Oper am Rhein: Giacomo Puccinis „Tosca“ im Theater Duisburg

Tosender Applaus belohnte Akteure für eine exzellente Aufführung

Morenike Fadayomi (Tosca), Gustavo Porta (Cavaradossi). Foto: Hans Jörg Michel.

Morenike Fadayomi (Tosca), Gustavo Porta (Cavaradossi). Foto: Hans Jörg Michel.

Rom im Jahr 1800: die Kirche Sant’Andrea della Valle nahe der Engelsburg (Castel Sant’Angelo), aus der der eingekerkerte Republikaner Angelotti (Günes Gürle) geflohen ist. Der Maler Mario Cavaradossi (Calin Bratescu) malt hier im Auftrag der Kirche an einer Madonna. Er kennt Angelotti und versteckt ihn, als seine Geliebte Tosca (Morenike Fadayomi) anklopft. Sie ist eifersüchtig, als Cavaradossi etwas länger braucht, um die Tür zu öffnen. Sie vermutet eine andere Frau, die sie in den Augen des Madonnen-Bildnisses zu erkennen glaubt.

Die Wiederaufführung von Giacomo Puccinis “Tosca”, einem Melodrama in drei Akten, fand im Rahmen der 35. Duisburger Akzente statt. Der Text (Libretto) in italienischer Sprache stammt von Luigi Illica und Giuseppe Giacosa. Grundlage der Oper ist das Drama „La Tosca“ von Victorien Sardou mit einer fiktiven Handlung vor historischem Hintergrund: Napoleon Bonaparte kämpft an diesem Tag mit seinem Heer in Norditalien bei Marengo gegen Monarchisten und die Kirche, die Königin Maria-Carolina unterstützt. Zunächst verliert Napoleon die Schlacht, dann leben die Kämpfe wieder auf, das Blatt wendet sich – bis später am Tag Napoleon gesiegt hat. Übertitel über der Bühne erleichtern den Zuschauern, die Handlung zu verfolgen. Das Stück aus dem Repertoire der Rheinoper dauert ca. 2 ½ Stunden (mit Pause).

Boris Statsenko (Scarpia), Rolf Broman (Sciarrone), Morenike Fadayomi (Tosca). Foto: Hans Jörg Michel.

Boris Statsenko (Scarpia), Rolf Broman (Sciarrone), Morenike Fadayomi (Tosca). Foto: Hans Jörg Michel.

In Rom erlebte „Tosca“ seine Uraufführung – 100 Jahre nach den historischen Ereignissen, die den Rahmen bilden. Puccini hatte diese Oper eigentlich schon viel früher fertig, wartete aber mit der Aufführung bis ins Jahr 1900. Geändert hatte sich an den politischen Verhältnissen in diesen 100 Jahren wenig: Die Macht hatten König und Kirche, republikanische und revolutionäre Kräfte wurden unterdrückt. Puccinis Sympathien lagen auf Seiten der Republikaner, das Stück war ein Plädoyer für Freiheit und gegen die Unterdrückung im Namen Gottes. So wurde es auch von Puccinis Gegnern in Kritik und Publikum verstanden und entsprechend verrissen. Was seiner Popularität aber keinen Abbruch tat.

Unpolitisches Publikum hingegen (oder vielmehr ein solches, welches sich nicht angegriffen fühlte) liebte das Stück – von Anfang an. Der aufrechte Maler Cavaradossi, der mit Malereien für die Kirche sein Brot verdient, aber mit der Sache der Republikaner sympathisiert, und seine eifersüchtige Geliebte, die schöne Sängerin Floria Tosca, der geflohene Revolutionär Angelotti und der Kirchenmann Baron Scarpia (Boris Statsenko), Inquisitor mit leiblichen Begierden und scharf auf die Geliebte des Malers, – das ist der Stoff für großes Theater: Liebe, Leidenschaft und politische Brisanz. Inszeniert in einer Perfektion und Pracht, in die man sich auch heute noch gut verlieren und genießen kann. Und wozu sich das Publikum im – zu Recht! – nahezu ausverkauften Theater Duisburg auch gerne hinreißen ließ.

Morenike Fadayomi (Tosca), Rolf Broman (Sciarrone), Gustavo Porta (Cavaradossi). Foto: Hans Jörg Michel.

Morenike Fadayomi (Tosca), Rolf Broman (Sciarrone), Gustavo Porta (Cavaradossi). Foto: Hans Jörg Michel.

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Scarpia hat Cavaradossi in seine Gewalt gebracht und foltert ihn, um Angelottis Aufenthaltsort zu bekommen. Der Maler jubelt, als die Nachricht von Napoleons Sieg kommt. Scarpia ordnet daraufhin seine Hinrichtung an. Angelotti war von seinen Häschern ebenfalls gefasst worden. Er begeht Selbstmord, seine Leiche wird als Warnung an der Engelsburg am Galgen aufgehängt. Die verzweifelte Tosca fleht um das Leben ihres Geliebten. Scarpia willigt in eine Scheinhinrichtung ein, wenn sie ihm zu Willen ist. Nachdem alles arrangiert ist und sie den Brief, der ihr und ihrem Liebsten freies Geleit zusichert, in Händen hat, wird Scarpia zudringlich. Sie ersticht ihn.
Tosca weiht Cavaradossi in die Pläne ein und leitet ihn an, nach den Schüssen auf ihn gekonnt zu fallen. Als das Erschießungskommando am nächsten Morgen die „Exekution“ vollzogen hat, muss Tosca feststellen, dass Scarpia sie betrogen hat: Cavaradossi ist tot. Verzweifelt stürzt sie sich anschließend von der Engelsburg in den Tiber, in den Tod.

Boris Statsenko (Scarpia), Morenike Fadayomi (Tosca). Foto: Hans Jörg Michel.

Boris Statsenko (Scarpia), Morenike Fadayomi (Tosca). Foto: Hans Jörg Michel.

Die brillante Inszenierung von Dietrich Hilsdorf läuft bereits in der dreizehnten (!) Spielzeit bei der Deutschen Oper am Rhein, hat aber noch nichts von ihrer Faszination verloren. Für Bühnengestaltung und Kostüme zeichnet Johannes Leiacker verantwortlich. Der erste Akt in der Kirche Sant’Andrea della Valle ist ganz in napoleonischen Kostümen gehalten. Nach der Pause geht es im zweiten Akt im Palazzo Farnese, der Residenz von Baron Scarpia, im Stil der vorletzten Jahrhundertwende weiter: mit Kostümen, die von der Zeit der Uraufführung inspiriert sind. Hier spannt Regisseur Hilsdorf ganz bewusst den Bogen vom Zeitpunkt der Handlung zur Gegenwart des Komponisten, in der die politischen Verhältnisse noch immer ähnlich waren. Der Übergang zum dritten Akt ist fast fließend: Ein Vorhang geht hoch und wir befinden uns an der Engelsburg direkt am Tiber, wo eine Puppe (als Angelotti) am Galgen hängt. Im Hintergrund erkennen wir schemenhaft den Petersdom.

Die Duisburger Philharmoniker legten unter der musikalischen Leitung von Gastdirigent Enrico Dovico wieder einmal ein herausragendes Zeugnis ihrer Spitzenklasse ab. Die sängerisch wie schauspielerisch glänzend aufgelegten, leidenschaftlich agierenden Ensemble-Sänger der Deutschen Oper am Rhein unterstützte der Chor der Oper am Rhein unter der Leitung von Christoph Kurig sowie der Kinder- und Jugendchor St. Remigius Düsseldorf-Wittlaer unter der Leitung von Petra Verhoeven.

Ein Termin steht bis zum Ende dieser Spielzeit noch an im Theater Duisburg:
Dienstag, 27. Mai 2014, um 19:30 Uhr.
Einen Besuch ist diese tolle Inszenierung definitiv wert!

Karten gibt es im Opernshop an der Düsseldorfer Straße 5 – 7 (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 19 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr) oder unter Telefon 0203 / 9407777. Die Abendkasse öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer. Tickets kosten zwischen 18,10 und 62,80 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man hier.

© 2014 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Hans Jörg Michel, Mannheim / Deutsche Oper am Rhein

Über Petra Grünendahl

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