnosis‘ The Dark Side of the Moon für Pink Floyd, Klaus Voormanns Revolver für die Beatles oder Andy Warhols Sticky Fingers für die Rolling Stones haben heute Kultstatus. Ein eigens für die Ausstellung zusammengestellter Soundwalk ermöglicht den Besuchern auch musikalisch in die Zeit der Sechzigerjahre einzutauchen.

 
Zur Ausstellung „Fotografin unter Musikern: Linda McCartney – The Sixties and More“ ist ein Booklet mit einem Text von Dr. Christine Vogt mit 16 Seiten (2. Auflage) für 5,00 Euro erhältlich (ISBN 978-3-932236-47-1).

 

 
Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen

Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Die Sonderausstellung im Großen Schloss läuft bis zum 11. September 2022. Das Museum ist geöffnet von Dienstag bis Sonntag zwischen 11 und 18 Uhr. Montags ist Ruhetag, feiertags sowie Oster- und Pfingstmontag ist jedoch geöffnet. Geschlossen ist am 24., 25. und 31. Dezember sowie 1. Januar. Der Eintritt kostet 8,00 Euro (ermäßigt 4,00 Euro, Familien mit zwei Erwachsenen plus Kindern 12,00 Euro). Außerdem gibt es ein Kombiticket mit dem Gasometer Oberhausen für 14,00 Euro.

 

Janis Joplin im Fillmore East mit “Ball and Chain”, New York, 1967 © Paul McCartney/Fotografin Linda McCartney/Courtesy Sammlung Reichelt und Brockmann.

Öffentliche Führungen finden im Großen Schloss sonn- und feiertags um 11.30 Uhr statt. Zudem gibt es Kuratorinnenführungen (mit der Direktorin Dr. Christine Vogt):

  • Sonntag, 15.05.2022, 14 Uhr (um 15 Uhr führt sie durch die Manfred-Vollmer-Ausstellung im Kleinen Schloss),
  • Sonntag, 26.06.2022, 15 Uhr,
  • Sonntag,31.07.2022, 15 Uhr,
  • Sonntag, 21.08.2022, 15 Uhr,
  • Sonntag, 11.09.2022, 15 Uhr.

Alle Führungen sind im Museumseintritt inklusive. Details zum Rahmenprogramm zu den Ausstellungen sowie zum museumspädagogischen Angebot gibt es hier. Tagesaktuelle Informationen zu den Corona-Regeln auf gibt es auf der Website.

 

Das Kleine Schloss der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Foto: Petra Grünendahl.

Nur noch bis Sonntag, 15. Mai 2022 zeigt die Ludwiggalerie in im Kleinen Schloss Fotografien von Manfred Vollmer: „ausgelöst – Fotografien von 1968 bis heute“. Hier unser Bericht … Ab dem 22. Mai zeigt die Ludwiggalerie im Kleinen Schloss bis zum 3. Juli 2022 die Ausstellung „Welche Farbe hat …? – 55 Jahre Städtische Malschule Oberhausen“ und anschließend vom 10. Juli bis zum 16. Oktober 2022 „PARALLEL – Der Kunstverein zu Gast in der Ludwiggalerie“ mit den Künstlern Jan Kolata und Paul Schwer.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Linda McCartney / Sammlung Reichelt und Brockmann (6), Petra Grünendahl (2)

 
 

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GMGV in Moers zeigt Gemälde von Axel Kasseböhmer auf Rheinpreußen Schacht IV

Ausstellung bergmännischen Lebens
neu konzipiert und erweitert

Von Petra Grünendahl

Von links: Peter Boschheidgen, André Thissen und Theo Wilbers. Foto: Petra Grünendahl.

„Unsere Lampenmeisterin putzt noch die letzten Lampen, da wir hier auf den letzten Drücker fertig werden“, erklärte André Thissen, Leiter des Arbeitskreises Schacht IV, der sich mit ehrenamtlichen Helfern um das Industriedenkmal und die Bergbausammlung des Vereins kümmert. Aus dem Nachlass des in München lebenden Künstlers Axel Kasseböhmer hat der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein (GMGV) dessen Sammlung von Bergbau-Utensilien als Schenkung bekommen. Während der zwei Jahre Corona-Pause haben ehemalige Moerser Bergleute und Helfer Tausende von Arbeitsstunden investiert, um diese und andere Ausstellungsstücke zu restaurieren und das Museum für eine Neupräsentation umzubauen. Lampenmeisterin Anja Thissen hat die Wetterlampen aufgearbeitet und poliert, die elektrischen Lampen gereinigt und aus den Akkus die Lauge entfernt, damit diese gut gepflegt in den neuen Vitrinenschränken präsentiert werden können. Zumindest teilweise: „Wir haben rund 300 Lampen bekommen, davon gut die Hälfte elektrisch“, so André Thissen. „Knapp 80 Lampen können wir hier zeigen. Das heißt, wir werden die Ausstellung auch mal umbauen.“

 

Von links: Dieter Soyke, Alberto Dominguez, Joachim Bürger, Heinz Bernard, Theo Wilbers, Peter Boschheidgen und André Thissen. Foto: Petra Grünendahl.

Zur Saisoneröffnung am Sonntag, 15. Mai, um 11 Uhr auf Rheinpreußen Schacht IV in Moers startet der GMGV mit einer Doppel-Premiere, die der GMGV-Vorsitzende Peter Boschheiden zusammen mit André Thissen und ehrenamtlichen Helfern vorstellte. Zum einen startet das Bergbaumuseum im Fördermaschinenhaus mit einem völlig neuen Konzept und vielen neuen Ausstellungstücken. Zum Zweiten zeigt der GMGV erstmals in Moers eine Ausstellung mit Gemälden von Axel Kasseböhmer (1952–2017). Die Bilder werden dem GMGV für diese Saison (die Arbeiten sind bis Oktober zu sehen) von dessen Berliner Galerie Sprüth Magers als Leihgaben zur Verfügung gestellt. Seine Gemälde in unterschiedlichen Formaten sind an den Wänden im Maschinenraum ausgestellt, wo sonst die historische Architektur, Fördermaschine und Umformer die Stars sind. Am Vorabend der Ausstellungseröffnung soll es von 21 bis 23 Uhr einen Night-Preview geben, bei dem die Schaustücke und Gemälde in der Maschinenhalle nur im Schein der Lichtinstallationen zu sehen sind, die André Thissen mit seinen Kollegen an den Maschinen angebracht hat und die sonst nie wirklich (auch nicht zur Extraschicht) zur Geltung kommt. Zur Eröffnung am Sonntag ist Schacht IV bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist ebenso wie die Führungen durch das Museum kostenlos. „Wir als ehemalige Bergleute wollen Besuchern das Leben im Bergbau nahe bringen“, so André Thissen.

 

 
Axel Kasseböhmer und seine Bergbau-Leidenschaft

Axel Kasseböhmer im Maschinenraum. Foto: Petra Grünendahl.

Als Sohn eines Bergmanns wurde Axel Kasseböhmer 1952 in Herne geboren. Aufgewachsen ist er in Neukirchen-Vluyn, wo sein Vater auf der Zeche Niederberg (Niederrheinische Bergwerksgesellschaft) beschäftigt war. An der Düsseldorfer Kunstakademie studierte er bei Joseph Beuys und Gerhard Richter. Kassebaum lebte und arbeitete schließlich in München, wo er seit 2001 eine Professur an der Akademie der Bildenden Künste inne hatte und 2017 nach langer Krankheit verstarb. Als Künstler positionierte sich Axel Kasseböhmer zeitlebens abseits von malerischen Moden und Strömungen und hinterlässt ein umfangreiches Werk, das sich durch einen radikalen, konzeptuellen Ansatz zum Malen auszeichnet. Er war zudem ein begeisterter Sammler von Bergbau-Utensilien.

 

Wetterlampen ab 1816 (unten links). Foto: Petra Grünendahl.

Die Schwester und Alleinerbin Anne Frank wollte diese Sammlung einem Bergbaumuseum geben: Weil die Familie ihre Wurzeln im Ruhrgebiet hat, konnten sich die Moerser durch Vermittlung von Dieter Krämer aus Kamp-Lintfort den Schatz sichern. André Thissen, der als Arbeitskreisleiter dem erweiterten Vorstand des GMGV angehört, hatte gleich begeistert zugesagt, musste aber den geschäftsführenden Vorstand von der Idee erst noch überzeugen. Als die Sammlung 2018 nach Moers kam, war sie zunächst Leihgabe gedacht, allerdings konnten die Ehrenamtlichen die Nachlassverwalterin überzeugen, ihnen die Sammlung (die Stücke sind in der Ausstellung mit einem blauen Punkt gekennzeichnet) zu schenken, was dem Museum die nötige Sicherheit gab. Denn: Auch wenn die Sammlung eine Schenkung war, mussten doch – neben sehr viel ehrenamtlicher Arbeit – auch fast 20.000 Euro investiert werden, um diese mit vielen Stücken aus der eigenen Sammlung in einem Bergbaumuseum angemessen präsentieren zu können.

 

 
 
Bergbaumuseum zeigt einen Querschnitt bergmännischen Lebens

Lampenstube in der Kaue. Foto: Petra Grünendahl.

Fördergelder deckten gerade mal 10 Prozent der nötigen Investitionen, z. B. in Vitrinenschränke und Umbauten zur Präsentation von alten und neuen Ausstellungstücken. In einem hinteren Raum auf der Fördermaschinenebene, der heute auch als Büro oder Konferenzraum genutzt wird, haben die Ehrenamtlichen des Arbeitskreises Schacht IV gute neun Meter Vitrinenschränke aufgebaut und so bestückt, dass Besucher die Entwicklung der Wetterlampen ab 1816 (zunächst Öllampen, später Benzin-Sicherheitslampen) und der elektrischen Bergbaulampen nachvollziehen können. Die Vitrinen sind Maßanfertigungen für die Ausstellung, die André Thissen geplant hatte: „Die Entwürfe sind genau so umgesetzt worden, wie er uns seine Planung auf dem PC gezeigt hatte“, erzählte Peter Boschheidgen. Neben den Lampen geben weitere Exponate rund um den Bergbau Einblicke in die Geschichte der Schachtanlagen vor Ort (Zeche Rheinpreußen mit insgesamt neun Schächten in Moers und Duisburg). Weitere Ausstellungsräume befinden sich im Untergeschoss, wo auch bislang schon Schaustücke rund um den Bergbau in der Region aus der umfassenden Sammlung des GMGV präsentiert worden waren.

 

Frühe Sauerstoffgeräte der Grubenwehr. Foto: Petra Grünendahl.

Dazu zählt neben der Neuaufstellung des Grubenwehrraumes mit einer besseren Präsentation und zusätzlichen Informationen auch die neue Kaue (in der Ausstellung kombiniert mit der Lampenstube). Auch haben die Helfer und Vereinsmitglieder durchaus vorhandene Lücken in der umfangreichen Sammlung von Kasseböhmer mit eigenen Schaustücken (als Leihgaben) ergänzt. Das Bergbaumuseum mit viel Lokalkolorit (fast alles war auf der Zeche Rheinpreußen im Einsatz) ist ein Schmuckstück geworden, welches einen Besuch lohnt!

 

 
Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e.V.

Fördermaschinenhaus am Schacht IV der Zeche Rheinpreußen in Moers-Hochstraß. Foto: Petra Grünendahl.

Der Museums- und Geschichtsverein in Moers möchte die Geschichte und Kultur der Grafschaft Moers schützen und erhalten – und das seit 1904. In diesem Jahr gründete Dr. Hermann Boschheidgen den „Verein für Heimatkunde“. Seitdem werden vom Verein, der heute „Grafschafter Museums- und Geschichtsverein“ heißt, Gegenstände aus dem Alltag und dem Leben der Moerser Bevölkerung zusammengetragen und im Moerser Schloss ausgestellt. Dadurch soll gemeinsam mit der Stadt Moers interessierten Bürgern die Geschichte der Grafschaft und des Altkreises Moers nahe gebracht werden. Den kulturellen und historischen Wert des Schlossparks stärker bewusst zu machen und zu erhalten ist ebenfalls ein Ziel der Arbeit des GMGV. Der heutige Vorsitzende, Peter Boschheidgen, ist ein Enkel des Vereinsgründers.

André Thissen in der Kaue. Foto: Petra Grünendahl.

Als weiterer Schwerpunkt der Vereinstätigkeit kam später die Geschichte des Bergbaus mit dem Nutzungsrecht für das „Industriedenkmal Rheinpreußen Schacht IV“ hinzu, mit der Verpflichtung, das Maschinenhaus von 1906 zu erhalten. Der Bergwerks-Standort war 1962 stillgelegt worden. Unter dem langjährigen Vereinsvorsitzenden Andreas Eichholtz übernahm der GMGV Ende der 1990er-Jahre als Bauherr mit finanzieller Unterstützung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, des Landes NRW und der Nordrhein-Westfalen-Stiftung die Renovierung. Das Denkmal und die restaurierte Technik kann im alten Maschinenhaus besichtigt werden. Ehemalige Bergleute erklären die Fördertechnik und führen durch die Sammlung. Geöffnet ist Bergbaumuseum von Mai bis Oktober jeden Sonntag von 13 bis 16 Uhr. Gruppenführungen sind außerhalb der Öffnungszeiten nach Vereinbarung möglich. Kontakt unter Telefon 02841 / 889108 (mittwochs 9 bis 12 Uhr) oder per Mail an schacht4(at)gmgv-moers.de.
www.gmgv-moers.de

Impressionen aus der Ausstellung auf Zeche Rheinpreußen Schacht IV. Fotos: Petra Grünendahl

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© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Das Ruhrgegbiet lockt für spannende Ausflüge: „Blühende Oasen“ im Klartext Verlag

Parks und Gärten in der Region von
Xanten und Wesel bis Dortmund und Hamm

Von Petra Grünendahl

Blick ins Buch: Blühende Oasen – Ausflüge zu Parks und Gärten im Ruhrgebiet im Klartext Verlag. Foto: Petra Grünendahl.

In Duisburg hat es der Garten der Erinnerungen in die Auswahl des Autors geschafft, mit einer einzigartigen Verbindung von Historie, Kunst und Grün. Ebenso der Kaisergarten in Oberhausen, der mehr ist als nur ein Volksgarten mit Tiergehege. Die Ziele reichen vom Archäologischen Park in Xanten und dem Heubergpark in Wesel, der ursprünglich mal ein Exerzierplatz war, im Westen über Gärten und Parks in Mülheim, Essen, Bochum, Gelsenkirchen und Herten bis zum Park der Hohensyburg in Dortmund und dem Maximilianpark in Hamm im Osten. Parks von Schlössern und Herrenhäusern finden sich neben gestalteten Grünanlagen und ehemaligen Gartenschaugeländen (Gruga und Nordsternpark). Dass es im Ruhrgebiet außer viel Industriekultur auch repräsentative Schlossparks, Klostergärten und aufregend inszenierte öffentliche Parks gibt, sollte nur den erstaunen, der nicht von hier stammt. Was aber wiederum nicht heißt, dass nicht auch Menschen im Ruhrgebiet den einen oder anderen Hinweis gebrauchen könnten, wo sich lohnende Ausflugsziele in der Region finden. Viele Tipps dafür hat der Autor jedenfalls parat.

 

Blick ins Buch: Blühende Oasen – Ausflüge zu Parks und Gärten im Ruhrgebiet im Klartext Verlag. Foto: Petra Grünendahl.

Für sein Buch „Blühende Oasen“ hat Patrick Bierther 15 Ausflüge zu Parks und Gärten im Ruhrgebiet zusammen gestellt. Auf jeweils acht bis zwölf Seiten beschreibt Bierther seine ausgewählten Ziele mit ihren historischen Hintergründen, aktueller Nutzung und mitunter sehr detailliert die Botanik. Grundlegende Daten zum Ziel, seine Besonderheiten und seine unmittelbaren und näheren Umgebung (Am Weg oder Abstecher), eine Einordnung des Ziels in verschiedene Kategorien, Gastronomie-Tipps sowie Tipps zur Anreise (Pkw/Parkplatz und ÖPNV) runden die Informationen ab.

 

 
Der Autor und das Buch

Blick ins Buch: Blühende Oasen – Ausflüge zu Parks und Gärten im Ruhrgebiet im Klartext Verlag. Foto: Petra Grünendahl.

Patrick Bierther weiß, wovon er schreibt: Er ist in Essen-Werden aufgewachsen und nach 25 Jahren wieder dorthin zurückgekehrt, um einen viel zu großen Garten zu pflegen. Dazwischen liegen ein Studium in Berlin, ein Redaktionsvolontariat, 20 Bücher, viele, viele Artikel – und zwei Jahre auf Zechen (Zollverein und Nordstern), freilich nicht als Bergmann, sondern als Öffentlichkeitsarbeiter unter anderem für die Bundesgartenschau.

 
Das Buch „Blühende Oasen – Ausflüge zu Parks und Gärten im Ruhrgebiet“ von Patrick Bierther ist im Essener Klartext Verlag erschienen. Das 144-seitige Taschenbuch aus der Reihe „Schönes NRW“ mit zahlreichen Fotografien ist für 16,95 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-8375-2455-0).

 

 
Der Verlag

Blick ins Buch: Blühende Oasen – Ausflüge zu Parks und Gärten im Ruhrgebiet im Klartext Verlag. Foto: Petra Grünendahl.

Der Klartext Verlag wurde 1983 gegründet, seit 2007 ist er Teil der Funke Mediengruppe. Seine Heimat liegt im Ruhrgebiet, wo auch der überwiegende Teil seiner Publikationen angesiedelt ist: Freizeitführer, Sachbücher, Kalender und Bildbände. Mit der „Von oben“-Reihe kann man Städte nicht nur im Ruhrgebiet, sondern in ganz Deutschland aus der Vogelperspektive bewundern. Und mit der Reihe „Irrtümer und Wahrheiten“ (bei ihrem Start im Verlagsprogramm hieß die Serie noch „Klugscheißer“) lernt der Leser Neues zu verschiedenen Orten, Themen und Fußballvereinen – unterhaltsam und fundiert, denn, so der Verlag: „wir machen Bücher mit Qualität und gerne auch mal einem Augenzwinkern.“
www.klartext-verlag.de

 
Der Blick ins Buch. Fotos: Petra Grünendahl

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DuMont: Auf Landkarten-Rätselreise durch Deutschland

Informative Reisen auf dem Papier
Von Petra Grünendahl

Blick ins Buch: Landkarten-Rätselreise Deutschland von DuMont. Foto: Petra Grünendahl.

Wo jeder Reiseführer zur Inspiration und Vorbereitung einer Reise dient, ist die Landkarten-Rätselreise eine Reise auf dem Papier: Texte und schöne Fotos geben einen Eindruck von Orten und ihren Besonderheiten, auf Karten erkundet der Leser dann die Gegend, um Fragen zu beantworten. Dabei lernt er Ziele und Gegenden in ganz Deutschland kennen, deren Besuch selten zu den touristischen Hotspots zählen. Der Leser erfährt auf seinen Reisen mitunter viel Unbekanntes und auch Kurioses. Zum Beispiel: Dass das geografische Zentrum der Welt in Gotha liegt, warum die der erste Raumflug und die Mondlandung im Ruhrgebiet live zu hören waren oder welche deutsche Stadt wie Rom auf sieben Hügeln erbaut worden ist. Oder auch wie die preußische Regierung den Versand von Depeschen aus dem Rheinland nach Berlin von Tagen auf Stunden reduzieren konnte.

 

Blick ins Buch: Landkarten-Rätselreise Deutschland von DuMont. Foto: Petra Grünendahl.

Für ihre „Landkarten-Rätselreise Deutschland“ haben die Autoren Nadine Ormo und Michael Laufersweiler 44 über ganz Deutschland verteilte Orte ausgewählt. Jeweils vier Seiten sind jedem Ziel gewidmet. Einem Einleitungstext folgen sieben bis zehn Fragen zur nebenstehenden Karte in drei Schwierigkeitsgraden: ankommen, aufwärmen, durchstarten. Für das Kartenstudium ist für manch einen vielleicht eine Lupe hilfreich. Die Antworten (ab Seite 182) sind ausführlich und gehen mit weiteren Informationen tiefer in die Materie. Die Fragen lassen alle mit Blick auf die Karte beantworten, die man genau studieren sollte: Aber die ausführlichen Antworten machen die Lektüre weniger zu einer Rätselreise als zu einer Reise zur Erweiterung des eigenen Wissens.

 

 
Die Autoren und das Buch

Blick ins Buch: Landkarten-Rätselreise Deutschland von DuMont. Foto: Petra Grünendahl.

Die beiden Autoren, Nadine Ormo und Michael Laufersweiler, erkunden beide gerne Landkarten. Nadine Ormo lebt in München und ist als freie Kommunikationsberaterin, Texterin und Buchautorin tätig. Schon als Kind begeisterte sie sich im Naturkundeunterricht für Landkarten. Auch nach Bergwanderungen genießt sie es, auf Papierkarten Wege und Flüsse, Bergketten und Hochflächen in Gedanken weiter zu erkunden. Michael Laufersweiler ist gebürtiger Rheinländer, der als freiberuflich tätiger Geograph schon viel in der Welt rumgekommen ist. Er liebt es, gerade die Regionen zu erkunden, die nicht in allen Reiseführern gelistet sind. Auf eine einsame Insel würde er einen Weltatlas mitnehmen.

DuMonts „Landkarten-Rätselreise Deutschland“ bietet auf 232 Seiten viele Informationen, Karten und ansprechende Fotos. Das Taschenbuch ist zum Preis von 15,00 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-616-03101-9).

 

 
DuMont Reiseverlag

Blick ins Buch: Landkarten-Rätselreise Deutschland von DuMont. Foto: Petra Grünendahl.

Die MairDumont Reiseverlagsgruppe aus Ostfildern (bei Stuttgart), zu der auch der DuMont Reiseverlag gehört, ist spezialisiert auf Reise- und Freizeitbücher. Die gesamte Reihe „DuMont Bildatlas“ ist für eine Neuauflage komplett inhaltlich und gestalterisch überarbeitet worden. Die Reihe bietet Reiseführer im Magazinformat über Städte und Regionen – von Deutschland über Europa bis hin zu Zielen in aller Welt, die jetzt sukzessive alle überarbeitet in einer Neuauflage erscheinen.
www.dumontreise.de

 
Der Blick ins Buch. Fotos: Petra Grünendahl

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Inspirierende Ausflüge: Kunst und Natur am Niederrhein im Klartext Verlag

Vielfalt von Museen in Schmuckstücken unterschiedlichster Baustile
umgeben von gestalteter Natur

Von Petra Grünendahl

Blick ins Buch: Inspirierende Ausflüge Kunst und Natur am Niederrhein im Klartext Verlag. Foto: Petra Grünendahl.

„Kunst und Natur am Niederrhein“ verheißt Gärten und Parklandschaften, renaturierte Auen sowie öffentlich zugängliche Skulpturenparks ebenso wie einen vielfältigen Fundus an Museum oder Denkmäler unterschiedlichster Art. Das barocke Schloss Benrath, der Hofgarten und die Kaiserswerther Kaiserpfalz in Düsseldorf, das Museum Insel Hombroich und ein Shakespeare-Theater in Neuss, die Bauhaus-Villen Haus Lange und Haus Esters in Krefeld, Schloss Moyland in Bedburg-Hau oder Kloster Kamp sind nur einige der Ziele, die Autorin Stefanie Bisping angesteuert hat. Sie vermittelt in ihren Texten fundierte und ausführliche Einblicke in die Historie der Orte (und darüber hinaus), die dem Buch einen zusätzlichen Reiz geben. So manches Schätzchen von heute war noch vor wenigen Jahrzehnten eine Ruine oder hat seine heutige Form erst nach Zerstörungen durch einen Neu- oder Umbau bekommen. Dem Leser wird bei der Lektüre schnell klar, wie spannend die Heimat sein kann.

 

Blick ins Buch: Inspirierende Ausflüge Kunst und Natur am Niederrhein im Klartext Verlag. Foto: Petra Grünendahl.

Zwölf „Inspirierende Ausflüge“ hat Autorin Stefanie Bisping zusammen getragen, die den Leser raus locken sollen zu Kunst und Natur am Niederrhein. Die Ziele ihrer Touren liegen zwischen Mönchengladbach und Neuss am mittleren Niederrhein und Kleve am unteren Niederrhein. Historisch greift Bisping bis in die Römerzeit zurück, mit dem Archäologischen Park Xanten und dem westgermanischen Grenzwall Limes (seit 2021 Unesco Welterbe). Von den Spuren der Römer geht es über die Bauslust und Sammelleidenschaft der Kurfürsten und Grafen bis hin zur Strahlkraft der Düsseldorfer Kunstakademie, die weit über die Region hinaus reicht. Es sind spannende Ziele in der Region, die zu besuchen die Autorin mit informativen Texten und einer guten Auswahl an begleitenden Fotos (aus unterschiedlichsten Quellen) Appetit macht.

 

Blick ins Buch: Inspirierende Ausflüge Kunst und Natur am Niederrhein im Klartext Verlag. Foto: Petra Grünendahl.

Ihre Inspirationen für Ausflüge in die nähere Umgebung bieten die Ziele für Menschen mit unterschiedlichsten Interessen, die gerne auch ein bisschen über ihren Tellerrand hinaus schauen. 10 bis 14 Seiten hat die Autorin jedem Ausflugsziel gewidmet. Grundlegende Daten zum Ziel, seiner Umgebung, eine Einordnung des Ziels in verschiedene Kategorien, Gastronomie-Tipps sowie Tipps zur Anreise (Pkw/Parkplatz und ÖPNV) runden die Informationen ab. Eine kleine Nachlässigkeit muss man der Autorin (und den Lektoren des Verlages) allerdings vorwerfen: Für den „Menhir“, der sogar in einer Kapitelüberschrift vorkommt, hätte man sich schon eine Erklärung oder vielleicht sogar ein Foto gewünscht. Immerhin wird man dann über Google schlussendlich bei Wikipedia fündig.

 

 
Die Autorin und das Buch

Blick ins Buch: Inspirierende Ausflüge Kunst und Natur am Niederrhein im Klartext Verlag. Foto: Petra Grünendahl.

Stefanie Bisping schreibt als Reisejournalistin für Tageszeitungen und Magazine und hat zahlreiche Reiseführer und Reise-Bücher über viele unterschiedliche Ecken der Welt veröffentlicht. Sie war 2018 und 2019 unter den Top Ten der „Reisejournalisten des Jahres“ und hat es 2020 auf Platz eins des Rankings geschafft. Geboren und aufgewachsen in Münster lebt sie heute am mittleren Niederrhein.

 
Das Buch „Inspirierende Ausflüge – Kunst und Natur am Niederrhein“ von Stefanie Bisping ist im Essener Klartext Verlag erschienen. Das 144-seitige Taschenbuch aus der Reihe „Schönes NRW“ mit zahlreichen Fotografien ist für 16,95 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-8375-2457-4).

 
Wir hatten bereits Stefanie Bispings „Abenteuer & Oasen Duisburg“ in einer Buchbesprechung (hier der Bericht).

 

 
Der Verlag

Blick ins Buch: Inspirierende Ausflüge Kunst und Natur am Niederrhein im Klartext Verlag. Foto: Petra Grünendahl.

Der Klartext Verlag wurde 1983 gegründet, seit 2007 ist er Teil der Funke Mediengruppe. Seine Heimat liegt im Ruhrgebiet, wo auch der überwiegende Teil seiner Publikationen angesiedelt ist: Freizeitführer, Sachbücher, Kalender und Bildbände. Mit der „Von oben“-Reihe kann man Städte nicht nur im Ruhrgebiet, sondern in ganz Deutschland aus der Vogelperspektive bewundern. Und mit der Reihe „Irrtümer und Wahrheiten“ (bei ihrem Start im Verlagsprogramm hieß die Serie noch „Klugscheißer“) lernt der Leser Neues zu verschiedenen Orten, Themen und Fußballvereinen – unterhaltsam und fundiert, denn, so der Verlag: „wir machen Bücher mit Qualität und gerne auch mal einem Augenzwinkern.“
www.klartext-verlag.de

 
Der Blick ins Buch. Fotos: Petra Grünendahl

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Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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In schwierigem Umfeld: Duisburger Hafen AG zieht positive Bilanz für 2021

Mitarbeiter-Engagement und Impulse zur Weiterentwicklung wirkten sich positiv aus
Von Petra Grünendahl
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Umsatz und Ergebnis. Foto: Screenshot.

„Wir haben eines der besten Ergebnisse der letzten Jahrzehnte erreicht. Daran haben alle mitgearbeitet, die den Betrieb während der Corona-Zeit aufrecht erhalten haben“, sagte Markus Bangen, seit August 2021 Vorsitzender der Geschäftsführung der Duisburger Hafen AG. Durch Umstrukturierungen hatte Bangen seitdem intern wie extern zahlreiche Impulse zur Weiterentwicklung und Modernisierung des Duisburger Hafens gesetzt. „Die positive Bilanz 2021 ist das Ergebnis von vertrauensvoller Teamarbeit, einem offenen Austausch untereinander und vor allem vom herausragenden Engagement aller Kollegen bei duisport. Ihnen gilt ein weiteres Mal der Dank des gesamten Vorstands, denn ohne ihren unermüdlichen Einsatz – egal ob im Büro, zu Hause, auf den Terminals oder in unseren Hallen – hätten wir unseren Betrieb nicht aufrechterhalten können“, so Bangen.

 

Der duisport-Vorstand stellte heute in einer hybriden Pressekonferenz die duisport-Bilanz 2021 vor (v. l. n. r.): Prof. Thomas Schlipköther (Mitglied des Vorstands). Markus Bangen (Vorstandsvorsitzender) und Dr. Carsten Hinne (Mitglied des Vorstands). Foto: krischerfotografie / duisport.

Die duisport-Gruppe (Duisburger Hafen AG und Tochterunternehmen) konnte sich auch im zweiten Jahr der Corona- Pandemie erfolgreich behaupten und beweisen, dass sie krisenfest und zukunftsfähig aufgestellt ist. Hafenchef Markus Bangen stellte die Bilanz 2021 zusammen mit seinen Vorstandskollegen Prof. Thomas Schlipköther und Dr. Carsten Hinne im Hybrid-Pressegespräch vor. Obwohl das Geschäftsjahr 2021 stark von den Auswirkungen und Beschränkungen rund um die dritte und vierte Pandemie-Welle sowie weltweit gestörten Logistikketten und einem massiven Mangel an Rohstoffen und Vorprodukten geprägt war, überzeugte das breit aufgestellte Geschäftsmodell von duisport mit einer deutlich spürbaren Resilienz. Vor diesem Hintergrund ist das Ergebnisplus (nach Steuern) von mehr als 33 Prozent bei einem Umsatzplus von fast 19 Prozent umso beeindruckender. Der Hafenchef warnte allerdings auch, die Erwartungen für das laufende Jahr nicht zu hoch zu schrauben: „Nach einen guten Start im ersten Quartal 2022 sind die Rahmenbedingungen schlechter geworden mit dem Ukraine-Krieg und dem erneuten Lockdown in China.“ Das gelte nicht nur für die Häfen, sondern für die gesamte deutsche Wirtschaft: „Wir fahren auf Sicht im Nebel – und der Nebel wird dichter.“

 

 

  • Umsatz und Ergebnis deutlich gesteigert
  • Containerumschlag weiter auf Rekordniveau
  • Gesamtgüterumschlag bleibt stabil

Umschlag nach Verkehrsträger und Conteiner. Foto: Screenshot.

Die Umsatzerlöse der duisport-Gruppe lagen 2021 mit 346,8 Millionen Euro deutlich oberhalb des Vorjahreswerts von 291,7 Mio. Euro – ein Plus von 18,9 Prozent. Das übertraf auch die Prognose von 315 Mio. Euro klar. In Folge der gestiegenen Umsätze verbesserte sich der Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen (EBITDA) von 44,3 Mio. Euro auf nunmehr 54,6 Mio. Euro. Das Ergebnis vor Steuern liegt bei 29,5 Mio. Euro über dem Vorjahreswert von 22,3 Mio. Euro. Der Jahresüberschuss nach Steuern wuchs von 14,2 Mio. Euro um 33,1 Prozent auf 18,9 Mio. Euro.

 
Im Geschäftsjahr 2021 stieg der Containerumschlag ein weiteres Mal leicht um 2 Prozent auf rund 4,3 Mio. TEU (Twenty-foot Equivalent Unit, so die Bezeichnung für Standard-Container) an (Vorjahr 4,2 Mio.). Insgesamt hat die duisport-Gruppe im vergangenen Jahr 58,2 Mio. Tonnen Güter per Schiff, Bahn und Lkw umgeschlagen. In allen Duisburger Häfen zusammen (also inklusive Werkshäfen) waren es insgesamt 111,1 Mio. Tonnen (Vorjahr: 110,4 Mio. Tonnen).

 

 
 
Investitionen sichern Attraktivität des Standorts

Infrastrukturprojekte im Duisburger Hafen. Foto: Screenshot.

Gesteigert hat duisport seine Ausgaben für Sach- und Finanzinvestitionen auf gut 42 Mio. Euro (2020: 38,6 Mio. Euro). Hinzu kommen 14,1 Mio. Euro für Instandhaltungsarbeiten der Infra- und Suprastruktur des Duisburger Hafens. Insgesamt investierte duisport 2021 somit 56,6 Mio. Euro in seine Leistungsfähigkeit. Am Hauptstandort in Duisburg liegt der Fokus in den kommenden Monaten auf der Modernisierung der Hafeninfrastruktur. „Wir investieren massiv in die Erneuerung und den Neubau von Straßen, Schienen und Brücken, um unsere internen Verkehre und Abfertigungsprozesse schneller und effizienter zu gestalten, aber auch die angrenzenden Wohnquartiere weiter zu entlasten“, sagte Prof. Thomas Schlipköther, Vorstand für Bau, Technik und Betrieb. Dabei gehe es nicht zuletzt um die Anbindung des künftigen Duisburg Gateway Terminals (DGT) auf der ehemaligen Kohleninsel – dem größten Containerterminal im europäischen Hinterland, das komplett klimaneutral betrieben werde.

 

Die ehemalige Kohleninsel wartet auf die Entwicklung zum DGT. Foto: Screenshot.

Damit setzt die duisport-Gruppe ein deutliches Zeichen für nachhaltiges Wirtschaften und Klimaschutz. Der weltweit größte Binnenhafen nimmt seine Verantwortung ernst, arbeitet fortlaufend an einer Optimierung seines Beitrags zum Umweltschutz und stellt hierfür nachhaltige Transportkonzepte zur Verfügung. Dazu hat die Unternehmensgruppe Anfang des Jahres 2021 eine entsprechende Umwelt-Strategie aufgestellt. Diese umfasst die vier Handlungsfelder Modal Shift, Luft, Lärm und Klima, Energieversorgung sowie Ressourcen. Ziel ist, den Duisburger Hafen zukünftig zu einem zentralen Hinterland-Hub für grünen Wasserstoff, Ammoniak, Methanol und flüssiges CO2 zu entwickeln. Auf diesem Weg sollen auch die rückläufigen Mengen an Kohle und die zu erwartenden rückläufigen Mengen an Mineralöl im Zuge des gesamtgesellschaftlichen Ausstiegs aus den fossilen Brennstoffen kompensiert werden.

 

 
China-Züge und Osttangente

Die ehemalige Kohleninsel wartet auf die Entwicklung zum DGT. Foto: Screenshot.

Neben dem Lockdown in Chinas Hafenstadt Shanghai, der aktuell die Zulieferketten für die deutsche Wirtschaft massiv ausbremst, ist mit dem Ukraine-Krieg auch der Zugverkehr mit China (Neue Seidenstraße) beeinträchtigt. Die bislang primär genutzte mittlere Strecke der „Neuen Seidenstraße“ würde mit einem Embargo gegen die russische Staatsbahn wegfallen: „Wir arbeiten intensiv daran, die südliche Route zu ertüchtigen“, so Dr. Carsten Hinne, der die Bereiche Netzwerk International sowie Suprastruktur, Personal und Einkauf verantwortet. Nach durchschnittlich 60 Zügen pro Woche im vergangenen Jahr (über 70 in Spitzenzeiten) treffen aktuell nur noch 40 Züge pro Woche in Duisburg ein: „Das trifft jeden, nicht nur die Industrie.“

 
„Die Osttangente wäre für alle von extrem hoher Bedeutung“, erklärte auf Anfrage Markus Bangen. „Wir sehen da auch keine Alternativen!“ Wobei er aber klar machte: „Manche Leute fühlen sich nicht mitgenommen. Auch wenn wir die Osttangente dringend brauchen, so muss aber die Zeit sein, sie angemessen diskutieren zu dürfen.“ Der Duisburger Hafen habe es keinen „Plan B“, die Lkw-Verkehre aus den Ortsteilen raus zu halten, so der Hafen-CEO.

 

 
Duisburger Hafen AG (duisport)

Der duisport-Vorstand stellte heute in einer hybriden Pressekonferenz die duisport-Bilanz 2021 vor (v. l. n. r.): Prof. Thomas Schlipköther (Mitglied des Vorstands). Markus Bangen (Vorstandsvorsitzender) und Dr. Carsten Hinne (Mitglied des Vorstands). Foto: Screenshot.

Die Duisburger Hafen AG ist die Eigentums- und Managementgesellschaft des Duisburger Hafens, des größten Binnenhafens der Welt. Die duisport-Gruppe bietet für den Hafen- und Logistikstandort Full- Service-Pakete in den Bereichen Infra- und Suprastruktur inkl. Ansiedlungsmanagement. Darüber hinaus erbringen die Tochtergesellschaften logistische Dienstleistungen wie beispielsweise den Aufbau und die Optimierung von Transport- und Logistikketten, Schienengüterverkehrsleistungen, Gebäudemanagement, Kontrakt- und Verpackungslogistik.
www.duisport.de

 
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Europa to Go: Die 110 besten Trips von Lonely Planet von MairDumont

Tipps für Trips: Reizvolle Ideen,
den eigenen Horizont zu erweitern

Von Petra Grünendahl

Blick ins Buch: Europa To Go von Lonely Planet. Foto: Petra Grünendahl.

Auf den Spuren von Dracula durch Transsylvanien und die Walachei (Rumänien) oder durch mittelalterliche Städte mit gotischer Architektur, die Mauren in Spanien, osmanische Architektur in Bosnien-Herzegowina, byzantinische Spuren auf Malta und römisches Erbe in England: Europa hat immer wieder spannende und unerwartete Ansichten zu bieten. Es locken Architektur und Kunst verschiedener Epochen und die Erbschaften europäischer Weltreiche, die längst Geschichte sind. Man erkundet Weinregionen in verschiedenen Teilen Europas oder auf einer Whisky-Tour Schottland, vielleicht auch Schlösser und Burgen, charmante Altstädte und schöne Landschaften. Und natürlich lockt die gute Küche, die „woanders“ mal so ganz den Gaumen verwöhnt. Ein paar deutsche Reiseziele haben es in die Auswahl geschafft: Interessant zu lesen vor allem deshalb, weil man neue, andere Perspektiven bekommt [Anmerkung: Das Buch ist im Original auf Englisch]. Nur die Wellness-Oasen der Sowjetzeit – Odessa (Ukraine), Jalta (Krim) und Sotschi (Russland) – meidet man heutzutage vielleicht besser. Verbunden mit der Hoffnung, die „Perle am Schwarzen Meer“ (Odessa) doch noch einmal in ihrer Schönheit erleben zu dürfen.

 

Blick ins Buch: Europa To Go von Lonely Planet. Foto: Petra Grünendahl.

Erfahrene Reiseautoren haben für „Europa To Go“ die 110 besten Trips von Lonely Planet auf unserem Kontinent zusammengestellt. Spannende Reiseziele in Westeuropa (42), Südeuropa (43), Osteuropa und Nordeuropa (jeweils 12) haben sie mit ihren Highlights auf spannenden Routen zusammen getragen: Vom verlängerten Wochenende bis hin zur bis zu zwei- oder gar dreiwöchigen Reise. Außer der groben geografischen Aufteilung ist die Reihenfolge innerhalb der vier Teile eher willkürlich gewählt. Eine Liste der Trips nach Themen sortiert – vom Aktiv- oder Abenteuertrip über Kunst & Kultur bis hin zur Geschichte oder einfach zur Erholung – (vorne) und ein alphabetisches Register von Ländern sowie Städten und Orten (hinten) runden einen Reiseführer ab, den man in erster Linie als Ideengeber und Inspiration für eine Reiseplanung verstehen sollte.

 

 
Viele reizvolle Appetithäppchen

Blick ins Buch: Europa To Go von Lonely Planet. Foto: Petra Grünendahl.

Es sind eher nicht unbedingt die klassischen Touristenziele, die Eingang in dieses Buch gefunden haben, sondern lohnenswerte Reiseziele mit einem gewissen „Geheimtipp-Charakter“. Und auch wenn man die meisten dieser Ziele doch eher mit dem Flugzeug ansteuert: Vor Ort sind häufig Zug, Bus oder Fahrrad, aber auch schon mal das Auto oder „per pedes“ empfohlen. Beim Insel-Hopping dürfen es zudem Fähre und Flieger sein. Auf zwei Seiten wird jede Routenempfehlung in Text, Fotos, einer Übersichtskarte und ein paar Fakten u. a. mit ihrer besten Reisezeit vorgestellt. Für die Touren haben die Autoren auch jeweils noch ein paar lohende Extra-Ziele in petto, mit denen man die Trips noch ein wenig erweitern kann. Die eher kurzen, aber verlockenden Beschreibungen verstehen sich eher Inspiration für die nächste Urlaubsreise als konkrete Ansätze zur finalen Reiseplanung. Dafür lädt die Lektüre auch immer wieder zum Blättern ein.

 
Das Buch „Europa To Go“ ist in der Reihe „Lonely Planet“ bei MairDumont in Stuttgart erschienen. Das 256-seitige Hardcover-Buch im Format 19,6 x 24,7 Zentimeter mit zahlreichen Farbbildern ist zum Preis von 26,95 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-8297-3195-9).

 

 
Lonely Planet bei MairDumont

Blick ins Buch: Europa To Go von Lonely Planet. Foto: Petra Grünendahl.

Die MairDumont Reiseverlagsgruppe aus Ostfildern (bei Stuttgart) ist spezialisiert auf Reise- und Freizeitbücher. Die Reihe „Lonely Planet“ ist eine Adaption der Bücher des australischen Verlages Lonely Planet Publishing, einer der erfolgreichsten unabhängigen Reiseverlage der Welt. Seit seiner Gründung Anfang der 1970er-Jahre ist der Verlag der Philosophie seiner Gründer Tony und Maureen Wheeler treu geblieben, Reiseinfos höchster Qualität zu bieten. Die Wheeler reisen dafür aber schon lange nicht mehr alleine: Mittlerweile arbeiten sie über ihre Verlagsbüros in Melbourne, Oakland und London mit 400 erfahrenen Autoren zusammen, die für Lonely Planet rund um den Erdball reisen. Der australische Verlag wurde mehrfach für seine hochwertige Reise-Literatur ausgezeichnet. Lonely Planet hat über 500 Titel im Programm, davon ca. 270 Reiseführer.
www.lonelyplanet.de/
www.mairdumont.com

 
Der Blick ins Buch. Fotos: Petra Grünendahl

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Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Ruhrgebiet: Wanderungen für Langschläfer in einer spannenden Region

Autor Michael Moll nimmt Leser mit
auf 27 abwechslungsreiche Halbtagestouren

Von Petra Grünendahl

Blick ins Buch: „Wanderungen für Langschläfer Ruhrgebiet“ von Michael Moll. Foto: Petra Grünendahl.

Das Ruhrgebiet ist eine urbane Landschaft, in der Städte teils nahtlos ineinander übergehen. Dennoch hat die Region viel Grün und Natur zu bieten: Wälder, Flussläufe, Stauseen und Auenlandschaften, Naturschutzgebiete und – Berge, nennt man doch die Abraumhalden des Bergbaus hier gerne auch die Alpen des Ruhrgebiets. Der Autor beschreibt hier keine „Hochleistungs-Wanderwege“, sondern Tagestouren in der Natur für Leute, die es gerne etwas gemütlicher angehen lassen.

Blick ins Buch: „Wanderungen für Langschläfer Ruhrgebiet“ von Michael Moll. Foto: Petra Grünendahl.

Schließlich stehen hier nicht die sportlichen Aspekte im Vordergrund, sondern erlebnisreiche Freizeitunternehmungen. Die Wanderwege sind manchmal Waldwege oder Schotter-, häufig auch Asphaltpisten, selbst durch die Natur. Überbleibsel der Industrialisierung halt, insbesondere auch dort, wo Brachflächen renaturiert wurden. Manche Strecken gehen durch den Wald, andere sind ehemalige Bahntrassen, die heute zu Freizeitzwecken umgebaut sind.

 
 

Blick ins Buch: „Wanderungen für Langschläfer Ruhrgebiet“ von Michael Moll. Foto: Petra Grünendahl.

Der gebürtige Essener Michael Moll hat in seinem Wanderführer „Wanderungen für Langschläfer Ruhrgebiet“ 27 Halbtagestouren zwischen Moers und Xanten im Westen sowie Dortmund und Hagen im Osten zusammengestellt. In den Kategorien leicht, mittel, schwer finden Unternehmungslustige erste Anhaltspunkte über die Beschaffenheit der Routen. Kleine Karten geben jeweils einen Überblick über die Strecke, Gehzeiten, Höhenunterschiede und Weglängen.

Blick ins Buch: „Wanderungen für Langschläfer Ruhrgebiet“ von Michael Moll. Foto: Petra Grünendahl.

Als Tourenfinder bietet eine Tabelle zu Beginn des Buches die „technischen Daten“ der Touren im Überblick zum schnellen Vergleich. Die meisten Wanderungen sind Rundkurse, deren Start und Ziel am gleichen Ort liegen und zumindest mit dem Pkw (und oft auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln) gut zu erreichen sind. An Streckenrouten – wie zum Beispiel den beiden Touren am Baldeneysee: eine am Südufer und eine am Nordufer – finden sich an Start und Ziel ÖPNV-Halte, die An- und/oder Abreise erleichtern. Manch lange Touren lassen sich auch gut teilen bzw. verkürzen. Die Wanderungen verstehen sich als Vorschläge, nur wenige Wege sind tatsächlich als Wanderwege eingerichtet und beschildert. Was aber ihren Reiz keinesfalls mindert.

 

 
Der Autor und das Buch

Blick ins Buch: „Wanderungen für Langschläfer Ruhrgebiet“ von Michael Moll. Foto: Petra Grünendahl.

Michael Moll (*1974) wohnt in Essen. Er ist selbstständiger Reisebuchautor und zertifizierter Wanderführer. Seit zwei Jahrzehnten reist er privat und beruflich mit einem Wohnmobil durch Europa. Neben der Veröffentlichung von Wohnmobil-Reiseführern und Artikeln in bekannten Wohnmobil-Zeitschriften veranstaltet er auch gut besuchte Reisevorträge und Fotoausstellungen zu Themen wie »Mit dem Wohnmobil durch Europa« oder «Mit dem Wohnmobil zum Nordkap«. Außerdem betreibt er am Schloss Nordkirchen im Münsterland seinen eigenen Wohnmobilstellplatz mit Platz für 22 Wohnmobile.

 

Blick ins Buch: „Wanderungen für Langschläfer Ruhrgebiet“ von Michael Moll. Foto: Petra Grünendahl.

Michael Molls „Wanderungen für Langschläfer Ruhrgebiet“ umfassen 27 Touren auf 160 Seiten mit ca. 200 Abbildungen. Auf jeweils vier bis sechs Seiten beschreibt der Autor die Routen im Detail. Das eine oder andere Ziel lässt sich auch jenseits von Wanderungen ansteuern und lädt zum Erkunden ein. Auch wenn im Norden die Halden locken, verfügen die Routen entlang der Ruhr mit den Ruhrhöhen über mehr Steigungen. Gastro-Tipps für die Einkehr runden die Touren-Empfehlungen ab.

Blick ins Buch: „Wanderungen für Langschläfer Ruhrgebiet“ von Michael Moll. Foto: Petra Grünendahl.

Die abwechslungsreichen Wanderrouten reichen von 8 bis 20 Kilometern mit Höhenunterschieden von 9 bis 440 Metern und sind in normalem Wandertempo innerhalb von 2 bis 6 Stunden zu bewältigen. Geeignet sind sie für das ganze Jahr: Neben der Natur locken Industrie und Kultur. Das Taschenbuch im Format 16,5 x 23,5 cm enthält vorne im Klappumschlag eine Übersichtskarte mit einer Verortung der Routen. Für den interessierten Leser gibt es außerdem die Wanderempfehlungen als GPS-Daten zum Download. Im lokalen Buchhandel ist das Buch für 19,99 Euro zu haben (ISBN 978-3-7343-2066-8).

 

 
Bruckmann Verlag

Blick ins Buch: „Wanderungen für Langschläfer Ruhrgebiet“ von Michael Moll. Foto: Petra Grünendahl.

Unter dem Motto »die Welt entdecken« bietet der Bruckmann Verlag, der 2018 sein 160-jähriges Bestehen feierte, heute mit aktuellen Reisebildbänden und innovativen Reise- und Outdoor-Führern das Rüstzeug für Freizeit- und Urlaubserlebnisse. Neben dem umfangreichen Buchprogramm von Freizeit- und Reiseführern für Wanderer, Radfahrer, Auto- und Motorradfahrer verlegt Bruckmann das Magazin Bergsteiger, das 2020 sein 90-jähriges Bestehen beging und damit als ältestes kommerzielles Bergsteiger-Magazin der Welt gilt. Der Bruckmann Verlag gehört zum Verlagshaus GeraNova Bruckmann in München.
https://verlagshaus24.de/bruckmann/

 
Der Blick ins Buch. Fotos: Petra Grünendahl

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© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl, Layout: Bruckmann Verlag

 
 

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MKM Museum Küppersmühle in Duisburg zeigt Sigmar Polkes Zyklus „Kunst + Fälschung“

Vom Kunstdiebstahl über die Fälschung zur Originalität der Kunst
Von Petra Grünendahl

Walter Smerling stellte Sigmar Polkes „Original + Fälschung“ im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst vor. Foto: Petra Grünendahl.

Der Diebstahl eines Rembrandt-Gemäldes und eine Interpol-Liste gestohlener Meisterwerke, nach denen Anfang der 1970er-Jahre gesucht wurde, provozierten Sigmar Polkes (1941–2010) Auseinandersetzung mit den Themenfeldern Original, Diebstahl und Fälschung. Die Steckbriefe diensten als Vorlage für Polkes Gemälde: Unter Mitarbeit von Achim Duchow interpretierte er neun wertvolle kanonische Gemälde u. a. von Toulouse-Lautrec, Rembrandt oder Rubens neu und abstrahierte sie. Diese und weitere großformatige teilweise auch ältere Werke von Polke sind begleitet von kleineren, collagenartigen Kommentarbildern, die mit zusätzlichem Text- und Bildmaterial, Skizzen und Zeitungsausschnitten vielfältige Assoziationsräume eröffnen. „Seine als Fälschung deklarierten Originale stiften Unruhe, schärfen die Wahrnehmung und schaffen Distanz vom gewohnten Sehen“, resümierte die Polke-Autorin Anne Erfle im Sammlungskatalog zur Eröffnung der Küppersmühle 1999.

 

Walter Smerling stellte Sigmar Polkes „Original + Fälschung“ im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst vor. Foto: Petra Grünendahl.

Das MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst hat den Oberlichtsaal im obersten Stockwerk des Erweiterungsbaus mit Werken aus der Sammlung neu bestückt. Der 38-teilige Gemäldezyklus „Original + Fälschung“ von Sigmar Polke ist damit erstmals nach zwanzig Jahren wieder komplett im MKM zu sehen. Dieses zu den Schlüsselwerken zählende Werk des Künstlers wurde 1973 im Rahmen einer Rauminstallation im Westfälischen Kunstverein Münster präsentiert. „Zur Sammlung von Sylvia und Ulrich Ströher gehören mehr Kunstwerke als wir hier auf einmal zeigen können“, erklärte Museumsdirektor Prof. Dr. h. c. Walter Smerling bei der Vorstellung der Schau. „Deswegen arrangieren wir auch die Räume der Dauerausstellung immer mal wieder neu.“ Der Duisburger Kunstsammler Hans Grothe hatte Sigmar Polkes Werke Mitte der 1970er-Jahre für seine Sammlung erworben. Mitte der 2000er-Jahre erwarb das Kunstsammlerehepaar Sylvia und Ulrich Ströher seine Sammlung: „Obwohl der Verkauf der Sammlung damals kritisiert wurde, war er für Duisburg, NRW und Deutschland ein Glücksfall“, sagte der Museumsdirektor. Die komplette Übernahme habe garantiert, dass die Sammlung erhalten und zusammen blieb. Davon profitierte nicht zuletzt die deutsche Kunstlandschaft mit einer der wichtigsten Sammlungen deutscher Nachkriegskunst, die im Duisburger Innenhafen zu Hause ist.

 

 
Der Künstler Sigmar Polke

Steckbriefe und Gemälde: Sigmar Polkes „Original + Fälschung“ im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.

Sigmar Polke wurde am 13. Februar 1941 in Oels, Schlesien, geboren. 1945 floh die Familie nach Thüringen und siedelte im Jahr 1953 nach Düsseldorf über. Nach einer Glasmaler-Lehre bei der Firma Derix in Düsseldorf−Kaiserswerth (1959 bis 1961) folgte das Studium an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf (1961 bis 1967) in den Klassen von Gerhard Hoehme und Karl Otto Götz. In diese Zeit fielen die ersten Ausstellungen (1963 Gruppenausstellung mit Gerhard Richter, Manfred Kuttner und Konrad Lueg in Düsseldorf, 1966 die erste Einzelausstellung in Berlin). Neben seinem künstlerischen Schaffen lehrte Polke an der Hochschule für bildende Künste Hamburg (1970/71; ab 1977 als Professor) und unternahm ausgedehnte Reisen, u. a. nach Afghanistan und Pakistan (1974) sowie Indonesien, Papua−Neuguinea, Australien, Singapur, Malaysia und Thailand (1980/81). Seit 1978 lebte und arbeitete Sigmar Polke in Köln, wo er am 10. Juni 2010 verstarb. Sein Werk wurde in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland präsentiert, in einer Vielzahl von Publikationen gewürdigt und vielfach ausgezeichnet. Arbeiten von Sigmar Polke sind in zahlreichen Museen und Privatsammlungen weltweit vertreten.

 

 
 
Impressionen aus der Ausstellung. Fotos: Petra Grünendahl

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Das Museum Küppersmühle als Kunstwerk um die Moderne Kunst

MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.

Das Museum Küppersmühle für Moderne Kunst wurde im Jahre 1999 in einem ehemaligen Getreidespeicher im Innenhafen eröffnet. Er wurde nach Plänen der Basler Architekten Herzog & de Meuron zum Museum umgebaut. Initiator des Museumsprojekts war der Duisburger Kunstsammler Hans Grothe (1930–2019). Grothes Sammlung umfasste über 800 Werke von mehr als 40 deutschen Künstlern. Seit der Übernahme seiner Sammlung durch das Darmstädter Sammlerpaar Sylvia und Ulrich Ströher 2004/2005 stieg die Anzahl der Ausstellungsstücke und der vertretenen Künstler noch erheblich an. Insgesamt handelt es sich um eine der wichtigsten und umfangreichsten Sammlungen deutscher Nachkriegskunst: Mit Werken und Werkgruppen der einflussreichsten deutschen Künstler von den 1950er-Jahren bis heute. Zur Präsentation der ständigen Sammlung kommen immer wieder Wechselausstellungen hinzu. Seit 2008 war ein Erweiterungsbau (ein „Schuhkarton“ auf den Silotürmen) geplant, der 2011 wegen Baumängeln scheiterte. Bei einem neuen Anlauf beauftragten die Ströhers 2014 das Architektenbüro Herzog & de Meuron erneut mit der Planung (Baubeginn war 2016): Der Erweiterungsbau wurde im September 2021 eröffnet.

 
Das MKM Museum Küppersmühle als Standort der Sammlung Grothe wird seit seiner Gründung von der Stiftung für Kunst und Kultur e. V. Bonn betrieben. Die Stiftung konzipiert und organisiert die Ausstellungen und betreut die umfangreiche Sammlung, die heute dem Ehepaar Ströher aus Darmstadt gehört, im MKM. Direktor ist seit 1999 Walter Smerling.

 

 
Museum Küppersmühle:
Duisburger haben donnerstags freien Eintritt

Raimund Girke im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.

Aktuell ist in den Wechselausstellungsräumen im Erdgeschoss des Altbaus noch bis zum 26. Juni 2022 „Raimund Girke – Klang der Stille“ zu sehen (hier unser Bericht). Das Museum Küppersmühle findet man im Innenhafen am Philosophenweg 55 (Haupteingang, der Parkplatz befindet sich auf der anderen Straßenseite). Mittwochs ist das Museum von 14 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis sonntags sowie feiertags von 11 bis 18 Uhr. Montags und dienstags ist Ruhetag. Der Eintritt kostet nur für die Wechselausstellungen 6 Euro (ermäßigt 3 Euro), für das gesamte Haus (inkl. Wechselausstellung) 12 Euro (ermäßigt 6 Euro). Familien (2 Erwachsene plus Kinder) zahlen 18 Euro für das ganze Haus, 10 Euro für Wechselausstellungen. Kinder bis 16 Jahren haben freien Eintritt. Kindergruppen (Schule, Kita, Kinderfreizeit) zahlen 2 Euro pro Kind und Betreuer. Donnerstags haben alle Duisburger (gegen Vorlage des Personalausweises) freien Eintritt. Das MKM ist Partner der Ruhrkultur.Card. Alle Ausstellungsräume des Museums sind auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich.

 

MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Foto: Petra Grünendahl.

Offene Führungen durch die Sammlung sowie durch laufende Ausstellungen gibt es jeden Sonntag um 15 Uhr, aber auch nach Vereinbarung. Wieder aufleben lassen will das MKM die Veranstaltungsreihe „Kultur trifft“: Am Donnerstag, 12. Mai, um 18.30 Uhr heißt es „Kultur trifft … Fälschung“. Walter Smerling moderiert Vortrag und Gespräch mit dem Kunsthistoriker Hubertus Butin zum Thema „Von Albrecht Dürer bis Sigmar Polke: Künstler und Fälschungen – ein spezielles Verhältnis“. Die Teilnahme kostet 10 Euro (inkl. Museumseintritt), eine Anmeldung ist nötig (Anmeldung an office(at)musuem-kueppersmuehle.de). Weitere Informationen zu Führungen und dem Begleitprogramm zu Ausstellungen gibt es unter www.museum-kueppersmuehle.de). Hier findet man zu Corona-Maßnahmen.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

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Museum DKM in Duisburg zeigt Fotografien vom „Bild des Mannes“

Eros in Fotografie und Skulptur seit dem späten
19. Jahrhundert sowie Fotografien „Schönheit und Urkräfte der Natur“ von Claudia Terstappen

Von Petra Grünendahl

Impressionen aus der Ausstellung „Eros in Erwartung der Ewigkeit“ im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Nackte Frauenkörper oder der weibliche Akt hat zu allen Zeiten in jeder Form in der Kunst einen hohen Stellenwert besessen. Darstellungen männlicher Körper wurden seit der Antike eher nur als Helden oder Märtyrer akzeptiert. Darbietungen der puren männlichen Schönheit und Sexualität waren lange Zeit ein Tabu. Einer der ersten Verfechter der männlichen Nacktfotografie siedelte Ende des 19. Jahrhunderts seine männlichen Modelle in einer Phantasiewelt im antiken Griechenland an.

Impressionen aus der Ausstellung „Eros in Erwartung der Ewigkeit“ im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Der Bezug zur Antike legitimierte also die Zurschaustellung des männlichen Körpers. Erst ab den 1960er-Jahren, die in vielerlei Hinsicht für Menschen ein Befreiungsschlag waren, wurde es möglich, den „puren“ männlichen Akt einer Öffentlichkeit frei zugänglich zu machen. Der Männerkörper als Objekt von Lust und Begierde verabschiedet sich von Triumph und Tod des Helden: Der Akt feiert das Leben. Die Darstellung des männlichen Körpers zeigt auch eine veränderte Wahrnehmung des Bildes vom Mann und der Präsentation männlicher Identität. „Was ist der Mann?“ geht über zu einem „Welche Art von Mann ist er?“: Männlichkeit darf in ihrer Darstellung auch Facetten und andere Interpretationen zeigen.

 

Impressionen aus der Ausstellung „Eros in Erwartung der Ewigkeit“ im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Zwei neue Sonderausstellungen zeigt das Museum DKM im Altbau des Gebäudes seit Ende März. „Eros in Erwartung der Ewigkeit“ zeigt das Bild des Mannes in Fotografie (vom Klein- bis Großformat) und Skulptur seit dem späten 19. Jahrhundert in einer sehenswerten Schau. Zu sehen sind Werke von 34 Künstlern aus unterschiedlichsten Ländern und Kulturkreisen. Zugang zu dieser umfassenden Schau bekommt der Besucher über einen Raum mit Fotografien der deutschen Künstlerin Claudia Terstappen (*1959). „Schönheit und Urkräfte der Natur“ zeigt Schwarzweißfotografien aus den 1990er- und frühen 2000er-Jahren. Die hier gezeigten Arbeiten stellen einen Ausschnitt aus dem umfangreichen Sammlungsbestand vor, den das Werk Claudia Terstappens bereits seit den 1980er Jahren in der Sammlung DKM einnimmt. Viele Kleinformate rahmen die einzelnen großformatigen Fotografien ein.

 

 
Claudia Terstappen

Impressionen aus der Ausstellung von Claudia Terstappen im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Claudia Terstappen ist in vielen Kunstsparten tätig: Fotografie, Videokunst, Skulptur, Zeichnung, Holzschnitt sowie Installation. In all diesen Genres ist sie über Jahrzehnte dem Thema Landschaft treu geblieben, doch ist es nicht nur die Natur, sondern insbesondere die Verschmelzung von Natur und Kultur, der sie in ihren Arbeiten auf den Grund geht. Sie reflektiert die Abhängigkeit zwischen dem Menschsein und der natürlichen Umwelt.

Impressionen aus der Ausstellung von Claudia Terstappen im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Landschaftsfotografien sind zu einem Maßstab für verschwindende Welten geworden, die eine ästhetische sowie romantische Schönheit zeigen und ihre Vulnerabilität offen legen. Die Künstlerin spürt jedoch nicht nur reale Orte auf und bildet sie ab, sondern sie schafft auch fiktionale Orte, die als Akteure die damit verbundenen Werte in ihrem jeweiligen kulturellen Kontext spiegeln. Claudia Terstappen suche Magie in unserer Umwelt, im Wissen unserer Vergangenheit oder uns unbekannter Völker und lasse sie uns Altbekanntes in neuem Licht erfahren, so die Presseinformation zu der Ausstellung.

 

Impressionen aus der Ausstellung von Claudia Terstappen im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Claudia Terstappen lebt und arbeitet in Barcelona / Spanien und Melbourne / Australien. Sie hat Germanistik und Philosophie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf studiert sowie Skulptur und Fotografie an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf. Über viele Jahre hinweg hat sich ihre künstlerische Arbeit auf die Wechselbeziehung zwischen Religion, Aberglaube und Wissenschaft in Bezug auf Ort, Kultur und Zeit konzentriert. Ihr Werk ist in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen weltweit vertreten.

 
Impressionen aus der Ausstellung „Eros in Erwartung der Ewigkeit“ im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl

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Kuratorenführungen durch die Sammlung zu Ostern
Über Ostern bietet das Museum DKM wegen der Feiertage zusätzliche Öffnungszeiten an: Karfreitag, Samstag, Ostersonntag sowie Ostermontag jeweils von 12.00 Uhr bis 18.00 Uhr. Außerdem stehen an diesem Osterwochenende zwei Sonderführungen mit Jörg Mascherrek an:

  • Sonderführung am Karfreitag, den 15. April 2022, um 15.00 Uhr sowie
  • Sonderführung am Ostermontag, den 18. April 2022, um 15.00 Uhr.

 
Der Kurator Jörg Mascherrek wird sich in seinen Sonderführungen mit dem Leitmotiv des Hauses beschäftigen, Linien stiller Schönheit, und die kulturhistorische Sammlung mit ihrem Augenmerk auf die zeitlos anmutende Schönheit von Gefäßen aller Art in den Mittelpunkt stellen.
Interessierte melden sich bitte per E-Mail mail@museum-dkm.de oder telefonisch 0203 / 93555470 an. Zum Museumseintritt kommt eine Führungsgebühr von 6 Euro.

 

 
Museum DKM

Das Museum DKM in der Nähe des Hauptbahnhofs. Foto: Petra Grünendahl.

Das private Museum DKM hat 1999 etwas kleiner als Galerie im Duisburger Innenhafen begonnen. Mit wachsender Sammlung zogen die Museumsstifter 2009 ins Zentrum der Innenstadt zwischen Kantpark mit dem Lehmbruck Museum und Hauptbahnhof. Die Architektur des Museums, eine umgebaute ehemalige Gewerbeimmobilie, dient in ihrer Zurückhaltung der Ausstellung der Kunst. Hier zeigen die Museumsstifter Klaus Maas und Dirk Krämer unter dem Motto „Linien stiller Schönheit“ ihre eigene Kunstsammlung sowie wechselnde Sonderausstellungen auch mit Leihgaben. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf zeitgenössischer Kunst, Kunst aus Südostasien, Alt-Ägypten und zeitgenössischer Fotografie. Die drei Baukörper des Museums erstrecken sich über fünf Ebenen und umfassen 2.700 Quadratmeter oder 51 Räume. Aus den Räumen des Neubaus bieten sich inszenierte Ausblicke in Außenbereiche. Das Foyer mit Museumscafé lädt zum Ausruhen und Erfrischen ein. Das Museum DKM gehört zu den 21 RuhrKunstMuseen.

 

Das Museum DKM in der Nähe des Hauptbahnhofs. Foto: Petra Grünendahl.

Die beiden reizvollen Sonderausstellungen „Eros in Erwartung der Ewigkeit“ und Claudia Terstappens „Schönheit und Urkräfte der Natur“ werden im Museum DKM bis zum 25. September 2022 in den Wechselausstellungsräumen im Erdgeschoss zu sehen sein. Noch bis zum 4. September zeigt das DKM außerdem in der Verlängerung die ebenfalls sehr sehenswerte Kimono-Ausstellung „Omoshirogara“ (hier unser Bericht) in den Wechselausstellungsräumen im Neubau. Regulär geöffnet hat das private Museum DKM der Stifter Klaus Maas und Dirk Krämer an der Güntherstraße 13-15 im Dellviertel samstags, sonntags und an Feiertagen zwischen 12 und 18 Uhr sowie jeden ersten Freitag im Monat ebenfalls zwischen 12 und 18 Uhr*. Montags bis freitags wird ansonsten nur nach Vereinbarung für Gruppen geöffnet*. Der Eintritt kostet 12 Euro (ermäßigt 6 Euro, für Schüler und Studenten bis 28 Jahre), Kinder bis 7 Jahre haben freien Eintritt. Für Gruppen (zw. 10 und 15 Personen) gibt es einen Gruppentarif (10 Euro pro Person) zzgl. einer (kostenpflichtigen) Führung. Eine Jahreskarte** kostet 100 Euro. Die RuhrKultur.Card ermöglicht einen einmalig freien Eintritt. Die Teilnahme an der Freitagsführung kostet 6 Euro zusätzlich zum Eintritt. Weitere Infos gibt es hier.

 
Corona
Im Museum gilt weiterhin die 3G-Regel (geimpft, genesen, getestet) für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren. Außerdem gelten Maskenpflicht, Abstands- und Hygieneregelungen nach der Corona-Schutzverordnung des Landes NRW. Weitere Infos gibt es hier.

 
*) An folgenden Tagen ist grundsätzlich geschlossen: 24. bis 26. Dezember, 31. Dezember und 1. Januar.
**) Nicht übertragbar, berechtigt zum kostenlosen Eintritt während der regulären Öffnungszeiten.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Museum DKM in Duisburg zeigt Kimono-Ausstellung „Omoschirogara“

Der Kimono im Spiegel moderner Zeiten
Von Petra Grünendahl

Impressionen aus der Kimono-Ausstellung „Omoschirogara“ im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Als vor 160 Jahren die Westmächte mit Kanonenbooten und einem Katalog Forderungen vor den Toren Japans standen, erfand sich das Inselreich neu: Damit begann ein Prozess der rapiden Modernisierung, der sämtliche Aspekte des japanischen Lebens ergriff — von der Familie und den Geschlechterbeziehungen über das Bildungssystem (Schule und Universität), die politische Verfassung und Verwaltung bis hin zu Industrie und Militär. Der Kultur fiel die Aufgabe zu, die krassen Spannungen zwischen Tradition und Neuerung zu vermitteln. Genau deshalb ist es möglich die Geschichte des modernen Japan anhand nur eines, wiewohl einzigartigen Kleidungsstücks zu rekonstruieren: des Kimonos. Eine faszinierende Auswahl künstlerisch gestalteter Kimonos zeigt die Ausstellung „Omoschirogara“ aufgehängt als „Wandgemälde“ sowie in Vitrinen, die den Betrachter zum Entdecken fein gezeichneter Details einlädt.

 

Impressionen aus der Kimono-Ausstellung „Omoschirogara“ im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Bis zum 4. September verlängert hat das Museum DKM die Kimono-Sonderausstellung „Omoschirogara“, die wir uns im Zusammenhang mit zwei neuen Ausstellungen erstmals angesehen haben. Sie ist bereits seit dem vergangenen Jahr zu sehen. „Omoschirogara“ präsentiert die Sammlung der japanischen Textilhistorikerin und unumstrittenen Expertin auf dem Gebiet, Prof. em. Yoshiko Inui (Tokai Universität, Sapporo / Japan). Konzipiert hat sie die Präsentation im Museum DKM zusammen mit Roger M. Buergel, wissenschaftlich beraten durch Hans B. Thomsen, Professor für Kunstgeschichte Ostasiens an der Universität Zürich. Neben den Kimonos aus der Sammlung Inui zeigt „Omoschirogara“ Werke der zeitgenössischen Künstlerin Erika Kobayashi sowie den Film Osaka Elegy (1936) von Kenji Mizoguchi.

 

 
„Bizarre Muster” auf Kimonos

Impressionen aus der Kimono-Ausstellung „Omoschirogara“ im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Gleich dem Kaiserhaus ist der Kimono eine Konstante des japanischen Lebens: Er bleibt sich im Wesentlichen gleich. Weil nun der Kimono seine Form nicht ändert, müssen sich die Muster verändern, die ihn zieren. „Bizarre Muster“ (so viel bedeutet omoshirogara) tauchen gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf, als die Mode die Moderne zu verarbeiten beginnt: Eisenbahnen, Schlachtschiffe, Flugzeuge, Kino, Mickey Mouse, Postkarten oder auch Zeitungsberichte über militärische Heldentaten. Widmen sich die Muster vor 1900 einer Synthese von Tradition und Neuem, so zelebrieren die 1920er Jahre einen optimistischen Internationalismus mit Zeppelin und Olympischen Spielen. In den 1930er Jahren verdüstern sich die Farben und Symbole, als Japan mit Nazi-Deutschland und dem faschistischen Italien paktiert. Die Ausstellung überrascht den Besucher mit vielfältigen, überwiegend sehr filigranen Zeichnungen auf Textil, die Kunst auf einem Alltagsgegenstand lebendig werden lassen. Als Ausstellungskatalog liegt eine 32-seitige bebilderte A4-Broschüre mit Texten in Deutsch und Japanisch in der Ausstellung aus.

 
Impressionen aus der Kimono-Ausstellung „Omoschirogara“ im Museum DKM. Fotos: Petra Grünendahl

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Kuratorenführungen durch die Sammlung zu Ostern
Über Ostern bietet das Museum DKM wegen der Feiertage zusätzliche Öffnungszeiten an: Karfreitag, Samstag, Ostersonntag sowie Ostermontag jeweils von 12.00 Uhr bis 18.00 Uhr. Außerdem stehen an diesem Osterwochenende zwei Sonderführungen mit Jörg Mascherrek an:

  • Sonderführung am Karfreitag, den 15. April 2022, um 15.00 Uhr sowie
  • Sonderführung am Ostermontag, den 18. April 2022, um 15.00 Uhr.

 
Der Kurator Jörg Mascherrek wird sich in seinen Sonderführungen mit dem Leitmotiv des Hauses beschäftigen, Linien stiller Schönheit, und die kulturhistorische Sammlung mit ihrem Augenmerk auf die zeitlos anmutende Schönheit von Gefäßen aller Art in den Mittelpunkt stellen.
Interessierte melden sich bitte per E-Mail mail@museum-dkm.de oder telefonisch 0203 / 93555470 an. Zum Museumseintritt kommt eine Führungsgebühr von 6 Euro.

 

 
Museum DKM

Das Museum DKM in der Nähe des Hauptbahnhofs. Foto: Petra Grünendahl.

Das private Museum DKM hat 1999 etwas kleiner als Galerie im Duisburger Innenhafen begonnen. Mit wachsender Sammlung zogen die Museumsstifter 2009 ins Zentrum der Innenstadt zwischen Kantpark mit dem Lehmbruck Museum und Hauptbahnhof. Die Architektur des Museums, eine umgebaute ehemalige Gewerbeimmobilie, dient in ihrer Zurückhaltung der Ausstellung der Kunst. Hier zeigen die Museumsstifter Klaus Maas und Dirk Krämer unter dem Motto „Linien stiller Schönheit“ ihre eigene Kunstsammlung sowie wechselnde Sonderausstellungen auch mit Leihgaben. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf zeitgenössischer Kunst, Kunst aus Südostasien, Alt-Ägypten und zeitgenössischer Fotografie. Die drei Baukörper des Museums erstrecken sich über fünf Ebenen und umfassen 2.700 Quadratmeter oder 51 Räume. Aus den Räumen des Neubaus bieten sich inszenierte Ausblicke in Außenbereiche. Das Foyer mit Museumscafé lädt zum Ausruhen und Erfrischen ein. Das Museum DKM gehört zu den 21 RuhrKunstMuseen.

 

Das Museum DKM in der Nähe des Hauptbahnhofs. Foto: Petra Grünendahl.

Noch bis zum 4. September zeigt das Museum DKM in der Verlängerung die ebenfalls sehr sehenswerte Kimono-Ausstellung „Omoshirogara“ in den Wechselausstellungsräumen im Neubau. Im Wechselausstellungsbereich im Altbau sind bis zum 25. September die beiden Sonderausstellungen „Eros in Erwartung der Ewigkeit“ und Claudia Terstappens „Schönheit und Urkräfte der Natur“ zu sehen: Auch diese sind sehr sehenswert (hier unser Bericht). Regulär geöffnet hat das private Museum DKM der Stifter Klaus Maas und Dirk Krämer an der Güntherstraße 13-15 im Dellviertel samstags, sonntags und an Feiertagen zwischen 12 und 18 Uhr sowie jeden ersten Freitag im Monat ebenfalls zwischen 12 und 18 Uhr*. Montags bis freitags wird ansonsten nur nach Vereinbarung für Gruppen geöffnet*. Der Eintritt kostet 12 Euro (ermäßigt 6 Euro, für Schüler und Studenten bis 28 Jahre), Kinder bis 7 Jahre haben freien Eintritt. Für Gruppen (zw. 10 und 15 Personen) gibt es einen Gruppentarif (10 Euro pro Person) zzgl. einer (kostenpflichtigen) Führung. Eine Jahreskarte** kostet 100 Euro. Die RuhrKultur.Card ermöglicht einen einmalig freien Eintritt. Die Teilnahme an der Freitagsführung kostet 6 Euro zusätzlich zum Eintritt. Weitere Infos gibt es hier.

 
Corona
Im Museum gilt weiterhin die 3G-Regel (geimpft, genesen, getestet) für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren. Außerdem gelten Maskenpflicht, Abstands- und Hygieneregelungen der Corona-Schutzverordnung des Landes NRW. Weitere Infos gibt es hier.

 
*) An folgenden Tagen ist grundsätzlich geschlossen: 24. bis 26. Dezember, 31. Dezember und 1. Januar.
**) Nicht übertragbar, berechtigt zum kostenlosen Eintritt während der regulären Öffnungszeiten.

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Küssdenfrosch eröffnet Freies Kolumbarium Rheinkirche in Duisburg-Homberg

Wachgeküsst: Mit einen anderen Blick auf den Tod“
Von Petra Grünendahl

Küssdenfrosch-Geschäftsführer Andreas Knapp Im Mittelschiff vor den Regalen für die Urnenboxen. Foto: Petra Grünendahl.

„Die Kirche war in einem schlechten Zustand, so dass eine grundlegende Sanierung nötig wurde“, erzählte Andreas Knapp. Insbesondere der undichte Dachstuhl habe es ihn sich gehabt: Schimmel und Holzschwamm im Gebälk. Das wurde an dem denkmalgeschützten Gebäude nicht nur aufwendig, sondern auch teuer: Rund 2,5 Mio. Euro hat allein die Sanierung gekostet. „Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, reizvolle alte Gebäude für eine neue Nutzung zu entwickeln“, erklärte Knapp. Aus dem Dornröschenschlaf erwacht ist die ehemalige Kirche dann als Kolumbarium: Bis zu 9 Meter hohe Regale stehen im Mittelschiff, die bis zu 4.500 Urnenboxen Platz bieten könnten. „Wir werden hier aber nur etwa 3.500 Plätze anbieten, weil wir in den Regalen Lichtöffnungen lassen wollten“, so der Projektentwickler. Weitere 3.000 Grabplätze stehen in Gemeinschaftsräumen im Obergeschoss. In der Apsis, wo früher der Altar stand, finden die Tauerfeiern statt. In den Seitenschiffen ist Raum für Bilder der Verstorbenen und Kränze, die dort nach dem Begräbnis gute zwei Wochen aufgestellt sind und damit einen direkten Bezug für „Friedhofsbesucher“ bieten.

 

Schale für die Urne zur Trauerfeier. Foto: Petra Grünendahl.

Die Küssdenfrosch Wachküssgesellschaft eröffnet nach einer mehrjährigen Sanierung das Freie Kolumbarium Rheinkirche in Duisburg-Homberg. Küssdenfrosch-Geschäftsführer Andreas Knapp stellte das Projekt im Pressegespräch vor. Die Architekten und Projektplaner aus Düsseldorf kaufen sanierungsbedürftige Gebäude mit Potenzial, die sie für eine angemessen Nachnutzung entwickeln. Sie sind in Düsseldorf und der Region tätig.

 

 
Gräberstätte moderner Prägung in denkmalgeschützen Gebäude

Küssdenfrosch hat die Rheinkirche in Duisburg-Homberg zu einem Kolumbarium umgebaut. Foto: Petra Grünendahl.

Die ersten Skizzen seien Ende 2017 nach dem Kauf des Gebäudes entstanden, erzählte Architektin Regine Naudascher. Schon lange war das 1894 im neo-gotischen Stil erbaute Haus als Kirche nur noch sporadisch genutzt worden. Der Verkauf wurde nötig, weil die Gemeinde die Kosten für dringend nötige Sanierungsarbeiten nicht stemmen konnte. Mit Küssdenfrosch fanden sie einen Käufer. „Wichtig war uns bei der Suche nach einer Nachnutzung der respektvolle Umgang mit dem Gebäude und seiner Geschichte“, erklärte Andreas Knapp. Dabei ist hier ein Friedhof ganz anderer Art entstanden: Der „Begräbnisraum“ hat nicht nur Aufenthaltsqualität, sondern soll auch für kleinere Events, Kunstausstellungen oder Konzerte genutzt werden können. Die passende Akustik bietet das Kirchengebäude dafür allemal. Dass eine Grabstätte keine „Friedhofsatmosphäre“ verbreiten muss, zeigen Bestattungsriten in anderen Ländern, die mehr von Lebenslust als von Trauer geprägt sind: „Wir wollen hier diesen etwas anderen Blick auf den Tod: Wir wollen ihn mit ins Leben holen“, philosophierte Projektentwickler.

 

 
Das freie Kolumbarium in der Rheinkirche

Im Mittelschiff nehmen bis zu 9 Meter hohe Regale die Urnenboxen auf. Foto: Petra Grünendahl.

Die von Küssdenfrosch gegründete Betreibergesellschaft der offenen, nicht konfessionsgebunden Begräbnisstätte, Kolumba GmbH, arbeitet mit allen Duisburger Bestattern zusammen: Diese kümmern sich in Duisburg um rund 6.000 Sterbefälle jährlich, von denen heutzutage etwa 70 Prozent eingeäschert werden. Der Trend gehe zu alternativen Bestattungsformen weg vom klassischen Friedhof, sagte Andreas Knapp, der hier für das Kolumbarium Chancen sieht. Menschen mit einem Bezug zu diesem ehemals evangelischen Kirchengebäude – Kirchenbesuche, Taufe, Konfirmation oder Hochzeit – hätten ihn bereits angesprochen und Interesse bekundet, sagte er. Allerdings, so Stefan Schuster, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft, stünde ein Begräbnis im Freien Kolumbarium Rheinkirche allen, auch anderen Konfessionen und nicht Konfessionsgebundenen offen.

 

Raum zur Besinnung zwischen den Regalen mit Urnenboxen im Mittelschiff. Foto: Petra Grünendahl.

Die Mindestruhezeit beträgt im Kolumbarium 12 Jahre, danach kann jährlich verlängert werden, solange Hinterbliebene diesen Ort zur Trauer brauchen. Nach Ablauf der Ruhezeit wird die Asche über eine unterirdische Zisterne dem Erdreich zugeführt. Für 12 Jahre kostet diese Grabstätte im Mittelschiff der Kirche 3.500 Euro (inklusive Grabpflege), in den Gemeinschaftsräumen 1.200 Euro. Die Reservierung einer Grabstätte ist für 120 Euro pro Jahr möglich. Wer bereits eine Grabstätte reserviert hat, darf im Garten der Gedanken auch sein eingeäschertes Haustier begraben.

 

 

In den Seitenschiffen ist Raum für Trauer nach dem Begräbnis. Foto: Petra Grünendahl.

Die Sanierung ist wegen des maroden Dachstuhls deutlich teurer geworden als ursprünglich veranschlagt. Dafür gab es dann aber Fördergelder von Bund und Land in Höhe von rund 350.000 Euro für die denkmalgerechte Sanierung. In den kompletten Innenausbau nach der Sanierung sowie die Gestaltung der 2.000 Quadratmeter großen Gartenanlage hinter der Kirche ist eine weitere Millionen Euro geflossen. Allein die acht Stelenkonstruktionen mit rund 5.000 laufenden Metern Holz schlugen mit etwa 700.000 Euro zu Buche. Auch die Orgel die ist funktionstüchtig wieder hergerichtet.

 

Trauerfeiern sollen in der Apsis stattfinden. Foto: Petra Grünendahl.

Wie ein Friedhof wird das ehemalige Kirchengebäude ebenso wie der angrenzende „Garten der Gedanken“ tagsüber (dienstags bis freitags zwischen 11 und 16 Uhr) auch öffentlich zugänglich sein. Sonntags gibt es zwischen 13 und 15 Uhr eine Führung (Anmeldung ist nicht notwendig). Zur Eröffnung gibt es am Sonntag, 3. April, von 11 bis 16 Uhr einen Tag der offenen Tür.
http://kolumbarium-rheinkirche.de/

 

 
 
Freies Kolumbarium in der Rheinnkirche.Impressionen von Petra Grünendahl

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Küssdenfrosch Wachküssgesellschaft

Küssdenfrosch hat die Rheinkirche in Duisburg-Homberg zu einem Kolumbarium umgebaut. Foto: Petra Grünendahl.

„Wir finden interessante Gebäude, sie wir revitalisieren wollen, und suchen dann eine angemessene Nutzung“, beschrieb Andreas Knapp das Anliegen seiner Gesellschaft. Die Küssdenfrosch Wachküssgesellschaft sind Architekten, Projektentwickler und Andersdenker. Seit 2003 suchen und kaufen sie Gebäude, die erhaltenswert und außergewöhnlich sind. Sie suchen und finden dann für diese reizvollen Bauten das richtige wirtschaftliche Konzept, das den Erhalt dieser Gebäude für das Stadtbild und die nächsten Generationen sicherstellt. Die mitunter arg vernachlässigten Schmuckstücke im Dornröschenschlaf wollen zumeist erst einmal grundlegend saniert und „wachgeküsst“ werden. Küssdenfrosch plant und realisiert den Umbau vom Entwurf bis zur Fertigstellung mit eigenen Mitarbeitern, damit man Einfluss auf die Details nehmen kann und nichts dem Zufall überlassen muss.
https://www.kuessdenfrosch.haus/

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Rat der Stadt Duisburg diskutierte über Osttangente in Rheinhausen

Stellplatzsatzung geht in die dritte Lesung, Verwaltung soll klimaneutrales Ruhrort prüfen
Von Petra Grünendahl

Vor der Ratssitzung in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

„Die Gegner des Projekt sagen, es geht auch anders, sagen aber nicht, wie es anders gehen soll“, erklärte Ratsherr Reiner Friedrich (SPD) als Berichterstatter zum Thema „Osttangente Rheinhausen“. Die Verwaltung solle nach der vorgelegten Machbarkeitsstudie alle möglichen Varianten prüfen, um Lkw vom Logport I zur Autobahn geleitet werden können, ohne für die Bewohner von Rheinhausen und Hochfeld mehr als nötig zu belasten: „Erst nach der Prüfung durch die Verwaltung entscheiden wir über den Bau“, so der Ratsherr. Auch seine Fraktion begrüße das Ergebnis der Studie, die eine Ostumgehung um den Ortskern Rheinhausen für möglich hält, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Thomas Mahlberg. Gegenstimmen gab es dafür nicht nur von den Grünen, den Linken oder Junges Duisburg, sondern auch aus Reihen der SPD. Die Osttangente mitten durch ein Naturschutzgebiet sei nicht die Lösung des Problems, so Grünen-Fraktionsvorsitzende Anna von Spiczak-Brzezinski. Auch mache die Machbarkeitsstudie keine Aussage über die Genehmigungsfähigkeit insbesondere mit Bezug auf den Hochwasserschutz, sagte die Ratsfrau. Man solle nicht Stadtteile gegeneinander ausspielen, erklärte Ratsherr Ersin Erdal (SPD) seine Opposition: „Wir sind eine Stadt am Rhein. Den Zugang sollte man nicht zupflastern.“ Planungsdezernent Martin Linne versuchte zu vermitteln: „Die Osttangente ist seit 20 Jahren in der Diskussion, weil nie alle Fakten auf dem Tisch lagen.“ Die Machbarkeitsstudie sei ein erster Schritt, eine Entscheidung setzte aber noch weitergehende Prüfungen insbesondere auch der Umweltverträglichkeit voraus. In der geheimen Abstimmung votierten 58 Ratsleute für eine weitere Prüfung, die in den Jahren 2022 und 2023 rund 600.000 Euro kosten soll, 33 dagegen bei zwei Enthaltungen.

 

Wegen Corona tagt der Rat der Stadt in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

Die Sitzung im Rat der Stadt zog sich wegen zahlreicher Diskussionen ein wenig in die Länge, obwohl „nur“ 79 Tagesordnungspunkte im öffentlichen Teil (plus neun TOP im nichtöffentlichen Teil) überschaubar schienen. Das meiste wurde einstimmig ohne Diskussion abgesegnet: Die Planungen zur Einstellung von Azubis und Praktikanten 2023, die Planung einer 6-zügigen Gesamtschule in Wanheimerort, der Ersatzneubau der Cölve-Brücke, die energetische Ertüchtigung der Eissporthalle und der Neubau des Straßenverkehrsamtes in Neumühl ebenso wie diverse Flächennutzungs- und Bebauungspläne, die nach der Zustimmung in Fach- und Bezirksausschüssen hier ihr endgültiges Votum bekamen. Wie immer bekam der Beschluss für verkaufsoffene Sonntage zahlreiche Gegenstimmen. Die viel diskutierte Stellplatzsatzung (Pkw- und Fahrradstellplätze für Neubauten) wurde schlussendlich als dritte Lesung zur Entscheidung auf die nächste Sitzung verschoben. Trotz längerer Diskussion stimmte der Rat dem Beschlussentwurf „UrbanZero Ein Stadtteil [Ruhrort] wird klimaneutral“ mehrheitlich zu, welcher die Stadtverwaltung beauftragt, „mit den beteiligten Projektpartnern die Entwicklung einer entsprechenden Strategie zur Umsetzung zu prüfen und dem Rat zur Information und ggfs. Beschlussfassung vorzulegen.“

 
© 2022 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

 
 

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Niederrheinische IHK: Jahresempfang in der Mercatorhalle mit Christian Lindner

Trotz wirtschaftlicher Sorgen eine Rückkehr zu etwas Normalität
Von Petra Grünendahl

Ihk-Präsident Burkhard Landers war digital zugeschaltet beim Jahresempfang der Niederrheinischen IHK. Foto: Petra Grünendahl.

„Wir hatten nach zwei Jahren der Pandemie gehofft, mit den wärmeren Tagen wieder aufatmen zu dürfen. Aber nun herrscht in Europa wieder Krieg“, sagte IHK-Präsident Burkhard Landers. „Putin schert sich nicht um das Völkerrecht, ihn interessieren weder Leben, Freiheit noch Menschenwürde.“ Wirtschaftlichen Folgen träfen auch die Unternehmen, die alle Sanktionen vom ersten Tag an aus Überzeugung unterstützt hätten. Das habe massiv gestörte Lieferketten zu Folge, einen gebremsten internationalen Handel und eine hohe Inflation. Landers wandte sich gegen Krieg und Gewalt, mahnte aber: Auch die Pandemie sei noch nicht vorbei.

Gastredner Christian Lindner beim Jahresempfang der Niederrheinischen IHK. Foto: Petra Grünendahl.

Die Zukunft der Innenstädte, Kampf gegen Leerstände, Digitalisierung und Fachkräftemangel stünden weiterhin auf der Agenda, während man sich Gedanken mache, wie man aus fatalen Abhängigkeiten (z. B. vom russischen Gas) raus komme. „Wir können uns in Deutschland im weltweiten Wettbewerb der Systeme nur behaupten, wenn wir entschlossen und gemeinsam handeln“, so der IHK-Präsident. Die Zukunft der Industrie stehe dabei an erster Stelle. Mit der CO2-neutralen Stahlproduktion und der Versorgung von energie-intensiven Industrien stünde man vor großen Herausforderungen, die man nur gemeinsam meistern könne: „Wenn uns diese gemeinsame Strategie nicht rasch und zuverlässig gelingt, laufen wir Gefahr, unsere Industrie schleichend zu verlieren.“ Und: „Woran wir gemeinsam arbeiten müssen, ist ein breites, auch bürgerschaftliches Bekenntnis zu Wirtschaft, Wertschöpfung und Investitionen. Unser Wohlstand ist keine Selbstverständlichkeit.“

 

IHK-Vizepräsident Werner Schauerte-Küppers begrüßte die Gäste beim Jahresempfang der Niederrheinischen IHK. Foto: Petra Grünendahl

Die Niederrheinische IHK hatte zum Jahresempfang, der in Vor-Corona-Zeiten zum Jahresbeginn Tradition hatte, in die Mercatorhalle eingeladen. Gut besucht war die Veranstaltung, auch wenn es etwas weniger Gäste waren als bei den Neujahrsempfängen: Manch einer hatte wohl wegen Corona Bedenken und sah von einer Teilnahme ab. Dank 2G+ plus zusätzlichem Coronatest bot die Veranstaltung fast schon einen Hauch von Normalität, die viele Gäste nach zwei Jahren Einschränkungen als sehr wohltuend empfanden. IHK-Vizepräsident Werner Schauerte-Küppers vertrat bei der Begrüßung den IHK-Präsidenten Burkhard Landers, der wegen einer Corona-Erkrankung seine Rede digital hielt – aus seinem Arbeitszimmer in Wesel übertragen. Geladene Gäste aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Institutionen trafen sich nach den Reden von Burkhard Landers und Gastredner Bundesfinanzminister Christian Lindner im Foyer des großen Saals bei einem Imbiss zum entspannten Networking. Dass diese Veranstaltung so stattfinde, sei gut, sagte Lindner: „Wir müssen verantwortbare Schritte zurück zur Normalität gehen.“

 

 
Russland, aber auch China: Abhängigkeiten der deutschen Wirtschaft reduzieren

Gastredner Christian Lindner beim Jahresempfang der Niederrheinischen IHK. Foto: Petra Grünendahl.

Sowohl die verabschiedeten Entlastungspakete als auch die Investitionen in die Bundeswehr seien notwendig, so Bundesfinanzminister Christian Lindner, eine „Investition in unsere Freiheit“. Er verteidigte die Sanktionen gegen Russland, aber auch den Verzicht auf ein Embargo auf russisches Gas: „Die Sanktionen sollen Putin treffen, aber nicht die deutsche Wirtschaft schwächen.“ Er forderte die deutsche Wirtschaft auf, angesichts gestörter Lieferketten ihre Innovationskraft zu mobilisieren, auch um sich aus der Energieabhängigkeit von Russland zu befreien. Er warnte aber auch davor, dass bei einem gleich bleibend hohen Niveau von Energiekosten der Staat nicht unendlich lange einspringen könne. Er mahnte, sich nicht nur aus russischen Abhängigkeiten zu befreien, sondern auch aus chinesischen: „China ist starker Handelspartner, aber ein systemischer Rivale, der unser Gesellschaftsmodell und Völkerrechte nicht anerkennt.“

 

Gastredner Christian Lindner beim Jahresempfang der Niederrheinischen IHK. Foto: Petra Grünendahl.

In der Ukraine sei er vor Corona zu Gesprächen wesen, erzählte Lindner: „Ich hatte damals den Eindruck, dass man sich realer Probleme bewusst war, aber die Ukrainer auch klare Vorstellungen davon hatten, wohin sich ihre Gesellschaft entwickeln sollte: In Richtung Westen mit seinen liberalen Werten und sozialer Marktwirtschaft.“ Deswegen habe Putin angegriffen: „In der Ukraine werden auch unserer Werte verteidigt!“ Solidarität dürften keine leeren Worte sein: „Wir unterstützen die Ukraine!“ Er verwies auf die Verpflichtung Deutschlands, als wirtschaftliche Macht auch politische Verantwortung in Europa zu übernehmen: „Das geht über finanzielle Hilfen und Waffen hinaus.“ Die Flüchtlinge, zumeist Frauen mit Kindern, fragten hier nach Registrierung, Sprachkursen und Möglichkeiten zur Arbeit: „Wir sollten sie Willkommen heißen und integrieren und uns am Wiederaufbau der Ukraine beteiligen“, so der Finanzminister. Den Kommunen sagte er weitere Hilfen zu: Für die Altschulden könne er sich einen Deal vorstellen, dass eine Entschuldung durch Bund und Länder mit einer Selbstverpflichtung der Städte zum Einhalten einer Schuldenbremse einher gehe. Oberbürgermeister Sören Link ebenso wie die anwesenden Vertreter von Kommunen der Kreise Wesel und Kleve werden dies mit Freude vernommen haben.

 

 
Niederrheinische IHK