Deutsche Oper am Rhein: Das Publikum feierte Richard Wagners Götterdämmerung zur Premiere in Duisburg

Aus der Not eine Tugend: Brillante Akustik macht Wagners Werk zum musikalischen Leckerbissen
Von Petra Grünendahl

Stehende Ovationen belohnten herausragende Sänger und Musiker nach einem grandiosen Opernabend. Foto: Petra Grünendahl.

Corby Welch (Siegfried), Alexandra Petersamer (Brünnhilde), Sami Luttinen (Hagen), Anke Krabbe (Gutrune), Richard Šveda (Gunther). Foto: Susanne Diesner.

Mit minutenlangem stehendem Schlussapplaus feierte das restlos begeisterte Publikum in der Mercatorhalle: Großartige Opernsänger und hervorragend aufspielende Duisburger Philharmoniker hatten in der konzertanten Aufführung von Richard Wagners „Götterdämmerung“ eine in jeder Hinsicht brillante Vorstellung abgegeben. Die hochklassige Vorstellung unterstrich wieder einmal den akustischen Feinschliff der Philharmonie Mercatorhalle, die das Werk zu einem besonderen Klangerlebnis machten. Sie unterstrich aber auch die Klasse von Sängern und Musikern! Mit 21 zusätzlichen Musikern konnte das Orchester unter der famosen musikalischen Leitung von Axel Kober so aufspielen, wie Wagner (1813-1883) es sich gewünscht hatte: Mit ihrer voluminösen Präsenz ließen sie auch ruhige Passagen der Komposition eindringlicher, ja wuchtiger erklingen als das im Theater Duisburg aus dem Orchestergraben der Fall ist. Selbst die Sänger, die vor dem Orchester (im Rücken des Dirigenten) auf der Bühne agierten (!), profitierten von der ungefilterten Akustik. Ihre Interaktion brachte szenischen Charakter in eine Aufführung, die hier auf Bühnenbild und Kostüme verzichten musste. Wer wegen der Nichtbespielbarkeit des Theaters seine Karte für diesen Abend zurückgegeben oder von einem Besuch wegen der Konzertanz der Aufführung Abstand genommen hatte, hat sich um ein Schmankerl gebracht, welches weder akustisch noch vom Bühnenspiel her Wünsche offen ließ.

Axel Kober, Duisburger Philharmoniker. Foto: Susanne Diesner.

Generalmusikdirektor Axel Kober bei der Generalprobe. Foto: Susanne Diesner.

Mit der Premiere der „Götterdämmerung“ schloss nun auch in Duisburg Richard Wagners Bühnenfestspiel „Der Ring des Nibelungen“. Wegen des Wasserschadens im April musste die Deutsche Oper am Rhein für die Aufführungen in die Philharmonie Mercatorhalle ausweichen: Ein Schritt, der von den begeisterten Besuchern gefeiert wurde. Die „Götterdämmerung“, die bei ihrer Entstehung den Arbeitstitel „Siegfrieds Tod“ trug, schrieb der Komponist als Libretto zuerst, bevor er die Vorgeschichte der Tetralogie (drei Tage und ein Vorabend) dazu verfasste. Die Komposition wiederum erfolgte vom Anfang der Geschichte zum Ende. Die Partitur zur „Götterdämmerung“ vollendete der Komponist über 26 Jahre nach Beginn seiner Arbeiten an dem Werk. Das Finale seiner Tetralogie feierte – ebenso wie der zweite Teil, „Siegfried“ – zur Einweihung des Bayreuther Festspielhauses 1876 seine Uraufführung. Auch in der konzertanten Fassung bietet die „Götterdämmerung“ ein grandioses Musiktheater von fast fünfeinhalb Stunden Länge (inkl. zwei Pausen). Gesungen wird in deutscher Sprache, Übertitel erleichtern das Verständnis der Handlung. Nahezu alle Sänger erlebte man hier in Rollendebüts. Gesanglich unterstützt wurden die Akteure von Chor und Extrachor der Deutschen Oper am Rhein unter der Leitung von Gerhard Michalski.

Das Ende der alten Ordnung

Aus der szenischen Aufführung in Düsseldorf:
Siegfried (Michael Weinius), Brünnhilde (Linda Watson). Foto: Hans Jörg Michel.

Das Publikum von den drei Nornen (Renée Morloc, Annika Schlicht, Barno Ismatullaeva) erfahren hat, dass Wotan, von Siegfried geschlagen und seines gesetzgebenden Speeres beraubt, in Walhall mit den Göttern das Ende erwartet. Währenddessen nehmen Siegfried (Corby Welch) und Brünnhilde (Alexandra Petersamer), von Wotan ihrer Göttlichkeit beraubt, nach ihrer Vereinigung Abschied. Siegfried schenkt ihr als Pfand seiner Liebe den Ring des Nibelungen und bricht zu neuen Heldentaten auf. Am Hof der Gibichungen drängt Bösewicht Hagen (Sami Luttinen), Sohn des Alberich (Stefan Heidemann), der den Nibelungen-Ring schmiedete, seine noch unverheirateten Halbgeschwister Gunther (Richard Šveda) und Gutrune (Anke Krabbe), für Nachkommen zu sorgen: Gunther preist er Brünnhilde an, die nur ein Held von ihrem Felsen holen kann.

Aus der szenischen Aufführung in Düsseldorf: Gutrune (Sylvia Hamvasi), Siegfried (Michael Weinius), Gunther (Bogdan Baciu), Brünnhilde (Linda Watson), Opernchor und Herren des Extrachors, Statisterie. Foto: Hans Jörg Michel.

Als der Jammerlappen Gunther Zweifel an seiner Heldenhaftigkeit äußert, gibt ihm der verschlagene Halbbruder den Rat, sich Siegfrieds zu bedienen. Gutrune solle ihn mit einem Trank an sich binden, so dass der Held für Gunther Brünnhilde erobert. Der naive Held, der durch den Trank Gutrunes Brühnnhilde vergessen hat, lässt sich darauf ein, für Gunther die Walküre zu gewinnen. Mit Hilfe der Tarnkappe, die er mit dem Ring zusammen vom Wurm Fafnir erbeutet hatte, gelingt die List, Brünnhilde vorzugaukeln, er sei Gunther. Er nimmt von der Walküre seinen Ring zurück, bevor er den Platz mit Gunther tauscht. Ihre Schwester Waltraute (Sarah Ferede) hatte Brünnhilde gebeten, den Ring den Rheintöchtern (Heidi Elisabeth Meier, Annelie Sophie Müller, Anna Harvey) zurückzugeben, da er durch den Fluch des Alberich nur Unglück bringe. Brünnhilde aber wollte Siegfrieds Liebespfand nicht hergeben. Nun hat der nichts ahnende, naive Held den Ring zurück und das Unglück nimmt seinen Lauf.

Aus der szenischen Aufführung in Düsseldorf: Siegfried (Michael Weinius), Brünnhilde (Linda Watson), Gutrune (Sylvia Hamvasi), Gunther (Bogdan Baciu), Opernchor und Herren des Extrachors. Foto: Hans Jörg Michel.

Als Gunther und Brünnhilde am Königshof der Gibichungen eintreffen, erkennt die Walküre in Siegfried den Helden, der sie erobert hat. Durch Gutrunes Trank um seine Vergangenheit gebracht, schwört Siegfried einen Meineid, den Brünnhilde ihm übel nimmt. Sie will seinen Tod, klagt ihn des Verrats an Gunther an und weiht nichts ahnend Hagen in die Schwäche des Helden ein. Der listige Hagen sieht sich am Ziel, kann er doch nun den unbesiegbaren Recken töten und den Ring seines Vaters zurück gewinnen. Die Rheintöchter bitten auch Siegfried vergeblich um die Rückgabe des Rings. Auf einer Jagd mit Siegfried und Gunther bringt Hagen den Helden dazu, sich an seine Vergangenheit – und damit an Brünnhilde zu erinnern. Gunther erkennt das Ausmaß von Hagens Intrigen, kann aber nicht verhindern, dass dieser den Recken tötet und Anspruch auf dem Ring erhebt. Als die beiden Männer zu Gutrune und Brünnhilde zurückkehren, um von Siegfried Tod zu berichten, bezichtigt Gunther seinen Halbbruder des Mordes. Hagen verteidigt sich, er habe nur Gunthers Interessen gedient, und fordert den Ring als Lohn. Brünnhilde erkennt, dass es nur einen Weg gibt, den Fluch zu brechen: Sie überantwortet den Ring dem Rhein.

Ein kleiner Vorgeschmack:

Und hier konzertant …

Weitere Termine im Theater Duisburg:
So | 12. Mai 2019 | 17:00 Uhr.
Der komplette Opern-Zyklus „Der Ring des Nibelungen“ wird im Theater Duisburg am 23. Mai (19.30 Uhr), 26. Mai (17 Uhr), 30. Mai (17 Uhr) und 2. Juni (17 Uhr) ebenfalls konzertant aufgeführt. Zum Abschluss kommt der Ring-Zyklus vom 16. bis 23. Juni im Opernhaus Düsseldorf noch einmal szenisch zur Aufführung. Für die nächste Spielzeit ist auch für Duisburg eine Wiederaufführung des kompletten Rings im Theater geplant. Beide Aufführungen des Ring-Zyklus sind aber jeweils nur komplett als Eintrittskarten zu haben.

Ensemble, Axel Kober, Duisburger Philharmoniker. Foto: Susanne Diesner.

Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Abendkasse öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten zwischen 19 und 66 Euro, die Vorstellungen des Zyklus liegen pro Vorstellung zwischen 19 und 76 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

© 2019 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Susanne Diesner (4), Hans Jörg Michel (3), Petra Grünendahl (1)

Über Petra Grünendahl

"Mich kann man nicht beschreiben, mich muss man erleben ;-)" . . . . . . . . . . . . Freie Journalistin aus Duisburg (Ruhrgebiet, Deutschland). . . . . . . . . . . . . . . . . IN*TEAM Redaktionsbüro Duisburg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Auto-Testberichte, Verkehrssicherheit, Binnenschifffahrt & Logistik, . . . . . . . Wirtschaft & Verbraucherthemen und vieles mehr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, Strategien & Konzepte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (Foto: Petra Grünendahl)
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