Von ersten befestigten Ankerplätzen in der Region zum weltweit vernetzten Logistik-DienstleisterVon Petra Grünendahl
Die Börtschifffahrt nutzte für den Warenhandel unbefestigte Liegeplätze am Flussufer. Da sich das Handelsvolumen bis in die frühe Neuzeit in überschaubaren Grenzen hielt, reichte dies völlig aus. Aber der Warenverkehr stieg als Folge von Kolonialisierung und dann auch Bergbau und Industrialisierung. Am 16. September 1716 beschloss der Magistrat der damals selbstständigen Stadt Ruhrort, einen Hafen zu bauen. Oberhalb der heutigen Schifferbörse begradigte man das Ufer und verstärkte es mit Holzbohlen, um erste befestigte Ankerplätze in unmittelbarer Nähe zum Dorf zu schaffen. Zimmerleute begannen, Boote zu reparieren. Eine erste Werft entstand schon 1712. Wirtschaftlich bot der Hafen dem Dorf eine Perspektive, denn von damaligen Handelsrouten wie dem Hellweg war Ruhrort ebenso abgeschnitten wie von einem direkten Weg in die südlich gelegene Reichs- und Hansestadt Duisburg. Der Magistratsbeschluss von 1716 legte den Grundstein zur heutigen Duisburger Hafen AG, die in diesem Jahr ihr 300. Jubiläum feiert. Aus den Anfängen als befestigter Ankerplatz in Ruhrort über den Zusammenschluss mit dem Duisburger Hafen nach Vereinigung der Städte Duisburg, Ruhrort und Meiderich bis hin zum Ausbau der Duisburger Hafen AG als weltweit vernetzten Logistik-Dienstleister zeichnet die Chronik, die die Hafengesellschaft zum Jubiläum in Auftrag gegeben hatte, wichtige Epochen in der Geschichte des Ruhrgebiets und Deutschlands nach. Immer wieder gab es Rückschläge, die die Autoren detailliert, aber dennoch gut lesbar beschreiben. Überschaubar haben sie die Geschichte der Hafenentwicklungen in Ruhrort und Duisburg aufbereitet, immer wieder ergänzt durch Biographien von Menschen, die in der Entwicklung des Hafens Spuren hinterlassen haben. Neben den politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Hafenentwicklung haben sie dabei auch immer ein Auge auf die Entwicklung der Arbeitswelt.
Erfolgreiche Hafenstandorte an alten Handelsrouten

Loren und Schüttrinnen erleichterten die Kohleverladung im 19. Jahrhundert. Foto: Duisburger Hafen AG.

Hier wurden ab 1901 Frachtraten und Schlepplöhne ausgehandelt: die alte Schifferbörse in Ruhrort. Foto: Duisbureger Hafen AG.
Den Ruhrorter Hafen übernahm 1756 der preußische Staat, der nach den napoleonischen Kriegen und der politischen und wirtschaftlichen Neuordnung Europa (Wiener Kongress) ab 1815 auch dessen Ausbau finanzierte. Dagegen schlossen sich in Duisburg Kaufleute zum Rhein-Kanal-Aktien-Verein zusammen, um die Stadt mit einem Kanal wieder an den Rhein anschließen wollte (der heutige Außenhafen). Die Häfen waren Konkurrenten, wobei Ruhrort durch den Kohletransport ganz klar im Vorteil war. Auch dann noch, als Duisburg längst über den Rhein-Kanal wieder Anschluss zum Rhein hatte: Duisburg blieb ein Handelshafen. Ein Ruhr-Kanal sollte Abhilfe schaffen, die Gründung des Ruhr-Kanal-Aktien-Vereins trieb das nötige Geld ein, aber Berlin bevorzugte den preußischen Hafen Ruhrort. Die Arbeiten am Ruhr-Kanal konnten erst 1840 begonnen werden. An seinem Ende entstand als Hafenbecken der Vorläufer des heutigen Innenhafens.
Die Dampfschifffahrt machte Pferde (zum Treideln), Segel und Mast überflüssig. Mit der Geschwindigkeit und zuverlässigeren Transporten nahm die Bedeutung des Binnenschiffstransports weiter zu. Das Holz im Schiffbau wich Eisen, welches die Schiffe stabiler und langlebiger machte. Dampfschleppschiffe machten den Massentransport wirtschaftlicher, konnten sie doch sechs bis sieben Lastkähne mit einer Gesamtladung von 2.000 Tonnen hinter sich her ziehen. Dies in Verbindung mit dem Ruhr-Kanal machte den Duisburger Hafen zu einem ernsthaften Konkurrenten für Ruhrort.

Trajektturm der Homberg-Ruhrorter Trajektanschalt: ganze Eisenbahnzüge konnten mit Hilfe einer Fähre über den Rhein gebracht werden. Foto: Duisburger Hafen AG.

Das Buch zum Duisburger Hafenjubiläum: 300 Jahre Duisburger Hafen – Weltweit vernetzt, regional verankert. Foto: Petra Grünendahl.
Das großformatige Buch „300 Jahre Duisburger Hafen“ ist erschienen im Geschichtsbüro Verlag, Köln. Es bietet auf 256 reich bebilderten Seiten gut lesbare hochinformative Textabschnitte aus der wechselhaften Entwicklungsgeschichte der Duisburger Häfen. Kein Werk, das man wie einen Roman von Anfang bis zum Ende liest, sondern eher ein Werk zum Blättern und Schmökern, wieder und immer wieder, um der Dichte der in Text gegossenen Informationen Herr zu werden. Über den lokalen Buchhandel ist es zum Preis von 29.95 Euro zu beziehen (ISBN 978-3-940371-36-2).
© 2016 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Duisburger Hafen AG bzw. Hans Blossey / duisport (Luftaufnahme 2015), Petra Grünendahl (Buchcover)
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