Ausbildung: Blick über den Tellerrand fehlt zu oft, genau der wäre aber nötig

Zu viele Jugendliche entscheiden sich für
wenige Klassiker: Mehr Aufklärung notwendig

Wolfgang Schmitz, Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Wolfgang Schmitz, Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

Zum Beginn des Ausbildungsjahres hat das Statistische Bundesamt nun aktuelle Zahlen rund um das Thema Ausbildung veröffentlicht. Das Ergebnis: Wenige „klassische“ Ausbildungsberufe sind weiterhin mit Abstand am beliebtesten. „Dabei lohnt es sich, über den Tellerrand zu schauen“, gibt Wolfgang Schmitz, Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes, zu bedenken. Er fordert deshalb eine zielgerichtetere Aufklärungsarbeit von allen gesellschaftlichen Akteuren. „Es gibt ein riesiges Informationsangebot für junge Leute, aber offenbar wird es nicht hinreichend genutzt“, so der Arbeitgebervertreter.

Diamantschleifer, Sattler, Winzer oder Automatenfachmann – in Deutschland gibt es über 300 anerkannte Ausbildungsberufe. Auf die fünf klassischen Ausbildungswege Einzelhandel, Kaufmann für Büromanagement, Verkäufer, Kraftfahrzeugmechaniker und Industriekaufmann kommen aber allein schon ein Viertel aller Bewerber. Dabei versprechen gerade „exotischere“ Ausbildungswege mindestens so gute, wenn nicht bessere Berufschancen, da hier Fachkräfte dringend gesucht werden, so Schmitz: „Am Arbeitsmarkt machen sich dann zahlreiche Absolventen beliebter Ausbildungsberufe Konkurrenz, während für andere Berufe keine geeigneten Bewerber gefunden werden.“

Der Unternehmerverband setzt sich vor allem dafür ein, den Nachwuchs – und gerade Mädchen – für technische Berufe zu begeistern. „Viel zu wenige Mädchen beginnen eine technische Ausbildung. Dabei bieten gerade diese Jobs sichere Perspektiven und gutes Geld. Vorurteile, dass technische Berufe Männerberufe seien, sind längst nicht mehr gerechtfertigt“, stellt Schmitz klar. Deswegen fährt beispielsweise der InfoTruck der Metall- und Elektroindustrie auf die Schulhöfe der Region. Regelmäßig lädt der Unternehmerverband auch Lehrer im Rahmen von Arbeitskreisen Schule/Wirtschaft in Mitgliedsbetriebe ein, damit sich die Pädagogen vor Ort über Ausbildungsmöglichkeiten für ihre Schüler informieren können.

Zu viele Jugendliche würden auch auf eine Ausbildung in einem großen Unternehmen setzen. Kleine und mittlere Unternehmen kämen dabei oftmals nicht in die engere Auswahl. „Jugendliche unterschätzen die Möglichkeiten in kleineren Betrieben. Dabei ist gerade hier eine gute individuelle Förderung möglich“, sagt Schmitz. Schmitz fordert ebenso eine größere räumliche Mobilität. „Es gibt große regionale und lokale Unterschiede beim Ausbildungsplatzangebot. Es lohnt sich, andere Orte in den Blick zu nehmen“, so Schmitz.

Er appelliert aber auch an die Wirtschaft: „Der Fachkräfteengpass wird sich in Zukunft noch verschärfen, deshalb sollten die Unternehmen aktiv für ihre Ausbildungschancen werben.“ Im Endspurt für das neue Ausbildungsjahr sei noch einiges möglich. Für die Zukunft komme es vor allem darauf an, den Wert der Ausbildung – gerade gegenüber einem Studium – wieder neu zu unterstreichen.

Die Unternehmerverbandsgruppe mit ihren sechs Einzelverbänden und ihren rund 700 Mitgliedsunternehmen gehört zu den größten Arbeitgeberverbänden Nordrhein-Westfalens. Mit Sitz in Duisburg reicht ihr angestammtes Verbreitungsgebiet vom westlichen Ruhrgebiet (Duisburg, Mülheim, Oberhausen) über den Kreis Wesel bis an die niederländische Grenze (Kreis Kleve) und ins Münsterland (Kreis Borken).

– Pressemitteilung der Unternehmerverbandsgruppe in Duisburg –
Foto: Petra Grünendahl

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